Großbritannien st!Z
überwarf, desto rascher und gewaltsamer durste sich auch das NcformationSwerk ent-wickeln. Schon >534 ertheilte das Parlament dem Könige das Nefvrmationsrecht undsprach ihm die päpstlichen Einkünfte zu, und 1536—38 vollzog es zu Gunsten des Königsdie Confiscation aller Klostergüter. Diese jähen Umwälzungen verletzten indeß die bürger-lichen wie die religiösen Interessen und riefen mehre gefährliche Aufstände hervor, die mitgroßer Strenge unterdrückt, den königlichen Absolutismus nur stärkten. Dessenungeachtetverabscheute Heinrich VIII. den Protestantismus, sowol nach seiner Überzeugung wie nachseiner Politik. Er suchte daher die hierarchische Organisation der Kirche zu erhalten und ließdem Parlamente >539 sechs Glaubensartikel unterbreiten, die von nun an-die allgemeineRichtschnur in Glaubenssachcn bilden sollten. Wer nach diesen Artikeln gegen die Eegcn-wartChristi im Abendmahle, gegen das Cölibat, die Messe, die Ohrenbeichte u.s.w. sprachoder schrieb, wurde mit den härtesten Strafen bedroht. Das Parlament gab auch dieserdespotischen Maßregel, die das Reformationswerk unterdrückte, seine Zustimmung, undwie gegen die Katholiken, so wurde jetzt auch gegen die Protestanten mit Feuer und Schwertverfahren. Erst als Heinrich's VIll. neunjähriger Sohn aus der Ehe mit Johanna Sey-mour, Eduard VI., 15-17—53, den Thron bestieg, hörten unter derVerwaltung des Protcc-tors Somerset (s. d.), einem Oheime des Königs, diese furchtbaren Bedrückungen auf.Der Bischof Cca nm e r (s. d.) gewann jetzt wieder Einfluß; der röm. Cultus verlor sichaus den Kirchen und die Verfolgungen wurden eingestellt. Auch gab derProtector 15 16 demParlamente dessen volle Gewalt zurück, das sich auch sofort beeilte, die sechs Artikel aufzu-heben. Ungeachtet dieser milden Regierung war aber das Reich auf allen Punkten von denbedenklichsten Empörungen hcimgesucht. Der hohe Adel, der ohnedies schon den ganzenGrundbesitz in seinen Händen hielt, hatte auch meistentheils die Kirchengütcr erworben unddie Äcker bei der steigenden Nachfrage nach engl. Wolle in Weideland für die Schafheer-den verwandelt. Tausende von ausgesetzten Pächtern und Bauern vereinigten sich jetzt,durchzogen die Provinzen und verübten die schrecklichsten Verwüstungen. In diesen Wir-ren verdrängte der Herzog vonNorthumberland den Herzog vonSomersek ausderProtec-torwürde und begann zurBefestigung seines Ansehens die Verfolgung der Katholiken. Unider Ungeheuern Verwirrung auf dem Kirchengebiete zu steuern, entwarf endlich Cramncrmit demBischofRidley denLchrbegriffdcrbischöflichen Kirche in 12 Artikeln. Nachdem die-selben von der dem Protestantismus zugeneigten Geistlichkeit begutachtet worden, erhobsie das Parlament l 552 zum Staatsgeseh und erklärte zugleich die Priestcrehe für recht-mäßig. DerHerzog von Northumberland hatte den jungen König zu bereden gewußt, durcheine willkürliche Acte seine Schwestern, Maria und Elisabeth, von der Thronfolge auszu-schließen und eine weitläufige Verwandte, Johanna Gray (s.d.), eine eifrige Protestantinund die Schwiegertochter Northumberland's, zur Nachfolgerin zu erklären. Als jedochEduard starb, fand Maria (s.d.), 1553—58, die Tochter Heinrich's VIII. mit Katharinavon Arragonien, wenig Widerstand, ihr Thronrecht geltend zu machen. Als eine fanatischeBekennerin der alten Kirche begann Maria sogleich eine kirchliche Neaction, die nach ihrerVermählung mit dem Prinzen Philipp von Spanien in förmliches Wüthen ausartetc.Die protestantischen Bischöfe wurden ins Eefängniß geworfen, dieKehcrgesetzehergcstellt,der katholische Gottesdienst und die Abgaben an den Papst wieder eingeführt. Überdies er-richteten die Bischöfe Gardiner (s. d.) und Bonner eine Kehcrcommission nach Art derspan. Inquisition, womit die schrecklichsten Verfolgungen der Protestanten begannen;mehr als 209 Personen, darunter die verdientesten Männer, mußten den Feuertod sterben.Das Parlament, in welchem der Hof den Katholiken die Oberhand verschafft hatte, duldetediese Greuel, trat aber sehr entschieden auf, als die Königin Subsidicn begehrte, um denKaiserimKriegcgegen Frankreichzu unterstützen. Dennoch begann Maria 1557 dicscnKriegund verlor 1558 Calais, die letzte und wichtigste Besitzung Englands auf stanz. Boden.
Der Tod Maria's und die Thronbesteigung ihrer Stiefschwester, der protestantischenElisabeth (s. d.), 1558—1603, erfüllte den größern Thcil des Volks mit Freude. Derkirchliche Zustand des Landes, wie er unter Eduard VI. gewesen, wurde hergestclll, und die Kö«nigin nahm den Titel einer Negiercrin der Kirche an. Indeß foderte sie von der Geistlichkeit,den Staatsbeamten und Parlamentsmitgliedern den sogenannten Supremateid (s.d-),