Druckschrift 
6 (1845) Gebler bis Heilsordnung
Entstehung
Seite
426
Einzelbild herunterladen
 

426

Grimm (Jul. Ludw.)

Grimma

verwahrten, und wurde deshalb seines Dienstes entlassen, durfte aber in Köttingen nochverweilen bis im Oct. >838, wo er sich nach Kassel zu seinem Bruder begab, mit dem zu-gleich er 183 l einen Nus nach Berlin erhielt und annahm. Ein echter Gcistcsgenossc sei-nes Bruders und mit ihm in häuslichen und amtlichen Verhältnissen wie durch gleicheswissenschaftliches Streben innig verbunden, hat er seine Forschungen namentlich der Poesiedes deutschen Mittelalters zugcwendct; dahin gehören seine Ausgaben des „Grave Ruo-dolf"(Gött. 1828; 2. Aust., 1833), Bruchstücke eines Gedichts des I2.Jahrh.; des Hildc-brandslieds(Gött. >830), des Freibank (Gött. >833), des Rosengartens (Gött. 1830), desRolandslieds (Gott. >838), der Veronica Wernher's vom Niederrhein (Gött. >830)und der Goldenen Schmiede (Berl. >830) und des Silvester von Konrad von Würzburg(Gött. 1831). „Altdän. Heldenlieder" gab er in einer Übersetzung (Hcidelb. 1811) heraus,und dann eine Untersuchung „Über deutsche Runen" (Gött. >821) und unter dem Titel„Die deutsche Heldensage" (Gött. 1820) eine Sammlung der Zeugnisse für dieselbe miteiner Abhandlung über ihren Ursprung und ihre Fortbildung. Kleinere Arbeiten beiderBrüder finden sich unter andern aus früherer Zeit in den „Heidelberger Studien" vonDaub und Creuzer, in Arnims „Zeitung für Einsiedler", in den „Heidelberger Jahrbü-chern" und aus der neuesten Zeit in Haupt's „Zeitschrift für deutsches Alterthum". Gemein-schaftlich haben Beide hcrausgcgcben die vortreffliche Sammlung deutscher „Kinder- undHausmärchen" (3 Bde., Berl. 1812—13; Bd. 1 und 2, 5. Aust., Gött. 1833), „Alt-deutsche Wälder" (3 Bde., Kass. und Franks. >813—>6), eine Sammlung kleinerer Ar-beiten; „Deutsche Sagen" (2 Bde., Berl. 1816—18) und „Irische Elfenmärchen" (Lpz.1826), nach Crofton's „k!>>r> legenüs" mit einer Einleitung über den Elfenglauben. Er-warten dürfen wir von ihnen ein großes Wörterbuch der neuhochdeutschen Sprache, zuwelchem die umfassenden Vorarbeiten nunmehr vollendet sind.

Grimm (Jul. Ludw.), einer der verdienstvollsten Landkartenzeichner der neuern Zeit,geb. zu Wetzlar am 2. Nov. >806, erhielt seine Bildung in der Bauakademie zu Berlin,wo er namentlich durch Berghaus für die zeichnende Geographie gewonnen wurde. Abge-sehen von einzelnen kleinen geographischen Karten war die Karte von Palästina die erstewerthvolle Frucht seiner Studien. Wie bei seinen später« Arbeiten, nahm er auch schon beidieser Nennel sich zum Muster. Die mislungene Lithographie und der tadclnswerthe Druckderselben veranlaßtcn ihn zur Begründung des Geographischen Verlagscomptoirs inBerlin, wobei ihn vorzüglich Ritter unterstützte. Er fand in den ausgezeichneten Litho-graphen Todt und Scharrer kunstgeübte Genossen seiner Bestrebungen, und außer ein-zelnen, wahrhaft schönen Blättern, fand insbesondere sein pneumatisch-portativer Erdglo-bus von 12 Fuß im Umfange, der 1832 erschien, allgemeine Anerkennung. Gleichzeitig ar-beitete er mehre Schulatlassc, von denen der bei Schropp erschienene von Ritter auf dasnachdrücklichste empfohlen und nach G.'s frühem Tode, am >7. Jan. 1833, von Berghrusergänzt wurde. Ungleich wichtiger aber war der von ihm unternommene große „Atlasvon Asien" (Lief. I, Berl. 1833; Lief. 2, herausgcgeben von Ritter und F. A. O'Etzel,1830). Mit G.'s Tode fiel auch das Unternehmen des Geographischen Verlagscomptoirs,dessen Verlag an die Reimer'sche Buchhandlung überging.

Grimma, eine Stadt am linken Ufer der Mulde, in der Krcisdirection Leipzig desKönigreichs Sachsen, mit ungefähr 5000 E., hatte im Mittelalter eine ungleich größereBedeutung als Handelsstadt wie gegenwärtig, wo sie besonders der Fürstenschule wegenim Rufe steht. Sie hat ein freundliches Ansehen und zum Theil nette Gebäude; unterden öffentlichen sind das königliche Schloß, in welchem jetzt das Amt ist, und das altcr-thümliche Rathhaus, ursprünglich ein Kaufhaus, die bemerkenswertesten, und unterden Kirchen die Klosterkirche und die seit 1830 sehr geschmackvoll restaurirte Frauenkirche.Die Bewohner beschäftigen sich theils mit Fabrikarbeit, Handwerken und Handel, theilsmit Ackerbau. Die Fabriken liefern namentlich Tuche, Flanelle, Strumpfwaaren, Kattunund Zwirn sowie thönerne Pfeifen; auch besteht daselbst eine Baumwollspinnerei. Nächstder Fürstenschule bestehen in G. ein Schullehrerseminar (seit 1828), eine Stadtschule undeine Mädchenschule. Die Fürstenschule, ursprünglich St.-Augustin bei G-, später nachder Mulde gewöhnlich Nolelanum genannt, wurde >550 von Merseburg, wo sie nicht ge-