Großbritannien 457
-Rußland ein Bündniß zu Stande, während die Friedensanträge Napoleon's zurückgewie-! sm wurden. Das brit. Reich besaß zu Anfang von 1805 eine Marine von 907 größer«
^ Kriegsfahrzeugen, von denen die geringsten mehr als zehn Kanonen führten; die Zahl der
Matrosen betrug > 65000 M., die europ. Landmacht, außer der Miliz, 143000 Streiter...i Die Unterhaltung einer so imposanten Macht steigerte die Staatsbedürfniffe auf eine
i schwindelnde Höhe, sodaß sich Pitt in der mislichsten Lage befand. Die Einnahmen für
, dasJ. >805 waren auf 54, die Ausgaben auf 74 Mill. Pf. St-berechnet. Während im Aug.
L endlich auch Ostreich und Schweden dem russ.-brit. Bündnisse beitraten und der gewaltige
j Kampf begann, zerstörte Nelson die span.-franz. Flotte am 2l.Oct. 1805 bei Trafalgar
j (s. d.). Allein dieser große Sieg wog die Niederlage der Verbündeten im östr. Feldzuge nicht
/ auf, und Frankreich stand nach dem Frieden zu Presburg, am26.Dec. > 805, demJnselreich
H drohender gegenüver als je. G. bedurfte wenigstens der Erholung. Das neue Ministerium,
das nach Pitt's Tode im Jan. 1806 unter Äddington zusammengetreten war, eröffnete! daher sogleich Friedensunterhandlungcn, die sich jedoch zum großen Nachtheile der brit.
! Sache wieder zerschlugen. Der unglückliche Kampf Preußens und Rußlands, der im Juli
j 1807 mit dem Frieden zu Tilsit endete, die Auflösung des Deutschen Reichs und die Er-
I richtung des Rheinbundes, endlich die Vereinigung Rußlands mit Frankreich entzogen
: der brit. Macht alle Unterstützung auf dem Festlande. Um wenigstens die Pforte zu crhal-
i ten, mußte der Admiral Duckworth im Febr. 1807 eine drohende Demonstration in den
i Dardanellen unternehmen, was jedoch das Gegenthcil bewirkte. Aus gleichem Grunde er-
j schien im Sept. 1807 unter Gambier eine engl. Flotte im Sunde, äscherte Kopenhagen ein
und führte die dän. Flotte davon. Dieses Verfahren, welches alle Nationen erbitterte, hattedie Kriegserklärung Rußlands und Dänemarks zur Folge, die jedoch mit der Zerstörungeiner russ. Escadre und der Wegnahme der dän. Colonien beantwortet wurde. G. warjetzt, Portugal und Schweden ausgenommen, von allen europ. Häfen ansgeschlosscn und! vermochte der allgemeinen Sperre nur einen großartigen Schmuggelhandel entgegenzu-j setzen, der jedoch seinen Verkehr vor einem allmäligen Verfalle nicht schützen konnte. Ausdiesem Grunde mußte der Kampf, so groß auch die Opfer waren, fortgesetzt werden. Von1806 bis in den März 1807 hatte Lord Howick (s. Grey) das Staatsruder geführt;ihm folgte das Ministerium Portland, in welchem Canning (s. d.) mit Energie dasAuswärtige leitete.
Das neue Cabinet suchte jetzt das brit. Interesse an die pyrenäische Halbinsel zuknüpfen, die nun ebenfalls der Politik und den Waffen Napoleon's und Frankreichs ver-fallen war. Während cs die FriedensanträgeNapoleon's und Alexander's verwarf, schicktees ein engl. Truppencorps unter Arthur Wellesley, dem nachhcrigen Herzog von Welling-^ ton(s.d.) nach Portugal, ein anderes unterJohn Moore nach Spanien. Zwar wurde letzte-rer schon 1808 gänzlich aus Spanien verdrängt; allein der Krieg Napoleon's mit Ostreichim I. 1809 hatte eine Schwächung der franz. Strcitkräftc aufderHalbinsel zur Folge, wo-durch Wellesley in Verbindung mit den insurgirten Spaniern bald ein bedeutendes Über-gewicht erhielt. Das brit. Cabinct hatte sich indessen nichtnurmitSubsidienbewilligungen anOstreich begnügt, sondern ließ auch ein 50000 M. starkes Corps eine Diversion auf dieniederländ. Küsten machen. Diese Truppen landeten am 30. Juli > 809 auf Walchern,A zerstörten Vliessingen, mußten aber wieder abziehen. Der Friede zu Wien im Oct. 1809r hob, ungeachtet aller Anstrengungen der Briten, Napoleon und Frankreich auf den GipfelderMacht. Das Continentalsystemss.d.), dem sich durch die Thronrevolution Schwe-den angeschlossen, konnte nun dem Anschein nach für immer und mit der größten Strengeaufrecht erhalten werden. Überdies neigte sich auch das brit. Waffcnglück auf der pyrenäi-schen Halbinsel zu Ende; gegen Ende des I. 1810 waren die brit. Truppen auf Cadizund Lissabon beschränkt. Nur zur See behauptete G. fortwährend seine mächtige Stel-lung, denn Frankreich verlor in dieser Zeit seine sämmtlichen Colonien. Die Perso'nal-> Veränderungen in der höchsten Staakssphäre seit dem Ende des 1.1809 hatten keine Ver-änderung in der kriegerischen Politik zur Folge. Nach Portland's Tode im Dec. über-nahm Pcrceval mit Liverpool (s. d.) die Verwaltung, und in Folge des unheilbarenWahnsinns Ecorg's l ll. erhielt 1811 der Prinz von Wales die Regentschaft erst mit ein-