534 Gute Werke Guts Muths
das franz. Gesetzbuch den Eheleuten die Wahl läßt, ob sie unter sich das röm. Dotalsystemoder das System der Gütergemeinschaft annehmen wollen. Das prcuß. Recht läßt dieGütergemeinschaft nur zu, wo sie in den besonder» Rechten der Provinzen und den Orts-statuten begründet ist. Nach dem östr. Gesetzbuche ist das Dotalsystem die Regel; dochkönnen durch Vertrag Eheleute die Gütergemeinschaft entführen. Gütergemeinschaft inganz allgemeiner Weise wollte der Communismus (s. d.) und Saint-Simonis-mus (s. d.) einführen.
Gute Werke sind nach dem Lehrbegriffe der evangelischen Kirche die aus dem Glau-ben, aus dem frommen Sinne von selbst hervorgehenden Thaten, die jedoch, weil sie demGesetze Gottes nie vollkommen entsprechen, kein Verdienst begründen. Bei der Polemikgegen die guten Werke, welche Ams d orf(s. d.) am weitesten trieb, hat immer ein Mis-verständniß obgewaltet, indem man darunter solche Werke verstand, die als verdienstlichoder gar als überverdienstlich gelten wollten.
Gutschmid (Christian Eotthelf, Freiherr von), einer der berühmtesten Staatsmän-ner Sachsens, geb. 1721 zu Köhren in der Niederlausitz, wo sein Vater Prediger war, stu-dirte anfangs zu Halle Th«ologie, dann zu Leipzig die Rechte. Nachdem er seit >756 alsakademischer Lehrer und Sachwalter in Leipzig aufgetreten war, folgte er 1758 dem Rufeals Hofrath und Geh. Referendar nach Dresden. Als solcher begleitete er >783 den Geh.Rath von Fritsch nach Hubertusburg zur Unterhandlung des Friedens. Nach Abschlußdesselben übernahm er die Bürgermeistcrwürde zu Leipzig, wurde aber noch in demselbenJahre als Assistenzrath und Jnstructor des Kurprinzen, nachmaligen Kurfürsten und Kö-nigs, Friedrich August, wieder nach Dresden berufen. Er unterrichtete denselben in denStaatswissenschaften und erwarb sich dessen Vertrauen in hohem Grade. Nachdem er un-tepder Administration 1766 zum Vicekanzler der Landesregierung ernannt worden war,erhob ihn Friedrich August nach seinem Regierungsantritte I77U zum Conferenzministerund 1790 zum Cabinetsminister und Staatssecretair. Er erwarb sich vielfache und großeVerdienste um Sachsen, und starb am 30. Dec. 1798. — Sein Sohn, Wilh-, Frei-herr von G., geb. 1761, starb als sächs. Conferenzminister zu Dresden am 2. Febr. 1839.
Guts Muths (Joh. Christoph Friedr.), einer der ausgezeichnetsten Pädagogen der zneuern Zeit, geb. am 9. Aug. 1759 zu Quedlinburg, besuchte das dasige Gymnasium, stu-dirte seit 1779 in Halle Theologie und kehrte >782 in seine Vaterstadt zurück, wo er wie-der Hauslehrer bei dem Leibarzte Ritter wurde, was er schon als Schüler gewesen war.
Der Tod Ritter's wurde Veranlassung, G. mit Sal zm ann (s. d.) zu befreunden, in des-sen neu gegründete Anstalt zu Schnepfenthal (s. d.) er Ritter's dritten Sohn, de»nachmals berühmt gewordenen Karl Ritter <s. d.), brachte. Salzmann erkannte G.'sausgezeichnete pädagogische Talente und gewann ihn für seine Anstalt, in welcher derselbeseit seinem Eintritte in diese Laufbahn besonders die physische Erziehung genauer ins Augefaßte. Da ihm Salzmann seit 1786 ausschlicßend die Leitung der Leibesübungen überließ,so wurde die Gymnastik ei» sorgfältig gepflegter Gegenstand des Unterrichts inSchnepsen-thal, und ging von hier, durch E. theoretisch und praktisch bearbeitet, in andere deutscheLehranstalten über. Seine „Gymnastik für die Jugend" (Schnepfcnthal >793) wurde inder zweiten Auflage (> 803) ein klassisches Hülfsmittel der Erziehung und die Grundlagealler später erschienenen ähnlichen Werke. Hatte er früher diesen Gegenstand nur aus demrein pädagogischen Standpunkte bearbeitet, so wurde er in den I. > 813—16 zu einem an-dern, dem vaterländischen und volksthümlichen, hingedrängt, und von vielen Seiten aufge-sodert, schrieb er sein „Turnbuch" (Franks. 1817), das selbst bei Staatsmännern großenBeifall fand. G. blieb den Richtungen fremd, die nachmals mit diesen Übungen verbun-den wurden und sie in einer Zeit des Argwohns und der Verdächtigung in schlimmen Rufbrachten, bis später die gute Sache den Sieg gewann. Seine Beschäftigung mit dem Stu-dium der physischen Erziehung führte ihn auch zur Bearbeitung der „Spiele zur Übungund Erholung des Körpers und Geistes für die Jugend" (Schnepfenthal 1796; 3. Ausl-,1802). Als eine Zugabe seiner Gymnastik erschien sein „Lehrbuch der Schwimmkunst"(Weim. 1798; 2. Aufl., 1833). Seine von Andern vielbenutzten „Mechanischen Neben-beschäftigungen für Jünglinge und Männer" (Altenb. 1801; 2.Aufl., Lpz. I8I6)machte