Druckschrift 
6 (1845) Gebler bis Heilsordnung
Entstehung
Seite
555
Einzelbild herunterladen
 

Hädsch

Hadschi Khalfa

555

Durch Abtretung des Landes jenseit des Euphrat gewann er von den Parthern Friedenund begab sich ll 8 nach Rom, wo ihn der Senat anerkannt hatte, und wo er sich durchFreigebigkeit gegen das Volk, wie durch grausame Strenge gegen seine Widersacher in derHerrschaft befestigte. Die Noxolanen, die in Dacien eingefallen waren, wurden durch Ge-schenke zum Abzug bewogen. Im I. > >0 trat er, um den Zustand der Provinzen kennenzu lernen, die berühmte Reise durch dieselben an, die er meist zu Fuß gemacht haben soll.Nachdem er Gallien, Germanien, Britannien, Spanien, Afrika,- Ägypten, Asien, Grie-chenland, wo er längere Zeit in Athen verweilte, und Sicilien besucht hatte, kehrte er > 2«nach Rom zurück. Bei einer zweiten Reise in den Orient im I. 130 verlor er seinen Lieb-ling Antino nus (s.d.)in Ägypten. Der Aufstand der Juden unter Bar Co ehba (s. d.),der bald nachher ausbrach, besonders durch die Änlage einer röm. Colonie Älia Capitolinaaus den Trümmern Jerusalems und das Verbot der Beschnekdung veranlaßt, wurde durchH.'s Feldherrn Julius Severus im I. > 35 unterdrückt. In Athen, für welches H. großeVorliebe hatte und dessen südwestlicher von ihm mit Bauwerken, namentlich durch denAusbau des Tempels des olympischen Jupiter, geschmückterTheil nach ihm benannt wurde,weilte er wieder in den I. >32 und >33 und kehrte erst, nachdem er nochmals den Orientbesucht hatte, nach Italien zurück, wo er seine letzten Jahre in Rom und Tibur verlebte. Eineschmerzhafte Krankheit, die ihn befiel und auch am >0. Juli >38 zu Bajä hinraffte, vcran-laßte gewaltsame Ausbrüche des Hangs zur Grausamkeit, welcher wie der zum Mistraiienund zur Wollust in seiner Natur lag. Nach dem Tode des Luc. Cejonius Commodus, dener unter dem Namen Luc. Älius Verus adoptirt hatte, war Titus Aurelius Antoni-»us(s. d.) Pius von ihm als Sohn und Nachfolger angenommen worden. Nicht ausFeigheit, die ihm fälschlich vorgeworfen wird, oder Trägheit war seine Politik eine fried-liche, vielmehr weil er die Nutzlosigkeit, ja das Verderbliche einer Erweiterung des Reichsund die Nothwcndigkeit für das Wohl des Innern zu sorgen erkannte. Die Grenzen wur-den namentlich in Germanien und Britannien, wo der sogenannte Pictcnwall von ibm her-rührt, befestigt, das Heerwesen verbeff rt und geordnet; die Gewalt des Senats wurdedurch schärfere Sonderung des geheimen Raths des Fürsten (concilüim princPis), die derMagistrate durch die für Feststellung des Rechts heilsame Abfassung des Lllict»,»tmim (s. Edict) beschränkt; Italien wurde in vier Theilen vier Consularcn untergeben,das Wohl der Provinzen durch strenge Beaufsichtigung der Statthalter und sonst geför-dert; gute Staatshaushaltung bot die Mittel zur Ausführung großer Bauten, von denen,nächst den athenischen, namentlich die Anlage mehrer Städte, deren wichtigste Hadriano-polis in Lhracien, das Mausoleum, das er sich in Rom errichtete (die sogenannte 5l»Iestt-ulrmiü, die Grundlage der jetzigen Engelsburg) und die dahin führende Älische Brücke,sowie die große prachtvolle Villa zu Tibur zu erwähnen sind. H. war ein Freund der bil-denden Künste, in deren Geschichte seine Regierung einen wichtigen Zeitabschnitt bildet,der Poesie, Philosophie und Beredtsamkeit, und versuchte sich selbst in Allem, nicht ohneEitelkeit und Eifersucht auf fremdes Talent, die den Anlaß zur Ermordung des Baumei-sters Apollodor gegeben haben soll. Die griech. Literatur schätzte er hoch, auch dem griecb.religiösenCultus, indessen eleusinischeMysterien ersieh hatte cinwcihcn lassen, war er holdund förderte das Eindringen desselben, aber auch des ägyptischen in Rom. Sein Bild,ausgezeichnet durch den Bart, ist in mehren Kunstwerken erhalten.

Hadsch, im Arabischen Pilgerfahrt, heißt bei den Mohammedanern die allen freienMoslemin beiderlei Geschlechts im Koran wenigstens einmal im Leben zur heiligstenPflicht gemachte Wallfahrt nach Mekka zum Grabe des Propheten, und Hädschi Der-jenige, der eine solche Wallfahrt für sich oder gegen Bezahlung für Andere unternommen hat.

-Hädschi Khalfa, eigentlich Mustafa-ben-Abd allah, bekannt auch unter demNamen KatibTschelebi, ist einer der bedeutendsten Historiker und Bibliographen derTürken. Er wurde in Konstantinopel geboren, und nachdem er mehre Jahre erster Secrc-tair und Finanzminister des Sultans Amurad IV. gewesen war, starb er daselbst I«>58.Sein Hauptwerk ist ein großes bibliographisches Lexikon,Xescbs ul tsmuün", in arab.Sprache, in welchem er die Titel von mehr als >8000 arab., pers. und türk. Büchern auf-zählt und kurze Notizen über das Leben der Verfasser hinzufügt. Eine auf sechs Bände