Druckschrift 
6 (1845) Gebler bis Heilsordnung
Entstehung
Seite
445
Einzelbild herunterladen
 

Großbritannien 445

ren hatten die Parteien gebildet und die Charaktere gefestet; das entfaltete bürgerlicke In-teresse verlangte Schutz vor willkürlichen Eingriffen. Vornehmlich aber war die zahlreicheReligionspartei der Puritaner (s.d.) zu einem festen Widerstande gegen kirchlichen undpolitischen Despotismus gerüstet. Diese ernsten, schwärmerischfrommen Männer hingender presbyterianischen Kirchenvcrfassung an und betrachteten das Bischofthum mit der könig-lichen Suprematie als einen Greuel; nach ihren republikanischen Sitten und Grundsätzenmußte ihnen nicht minder alle weltliche Knechtschaft verhaßt sein. Überdies waren sie, alsder Kern des Mittelstands, im Unterhause stark vertreten. Zu ihnen zählten Coke, Dig-ges, Elliot, Philipps, Selben, Sandys, Pym und andere ausgezeichnete Patrioten, diesich längst schon förmlich verbunden hatten, die Alsgna 6ii»rtu mit zeitgemäßer Erwei-terung herzustellen. Jakob I. wandte sich mit Entschiedenheit der bischöflichen Kirche zu,die seinen politischen Grundsätzen entsprach, duldete die Katholiken, verfolgte aber die Pu-ritaner. Die Jesuiten, die sich von der Thronveränderung viel Hoffnung gemacht, stifteten160', die sogenannte Pulv erverschw örun g (s. d.) an, die nicht nur gegen den Kö-nig sondern auch gegen das puritanische Unterhaus gerichtet war. Diese Umtriebe hattenzuvörderst neben dem Supremateide die Einführung eines Treueids (Ostü ok sllegi-liics)zur Folge, den jeder Geistliche und seit 1610 auch jeder Beamte schwören mußte. Dieersten ernstlichen Zerwürfnisse zwischen dem Könige und dem Parlamente traten 1610ein. Der König verlangte Geld, und die Gemeinen wollten nicht eher bewilligen, bis dieBeschwerden des Volks gehört seien. Da Jakob I. dieses Ansinnen als eine Verletzungseiner Prärogative ansah und nicht nachgab, so maß man ihm seitdem die Subsidien äußerstspärlick zu, was bei der Verschwendung des Hofs um so empfindlicher sein mußte. Diewillkürlichen Taxen und Erpressungen aller Art, zu denen er nun seine Zuflucht nahm,weckten allmälig die unversöhnlichste Erbitterung des Volks; seine Verbindung mit Spa-nien aber, und die Gleichgültigkeit, womit er zusah, wie sein Schwiegersohn, der protestan-tische Kurfürst Friedrich von der Pfalz, dem Katholicismus erlag, brachten ihn in Verach-tung. Nicht minder aufgeregt waren aber auch die presbyterianischen Schotten, indemihnen Jakob l. die bischöfliche Würde aufgezwungen und 1617 das dortige Parlament kraftseiner königlichen Prärogative veranlaßt hatte, eine Veränderung im Cultus zu Gunstender bischöflichen Kirche eintreten zu lassen. Hierzu gesellte sich der drohende Zustand Ir-lands. Jakob I. hatte den Entschluß gefaßt, die Versöhnung dieses Landes durch politischeReformen, zunächst durch die volle Befreiung der Person und des Eigenthums, herzustel-len. Erchob deshalb das Lehnsverhältniß der Großen mit ihren Hintersassen auf, wodurchdie letzter» allerdings freie Männer, gleich den Engländern, wurden. Die willkürliche Weise,in der man die Maßregel durchsetzte, erregte jedoch Unzufriedenheit und eine Empörung,die durch Waffengewalt unterdrückt werden mußte. Jetzt begann der König ohne Beachtungdes irländ. Parlaments jene Confiscationen des Grundbesitzes, dienoch gegenwärtig gleicheinem Fluche auf dem Lande haften. In den nördlichen Provinzen zog er gegen zwei Mill.Acres von den Ländereien der Großen ein, und die ganze Provinz Ulster wurde engl. Koloni-sten übergeben. In diese Zeit des innern Zerwürfnisses fällt die eigentliche Gründung derengl.Colonienin Nordamerika (s.d.). Schon unter Elisabeth hatte daselbst Walter N a-leigh (s. d.) die erste Colonie, Virginien, gestiftet, die jedoch wegen Mangel an Menschenund Mitteln eingehen mußte. Das vermehrte Handelsinteressc, die Fortschritte des See-wesens, namentlich aber die Neligionsverfolgungen führten jetzt zahlreiche Auswandererin diese unermeßlichen Gebiete, die einen wachsenden Handel mit Pelzwerk und Tabackmit dem Mutterlande eröffnetcn.

Jakob'sl. Sohn und Nachfolger, Karl I. (s.d.), 1625—40, theilte ganz die Grund-sätze des Vaters. Engländer und Schotten hegten Mistrauen gegen ihn, weil man ihn desKatholicismus verdächtigte. Das Parlament verweigerte ihm gleich anfangs hinlänglicheGeldbewilligungen und fodcrte die Abschaffung der Nationalbeschwerden. Karl I-, der gleichseinem Vater ein solches Verfahren für eine Verletzung der königlichen Prärogative hielt,griff fortan zu freiwilligen Anleihen, Benevolencen, zu Erpressungen aller Art, beson-dcrs aber zu ungesetzlichen Abgaben. In dieser feindseligen Stellung zur Nation beganner Krieg mit Spanien und mit Frankreich, gerieth aber durch die Rüstungen und die Ver-