Allgemeine deutsche Real-- Encgklopädie für die gebildeten Stände. Coirversationt, - Lexikon Neunte Origin alauklage. In fünfzehn Bänden.- 'S- L-V « 7 .' Neunter Gand.x^-^ Ligny bis Mösien. New Vork, Leipzig, bei Wilhelm Rad de, bciF. 2l. Brockhans. 322, Krondwan. 18 4 6 L. 8igny, ein etwa vier Merlen von Charleroi gelegenes belg. Dorf, welches der Schlacht den Namen gegeben hat, die hier Napoleon am 16. Juni 1815 der preuß. Armee lieferte, während zu gleicher Zeit in einiger Entfernung der Marschall Ney die brit. Armee bei dem Weiler Quatre-Bras (s.d.) zurückhielt. Napoleon, der sich bei Eröffnung des Feldzuges von 1815 seinen Gegnern nicht gewachsen fühlte, hatte den Plan gefaßt, dieselben einzeln zu überwältigen. Während die Russen und Östreicher noch dem Rhein zuzogen, standen die Preußen und Briten schon in Belgien und zwar, wegen Schwierigkeit der Truppenverpflegung, in sehr ausgedehnten Cantvnnirungen. Die brit.-braunschw.-nicderländ.Armee unter Wellington, dessen Hauptquartier am 14. Juni Abends zu Brüssel war, zählte 104000 Streiter mit 25V Kanonen. Dieselbe war in drei Corps getheilt. Das erste unter dem Prinzen von Oranien (s. Wilhelm II.) hatte sein Hauptquartier zu Braine-le-Comte; das zweite unter Hill zu Brüssel; das dritte, welches die Cavalerie vereinigte, unter Uxbridge zu Grammont. Bei der Annäherung Napoleon's gedachte Wellington seine Armee zu Quatre-Bras, zwei Stunden von dem linken Flügel der Preußen, zu concentriren. Die 120000 M. starke preuß. Armee unter Blücher, der sein Hauptquartier zu Namur hatte, war in vier Corps getheilt. Das erste unter Ziethen zog sich an der Sambre hin und hatte sein Hauptquartier zu Charleroi. Das zweite stand unrer Pirch in der Gegend von Namur; das dritte unter Thielmann in der Keae nd von Dinant an der Maas,: das vierte unter Bülow hielt, in Lmtse-— 'i > ^ Quatre-Bras, sollte sick^die^prkWTzü Fleurus concentriren. Die franz. Armee lehnte am Abende des I^-Jstmihrcn linken Flügel an das rechte Ufer der Sambre, hatte ihr Centrum zu Beaumont, ihren rechten Flügel vor Philippeville. Ney befehligte den linken Flügel, der aus dem ersten Corps unter Erlon und dem zweiten unter Reille bestand. Im Centrum befanden sich das sechste Corps unter Lobau, das dritte unter Vandamme, vier Cavaleriecvrps unter Grouchy und die Garden. Der Graf Ge'rard bildete mit dem vierten Corps und einem Detachement Cavalerie den rechten Flügel. Soult versah den Dienst eines Generalmajors des franz.Heers, das 122000 Streiter mit 350Kanonen zählte. Als Napoleon die Absicht Wellington's und Blücher's erkannte, faßte er den Entschluß, über die Preußen, die ihm zunächst standen, unverweilt herzufallen. Am >5. Juni bei Tagesanbruch setzte sich die franz. Armee in Bewegung, überschritt die Sambre, warf die preuß. Vorhut und besetzte Thuin, Charlcroi, Gosselies und Gilly. Wellington, in der Meinung, Napoleon richte seine Hauptmacht gegen ihn, unternahm am > 5. keine Bewegung, so dringend ihn auch Blücher aufsoderte. Allein gegen Mitternacht, als des Kaisers Plan klar geworden, ließ Wellington seine Corps nach Quatre-Bras abgehen, und schon am Morgen des 16. hatte der Prinz von Oranien daselbst Stellung genommen. Blücher hatte seine drei nächsten Corps in der Nacht vom 15. zum 16. zusammengezogcn. Er nahm seine Stellung zwischen St.-Amand und Sombref und gedachte diese beiden Dörfer, sowie Ligny und Bry zu behaupten. Sein rechter Flügel zu Bry stand demnach Quatre-Bras sehr nahe; sein linker zu Sombref war ungefähr 2'/- Stunden vom Corps des Prinzen entfernt. Nach den „Nemoires, ecrit, ü St.-Lölsno" erhielt Ney in der Nacht vom 15. zum 16. von Napoleon den Befehl, mit Anbruch des Tages sich auf dem Plateau von Quatre-BraS zu befinden, dort eine gute Stellung zu nehmen und jede Unterstützung der Preußen durch die Briten zu verhindern. Erlon sollte sich mit dem ersten Corps im Rücken Ncy's, bei Frasnes, aufstellcn, um von hier aus nach Befinden den Marschall zu unterstützen, oder auch auf den Nus des Kaisers Conv.-Lex. Neunte Aufl. IX. 1 2 Ligue im entscheidenden Momente dem rechten Flügel des preuß. Heers in die Flanke oder den Nucken zu fallen. Gegen 10 Uhr am Morgen des 16. begann Napoleon seine Streitkräste zu ordnen. Sein linker Flügel, den das dritte Corps bildete, stand vor Fleurus; im Centrum war das vierte Corps; Grouchy mit der Cavalerie bildete den rechten Flügel. Die Garde und die Kürassiere standen in zweiter Linie; das sechste Corps bildete die Reserve. M-gen 2 Uhr Nachmittags befahl der Kaiser eine Frontvcränderung. Das Centrum und ver rechte Flügel mußten ihre schräge Stellung verlassen und Vorgehen, sodaß nun die Franzosen den Preußen parallel standen. Auch scheint es, als habe Napoleon dem ersten Corps unter Erlon zu gleicher Zeit den Befehl erthcilk, statt nach Frasnes, nach Bry, gegen die rechte Flanke der Preußen, anzurücken. Der Kaiser hoffte von der Frontveränderung, die später sehr getadelt wurde, den größten Erfolg. „In drei Stunden", sagte er zu Gö- rard, „kann das Kriegsgeschick entschieden sein. Wenn Ney den Auftrag gut ausführt, wird uns keine Kanone der preuß. Armee entkommen; wir fassen die Preußen «n üagrrmt «leüt". Gegen 3'/- Uhr Nachmittags begann die Schlacht. Während Grouchy mit der Cavalerie den linken Flügel der Preußen beschäftigte, griff Vandamme das Dorf St.- Amand an, das wiederholt genommen und verloren wurde und endlich zum Theil in den Händen der Franzosen blieb. Ebenso hartnäckig vertheidigten die Preußen das sehr vor- thcilhaft gebaute Dorf Ligny gegen das vierte Corps unter dem Grafen Ge'rard. Vergebens hatte schon Eerard seine Division geopfert, als Napoleon gegen 5 Uhr das Anrücken der Garden auf Ligny befahl. Allein zu gleicher Zeit gerieth der linke Flügel der Franzosen in große Unruhe, indem sich in dessen Rücken ein starkes Corps zeigte, welches man für eine Abtheilung des brit. Heers hielt. Erst nachdem Napoleon mit Zeitverlust sich über- zeugt, daß dies das Corps Erlon's sei, eilten die Garden gegen Ligny, und nun mußten die Preußen der Übermacht weichen. Blücher räumte nach einer letzten Anstrengung, bei welcher er beinahe umkam, Ligny und trat, von der Dunkelheit begünstigt, den Rückzug an. Die Preußen hatten 20000 M. und 25 Kanonen, die Franzosen 6 — 7000 M. verloren. Napoleon hatte nur 60000 M. im Gefecht gehabt, denn sein sechstes Corps erreichte erst beim Einbrüche der Nackt Kscurus, und sein erstes unter Erlon blieb unthätig, weil dasselbe, nachdem es im Rücken der Armee eingctröffen, wieder nach FraSnes zurückkehren mußte und auf diese Weise weder bei Quatre-Bras noch bei Ligny Mitwirken konnte. Diesen Misgriff, dessen wahre Ursache im Dunkel geblieben ist, empfand besonders R«y schmerzlich. Derselbe erwartete den ganzen Morgen des 16. Juni hindurch mit dem ungefähr 18000 M. starken zweiten Corps die Ankunft Erlon's zu Frasnes und rückte, nachdem er um > l Uhr nochmals die dringendste Weisung erhalten, gegen Quatre-Bras vor, wo ihm der Prinz von Oranien bereits mit 25000 M. zuvorgekommen war. Dessenungeachtet unternahm er den Angriff und setzte sich zu Quatre-Bras fest, mußte aber, da eine Division des brit. Heers nach der andern eintraf und er ohne Unterstützung blieb, allmälig kämpfend bis Frasnes zurückweichen, wo er Stand hielt. Der Verlust betrug hier auf beiden Seiten ungefähr 5000 M. und unter den Gefallenen befand sich auch der Herzog Friedrich Wilhelm (s. d.) von Braunschweig. Napoleon erlangt: durch seinen Sieg nicht die gehofften strategetischen Erfolge; er hatte weder die Preußen vernichtet noch ihre Vereinigung mit dem brit. Heere unmöglich gemacht. Blücher zog sich mit dem ersten und zweiten Corps auf Wavre zurück, wohin ihm auch nach Mitternacht sein drittes, wenig beschäftigt gewesenes Corps unter Thielmann folgte. Sei cs, daß sich Napoleon über die errungenen Vortheile täuschte, oder daß er zu geschwächt war, erst am l7. schickte er Grouchy und Vandamme mit 35000 M. zur Verfolgung der Preußen ab. Wichtig für die Folge war es, daß sich dieses Corps auf den Weg nach Lüttich, statt nach Wavre (s. d.), wendete und so die Preußen längere Zeit aus dem Gesichte verlor. Als Wellington den Ausgang der Schlacht bei Ligny vernahm, zog er sich ebenfalls an den Wald von Soigne zurück und nahm am l 8. Juni, nachdem er sich mit Blücher verständigt, die Schlacht von Waterloo (s. d.) au, welche das Schicksal Napoleon's und Europas entschied. Ligue oder Liga bezeichncte in der politischen Sprache des 16. und 17.Jahrh, überhaupt ein vorübergehendes, oft aus sehr entgegengesetzten Interessen geschlossenes Bünd- viß und entsprach dem jetzt gebräuchlichen Worte Allianz (s. d.) oder Coalitio »(s. d.). Ligne .1 Unter die berühmtesten Bündnisse dieses Namens gehört zuvörderst'die zwischen dem Papst Julius II., dem Kaiser Maximilian I., dem Könige L udwig XII. (s. d.) von Frankreich, dem Könige Ferdinand von Aragonien und mehren Italien.Staaten im Dcc. i508zuCam- bray gestiftete Ligne, welche die Dcmüthigung der NcpublikVenedig bezweckte. Der Papst gerieth jedoch wegen der Fortschritte Ludwig's XII. in Italien in große Furcht, sodaß er schon 151» zurücktrat und im angeblichen Interesse der Kirche im Laufe des I. > 51I eine l.iga ssntn zu Stande brachte, durch welche die Franzosen aus Italien vertrieben werden sollten. Diesem Bündnisse zwischen dem Papste, den Schweizern, der Republik Venedig und dem Könige Ferdinand von Aragonicn trat 1512 der König Heinrich VIII. von England und endlich sogar der Kaiser bei. Vgl. Bos, „Ilistoire 576 im Begriff stand, den Hugenotten (s. d.) freie Ncligionsübung und politische Rechte zu gewähren, benutzte der Herzog Heinrich von E ui se (s. d.) die Erbitterung der Katholiken und stiftete am 13. Febr. 1576 mit den zu Peronne versammelten Landsiänden der Picardie cine Ligue, welche die Herstellung und Vertheidigung der katholischen Religion, die Erhaltung der Provinzialprivilegien und überhaupt den Schutz der einzelnen Mitglieder gegen jede angethane Beleidigung zum Zweck hatte. Alle Herren und Städte sollten zum Beitritt aufgefodert, und die Widerspenstigen mit Feuer und Schwert verfolgt werden. Die Grusen betrieben diese Vereinigung indessen nicht aus religiösem, sondern aus politischem Interesse. Der Herzog Heinrich von Gruse hegte den Plan, die protestantischen Prinzen von Geblüt, die Bourbons, von der Thronfolge mit Hülfe der katholischen Massen auszuscklieffen, oder wol gar die herabgewürdigte herrsch cssßs'Dynastie vom Throne zu stürzen. Heinrich III. begriff die Gefahr und trat der Ligue am 6. Nov. 1576 auf dem Reichstage zu Blsis bei, worauf sich der Bürgerkrieg wieder erneuerte. Der Herzog von Anjou, der Bruder des Königs, starb am 10. Juni 1583, und dieser Umstand brachte das Haus Valois(s. d.) dem Erlöschen, aber den Bourbon Heinrich von Navarra, den später« Heinrich IV. (s. d.), dem Throne näher. Der Herzog von Guise berief darum eine Versammlung der Ligue auf den 31. Der. 1584 nach Joinville, wo auch der König von Spanien dem Bunde bcitrat. Man beschloß, wenn Heinrich III. unbeerbt sterbe, den abgelebten, schwachsinnigen Cardinal Karl von Bourbon, den Oheim Heinrich's von Navarra, auf den Thron zu heben, mit dem die Grusen allerdings leichtes Spiel haben mußten. Der Cardinal veröffentlichte hierauf ein Manifest, in welchem er sich zum Thronfolger, die Grusen zu Eenerallieutenants des Reichs erklärte und dem Volke Befreiung von Abgaben und den Parlamenten Herstellung ihres Ansehens versprach. Die Macht der Ligue wurde bald dem Hofe so gefährlich, daß Heinrich III. und seine Mutter, Katharina von Medici (s. d.), am 7. Juli 1585 zu Nemours einen Vergleich schlossen, in welchem sie den Beschlüssen der Ligue beitraten und die Protestanten völlig Preisgaben. Während nun der Bürgerkrieg wieder entbrannte, stiftete ein Bürger, No- cheblond, ein Mitglied der großen Ligue, zu Paris die nach den Stadtvierteln benannte Ligue der Sechzehner, welche besonders den Pöbel entflammte und die Hauptstadt im Mai 1588 gegen den mit beiden Parteien unterhandelnden König in Aufstand brachte. Der König schloß zwar am IS. Juli mit der Ligue einen Vertrag, nach welchem die Verbundenen den Namen einer Union annahmen, allein die Staatsgewalt blieb in den Händen der Euisen, und auf dem zur völligen Ausgleichung nach Blois berufenen Reichstage hatten die Liguisten völlig die Oberhand. Heinrich III. suchte sich deshalb durch die Ermordung des CardinalS und des Herzogs von Guise zu helfen, worauf aber die Ligue dir Scchzchner die Hauptstadt zu den Waffen rief und dem Könige den Gehorsam aufsagte. Als nach Heinrich's III. Ermordung Heinrich IV. als rechtmäßiger Nachfolger den franz. Thron behaup- 1 * 4 Liguori Ligurien tete, ernannte der zu Paris nicdergesctzte Unionsrath den Bruder der ermordeten Guism, den Herzog von Maycnne, zum Gencrallieutenant des Reichs und ^Anführer der liguisti- scheu Streitmacht. Die Parteiungen im Innern des katholischen Bundes, die Langsamkeit des Herzogs und die Thatkraft des Königs brachten jedoch die anfangs mächtige Sache der Liguisten in Verfall. Weil der König von Spanien nach dem Protectorat des Bundes, vielleicht gar nach der Krone von Frankreich strebte, entschloß sich der Herzog von Mayennc, den gefangenen Cardinal von Bourbon als Karl X. zum König von Frankreich zu procla- miren. Allein der Herzog verlor am I l. März > 590 bei Jvri l 0900 M. nebst seinem ganzen Geschütz, und nun waren, obgleich sich auch im März 15SI der Papst Gregor XlV. für die Ligue erklärte, die Fortschritte Heinrich'sIV. nicht mehr aufzuhalten. Nachdem derselbe im Juli 1593 zum Katholicismus übergctrcten, öffnete ihm das unter der Tyrannei der Sechzehner seufzende Paris die Thore; ein Mitglied nach dem andern verließ jetzt den Bund. Die Lossprechung des Königs vom Bann gab der Ligue endlich den letzten Stoß, sodaß sich der Herzog von Mayenne imJan. > 596 gegen Auslieferung mehrer Sicherheits- Plätze, Bewilligung einer allgemeinen Amnestie und Bezahlung der rückständigen Kriegskosten ebenfalls unterwerfen mußte. Vgl. Mignet, „Uistoire 6o I» Illgue" (5 Bdc-, Par. 1829). — Die Gewaltthätigkeit gegen die freie Reichsstadt Donauwerth im I. 1607 und andere Verletzungen des Vertrags zuPaffau (s. Religionsfriede) bewogen amä.Mai 1608 die vornehmsten protestantischen Fürsten Deutschlands in dem zu Ansbach gehörigen Kloster Ahausen zu einer Union zur Vertheidigung ihres Glaubens und ihrer Territorien zusammenzutreten, die jedoch nicht gegen Kaiser und Reich gerichtet sein sollte. Der Kurfürst FriedrichV (s. d.) von der Pfalz galt später als das Haupt des Bundes. Dagegen betrieben die katholischen Stände, vornehmlich die Bischöfe von Würzburg und Augsburg, Konstanz, Regensburg, der Propst von Ellwangcn und Leopold von Steiermark einen Gegenbund, an dessen Spitze sich das eifrigste Mitglied, der Herzog und spätere Kurfürst Maxim i li an l. (s. d.) von Baiern, stellte. Die heilige lü^a, die das katholische Interesse aufrecht halten sollte und zu der auch Mainz, Trier und Köln traten, wurde am l O.Juli l 609 zu München beschworen. Obschon das Schwert noch längere Zeit in der Scheide blieb, so war doch diese Spaltung Deutschlands der erste Schritt zum Dreißigjährigen Kriege (s.d.). Vgl. Stumpf, „DiplomatischeGeschichte der deutschen Liga" (Erf. 1800). Liguöri (Alfonso Maria), der Stifter der Liguorianer oder Redemptoristen (s. d.), geb. am 26. Sept. >696 zu Neapel, widmete sich anfangs der Rechtswissenschaft, wurde aber wegen eines unangenehmen Vorfalls 1722 Priester. Er schloß sich sehr bald an die in Neapel errichtete Glaubcnspropaganda an und beschäftigte sich als Missionar mit dem Unterrichte des Landvolks. Hierauf stiftete er >732 mit Genehmigung des Papstes in der Einsiedelei Sta.-Maria zu Villa Scala, in dem Urincipato citra, einen klösterlichen Verein, dessen Theilnehmer sich Glieder des Ordens vom Erlöser (il santo reäentvrs) nannten und zum Dienste des wahren katholischen Glaubens, sowie zum Jugendunterricht sich verpflichteten. Im I. 1762 wurde L. von Clemens Xlll. zum Bischof von Sancta Agatha Gothici in dem krincipalo »Itru ernannt, von welchem Amte ihn Pius Vl. auf sein Ersuchen 1775 entband, indem er alt, kränklich, durch Fasten und Selbstpeinigungen erschöpft, seine Geschäfte als Bischof nicht mehr glaubte erfüllen zu können. Er zog sich nun in den Hauptsitz der von ihm gestifteten Congregation zu Nocera de' Pagani zurück, starb daselbst am I. Aug. 1782 und wurde am 26. Mai >839 von Gregor XVI. kanonisirt. Vgl. Jeancard, „Vie 6a b. ^Ipk. 1^." (Löwen 1829; deutsch, Negensb. 1840). Ligurien, das Land der Ligurer, eines Volks, von dessen Abstammung wir nur wissen, daß es weder den Iberern noch Kelten angehörte. In viele kleine Völkerschaften ge- theilt, wohnten bie Ligurer in ältester Zeit im südlichen Gallien und im nördlichen Italien vom Busen deS Mittelmeeres viel weiter landeinwärts, als später, wo sie durch die Kelten zurückgedrängt wurden, ja im Westen der Rhone, wo sie mitJberern gemischt gewohnt hat- ten. ganz untergingen. Im Osten der Rhone waren ligurische Stämme, namentlich die Salyer oder Salluvicr noch lange Zeit den Massilicrn gefährlich, bis sie von den Nömeru 125 v. Chr. unterworfen wurden und ihr Land den Anfang der gallischen Provinz bildete. Zn Italien blieb das Land südlich vom obern Po, wo die Ananen wohnten, ligurisch, und Ligurische Republik Liliaceen 5 noch nördlich desselben saßen im cisalpinischen Gallien (s. d.) a» den cottischen Alpen Li- gurier, die Tauriner; auch hatten sich ligur. Stämme beim Sinken der etrurischen Macht im nördlichen Etrurien verbreitet. Die letzter«, sowie die Bewohner der Seeküste, wurden von den Römern schon zwischen dem ersten und zweiten pun. Kriege ziemlich unterworfen; gegen die übrigen aber, namentlich die Bewohner der Seealpen und Apcnninen, hatten sie über 50 Jahre zu kämpfen, ehe die Unterwerfung, nach >50 v. Ehr., beendet wurde. Als Landesname erhielt Ligurien erst durch Augustus, der die neunte Region Italiens so benannte, scharfe Grenzen; nämlich westlich gegen das narbonensische Gallien hin den Fluß Varus (Bar) und die Alpen bis zum Berg Vesulus (Biso), nördlich gegen das transpada- nische Gallien den Padus (Po) bis gegen Placentia (Piacenza), östlich gegen das cispada- nische Gallien einen Zweig des Apennin am Fluß Trebia, und gegen Etrurien den Fluß Macra, der im Osten des Portus Lunä (Golfo di Spezia) mündet, südlich das Meer. An diesem lagen Nicäa (Nizza) und Portus Hcrculis Monöci (Monaco), massilische Niederlassungen, und Genua; im Innern Dertona (Tortona), Aquä Statiellvrum(Acqui), Po- lentia (Pollenza) und Asta (Asti). Als Producte des Landes waren Vieh, Holz, Marmor bedeutend; die Einwohner werden als trügerisch und räuberisch, zugleich als unverdrossen und genügsam, kräftig, gewandt und tapfer geschildert; als treffliche Krieger, namentlich für den leichten Krieg, waren sie von den Karthagern, denen Ligurer in dem sicil. und dem ersten pun. Kriege für Sold dienten, und später von den Römern geschätzt. Ligurische Republik nannte sich die Republik Genua (s.d.), als dieselbe 1787 während der franz. Invasion ihre aristokratische mit einer demokratischen Verfassung vertauschen mußte. Der genues. Staat hatte bei den Eroberungen Bonaparte's in Italien und der Bildung neuer Freistaaten eine strenge Neutralität beobachtet. Indessen sah sich die Regierung durch die Drohungen des franz. Obergenerals genöthigt, mit demselben am 6. Juni 1797 eine Convention zu schließen, nach welcher eine neue, nach dem Muster der Republik Frankreich gebildete Staatsverfassung cingesührt wurde. Der neue Staat nahm den Namen der Ligurischen Republik an, weil sein Gebiet dem altröm. Ligurien (s. d.) entsprach. Freiheit, Gleichheit und VolkssonveraineEsollten ÄlT'siie Grundsätze der Verfassung gelten. Das Territorium wurde in 25 Jurisdictionen getheilt. Wer 25 Jahre alt und in die Register einer Gemeinde eingetragen war, hatte das Recht, in den Primairversammlungen an der Wahl der Bürger Theil zu nehmen, die ihrerseits den jEesetzgebenden Körper wählten. Der Gesetzgebende Körper zerfiel in den Rath der Alten und in den Rath der Sechziger. Der letztere hatte die Initiative in der Gesetzgebung, der erstere, dessen Mitglieder das Alter von 40 Jahren erreicht haben mußten, die Entscheidung. Die Verwaltung führte ein von den Rächen gewähltes Direktorium von fünf Mitgliedern, dem ein Ministerium zur Seite stand. Außer einer Landmacht von 2000 M. sollte der Staat auch eine Seemacht und eine Bürgermiliz errichten. Ein Schutz - und Trutzbündniß mit Frankreich sicherte das Bestehen der Republik nach innen und außen. Schon im I. 1802 aber wurde diese Verfassung insofern geändert, als an die Stelle des Direktoriums eine einzelne Magistratsperson unter dem Titel eines Dogen (s.d.) trat- JmJ. 1805 endlich verlangte die Ligurische Republik durch den Mund ihres Dogen, mit dem franz. Kaiserreiche vereint zu werden. Ihr Territorium wurde in drei Departements verwandelt und die Vereinigung durch einen Senatusconsult vom 16. Vende'miaire des I. XlV bestätigt. Der Wille Napo- leon's hatte hingereicht, diese Veränderung zu bewirken; die vorangegangene Vereinigung Piemonts mit Frankreich und der Krieg mit England machten sie allerdings nothwendig. Likymnios, der Sohn des Elektryon und der Phrygicrin Midca, ein Halbbruder der Alkmene,! Gemahl der Perimede, der Schwester des Amphitryon, und Vater des Oonos, Argeios und Melas, war ein treuer Freund des Herakles und nach dessen Tode auch seiner Nachkommen, wurde aber von dem Tlepolemos, dem Sohne des Herakles, entweder zufällig oder aus Eifersucht getödtet. Sein Grabmal wurde in Arges gezeigt. Liliaceen (lüiiacese) ist der Name einer Gewächsfamilie, welche viele der beliebtesten, durch Schönheit und Wohlgeruch ihrer Blumen ausgezeichnete Gartenpflanzen enthält. Au ihr gehören unter andern die Lilien, Tulpen, Tuberosen und Kaiserkronen. Die Liliaceen haben zuweilen eine faserige Wurzel, meist aber eine schuppige Zwiebel, aus wel- 6 Sille Lilly cher entweder ein unbcblätterter oder beblätterter Stengel entspringt. Die großen, gewöhn» lich schön gefärbten Blüten stehen einzeln oder in Ähren, Trauben und Büscheln beisammen. Man besitzt mehre Prachtwerke über die L.; eines der gelungensten gabRcdoute. Viele gedeihen im freien Lande, andere aber, zumal die aus Tropenländern stammenden, verlangen einen Platz im Elashause und besonders umsichtige Behandlung, wenn sie zum Blühen gebracht werden sollen, was dennoch bei vielen oft in mehren Jahren nicht Einmal gelingt. Lille, niederländ. Nyssel, die Hauptstadt des franz. Departements des Norden, eine der wichtigsten Festungen Europas, zwischen der Lys und der schiffbaren Deule, die durch die Stadt fließt, hat vortreffliche Umgebungen und 80000 E. Die Stadt ist gut gebaut, besonders in dem neuern Theilc; unter den öffentlichen Plätzen zeichnet sich aus der Paradeplatz, und unter den breiten, gut gepflasterten, des Nachts erleuchteten Straßen die Königsstraße. Unter den öffentlichen Gebäuden sind zu erwähnen die alte Moritz-, die Stephans- und die Peterskirche, das schöne 1430 gebaute Rathhaus, die prächtige Kornhalle, das große Hospital, das Schauspielhaus, das Zeughaus, die Armenanstalt für 800 Kinder und die großartige Hauptwache. L. ist der Sitz der Departementalbehörden, einer Militair- division, eines Tribunals der ersten Instanz, eines Handelsgerichts und einer Handelskammer; es hat eine Börse, eine Münze, eine Akademie der Literatur und schönen Künste, eine Zeichen- und Malcrschule, eine Wundarzneischnle, eine schöne Bibliothek, einen botanischen Garten, eine Gemäldegalerie und wichtige Fabriken in wollenen Zeuchen, Leinwand, Spitzen, Baumwolle, Taback, Leder, Papiertapeten, Glas und Fayence; Zuckerraffinerien, große Baumwollenspinnereien, Kattundruckereien, Garn - und Lcinwandbleichen und Ba- tistmanufacturen. In der Nähe der Stadt befinden sich mehr als hundert Ölmühlen. Der Handel mit Colonialwaaren, Getreide und Öl ist bedeutend, und die Tulpenzucht wird hier beinahe so stark wie in Harlem getrieben. Spargel und Melonen werden von hier bis Paris versandt. Die Citadelle, das Werk Vauban's, ist ein Meisterstück der Befestigungskunst. L. wurde 863 von Balduin I., Grafen von Flandern, erbaut und bestand anfangs nur aus einem Schloß, das von seiner Lage zwischen den zwei Flüssen die Insel, I'isle, woraus später der Name Lille entstand, genannt wurde. Mit wenigen Unterbrechungen gehörte es fortwährend den flandrischen Grafen und ihren Nachfolgern aus dem Hause Burgund und Östrcich bis i667, wo cs Ludwig XlV. eroberte, der es auch im aachener Frieden behielt. Zwar wurde cs 1708 vom Prinzen Eugen nach einer hartnäckigen Belagerung «erobert, doch mußten es die Östreichcr in Folge des utrechter Friedens von 1713 wieder an Frankreich zurückgeben. Jm J. 17 92 wurde die Stadt von den Ostreichen; beschossen, doch ohne Erfolg. Lilllput ist bei Swift in „Eulliver's Reisen" und bei einigen andern Satirikern der Name eines erdichteten kleinen Ländchens, dessen Bewohner, die Lillipu te r, nicht größer als ein Daumen sein sollten. Die Dichtung scheint eine Nachahmung der bei den alten Dichtern vorkommcndcn Pygmäen (s. d.). Lilly (William), ein berühmter engl. Nstrolog, geb. 1602 zu Diseworth in der Graf- schaft Lcicesier, ging in früher Jugend nach London, wo die Noth ihn zwang, in Dienste zu treten. Er wurde 1624 Buchhalter eines Kaufmanns, der nicht schreiben konnte, und hei- rathete nach dessen Tode die Witwe, die ihm ein Vermögen von 1000Pf. Sterl. zubrachte. Seit 1632 beschäftigte er sich mit der Astrologie und verschaffte sich eine Abschrift der ,,^r» notoim" von Cornelius Ä gripp a (s. d.), aus welcher er die Lehre von den magischen Kreisen und den Geisterbeschwörungen schöpfte. Bald nachher erhielt er von dem Dechant des Capitcls zu Wcstminster die Erlaubniß, gemeinschaftlich mit einem Hofuhrmacher und einem Manne, der sich auf den Gebrauch der Wünschelruthe verstehen wollte, einen verborgenen Schatz in der Westminstcrabtei zu suchen. Sie gingen in nächtlicher Stunde anS Werk, wurden aber durch einen heftigen Sturm abgeschreckt, de» L. später höllischen Geistern zuschrieb, die er gebannt haben wollte. Seit 1644 gab er bis zu seinem Tode jährlich seinen „Nerlinus rmßücu»" heraus. Während des Bürgerkriegs trat er auf die Seite des Parlaments und wußte seine astrologischen Weissagungen mit großer Schlauheit auf die Leichtgläubigkeit seiner Zeitgenossen zu berechnen. Er wurde 1648 mit Boo- ker, einem andern Astrologen, in das Lager bei Colchester geschickt, um daS ^Kriegsvolk durch Weissagungen zu «rmuthigen, und erlangte so großen Ruf, daß man ihm fiir sein« Lilybäum Lima« 7 Dienste ein Jahrgcld gab. Der König von Schweden, dessen er in seinem astrologischen Almanach rühmend gedacht hatte, schenkte ihm 1659 eine goldene Kette. Nach der Restauration wurde er aufBefehl des Parlaments verhaftet, weil man Kenntniß von den Geheimnissen der Republikaner bei ihm vermuthete; auch wurde er über Diejenigen befragt, die bei Karl's I. Hinrichtung waren gebraucht worden. Bald nachher erhielt er Begnadigung und zog sich in die ländliche Einsamkeit zurück, wurde aber >666 wieder zu einem Verhör vorgeladen, weil man aus einigen Hieroglyphen in seinem Almanach geschlossen hatte, daß er über die Ursachen des großen Brandes in London unterrichtet wäre; aber er wollte von diesem nichts wissen, wiewol er versicherte, das Ereigniß vorausgeschen zu haben. Seine Lebensgeschichte ist ein sehr unterhaltendes Buch, worin er schlau zwischen Wahrheit und Lüge hindurchzusteuern weiß, und selten dieser sich mehr hingibt als nothwendig ist, um seinen Ruf als Astrolog zu bewahren. Lilybäum hieß bei den Alten die westlichste Landspitze Siciliens, jetzt Capo Boeo bei der Stadt Marsala; von der nächsten afrik. Spitze Cap Bon ist cs 15 M. entfernt, so- daß die Erzählung der Alten, ein besonders scharfsichtiger Man» habe von L. aus die auS dem noch entferntemHafen von Karthago laufenden Schiffe zählen können, als eine Fabel erscheint. Die Karthager gründeten bei L. um 356 v. Chr. eine Stadt, die den gleichen Namen trug und vorzüglich mit griech. Einwohnern bevölkert wurde. Stark befestigt und mit vortrefflichem, jetzt aber herabgekommencm Hafen galt sie ihnen als Hauptstützpunkt ihrer Herrschaft in Sicilien. Zm ersten pun. Kriege wurde sie von den. Römern belagert, aber erst im Frieden ihnen überliefert, und lange blieb sie als bester Übergangsork nach Afrika im Wohlstand. Lima, die Hauptstadt des ehemaligen span. Vicekönigreichs Peru und gegenwärtig der südamerik. Republik gleiches Namens, liegt an derKüste des Stillen Meers in einem ziemlich wohlangebauten Thale von mildem Klima, am Nimac, der eine Meile unterhalb der Stadt mündet, und zählt 7069» E. Sie ist von einer durch 3-1 Basteien flankirten Mauer auS Backsteinen umgeben, wird von geraden Straßen durchschnitten, deren aus Holz und Backsteinen oder Lehm gebaute Häuser wM» kssr Erdbeben selten mehr als ein Stockwerk haben. Außer den mehr durch ihre Überladung mit edeln Metallen und Steinen als durch edle Bauart merkwürdigen 65 Kirchen zählt sie wenig Gebäude von Bedeutung; die ansehnlichsten sind das Regierungsgebäude, der erzbischöfliche Palast, das Universitätsgebäude, das Andreashospital, die Münze, das Theater und der Circus für die Sticrgefechte. Dagegen ist sie durch eine Menge wissenschaftlicher Anstalten berühmt, obgleich dieser Ruhm jetzt mehr in dem Namen als dem innern Werth derselben besteht. Es gibt hier eine 1553 von Karl V. gestiftete Universität, die älteste in ganz Amerika, fünfGymnasien, eine Sckiff- fahrtsschule, mehre andere UnterrichtSanstalten und drei öffentliche Bibliotheken, worunter isie Nationalbibliothek die reichste ist; auch ist L. der Sitz eines Erzbisthums, des ältesten in Südamerika, sowie des Congrcsses und der obersten Regierungsbehörden der Republik. Die Stadt ist die reichste im ganzen span. Südamerika, obschon ihr Reichthum seit der Ne- publikanisirung desselben und dem Versiegen der metallischen Hülfsquellen des Landes gegen früher bedeutend abgenommen hat; doch ist sie noch immer der Mittelpunkt eines be- deutenden Handels, der sowol landeinwärts mit den innern Provinzen Perus, als mit allen Häfen der Südsce und Europas über Callao betrieben wird. Diese, am Stillen Meere gelegene, von L. drei Stunden entfernte und mit demselben durch eine schöne Straße verbundene Stadt, auch Bucnavista genannt, bildet die Hafenstadt L.S, zählt gegen 6600 E. und ist sehr stark befestigt. L. wurde 1585 von den Spaniern unter Pizarro gegründet, die ihm den Namen Ciudad de los Neues gaben. Furchtbar wurde es am28.Oct. !746 von einem Erdbeben verwüstet, das in wenigen Stunden fast die ganze Stadt vernichtete; noch schlimmer erging es bei dieser Gelegenheit dem alten Callao, das nebst allen im Hafen liegenden Schiffen vom Meere verschlungen wurde, sodaß sich von seinen 3600 E. nur zwei retten konnten. Noch kann man, wenn das Meer ruhig ist, die Ruinen des alten Callad auf dem Meeresgründe sehen. Das gegenwärtige Callao wurde seitdem in der Nähe des alten aufgebaut. Liman wird, besonders im Gegensatz zur Delta- und Haffbildung, die eigenthüm» liche, oft zu einem breiten Meeresarm erweiterte Mündung eines Flusses genannt, der ge« 8 Limburg Limerik wohnlich noch zahlreiche kleine Inseln und Werder vorliegen. Diese Form kommt besonders häufig im nördlichen und südlichen Rußland bei den arktischen Strömen und bei den Flüssen des Schwarzen und Asowschen Meeres vor. So bilden der Kuban, Don, Dnjepr und Bug; ferner Onega, Dwina, Mesen, Petschora, Ob, Ta;, Jenisei und Katanga solche Limane, und auch der Ostseefluß, die Newa, sowie die beiden Flüsse des großen Oceans, der Anadir und Amur, sind als Flüsse mit Limanen zu betrachten, wahrend die Deltabildung besonders den Hauptzuflüssen des Mittelmeeres, wie Nil, Ebro, Rhone und Po und außerdem dem Rhein, der Donau und den Flüssen des Kaspischen und Aralsees, wie Ural, Wolga, Terek, Kur und Gihon und Schon, ferner einigen südasiat. Strömen, z. B. dem Ganges u. s. w., eigen ist, und die Haffbildung nur bei den drei preuß. Flüssen, Memel, Weichsel und Oder, vorkommt. Limburg, früher eine Provinz des Königreichs der Niederlande, zerfällt gegenwärtig in eine niederländ. und eine belg. Provinz. Das niederländ. L., den nördlichen und östlichen Theil der ehemaligen Provinz L. umfassend, wird durch Nordbrabant und Geldern, Rheinpreußen und die belg. Provinzen Limburg und Lüttich begrenzt und zählt auf 40 >üM. gegen 195000 E. Es ist im Allgemeinen fruchtbar, hat aber im nördlichen Theile viele Haide- und Torfgegenden. Die Hauptorte sind Maastricht(s.d.),Roeremonde und die Festung Venloo. Zur Entschädigung für den 1839 von den Niederlanden an Belgien abgetretenen Theil des zum Deutschen Bunde gehörigen Großhcrzogthums Luxemburg wurde ein gleich großer von L. mit Luxemburg als deutsches Bundesland verbunden. Das belg. L., der südliche und westliche Theil der ehemaligen Provinz L., begrenzt von Nordbrabant, dem holländ. Limburg, Lüttich, Südbrabant und Antwerpen, hat ein Areal von 43 ülM. mit 172000 E., vortrefflichen Ackerbau und gute Viehzucht, und St.-Tron oder Trusten, mit 8000, und Haffelt, mit 6000 E., zu den bedeutenden Städten. L., das die Römer eroberten, denen es die Franken wieder entrissen, kam bei der Theilung im I. 870 an Ludwig den Deutschen und wurde später durch eigene Grafen regiert, die, nachdem sie die Grafschaft Arlon und große Besitzungen in den Ardennen erworben, um die Mitte des 12. Jahrh. zu Herzogen erhoben wurden. Sie erwarben nun auch Luxemburg, wurde» aber gegen Ende des 13. Jahrh. durch den Herzog Johann von Brabant gestürzt und starben um 1320 ans. L. blieb nun bei Brgbant und kam beim Erlöschen der Herzoge von Brabant an Burgund und mit diesem an Ostreich, hierauf an Spanien, 1715 wieder mit den Niederlanden an Ostreich, 1802 an Frankreich und 1814 von neuem an Ostreich, worauf es in Folge der belg. Revolution von 1830 durch den Vertrag vom 19. Apr. 1839 in der oben angegebenen Weise zwischen Holland und Belgien getheilt wurde. Limburg, eine kleine Stadt von 2000 E-, im Bezirk Verviers der belg. Provinz Lüttich, mit einem Schloß, hat nicht unansehnliche Fabriken in feinen Tuchen, am bekanntesten ist es aber durch den nach ihm benannten Limburger Käse, der sehr weit versendet wird. Limburg an der Lahn, im Herzogthum Nassau, der Sitz des katholischen Landesbischofs und seines Capitels, eine Stadt von 3000 E., hat außer der Stiftskirche noch vier andere Kirchen, eine Realschule, Münze und ansehnlichen Handel in Getreide, Wolle, Mineralwasser u.,s. w. Am 16. Sept. 1796 kam es hier zwischen den Franzosen unter Jour- dan und den Östreichern unter dem Erzherzog Karl zu einem Treffen, in welchem Letztere das Feld behaupteten. Limblls, d. i. Gürtel oder Umgrenzung, heißt nach röm.-katholischem Lehrbegriffe einer der Aufenthaltsorte abgeschiedener Seelen in der Unterwelt. Er zerfällt in zwei voneinander getrennte Theile, in den limbus patrum und den limbus iotsutiim. In jenem, welcher auch Abraham's Schoos genannt wird, befanden sich die heiligen Menschen des alten Bundes; in diesem befinden sich die ungetansten Christenkinder. Jener ist seit der Höllenfahrt Christi leer und geschlossen; dieser füllt sich nach der entgegengesetzten Meinung der Dogmatiker entweder bleibend zur Verdammniß oder von ihr übergehend zur Seligkeit. Limörik, eine der bedeutendsten Handelsstädte Irlands, die Hauptstadt der Grafschaft gleiches Namens in Munster, am linken Ufer des schiffbaren Shannon, zwar eng und schmuzig, aber mit schönen Uferstraßen, besteht aus drei Theilen, die durch Brücken Limmat Lindau 9 verbunden sind. Sie zählt gegen 90000 E., ist Sitz eines anglikan. und eines katholischen Bischofs, hat vier katholische Kirchen, zwei Mönchsklöster, von denen das eine 1815 im goth. Stile neugebaut wurde, ein Nonnenkloster mit einer Mädchenschule, eine anglikan. Kathedrale, vier protestantische Bethäuser und Kapellen für Presbyterianer, Independenten, Quäker und Methodisten, und ansehnliche Wohlthätigkeitsanstalten. Die Haupthandelsartikel sind Getreide, Salzfleisch, Häute, Leinwand, Tuch, Handschuhe, Branntwein, Cider und vortreffliches Papier, welches in der Nähe verfertigt wird. 8. wurde im S.Jahrh. vom Norweger Zvor gegründet, und noch im t2. Zahrh. gab es normänn. Könige daselbst. Limmat heißt der Ausfluß des Zürichersees. Dieser klare und ziemlich breite Fluß durchströmt die Stadt Zürich und nimmt unterhalb derselben die Sihl auf, ein aus dem Canton Schwyz kommendes Bergflüßchen. Bei Windisch unweit Brugg im Canton Aargau ergießt sich die Limmat in die Aar; sie hat starken Fall und ein felsiges B'ett, wodurch die Schiffahrt mühsam wird. Limoges, die Hauptstadt des franz. Departements Obervienne, mit 32000 E., der Sitz eines Bischofs, hat eine schöne, aber freilich noch nicht ausgebaute Kathedrale, eine Akademie mit zwei Facultäten, eineGesellschaft für Ackerbau, eine Bibliothek, eine Münze, ein Hospital und ein Arbeitshaus. Man fertigt daselbst baumwollene und wollene Waaren, Packleinwand (Limoges genannt), Porzellan und Talglichter und treibt mit diesen Gegenständen, sowie mit Vieh einen ansehnlichen Handel. L. ist das ^ugustoritum der Römer, hatte unter denselben ein Amphitheater und hat noch gegenwärtig eine Menge Trümmer aus der Römerzeit aufzuweisen. L. kam im 8.Jahrh. an die Westgothen, dann an die Franken und gehörte hierauf zu Nensirien, bis es bei der Ländertheilung Frankreich zufiel. Später gehörte es zu Aquitanien, dann den Engländern; erst König Johann vereinigte es mit Frankreich. Limöne. Man vermengt unter diesem Namen mehre Arten von Citronenbäumen, deren Früchte jedoch alle durch einen reichlichen, aus Citronensäure, etwas Apfelsaure und Pflanzenkleber bestehenden Saft sick auszeichnen. In Südeuropa cultivirt man neben der echten Citrone, deren Früchte eine höckerige, dicke Rinde haben, die Limone. Sie ist ausgezeichnet durch dünnrindige, glatte,-sehr saure Früchte, welche die im Handel verkommenden gemeinen Citronenfs.d.) sind. In Westindien, Brasilien und Ostindien wächst eine Art, deren kleine, kugelrunde, grüne und ungemein saure Früchte den Limonensaft liefern, der als ein bedeutender Handelsartikel zumal von seefahrenden Völkern viel verbraucht wird. Eine Abart der südeurop. Limone hat einen süßlichfaden Geschmack, und kommt in Südeuropa und den meisten tropischen Colonien unter dem Namen der süßen Limone vor. Der Saft der amerikan. Limone empfiehlt sich durch größere Wohlfeilheit und stärkern Säuregehalt vor der Citrone, ist aber im Binnenlande selten anzutreffen. Limpurg, eine Grafschaft im würtemberg. Jaxtkreise von 25000 E-, gehörte sonst dem Grafen von L., ist aber jetzt zur Hälfte dem Staate anheimgefallen, zur Hälfte im Besitz mehrer Standeshcrren. Sie besteht aus den beidenHaupttheilen Gaildorf undSont- heim. Die Grafen von L. bekleideten dasReichserbschenkenamt, das nach ihrem gänzlichen Erlöschen im I. 1713 an die Grafen von Althaan überging. Vgl. Prescher, „Geschichte und Beschreibung der Reichsgrafschaft L." (2 Bde., Stuttg. 1789). Lincoln, die Hauptstadt der Grafschaft gleiches Namens in England mit 15000E., an der Witham, der Sitz eines anglikan. Bischofs, ist besonders merkwürdig durch seine auf einem steilen Hügel gelegene Domkirche, die nach der Yorker die größte in England ist, und das newporter Thor, ein Römerwerk. Die Stadt hat mehre Wollenfabriken und treibt vielen Handel mit Knochenmehl, Vieh und Landesproducten. Sie ist das I.inckum der Römer; zur Zeit der Heptarchie war dieses eine Zeitlang Sitz der Könige von Mercia. Lindau, eine ehemalige freie Reichsstadt im bair. Kreise Schwaben, im Bodensee auf zwei Inseln erbaut, mit dem Lande durch eine 290 Schritt lange hölzerne Brücke verbunden, weshalb sie früher das schwäbische Venedig genannt wurde, zählt gegen 4000 meist protestantische E., dieSchiffbau und bedeutenden Handel mit Obst, Wein, Kirschgeist, Fischen und Käse treiben. Der 1812 hier angelegte Maximilianshafen, welcher über 200 kleine Schiffe aufnehmen kann, ist der Centralpunct des Verkehrs zwischen Baiern und derSchweiz und unterhält mit den andern wichtigen Bodenseestädten eine lebhafte Dampf- 10 LindVerg Linde (Justin TiuioLkenS Balthasar von) schiffahrtverbindung. L. soll aus dem alten gegen die Mndrlicicr erbauter (lastrum 7'iberü entstanden sein; nach Andern wurde es erst im > I.Jahrh. erbaut. Bereits km 13.Jahrh. war es freie Reichsstadt; 1803 kam es an Ostreich und wurde em Fürstenthum, 1806 aber an Baiern. Lindberg (Jak. Christian), einer der eifrigsten und gelehrtesten Vertheidiger des positiven, kirchlichen Christenthums in Dänemark, geb. zu Ripen in Jütland 1797, beschäftigte sich auf der Universität nächst der oriental. Literatur, durch deS Bischofs Münter Rath und Vorbild angetrieben, zugleich mit Numismarik und Epigraphs; auch lernte er die Form- und Holzschneidcktmst, um selbst die Figuren zu seinen antiquarischen Arbeiten fertigen zu können. Ausgezeichnete Proben seiner Studien lieferte er in seinen Untersuchungen über die pun. Münzen von Concana inden,MsceIKi,sis Iiavniensibus" (Bd.2, Hst. 2), in seiner Doctordifsertation „De inscriptiono mslitsn-i pkmenico - grssc»" (Kopenh. t828), in den Beiträgen zu Falbe's „Beschreibung des alten Karthago" und in einer Reihe trefflicher Abhandlungen über kufische und buidische Münzen in den „Annaler for nordiskOldkyndighed"(!812—13)und den „Uömoires 807—14) heraus, das zwar zunächst nur das Verhältniß der poln. Sprache zu den übrigen slaw. Dialekten darstellen soll, doch auch über den Wortrcichthum sämmtlicher slaw. Mundarten, die Abstammung und Verwandtschaft einzelner Wörter die gründlichsten Nachweisungen enthält und für die slaw. Etymologie von der größten Wichtigkeit ist. In Anerkennung der großen Vorzüge des Werkes wurde nach Vollendung desselben dem Verfasser „von den dankbaren Landsleuten" eine große goldene Medaille geweiht. Während der Revolution von 1830 hatte er als Director der Landesbibliothek und als Deputirter von Praga und Mitglied des Reichstags eine gefahrvolle Stellung. Bei Reorganisation des Schulwesens in Polen im I. 1833 wurde er wieder zum Director des Gymnasiums zu Warschau und des Schulwesens für das Gouvernement Masowien ernannt, doch schon 1838 gab er seine öffentlichen Ämter auf. Außer dem Wörterbuch gab er noch heraus eine poln. Schrift „Über das lithauische Statut" (Marsch. 1816) und 12 Linden Lindenau „Grundsätze der Wortforschung, angewandt auf die poln. Sprache" (Marsch. 1806); auch Äersetzte er ins Deutsche das Werk von Ossolinski „Kadlubek, ein historisch-kritischer Beitrag zur slaw. Literatur" (Marsch. 1822) undPotocki's und Kolontaj's Werk „Bom Entstehen und Untergange der poln. Constitution vom 3. Mai 1791" (2Bde., Marsch. 1793). Linden (Joh. Anton van der), ein durch seine elassische Bildung ausgezeichneter Arzt des >7.Jahrh., geb. 1609 zuEnkhuysen in den Niederlanden, gest. 1663 als Professor der Medicin zu Leyden, hat sich durch mehre medicinische Werke, namentlich aber durch seine kritischen Ausgaben des Hippokrates (2Bde., Leyd. 1665; zuletzt 2 Bde., Ven. 1757) und Celsus (Leyd. 1657 und 1665), in denen man freilich oft zu große Willkür bei der Feststellung hes Textes zu tadeln hat, bekannt gemacht. Lindenau (Bernh. Aug. von), als Staatsmann wie als Astronom gleich ausgezeichnet, Landschaftsdirector im Herzogthum-Sachsen Altenburg und früher königlich sächs. Staatsminister und Vorsitzender im Gesammtministerium, geb. am I I. Juni 1780 zu Altenburg, wo sein Vater ebenfalls Landschaftsdirector war, erhielt von früher Jugend an eine sehr zweckmäßige Erziehung und Bildung und studirte seit 1793 in Leipzig die Rechte und Äameralia und zugleich unter Hindenburg Mathematik. Nachdem er 1798 zum Doctor der Rechte promovirt worden war, wurde er noch in de:-nselben Jahre als Assessor im Kammercollegium zu Altenburg angestellt, wo er sich indeß als junger Mann dermaßen in den Strudel derVergnügungen reißen ließ, daß ihn nur der Tod einer geliebten Freundin wieder zu erheben vermochte. Von neuem wendete er sich 1801 mit allem Ernst den mathematischen Studien zu. Schon früher bekannt mit dem Baron von Zach (s. d.), kam er zu diesem auf die Sternwarte auf dem Seeberge bei Gotha und übernahm 1803, als dieser das mittägliche Frankreich bereiste, die Direction der Sternwarte. Im 1.1805 trat er zwar wieder in das Kammercollegium ein; doch als Zach >808 abging, wurde er Direktor der Sternwarte. Im I. 1809 arbeitete er für das pariser Ilöpüt Fenöral Ue la guerre an Triangulirungen in Thüringen und Franken, und 1812 machte er eine Reise durch Frankreich, Holland, einen Theil Spaniens und Italien. Im Freiheitskriege folgte er im März 1813 dem Großhcrzoge von Weimar, Karl August , als Oberstlieutenant und Eeneral- adjutant nach Paris, wo er, in einem Duell lebensgefährlich verwundet, sich einer schmerzhaften Operation unterwerfen mußte. Nach dem Frieden kehrte er wieder auf seine Sternwarte zurück; doch die Nothwendigkeit einer Reform im altenburg. Kammercollegium bewirkte abermals seinen Rücktritt ins Geschäftsleben. Er wurde >817 Vicekammerpräsident, 1818 Vicclandschaftsdirector in Altenburg und < 820 Geh. Rath und Minister in Sachsen- Gotha, wo er während der Negierung des körperlich und geistig entkräfteten letzten männlichen Sprößlings der goth. Speciallinie, des Herzogs Friedrich's IV., mit ebenso viel Klugheit als Rechtlichkeit die schwierigsten Aufgaben löste. Nach dem Tode desselben im I. 1825 trat er für die Zeit der Eesammtverwaltung der streitigen Erblande als Gesammt- minister in den Dienst der drei Herzoge von Hildburghausen, Meiningen und Koburg. Nach der Landestheilung im I. 1826 zum Landschaftsdirector in Sachsen-Altenburg erwählt, ging er gleichzeitig als Geh. Rath in königlich sächs. Dienste, wurde 1827 Gesandter beim Bundestage, 1829 aber nach Dresden zurückberufen, wo er als Director der Com- merziendeputation und Mitglied des Geh. Raths eintrat. Auch erhielt er die Oberaufsicht der königlichen Museen. Bei den Unruhen in Sachsen im Sept. 1830 bethätigte sich das allgemeine Vertrauen, welches das ganze Land in ihn setzte. Er wurde Cabinetsminister und nach Einführung der Constitution im I. 1831 Staatsminister des Innern, gab jedoch 1833 das Portefeuille des Ministeriums des Innern ab. Seitdem führte er als Staatsminister den Vorsitz im Gesammtministerium; auch hatte er sich die Oberaufsicht über die königliche Bibliothek, die Museen und Sammlungen, welche ihm eine gänzliche Umbildung verdanken, sowie dieDirection der Akademie der Künste, der Straf- und Versorgungsanstalten Vorbehalten. Nach dem Schlüsse des Landtags nahm er im I. 1833 seine Entlassung aus dem königlich sächs. Staatsdienste und wählte sein Rittergut, den Pohlhof in Altenburg, zu seinem Aufenthalte, um hier wieder seinen Lieblingsstudien zu leben. Wie er als Minister fortwährend zu Gunsten der Staatskasse aufseinen Gehalt verzichtet hatte, so verfügte er auch über seine Pension zur Unterstützung für Künstler und zur Ver- Linden-rog Llndner (Fricdr. Ludw.) 13 besserung der Gehalte gering dotirtcr Prediger und Schullehrer im Königreich Sachsen und im Herzogthum Sachscn-Altcnburg. Groß und allgemein anerkannt sind die Verdienste, die er sich durch seine humane Mäßigung, freisinnige Denkart,vielerprobte Eeschäfts- thätigkeit und unerschütterliche Rechtlichkeit um das Königreich Sachsen erworben. Dabei ist er seinem ursprünglichen Vaterlande Altenburg ununterbrochen der treuste und umsichtigste Leiter und Rathgeber. Als Landtagspräsident sprach er hier im Juni >832 das gewichtige Wort aus, „daß der Regent als Monarch durch Macht und Ansehen seststehen, das aristokratische Princip aber untergehcn müsse". Eine auffallende, höchst erfreuliche Erscheinung ist es, in dem großen Staatsmanne zugleich den ausgezeichneten Gelehrten vereint zu sehen, zumal in einer Wissenschaft, welche, in ihrcrTiefe erfaßt, leicht dazu führen kann, ihre Pfleger der Welt und ihrem Treiben zu entziehen. Unter seinen Schriften, welche den gründlich gebildeten Astronomen bekunden, erwähnen wir die „Tabies barometrisr le barn- metre" (Gotha >809); „Talmine Veileris" (Gotha >810, 1.); „Talmlae Nortis" (Eisenb. >81 l, 1.); „Investigatio novo orlntoe a Nercuria circa solsm eiescrstrtae" (Gotha 18t3,-1.) und „Geschichte der Sternkunde im ersten Jahrzehcnd des 19. Jahrh." (Gotha 1811); auch setzte er Zach's „Monatliche Korrespondenz der Erd- und Himmelskunde" (>807—>4) fort und gab mit Bohnenberger gemeinschaftlich die „Zeitschrift für Astronomie und verwandte Wissenschaften" t6 Bde., Tüb. > 8 > 8—18) heraus. Lindenbrog oder Lindenbruch (Erpold), lat. auch Tiliobroga genannt, ein zu seiner Zeit berühmter Geschichtsforscher, gcb. > 5-10 zu Bremen, gest. >616 zu Hamburg, ist namentlich als Herausgeber der „8cri;,toresrerum German, septentrionalium" (Franks. 