Druckschrift 
6 (1845) Gebler bis Heilsordnung
Entstehung
Seite
433
Einzelbild herunterladen
 

Grönland 433

Norden nur Moose und einige Kräuter zeigt. Daher ist es auch höchst arm an Land,säugthieren und Landvögeln, von denen nur der Hund, das Rcnnthicr, der weiße Bär,der weiße Hase und Polarfuchs sowie eine Taubenart erwähncnswcrth sind. Zahlreichersind die Seesäugthicrc und Wasservögel, am zahlreichsten aber die Fische welche mit demRennthiere und den lehtern beiden Thicrgattungen den Einwohnern hauptsächlich dieMittel ihrer Existenz und die Ausfuhrproducte liefern, welche in Fischbein, Thran, Rob-ben-, Fuchs-, Bären- und Rennthierfellen, Eiderdunen, Narwalhörnern u. s. w. bestehen.Die Einwohner des Landes sind, mit Ausnahme weniger dän. Colonisten, ein Stamm derweitverbreiteten Familie der Eskimos (s. d.), mit der sie alle Eigenthümlichkeiten thcilen.Wie diese sind sie ein Fischervolk, das es nicht einmal bis zur Zähmung des Nennthiers ge-bracht hat und größtentheils noch heidnisch ist. Nur in der Nähe der dän. Niederlassungenund so weit sich der Einfluß der Missionare erstreckt, sind sie Christen und civilisirker geworden.Ihre Zahl beläuft sich auf20—24000 Seelen, wovon ungefähr 6SW in den dän.-lutheri-schen und den herrnhutischen Missionen leben. Obwol im höchsten Grade schmuzig und aufeiner der niedrigsten Stufen der Gesittigung stehend, sind sie doch gutartig, ohne grobe La-ster, stolz, thätig und voll Mutterwitz. Ihre Wohnungen bestehen im Winter in engen, stei-ncrnen, mit Erde bedeckten, blos mit einem ganz niedrigen Eingänge versehenen Hütten, diewahre Kloaken und voller Ungeziefer sind, im Sommer aber aus Zelten. Zur Nahrung dienenihnen hauptsächlich Thran und Scethiere aller Art. Der Fischfang, den sie in künstlichenKähnen aus Fischbein und Nobbenfell, mittels Harpunen sehr geschickt betreiben, ist ihreHauptbeschäftigung; weniger lieben sie die Jagd. Außer den dän. Niederlassungen lebensie ohne allen gesellschaftlichen Verband. Ihre Sprache, Karalit genannt, ist ein Dialekt desEskimoischen. Merkwürdig ist ihre Religion. Als höchstes Wesen verehren sie Silla (die Luftoder den Himmel), der Alles leitet und den Menschen je nach ihren Handlungen gnädig oderungnädig ist; andere göttliche Wesen sind Malina und ihr Bruder Alminga (Sonne undMond), unter denen der Seehundsfang steht; außerdem verehren sie eine Menge Luft-,Meer-, Feuer-, Berg-, Kriegs-, Wind- und Wettergeister; der mächtigste unter denselben istder gute Geist Torngarsuk, dessen Frau die Scethiere in ihrer Gewalt hat. Die Erde denkensie sich auf alten morschen, immer der Ausbesserung bedürfenden Stützen im Meer, undden Himmel auf den Bergen ruhend, um die er sich dreht. Der erste Mensch kam aus derErde und die Frau aus seinem Daumen. Auch an eine Sündflut, aus der nur ein Mannübrigblieb, der sich durch einen Stockschlag auf die Erde eine Frau schuf, glauben sie, sowiean eine Auferstehung der tobten Menschen und Thicre nach deren Aussterbeu. Verehrungbeweisen sic ihren Gottheiten nicht, auch feiern sie nur ein Fest, das Sonnenfest am 22.Dec., durch Schmaus, Gesang und Tanz; sonst ist ihre Religion durch den allergröbstenAberglauben, der durch ihre Zauberer und Wahrsager, Angekoks genannt, ausgezeichnet.Die in den dän. Niederlassungen lebenden Grönländer sind zum Christenthum bekehrt,haben jedoch noch viel von ihrem alten Aberglauben bewahrt.

Merkwürdig ist G. wegen seiner frühen Entdeckung durch die Skandinavier, wie ein1824 daselbst gefundener, jetzt im Museum zu Kopenhagen befindlicher Runenstein be-weist. Schon im I. 982 war es durch zwei Colonien aus der West - und Ostscite, Austur-bygd und Westurbygd, von Skandinaviern bevölkert worden. Im I. > 400 bestand die öst-liche Kolonie aus l 90 Dörfern, einem Bischof, zwölfKirchspielen und zwei Klöstern. Alleinvon da an schweigt die Geschichte über dieselbe. Die Ostküste, auf der man diese östlicheColonie gelegen glaubte, und die früher, wie ganzG. überhaupt, was ja sein Name bezeugt,der grünes Land bedeutet, milder gewesen, nach und nach aber immer rauher geworden seinmuß, wurde immer mehr von Eis versperrt, sodaß alle Versuche, zu ihr vorzudringen, ver-geblich waren. Erst dem Capitain Graah gelang es auf seiner Expedition in den I. 1829—31 auf der Ostküste nördlich genug vorzudringen. Da er nirgend die geringsten Spureneiner Colonie fand, so gewann er die Meinung, daß jene östliche Colonie auf der Südwest-küstc gelegen habe. Die westliche Colonie hat sich dagegen erhalten, wurde jedoch lange vonDänemark, dem sie angehört, vernachlässigt, bis Hans Egede (s. d.) sich ihrer wieder an-nahm und 1721 die Niederlassung Godhaab, d. i. gute Hoffnung, gründete, worauf sehrConv. - Lex. Neunte Auch VI. 26