5-4 Habel» Hadrianus
Habel», ein durch die Eigenthümlichkeit seiner Verfassung und seiner Bewohnerausgezeichnetes Ländchen in der jetzigen hannöv. Landdrostei Stade, von 6 OM. frucht-baren Marschlandes, worauf an 20000 Menschen leben. Der Hauptort ist Ottendorf, amFlüßchen Medem, mit l 80V E. Das Land stand ehedem unter den Markgrafen von Stadeund kam dann an das welfische Haus. Bei Heinrich des Löwen Fall hielt sich H. zu Her-zog Bernhard von Sachsen und bildete unter den Nachfolgern desselben, welche es jedochI 114—80 an Hamburg verpfändet hatten, seit welcher Zeit auch Ritzcbüttel davon abge-trennt ist, einen Bcstandtheil des Herzogthums Lauenburg. Nach dem Absterben der Her-zoge im I. 1689 und nachdem die Succession lange streitig gewesen war, kam es an Kur-braunschweig. Wie es unter den lauenburg. Herzogen stets sowol in geistlichen als in welt-lichen Dingen als eine gesonderte Provinz betrachtet worden war, so verdankt es der han-növ. Negierung die Wiederherstellung seiner alten Gerichtsverfassung. Die Hadelcr, Nach-kömmlinge der chaukischen Sachsen, ein kcrnhafter Menschenschlag, sind sämmtlich freieBauern; sie haben stets den verderblichen Einfluß der Geistlichkeit von sich fern gehalten,ihren Adel aber schon vor der Reformation ausgetrieben, und so gehören sie'zu den Weni-gen, welche bis auf die neuere Zeit herab ihre altdeutsche Gcmeinfreiheit bewahrt.
Hades, s. Pluto.
Habik(Andr., Graf von), ein Zeitgenosse und Freund London's (s. d.), wurde17 l 0 zu Futak in Ungarn geboren, studirte anfangs die Rechte, nahm aber bald Militair-dicnste und machte 17 38 den Türkenkrieg mit. Schon 174-1 wurde er Oberst eines Husa-renregiments, an dessen Spitze er sich durch mehre kühne Streifzüge hervorthat. Im Sie-benjährigen Kriege trug er 1757 als Feldmarschalllieutcnant nicht wenig zur Entscheidungdes für die Preußen so verderblichen Treffens bei Görlitz bei, in Folge dessen er mit seinenUngarn und Kroaten ins Brandenburgische einfiel und Berlin brandschatzte. Seine Dienstebelohnte I 769 die Kaiserin durch Verleihung der schönen Herrschaft Futak. Im I. > 774wurde er Präsident des Hofkriegsraths. In hohem Alter trat er 1789 nochmals auf denKriegsschauplatz, indem ihm Kaiser Joseph ll. den Oberbefehl gegen die Türken anver-traute; doch mußte er seiner schwankenden Gesundheit wegen denselben bald niederlegenund starb 1790. H.war nie ein großer Feldherr, aber für den kleinen Krieg ganz geschaffen.
Hadrian ist der Name von sechs Päpsten. H. l., 772—795, sah die Erbfeinde derPäpste, die Longobarden, den Waffen Karl des Großen im J. 774 unterliegen und erlangtevon Letzterm, den er deshalb den neuen Konstantin nannte, die Bestätigung der Pipin'schenSchenkung.— H. ll., 867—872, weniger glücklich als sein Vorgänger, wurde, als ergegen die Theilung Lothringens zwischen Karl dem Kahlen und Ludwig dem Deutschen,sowie gegen die Absetzung des Bischofs von Laon Einsprache that, durch Hinkmar vonRheims derb zurechtgewiesen. — H. III., 884—885, sah die Parteikämpfe der ital. Gro-ßen losbrechen. — H. I V., 1154—59, ein Bettelknabe aus England, der sich zum Bi-schof von Albano aufschwang und zuletzt Papst wurde, begann nach kurzem Einverständ-nisse mit Kaiser Friedrich I., der ihm den gefährlichen Arnold von Brescia (s.d.) aus-lieferte, den langen Kampf der Päpste gegen die Hohenstaufen. - H. V., einer der schnell-wechselnden Nachfolger Gregor's X., regierte nur wenige Monate des1.1276. — H. VI.,vom Jan. 1522—Sept. 1523, der Sohn eines Handwerkers in Utrecht, war zuvor Pro-fessor in Löwen und der Lehrer Kaiser Karl's V. Als Papst wollte er ernstlich die Abstel-lung mäncher kirchlichen Misbräuche, ohne jedoch einen wesentlichen Erfolg zu erzielen.Unter ihm ging auch Rhydus an die Türken verloren.
Hadrianus (P. Alius), röm. Kaiser 117—I38n. Ehr., geb. imJ.76, verlor früh-zeitig seinen Vater, der Senator zu Rom war und aus der span. Stadt Jtalica stammte.Unter der Regierung Trajan's, der sein Vormund gewesen war und dessen VerwandteSabina er heirathete, verwaltete er die Hähern Staatsämter. Er begleitete den Kaiser aufseinen Kriegen gegen Deccbalus (s. d.) und, nachdem er die Provinz Pannonien ver-waltet, im I. 114 gegen die Parthcr und wurde von ihm im I. l 17 als Statthalter Sy-riens beim Heere zurückgelassen. Dieses rief ihn zum Kaiser aus, als die Nachricht nachAntiochia kam, daß Trajan auf seiner Rückreise nach Italien vom Tode übereilt, und daßH., was Trajan's Gemahlin Plotina vielleicht nur vorgab, von ihm adoptirt worden sei.