Gustav UI. (König von Schwede»)
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Verderblichkeit der Parteiwirren Schwedens und wußte durch Flugschriften und münd-liche Verbreitung seiner politischen Ansichten allenthalben Unzufriedenheit mit der bestehen,den Verfassung zu erregen. Diese Unzufriedenheit wurde noch dadurch gemehrt, daß Ge-treidemangel eintrat, den man der Fahrlässigkeit des Reichsraths Schuld gab, daß die Par-teien im Staate mehr als jemals in Zwietracht unter sich geriethen und daß die Partei derHüte durch die der Mühen sich überflügelt sah. Unter dem Vorwand, neue Manoeuvreseinzuführen, versammelte derKönig eine Zahl von 200 besonders jungen Offizieren täglichum sich, die durch seine Freundlichkeit und Milde gewonnen, sehr bald eine Verbindung zu sei-nen Gunsten bildeten. Vorzüglich thätig war in der Hauptstadt Oberst Sprengpvrten, bisihn der Argwohn des Reichstags nach Finnland verbannte; in den Provinzen wirkten Ab-gesandte des Königs bei den Regimentern. Auch einige bedeutende Männer, unter Anderndie Grafen Hermanffon und Scheffer, hatten sich mit dem Könige vereinigt. Nachdem eineneue Verfassung entworfen war, wurden die Rollen so vertheilt, daß die Brüder des Kö-nigs, der ältere Karl in Schonen, der jüngere Friedrich in Ostgothland, und Sprengpvrtenin Finnland die Revolution leiten sollten, die der König in der Hauptstadt beginnen werde.Dem Plan gemäß kündigte zuerst am > 2. Aug. 1772 der Commandant von Christianstad,Hauptmann Hellichius, einer der treuesten und kühnsten Anhänger des Königs, den Reichs-ständen durch ein förmliches Manifest den Gehorsam auf. Alsbald zog der Prinz Karldie Regimenter in der Nachbarschaft zusammen und erschien mit denselben vor Christian-stad; da jedoch seine Auffoderung zur Übergabe fruchtlos blieb, so begann eine scheinbareBelagerung und Vertheidigung. Der König benahm sich nach diesem Vorfälle so gleich-gültig, daß er allen Argwohn des geheimen Ständeausschusses, der sogleich energischeMaß-regeln gegen die Empörung getroffen hatte, völlig zerstreute. Am I!>. Aug. 1772 kam eSim Reichsrathe zum ersten Mal zwischen ihm und einigen Reichsräthen zu einem lebhaftenWortwechsel. Jeht warf er die Maske ab und vollendete zu Stockholm die Revolution, diezu Christianstad begonnen hatte. Er ging auf die Wachparade; nach der Rückkehr insSchloß, wohin ihn viele Offiziere begleiteten, schilderte er denselben seine und des Vater-landes Bedrängnisse und die Nothwendigkeit, die angemaßte Gewalt der Aristokratie zuvernichten und foderte sie in feuriger Rede zur Unterstützung seines Plans auf. Drei aus-genommen, denen er den Degen abfodcrn ließ, leisteten Alle den Eid der Treue und des Ge-horsams. Indem ihnen nun der König seine fernem Befehle gab, band er um den linkenArm ein weißes Tuch, als das Zeichen, an welchem er seine Freunde erkennen würde. Hier-aus begab er sich, umringt von einer großen Volksmenge, auf den Nordermarkt, wo derübrige Theil der Leibwache, und von da in den Zeughof, wo das Artillerieregiment ihm hul-digte, ließ die Truppen sich mit Kanonen und Schießbedarf versorgen, befahl die Verhaftungder Mitglieder des Reichsraths, welche in den Straßen Stockholms Bürger und Soldatenzum Kampf gegen den König auffoderten, und empfing den Beifallruf des Volks und dieHuldigungen der Verwaltungsbehörden und der Admiralität.
Sv wurde die Verfassung binnen wenig Stunden beseitigt, und schon am folgenden Tageleisteten der Stadtrath, die Cvllegien und die Bürgerwache in Stockholm den Ünterthanen-eid. Um die neue Verfassung durch die Stände anerkennen zu lassen, wurden sie auf den21. Aug. mit der Drohung, daß jeder Ausbleibende als Landesverräther bestraft werden'olle, 'u einer allgemeinen Versammlung auf das Schloß beschicken. Der Schloßhof warmit Militair besetzt, gegen den Versammlungssaal Kanonen aufgepflanzt und zu jederKanone ein Artillerist mit brennender Lunte in der Hand gestellt. Der König erschien miteinem zahlreichen Gefolge von Trabanten und Offizieren und mit ungewöhnlichem Pomp,schilderte in einer kraftvollen Rede das seitherige Verderbniß des Reichs, die Fehler derStände und die Nothwendigkeit einer Reform und erklärte seine Absicht, an die Stelle desseitherigen Aristokraten-Despotismus eine gemäßigte Monarchie, wie sie unter GustavAdolf und vor dem I. I ti 80 bestanden hatte, zu setzen. Hierauf ließ er die neue Verfassungverlesen, die sofort genehmigt und durch Unterschrift und Eid bekräftigt wurde. Fast alleStaatsdiener blieben in ihren Ämtern, die Verhafteten wurden in Freiheit gesetzt, die Revo-lution war geendigt, und derKönig, die neuerrungene Gewalt weislich und mit Mäßigunggebrauchend, schien keinen andern Zweck im Aug« zu haben als die Beglückung seines