522 Gustav H Adolf (König von Schweden)
zu haben, die eingczogencn Kirchengüter mit ihm, später aber schloß er ihn von der Lheil-nahmc daran aus und setzte ihm namentlich dadurch Schranke», daß er dem Bürger- undBauernstände Sitz und Stimme auf dem Reichstage cinräumtc. Die mancherlei Ver-schwörungen, die sich in Folge seiner energischen Regicrungswcise während der Zeit seinerHerrschaft, zuerst auf Anregung der beleidigten Geistlichkeit, endlich sogar von Seiten derDalbauern gegen ihn erhoben, wurden durch seine Wachsamkeit stets zu rechter Zeit ent-deckt und durch seine Klugheit und Macht vereitelt. Vorzüglichen Antheil an seinen Pla-nen und Handlungen hatte sein Geh. Rath Konr. Pcutninger oder von Pyhy, wie er sichselbst nannte, der aber >543 gestürzt wurde. Um sich von der drückenden Handelsherr-schaft der Hanse zu befreien, kämpfte er sechs Jahre lang erfolgreich mit Lübeck und schloßeinen Handelstractat mit England und den Niederlanden; zur Behauptung Finnlandsführte er >555 — 57 einen glücklichen Krieg mit Rußland. Seinen Sohn erster Ehe,Erich XIV., bestimmte er zum Thronfolger, jedoch so, daß unter ihm seine Söhne zweiterEhe, für die er eine große Vorliebe hegte, Johann Finnland, Magnus Ostgothland undKarl Südermannland mit Nerike und Wcrmland, jedoch ohne Souverainetät, regierensollten. Er starb am 29. Sept. 1599. Für die Wohlfahrt seines Reichs war er von An-fang an sehr thätig. Er befestigte die Städte Kalmar, Elfsburg, Zönköping, baute das in,dän. Kriege zerstörte Gothenburg wieder auf, verbesserte die Ecrcchtigkeitspflege und dieEinrichtungen des Berg-, Münz- undZollwescns, führte fünf Neichscollegien, nämlich derZustn, des Kriegs, der Admiralität, der Kanzlei und der Kammer, ein, hals dem schweb.Handel durch Anknüpfung von Verbindungen mit Holland und Errichtung einer Han-delsgesellschaft nach Ost; und Westindien wieder auf, gründete Kirchen und Schulen, stif-tete die Universität zu Abo und zog Gelehrte, unter Andern den berühmten Hugo Gro-tius, nach Schweden. Vgl. Archenholz, „Geschichte G. Wasa's" (2 Bde., Tüb. l 89 l) und(Fryxell), „Leben und Thaten G.'sl. Wasa" (deutsch von Ekendahl, Neust, a. d.O- >831).
Gustav II. Adolf, Schwedens größterMonarch und Deutschlands Retter, geb. am9. Dec. >594, war ein Sohn Karl'sIX., der nach der Entsetzung Sigismund's den schweb.Thron bestieg, und der Prinzessin Christina von Holstein und ein Enkel Gustav s I- Milherrlichen Anlagen ausgestattet, empfing er die sorgfältigste Erziehung und erlernte früh-zeitig nicht nur alle ritterlichen Geschicklichkeiten, sondern auch unter den Sprachen außerder deutschen und d»r schwedischen die lat., ital. und franz-, die er alle mit Geläufigkeitsprach, und unter den Wissenschaften besonders Mathematik und Geschichte. Schon alsKnabe hatte er seinen Vater auf dessen Reisen und Feldzügen begleitet. Als er nach desVaters Tode >611, erst >7 Jahre alt, durch die Mündigkeitserklärung der Stände die Re-gierung übernahm, bildete er sich in den Kriegen mit den Dänen, Russen und Polen zumgewandten Staatsmann und erfahrenen Feldherrn. Zugleich erkannte sein scharfer Blicksehr bald in Axel Oxxnstierna (s. d.), dem jüngsten unter den damaligen Ncichsräthcn,den großen Staatsmann, dessen Rach er in den schwierigsten Lagen folgen dürfte, ernannteihn zu seinem Staatskanzler und verband sich mit ihm durch die innigste Freundschaft.Durch sein mildes und leutseliges, aber kräftiges und würdevolles Verfahren gewann ergleich anfangs die Liebe seines Volks, indem er zugleich unter zarter Schonung gegen dasAndenken seines Vaters einen Theil der von diesem begangenen Ungerechtigkeiten wiedergut zu machen suchte. Unter den drei Kriegen, die ihm derselbe als Erbschaft hinterlassenhatte, suchte er den mit Dänemark, der im Mittelpunkte seines Reichs geführt wurde, zu-erst beizulegcn. Nach harten Kämpfen, unter welchen das Gefecht auf dem Eise am > >.Febr. 1612, wo er selbst in Lebensgefahr gerieth, das merkwürdigste war, gelang es ihm,unter Englands Vermittelung, den Frieden zu Siöröd am >6. Jan. >6>3 abzuschließen,in welchem er gegen Zahlung von einer Mill. Thlr. alles von den Dänen Eroberte zurück-erhielt. Von dem gefährlichsten seiner Feinde befreit, wendete er nun seine Waffen sogleichgegen Rußland. Hier hatten bereits die Schweden unter Jakob Graf de la Gardie großeVorthcile erlangt, die durch G.'s Theilnahme am Kampfe im Sommer >614 so überwie-gend wurden, daß der Zar Michael sich zum Frieden zu Stolbowa vom 27. Febr. >617genöthigt sah, durch welchen Kexholm, Karelen und Jngermannland an Schweden abge-treten und diesem auch der Besitz von Esthland und Licfland zugesagt wurde. Inzwischen