508 Guischard Guisc (Familie)
Kaiser Heinrich'« IV. in Italien cintras. Sogleich eilte er dorthin, nachdem er Bohemundden Oberbefehl übergeben, zwang Heinrich IV. zum Rückzuge, befreite Gregor von der Be-lagerung in der Engelsburg und führte ihn in Sicherheit nach Salerno. Hierauf ging ervon neuem nach Epirus, schlug die Griechen in mehren Treffen, bcmeisterte sich mit Hülfeseiner Flotte vieler Inseln des Archipels und stand im Begriffe, zum zweiten Mal nachKonstantinopel vorzudringen, als er auf der Insel Kephalonia am 17. Juli 1985 starb.Seine Überreste wurden zu Venusa begraben; in seine Besitzungen theilten sich nicht ohneHader seine Söhne Bohemund und Roger; Ersterer erhielt Tarent, Letzterer Apulien. G.war nicht blos Held und Eroberer, sondern auch Beschützer und Beförderer der Wissen-schaften, und die Schule von Salerno nennt ihn ihren Stifter. Vgl. Gaultier d'Arc, „Ri-ütoire lies cc>»<p>etes lies Nnrmancls en Italis, en 8icile et en 6reve" (Par. l 830).
Guischard (Karl Gottlieb), der unter dem Namen Quintus Jcilius bekannteLiebling Friedrich des Großen von Preußen, geb. 1724 zu Magdeburg, hatte eigentlichTheologie studirt, war aber 1747 als Fähnrich in sachsen-hildburghaus. Dienste getreten.Als Freiwilliger in der verbündeten Armee lernte ihn durch den Herzog Ferdinand vonBraunschweig Friedrich der Große kennen, der ihn 1773 als Hauptmann in sein Gefolgenahm. Einstmals im Gespräche über den Centurio Jlicius, der beim Polybius erwähntwird und den der König Jcilius nannte, erlaubte er sich, diesen Jrrthum zu verbessern.Da sprach der König, seine Empfindlichkeit unterdrückend: „Nun soll Er auch zeitlebensQuintus Jcilius heißen." In den Feldzügen von 1759 und 1709 führte G. als Major einFreibataillon, mit welchem er, den ertheilten Aufträgen zufolge, so geschickt opcrirte, daß ihmder König in Leipzig ein Freiregiment von drei Bataillonen und zugleich den Auftrag gab,noch sieben andere Freibataillone zu errichten. In den folgenden Jahren war er bei derArmee des Prinzen Heinrich. Nach hergestclltcm Frieden wurde sein Regiment 1763, amTage des Einmarsches zu Berlin, aufgelöst; ihn aber behielt der König bei sich zu Pots-dam und ernannte ihn 1765 zum Oberstlieutenant. Als Obrist starb er in Berlin am 15.Mai 1775. G. war einer von den wenigen Männern, welche der König seines vertrautenUmgangs würdigte; doch mußte er sich auch Vieles von den Launen desselben gefallenlassen. In seinen wichtigen „lilemoires militaires snr les Orecs 6t les Romains" (2 Bde.,Haag 1758, 4. und öfter) und „Älömoires critiqnes et bistoriqiies snr plnsieurs pointsil'antigiiites nnlitaires" (2 Bde., Berl. 1773, 4.) hat er eine Menge Jrrthümcr des Che-valier Folard (s. d.) nachgewiesen.
Guise, eine berühmte herzogliche Familie in Frankreich, die ein Nebenzweig desHauses Lothringen war.— Claude, ein jüngerer Sohn des Herzogs Renat'sO. von Loth-ringen, ließ sich 1596 in Frankreich naturalisiren und heirathete Antoinette von Bourbon,die Tochter des Grafen Francois von Vendöme. Er war Besitzer von Aumale, Guisc, Join-ville, Elboeuf und Maycnne, nebst vielen andern Gütern in der Picardie und Normandie.Zu seinen Gunsten wurde 1527 die Grafschaft Guise in eine herzoglichePairie verwandelt.Er starb 1559 in der Schlacht bei Marignano und hinterließ fünf Töchter, von denen dieälteste, Maria, durch ihre Vermählung mit König Jakob V. von Schottland die Mutterder unglücklichen Maria Stuart wurde, und sechs Söhne, Franx., Herzog von Guise(s.d.),der des Vaters Würden erbte, Charles, Louis, Claude, Francois und Renat, insgesammtberühmte Persönlichkeiten. — Charles, Cardinal und Erzbischof von Rheims, ge-wöhnlich Cardinal von Lothringen genannt, geb. 1525, gest. 1574, ein großer Feindder Protestanten, herrschte mit seinem Bruder Francois unter Franz II-, dann unterKarl IX. als gefürchteter Minister. Auch Louis, gewöhnlich Cardinal von Guise ge-nannt, gest. 1578, hatte großen Antheil an den Vorgängen seiner Zeit. — Claude,Herzog von Aumale, der Stifter dieser Nebenlinie, zeichnete sich als Krieger unter Karl IX.aus und wurde 1573 bei Rochelle erschlagen. — Francois, Malteser und General derGaleeren, starb 1563 nach der Schlacht von Dreux. — Renat, Marquis von Elboeuf,der Stifter dieser Nebenlinie, ebenfalls General der Galeeren und ein gewaltiger Krieger,endete >566. Der aufstrebende und ehrsüchtige Charakter der Brüder machte schon KönigFranz I. so besorgt, daß er auf dem Sterbebett seinem Sohn die Demüthigung der G. em-pfahl. Dessenungeachtet erhob sie Heinrich II. zu seinen Günstlingen. Mit dep Thronbe-