Grochow Erolman (Karl Ludw. Wilh. von) 429
than sind, ihre Sorgsamkeit und die häufig selbst mit Opfern verknüpfte Ehrlichkeit in Be-sorgung ihrer häuslichen Geschäfte, wie im Allgemeinen ihre Grazie und schalkhafte Hei-terkeit. Ebenso sorglos und leichtsinnig, wie sie ein erstes Verhältnis mit einem jungenMann anknüpfen, geben sie sich auch, wenn ihr Liebhaber sie verläßt, einem Andern hin,dem sie bis zur Auflösung des neuen Verhältnisses gleiche Treue widmen. Mancher ge-lingt es, die wirkliche und, wie allgemein behauptet wird, auch meist treue, häusliche unddankbare Ehefrau eines oder des andern Liebhabers zu werden; häufiger jedoch sinken sie,aus einer Hand in die andere übergehend, von Stufe zu Stufe, um in Elend und Gemein-heit zu enden. Die franz. leichte und unbekümmerte Sitte hält solche Verhältnisse für er-laubt und gerechtfertigt, ja für natürlich und nothwcndig. Einige unter den neuern deut-schen Schriftstellern haben das Grisettcnwcscn auch für DeutschlLnd empfehlen wollen,ohne zu bedenken, daß ein deutsches Mädchen dieser Art, welches meist gutmüthig, wennauch leichtsinnig Und namentlich im hohen Grade leichtgläubig erscheint, stets mehr alseine Französin die Ehe als letztes Ziel im Auge behält, daß es, um seinen Zweck betrogenund da es selten die natürliche Bildung und Gcistcsanmuth der Französin besitzt, leichterin eine plumpe Demoralisation versinkt und ohnehin von der deutschen Sitte als ein ver-worfenes und ausgestoßcnes Geschöpfb'ctrachtet wird, daß endlich überhaupt, auch in Frank-reich, Verhältnisse dieser Art der Mehrzahl nach mit der Prostitution, viel seltener dagegenmit einer sittlichen Ausgleichung durch die Ehe enden, da der Verführer und mit ihm dieWelt es ganz in der Ordnung hält, die Verführte, wenn er ihrer überdrüssig ist oder essonst mit seinem Vortheil nicht mehr vereinbar findet, ohne Weiteres zu verstoßen. In derTheatersprache bezeichnet man mit Griset te das Fach der Soubretten (s. d.), insoferndiese mit dem Charakter anmuthiger und neckisch-witziger Coquctterie auch den der Selbst-und Jntriguensucht verbinden.
Grochow, ein Dorf im poln. Gouvernement Masovien, wurde durch die Schlachtam 25. Febr. 1831 bekannt, in welcher das begeisterte Heer der Polen unter Skrzynecki'sunsicherer Leitung einen mörderischen Kampf gegen die ungleich stärkere Macht der Russenbestand und wenn nicht siegte, doch auch nicht besiegt wurde.
Grodno, ein Gouvernement Westrußlands, von 755 OM. mit S0ÜV66 E., im Sü-den mit einer Menge Moräste und kleiner Seen bedeckt und im Ganzen noch ziemlich schlechtangebaut, war früher ein Theil Lithaucns. Die Bewohner sind Nußniakcn, Lithauer undPolen und bekennen sich meist zur röm.-katholischcn Kirche; doch gibt cs auch GriechenundIuden daselbst.— Die Hauptstadt Grodno am Riemen hat 9666 E., daruntergegen5666 Juden, zwei Schlösser, eine adelige Kadcttenschule, mehre Fabriken in Tuch, Seideund Gewehren und einträglichen Handel, der ganz in den Händen der Juden ist und durchin G. abgehaltene Messen gefördert wird. In G. starb 1586 Stephan Bathori auf demSchlosse, das er selbst hatte erbauen lassen. In G- unterschrieben > 7t>3 die poln. Reichs-stände nach langem Widerstreben die zweite Theilung Polens und hier legte 1795 Sta-nislaw August seine Krone nieder.
Groitzsch, eine kleine Stadt im Königreich Sachsen, in der Kreisdirection Leipzig,eine halbe Stunde von Pegau, hat etwa 1260 E-, die sich von Ackerbau und Handwerkennähren. Bekannt und ein einträglicher Handelszweig sind Namentlich die Pantoffeln odervielmehr Papusen aus Saffian, den man auch in E. fertigt- Ein hiesiger im 17. Jahrhin türk. Gefangenschaft gerathener Einwohner, Namens Meyer, soll zuerst diesen Er-werbszweig hierher verpflanzt haben, den sich nachher auch Pegau, Zwenkau und Luckauaneigneten. Der Ort wird bereits im l I. Jahrh. als Stadt erwähnt und war derStammort der Grafen von G-, unter denen Graf Wiprccht (s. d.) und sein SohnHeinrich sich einen berühmten Namen erworben haben. Nach des Letztem Tode erhielt derMarkgraf Konrad von Meißen die Grafschaft. Die dasige alte Burg, welche der KaiserHeinrich V. >213 vergebens belagerte, erhielt 1276 der Abt von Pegau, der sie als Raub-schloß von Grund aus zerstören ließ.
Grolnmn (Karl Ludw. Wilh. von), ehemaliger großherzoglich Hess. Staatsminister,geb. am 23. Juli 1775 zu Gießen, wo sein Vater, als landgräflich hessen-darmstädtischerGeh. Regierungsrath, Mitglied der Provinzialrcgicrung war, erhielt seine Bildung auf