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brauchen. Er studirte die Rechte und wurde Advocat; allein eine sehr bitter abgcfaßte Schrift tzog ihm 1780 Verweisung zu. Seitdem lebte er in völliger Unabhängigkeit ganz der Lite- lratur. In den glänzenden Cirkeln seiner Altern zeigte er sich linkisch und blöde, machte sichaber dabei fortwährend über den Nangstolz der vornehmen Welt lustig. Unter Andermgab er ein großes Gastmahl, welchem Niemand beiwohnen durfte, der nicht bewies, daß erein Bürgerlicher sei. Ein anderes Mal lud er sehr vornehme Gäste und ließ sie in einemschwarz ausgcschlagcnen Saale speisen, wo Jeder einen Sarg hinter sich hatte. Später Itrieb er eine Zeit lang im Hause seines Vaters einen Kramhandcl. Die Revolution durch,lebte er sehr friedlich. Durch seinen witzigen „^Imsnsc Oes gourmunOs" (8 Bde., Par. !
1803—12), den er dem Koche Cambacc'res' widmete, wurde er in ganz Europa berühmt.
Für die Emporkömmlinge, die nicht wissen, wie sie ihrem Vermögen Ehre machen sollen,schrieb er „I.e manuei Oes ^inj>!ütr)vns" (Par. 1808). Sein Eifer für die Beförderungder Wissenschaft des Gaumens, wie sie Montaigne nannte, ließ ihn eine Jury von Fein-schmeckern errichten, die monatlich im Rocker Oe Osncsle eine Sitzung bei einer ausge-wählten Tafel hielt, wo über den Werth der Speisen auf die ernsthafteste Weise abge-stimmt wurde. Seit 1814 lebte G., literarisch beschäftigt, in der Zurückgezogenheit aufdem Lande, wo er erst am 13. Jan. 1838 starb.
Grindelwald, eines der schönsten und angebautesten Alpenthäler im Oberlande desschweiz. Cantops Bern, 3100 F. über der Meersfläche, wird gebildet durch zum Theilnoch nie oder erst in der neuesten Zeit bestiegene, mit ewigem Schnee und Eis bedeckte Ge- ü
birge mit dem Ober - und Untergrindelwaldgletscher, und ist eine halbe Stunde breit und «
vier Meilen lang. Es hat ungefähr 3500 Bewohner, welche Viehzucht und Alpenwirth- !schast treiben, und ist berühmt als Mittelpunkt des Weges vom Lauterbrunnen nach Mey- iringen, dem Hauptorte des Obcrhaslithals. Vieles Interessante bietet der Bergweg über ^die Weegeralp, die kleine Scheidegg, dem Fuße der Jungfrau und den berner Alpen ent-lang. Sehr bekannt ist das Grindelwalder Kirschwasser, das als eines der bestenund unentbehrlichsten Stärkungsmittel allen Fußreisenden der Schweiz anempfohlcn wird. !
Grippe (inllnentiu), eine Krankheit, die in der neuern Zeit besonders in den I.
183 l und 1833 epidemisch den größten Theil der Erde überzog. Über die Etymologie des ;Wortes gibt es verschiedene Meinungen, unter denen diejenige als die annehmbarste er- ?scheint, die dasselbe von dem altfranz. griper, d. h. erfassen oder plötzlich erhaschen, ver-wandt mit dem deutschen greifen und dem plattdeutschen griepen, ableitet. Der NameInfluenza ist ital. Ursprungs, indem die ital. Chroniken alle ihre Epidemien als noa iu-üuenrg Oi freOOo beschreiben. Die Krankheit selbst war schon seit dem 12. Jahrh. bekannt.
Sie besteht in einem nervösen Katarrhfieber, welches vielleicht von allen Epidemien den !ausgeprägtesten epidemischen Charakter hat. Mit Unrecht nennt man auch einen etwasheftigen, mit Schlingbeschwerden und Mattigkeit verbundenen Katarrh Grippe, dennerst Fiebererscheinungen, Athembeschwcrden, Brustschmerzen, fortwährender schmerzhaf-ter Husten, Kopfschmerzen und Augenleiden erheben einen Katarrh zur Grippe.' Diese iSymptome können sich sogar bis zu einem ziemlich hohen Grade steigern, che das Übel ei-nen schlimmer» Namen verdient. Wenn auch nur selten ein energischeres ärztliches Ein- ..greifen nöthig wird, so erfvdert die Krankheit doch ziemliche Vorsicht in der Diät, besondersbei schon geschwächtem Constitutionen. Die NespirationSwerkzeuge und die Kräfte im All-gemeinen werden stark angegriffen und Erkältungen oder andere Diätfehler können sehrgefährliche Folgen nach sich ziehen. In den meisten Fällen bei gutem Verhalten ist dieKrankheit nicht gefährlich und nach einigen Tagen bis auf eine ziemlich lange andauerndeMattigkeit beendigt. Vgl. Glugc, „Die Influenza oder Grippe" (Minden 1837). i
Grisaille, s. Camaieu. ?
Grisette ist der Name für eine ganze Classc pariser Mädchen, welche, nieder» Stan- jdes, die Prostitution mit einem gewissen Anstrich von Anstand und Ehrlichkeit zu verbin- j
den wissen, sich gut und reinlich kleiden, vorzüglich als Nähterinnen, Putzmacherinnen ^
n. s. w. auf Arbeit gehen, dabei aber ledigen Herren, namentlich Studenten, die Wirth-schaft führen und von der franz. Sitte gewissermaßen als die tcmporairen Ehefrauen ihre-Freundes anerkannt sind. Man rühmt die Treue, womit sie ihrem jeweiligen Freunde Me-