524 Gustav M. (König von Schweden)
geben, weil er wie ein Vater für sie sorgte, jedes Verdienst beachtete und belohnte und unter ^und mit ihnen sich jeder Gefahr und Mühseligkeit unterzog. Wie er selbst für Gottesfurchtbegeistert war, so suchte er auch seinen Soldaten diesen Sinn einzuhauchcn, ordnete beijedem Regiments Feldvrediger an, ließ tägliche Betstunden halten und wachte sorgsam übergute Zucht und Sitte. Über die Absichten, die G. bei seinem Kriegszuge nach Deutschlandhegte, sind von jeher die Meinungen verschieden gewesen. Während nämlich die katholischenSchriftsteller nicht ohne gehässige Feindseligkeit seinem Unternehmen nur die Beweggründegereizter Empfindlichkeit und politischer Habgier unterlegen wollten, behaupteten anderer-stits die Protestanten voll dankbarer Bewunderung, daß sein religiöses Gefühl und seinelebendige Anhänglichkeit an den protestantischen Glauben allein ihn zum Kriege gegen den ?Kaiser, der ohne sein Dazwischenkommen den letzter» vernichtet haben würde, getrieben >Härten. Doch scheinen beide Ansichten einseitig. Politische Gründe vereint mit feurigemGlaubenseifer waren ohne Zweifel die Motive seines Heldenunternehmens, zu denen sich, iwie es scheint, ein drittes, der nvrmännische Geist, die Lust an Abenteuern und kühnen !Fahrten, die den jungen Helden trieb, in Anschlag gebracht werden muß. Erst als dasGlück ihn so staunenswerth begünstigte, als er im raschen Fortschreiten Eroberungen aufEroberungen häufte und die wichtigsten Länder und Städte Deutschlands in seinen Händenhatte, scheinen höher strebende Wünsche in ihm emporgekommen zu sein und die Huldigun-gen, die er an mehren Orten annahm, die Vertheilung einzelner deutscher Länder als schweb.Lehen, das Zurückbehalten anderer für sich scheinen auf den Plan hinzudeuten, daß er pro-testantischer Kaiser werden wollte, ein Wunsch, den ihm Niemand verdenken und der denHellen Glan; nicht zu verdunkeln im Stande sein wird, welcher von diesem Charakter aus jin die Geschichte strahlt. In Upsala ist ihm ein Obelisk als Denkmal errichtet; doch einbeiweitem großartigeres Denkmal fand er in Deutschland durch die, wenn auch ziemlichzufällig nach ihm benannnte Gustav-Adolf-Stiftung (s. d.). Vgl. Nango, „E. '
Adolf der Große, König von Schweden. Ein historisches Gemälde" (Lpz. >824) und !Sparfeld, „G. Adolf" (Lpz. 1844). !
Gustav III., König von Schweden 1771—92, geb. am 24. Jan. >746, war derälteste Sohn Adolf Friedrich's, desHerzvgs von Holstein-Eottorp, nachmaligen Königs vonSchweden, und Luise Ulrike's, einer Schwester Friedrich's II. von Preußen. Die glücklichenAnlagen, mit welchen G. ausgestattet war, entwickelten sich unter der Leitung der GrafenTessin und Scheffer ebenso rasch als kräftig und ein Heller durchdringender Verstand, tiefeEinsicht in alle politischen Verhältnisse, sowie eine hinreißende Beredtsamkeit und bezau-bernde Freundlichkeit und Milde waren, neben glühendem Ehrgeiz und Thatendrang, dieEigenschaften, die schon frühzeitig an dem Prinzen hervortraten. In Schweden hatten indieser Zeit zwei aristokratische Parteien, die Harnische und die Gyllenborgische, bekannt unter ^den Namen der Mützen und Hüte, die höchste Staatsgewalt an sich gerissen; jene wurdedurch Rußland, diese durch Frankreich geleitet. Beide strebten gemeinsam, obgleich sie sonst jim feindseligen Widerstreite standen, dahin, den Königsthron seiner Prärogative mehr und !mehr zu entkleiden und an die Stelle der noch übriggebliebenen königlichen Gewalt einenoch unumschränktere Herrschaft des Adels zu setzen. Kaum hatte G., nach seines VatersTode, am > 2. Febr. >771 den Thron bestiegen, als er, geleitet von Frankreichs Rathschlä- igen, den Plan faßte, mit Unterstützung des Bürger - und Bauernstandes, deren Gesinnungcr auf einer Reise durch Schweden 1768 näher kennen gelernt hatte, und unter Beihülfeder unternehmender» jünger» Offiziere, welche für seine Absichten gewonnen waren, dieAdclsaristokratie zu stürzen. Doch hielt er mit seinem Entschluß geheim, um, bis der rechteAugenblick gekommen, Alles vorzubereiten. Er äußerte sich daher in seinen öffentlichenReden mit Gleichgültigkeit über seine Hcrrscherrechte, versuchte scheinbar d'ie getrenntenParteien zu versöhnen, unterschrieb ohne Weiteres die neue Versicherungsacte vom 5. März4 7 7 2, welche die königliche Gewalt noch mehr einschränkte, und beobachtete bei allen Ge- ^legenheiten den Schein der größten Aufrichtigkeit und Ergebenheit gegen den Reichstag.Jm.Skillen aber suchte er das Volk und das Militair auf seine Seite zu ziehen. Freund- !lieh und gern empfing er Die, welche sich ihm mit Klagen oder Wünschen nahten, gewährte ^ihnen, wo er konnte, Beistand, redete oft, eindringlich und stets in schweb. Sprache, von der >