5!0 - Guise (Henri I., -Herzog von)
gierung machte die Brüder ebenso gehaßt als gefürchtet, und unter der Leitung des Prin-zen Louis von Conde brachten die protestantischen Großen > 560 die auf den Sturz und dieGefangennahme der Guisen gerichtete Verschwörung von Amboise zu Stande, die jedochentdeckt und mit der Hinrichtung von mehr als >20» Personen bestraft wurde. Nach derThronbesteigung Karl's IX. befestigte sich die Macht der beiden Brüder zum Schrecken derKönigin Mutter noch mehr, indem sie den Connetable von Montmorency (s. d.) für sichgewannen und mit demselben eine unter dem Namen des Triumvirats bekannte Verbin-dung schloffen. Als auch Anton von Navarra dieser Verbindung bcitrat, wendete sich dieKönigin zur Abwehrung des Bürgerkriegs an die Protestanten und bewilligte denselben1562 das Tolerunzedict. Indessen waren die Guisen zu übcrmüthig und ihre Gegner zuerbittert, als daß der Kampf hätte ausbleiben sollen. Nach einem zufälligen, blutigen Zu-sammentreffen zwischen Protestanten und dem Gefolge des Herzogs von G. zu Vassy imMärz 1562 brach der erste Bürgerkrieg aus, der nach dem Treffen bei Drcur am lü.Dec.>562 endete, in welchem der Herzog von G. in Verbindung mit dem Connetable von Mont-morencyund dem Marschall Saint-Andre den vollständigstenSiegerrang. DerHerzog stieghierdurch auf den Gipfel seiner Macht und beschäftigte sich nun mit dem Plan, wenigstensdie Königin Mutter zu beseitigen. Schon im Febr, > 565 unternahm er die Eroberung vo»Orleans, das als dcr Waffcnplatz der Protestanten galt und von Coligny (s. d.) ver-thcidigt wurde. Bereits hatte sich der Herzog der Vorstadt bemächtigt, als er von einemjungen protestantischen Edelmann, Poltrot aus Angoumois, der sich hinter einen Strauchversteckt hatte, am 18. Febr. erschossen wurde. Der Friedens- und Amnestievertrag vonAmboise, im März 1565, war die Frucht dieses Mordes.
Guise (Henri I. von Lothringen, Herzog von), der älteste Sohn des Vorigen, geb.1556, war gleich seinem Vater mit großer Schönheit und allen Talenten zur Herrschaftund zum Umstürze des Staats ausgerüstet. In der Schlacht von Jarnac gab er 1569 dieersten Proben glänzenden Muths. Um gleichsam den Tod seines Vaters zu rächen, nahmer 1572 in der Bartholomäusnacht die Ermordung Coligny's persönlich auf sich. Als nachder Thronbesteigung König Heinrich's III. (s. d.) die siegreichen Protestanten vom Hofebegünstigt wurden, benutzte er diesen Umstand und brachte angeblich aus Neligionseifcr, inWahrheit aber zur Herstellung der Macht seines Hauses, unter den eifrigen katholischenGroßen 1576 die sogenannte heilige Ligue (s. d.) zu Stande. Die ganze Bevölkerungsollte zum Beitritt aufgefodert und jeder Widerspenstige mit den Waffen in der Hand ver-folgt werden. Der König sah, daß es bei den Guisen auf die Begründung einer unabhängi-gen bürgerlichen Gewalt abgesehen war, und trat deshalb im Nov. auf dem Reichstage zuBlois dem Bunde selbst bei. Fortan begannen die greulichsten Wirren und ein neuer Bür-gerkrieg, der endlich am 12. Sept. I58V mit dem für die Protestanten wenig vortheilhaf-ten Frieden zu Flcx in Perigord endete. Die Hinfälligkeit des Königs bestimmte den Her-zog von G., die Ligue zu erneuern und im Verein mit dem Papste Gregor XIII. an derAusschließung Heinrich's von Navarra vom Throne zu arbeiten. Er ließ, nachdem er sichdes Papstes versichert, im März 1585 die Städte des südlichen und westlichen Frankreichvon den Truppen seiner Partei besetzen und nöthigte im Juli den König zu einem Ver-gleiche, nach welchem keine andere als die katholische Religion im Reiche geduldet werdensollte. Dieser schimpfliche Vertrag führte zu dem sogenannten Kriege der drei Heinriche, inwelchem der König von Navarra am26. Oct. 1587 das liguistische Heer im Treffen beiCoutras vollständig schlug. Der Herzog von G., der unter diesen Umständen den Wankel-muth des Königs fürchtete, erregte im Mai 1588 zw Paris einen Aufstand der katholischGesinnten, um den König, den er im Louvre eingesperrt hielt, gefangen zu nehmen. Ob-schon der König entkam, so ließ sich doch die Königin Mutter am 19. Juli zu einem Ver-gleiche mit dem Herzoge von G. bereit finden, vermöge dessen die Protestanten mit Feuerund Schwert ausgerottet, die trientin. Concilienbeschlüsse aufrecht erhalten und der ligui-stischen Partei viele Sicherheitsplätze ausgeliefert werden sollten. Der König bestätigtedieses sogenannte Reunionsedict, ertheilte dem Herzog die Rechte und Vorzüge eines Conne-table und erklärte den schwachen Cardinal von Bourbon zum ersten Prinzen von Geblüt,wodurch dem Herzog die höchsten Aussichten eröffnet wurden. Ein Reichstag, der am 26.