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6 (1845) Gebler bis Heilsordnung
Entstehung
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Griechische Literatur 409

im ganzen türk. Reiche die obere geistliche Gerichtsbarkeit über die Griechen aus und wirdauch von den nicht nnirtcn Griechen in Galizien, in der Bukowina, in Slawonien und aufden Jonischen Inseln als Oberhaupt anerkannt. Die übrigen drei Patriarchen haben, dasich in ihren Sprengeln fast Alles zum Mohammedanismus bekennt, einen sehr geringenWirkungskreis, wie denn der zu Alexandria nur zwei Kirchen in Kairo unter sich hat. Umdas neue Königreich Griechenland auch in kirchlicher Beziehung selbständiger zumachen, wurde unter der Regentschaft im Aug. 183.1 durch eine Versammlung'der Bi-schöfe zu Syra die Verwaltung der Kirche einer vom Könige einzusehenden permanentenSynode übertragen. Das strenge Festhallen am Alten, namentlich in der griech.-ruff.Kirche, gab zur Entstehung vieler Sekten Veranlassung. Schon im ll.Jahrh. sondertesich die Partei der Strigolnikcn aus Haß gegen die Geistlichkeit ab, wurde aber, weil siesonst nichts Eigenthümliches hatte, bald wieder zerstreut. Dasselbe thaten um 1600 dieNaskolniken (s. d.), die sich aber jetzt zum Thcil wieder an die orthodoxe Kirche ange-schlossen haben. Vertriebene Naskolniken, welche sich unter Philipp Pustoswiät in Lithauenund Ostpreußen niederließen, gründeten die Sekte der Philip poncn (s. d.). Weiter alsdiese entfernen sich vom Glauben der gricch. Kirche die Du choborzen (s. d.), mit welchendie unpopischen Russen oder sogenannten russ. Juden im Gouvernement Archangel undKatharinoslaw, welche die Dreieinigkeit und die Taufe verwerfen und weder Priester nochKirchen haben, Ähnlichkeit zu haben scheinen. Vgl. Schmitt, „Die morgenländ. griech.-russ. Kirche" (Mainz 1827) und Desselben „Kritische Geschichte der neugriech. und russ.Kirche" (Mainz 1810).

Griechische Literatur. Die ersten Spuren der griech. Literatur, d. h. des Inbe-griffs der Bildung der Griechen durch Werke der Sprache und Schrift, verlieren sich, wiedie Geschichte der Nation selbst, in ein fernes Dunkel. Die erste Periode griech. Bil-dung, welche von den politischen Anfängern der griech. Nation bis auf Homer, also unge-fähr von 1800-100» v. Ehr., sich erstreckt und gewöhnlich auch die vorhomerische ge-nannt wird, ermangelt der eigentlichen Literatur noch gänzlich, da weder den gelehrtenGriechen noch uns ein Denkmal zugekommcn ist, dessen Alter über Homer hinaufsticgc.Alle Dichter und Weise, die aus dieser vorhomerischcn Zeit genannt werden, gehören derSage an oder haben wenigstens etwas Schriftliches nicht hinterlasscn. (S. Orpheus,Di usäus, Dares, Diktys u. s. w.) Fassen wir aber Alles zusammen, was vorhandengewesen sein mußte, wenn das Folgende sollte vorbereitet werden, so ergibt sich aus denmancherlei Sagen von der vorhomcrischen Periode, daß sie bereits Anstalten besaß, welchedurch Religion, Poesie, Orakel und Mysterien zur Entwilderung der Nation und Beför-derung der Cultur, wol meist auf oriental. Weise und vielleicht vom Orient selbst ausge-gangen, nicht unkräftig wirkten, und daß diese meist priestcrlichen Anstalten vornehmlichin den nördlichen Thcilcn von Griechenland, Thrazien und Makedonien ihren Sitz hatten.Etwa 80 Jahre nach dem lrojan. Kriege begann in Griechenland ein neues Drängen undUmherziehcn; ein Theil der Bewohner wandcrte aus dem Mutterlande nach den Inselnund Klcinasicn aus, eine Verpflanzung, welche für den gricch. Genius äußerst heilsam war,denn auf dieser hafenreichen Küste und den benachbarten Inseln, von der Natur ru HandelundBctrichfamrcik bestimmt, fand man nicht nur ein ruhigeres Leben sondern auch größereBildungsmittel, durch welche in diesem Klima eine neue Lebensweise entstand. Dichtkunstund Philosophie, Malerei und Bildhauerei erreichten hier ihre schönste Blüte, und beson-ders fand in der Nähe der Hauptsccnen des ersten wirklichen Ncttionalunternehmens derGriechen, des trojan. Kriegs, die Poesie einen Stoff, durch dessen Darstellung sie selbst ei-nen Charakter annehmcn mußte, der von dem bisherigen gan; verschieden war. Denn mitdemHeldenthume entstand zugleich dicHcldcnpocsie. Daher umfaßt die zweite Perioderecht eigentlich das epische Zeitalter der Griechen. Der Sänger erscheint nun getrennt vondeni Priester, jedoch als hochgeehrte Person. Unter solchen Umständen ist es nicht zu ver-wundern, wenn sich förmliche Sängerschulen bildeten, denn an der Phantasie des erstenDichters entzündete sich die Phantasie anderer, und man glaubte Poesie lernen zu können,wie man andere Künste lernte. Sänger gab cs aber in eigentlicher Bedeutung, denn dieSage wurde gesungen, und der erzählende Dichter begleitete selbst seinen Gesang mit einem