Hagelsberg
-Hägen (Ernst Aug.)
Erwärmung der noch feuchten Erdoberfläche durch die mächtiger werdenden Sonnenstrah-len Wasserdämpfe entwickelt, nach oben geführt und dort rasch zu augenblicklich gefrieren-den Wassertropfen condcnsirt werden. Ähnlich ist vielleicht die Hagelbildung zu erklären;vielleicht sind aber auch die Kerne der Hagelkörner Waffertropfen, welche über stark erhitz-ten Stellen der Erde, von denen natürliche rasche Luftströmungen sich erheben, gebildet unddurch die bedeutende Verdunstungskälte, die unter diesen Umständen entsteht, während desHerabfallens zu Eiskörner verdichtet werden, die sich dann durch Anfrieren anderer Schich-ten beim weitern Fallen vergrößern. Etwas Sicheres läßt sich jedenfalls über die Naturdes Hagels noch nicht sagen. Die Zerstörungen, welche der Hagel auf den von ihm betroffe-nen Landstrichen, besonders durch Zerschlagen der Feldfrüchte, anrichten kann, sind sehrgroß; daher ist der Wunsch, Hagelableiter, analog den Blitzableitern, aufstellen zukönnen, natürlich, wozu es an Vorschlägen nicht gefehlt hat. Da aber ein solcher immernur wesentlich durch Elektricitätsableitung wirken könnte, in keinem Falle aber der HagelFolge der Elektricität ist, wie denn auch Blitzableiter nie das Gewitter zerstören, so ergibtsich von selbst das Unnütze aller dergleichen Vorrichtungen. Dagegen haben die nach Ana-logie der Feuerversicherungsanstalten und im Wesentlichen nach denselben Grundsätzen zubeurthcilcnden und meist auf Gegenseitigkeit gegründeten Hagelversicherungsan-sialten, wie sie für Mitteldeutschland besonders in Berlin und Leipzig bestehen, sehr we-sentlichen Nutzen gestiftet. — H a g e l nennt man auch gewisse Gattungen vonSchrot (s. d.).
-Hagelsberg, ein Dorf im bclziger Kreise des preuß. Regierungsbezirks Potsdam,ist wegen des am 27. Aug. 1813 zwischen dem franz. General Gcrard und dem prcuß. Ge-neral Hirschfeld unmittelbar nach der Schlacht bei Eroßbeeren (s. d.) vorgcfallenen hi-tzigen Gefechts merkwürdig. Gerard war nämlich nach dem Abmarsch der ihn einschliefien-deu Division Hirschfeld nach Potsdam am 21. Aug. mit 6000 M. aus Magdeburg vor-gerückt, um den Marschall Oudinot zu unterstützen, hatte den mit preuß. Landwehrtruppenvor ihm stehenden General Puttlitz zurückgedrängt, sich gegen Belzig gewendet,und erwartetenun zu Lübnitz Befehle von seinem Marschall, um vorzurücken. Älleinam27. griff der Ge-neral Hirschfeld, der von dem Schlachtfelde zu der Blockade von Magdeburg zurückkehrte,Gerard bei H. an, und es entspann sich ein heftiges Gefecht, in welchem die Preußen an-fangs wiederholt aus ihrer Stellung getrieben wurden, zuletzt aber, durch die Brigade Mar-witz und durch russ. Artillerie verstärkt, den Sieg erkämpften. Czernizcw verfolgte hier-aus mit seinen Kosaken den Feind, der an diesem Tage 2000 M. Tobte und Gefangeneund sieben Stück Geschütz verlor. Die Preußen berechneten ihren Verlust auf 1 l 00 M.
Hagen (Ernst Äug.), ordentlicher Professor der Kunst- und Literaturgeschichte zuKönigsberg in Preußen, bekannt als Kunstschriftsteller, Dichter und Novellist, ist derjüngste Sohn des Medicinalraths und Professors Karl Gott fr. H., geb. zu Königsberg>710, gest. daselbst 182», der mehre treffliche Arbeiten über Chemie, Botanik und Phar-macie geliefert hat. Geboren am > 2. Apr. 1797 zu Königsberg, bezog er 1816 die Univer-sität seiner Vaterstadt, um Medicin und Naturwissenschaften zu studiren, von denen er je-doch bald zu dem Studium der Kunst- und Literaturgeschichte überging. Noch währendseiner Studienzeit ließ er sein romantisches Gedicht „Olfried und Liscna" (Königsb. > 820)in zehn Gesängen erscheinen, worin selbst Goethe ein entschiedenes Talent anerkannte, wel-ches sich frei, heiter und dem behandelten Gegenstände völlig gewachsen zeige. Nachdem er>821 die philosophische Doctorwürde in Königsberg erlangt hatte, unternahm er eine grö-ßere Reise durch Deutschland nach Rom, von wo aus er, da sein Reiseplau nach Neapelund Sicilien durch die damaligen politischen Wirren vereitelt wurde, nach fast zweijähri-ger Abwesenheit in seine Vaterstadt wieder zurückkehrte. Während der Reise hatte er eineSammlung seiner „Gedichte" (Königsb. 1822) erscheinen lassen. Im I. 1824 eröffncteer seine Vorlesungen über Kunst- und Literaturgeschichte bei der Universität, wurde 1825außerordentlicher Professor und 1831 ordentlicher für die erwähnten beiden Lehrfächer;auch erhielt er zugleich die Aufsicht über die noch in der ersten Begründung sich befindendenKunstsammlungen. Eine zweite größere Reise unternahm er 1830 nach Paris, eine dritte1839 abermals nach Italien. Auf seiner Rückkehr schenkte er vorzüglich den neuern Kunst-werken Münchens seine Aufmerksamkeit. Alle diese Reisen unternahm er in der Absicht,