1609 und 1630, Fol.; 3. Ausg., vermehrt von I. A. Fabricius, Hamb. >706, Fol.), der „Chronik von des Kaisers Karl's des Großen Leben und Thaten" (Hamb. > -593, 1.) und der „Historia regiim vamae" (Leyd. 1595,1.) bekannt. — Seine beiden Brüder zeichneten sich als Philologen aus; der ältere, Heinrich L., welcher von 1570 — 1612 lebte, lieferte eine werthvolle Bearbeitung des Censorinus (Hamb. >611, 1., und Leyd. 1512); der jüngere, Friedrich 8-, geb. > 575, gest. >618, machte sich um die Erklärung und Kri- tik des Terentius, Statius, Ammianus Marcellinus, der Priapeja u. s. w. verdient. Vgl. „Leben der berühmten lündenbroKioriim" (Hamb. 1723). Lindner (Friede. Ludw.), ein bekannter politischer Schriftsteller, geb. am 23. Oct. 1772 zu Mitau in Kurland, wo sein Vater Friedrich L. ein angesehener Arzt war, stu- dirtc in Jena Medicin und ging, nachdem er daselbst die medicinische Doctorwürde erlangt hatte, nach Wien und später nach Brünn, wo er in der Folge sich mehr und mehr von der Arzneikunst abgezogen fühlte. Nach mancherlei Wechsel der Verhältnisse, worin bald literarische Thätigkeiten, bald politische Richtungen ihn beschäftigten, kehrte er nach Deutschland zurück und lebte nun eine Zeit lang in Erfurt und dann in Weimar, wo er mit Bertrich in literarische Verbindung trat. Zum Professor der Geographie und Statistik in Jena ernannt, sah er sich bald bei der im I. 1811 herrschenden Aufregung als ein fast unbeding- ter Verehrer Napoleon's vielfachen Anfeindungen ausgesetzt und zog sich deshalb in das Privatleben zurück. Das allgemeine Aufsehen, welches es machte, daß ein geheimes Buk- lctin Kotzcbue's, das ihm 1817 zufällig zu Gesichte gekommen war und das er in Abschrift einem Freunde mitgetheilt hatte, im Druck erschien, nöthigte ihn, sich nach dem Elsaß, dem Geburtslande seiner Frau, zu wenden. Später nahm er seinen dauernden Aufenthalt in Stuttgart, wo er unter Anderm mitCotta eine neue Zeitschrift „Die Tribüne" unternahm. Gleichzeitig schien er im engsten Vertrauen eines deutschen Hofes zu stehen und dessen Interesse lebhaft zu fördern. Allgemein wenigstens war die Meinung, daß solchen Verhältnissen das „Manuskript aus Süddeutschland" entsprungen sei, welches 1820 mit fingirtem Druckort, herausgegeben von Georg Erichson, erschien, und durch die Kühnheit der Ansicht und Sprache, sowie durch die Art der Mittheilungcn das größte Aufsehen erregte. Reisen nach Frankreich und England gaben ihm neue politischeNahrung. Indessen konnte er sich, als isolirter politischer Schriftsteller, auf dem künstlichen Standpunkte einer rein süddeutschen Politik unmöglich lange halten. Das Erscheinen der Sammlung seiner pikantesten Aufsätze unter dem Titel „Geheime Pavierc" (1821) mag vielleicht dazu beigetragen ha- 14 Lindner (Friede. Wilh.) ben, seineBeziehungen mWürtemberg zu verändern, genug er verließ Stuttgart und nahm wieder eine Zeit lang seinen Aufenthalt im Elsaß. Von hier begab er sich 1825 nach München, wo er die Ncdaction der „Politischen Annalen" übernahm. Allmälig fing man an, sich zu überzeugen, daß L. eigentlich keiner politischen Partei, noch weniger einer Faction angchöre und nie Demagog gewesen sei. Wit, genannt Dörring, Görres und Börne griffen ihn hart an und überhäuften ihn zum Theil mit Schmähungen; doch trug dieses inrr dazu bei, daß man sich in höhern Kreisen mit L. mehr und mehr aussöhnte. Man ließ ihn gewähren und sein Talent wurde gerechter anerkannt und weniger angcfochten; ja die bair. Negierung ertheilte ihm den Titel eines Legationsrathes. So kam es dahin, daß man L. sogar des Übertritts zum Servilismus beschuldigte. Wie dem aber auch sei, seine politischen Schriften werden stets als klassisch gelten. Als l832 die „Bair. Staatszeitung" begann, übernahm L. die Redaktion derselben; doch bestand das Blatt nur kurze Zeit, worauf er Wieder nach Stuttgart zurückkehrte. Hier ließ er noch die Schrift „Europa und der Orient" (Stuttg. >83ö) und „Skythien und die Skythen des Herodot" (Stuctg. >841) erscheinen und starb daselbst am 1 >. Mai >845. LeAdner (Friede. Wilh.), Dvctor der Theologie und ordentlicher Professor der Katechetik und Pädagogik an der Universität zu Leipzig, gcb am > 1. Dec. >779 zu Weida im neustädter Kreise, erhielt seine Vorbildung zur Universität auf der Stifts- undKlosterschule zu Zeitz, wo ihm als Primaner der Rector Müller bei Vakanzen oft Wochen und Monate lang in den untern Elasten Lehrstunden übertrug, wodurch seine Neigung zum Lehrfache Nahrung erhielt. Aus der Universität zu Leipzig studirte er anfangs hauptsächlich Philologie, später Theologie. Seine pädagogische Laufbahn begann er als Mitarbeiter am Til- lich'schen Institut in Leipzig. Jm I. >804 wurde er Hülfslehrcr und nach Ablehnung mehrcr auswärtiger Rufe, unter andern als Rector nach Neustrelitz, > 896 ordentlicher Lehrer an der neugegründeten Bürgerschule zu Leipzig. Im Z. > 898 habüitirte er sich bei der Universität, und ungeachtet sehr ehrender Rufe nachBasel (>8I0), Königsberg (>8II) und Stettin (>812) erhielt er doch erst >815 eine außerordentliche Professur der Philosophie und erst 1825 die ordentliche der Katechetik und Pädagogik, > 826 aber von Königsberg aus die theologische Doctorwürdc. Einen Ruf nach Dorpat im I. > 828 und wiederholte Auffoderungen, vorzüglich seit > 833, eine Schulrathsstelle in Preußen anzunehmen, lehnte er aus Liebe zu seinem Vaterland ab. Um die Organisation der leipziger Bürgerschule hat er sich viele Verdienste erworben; sein Plan (1828) zu einer zweckmäßigen Organisation deS gesammten Schulwesens in Sachsen kam aber in Folge der Ereignisse de- I. l 83V nicht zur Ausführung. Im Z. >844 wurde er hauptsächlich wegen Differenzen mit dem Vorstände derBürgerschule als Lehrer dieser Anstalt, welche Stelle er neben seiner Professur beibehalten hatte, pensionirt. L.'s Verdienste um die Pädagogik sind sehr bedeu- tend. Er hat, Einer der Ersten, in Gelegenheitsschristen und in seinen akademischen Vorträgen das Christenthum als Princip der Erziehung geltend zu machen gesucht, und die genetische Methode für allen Unterricht empfohlen und ausgebildet. Von seinen hierher gehörigen Schriften sind hauptsächlich zu nennen seine Dissertationen „I)e metlwclo gsne- tica" (Lpz. l898) und „Ile ülilbus et jiraesicküs artis paeckitgogicae secunckilm princijna äoctrinoe cllrist." (Lpz. >825), sowie seine im Geiste der genetischen Methode bearbeiteten Lehrbücher über Religion, Gesang, Arithmetik, Geschichte, deutsche Sprache, die zum Theil mehre Auflagen erlebten. Seine theologische Wirksamkeit seit > 825 war vorzüglich der praktischen Theologie zugewendet. Sein Werk „Die Lehre vom Abendmahl nach der Schrift" (Lpz. 1331) erfuhr sehr abweichende Beurtheilungen. Der ihm gemachte Vor- wurf des Mysticismus ist nicht begründet, wol aber steht er auf Seiten der symbolgläubigen Orthodoxie. Als vieljähriges Mitglied des Kunst- und Gewerbevereins in Leipzig war er für Verbreitung richtiger Ansichten über Gewerbfreihcit und Zünfte sehr thätig; doch erfuhr er dabei viel Widerspruch, sodaß er zuletzt als Dirigent des Vereins abtrat. Seit I8V6 „in die Freimaurerloge Apollo zu Leipzig ausgenommen und sehr bald zu allen wichtigen Ämtern befördert, kämpfte er sehr eifrig, als er in der Freimaurerei eine blos deistische Richtung als die vorherrschende zu erkennen glaubte, in besondernVorträgengegendieselbe »n, und da dies fruchtloS.blieb, verließ er die Loge und schrieb das weit verbreitete und in Lindpaiutuer Lindwurm 15 mehre Sprachen übersetzte Werk „Mac Benac, er lebet im Sohn, oder das Positive der Freimaurerei" (Lpz. 1817), das ikm sehr viele Feinde unter den Freimaurern und den Vorwurf zuzog, daß er meineidig geworden sei, was L. damit ablehnt, daß er behauptet, nichts verrathen zu haben, was man nicht längst gewußt, und durch seinen Eid sich zu nichts verpflichtet zu haben, was seinen früher übernommenen Verpflichtungen zuwider sei. Lindpailltner (Pet. Zos.), Hofkapellmeister in Stuttgart; einer der vorzüglichsten Instrumental- und Operncomponisten der neuern Zeit, wurde 1791 zu Koblenz geboren, wo sein Vater als Tenorsänger am Hofe des Kurfürsten Clemens Wenzcslaus angcstellt war. Nach der Säcularisation folgte er dem Vater nach Augsburg, wo er nun bis in sein 16. Jahr das katholische Gymnasium besuchte. Für die Musik, die er als Ncbenstudium trieb, zeigte er indeß bald so viel Neigung und Talent, daß ihn der Kurfürst nach München zu weiterer Ausbildung unter Winter's Leitung sendete. Dort schrieb er seine erste Oper „Demophoon" und mehre kirchliche Compositionen. Eben war er im Begriff, durch Vermittelung seines Gönners nach Italien zu gehen, als diesen ihm der Tod entriß. Er nahm nun die ihm aufgetragene Stelle eines Musikdirectors am Jsarthortheater an, und wol hatte der Antrag einer solchen Stelle in einem Alter vcn 20 Jahren, sowie der Beifall, den seine leichteingänglichen, aber oberflächlich enCompositionen fanden, sehr verführerisch auf ihn wirken können, wenn nicht die ernste Mahnung eines ältern Freundes ihm zu guter Stunde gekommen wäre. Nach der glänzenden Aufnahme einer Ouvertüre trat derselbe dem jungen Künstler mit scharfem, rücksichtslosem Tadel entgegen, und mit so gutem Erfolg, daß dieser in sich ging und mit festem Muthe und dem beharrlichsten Fleiß unter des tüchtigen' Contrapunktistcn Graz's Leitung der Vollendung seiner zu früh unterbrochenen Studien fortan sich widmete. Seine Stelle in München behielt er bis 1819, wo er nach Stuttgart berufen wurde. Ist L. auch, was Kraft und Originalität der Erfindung, Tiefe der Wissenschaft betrifft, den Ersten und Höchsten seiner Kunst nicht beizuzählen, so ist er doch jedenfalls eines der fruchtbarsten, leichtschaffenden Talente und überhaupt einer der gewandtesten praktischen Musiker. Unbestreitbar sind vor Allem seine Verdienste uni die Instrumentalmusik. Nicht nur wird sein« Kapelle MtKsifcnfreMrchsten Orchestern Deutschlands aufgezählt, sondern Tk^at auch dem Jnstrumentspiclc wahren Vorschub geleistet dadurch, daß er ausübende Künstler mit Compositionen versorgte, die als für den Concertvortrag berechnet, zwar überhaupt einen nur untergeordneten Rang anzusprechen, aber doch weit mehr künstlerischen Kern und schöne gerundete Form haben, als an gewöhnlichen Virtuvsencom- positionen, namentlich für die in dieser Hinsicht von den Componisten noch immer stiefmütterlich genug behandelten Blasinstrumente, zu rühmen ist. Er hat eine große Anzahl Jnstru- mentalwerke, Ouvertüren, Solostücke und concerürende Symphonien für Blasinstrumente u. dgl. geschrieben, die nicht durch Großartigkeit und Gewicht des Gedankens, desto mehr durch ausgebildete Form, Klarheit und Flnß der Ausführung und durch reizvolle, musterhafte Instrumentation sich Hervorthun. L. ist ein productives Talent, das aus dem reichen Schatze des Vorhandenen neue Formen und Kombinationen zusammenstellt, ohne den Stoff selbst wesentlich zu mehren, oder der Kunst neue Bahnen zu erschließen. Daher ist es ganz erklärlich, wenn von der großen Zahl seiner Werke, die in den nähern Bezirken seines Wir- kens allgemein bekannt wurden, nur wenige eine weitere Verbreitung, namentlich im nördlichen Deutschland, fanden. Es gilt dies hauptsächlich von seinen Opern, deren er eine nicht geringe Zahl geschrieben hat, und von denen außer dem Ballet „Joco" nur„Der Vampyr" eine ausgebreitetere und längere Geltung, doch ebenfalls hauptsächlich nur in Süddeutschland, sich erwarb. Später wurde noch „Die Genueserin" in Wien, und in neuester Zeit „Die Sicilianische Vesper" i» Stuttgart mit Beifall gegeben. Auch verschiedene kirchliche Werke, Oratorien, Messen, Psalmen u. s. w. und eine Instrumentation zu Händel'S „Judas Maccabäus" hat er geschrieben, die aber wol vorzugsweise oder ausschließend in eine frühere Lebensepochr fallen. Lindwurm, ein erdichtetes Ungeheuer, welches, gleich dem Drachen, dem Vogel Greif u. s. w., in den alten Rittergcschichten eine Rolle spielt, wird als eine Art Drache, Krokodil, oder auch als eine große vierfüßige, geflügelte Schlange beschrieben. Einen solche« soll der Ritter St.-Georg (s. d.) erlegt haben. L- l6 Lingam Lin.quet Lingckm heißt, im Sanskrit mit der Bedeutung Phallus (s. d.), bei den Indiern daS Symbol der allgemeinen zeugenden und schaffenden Kraft der Natur, welches die Ge- schlechtstheile des Mannes und Weibes in ihrer Vereinigung darstellt. Die Verehrung desLingam ist aber in Indien nicht alt, sondern in dem orgiastischen Siwadienste entstanden. Lingkrd (John), ein bekannter engl. Geschichtschreiber, war zu Anfänge dieses Jahrhunderts katholischer Priester zu Newcastle am Tyne in der Grafschaft Northumber» land. Als Schriftsteller trat er zuerst mit der Schrift, „Outkolic vinclicsteck" (1805) auf, worin er seine Glaubensgenossen gegen protestantische Schriftsteller zu ver- theidigen suchte. Dasselbe that er in den Streitschriften „Vocuments os sscortLin tlle Sentiment« of britisli catliolics in former n^es" (Lond. 1812) und ,,8trieturss on I)r. Unrsk's eom^nrative vieve of Ille cliurclies «fLn^Isnil snllltnme" (Lond. 1815). Durch diese Streitigkeiten auf das Gebiet der Geschichte geführt, befestigte er sich leicht in einer Stimmung, mit welcher Unparteilichkeit und Wahrhaftigkeit nicht vereinbar waren, sobald das Parteiinteresse mit ins Spiel kam. DieseRichtunZ zeigte sich schon in seinen verdienst, lichen, aus fleißigerForschung hervorgegangenen,,^nti736 zu Nhcims geboren. Er studirtc zu Paris die Rechte, ging 1751 mit dem Herzoge von Zwcibrücken nach Deutschland und in der Folge mit dem Prinzen von Beauvan nach Portugal, wo er sich mit der span. Sprache und Literatur bekannt machte. Bei seiner Rückkehr nach Frankreich erregte er Aufsehen durch eine „Uistnirc lli, siede n»li-e" (Amst. 1762). Zugleich begann er Streitigkeiten mit den Ökonomisten und Philosophen jener Epoche, deren Abgeschmacktheiten er durch beißenden Witz und scharfe historische Kritik bekämpfte. In kurzer Zeit erschienen von ihm die „Uistoirs riss revolutions cls l'omp!,« roin." (2 Bde., Par. 1766), ,,'1'Iisarie <1ss lois ci- viles" (3 Bde., Par. 1767) und „Uistoiro impnrtislo (Iss äösuitss" (Par. 1768). Durch diese Schriften, in denen er großen Neichthum des Wissens und Kühnheit und Schärfe der Ideen verrieth, zog er sich vollends den bittersten Parteihaß zu. Da ihn seine Feder nicht hinreichend nährte, war er am Parlament zu Paris Advocat geworden. Auch in dieser Eigenschaft machte er sich durch ausgezeichnete Proceßführung bekannt und erregte durchseine Erfolge und die Art, wie er seinen handwerksmäßigen Collcgen begegnete, den Haß und den Neid derselben, sodaß ihn das Parlament von der Liste der Sachwalter strich. Er nahm nun sein schon früher begonnenes „äouriml cls politi^ne et cks litterature" (17-14—76; 1777—78 von Laharpefortgesetzt) Wiederaus, mußte jedoch seine scharfe Feder sehr bald niederlegen und Frankreich verlassen. L. ging zu Voltaire nach Ferney, der ihn aus Furcht gut aufnahm, und aus der Schweiz nach England, wo er seine berühmten und berüchtigten „^nimles politiyues, dviles et litteraires" (1777—92) herauszab. Schon nach einigen Jahren erhielt er durch Vergennes die Erlaubniß zur Rückkehr nach Frankreich. Er sah sich jedoch hier in seinem journalistischen Wirken so gehemmt, daß er freiwillig nach Brüs- sel auswanderte und dort die Annalen in einer in der That ausschweifenden Weise fort» setzte. Er griff alle Stände, alle Parteien an und zog sich mit seinem anonymen Mitarbeiter Mallet-du-Pan (s.d.) zahllose Feinde zu. Dennoch wagte er in Paris zu erscheinen, wurde aber durch eine lettre «1e rucket (s. d.) in die Bastille gesteckt. Erst nach zwei Jahren erhielt er die Freiheit zurück. Er floh nach London und erwarb sich in hohem Grade die Gunst des Publikums, indem er durck die IL"siast!lIe" (Lond. 1783) die Geheimnisse des franz. HofdespotiSmus enthüllte. Auch ließ er die Annalen wieder erscheinen, doch trat er jetzt so gemäßigt auf, daß die Zeitschrift keine Abnehmer mehr fand und dieser Industriezweig erloschen schien. Hierauf suchte er sich beim Kaiser Joseph II. beliebt zu machen und schrieb in dessen Verwickelungen mit den Holländern die „6onsicke- rutions sur I'ouverture äs I'Lscuut" (2 Bde., 1 787). Der Kaiser ließ ihn nach Wien kommen und gab ihm Geld und ein Adelsdiplom mit der Erlaubniß, die Annalen zu Brüssel ungehindert fortzusehen; auch wirkte er ihm eine sichere Reise nach Frankreich aus. L. erschien zu Paris und nahm einen Streit gegen den Herzog von Aiguillon wieder auf, dessen Proceß er früher geführt und den er eigentlich vom Schafot errettet hatte. Er verlangte für seine Sachwaltcrschaft ein Honorar von 5U069 Livres; das Parlament sprach ihm indcß nur die Hälfte zu. Nach seiner Rückkehr nach Brüssel vertheidigte er mit Eifer den Aufstand der Brabanter und mußte darum das Land verlassen. Er ging wieder nach Paris und griff hier in seinen Annalen, gegen das Volksinteresse, die Nationalversammlung höchst unwürdig an. Als der Convent zusammentrat, sah er bald, daß die Zeit des Federkriegs vorüber sei und er verbarg sich in der Umgegend von Paris. Allein die Jakobiner kundschafteten ihn aus und stellten ihn vor das Nevolutionstribunal, das ihn zum Tode verurthcilte, weil er den Tyrannen zu London und Wien geschmeichelt und das Brot, das Nahrungsmittel des Volks, beschimpft habe. In der That hatte er eine Abhandlung über die Schädlichkeit des Brots als Nahrungsmittel geschrieben. Er starb am 27. Juli 1794 mit großer Standhaftigkeit. Die Zahl seiner politischen, juristischen, schöngeistigen, philosophischen und physikalischen Schriften und Flugblätter ist außerordentlich groß. Linguistik» vom lat. lingim, d. h. Zunge oder Sprache, nennt man das Studium der Sprachen in Hinsicht ihrer Verwandtschaft, Ähnlichkeit u. s. w. und die Sprachen- kunde (s. d.) selbst, die erst zu Anfang dieses Jahrhunderts durch Erforschung der bedeutendsten asiat. und europ. Sprachstämme, namentlich des Sanskrit, Verdeutschen und Cvnv.-Lex. Neunte Aufl. IX. 2 IS Linie Link slaw. Dialekte, einen festem Boden und größere Bedeutsamkeit gewonnen hat. Linguist heißt daher Derjenige, welcher sich mit Forschungen über den Ursprung, die Bildung und Verwandtschaft der Sprachen beschäftigt, ein Sprachkenner. Linie bezeichnet in der Mathematik die Ausdehnung in die Länge ohne Breite und Dicke. Die Linien sind entweder gerade oder krumm; die geraden Linien nennt man auch Linien der ersten, die krummen aber Linien der zweiten oder einer höhern Ordnung, je nachdem sie durch Gleichungen des zweiten oder eines höhern Grades dargestellt werden. Zu den Linien der zweiten Ordnung gehören blos die sogenannten Kegelschnitte. (S. Kegel.) — In der Geographie und Schiffahrtskunde versteht man unter der Linie den (irdischen) Äquator, daher der Ausdruck: die Linie passiren. Auch bezeichnet das Wort Linie ein Längenmaß, nämlich den zehnten oder zwölften Theil eines Zolls, je nachdem die Decimal- oder Duodecimaleintheilung gebraucht wird. — In der Taktik heißt Linie diejenige Aufstellungsart der Truppen, bei welcher sie lange gerade Reihen von sehr geringer Tiefe, die Front gegen den Feind gewendet, bilden, und es gibt sowol Infanterie- wie Cavale- rielinien, Tirailleurlinien u. s. w. Wird diese Aufstellung den folgenden Evolutionen zum Grunde gelegt, so saßt man die dahin gehörenden Lehren unter der Linear- taktik zusammen, der die Massentaktik gegenübersteht. Linientruppen heißen diejenigen, welche dem Feinde im freien Felde entgegengehen, im Gegensah der zur Besetzung der Festungen oder zu andern Zwecken verwendeten Truppen. (S. auch Linienschiff.) — In der Befestigungskunst bezeichnet Linie zunächst die einzelnen Theile eines Festungswerks, z. B. eine Face, eine Courtine, oder eine Flanke; zu einer solchen Festungslinie rechnet man nicht blos den Wallgang und die Brustwehr, sondern auch den vorliegenden Graben. — Nächstdem nennt man aber auch Feldverschanzungen, sie mögen unter sich vollständig zu- sammenhängen oder abgesondert nebeneinander liegen, befestigte Linien oder auch blos Linien. Sie unterscheiden sich von verschanzten Lagern (s. d.) hauptsächlich dadurch, daß sie eine größere Frontlänge decken sollen als die letztem, deren Zweck vorzüglich die Deckung eines innern Raums ist. Diese Linien haben selten einen entschiedenen Werth, da sie eine große Menge Truppen zur Verlheidigung erfodern und doch umgangen werden können. Die Stollhofner Linien im span. Erbsolgckrieg im J. 1703, die Linien vonTorresVedras imZ. >811 verlheidigten sich siegreich; dagegen fielen die W eis- senburgerLinienimJ. 1793 nach hartnäckigem Kampfe. — In der Genealogie versteht man unter Lini e eine Reihe voneinander abstammender Personen. Linienschiff, Nangschiff oder Schiff von der Linie nennt man ein Schiff, welches befähigt ist, sich vermöge der Anzahl seiner Geschütze und der Stärke seiner Bemannung in die Schlachtlinie zu stellen. Selten nur wird ein Linienschiff einer Convoy, wozu man lieber Fregatten erwählt, mitgegcben, häufig dagegen ist es auf Hauptstationen beschäftigt. Ein Linienschiff muß gut segeln, steuern und wenden, namentlich aber die Kanonen der untersten Batterie, die die schwersten find, auch noch bei stürmischem Wetter gebrauchen können. Man hat Linienschiffe von 60—120 Kanonen, bei verschiedenen Nationen in verschiedene Rangordnungen getheilt; die Santissima Trinidada Spaniens, die bei Trafalgar focht, hatte sogar 140 Geschütze. England hat so viel Linienschiffe als die gesammten übrigen europ. Mächte. Liniensystem heißen in der Musik die fünf übereinander gezogenen Parallellinien, auf und zwischen welche die Noten nach ihrer verschiedenen Höhe oder Tiefe gestellt werden. Ehedem hatte man nur drei oder vier, für die Laute aber sechs Linien. Link (Heinr. Friedr.), Geh. Medicinalrath, Professor und Director des botanischen Gartens an der Universität zu Berlin, geb. zu Hildrshcim am 2. Febr. 1769, besuchte das Andreanum seiner Vaterstadt und seit 1786 die Universität zu Eöttingen, wo er Medicin studirte und 1788 einen Preis erhielt. Nachdem er 1789 als Doetor der Arzneikunde yro- movirt hatte, wurde er 1792 ordentlicher Professor der Naturgeschichte, Chemie und Botanik zu Rostock. ImJ. 1797 begleitete er den Grafen von Hoffmannsegg (s. d.) auf dessen Reise nach Portugal. Hierauf war er seit 1811 Professor der Chemie und Botanik an der Universität zu Breslau, bis er 1815 dem Rufe nach Berlin folgte. Als Schriftsteller hat L. nach mehren Richtungen gewirkt. Seine botanischen Werke sind Beweise ge- Linnö IS Wissenhafter Forschungen, thci'lS phytographischcn, thcils allgemeiner» Inhalts, wie seine „LIementa Iiliilnsopkiao dotsnicue" (Berl. 1824), thcils auf Physiologie der Pflanzen bezüglich, wie seine „Anatomisch-botanischen Abbildungen" (4 Hefte, Berl. 1839—42, Fol.) und die „Anatomie der Pflanzen" (Berl. > 845, 4.). Als geistreichen Beobachter bewies sich L. in seinem vielgelesenen Werke „Die Urwelt und das Alterthum, erläutert durch die Naturkunde" (2 Bde., Berl. >829—22; 2. Ausl., 1834) und in der Fortsetzung desselben „Das Altcrthum und der Übergang zur neuern Zeit" (Berl. >842). Beide Werke beruhen auf tiefen und vielumfassenden Vorstudien. In naturhistorischer Bestehung sind seine „Bemerkungen ans einer Reise durch Frankreich, Spanien und vorzüglich Portugal" (3 Bde., Kiel >891—4) noch immer wcrthvoll, wenngleich in andern Hinsichten die pyrenäische. Halbinsel seit jener Zeit ein sthr verschiedenes Ansehen gewonnen hat. Linne (Karl von), geb. zu Näshult i» Smaland am 4. Mai 1797, war der Scchn eines armen Landpfarrers und verlebte seine erste Jugend unter dem Drucke großer Dürftigkeit. Auf der Schule zu Wexiö, die er von seinem zehnten Jahre an besuchte, orfene er einer früh entwickelten Neigung zur Pflanzenwelt so viel Zeit, daß er in den gewöhnlichen Sprachstudien zurückblieb und vom Vater als ungerathener, zur Theologie unfähiger Sobn betrachtet, zu einem Schuhmacher in die Lehre gegeben wurde. Der Arzt zu Wexiö, Joh. Rothmann, hatte L.'s aufstrebenden Geist richtig erkannt und rettete ihn der Wissenschaft, indem er den Vater überredete, der Neigung des Sohnes nachzngeben, und diesen zwei Jahre lang in seinen botanischen Studien unterstützte- Im I. >727 bezog L. die Universität zu Lund, um Mediein zu studircn, und ging im folgenden Jahre nach Upsala, wo ihn der berühmte Olof Celsius bei Bearbeitung seines Werks über die biblischen Pflanzen zumEe- hülfen erwählte und angelegentlich an Ol. Rudbeck empfahl, dessen Gunst L. ohnehin schon durch eine Arbeit erlangt hatte, in welcher die Grundlagen des später vollendeten Sexual- systems (s. Botanik) entwickelt wurden. Von Rudbeck zum Aufseher des botanischen Gartens und Demonstrator erwählt und sonst kräftig unterstützt, machte L. so rasche Fortschritte in seiner Wissenschaft, daß er im 24. Lebensjahre einen^blortns nsiladckicns" schrieb. Diesem Werke folgte die^L'kE lüpponics" (2 Bde., Amst. 1735) als Frucht einer überaus beschwerlichen, vom Mai — Nov. 1732 vollbrachten Reise von mehr als 899 Meilen. Bald nach seiner Rückkehr begab er sich nach Fahlun, wo er Mineralogie trieb und seine spätere Gattin, die Tochter des Arztes Moräus, kennen lernte, die ihm die Mittel vorschoß, um in Holland zu promoviren. Er erlangte nun in Harderwyk >735 die Würde eines Doctors der Mediein und verlebte dann in Berührung mit Bocrhaavc, Joh. Burmann und andern großen Gelehrten zwei Jahre thcils in Leyden, theils in Hartekamp, wo ihm Eco. Cliffort die Aufsicht über seinen sehr reichen Garten anvertraut hatte. Der Aufenthalt in Holland trug viel bei zur Begründung von L.'s Ruhm, denn er gewann nicht allein die meisten Naturforscher für seine damals noch neuen und vom Herkömmlichen sehr abweichenden Ansichten, sondern fand auch Gelegenheit, durch Benutzung des überaus reichen, in Gärten und Sammlungen aufgehäuften Materials, die Grundzüge eines Systems der drei Reiche aufzustellen, welches dem Bedürfnisse der Zeit entsprach und fast von allen Seiten her mit Freude begrüßt wurde. Nicht weniger als neun verschiedene, theilweis umfängliche Werke waren die Frucht dieses zweijährigen Lebens in Holland. L. besuchte hierauf England, 1738 Paris, und kehrte über Göttingen nach Schweden zurück, wo man sich so wenig um ihn kümmerte, daß er nothdürftig von ärztlicher Praxis zu leben und endlich sogar als Schiffsarzt in die Flotte einzutreten sich genöthigt sah. Haller, früher sein Gegner, hatte ihn in Göttingen liebgewonnen und trug ihm die eigene Professur an; unglücklicherweise erhielt L. die Einladung erst nach seinem Eintritt in den Seedienst. Die Neichsräthe Tessin und Höpken nahmen sich jedoch seiner an und führten ihn bei Hofe ein, wo er durch glückliche Behandlung von Brustkrankheitcn die Gunst der Königin Ulrike Eleonore gewann, und bald bedeutende Praxis erlangte. Durch Verwendung seiner Gönner wurde er 1739 seines Amtes als Flottenarzt entbunden, mit dem Titel eines königlichen Botanikers zum Präsidenten der stockholmer Akademie erhoben und 1740 zum Anführer einer vom Reichsrathe veranstalteten naturhistorischen Expedition nach Öland und Gothland ernannt. Sein Wunsch 20 Linnö »ach einer ruhigen Stellung, welche ununterbrochene Forschung gestattete, wurde 1741 er» füllt durch eine mcdicinische Professur in Upsala, welche er 1742 mit der botanischen Professur vertauschte. Bis wenige Jahre vor seinem Tode lebte er in ziemlich einförmiger Weise in Upsala, bewies aber während dieses Zeitraums eine fast beispiellose Thätigkeit, indem er, außer einer Reihe neuer Auflagen seiner früher» Werke, nacheinander Beschreibungen seiner naturhistorischcn Reisen durch Schweden, eine Flora (>745) und eine Fauna von Schweden (>746), eine lUateria meckica der drei Reiche (1749 — 52), seine berühmte „PIiiI(>s<>I>Ilm tintanica" (1751), ein noch gegenwärtig vollgültiges Gesetzbuch, die beschreibenden Verzeichnisse von mehrengroßcn Naturalicnsammlungcn, besonders aber das Haupt- ^ werk, die „8;,ecies plantarnm" (1753), hcrausgab. Neben diesen umfänglichen Werken ' lieferte er in jenem Zeiträume noch an 260 akademische Eelegenhcitsschriftei; und eine sehr große Zahl von wichtigen und sorgfältig gearbeiteten Abhandlungen, die in den Schriften der Socicläten zu Stockholm, Upsala, Petersburg, London u.s.w. sich finden. Vom Schlagflusse 17 74 und nochmals 1776 getroffen, verbrachte er die letzten vier Lebensjahre in trauriger Schwäche des Geistes und Körpers und starb am 10. Jan. 1778. L. gehört zu den großen Reformatoren, welche die Geschichte der Wissenschaft zwar in allen Zeiten, aber in keiner zahlreich aufzuweisen hat. Begabt mit einem logischen Verstände von seltener Schärfe und einer ungewöhnlichen Gabe der Beobachtung, Auffassung und Kombination, löste er die schwierigste Aufgabe, die je ein Naturforscher sich gesetzt hat, die Anordnung nämlich eines für jene Zeit sehr großen, aber in der unglaublichsten Verwirrung daliegenden Materials, und mußte zu diesem Zwecke nickst allein fast jeden einzelnen dieser Gegenstände genau untersuchen, sondern leitende Grundsätze entdecken, und sogar eine Kunstsprache erfinden, die nichts weniger als willkürlich, sondern auf Forschung und Erkcnntniß beruhend, ein Meisterwerk genannt werden darf, und trotz der sonstigen - Fortschritte der Wissenschaft, noch jetzt in den meisten Fällen ausreicht und von den Nach- . folgern festgehalten wird. Ein größerer Botaniker als Zoolog, wirkte dennoch L. sehr gedeihlich auch für hfe letztere Wissenschaft, die sich in noch weit größerer Verwirrung befand als die Pflanzenkunde. Daß L.'s systematische Anordnung beider Reiche, ungeachtet des Widerspruchs einiger, thcilweise sehr unwürdiger Gegner, vielen Beifall fand und endlich, mit Ausnahme Frankreichs, in allen Ländern angenommen wurde, folgte theils aus dem schwergefühlten Bedürfnisse einer umfassenden Anordnung überhaupt, theils aus der großen Faßlichkeit des L.'schen Systems. Wenn es lange nach L.'s Tode von Vielen versucht worden ist, des großen Forschers Verdienste herabzusetzen und ihm namentlich eine höhere und freiere Naturanschauung abzusprechen, so ist die spätere Zeit gerechter gewesen und hat erkannt, wie überall in L.'s Schriften geistreiche Andeutungen sich finden, aus welchen man auf ein Verständniß des inncrn Zusammenhangs der Organismen und Kenntnisse des Baues und der Lebensthätigkeiten der einzelnen schließen darf, welche weit tiefer waren, als ^ur einfachen Herstellung des künstlichen Systems erfoderlich gewesen sein würde. Wie unübersehbar die Fortschritte der Naturwissenschaften gegenwärtig auch sind, und wie sehr die Begriffe und Grundsätze in denselben sich verändert haben, so blicken alle redlichmeinende Naturforscher dennoch stets mit Ehrfurcht auf den kritisch anordnenden, geistreichen, seinen Pflanzen und Thieren mit unendlicher Liebe ergebenen, unermüdlich fleißigen Schweden und ehren in ihm den Begründer eines neuen Zeitalters ihrer Wissenschaften. Noch wird in Upsala L.'s Zimmer in seinem ursprünglichen Zustande erhalten, und seine von Byström verfertigte Bildsäule ziert den einfachen Garten, während Karl XIV. ihm zu Ehren 1319 ? in Näshult eine Schule errichtete. Vgl. Stövcr, „Lebensbeschreibung Karl von L.'s" (Hamb. 1792); „L.'s Aufzeichnungen über sich selbst", mitAnmerkungenvonAfzelius(Ups. 1823; deutsch von K. Lappe, Bert. 1826); Fee, „Vie cke Ollsrl. cke I>." (Par. 1832) und „H- lisei epistolae ack ckacyiiili.", hcrausgegeben von Endlicher (Wien 1841). — Sein Sohn, Karl von L., geb. zu Fahlun >742, seit 1760 Demonstrator am königlichen Garten zu Upsala, >763 außerordentlicher Professor der Medicin und Botanik daselbst, >766 Sub» ^ stitut seines Vaters, 1778 Nachfolger desselben, gestorben >783, lieferte mehre sehr brauch- ' bare botanische Schriften, erweckte aber nicht die Hoffnung, daß er einst seinen Vater »oll- ^ kommen ersetzen werde. Die Familie L.'s ist gegenwärtig ausgestorben. 21 Llnos Linz Linos, aus Theben, ein berühmter Sänger und Tonkünstlcr des mythischen Zcilal- ters, dessen Leben man gewöhnlich um >280 v. Chr. ansetzt, war der Sage nach ein Sohn des Apollon und Lehrer des Orpheus und Hercules in der Musik, wurde aber von letzteren, weil er ihn wegen seiner Fehlgriffe der Vcrlachung preisgcgeben hatte, mit der Cithcr erschlagen,nach Andern von Apollon selbst, dem er sich im Citherspicle glcichzustellen wagte, getödtet. Linse (kwvnm lens), eine zu den Hülsenfrüchtcn gehörende Culturpflanze, kommt in drei Arten vor, als gemeine Feldlinsc, als Gartenlinsc und als Provencer- l inse (?isum nckrus). Am häufigsten werden die beiden ersten Arten angcbaut. Sehr vorthcilhaft wird die Linse im Gemenge mit Getreide angebaut, wie z.B. Linsen und Gerste ein vorzügliches Brotgetreide geben. DieLinsen gewähren eine sehr nahrhafte Speise; auch als Viehfuttcr haben sie einen großen Werth, doch darf man den säugenden Thieren davon nicht zu viel geben, weil sonst die Milch zu fett wird. Das Stroh der nicht überreif gewordenen Linsen wird dem Heu gleichgeschätzt und gewährt ein gutes Kälberfutter; doch darf es seiner hitzigen Natur wegen nicht zu häufig und nur in kleinen Portionen verabreicht werden. Lintcrnum oder Litern» m hieß eine alte Stadt in Campanicn, an der Meeresküste, wo der ältere P. Cornelius Scipio Africanus l 83 v. Chr. starb. Linth, ein im schweiz. Canton Glarus durch die Vereinigung dreier Bäche am Fuße des Tödi entspringender Fluß, ist besonders durch das von Escher vonderLinth(s. d.) ausgeführtc hydrotechnische Unternehmen bekannt. Die Negulirung erfolgte durch den 19000 F. langen Molliscrkanal, wodurch die Linth in den Wallenstädtersee geleitet wurde, den sie bei Wesen verläßt. Die Verbindung zwischen dem Wallenstädtersee und dem Züri- chersce, in den sich die Linth unterhalb Grynau ergießt, wurde zum Schutz gegen frühere Überschwemmungen und gegen Versumpfung durch den 5709V F. langen Linthkana* hergestcllt, wodurch zugleich der Cultur etwa 20000 Morgen gewonnen wurden. Linz, die Hauptstadt in Ostreich ob der Ens, an der Donau, wo der Traunfluß einmündet, mit einer hölzernen Brücke über dieselbe, ist alterthümlich aber wohlgebaut, und die Häuser, obwol meist mit Schindeln gedeckt, haben doch ein gutes Ansehen. Die Bewohner, deren Zahl ohne das Militair sich auf 23500 beläuft, sind flußerst gewerbfleißig und nähren sich durch Speditionshandel, besonders mit Eisenwaaren, und durch Verfertigung von Tuch- und Baumwollcnwaaren, Seiden - und Goldarbeiten, Spielkarten und Pulver. Berühmt ist vorzüglich die kaiserliche Wollzeuch -, Tuch - und Teppichfabrik, die, obwol sie den Umfang ihrer Betriebsamkeit etwas verkleinert hat, noch immer viele Tausend Arbeiter in der Stadt und der Umgegend beschäftigt und eine große Niederlage in Wien unterhält. Die Stadt ist der Sitz der Landesregierung und ihrer Unterbehörden, eines Krcisamtes, eines >67-1 von Leopold l. errichtete» Lyceums, welches das Recht besitzt, das Magisterium und das Baccalaureat zu ertheilen, und seit 1784 auch Residenz eines Bischofs mit seinem Domcapitel. Auch hat sie ein Gymnasium, eine Normalhauptkunstschule und seit 1824 eine Taubstummen- und eine Blindenlehranstalt. Das hier bestehende nordische Stift ist ein Institut für Katholiken aus Norddeutschland. Unter den Gebäuden zeichnen sich die alte ehrwürdige Zgnatiuskirche und die Matthiaskirche mit Mon- tecuculi's Denkmal, sowie das auf einem Hügel gelegene Schloß aus, worin jetzt eine Pro- vinzial-Strafarbcitsanstalt ist. Eine protestantische Kirche wurde, nach Beseitigung mancher Hindernisse, 1844 zum Theil mit Unterstützung der Gustav - Adolf-Stiftung erbaut. Der Handel wird außer der günstigen Lage der Stadt an dem Hauptflusse der Monarchie, noch durch zwei Messen, und eine nach Budweis und Gmunden führende Schienenbahn wesentlich unterstützt. Übrigens wurde L., als der geeignetste Punkt im Donauthalc, um die östr. Monarchie gegen Westen sicher zu stellen, da hier die gewöhnliche Befestigungsart mit ungeheuren Schwierigkeiten und Kosten verknüpft gewesen wäre, in neuerer Zeit durch 32 sogenannte Maximilianische Thürme (s. d.), von denen 23 auf dem linken und neun auf dem rechten Donauufer stehen, zu einer starken Festung und zugleich zum verschanzten Lager umgeschaffen. Im Mittelalter gehörte die Stadt zu der Grafschaft Kyrnberg und 1140 kam sie mit der letzter» an Leopold VI. von Ostreich. Sie war eine Zeit lang Residenz des Kaisers Matthias und Leopold's I.; im Dreißigjährigen Kriege wurde fie vergebens belagert; im östr. Erbfolgekriege aber 1741 von den Baiern erobert. Zm 3. 