Gustav-Adolf-Stiftung 529
Linkvping aufbrechen, um dort noch mehr Truppen an sich 'zu ziehen. Vor seiner Abreiseverlangte er von der Bank 2 Mill. Thlr.; als die Commissarien diese Zahlung verweiger-ten, und er am 13. März zu gewaltsamer Wegnahme des Geldes schreiten wollte, schiender Augenblick des Ausbruchs der Empörung gekommen. Noch einmal wollte der Feld-marschall Klingsporr im Verein mit dem General Adlercreuh und dem GeneraladjutantenSilfversparre den Weg gütlicher Vorstellung versuchen; doch G. beleidigte die Sprecherauf das empfindlichste, worauf Adlercreuh ihm den Degen abfoderte und ihn im Namender Nation zum Gefangenen erklärte. Schon am Nachmittag verkündigte eine Proclama-tion des Herzogs Karl von Südermauland, daß er die Regierung übernommen habe. G.zeigte hierbei eine stille Ergebung; er wurde Nachts um l Uhr nach Drottningholm, wäh-rend seine Gemahlin mit ihren Kindern in Haga bleiben mußte, und am 24. März nachGripsholm gebracht, wo er sich vorzüglich eifrig mit der Offenbarung Johannis beschäf-tigte. Hier stellte er am 29. Mär; eine Entsagungsacte aus, die endliche Bestimmung sei-nes Schicksals von dem Reichstage erwartend, in dessen erster Sitzung, am 19. Mai I8ÜS,man ihm Treue und Gehorsam feierlich aufsagte und sowol ihn als seine leiblichen, gebo-renen und ungeborencn Erben der Krone und Regierung Schwedens für immer verlustigerklärte, worüber eine förmliche Acte ausgefertigt wurde. Die Reichsstände setzten ihm,auf des neugewählten Königs Karl's XIII. Antrag, ein jährliches Einkommen für sich undseine Familie von 66666^ Thlrn. aus; auch sein Privatvermögen, das seiner Gemahlinund seines Sohns, verblieb ihm. Im I. l 824 wurde statt der Rente und zur Abfindungfür sonstige Federungen die Summe von 721419 Thlrn. an die Familie ausgezahlt. DochG. selbst hat für seine Person von Schweden nie etwas angenommen, sodaß er später beiseinem geringen Privatvermögcn oft in Verlegenheit gerieth. Den ihm bestimmten Aufent-halt auf der Insel Wisings-Oe bezog er nicht, sondern ging am 6. Dec. 1899 nachDeutschland und von da nach der Schweiz, wo er zu Basel unter dem Namen eines Gra-fen von Gottorp lebte. Später trennte er sich freiwillig von seiner Gemahlin und seinenKindern, reiste ohne bestimmten Zweck umher, begab sich l 810 nach Petersburg und >81 lnach London, ließ sich 1811 von seiner Gemahlin scheiden und rüstete sich 1814 in Baselzu einer Reise nach Jerusalem, kehrte jedoch aus Morea zurück. Dem wiener Congreß ließer im Nov. 1814 eine Erklärung überreichen, in welcher er die Rechte seines Sohns aufden schweb. Thron in Anspruch nahm. Später nannte er sich Oberst Gustafs son,wurde 1818 Bürger in Basel, privatisier l 827 —29 in Leipzig, ging dann nach Hollandund lebte später in Aachen, zuletzt in Sanct-Eallen, von wo aus er 1836 sich verbat, künf-tig mit seinem vormaligen Titel aufgeführt zu werden. Er starb am 7. Febr. 1837. ZurWiderlegung einiger Behauptungen des Artikels „6. ^clolplie" in der „RioFrspbie ciesOontemporains" und in Segur's „Histoire cie Napoleon et lle la Francis armöe", schrieber das „-löinnriai ciu Oolvnei 6»staksson" (Lpz. 1829; deutsch, Lpz. 1839); außerdemnoch „Nouvelle consiciersliau sur >a libertö illimitee cie ia presse" (Aach. 1833) und„lüs jonrnee «iu 13.5lsrs 1899" (Sanct-Gall.1835). — SeinSohn Gustav führt denTitel eines Prinzen von Wasa (s. d.). Seine drei Töchter wurden von ihrer Mutter,welche am 25. Sept. 1826 in Lausanne starb, trefflich erzogen und die älteste, SophieWilhelmine, 1819 mit dem jetzt regierenden Großherzog Leopold von Baden vermählt.
Gustav-Adolf-Stiftung (Evangelischer Verein der). Gründer dieses Vereinswurde der Superintendent von Leipzig, vr. Großmann (s. d.), im I. 1832 dadurch,daß er in Verbindung mit mehren seiner Mitbürger eine Auffoderung ergehen ließ, jähr-lich Geldbeiträge in dem Betrage von sechs Pfennigen der Kopf zusammenzuschießen undmit diesen Mitteln solche evangelische Gemeinden in nicht evangelischen Gegenden zur He-bung ihrer kirchlichen Wohlfahrt zu unterstützen, die, seien sie erst im Entstehen oder be-ständen sie schon längere Zeit, durch ihre Entfernung von Glaubensgenossen oder An-dern, die sie hinreichend unterstützen könnten, in Verwahrlosung gerathen wären oder dieMittel zu kirchlichem Leben und kirchlicher Kindererziehung gänzlich entbehrten. Die Ver-anlassung, den Verein nach dem König GustavII. Ado lf(s.d.) von Schweden zu nennen,lag in seiner secundairen Bestimmung, ein lebendiges Denkmal dieses Helden zu sein, derEonv.-Lex. Neunte Aufl. VI. 34