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Grimm (Wilh. Karl)'
Muße, die seine Amtsarbeiten ihm ließen, wendete er dem Studium der Literatur undDichtkunst des Mittelalters zu, welchem er bereits in Paris sich gewidmet hatte. Nach derGründung des Königreichs Westfalen erhielt er 18»8 die Aufsicht über die im SchlosseWilhelmshöhc ausgestellte Privatbibliothek des Königs. Auch als er später mit Beibehal-tung dieser Stelle zum Staatsrathsauditor ernannt wurde, blieb ihm noch Zeit genug, sichseiner literarischen Neigung zu widmen. Nacb der Rückkehr des Kurfürsten von Hessenfolgte er 1813 als Sccretair dem Hess. Gesandten in das Hauptquartier der Verbündetenund später nach Paris, wo er in Verbindung mitVölkel die von den Franzosen aus Hessen3 Weggefährten literarischen Schätze zurückzuerlangen bemüht war. Bald nach seiner Nück-
^ kehr aus Frankreich wurde er mit dem Hess. Gesandten nach Wien geschickt, wo er bis zum
Juni 1813 blieb. Im Aufträge der preuß. Regierung ging er «815 noch einmal nachParis, um die aus einigen Gegenden Preußens dorthin gebrachten Handschriften auszu-mitteln und zurückzufodern und zugleich einige Geschäfte des Kurfürsten von Hessen zu be-sorgen. Nach Vollziehung dieser Aufträge wurde er >81» als zweiter Bibliothekar inKassel angestellt, wo er nun ei'rig bemüht war, seine Studien der Literatur des Mittelal-ters fortzusetzen. Als 182» nach dem Tode des ersten Bibliothekars, Völkel, der kurhess.Historiograph und Staatsarchivdirector Rommel die erste Stelle an der Bibliothek erhielt,fühlte sich E. durch die erfahrene Zurücksetzung gekränkt und nahm 18 !» den Ruf alsProfessor und Bibliothekar nach Göttingen an. Wegen seiner Theilnahme an der Prote-station gegen die Aufhebung des Staatsgrundgesetzes von Hannover wurde er im Dec.1837 seines Amts entsetzt und des Landes verwiesen. Vgl. über diese Verhältnisse seineSchrift „Jak. G. über seine Entlassung" (Bas. 1838). Von Kassel, wohin er sich wen-^ dete, wurde er im März i 831 nach Berlin berufen, wo er als Mitglied der Akademie der
I Wissenschaften auch an der Universität thätig ist. Seins wissenschaftlichen Forschungen,
> durchdrungen von der edelsten Vaterlandsliebe, waren und sind vornehmlich darauf gerich-
tet, das geistige Leben des deutschen Volks, wie es sich in dessen Sprache und, im Mittel-I alter, in seinem Recht und Glauben, in seiner Sitte und Dichtung kundgegeben, an sich
^ und in seinen Beziehungen zu andern Völkern geschichtlich zu ergründen und darzulegen.
Die Werke, die aus ihnen hervorgegangen, zeugen von einem mächtigen, Massen bezwin-genden Fleiß, großartiger Gelehrsamkeit, tiefdringendem, ordnenden Verstand, von sichern!Gefühl für den Gang historischer Entwickelung und vom frischesten, ebenso kräftigen alszarten poetischen Sinn. Durch seine „Deutsche Grammatik" (Bd. l, Gött. 181»; 3. Aust.,183»; Bd. 2—3, 182»—37) hat er recht eigentlich die historische Sprachforschung über-haupt begründet. Außerdem besitzen wir von ihm „Deutsche Nechtsalterthümer" (Gött.1828), eine Sammlung deutscher „Weisthümer" (3 Bde., Gött. 183««—32), „DeutscheMythologie" (Gött. 1833; 2. Aust, in 2 Abth., I ^33—33) und eine Untersuchung „überden Meistergesang" (Gött. 181 1); ein Buch über deutsche Sitten hat er vorbereitet; heraus-gegeben hat er ferner, außer der Sammlung span. Romanzen, „8ilva cke romances viejns"(Wien 1813), eine althochdeutsche Jnterlincarvcrsion lat. Kirchenhymncn, „H^mnornmveteris ecclssiae XX V I intcup^etatio tkeotiscu" (Gött. 183»); im „Neinhart Fuchs"(Bert. 1833) den mittelhochdeutschen Ncinhart, den nicderländ. Neinaert und anderedeutsche und lat. Gedichte der mittelalterlichen Thierfabel, über deren Wesen und Gestal-, tung sich die Einleitung verbreitet, und einen Nachtrag dazu in dem „Sendschreiben anLrchmann über Neinh. Fuchs" (Lp;. 183»); ferner die angelsächs. Dichtungen „Andreasund Elenc" (Gött. >83») und mit Ä. Schmeller „Lat. Gedickte des 1». und 11. Jahrh."(Gott. 1838), darunter namentlich den Walth-müis msm, sortis.
Grimm (Wilh. Karl), Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin, derBruder des Vorigen, geb. am 23. Fcbr. 178» zu Hanau, besuchte mit seinem Bruder dasLyceum zu Kassel und ging, um sich gleichfalls der Rechtswissenschaft zu widmen, 18»3» auf die Universität zu Marburg. Seine Jugend trübte eine langwierige gefährliche Krank-
h' heit, von der er nur langsam seit 18»» genas. Er wurde >813 als Sccretair bei der Bi-
bliothek zu Kassel angestellt und ging mit seinem Bruder 183» nach Göttingen, wo er Un-terbibliothekar und 1833 außerordentlicher Professor in der philosophischen Facultät wurde.Auch er gehörte zu den Sieben, welche gegen die Aufhebung des Staatsgrundgesetzes sich