22 Liparische Inseln Lipinski 1809 kam es hier zu einem Gefecht zwischen den Östreichern unter Kolowrat und den Sachsen und Würtembergern unter Bernadotte,,in welchem die letztem siegten. Liparische Insel», bei den Alten auch Äolische Inseln genannt, zwölf an der Zahl, im Mittelländischen Meere, an der Nordseite Siciliens, gehören zur Provinz Messina des Königreichs beider Sicilien und haben etwa l 8000 E. Die vorzüglichsten sind Lipari, Volcano, Panaria, Stromboli, Salina, Felicudi, Alicudi und Ustica. Alle scheinen durch ein unterirdisches Feuer entstanden zusein; daher legten die alten Dichter hieher Vulcan's Werkstätte, sowie die Wohnung des Äolus. Sie sind reich an Wein, Rosinen, Korinthen, Feigen, Baumwolle, Rebhühnern, Kaninchen, Fischen, Bimsstein und Schwefel. Lipari, die größte mit 15000 E., ist fruchtbar, besitzt heiße Bäder und von dem vortrefflichen Mal- vasierwein, welcher hier wächst, werden jährlich 2000 Fäßchen versandt. Der Handel auf Lipari mit Südfrüchten, hauptsächlich mit Weinbeeren und Feigen, ist beträchtlich. Vol» cano und Stromboli haben feuerspeiende Berge; besonders wirft der Vulcan auf letzterer Insel das ganze Jahr hindurch Feuer und glühende Steine aus. Felicudi, die höchste unter den Inseln, erhebt sich bis 2802 F. über das Meer. Untersucht wurden die Inseln von Dolomieu (s. d.). Auch der weißliche Bimsstein, der sich in vielen Schichten in dem hohen, kegelförmigen Berge Campobianco findet, bildet einen Handelsartikel. Das gleichnamige Städtchen auf Lipari ist der Sitz eines Bisthums und hat zwei Häfen und ein Castell auf einem hohen Berge. Lipäros, der Sohn des Auson, wurde von seinen Brüdern aus Italien vertrieben und ließ sich auf den Liparischen Inseln (s. d.), die von ihm den Namen erhielten, nieder, wo sich seine Tochter Kyane mit dem Äolus vermählte. Mit Hülfe desselben kehrte er später nach Italien zurück, beherrschte hier die Gegend um Surrentum und wurde nach seinem Tode als Heros verehrt. Lipinski (Karl), einer der ausgezeichnetsten Violinspieler, gegenwärtig Coneertmei- ster in der königlichen Kapelle zu Dresden, geb. im Nov. 1790 zu Radzyn in Polen, erhielt den ersten Unterricht in der Musik von seinem Vater und widmete sich vorzugsweise dem Dioloncellspies mit so glücklichem Erfolge, daß er noch sehr jung die Concerte vonB.Rom- berg und Lamare öffentlich spielte. Ein treffliches Muster war ihm der aus Wien gebürtige, in Lemberg als Beamteter angestellte Kernes, der sich als Komponist für das Violoncell, meist in äußerst schwierigen Productionen, auszei-chnete und 1823 starb. AlsMusikdirector beim lemberger deutschen Theater, 1810—13, vervollkommnete sich L. immer mehr im Diolinenspiel, wobei er den von dem gewöhnlich geltenden, verzierten und ital. Vortrage abweichenden Weg einschlug, der mehr auf Ton und Gehalt, als auf tändelnden Schmuck führte. Um Spohr, bei dessen Anwesenheit in Wien im I. 1813, zu hören, legte er seine Directorstelle nieder und wurde durch diesen nur noch mehr bestätigt, daß die von ihm cin- geschlagene, von Andern angefochtene Art des Spiels zur wahren Kunst führe. Zurückgekehrt in sein Vaterland, lebte er hier privatisirend, bis er 1817 seine erste große Kunstrcise nach Italien unternahm, um den Paganini zu hören. Nachdem er mehre öffentliche Concerte in Obcritalicn gegeben, traf er ihn in Piacenza und theilte mit ihm den Beifall des Publicums in zwei Doppclconcerten. Nach seiner Rückkehr nach Polen im I. >818 fand er auch hier gerechtere Änerkennung und machte seitdem mehre Kunstreisen nach Ungarn, Deutschland und Rußland. Nachdem er den Titel eines ersten Violinspielers des Kaisers von Rußland erhalten hatte, ging er 1829 nach Warschau, wo er wieder mit Paganini zu- sammentraf. Er ließ sich in einen Wettkampf mit demselben ein und das Publicum theilte sich in zwei Parteien. Hierauf kehrte er nach Lemberg zurück, seine Zeit zwischen Spiel, Composition und Studium theilcnd. Jm J. 1835 unternahm er eine größere Kunstreise durch Deutschland, Frankreich und Italien und 1830 wurde er in seine gegenwärtige Stelle nach Dresden berufen. Das Wesen seines Spiels beruht bei staunencrrcgender Sicherheit und Bravour in einer selten gehörten, oft bis auf die äußerste Grenzlinie des Schönen gesteigerten Mächtigkeit und Energie des Tons und in einer Kühnheit und Schwunghaftig- keit des Vortrags, die alle Stufen der Empfindungsscala von der rührendsten Zartheit bis zu dithyrambischem Gefühlsüberschwang mit gleichüberzeugender Wahrheit zurDarstellung bringt. Auch seine Compositionen stehen höher als gewöhnliche Virtuosenmusik. Zwar sind Lipogrammatisch Lippe 23 unter ihnen manche vorzugsweise auf Geltendmachung der Kunst des Spielers berechnet, viele aber haben einen Hähern Kunstwcrth, und sein „Militairconcert" gilt für einen Hauptprüfstein eines tüchtigen Geigers. Lipogrammatisch oder leivogrammatisch nennt man literarische Arbeiten und Gedichte, in welchen gewisse Buchstaben absichtlich vermieden werden. So schrieb Lope de Vega eine Novelle ohne die Buchstaben L und A; auch gibt es von G. W-Bur mann (s. d.) „Gedichte ohne den Buchstaben N" (Berl. l 7 88). Es sind unnütze Spielereien; denn die verdrießliche Mühe des Wcglaffens muß jeden gesunden Gang der Dichtung lähmen. Lippe oder Lippe-Detmold, ein souveraines deutsches Fürstenthum, mit einem Areal von 22 OM., ist, die 2 UM. umfassenden Enclaven abgerechnet, zum größten Theil von Preußen, an der östlichen Seite aber von der kurhess. Grafschaft Schaumburg, Hannover, der waldeckschen Grafschaft Pyrmont und Braunschweig begrenzt. Die Enclaven sind das Amt Lipperode, das Stift Kappel, die Bauernschaft Grevenhagen und die mit Preußen gemeinschaftliche sogenannte Gcsammtstadt Lippstadt. Der Teutoburgerwald (s.d.) ist die Hauptgebirgskette,welche das berg-und waldreiche Ländchen von Südost nach Nordwest durchzieht. Die größte Naturmerkwürdigkeit desselben sind die Exterstein c (s. d.). Die auf der nördlichen Seite des Teutoburgerwaldcs entspringenden Flüsse strömen der Weser, welche zum Theil die nördlichste Grenze des Landes ausmacht, die auf der südlichen dem Rhein zu. Von denHöhen dieses Gebirgs blickt man auf der cinenSeite in das fruchtbare Thal der Werre und Bega, auf der andern aber in die Sandfläche der Senne, welche indeß die fortschreitende Cultur der neuern Zeit ebenfalls angebaut hat. Der übrige Theil des Landes bietet eine beständige Abwechselung zwischen Wald, Wiese und Feld dar. Das Klima trägt den allgemeinen westfälischen Charakter an sich und muß eher rauh als mild genannt werden. Die Einwohnerzahl beläuft sich auf lOZttiw, von denen bei weitem die Mehrzahl sich zur reformirtcn Kirche bekennt, welche die herrschende ist und der auch das Fürstenthum angehört. Nur in Lemgo und Lippstadt ist die protestantische Confession überwiegend. Die wenigen Katholiken haben in Lippstadt, Lemgo und im Amte Swalcnbcrg Kapellen. Juden gibt cs gegen l l>tw. Der Charakter des Volks ist bieder und gut, und Aufklärung und Bildung sind ziemlich allgemein verbreitet. Unter dem Bür- ger- und Bauernstände wird noch ziemlich allgemein Plattdeutsch gesprochen. Die Hauptbeschäftigung ist der Ackerbau. Obwol der Boden des Landes nicht übermäßig fruchtbar ist, so belohnt er doch den aufgewendetcn Fleiß und läßt den Anbau der verschiedensten Getreidearten und Hülsenfrüchte zu. Besonders stark wird Flachs und Rübsamen angebaut. Ein mächtiger Hebel des Landbaus ist die Viehzucht, die durch die in Menge vorhandenen schönen Wiesen und Weideplätze sehr begünstigt wird. Eine besondere Aufmerksamkeit wurde schon von früher Zeit her der Pferdezucht zugewcndet. Das fürstliche Gestüt zu Logshorn erzieht die auch im Auslande durch ihre Dauerhaftigkeit und Schnelligkeit bekannten Senner. Mindere Sorgfalt verwendet man auf Veredelung der Schafzucht, wogegen die Schweinezuckt in bedeutendem Umfange betrieben wird. In den zahlreichen Waldungen fehlt es nicht an Wild. Das lippcsche Land gehört zu den holzreichsten in Deutschland, und die Forstcultur wird sorgfältig beaufsichtigt. Die Salzquellen bei Uffeln sorgen reichlich für den Salzbedarf des Landes und gestatten zuweilen noch Erporte. Das Bad in Meinbcrg hat wieder bedeutend an Ruf gewonnen, und bei Lippspringe an der preuß. Grenze hat man in neuerer Zeit warme Quellen entdeckt, die schnell in Ruf kamen. Einen in großerAusdehnung betriebenen Industriezweig besitzt dasLand in der Leinwebern, verbunden mit dem Spinnen des von ihr consumirten Garns. Man webt seine Leinwand, biclefelder Leinwand genannt, weil sie sonst meist von dem benachbarten preuß. Orte Bielefeld auS weiter versendet wurde, und grobe Leinwand, das sogenannte Leggelinnen. Ein vortreffliches Institut ist die 1826 in Lemgo errichtete Leggeanstalt, durch welche eine wirk- same Controle über die Fehlerhaftigkeit der verfertigten Linnen geübt wird. Ein ganz eigenthümlicher Erwerbszwcig der ärmern Bewohner des Ländchcns ist das Ausziehen während des Sommers auf Arbeit ins Ausland. Wie das Fabrikwesen, so ist auch der Handel von wenig Bedeutung; doch steht zu hoffen, daß er in Folge des 1842 eingetretenen Anschlusses des Landes an den deutschen Zollverein sich mehr und mehr heben werde, was 24 Lippe bei der frühem Absperrung unmöglich war. Als für das Gemeinwohl segensreich wirkende Institute sind zu erwähnen die ',752 errichtete, aufdasPrincip der Gegenseitigkeit begrün- detc Landcsbrandkasse; die 1864 begründete Sparkasse und Leihbank in Detmold; mehre Witwen- und Waiscnkassen und die sogenannte Pflcgcanstalt in Detmold, welche eine Bewahranstalt für kleine Kinder, ein Krankenhaus, ein freiwilliges Arbeitshaus und ein für das ganze Land bestimmtes Waisenhaus in sich schließt. Auch gibt es in Detmold eine im großen Stile eingerichtete Corrcctionsanstalt, das Strafwcrkhaus, und ein Zuchthaus, und in Brake eine gut eingerichtete Irrenanstalt. Der Volksunterricht wurde unter der Fürstin Pauli ne (s.d.) auf das Zweckmäßigste gestaltet. Die Grundlage desselben bildet das 1791 errichtete Schullehrerscminar in Detmold. Dagegen läßt die Einrichtung des höhern Schulwesens Manches zu wünschen übrig. Das Gymnasium zu Detmold ist im Besitz eines schönen Schulgebäudes und einer reich ausgcstatteten öffentlichen Bibliothek. Ein naturwissenschaftlicher Verein für das Fürstenthum wurde 1815, ein lippescher Sän- gervercin 1832 gestiftet; auch trat 1838 in Detmold der Verein zur Errichtung eines Denkmals für den Cheruskcrfürsien Hermann zusammen, der durch den Eifer und die Energie, mit welcher er die Sache betrieb, große Erfolge hatte. Die Verfassung des Landes beruht auf der Urkunde von l 836. Dieselbe enthält aber nichts von Garantien, Freiheit der Person und des Eigcnthums, Gleichheit vor dem Gesetze, Öffentlichkeit und Unabhängigkeit der Gerichte, Ministerverantwortlichkcit und Preßfreiheit; sie bestätigt und modificirt nur die Rechte der alten Landstände. Die Landstände bestehen aus sieben Deputaten der Ritterschaft und gleich viel Deputaten des Bürger- wie des Bauernstandes. Alle zwei Jahre soll Landtag gehalten werden, und ohne Zustimmung der Stände kann kein allge- meines Landcsgcsetz gegeben oder aufgehoben werden. Ebenso kann ohne ausdrückliche Bewilligung der Stände keine neue Steuer aufgelegt und keine neue Anleihe auf den Credit landschaftlicher Kassen gemacht werden. Auch haben die Stände das Recht der Verwendung für einzelne Unterthanen und ganze Elasten derselben, und der Beschwerdeführung gegen einzelne Staatsdicncr nnd ganze Collegien. Die gewöhnliche Dauer des Landtags ist zwei bis drei Wochen; dieSitzungen sind nicht öffentlich, doch sollen die Resultate derselben durch den Druck bekannt gemacht werden. Die Finanzen des Fürstenthums sind in einem blühenden Zustande, das Kastenwesen aber ist nicht zweckmäßig geordnet. Ein gemeinschaftliches Obcrappellationsgericht hat es mit Braunschweig zu Wolfenbüttel. Die Staatseinkünfte betragen gegen 456666 Fl.; Staatsschulden gibt es nicht. Der Fürst participirt beim Deutschen Bunde an der Curiatstimme auf der 16. Stelle und hat im Plenum eine eigene Stimme. Das Bundescontingent beträgt, außer den Nichtcombattan- tcn, 678 M. Infanterie, die zum elften Heerhaufen stoßen. Die Residenzstadt ist Detmold (s. d.), die bevölkertste Stadt aber Lemgo (s. d.). Den Namen erhielt das Land wahrscheinlich vom Flusse Lippe. Die Vorfahren des gegenwärtigen Fürstenhauses gehörten bereits im l 2. Jahrh. zu den begütertsten westfäl. Dynasten. BernhardvonderLippe, der zuerst unter diesem Namen im I. > >20 vorkommt, besaß schon die Stadt Lemgo. Sein Sohn Bernhard II. war ein Freund Hein- rich's des Löwen und fand sich mit einem zahlreichenGcfolge auf dem vomKaiserFriedrich I. 1184 zu Mainz gehaltenen Reichstage ein. Bernhard III. erwarb 1236 mit seiner Ge- mahlin die Herrschaft Rheda. Simon 1., dessen Enkel, erbte im 14. Jahrh. einen Theil der Grafschaft Swalenbcrg. Simon III., der die Grafschaft Sternberg erwarb, führte 1368 das Erstgeburtsrecht ein. Bernhard VIII., gest. 1563, nannte sich zuerst Graf von der Lippe. Sein Sohn, Simon VI., wurde der Stammvater des jetzigen lippeschen Hauses. Er theilte bei seinem Tode im I. 1613 seine Besitzungen unter seine drei Söhne, von denen Simon VII. die Linie Lippe, Otto die Linie Brake und Philipp die Linie BückeburgoderSchaumburg(s.Schaumburg-Lippe) stiftete. Nachdem die Brake'sche Linie 1766 erloschen, nahm Friedrich Adolf, Graf von der Lippe, die Länder derselben in Besitz, ohne auf die Rechte der bückeburgischen Linie Rücksicht zu nehmen. Doch zufolge rcichshofräthlichcr Erkenntnisse von 1734 und 1737 und des stadthagner Vergleichs von 1748 mußten dieselben zwischen beiden Linien getheilt werden. Auch wegen Ausübung der landcshoheitlichen Rechte in dem zum schaumburg.Antheile der eigenthümlichenGrafschaft 25 Lippert Lips Lippe gehörigen Amte Blomberg walteten zwischen den beiden Linien Streitigkeiten ob, die mehrmals und namentlich >812 und >818 Veranlassung zu Tätlichkeiten gaben und auf deren Ausgleichung Schaumburg-Lippe bei dem Deutschen Bunde antrug, dessen Austrägal- gericht zu Ende des 1.1838, abgesehen von einigen Nebenpunkten, ganz zu Gunsten von Lippe entschied. Der Stifter der Linie L. starb 1627 und es entstand nun wieder eine Nebenlinie des Hauses, L.-Biesterfcld, jetzt?.-Stcrnb erg-Sw alenberg genannt, gestiftet von Jodocus Hermann, die sich dann in die ÄstcL.-Bicsterfeld und L.-Weißenfeld theilte. Ihm folgten in der Hauptlinie Hermann Adolf, gest. >666; Simon Heinrich, gest. >697; Friedrich Adolf, gest. I7>8; Simon Heinrich Adolf, der >726 von Kaiser Karl VI. die reichsfürstlichc Würde erhielt, gest. >733; Simon August, gest. 1782; Friedr. Wilh. Leopold, gest. >862, dem vom Kaiser Joseph II. die rcichsfürst- liche Würde förmlich bestätigt wurde; und der gegenwärtige Fürst Paul Alexander Leopold (s.d.), der während seiner Minderjährigkeit bis >826 unter der Vormundschaft seiner Mutter, Pauline (s. d.), stand. Durch den Beitritt zum Rheinbünde im I. > 867 wurde L. zum souvcrainen Fürstenthum und als solches trat cs dann dem Deutschen Bunde bei. Das I. >836 ging an dem Fürstenthum ohne auffallende Bewegung vorüber. Im 1. >831 mußte das Bundescontingent zur Verstärkung der Besatzung in der Buudes- fcstung Luxemburg ausrücken. Was der Fürstin Pauline im I. >8 >6 nicht gelungen war, kam jedoch nicht so, wie damals beabsichtigt, im I. >836 zu Stande, wo das Land am 6. Apr. eine landständische Verfassung erhielt. Seitdem sind die Landtage regelmäßig abgehaltcn worden und ohne besonderes Aufsehen verflossen, mit Ausnahme des Landtags von >831, wo die Stände, besonders wegen des Militairbudjets, mit der Negierung in Differenzen kamen und sehr ungnädig entlassen wurden. Im I. >832 wurde das braunschw. Criminalgesetzbuch eingeführt; auch schloß sich in demselben Jahre, vorläufig auf zwölf Jahre, das Fürstenthum dem deutschen Zollverein an. Lippert (Phil. Dan.), der Herausgeber der „Daktyliothek", geb. zu Meißen am 2. Sept. >762, wurde von seinem Vater, einem Beutler, zu seinem Handwerke bestimmt, da er aber das Elaserhandwerk verzöge- >716 nach' Pitna in' Nie Lehre gebracht. Als er die Wanderschaft aNkretcu sollte, änderte eine von Jugend auf genährte Neigung zum Zeichnen den Plan. Er fand in der damals aufblühcndcn meißner Pvrzellanfabrik Arbeit, und als Nebenbeschäftigung übte er sich in Federzeichnungen. Später wendete er sich nach Dresden, wo seine Methode des Planzeichnens so vielen Beifall fand, daß er 1738 beim Hauptzeughause und 1739 als Zeichenlehrer bei den königlichen Pagen angestellt wurde. Die Bekanntschaft mit den Mischungen der meißner Porzellanmasse veranlaßt ihn, sich im Nach- ahmcn alterPastcn zu versuchen. Er erfand eine eigne weiße Masse, nach der gewöhnlichen Ansicht eine Kalkcrde mit Hausenblase gemischt, der er durch ein beigemischtes Fossil neben einer fast unzerstörbaren Dauer einen vorzüglichen Glanz zu geben wußte. Die Abdrücke in dieser Masse vereinigte er in seiner „vaet^liotboea", welche 3139 Abdrücke enthält, die in 57 Tabletten und in drei Bände vertheilt sind (Bd. l u. 2, mit dem lat. Katalog von Christ, Lpz. 1755—56; Bd. 3, mit Register von Heyne, >762, Fol.; deutsch, Bd. > u. 2, von Thierbach >767, und das Supplement >768, 3.). Das Verdienst, welches sich L.durch dieses Unternehmen erwarb, bleibt unbestritten, obgleich seine Masse in der Folge von dem Aufwärter beim königlichen Antikencabinet zu Dresden, Nabenstein, aufs neue erfunden und noch verbessert, die Anzahl der bekannt gemachten Steine aber durch Tafsie bedeutend vermehrt wurde. Vielleicht würde L. in später» Jahren, wo er durch fortgesetztes Studium Vieles anders anzusehen gelernt hatte, Manches besser gegeben haben, aber die Auslagen scheine» ihn abgeschreckt zu haben. Er wurde >763 Aufseher der Antiken bei der Akademie der Künste und starb am 28. März >785. Mit Schulden hatte er angefangen, und doch hinterlicß er seiner Tochter, außer dem Geheimniß der Mischung, das mit ihr 1867 und zum zweiten Male mit Nabenstein >816 abgestorben ist, ein anständiges Vermögen, dabei ein eigenes Haus in der Königsstraßc in Neustadt-Dresden, welches noch jetzt durch eine Inschrift L. als den ehemaligen Besitzer bezeichnet. Lips (Joh. Heinr.), Maler, Zeichner und Kupferstecher, geb. >758 zu Kloten in der Nähe Zürichs, war anfangs zum Wundarzt bestimmt, wurde aber durch Lavater's Der- 26 LipS Tullian LipsiuS Wendung für die Kunst gewonnen, der ihn durch Schellenberg in Winterthur im Nadiren und Aßen unterrichten ließ. Schon im ersten Jahre lieferte L. gute Arbeiten. Auch seine Versuche im Ölmalen sielen nicht minder glücklich aus. Besonders aber erlangte er als Kupferstecher Nuf, namentlich durch seine vielen Arbeiten zu Lavater's „Physiognomischen Fragmenten". Als diese Arbeit beendigt war, reiste er l 782 nach Nom, um sich daselbst noch weiter auszubilden. Hier machte ihn Goethe 1786 im Namen des Herzogs von Sachsen-Weimar den Antrag, Dircctor der Zeichenakademie zu Weimar zu werden. L. folgte diesem Nufe 1798 und wäre vielleicht für immer daselbst geblieben, wenn ihn nicht Krankheitsumstände genöthigt hätten, 1794 in sein Vaterland zurückzukehren. Er lebte mm in Zürich und beschäftigte sich mitZeichnen und Kupferstechen. Die Zahl seinerStiche beläuft sich auf 145V; unter den größern sind der heilige Sebastian nach van Dyk, das Bacchussest nach Poussin und die Anbetung der Hirten nach Carracci die vorzüglichsten. Er starb am 5. Mai 1817. — Jak. L., ein Schüler des Vorigen und ein ebenfalls ausgezeichneter Kupferstecher, der sehr viel gearbeitet hat, starb am 3. Mai 1333. Llpö Tullian, auch Phil. Mengstein, Elias Erasmus Schönknecht und der Wachtmeister genannt, einer der berüchtigtsten Raubmörder, geb. zu Strasburg 1675, war der Sohn eines Offiziers in lothring. Diensten und trat, zum Soldatenstande bestimmt, zuerst ebenfalls in lothring. Dienste. Später ging er in kaiserliche Dienste bei einem Dragonerregiment, welches in den Niederlanden stand, und wurde Wachtmeister. In Folge eines Duells mit einem Kameraden, den er tödtlich verwundete, floh er 17 02 nach Prag und wurde hier in eine Diebsbande gezogen, mit der er sich nach Dresden wendete. Nachdem »r mehrmals ergriffen, mit großer Verwegenheit sich aus der Hast befreit hatte, wurde er seiner vielfachen Räubereien und einiger Mordthaten wegen 1715 in Dresden hingerichtet. LipslUs (Justus), eigentlich Joest Lips, ein berühmter Philolog und Kritiker des 16. Jahrh., weniger geachtet als Mensch, der Zeitgenosse von Scaliger und Casaubonus, geb. am 18.Oct. 1547 zu Overyssche bei Brüssel, studirte, nachdem er den ersten Unterricht in Brüssel und Ath, dann bei den Jesuiten in Köln genossen hatte, zu Löwen die Rechte. Nebenbei widmete er sich mit großer Vorliebe der Alterthumskunde, und begab sich 1567 zunächst nach Rom, wo er in dem Hause des Cardinals Granvella als Secretair Aufnahme und Schutz fand und während dieser Zeit die Bibliotheken und den Umgang mit den ausgezeichnetsten Gelehrten fleißig benutzte. Hierauf kehrte er nach Löwen zurück, wendete sich aber bald nach Wien, wo er mit Busbecq in Bekanntschaft trat. Er befand sich auf der Rückreise in seine Heimat, als er den durch die damaligen Kriegsbedrängnisse hcrbeige- führten Verlust seines Erbes erfuhr, daher er im I. 1572 die ihm angetragene Professur der Beredtsamkeit und der Geschichte auf der Universität zu Jena annahm, nachdem er vorher scheinbar zum Protestantismus übcrgetreten war. Aber schon nach zwei Jahren verließ er in Folge heftiger Streitigkeiten mit seinen College» diese Stelle, ging wieder nach Löwen zurück, wo er mit Beifall Vorlesungen hielt, und bekam nun 1579 den Lehrstuhl der Geschichte zu Leyden. Hier wirkte er 13 Jahre lang, wurde aber wegen Intoleranz in seinen politischen und religiösen Grundsätzen, zumal da er sich auch in seinen Schriften „De uns i-eligivne" und „koliticvrum libri IV" als katholischen Zeloten und ultramonar- chischen Schriftsteller zeigte, zuletzt genöthigt, sein Amt, um dem allgemeinen Hasse zu entgehen, nicderzulegen, woraufer, nachdem er sich wieder zur röm. Kirche bekannt hatte, zwei Jahre in Lüttich und Spaa lebte. Endlich erhielt er auf Empfehlung der Jesuiten abermals eine Anstellung in Löwen und noch kurz vor seinem Tode, welcher am 23. März 1606 erfolgte, wurde er zum Historiographen des Königs von Spanien ernannt. Bei aller Ausschweifung, Eitelkeit und Unbeständigkeit im religiösen Glauben, den er dem jedesmaligen Aufenthaltsorte und den Verhältnissen, in denen er lebte, anzupassen wußte, besaß dieser auch durch sein vielbewegtes Leben merkwürdige Mann einen tief eindringenden Verstand, großen Scharfsinn und außerordentliche Belesenheit. Er verschaffte der damals gesunkenen röm. Literatur ein bleibendes Übergewicht für die folgende Zeit. Seine schriftstellerischeThätigkeit, bei der man im Allgemeinen strenge Ordnung und Einheit vermißt, erstreckte sich theils auf Erläuterung von Gegenständen aus dem öffentlichen und Privatleben der Alten, theils auf Erörterung einzelner Punkte der Theologie und alten Philosophie, namentlich der stoischen. Liqneur Liscow 27 Ein wesentliches Verdienst aber erwarb er sich um die Kritik und sachliche Erklärung der lat. Klassiker, des Plautus, Valerius Maximus, Vellejus Paterculus, Livius, des Philo- sophen und Tragikers Sencca, und vor allen andern des Tacitus, den er vollständig im Gedächtnisse hatte und zum Muster seiner eigenen Darstellung wählte, deren lästige Geschraubtheit und Affectation von seinen Nachahmern, die man Lipsianer nannte, noch überboten wurde. Aus der großen Zahl seiner Schriften heben wir außer denAusgaben der genannten Schriftsteller die zunächst zur Kritik gehörenden „Variarum lectiooum libri III" (Antw. 1569); ferner „Xnti730 Hauslehrer in Lübeck. Später lebte er in Hamburg, wo er enge Freundschaft mit dem Dichter Fr. von Hagedorn schloß; dann begleitete er einen Adeligen nach Frankreich und England. Seit >740 fungirte er als preuß. Lcgations- secretair in Mainz; doch Mißverhältnisse halber mit seinem Chef trat er > 74 l als Privat- secrctair des Ministers Brühl in sächs. Dienste, wurde hierauf als Secretair im Staatsdienste angcstellt und 1745 Kriegsrath. Um dieselbe Zeit hcirathete er eine Witwe, mit welcher er das Gut Berg vor Eilenburg erhielt. Was über seinen politischen Einfluß in dieser Zeit erzählt wird, scheint rein erdichtet. Im I. >749 wurde er in den Proceß gegen den bei den sächs. Finanzen beschäftigten Schotten Bishopfield verwickelt. Nicht sowol eine Strafe für erwiesene Vergehen als für seine Freimüthigkeit scheint die Verurtheilung zu sechsmonatlichem Gefängniß, das jedoch erlassen wurde, und Amtsentsetzung gewesen zu sein. Seitdem lebte er mit kurzer Unterbrechung still auf seinem Gute, wo er am 30. Oct. 1760, vom Schlage getroffen, am Schreibtisch starb. Seine Papiere wurden wahrscheinlich vernichtet. Erließ seit >735 verschiedene satirische Schriften erscheinen, die er 1739 ohne Nennung seines Namens in der „Sammlung satirischer und ernsthafter Schriften" vereinigte; die neue, von Müchler besorgte Ausgabe derselben (3 Bde., Berl. > 806) ist mangelhaft. An der Echtheit der 1803 von Pott herausgegebenen Schrift „Über die Un- nothigkeit der guten Werke zur Seligkeit" zweifelt man. Mehre der echten Schriften sin- 2S Lisowczyker Lissabon gegen Literaten jener Zeit, namentlich gegen den Professor Philipp! in Halle gerichtet; all» gemeiner« Inhalts und deshalb besonders geschätzt ist seine Abhandlung „Die Vortrcfflich- kcit und Nothwendigkeit der elenden Scribcntcn". Alle Arbeiten von L. zeichnen sich durch seltene Reinheit der Sprache undKraft der Darstellung aus; noch höher stehen sie durch die in ihnen an den Tag gelegte gerade Gesinnung. In der Anwendung der Ironie ist er vollendeter Meister. Er hat das unbestreitbare Verdienst, viele Wahrheiten zuerst furchtlos ausgesprochen zu haben, die bald darauf allgemein verbreitet wurden, und in dieser Beziehung gebührt ihm in der Geschichte der deutschen Literatur ein ausgezeichneter Platz. Die erste quellenmäßige Darstellung von L.'s Leben und Schriften enthält Helbig's Schrift „Christian Ludw. L." (Dresd. 1844). Lisowczyker hieß ein im 17. Jahrh. sehr gefürchtetes poln. Freicorps. Es hatte seinen Namen von Alex. Lisowski, einem poln. Edelmann, der 1612 einen Haufen von 2000 Kriegeleuten sammelte, mit welchen er, ohne Sold zu erhalten und nur auf Beute rechnend, dem poln. Feldherr« Chodkjewicz (s. d.) im Kriege gegen Rußland nachzog. Die Lisowczyker führten den Krieg ganz auf eigene Hand und durchflogen überall plündernd Rußland vom Eismeer bis Astrachan. Nach dem Tode Lisowski's im I. 1614 behielt die Schar auch unter andern Anführern den überall Schrecken erregenden Namen bei, siel in Ungarn plündernd ein und diente nachher im Dreißigjährigen Kriege unter Ferdinand ll., dem sie besonders in der Schlacht bei Prag 1626 wichtige Dienste leistete. Wegen ihrer gänzlichen Demoralisation wurde die Schar durch einen poln. Neichstagsbeschluß aus Polen verbannt; sie zerstreute sich nun, doch übten einzelne Abtheilungen noch später in Schlesien viele Räubereien aus. Lissa, Poln. Leszno, eine Stadt im GroßherzogthumPosen, dem Fürsten Sulkowski gehörig, hat 85VV E-, die fast zur Hälfte Juden sind, zwei evangelische und eine katholische Kirche, ein Schloß, ein Gymnasium, einige Fabriken und zahlreiche Windmühlen. Nachdem viele von den im 16. Jahrh. vom Kaiser Ferdinand I. vertriebenen Böhmischen Brüdern bei der Familie Lcszczynski (s. d.) Schutz gefunden und sich in dem Gute derselben, Leszczynko, niedergelassen hatten, wurde dieses um 1548 mit dem Namen Lissa zur Stadt erhoben, als sich während des Dreißigjährigen Kriegs viele neue böhm. und fehles. Flüchtlinge hier einfanden, nunmehr der Hauptsitz der böhm. Brüdergemeinden in Polen und einer der Haupthandelsplätze Polens. Hier hatten die Böhmischen Brüder ihre berühm- teste Schule, an der Comenius (s. d.) eine Zeit lang Rector war, ihr Seminar, ihre Druckerei und ihr Archiv, auch war L. der Sitz der Senioren. Später mannichfachcn Bedrückungen, besonders von Seiten der Jesuiten, ausgescht, traten die Einwohner von L. während des poln.-schwed. Kriegs auf die Seite Karl's X. Gustav. Bei dem Rückzüge desselben wurde 1656 die ganze Stadt von den Polen cingeäschert; ebenso wurde sie von den Russen 1767 gänzlich verbrannt, weil sie auf der Seite ihres Wohlthäters, Stanislaw Leszczynski (s. d.), gewesen war. Auch verheerten wiederholte Feuersbrünste 1767 und 1766 die Stadt, und ihre Fabriken, unter denen früher besonders die Tuchfabriken bedeu- dend waren, verfielen, doch hob sie sich bald wieder und treibt noch gegenwärtig, vornehmlich durch Juden, einen nicht unbeträchtlichen Handel. Lissabon (Lisboa), die Haupt- und Residenzstadt von Portugal, in der Provinz Estremadura, am rechten Ufer des hier 1 */, M. breiten Tejo, vier Meilen von seiner Mündung, liegt auf drei Hügeln in einer romantischen Gegend und gewährt von der Seeseite einen großartig schönen Anblick, sodaß sie in Hinsicht ihrer Lage mit Konstantinopel und Neape l verglichen werden kann. Sie ist mit den Vorstädten Junqueira und Alcan - tara über eine Meile lang und M. breit, offen, ohne Mauern und Thore und hat blos ans dem höchsten Hügel ein jetzt verfallenes Castell; dagegen wird der schöne, breite und sichere Hafen durch die vier an dem Flusse liegenden starken Forts, San-Juliao, Torre do Bugio, Bclem und San-Sebastian beschützt. Viele Straßen sind wegen der bergigen Lage sehr uneben; die schönsten befinden sich längs des Tejo. Namentlich hat der westliche Theil der Stadt, o Mcjo, der 'von dem Erdbeben am I.Nov. 1755 am härtesten getroffen wurde, gerade und regelmäßige Straßen, schöne Häuser und prächtige Plätze, während im östlichen Theile, der von dem Erdbeben verschont blieb, krumme und winke». 29 List ligc Gassen und fünf bis sechs Stockwerk hohe, altmodische Häuser sich finden. Pracht- gebäude findet man unter den Privathäusern nicht, und die Wohnungen der Großen zeichnen sich nur durch ihren Umfang aus. Obgleich in neuern Zeiten für die öffentliche Sicherheit der Stadt Manches gethan und Straßenbeleuchtung eingeführt worden ist, so bleibt doch sowol in Hinsicht der Sicherheits- wie der Wohlfahrtspolicei viel zu wünschen übrig. Unter den öffentlichen Plätzen zeichnen sich aus der Commerzplatz mit der Bildsäule König Joseph's I. und der Nocio oder Noscioplatz, wo sonst die Autos da Fe gehalten wurden und dessen eine Seite der in neuem Stile erbaute Jnquisitionspalast einnimmt. Unter den Kirchen ist die sogenannte neue Kirche die schönste und das prächtigste von allen Gebäuden, die seit dem Erdbeben aufgcführt worden sind. Auch die Patriarchalkirchc, auf einer Anhöhe, ist im Innern äußerst prachtvoll und enthält einen reichen Schatz und viele Kostbarkeiten. Die Kirche des heil. Rochus, in welcher die von Johann V. erbaute Kapelle sich befindet, deren Wände mit Mosaiken von kostbaren Steinen geziert sind, die Kirche zum heil. Herzen Jesu und die Jcsuiter- und San-Lorctlokapclle find Denkmäler einer mehr originellen als schönen Baukunst. Überhaupt gibt cs in L. 4« Pfarrkirchen und noch immer eine bedeutende Anzahl Klöster. Die Stadt ist der Sitz der höchsten Neichscollegien, eines Patriarchen und eines Erzbischofs. Die Zahl der Einwohner wird auf 260000 angegeben ; unter ihnen sind viele Ausländer, Neger, Mulatten, Creolen und 3000» Eale- gos oder Galicier, die aus dem span. Galicien hierher kommen und als Last- und Wasserträger, überhaupt mit groben Arbeiten ihren Unterhalt verdienen. Zu den Merkwürdigkeiten der Stadt gehört auch die vier Meilen lange und an einer Stelle 210 F. hohe, 1743 vollendete Wasserleitung, welche das Wasser auf 35 kühnen Bogen von Marmor über das Thal von Alcautara führt. Sie widerstand der Gewalt des Erdbebens von 1755, obgleich die Schlußsteine sich einige Zoll in die Tiefe senkten. Noch find anzuführen die königlichen Paläste Bemposta und Nccessidadcs, dasSt.-Jakobshospital, wo jährlich an 16000 Kranke, und das Findelhaus, worin jährlich > 600 Kinder ausgenommen werden. Unter den wissenschaftlichen Anstalten besitzt die Stadt die königliche Akademie der Wissenschaften, mehre gemeinnützige und gelehrte Gesellschaften, clrle Erzi'ehü'ngsanstalt für den Adel, mehre Se» minarien, eine Handelsschule, mehre Unterrichtsanstaltcn für das Seewesen und das Landheer, einen botanischen Garten, eine Sternwarte, ein königliches Naturaliencabinet und mehre öffentliche Bibliotheken, worunter sich die 80000 Bände starke königliche Bibliothek auszcichnet. Die Einwohner unterhalten nur wenige Fabriken, ja es sind nicht einmal hinreichende Handwerker für das Bedürfniß der Stadt vorhanden. Dagegen ist sie der Mittelpunkt des gesammtcn portug. Handels, der sich beinahe nach allen europ.Ländern und nach den außereurop. Besitzungen der Portugiesen erstreckt. Man zählt hier gegen 300 portug. und über 200 ausländische, vorzüglich engl. Handelshäuser. Die reizenden Umgebungen der Stadt werden durch eine überaus große Zahl Landhäuser, Quintas, verschönert. In der Nähe liegen der befestigte Flecken B elem (s. d.), das Lustschloß Ramalhao und das zwei Meilen von L. entfernte Oueluz, seit dem Erdbeben von >755 der gewöhnliche Aufenthaltsort der königlichen Familie bis zur Flucht nach Brasilien im I. 1807. List (Friedr.), Nedacteur des in Augsburg erscheinenden „Zollvereinsblatts", geb. 1781 in der damals noch freien Reichsstadt Reutlingen, war früher Professor der Staatswissenschaften an der Universität zu Tübingen, machte aber als solcher, weil ihm die Gabe der Rede nicht gegeben und er überhaupt mehr zum Mann des Volks und der Partei als zum Universitätslehrer geschaffen ist, wenig Glück. Nachdem er 1818 sein Amt niedergelegt, wirkte er wesentlich mit bei der Stiftung des deutschen Handelsvereins. Als Consu- lent desselben begleitete er die an alle deutsche Höfe und > 820 auch an den Ministercongreß zu Wien gesendeten Deputationen. Während des Handclscongresses zu Darmstadt wurde er 1820 von seiner Vaterstadt zum Abgeordneten bei der würtemberg. Ständeversammlung erwählt. L. glaubte, einen von seinen Committcnten erhaltenen Auftrag zur Ent- werfung einer Petition über den allgemeinen Zustand des Landes nicht besser nutzen zu können, als wenn er in solcher einen Neformplan sämmtlicher Institutionen der Justiz, der Finanzen und der Administration aufstcllte. Derselbe befand sich lithographirt unter der Presse, als er von der Polices weggenommeu wurde, worauf der Geh. Rath L. in Anklage- 80 List stand versetzte'und auf den Grund dieser Anklage dessen Ausschließung aus der Ständeversammlung verlangte. In der Nachtsitzung der Kammer am 14. Fcbr. >821 wurde er wirklich durch eine geringe Majorität von seiner landständischen Function suspendirt, den ordentlichen Gerichten ausgeliefert und durch den Criminalsenat des Gerichtshofs zu Eßlingen unterm 6. Apr. 1823 zu einer zehnmonatlichen Festungsstrafe verurtheilt; doch beschränkte sich Alles, was von Thatsachen vorlag, darauf, daß eine an sich ganz unverfängliche Petition lithographirt worden war. Nachdem L. einige Zeit in Festungsarrest gesessen und während des Arrestes wegen Bekanntmachung der UntersuchungSprotokollc in eine neue Crimineiluntersuchung gekommen war, schiffte er sich plötzlich mit seiner Familie nach Pennsylvanien ein, erhielt aber später durch den König von Würtemberg unmittelbar die Erlaubniß, in sein Vaterland zurückzukehren. Doch L. betrachtete sich seit > 82 .', als Amerikaner. In Pennsylvanien hatte er durch Privatuntcrnehmungcn wie durch öffentliche Dienste Gelegenheit gefunden, sich auszuzeichnen. Als die in Folge der engl Handelsbeschränkungen eingetretcne öffentliche Noth in den I. 1826 und 1827 die Discussion über die Handelspolitik der Union selbst in den gesetzgebenden Körpern auf die Tagesordnung brachte, schrieb er, von der Gesellschaft für Beförderung der Manufacturen und Gewerbe in Philadelphia dazu aufgefodert, die „Outlmes vk a new System os politicul econmu^" (Philad. 1827), worin er dem herrschenden Systeme der politischen Ökonomie in derselben Weise, die er seitdem unablässig verfolgt hat, gewisse Fundamentalirrthümer nachzuweiscn suchte. Diese sind nach ihm ein gänzliches Verkennen des nationalen Elements in der Volkswirthschaftslehre und eine irrthümliche Verwechselung zwischen Tauschwerthen und productiven Kräften. Die Neuheit und Originalität seiner Ansichten machten den grüßten Eindruck in Amerika, und sowol die vorerwähnte Gesellschaft, wie die beiden gesetzgebenden Häuser in Pennsylvanien, faßten den Beschluß: „Friedrich List har sich um das Vaterland verdient gemacht", den sie öffentlich bekannt machten. Zugleich..foderte die Gesellschaft zu Philadelphia L. auf, sein natürliches System der politischen Ökonomie zunächst wissenschaftlich und dann populair in zwei verschiedenen Werken zu bearbeiten, die sie zu honori- ren und drucken zu lassen sich erbot. Privatverhältnisse hinderten L. damals an der Ausführung; doch hat er. später seinen Vorsatz in dem ersten Bande seines „Nationalen Systems der politischen Ökonomie" (Stuttg. und Tüb. 1841; 2. umgearb. Aust., 1842) ausgeführt. Auf einer Reise nach England hatte er dort 1823 die erste Eisenbahn gesehen und sogleich die nationalökonomische Wichtigkeit und künftige Bestimmung dieses neuen Transportmittels erkannt. Als er 1825 nach Amerika kam, war er mit diesem Gegenstände schon viel vertrauter als die meisten Amerikaner. Er hatte sich öffentlich zu Gunsten der ersten Eisenbahnversuche ausgesprochen, als er in den Blauen Bergen von Pcnnsylva- nien in einer abgelegenen Waldgegend Anzeichen von reichen Anthracitflötzen fand. Er brachte nun I7tti»n Acker dieser Gegend nebst drei zu Anlegung von Städten und Kanalhäfen vortrefflich gelegenen Lokalitäten an sich und verband sich mit dem reichen Capita- listen Thom. Biddle und Comp, in Philadelphia. Sägemühlen, Eisenbahnen, Minen, Häuser, Kirchen, Schulen, zwei ganze Städte (Port Clinton und Tamaqua) wurden in rascher Folge angelegt. Inmitten dieser Geschäfte wendete sich wiederholt der Staatssecretair Livingston an L-, um Auskunft über europ. Staats- und Handelsverhältniffe zu erhalten. L.'s Mittheilungen und Vorschläge zogen die Aufmerksamkeit der Negierung in der Art auf sich, daß van Buren, der inzwischen Staatssecretair geworden war, ihn im Aufträge des Prä- sidenten Jackson zu einer Conferenz nach Washington einlud, in Folge deren L. in Angelegenheiten der Vereinigten Staaten nach Paris gehen und sodann zur Belohnung zunächst ein Consulat in Deutschland sich auswählen sollte. Von Paris nach Philadelphia zurückgekehrt, schloß er ein Arrangement mit den andern Teilhabern seines Unternehmens, welches eine mehrjährige Abwesenheit zuließ, und erwählte sich 1831 das Consulat zu Hamburg, das er aber, als er inParis erfuhr, daß auf diesemPostcn ein redlicher, braver Mann durch ihn verdrängt werde, durchaus ablehnte. Seinen Aufenthalt inParis nutzte er dazu, die Herstellung eines allgemeinen franz. Eisenbahnsystems in Vorschlag zu bringen. Bald nach seiner Rückkehr nach Philadelphia faßte er den Entschluß, seinen Aufenthalt in Deutschland zu nehmen und der Einführung von Eisenbahnen seine Kräfte zu widmen List« y Aragon 31 Er verkaufte daher die eine Hälfte seines Antheils an dem erwähnten Unternehmen und ging zunächst nach Hamburg, da er aber hier keinen Unternehmungsgeist fand, nach Leipzig, das sein Blick sogleich als den Punkt erkannte, von welchem die Bewegung ausgehen und wo der größte Theil des deutschen EiscnbahnsystemS sich concentriren müsse. Nachdem er hier die Strecke zwischen Dresden und Leipzig bereist, die erfoderlichen statistischen Notizen eingezogen und die Localverhältnisse gehörig erkundet hatte, ließ er das Schriftchen „Über ein sächs- Eisenbahnsystem, als Grundlage eines allgemeinen deutschen Eisenbahnsystems und insbesondere über die Anlegung einer Eisenbahn von Leipzig nach Dresden" (Lpz. 1833) erscheinen. Der viel zu niedrige Anschlag der Kosten in diesem Plane ist wol zum Theil in guter Absicht geschehen, um nicht von vorn herein abzuschrecken. Doch gegen den ihm gemachten Vorwurf, daß er die in Amerika herrschenden besondern Verhältnisse von denen in Deutschland nicht gehörig unterschieden, rechtfertigte er sich in seinem „Eisenbahn- Journal" (Lpz. 1835—36) und in der Schrift „Über ein deutsches National-Transport- System" (Altona 1838). Obgleich mannichfache persönliche Differenzen später L. von der wirklichen Betheiligung an der Ausführung der leipzig-dresdner Eisenbahn ausschioffen, so ist er doch unbezweifelt als der wahre Veranlasser und Urheber dieses Unternehmens an» zusehcn, welches den Anstoß zu einer früher nie geahmten Entwickelung der Transportverhältnisse in Deutschland gab. Daß L. später durch Verluste in Amerika genöthigt wurde, auch pecuniaire Vortheile bei den von ihm angeregten Unternehmungen zu suchen, hat ihm ganz ungerecht zu dem Verdachte verhelfen, daß er nur ein Speculant sei, oder im Solde der industriellen Partei stehe. Diese Verdächtigung nöthigte ihn, sich von öffentlichen Dingen zurückzuziehen und literarische Beschäftigung zu suchen. Aus Gesundheitsrücksichten ging er, nachdem ihn die leipzig-dresdner Eisenbahngesellschaft in Anerkennung seiner Verdienste eine Entschädigung votirt hatte, >837 nach Paris, kehrte aber nach einigen Jahren wieder zurück und gründete in Augsburg das „Zollvereinsblatt" als Organ seiner Partei. Im I. 184-t ging er, die Redaction des Blattes interimistisch in andere Hände legend, nach Wien, wo er eine sehr gute Aufnahme fand. L. ist der unerschütterlichen Ansicht, daß cs die Aufgabe jeder Nation seft vor Allem ihre eigenen Hülfsquellen aller Art zum höch- sten Grade der Selbständigkeit und harmonischen Entwickelung zu bringen, und daß diese Pflicht selbst kosmopolitischen Zwecken vorangehe. So lange noch die eigene Industrie diese Höhe nicht erreicht habe, müsse man sie durch Schutz unterstützen; der nationale Zweck dauernder Entwickelung productiver Kräfte stehe über dem pecuniairen Vortheile einzelner Elasten von Individuen. Die Durchführung dieser Ansicht ist Aufgabe der gan- zen Thätigkeit L.'s. Er läßt sich dabei zu mancher Einseitigkeit verleiten, hat überhauvt die Rücksichtslosigkeit des Parteimanns und stößt dadurch vielfach an; aber er wirkt vielfach anregend und wird mehr zu Umgestaltung der Nationalökonomie beitragen, als die Gelehrten glauben wollen. Daß er es mit seiner Sache nicht wahr und redlich meine, ist nirgend zu erweisen. Die deutschen Erfolge im Eisenbahnwesen und die neuesten Regungen der Jndu- striellen sind größtentheils sein Werk, obgleich man ihn nicht immer dabei zu nennen pflegt. Lista y Aragon (Don Alberto), der ausgezeichnetste unter den gegenwärtigen Dich- tern Spaniens und nicht minder berühmt als Mathematiker, wurde am 15. Oct. 1775 in Triana, einer Vorstadt von Sevilla, geboren. Seine armen Altern nährten sich durch den Betrieb einer Seidenbandfabrik; auch er mußte diese Profession erlernen und sie selbst noch in den ersten Jahren seiner Studien neben diesen fortbetreiben, um sich die Mittel zu verschaffen, seinen Wissensdrang zu befriedigen. Er studirte auf der Universität zu Sevilla und machte namentlich in der Mathematik so bedeutende Fortschritte, daß er in seinem 15. Jahre zum Professor der Mathematik an der Lehranstalt der Gesellschaft der Landesfreunde zu Sevilla ernannt wurde, und in seinem 2». an dem nautischen Collegium von San-Telmo daselbst. Im I. 1803 erhielt er den Lehrstuhl der Philosophie an dem Collegium von San- Jsidoro, 1806 den von der Gesellschaft der Landesfreunde gegründeten der schönen Wissenschaften und 1807 die Professur der Rhetorik und Poetik an der Universität zu Sevilla. Sowol durch seinen mündlichen Unterricht als auch durch seine trefflichen, fast in allen Schulen Spaniens eingeführten Lehrbücher hat er wesentlich zur Bildung der Jugend beigetragen. In Folge der ftanz. Invasion verlor er seine Stellung in Sevilla; als ^trsncessäc» 32 Liszt mußte cr 1813 das Vaterland verlassen und erst 1817 durste er dahin zurückkehren, wo er im folgenden Jahre eine Anstellung als jLehrer der Mathematik zu Bilbao fand. Im I. 182» ging er nach Madrid, um die Redaktion der Zeitschriften „lLI censor" und „Li im- zmreiill" zu übernehmen. Im I. 1821 gründete cr ein.Erziehungsinstitut zu Madrid; 1828 redigirtc er die de kazona" und 1830 die „Lstsleta de 8an-8el>astiilu"; 1833 wurde er Nedacteur der „Kureta de 5ladrid" und 1837 half cr das Athenäum zu Madrid mit begründen. Unter seinen im Drucke erschienenen Werken sind hervorzuheben „kvesms" (Madr. 1822; 2. Aust., 2 Bde., 1837 ; in einer Auswahl in Wolfs „klarest» de riinss modernus custeliunus"); „'k'roras escogidos de Io- mesores iiabüstas citSteilL- nos ei, prosu V verso" (2 Bde.), eine Mustersammlung der span. Poesie und Beredtsam- keit; „'l'rutudo de mutemütic-is znir-is ^ mixtus", das in Spanien verbreitetste Lehrbuch über alle Theilc der mathematischen Wissenschaften, und „Ocrso de kistoriu universal", eine Bearbeitung von Se'gur's „Idistoire universelle", mit vielen Zusätzen und bis auf die neueste Zeit fortgesetzt. Auch schrieb er einen Supplementband zu Mariana's und Mikia- na's „Uistoria de Lspaüa" und „Llementos de üistoria sntigua" (Madr. 1845). Als lyrischem Dichter ist es ihm wie Keinem gelungen, die altspan.Glut, Üppigkeit und Farbenpracht mit dem geläuterten Geschmack, der Neflexionstiefe und der eleganten Form der Modernen zu vereinen. Die Natur hat ihn mit lebendiger Phantasie, tiefem Gefühl und feinem Sinne für das Schöne ausgestattet, und er hat diese Anlagen durch verständiges Studium der Classiker des Altcrthums und des Vaterlandes ausgebildet. Seine Nachahmungen des Hora; sind vortrefflich; selbst in dem Gebiete der altspan. Lyrik, worin sie unübertroffen dasteht, nämlich der geistlichen Gcfühlspoesie, hat er des Alten Würdiges in seinen „Poesie» saxradas" geleistet; in seinen „koeslus ülosöücas" findet sich echte Lebensweisheit und milde Humanität im Blütengewande der Dichtung; seine Sonette sind nicht nur durch eine bewundernswürdige Vollendung in der Form und im Ausdruck, sondern auch durch Prägnanz des Gedankens und epigrammatische Pointe ausgezeichnet, und selbst seine „poesms ililiorosss rmscrednticss" überraschen durch geistreiche Anmuth und fesseln durch den Reiz des Versbaus. Endlich ist er auch als Kritiker ausgezeichnet durch seine für die Geschichte des span. Dramas höchst wichtigen „I^eceiones de literstura drumütica espuuolu" (Madr. 1830, 4.) und „Lmss^os litersrios ^ critlcos" (2 Bde., Sevilla 1844, 4.), eine Sammlung seiner kleinern kritischen Aufsätze. Liszt (Franz), der größte Clavierspieler und nächst Paganini wol der größte Virtuos der neuern Zeit überhaupt, ein Repräsentant des modernen Virtuosenthums, der dasselbe in seinem einseitigen Übermaß und in seinen glänzendsten, wie in seinen Schattenseiten aufs Klarste reflectirt, wurde am 22. Oct. 1811 in dem ungar. Dorfe Neiding geboren. Sein Vater, ein Rcchnungsofficiant des Fürsten Esterhazy, war selbst hinlänglich musikalisch gebildet, um die erste Entwickelung des jungen Talents zu leiten. Im neunten Jahre spielte L. in Ödcnburg zum ersten Male öffentlich ein Concert von Ries und eine freie Phantasie und erregte allgemeines Staunen. Durch die Unterstützung der Grafen Amade und Sa- pary, die ihn in Presburg hörten, wurde der Vater in Stand gesetzt, nach Wien zu gehen, wo Czerny den Unterricht des jungen L. übernahm und auch Salieri sich für ihn interessirte und ihn in der Harmonik unterwies. Nach 18 Monaten eifriger Studien trat er in einem vom Vater veranstalteten Concerte, und auch hier mit dem glänzendsten Erfolge auf. Daraus ging der Vater mit ihm nach Paris, um ihn im Conservatorium seine Bildung vollenden zu lassen, wo cr indeß von Cherubim als Ausländer abgewiesen wurde. Doch das Talent des jungen Künstlers brach sich selbst Bahn. Er spickte vor dem Herzog von Orleans, und bald war der geistreiche, kecke Knabe der Liebling der glänzenden pariser Welt. Künstler, Gelehrte, hohe Personen, schöne Damen huldigten dem Abgott dcsTages, und wol mag es nur der Strenge des Vaters, der auf unablässiges Üben drang, zuzuschreiben sein, wenn das geistige Sein des Knaben nicht geradezu vernichtet wurde; daß aber diese Lebcnsepoche nicht ohne Einfluß bleiben konnte, ja daß dieser Beifallsstrudel, in den er gerissen wurde, für ihn entscheidend werden mußte, das ist ebenso erklärlich als unleugbar. Nachdem cr zwei Mal nach England gereist war, wo er gleiches Aufsehen erregte, wurde > 825 eine Oper von ihm in der Lcsdemis ro/sl aufgeführt, die jedoch ohne nachhaltigen Erfolg vorüberging. Litanei Int SeIi»ris 3 84 Literargeschichte Pairs in außergewöhnlichen Fällen, z. B. bei Rechtssachen der großen Vasallen, Mündig, keitserklärungen, Staatsangelegenheiten, und gab persönlich seine» Willen zu erkennen. Diese feierliche Sitzung behielt den Namen 41t «lejustice und hatte keine üble Bedeutung. Als jedoch die Parlamente eine politische Gewalt geltend machten und nicht selten die Eintragung der Edicte des Hofs in ihre Protokolle verweigerten, so bedienten sich die Könige solcher Sitzungen auch, um das sogenannte Lnrexistrament, welches die übliche Form der Gesetzpromulgation war, zu erzwingen. In diesen Fällen hatten die Sitzungen den Charakter und die Bedeutung von Staatsstreichen. Der König erschien in der Sitzung mit seinen Hofbeamten und ließ sich unter einem Thronhimmel auf einen aus fünf Kiffen gebildeten Sitz nieder. Der Kanzler hielt dabei den Vortrag, leitete die mündliche Abstimmung, die jedoch ohne Discussion vor sich ging, und befahl im Namen des Königs die Einregistri- rung der beliebten Verordnungen. Besonders berühmt ist das4.it 500 Polydorus Virgili uS (s. d.) aus Urbino in seinem Werke „Oe invenloribns rernm"; der eigentliche Gründer der Gelehrtengeschichte aber wurde Konr. Geöner (s. d.) in der Mitte des >6. Jahrh. durch seine „Lidliotdecu universslis", worauf Pct. Lambeck (s. d.), der bereits seit >656 die Literargeschichte auf dem Gymnasium zu Hamburg vortrug, 1659 mit seiner „Oirtoria II- tsrariu" folgte, und Bayle (s. d.) durch sein „victionnaire", sowie Nein esius (s. d.) durch sein „Lponz-mologicum", nicht lange nachher wesentliche Beiträge lieferten. Größere Verdienste um das Studium der Literargeschichte erwarb sich seit 1688 Morhosss. d.) durch seinen „Ool^bistor literarius, z>bilosoz>li!c>is et practicus", und seit dem Anfang des 18. Jahrh. wurde dieselbe eine Lieblingsbeschäftigung der Gelehrten, zumal da man nun auch anfing, sie auf Akademien und hohen Schulen regelmäßig zu lehren. Für den Zweck dieser Vorträge wurden mehre Einleitungen, Übersichten und Systeme der Literargeschichte verfaßt und wir erwähnen in dieser Beziehung besonders Eotth. Struve ss. d.) und N. H. Gundling (s. d.). Eine bessere Methode begründete seit 1768Fr.Ncimmann (s-d.) durch feine „Einleitung in die bistoria literaria" und seine „lclea s^stematis anticzilitatis literariae", während B. H ed erich (s. d.) durch seine „1>la1itia auctoruin antiqua et ine- clia" (Witt. 1769) das Bedürfniß der Schulen befriedigte. Eine neue übersichtliche Anordnung des Ganzen, welche durch Neichthum des Stoffs, glückliche Auswahl und reifes Urtheil sich auszeichnet, gab zuerst Ehr. Aug. Heumann (s. d.) seit 1718 in seinem „On- spectus reiz>udlicse litsrsriae", und Joh. Andr. Fabricins (s. di^bereinMe in dem „Abriß einer allgemeinen Historie dkr Gelehrsamkeit" seit 1752 die synthetische und analytische Methode. Nach dem Plane Heumann's schrieb Vougine sein „Handbuch der allgemeinen Literargeschichte" (7 Bde., Zür. >789, fg.); dagegen behaupteten Jöcher (s. d.) und Ni- ceron (s. d.) blos den lexikalischen Standpunkt. Zu einer geistreichern, mehr philosophischen Behandlung der Geschichte der Literatur gab der Franzose Eoguet(s.d-) den Ton an, und mit ihm wetteiferte der Italiener Denina (s. d.) in glänzender Darstellung, ohne ihn jedoch an Gründlichkeit und Selbständigkeit des Urthcils zu erreichen. Man sing nun an, es immer deutlicher zu fühlen, daß, obgleich die Literargeschichte als ein selbständiger Zweig zu behandeln sei, sie dennoch, ohne Rücksicht auf den Gang der politischen, religiösen, sittlichen und artistischen Cultur zu nehmen, ein unzusammenhängendes und räthscl- haftes Stückwerk von Namen, Zahlen und Titeln bleiben müsse. Daher versuchte man, sic in die allgemeine Geschichte der menschlichen Cultur cinzufügen, wie dies Jselin (s. d.), Ferguson (s. d(j, Home (s. d.) und vorzüglich Herder (s. d.) thatcn. In den neuesten Zeiten haben die Deutschen sowol durch Sammlerfleiß als durch zweckmäßige Anordnung des Materials, und noch mehr durch den geistreichen und weltumfassenden Blick, mit welchem sie das große Gebiet der geistigen Thätigkrit aller Völker und Jahrhunderte umfassen, den ersten Rang unter den Bearbeitern der Literarhistorie wieder eingenommen. Wir nennen hier blos I. G. Eichh orn (s. d.), dessen „Literärgeschichte", und L. Wachter (s. d.), dessen „Handbuch der Geschichte der Literatur" als unerreichte Muster, nicht allein in Deutschland, sondern in Europa dastehen, und neben ihnen I. G. Meusel (s. d.), Fr- Schlegel (s. d.) und Heeren (s. d.). Die namhafteste Erscheinung auf diesem Felde in neuester Zeit ist das von Grässe begonnene, aber noch nicht vollendete „Lehrbuch der Literargeschichte" (I. Bd. in 2 Thln., 2. Bd. in 5 Thln.,Dresd. 