Grolman (-dernr. Dietr. von) Grolman (Karl Wilh. George von)
dem Gymnasium und der Universität daselbst, wo er sich dem Studium der Rechte wid-mete, und besuchte dann zu seiner weitern Ausbildung einige Zeit die Universität zu Erlan-gen. Im1.1795 habilitirtc er sich in Gießen, wo er >798 außerordentlicher, > 899 ordent-licher Professor der Rechte wurde, > 894 den Charakter eines Obcrappellationsgcrichts-raths und im Dcc- 1815 die seit 1894 erledigte Kanzlcrwürdc der Universität erhielt.Auch war ihm und seinen Brüdern inzwischen im I. >812 vom Könige von Preußen dieAdelßwürde erneuert worden. Nachdem er seit 1816 in Darmstadt den Vorsitz bei der mitAbfassung eines neuen Gesetzbuchs für das Großherzogthum Hessen beauftragten Com-mission geführt hatte, wurde er 1819 bei der Krankheit des Staatsministers, Freiherrnvon Lichtenbcrg, zum Mitglied des Staatsministeriums und nach dem Ableben desselbenzum Staatsminister ernannt. Als solcher leitete er alle Zweige der Staatsverwaltung,das Militairwesen ausgenommen, bis zur neuen Organisation der obersten Staatsbehör-den im I. 1821, woraus er das Departement des Innern und der Justiz übernahm undPräsident der vereinten Ministerien wurde. Er starb am 14. Febr. 1829. Sowol derStaat wie die Universität verdanken ihm sehr viel. Seine wichtigsten Werke sind die„Grundsätze der Criminalrechtswissenschaft, nebst einer systematischen Darstellung derdeutschen Criminalgesetze" (Gieß. 1798; 4. Aust., 1826); „Über die Begründung desStrafrechts und der Strafgesetzgebung, nebst Entwickelung der Lehre von dem Maßstabeder Strafen und der juridischen Imputation" (Gieß. 17 99), worin er gegen Fcuerbach undandere Gegner der Präventionstheorie den Beweis zu führen versuchte, daß derselben kei-neswegs die praktische Anwendung abgehe; die „Theorie des gerichtlichen Verfahrens inbürgerlichen Nechtsstreiti'gkeiten, nach gemeinen deutschen Rechten" (Gieß. 1899; 4. Auf!.,1829), sein Hauptwerk, und das „Handbuch über den Code Napoleon" (Bd. 1—3, Gieß.1819—12), welches in Folge der politischen Veränderungen in Deutschland gegen Endedes J. 1813 nicht weiter fortgesetzt wurde. Unter seinen kleinern Schriften nennen wirden „Versuch einer Entwickelung der rechtlichen Natur des Ausspiclgeschäfts" (Gieß.1797) und die Schrift „Über olographe und mystische Testamente" (Gieß. >814). Außer-dem gab er theils allein, theils mit andern Gelehrten, mehre juristische Journale heraus.
Grolman (Heinr. Dietr. von), ehemaliger prcuß. Geh. Obertribunalpräsident, warzu Bochum in der Grafschaft Mark am 31. Dec. >749 geboren und ein Sohn Chri-stoph Dietr. G.'s, der als Director der Negierung in Kleve am 12. Febr. >784 im84. Lebensjahre starb. Er erhielt seine Schulbildung zu Kleve, studirte >759—62 inHalle und Göttingen die Rechte und sing dann seine praktische juristische Laufbahn bei derNegierung in Kleve an, worauf er >765 Kammergerichtsrath in Berlin und später Pu-pillenrath wurde. In der Schule Friedrich des Großen gebildet und dessen Ideen über dieNothwendigkeit eines nationalen Gesetzbuchs thcilend, zählte er schon in jener Zeit unterden ausgezeichnetsten Rechtsgelehrtcn Preußens. Im I. >787 als Geh. Justizrath zumMitgliede der Gesehcommission ernannt, war er bei Ausarbeitung des „Allgemeinen Land-rechts" einer der thätigsten Redactoren. Im I. 1793 wurde er zum Geh. Obertribunal-rath und 1894 zum Präsidenten des Geh. Obertribunals befördert. Bei seinem funfug-jährigen Dienstjubiläum am 27. Dec. 1815 erhielt er das Prädicat Excellcn; und beimOrdensfestcimJ. 1816 den Rothen Adlerorden erster Classe. Bei Einrichtung des Staats-raths im I. >817 wurde er zum Mitgliede desselben ernannt. Er hatte 67 Jahre lang. im Dienste dreier Könige unermüdlich gewirkt, als er sich endlich wegen zunehmenderSchwäche des Gesichts und Gehörs genöthigt sah, seine Entlassung aus dem Staatsdienstenachzusuchcn, die ihm auch unter Verleihung des Schwarzen Adlerordens >833 zu Thcilwurde. Seitdem lebte er, noch vollkommen im Besitze seiner geistigen Kräfte und bei ungestör-ter Gesundheit, im Kreise seiner Familie, bis er, ein fast hundertjähriger Greis, am2l.Oct.1849 starb. Begas hat für den Sitzungssaal des Geh. Obertribunals sein Bildniß gemalt.
Grolman (Karl Wilh. George von), ehemaliger prcuß. General der Infanterie,der Sohn des Vorigen, geb. zu Berlin am 39. Juli 1777, widmete sich stütz dem Kriegs-dienste, indem er, 14 Jahre alt, in das Infanterieregiment von Möllendorf eintrat, in wel-chem er 1795 zum Fähnrich und 1797 zum Secondclieutenant avancirte, woraufer 1894Premierlieutenant und Jnspectionsadjutant des Feldmarschalls von Möllendorf wurde.