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6 (1845) Gebler bis Heilsordnung
Entstehung
Seite
531
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Gustav-Adolf-Stiftung 531

wie es auch im achten Jahre nach der Gründung geschah, als die bekannten kirchlichenWirren dringend an die Ausbreitung des Vereins gemahnt hatten.

Diese Ausbreitung hcrbeizuführcn, war indeß einem Manne Vorbehalten, der außerhalbdes Vereins stand. Sie wurde bewirkt durch den am 31. Oct. in der darmstädterAllgemei-nen Kirchcnzeitung" von dem Hofpredigcr Ür. Zimmermann in Darmstadt erlassenenAuf-ruf an die protestantische Welt", welcher genau einen ebensolchen Verein vorschlug, jedochsogleich die getadelte Bestimmung des durchgehenden Capitalistrcns vermied. AufdieAus-foderung der Gustav-Adolf-Stiftung vereinigte Zimmermann seine Bestrebungen so-gleich mit den ihrigen, und so wurde denn zur rechten Zeit die Einheit gesichert, ohne die dieIdee des Ganzen nie verwirklicht werden kann. Diesem bald in allen Zeitungen Deutsch-lands abgedruckten Aufrufe antworteten überall Stimmen der innigsten und rückhalt-losesten Theilnahme, und überall begann die Bildung von Vereinen. Zwei Hauptver-sammlungen, >832 in Leipzig und >833 in Frankfurt am Main, stellten in der FormEvangelischer Verein der Gustav-Adolf-Stiftung" den gemeinsamen Namen aller fürdiesen Zweck gebildeten Vereine fest und vollbrachten das Werk ihrer Organisation, nachwelcher aus der Menge der Localvereine einige alsHauptvereine" die THLtigkcit derübrigen concentriren und sie sämmtlich ihren Mittel-und Schlußpunkt in einemCcn-tralvorstande" finden, der seinen fortwährenden Sitz in Leipzig hat, dessen Mitgliederaber nur zu einem Theile Leipziger sind, während der andere Theil aus allen Gegen-den Deutschlands gewählt ist. Zugleich war die Herausgabe eines eigenen Vcreins-blatts unter dem NamenBote des Evangelischen Vereins der Gustav-Adolf-Stif-tung" beschlossen. In diesen allgemeinen Verhältnissen ist nichts geändert worden durchdie im Sept. >833 zu Göttingen gehaltene Hauptversammlung, die besoirders dadurchwichtig wurde, daß auf ihr die prcuß. Vereine sammt und sonders beitraten, ein Schritt,der von der ganzen protestantischen Kirche Deutschlands einhellig freudig ausgenom-men worden ist und den Verein um ein Bedeutendes dem Ziele näher geführt hat, einewenigstens deutsche Allgemeinheit darzrrstellen. Denn außer Deutschlcurd hat sich nochkein Verein ihm organisch angeschlossen, obgleich sein Privatcharakter dies als sehr leichtdenkbar darstcllt; die ähnlichen Vereine in der Schweiz sind nur auf eine regelmäßige Ge-schäftsverbindung mit dem großen deutschen Vereine eingcgangen. Um über ganz Deutsch-land ausgebreitet zu sein, bedarf es für den Gesammtverein blos noch in einigen wenigendeutschen Staaten der Bildung und Anschließung von Vereinen. In Baiern ist beidesverboten worden durch einen Befehl des Königs vom >0. Febr. >833, während nur wenigeTage später der König von Preußen, schon früher der König von Würtemberg, der Groß-herzog von Hessen und andere deutsche Fürsten sich für die Sache des Vereins erklärten.Die katholische Gegenwirkung, welche bis jetzt hervorgetreten ist, hat nur sehr unhaltbareGründe vorzubringen gewußt. Sic hat nämlich den Verein wie eine Feindseligkeit gegen dieröm.-katholische Kirche behandelt, welche die über den Confessionen stehende Staatsgewaltnicht dulden dürfe, ohne zu bedenken, wie viel sic zu weit geht, wenn sie von dem ihr Unange-nehmen der Existenz der protestantischen Kirche schließt, daß diese Kirche mit ihrer Existenz einVerbrechen begehe; zudem hat der Verein, der ja keineswegs mit der protestantischen KircheEins ist, jede feindselige Thal und jedes feindselige Wort gegen die röm.-katholische Kirchebisher mit Weisheit vermieden. Auch die meisten neuern gehässigen Darstellungen von Gu-stav Adolfs Leben, z. B- von Hüllmann, müssen als Material angesehen werden, aus demman Argumente gegen den Verein zu gewinnen suchte. Aber die Geschichte mag darüberentscheiden wie sie will, so bleibt das doch immer Thatsache, daß den Protestanten Conse-quenzen, die man aus einem so Übeln Bilde Gustav Adolfs zieht, nicht zur Last gelegt wer-den können, weil sie ein himmelweit verschiedenes Bild vor Augen hatten, als sic ihren Ver-ein nach ihm nannten. Auch dürfen wir nicht vergessen, daß die röm.-katholische Kirche inihrem Schoose Vereine hat, welche eine directe und kein Mittel scheuende Feindseligkeitgegen die protestantische Kirche offen bekennen und heilige Namen, sogar den des Heilands,dabei zu misbrauchen kein Bedenken tragen. Gegenwirkungen im Innern der protestanti-schen Kirche sind bald von rationalistischem, bald von bornirt orthodoxem Standpunkte aus-

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