1837—43), welches sich durch außerordentliche Belesenheit, Sammlerfleiß und Vollständigkeit auszeichnct, auf der andern Seite aber schwerfällig in der Anordnung, mangelhaft in der Sichtung und Beurtheilung des Stoffs ist- Der Zweck der Literargeschichte ist, dem Geiste ein Licht anzuzünden, das ihm bei jeder 36 Literai')' kunä «seiet) Ltteratenvereur wissenschaftlichen Bemühung vorleuchte; sie soll für jedes Gebiet in dem weiten Reiche der Literatur eine Art allgemeiner Neisebeschreibung sein, in welcher alle Entdeckungsvcrsuche, alle Verirrungen und Ausschweifungen der Erkenntniß ausgezeichnet sind; kurz, sie soll zur Kenntniß der verborgensten Gänge deS menschlichen Geistes auf dem Wege zur Wahrheit wie zum Jrrthume, der verschiedenen Anstöße, durch welche sich die Wahrheit durchkämpfen, der verschiedenen Wege und Gestalten, die sie durchwandern muß, um eine allgemeine Erleuchtung unter den Menschen verbreiten zu können, die Einsicht verschaffen. Demnach muß sie das Allgemeingültigc und Höchste darstcllen, was die in den Wissenschaften schaffenden Geister in der Zeit hcrvorgebracht haben, und zeigen, wie man durch die wiederholte Offenbarung der freithätigen Vernunft eine Lösung der Aufgabe aller Wissenschaft versuchte. Literar) klllltl 8l»eiet), ein Verein in London zur Unterstützung hülfsbedürfliger, durch Krankheit oder widrige Lebensschicksale bedrängter talentvoller Schriftsteller, ihrer Familien und Hinterlasscnen, wurde zuerst >773 in einer literarischen Gesellschaft durch Dav. Williams angeregt; doch hielt man ein solches Unternehmen, wie dies selbst Benj. Franklin, der Präsident der Gesellschaft, aussprach, für zu schwierig, um sofort an die Aus- führung zu gehen. Jndeß schon 1788 kam man in Folge einiger trauriger Wahrnehmungen, daß sehr begabte Schriftsteller als Opfer ihrer Armuth sielen, auf die Sache zurück, die nun mit Ernst angegriffen wurde. Am 18.Mai 17S<> constituirte sich der Verein, der sehr bald großeTheilnahme und Unterstützung fand, sodaß er seine wohlthätigeWirksamkeit beginnen konnte. Eine Acte Georg's lll. bestätigte 1818 dessen Statut. Die königlichen Prinzen wurden Patrone und die angesehensten Staatsmänner und reichsten Privaten Mitglieder derselben. Zm Besitz eines bedeutenden Stammvcrmögens, welches sich durch den Ertrag der bei der jährlichen Hauptversammlung veranstalteten Sammlung mehrt, ist er im Stande, jährlich 2000 Pf. Sterling zu vcrtheilen und so sehr oft die Thränen ausgezeichneter Schriftsteller und ihrer Familien zu trocknen. Was den Werth dieser Gaben noch erhöht, ist, daß der Name Dessen, der Unterstützung findet, nur zur Kenntnis der Vorsteher des Vereins gelangt. Literatenverein. Nachdem seit >840 eine Annäherung und ein regelmäßiger Verkehr unter einem Theile der leipziger Schriftsteller stattgefunden hatte, wurde der Versuch, einen für die Literaturinteressen wirkenden Verein derselben zu bilden, im Anfänge des I. 1842 erneuert und am 28. Jan. 1842 der Litcratenverein begründet, der >845 I2S Mitglieder zählte, worunter 51 auswärtige. Der Zweck desselben ist, gemeinsame Besprechung aller das Gesammtinteresse der Literatur und des Literatenstandes betreffenden Vorkommnisse und Verhältnisse in persönlichen Zusammenkünften, die Wahrung allgemeiner Rechte und der Rechte der Einzelnen, wenn sie von Gewicht für das Allgemeine sind. Da der Verein übrigens weder in literarischer noch politischer Hinsicht eine Wirksamkeit als Corporation ansprechcn will, so beschränkt sich seine Thätigkeit in allen den Fällen, wo öffentliche Schritte im Interesse der Literatur erfoderlich scheinen, darauf, die Vorbereitung derselben zu vermitteln. Die Thätigkeit des Vereins, über welche zur Zeit vier „Jahresberichte" veröffentlicht worden sind, hat sich hauptsächlich kund gegeben in Vorbereitung mehrer an die Ständevcrfammlung des Königreichs Sachsen vom I. >842—13 gerichteten Petitionen, welche sich auf die seitdem zu Gesetzen erhobenen Entwürfe eines Preßgesetzes und eines Gesetzes über literarisches Eigenthumsrecht bezogen und von denen namentlich die letztere nicht ohne wesentlichen Einfluß auf die von den Kammern be-. schlossenen und von der Regierung genehmigten Modifikationen des Entwurfs geblieben > ist; ferner in Gründung eines Unterstützungsfonds für hülfsbedürftige Schriftsteller, dessen Vermehrung hauptsächlich durch die Erträge mehrer in jedem Winter theils von Mitgliedern des Vereins, theils von Andern veranstalteten literarischen Abcndunterhaltungcn erfolgt; in Verfolgung des Journalnachdrucks, theils durch öffentliche Bekanntmachung vorgekommener Fälle, theils durch Entwerfnng eines Planes zu einem Vereine deutscher Ncdactorm gegen solchen; in Vorbereitung des Projccts der Errichtung von Schiedsgerichtsvereinen für literarische Nechtsstreitigkeiten; in Gründung einer Vercinsbibliothek, hauptsächlich zur Ansammlung der Schriften über Presse, Autorrecht, Nachdruck u. s.w.; endlich inEntwerfung des Planes zuBildung von Zweigvereine» in den größer« deutschen Literatur Lithauen 37 Städten. Auch entstand im Schoosc de- Vereins das Project von Wandergesellschaftcn deutscher Schriftsteller, als dessen erstes Ergebniß die am 27 . — 29 . Apr. 1845 in Leipzig abgehaltenc erste deutsche Schriftstcllcrversammlung anzuschcn ist, die sich hauptsächlich mit der Berathung eines Gesetzentwurfs über die Rechte der Schriftsteller und Verleger beschäftigte, worüber eine Denkschrift den deutschen Regierungen überreicht werden soll. Literatur heißt die Gcsammtheit der durch Schrift oder Sprache mitgethcilten oder fortgepflanzten Geisteserzeugniffe, und kann, sofern Alles, was von Wissenschaft und Gelehrsamkeit vorhanden ist, in jenen Geisteswerkcn vorliegt, in gleicher Bedeutung mit Wissenschaften (s. d.), z. B. Geschichte der Literatur, oder mit Gelehrsamkeit (s. d.), z. B. Literaturzeitung, und insofern Gelehrsamkeit hauptsächlich aus Büchern geschöpft wird, mit Bücherwescn gebraucht werden. Jede Nation hat ihre eigene Literatur, die man mit dem Namen Nationallitera tur (st d.) bezeichnet, und unter denjenigen Völkern, die eine nach den verschiedensten Richtungen hin am meisten ausgebildeteLiteratur besitzen, nennen wir außer den alten Griechen und Römern besonders die Italiener, Spanier, Franzosen, Engländer und Deutschen. (S. Literargeschichte.) Der Ausdruck Literat, den die Römer vorzugsweise von einem Sprachkenner, Grammatiker oder Kritiker gebrauchten, hat in neuester Zeit eine weitere Bedeutung erhalten, da man jeden Gelehrten oder wiffensckaftlich gebildeten Mann überhaupt, besonders insofern er die schriftstellerische Laufbahn gewählt hat,darunter versteht (stauch Literatenverein); ein Literator hingegen wird Der genannt, welcher sich mit Kenntniß des Bücherwesens beschäftigt oder eine bedeutende Summe solcher Kenntnisse sich erworben hat. (S. Antiqu are.) Literaturzeitungen, st Zeitungen und Zeitschriften. Lithauen, früher ein dem poln. Reiche unterworfenes Großherzogthum, bestand vor der Theilung Polens aus drei Ländermassen, nämlich I) ans dem eigentlichen L. oder Litwa, welches die Woiwodschaften Wilna und Troki bildete; 2) aus dem Herzogthum Sainogiticn (s.d.), und 3 ) aus dem lithanischen Rußland oder den Woiwodschaften, dieL. in früherer Zeit denNussen abgenommen hatte, nämlich dem altenPolesien, Schwarzrußland oder Nowogrodek und Weißrußland oder Minsk, Mcisclaw, Witebsk, Smolensk, Polozk und polnisch Liefland. Durch die Theilung Polens ist jener beinahe 5099 mM. umfassende Ländersirich zwischen Rußland und Preußen so gethcilt worden, daß Rußland daraus die fünf Gouvernements Wilna, Grodno, Mohilew, Witebsk und Minsk bildete, während die preuß. Erwerbungen von L. gegenwärtig den Hanptbcstandtheil des ostpreuß.Regierungs- bezirks Gumbinnen ausmachen. Die Lithauer, wozu auch die Letten in Liefland, die Kuren in Kurland und die alten Bewohner Ostpreußens gehören, sind wahrscheinlich slaw. Ursprungs, der sich freilich im Laufe der Zeit durch Vermischungen der Lithauer mit andern Völkerstämmen sehr verwischt hat. Sie kamen früh in Kämpfe mit Rußland, dem sie anfangs gehorchten, von dem sic sich jedoch schon im l2. Jahrh. losrissen. Um 1235 wird Ningold als erster Großherzog von L. genannt. Ein Jahrh. später erlangte das Land eine hohe Bedeutung. Der Großfürst Gedimin (st d.) nahm den Russen 1329 ganz Wolhynien, Kijowien (Kiew), Sewerien (Nowgorod Sewersk) und Czerniechovien (Tscher- nigow) ab, und sein Nachfolger Olgcrd stand sogar drei Mal vor den Thoren Moskaus. Der Sohn des Letzter», Jagello (st d.), das Haupt des Jagellonenstammes, vereinigte 1386 L. mit dem poln. Reiche, dessen Thron er bestieg, in der Art, daß das Wahlrecht der lithanischen Großfürsten den poln. Königen zustehen solle, während unter Sigismund August 1569 auf dem Reichstage zu Lublin von beiden Völkern einmüthig beschlossen wurde, daß beide Länder von nun an für immer Ein Land ausmachen sollten. Durch die Theilungen Polens, besonders durch die beiden letzten in den I. 1793 und > 795 , wurde jenes Vcrhältniß indcß wieder aufgehoben, worauf dann die Abtretungen an Rußland und Preußen erfolgten. Das Klima in L. ist gemäßigt und gesund, dieLuft rein, das Land flach und von vielen Sümpfen, Haiden und Sanddünen durchzogen, doch auch mit ergiebigen Stellen für den Landbau. Die Düna, der Dnjepr, Njemen, der Prypiat und Bug sind fischreiche Ströme. Berühmt sind die kleinen, doch starken und muthigen lithauischenPferdc, nicht minder die Elennthiere und Auerochsen, die cs noch in den hiesigen Wäldern, besonders in der Bia low iczerh aide (s.d.) gibt, wo auch viele Bären, Wölfe, Luchse, Füchse, wilde 38 Lithochromie Lithotritie Schweine, Biber, Adler, Schildkröten u. s. w. Hausen. Unter den Sümpfen zeichnen sich die Moräste von Pinsk und Nokitno aus, grauenvolle Wüsteneien, wo der Reisende, der z. B. die Straße von Pinsk nach Dubno befährt, auf einer Strecke von l 30 Werst weiter nichts als Himmel, Schlamm und Schilf zu sehen bekommt, indem fast keine menschliche Seele in dieser Wildniß wohnt. Getreide-, Flachs- und Hanfbau, außerdem Viehzucht, Bienenzucht und Jagd bilden die Hauptcrwcrbsquellen des Volkes; außer Metallproduktion, Lederbercitung und Branntweinbrennerei werden wenige Gewerbe betrieben. Lithochromie, die Kunst, mit Ölfarben aufStcin zu malen und dann aufLeinwand die Gemälde abzudruckcn, wurde von Malapeau in Paris erfunden und fand seit 1823 in Frankreich viel Beifall. Eine ähnliche Erfindung ist S en efelder's (s. d.) Mosaikdruck. Gegenwärtig wird die Lithochromie in sehr ausgedehntem Grade zu glänzend verzierten Titelblättern, sowie zur Darstellung architektonischen und decorativcn Schmuckes, weniger zu Figuren angewcndet. Lithographie, s. S t e i n d r n ck. Lithotömie oder Stein schnitt (litliotoiniaodercMotomia) nennt man diejenige chirurgische Operation, mittels welcher man von außen her mit dem Messer die Harnblase öffnet, um einen oder mehre darin befindliche Steine auszuziehcn. Die Häufigkeit derStein- kcankheit (s. St ein) erzeugte die Idee dieser Operation schon im hohen Alterthume und bei den alten Ägyptern gab es eine besondere Elaste Menschen, welche die Ausführung dieser Operation zu einem besondcrn Gewerbe machten. In den medicinischen Schriften des Alterthums wird derselben häufig gedacht; dieAraberwie die Ärzte des Mittelalters überhaupt scheinen sie wieder den besonders darauf cingeübten Steinschneidern überlassen zu haben, bis seit dem I7.Jahrh. von den ausgezeichnetsten Ärzten und Chirurgen der größte Fleiß darauf verwendet wurde, durch Verbesserungen der Methode und der Instrumente sowie durch Übung und dadurch erlangte Fertigkeit die mit der Operation verbundenen Gefahren und Schmerzen zu vermindern. Durch diese Bestrebungen hat man nach und nach nicht weniger als acht Methoden des Steinschnittes beim Manne und neun beim Weibe erhalten, welche sich gegenseitig den Vorrang streitig machen. Einer der Hauptuntcrschiede zwischen diesen Methoden liegt in dem Orte des Einschnittes in die Harnblase, welcher sowol von der vordcrn Fläche des Unterleibes als auch von dem untersten Thcile desselben, dem Mittelfleische, aus oder endlich durch den Mastdarm gemacht werden kann. Lithotritie oder Lithontripsic, d.h. Steinzermalmung oder Steinzertrümmerung, heißt dasjenige chirurgische Verfahren, wodurch man Steine in der Harnblase (s. Stein) durch gewisse Instrumente, mit welchen man durch die Harnröhre zu den Steinen gelangt, in so kleine Stücke zertheilt, daß diese entweder zugleich mit dem Urin ausgestoßen oder noch innerhalb der Harnblase selbst aufgesogcn werden können. Die Operation des Stein- schnittcs (s. Lithotomie) schien von jeher den Ärzten mit so großer Gefahr verbunden, daß man Mittel aufsuchte, den Stein auf andere Weise zu entfernen. Zu diesem Zwecke schlug man viele sogenannte steinauflöscnde Arzneimittel (rsmeckm litboutrssitica) vor, deren Anwendung auch hier und da von gutem Erfolge gewesen zu sein scheint, in den meisten Fällen jedoch die von ihr gehegten Erwartungen täuschte. Auch gelangen verschiedene Versuche, den Stein auf gewaltsame Weise, aber ohne blutige Operation zu zertrümmern und so die Krankheit zu heilen; allein die Schwierigkeit des Unternehmens und die Unsicherheit des Gelingens hinderten eine allgemeinere Verbreitung des dabei befolgten Verfahrens. Endlich gelang es nach vielen Versuchen dem pariser Arzte Civiale (s. d.), ein Verfahren auszumitteln und Instrumente zu erfinden, wodurch er die Möglichkeit, mit sicherm Erfolge eine solche Operation auszuführen, nachwies. Er machte seine Erfindung im I. 1823 öffentlich bekannt und operirte selbst mit solchem Glück, daß er bald viele der ausgezeichnetsten Chirurgen, welche Gelegenheit hatten, sich in der neuen Methode zu üben, unter seine Anhänger zählte. Das von ihm angegebene Instrument besteht aus einer geraden katheterartigen (s. Katheter) silbernen Röhre, 8—10 Z. lang und 3V- Linie im Durchmesser haltend, die aber am untern Ende offen ist und in welcher sich eine zweite Röhre befindet, deren unteres Drittheil in drei aus elastischem Stahle gearbeitete und an ihrem Ende leicht umgebogene Arme gcthcilt ist, welche, sobald sie aus der äußern Röhr« Lithurgik Littrow 39 hervortreten, auseinanderweichen und so eine Art Zange mit drei Fangen darstellen. Innerhalb dieser Röhre ist wieder ein Bohrer verborgen, der ziemlich beweglich sein muß. Hierzu kommen noch verschiedene weniger wesentliche Apparate, welche durch Fixirung des Instrumentes und Angabe der Beschaffenheit des Steines der Operation mehr Sicherheit geben. Diese selbst wird nun, abgesehen von den Vorbereitungen, als Gewöhnung der Harnröhre an die Aufnahme dieses etwas umfangreichen Instrumentes, Einspritzungen in die Blase u. s. w., auf die Art bewerkstelligt, daß man die Röhre, in welcher die beiden andern Jnstrumcntstücke verborgen liegen, durch die Harnröhre bis in die Blase und an den Stein führt, hierauf vorsichtig die zweite Röhre vorschiebt und sich mittels der Fänge derselben des Steines bemächtigt und ihn festhält, sodaß der nun vorwärts bewegte und gcdrehete Bohrer die Zertrümmerung ausführen kann. Das Instrument wird sodann, nachdem Bohrer und Fangzange an ihren früher« Ort zurückgezogen werden sind, heraus- genommcn und die Operation in Zwischenräumen von mehren Tagen so oft wiederholt, bis sich keine Steine mehr finden. Die Instrumente sowie die Operationsmethode selbst haben durch Amnffat, Leroy, Meirieux, Heurteloup, Wattmann, Wenzl, Jacobson u. A. noch mancherlei Veränderungen erfahren, welche sich jedoch sämmtlich auf dasselbe Princip stützen. Zwar gibt cs noch Fälle, in denen die Lithotritie nicht angewcndet werden kann und deshalb der Stcinschnitt vorzuziehcn ist, jedoch ist die Ausführung der letztem Operation durch die Erfindung der erstem bedeutend eingeschränkt worden. Lithurgik nennt man die Lehre von der mechanischen Verarbeitung und Benutzung der Producte des Mineralreichs, also mit Ausschluß der Hüttenkunde, obgleich der Name diese Beschränkung nicht gibt. Sehr brauchbar istBlum's „Lithurgik" (Stuttg. 184V). -— Lithurgik in kirchlicher Beziehung, s. Liturg. Litisdenunciation ist diejenige proceffualische Handlung, durch welche die eine Partei, in der Regel der Beklagte, einen Dritten, an den sie Regreßansprüche hat, von dem erhobenen Rechtsstreite in Kenntniß setzt und ihn zur Unterstützung in der Vertheidigung des ihr bestrittenen Rechts auffodert. Dies ist dann unbedingt nothwendig, wenn der betreffenden Partei eine Sache, die sic von einem Dritten erworben hat, von einem Vierten wieder evincirt werden soll; hier kann der Besitzer nur Ersatz von seinem Vormanne fodern, wenn er ihm „litem denuncirt" hat. Litorale, d. i. Küstenland, heißt vorzugsweise das Ungar. Küstenland, das sich in einer Länge von ungefähr sechs Meilen am Adriatischen Meere an der nördlichsten Küste Dalmatiens von Fiume im Norden bis Novi im Süden hinzieht, 6'/r OM. mit 2vvvv E. enthält. Die Hauptstadt ist Fiume (s. d.); als Freihäfen sind zu erwähnen die Städte Buccari (s. d.) und Porto Ne mit 1700 E. und zwei Castellen, die den Hafen schützen. Das Litorale gehörte früher zu dem Militairdistricte von Kroatien; KaiserJoseph ll. schlug es 1776 zu Ungarn und übergab es einer Civilregierung, um den Handel und den Abzug der Ungar. Landeserzeugnisse zu befördern. Von 1809—14 stand es unter franz. Herrschaft und machte einen Theil der Jllyrischen Provinzen aus; im I. 1814 kam es wieder an Ostreich, doch wurde es erst 1823 von neuem mit Ungarn vereinigt. Litötes (griech.), eigentlich Geringfügigkeit, heißt eine rhetorische Figur, nach welcher man einen scheinbar verkleinernden Ausdruck wählt, um die Sache desto mehr hervor- zuheben, z. B. „nicht ungeübt^ statt „sehr erfahren", „nicht häßlich" statt „angenehm". Häufig bedient man sich der Litotes aus Bescheidenheit, besonders im Gebrauche derDemi- nutiva, bisweilen auch in der Ironie. (S. M eio sis.) Litre, s. Maße und Gewichte. Littrow (Jos. Joh. Edler von), einer der populairsten Astronomen, wurde am 13. März 1781 zu Bischofs-Teinitz in Böhmen geboren, wo sein Vater als Kaufmann noch gegenwärtig lebt. Nach fast beständiger Kränklichkeit in seinen ersten Lebensjahren kräftigte sich seine Gesundheit so sehr, daß die erste bedeutende Krankheit seines spätcrn Lebens auch zugleich die letzte war. Aus der Schule seines Geburtsortes kam er 1794 auf das Gymnasium zu Prag, wo er auch von >798 an studirte und im Vereine mit mehren Andern die „Propyläen" herausgab. Mit vielen seiner Mitschüler trat er in die Legion, ein vom Erzherzog Karl errichtetes militairisches Corps, nach dessen Auflösung im 1.1801 er wieder zu 40 Liturg den Studien zurückkehrte. Die damals in der Blüte sichende Naturphilosophie beschäftigte ihn eine geraume Zeit, bis er endlich die Hoffnung anfgab, auf diesem Wege zu einem fördernden Resultate zu gelangen. Er hatte sich der Reihe nach in der Nechtsgelehrsamkeit, der Arzneikunde und selbst der Theologie versucht, ohne jedoch an einem dieser Fächer bleibendes Behagen finden zu können. Im I. 1863 wurde er Erzieher der beiden jungen Grafen Nenard in Schlesien. Seit dieser Zeit widmete er sich ganz der schönen Literatur und später der Mathematik und Astronomie, mit welchen beiden Wissenschaften er sich blos als Autodidakt bekannt gemacht hatte. Er erhielt 1807 die Professur der Astronomie an der Universität zn Krakau, 1869 dieselbe an der Universität zu Kasan und hierauf auch die Mitgliedschaft der Akademie zu Petersburg. Nachdem er 1816 aus Rußland zurückgekehrt, wurde er zunächst Direktor der neuen Sternwarte bei Ofen in Ungarn, und 1817 Director der wiener Universitäkssternwarte, um die er sich bei der ihm eigenen Thätigkeit die größten Verdienste erwarb. Seine Vorlesungen zeigten ihn in seiner ganzen Eigcn- thümlichkeit. Der Schule längst entwachsene Männer, söwie Ausländer zogen alljährlich nach Wien, um seinen angenehmen, faßlichen Vorträgen bcizuwohnen. Die seltene Gabe seines trefflichen Vortrages kam ihm auch bei den Versammlungen deutscher Naturforscher in Hamburg, Breslau, Jena, Bonn und Wien sehr zu statten, wo er in seinen Reden zeigte, wie sehr er es verstand, der Führer eines Vereins selbst solcher Männer zu werden. Neben mehren auswärtigen Rufen, die er ablehnte, und vielen andern Auszeichnungen, wurde er 1837 in den östr. Adel erhoben, und in demselben Jahre Director der Kaiscr- Ferdinands-Nordbahn- Er starb am 36. Nov. > 846. Ihm gebührt der Ruhm eines liebenswürdigen, durch und durch ehrenhaften Charakters. Die Leichtigkeit und treffliche Behandlung, mit der er das Schwierigste darzustcllen vermochte, und der schöne, echtdeutsche Stil erinnern an die großen Muster, Euler und Lessing, denen er in dieser Beziehung nachstrebte. Ihm gebührt die Ehre der Erfindung der dialytischen Fernröhre. An Fruchtbarkeit hat er als mathematischer Schriftsteller wenige seines Gleichen. Seine vorzüglichsten Schriften sind „Über Multiplicationskreise" (Prag 1826); „Theoretische und praktische Astronomie" (3 Bde., Wien 1821—27); „Höhenmessungcn durch Barometer" (Wien 1821); „AnalytischeGeometrie" (Wien 1823; lat., Wien 1828); „Populaire Astronomie" (2 Bde., Wien 1825; ital., Bologna 1846); „Elemente der Algebra und Geometrie" (Wien 1827); „Kalendariographie" (Wien >828); „Lebensrentcn und Witweupensionen" (Wien 1826); „Dioptrik" (Wien 1830); „Vergleichung der Maße, Gewichte und Münzen" (Wien 1832); „Wahrscheinlichkeitsrechnung" (Wien 1833); „Chorographie" (Wien 1833); „DieDoppelsterne"(Wien >835); „ÜberKometen" (Wien 1834; 2. Aust., 1835); „Geschichte der Entdeckung der allgemeinen Gravitation" (Wien 1835); „Gesammte Mathematik" (Wien 1838); „Nebelmassen des Himmels" (Wien 1837); „Gnomik" (Wien 1838); „Atlas des gestirnten Himmels" (Stuttg. 1839; 2. Aust., 1841); „Geschichte der inductiven Wissenschaften" (3 Bde., Stuttg. 1846—42); „Kalender für alle Stände" (Wien 1831—42); „Die Wunder des Himmels" (Stuttg. 1842), sein populärstes Werk, und die „Annalen der Sternwarte zu Wien" (26 Bde., Wien 1821 —41, Fol.). — Sein ältester Sohn, Karl Ludw. Edler vo n L., war ihm seit 1831 als Adjunct zur Seite gestellt und übernahm nach des Vaters Tode die Direktion der Sternwarte. Liturg hieß bei den Griechen Derjenige, der ein öffentliches Amt übernahm und aus seine Kosten verwaltete. Von den Prytan een (s. d.) ging das Wort in die Tempel über und später brauchte man es ausschließend im kirchlichen Sinne, daher man mit Liturgie die Formen und die Ordnung des öffentlichen Gottesdienstes in der christlichen Kirche bezeichnet. Im engern Sinne nennt man auch solche Bücher und Formulare Liturgien, welche daS bei dem öffentlichen Gottesdienste zu befolgende Ritual enthalten. Die Liturgie der griech. Kirche folgt dem sogenannten Kanon des heil. Chrysostomus; die der röm.-katho- lischen Kirche ist grüßtentheils das Werk Gregor's 1- (s.d.), der sie in seinem Mcßkanou festsetzte. Die Reformation hatte in der protestantischen Kirche auch eine neue Liturgie zur Folge, die derAuordnung des katholischen Meßritus entsprach und größtentheils die deutsche Sprache cinführte; doch hat sich dieselbe vielfach geändert durch neueingeführte Kirchenagenden (s. d.). Die Wissenschaft der zweckmäßigen Einrichtung der gottesdienstlichen Lintprand Liverpool 41 Handlungen heißt Liturgik, eine Wissenschaft, welche ebenso viel Geschmack als Sinn für Religion und Kcnntniß des menschlichen Herzens voraussetzt. (S. Gottesdienst.) Liutprand oder Liudpr and, einer der wichtigsten Quellcnschriststcller für die deutsche Geschichte, ein Italiener, geb.um »22, bildete sich am Hofe König Hugo's und trat nach dessen Vertreibung im I. 945 in die Dienste seines Nachfolgers Berengar, in dessen Aufträge er als Gesandter nach Konstantinopel ging, bei dem er aber doch um 955 in Ungnade fiel, worauf er sich nach Deutschland wendete. Hier lebte er in Frankfurt am Main, bis er 96 l dem Kaiser Otto I. aus seinem Zuge nach Italien folgte. Er wurde hierauf Bischof von Cremona und war 965 auf der großen Synode zu Rom. Am bekanntesten wurde er indeß durch seine abermalige Gesandtschaft an den Hof zu Konstantinopel im I. 968 im Auf- trageKaiserOtto's I., die den Zweck hatte, dem Kaiser den Besitz von Unteritalicn zu sichern und dessen Sohn mit Theophania, der Tochter des Kaisers Nicephorus, zu vermählen, aber erfolglos blieb. Er starb um 979. Seine „Xntsporiosis, i. e. retributio" in sechs Büchern, die er theils in Italien, theils zu Frankfurt schrieb, reicht vom I. 886 bis 948, abgesehen von dem von Einigen für unecht gehaltenen Anhänge. Nächstdcm schrieb er „De rebus ^estis Ottonis Nugni und „De legatione constsntinopolitans". Einige andere ihm bcigelegte Schriften scheinen unecht. Er schöpfte seine Nachrichten aus eigener An- - schaumig und den Berichten von Augenzeugen. Obschon seine Glaubwürdigkeit wiederholt in Zweifel gezogen worden ist, so muß man ihm doch in Beziehung auf seine Nachrichten über deutsche Angelegenheiten das Lob der Treue und Zuverlässigkeitzugestehen; weniger aber kann man dies in Betreff seiner Mittheilungen über Italien. Sein Stil ist lebendig, die Sprache incorrect. Seine geschichtlichen Werke wurden zugleich mit dcm Widukind von Frecht (Bas. >532), dann von I. Neuber in den „8criptores rerum xerm." (Ers. >584; neue Ausl., >726, Fol.); der Gesandtschaftsbericht zuerst von P. Canisius (Jngolst. 169?, 4.) und zuletzt von Hase als Anhang in seiner Ausgabe des Leo Dlakonus (Bonn >828) herausgcgeben. Die neueste und beste Ausgabe seiner sämmtlichcn echten Werke besorgte Pertz in den , Monuments 6ermsome iristorics" (Bd. 3, Hannov. 1839, Fol.). Vgl. Köpke, „1)e vits et scripti» Imitprsndi" (Berl. >842). Livadien heißt jetzt nach der Stadt Livadia oder Lebadca, im alten Böotien am Fuße des Helikon, das alte Hellas (s. d.) oder Mittelgriechcnland. Es wird begrenzt im Norden von Thessalien und Epirus, im Süden vom Meerbusen von Korinth und Ägina, im Osten vom Ägeischen und im Westen vom Jonischen Meere, umfaßt die alten Landschaften Attika, Megaris, Böotien, Phocis, Lokris, Doris, Ätolien und Akarnanien und bildet jetzt den nördlichen, continentalcn Theil des Königreichs Grie che nland (s. d.). Liverpool, nach London die größte brit. Handelsstadt, der Bevölkerung nach die dritte Stadt in England, in der Grafschaft Lancaster, am Ausflusse des schiffbaren Merscy in das Irländische Meer, hat 223999 E., die vorzüglich mit Handel, namentlich inBaum- wolle, wovon jährlich an >9 Mist. Ballen umgesetzt werden, ferner mit Schiffahrt, aber auch mitGewerben aller Art, Tabacksspinnen, Zuckersicden, Bierbraucn, Eiscngießen u. s. w. sich beschäftigen. Mit allen wichtigen Häfen Großbritanniens, sowie mit Amerika, Ost- und Westindien und Brasilien ist L. durch Dampf- und Packetbootsverkehr, mit den großen Fabrikstädten des Inlandes durch Kanäle oder Eisenbahnen in Verbindung gebracht. Nach Manchester, dessen Hafen es gleichsam bildet, führt eine höchst kunstreiche Eisenbahn, die auf hohen Dämmen durch tiefe Moräste und Thälcr und mittels eines 6799 Schritt langen, mit Gas erleuchteten Tunnels unter der Stadt weg zum Hafen sich zieht. Man rechnet, daß die Stadt den zwölften Theil der Schiffahrt Großbritanniens, den vierten Theil des auswärtigen Handels, die Hälfte des Handels von London und fünfAchtel des afrikan. Handels von Großbritannien besitzt. Sie hat > 7 Dampfboote und mehr als > 099 eigene Schiffe und jährlich laufen über >2999 Schiffe in den Hasen ein. Amphitheatralisch liegt sic an einen Hügel gebaut in einer Landschaft, die mit niedlichen Landhäusern geschmückt ist; der schönste Stadttheil ist der östliche, mit dem Wallgarken auf dem Normt pieassnt, einem der besuchtesten Spaziergänge, von welchem aus man die Stadt selbst, den Hafen und die Landhäuser übersehen kann. Der Hasen mit 25 Docks, von welchen der Princes-, Clarence- und Wellington-Docks die schönsten sind, ist ein Meisterstück der Kunst, und die 42 Liverpool (Charl. Jenkinso», Graf von) hier befindlichen Waarcnspeichcr haben zum Thcil >2—13 Stockwerke. Auf den Werften arbeiten in der Regel gegen 3000 Zimmcrleute; die größteThätigkeit aber herrscht hier zur Kriegszcit, da in L. die meisten Kaperschiffe ausgerüstet werden. Neben l 3 anglikanischen Kirchen hat sie eine schot. Kirche, drei Kapellen für Dissenters, vier für Methodisten, zwei für Anabaptisten, drei katholische, eine Quäkerkapellc und eine Synagoge. Die ansehnlichsten Gebäude sind das Stadthaus mit einer prächtigen, durch korinth. Säulen gezierten Fa- cade, über welcher sich eine kühne, leichte Kuppel erhebt; die Börse, ein drei Stockwerk hohes, drei Seiten eines Vierecks bildendes Gebäude, vor welchem ein dem Lord Nelson errichtetes Denkmal steht; der prächtige Verkaufsbazar, welcher einen Flächeninhalt von 12300 lüEllen hat, mit Gas erleuchtet und durch > 16 eiserne Pfeiler in fünf Gänge abge- theilt wird, und die St.-Georgskirche, deren Dach, Fenster, Thüren, Pfeiler, Galerie und Emporkirche ganz aus Gußeisen sind. Unter den vielen literarischen Anstalten sind zu nennen das 1109 eröffnete Athenäum, ein schönes, drei Stock hohes Haus, wo man alle engl. Zeitschriften und eine Bibliothek findet; das Lyceum, eine ähnliche Anstalt, ebenfalls mit einer Bibliothek; der berühmte botanische Garten, den man für den schönsten und reichsten in England hält; das königliche Institut, wo die schönen und die mathematischen Wissen, schäften gelehrt werden, und viele gelehrte Vereine. Auch gibt es in L. eine treffliche Blin- dennnterrichtsanstalt, ein gut eingerichtetes Krankenhaus mit einer bcsondern großen Abtheilung für Seeinvaliden und deren Frauen und Kinder, mehre Armenhäuser und andere wohlthätige Anstalten. L. war 1594 ein Ort von 130 Häusern; im J. 1100 zählte es 5000 E-, 1130 schon 12000, 1160 bereits 26000, 1110 gegen 56000, und 1811—21 stieg die Einwohnerzahl auf 132000. Auch in neuester Zeit noch schreitet die Bevölkerung in gleichem Maße wie früher fort, nur daß dieselbe sich jetzt mehr über die benachbarten Dörfer verbreitet und diese zu großen Flecken anschwellt. Ein volles Fünftel der Bevölkerung wohnt in engen, dunkeln und feuchten Kellern, deren es 1862 in der Stadt gibt, oder in den 2210 Höfen (courts), welche kleine Plätze sind, die, nach allen vier Seiten zugebaut, nur einen schmalen, meist überwölbten Zugang haben. Der Verkehr in dem Hafen von L. hat sich zwischen 1818—33 vervierfacht. Liverpool (Charl. Zenkinson, Baron Hawkesbury, Graf von), ein brit. Staatsmann, geb. am 10. Mai 1121 in der Grafschaft Oxford, der Sohn des Oberst Zenkinson, studirte auf der Universität zu Oxford, machte sich zeitig als Dichter und Publicist bekannt und erhielt bei Lord Bute, dem Günstlinge Georg's III., die Stelle eines Privat- secrctairs. Da er als ein brauchbares Talent das Vertrauen Bute's erwarb, so erhob ihn derselbe nach dem Eintritt ins Ministerium 1161 zum Unterstaatssecretair. Zugleich trat Zenkinson für den Flecken Cockermouth ins Parlament, wo er mit lebhafter Beredsamkeit die Politik seines Gönners vertheidigte. Er wurde hierauf Schatzmeister der Artillerie, dann Secretair des Schatzes, legte aber dieses Amt nieder, als 1165 an Grenville's Stelle Rockingham die Leitung der Geschäfte übernahm. Als das wirksamste und gefürchtctste Mitglied der Camarilla, welche den König umgab, mußte er fortan den Haß und den Spott der patriotischen Partei erdulden. Unter der Verwaltung Grafton's wurde er 1166 wieder Schatzsecretair, 1161 Lord der Admiralität und H12 unter dem Ministerium North Vice- schatzmeister von Irland. Seinem geheimen Einfluß schrieb man ganz besonders das Verfahren und den Krieg gegen die nordamerikan. Colonien bei, und 1118 übernahm er auch das Departement des Kriegs, das er unter heftigen Debatten bis 1182, wo sich das Cabinet auflöste, behielt. Unter der Verwaltung Pitt's wurde er Kanzler des Herzvgthums Lancaster, 1186 Baron Hawkesbury und Präsident des Handelsraths, 1196 aber Graf von L. Kränklichkeit halber mußte er 1801 sein Amt niederlegen. Er starb am I I. Dec. 1808. Unter Anderm gab er eine Sammlung der Friedensverträge von 1638—1183 heraus (3 Bde., Lond. 1185). — Sein Sohn, Rob. Banks Zenkinson, Grafvon L,, geb. am 1. Juni 1110, war gleich dem Vater durch Talent und Kenntnisse ausgezeichnet. Nachdem er seine Studien zu Oxsord vollendet, ging er auf Reisen und wohnte in Frankreich den ersten Ereignissen der Revolution bei. Nach der Rückkehr kam er 1191 ins Unterhaus und zeigte sich hier als gemäßigter Tory und Anhänger der Regierung. Im Z. 1796 wurde er Geh. Rath und Mitglied des Handelsraths. Als solcher vertheidigte er mit 43 Livia Drusilla großer Gewandtheit die Politik des Ministeriums Pitt in Sachen des Handels und der Finanzen, wegen der Union Irlands und wegen des Kriegs mit Frankreich. In dem Ministerium Addington übernahm Lord Hawkesbury, wie er damals hieß, die auswärtigen Angelegenheiten, nach der Unterzeichnung des Friedens von Amiens aber das Departement des Kriegs und der Kolonien. Als Pitt 1804 wieder ans Staatsruder trat, übertrug ihm derselbe die Verwaltung des Innern, welche er auch bis zum Tode seines Freundes und Meisters im I. 1806 führte. An den einander folgenden Ministerien Addington und Grey nahm er keinen Thett, wolaber fiel ihm 1807 unter Porkland die Verwaltung des Innern nochmals zu und 1809 wurde er nach dem Streite zwischen Castlcreagh und Can- ning der Nachfolger des Letztem im Departement des Auswärtigen. Mit dem Tode seines Vaters gelangte er 1808 zu der Pairschaft und zu dem Titel eines Grafen von L. Als nach Perceval's Ermordung im I. 1812 die Reorganisation des Ministeriums vor sich ging, trat er als erster Lord des Schatzes an die Spitze der neuen Verwaltung. Der Eintritt Canning's im I. 1815 veränderte zwar den politischen Charakter dieses Cabincts, jedoch sicherte man dessen Bestand, indem man die Lösung der Hauptfragen im Innern, z. B. die Katholikenemancipation, fallen ließ. L. handelte die lange, ereignisreiche Zeit hindurch, in welcher er der Verwaltung seinen Namen lieh, mit großer Mäßigung und Gewissenhaftigkeit und erwarb sich dadurch das Zutrauen der Parteien. Einen Stoß erlitt jedoch seine Popularität, als er 1820 den Proceß der Königin Karolinc (s. d.) vor das Parlament brachte. Ein Schlagfluß, der ihn im Febr. 1827 traf, machte ihn für die Geschäfte unfähig, sodaß er Canning das Staatsruder überlassen mußte. Er starb kinderlos auf seinem Landgute Combewood am 4. Dec. 1828. Als Redner besaß er wenig Glänzendes; allein seine Vorträge stützte» sich auf die vollständigste Entwickelung der Sachlage und sind darum für die Zeitgeschichte von großer Bedeutung. — Seine Würden gingen auf seinen Bruder Charl. Cecil CopeJenkinson über, geb. 1784, derimSept. 1841 zum Großmeister des königlichen Hauses ernannt wurde. Vgl. „Älemoirs oktil« public lile null sclmimstratioir of 1^." (Lond. 1827). , - Livia Drusilla, die Gemahlin des Kaisers Augnstus, war die Tochter des Livius Drusus Claudianus, der durch Adoption wahrscheinlich des M. Livius Drusus (s. d.), der 91 v. Chr. das Volkstribunat bekleidete, aus dem Geschlecht der Claudier in das der Livier getreten war, und, im I. 43 geächtet, sich nach der Schlacht bei Philippi selbst den Tod gab. Augustus, von ihrer Schönheit gefesselt, heirathete sie, nachdem er seine eigene Gemahlin Scribonia verstoßen und den ersten Gemahl der L., Tiberius Claudius Nero, der mit ihr den nachmaligen Kaiser Tiberius und den Nero Claudius Drusus (s. d.) zeugte, gezwungen hatte, sich von ihr zu scheiden. Stolz, schlau und herrschsüchtig übte sie auf Augustus großen Einfluß, der nach dem Tode der Octavia, des Agrippa und Mäcenas noch wuchs. Ihr Streben war, die Nachfolge ihren Söhnen, nach Drusus' Tode im I. 9 v. Chr. dem Tiberius, zu sichern, und sie scheute kein Mittel, um dies zu erreichen. Schon der Tod des Marc. Claudius Marcellus, des Eidams und Neffen des Augustus, im I. 23 o.Chr., wurde ihr Schuld gegeben. Julia (s. d.), die Tochter des Kaisers von der Scribonia, wurde auf ihr Anstiften im I. 2 v. Chr. verbannt. Die Söhne derselben, Lucius und Cajus Cäsar, räumte sie im I. 2 und 4 n. Chr. durch Gift hinweg, worauf sie den Augustus bewog, durch Adoption den Tiberius in das julische Geschlecht aufzunehmen. Den Agrippa Postumus, den Sohn der Julia, der zugleich adoptirt worden war, traf im I. 7 Verbannung. Von Augustus, an dessen Tod im I. 14 sie ebenfalls Schuld gehabt habe» soll, wie sie ihn, bis die nöthigen Vorkehrungen für Tiberius als Nachfolger getroffen waren, verheimlichte, wurde sie durch sein Testament, das sie und Tiberius zu Hauptcrben ernannte, in das julische Geschlecht ausgenommen, und daher hieß sie nun Julia Augusta. Tiberius selbst wagte, obwol feindselig gegen sie gesinnt, nichts gegen sie zu unternehmen. Sie half ihm im 1.19 n. Chr. den GermanicuS (s. d.), ihren Enkel von Drusus, aus dem Wege räumen und blieb mächtig, bis sie 86 Jahre alt im I. 29 n. Chr. starb. — Ihre Enkelin Livia oder Livilla, eine Tochter des Drusus, war erst an Cajus Cäsar, dann an Drusus (s.d.) des Tiberius Sohn, verheirathet, den sie, mit Sejanusss.d.), ihrem 44 Livingston Livins Buhler, verbunden, im I. 23 ermordete; später wurde sie in des Sejanus Sturz verwickelt und 31 n. Chr. hingcrichtct. Livingston (Edward), ein berühmter Staatsmann und Nechtsgelchrter der Verei- nigten Staaten, stammte ans der alten schot. Familie, die im 17. Jahrh. zum Theil an die Ufer des Hudson auswanderte, und wurde >764 in der Kolonie Neuyork geboren. Sein Vater war daselbst Mitglied eines Gerichtshofs, verlor aber das Amt, weil er mit seiner zahlreichen Familie die Rechte der Kolonien gegen das Mutterland vcrthcidigte- Edward, der jüngste von neun Geschwistern, verlebte seine Jugend unter den Eindrücken des Freiheitskämpfer und widmete sich erst mit Eintritt des Friedens einem regelmäßigen und auS- gcbreiteten Rechtsstudium. Er hatte sich bereits mehre Jahre zu Neuyork als tüchtiger Advocat bewährt, als ihn 1794 seine Mitbürger zum Cvngresse schickten. Hier gehörte er der Partei der Demokraten an und bekämpfte den Vertrag mit England, sowie die Einführung einer Frcmdenbill. Als seine Partei mit der Präsidentschaft Jefferson's die Oberhand gewann, wurde er 1802 Staatsanwalt für Neuyork und zugleich erste Magistratsperson für die Stadt gleiches Namens. In letzterer Eigenschaft bewies er besonders Muth und Hingebung, indem er auf seinem Posten verharrte, während die Bevölkerung vor dem Gelben Fieber floh. Durch diese Katastropbe in seinem Vermögen zurückgekommen, wanderte er um l 804 „ach Luisiana aus, dessen Abtretung an die Vereinigte» Staaten sein Bruder mit Frankreich verhandelt hatte. Er widmete sich dem Landbau, trat zugleich zu Neuor- leans als Advocat auf und erwarb sich große Verdienste um die städtische Gesetzgebung. Während der Invasion der Engländer vertauschte er die Feder mit dem Schwerte, wurde der Adjutant seines Freundes Jackson (s.d.) und zeichnete sich beim Angriff vom 22. Dec. 1814, sowie im Treffen vom 8. Jan. >813 rühmlich aus. Mit dem Frieden widmete er sich wieder der Advocatur. Im I. > 821 erhielt er von der Gesetzgebenden Versammlung Luisianas den Auftrag, einen Strafcodex zu entwerfen. Bereits hatte er diese Arbeit vollendet, als ihm >824 das Manuskript durch eine Feuersbrunst vernichtet wurde; erst nach zweijährigen Anstrengungen gelang es ihm, den Entwurf wiederherzustellen. Dieses einfache, auf brit. und franz. Recht gegründete Gesetzbuch ist auch thcilwcise von Brasilien, von der Republik Guatemala aber ganz angenommen worden und zeichnet sich besonders durch die Abschaffung der Todesstrafe und Einführung des Pönitenziarsystcms aus. L. wurde nun mehrmals als Abgeordneter zum Congreß geschickt, und nachdem Jackson zur Präsidentschaft gelangt, erhielt er >831 das Amt eines Staatssecrctairs. In dieserEigen- schaft nahm er an den Kämpfen für den Zolltarif und gegen das Bankprivilcgium den lebhaftesten Antheil. Im I. >833 ging er als bevollmächtigter Minister nach Paris, wo er mit großem Eifer und anscheinend ohne Rücksicht auf die Dienste, die einst Frankreich seinem Vatcrlandc geleistet, die Schuldfodcrung der Vereinigten Staaten ordnete. Kurze Zeit nach seiner Rückkehr starb er am 23. Mai 1836 auf seinem Landgute Montgomery. — Sein älterer Bruder, No b. L., gcb. am 27. Nov. 1746, war beim Ausbruche der Zerwürfnisse mit dem Mutterland«: Advocat zu Neuyork. Als Mitglied des ersten Congresses Unterzeichnete er die Unabhängigkeitscrklärung der Colonien. Im I. 1780 trat er in das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten und nach Annahme der Constitution erhielt er das Amt eines Kanzlers der Union. Als solcher nahm er am 30. Apr. 1789 Washington zum ersten Male den Präsidenteneid ab. Jm J. >801 ging er als Bevollmächtigter nach Frankreich und brachte bei dem ersten Konsul die Abtretung Luisianas an die Vereinigten Staaten zu Stande. Hier lernte er seinen Landsmann Fulton (s. d.), den Erfinder der Dampfschiffahrt, kennen und führte denselben > 805 nach den Vereinigten Staaten zurück, wo die Erfindung sogleich Anwendung fand. Auch machte sich L. sehr verdient um die Einführung der Merinos, die Hebung des Ackerbaus, wie um die Verbreitung wissenschaftlicher Bildung. Er starb am 26. Mär; 1813. LivlUs ist der Name eines röm. plebejischen Geschlechts, von welchem ein Zweig den Beinamen Drusus (s. d.) führt. Außer diesem ist namentlich M. Livins bekannt, der, weil er als Censor den Salzpreis erhöhte, den Beinamen Salinator erhielt. Er war im I. 219 v. Chr. mit Lucius ÄmiliuS Paulus Konsul, schlug die Illyrier, wurde aber darauf wegen ungerechter Vertheilung der Beute von dem Volke angeklagt und verurtheilt. Livius Andronicus Livins (Titus) 45 Vom Lande, wohin er tief beleidigt gegangen war, rief man ihn zurück, um ihm für das I. 207 das Consulat zu übertragen, das er mit Widerstreben annahm, aber zum Woyl des Staats führte, indem erdenHasdrubal, der seinem Bruder Hannibal zu Hülfe kam, am Mctaurus mit seinem College« C. Claudius Nero vereinigt besiegte. Als er mit demselben im 1.20 t Censor war, brach nicht nur die frühere Feindschaft zwischen Beiden aus, sodaßsie die censorischen Strafen gegeneinander anwendcten, sondern L. versetzte auch, um den früher erlittenen Schimpf zu rächen, alle Tribus der röm. Bürger, mit Ausnahme einer einzigen, die nicht für seine Verurtheilung gestimmt hatte, in den Strafzustand der Ärarier. Sein Freigelassener war Livius Andronicus (s. d.). Livius Andronicus, der Vater der dramatischen und epischen Poesie unter den Römern, ein geborener Grieche, wahrscheinlich aus Tarent, und später Freigelassener des M. Livius Salinator, dessen Kinder er unterrichtet haben soll, lebte in der Mitte des 3. Jahrh. v. Chr. und verfaßte nach griech. Mustern in einer noch ziemlich rauhen und ungebildeten Sprache und in dem altrüm. saturninischen Versmaße außer einer Übersetzung der Odyssee und andern epischen Dichtungen namentlich eine große Anzahl von Trauerspielen, welche in Nom auf die Bühne gebracht wurden. Die Bruchstücke, die wir noch besitzen, sind zuletzt von Bothc in den „Doetus sceniei lat." (Vd. 5, Halberst. > 823) gesammelt und von Düntzer (Köln 1835) besonders herausgegcben worden. Vgl. Osann, „Do Divii ^nilronici ritii" in den „-^nuiectn critien" (Bcrl. 1810) und Döllen, „De vitulävü ^„tlroinci" (Dorp. 1838). Livius (Titus), einer der vorzüglichsten röm. Geschichtschreiber, gcb. zu Padua im I. 50 v. Chr., kam unter Augustus, dessen beständigen Schuhes er sich später erfreute, nach Nom, und kehrte nach dem Tode desselben wieder in seine Vaterstadt zurück, wo er im I. >8 n.Chr.starb und noch im lä.Jahrh. ein prachtvolles Denkmal erhielt. Ein bleibendes und schöneres Denkmal aber setzte er sich selbst durch seine röm. Geschichte, die, auf Sagen und ältere Schriftsteller, wie Fabius Pictor u. A., gegründet, den Zeitraum von der Ankunft des Äncas in Italien bis zum I. 10 v. Chr. umfaßt und deren Ausarbeitung chn über 20 Jahre beschäftigte. Dieses Gcschichtswerk ist mit vragmatischerKunst und in einer vollendeten rednerischen Form geschrieben, obgleich Asinius Pollio nach dem Zeugnisse Quinctilians eine gewisse Patavinität, d.h. sprachliche Eigcnthümlichkeiten des Geburtsortes des L-, darin entdecken wollte. Es bestand ursprünglich aus > 42 Büchern, die man später wieder nach Dekaden, d. h. Abteilungen von zehn Büchern, bezcichnete, von denen aber nur im Ganzen 35 Bücher, nämlich die zehn ersten und das 21.— 45., sich erhalten haben, während von den übrigen Büchern nur kurze Jnhaltsanzcigcn oder Auszüge, die sogenannten „/rrguinoiitu" oder „lPitomue", vorhanden sind, die man dem Florus (s. d.) zuschrcibt und die in neuerer Zeit von Freinsheim (s d.) zur Verfertigung seiner Ergänzungen oder „8»i>i>>ementn" benutzt worden sind. Die Bemühungen der später« Gelehrten, das Werk des L. in seiner Vollständigkeit hcrzustellen, sind nur zum Theil von Erfolg gewesen, da bis jetzt nur die fünf letzten Bücher aus einer Handschrift der Bibliothek des Klosters Lorsch bei Worms durch Sam. Grnnäus (Bas. 1531) und in neuester Zeit Stücke von cinzel- nenBüchern, namentlich das 33.Buch aus einer bambcrgerHandschrift, zuletzt von Kreyssig (Meiß. >830), bekannt gemacht worden sind. Nach der ersten Ausgabe (Rom 1400, Fol.) wurde» die Werke des L. am besten bearbeitet von I. F. Gronov (3 Bde., Leyd. >645 und Amst. >070), Clericus (10 Bde., Amst. >710), Drakenborch (7 Bde., Amst. und Utr. 1730—>6,4; wieder abgedruckt, 15 Bde., Stuttg. l 820—28) und zuletzt von Alschefski (Bd. I—3, Berl. >841 fg.). Unter den Handausgaben nennen wir die mit einem ii»m IH,„im" versehene Ausgabe von A. W. Erncsii (5 Bde., Lpz. 1700; zuletzt verbessert vonKrey.ssig, Lpz. > 823—27), die von Stroth und Döring (7 Bde., Gotha 1700— >813), von Nuperti (7 Bde., Gott. 1807—0), von Baumgarten-Crusius (3 Bde., Lpz. 1825—20), von Raschig, mit I. Bckker's Textreccnsion (3 Bde., Berl. 1820—30), und die kleinere Ausgabe von Alschefski (4 Bde., Verl. 1842—43). Gute deutsche Übersetzungen besitzen wir von Konr.Heusingcr (5 Bde., Braunschw. 