Druckschrift 
6 (1845) Gebler bis Heilsordnung
Entstehung
Seite
516
Einzelbild herunterladen
 

516 Günther (Graf von) Günther Friedrich Karl

Jak. Paul, Freiherr von G-, geb. am Ist. Aug. >67.1 zu Hersbruck, wohin sich seineMutter wegen Kriegsgefahr geflüchtet hatte, studirte zu Altdorf, Helmstedt und Jena, be-reiste dann Holland und England, und wurde 1705 Professor an der Ritterakademie zuBerlin. Als der König Friedrich Wilhelm I., der weder Gelehrte noch Gelehrsamkeit son-derlich schätzte, von G.'s gründlichen historische» Kenntnissen hörte, glaubte er in ihm einenbrauchbaren Zeitungsreferenken und Historiographen zu finden und ernannte ihn zu diesenWürden. Auch war G. gar nicht ungeeignet dazu; allein sein Stolz, seine Pedanterie undlinkische Steifheit machten ihn zum Gespötte des Hofes. Seine übertriebene Neigung zun, jTrunk und sein zänkisches Benehmen im Zustande der Trunkenheit machten ihn noch- .

cherlicher, sodaß er bald zum Hofnarren herabsank, wenn er auch diesen Titel nicht führte. 1

Zur allgemeinen Belustigung erlaubten sich mit G. die vornehmsten wie die nieder« Hof- ^leute die plumpsten und entehrendsten Scherze. Aus Spott erhielt er eine Menge Titelder höchsten Staats - und Hofämter; einfaltig genug, fühlte er den Spott nicht und wurdenur noch stolzer. Auch war er Mitglied des Tabackscollegiums Friedrich Wilhclm's. Inden letzten Jahren seines Lebens kam er nur selten zur Besinnung. Er starb zu Potsdamam I I.Apr. 1731 und wurde aus Kurzweil zu Bornstädt in einem Wcinfasse begraben. !

Günther, Graf von Schwarzburg, im I. 133S deutscher König, geb. 1303, hatte !sich in Verwaltung seines kleinen Landes bieder und fürstlich gezeigt, und sowol dem Kai- !scr Ludwig von Baiern als auch dem Erzbischof Heinrich von Main; bedeutende Dienstegeleistet, auch an dem sogenannten thüringer Grafenkriege im I. 1333 zugleich mit denGrafen von Weimar, Orlamünde u. s. w. gegen den Landgrafen Friedrich von Thüringen,wobei diese kleinen Herren ihre Unabhängigkeit erkämpften, mit Auszeichnung Theil ge-nommen. Als hierauf, nach Ludwig des Baiern Tode im I. > 337, der König Eduard vonEngland und der Markgraf Friedrich von Meißen die Krone ausgeschlagen hatten, wurdeG., nach anfangs standhaftem Widerstreben, von Mainz, Brandenburg und Baiern am30. Jan. 1310 zu Frankfurt zum deutschen Kaiser gewählt und dem auf des Papstes undFrankreichs Antrieb bereits auf den Thron gesetzten Karl IV. gegenübergestellt. Karl IV.sah nun einen Kampf voraus, den er, der nichts weniger als ein Held war, um jeden Preiszu vermeiden wünschte. Er nahm daber seine Zuflucht zu schlauen diplomatischen Künsten,und wußte rasch nacheinander den Landgrafen Friedrich und dessen Söhne, dann denPfalzgrafen Rudolf, endlich sogar den Markgrafen Ludwig von Brandenburg auf seineSeite zu ziehen. Aber König Günther blieb unerschüttert und rüstete sich zum Kampfe. ;

Als er jedoch im Anfang Mai 1 330 sich zum Auszuge anschickte, wurde er von einer Un- I

päßlichkeit überfallen, gegen die er Hülfe bei einem frankfurter Arzte suchte, der ihm ve»mukhlich Gift beibrachte. Denn von Stund an nahm sein Zustand körperlicher Schwächesichtbar zu. Auf dringendes Bitten der früher ihm befreundeten Fürsten ließ G., im Vor-gefühle seines nahen Todes, seiner Kinder und seiner Schulden gedenkend, sich endlich be-stimmen, gegen eine Abstandssumme von 20000 Mark der deutschen Krone zu entsagen.Zwei Tage nach seiner Verzichtleistung starb er am >3. Juni 1330. Er wurde in derDomkirche zu Frankfurt am Main beigesetzt und ihm daselbst 1352 ein Denkmal errichtet.

Günther Friedrich Karl, Fürst zu Schwarzburg-Sondershausen seit 1835, geb. ,zu Sondershausen am 23. Sevt. 1801 , der einzige Sohn des am 22. Apr. 1837 ru Ebe- !leben verstorbenen Fürsten Günth er Friedrich Karl und dessen Gemahlin, der Prin-zessin Karoline von Schwarzburg-Rudolstadt, geb. am 21. Jan. 1773, einer durch Geist,

Herz und Bildung gleich ausgezeichneten Frau, die nach der Trennung von ihrem Gemahleseit 1816 in Arnstadt residirte, genoß unter der Aufsicht und Leitung dieser seiner Muttereine ausgezeichnete Erziehung. Aller Blicke richteten sich nach dem hoffnungsreichen Erb-prinzen, als in Folge des Alters und der Kränklichkeit seines Vaters manche Misbräucheimmer drückender wurden, sodaß sich endlich der Unwille des Volks laut zu äußern beg inn.Nachdem am 18. Aug. 1835 im Einverständnisse des Erbprinzen und der ober» Staats-behörden in Sondershausen mehre Personen aus der nächsten Umgebung seines Vaters !in Ebeleben, die des ihnen geschenkten Vertrauens des altersschwachen Fürsten sich unwür-dig gezeigt, verhaftet worden waren, übergab der Vater, indem er standhaft verweigerte,den Erbprinzen zum Mitregenten anzunehmen, sactisch demselben bereits am l v. Aujj