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Guise (Frans-, Herzog von)
steigung des schwachen Königs Franz II. (s. d.), dessen Gemahlin Maria Stuart dieNichte der G. war, gelang es endlich dem Herzoge von G. und dem Cardinal von Loth-ringen, sich mit Hülfe ihrer Brüder der Staatsverwaltung zu bemächtigen. Selbst dieränkesüchtige Königin Mutter, Katharina von Medicis (s. d.), mußte auf ihre Seite tre-ten. Die katholische Politik erhielt dadurch den vollständigsten Sieg, und außerdem wur-den die dem Protestantismus zugcneigtcn Prinzen von Geblüt, die Bourbons, mit demAdmiral Coligny (s.d.) allen Einflusses auf Hof und Regierung beraubt. Die Bürger-kriege, welche seitdem Frankreich zerrütteten, bis endlich Heinrich IV. den Thron bestieg,hatten ihren Grund noch mehr in der Eifersucht und Nebenbuhlerschaft der prinzlichenParteien, als in den Religionswirren. Der erwähnte Herzog Franx. von G. wurde, nach-dem er den Bürgerkrieg entzündet, 1563 vor Orleans meuchlings nicdergeschossen; er hin-tcrließ drei berühmte Söhne, Henri, Louis und Charles und eine Tochter, Katharina Maria,die Gemahlin des Herzogs Louis von Bourbon-Montpensier, die an den liguistischen Hän-deln den größten Änthcil nahm. — Henri I., Herzog von Guise (s.d.), der Erbe derWürden des Vaters, ein gewaltiger Charakter, wurde auf Befehl Heinrich's III. 1588 zuBlois ermordet. — Louis, Cardinal von Lothringen und Erzbischof von Rheims, dereifrigste Beförderer der Ligue, erlitt am folgenden Tage das Schicksal seines Bruders.Vgl. (Vitet) „I-es INats tie Hlois, NU la wart cls ill. N. <>6 6ui.?e, seönes IÜ5tor',<jues"(3. Ausl., Par. 1828).— Charles, Herzog von Maycnne, der Stifter dieser Linie, be-kannt als Anführer der Ligue, starb 1611. — Unter den zahlreichen Nachkommen des Her-zogs Henri I. zeichneten sich aus Charles, der die Würden des Vaters erbte und 1630 inItalien von Richelieu verbannt starb; Claude, Herzog von Chevreuse, gest. >657, beson-ders bekannt durch seine Gemahlin, Maria von Nohan-Montbaz, die Witwe des Connetablede Luyncs, gest. >670; und der Chevalier Alex. Paris von G., welcher im Duell die Ba-rone von Lutz, Vater und Sohn, tödtete und >613 durch das Zerspringen einer Kanonestarb. — Von den Söhnen des Herzogs Charles erhielt der zweite, Henri II., Herzog vonGuise (s.d.), das Erbe deS Vaters. Richelieu ließHcnri's Güter consisciren, und obschonder größte Theil derselben nachmals zurückgegebcn wurde, so blieb doch das Herzogthumaufgehoben. Henri II. starb 1663 ohne Nachkommen und setzte seinen Neffen Louis Jo-seph, Herzog von G., Joyeuse und Angoulemc, zum Erben ein, mit dessen minderjähri-gem Sohne, Franc. Joseph, >675 die unmittelbare Linie der Herzoge von G. aus demHause Lothringen erlosch. Die Erbschaft der G. kam an die Conde's, als die nächsten ein-heimischen Agnaten, und 1703 wurde zu Gunsten des Prinzen von Conde das Land Guisewieder zu einer herzoglichen Pairie erhoben.
Guise (Franx. von Lothringen, Herzog von), geb. I5IS, wegen einer Gesichtsnarbe><-. lialasre genannt, war einer der größten Krieger des damaligen Frankreich. Er begannseine glänzende Laufbahn mit der Thronbesteigung Heinrich's II., der ihn nebst seinen Brü-dern außerordentlich begünstigte. Nach dem Einfalle der Franzosen in Lothringen und derWegnahme von Toul, Verduli und Metz verthcidigte der Herzog von G. das letztere imNov. 1552 mit 11000 M- gegen die 70000 M. starke Armee Kaiser Karl's V., sodaß der-selbe die Belagerung aufheben mußte. Aus Italien, wo er mit fortdauerndem Erfolge ge-kämpft hatte, nach der Niederlage von Saint-Ouintin zurückberufen und zum General-lieutenant aller königlichen Armeen erhoben, unternahm er sofort am I.Jan. 1558 die Be-lagerung von Calais, und schon nach acht Tagen sahen sich die Engländer zur Übergabegenvthigt. Von seinem Kriegsruhm, seiner gewaltigen Persönlichkeit und einem zahlrei-chen Familienanhang unterstützt, wagte er, unter dem schwachen König Franz II. die Prin-zen von Geblüt vom Hofe zu verdrängen und mit seinem Bruder, dem Cardinal von Loth-ringen, alle Negierungsgewalt und allen Einfluß auf den König und dessen Mutter an sichzu reißen. Zur Schwächung der Bourbons und zur Befestigung ihrer Gunst beim Volkbegannen hierauf die beiden Brüder die wüthendste Verfolgung der Protestanten. In ihremInteresse fanden sie es auch für nöthig, die zerrütteten Finanzen des Staats durch Erpres-sung zu verbessern. Der Cardinal ließ sogar zu Fontainebleau einen Galgen aufrichten unddurch ein Edict bekannt machen, daß er alle Supplicanten und Gläubiger des Hofs würdehängen lassen, wenn sie sich nicht binnen 23 Stunden entfernten. Diese gewaltsame Re-