4S6 Guericke Gue'rin
Guericke (Otto von), einer der verdienstvollsten Physiker des 17. Jahrh-, gcb. zuMagdeburg am 20. Nov. 1602, studirte zu Leipzig, Helmstedt und Jena die Rechte undzu Leyden Mathematik, besonders Geometrie und Mechanik. Hierauf bereiste er Frank-reich und England, diente dann als Oberingenieur zu Erfurt, wurde 1627 Nathsherr zuMagdeburg und 1646 Bürgermeister daselbst und brandenburg. Rath, legte aber 1681sein Amt nieder und begallsich zu seinem Sohne nach Hamburg, wo er am > l. Mai 1688starb. Sein größtes Verdienst ist die Erfindung der Luftpumpe (s. d.) zu derselben Zeit(1650), als Rob. Boylc eine ähnliche Idee in England faßte, wodurch die ganze Experimentalphysik völlig verändert und eine genauere Kennkniß von der Natur und den Wir-kungen der Luft begründet wurde. Die ersten öffentlichen Versuche mit der Luftpumpemachte er 1654 auf dem Reichstage zu Negensburg, und das erste Exemplar dieser nachseiner Erfindung construirten Maschine wird auf der königlichen Bibliothek zu Berlin auf-bewahrt. Auch erfand er eine Luftwage und die kleinen Glassiguren, die vor der Erfindungdes Barometers als Anzeiger der Veränderungen der Temperatur allgemein in Gebrauchwaren und gewöhnlich Guericke'sche Wettermännchen hießen. Er beschäftigte sichviel mit der Astronomie, und seine Meinung, daß die Wiederkehr der Kometen sich müssebestimmen lassen, fand später Bestätigung. Die wichtigsten seiner Beobachtungen findensich in seiner Schrift „Experiments nov», ut vocmit, 5lsgc1ebiirAiea <Ie v-cciin sp»1i<>"(Amst. 1672, Fol.). — Guericke'sche Leere wird der unvollkommen luftleere Raumgenannt, der sich mit der Luftpumpe Hervorbringen läßt, im Gegensatz zu der Torricelli'schcnLeere, worunter man den vollkommen luftleeren Raum versteht, der sich über der Quecksil-bersäule in einem Barometer findet.— Guericke'sche oder Magdeburger Halb-kugeln nennt man die von G. erfundene Vorrichtung zum Beweise der Gewalt des Luft-drucks. Er ließ nämlich aus Kupfer und Messing zwei ziemlich große Halbkugeln fertigen,die genau aufeinander paßten. Die ftne derselben war mit einer Röhre und einem Ventilversehen, um beim Zusammenlegen beider mittels der Luftpumpe die Lust herauSzupum-pen, und an beiden befanden sich Ringe, um Seile hindurchzuziehen, an welche Pferdegespannt werden konnten. Nur durch die vereinte Kraft von mehr als 30 Pferden konnteman die Halbkugeln auseinanderreißen.
Guerike (Heinr. Ernst Feld.), Professor der Theologie zu Halle, einer der bedeu-tendsten Vertreter des altlutherischen Dogma, wurde am25. Febr. 1803 zu Wettin ge-boren. Nachdem er in Halle 1821—24 studirt hatte, habilitirte er sich durch die gediegeneSchrift „Oe «cllola, <pi»e 4.1sx»nc1ri»e Ooriüt, csteclletic»" (2 Abth., Halle 1824 — 25)und erhielt 1829 eine außerordentliche Professur. Gleichzeitig wurde er Vorsteher desneubegründeten höllischen Missionsvereins. Seine entschiedene Abneigung gegen dietheologische Richtung, welche damals in Halle vorherrschte, sowie ein Vorkommnis beimTode seiner ersten Frau brachten ihn in den Ruf eines Pietisten und bewirkten unter An-deren auch, daß man ihn 1830 eines Antheils an der Gerlach'schen Denunciation des halli-schen Nationalismus mit Unrecht beschuldigte. Als er seit 1833 für die schles. Altluthera-ner Partei nahm und in Verbindung mit S ch cibel (s. d.) gegen die Einführung derUnion und Agende eiferte, wurde er zunächst gegen Ende des I. 1833 der Mitgliedschaftder höllischen wissenschaftlichen Prüfungscommission, an der er vier Jahre Theil genom-men hatte, und im Jan. 1835 auch seiner Professur enthoben und lebte nun drei Jahrelang als Prediger der altlutherischen Gemeinde in Halle, bis ihm die Negierung die Ver-richtung geistlicher Handlungen untersagte. Im 1.1840 erst war es ihm vergönnt, inseine frühere akademische Stellung wieder einzutreten. Von seinen Schriften erwähnenwir außer den „Beiträgen zur historisch-kritischen Einleitung ins Neue Testament" (2 Ablh.,Halle 1828—31) und der „Historisch-kritischen Einleitung in das Neue Testament" (Lpz.1843) vorzugsweise sein „Handbuch der Kirchengeschichte" (2 Bde., Halle 1833; 5. Aust-,1843), worin namentlich die Zeit von der Reformation an vortrefflich behandelt ist, seine„Allgemeine christliche Symbolik" (Lpz. 1839) und die in Verbindung mit Nudelbach vonihm herausgegebene „Zeitschrift für die lutherische Theologie".
Guerin (Pierre Narcisse, Baron), einer der bedeutendsten Historienmaler der neuernfranz. Schule, geb. zu Paris am 13. Mai 1774, ein Schüler Regnault's, erregte zuerst