560 Hagen (Friede. Heinr. von der) Hagenau !
seine Kenntnisse der verschiedenen Malerschulen durch Selbstanschauung festzustellen und >zu erweitern; factisch wirkte er für Zwecke der Kunst besonders durch die von ihm ausge-gangene Stiftung des königsberger Kunstvereins im I. 1831 und des Stadtmuseums,womit zugleich Kunstausstellungen verbunden wurden. Am bekanntesten wurde er durchseine trefflichen „Künstlergeschichten", welche als Resultate der an Ort und Stelle empfan-genen lebendigen Anschauungen wie umfassender Studien zu betrachten sind, deren Gründ-lichkeit durch die geschickte novellistische Behandlung maskirt ist. Es erschienen davon inlangem Zwischenräumen „Norica" (Bresl. 1827), dem nürnbergerKunstleben gewidmet, .„Die Chronik seiner Vaterstadt vom Florentiner Ghiberti" (2 Bde., Lp;. 1833), worin lein wichtiger Abschnitt der florentin. Kunstgeschichte romanartig verarbeitet ist, „Wun- Ider der heiligen Katharina von Siena" und „Leonard, da Vinci in Mailand" (Lp;.1840). Namentlich gelang es ihm, durch eine fast an Schlauheit grenzende geschickte 'chronistische Behandlung wie durch die fast dramatisch lebendige Darstellung alle in derKunstgeschichte nicht speciell Bewanderte zu dem Glauben zu verleiten, als läge der Ghi-berti'schen Chronik ein echtes von ihm aufge.fundenes Manuskript zum Grunds. Einen !streng wissenschaftlichen Charakter behauptete seine in Verbindung mit A. N. Gebser her-ausgegebenc „Beschreibung des Doms zu Königsberg" (Königsb. 1880). Neuerdings er-schien von ihm „Peter von Cornelius. Ein Vortrag in der königlich deutschen Gesellschaftin Königsberg" (Königsb. 1844), worin indeß Sachkenner, neben vielen sehr treffende» iBemerkungen, in Bezug auf Cornelius' Aufenthalt in Rom, manche factische Jrrthümerentdeckt haben. Von H.'s dramatischen Arbeiten ist bisher noch keine.zur bühnlichen Dar- "stellung gelangt, obgleich ihnen H. eine besondere Liebe und Pflege gewidmet zu haben scheint.
Hasten (Friede. Heinr. von der), ordentlicher Professor der deutschen Sprache undLiteratur in Berlin, bekannt als.Herausgeber altdeutscher Dichtungen, geb. am 10. Febr. j1780 zu Schmiedeberg in der Ukermark, besuchte das Lyceum ;u Prenzlau und studirteauf der Universität zu Halle die Rechte. Nach der Rückkehr von der Universität arbeiteteer in Berlin zunächst im Stadtgericht und dann bei der Kammer. In Folge der damalige»Störung aller Verhältnisse in Preußen privatisirte er seit 1 800 , bis er > 8 1 o bei derUniversität in Berlin als außerordentlicher Professor der deutschen Sprache und Literaturangestellt wurde. Im I. 18 l 1 wurde er nach Breslau versetzt, > 82 l aber als ordentlicherProfessor nach Berlin zurückberufen. Unter den von ihm herausgcgebcnen Werken sindbesonders hervorzuheben „Das Nibelungenlied" (Berl. 1807; 3. Ausl., 1820), „Nar-renbuch" (Halle I8>>), „Nordische Heldenromane" (7 Bde., Berl. 1814—28), „Briefein die Heimat" (4 Bde., Bresl. 1818—21), „Gottfried von Strasburg's Werke" (2 Bde.,Berl. 1823), „Minnesänger. Deutsche Liederdichter des > 2., 13., 14. Jahrh." (3 Bde.,
Lvr. 1838, 4.), „Vom ungenähten Rock Christi" (Berl. 1844), ein altes Gedicht, und„Über die ältesten Darstellungen der Faustsage" (Berl. >844). Mit Büsching gab er her-aus den „Literarischen Grundriß der Geschichte der deutschen Poesie" (Berl. 1812), „Alt-deutsche Gedichte des Mittelalters" (Berl. 1808, 4.) und das „Museum für altdeutscheLiteratur und Kunst" (2 Bde., Berl. >800—10); mit Primisser „Der Helden Buch inder Ursprache" (2 Bde., Berl. 1820—24) und mit Habicht und Schall „Tausend undeine Nacht" (17 Bde., Bresl. >825) und „Tausend und ein Tag" (10 Bde., Prenzl.1826). Das „Jahrbuch der Berlinischen Gesellschaft für deutsche Sprache und Alter- >thumskunde" gibt er seit 18 3 5 heraus.
Hagenau, eine ehemalige kaiserliche Landvogtei im Elsaß, welche die Reichsstädte iHagenau, Kolmar, Schlettstadt, Weißenburg, Landau, Obernheim, Roßheim, Münsterim Georgenthale, Mühlhausen im Sundgau, welches sich 1715 losriß und mit derSchweiz verband, Kaisersbcrg und Türkheim (die sogenannten zehn Städte) in sich begriff,wurde 1423 von Kaiser Sigismund an Kurpfalz verpfändet, > 558 aber von Kaiser Fer-dinand I. wieder eingelöst und seitdem an nachgeborene Prinzen des Hauses Habsburg ver-liehen, bis sie im westfäl. Frieden an Frankreich kam. Die StadtH. im jetzigen franz.Departement Niederrhein an der Motter, mit ungefähr 0000 E., wurde in der Mitte des12. Jahrh. von Kaiser Friedrich I. gegründet und, weil sie zum Aufbewahrungsort für dieReichskleinodien bestimmt war, stark befestigt, sodaß sie in der Folge mehrmalige Belage-