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Gymnastik Gymnosophisten 543
des > 5- Jahrh. zuerst in Preußen begonnene Reform des Gelehrtenschulwcsens ist nachund nach in allen deutschen Staaten bewirkt worden, und zwar so, daß den classischen Spra-chen das Übergewicht unter den Lehrgegcnständen gesichert, aber auch den Realien, na-mentlich der Mathematik, Physik, Naturgeschichte und Geographie, behufs der mehr dempraktischen Leben zugewendetcn Bildung, Raum gegönnt wird. Durch diese-Reform istden Gymnasien eine große Gleichförmigkeit der Einrichtung und Gestaltung zu Theil ge-worden, die gewiß viel Gutes hat, aber auch die Eigcnthümlichkeit und Mannichfaltigkeitder Entwickelung beeinträchtigt; die Aufsicht und Leitung der Kirche hat ganz aufgehört,und das Patronat ist völlig in die Hände der Staatsregicrung übergegangen. Weder diein den letzten Jahrzehnden, besonders durch Thier sch (s. d.) und den GymnasialprosessorKlumpp (s. d.) in Stuttgart veranlaßtcn Streitigkeiten über die Grenzen des humani-stischen Bildungsprincips und die vielfach laut gewordenen Rügen angeblicher Mängelin dem Gymnasialunterrichtc, noch der vor einigen Jahren durch Lorinscr(s. d.) ange-fachtc Streit über die Vernachlässigung der physischen Gesundheit in den Gymnasien, ha-ben wesentliche Umänderungen in der Organisation der Gelehrtenschulen herbeigeführt,nur daß seit dem letztem den Turnübungen wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird.Bemerkenswertst ist cs auch, daß in der neuesten Zeit mehre Gymnasien angcfangen haben,durch Veranstaltung von musikalischen Unterhaltungen und von Thcegesellschaftcn mitTanz während des Winters ihren Schülern Gelegenheit zu geben, sich gesellige Bildungund feineres Benehmen gegen das schöne Geschlecht anzueignen, wodurch sie sich bei dembetreffenden Publicum nicht wenig empfehlen, und es ist fast zu fürchten, daß diese Rich-tung allgemeinem Anklang finden werde.
Gymnastik heißt die Kunst, dem Körper durch Übungen nach,bestimmten RegelnGesundheit, Kraft, Ausdauer und Gcwandheit zu verschaffen, oder überhaupt die Kunstder Leibesbewegungcn. Wort und Sache sind griech. Ursprungs; denn in Griechenlandbildete man zuerst diese Bewegungen zur Kunst aus. Sic kam von den Kretcnscrn nachSparta und von da nach Athen, wo sie den rohen kriegerischen Charakter verlor. Manunterschied aber drei Arten Gymnastik: die kriegerische, welche sich auf Angriff und Ver-theidigung bezog, die diätetische, welche die Stärkung der physischen Kräfte und die Erhal-tung der Gesundheit bezweckte, und die athletische, die berühmteste unter allen, welche ihrenUrsprung dem Vergnügen verdankt und dem Verlangen, von seiner Kraft und Geschick-lichkeit öffentliche Beweise abzulegen. Die erste Art bestand in Übungen des Laufens zuFuß, Pferd und Wagen, im Springen, Ringen, Werfen und Bogenschießen; diezweiteArt vereinigte mit einigen der erwähnten Übungen noch Tanz, Ballspiel, Bäder und Sal-bungen; zur dritten Art gehörte Alles, wessen ein Athlet bedurfte, um in den öffentlichenSpielen den Sieg zu erhalten. Diese dritte Art nannte man bald Ath letik, weil dieÜbung in Kämpfen bestand, baldEymnik, weil man nackt kämpfte, bald Agon istik,weil das Ringen Hauptgegenstand der öffentlichen Spiele war. Platon schließt die Ath-letik von der Erziehung aus, zu welcher die Gymnastik gehörte. Die Athletik galt für einHandwerk, das oft den Körper verunstalte, dem Geist aber Vortheil bringe; die Gymnastikaber erstrebte Ausbildung des Körpers in Übereinstimmung mit dem Geiste. Die Leibes-bewegungen zerfallen überhaupt in zwei Elasten, nämlich in solche, die allein durch die ei-gene Bewegung des Körpers vollbracht werden, und in solche, zu denen noch ein fremdesBewegbares hinzukommt. Zu der ersten Elaste gehören Gehen, Balanciren, Laufen, Tan-zen, Springen (Völligeren), Klettern, Werfen, Schleudern, Ringen, Fechten und Schwim-men; zu der andern Reiten und Fahren. Sollen diese Übungen gesetzmäßig getrieben wer-den, so muß die Gymnastik von einer in den Gesetzen der Mechanik begründeten Theorieausgehen. Zn der neuern Zeit versuchte man diese kunstmäßig betriebenen gymnastischenÜbungen in Deutschland unter dem Namen Turnkunst(s. d.) wieder allgemein in denJugendunterricht einzuführcn.
Gymnosophisten, d. i. nackte Weisen, nannten die Griechen die alten ind- Weisen,welche ein zurückgezogenes Einsiedlerleben führten, nur wenige Kleidung trugen, sich stil-ler Betrachtung und strengen asketischen Übungen widmeten und bei den Indiern Bana-prasthas, d. i. Waldbewohner, genannt werden (s. Brahmanen).