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Griechische Musik
Musen überhaupt war, und daß, wenn von der bildenden, sittlichenden Macht der Musikdie Rede ist, unter letzterer eine allgemeine harmonische Ausbildung durch Künste undWissenschaften zu verstehen sei. Sodann mag immerhin zugegeben werden, daß die Praxisin vieler Hinsicht die speculirende, idealisirende Theorie überflügelt und etwas Brauch-bareres geleistet habe als die Überreste einer starren philosophischen Speculation schließenlassen. Auch könnte man wol aunehmen, daß bei den Griechen ein ähnliches Verhältniswie weit später in der Entwickelungsperiode der neuern Musik obgewaltet habe, wo sich diegrübelnde Theorie Jahrhunderte lang abmühte, ein Gebäude aufzuführen, das selbst inseiner höchsten Vollendung doch nur etwas Einseitiges und Unfreies war, während dasVolk in der Kunst seiner Minstrels und Troubadours schon längst etwas Naturgemäßeres,wenn auch noch Unausgebildetes kannte und liebte. Leicht erklärt sich dann die Erschei-nung, daß, während das Volk, gerade wie später, den wandernden Sängern und Flöten-spielern zujauchzte, die Kunstphilosophie vornehm davon absah und ein Etwas herstclltc,das tiefsinnig, geistreich und Alles sein mochte, nur nicht Musik in unserm Sinne. Dasgriech. Tonsystem, wie es in den auf uns gekommenen Schriften vorliegt, und wie esim Wesentlichen jedenfalls auch in Tempeln und Theatern ausgeübt wurde, unterschied sichvon dem gegenwärtigen zuerst dadurch, daß seine Eintheilung nicht auf die Octave sondernauf die Quarte basirt war. Die ganze Tonreihe zerfiel in fünf Letrachvrde (Reihen vonvier Tönen), deren vierter Ton aber immer zugleich der erste des folgenden Tetrachordswar, während zwei dieser Tetrachorde selbst mehre Töne gemein batten, die jedoch verschie-den benannt wurden. In jetziger Darstellungsweise würde dies ungefähr folgende Reihegeben: bl c <i e, « k A u, u b c 6, ll c^I <>, e s 8 8. Diese Reihe hieß das diatonischeGeschlecht; außerdem hatte man noch das chromatische, dessen Tetrachorde folgende Ge-stalt hatten: ii e eis» e, e kxo? n u. s. w., und das enharm onische, dessen Tetrachordeaus zwei Viertelstönen (<>iesis) und einer großen Ten bestanden, das also in der gegen-wärtigen Notation sich gar nicht darstellen läßt. Daß bei diesem System und bei einer höchstschwerfälligen Tonschrift, deren Zeichen von Alypius auf >62» angegeben werden, nichteinmal von einer eigentlichen Tonleiter, viel weniger von Harmonie im gegenwärtigen Sinnedie Rede sein konnte, leuchtet von selbst ein und würde auch dann noch anzunehmen sein,wenn in der Praris;. B. das enharmonische Geschlecht nur eine sehr beschränkte, oder, gleichjenen falsch berechneten Terzien, die in ihren unnatürlichen Verhältnissen ganz richtig unterdie Dissonanzen gerechnet wurden, vielleicht gar keine Anwendung gefunden hätte. Wennman es aber unwahrscheinlich finden wollte, daß ein so hochgebildetes, geistreiches Volk,dessen Erzeugnisse namentlich in Poesie und Sculptur noch nach zwei Jahrtausenden Mu-stergültigkeit haben, sich mit etwas so Ünvollkommenem habe begnügen können, und bei demgänzlichen Mangel an Allem, was einiges Licht über die praktische Ausübung verbreitete,namentlich aller und jeder tonschriftliche» Überreste (denn die Notation einiger Hymnenund einer Ode des Pindar hat sich als unecht erwiesen) auf eine viel höhere Ausbildungder Tonkunst in der Ausübung schloß, als jene theoretischen Fragmente ahnen lassen, so istdas gewiß zu weit geschlossen; denn es ist geradehin undenkbar, daß eine Kunst so ganzund gar verfallen, ja geradezu verschwinden konnte, wenn ihr Zustand nur einigermaßendem jener andern Künste entsprochen hätte. Die >5 Tonarten, welche von den griech.Schriftstellern aufgezählt werden, sind nichts als ebenso viele Transpositionen derselbenTonreihe, die der gegenwärtigen Molltonleitcr, mit Ausnahme der siebenten Stufe, ent-spricht. Etwas Anderes sind die später» griechisch benannten Kirchentonarten, die vielennoch üblichen Choralmelodien zu Grunde liegen. Sie unterscheiden sich wesentlich vonein-ander durch die Lage der halben Töne. Da man nämlich die durch Erniedrigung und Er-höhung entstehenden Halbtöne nicht kannte und doch jeden Ton der natürlichen Tonleiterzum Grundton einer eigenen Tonleiter machte, so entstand eine Anzahl Tonleitern, in derenjeder die Halblöne e-k und b-c auf andere Stufen fielen. Nun unterschied man aber zweiClassen dieser Tonarten. Entweder stiegen die im Umfang einer Octave zu haltenden Kir-chenmelodien vom Grundton zur Octave auf (authentische Ton arten), oder von derQuinte oder Unterquarte des eigentlichen Grundtons bis zur Quinte der noch Hetzern Octave(plagalisch e Tonarten). Es würde demnach sieben authentische und sieben plaga-