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6 (1845) Gebler bis Heilsordnung
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410 Griechische Literatur

Saiteninstrumente. Bei keiner wichtigen Angelegenheit fehlten die Sänger, die man umerbcsonderm Einfluß der Götter, vornehmlich der gesangliebenden Musen, dachte. Unter denmehren Sängern aber, welche jenes Zeitalter unstreitig hatte, ragt einzig Homer (s. d.)hervor. Nach ihm nennt man eine ionische Sängerschule die Homeriden, welche wahrschein-lich, anfangs zu Chios, eine besondere Nhapsodcufamilie bildeten und bei denen sich diealte Homerische und epische Weise und Geist und Klang der Homerischen Poesie erhielten.Hierher gehören auch die Cyklischen Dichter (s.d.), deren Gedichte jedoch bedeutend vondem ionischen Epos abzuweichen anstngcn, indem in ihnen mehr und mehr das historischeElement stakt des poetischen überwog. Die ältesten dieser cyklischen Dichter sollen bereitsum 770 v. Ehr. ausgetreten sein. An eine Bezeichnung der Bildungsstufen ihrer Poesieist aber darum nicht zu denken, weil wir uns überhaupt nur mit sehr allgemeinen Nachrich-reu über sie begnügen müssen. Was wir von ihnen wissen, berechtigt indeß zu dem Schluffe,daß wol zwischen ihnen und den ionischen Sängerschule» etwas mitten inne gelegen, wel-ches gleichsam den Übergang gebildet habe. Auch finden wir dies in der That in der böo-tisch-askräischen Sängerschule, die sich wahrscheinlich gegen 890 v. Ehr. im europ. Grie-chenland bildete. Sie erhielt ihren Namen von Askra in Böotien, dem Aufenthaltsortedes Hesiod (s.d.), der an der Spitze derselben stand. Auch seine Werke wurden an-fangs durch Rhapsoden fortgepflanzt, späterhin erst künstlich zusammengesetzt und zumTheil mit fremden Stücken vermehrt, weshalb denn auch die Echtheit derselben in ihrer jetzi-gen Gestalt so zweifelhaft ist als bei Homer. Durch den Inhalt und den Geist aller dieserWerke, besonders der Homerischen nnd Hefiodischen, welche ein kanonisches Ansehen erhieltenund gewissermaßen die Grundlagen der Zugendbildung ausmachten, erhielt der Charakterder Griechen jene bestimmte Richtung, die ibn nachhevffo sehr auszeichnete, und die sich amdeutlichsten in ihrer Religion zu erkennen gibt. Die Mystik der ersten Periode war dadurchmeist verdrängt worden, und in dem neuen griech. Göttergeschlechte, welches entstandenwar, sah man nichts als die Blüte der Menschheit. Sinnlichkeit wurde daher der Charak-ter der griech. Religion, bei welcher keine andere Moral stattfindcn konnte als eine solche,die das Leben mit Weisheit genießen lehrt. Die Poesie war bisher die einzige Lehrerin undErzieherin der griech. Welt gewesen; sie blieb es auch ferner noch, als sie eine andere Rich-tung nahm.

Dies geschah in der dritten Periode, dem Zeitalter der Lyriker und der apologi-schen Poesie und Philosophie, mit welchem allmälig größere historische Gewißheit anhebt.Um den Anfang der Zeitrechnung der Olympiaden (770 v. Chr.) entstand eine wahreEbbe und Flut von Verfassungen in den kleinen griech. Staaten. Der wechselnden Herr-schaft kämpfender Parteien, die sich mit gegenseitigem Haß bekämpft hatten, folgten end-lich Republiken mit demokratischer Verfassung, und Nationalzusammenkünfte bei heili-gen Spielen vereinigten dieselben in gewissem Sinne zu einem Ganzen. Der in solcherZeit herrschende Geist begünstigte vornehmlich die lyrische Poesie, welche in Griechenlandjetzt zur Kunst wurde und bis zum Einfall der Perser den Gipfel ihrer Vollkommenheit er-reichte. Nächst den Göttern, die an ihren Festen mit Hymnen gefeiert wurden, war dasVaterland mit seinen Helden ein Hauptgegenstand dieser Poesie, auf deren Charakter dieäußern Umstände nicht wenig gewirkt zu haben scheinen. Die Gemüthskräfte waren durch dieVerhältnisse des Vaterlandes mehr aufgeregt; durch die häufigen Kriege und Kämpfe, wiedurch die Liebe des Vaterlandes und der Freiheit und den Haß der Feinde und Tyrannen er-zeugte sich die heroische Ode. Das Leben aber wurde doch zugleich mehr von seiner trübenSeite angesehen und schmerzlicher empfunden, daher die Einmischung von Empfindsamkeitin die Elegie, von der andern Seite aber auch die rüstige Gegenwirkung durch Spott indem Jambus oder in der Satire. In Allem offenbart sich indeß ein kräftiger Anreiz »umSelbstdenken, Forschen und Herbeischaffen eines erwünschten Zustandes, wodurch das Bc-dürfniß nach Philosophie herbeigeführt wurde. Zuerst sprach sich dieselbe in Sprüchen undGnomen, in Fabeln und hierauf im Lehrgedichte aus. Bei dem Genuß der endlich erkämpf-ten Ruhe umfaßte die lyrische Poesie dann auch die Freuden des Lebens und die daraus ent-springenden Gefühle, wobei sich jener feine Sinn und jenes Zartgefühl immer deutlicheraussprachen, durch welche das Leben reizender, der Genuß desselben veredelt wurde und