1821) und Örtel (8 Bde-, 3. Aust., Stuttg. 1844). Vgl. Kruse, „De llcie Divü recte aestimsncju" (2 Abth-, Lpz- 46 Livorno Livree 1812, -1.); Lachman», „Oe sontibn8 bistarisrum D. Oivü" (2 Abth., Gott. 1822—28, 4.) und Söltl, „Titus L. in seiner Geschichte" (Münch. 1832). Livorno, die erste Handelsstadt Italiens, im Gebiete von Pisa des Großherzogthums Toscana, am Mittelländischen Meere, in einerniedrigen, durch Kunst trocken gelegten Gegend, hat etwa '/«Stunden im Umfange und wird zum Theilvon Kanälen durchschnitten, auf denen die Maaren bis zu den Magazinen gelangen können, weshalb man es auch Neu- Venedig nennt. Die Straßen sind gerade und gutgepflastert, aber enge und durch die hohen Häuser dunkel. Die schönste Straße ist die Strada Ferdinand«, welche, die kolossale Piazza d'Armi. durchschneidend, sich mitten durch die Stadt bis zum Hafen zieht. Die Häuser sind von Stein gebaut; doch fehlt es, da die Blüte der Stadt erst aus neuerer Zeit datirt, den großherzoglichen Palast ausgenommen, an Palästen, wie man sie in andern ital. Städten findet. Zwischen der Stadt und den sie umgebenden Vorstädten ist ein schöner langer Spaziergang, gli Sparti genannt; der beliebteste Spaziergang aber ist die Ardcnza an der Meeresküste. Der Hafen, die Darsena, ist nicht groß, aber sicher, die Rhede sehr geräumig. Sie wird durch zwei festeThürme, aufFelsenklippen im Meere, und durch ein altes Castell geschützt und hat auch einen Lcuchtthurm. Um den Hafen zieht sich ein gemauerter Molo von 600 Schritt Länge. Auf dem Platze vor dem Hafen steht die kolossale Marmorstatue des Großherzogs Ferdinand's 1. Den Hafen und die Rhede, wo die meisten Schiffe liegen, verbindet eine Brücke Die Stadt hat außer ihren sieben Pfarrkirchen auch protestantische, griech. und armenische Bekhäuser, eine Synagoge und eine Moschee, sowie mehre Theater, ein Arsenal und außerhalb der Stadt eine vortreffliche Quarantaineanstalt mit drei Lazarethen. Die Zahl derBewohner beläuft sich auf 80000, darunter 4500 Juden, die im Besitze großer Freiheiten sind, aber in einem besondcrn Quartier wohnen, ferner Griechen, Armenier und Türken. Die Stadt ist der Sitz eines Bischofs und besitzt zahlreiche wissenschaftliche und gemeinnützigeAnstalten. Sie hat große Salz-, Tabacks- und schön cingerichtete Ölmagazlne,Korallenfabrlken,Rosoglisbrennereien, Gerbereien, Färbereien, Papier- uud Tabackfabriken. Die Korallenfabriken allein liefern jährlich für mehr als 400000 Fl. Maaren. Der Handel, der besonders stark nach der Levante geht, ist meist in den Händen der Ausländer, namentlich der Engländer; die Armenier und Juden machen die Mäkler. Jährlich wird der Hafen von mehr als 6000 Schiffen besucht und den Werth der jährlichen Ein- und Ausfuhr schätzt man auf 35 Mill. Thlr. Auch derCommissions-,Speditions- und Wechselhandel ist sehr wichtig. Mit gutem Trink- waffer wird die Stadt von Pisa aus versehen, wohin zu diesem Behufe täglich kleine Schiffe gehen. L. war gegen Ende des I3.Jahrh. noch ein offener Flecken; erst seit der Zerstörung des Hafens von Pisa sing es an sich zu heben, besonders nachdem es 1421 an Floren; gekommen. Aleffandro von Medici befestigte die Stadt und baute eine Citadelle; Cosmo I. erklärte den Hafen für einen Freihafen. Seitdem hob sich die Stadt mehr und mehr, bis sie unter dem Großherzog Ferdinand I. zu Anfänge des I7.Jahrh. sich zur bedeutenden Stadt emporschwang und nach und nach zu großem Wohlstand gelangte, der nur im Rc- volutionskriege und 1804 durch das Gelbe Fieber vorübergehend gestört wurde. In der Nähe der Stadt liegt der Monte Nero, ein reizender Hügel mit mehren Villen und einem Kapuünerkloster, dessen reich geschmückte Kirche ein berühmter Wallfahrtsort ist. Livre (likrs FsIIlcs), eine franz. Ncchnungsmünzc, welche ihren Ursprung aus den Resten röm. Gebräuche herleitct, die aus den altgallischen in der Karolinger Gesetze übergingen. Dir llbra ßallica berechnete man zu2vsoli»!i, eine Rechnung, die auch für Deutsch, land Geltung hatte, welches später statt der 20 solicki 20 Schillinge berechnete. In dem neuern stanz. Münzwesen ist diese Berechnung beibehalten, und es gehen auf die Livre 20 Sous, wie in Italien 20 Soldi auf den Lire. Nicht zu verwechseln mit dieser librs. gallics. ist der Livre, welchen der Herzog von Orleans als Regent von Frankreich unter Ludwig XV. ausprägen ließ, eine Kupfermünze von der Größe eines Guldens, welche bei der damals herrschenden Geldnoth für einen Livre ausgegeben wurde. Livree wurde in Frankreich zunächst die Kleidung genannt, welche der König bei großen Hoflagern seiner Dienerschaft, sowie der der Königin und der Prinzen unentgeltlich Llanos Llorente 47 liefern ließ. Da die Ausgabe dafür später zu großen Summen sich steigerte, so hörte die unentgeltliche Lieferung auf, der Name blieb aber für die Kleidung der Bedienten. Llanos werden im Norden Südamerikas die großen, zum Theil mit üppigem Graswuchs, zum Theil aber auch mit Flugsand bedeckten Ebenen genannt, welche, gewöhnlich von einem kräftigen Hirtenvolke, denLlaneros, bewohnt, zahlreichen Heerden aller Arten Thiere zum Aufenthalt dienen. Sie sind den südlichen Pampas (s. d.) und den nordamerikan. Savannen (s. d.) ähnlich, meist horizontal, sodaß das Auge keinen Gegenstand, als das weidende Vieh, hier und da eine Fächerpalme odereine kleine Erhöhung durch Flötzschichten, auf welche sich bei Überschwemmungen die Thiere retten, zu erblicken im Stande ist. Sie liegen im Gebiete der Republik Venezuela, erstrecken sich vom südlichen Fuße des Caracas- gebirgs, welches der Nordküste parallel läuft, bis an den Orinoco, und ihre Fortsetzung sind die von Humboldt bereisten Llanos de Casanare. Uneigentlich nennen ältere und nicht- span. Schriftsteller wol auch jene großen Ebenen Llanos, die in der Mitte Südamerikas, z. B. am Maranon, Rio negro, Ucayale, sich ausdehnen und thcilweise sehr weit westlich reichen, wie die von Gonzalo .Vimenes Quesada im I. >541 entdeckten Llanos de San Juan, die aber insgesammt nichts weniger als Steppen, sondern mit dichten hochstämmigen Urwäldern überzogen sind. Llorente (Don Juan Antonio), der Verfasser der ersten actenmäßigen Geschichte der span.Inquisition, geb. >756 zuRincon delSolo bei Calahorra in Aragonien, machte seinen philosophischenCursus zuTarragona und trat >776 in den geistlichen Stand. JmJ. >776 erhielt er die Würde eines Baccalaureus der Rechte, sehr bald aber eine geistliche Pfründe zu Calahorra und 177S mit Dispensation die priesterliche Weihe. Trotz seiner zum Theil weltlichen Studien wurde er von dem heiligen Gericht >785 zum Geschäftsträger und >789 zum ersten Secretair der Inquisition ernannt, jedoch als angeblicher Anhänger der franz. revolutionairen Grundsätze >79l in seinen Sprengel zurückgesendet, wo er sich namentlich armer emigrirter franz. Geistlicher auf das Thätigste annahm. Nachdem Don Manuel Abad la Sierra Großinquisitor geworden, hatte L. in dessen Aufträge den Plan zu einer Reform des Jnquisitionstribunals anszuarbeiten, den er nach Abad de Sierra's baldigem Sturze, als Jovellanos Minister der Justiz geworden, diesem in Madrid vorlegte. Jovellanos unterstützte die Sache; man wollte das Verfahren vor den Jnqui- sitionstribunalen öffentlich machen und Alles kam jetzt darauf a», den Herzog von Alcudia (s. d.) für das Unternehmen zu gewinnen. Plötzlich aber wurde Jovellanos gestürzt, und die Inquisition blieb wie sie war. Man fing Briefe von L. auf, legte den unschuldigsten Ausdrücken einen falschen Sinn unter, verurthcilte ihn zu einmonatlicher Einsperrung in ein Kloster und entsetzte ihn seiner Stelle als Bevollmächtigter des heiligen Officiums. So lebte L. in Ungnade, bis man ihn >865 nach Madrid zurückbcrief, worauf er >866 Kanonikus an der Hauptkirche in Toledo und > 867, nachdem er seine adelige Abkunft bewiesen, Ritter des Karlsordens wurde. Im I. > 868 ging er auf Murat's Befehl nach Bayonne, wo er an der Entwerfung der neuen Verfassungsurkunde für Spanien Theil »ahm. Deshalb von den Ultras verfolgt, mußte er nach der Restauration die Flucht ergreifen. Verbannt, seines Vermögens und seiner großen und trefflichen Bibliothek beraubt, lebte er nun bis > 822 in Frankreich. Allein der Haß der Finsterlinge gegen den verarmten Greis, der einst franz. emigrirte Geistliche freigebig unterstützt hatte, ging zuletzt so weit, daß die pariser Universität ihm verbot, die Zöglinge einer Pensionsanstalt im Spanischen zu unterrichten. Nachdem endlich durch die von ihm herausgcgebenen ,,?vrtrait» politiqus» 6s» paps»" der Grimm der Curialisten gegen ihn sich aufs Höchste gesteigert, mußte er im strengen Winter von >822 binnen drei Tagen Paris und in kürzester Zeit Frankreich verlassen. Man gestattete ihm nicht einmal einen Rasttag. So starb er erschöpft kurz nach seiner Ankunft in Madrid, wo er, da damals noch die Cortes von >826 geboten, sehr ehrenvoll ausgenommen wurde, am 5. Febr. 1 823. Sein Hauptwerk ist die „Histoirs criti- que 6s l'iuquisition 6'Lspagne" (4Bde., Par. >815 — >7; deutsch von Höck, Gmünd >819—21). Nächstdem sind noch zu erwähnen seine „Noticiaz llistorica» 6e la» Ire» pro- vincias bs»conFa6as"(5Bde., Madr. >866 —8); seine ,MsmoiresponrserviraI'lii»toirs 6e Is rsvolutioa 6'LspaZne, avsc 6«s pieces justiücatives" (3 Bde., Par. >815 —>9), -18 Lloyd Lobau unter dem Namen R. Nelleto (das Anagramm von Llorcnte), ein wichtiger Beitrag zur Aufklärung der Katastrophe in Spanien von 1808; und seine „Selbstbivgraphie" (Par. 1818 ). Auch gab er mehre gedruckte und ungedruckte Werke des Las Casar in franz. Übersetzung heraus (Par. 1822). Lloyd (Henri), ein berühmter Parteigänger und Taktiker, geb. 1729 in der engl. Erafschaft.Wales, wo sein Vater Landprediger war, trat sehr jung in brit. Militairdienste, nahm aber dann, da er sich keine Offizierstelle kaufen konnte, seine Entlassung und wurde Führer der Sohne des Herzogs von Drummond. Als Freiwilliger wohnte er mit ihnen 17-15 der Schlacht bei Fontenoi bei; dann ,machte er mit ihnen eine Reise durch Deutschland. Nach einem längern Aufenthalte in Ostreich, wo ihm seine taktischen Kenntnisse und sein militairischer Blick bald Gönner erwarben, wurde er Adjutant des Generals Lascy. Er machte einen Theil des Siebenjährigen Kriegs mit und stieg bis zum Oberstlieutenant. Händel, die er sich durch seinen rauhen Charakter zuzog, hinderten seine weitere Beförderung; er verließ die östr. Dienste und trat, trotz seiner Erklärung, dem Könige von Preußen nicht dienen zu wollen, unter die Fahnen dieses Monarchen und wurde Generaladjutant des Herzogs von Braunschweig. Nach dem Hubertusburger Frieden nahm er seinen Abschied und erhielt dann mehre geheime diplomatische Sendungen. An der Verbindung König Georg's Hl. mit einer Mecklenburg. Prinzessin hatte er großen Antheil und erhielt dafür eine jährliche Pension von 500 Pf. St. Als später der Krieg zwischen Rußland und der Pforte ausbrach, begab er sich nach Petersburg, wo ihm Katharina II. ein Commando übertrug. Insbesondere zeichnete er sich bei der Belagerung von Silistria im Z. >774 aus. Plötzlich aber verließ er die russ. Dienste, da man, wie cs sehr wahrscheinlich ist, der zwei- deutigen politischen Rolle, welche er sein ganzes Leben hindurch spielte, auf die Spur kam. Er trieb sich nun wieder wie früher umher und besuchte Italien, Spanien und Portugal. In Gibraltar gab er dem Commandanten Elliot(s. d.) Nathschläge zur Vertheidigung dieses Platzes, deren Benutzung demselben so großen Ruhm erwarb. Hierauf beschäftigte er sich in England mit Ausarbeitung seiner Memoiren, die ihm jedoch von dem Ministerium im Manuscript um ziemlich hohen Preis abgekauft wurden. Kurz darauf verließ er sein Vaterland von neuem und lebte nun als Privatmann bei Huy an der Maas. Hier starb er am 19. Juni 1783, und sogleich erschien, wie man sagt, ein engl. Commissair, der, unter dem Vorwände einer Schuldsoderung, seine sämmtlichen Papiere in Beschlag nahm, unter denen sich ein völlig ausgearbeiteter und höchst durchdachter Plan zu einer Landung fremder Truppen in England befand. Dennoch ist dieses Werk (1798) gleich einigen andern von ihm später in Druck erschienen. Seine unvollendete „Geschichte des Siebenjährigen Kriegs" (2Bde., Lond. 1781) diente Tempelhoff als Grundlage seines größer» Werks und wurde auch von Jomini in dem „Irsitö ries grancles Operation« militaires" benutzt. Lloyd's Kaffeehaus, im Börsengebäude zu London, wurde sehr bald der Ver- sammlungsort der vornehmsten Kaufleute, Versicherer und Versicherungsmäkler. Der lebhafte Verkehr und die Anstalten zur Unterstützung desselben machten später eine Theilung der Zimmer nöthig. Nur einige derselben sind dem Publicum geöffnet und dienen, wie ursprünglich, als Kaffeehaus, zu den andern aber haben nur die Abonnenten Zutritt. Daselbst findet man alle in engl. Sprache in Amerika, Afrika, Asien und Australien erscheinende Zeitungen, von den europäischen aber nur die aus Gibraltar und Malta. Die genauesten Listen über Ankunft und Abgang von Schiffen in allen Theilen der Welt werden daselbst gehalten; auch wird eine Classification aller engl. Schiffe zum Behuf der Versicherung fortwährend geführt, nach welcher man sich in allen engl. Häfen in und außer Europa richtet. Die Gesellschaft hat Agenten in allen nur einigermaßen bedeutenden Häfen, welche ihr von jedem den Handel und die Schiffahrt betreffenden Ereignisse im Bereiche ihres Wirkungskreises Mittheilung machen, die sofort angeschlagen und, sofern sie wichtig ist, durch die „lloz-ck's list" veröffentlicht wird. Lobau (Georges Mouton, Graf von), Marschall von Frankreich, wurde am 21. Febr. 1770 zu Pfalzburg in Lothringen geboren. Eigentlich für den Handelsstand bestimmt, trat er 1792 in ein Bataillon Freiwilliger, bei welchem er durch riesenhafte Gestalt und unerschütterlichen Muth Aufsehen erregte. Noch in demselben Jahre wurde er Lieute-> nc ne de ne fr, m au II da ik he vo Gl ter kei cor in in un Bi lar Ist »er bei M san 3» Be niq Fel nal via Ge An Co> den noö fiel- gie, wäl Wc Hei den übe wer gell einl am Sa Ob zw, Dil <- Löbau 49 na»t und Hauptmann in diesem Bataillon und im Oct. 1793 wählte ihn der gelehrte General Meusnier, der die Moselarmee commandirte, zu seinem Adjutanten. Nach dem Lode desselben trat er l 796 in das Heer von Italien. Im I. 1798 wurde er Adjutant des Generals Joubcrt, der nach Bonaparte's Abgang das Heer in Italien befehligte. Als die franz. Truppen nach Genua zurückgedrängt wurden, leistete er als Oberst eines Regi- ments die wichtigsten Dienste. Unter den härtesten Entbehrungen wußte er die Kriegszucht aufrecht zu erhalten und dem Feinde jeden Fuß Landes streitig zu machen. Am i l. Apr. 1799 entriß sein Regiment im Gefechte bei Verreria den Ostreichern sechs Fahnen. Kurz darauf wurde er beim Angriffe auf das Fort Guezzi gefährlich verwundet. Im Frühjahre 1895 ernannte ihn Napoleon im Lager zu Boulogne zum Brigadegeneral und bald nach- her zu seinem Adjutanten. In dieser Eigenschaft begleitete er den Kaiser in den Feldzügen von 1895 und 1896. Nach dem Frieden von Tilsit wurde er zum Divisionsgeneral und Generalinspcctor der Infanterie erhoben. Sein rauher, soldatischer, unbeugsamer Charakter zog ihm zwar oft groß- Unannehmlichkeiten zu; doch schadete ihm diese Eigenthümlich- keit bei Napoleon wenig. Im Dec. 1897 erhielt er den Befehl über das Beobachtungscorps an den Pyrenäen. Im folgenden Jahre führte er eine Division im Heere Bessieres in Spanien und nahm am l-i. Juli Medina del Nio-Secco. Nachdem er am >9. Nov. in das Corps Soult's getreten, schlug er die Spanier bei Germonal, erbeutete 25 Kanonen und zwölf Fahnen und machte 6999 M. Gefangene. So bahnte er die Einnahme von Burgos an und den Weg nach Madrid. Im Feldzuge von 1899 zum Heere nach Deutschland berufen, drang er am 21. Apr. mit dem >7. Infanterieregiment über die brennende Jsarbrücke bei Landshut und verhinderte durch diese kühne That die Vereinigung des Generals Hiller mit dem Erzherzoge Karl, worauf am folgenden Tage Napoleon den Sieg bei Eckmühl erfocht. Der Hesdenmuth, den Mouton in der Schlacht bei Aspern am 21. Mai bewies, trug wesentlich bei zur Rettung des großentheils auf der Insel Lobau zu- sammengcdrängten franz. Heers und brachte ihm den Titel eines Grafen von Lobau. Im ruff. Feldzuge von 1812 leitete er an des Kaisers Seite als Aide-Major-General die Bewegungen der Ungeheuern Jnfanteriemaffcn. Auf dem Rückzüge war er einer der Wenigen, die Napoleon zur Organisation eines neuen Heers nach Frankreich begleiteten. Im Feldzuge von >813 kämpfte er bei Lützen und Bautzen; nach der Schlacht bei Kulm übernahm er den Befehl über die Trümmer des geschlagenen Corps. Mit dem Marschall Gou- vion Saint-Cyr in Dresden eingeschlossen, gerieth er bei der Kapitulation desselben in vstr. Gefangenschaft. Erst nach dem pariser Frieden wurde er freigclassen und lebte nun ohne Anstellung. Während der Hundert Tage erhob ihn der Kaiser zum Pair und gab ihm das Commando der ersten Militairdivision. In der Schlacht bei Waterloo befehligte er auf dem rechten Flügel das sechste Armeecorps. Nach der verzweifeltsten Anstrengung war er noch zuletzt beschäftigt, die Trümmer des Heers auf dem Schlachtfelde zu sammeln, und fiel-dabei in die Hände der Engländer. Aus Frankreich verbannt lebte er fortan in Belgien, bis er 1818 die Erlaubniß zur Rückkehr erhielt. Nach einem langen Privatleben wählte ihn >828 das Departement Meurthe in die Kammer, wo er sich freisinnig benahm. Während der Revolution von >839 gehörte er zu der Municipalcommission, welche dem Herzog von Orleans die öffentliche Gewalt überlieferte. Er wurde dafür zum Pair erhoben und am 26. Dec. gab ihm der König Ludwig Philipp an Lafayette's Stelle den Befehl über die Nationalgarde in Paris, was ihm die Feindschaft der republikanischen Partei erweckte. Am 39. Juli 1831 endlich empfing er für die Dienste, die er der neuen Dynastie geleistet, den Marschallstab. Viele Spöttereien zog er sich zu, als er im Mai 1832 bei einem Volksauflaufe sich der Wafferspritzen statt der Waffen bediente. Er starb zu Paris am 21 Nov. 1838. „lllon mouton, c'est UN lion" pflegte Napoleon von ihm zu sagen. Löbau, wcnd. Löbije, Stadt im budissiner Kreisdirectionsbezirke des Königreichs Sachsen, die älteste und als solche der Versammlungsort der sogenannten Scchsstädte der Oberlausitz, am Löbauer Wasser und am Fuße des Löbauer Berges hat 3999 E-, zwei deutsche und eine wend. Kirche, eine gute Bürgerschule und einen Gesundbrunnen. Die Hauptnahrungsquellcn der Bewohner sind Ackerbau, starker Lein - und Getreidehan- Conv.-Lex. Neunte Aufl. IX. 4 50 Lobeck Loebell del, Leinwand-, Tuch- und Strumpffabrikativn. Der Bergkystall, welcher hier gefunden wird, ist unter dem Namen LöbauerDiamanten bekannt. Lobeck (Christian Aug.), einer der gediegensten und scharfsinnigsten Philologen und Alterthumsforscher der neuesten Zeit, ebenso hochgeachtet als Mann von tüchtiger Gesinnung, geh. am 5. Juni 17 81 zu Naumburg, wurde aus dasiger Domschulc, deren Nectorat sein Vater bekleidete, vorgebildet und widmete sich dann seit 1797 auf den Universitäten zu Jena und zu Leipzig neben der Theologie mit besonderer Vorliebe den altclassischen Stu- dien. Im I. >802 habilitirte er sich zu Wittenberg, erhielt daselbst > 897 das Conrcctorat und >809 das Nectorat an dem Lyceum und bald darauf auch eine außerordentliche Professur an der Universität. Nach der Auflösung der letztem im I. 1811 folgte er dem Ruft' als ordentlicher Professor der alten Literatur und Beredtsamkeit nach Königsberg, wo er noch gegenwärtig mit Auszeichnung wirkt und große Verdienste um die Belebung und den Anbau der Philologie in Ost - und Westpreußcn sich erworben hat. Von seinen Ausgaben und grammatischen Schriften, die zwar der Zahl nach nicht.groß, aber für die tiefere Kennt- niß der griech. Sprache dem Gehalte nach von höchster Bedeutung sind, erwähnen wir die in sprachlicher Hinsicht vortreffliche Bearbeitung des „Ajar" von Sophokles (Lpz. 1810; 2. Aust., 1835); des Phrynichus (Lpz. > 820); die „Uaroliynmena ^rammstiese graec." (2 Bde., Lpz. 1837), deren Inhalt vorzugsweise die griech. Wortbildung betrifft; uni» „katkoloAiae sermonis Fra oci ;,r>>l6K»inena" (Lpz. 1813), in denen der Wechsel und Wandel der Laute, den das griech- Wort in den verschiedenen Bildungen erfahren hat, ausführlich behandelt wird. Eine außerordentliche Belesenheit, die selbst die spätesten Zeiten der griech. Literatur umfaßt, erregt in diesen Werken ebenso sehr unsere Bewunderung, wie die kritische Schärfe und Feinheit, welche diese aufgehäuften Massen grammatischer Bemerkungen überall durchdringt. Auch auf dem Felde der griech. Mythologie, besonders in Erörterung der alten Mysterien, hat L. sorgfältige Untersuchungen angestellt, zuerst in den beiden Abhandlungen „De mort«kacclii" (Wittcnb. 1810. 4.), später in umfassender Weise und' mit erschöpfender Ausführlichkeit in dem „ .4 Alan;,dam,I« SSII cle tüeoloAiae mz-sticse 6raecor>im causis" (2 Bde., Königsb- 1820), worin zugleich die Bruchstücke der Orphiker eine neue Würdigung erfahren haben. In diesem letztem Werke werden die von Kreuzer (s. d.) und dessen Anhängern über die höhere Bedeutung des griech. Mythenkreifts aufgestellten Ansichten, insbesondere das Symbolisiren und Herbeiziehen asiat. uno anderer morgenländ. Mythen, in einem oft schneidenden Tone widerlegt und abgefertigt (s. Aglaophamos), daher sich mehre Stimmen der verletzten Partei in neuester Zeit wieder gegen L.'s System erklärt haben, sodaß der dadurch erzeugte Kampf für die Läuterung und Aufklärung des mythologischen Wissens in positiver und negativer Beziehung nicht ohne Einfluß geblieben ist. Loebell (Joh. Wilh.), Professor der Geschichte an der Universität zu Bonn, gcb. zu Berlin am 15. Sept. 1786, ging, durch Familienverhältnisse zurückgehalten, erst spät zu den wissenschaftlichen Studien über, denen er anfangs zu Heidelberg und dann auf der neuen Universität zu Berlin oblag. Indem er sich für das Lehrfach bestimmte, widmete er sich hauptsächlich der Philologie unter Wolf und Böckh; doch erst nachdem er eine Reihe Jahre in Breslau privatisirt hatte, wurde er Lehrer der Geschichte an der dasigen Kriegsschule. Seitdem wurde die Geschichte, die ihn schon früher angezogen hatte, sein Hauptstudium. Im I. 1823'kam er wieder nach Berlin, wo er an der Cadettenanstalt Lehrer und später Professor der Geschichte wurde, 1829 aber als außerordentlicher Professor» nach Bonn, wo er zwei Jahre nachher eine ordentliche Professur erhielt. In der Literatur hat sich L. besonders durch die neue Bearbeitung der Becker'schen „Weltgeschichte" bemcrk- lich gemacht und diesem Werke, das in seinen von Becker und Weltmann bearbeiteten Thcilen nicht blos mannichfacher Berichtigung und Vermehrung, sondern völliger Umschmelzung bedurfte, in der fünften, sechsten und. siebenten Auflage (14 Bde., mit der Fortsetzung von Menzel, Berl. 1836—38) seine hohe Vsllendung gegeben. Jm J. 1835 s machte er eine Reise durch Belgien, über die er in den „Reisebriefcn" (Berl. 1837) berich-; tete. In seinem Werke „Gregor von Tours und seine Zeit" (Lpz. 1839) betrachtete er die Löben LobkowiH 51 romanisch-german. Staatsvcrhältnisse, wie sie sich im ersten Jahrhundert nach der Entste- hung des großen Frankenrcichs entwickelten, aus einem eigenthümlichen Gesichtspunkte. Löben (Otto Heinr., Graf von), als Schriftsteller unter dem Namen Jsidorus Orientalis bekannt, geb. am 18. Äug. >786 zu Dresden, wo sein Vater Cabinetsmini- ster war, zeigte früh sichtbare poetische Anlage und Neigung. Durch gründlichen häusli. liehen Unterricht und durch den Besuch der Universität zu Wittenberg, seit 1804, hauptsächlich nach klassischen Mustern ausgcbildet, hielt er sich seit 1807 abwechselnd in Heidelberg, wo er einen Kreis gleichgesinnter Freunde fand, in Wien, Berlin und Nennhausen bei Fouque auf. Den Freiheitskrieg machte er mit als Lieutenant im Banner sächs. Freiwilliger. Nach dem Frieden lebte er in Dresden bis zu seinem Tode, am 3. Apr. 1825, dem seit einem 1822 erlittenen Schlaganfall lange Leiden vorangingen. Seinem ersten Werke, dem Roman „Guido" (1808), folgten die „Blätter aus de« Reisebüchlein eines andächtigen Pilgers" (Manh. 1808); „Gedichte" (Berl. 1810); „Arkadion, ein Schäfer- und Ritterroman" (2 Bde., Berl. >811 — >2); „Lotosblätterfragmente" (2 Bde., Bamb. >817); „Nitterehr und Minnedienst" (Berl. 1819); „Die Jrrsale Klotar's und der Gräfin Sigismunde" (Altenb. 1821); „Erzählungen" (2 Bde., Dresd. 1822); „Der Pilger und die Pfalzgräfin, ein Ritterlied" (Heidelb. 1825) u. s. w. Ein entschiedener Anhänger der romantischen Dichterschule, theilen seine Schriften deren Mängel und Vorzüge. Lehtere zeigen sich namentlich in seinen lyrischen Gedichten und in einer wohllautenden, bilderreichen Sprache; weniger befriedigen Inhalt und Anlage seiner phantastischen Erzählungen. Lobenstein, die Hauptstadt der Herrschaft und des Fürstenthums gleiches Namens, früher die Residenz der erloschenen Linie Neuß-Lobenstcin, an der Lemnitz, gehört jetzt unter die Linie Ncuß-Ebersdorf. (S. R euß.) Sie hat ein fürstliches Schloß mit Garten, eine alte Burg und gegen 3400 E., die sich zum Theil mit Leinwcberei beschäftigen. LobköwiH, ein altes böhm. Geschlecht, angeblich aus dem 9. Jahrh., benannt nach dem von ihm im kaurzimer Kreise erbauten Schlote Lobkowitz, theilte sich >4-10 in die Peter-Popelsche und die Hassensteinische Linie ab, welche letztere zu Anfänge des >7. Jahrh. erlosch. Die erstere spaltete sich unter den Enkeln des Stifters wieder in die jüngere Linie zuBilin, welche 1722 ausstarb, und in die ältere Linie zu Chlu- netz, deren Gründer Wladislawl. war. Der Sohn des Letzter«, Wladislaw li., erhielt vom Kaiser Maximilian 11. die unmittelbare Reichsherrschaft Neustadt an der Waldnab im Nordgau, die später > 641 unter dem Namen Sternstein zur gefürsteten Grafschaft erhoben, 1807 aber an Baiern verkauft wurde. Wladislaw's II. Sohn, Zdenko Adalbert, erhielt >624 die Neichsfürstenwürde und sein Sohn Wenzel Eusebius >653 wegen Sternstein Sitz und Stimme im Reichsfürstenrathe. Das >646 vom Kaiser Ferdinand III. erkaufte Herzog- thum Sagan in Schlesien wurde >786 an den Herzog Peter Biron von Kurland veräußert, dagegen die Majoratsherrschaft Raudnitz im rakonitzer Kreise in Böhmen vom Kaiser Joseph II. zum Herzogthum erhoben. Durch die Enkel des erwähnten Wenzel Eusebius, Philipp und Georg, theilte sich das Geschlecht wieder in eine ältere und eine jüng e re Linie, die noch bestehen und beide, außer der Fürstenwürde, den Titel eines Herzogs von Raudnitz führen. Die ältere Linie besitzt Raudnitz, Chlumetz, Bilin, Liebshausen mit der Som- merresiden; Eisenberg, etwa 38 mM. mit 90000 E. und 450000 Fl. Einkünfte; die jüngere zu Marzin residirende Drhowel, Sedlitz, Tschischew, Melnick u. s. w., etwa 10 mM. mit 30000 E. und I500K0 Fs. Einkünfte. Das gegenwärtige Oberhaupt der altern Linie ist der Fürst Ferd in an d, Obersterblandschatzmeister in Böhmen, geb. 1797; das der jünger» der Fürst Georg Franz, geb. 1835, der 1842 unter Vormundschaft seinem Vater Aug. Longin folgte. Die Familie zeichnete sich bis zur Schlacht am Weißen Berge ebenso durch feurige Verteidigung der alten Verfassung und Freiheit Böhmens wie nachher durch unwandelbare Anhänglichkeit an das Kaiserhaus aus. Historisch merkwürdige Mitglieder derselben sind: Bohuslaw L., aus der Linie Hassenstein, geb. >462,gest. >510. Er war einer der gelehrtesten Männer seiner Zeit und machte sich um die böhm. Literatur und Cultur io ^ -i- S2 Loccum Locke hohem Grade verdient. Eine Auswahl seiner Oden, Elegien und Briefe gab K.Winaricky (Prag 1832) heraus. Vgl.Cornova, „Der große Böhme, Bohuslaw L."(Prag >808).— Wenzel Eusebius, Fürst von L., war als einflußreicber, vielgeltender Minister Kaiser Lcopold's I. bekannt. Obgleich sein unmittelbarer Vorgänger Fürst Auersberg > 668 als des Einverständnisses mit Frankreich verdächtig aus seinem Amte entlassen wurde, so zeigte doch auch er im Lause seiner Ministerherrschaft sehr bald politische Sympathien für Ludwig XIV. und namentlich, vielleicht im Bewußtsein der Schwäche des Kaisers und der hüls- losen Schwerfälligkeit des deutschen Reichs,. Abneigung gegen jeden ernsten kriegerischen Zusammenstoß mit Frankreich. Da er sich durch rücksichtslose Freimüthigkeit und kühnen Witz und Spott viele Feinde am Hofe gemacht, ja die Kaiserin selbst beleidigt hatte, so benutzte man seine beharrliche Weigerung, sich in den Krieg derHolländer, welche LudwigXlV. angegriffen hatte, zu mischen, um ihn bei dem Kaiser als einen im stanz. Solde stehenden Verräther zu verdächtigen. Er wurde >673 auf sein Gut Raudnitz verwiesen, wo er am 2 - 1 . Apr. >677 starb. — Georg Christian, Fürst von L., gcb. >762, wurde frühzeitig Generalgouverneur in Siebenbürgen und focht glücklich gegen die Türken. Mit weniger Glück führte er zu Anfänge des östr. Erbfolgekriegs in Oberöstreich und Böhmen den Oberbefehl, doch siegte er später bei Braunau und schloß Belle-Jsle in Prag ein. Bekannt ist sein Benehmen in der Schlacht bei Sorr im zweiten schles. Kriege, wo er im Augenblicke der um sich greifenden Muthlosigkeit den Fliehenden sich entgegenwarf und drei Hauptleute, die fliehend sich retten wollten, niederstieß. Er erhielt später ein Kommando in Italien und starb l 753 zu Wien.— August Longin, Fürst von L., geb. am 15. März 1797, widmete sich, unter der Leitung des damaligen böhm. Oberstburggrafen Kolowrat, dem Staatsdienste und wurde, nachdem er seine Tüchtigkeit in mehren Stellungen als Beamter in Böhmen bewährt hatte, Gouverneur des Königreichs Galizien. Als solcher erwarb er sich durch seine milde und kluge Administration, besonders zur Zeit der einbrechcnden Cholera und des poln. Kriegs, um diese Provinz große Verdienste. Da indeß die Diplomatie an der Humanität L.'s, mit welcher er die nach Galizien geflüchteten Polen behandelte, Anstoß nahm, so wurde er 1832 aus Galizien abgerufen. Hierauf wurde er einige Zeit bei der Hofkammer verwendet, dann zum Hofkanzler der politischen Hosstelle ernannt, und nach der Pensionirung des Finanzministers Grafen Knebelsbcrg, als man aus dem technischen Ressort des Finanzministeriums, dem Münz- undBergwesen eine selbständige, eigene Hofstelle gebildet hatte, ihm die Präsidentschaft derselben übertragen. In dieser Stellung wirkte er vielfach segensreich, indem er nicht nur den in einzelnen Zweigen so sehr vernachlässigten Bergbau zu heben wußte, sondern auch das technische Ausmünzungsverfahrcn zweckmäßiger regelte. Ihm verdankt auch das neue herrliche Münzgebäude in Wien mit seinen trefflichen Maschinerien seine musterhafte Einrichtung. Er starb zu Wien am 17. März >842. Loccum, ein protestantisches Stift im hannov. Fürstenthum Kalenberg, früher ein Kloster, besteht aus dem Marktflecken Wiedensahl mit 760 E. und drei Dörfern, darunter Loccum mit 1306 E., einer Gelehrtenschule, die im Besitz einer schönen Bibliothek ist. Der Abt von L. ist der erste Prälat auf dem kalenberg. Provinziallandtage und Mitglied der ersten Kammer der Stände des Königreichs. Vgl. Weidemann, „Geschichte des Klo- sters L.", fortgesetzt und herausgegeben von Köster (Gött. 1822, 4.). Locke (John), einer der scharfsinnigsten brit. Denker, geb. am 29. Aug. 1 632 zu Wrington in der Grafschaft Somerset, studirte seit 1651 zu Oxford, wo er aber statt der scholastischen Philosophie, welche damals dort gelehrt wurde, sich mit dem Studium der Klassiker beschäftigte, bis Descartes' Werke ihm ein neues Licht in der Philosophie eröffne- ten. Die Schwäche seiner Gesundheit nöthigte ihn, das eifrig betriebene Studium derMe- dicin, zu welchem ihn Bacon's empirische Methode veranlaßt hatte, aufzugeben. Nachdem er mehre Reisen gemacht hatte, übernahm er die Erziehung des nachmaligen Grafen Shaf- tesbury. Durch ihn, der in der Folge Großkanzlcr von England wurde, erhielt er einen ansehnlichen Posten, den er aber verlor, als jener 1673 in Ungnade fiel. Seiner Gesundheit wegen begab er sich 1677 nach Montpellier und von da nach Paris, wo man ihn mit großer Auszeichnung aufnahm. Hier vollendete er seinen cvncerumg llumsu uu- Koeii« evmmunk 53 äer5tsnämg" (Lond. 1690; franz. unter L.'s persönlicher Aufsicht von Coste, 5. Nufl., 1750; deutsch von Tenncmann, unter dem Titel „Versuch über den menschlichen Verstand", 3 Bde., Lpz. 1795—07), ein Werk, welches von genauer und unbefangener Beobachtung und scharfsinniger Analyse des geistigen Lebens zeugt. Sein Hauptzweck war, die Entstehung der menschlichen Begriffe zu untersuchen, um dadurch einen Haltepunkt für die Kritik der hergebrachten metaphysischen Lehren zu gewinnen. Indem er alle angeborene Begriffe leugnete, suchte er nachzuweisen, daß die Quellen unserer Begriffe entweder Sensation, d. h. sinnliche Empfindung, oder Reflexion, d. h. die Fähigkeit des Geistes, seiner eigenen Thätigkeiten sich bewußt zu werden, also äußere oder innere Erfahrung seien, daher er nicht sowol strenger Sensualist, als vielmehr Empiriker ist, weil er kein demonstratives Wissen anerkennt, welches nicht auf Erfahrung und Jnduction beruht. Seine Untersuchungen über Raum und Zeit, die Begriffe der Substanz, der Freiheit, des Selbstbewußtseins und andere mehr sind auch jetzt noch überaus lehrreich. Durch den Einfluß dieses Werkes wurde die empirische Richtung, welche schon durch Bacon unter den Engländern eingeschlagen worden war, in der engl. Philosophie herrschend, zugleich aber auch eine bessere empirische Psychologie begründet. In Frankreich nahm seine Ansicht vorzüglich Jean Leckere an; 'sGravcsande verbreitete sie durch Compendien in Holland; später wurde sie durch Condillac (s. d.) u. A-im >8. Jahrh. in Frankreich allgemein herrschend. Jm J. 1679 kehrte er wieder in sein Vaterland zurück; als aber sein Gönner Shaftesbury von neuem in Ungnade fiel, begleitete er denselben 1683 nach Holland. Er hatte kaum ein Jahr England verlassen, als man ihn dort beschuldigte, in Holland Pasquille gegen die engl. Negierung in den Druck gegeben zu haben, worauf er seine Stelle im Christ-Collegium zu Oxford verlor. Nach dem TodeKarl's II. wollten seine Freunde, unterAndern der berühmte William Penn, sich für ihn verwenden; er aber antwortete: Man bedürfe keiner Verzeihung, wenn man keine Verbrechen begangen habe. Darauf wurde er in das gegen die Regierung gerichtete Unternehmen des Herzogs von Monmouth verwickelt, obgleich er nicht in der geringsten Verbindung mit demselben stand. Jakob II. verlangte sogar von den Ge- ncralstaaten, daß sie ihn ausliefern sollten, sodaß L. nun genöthigt war, sich zu verbergen, bis seine Unschuld anerkannt sein würde. Nach der Entthronung Jakob's II. durch den Prinzen von Oranien kehrte er 1689 in sein Vaterland zurück. Vermöge seines Rufs hätte er auf wichtige Staatsämter Anspruch machen können ; doch begnügte er sich mit einer untergeordneten, aber einträglichen Stelle im Ministerium der Colonicn. Da indeß die Luft Londons seiner Gesundheit nachtheilig zu sein schien, so legte er >700 seine Stelle nieder und begab sich auf die sechs Stunden von der Stadt entfernte Besitzung eines Freundes, wo er seine übrigen Tage verlebte. Hier hatte er das Vergnügen, den Sohn seines Freundes zu erziehen und seine Ansichten über Erziehung mit dem größten Erfolge gekrönt zu sehen. Er starb am 28 . Oct. 1701 und wurde zu Oates in der Grafschaft Essex begraben. L. stand in seinemValerlande ebensowol wegen seines patriotischen Eifers, als wegen seiner Philosophie in Ansehen. Von seinen Schriften sind noch zu erwähnen seine drei Briefe „Über Religionsduldung", seine „Gedanken über die Erziehung" (deutsch, Braunschw. 17 88) und der „Tractat über die bürgerliche Verfassung". Sowie diese Schriften sämmt- sich Vorläufer der neuern Zeit sind, so brach er durch die Schrift „Das vernünftige Christenthum" dem DeismuS (s. d.) die Bahn. Er behauptete unter Anderm, in der geoffen- barten Religion sei nichts enthalten, was irgend mit den Begriffen der Vernunft im Widerstreite wäre; auch hätten Jesus und seine Apostel keinen andern Glaubensartikel gelehrt, als an Jesus, den wahren Messias, zu glauben. Da L. eine ausgebreitete Kenntniß der Sitten aller Völker besaß, so erhielt er schon >670 den Auftrag, eine Constitution für die nordamerikan. Colonie Carolina zu entwerfen, die auch ins Leben trat. Er war in jeder Hinsicht ein edler Mensch und von der äußersten Eutmüthigkcit. Die vollständigste und beste Gesammtausgabe seiner vielfach wieder aufgelegten Schriften ist die in zehn Bänden (Lond. >801 und 1812). Ein Nachkomme seiner Schwester, Lord King, gab aus Familien- papieren L.'s Leben heraus (Lond. t 829). l>oeU8 e«inmiuii8, d. i. Gemeinplatz, heißt schon in der philosophischen und rhetorischen Sprache der Römer ein allgemeiner Begriff, z. B. Freiheit, Seelenruhe, oder eine 54 Loder Löffler Behauptung über denselben, z.B. „Freiheit ist die Grundlage aller Lugend". (S. To pik.) — Mit L>oc»s classic US bezeichnet man eine Haupt- oder Beweisstelle aus irgend einem Buche. Loder (Justus Christian von), berühmt als Anatom und Chirurg, geb.am28.Febr. 1753 zu Riga, besuchte das dasige Lyceum und bezog dann die Universität zu Göttingen, um sich der Heilkunde zu widmen. Nackdem er daselbst 1778 die medicinische Doctorwürde erlangt hatte, ging er noch in demselben Jahre als ordentlicher Professor der Anatomie, Chirurgie und Hebammenkunst nach Jena. Von 1780—82 machte er eine wissenschaftliche Reise durch Frankreich, Holland und England und errichtete nach seiner Rückkehr in Jena ein neues anatomisches Theater, eine Entbindungsanstalt und ein Naturaliencabinet. Im I. 1803 wurde er als Professor der Anatomie nach Halle berufen, als jedoch diese Stadt, während er selbst auf einer Reise in seine Heimat begriffen war, dem Könige von Westfalen zufiel, in dessen Dienste er nicht treten wollte, ging er nach Königsberg, wurde 1808 Leibarzt des Königs von Preußen, privatisirte dann in Petersburg und Moskau und wurde 1810 in letzterer Stadt als russ. Leibarzt und Professor der Anatomie und Chirurgie angestellt. Hier erwarb er sich um das Militairmedicinalwcsen, sowie um den akademischen Unterricht bedeutende Verdienste und noch in hohem Alter entwickelte er beim Ausbruch der Cholera große Thätigkeit. Er starb am 10. Apr. 1832. Von seinen zahlreichen Schriften verdienen besonders angeführt zu werden „Anatomisches Handbuch" (2. Ausl., Jena 1800); „Anfangsgründe der medicinischen Anthropologie und gerichtlichen Arznei- wiffenschaften" (3. Aust., Weim. >800); „Journal für die Chirurgie, Geburtshülfc und gerichtliche Arzneikunde" (4 Bde., Jena 1797—1804); „lalnilae snatomicae", mit lat. und deutschem Text (2 Bde. Kupfer und 4 Bde. Text, Weim. >794 — 1804, Fol.) und „LIementa anatoiniss duinani corporis" (Bd. I, Mosk., Riga und Lpz. 1823). Lodi, die Hauptstadt der gleichnamigen Delegation des lombard.-venet. Gouvernements Mailand und derSih eines Bischofs, liegt an derAdda, über die eine mehr als l ooo Klaftern lange Brücke führt, auf einer Anhöhe in einer sehr fruchtbaren Gegend, ist recht gut gebaut und hat mehre große Paläste und schöne Kirchen. Der große Marktplatz ist mit Bogengängen geziert. Neben dem Dom mit gothischer Facade verdient die Kapelle Jn- coronata Erwähnung, die von Bramante erbaut sein soll. Die Stadt hat 16000 E., ein festes Schloß, eine öffentliche Bibliothek und ein großes Theater; berühmt sind die hiesigen Majolica-Arbeiten und die Parmesankäse, die nicht in Parma, sondern lediglich in und um L. verfertigt werden. Das alte L. (I-aus pompsja) wurde im 12. Jahrh. durch die Mailänder zerstört; das jetzige verdankt seine Entstehung dem von Kaiser Friedrich Barbarossa nach der Zerstörung Mailands angelegten Castell. In neuerer Zeit wurde L. geschichtlich denk- würdig durch den Sieg Bonaparte's am >0. Mai 1796 über die Östrcicher unter Beau- lieu. Diese hatten L. geräumt und standen in einer furchtbaren, von 30 Kanonen verthei- digten Stellung, zu der nur die enge Brücke führte. Bonaparte griff die Brücke in geschlossener Colonne an, ließ die ganze Artillerie vorrücken und suchte endlich im Sturmschritt die Brücke zu nehmen, doch das östr. Geschütz streckte ganze Reihen nieder und das Blutbad war gräßlich. Schon wankten die Franzosen und der Sieg schien für die Östrcicher entschieden, als Berthier, Massen«, Cervoni und Lannes sich an die Spitze der Colonne stellten, über die Brücke drangen und die östr. Batterien nahmen. Nachdem sich beide Heere mit größter Erbitterung geschlagen, erschien Augereau an der Spitze seiner Division, und der Sieg war entschieden. Die Östrcicher hatten gegen 3000 M. an Tobten, Verwundeten und Gefangenen, die Franzosen gegen 12000 M. verloren. Lodomerien ist der lat. Name des früher selbständigen Fürstenthums Wladimir, mit der Hauptstadt gleiches Namens, in Wolhynien. Der östr.Kaiser nahm nach der ersten Theilung Polens wieder den Titel König von Galizien (s. d.) und Lodomerien an, den schon Andreas II. von Ungarn im 13. Jahrh. geführt hatte. Löffler (Josias Friedr. Christian), bekannt als aufgeklärter Theolog und Kanzelredner, gcb. zu Saalfeld am 18. Jan. 17 52, war zuerst Prediger an der heiligen Geistkirche zu Berlin und seit >778 preuß. Feldprediger. Im I. 1782 wurde er außerordentlicher Professor und Prediger zu Frankfurt an der Oder und 1787 ordentlicher Professor, >789 Log Logarithmus 55 aber Generalsuperintendent in Gotha, wo er nun theils als praktischer Theolog, theils durch seine Schriften bis zu seinem Tode erfolgreich wirkte. Ec siarb ru Gamstädt bei Gotha am t. Febr. 1816. Besondere Erwähnung verdienen seine „Predigten" (iBde., Jena 1797— 1 8<>5) und sein „ Magazin für Prediger" (7 Bde., Jena 1803 — I3). Seine „Kleinen Schriften" wurden in drei Bänden gesammelt (Wenn. >817—18). Log oder Logg nennt man des Seemannes Wcgmeffer. (S. Hodometer.) Ein Quadrant von Holz, mit einem Radius von etwa 7—8 Z. beschrieben, wird auf seiner Peripherie mit einem so schweren Bleistreifen beschwert, daß er nicht schwimmt, aber auch nicht sinkt. Ausgehend von seinen drei Ecken, vereinigen sich drei Leinchen in eine einzige, auf eine Rolle gewickelte, die durch Knoten und Marken in eine solche Anzahl von Fußen getheilt ist, daß sich dieselben zu 1,7 Secunden so verhalten, wie eine Seemeile zu einer Stunde. Wirft man nun dieses Bretchen über Bord, so wird es, sich senkrecht stellend, ziemlich nahe an dem Orte verbleiben, an dem man es auswarf; um aber noch sicherer zu gehen, läßt man ein Ende der Leine, etwa der Schiffslänge gleich, auslaufen und wenn diese Marke durch die Hand geht, das > 5 Secunden haltende Sandglas umkehren. Sobald dieses ausgelaufen,-gibt der dasselbe Handhabende das Signal und die Leine'wird angehalten, worauf die Anzahl der Knoten den Lauf des Schiffs in einer Stunde ergibt, wenn des Windes Kraft als gleichmäßig wirkend angenommen wird. Bei veränderlichem Winde wird alle halbe, sonst nur alle Stunden geloggt. Woltmann's Flügel ist gleich den von Braubach und Bouguer vorgeschlagenen Instrumenten sehr complicirt; dagegen verdient Massey's Pakentlogg, dessen Uhrwerk von Windmühlenflügeln, die durch die Schnelligkeit des Schiffs bewegt werden, in Bewegung erhalten wird, während es dem Schiffe nachschwimmt, alle Anerkennung. Das zu demselben Zwecke von Clement construirte Sil- lometre ist ein Stromquadrant oder hydrometrischer Pendel, dessen Wirkung auf einer Scala abgelesen wird. Für Dampfschiffe hat Ruffel ein besonderes Logg erfunden. Schließlich gedenken wir noch des Negeling-Loggs, gegründet auf das Princip, daß, wenn ein schwimmender Körper eine bestimmte Zeit gebraucht, eine bestimmte Distanz neben dem segelnden Schiffe zu durchlaufen, diese Zeit sich zu einer Stunde, die durchlaufene Distanz aber zu einer Seemeile in Proportion setzen läßt. Logarithmus bezeichnet in der Mathematik denjenigen Exponenten, welcher irgend einer (absoluten) Zahl entspricht, sobald dieselbe als Potenz einer gewissen angenommenen Grundzahl betrachtet wird, was immer und bei jeder Zahl möglich ist, sobald nur die Grundzahl von > verschieden und der Begriff der Potenzen im weitesten Sinne (s. Potenz) genommen wird. Nimmt man z.B. 2 als Grundzahl, so ist 1 der Logarithmus von 2, 2 der Logarithmus von 3, 3 der Logarithmus von 8, i der Logarithmus von 16 u. s. w.; die Logarithmen aller dazwischen liegenden Zahlen, z. B- 3, 5, 6,7, und überhaupt der meisten Zahlen sind gebrochene und zwar Irrationale Zahlen (s. d.). Sollen die Logarithmen mit den zugehörigen Zahlen zugleich wachsen, was für die bequeme Anwendbarkeit nöthig ist, so muß die Grundzahl größer als l'scln; der Logarithmus von 1 ist stets null, der Logarithmus der Grundzahl ist stets 1 und die Logarithmen aller Zahlen zwischen l und der Grundzahl sind echte Brüche, die Logarithmen der echten Brüche aber sind negativ. Die Verbindung zwischen den Zahlen und den für eine gewisse Grundzahl ihnen entsprechenden Logarithmen heißt ein Logarithm ensystem; das gewöhnliche, und unserm Zahlensystem genau entsprechende, daher für die Anwendung bequemste ist das von dem Engländer Br ig g i u s (s. d.) ersonnene und nach ihm benannte Brigg'sche oder gemeine System, wo die Grundzahl 10 ist, folglich l der Logarithmus von 10, 2 der Logarithmus von 100, 3 der Logarithmus von 1000 u. s. w. Aus dem früher Gesagten erhellt, daß in diesem Systeme die Logarithmen aller Zahlen zwischen I und 10 größer als 0, aber noch nicht I sein werde», also echte Brüche; so ist z. B. der Logarithmus von 6 — 0,7781513. Ebenso betragen die Logarithmen der Zahlen zwischen 10 und 100 mehr als 1, aber weniger als 2 u. s. w., und es ist z. B. der Logarithmus von 95 ---1,9777236. Im Allgemeinen enthält der Logarithmus jeder Zahl nach diesem Systeme ein Ganzes weniger, als die Zahl Ziffern hat, jedoch ohne Rücksicht auf die Decimalstellen, welche sie etwa enthält; umgekehrt kann man jedem Logarithmus sogleich ansehen, wieviel Stellen die zugehörige Zahl hat, nämlich » » r. >> W 56 Logarithmische Linie Logau eine Stelle mehr als der Logarithmus Ganze enthält. Aus diesem Grunde nennt man die ganze Zahl eines Logarithmus die Kennziffer oder Charakteristik; der beigefügte Decimal- bruch heißt die Mantisse. Die Logarithmen aller zwischen «>, 19, >00, 1999 u. s.w. lie- genden Zahlen sind in Tabellen gebracht, deren Gebrauch in der Rechenkunst, besonders bei großen Zahlen, von sehr vieler Bequemlichkeit ist. Das Verfahren hierbei ist einfach und leicht. Soll man zwei oder mehre Zahlen mnltipliciren, so sucht man ihre Logarithmen auf und addirt dieselben; hat man zwei Zahlen zu dividiren, so subtrahirt man ihre Logarithmen; soll eine Zahl auf eine gewisse Potenz erhoben werden, so multiplicirt man den Logarithmus der erstern mit dem Exponenten der Potenz; soll aus einer Zahl eine Wurzel gezogen werden, so dividirt man den Logarithmus jener Zahl durch den Wurzelexponenten; am Schlüsse sucht man in allen Fällen in den Tafeln die dem erhaltenen Logarithmus entsprechende Zahl auf, welche die gesuchte sein wird. In frühem Zeiten hat man die Logarithmen nur auf mathematische Rechnungen angewcndet und bei Rechnungen im gemeinen Leben unbeachtet gelassen; allein sie sind ihrer großen Vorthelle wegen allen Denen, welche mit großen Rechnungen zu thun haben, besonders auch Kaufleuten, zu empfehlen. Schon bei jedem Reguladetri-Exempel sind sie anwendbar, z. B- bei folgendem: wenn -1697 Stück 12991 Thlr. kosten, so werden 8159 Stück Thlr. kosten. Um hier nicht die umständliche Multiplikation und Division zu haben, addirt man den Logarithmus von 8159 zum Logarithmus von 1299-1 und zieht den Logarithmus von 1697 von der Summe ab. Sucht man nun die erhaltene Differenz in den logarirhmischcn Tabellen auf, so ist die dazu gehörige Zahl die gesuchte Zahl der Thaler. Als Erfinder der Logarithmen wird gewöhnlich der schot. Lord Zoh. Neper, Baron von Merchiston, angesehen, welcher 16 Hin Edinburg logarithmische Tafeln (von ihm Kanon der Logarithmen genannt) herausgab. Um dieselbe Zeit und ohne von ihm zu wissen, berechnete übrigens auch Jobst Byrg in Deutschland eine Art von logarithmischen Tafeln („Arithmetische und geometrische Pro- greß-Tabulen", Prag 1629). Briggius gab 1618 eine Probe seines neuen logarithmischen Systems mit der Grundzahl 19 heraus. Außerdem haben sich besonders Urfinus und Kepler, sowie später Vlacq, Sharp, Gardiner u. A. durch Berechnung genauer Logarithmentafeln verdient gemacht; die vollständigsten aber sind auf Anordnung der republikanischen Negierung Frankreichs unter Leitung von Prony berechnet worden. Unter den fast zahllosen Ausgaben logarithmischer Tafeln haben in Deutschland die von Vcga die meiste Verbreitung. Außer den Logarithmen der Zahlen enthalten die logarithmischen Tafeln immer noch die der sogenannten trigonometrischen Linien. (SrTrigonometrie.) Logarithmische Linie oder Log ist! sch e Linie heißt diejenige transcendente krumme Linie, bei welcher die Ordinate» die Logarithmen der Abscissen sind, oder umgekehrt. Auf der Seite der positiven Abscissen und Ordinate» entfernt sich die Curvc fortwährend von dcrAb- scissenachsc; auf der Seite der positiven Abscissen und negativen Ordinaten nähert sie sich der Ordinatenachse unaufhörlich, ohne sie aber je zu erreichen, und diese ist daher hier ihre Asympttoe; auf die Seite der negativen Abscissen erstreckt sich die Linie gar nicht. Nimmt man die Koordinaten so, daß die Abscissen die Logarithmen der Ordinate» sind, so ergibt sich die merkwürdige Eigenschaft, daß die Subtangcnte der Curve für alle Punkte derselben eine unveränderliche Größe und dem sogenannten Modulus der Logarithmen gleich ist. Logau (Friedr. Freiherr von), deutscher Dichter, geb. aus altadeligem Geschlecht 169-1 in Schlesien, war Kanzleirath des Herzogs Ludwig's lV. von Liegnitz und seit >6-18 Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft, bei der er wegen seiner satirischen Gedichte den Namen der Verkleinernde führte. Er starb zu Liegnitz am 25. Jul, 1655. Jugendliche Liebesgedichte waren ihm während des Dreißigjährigen Kriegs verloren gegangen; in späten» Alter ließen ihm seine Geschäfte nur Zeit zur Abfassung von Epigrammen, die er unter dem Namen Salomon von Golaw herausgab (Bresl. 