Griechische Literatur äil
die Darstellungen davon einen cigenthümlichen Reiz erhielten, sowie sic durch eine eigeneEinfalt sich auszeichncten. Von Denen, welche durch dieses Alles, sowie durch Ausbildungder Musik und durch Erfindung verschiedener Formen dieser lyrischen Poesie sich ausge-zeichnet haben, sind besonders zu erwähnen Archilochus (s. d.) von Paros, der Erfinderdes Jambus; Tyrtäus (s.d.) aus Milet, der Sänger der Kriegslieder; Kallinus (s. d.)aus Ephesus, der Erfinder des elegischen SylbenmaßeS; Alkman (s.d.) der Lydier;Arion aus Methymna, der den Dithyrambus ausbildete; Terpander(s. d.) aus An-tissa, der Erfinder des Barbiton; die zärtliche Sapvho (s. d.) aus Mitylene; ihr Lands-/ mann Alcäus(f. d.) und beider Zeitgenossin E rinn a (s. d.); Mimnermus (s.d.)
^ aus Kolophon, der Flötenspieler; Stesickorus (s. d.) aus Himcra; Jbykus (s. d.) aus
Rhegium; Anakreon (s. d.), S imonides (s. d.) und Bacchyli.des (s. d.) aus Kcos;Hipponax (s. d.) aus Ephesus und Ko rinn a (s. d.) aus Tanagra, die Freundin undLehrerin Pindar's. Als gnomische Dichter werden genannt S o l o n (s. d.), T h e o g n i s (s. d.),Phocylides (s.d.), Simonides (s.d.), Pythagoras (s.d.) und Lenophanesss.d.)aus Kolophon; als Fabeldichter Äsopus (s. d.). Betrachtet man die Philosophie diesesZeitalters, so findet man sie vorzüglich auf das Praktische gerichtet, weil von diesem Allesausging und auf dieses Alles hinwies. In diesen! Sinne muß man die sogenannten siebenWeisen Griechenlands, Periander (s.d.), Pittakus (s.d.), Thales (s.d.), So-lo n (s. d.), B i a s (s. d.), Chiton und Kleobulus, betrachten. Ihre Sprüche sind Lebens-regcln durch Handeln erzeugt und oft nur Ausdruck des augenblicklichen Gefühls. Wellaber das Wissen doch die Grundlage der wahren Weisheit ist, so mußte man bei weitermForschen auch auf das Wissen kommen, und so ging denn auch die theoretische Philosophiewenigstens nicht ganz leer aus. Thales wurde der Stifter der jonischen Philosophie, und^ seit dieser Zeit hörte die Poesie auf, der Inbegriff alles Wifsenswürdigen, die einzige Leh-
- rerin und Erzieherin zu sein. Bisher batte sie zugleich auch das Amt der Geschichte, der
' Philosophie und Religion verwaltet; was man auf die Nachwelt zu bringen, was manvon Lebensweisheit und Kenntnissen mitzutheilcn, was man von Religion zu lehren hatte,geschah in ihrer gemessenen Rede. Dies sollte fortan anders werden; das Leben des Staats-bürgers mußte auch auf die Sprache einen bedeutenden Einstuß haben, und die öffentlichenVerhandlungen, an denen er Theil nahm, nötbigten ihn, die Sprache des gemeinen Lebensfür den öffentlichen Vortrag geschickter zu machen. Dies und die nun in Griechenland be-kannter werdende Buchstabenschrift, nebst dem eingeführten Gebrauche des ägppt. Papy-rus, bereiteten die Bildung der Prosa vor. (S. Griechische Sprache, Mundartund Schrift.) Alles dies hatte aber wesentlichen Einfluß auf den Zustand der Wissen-schaften; aus der epischen Poesie ging allmalig die Geschichte, aus der poetischen Lebens-weisheit die forschende Philosophie hervor.
Die nun folgende vierte Periode könnte man die der Wissenschaftlichkeit nennen.Sie erstreckt sich bis ans Ende aller griech. Literatur, thcilt sich aber, nach Maßgabe desI verschiedenen Geistes, der sich darin offenbart, und des Vorwaltens dieser und jener Wis-^ fcnschaft, in mehre Abschnitte. Die Philosopbic sonderte sich von der religiösen Kvsmolo-
. gie und Theogonic ab. Alle Religion nämlich berubt auf Vorstellungen von der Gottheit,
> welche in jener Zeit von der Natur nicht unterschieden wurde. Da nun die Religionsve-! griffe nichts enthielten als Dichtungen von der Entstehung der großen Naturerscheinun-gen, d. i. der Gottheiten, so wurde nothwendig die älteste Philosophie Naturphilosophie,in welcher der menschliche Geist die bisher beobachteten Sinnenerscheinungen weiter zuzergliedern, auf Gründe zurückzuführen und als ein Ganzes zu umfassen strebte. BeimMangel an hinreichenden Beobachtungen und Versuchen in der Naturkenntniß, mischtesich in das Geschäft des Verstands und der Vernunft öfter die dichtende EinbildungS-^ kraft, wodurch denn diese philosophisch-physischen Untersuchungen mit poetischen Bilderndurchwebt erschienen. (S. Griechische Philosophie.) Besonders waren es Pla-ton (s. d.) und Lenophvn (s. d.), die den Dialog zum ästhetischen Kunstwerke ausbilde-ten. Während nun die Philosophie bedeutende Fortschritte machte, näherte sich auch dieGeschichte mit starken Schritten dem Gipfel der Vollendung. In dem Zeiträume von550—500 v. Ehr. entstand zuerst Sagenschreibung oder Lvgographie in ungebundener