424 Grimm (Friede. Melchior) Grimm (Jak. Ludw.)
lino G., geb., 1667 ,'u Neapel, gest. 1756, ein Polyhistor, wurde insbesondere berühmtdurch seinen Streit mit den Benediktinern, die er wegen ihres Angriffs auf CartesiuSin einer biktcrn Gegenschrift züchtigte. — Francesco AntonioE., gest. in Neapel >784,lieferte mehre geschichtliche Werke über Neapel und dieses Landes Verfassung. — Der lehtemännliche Sprößling der Familie, Luigi G. dclla Pietra starb zu Genua am 28.Juni l 864.
Grimm (Friede. Melchior, Baron), ein geistreicher Mann, der wahrend seines lan-gen Aufenthalts in Paris mit den ausgezeichnetsten zeitgenössischen Persönlichkeiten innaher Verbindung stand, war zu Negcnsburg am2 5.Dec. >723 geboren und erhielt durchseine obwol armen Altern eine sehr sorgfältige Erziehung. Nachdem er seine Studien be-endigt und für sein Trauerspiel „Banise" Spott und Tadel in reichem Maße eingeerntethatte, begleitete er den jungen Grafen von Schönberg, nachmaligen kursächs. Eonserenz-minister, auf die Universität zu Leipzig und sodann nach Paris. Hier wurde er Vorleser desdamaligen Erbprinzen von Sachsen-Gotha; allein diese Stelle war mehr ehrend als loh-nend, und G. befand sich in sehr beschränkter Lage, als ihn I. I. Rousseau kennen lernte,mit dem er gleiche Neigung für die Musik theilte. Durch diesen wurde er bei Diderot, demBaron Holbach, der Frau von Epinay und andern durch Geist und Geburt ausgezeichnetenPersonen cingeführt, und überall gelang es ihm, sich in Gunst zu setzen. Als Secretair desGrafen Friesen, Neffen des Marschalls von Sachsen, kam er noch mehr in die vornehmemGesellschaften und suchte sich besonders den Frauen durch feines und gewandtes Wesen so-wie durch äußere Eleganz zu empfehlen. Als die Ankunft der ital. Bouffons in Paris alleKenner und Freunde der Musik in zwei Parteien spaltete, erklärte sich G. entschieden fürsie und stand an der Spitze des 6oin 6e I» reine, so genannt, weil diese Partei sich im Parterre unter der Loge der Königin zu versammeln Pflegte, während die Freunde Rameau'sund der sranz. Musik den Ooin «In roi bildeten. Er schrieb bei dieser Gelegenheit eine kleineBroschüre voll Geist, Witz und Geschmack, „l.e petit pro;,böte «1« Unsmisclibroclu" (Par.1753), und als die Gegner darauf zu antworten versuchten, schlug er sie durch seine „I^ettrs8»r lit MUSIKUS srilnyaiso" völlig aus dem Felde. Doch gab letztere ein so gewaltigesÄrgernis, daß anfangs von Verbannung und Bastille die Rede war, bis endlich die Wuthsich legte und dem Verfasser statt dessen der Beifall aller Freunde der neuen Musik und derital. Truppe zu Theil wurde. Die Verbindungen G.'s mit den Encyklopädisten (s. d.),seine Verhältnisse zu den Großen Frankreichs, seine Kenntnisse sowie die Geschmeidigkeitseines Geistes öffneten ihm nun bald eine glänzende Laufbahn. Nach des Grafen FriesenTode wurde er Secretair des Herzogs von Orleans. Damals fing er an, seine literarischenBulletins für mehre deutsche Fürsten zu schreiben, welche von allen nur einigermaßen wich-tigen Erscheinungen der franz. Literatur jener Zeit die geistreichsten Analysen enthieltenund bei deren Abfassung ihm besonders der Abbe Raynal und Diderot behülflich gewesensein sollen. Auch nachdem er 1776 zum Baron und vom Herzoge von Gotha zu dessenbevollmächtigtem Minister am franz. Hof ernannt worden war, setzte er seine literarischenKorrespondenzen fort. Nach dem Ausbruche derRevolution begab er sich nach Gotha, wo ihn1795 die Kaiserin Katharina von Rußland zum Staatsrath und zu ihrem bevollmächtigtenMinister in Hamburg ernannte, welchenPosten er bekleidete, bis eineKrankheit, in Folge derener ein Auge verlor, ihn nöthigte, seine Entlassung zu nehmen. Er ging hierauf wieder nachGotha, wo er am l O.Dec. 1867 starb. Nach seinem Tode erschien seine „<7»rre.«;,or>llai>celittörairo, pliilosopkilz,,« et critiyiie" (i 6 Bde., Par. 1812, nebst Supplement von Alex.Barbier, Par. >814; neue vervollständigte Ausg., 15 Bde., Par. >829 fg. ; deutsch imAuszuge, 2 Bde., Brandcnb. 1826—23), welche eine vollständige Geschichte der franz.Literatur von 1753—96 bildet und sprachlich, wie durch glänzende und pikante Urtheilesich anszcichnct.
Grimm (Jak. Ludw.), Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin, geb.am 4. Jan. 1785 zu Hanau, wurde auf dem Lyceum zu Kassel gebildet und studirte seit1862 auf der Universität zu Marburg die Rechte. Im I. >8o5 folgte er einer Einladungseines Lehrers Savigny nach Paris, der ihn dort bei seinen literarischen Arbeiten benutzte.In das Vaterland zurückgekchrt, erhielt er 1 8V6 eine Stelle im KriegScvllegium. Die