1638); eine zweite Sammlung führt den Titel „Deutscher Sinngetichte Drey Tausend" (Bresl. 165-1) und gehört zu den größten bibliographischen Seltenheiten. Seine Gedichte kamen bald in gänzliche Vergessenheit; doch gab ein Ungenannter 1 792 einenTheil derselben neu heraus. Bekannter wurden ste erst wieder, als Ramler und Lessing eine umfassende Auswahl derselben mit Anmer- Loggia Logier 57 kungen über die Sprache des Dichters Herausgaben (Lpz. 1759), die dann Ramler mit Änderungen nochmals herausgab (2 Bde., Lpz. >791). Die erste Ausgabe ist in Lessing's „Werken" (herausgegeben von Lachmann, Bd. 5) wiederholt. Unter der großen Anzahl von L.'s Epigrammen ist sehr Vieles kaum mittelgut, Anderes mehr Spruchgedicht als Epigramm; doch finden sich darunter auch viele treffliche und treffende, echte Epigramme, besonders von echt vaterländischer Gesinnung belebt. Vers und Sprache sind ganz nach L.'s Vorbild, Opitz, gestaltet. Vgl. W.Müller's „Bibliothek deutscher Dichter des 17. Jahrh." (Bd. 6) und Hoffmann's von Fallersleben „Politische Gedichte aus der deutschen Vorzeit" (Lpz. 184.7).Ein Sohn des Epigrammatikers, Balthasar Fri e d r. von L., geb. I «15, gest. 1792, war ebenfalls Dichter, und wird als Gönnerund Freund anderer Dichter gerühmt. — Georg von L., gest. > 573, gehört zu den besten lat. Dichtern seincrZeit. Loggia, d. i. Halle, hat in der ital. Baukunst mehre Bedeutungen. Zunächst bezeich- net es eine von mehren Seiten freistehende, offene Bogenhalle, wie z. B. die Loggia de' Lanzi in Florenz, die Loggia de' Banchi in Genua u. s. w. Ferner versteht man darunter einen Bogengang längs der Seite eines Gebäudes, so am Vatican, der die von Rafael mit Gemälden geschmückten Logen besitzt. Dann führt diesen Namen das große, aus mehren Abtheilungen bestehende mittlere Prachtfenster im Hauptstockwerk eines Gebäudes, wie solche besonders an den altvenetian. Palästen mit Vorliebe behandelt zu sein pflegen. Endlich heißt auch so die kleine luftige, meist auf allen Seiten freie Halle auf dem Dache eines Gebäudes. Logier (Joh. Beruh.), bekannt durch seine Lehrmethode der Musik, wurde in einer franz. Nefugie'familie 1789 zu Kaiserslautern in der Pfalz geboren und erhielt den ersten musikalischen Unterricht durch seinen Vater, einen tüchtigen Geiger und Orgelspieler. Nach seiner Ältern Tode wollte ihn sein Vormund einer andern Bestimmung zuführen, allein der junge Künstler entfloh zu einem Oheim nach Marburg und wurde von einem Engländer, der ihn in einem Concerte hörte, 1895 mit nach England genommen und von diesem mehre Jahre hindurch gleich einem Sohne behandelt. Wie früher auf der Flöte, so bildete er sich in England auf dem Pianoforte aus. Hierauf wurde er in dem Musikchore eines Regiments im nördlichen Irland angestellt, für welches er Mehres componirte. Nebenbei beschäftigte er sich mit Musikunterricht, was ihn auf die Vereinfachung und Regelung führte, die seinem Systeme zu Grunde liegt. Nach beendigtem Kriege wurde er Organist an der westporter Kirche. Bei dem Unterricht seiner Tochter, deren unfügsame Hände allen seinen Bemühungen zu trotzen schienen, kam er auf die Erfindung des Chiro- plast (s. Handleiter), der so wesentliche Dienste leistete, daß nach sechs Monaten die Tochter den Vater an der Orgel vertreten konnte. L. ließ sich sodann in Dublin nieder, um sein Lehrsystem öffentlich einzuführen, wozu er durch Vorlesungen und durch ein Patent auf seinen Chiroplast bereits vorgewirkt hatte. Er nahm eine Anzahl Schüler an, die noch gar keinen Unterricht genossen, und stellte nach drei Monaten eine Prüfung mit ihnen an, die so gut ausfiel, daß von nah und fern Lehrer sich bei ihm ciusanden, sein System kennen zu lernen, nach welchem nun in Liverpool, Manchester, Glasgow und >816 auch in London durch Sam. Webbe, der sich nebst Kalkbrenner mit L. vereinigte, Akademien eingerichtet würden. Im I. 1822 folgte L. einer Einladung der preuß. Regierung nach Berlin, errichtete hier ebenfalls eine Akademie und erhielt den Auftrag, eine Anzahl Lehrer in seinem Systeme zu unterrichten, um dasselbe in dem preuß. Staate zu verbreiten. Drei Jahre darauf kehrte er nach London zurück. Seine Lehrmethode geht hauptsächlich dahin, mehre Schüler gleichzeitig im Clavierspiel zu unterrichten, womit zugleich Harmonielehre verbunden wird. Wie nun für jenes im Chiroplast, so hatte er auch für letztere in einem gewissen schematischen Verfahren entsprechende ähnliche mechanische Unterstützungsmittel gefunden. Daß diese Mittel vorzugsweise für die Elementar- und mechanische Bildung von Werth seien, bei einseitiger Anwendung aber mehr Dressur als wahre Bildung zuwege bringen müssen, ist gewiß; ebenso gewiß aber ist, daß durch dieselben die mechanische Ausbildung erleichtert und abgekürzt und Zeit und Mühe für die höhere Ausbildung gespart wird. Jedenfalls bleibt ihm das Verdienst, zu Förderung der Methodik durch Vereinfachung und systematische 58 Logik Planmäßigkeit einen bedeutenden Anstoß gegeben zu haben. Seine anfangs geheim gehaltene Lehrart hat er in dem „System der Musikwissenschaft" (Bert. >827) niedergelegt. Logik heißt der Wortbedeutung nach eine Lehre vom Denken, daher auch der deutsche Ausdruck Denklehre. Die Veranlassung, die Logik als einen besondere, Theil der Philosophie auszubilden, lag in dem Bedürfniß, sich über die Zulässigkeit, Richtigkeit und Noth- ivcndigkeit der Begriffs- und Gedankenverknüpfungen, in welchen sich die Erkenntniß darstellt, Rechenschaft zu geben. Die ersten Anfänge derselben finden sich bei den Eleaten (s. d.). Als ein Hülssmittel der Überredung übten sie dieSvphisten (s. d.), und selbst dieMegariker (s. d.) scheinen sie vorzugsweise nur als ein Mittel der geistigen Gymnastik betrachtet zu haben. Mit wissenschaftlichem Ernste dagegen behandelten die Frage nach der Gesetzmäßigkeit eines begriffsmäßigen Denkens Sokrates und Platon. Jndeß stellte Platon die Logik oder, wie er cs nannte, die Dial ektik (s. d.) noch nicht als ein abgesondertes Ganze auf. In dieser Beziehung ist der eigentliche Begründer derselben Aristoteles. Denn obgleich dieser die Formen der Gedankenverknüpfung in genauer Beziehung auf das Erkennen untersuchte, so behandelte er doch die Logik factisch als eine Wissenschaft von den formellen Gesetzen des Denkens und nannte diese Untersuchung Analysis (s. d.). Indem er die Gedanken in ihre Elemente, die Begriffe, zerlegte, die Form der Verbindung der Begriffe in den Urtheilen und endlich die Abhängigkeit der Urthcile voneinander bestimmte, wiesle entweder ohne oder, wie im Syllogismus (s. d.), durch Vermittelung anderer Begriffe erkannt wird, wurde er der Urheber der strengen formalen Logik und prägte den Typus derselben so bestimmt aus, daß Kaut sagte: seit Aristoteles habe die Logik keinen Schritt vorwärts, aber auch keinen rückwärts thun können. Das Gebäude der Aristotelischen Logik wurde in spätem Jahrhunderten von den Scholastikern (s-d.) mit vielen unnöthigen Spitzfindigkeiten überladen. Man betrachtete sie überdies geradezu nicht blos als das formale, sondern auch als das materiale Organon der Philosophie. Übertreibungen dieser Art wirkten Petrus Ramus, Gassendi, Baco u. A. entgegen- Allein bis zum Ende des 18. Jahrh. blieb das Ansehen der Logik vollkommen unangetastet und wurde durch die Hochachtung, welche Männer, wie Leibnitz, ihr zollten, eher verstärkt als geschwächt. Es ist indeß sehr natürlich, daß die Logik theils in ihrer speciellen Ausführung, theils rücksichtlich der Auffassung ihres Verhältnisses zu andern Theilen der Philosophie von den Umwandlungen der letztem vielfach berührt wurde. Schon bei den Alten, namentlich den Stoikern, wurden auch die Untersuchungen über die materiellen Bedingungen und Kennzeichen (Kriterien) der wahren Erkenntniß in ihr Gebiet gezogen, also Das, was die Neuern Theorie der Erkenntniß, Kritik oder Fundamentalphilosophie genannt haben. Diese Erweiterung gab später vielfach Veranlassung, sie vom psychologischen Standpunkte aus als eine Geschichte des erkennenden Denkens zu behandeln und die Üntersuchung über den Ursprung und die Quellen der Begriffe in sie mit aufzunehmen. Wo dagegen, wie in den Systemen nach Kant, deren Spitze Hegel (s. d.) repräsentirt, die Identität des Denkens und des Seins als Axiom der Philosophie galt, mußte sich eine entschiedene Opposition gegen die sogenannte formale Logik einstellen, ihr jede selbständige Bedeutung abgesprochen und, was von ihr etwa übrig blieb, entweder als ein Theil der Phänomenologie des Geistes oder der Metaphysik selbst behandelt werden. Endlich konnte selbst der Empirismus an ihr Anstoß nehmen, weil die Begriffe von den Dingen und ihren Veränderungen, die uns die. Erfahrung factisch aufdringt, vielfältig mit Widersprüchen behaftet sind und den Foderun- gen der Logik nicht entsprechen. Sucht man nun den Begriff und die Aufgabe der Logik unabhängig von vorgefaßten Lehrmeinungen zu bestimmen, so läßt sich wenigstens die Frage nicht abweisen, ob nicht, indem das Denken das Instrument alles Erkennens ist, sich für dasselbe, unabhängig von dem besonder« Inhalt der Begriffe, eineEesetzmäßigkeit Nachweisen lasse, ohne deren Beobachtung cs auf eine innere Haltbarkeit nicht Anspruch machen kann. Unmittelbar deutlich ist hierbei, daß ein Gedachtes, dessen Inhalt sich selbst aufhcbt, sich widerspricht, für ein Denken, welches etwas denken will, seine Bedeutung verliert, und dies besagt der Satz der Identität (s.d.) und des Widerspruchs. Die Anwendung dieses Satzes, den man gewöhnlich das Princip der Logik nennt, auf die verschiedenen möglichen Formen der Urtheile und Schlüsse, führt nun allerdings zu rein formalen Bestimm»»- Logistik Logogriph 59 gen; zugleich scheidet sich dadurch die Logik ebenso von der Psychologie wie von der Metaphysik. Während nämlich die Psychologie die Art, wie sich die oft sehr verworrenen und widersprechende» Gedanken der Menschen wirklich verknüpfen, zu untersuchen hat, stellt die Logik eine Norm für die formelle Richtigkeit der Gedankenverknüpfung auf. Non einer natürlichen Logik kann daher nur insofern die Rede sein, als sich die Nothwendigkeit des gesetzmäßigen Denkens bisweilen aus psychologischen Gründen von selbst in dem gewöhnlichen Gedankenlaufc geltend macht. Während ferner die Metaphysik die lehren Gründe der Erscheinungswelt Nachweisen soll, bekümmert sich die Logik gar nicht darum, ob die Begriffe auf etwas Existirendes sich beziehen oder nicht, ebensowenig als die Mathematik darnach fragt, ob den Größenverhältnissen, deren innere Gesetzmäßigkeit sie untersucht, irgend etwas Wirkliches entspricht oder nicht. In diesem Sinne kann man sagen, daß die Logik nichts erkennt, aber wenn dadurch die sehr engen Grenzen derselben bezeichnet sind, die sehr leicht vor jeder Überschätzung derselben bewahren können, so erklärt sich doch zugleich, warum die Logik nicht nur für die Philosophie, sondern für alle Wissenschaften eine ganz allgemeine Bedeutung hat, die es überhaupt mit Begriffen zu thun haben. In der That ruhen diese sämmtlich auf der Logik und man hat mit Recht gesagt, daß in ihnen kein Stein auf dem andern bleiben würde, wenn die Logik zerstört würde. Ob übrigens die Logik in der ihr bis jetzt zu Theil gewordenen Ausbildung schon den Grad der Vollkommenheit erreicht hat, daß sie für eine genügende Methodenlehre des wissenschaftlichen Denkens überhaupt gehalten werden kann, darf bezweifelt werden. Was man früher in dieser Beziehung unter dem Namen der Erfindungskunst, der angewandten Logik u. s. w. der sogenannten reinen Logik folgen ließ, bezog sich zum größten Theil auf Äußerlichkeiten, die für die wissenschaftliche Heuristik von keinem oder sehr geringem Belang sind. Unter den vielen Schriften über Logik sind als diejenigen, die die verschiedenen Gesichtspunkte, aus welchen man sie in neuester Zeit bearbeitet hat, erkennen lassen, vorzugsweise zu nennen die von Krug (4. Aust., Königsb. 1833), Fries (3. Aufl., Heidelb. 183'), Braniß (Bresl. 183»), Bachmann (Lpj. 1828), Twesten (Schlesw. l823), Drobisch 813). Aus dem > 8. Jahrh. würde besonders an die logischen Arbeiten von Tschirnhausen, Lambert, Leibnitz, Ploucquet, Reimarus und Wolf zu erinnern sein. Logistik heißt die Lehre von den Verhältnissen des Raumes und der Zeit für taktische Bewegungen der Truppen, vorzüglich bei Märschen. Der Werth dieser Lehre ist nur relativ; denn wenn sie auch allgemeine Änhaltszahlen gibt, und selbst die besonder« Umstände in Bezug auf TruppenSrt, Beschaffenheit der Wege und Witterung berücksichtigt, so bleibt der Erfolg doch immer von so vielen Zufälligkeiten abhängig, daß ein genaues Übereinstimmen der Rechnung mit der Ausführung der Bewegung nicht zn erwarten ist. Logographen heißen die ältesten griech. Geschichtschreiber, insofern sie die Sagen, besonders über die Gründung einzelner Städte, zuerst in Prosa aufsetzten, im Gegensatz der epischen Dichter. Fast alle, unter ihnen die vorzüglichsten, wie Kadmus (s. d.), Dionysius und Hekatäus (s. d.) aus Milet, Charon von Lampsakos, Lanthus der Lydier, Pherecydes (s. d.) von Syros und Hellenikus (s. d.) von Mitylene, gehören nach Zonien und lebten am Ende des 6. und zu Anfänge des 5. Jahrh. v. Chr., sodaß H e- rodot (s. d.) dann gleichsam von ihnen den Übergang zu den eigentlichen Geschichtschreibern bildet. Die Bruchstücke derselben wurden von Creuzer in den „llistoricorum ^raee. krsFinenta" (Heidelb. 18»6), vollständiger unter demselben Titel von C. und äkh. Müller (Par. 1831) herausgegeben. Logögriph Heißt seiner griech. Ableitung nach ein Buchstaben - oder Worträthsel, wobei ein Wort durch das Hinzusetzen oder das Wegnehmen eines oder mehrcr Buchstaben jedesmal eine andere Bedeutung erhält, z. B. Greis, Reis, Eis u. s. w. (S. Räthscl.) Bei den alten Griechen war schon der Griph os beliebt, d. h. eine künstlich verschlungene und schwer aufzulösende Rede oder Frage, dergleichen man zum Scherz und zur Unterhaltung bei Tafel vorlegte, worauf gewöhnlich Derjenige, der die richtige Deutung gab, mit einem Kranze belohnt wurde, während er im Gegentheile ein mit einem salzigen Getränke angefülltes Gefäß ohne Unterbrechung austrinken nnrßte. (S. G astmählcr.) 60 LogoS Lohengrin Logos, das griech. ' d. i. Vernunft, ausgesprochenes Wort. Inder Ne- ligionsphilosophie zu Christi Zeit war L o g o s ein Kunstausdrnck, der ein vor Anfang der Schöpfung aus Gott hcrvorgegangenes Wesen bezeichnetc. NachZoroastcr'sNeligionsphi- losophie war das von Gott am Anfänge aller Dinge ausgesprochcneWort durchs Sprechen wesentlich und selbständig geworden, ein von Gott gezeigter Geist, das Gleichbild Gottes, der die Welt erschaffen habe und der Urheber aller Weisheit, Tugend und Wissenschaft sei. Nach der später« Platonischen Philosophie, wie sie zu Christi Zeit besonders in Alexandrien blühte, und wie sie in den Schriften des jüdischen Philosophen Philo zu finden ist, war der Logos der von Ewigkeit her gedachte Gedanke Gottes von sich selbst (an dem er als an dem gegenständlichen Nichtich das Selbstbewusstsein seines Jchs hatte), der aus Gott herausgctreten und wesentlich geworden sei, der von Ewigkeit gezeugte Sohn Gottes, der Abglanz der göttlichen Vollkommenheit, der Schöpfer der Welt und das all, Menschen zur Weisheit, Tugend und Wissenschaft erleuchtende Wesen. Im Neuen Testa, mente kommt der Ausdruck Logos nur beim Johannes vor und bezeichnet ein göttliches Wesen, den vor Anfang der Dinge von Gott gezeugten Sohn, der dann die Welt erschaffen und alle Zeitalter erleuchtet habe. Dieser Logos sei in Christo Mensch geworden, oder in ihm in menschlicher Gestalt erschienen. In den Schriften des Apostels Paulus findet sich zwar nicht das Wort Logos, wol aber die Sache und seine Vorstellung fällt mit der des Johannes zusammen. Auch die gelehrten Nabbinen Palästinas hatten die Vorstellung vom göttlichen Wort, nach Zoroaster's Lehrtypus, ausgenommen, und selbst in den alten gnosti- schen Systemen steht der Logos mit in der Reihe der aus Gott vor Anfang der Dinge hcrvor- gegangenen geistigen Zeugungen oder der Äonen. Übrigens s. Christus und Christologie. Lohbeete sind eine Art Treibbeete, die hinsichtlich ihrer Anlage so ziemlich mit den Mistbeeten (s. d.) Übereinkommen, nur dass man sich bei den Lohbeetcn statt des Mistes der Lohe bedient. Die Lohbeete entwickeln keine so starke Hitze als die Mistbeete, halten sie jedoch länger zurück. Um dieErhitzung der Lohbecte zu beschleunigen, bringt man untenhin ein« Lage frischen Pferdemisteß. Lohe nennt man die bei manchen Garten- und Feldgewächsen, namentlich bei Gerste und Weizen vorkommende Krankheit, bei der die Blätter znsammenschrumvfen und ab- sterbcn. Insbesondere geschieht dies in Folge anhaltender Trockenheit. Lohengrin heißt nach dem Namen des Haupthelden ein mittelhochdeutsches Gedicht, daS in zehnzeiligen Strophen gegen das Ende des l3.Jahrh.von, wie es scheint, zwei unbekannten Dichtern verfaßt ist. Es schließt sich an den zweiten Theil des Gedichts vom Wartburgkrieg (s. d.) an und der mythisch gewordene Wolfram von Eschenbach, der in diesem gegen Klinsor austritt, ist als Erzähler der Geschichte dargcstcllt. Dem Inhalt nach ist in ihm die Sage vom Schwanenritter, die auch Konrad von Würzburg zum Gegenstand eines Gedichts machte und deren verschiedene Fassungen in den „Deutschen Sagen" von den Brüdern Grimm (Bd. 2, Berl. 1818) zusammengestellt sind, mit der vom Graal (s.d.) und mit sagenhaften Erzählungen von des deutschen Königs Heinrich'- l. Thaten verbunden; der Schluß enthält noch eine Übersicht der Begebenheiten von Hein- rich's l. bis aufHeinrich's ll. Zeit. L. selbst oder Loherangrin (gebildet aus dem Namen des Helden eines stanz. zumKärlingischen Sagenkreis gehörigen Gedichts, 6ari,i lel^nberoi»^ ist Parzival 's (s. d.) Sohn, wird durch Gott von dem Graal her Elsen von Brabant als Kämpe gegen Friedrich von Telramunt zugesendet, der sie wider ihren Willen freien wollte, und auf einem Nachen, den ein Schwan zieht, wunderbar zu ihr geleitet. Nachdem Friedrich durch ihn gefallen, wird Else sein Weib; er hilft dem Kaiser Heinrich die Ungarn schlagen, zieht mit ihm nach Italien und siegt dort, von Petrus und Paulus im Mimpf begleitet, vor Rom über die Sarazenen, die den Papst bedrängen. Als er nach Köln zurückgekehrt, fragt Else wider sein Verbot ihn um seine Herkunft; vergebens weigert er die Antwort. Äls sie zum dritten Mal in ihn dringt, erklärt er sich, zugleich aber, daß er sie nun verlassen müsse. Der Schwan erscheint wieder und mit Kummer scheidet er von ihr und seinen Knaben Lohengrin und Johann, um zum Graal nach Indien zu kehren. Nach dem jüngern Titurcl nahm er in Lyzaborie Belayen zum zweiten Weibe, wurde von deren Verwandten hinterlistig getödtet, und das Land hieß von ihm Lotharingen. Herausgegeben ist der „Lohengrin" mit Lohenstein Löhr (Ioh. Andr. Christian) 61 einer Einleitung von Görrcs (Heidclb. > 8 > 3). Vgl. Lucas, „Über den Krieg von Wartburg" (Königsb. 1838). Lohettstein (Kasp. Da», von), eines der Häupter der zweiten schles. Dichterschule, gcb.am 25. Jan. >635 zu Nimptsch, studirtc nach dem Besuch eines breslauer Gymnasiums in Leipzig und Tübingen die Rechte, und bereiste dann Deutschland, die Schweiz und die Niederlande. Jm J. > 666 wurde er würtemb.-ölsnischer Negierungsrath und später kaiserlicher Nach und erster Syndicus in Breslau, wo er am 28.Apr. l 683 starb. Seine dichterischen Werke sind sechs Trauerspiele und „Blumen", d. h. lyrische Gedichte, theils geistlichen, theils weltlichen Inhalts, großentheils Gelegenheitsgedichte. L. hatte das Bestreben, der Phantasie ihre Rechte in der Dichtung wieder einzuräumcn, nachdem sie von Opitz und dessen Anhängern allzusehr beschränkt worden war. Aber ohne einen gründlich gebildeten Geschmack, auf den namentlich die schwülstigen Italiener, wie Marino, gewirkt hatten, wußte er nicht Maß zu halten. Wenn auch nicht so lüstern, wie sein Zeitgenosse Hof- mannswaldau (s. d.), so geht er doch, namentlich in seinen Trauerspielen, mit Vorliebe auf Darstellung des Schauderhaften und sogar des Widerlichen ein. Er häuft in ihnen Beweise einer ganz unstatthaften Gelehrsamkeit auf, während dieselben auf der andern Seite ein bedeutendes Talent L.'s beweisen. Ohne hervortretende Eigenthümlichkeit sind seine lyrischen Gedichte. Er fand bis in den Anfang des >8. Jahrh. so viele Nachahmer, daß der Name Loh ensteinianer zum literarischen Parteinamen wurde. Gesammelt sind seine Dichtungen in seinen „Trauer-und Lustgedichten" (Bresl. I68V; Lpz. >733). Von seinen prosaischen Schriften ist zu nennen „Arminius und Thusnelda, ein Heldenroman" (2 Vde., Lpz. >689,3.; umgeänderte Ausg., 3 Bde., Lpz. >73l). In der Anlage höchst mangelhaft, enthält dieser Roman neben theils schwülstigen, theils faden Partien manche werthvolle Einzelheiten, die ihn unter den Kunstromanen des >7.Jahrh. obenanstcllen. Er wurde von L. unvollendet hinterlassen und erst von dessen Bruder, dann vom Pfarrer Wagner in Leipzig fortgeführt. Lohgerberei, s. Gerberei. Löhr (Ägid. Valent. Felix Ioh. Ferd. von), großherzoglich Hess. Geh. Rath und ordentlicher Professor der Rechte an der Universität zu Gießen, geb. am >7. März >783 zu Wetzlar, studirte > 802—3 zu Marburg, Gießen und Göttingen. Durch seine Schrift „Die Theorie der Culpa" (Gieß. >806) mit Grolman in engere Verbindung gebracht, übernahm er >807 die Mitredaction des „Magazin für die Philosophie des Rechts und der Gesetzgebung", dessen fünf erste Hefte fast ganz von ihm hcrrühren. Im I. > 808 wurde er Justizrath und ordentlicher Professor des Rechts an der von dem Großherzog von Frankfurt gestifteten Nechtsschule zu Wetzlar, und >813 folgte er dem Rufe nach Gießen. Seine Bestrebungen sind vorzugsweise der historischen Seite des Rechts zugewendet, und in der Gründlichkeit und dem Scharfsinne, mit denen er diese Richtungen verfolgt, stellt er sich zunächst seinem Lehrer Hugo zur Seite. Indessen ist seine durch mancherlei Verwaltungsgeschäfte in Anspruch genommene Thätigkeit vorzugsweise dem Kreise seines unmittelbaren Lebensberufes gewidmet geblieben, und sein schriftstellerisches Wirken hat sich in keinem größern Werke concentrirt. Von seinen Schriften sind noch anzuführen die „Beiträge zur Theorie der Culpa" (Gieß, und Darmst. >808) und die zunächst in der Form von Einladungsprogrammen erschienene „Übersicht der das Privatrecht betreffenden Constitutionen ber röm. Kaiser u. s. w." (Wetzl. >811 — >2). Löhr (Ioh. Andr. Christian), ein durch seine Jugendschriften ungemein verdienter Mann, geb. zu Halberstadt am >8. Mai >763, mußte wegen Armuth seinem Lieblings- wünsche, Medicin zu studiren, entsagen, und widmete sich der Theologie. Doch sehr bald fehlte es ihm auf der Universität am Unentbehrlichsten; abgehungert und im kalten Winter >781—82 halberfroren, nahm sich endlich ein Menschenfreund seiner an, unterstützte ihn und verschaffte ihm eine Lehrerstelle am Waisenhause zu Halle. Doch der Grund zu seiner durch das ganze Leben ihn begleitenden Kränklichkeit war einmal gelegt, übertriebenes Arbeiten, um sich das Nöthige zu verschaffen, schwäch» ihn noch wehr, und es erfolgten wiederholte Blutstürze, die ihn dem Grabe nahe brachten. Nach drei Jahren mußte er seine Stelle in Halle aufgeben und nahm nun eine Hauslehrerstelle, in Gatterstädt bei Querfurt 62 Lohrmann Loire an, wo er den später als Schriftsteller bekannten sirng von Nidda zu seinem Schüler hatte. Zwei Jahre später wurde er Hauslekrcr bei demDirector des halleschen Waisenhauses, dem Hofrath Madai, der ihn >787 zum Prediger in Dehlitz am Berge ernannte. Im I. >793 erhielt er eine Predigerstelle in Merseburg, und kurz nach der Schlacht bei Lützen folgte er 1813 dem Rufe als Oberpfarrcr in Zwenkau bei Leipzig, wo er nach manchen körperlichen Leiden am 28 . Juni > 823 starb. Von ernstem, festem Charakter, war er für die Freuden des geselligen Lebens nicht unempfänglich und in Gesellschaft sehr heiter und unterhaltend. Wie als Prediger, so wirkte er noch mehr als Schriftsteller. Unermüdlich in seinen Amtsarbeiten, arbeitete er in seinen Mußestunden namentlich für die Jugend und gemeinnützige Zwecke. Unter seinen meist in sehr vielen Auflagen verbreiteten Schriften erwähnen wir seine „Kleine Geschichten und Erzählungen für Kinder" (Halle >799); „Kleine Erzählungen für Kinder" (Franks. >899); „Kleine Plaudereien" (3 Bde., Franks. >891—9); „Beschreibung der Länder und Völker" (4 Bde., Halle >893); „Größere Weltgeschichte' (2 Bde., Lpz. 1811); „Das Fabelbuch der Kindheit und Jugend" (Lpz. 1815); „Gemeinnützige und vollständige Naturgeschichte" (5 Bde., Lpz. I8IS—>7); „Das Buch der Märchen" (2 Bde., Lpz. 18l8—29); „Das Buch der Bilder" (3 Bde., Lpz. 1819—29); „Die Künste und Gewerbe des Menschen zum Behuf nützlicher Kenntnisse" (Lpz. > 8>9) und „Des vr. Martinus Katz- und Wachtelbüchlein" (Lpz. >824). Auch gab er Vieles anonym und pseudonym heraus; unter dem Namen I. K. F. Müller die „Anweisung zur zweckmäßigen Behandlung des Obst- und Gemüsegartens" (2 Bde., Franks. >796) und „Der vollständige Monatsgärtner" (Franks. >797); unter dem Namen Karl Friedr. Schmidt „Der ehrliche Baum- und Küchengärtner" (Lpz. >798) und unter dem Phila- delphus Alethcs „Die kirchlichen Dinge" (Lpz. >823). Lohrman» (Wilh. Gotthelf), ein verdienstvoller praktischer Geometer und Astronom, wurde am 31. Jan. >796 zu Dresden geboren. Schon seit I8>5 als Vermessungsconduc- teur angestellt, hatte er die Aufnahme mehrcr Domainen u. s. w. zu besorgen. Später führre er als Vermessungsinspector die für die ökonomischeVermessung von 5 OM. in verschiedenen Kreisen Sachsens, welche zum Behuf der Vorbereitung eines neuen Grundsteuersystems angeordnet war, erfoderlichen trigonometrischen Arbeiten aus; die ihm bleibende Muße widmete er astronomischen Beobachtungen. Im I. >827 wurde er Oberinspector des mathematischen Salons und Vorsteher der neubegründeten technischen Bildungsanstalt in Dresden, welche ihm ihr Gedeihen wesentlich zu verdanken hat. Die bedeutendsten Früchte seiner astronomischen Studien sind „Das Planetensystem der Sonne" (Dresd. 1822, mit 3 Kpf.) und die treffliche, aber unvollendete Topographie der sichtbaren Mondoberfläche (Bd. >, Dresd. und Lpz. >824, mit 6 Kpf.). Seit >828 gab er „Meteorologische Beobachtungen" heraus; auch lieferte er viele schätzbare Beiträge zu den „Mittheilungen des statistischen Vereins für das Königreich Sachsen" (Lpz. > 832 fg., 4.). Er starb am 29. Febr. > 849. Loire, der größte Fluß in Frankreich, dessen Stromgebiet 2129 mM., und dessen Stromlänge mit den Krümmungen 139 M. beträgt, entspringt in den Cevennen auf dem Berge Eerbier le Joux in einer Höhe von 4319 F. im Departement der Ardeche, fließt die Hälfte feines Laufes von Süden nach Norden, wendet sich aber im Departement des Loiret nach Westen und setzt in dieser Richtung von da an seinen Lauf bis zu seiner Mündung ins Atlantische Meer fort. Die Loire nimmt auf ihrem Lauf 4 > Flüsse auf, unter denen Allier, Cher, Vienne und Sarthe die bedeutendsten sind, wird bei Roanne für Flußschiffe, bei Nantes für Seeschiffe schiffbar, läßt die Flut des Meeres bis auf eine halbe Meile oberhalb der letztem Stadt verspüren und durchströmt oder berührt zwölf Departements. Acht Departements sind entweder ganz oder zum Theil nach ihr benannt: >) das Departement Loire mit 434999 E. und der Hauptstadt Montbrison ; 2) Oberloire mit 297599 E. und der Hauptstadt Le-Puy°en-Velay; 3) Unterloire mit 486899 E. und der Hauptstadt Nant e s (s. d.); 4) Loire und Cher mit 249599 E. und der Hauptstadt Bloi s (s. d.); 5) Saöne und Loire mit 55 > 599 E. und der Hauptstadt M a- ;on (s. d.); 6) Maine und Loire mit488599 E. und der Hauptstadt Angers (s.d.); 7) Jndre und Loire mit 306409 E. und der Hauptstadt Tours (s. d.) und 8) Eure Loison Lokman 60 undLoire mit 286100 E. und der Hauptstadt Chartres (s. d.). Nach der Loiret, einem Nebenflüsse derLoire, hat das Departement Loir et, mit 318500 E. und der Hauptstadt Orleans (s. d.), den Namen. Loison (Olivier, Gras), franz. Generallieutenant, wurde zu Damvilliers geboren, wo sein Vater das Amt eines königlichen Procurators verwaltete. Beim Ausbruche der Revolution trat er in ein Freiwilligenbataillon und kämpfte >703 als Lieutenant in der Armee an den Ardennen. Große militairische Talente und eine an Verwegenheit grenzende Tapferkeit hoben ihn schnell von Stufe zu Stufe bis zum General. Jndeß machte man ihm Unmenschlichkeit zum Vorwurfe und beschuldigte ihn, daß er noch nach Anderm, als Kriegsruhm strebe. Nach Zerstörung einer reichen Abtei an der Grenze von Luxemburg wurde gegen ihn eine Untersuchung cingeleitet; allein einVvlksrepräsentant rettete ihn und verschaffte ihm seinen Grad zurück. Im Oct. 1705 befand er sich in Paris und vcrtheidigte am l3. Vendemiaire den Convent unter Bonaparte. Hierauf trat er als Präsident in das Kriegsgericht, welches die Empörer aburtheilen sollte, wobei er sich sehr mild zeigte. Später befehligte er in der Schweiz unter Massena und erhielt im Sept. 1700 d-en Grad eines Divisionsgenerals. Nach dem i8. Brumairc wohnte er dem Feldzuge in Italien bei, zeichnete sich beim Übergange über die Adda und den Oglio aus, nahmArsinori und Crcma und erwarb sich die Zuneigung des ersten Consuls. Ebenso tapfer focht er im Feldzuge von 1805, besonders in der Schlacht von Austerlitz. Da er des rechten Arms beraubt war, ernannte ihn Napoleon zum Gouverneur des Schlosses von St.-Cloud. Doch mochte er dieser Ruhe nicht genießen; er übernahm >806 das Generalgouvernement von Münster und Osnabrück und ging 1808, nachdem er zum Grafen erhoben war, nach Spanien, wo er an der Spitze einer Division großen Muth und viel Geschicklichkeit bewies. Im Feldzuge von 1812 befehligte er eine aus Deutschen und Italienern gebildete Nescrvedivision zu Königsberg, mit welcher er den Trümmern des fliehenden Heers bis Wilna entgegenrücktc. Nachdem er auch sein Corps durch die Kälte verloren, verließ er die Armee und hielt sich zu Paris auf. Ludwig XVIII. gab ihm > 814 das Commando der fünften Militairdivision. Nach der Rückkehr des Kaisers wendete er sich diesem wieder zu und kämpfte in der Schlacht bei Waterloo. Nach der zweiten Restauration zog er sich auf seine Landgüter in der Nähe von Lüttick zurück, wo er 1816 nach langer Krankheit starb. Loki ist in der Asenlehre (s. d.) die Personification des Feuers in seiner verderblichen Richtung, in Erdbeben u. s. w. Zwar war L. nicht vom Asengeschlccht, doch von ur- alter.Zeit in Blutbrüderschaft mit Odin und unter die Äsen ausgenommen. Schön von Ansehen und ausgezeichnet durch Kenntniß und List, bringt er die Götter oft in Verlegenheiten, aus denen er sie aber auch wieder herauszieht. Er ist das eigentlich bewegende Element in der scandinav. Mythologie. Durch seine Tücke veranlaßt er Baldur's Tod, und wird dafür von den Göttern grausam gestraft. Zum Unterschiede vomUtgarda- Loki, einem König der Niesen, dessen Reich am äußersten Rande des Erdkreises liegt, wird er Asa-Loki genannt; doch fließenBeider Mythen zuweilen zusammen. Man kann ihn mit Prometheus vergleichen; gleich diesem Abkömmling eines ältern Göttergeschlechts, hatte er sich der neuen Dynastie angcschlossen, gleich ihm wird er von dieser verfolgt, an einen Felsen gefesselt, und gleich Prometheus sieht er im Geiste voraus, daß seinen grausamen Bedrückern einstiger Untergang bevorstehe. In später Erinnerung erhielt sich sein Name für den bösen Geiffüberhaupt, in Norwegen noch gegenwärtig Laake genannt. Lokmän, ein arab. Weiser, dessen Zeitalter sich nicht genau angeben läßt, der aber schon in den ältesten Sagen der Araber und im Koran erwähnt wird. Er ist berühmt wegen seiner großen Weisheit und seines langen Lebens. Übrigens macht ihn die Sage bald zum König von Jemen, bald zum frommen Propheten unter den Aditcn, bald zum nusge- stalteten abyssin. Sklaven. Seinen Namen führt eine kleine Sammlung arab. Fabeln, die sicher griech. Ürsprungs sind und, wahrscheinlich durch eine syr. Übersetzung vermittelt, gegen das Ende des Mittelalters bei den Arabern bekannt wurden. Sie sind sehr geistlos und dabei in einer vernachlässigten Sprache abgefaßt. Zur Übung der Anfänger im Arabischen wurden sie häufig gedruckt, obwol sie sich wegen ihrer schlechten Sprache dazu wenig eignen. Die erste Ausgabe besorgte Erpenius (Lend. 1615); unter den neuern Ausgaben erwähnen 64 Lokri Lombardei wir die von Bernstein in Michaelis' „Arab. Chrestomathie" (Gott. >817), von Freytag (Bonn 1823), Rödiger (Halle >830), Schier (Dresd. >831; 2. Aust., 1839) und Nask (Kopenh. 1831). Deutsche Übcrsehungcn lieferten Olearius im „PersianischenNosenhain" und Schallcr (1826). Vgl. Wüstenfeld, „I)iss. 6« 4,»cman»" (Eött. 1832). Lokri, eine einst bedeutende und durch ihren Gesetzgeber Zaleukus (s. d.) berühmte Stadt im Südostcn von Bruttium, einer Landschaft Untcritaliens, lag nördlich vom Vorgebirge Zephyrium, daher sie den Beinamen Epizephyrii erhielt, und wurde von den Epiknemidischen Lokrern aus Griechenland bevölkert. (S. Lokris.) Lokris, ein Theil des eigentlichen Hellas oder Mittelgriechenlands, zerfiel in zwei getrennte Landschaften, deren Bewohner, die Lokrer, wieder in drei Völkerstämme sich schieden. Die eine Landschaft, am Korinthischen Meerbusen, von Phocis, Doris und Atollen eingeschlossen, mit den Städten Amphissa und Naupaktos (s. d.), wurde von den Ozolern oder Ozolischen Lokrern, einem wilden und räuberischen Volke, die andere, am Euböischen Meere gelegen, mit der Hauptstadt Opus, von den Opuntiern oder Opuntischen Lokrern bewohnt, und nördlich von diesen bis zu den Thermopylen saßen die Epiknemidier oder Epiknemidischen Lokrer, so genannt von dem Gebirge Knemis, an dessen Fuße die Stadt Knemides lag. (S. Lokri.) Lollharden oder Lollarden war der Name eines mönchsartigen, freier» Vereins, der den Kranken und Tobten seine Dienste widmete. Er bildete sich um 1300 zuerst in Antwerpen, wo einige fromme Leute zur Leichenbestattung sich verbanden, die wegen ihres mäßigen Lebens und ihres dürftigen Ansehens Mate man s, nach ihrem Schutzheiligen Alex! usbrü der, oder, weil sie in Zellen wohnten, Zelliten (trstre« collita«) und von dem niederdeutschen Worte Lollen oder Lullen, d. i. leise singen, Lollharden genannt wurden, weil sie bei Leichenbegängnissen einen traurigen, dumpfen Gesang hören ließen, und überhaupt bei einsamen Andachtsübungen viel sangen. Sie verbreiteten sich in den Niederlanden und in Deutschland, da sie bei den damals herrschenden Seuchen in allen Städten willkommen waren. Jndeß wurden sie bald von der Geistlichkeit und den Bcttel- mönchen, deren Einkünfte sie schmälerten, mit den ketzerischen Beg Harden (s. d.) in eine Classe geworfen und als solche verfolgt, bis ihnen Gregor Xl. im I. 1374 und >377 eine bedingte Duldung gewährte. Obgleich die Lollharden ursprünglich nur einenMänncrvcrein bildeten, so bildeten sich doch auch, wie namentlich in Köln, weibliche Genossenschaften, die gleichen Gesetzen folgten. Noch bis in das > 8. Jahrh. gab es in den Niederlanden und in Köln fromme Brüderschaften, die von den Lollharden abstammten, aber von der ursprünglichen Bestimmung derselben ganz abgewichen waren. Wie in den Niederlanden und in Deutschland die Namen Lollharden und Beghardcn durch die Anhänger des Kircbenkhums zu Spott- und Keßernamen gestempelt worden waren, mit welchen man verschiedene Parteien, mildthätige Fromme und frömmelnde Heuchler, gemeinnützige Männer, wie die von Gerhard Groote aus Deventer gestifteten Kleriker des gemeinschaftlichen Lebens, und müßige Bettler belegte, so wurde auch in England den Jüngern Wiclisfe's (s. d.), weil sie gegen die Päpste und die Geistlichkeit auftraten, der gebrandmarkte Name Lollharden (I.oII»r«js) gegeben. (S. auch Brüderschaften.) Lombard, s. Leihhaus. Lombardei hieß derjenige Theil Oberitaliens, der im I. 568 von den Langobarden erobert und bis zum Untergange ihrer Herrschaft in Italien 7?4 besessen wurde. In den frühesten Zeiten bewohnten dieses Land die alten Gallier, die zur Zeit des Tarquinius Pris- cus sich hier festsctzten, dann eroberten es die Römer, die cs unter dem Namen 6allia (7is- slpina bis zur Auflösung des weström. Kaiserreichs besaßen. Von ihnen kam es unter die Herrschaft erst des Odoaker 476—493, dann der Ostgothen 493—553, hernach der griech. Kaiser 553—568; ferner der Langobarden 568—774, die es zuletzt Karl dem Großen überlassen mußten. Seit 843 entstand ein besonderes Königreich Italien, aus welchem sich aber bald unabhängige Herzogthümcr und Markgrafschaften, wie Friaul, Mantua, Susa u. s. w., oder Republiken, wie Venedig, Genua und Mailand, bildeten. An Deutschland durch den Lehnsnexus gekettet, suchten sie im Mittelalter in heftigem Kampfe mit den röm. Kaisern, wiewol zum Theil vergebens, ihre Unabhängigkeit sich zu erringen. Unter sich un- Lombardisch-vcltetiarüsches Königreich 65 einig, zerstückelt, ein Spielball der östr.-span. und der franz. Politik, gewannen die meisten ihre Selbständigkeit niemals. Seit Ostreich die Herzogthümer Mailand und Mantua erworben, nannte man diese Provinzen die östr. Lombardei. Dieser Name verschwand, nachdcmNapoleon aus diesen und andern Ländern 1797 dieCisalpinische, dann die Italienische Republik, endlich 1895 das Königreich Italien, dessen Beherrscher er selbst war, ge- bildet hatte. Als durch den pariser Frieden von 1814 Ostreich zum Besitze eines großen Theils des zum Königreich Italien geschlagenen Obcritaliens gelangte, gab cs seinem An- theil an Italien den Namen des Lombardisch-venetianis chcn Königreichs (s.d.). Lombardisch-venetianisches Königreich. Dasselbe begreift das Gebiet der vormaligen Republik Venedig in Italien, mit Ausnahme Istriens und des Cantons Civida, welche zu dem neuen Königreich Jllyrien gehören; ferner die Herzogthümer Mailand östr. Ancheils und Mantua, geringe Antheile von Parma, Piacenza und dem päpstlichen Gebiet und die sonst zur Schwei; gehörigen Landschaften Veltlin, Worms und Clävcn. Es wird von der Schweiz, Deutschland, dem Adriatischen Meere, dem Kirchenstaate, Modena, Parma und den sardin. Staaten begrenzt und hat einen Flächeninhalt von 825 OM. mit 4,719999 E., meist Italienern, zu denen noch 66999 Deutsche, 6999 Juden und einige Griechen kommen. Die Hauptflüsse sind der Po mit seinen vielen von den Alpen herab- strömenden Nebenflüssen, dem Ticino (Tessino), der Olona, der Adda, dem Oglio und dem Mincio, die Etsch (Adige) und die sämmtlich schiffbaren Küstcnflüffc Bachiglione, Brenta, Piave, Livenza und Tagliamento. Der Norden des Königreichs ist von Zweigen der Cen- tralaipen angefüllt, deren Spitzen der Monte della Grigna, der Splügen, Godcna und das Wormser Joch sind; außerdem erstrecken sich westlich von Padua die Euganeischen Berge, welche meist vulkanischen Ursprungs sind. Das übrige Land ist eine gegen 399 lüM- große Ebene, die von dem Fuße der Alpen bis an den Po, der südlichen Grenze des Königreichs, und vom Tessin oder Ticino, der westlichen Grenze der Lombardei gegen das Königreich Sardinien, bis an den südwestlichen Fuß der Julischen Alpen reicht und durch die Höhen- gruppcn der Berischen und Euganeischen Berge in eine große West- und eine kleine Ostab- thcilung getrennt wird. Das Klima ist kälter in den nördlichen, an die Alpen stoßenden Gegenden, in den übrigen mild, warm und gesund, doch nicht frei von empfindlicher Kälte und von Frösten. Nach Productenrcichthum und Bodencultur gehört das Land zu den vorzüglichsten Ländern Ostreichs. An Mineralien liefert es reichlich Kupfer, Blei, Eisen, Steinkohlen und Sccsalz, außerdem Marmor, Alabaster und Edelsteine. Unter seinen mineralischen Bädern steht namentlich das von Abbano in großem Rufe. Der Garten-und Feldbau bringt in großer Menge Getreide, besonders Mais, Hülscnfrüchte und Reis, der zum Theil nach Deutschland ausgeführt wird, alle Arten Gemüse und Obst, Südfrüchte, namentlich Kastanien, Mandeln, Feigen, Pomeranzen, Citronen und vorzüglich Oliven, aus denen jährlich über 112999 Ctr. Öl gewonnen wird. Das Thicrrcich liefert Esel, Maulthierc, feinwollige Schafe, namentlich im Venctianischcn, Schweine, Rindvieh mit bcdcutenderMilchwirthschaft und daraufgegrünbetcrBercitung dcsParmesankäscs(jährlich 24 Mill. Pf. Käse), als deren Mittelpunkt Lodi gilt; ferner eine Menge Arten Federvieh, Meer - und Flußfische, Bienen und Seidenwürmer. Was die Gewerbsthätigkeit des Volks betrifft, so sind besonders der Seidenbau und die Seidenweberei sehr verbreitet. Die Seidenernte ergibt in guten Jahren einen Ertrag von ungefähr 4 Mill. Pf. Rohseide, wovon auf den District Mantua allein I^Mill. kommt. Die der Qualität nach beste Seide liefern Bergamo und Mailand; hier sind die größten Seidenhändler, aber auch Brescia, Verona, Vicenza und Udine treiben starken Seidcnhandel. Außerdem werden am Gardasee Leingarn und Schafwolle gesponnen, in und um Maga Baumwollcnstoffe, feines Tuch vorzüglich zu Como, Seiden - und Halbseidenzeuge aller Art, schöne Mcubles aus Eben-, Nußbaum-, Kastanien- und Cypressenholz in der ganzen Lombardei, Spitzen - und Segcl- leinwand zu Venedig, Tischteppiche und Tapeten in und um Brescia, Porcellan zu Vicenza und Marostica, Nußöl und Seife zu Venedig und Verona, Ölseife zu Triest verfertigt. Die Stahl- und Eisenfabriken habenihren Sitz namentlich in Brescia, Gold- und Silber- arbeiten zu Venedig und Mailand; Cremona ist wegen der trefflichen Geigen, Lauten und Conv.