. Gustav IV. Adolf (König von Schweden) 527
Nachdem er noch in den folgenden Tagen mit Geistesgegenwart die nöthigsten Geschäftegeordnet, Armfclt (s. d.) zum Oberstatthalter von Stockholm ernannt, und den Befehlunterzeichnet hatte, seinen Sohn Gustav IV. Adolf (s. d.) zum König auszurufcn, starber am 29. März >792. Vgl. D'Aguila, „tlistuire ein regne <Ie Oustsve III" (2 Bde.,Par. > 815). Sein tragisches Ende benutzte Scribe zu einer Oper, die von Auber compo-nirt wurde. G. war nicht ohne Einfluß auf die vaterländische Literatur. Gleich seinemOheim, Friedrich II. von Preußen, entschieden für das Französische eingenommen, war erdeshalb der schweb. Literatur keineswegs abgeneigt, sondern suchte dieselbe vielmehr zu he-ben. Er selbst schrieb in schweb. Sprache mehre Elegien und Schauspiele, welche hinsicht-lich der Sprachreinheit und Richtigkeit der Auffassung musterhaft sind, aber wenig Ori-ginelles haben. Seine Gedächtnißrede auf Torstenson, die er anonym bei der schweb. Aka-demie überreichte, wurde von derselben mit dem ersten Preise gekrönt, obschon nur drei Mit-glieder um das Geheimniß gewußt haben sollen. Eine Sammlung seiner „Oeuvres f>nli-ti<i»es, ütteruires et llrruusti(),ies" wurde von Dechaux (5 Bde., Par. 1895; deutsch imAuszuge von Rühs, 3 Bde-, Berl. 1895—8) veranstaltet. .Alle seine Papiere hatte erbefohlen, in Kisten verschlossen auf der Universitätsbibliothek zu Upsala aufzubewahren, wosie erst nach fünfzig Jahren durch einen König seines Geschlechts geöffnet werden sollten,welches letztere nun freilich nicht geschehen konnte. Diese Eröffnung fand am 29. März18-12 statt, und es erhielt zunächst der Profeffor Geijer den Auftrag, die Papiere zu verzeich-nen und über den Inhalt an den König zu berichten. Während dieser Arbeit gewannendieselben noch einen sehr bedeutenden Zuwachs durch eine Sammlung von ungedrucktenSachen über G. s III. Regierung, die gegen Ende des I. 1842 der Kammerherr NilsTersmeden der Universitätsbibliothek zu Upsala übergab. Dieselben waren nach dem Todedes Königs in einer versiegelten Kiste von dem Landeshauptmann Rosenstein bei den Reichs-ständen niedergelegt, nach dessen Tode dem Erzbischof Rosenstein übergeben und endlich indie Hände Tersmeden's, eines Verwandten der Rosenstein'schen Familie, gelangt. Außer demofficiellen Berichte hat Geifer auch öffentlich über diese gesammten Papiere berichtet in der aufdrei Bände bestimmten Schrift „LnniinF 6»staf III's ekterlemnutle ock lemtig ur elte-rIluns <Iö,I »z»z»,u<le pspper" (Bd. I und 2, Ups. > 843; deutsch von Creplin, Hamb. 1843—44). Dieselben lassen sich in drei Elasten theilen. Die erste und zahlreiche besteht inBriefen, die jedoch nur zum kleinsten Theil vom König selbst herrühren; die zweite aus desKönigs eigenen Aufsätzen historischen und politischen Inhalts, meist nur skizzenhaft undsämmtlich in franz. Sprache; die dritte aus Staatsschriften verschiedener Art. So vielesInteressante für die schweb. Geschichte und insbesondere für die Geschichte und Charakter!-stik G.'s III. diese Papiere auch enthalten, so kann man doch behaupten, daß es nicht einesfünfzigjährigen Wartens bedurft hätte, um dieselben ohne Nachtheil zu veröffentlichen.
Gustav IV. Adolf, König von Schweden 1792— 1899, geb. am I. Nov. 1778,wurde nach seines Vaters, Gustav's III., Tode am 29. März 1792 zum König ausgeru-fen. Während seiner Minderjährigkeit führte sein Oheim und Vormund, der Herzog Karlvon Südermanland, der nachmalige König Karl XIII. (s. d.), die Negierung, die G. aml. Nov. 1796 selbst übernahm. Der junge König war nicht ohne Talente und besaß vielnatürliche Herzensgüte; aber die feste Beharrlichkeit, die sein Vater, der ihn nach Rous-seau'schen Grundsätzen erzog, ihm hatte einpflanzen wollen, hatte sich zur eigensinnigen Un-beugsamkeit ausgebildet, und der von seinem Vater geerbte Hang zum Ritterlichen, sowiedie an ihm frühzeitig hervortretende Neigung zur Abergläubigkeit verleitete ihn zu aben-teuerlichen Unternehmungen und für Andere unbegreiflichen Entschlüssen. Bei seinem Re-gierungsantritt ließ er sich zwar die Souverainetät, wie sie sein Vater errungen hatte, aufdem Reichstage zu Nörköping bestätigen, dagegen änderte er gleich anfangs Vieles in beizseither befolgten Regierungsgrundsätzen und hob manche weise Anordnung, die sein Oheimgetroffen hatte, wieder auf. Bereits mit einer Prinzessin von Mecklenburg versprochen, ludihn 1796 die Kaiserin Katharina nach Petersburg ein, in der Absicht, ihn mit ihrer En-kelin Alexandra Paulowna zu vermählen. Schon war Alles zu dieser Vermählung vorbe-reitet, als der König sich weigerte, den Ehecontract zu unterzeichnen, weil man Punkte dar-in ausgenommen, die er der Kaiserin nicht zugeflehen wollte. Nichts konnte seine Weige-