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6 (1845) Gebler bis Heilsordnung
Entstehung
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417
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Griechische Philosophie 417

sich unabhängig entwickelte sich die pythagoräischc oder italische Schule (s. Pythagoras),welche, getrieben von dem Bedürfnisse eines sichern Stützpunktes für die Erkcnniniß unddiesen in den mathematischen Begriffen findend, sich in der Grundansicht vereinigten, daßdie Principien der Zahlen, d.h. wol die mathematischen Verhältnisse, überhaupt die Prin-cipicn der Dinge seien. Im Gegensätze zu diesen dogmatischen Versuchen endlich beschlie-ßen die erste Periode dieSophisten (s. d.), welche dadurch, daß sie ebensowol das Wis-sen, wie die religiösen und ethischen Überzeugungen in bloße subjektive Meinungen aufm-lösen suchten, die Veranlassung zu dem neuen Aufschwünge wurden, welche die Philoso-phie durch Sokrates (s.d.) und seine Schüler erhielt. Indem nämlich Sokrates ein regel-mäßiges Verfahren mit Begriffen als die wesentliche Methode der Philosophie lehrte undübte und in der allerdings einseitigen Anwendung dieses Verfahrens auf sittliche Überzeu-gungcn das Gebiet der Philosophie über die Grenzen der frühem, vorzugsweise naturphi-losophischen Versuche hinaus erweiterte, beginnt von ihm die zweite Periode (100—300v. Chr-), die Zeit der vollendetsten Erzeugnisse der griech. Philosophie. Die von Sokratesausgestreuten Keime entwickelten sich nur fragmentarisch, zum Theil mit großen Abwei-chungen von dem Geiste seiner Lehre in den sogenannten kleinern sokratischcn Schulen, dercyrenaischen (s. Ari stipp), der cynischen (s. Anti sthenes) und der megarischen(s. EuklidesausMegara); beiweitem umfassender aber, cigcnthümlichcr und mit Be-nutzung auch der vorsokratischen Systeme bei Platon (s. d.), der die von Sokrates geübteMethode wissenschaftlicher Begriffsentwickelung zuerst auf das ganze Gebiet der Philoso-phie ausdehnte und dadurch der Urheber der Unterscheidung zwischen Dialektik, Physik undEthik wurde. Dieselbe systematische Vollständigkeit findet sich bei seinem Schüler Ari-stoteles ss. d.), der wol der umfassendste Geist des ganzen Altcrthums war und dessenphilosophische Lehren (s. Per! patetische Philosophie) einen Einfluß auf spätereJahrtausende hatten, wie die keines andern Denkers. Während nun die Geschichte derPhilosophie bis aufPlaton eine zu immcrtiefereingehenden und umfassendernUntersuchun-gen fortschreitende Reihe spekulativer Versuche darstellt, Aristoteles dagegen die Gesammt-hcit der bis dahin mehr oder weniger bestimmt ausgebildeten Denkweisen zu einer Art Ab-schluß brachte und zugleich die Masse der von ihm ausgeprägten Begriffsbestimmungen indas überaus reiche, empirische Material, welches ihm zu Gebote stand, verarbeitete, beginntnach ihm bei abnehmender Spannung des speculativen Denkens die dritte Periode, diePeriode des Verfalls, in welcher an die Stelle eines regelmäßigen Fortschritts thcils einebloße Reproduction früherer Lehrmeinungen, theils eine Menge zum Theil und wenigstensfür die nächste Folgezeit unfruchtbarer Streitigkeiten über einzelne Fragen trat, bis endlichdie Zuversicht zu der Möglichkeit eines systematischen Wissens auf der einen Seite demSkepticismus, aus der andern der Schwärmerei wich. Dieser Verfall zeigt sich schon in denbeiden Hauptschulen, die zu den beiden schon bestehenden, der akademischen und peripate-tischcn, noch hinzukamen, der epikureischen (s. Epikur) und der stoiscken (s. Stoa),sowie in den Streitigkeiten, welche zwischen den Stoikern und der sogenannten jüngernAkademie (s. Arcesilaus und Karneades) über die Möglichkeit des Wissens geführtwurden. Der skeptische ProbabiliSmres der jüngern Akademie, und der empirische Eklck-ticismus, der das scharfe Gepräge der einzelnen Schulen allmälig verwischte, waren immerdeutlicher hervorlretende Zeichen der innern Auflösung, und die Verpflanzung der griech.Philosophie zu den Römern führte in der Theilnahme der letzter» an den Angelegenheitender Philosophie keineswegs zu einer energischen Wiederbelebung des strengen Untersu-chungsgeistes der großen Alten; und so schließt sich der Kreislauf der griech. Philosophieniit dem durch Änesidemus (s. d.) und Sextus Empiricus (s. d.) in eine Art vonMethode gebrachten Skepticismus, welcher zu Gunsten des im Leben unmittelbar Brauch-baren alle Wissenschaft für einen Wahn erklärte. Auf der andern Seite tauchten in dertrüben Gährung der ersten Jahrhunderte n. Chr. die neupythagoräische und neuplato-nische Schule auf; sie suchten dem Christenthume gegenüber das untergehcnde und in sichselbst zerfallende Heidenthum wieder zu erheben und umzugestalten; aber sowie äußerlichder Mittelpunkt des geistigen Lebens von Athen nach Rom und Alexandria gewandertConv. - Ler. Neunte Aufl. VI. 27