-Lex. Neunte Ausl. IX. 5 66 Lornbardus Lome'nie de Brienue Flöten, die hier gearbeitet werden, berühmt; auch verfertigt man gutes Papier, künstliche Blumen, Pomade, Consituren, candirteFrüchte, Nudeln, Essenzen und Würste. DerHan- del vertreibt theils die Landesproducte, theils ist er Speditionshandel und wird durch gute Straßen, Dampfschiffe, die mailand-venetian. Eisenbahn und durch die Häfen zu Venedig, Triest, Rovigno und Chioggia wesentlich gefördert. Das Volksschulwcsen ist durch die östr. Negierung vielfach verbessert; Universitäten sind zu Padua und Pavia, Navigationsschulen zu Venedig und Triest, Akademien der schönen Künste zu Mailand und zu Venedig, ein ital. Institut der Wissenschaften und Künste zu Mailand, die Malerschule der ^ces«iemia Carrara zu Bergamo, das Athenäum zu Venedig. Das gesammteSchulen - und Studien- wesen für die ital. Länder steht unter der Central-Organisirungs-Hofcommission, die ihren Sitz zu Wien hat. Das lomb.-venet. Königreich, obscho» mit dem östr. Staate verbunden, hat seine besondere Verfassung. Es wird durch einen Vicekönig regiert, gegenwärtig Erzherzog Rainer, gcb. am 3V. Sept. >783, der zu Mailand seinen Sitz hat, und zerfällt in die Gubernialbezirke Mailand oder die eigentliche Lombardei, 395 IHM. mit 2,570000 E., und Venedig -130 UM. mit 2,110000 E.; jenes umfaßt die Delegationen oder Provinzen Mailand, Pavia, Lodi, Cremona, Como, Mantua, Brescia, Bergamo und Valtellin oder Tondrio; dieses Venedig, Padua, Polesina, Verona, Vicenza, Treviso, Belluno und Udine. Die Hauptstadt des Königreichs ist Mailand (s. d.). In jedem Gubernium ist die Verwaltung, unter der Abhängigkeit von den höchsten Behörden zu Wien, einem Gouverneur und einem Gubernialcollegium anvcrtraut. Unter ihnen stehen dic Kreisämtcr oder Delegationen. Den landesherrlichen Verwaltungsbehörden sind stehende Collegien aus Mitgliedern der verschiedenen Elasten der Nation zur Seite gesetzt. In Bezug auf die Justizangelegenheiten ist die franz. Gerichtsverfassung beibehalten; der höchste Gerichtshof ist in Verona, unter ihm stehen die Appellationsgerichte zu Mailand und zu Venedig. Vgl. Hasse, „Geschichte der Lombardei" (4 Bdchn.,Dresd. >826-28); Burger, „Landwirthschaftliche Reise durch das lomb.-venet. Königreich" (Wien 1832); Morandini, „>I censinionts Ui- Isn«se" (3 Bde., Mail. >832) und die „6Itsito toz>c,--rsz,l>!giie > 59 Bischof zu Paris, wo er I >61 starb. In dcM' Werke „Sententisrum likri IV", welches unzählige Male commentirt wurde und bis auf die Reformation ein fast klassisches Ansehen unter den Theologen hatte, stellte er die Aussprüche der Kirchenväter, besonders des Augustinus, über Dogmen unter gewissen Titeln zusammen, unter Hinzufügung der Einwendungen gegen dieselben und der Widerlegungen dieser Einwendungen durch kirchliche Autoritäten, jedoch ohne sich dabei ein Urtheil zu erlauben. Diese dogmatische Methode, welcher die Schule der Sentcntiarier folgte, konnte nicht verhindern, daß L. später in einzelnen ausgenommenen Sätzen der Kirche missiel. Er stellte unter Anderm die Theorie von den sieben Sacramentcn auf und erhielt von seinem Hauptwerke den Namen „Illagister sentenlisr»u>". Seine Schriften gab Aleaume (Löw. 1516, Fol.) heraus. 6omenie de Brienne (Etienne Charl. de), Cardinal und franz. Minister, stammte aus dem nicht unberühmten Grafengeschlechte Brienne und wurde >727 zu Paris geboren. Nachdem er seinem Bruder das Erstgeburtsrecht abgetreten, widmete er sich dem geistlichen Stande und erwarb sich eine hohe wissenschaftliche Bildung. Obschon er der Aufklärungsphilosophie anhing, wurde er doch >760 Bischof zu Condom und >763 Erzbischof zu Toulouse. Als solcher schien er sich mehr mit dem irdischen, als dem himmlischen Wohlergehen seiner Untergebenen zu beschäftigen. Er baute den Kanal, der den Kanal Caraman bei Toulouse mit der Garonne verbindet, gründete Hospitäler, Arbeitsanstalten, Schulen und Klöster, deren Bewohner ein freies und nützliches Leben führten. In den Versammlungen des Klerus war er bemüht, den Eifer seiner College« eher zu hemmen, als anzutreiben. Im I. >766 ernannte ihn der Hof zum Mitglied der Commission, die mit der Reform der religiösen Orden beauftragt war. In dieser Eigenschaft hob er viele Klöster und ganze Orden auf und zeigte sich überhaupt dem Mönchswesen so abgeneigt, daß Klerus und Parlamente Lommatzsch Lomonosow 67 deshalb Klagen gegen ihn erhoben. Dabei bewährte er ein tüchtiges Vcrwaltungstalcnt. In der Versammlung der Notablen vom I. 1787 beklagte er sich heftig über die Verschleuderungen Calonne's (s. d.). Daher ernannte ihn der König bei der Verabschiedung dieses Ministers, obschon zögernd, an dessen Stelle zumEcneralcontroleur der Finanzen. L. zeigte indeß sehr bald, daß er für dieses schwierige Amt weder die nöthigen Kenntnisse noch Charakterfestigkeit, noch Gesundheit genug besaß. Er compromittirte die Krone nach allen Seiten und vermehrte durch Willkür und Leichtsinn die Unzufriedenheit und Gahrung der Gemü- ther. Auf seine Veranlassung übcrwarf sich der König mit den Parlamenten und errichtete an deren Stelle die co„r pleniere. Wahrend dieser Wirren ließ sichL. 1788 noch zum Premierminister und zugleich zum Erzbischof von Sens ernennen. Seine unkluge Verwaltung unterlag endlich dem Hasse des Volks, wie des Adels und der Geistlichkeit. Einige Tage nach dem Erlasse, zufolge dessen der Schatz keine Baarzahlungen mehr machen sollte, mußte er am 24. Aug. >788 das Ministerium an Necker (s. d.) überlassen. Der König entschä- digte ihn durch Verleihung mehrer Abteien und wirkte ihm bei Pius VI. den Cardinalshnt aus. L. lebte nun zu Nizza und kehrte erst 179» nach Paris zurück, um seine Schulden zu ordnen, die trotz seiner Einkünfte sehr groß waren. Bei dieser Gelegenheit leistete er den Eid als constitutioneller Priester, nahm aber keinen höher» Rang an, als de» eines Bischofs im Departement Uonne. Die Streitigkeiten, in die er sich durch diesen Schritt mit dem päpstlichenStuhl verwickelte, veranlaßten ihn 1791, denCardinalshut zurückzuschicken. Der Papst entsetzte ihn hierauf auch seiner übrigen Würden und strafte ihn durch eine harte Allocution. Dessenungeachtet entging L. nicht den Verfolgungen der Revolutionsmänner und wurde 1793 zu Sens verhaftet, indeß doch wieder freigelassen. Nachdem er am IS. Febr. 179-1 nochmals eingezogen worden, fand man ihn am folgenden Morgen todt im Gefängnisse. Man glaubte, er habe selbst Hand an sich gelegt; doch, wie^sich später ergab, hatten die ihn bewachenden Soldaten ihn während der Nacht gemishandelt und eine Menge Speisen und Getränke zu verschlingen genöthigt, sodaß er wahrscheinlich an einer Indigestion starb. — AthanascLouisMariedeL., GrafvonBriennc, franz. Gcnerallieute- nant, geb. 173», wurde zur Zeit, als sein älterer Bruder die Finanzen übernahm, Kriegsminister und trat mit demselben zugleich wieder zurück. Er starb 1794 unter der Guillotine. Lommatzsch, eine kleine Stadt im Königreich Sachsen, in der Nähe von Meißen, an der Jahne, mit 210» E-, ist eine der ältesten Städte Sachsens, die schon zur Zeit der Eroberung dieser slaw. Gegend durch König Heinrich l. erwähnt wird. Von ihr hat die Lommatzscher Pflege den Namen, die etwa 1» IHM. umfassend, wie sie schon in der frühesten Zeit wegen ihrer Fruchtbarkeit gepriesen wird, im Mittelalter des Landes Meißen große Korntenne genannt und noch gegenwärtig den fruchtbarsten Strich Sachsens bildet, dessen Bewohner auch deshalb eines hohen Wohlstandes sich zu erfreuen haben. Lomonösow (Michael Wasiljewitsch), der Schöpfer der neuern Dichtersprache Rußlands und der Vater der neuern russ. Literatur, geb. 1711 in dem Dorfe Denissowskaja bei Cholmogory im Gouvernement Archangel, war der Sohn eines Kranbauern und mußte als Knabe seinem Vater beim Fischfang helfen. In der Winterzeit, wo es keine Arbeit gab, lernte er bei einem Kirchendiener lesen. Simeon's Übersetzung der Psalmen und die Bibel überhaupt erweckten in ihm zuerst den poetischen Geist und die Liebe zu den Wissenschaften. Als er hörte, in Moskau könne man Griechisch, Lateinisch,Deutsch und Französisch lernen, verließ er mit einem Fischwagen heimlich das väterliche Haus und ging in die Hauptstadt. Hier erwarb er sich durch seinen Fleiß und die Fortschritte, die er machte, Gönner, mit deren Unterstützung er zuerst Kiew und 1734 die Akademie der schönen Wissenschaften zu Petersburg besuchen konnte. Zwei Jahre später ging er nach Deutschland, wo er in Marburg Mathematik und zu Freiberg den Bergbau studirte. Zugleich machte er sich mit den deutschen Dichtern vertraut. Durch eine Ode lenkte er zuerst die Aufmerksamkeit der Kaiserin Anna auf sich. Schulden halber flüchtig geworden, gerieth er in Braunschweig unterpreuß. Werber und mußte nun dienen. Indeß gelang es ihm doch, zu entfliehen und über Holland kehrte er 1741 nach Petersburg zurück, wo er Adjunct der Akademie und Director des mineralogischen Cabinets wurde. Im I. 1746 zum Professor der Chemie und >751 zum 68 London Collegienrath ernannt, erhielt er 17 52 auch ein Privilegium zur Errichtung einer Glasfabrik von bunten Glasperlen u. dcrgl. Hierauf übernahm er >760 die Leitung der Gymnasien und Universität, wurde 1764 Staatsrath und starb am 4. Apr. >765. Seine Leiche ließ die Kaiserin Katharina II. mit großer Pracht in der Klosterkirche des heil. Alexander- Newsky beisetzen. Man hat von ihm zwei Bande Oden und außerdem geistliche und weltliche Lieder, die „Petreide", ein Heldengedicht auf Peter 1. in zwei Gesängen, und Anderes in franz. klassischem Stil. Am wichtigsten wurde seine russ. Grammatik (deutsch, Lpz. 1764), in der er der russ. Sprache zuerst das Übergewicht über die Kirchensprache verschaffte. Auch schrieb er mehre Werke über Mineralogie, Metallurg!! und Chemie. Eine Gcsammtausgabe seiner Schriften veranstaltete die Akademie der Wissenschaften (6 Bdc.; 3. Ausl., Petersb. 1803, 4.); seine Biographie schrieb Tschitschagoff. Ein Denkmal wurde ihm 1825 in Archangel errichtet. London, die Hauptstadt des brit. Reichs, liegt an beiden Ufern der Themse, ungefähr 13 M. von deren Mündung in die Nordsee, inmitten einer auf der Nordseite etwas wellenförmigen Ebene. Der größere Theil der, Stadt, auf dem höhern Nordufcr der Themse, gehört zur Grafschaft Middlesex, das Übrige, auf dem niedrigem Südufer, zur Grafschaft Surrey. L. ist eine Stadt, die nach und nach durch die Vergrößerung ihres eigentlichen Kerns und durch die Einverleibung der umliegenden Ortschaften sich gebildet hat. Dies tritt vorzüglich in Hinsicht der Verwaltung und jurisdictionellen Eintheilung der Stadt hervor. Der Kern der Stadt, das eigentliche London und der älteste Theil desselben, ist die City (civil»?), am linken Ufer der Themse, die, mit vielen alten Privilegien ausgestattct,! durch den Gemeinderath, bestehend aus dem Lord Mayor, zwei Sheriffs, 26 Aldcrmcn und 268 Nathshcrren, verwaltet wird. Eine große Nolle im Gemcindeleben derselben spielen die 91 Innungen. Zwar hat die City keine Festungswerke mehr, doch erinnert an dieselben noch ein Thor ('Üemple Rar) auf der Straße nach Westminster, wo der König bei feierlichen Gelegenheiten unter gewissen Ceremonien Einlaß begehrt und empfangen wird. Kein Militair darf die City in Uniform betreten. Die City mit ihren engen, oft schmuzigen Straßen, in der die meisten Geschäftsleute wohnen, istderMittel- punkt des Handels und der Gewerbe der ganzen Stadt. Westminster, westlich von Templc Bar gelegen, mit schönen breiten Straßen, den königlichen Palästen und den Par- lamentshäuscrn, der Sitz der Staatsbehörden und der politischen und Beamtenwelt, hat eigene Gerichtsbarkeit und besondere Statuten, und wird von einem High Steward, einem High Baiiiff und 16 Burgeffes verwaltet. Es hat weniger Privilegien als die City und darf kein Bürgerrecht verleihen und keine Handelscompagnien errichten. Um die City und Westminster liegen wcstlick, nördlich und östlich weitere Stadttheilc, die durch die Einverleibung von einzelnen Ortschaften entstanden sind, deren Namen in den einzelnen Theilcn derselben noch fortbestehen. Sie zerfallen in drei Divisionen, welche besondere Obrigkeiten und eigene Kirchspiele haben. Diese drei Divisionen sind Holborn-Division mit St.-Gilcs in the Fields, Mary le bonc, Paddington und PancraS, westlich von Westmin- stcr liegend, deshalb gewöhnlich West-End genannt, der Sitz der eleganten Welt und der hohen Aristokratie; Flinsbury, nördlich von der City, mit Clerkenwcll, Finchley, Horn- sey, Islington und Stoke Newington, von Gewerbstreibenden bewohnt; und Tower Hamlets mit Bethnal Green, SpitalsicldS, Hackney, Limehouse, Shadwell, Shorcditch, Stepney, Stratford, Wapping, Whitechapel, östlich von der City gelegen und daher East- End genannt, von Hafenarbeitern, Schiffsleuten, Handwerkern u. s. w., und Spitalfields, insbesondere von Seidenwebern bewohnt, ein unfashionabler Stadttheil. Auf dem südlichen Themseufer liegen Southwark, unter der Jurisdiction der City stehend, und Lam- beth, ein Flecken, der mit Barnes, Battersea, Bcrmondsey, Camberwelh Clapham, Mortlake, Putney, Notherhithc, Torting und Wandsforth Southwark umschließt und mit denselben die Brixton-Division bildet. Southwark und Lambeth sind von der niedrigsten Bevölkerung bewohnt und bestehen zum Theil aus großen Gehöften und Fabriken. Außerdem werden auch noch im gemeinen Leben die Ortschaften Chelsea und Kensington !m Westen von L., die Docks im Osten und Deptford und Greenwich im Südosten mit zur Stadt gerechnet, die auf diese Weise etwa 1M. lang und eine Meile breit ist. Bei London 69 der Unbestimmtheit Dessen, was man bei der täglich immer mehr sich erweiternden und benachbarte Orte in ihren Bereich ziehenden Stadt zu derselben zu rechnen habe, schwanken die Angaben über die Häuser- und Einwohnerzahl; jene gibt man von 200 —230000, diese von 2 — 2 V-Mill. an. Die Häuser sind aus Ziegelsteinen gebaut, fast alle gleichen Aussehens, meist nicht sehr hoch und breit und nur in den bessern Stadttheilcn mit Stuck überzogen. Die Straßen, deren man 10—14000 zählt, sind gut gepflastert und an den Seiten mit Trottoirs versehen. Unter der Menge öffentlicher Gebäude erwähnen wir den Palast von St.-James, nördlich vom Park gleiches Namens gelegen und seit >695 die Residenz der Könige, von großem Umfange und im Innern durch den Reichthum seiner zahlreichen Gemächer ausgezeichnet, dabei aber doch unansehnlich, unregelmäßig und nur aus Ziegelsteinen gebaut; den prächtigen, aber geschmacklosen, mit vielen Kosten erst in der neuern Zeit aufgebauten Buckinghampalast im St.-JamcSpark, gegenwärtig die gewöhnliche Residenz der Königin bei ihrem Aufenthalt in der Stadt; Whitehall, ein weit- läufiges viereckiges Gebäude, die alte Residenz der Könige, in der Karl I. enthauptet wurde; den Tower (s. d.), hart an der Themse, vor 400 Jahren die Wohnung der Könige; die Westminsterhalle (s. d.), in deren Nähe das ungeheuer große, noch jetzt im Bau begriffene neue Parlamentsgebäude in goth. Stile auf einer Terrasse längs der Themse sich erhebt; ferner das Gebäude der Bank von England; das Haus der Ostindischen Compagnie, East-Jndia-Housc, mit dem Asiatischen Museum und einer reichen Bibliothek; die »ach dem Brande im Jan. 1898 im modernen Stile prächtig wieder aufgebaute Börse, Royal Exchange, mit Lloyd's Kaffcehausss.d.); die Münze; das neue Posthaus; das Zollhaus, Custom-House, mit einer schönen Facade, längs der Themse hin, hart am Wasser; daprächtige Gebäude des Staatsschatzes, Treasury; Mansion-House, den Palast des Lord Mayor, und Guild-Hall, das Nathhaus von L., mit einem ungeheuer großen, zu öffentlichen Festen bestimmten Saale; Lambeth-Housc, den alterthümlichen Palast des Erzbischofs von Canterbury; und das große Somerset-House, mit verschiedenen Bureaus und Sitzungssälen gelehrter Gesellschaften. Auch unter der großen Zahl anderer öffentlicher oder halböffentlicher Gebäude für Unterricht, Erziehung und für Verpflegung Armer und Kranker, sowie zur Aufbewahrung von Verbrechern zeichnen sich viele durch ihren Umfang, sowie durch ihre Architektur aus. Unter den l 3 Bühnen, die L. zählt, sind anzuführen Oucen's Theater, 2409 Zuschauer fassend, wo die ital. Opern gegeben werden; Drury Laue, 3600 Zuschauer fassend, und Coventgarden, die beiden Hauptbühnen des engl. Schauspiels. Unter den etwa 500 Kirchen und Bethäusern von fast allen christlichen Confessionen und Sekten gibt es nur wenig architektonisch ausgezeichnete. Die bedeutendsten sind die Paulskirche, das größte protestantische Gotteshaus nach Wren's(s.d-) Entwürfen, mit einem Kostenaufwand von l,50000«» Pf. St. gebaut, 500 F. lang, 250 F. breit und im Kreuzpunkt von einer 340 F. hohen und l 45 F. im Durchmesser haltenden Kuppel überwölbt; die Westminstcrabtei (s. d.); die St.-Stephanskirche, das Meisterstück Wren's; die Kirchen von St.-Martin, St.-Johann dem Evangelisten, St.-Georg u. s. w. Eine Zierde sind der St.-James-, der Green-, der Hyde- und der Negentspark im westlichen Theile von L., welche ebenso nützliche als schöne Spaziergänge bilden, sowie die vielen sogenannten Squares, d. h. Gärten, auf freien Plätzen angelegt und mit einem Gitter umgeben, zu denen die Bewohner der umliegenden Häuser den Zutritt haben, zum Theil geziert mit Statuen berühmter Männer. Für den schönsten wird Grosvenor-Square gehalten, mit der Neitcrstatue Georg's II. Unter den mehr als 100 öffentlichen Plätzen sind zu erwähnen der kleine Platz mit der 202 F. hohen Säule, bekannt unter dem Namen des Monuments von L., und bestimmt, das Andenken an die große Feuersbrunst von 1666 zu erhalten; der Smithfieldplatz, der große Viehmarkt von L., auf dem jährlich gegen IMill. Hammel und Lämmer, 200000 Ochsen und Kälber, über 200000 Schweine und 60000 Ferkel verkauft werden und der demzufolge gewiß der größte Viehmarkt auf der Erde ist; ferner die Märkte von Leadenhall, Newgate, Billingsgate und Coventgarden, der von Granit erbaut ist, sowie der Kohlenmarkt, auf dem jährlich über 50 Mill. Bushel Kohlen zum Verkauf kommen. Sechs prächtige Brücken verbinden die beiden durch die Themse getrennten Theile der Stadt, nämlich die Waterloobrücke, die schönste und größte, die West- 70 London minster-, die Black-Friars-, die neue London-, die Southwark- und die Vauxhallbrücke, von denen die letztem beiden aus Eisen gebaut sind, die drittletzte aber, erst seit einigen Jahren vollendet, sich durch ihre Schönheit und die große Entwickelung ihrer Bogen auszcich- net. Am Hafen , wo es wegen der Schiffahrt unmöglich war, eine Brücke über den Fluß zu schlagen, ist zur Verbindung der Tunnel (s. d.) angebracht. Nicht minder berühmt sind die großen, mit unermeßlichen Magazinen umgebenen Docks (s. d.). Außer den öffentlichen Gebäuden enthält L. auch eine an sich zwar ansehnliche, jedoch in Verhältnis der Größe der Stadt nicht bedeutend zu nennende Anzahl von Palästen und andern großen Gebäuden, welche Privatleuten angehören. Die nennenswerthestcn darunter sind Apslcy- house, der Palast des Herzogs von Wellington, dessen Erbauung 200000 Pf. St. geko- f stet; die Paläste der Herzoge von Northumberland, Marlborough, Bedford, deS Marquis von Stafford, der Lords Spencer und Grosvcnor. Zu diesen Privatgcbäuden gehören auch das nach dem Muster des röm. gebaute Pantheon, das jedoch nur zur Ausstellung von Kunstwerken, wie Panoramen u. s. w., benutzt wird, sowie die Vergnügungsorte Vaux- hall, Nanelagh und das Colosseum, letzteres ein durch seine Großartigkeit wie seinen Umfang merkwürdiges Etablissement im Negentspark. Ausgezeichnet sind die Anstalten für Straßenerleuchtung und Versorgung der Stadt mit Wasser. Elf Gascompagnien sorgen für die erstere und unterhalten mit einem Ungeheuern Apparate jede Nacht, es mag Mondschein sein oder nicht, gegen I00000 Gasflammen. Ebenso versorgen acht hydraulische Compagnien mittels zwölf großer Dampfmaschinen und weitläufiger, durch alle Straßen L.s geführter Wasserleitungen alle Häuser der Stadt bis in die höchsten Stockwerke mit Wasser, dessen sie täglich über fünf Millionen Cubikfuß vcrtheilen. Von den zahlreichen wissenschaftlichen und literarischen Anstalten, die zum Thcil als die ersten in ihrer Art anerkannt sind, erwähnen wir die London-Universität, die, von reichen e Privaten nach einem umfassenden Plan gegründet und 1828 eröffnet, die theologischen Studien, um die mit den hochkirchlichen Universitäten zu Oxford und Cambridge verknüpften Übelstände zu vermeiden, aus dem Kreise der Vorlesungen ganz ausschlicßt, damit Jedermann, ohne Ansehen des Glaubensbekenntnisses, sie benutzen kann; das Kings-College, eine von der Gegenpartei gegründete Universität, die, ganz im strengsten System des Angli- canismuS, nur Studenten, die sich zu demselben bekennen, aufnimmt und hauptsächlich die anglikanische Theologie lehrt; das Sion-College, eine Schule für den anglikanischen Klerus; und das Gresham-College, in dem anglikanische Theologie, Jurisprudenz, Physik und andere Wissenschaften gelehrt werden. Unter den Gymnasien und lat. Schulen sind die Charterhous-, Westminster-, Merchant Taylor's- und St.-Paul's-School die berühmtesten. Eine Menge Specialschulen sorgen für die verschiedenen Fachwissenschaften. So die Schulen von Inner- und Middle-Temple, Lincoln's Inn, Gray Inn und Sergeants Inn für das Nechtsstudium; die mit den angesehensten Hospitälern verbundenen und verschiedene andere Lehranstalten für das Studium der Medicin; eine Menge von wissenschaftlichen Gesellschaften gegründete Anstalten und Vorlesungen, namentlich die London Institution, die Royal Institution of Great-Britain, die Mechanic's Institution für Natur- und technische Wissenschaften; endlich die königlichen Anstalten von Chelsea, Greenwich und Sandhurst für die Militairwissenschaften. Der Privatschulanstalten wie der öffentlichen Elementarschulen gibt es ebenfalls eine ungeheure Anzahl, obgleich die letzter» für die Masse der untern Stände nicht hinlänglich sind; die berühmteste unter ihnen ist die Christ's Hospital School, in der 60V Knaben unterhalten, gekleidet und mit den zum Handwerker. s stände nöthigen Kenntnissen ausgerüstet werden. In Bezug auf die Anzahl gelehrter Gesellschaften übertrifft L. alle Städte der Erde. Wir bemerken als die wichtigsten die Königliche Gesellschaft, die sich hauptsächlich mit den exakten Wissenschaften beschäftigt und eine der ältesten und bedeutendsten Anstalten dieser Art in Europa ist; die königliche Malerakademie; die Linneische Gesellschaft, mit dem reichsten Herbarium und einer Bibliothek, die die- seltensten Werke zählt; die schon erwähnte Royal Institution of Great-Britain, >790 gegründet zu dem Zwecke, die Resultate der exakten Wissenschaften ins praktische Leben über- > zutragen, mit prächtigem chemischen Laboratorium, physikalischem Cabinet und Modell- sammlung; die Zoologische Gesellschaft, welche in schönen Gärten eine reiche Menagerie London 71 dcn. Publicum gegen Eintrittsgeld zur Beschauung bietet; die Gesellschaft zur Hebung der Künste, Manufacturcn und des Handels, die über 5000 Mitglieder zählt, schöne Sammlungen von Modellen und physikalischen Instrumenten besitzt und jährlich Preise vertheilt; die Gesellschaft für Entdeckungen im innern Afrika, die durch AuSscndung von Reisenden viel für die Aufhellung der Kenntnisse von diesem Erdtheil geihan hat; die Geographische Gesellschaft; die Biblische Gesellschaft, welche die Bibel in mehr als 130 Sprachen hat übersetzen lassen; die Gartenbaugesellschaft, die einen schönen Garten zu Versuchen besitzt, eine über die ganze Erde verbreitete Corrcspondenz unterhält und viele exotische Gewächse in England schon eingcführt hat; die schon erwähnte London Institution mit einer schönen Bibliothek; die Geologische Gesellschaft, mit einer ausgesuchten Bibliothek und einer prächtigen Mineraliensammlung; die berühmte Königliche astronomische Gesellschaft; die Asia- rische Gesellschaft (s. d.), welche durch Herausgabe einer Zeitschrift die Kunde Asiens fördert; die Gesellschaft zur Verbreitung nützlicher Kenntnisse, welche, unter dem Vorsitze Lord Brougham's, hauptsächlich durch Vcrtheilung nützlicher Schriften zu wirken sucht; und das Athenäum, ein Verein der ausgezeichnetsten Gelehrten Englands, der mehr als 1000 Mitglieder zählt, eine ausgezeichnete Bibliothek und ein prächtiges Local besitzt, und durch die Art des in ihm herrschenden Lebens mehr einem Club gleicht. Nicht minder zahlreich und ausgezeichnet sind die wissenschaftlichen Sammlungen, die man in L. findet; dahin gehören vor Allem das Britische Museum, eine meist durch Vermächtnisse entstandene Anstalt, einzig in ihrer Art, welche die verschiedenartigsten, ausgezeichneten und reichen Sammlungen von Büchern, Handschriften, Gemälden, Kupferstichen, Medaillen, ägypt., griech. und röm. Bildwerken, ethnologischen und naturhistorischen Gegenständen vereinigt, und die Nationalgalerie. Außerdem besitzt L. eine große Anzahl von wissenschaftlichen und Kunstsammlungen, die sich meist in Privathänden befinden. An milden Stiftungen hat die Stadt gegen 2000, mit einem jährlichen Einkommen von einer Mill. Pf. St., durch welche über l oOOOO Personen jährlich unterstützt werden. Es gibt außer den Marine- und Militairhospitälcrn 22 Hospitäler für Kranke und Gebrechliche, 107 Almosenhäuser für Arme und Dürftige, 18 Häuser zur Unterstützung für Bedürftige aller Art, 30 Häuser, wo Arzneien unentgeltlich vertheilt werden, überhaupt 2l6 Hospitäler. Die berühmtesten davon sind das Bartholomäus-, Thomas-, Guy-, Chelsea- (für invalide Soldaten), Greenwich- (für alte Seeleute), Bedlam- (für Geisteskranke) und Findlingshospital. Von den frommen Gesellschaften sind zu erwähnen die Gesellschaft zur Fortpflanzung der christlichen Religion (gestiftet 1705), welche Missionen in allen Theilen der Erde hat, und die große Bibelgesellschaft (s. d.). Der Eewerbfleiß L.s erstreckt sich auf die Verfertigung fast aller Arten von Waaren, vorzüglich aber aufSeiden-, Baumwollen-, Leder- und Luxuswaarcn und rafsinirten Zucker; am bedeutendsten sind die Bierbrauereien, deren es lOO größere gibt, von denen mehre jährlich über f/r Mill. Faß Bier brauen. Zn Bezug auf Handel und Schiffahrt nimmt die Stadt den ersten Rang aus der Erde ein. Man berechnet die jährliche Ausfuhr auf 60 Mill. Pf. St., und die Einfuhr fast eben so hoch, und das Capital der londoner Kaufleute auf 260 Mill. Pf. St. Jährlich laufen im Hafen von L. auf 10000 große Seeschiffe mit zwei Mill. Tonnen Gehalt, sowie über 6000 Küstenfahrzeuge ein. Die Zahl der Boote und Fähren zum Ein- und Ausladen, Uberfahren u. s. w. beläuft sich auf 10000. Den Hafen von London (Pool) bildet die Themse von der Lendonbrücke an bis eine Meile unterhalb des östlichen Punktes von L., die hier immer gedrängt voll Schiffe liegt. Dazu befördern eine Menge Dampfschiff- fahrts- und Eisenbahnlinien, deren Zahl mit jedem Jahre zunimmt, den Verkehr nach allen Seiten hin. Wichtiger noch sind die zur innern Förderung des Handels bestimmten Anstalten, die Bank von England, die Börse, die Stockbörse, Lloyds, die Kornbörse, die Ver- kaufshalle, eine Menge Privatbanken (gegen 80), Assccuranzen (16—18) und Handelsgesellschaften, an deren Spitze die Ostindische Compagnie steht. Der Buchhandel wird »on beinahe 000 Buchhandlungen und die Buchdruckerei von 300 Officinen betrieben. L- ist der Sitz der höchsten Staatsbehörden des brit. Reichs und der höchsten Gerichtshöfe desselben. Für die innere Sicherheit der Stadt sorgen die seit >829 organisirte treffliche Policei, die reitende Policci und die Nachtwächter. Die Garnison ist im Verhältnis zur 72 Londoner Conferenz Größe der Stadt höchst unbedeutend. Für Übclthätcr gibt es eine Menge Gefängnisse, von denen Newgate für Criminalverbrccher und Kingsbcnch (s. d.) für Schuldgefangene die berühmtesten sind. Was den geselligen Verkehr betrifft, so sind die Anstalten großer Städte an Gasthäusern, Kaffeehäusern, Vergnügungsorten aller Art und dergl. im Überfluß und von der niedrigsten Art bis zur höchsten Verfeinerung vorhanden; besonders sind jedoch als eine Eigcnthümlichkeit des engl, und insbesondere des londoner Lebens die Clubs (s. d.) zu nennen, welche den Einheimischen und noch mehr den Fremden für manchen Mangel im geselligen Leben der Engländer entschädigen müssen, und von denen die meisten schöne, ja prachtvolle, mit allen Erfindungen des Luxus versehene Localitäten innehabcn oder gar selbst besitzen. s L. kommt zur Zeit der Römer unter verschiedenen Namen (ss<»xll»»m, Imndinium, I-egio secunila ^Iignsti und^ngusta 'l'rinoii-mtiim) vor und war derThat nach eine röm. Kolonie. Konstantin der Große umgab es mit Mauern, und nach Einführung des Christenthums wurde es der Sitz eines Bischofs. Im I. 449 kam es in den Besitz der Sachsen, und zur Zeit der Heptarchie war es Sitz der Könige von Essex. Alfred der Große erhob es zur Hauptstadt seines Reichs und gab ihm große Freiheiten, die 1967 von Wilhelm dem Eroberer, der den Tower erbaute, bestätigt wurden. Durch König Johann erhielt die Stadt 1219 die Grundzüge ihrer gegenwärtigen Verfassung. Von dieser Zeit an folgte sie ganz der Entwickelung des engl. Reichs, mit dessen Schicksalen sie als Hauptstadt aufs engste verknüpft blieb. Besonders von der Reformation an war sie in unaufhörlichem Aufblühen begriffen; schon zu dem Heere gegen die span. Armada konnte sie ein Coutin- gent von 20909 M. und 38 Schiffen stellen. Obwol L. unter derKönigin Elisabeth fast einzig noch auf die jetzige City beschränkt und von Wcstminster durch einen weiten Raum getrennt war, und noch eine Menge Gärten in seinem Umkreis zählte, so glaubte die Kö- , nigin doch schon damals durch Verbote der Vergrößerung der Stadt, die sie beunruhigte, cntgegenwirken zu müssen. In den Bürgerkriegen unter Karl I. wurde sie auf Befehl des f Parlaments mit Festungswerken umgeben, von denen sich kaum noch eine Spur findet. ! Am 2. Sept. 1666 verlor sic zwar durch eine Feuersbrunst über l 3000 Häuser, allein die Zunahme des Handels und der steigende Wohlstand glichen bald diesen Schaden wieder aus und ließen sie schöner wieder entstehen. Nichts jedoch gleicht dem Wachsthum L.'s und der täglichen Steigerung seines Neichthums und seiner Herrlichkeiten wie seiner Armuth und seines Elends in der neuesten Zeit, sodaß nicht abzusehen ist, wo diese sich immer potcnzi- rende Steigerung enden wird. Vgl. Allen, „Üistoi)' ofI.." (4 Bde., Lond. l 829, 4.), Jä- gcr, „Neuestes Gemälde von L." (2 Bde., Hamb. 1839), Ncigebaur und Monarch, „L., ein Handbuch für Reisende" (Lpz. > 343). Londoner Conferenz nennt man die über Griechenland (s. d.) zu London seit 1826 geführten Ministerialconfcrcnzcn, vorzugsweise aber den Congreß, welcher auf Einladung des Königs der Niederlande am l. Nov. >830 in London zusammentrat, um über die politische Trennung Süd- und Nordniedcrlands zu unterhandeln. Die Confercnz bestand aus den Bevollmächtigten Ostreichs, Frankreichs, Großbritanniens, Preußens und Rußlands mit Hinzuziehung des niederländ. Gesandten. Gleich in ihrer ersten Sitzung faßte sie den Entschluß hinsichtlich der Einstellung der Feindseligkeiten zwischen Niederländer» und Belgiern, indem die beiderseitigen Heere sich hinter die Linie zurückziehen sollten, welche vor der Zeit des Tractats vom 30. Mai >814 die Besitzungen des souverainen Fürsten der Vereinigten Provinzen von den nach diesem Tractat und den >818 abgeschlosse» l. nsn Verträgen von Wien und Paris seinem Gebiete hinzugcfügten Provinzen trennte. In ihrem Defiuitivprotokoll vom 20.Jan. 1831 stellte sie sodann folgendeErundlagen dcrAb- l grenzung des belg. Gebiets von dem holländ. fest: l) Die Grenzen Hollands sollen das ganze Gebiet, alle Festungen, Städte und Orte umfassen, welche der vormaligen Republik der Vereinigten Staaten der Niederlande im I. 1790 angehörten; 2) Belgien wird von dem ; ganzen übrigen Theile des Gebiets gebildet, welches in dem Vertrage von 1818 die Benennung „Königreich der Niederlande" erhielt, mit Ausnahme des Grvßherzvgthums Luxem- ' bürg, welches cinewThcil des Deutschen Bundes ausmacht und fortwährend ausmachcn ststrd; 3) die Verfügungen der wiener Congreßacte in Beziehung auf die freie Schiffahrt ^ Londonderry (Charl. Will. Stewart) Longchamps 73 der Flüsse behalten ihre Anwendung auf die Flüsse, welche das Holland, und belg. Gebiet durchlaufen, 4) hinsichtlich dcrEnclavcn in den gegenseitigen Gebieten sollen durch die fünf Machte solche Austauschungen und Anordnungen zwischen den beiden Ländern bewirkt werden, die ihnen den gegenseitigen Vorkheil eines gänzlichen Zusammenhanges der Besitzung und eine freie Verbindung zwischen den in ihren Grenzen begriffenen Städten und Flüssen sichern; 5) Belgien soll einen immerwährenden neutralen Staat bilden, dagegen aber auch 6) sich in die innere und äußere Ruhe anderer Staaten keine Eingriffe erlauben. Der König der Niederlande nahm dieses, sowie ein Protokoll vom 27. Jan., welches die Finanz- und Handelsverhältnisse behandelte, an; allein Belgien protcstirtc gegen das ersterc. Die Confcrenz erklärte nun die in denselben festgestelltcn Anordnungen für fundamentale und unwiderrufliche. Doch die Hartnäckigkeit der herrschenden Partei in Belgien und die Verhältnisse im übrigen Europa veranlaßtcn dicConferenz in ihrem Protokoll vom 26.Juni zu >8 den Belgiern günstiger« Artikeln hinsichtlich der Abgrenzung. Diese wurden von der provisorischen Negierung in Belgien angenommen, von dem Könige der Niederlande aber verworfen. Der Prinz vonOranien drang mit einem Heere in Belgien ein, und erst in Folge der Demonstrationen Englands und Frankreichs wurden die Feindseligkeiten eingestellt; die Confcrenz aber Unterzeichnete ihr Schlußprotokoll am 14. Oct. in Form eines Vertrags, in welchem sie, um den europ. Frieden zu sichern, eine definitive Ausgleichung zwischen Belgien und Holland in 24 Artikeln vorschlug, die, nachdem sie von der belg. Kammer und dem Senat angenommen worden waren, auch der König Leopold Unterzeichnete, worauf dieser Vertragsentwurf als förmlicher Tractat zwischen dem Könige der Belgier einerseits und den fünf Mächten andererseits zu London am 15. Nov. 1831 unterzeichnet wurde. So schien die große Frage wenigstens in Ansehung Belgiens entschieden; allein von Seiten der Niederlande erhoben sich jetzt weit größere Schwierigkeiten. Der König machte der Conferen; das Recht streitig, einem unabhängigen, selbständigen Staat und einem Souverain Gesetze vorzuschrciben. Nun hatten zwar Belgien, England und Frankreich den Vertrag vom >5. Nov. >83l und einen zweiten in Betreff der zu schleifenden belg. Festungen schon am 31. Jan. 1832 zu London ratificirt; allein Ostreich, Preußen und Rußland hatten dies nur mit Vorbehalt der nothwendigen Modifikationen gethan. Diese Vorbehalte enthielten den Keim zu der später erfolgenden Trennung der Confcrenz und zu den einseitig von England und Frankreich ergriffenen Maßregeln. In ihrem Protokoll vom l 1. Juni 1832 erklärte die Confcrenz, in keine Unterhandlungen sich einlassen zu können, welche den Verpflichtungen vom 15. Nov. 1831 gegen Belgien zuwiderliefen, und in Folge wiederholter Anregung Belgiens auf Räumung des belg. Gebiets von holländ. Truppen, erkannte sie in ihrem Protokoll vom 19. Oct. > 832 die Nothwendigkeit, Zwangsmittel gegen Holland zu gebrauchen, an; doch Ostreich, Preußen und Rußland erklärten sich gegen alle Zwangsmittel, und somit war die Confcrenz in sich getrennt. An die Stelle der Constrenz- protokolle trat seit dem Oct. 1832 ein Notenwechsel, der die Sache nicht weiter brachte, bis das abermalige Einrücken des franz. Heers im Dec. 1832 und die Einnahme der Cita- delle von Antwerpen durch dasselbe, sowie die Blockade der Schelde und der holländ. Küste durch eine franz.-engl. Flotte den Knoten durchschnitt. Der londoner Vertrag vom 21. Mai 1833 machte diesen Zwangsmaßregeln ein Ende und setzte den bekannten Status qn» fest, derBelgien (s. d.) so nützlich war. Hierauf machte die Confcrenz nur schwache Versuche zur Fortsetzung der Unterhandlungen, die imAug. l 833 abgebrochen wurden und nun längere Zeit ruhten, bis am Ende, nachdem Holland 1838 zur Annahme der 24 Artikel sich bereit erklärte, das Confecen-zprotokoll vom 22. Jan. 1839 die Trennung und die übrigen damit verbundenen Fragen definitiv regulirte und nun zum Abschluß des Friedensvertrags führte, der am 4. Febr. 1839 von Seiten der Niederlande und am >9. Apr. von Seiten Belgiens unterzeichnet wurde. Londonderry (Charl. Will. Stewart, Marquis von), s. Baue Lvnd onderry. Londonderry (Henry Nob. Stewart, Marquis von), s. Castlereagh (Lord). Longchamps, ein Vergnügungsort für die vornehme pariser Welt, am rechten Ufer der Seine, bei dem Gehölz von Boulogne, westlich von Paris gelegen, war früher ein Nonnenkloster, welches Isabelle, die Schwester König Ludwig's IX., stiftete, die auch darin am 74 Longhi Longinns 22. Febr. 1 26!) ihr Leben beschloß. Das Kloster führte den Namen 831. Kein gleichzeitiger Künstler verstand in seinen Stichen das Fleisch mit solcher Lebendigkeit wiederzugeben wie er. Er war Mei- * ster in jeder Art des Stichs, ordnete aber seine technische Wissenschaft stets dem Kunstzwcck unter. In der freien Stichmanier, in welcher sich Radirung mit kalter Nadel verbindet, übertraf er selbst die frühem großen Meister; so in den Philosophen nach Nembrandt und in seinem Dandolo nach Mettrini. Seine nach Correggio gestochene Magdalena bringt mit fast unglaublicher Treue die Durchsichtigkeit und Zartheit der Tinten des bewunderten Originals durch den Grabstichel zur Anschauung. Ebenso vortrefflich sind seine nach Al- bani gestochene Galathea, wie sie in einer Muschel auf den Wellen schwimmt, seine Vision des Hesekiel nach Rafael und sein „Sposslirio", d. i. Rafael's Vermählung der heil. Jungfrau. Seine letzte Arbeit, das jüngste Gericht nach Michel Angela in zwei Blättern nach des röm. Malers Minardi Zeichnung, blieb unvollendet. Durch seine ,/1'eorio lleüa csIcoAi-stis" (Bd. I, Mail. 1830), die aber ebenfalls unvollendet blieb, machte er sich auch als Schriftsteller rühmlich bekannt. Unter seine Schüler gehören P. Anderloni, Garavag- lia, Felsing, Krüger, Grüner und Steinla. Longrnus (Dionysius Cassius), ein Platonischer Philosoph und berühmter Rhetor aus der Mitte des 3. Jahrh. n. Ehr., nach Einigen aus Emesa in Syrien, nach Andern aus Athen gebürtig, beschäftigte sich zu Alexandrien und Athen unter der Leitung der ausgezeichnetsten Gelehrten mit der griech. Literatur. In seinen spätem Jahren folgte er dem Rufe der Zenobia als Lehrer ihrer Kinder nach Palmyra, wurde zugleich in das Schicksal dieser aufrührerischen Königin mit verwickelt und auf Befehl des Kaisers Aurelianus - (s. d.) als Hochverräter 273 n. Ehr. enthauptet. Von seinen vielen Schriften ist nur noch die „Vom Erhabenen" vorhanden, worin er mit dem feinsten kritischen Gefühle das Wesen des Erhabenen in Gedanken und Schreibart durch Regeln und Beispiele trefflich erläutert. Nach der ersten Ausgabe durch Franc. Nobortelli (Bas. 1553, 4.) wurde sie von Morus (Lpz. 1760), von Toup mit Ruhnken's Anmerkungen (Oxf. 1778, 4.; zuletzt 1806), von Weiske (Lpz. 1809) und Egger (Par. 1837) am besten bearbeitet, von Schlosser ins Deutsche (Lpz. 1781), von Boile.au ins Französische übersetzt (Par. 1694 und oft.), in neuester Zeit aber ihre Echtheit in Zweifel gezogen, namentlich von Knvx in den „kemmks ou tde 5>ip,poLS Sachsen, anschloffen, zum Ziel ihrer Wanderung nach Italien führte, das er bis zur Tiber hin eroberte und dessen nördlicher Thcil noch von ihnen den Namen Lombardei (s. d.) trägt. Pavia, das sich 572 ergab, wurde der Sitz der longobard. Könige, unter denen Herzoge, Schultheißen und niedere Beamte, Dekane dem kriegerisch geordneten in Faren gethcilten Volke vorstanden. Nach Alboin dehnte Kleph (574 und 575) die Eroberung weiter südlich aus und nur die äußersten Südspitzcn des Landes und die Secküsten mit den Hauptstädten Ravenna, Neapel, Rom und Genua blieben den Byzantinern. Nach Kleph's Tode wurde zehn Jahre lang kein Heerkönig gewählt, übrigens blieb die alte Heerverfassung; die Herzoge, 36 an der Zahl, nahmen ihre Sitze in den Städten, deren röm. Verfassung ebenso wie der Decurionenstand verschwand; die röm. Grundeigenthümer, Posseffores, wurden meist ausgerottet, da die Longobardcn sich nicht wie die Gothen, Franken und andere Germanen mit einem Theile des Landes begnügten, sondern das Ganze in Anspruch nahmen, auf welchem sie die alten Colonen als schubhörige Meier gegen Zinsentrichtung sitzen ließen. Den röm. Unterthanen waren longobard. Obrigkeiten, Gastaldcn, vorgesetzt. Das Christenthum hatte schon vom Ende des 5. Jahrh. an in der Form des Arianismus Wurzel gefaßt; das Ansehen, dessen die bair. Prinzessin Theodelinde unter den Longobardcn genoß, welche Authari, Kleph's Sohn, von den Herzogen selbst 585 zum König erkoren, geheirathet hatte, verschaffte dem Katholicismus, dem sie selbst anhing und zu dessen Verbreitung Papst Gregor der Große sie anregtc, Eingang; durch sie wurde die Kirche zu Monza bei Mailand gebaut, in welcher man die eiserne Krone, mit der die longobard. Könige gekrönt wurden, ausbewahrte. Theodelinde überlebte den Authari, der 591 an Gift starb, und ihren zweiten Gemahl Agilulf; ihr Sohn Adelwald, für den sie anfangs, seit 615, die Vormundschaft geführt hatte, wurde wegen Begünstigung der Römer 625 entsetzt und vergiftet. Ihm folgte 625 Ariowald, der Gemahl ihrer Tochter Gundeberge, die nach seinem Tode 636 den Herzog von Brescia, Nothari, auf den Thron erhob, der die Westküste Oberitaliens eroberte, und im I. 644 zuerst die longobard. Volksrechte in lat. Sprache aufzeichnen ließ; er starb 652. Den Zwist, der nach seines Nachfolgers Aripert's I. Tode 663 unter dessen beiden Söhnen entstand, benutzte Grimoald, Herzog von Benevent, um sich selbst der Negierung zu bemächtigen, die er gegen Angriffe der Franken, Byzantiner und gegen Empörungen der Herzoge siegreich behauptete und bis 67 l führte. Der Arianismus schwand unter ihm ganz, und dicRoma- nisirung der Longobardcn vollendete sich überhaupt bald nach ihm unter Liutprand, der nach einer Zeit innerer Zerrüttung mit seinem Vater Ansprand im I. 712 Aripert kl., vor dem sie vorher zu den Baiern geflohen waren, die Herrschaft abgewann, die er mit gro- 76 LongolinS Longomontan ßer Kraft zusammenhielt. Nothari's Gesetzbuch wurde von ihm vervollständigt, das byzant. Gebiet beschrankt, sogar Ravenna selbst, der Sitz des Exarchats (s. d.), eingenommen. Unter ihm begannen aber auch die Streitigkeiten mit den röm. Bischöfen, die zuletzt das Ende des longobard. Reichs herbeiführten. Von Liutprand begünstigt hatte Gregor II. sich der byzant.^Oberhoheit völlig entledigt, aber er sowol als sein Nachfolger Gregor III. fürchteten das Übergewicht der longobard. Macht und reizten den Herzog von Spolcto u. A. zur Empörung. Als Liutprand deren Herr wurde, suchte Gregor vergeblich Hülfe bei Karl Martell; sein Nachfolger Zacharias machte Frieden. Nach Liutprand's Tode im I. 744 erhielt Rachis von Friaul den Thron, den er 749 mit dem Kloster vertauschte. Sein Bruder Aistulf, der Ravenna eroberte, verlangte Tribut von den Römern und Anerkennung s seiner Oberhoheit; da wendete sich Papst Stephan ll. 754 an Pipin (s.d.), den König der Franken, der in Italien eindrang, Aistulf in Pavia belagerte und zum Frieden zwang Aber Aistulf brach diesen, sobald Pipin Italien verlassen hatte und zog sogar vor Rom. Pipin, der zum Patricias von Nom und Schirmherrn der Kirche erklärt worden, war, kehrte zurück, trieb Aistulf in seine Hauptstadt und nöthigtc ihn zum Tribut und zur Überantwortung des Exarchats, das er dem Papst schenkte (sogenannte Pipinische Schenkung). Nach Aistulf's Tode wurde Desiderius, Herzog von Tuscien, König; er stand mit dem Papst Stephan I». in leidlichen Verhältnissen; als aber dessen Nachfolger, Hadrian l., 772 sich weigerte, ihm Entschädigungen für Hülfe, die er jenem geleistet hatte, zu zahlen, die longobard. Partei in Nom verfolgte und das Begehren des Desiderius, die Bruderssöhne Ka rl's desGroßen (s. d.), auf den er wegen Verstoßung seiner an Karl verheirathetcn Tochter erbittert war, zu krönen abschlug, rückte Desiderius vor Nom. Karl, zu Hülfe gerufen, drang 773 über den Montcenis und Mvntjoue in Italien ein und viele Longobarden gingen zu ihm über; Desiderius, der den angebotenen Frieden verworfen hatte, wurde in Pavia, sein Sohn Adelchis in Verona belagert; dieses ergab sich im Apr., Pavia im Mai 774. Desiderius und seine Gemahlin wurden nach Lüttich, dann nach Korvei ins Kloster ? geschickt, das Longobardenrcich wurde ein Theil des Reichs Karl's des Großen, der nach Pavia eine frank. Besatzung legte und von den Herzogen den Eid der Treue nahm, übrigens die alte Verfassung bestehen ließ. Erst im I. 776, als Rotgaut, Herzog von Friaul, aufgeregt durch den nach Konstantinopel geflohenen Adelchis, eine Empörung versuchte, die seinen Untergang zur Folge hatte, führte Karl sränk. Einrichtungen ein; die Herzogthü- mer, bis auf Benevent, das auch, nachdem dessen Herzog Arichis, des Desiderius Eidam, Karl's Oberhoheit 787 anerkannt hatte, fortbestand, wurden in Grafschaften zerschlagen, sränk. Besatzungen in viele Städte gelegt, Lehen an sränk. Ritter vertheilt, auch die Schöffengerichte, die Sendboten, die Pfalzgrafcnwürde und die Heerbannsvrdnung nach sränk. Weise eingeführt. Seinen Sohn Pipin ließ Karl 78 l zum König von Italien krönen. Longolms (Christoph), eigentlich L ongue il, einer der thätigstcn Beförderer der klassischen Literatur zu Anfang des I6.Jahrh., geb. 1488 zu Mecheln, wurde nach Vollendung seiner juristischen und philologischen Studien Parlamentsrath in Paris und bereiste mehre Länder, starb aber schon >522 zu Padua. In seinen Schriften, besonders in seinen „Briefen" und „Reden" (Flor. >524, 4. und Par. 1533), die auch in der Gesammt- ausgabe seiner Werke (Par. 1530) enthalten sind, zeigte er eine übertriebene Nachahmung der ciceronianischen Schreibart. Vgl. „Vita L>oi>AoIü" (Lond. 1 704, 4.). — Nicht zu verwechseln mit diesem ist Paul Dan. L., ein umWissenschaft und Schule verdienter Gelehrter des 18. Jahrh., geb. 1704 zu Kcffelsdorf in Sachsen, gest. 1779 als Rector des ^ Gymnasiums in Hof, der sich durch mehre Ausgaben alter Classtker, namentlich der „Lpistulus" des Plinius (Anrst. 