Grimmelshausen Grimod de la Reyniere 427
deihen wollte, hierher in das ehemalige Augustiner Eremitcnklosterverlegt und am lä.Sept-eingeweiht. Siehatte früheres theilsFrei-, thcilsKoststcllcn, die aber jetzt auf mehr als 120vermehrt sind, und ist im Besitz einer Bibliothek von ungefähr 6000 Bänden. Der Bau-fälligkeit wegen wurde sie >828 von Grund aus neu aufgeführt. Die merkwürdigstenPunkte in der Nähe der Stadt sind das ehemalige Kloster Nimbschen, jetzt ein zur Fürsten-schule gehöriges Vorwerk, in welchem Katharina von Bora (s. d.) als Nonne lebte, unddie Orte Döben, die alte Burg Dewin, wo Albrecht der Unartige seinen Vater, Otto denReichen, drei Jahre gefangen hielt, und Hohenstcdt. G. kommt bereits im 11. Jahrh. alsStadt vor und war bis ins > 5. Jahrh. herab der Mittelpunkt des sächs. Handels, nament-lich in Folge der durch sie führende Handelsstraße aus Polen, Schlesien und der Lausitz.Schon im I. >200 erhielt es auch das Stapelrecht über alles auf der Mulde geflößte Holz.Seit der Erbauung des Schlosses im I. >301 hielten die Markgrafen von Meißen undnachmaligen Kurfürsten bis ins 16. Jahrh. öfter in G. ihren Hof; auch wurden hier mehreLandtage gehalten. Die Reformation fand im I. > 320 Eingang. Im I. >53l am >7.Juli kam hier der Vertrag zwischen den beiden sächs. Linien zur Beilegung der Streitigkei-ten über Münz- und Bcrgsachcn zu Stande, der unter dem Namen des GrimmaischenMachtspruchs bckanntist. Wie früher durch Feuer, Pest und die Hussiten im I. >320,so litt die Stadt namentlich auch während des Dreißigjährigen Kriegs, wo sie fast ganz ver-wüstet wurde. Vgl. Ermel, „Alkes und Neues von G." (Lp;. >793, 3.).
Grimmelshausen (Christophel von), ist der Name des Verfassers des berühmten„Simplicissimus", wie in neuerer Zeit durch Th. Echtermeyer in den „Hallischen Jahrbü-chern" (>838) und noch gründlicher und von Jenem unabhängig von W. A. Passow inden „Blättern für literarische Unterhaltung" (>813) fast bis zur Evidenz nachgewiesenworden ist. Der Name S amuel Greifenson von Hirschfeld, unter dem man bis-her den „Simplicissimus" gewöhnlich aufführte, ist ebenso fingirt, wie die Namen Si-gneur Meßmahl, Michael Regulin von Sehmsdorf, German Schleifheim von Sulsfortu. s. w., deren sich G. auf seinen Schriften bediente. Früher hielt man den Verfasser mitdem Helden seines Hauptromans für identisch und nahm demgemäß an, er sei >622 imSpessart geboren und, nachdem er lange Zeit als Musketier während des DreißigjährigenKriegs gedient, >669 gestorben. Dagegen ergeben sich aus Passow's Untersuchungen fol-gende Resultate. G. war in Gelnhausen um den Anfang des Dreißigjährigen Kriegs, viel-leicht >625, geboren, vermuthlich protestantischer Religion, und starb in allgemeiner Ach-tung als Schultheiß zu Renchcn am Schwarzwalde frühestens nach der Mitte des J. >673,jedenfalls aber vor 1683. Erst in seinen spätem Jahren scheint er als Schriftsteller, dannaber auch um so thätiger, ausgetreten zu sein. Von seinen Schriften fand die meiste undverdienteste Anerkennung sein oft aufgelegter Roman „Abenteuerlicher Simplicissimus,d. i. Beschreibung des Lebens eines seltsamen Vaganten, genannt Melchior Sternfels vonFuchßhaim, an den Tag gegeben von German Schleifstein: vonSulzfort" (6 Bde., Möm-pelKart >669; 3 Bde., Nürnb. >685; neu bearbeitet vom Verfasser der „Grauen Mappe",Magdeb. >810, und von E. von Bülow, Lpz. 1836). Dieser Roman, wenn auch zuwei-len in Derbheit übergehend, zeichnet sich durch naiven Witz, treuherzige Kraft, geschickteund phantasievolle Anordnung und als treues Lebensgcmälde der bunten, abenteuerlichenund greuelvollen Zeiten des Dreißigjährigen Kriegs vortheilhaft aus. In andern Roma-nen ist der Verfasser dem abstrusen Romangeschmacke der Zeit, wie er sich bei Zesen,Buchholz oder Ziegler bemerkbar macht, ebenfalls bis zu einem gewissen Grade verfallen;dagegen zeigt er sich überall vortrefflich und von echter Lebensweisheit, theilweise auch vongesundem Witze erfüllt, wo er sich, wie in den kleinern Erzählungen, „Rathstübel Plutonis",„Der stolze Melcher" u. s. w-, oder in seinen Schriften satirisch-didaktischen Inhalts, wiein seiner „Verkehrten Welt", an den eigentlichen Volkston anschließt und das natürlich Ein-fache dem erkünstelt Pomphaften der damaligen Zeit gegenüberstellt.
Grimod de la Reyniere (Alex. Balth. Laurent), .der witzigste Epikuräcr desneuern Frankreichs, der sich besonders durch seine große Eßlust und Feinschmeckerei aus-zeichnete, geb. zu Paris am 20. Nov. >758, der Sohn eines Generalpächters, hatte vonNatur ganz misgestaltete Hände, wußte aber sehr geschickt seine künstlichen Finger zu ge-