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6 (1845) Gebler bis Heilsordnung
Entstehung
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Großbritannien 439

tungen störten zwar die Ruhe des Reichs und entzündeten mehrmals den Bürgerkrieg, wo-zu Ludwig VII. von Frankreich und König Wilhelm von Schottland nicht wenig beitrugen;doch wurde letzterer 1173 überwunden und gefangen und erhielt seine Krone nur als engl.Lehen zurück. Schon unter Heinrich's Sohn und Nachfolger, Richard I. (s. d.), genanntLöwenherz, >189—99, begann indeß der Aufschwung des Reichs wieder zu sinken. Ri-chard verschaffte sich die Mittel zu seinem Kreuzzuge durch die schnödesten und grausamstenErpressungen. Mit demNcgierungsantritte Johann's ohne Land (s. d.), ! 199—1216,der schon während der Abwesenheit Richard's, seines Bruders, einen Versuch zur Thronusur-pation gemacht hatte, ging an Frankreich die Normandie, Anjou, Maine u. s. w. verloren.Schottland mußte jedoch die engl. Oberhoheit wieder anerkennen. Zufolge der Streitigkeiten,in welche Johann mit dem Papste Jnnocen; lll. gerieth, belegte derselbe 1212 das Landmit dem Jnterdict und verschenkte die engl. Krone an den König von Frankreich. Um sichnicht ans Volk zu wenden, unterwarf sich Johann dem Papste und erhielt England.undIrland gegen einen jährlichen Zins von I99U Mark als päpstliches Lehen zurück. Durchdiese schmähliche Politik empört, erzwangen die Großen in einem Aufstande am 19.Juni 1215 vom Könige die lHagna Oii arta ff. d.), einen Freibrief, der als die Grund-lage des öffentlichen Rechts und der Nationalfreiheit in England angesehen wird. DieseCharte enthielt indeß nichts als die Bestätigung der früher» gesetzlichen Bestimmungenüber die Grenzen der königlichen Gewalt und konnte darum keine andern als die Freiheitendes Fcudalstaats gewähren. Wie sehr die Könige geneigt waren, diese Charte zu brechen, be-weist derUmstand, daß sie dreißigmal bestätigt wurde. Auch Johann ließ sich einen Monatspäter vom Papste des Freibriefs entbinden und führte dadurch einen innern Krieg herbei,in welchem die Volkspartei dem Kronprinzen Ludwig von Frankreich, Sohn Philipps 11., dieKrone anbot. Ludwig erschien hierauf mit einem Heere, eroberte den größten Thcil vonEngland, verlor aber gleich nach dem Tode Johann's allen Anhang. Die Großen erschra-ken jetzt vor einer Verbindung mit Frankreich und unterstützten den Grafen Pembroke, derden Titel eines Protectors annahm und den neunjährigen Sohn Johann's, Heinrich III-,>216—72, auf den Thron setzte, dessen Jugend die Großen zu einem wüsten, gewaltthä-tigen Treiben benutzten. Nach mehren kostspieligen Versuchen, die Provinzen in Frank-reich wiederzugewinnen, wurde Heinrich lll. 1242 in der Schlacht von Taillebourg vonLudwig IX. (s. d.) geschlagen und mußte auf die Landschaften diesseit der Garonne ver-zichten. Diese Unfälle, die Verletzungen der Charte, die Verschwendung und Erpressungdes Hofs, die schmählichen Schatzungen des Papstes Gregor's IX. riefen unter Anleitungdes Grafen Montfort von Leiccster einen Aufstand hervor, in welchem 1258 der König dieoxforder Provisionen, eine Erweiterung der Charte, beschwören mußte. Zugleich wurdeeine Commission von 24 Baronen eingesetzt, die den Staat reformircn sollte, stakt dessenaber die Regierung an sich riß. Der Papst aber entband den König des Eids, was neueUnruhen hervorrief. Während Llewellnn, Fürst von Wales, mit 36666 M. in Englandeindrang, sammelte auch Leiccster wieder ein Heer und nahm 1264 den König mit demKronprinzen in der Schlacht bei Leves gefangen. Der Prinz entkam jedoch, zog seine An-känger zusammen und machte >265 durch den Sieg bei Evesham der Baronenherrschaftfür immer ein Ende.

Die ruhmvolle Regierung Eduard's I. (s. d.), 1272—1367, begann mit der Un-terwerfung von Wales, das 1328 förmlich mit England vereinigt wurde. Das Aussterbendes schot. Königshauses gab Eduard l. Veranlassung zur Einmischung in die Angelegen-heiten Schottlands. Er sprach >292 dem Johann Baliol unter Anerkennung engl. Ober-hoheit die Krone zu, reizte aber denselben zur Empörung und beugte die Scbotten endlichnach langen furchtbaren Kämpfen unter Will. Wallace (s. d.) durch die Schlacht beiFalkirk 1299 in das engl. Joch. Höchst bedeutend war aber auch diese Regierungsepochcfür die innere Entwickelung. Gegen die grenzenlose Unsicherheit des Eigenttzums undder Person wurde eine strenge Landespolicei angeordnet. Gesetzgebung und Rechtspflegebildeten sich aus, die Friedensgerichte entstanden, und die königliche Bank (Ouui »t'illoKinAS'bencl,) erhielt eine so ausgedehnte Wirksamkeit, daß der Adel auch den letzte» Restvon Territorialhoheit verlor. Die Einkünfte des Feudalstaats reichten schon längst nicht hin,