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6 (1845) Gebler bis Heilsordnung
Entstehung
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Geburtshülfe 3

Daß eine solche Geburt möglich sei, ist hinlänglich erwiesen, auch scheint die Behauptung,daß die nach dem Tode im Unterleibe sich entwickelnden Gase die Ausstoßung des Kindesbewirken, eine solche Erscheinung ziemlich genügend zu erklären. Der Ausdruck Mis-geburtss. d.) bezieht sich nicht auf den Act der Geburt sondern auf das Product dessel-den, ebenso die Ausdrücke Zwillings-, Drillingsgcburt u. s. w. (S. Kind.) Daß sich beiden vielen verschiedenartigen Vorgängen, welche die Geburt mit sich führt, für den Arzt,schon mit Ausschluß der ganzen Geburtshülfe in engerm Sinne, in diäteticher und thera-peutischer Hinsicht ein weiter Wirkungskreis darbietet, liegt am Tage; allein auch dem ge-richtlichen Zweige der Medicin werden oft Untersuchungen über Geburten, z. B. über da-gewescne Schwangerschaft, über Alter eines Kindes, über die Zeit, wenn die Geburt statt-gefunden hat u. s. w., vorgelegt, die in vielen Fällen mit den größten Schwierigkeiten ver-knüpft sind, da die Natur noch so manche Vorgänge bei diesem wichtigen Lcbensacte inein bis jetzt undurchdringliches Dunkel gehüllt hat. Vgl. Wigand,Die Geburt des Men-schen in physiologisch-diätetischer und pathologisch-therapeutischer Beziehung" (2 Bde.;2. Aust., Berl. I8:;9).

Geburtshülfe heißt die Wissenschaft, welche die physiologischen und pathologischenVorgänge im weiblichen Körper von der Empfängniß an bis zu Ende der unmittelbarenFolgen der Geburt für Mutter und Kind besonders auffassend zugleich die Mittel angibt,durch welche der regelmäßige Verlauf dieser Vorgänge befördert, den Unregelmäßigkeitenin demselben aber passend begegnet wird. Da der letztere Theil dieser Wissenschaft, derpraktische, jedoch auch oft unmittelbare thätliche Hülfe verschreibt und zu dieser wiedereine gewisse Fertigkeit nöthig wird, so schließt die Geburtshülfe auch eincKunst, die Ent-bindungskunst (urs obstetriciu), ein, deren Ausübung für die Menschheit von solcherWichtigkeit ist, daß in den meisten civilisirten Staaten nur besonders darin geprüftenÄrzten, den sogenannten Geburtshelfern oder Accoucheurs, die Erlaubnis dazu ertheiltwird, während die diätetische und therapeutische Behandlung einer Schwängern, Gebä-renden oder Wöchnerin, wenn kein maniMle^ Emgriss in Hinsicht auf das Verhältnißzwischen MrEOlmd Kind nöthig ist, jedem andern Arzte, und der Beistand bei leichterregelmäßigen Geburten den Hebammen überlassen werden kann. Man darf daher dieGeburtshülfe nicht als einen Theil der Medicin im engern Sinne oder der Chirurgie an-sehcn, da nicht nur die Kenntniß jener beiden Abtheilungen sich vereinigen, sondern nochVieles, was jene in ihrer gewöhnlichen Bedeutung nicht cinschließen, hinzutreten muß,um einen vollkommenen Geburtshelfer zu bilden. Aus diesem Grunde erfodert die Er-lernung der Geburtshülse eine besondere Klinik, in welcher die geburtshülfliche Patho-logie und Therapie gelehrt werden und zu welcher die mcdicinische und chirurgische Klinikals Vorbereitungen dienen. Die Vorübungen zu den geburtshülflichen Operationen nimmtman an einem Phantom (s. d.) vor. Solche Operationen werden nöthig, wenn wegenSchwäche, Asthma, Blutungen oder anderer entweder schon eingetretener oder doch zu fürch-tender übler Zufälle, welche der Mutter die Fortsetzung der Eeburtsanstrcngungen unmög-lich, oder doch sehr gefährlich machen, eine Beschleunigung der Geburt erfodert wird, oderwenn die Größe der Frucht oder die Kleinheit des Beckens den Austritt derselben verhin-dert, auch wenn die Lage des Kindes dessen Durchgang durch die Geburtsthcile verwehrt,oder wenn Regelwidrigkeiten in den Theilen, die der Mutter sowol als dem Kinde angehö-ren, einem von beiden oder beiden zugleich Gefahr drohen, ;. B. zu dicke Eihäute, zu kurzeoder zu lange Nabelschnur, Umschlingung, Knoten, Vorfall, Zerreißung derselben u. s. w.Die Geschichte der Gcburtshülfe schließt sich eng an die der gesammten Heilkunde an; nurstand die Gcburtshülfe in ihrer Ausbildung hinter den übrigen Theilen der Medicin bis indas 18. Jahrh. stets etwas zurück, da sie mit noch mehr Vorurtheilen als jene zu kämpfenhalte. Schon in den ältesten Urkunden der Geschichte wird der Hebammen als besondereClasse gedacht, und bei den Griechen wie bei den Römern wurden mehre weibliche Gott-heiten als Schutzgöttinnen der Gebärenden verehrt. Erst um die Mitte des -t. Jahrh.v. Chr. scheint bei den Griechen männliche Hülfe von den Gebärenden in Anspruch genom-men worden zu sein. Hippokratcs hat mehre Schriften über Geburt und Geburtshülfe ge-