Moses Mendelssohn Mosheim 721
Bildung daraus hervorblicken, doch das Bestreben deutlich bekundet, die Hebräer von denägypt. Sitten und Vorurtheilen zu entwöhnen. Allein die Vortrefflichkcit dieser Gesetz-gebung wurde nickt sogleich von den Hebräern erkannt. Schon nahe am Ziele des Wegsnach Kanaan sah M. sich durch neue Gährungen genölhigt, das Volk in di- Wüste zurück-zuführen, und 40 Jahre eines mühseligen Umherzichens in derselbenmußten vergehen, harteStrafen mußten vollzogen werden, Alle, die im Mannesalter aus Ägypten gezogen waren,mußten absterben, ehe das Gesetz bei dem neuen, während des Zugs herangewachsenen Ee-schlechte durchdrang. M., der mit Sorgen, Beschwerden und Arbeiten aller Art geplagteFührer, sollte die vollkommene Ausführung seinerJdee nickt einmal erleben. Nachdem erden Feldherr» Jo sua (s. d.) zu seinem Nachfolger bestimmt und von dem Volke feierlichAbschied genommen hatte, bestieg er den Berg Nebo inPeräa jcnseit des Jordans, von demer das gelobte Land überschaute, und beschloß hier sein mühevolles Leben im 120. Jahre.Der abergläubischen Verehrung seiner Gebeine hatte er durch den Befehl, ihn heimlich zubeerdigen, vorgebeugt. Weil in den nach M. benannten Büchern des Alten Testamentssein eigener Tod erzählt und Manches erwähnt wird, was einer später« Zeit angchört, weilferner das Material, auf das erschrick, Stein war, auf welchem Schriften von so großemUmfange, wie die Mosaischen sind, schwerlich aufbewahrt werden konnten, so muß die Kri-tik allerdings ihre Abfassung und Anordnung in die fünf Bücher (Pentateuchos) einemspäter» Zeitalter zuschreib en. Denn och bleibt es möglich, daß M. die Nachrichten von derGeschichte der Urwelt, die das eme Buch 5G c n esis) enthält, gekannt und, wenn auchvielleicht mündlich, auf die Nachwelt gebracht, die zehn Gebote und die Beschreckung desZugs der Israeliten durch die Arabische Wüste im zweiten.(Exodus) und vierten Buche(N um eri), und solche Gesetze, die er der unsicher» Sage nicht überlassen konnte, in diesenbeiden, dem dritten (Leviticus) und fünften Buche (Deuteronomium) selbst ausge-schrieben hat; doch läßt sich hierüber nichts Genaues ermitteln. (S. Bibel und Bibli-sch e E i n l e i t u n g.) Vgl. Heß, „Geschichte Mosiß" (2 Bde., Zür. 1777); Ilgen, „Ur-kunde des jerusalemischen Tempelarchivs" (Halle >797); Vater, „Commentarüber denPentateuch" (Halle >802—5); Ewald, „Composition der Genesis" (Braunschw. >823);Nanke, „Untersuchungen über den Pentateuch" (Erl. 1834) und Stähelin, „Untersuchun-gen über den Pentateuch u. s. w." (Berl. > 843). Als neuere Vertheidiger der Authcntiedes Pentateuchs sind besonders Hengstenberg und Hävernick zu nennen.
Moses Mendelssohn, s. Mendelssohn (Moses).
Moshaisk, eine Stadt im russ. Gouvernement Moskau, an der Mündung derMoshaiska in die Moskwa, 14 Meilen von Moskau, mit 2500 E., ist durch die Schlachtam 7 . Sept. >812 merkwürdig, die richtiger die Schlacht an derMoskwa (s. d.) und vonden Nüssen nach dem Dorfe Borodino genannt wird.
Mosheim (Joh. Lorenz von), einer der berühmtesten deutschen Theologen, aus einemsteiermärkischen Geschleckte, geb. am 9. Oct. >694 zu Lübeck, studirte zu Kiel, wo er 1719Beisitzer der philosophischen Facultät wurde. Nachdem er mehre Rufe abgelehnt hatte, ginger >723 als ordentlicher Professor der Theologie nach Helmstedt, wo er >726 auchKirchen-und Consistorialrath und Abt zu Marienthal und Mickaelstein wurde und später dasGeneralinspectorat aller Schulen im Herzogthum Wolfenbüttel erhielt. Im I. >747 alsordentlicher Professor der Theologie nach Göttingen berufen, starb er hier als Kanzler derUniversität am 9. Sept. >755. Große Verdienste um alle Thcile der theologischen Wissen-schaften sichern seinem Namen eine bleibende Stelle in der Literatur. Namentlich hat ihmdie Kirchengeschichte viel zu danken, theils in Hinsicht auf gründliche Forschung, theils des-halb, weil er ihr zuerst eine pragmatische Gestalt gab. In der Ketzergeschichte wußte er diekünstlichen Systeme aus den Lehren der Ketzer zusammenzusetzen und irrte dabei nur selten.Sein kirch^ngeschichtliches Hauptwerk sind die „Institutiones distorias ecclesmsticae"(Helmst. >755; neueAufl.>764,4.; deutschdurch von Einem,9Bde.,Lpz.>769—78; undvon I. Rud. Schsegel, 7 Bde., Heilbr. >786—96). Nächstdem gehören hierher seine„institutiones bistorise christianae mchores" (l. Abth., 2. Aust., Helmst. >763, 4.), „veredus christisnorum snte Lonstantinum commentarii" (Helmst. >753, 4.), „Disser-tationes uck iustoriam ecclesissticuin pertinentes" (2 Bde., neue Aust., Altona >767)