1734, 4.) und des Eellius (Hof 1741), noch mehr aber durch seine „Sichere Nachrichten vonBrandcnburg-Kulmbach" (lO Bde., Hof 1751 —62) und ähnliche Werke, sowie durch die von J.H.M. Ernesii bekannt gemachte „KotitiuUer- miniOiirorum" (2 Vde., Nürnb. 1793) auch als Geschichtsforscher einen Namen erwarb. Longomontan (Christian Severin), ein bekannter Astronom, geb. 1562 in dem dän. Dorfe Lonborg, von welchem er auch den Namen erhielt, studirte in Wiburg und > Kopenhagen und begab sich dann zu Tycho de Brahe, bei welchem er acht Jahre in der Uranicnburg als dessen Gehülfe zubrachte. Auch begleitete er ihn nach Prag, verweilte Longuette Loos 77 aber hier nur kurze Zeit und kehrte dann in sein Vaterland zurück, um die Professur der höher» Mathematik in Kopenhagen zu übernehmen, wo er 1647 starb. Sein vorzüglichstes Werk ist die „^8ti-on->mia llanica" (Kopenh. 1622), in der er das ganze damals bekannte Gebiet der Wissenschaft zu umfassen suchte; doch ist dasselbe gleich seinen Planeten-und Mondstafeln vergessen. Obwol keineswegs ein Mann von gewöhnlichen Talenten, war er doch nicht im Stande, sich von den einmal hergebrachten Jrrthümern auch nur im Mindesten loszureißen; namentlich huldigte er der Astrologie und hielt z. B. die Kometen für Vorboten großer Unglücksfälle. Longuette, s. Compresse. LongueVille, s. Dunois und Longuevillc. Longus, ein griech. Sophist und Erotiker, vielleicht aus dem 4. oder 5. Jahrh. n. Ehr., ist der Verfasser eines Schäferromans „Poimenika" oder „ksstorslia", in vier Büchern, welcher in einer anziehenden Darstellung und für jene Zeit noch ziemlich guten Sprache die Liebe des Daphnis und der Chloe erzählt. Außer der ersten Ausgabe von Iunti (Flor. 1598,-1.), der von Villoison (2Bde., Par. >778), Schäfer (Lpz. >893) und Seiler (Lpz. >835) verdient die von Courier (Rom 1319; 2. Aust., von L. Sinncr, Par. >839) eine besondere Erwähnung, weil darin zuerst eine bedeutende Lücke des ersten Buchs aus einer florentincr Handschrift ergänzt wurde, nach deren Benutzung man die betreffende Stelle mit Tinte überschüttet fand, wodurch Courier (s. d.) in einen Streit verwickelt wurde. Einen verbesserten Abdruck dieses Stückes gab zuletzt Eichstädt unter dem Titel „8,ij>pIemontii>n^ni,Ai psstorslium" (Jena I8> I,Fol.). Deutsche Übersetzungen lieferten F.Daffow, mit griech. Texte (Lpz. 1811), und Fr. Jacobs (Stuttg. >833); eine franz. Courier (Flor. >8>9). Longwood, s. Saint-Helena. LooS (Dan. Friedr.), Medailleur, geb. zu Altenburg in Sachsen am >5.Jan. 1735, kam als hülflose Waise zu dem Hofgraveur Stieler in Altenburg, der sein Lehrer wurde, aus Besorgnis aber, sich von dem talentvollen Jünglinge übertroffen zu sehen, ihn absichtlich zurückhielt, sodaß L. endlich die Geduld verlor und 16 I. alt davon ging. Kaum bekleidet kam er nach Leipzig, wo derMünzstempclschneider Ludwig ihn in Arbeit nahm, absichtlich jedoch ihn verheimlichte. Allein sehr bald vcrriethen die neuen Stempel die kunstfertigere Hand des neuen Arbeiters, und die mit Ludwig unzufriedenen Behörden trugen L. dessen Stelle an, der sich aber weigerte, sie zu übernehmen, wenn Ludwig nicht beibehalten würde. Man gewährte seine Bitte; aber der Ausbruch des Siebenjährigen Kriegs machte den Arbeiten in der leipziger Münze überhaupt ein Ende. L. beschloß als Petschicrstecher zu reisen und den borühmtcn schweiz. Stempelschneider Het tlinger (s. d.) aufzusuchen. Auf eine falsche Nachricht von dessen Tode gab er aber die Reise nach der Schweiz auf und ging nach Göttingen, um nach England zu gelangen, wo er sein Glück zu finden hoffte. Eine Bande Falschmünzer, die ihn unter harten Androhungen in ihre Verbindung zu ziehen beabsichtigten, bewog ihn nach Helmstedt zu flüchten, wo er am Professor Häberlin einen Freund fand. In Folge eines Auftrags desselben kam er nach Magdeburg, wo er >756 die Münzgraveurstelle erhielt. Allein ungeachtet seiner Thätigkcit befand er sich bei dem wenigen Nebenerwerbe als Familienvater in einer sehr gedrückten Lage. Als die Magdeburger Münze aufgehoben wurde, kam er mit einem geringen Wartegelde nach Berlin. Später rückte er in die Stelle eines Medailleurs wieder ein; als Medailleur aber selbständig auf- zutrcten, wurde ihm verweigert. Da half ihm seine Kenntniß der Mechanik. Berliner Fabrikanten wünschten franz. Modebändcr nachzuahmen, und L. erfand eine Maschine, die alle franz. Arbeit durch Schärfe und Dauer der geschmackvollsten Muster übertraf. Bald verschaffte ihm diese Industrie die Fonds für das kräftigere Betreiben des Medaillen- geschäfts, sodaß er sich nunmehr ausschließlich in seiner Kunst bewegen konnte. Er wurde >787 Mitglied des Senats der Akademie der Künste und starb am l.Oct. 1819. Seine Arbeiten trugen wesentlich dazu bei, die Medailleurkunst zu höhcrm Ansehen unter den Deutschen zu bringen. — Sein Sohn, Gott fr. Bernh. L., geb. zu Berlin am 6.Aug. >771, seit 1896—>2 Münzmeister, gest. als Münzrath und Generalwardein in Berlin am 29. Juli 1813, begründete daselbst eine Medaillenmünzanstalt, die zahlreiche Medaillen 78 Sootse Lopez auf die denkwürdigsten Männer und Begebenheiten der Zeit noch fortwährend liefert, welche in Hinsicht ihres Kunstwerthcs mit den gcrühmtesten Kunstwerken des Auslandes nicht nur die Vergleichung aushalten, sondern sie zum Thcil übertreffen. Als Schriftsteller machte er sich bekannt durch die „Beiträge zur Kenntniß der im Handel vorkommenden Gold- und Silbermünzen" (Berl. 1821 ); die „Sammlung einzelner Aufsätze über Gegenstände des Münzwesens und der Münzkunde" (3 Hefte, Berl. 1822) und „Die Kunst, falsche Münzen zu erkennen" (Berl. 1828). Lootse, Lootsmann oder Pilote heißt in den Seestädten ein der Gegend und der Anfuhrt eines Hafens, einer Rhede oder Küste kundiger Steuermann, der die ankommenden und abgehenden Schiffe sicher ein- und auszubringen versteht, sodaß sie weder aus Sandbänke gerathen, noch an Klippen stoßen und Schaden nehmen. Das Lootscn ist sehr gefährlich und fodert Erfahrung und Kenntnisse, weshalb sich die Lootscn zuvorderst einer Prüfung unterwerfen müssen. Zu jeder Zeit stehen sie mit ihren Schaluppen bereit, um den Schiffen auf das gegebene Signal zu Hülfe eilen zu können. Sie haben dazu besondere Lootsen- und im Falle einer Strandung Rettung sboote, groß genug, um 20-30 Menschen zu fassen, und inwendig mit Kork ausgefüttert oder mit Luftkasten versehen, sodaß sie, auch mit Wasser angefüllt, noch eine bedeutende Last tragen können, ohne unterzugehen. Gewöhnlich bilden die Lootsen vom Staate anerkannte Genossenschaften. Looz und Corswaren, eine alte, jetzt herzogliche deutsche Familie, die urkundlich zuerst im > l.Jahrh. vorkommt, schied sich seit dem >2.Jahrh. in sieben Linien, von welchen nur die Linie Looz-Corswaren in einem einzigen Zweige sich erhalten hat. Die Grafschaft Looz wurde nach Aussterben der Linie Looz im 14. Jahrh. von dem Hochstift Lüttich als heim- gefalleneS Lehen eingezogen und aller bis zu Ende des > 8. Jahrh. von Seiten der andern Linien dagegen erhobenen Einsprüche ungeachtet nicht zurückgegeben. Wieschon l734dercineZwcig, so wurde 1778 der noch blühende Zweig zur herzoglichen Würde erhoben. Die Grafschaft war eine reichsunmittelbare und die Herren derselben wurden insbesondere durch Kaiser Friedrich H. 1241 als Reichsfürsten anerkannt und hatten Sitz und Stimme auf den Reichstagen. Diein den Niederlanden mit Sequester belegten Besitzungen wurden demHerzoge Karl, soweitsienichtindenBesihAndererübergegangenwaren, imJ. 1800zurückgegeben. Fürdie verlorenen erhielt das Haus durch den Reichsdeputationshauptschluß das zum Theil aus den münstcrschen Ämtern Wolbeck und Bevergen gebildete Fürstenthum Nheina-Wolbeck, 15 lüM. mit ungefähr 21000 E., welches aber schon 1806 durch die Rheinbundacte media- tisirt und als Standesherrschaft dem Großherzogthum Berg untergeordnet, 1810 aber ohne Weiteres dem franz.sKaiserreiche einverleibt wurde. Der wiener Congreß stellte die Herzoge als Standesherren wieder her, und es kam das Fürstenthum Nheina-Wolbeck zum Theil unter preuß., zum Theil unter Hannover. Hoheit. Der erwähnte Karl Herzog von L., gcst. 1822, war wcgen unstandesmäßiger Verehelichung durch seinen Vater Wilhelm Joseph in dessen Testamente von 1803 von der Erbfolge in dem Fürstenthum ausgeschlossen und sein jüngerer Bruder Joseph als Nachfolger ernannt und vom Könige von Preußen anerkannt worden. Zwar fing der Herzog Karl einen Proceß deshalb an, der aber zu nichts führte; dagegen blieb er im Besitz der belg. Besitzungen, die bei seinem Tode im I. >822 auf seinen Sohn Karl, geb. 1804, übergingen, während Rhema-Wolbeck nach dem kinderlosen Ableben des Herzogs Joseph im I. 1827 und beendigtem Rechtsstreite dem wciblicherseits dem Hause verwandten Grafen Napoleon de Lanoy zuerkannt wurde, den hierauf der König von Preußen 1840 zum Fürsten von Nheina-Wolbeck erhob. Lope de Vega (Don Lope Felix de Vega Carpio), s. Vega (Lope de). Lopez (Don Joaquin Maria), span. Minister, geb. am 15. Aug. 1798 zu Villen« in Alicante, wo seine Altern als wohlhabende Landleute lebten, machte seine philosophischen Studien in dem Collegium San-Fulgencio in Murcia und studirte dann die Rechte auf der Universität zu Orihucla, wo er sofort nach beendeten Studien Professor wurde. Sehr bald aber ging er nach Madrid, wo er sich unter die Zahl der Advscaten aufnehmen ließ. Er schloß sich 1820 den Constitutionellen mit solchem Eifer an, daß er l 823 flüchtig werden mußte, und lebte nun in Montpellier in großer Bedrängniß, bis er 1825 die Erlaubniß zur Rückkehr erhielt. Von Villena, wo er zuerst wieder seinen Aufenthalt nahm, ging er 1830 Lopez y Portana Lorbeer - 79 nach Valencia, dann nach Alicante. Als 1834 in Folge des üststuto real die Cortes einberufen wurden, wählte ihn die Provinz Alicante zum Procurador, und als solcher trat er sogleich an die Spitze derjenigen Partei, welche die durch das Lstatuto gezogenen Grenzen der politischen Freiheit auf alle Weise zu erweitern suchte, wobei ihn ganz besonders sein außerordentliches Nednertalent unterstützte. Vergebens aber sucht man in seinen Vorträgen eine richtige Schlußsolge, Tiefe der Gedanken, oder irgend etwas Anwendbares. Nur Gemeinplätze, bitterer Spott, dem Pöbel dargebrachte Huldigungen, Auffoderungen zum Terrorismus, Vergötterungen franz. Rcvolutionshelden, vorzüglich Danton's, bleiben zurück, wenn man das blendende, auf die Täuschung der Menge berechnete Gewand, in welches er seine Phrasen einkleidet, hinwegzieht. In den Cortes von 1835 vertrat er abermals die Provinz Alicante. Nach der Wiederherstellung der Constitution in Folge der Znsur- rection von Lagranja berief ihn Calatrava am I l.Sept. >836 als Minister des Innern an seine Seite. Allein L. konnte den Demagogen nicht ablegen, und mit Verwunderung sah man den Minister des Innern nicht selten mit schäumendem Munde und bei augenscheinlicher Mißbilligung seiner Collegen den wüthendsten Terrorismus predigen. Als die Cortes eine Commission ernannten, welche außerordentliche Maßregeln zur Beendigung des Bürgerkriegs in Vorschlag bringen sollte, bestand er auf Errichtung eines Nevolutionstribu- nals; doch seine Collegen wußten dies zu Hintertreiben. Doch bald fühlte L-, daß die Unpopularität, welcher das Ministerium Calatrava unterlag, auch auf ihn zurückfiel. Nachdem er wiederholt seine Entlastung verlangt hatte, erhielt er diese am 2». März 1837 und nahm nun wieder seinen Sitz als Deputirter ein, um sogleich dem Ministerium die heftigste Opposition zu machen. Für die Cortes von 1838 erwählte ihn die Provinz Madrid zu ihrem Deputaten, aber erst spät nahm er seinen Sitz ein. Er vertheidigte das System der Repressalien, welches die Aufrührer von Valencia unter Vorsitz des Generals Don Narciso Lopez cinführten, und klagte den edeln, wenngleich schwachen Martinez de la Rosa als Hochverräther an. Auch im I. 1842 vertrat er in den Cortes die Provinz Madrid. Im I. 1842 bildete er das Ministerium, welches aber sehr bald vom Regenten Espartero entlassen wurde. Sehr thätig bewies er sich 1843 bei der Erhebung Spaniens gegen Espar- tcro, worauf er nach dem Sturze desselben, im Juli 1843, an die Spitze des Ministeriums trat. Allein noch in demselben Jahre mußte er Olozaga das Ministerium überlassen. Lopez y Portana (Vicente), einer der ausgezeichnetsten span. Maler der Gegen- wart, geb. >772 zu Valencia, bildete sich theilS bei dem Franciscaner P. Villanueva, theils bei seinem Vater und Großvater, die ebenfalls Maler waren, und ging dann nach Madrid. Als Director der Kunstakademie von Valencia wurde er 1802 demKönigKarl lV. bekannt und erhielt den Titel eines Kammermalers. Ferdinand VII. berief ihn 1814 nach Madrid und übertrug ihm den Zeichenunterricht bei seiner zweiten und dritten Gemahlin, worauf L. allmälig zur Würde eines Generaldirectors der Akademien zu Madrid, Saragossa und Valencia emporstieg. Seine größte Stärke ist das Portrait, in welchem er mit den besten Meistern wetteifert; doch haben auch seineFresken, Temperabildcr undÖlge- mälde historischen Inhalts großen Werth. Die meisten derselben hat er für dieKirchen und Klöster in Valencia und Catalonien gemalt. Als die vorzüglichsten nennt man die Geburt des San-Vicente Ferrer, San-Antonio Abad, Tan-Tomas de Villanueva, Dan-Antonio dePadua, sämmtlich zu Valencia und in seiner Jugend gemalt. Die beiden in seinen spätem Jahren für die Kathedrale von Tortosa gemalten Ölbilder, der heil. Augustin und der heil. Rufus, werden für das Ausgezeichnetste gehalten, was er in dem Fache der Historie geleistet hak. Lorbeer, ein Baum, der in Güdeuropa die sonst fast nur über Tropenländer verbreitete und große Familie der Laurineen vertritt, nördlich von den Alpen im Freien nicht aushält, in Neapel aber die Größe eines Wallnußbaumes erreicht, lederartige glänzende Blätter hat und kleine, unansehnliche Blüthen und schwarzblaue Früchte von der Größe einer Vogelkirsche trägt. Die Blätter dienen als Gewürz; die Beeren enthalten ein grünliches, fettes Öl, welcher durch einen eigenthümlichen, scharfen Stoff (Laurin) Arzneikraft erlangt und zumal in der Thierarzneikunst Anwendung findet. Bei den Griechen hieß der Lorbeer Daphne (s. d.) und war dem Apollo geheiligt. Beerentragcnde Zweige desselben 80 Lorch .Loreto wurden um die Stirn der Sieger und Dichter gewunden, später auch um die der jungen Doctoren, daher der Name Baccalaureus(s. d.). Lorch, ein ehemals berühmtes Kloster im würtemberg. Jaxtkreise, an der Rems auf einem Berge, an dessen Fuße der gleichnamige Flecken liegt, wurde von dem Herzoge Friedrich von Schwaben und dessen Gemahlin Agnes gestiftet, die hier, gleich mehren Hohenstaufen, ihre Begräbnisstätte haben. — Lorch oderLorich, ein Flecken auf dem rechten Ufer des Rhein im nassauischcn Amte Rüdeshcim, früher zu Kurmain; gehörig, mit 1800 E. und einer alten schönen Kirche aus dem 12. Jahrh., hat trefflichen Weinbau. Der Ort soll das alte I^mireacum sein und war im frühen Mittelalter eine wichtige Grenzfeste; auch bestanden daselbst ein eigenes Landgericht und ein Saalgericht. In der Nähe liegt die Ruine der Burg Sooneck mit ihrem schlanken Burgthurme, jetzt im Privatbesitz des Königs von Preußen. Lord, d. h. Herr, ist in England der allgemeine Titel aller Häupter der Familien des hohen Adels; auch führen ihn im gemeinen Leben die ältesten Söhne solcher hoher Adeliger, die keinen zweiten Titel, den jene bei Lebzeiten des Vaters führen, haben, z.B. nur Barone sind. Früher waren die Lords nicht von Rechtswegen Mitglieder des Oberhauses, sondern wurden es erst durch Berufung von Seiten des Königs, jetzt aber sind Pairswürdc und Lordschaft unzertrennlich. Der König kann beliebig Lords ernennen, aber Niemandem die Würde wieder nehmen. — Lord Mayor ist derTite! für die jährlich neu zu wählenden ersten Bürgermeister von London und Dork. (S. England, Volksvcrfassung und Staatsverfassung.) Loren,zeit (Pct. Hiort), Kaufmann in Haderslcbcn und Dcputirter in der schlcsw.- holstcin. Ständeversammlung, geb. am 24. Jan. 1791 zu Schleswig, wo sein Vater 1831 als Amtsverwalter und dän. Justizrath starb, erlernte nach beendigten Schuljahren die Handlung und übernahm >815 seines Großvaters Handlungsgeschäft. Bis zur Juli- revolution von 1839 verhielt er sich gegen alle politischen Angelegenheiten gänzlich gleichgültig; erst dieses Ereigniß, sowie die auf Erlangung einer Verfassung für Schleswig. Holstein gerichteten Bestrebungen Lornsen's (s. d.) erweckten seine Theilnahme dafür. Nach Einführung der Provinzialstände wurde er >835 zum Abgeordneten bei denselben gewählt, in welcher Stellung er sich als eifrigen Verfechter aller liberalen Maßregeln und als das bewegende Princip in der Versammlung zeigte. Seine Bestrebungen waren vorzüglich auf Ausbildung der berathenden Provinzialstände zu einer schlesw.-holstein. Constitution mit Steuerbewilligungsrecht, beschließender Theilnahme an der Gesetzgebung und Öffentlichkeit der Verhandlungen, auf Preßfreiheit u. s. w. gerichtet. Auch in der zweiten schleswig. Ständeversammlung im I. >838 gehörte er, dieselben Tendenzen verfolgend, zu den tüchtigsten Mitgliedern, und hatte sich nichts weniger als des Beifalls der dän. Propaganda zu erfreuen. Da wendete er plötzlich 1840 sich von der zeither von ihm verfolgten Richtung ab, sei cs nun aus veränderten Ansichten oder äußern Gründen; genug, er wurde nun der eifrigste Verfechter aller dän. Tendenzen und Richtungen. So war er cs besonders, der den großen Streit in der schlesw. Ständeversammlung wegen des Gebrauchs der dän. Sprache veranlaßte, indem er deren gleiche Berechtigung mit der deutschen foderte; ferner verthcidigte er die staatsrechtliche Einheit der Herzogthümer mit Dänemark, und redete, gestützt auf die Thatsache, daß ein Thcil der LandbcwohncrNordschleswigs ein verdorbenes Dänisch spricht, der Danisirung des Landes auf alle Weise das Wort, sodaß er bald das Haupt der dän. Propaganda in Schleswig wurde. Er starb zu Hadersleben am 17. März > 815. Lorenzstrom, der wasserreichste Strom Nordamerikas und einer der größten Ströme überhaupt, welcher durch den Abfluß der Canadischen Seen entsteht, an 00 Nebenflüsse, links den Uttawas, Bustard, Manikuagan, Saguenay u. s. w., rechts den Montreal, Sorel, Francis, Chaubiere, Chateauguay u.f.w., aufnimmt, führt nach seinem Austritte aus dem Ontariosee den Namen Cataragui oder Jroquois. Er bildet den Sec der Tausend-Inseln, und weiter unten den von St.-Peter, theilt sich bei Quebek in zwei Arme, wodurch die Insel Orleans entsteht, und fließt nach einem 109 M. langen Laufe zwischen dem Cap Chat und Montespoles in einer 20 M. breiten Mündung in den Lorenzbusen. Er ist 70 M. aufwärts für große Kriegsschiffe und 80 M. für Kauffahrteischiffe fahrbar. Loreto, ein Städtchen in der Delegation Macerata des Kirchenstaats, an der Straße Lprinftr von Ancona nach Nom, der Titz eines Bischofs, der zugleich Bischof zu Nccanaii ist, besteht aus einer einzigen langen Straße und hat gegen 6999 E., die ihre meiste Nahrung von den Fremden haben, die jährlich zu dem in der Domkirchc daselbst befindlichen heiligen Hause (!-« easir sunt:,) wallfahrten, in welchem angeblich Maria gewohnt hat und welches die Engel >29l aus Galiläa nach Tcrsati in Dalmatien, von da aber 1294 nach Italien hinüber in die Gegend von Necanali und endlich 1295 an seinen gegenwärtigen Ort gebracht haben sollen- Dieses heilige Haus, welches mitten in der von Paul II. begonnenen und von Sixtus V. vollendeten prächtigen Kirche steht, ist von außen mit Marmor überzogen und aus Ebenholz und Backsteinen gebaut, 32 F. lang, 13 breit und l 9 hoch und von innen und außen mit vielen Kostbarkeiten geziert. Es hat eine Thür und ein Gitter von Silber, hinter welchem Maria mit dem Jesuskinde abgcbildct ist. Dasselbe war früher im Besitze eines ungeheuren Schatzes, der nach und nach durch die Freigebigkeit der Pilgrime entstanden war. Die Einkünfte des Hauses wurden ohvc die Geschenke auf 3999!» Scudi, und die Zahl der jährlich herbeiströmcnden Pilgkime auf 199999 berechnet. Unter andern Seltenheiten zeigte mau in diesem Hause auch dasFenster, durch welches derEngelGabriel zu Maria hereintrat, als er ihr die Geburt des Heilandes verkündigte. Merkwürdiger ist das Bild Rafael's, die heil. Jungfrau darstellend, die einen Schleier über das Jesuskind legt. Der Einfall der Franzosen in Italien im J. 1798 gab Veranlassung, sowol die Schätze als auch das heilige Haus in Sicherheit zu bringen. Jene sind größtrntheils verschwunden, das Gnadenbild aber wurde am 9. Dec. 1892 mit großer Feierlichkeit wieder an seine vorige Stelle gebracht. Vgl. Turselino, „Hisloris I^auretana" (Ven. 1727) und Martonelli, „Tkerrtru istorico clellassiits ans» Kurare»» 732). Lorillser (Karl Ignaz), preuß. Ncgierungs - und Medicinalrath in Oppeln und Direckor der Hebammen-Lehranstalt für Obcrschlesien, geb. am 24. Jul. >799 zu NimeS !m böhm. Mittelgebirge, wo sein Vater Wundarzt war, zeigte schon als Knabe vorherrschende Neigung für Natur und Kunst, besuchte die Schulen in Prag und studirte daselbst bis 1814, von wo an er seine Studien in Berlin fortsetztc und hier 1817 Doctor der Mc- dicin wurde. Im folgenden Jahre erhielt er die Stelle eines Repetenten an der königlichen Thicrarzneischule in Berlin, habilitirte sich bald darauf bei der dortigen Unive-sität rmd ging > 822 als Mitglied des Medicinalcollegiums nach Stettin. Im I. > 821 kam er als Ncgierungs- und Medicinalrath nachKöslin und 1825 in gleicher Eigenschaft nach Oppeln. Von hier aus besuchte er 1829 und 1830 auf Veranlassung des königlichen Staatsministeriums die türk. Grenzen, um die Vorkehrungen gegen die Pest des Orients zu untersuchen und die Rinderpest auf ihrem ursprünglichen Boden kennen zu lernen. Neben seiner praktischen Thätigkeit war er für die Mcdicin auch schriftstellerisch thätig; unter Andern gab er heraus „Entwurf einer Encyklopädie und Methodologie dcrThicrheilkunde" (Derl. 1829); „Die Lehre von den Lungenkrankheitcn" (Bcrl. 1823); „Untersuchungen über die Rinderpest" (Berl. 1831) und „Die Pest des Orients" (Bert. 1837). Obgleich als medi- cinischcr Praktiker und Schriftsteller geschäht, wurde sein Name in weitern Kreisen doch erst bekannt durch die kleine Schrift „Zum Schutze der Gesundheit in Schulen" (Berl. 1836), welche zu dem sogenannten Lorinser'schen Schulstreite Veranlassung gab. In dieser Schrift, die durch mehre Umstände die Aufmerksamkeit der Pädagogen und Schulbehörden allgemein erregte, erhob L. gegen die preuß. und deutschen Gymnasien die Anklage, daß in denselben nicht nur überhaupt die Körperpflege der studirenden Jugend auffallend vernachlässigt werde, sondern daß namentlich durch die Vielheit der Unterrichts- gcgenstände, die große Anzahl der Lehrstunden, die heivschendc Unterrichtsmethode und die gehäuften häuslichen Schularbeiten Körperschwäche und Siechthum der Studirenden her- bcigeführt würden. Durch diese weder gehörig begründete noch von vielfachen Übertreibungen freie Anklage wurden wol an 79 andere Schriften von Schulmännern und Ärzten hervorgerufen, und amtliche Berichte von allen preuß. Gymnasien veranlaßt, die bald für, bald und zumeist gegen L. sich aussprachcn. Das Resultat dieses Streites, der am umfassendsten in den „Neuen Jahrbüchern für Philologie und Pädagogik" (Bd. 16 und > 8) besprochen worden ist, war, daß allerdings vielfache Mängel und Übertreibungen in der Einrich- Conv.-Ler. Neunte Aufl. IX. 6 82 Lornsen Lortzing tung des Eymnasialunterrichts anerkannt und zum Theil durch die Circularverfügung des prsuß. Unterrichtsministeriums vom 2 t. Oct. 1837 abgestellt wurden. Eine wesentliche Abänderung imSvstem des Gymnasialunterrichts wurde aber dadurch nicht bewirkt, dieses System vielmehr unverändert als gut und zweckmäßig angesehen. Lornsen (Uwe Jens), der erste Anreger und Begründer der schlesw.-holstein.Bewegung, geb. am 18. Nov. 1793 auf der zu Schleswig gehörigen nordfries. Insel Sylt, wo sein Vater früher als Schiffseapitain, dann als Rathmann lebte, zeichnete sich schon in seiner Zugend ebenso durch seinen entschlossenen Charakter wie durch seine überlegenen Körper- und Geisteskräfte aus. Im I. >816 bezog er, um Jurisprudenz zu studiren, die Universität zu Kiel und im folgenden Jahre die zu Jena, wo er in der Burschenschaft eine her- vorragende Rolle im besten Sinne des Worts spielte. Nach beendigten Studien begab er sich 1829 nach Kopenhagen, wo er zunächst bei der schlesw.-holstein. Kanzlei eine Anstellung fand und bald nachher Chef eines der Secretariatscomptoirs wurde. Im 1.1839 bewarb er sich um das Amt eines Landvogts auf Sylt, das er auch im Herbst desselben Jahres erhielt. Die inzwischen ausgebrochene Julirevolution hatte in seinem ganzen Denken und Thun einen Umschwung hervorgebracht und demselben eine praktisch-politische Richtung gegeben. Die Wiedergewinnung einer schlesw.-holstein, Verfassung ward von jetzt an das Ziel seiner Bestrebungen. Nachdem die zu diesem Behufe am l. Nov. 1830 zu Kiel abgehaltene allgemeine Landesversammlung nicht den erwarteten Erfolg gehabt hatte, ließ er seine Schrift „Über dasVerfassungswerk in Schleswig-Holstein" drucken, die schnell eine durch das ganze Land gehende Bewegung bewirkte. DerRegierung erschien die Sache so gefährlich, daß sie L. Befehl gab, sich unverzüglich auf seinen Posten zu begeben, wo er, kaum angelangt, verhaftet und auf die Festung Rendsburg gebracht wurde. Eine gegen ihn eingeleitete Untersuchung endete damit, daß ohne Anführung von Entscheidungsgründen und Gesetzesstellen ihn dasschlesw.ObergerichtzuAmtsentsetzung,einjährigerFestungs- strafe und Erstattung sämmtlicher Unkosten verurtheilte. Hiermit endete die kurze öffentliche Laufbahn eines Mannes, dessen unwiderstehliche Beredtfamkeit, großartiger Charakter und imponirendr äußere Erscheinung ihn zu einen Volksführer bestimmt hatten, und dem es nur an Gelegenheit und am eigenen Willen mangelte, durch diese Eigenschaften den größten persönlichen Einfluß aufs Volk zu gewinnen. Jndeß wurde seine politische Wirksamkeit doch so nachhaltig und nachwirkend, daß er mit Recht für den eigentlichen Urheber der Emancipationsbestrebungen Schleswig-Holsteins gelten kann. Nach überstandener Festungsstrafe, im Juni 1832, begab er sich in seine Heimat Sylt; doch war durch die Strafe seine Gesundheit so tief erschüttert, daß er es für besser hielt, seine Heimat zu verlassen. Seiner Gesundheit wegen wählte er ein tropisches Klima und begab sich im Herbste 1833 nach Rio de Janeiro, wo er fortwährend mit Schleswig-Holstein und seiner Verfassung beschäftigt, ein sieches und trauriges Leben führte. Von hier ging er im April 1837 über Marseille in die Schweiz. Schwer erkrankt verlebte er in und bei Genf einsam und verlassen mehre Monate in der düstersten Stimmung, bis ihn im März >838 auf einem Landhause am Genfersce der Tod von seinen Leiden erlöste. Sein Werk „Die Unionsverfassung Dänemarks und Schleswig-Holsteins" wurde von G.Beseler herausgegeben (Jena 1841). Lorrain (Claude), s. Gelee (Claude). Lortzing (Alb. Tust.), ein beliebter Operncomponist. geb. am 23. Oct. 1803 zu Berlin, wurde, da sein Vater, der früher Kaufmann war, 1810 aber zum Theater überging, sehr bald in Kinderrollen verwendet. Zugleich erhielt er Clavierunterricht und Unterweisung in der Harmonik. Schon als Knabe componirte er Lieder, Märsche und Sonaten. Später war er als Sänger und Schauspieler nacheinander bei den Bühnen zu Düsseldorf, Köln und seit 1826 zu Detmold engagirt. Hier, wo er sieben Jahre als Tenorbuffo und Bariton war, componirte er auch sein Liedcrspiel „Der Pole und sein Kind", das sich ziemlich verbreitete. Aufgemuntert durch diesen Erfolg schrieb er noch die Liederspiele „Der Weihnachtsabend" und „Scenen aus Mozarts Leben", „Andreas Hofer", von denen jedoch nur die beiden ersten zur Aufführung kamen. Auch die Composition eines Oratoriums „Die Himmelfahrt Christi" und eine neue Jnstrumcntirung der Hiller'schen Oper „Die Jagd" fallen in diese Zeit. Im 1.1833 wurde er an der leipziger Bühne engagirt und hier scheint Löschen Löserthaler 83 das rcge und reiche Musikleben befruchtend und reifend auf sein Talent gewirkt zu haben. Zuerst schrieb er die Oper „Die beiden Schützen" (>835), welche eine sehr günstige Aufnahme fand, und dann „C;ar und Zimmermann" (>837), die namentlich durch die Aufführung in Berlin sich verbreitete und bald auf allen Bühnen heimisch wurde. Nacheinander entstanden sodann die Opern „Caramo", „Hans Sachs", „Casanova", „Der Wildschütz" und „Undine". Der Grund des günstigen Erfolgs seiner Opern, gegenüber den zahlreich auftauchenden Opern anderer Coniponisten, ist vor Allem in ihren praktischen Vorzügen zu suchen. Hierin hat er, der im eigentlichsten Sinne auf der Bühne ausgewachsen ist, einen bedeutenden Vortheil voraus. Seine Musik ist weder großartig imposant, noch besonders originell, noch auch sehr kunstreich; aber sie ist klar, leicht und gefällig; sie schmiegt sich der Situation, der Person aufs geschmeidigste an und dient dem dramatischen Gemälde als gewandte, witzige Coloristin, will aber nicht neben ihm ein zweites selbständig ausgearbeitetes Bild aufstellen; sie ist endlich vor allen Dingen kurzweilig. Zn technischer Hinsicht wird sie durch leichteste Ausführbarkeit und eine lebendige Instrumentation unterstützt, die dem Sänger wie dem Hörer ihre Thätigkeit erleichtert. Die verbreitetste, in der That auch frischeste und vollendetste seiner Opern, die sich auch am meisten frei hält vom Hinüberstreifen des leichten Conversationstons in das Flache und Gewöhnliche, ist „Czar und Zimmermann". Jm J. > 843 gab er seinen Wirkungskreis als Sckauspielcr undOpern- regisseur auf und fungirte ein Jahr als Kapellmeister der leipziger Oper, seitdem lebt er in Leipzig privatisirend und widmet sich ausschließend der Composition. Löschen, Losen oder Lossen, auch Entlvssen, heißt in der Schiffersprache, die Maaren aus dem Schiffe bringen. Gewöhnlich bedingt sich der Schiffer eine gewisse Zeit aus, in welcher ihm die Ladung vom Bord genommen werden muß, und diese Zeit heißen die Lösch - oder Liegetage; muß er wegen noch nicht vollendeter Löschung über die bedungene Zeit im Hafen oder auf der Rhede liegen, so erhält er für diese Überlöschtagc eine gewisse Entschädigung. — Löschplatz oder Loßplatz heißt der gewöhnlich gepflasterte Platz am Ufer eines Flusses oder Hafens, wo man die Güter einladet, auch schwere Güter, Holz, Steine u. s. w. aufstapelk. Löscher (Valent. Ernst), ein verdienter protestantischer Theolog und Kanzelredner, geb. am 8. Jan. > 673 zu Sangerhausen, ein Sohn des nachherigcn Professors der Theo- logie zu Wittenberg, KaSp. L., besuchte die Schule zu Zwickau, studirte in Wittenberg, lebte dann einigeZeitinJcna, wo ersieh eifrig mitNumismatik beschäftigte, und wurde > 695 Adjunct der philosophischen Facultät in Wittenberg. JmJ. l698 kam er als Superinten, dent nach Jüterbogk, >762 in gleicher Eigenschaft nach Delitzsch, 1767 als ordentlicher Professor der Theologie nach Wittenberg und >769 als Pastor an die Kreuzkirche nach Dresden, wo er am 8. Febr. 17 47 starb. Er war in allen Theilen des gckehrren Wissens bewandert; seine Hauptfächer aber waren Philologie und Geschichte. Er verfocht die Reinheit der evangelischen Lehre, nahm an den pietistischen Streitigkeiten vielen Antheil und wurde deshalb häufig der othodoxe Pietist genannt. Als seine vorzüglichsten Werke sind zu betrachten die „Ausführliche Li-taria motuum zwischen den Evangelisch-Lutherischen und Neformirten" (3 Bde., Franks, und Lpz. >767—24; 2. Aust., >723—27, 4.) und die „Vollständigen Reformationsacta und Documenta" (3 Bde., Lpz. > 726—29, 4.). Eine wichtige Erscheinung im Gebiete der theologischen Literatur war seine Zeitschrift „Altes und Neues aus dem Schatz theologischen Wissens" (>76l fg.), die er unter dem Titel „Unschuldige Nachrichten" sortsetzte. Löserthaler oder Juliuslöser nennt man eine herzoglich braunschweig.-lüneburg. Silbermünze, welche unter dem HerzogJulius von >574—88 geprägt wurde. Der Name rührt daher, weil der Herzog wünschte, daß jeder Unterthan einen solchen als Nothpfennig besitzen solle, und demgemäß sich einen solchen lösen, d. h. einwechseln mußte. Um diese Einlösung Allen möglich zu machen, wurden die Löserthaler in verschiedener Größe, von 2—16 Reichsthaler an Werth, ausgeprägt. Der Verordnung nach mußte auf Erfodern jeder Unterthan seinen Löserthaler Vorzügen, den er nie verkaufen durfte. Im Falle der Noch sollten diese Stücke eingefodert und in kleines Geld umgemünzt werden können, wozu Kl Losung Lothar der Sachse es aber nie gekommen ist. Sie sind nach der Ncichsmünzordnung von l 57 l, also zu 14 d Loth 4 Gr. ausgeprägt. Wie viel überhaupt ausgeprägt wurden, ist unbekannt; allein ihre ä Zahl mag nicht gering gewesen sein. Dessenungeachtet sind sie sehr selten geworden, wa§ b wol daher rührt, daß sie dem Umschmclzcn ausgesctzt waren. Bon den Naritätcnsamm- r lern sind sic sehr gesucht. Auch der Herzog Heinrich Julius ließ solche Thalcr schlagen, die g sämmtlich zu >0 Rcichsthalcrn ausgemünzt sind und zum Unterschiede von jenen Hein- si richlöser genannt werde». n Losung, s. Feldgeschrei. d Lot, einer der bedeutendsten Nebenflüsse der Garonne, entspringt auf dem Lozere- > ? gcbirge unweit Mende imLandchenGevaudan im ehemaligen Languedoc, durchfließt, indem f er anfangs den Namen Olt führt, die Departements Lozere, Aveyron, Lot und Garonne, d wird bei Cahors, welche Stadt er zur Halbinsel macht, mittels Schleusen und durch Ber- § einigung mit dem Nebenflüsse Truyere schiffbar und fällt nach einem Laufe von 48 M. bei fl Aiguillon in die Garonne. Nach ihm ist das Departement L o t genannt, das auf 7 2 lüM. e gegen 288000 E. zählt und Cahors (s. d.) zur Hauptstadt hat. Das im Südwestcn von d diesem begrenzte Departement Lot und Garonne hat auf >02 mM. 34700V E. Die d Hauptstadt istAgen, das alte der ehemaligeHauptort von Agenois,mit 13000 E. r Loth heißt überhaupt soviel als Gewicht; vorzugsweise nennt man so das Bleiloth L (s. d.) der Maurer und Zimmerlcute und das Senkblei (fl d.) der Schiffer. Lothrccht I heißt daher soviel als senkrecht. Ferner bezeichnet man mit Loth ein Metallgemisch, welches h zum Löthen (s. d.) dient. (S. auch Maße und Gewichtc.) ? Lothar!., röm.Kaiser,840—855,ältesterSohnLudwigdesFrommen, geb.um795, ( erhielt, als sein Vater 8 > 7 zum ersten Male das Reich Karl's des Großen unter seine drei z Söhne Lothar, Piflin und Ludwig rheilte, statt des bisher von ihm regierten Baicrns die fl Mitregentschaft des Kaiserthums nebst dem kaiserlichen Titel, und bald darauf 820, nach k- d seines Vetters Bernhard's Tode, auch Italien, zu dessen Könige er 822 vom Bischof v zu Mailand gekrönt wurde. (S. Ludwig der Fromme.) Nach des Vaters Tode wollte u er als Kaiser die ganze Monarchie in Besitz nehmen. Da verbanden sich die beiden Brüder, v Ludwig und Karl; zu Fontenai in Burgund kam es zur Schlacht und L. wurde geschlagen, g erhielt aber, als er treulos die zu seiner Hülfe aufgestandcncn Sachsen anfgeopfert und da- v durch seine Brüder sich wieder versöhnt hatte, durch den Vertrag von Verdun am 1 l. Aug. >' 843 außer der Kaiscrwürde auch Italien wieder nebst einem schmalen Landstrich zwischen d Deutschland und Frankreich, der die Länder zwischen dem Rhein und der Schelde bis an § die Nordsee und vom Ursprung der Maas bis zum Einflüsse derSaone in die Rhone, dann c längs dieser bis zum Mittelländischen Meere umfaßte und von L. seitdem den Namen -! Lothringen (fl d.) erhielt. Während dieses Kriegs und der Unterhandlungen kamen r die Normänner zur See und plünderten ungestört die Küsten der Nordsee; die Araber lan- r beten ebenfalls von Süden her und verheerten L.'s ital. Provinzen. Ebenso hatte der hohe, < bisher der Königsgewalt unterworfene Klerus eine selbständige Stellung erlangt; die gro- i ßen Vasallen sorgten nur für Erweiterung ihrer Macht und ihrer Besitzungen und übten, nach L.'s Beispiel, Ungerechtigkeit, Treubruch, Willkür und Gewaltherrschaft. Von innecn Vorwürfen gequält, an Geist und Körper krank, suchte der Kaiser, nachdem er vorher seine Staaten unter seine drei Söhne getheilt, Trost und Beruhigung als Mönch im Kloster Prüm im Ardennenwalde, wo er am 28. Sept. 855 starb. Sein ältester Sohn, Lud- . wig II. (fl d.), erhielt Italien; der mittlere, Lothar II., das sogenannte lothringische Reich, und der jüngste, Karl, die Provence mit Lyon. (S. Karolinger.) Lothar der Sachse, Graf von Suplinburg, Herzog der Sachsen und lI25 — 37 König der Deutschen und röm. Kaiser, war in Beziehuikg auf seine Karolingischen Vorgänger der dritte, als Kaiser der zweite dieses Namens. Von Kaiser Heinrich V., nach des Herzogs Magnus Tode im 1.1106, mit dem Herzogthum Sachsen belieben, schloß er sich später an die mit den Eewaltschritten dieses Kaisers unzufriedenen Fürsten an, erhielt nach der ' Schlacht bei Warenstädt Verzeihung, nahm aber aufs neue an dem Kampfe gegen Heinrich V. bei Welfcsholze Thcil und verbreitete hierauf seine siegreichen Waffen über ganz Westfalen bis an den Rhein. Nach Heinrich's V. (fl d.) Tode wurde er, ungeachtet der Lothar der Sachse 85 Ansprüche, die Herzog Friedrich von Schwaben durch Verdienste, MR>1 und Ansehen ans die Krone hatte, in Folge der arglistigen Ränke des Erzbischofs Adalbert von Mainz, wcl- chcr das hohcnstaufische Haus haßte, 112.', zum Kaiser gewählt, mußte aber diese Erhebung durch Bedingungen erkaufen, welche die Selbständigkeit des Reichs und die Kaiser- rechte aufs nachthciligste schmälerten; denn außerdem, daß er auf den Hcimfall aller ein» gezogenen Lehen an die Kaiserkrone verzichtete, gelobte er auch die kirchlichen Wahlen völlig frei zu lassen, die Belehnung mit dem Sccpter erst nach devWahl unentgeltlich vornehmen und den Lehnseid nur mit Vorbchaltsciner anderweitigen kirchlichen Verhältnisse von den Belehnten fodcrn zu wollen. Nach dem Antritte seiner Negierung schien cs ihm vor Allem nöthig, zur Hebung seines eignen Ansehens die Macht der Hohenstaufen, seiner gefährlichsten Nebenbuhler, zu schwächen. In dieser Absicht fodcrte er von denselben die durch die Erbschaft Heinrichs V. an sie übcrgcgangcnen Rcichsgütcr zurück, welche daö salische Kaiserhaus mit seinen Hausgütern vereinigt hatte. Herzog Friedrich weigerte sich, wurde für einen Neichsfcind erklärt und l 126 mit Krieg überzogen. Da L. indcß wohl cinsah, daß er ohne eine mächtige Bcihülfe nichts gegen ihn ausrichten würde, so suchte er eine Verbindung mit dem wclfischen Hause. Er vermählte daher seine elfjährige Tochter Eertrude, die einzige Erbin der suplinburg., nordheim. und altbraunschweig. Allodialgüter, mit Heinrich dem Stolzen, Herzog von Baicrn und verlieh demselben das Herzogthum Sachsen. Seitdem begann der so verderbliche Kampf zwischen den Welfen und den Hohenstaufen. Mit männlichem Muthe, obgleich von einem Theil ihrer Vasallen verlassen, stritten die hohenstaufischen Brüder, Friedrich und Konrad, um ihr Erbe viele Jahre, und Schwaben, Franken und Elsaß sah durch seiner Fürsten Fehde alle Greuel der Verwüstung über seine Gauen sich verbreiten. Um den zweifelhaften Stand der Dinge zu Gunsten seines Hauses zu entscheiden, faßte Konrad den kühnen Plan, über die Alpen zu gehen und in Italien sich fcstzuscßen. Er nahm den deutschen Königstitel an und ließ am 29. Juni l 128 in Mailand die Krone von Italien sich aufsetzen; doch vom Papste Honorius II. mit dem Banne belegt und von der Hülfe der italien. Städte entblößt, mußte er zuletzt sein Unternehmen aufgeben und Italien verlassen, während auch sein Bruder nur schwach noch sich zu vertheidigen vermochte. Noch glücklicher war L. in seinen andern Unternehmungen. Er machte bei Gelegenheit des böhm. Erbfolgestrcits nach-Wladislaw's I. Tode 1 >26 den Herzog von Böh- men sowie den Herzog von Polen zu Vasallen, belehnte den Grafen Konrad von Wettin mit der Markgrafschaft Meißen und setzte den Herzog Konrad von Zähringcn in die erledigte Grafschaft Burgund ein; er nahm dem Landgrafen Hermann, der sein Feind war, Thüringen und gab es einem seiner Anhänger, dem Grafen Ludwig; auch verlieh er das obotritische Königreich nach dem Tode des Wendcnkönigs Heinrich an den Dänenfürsten Knut und zwang dessen Vetter Magnus, der nach Knut's Ermordung sich des Reichs.be- mächtigt hatte, zur Lehnsunterwerfung. Bei der streitigen Papstwahl zwischen Jnnocenz H. und dem von dem normänn. Herzoge Roger von Apulien begünstigten Anaklet II. entschied er sich für den Erstem und wurde zum Danke von ihm erst auf einer Kirchenversammlung zu Lüttich, am 22. März 1131, dann, als er im folgenden Jahre nach Italien zog, mit seiner Eemahlii; Nichcnza, der Tochter Heinrich'S des Fetten, Grafen von Nordheim, am 3». Apr. 1133 zu Non; gekrönt. Auch empfing er aus der Hand des Papstes die Mathil- dischcn Erbgüter zu Lehen, ein Act, dem die Kirche spater die Deutung gab, als ob L. vom Papste mit dem Kaiserthume belehnt worden sei. Jndeß schon auf diesem Zuge trat er diese Güter nebst den ehemaligen Mathildischen Neichslehen mit Genehmigung des Papstes seinem Eidam Heinrich von Baiern ab, und im Lagervor Monza belehnte er 1132 Albrecht den Bären mit der Markgrafschaft Nordsachsen, dem nachmaligen Brandenburg. Nach Deutschland zurückgckehrt, vollendete er die Besiegung der Hohenstaufen, sodaß sie sich, Friedrich auf dem Reichstage zu Bamberg am 18. März 1135 und Konrad auf dem Fürstentage zu Mühlhausen am 30. Sept., unterwarfen, worauf ihnen L. die streitigen Güter als Lehen zurückgab. Unterdessen hatte Roger von Sicilien, Anaklet's Beschützer, den Papst Jnnocenz zur Flucht genöthigt und die Städte Salerno, Meist, Troja, Capua und Bcnevent nacheinander bezwungen. Auf des Papstes dringende Bitten unternahm L. zu dessen Schutze im Aug, 1136 einen zweiten Zug nach Italien, auf welchem ihn auch Kon« 86 Löthen Lothringen rad der Hohenstaufe begleitete. Ohne große Mühe vertrieb er Roger,aus Neapel nach Si» cilien, bclich mit Jnnocenz gemeinschaftlich den Fürsten Rainulf mit dem Hcrzogthum Ca. labrien und Apulien, und kehrte dann nach Deutschland zurück. Unterwegs übereilte ihn der Tod unweit Trient in einer Alpenhütte am 3. Dec. 1137. Er wurde zu Königslutter im Braunschweigischen, das er gegründet, begraben. L. besaß persönliche Tapferkeit nnd männlichen Ehrgeiz, aber keinen Muth, der Kirche gegenüber das kaiserliche Ansehen und die Würde des Reichs aufrecht zu erhalten. Durch das Gesetz, das er seinem Eidam zu Liebe gab, daß größere durch Außsterben erledigte Lehen nicht ferner an Kaiser und Reich zurückfallen sollten, wurden dieselben unter den Verwandten erblich, dadurch aber der Grund zu der Staatenzersplitterung Deutschlands gelegt. Vgl. Gervais, „Politische Geschichte Deutschlands unter der Regierung der Kaiser Heinrich V. und Lothar III." (2 Bde., Lpz. 1831—32) und Jaffe, „Geschichte des deutschen Reichs unter Lothar dem Sachsen" (Berl. 1843). Sein Nachfolger war Konrad lll. (s.d.). Löthen nennt man das Verfahren, mittels dessen man zwei Stücke Metall, ohne sie zu schmelzen, mitHülfe eines dritten Metalls, des Lothes, so verbindet, daß ihre Vereinigung sowol luft- als wasserdicht ist und einengewissen, aber nicht allzugroßenHitzegrad auszuhalten vermag. Für größereHitzegräde bedient man sich des Nietheus, oft aber auch desZusammenschrau- bcns. Das Loth darf zu sein emS chmelzen in keinem Falle einen größernHitzegrad verlangen als das leichtflüssigste der zu löthenden Metalle; es muß dünnflüssig sein, um in die feinste Fuge zu dringen, und nicht zu schnell erstarren, um die nöthige Zeit zu einiger Verbindung zu gestatten, und endlich muß es in seiner Farbe mit den zu lochenden Metallen übereinstimmen. Die Haltbarkeit der Löthung hängt von der Festigkeit des Lothes ab. Man hat leichtflüssiges, weiches Loth, Schnellloth und strengflüssiges, Hartloth oder Schlagloch. Zu den Schnelllothen gehören Zinn, Kupfer, Messing, Zink,Blei,Gold undSilber; ferner Schnellloth und Wismuthloth. Zu den Hartlothen gehören Gußeisen, Kupfer, Messing- schlagloth, Argentanschlagloth, Silberschlagloch, fein Gold, Goldschlagloth und Emaillir- loth. Das Löthen selbst zerfällt nach der Art des Lothes in Wcichlöthen und Hartlöthen. Als Erwärmungsmittel dienen entweder Holzkohlen, die Flamme vor dem Löthrohre oder der glühende Löthkolben. Lothringen, ehemals ein deutsches Herzogthum, bildet seit >7 66 eine Provinz Frankreichs und die gegenwärtigen Departements der Maas, Mosel, Meurthe, Vogesen und einige Cantons von Niederrhein. Als es an Frankreich kam, war es im Norden vom Herzogthum Luxemburg und dem Kurfürstenthum Trier, im Osten vom Elsaß, im Süden von der Franche-Co-mte, im Westen von der Champagne begrenzt. Es umfaßte 479 lUM. mit 1,290999 E. Die Vogesen schließen das Land im Osten ein und verzweigen sich über den südlichen Theil. Die Hauptflüsse sind Mosel, Maas, Meurthe- Saar, Scille und Ornaiji; die Saöne berührt nur die Grenze. Die Bevölkerung ist deutschen Ursprungs; doch spricht dieselbe gegenwärtig französisch, mit Ausnahme des Strichs von den Vogesen bis Metz, der Deutschlothringen heißt. Das Land gewährt einen sehr malerischen Anblick, ist reich an Holz, Eisen, Steinbrüchen, Salinen und Mineralwassern, besitzt Weinbau, eignet sich aber mehr zur Viehzucht als zum Ackerbau. Nächst dem Elsaß liefert es der franz. Armee die besten Pferde. Die industrielle Production der Bevölkerung beschränkt sich meist auf Eisen- und Glaswaaren und Fayence. Außer, der alten Hauptstadt Nancy (s. d.) hat Lun eville (s. d.) geschichtliche Berühmtheit. Übrigens ist das Land mit Denkmälern des Mittelalters bedeckt. Seine selbständige Geschichte beginnt mit dem Karolinger Lothar II., dem Sohne Kaiser Lothar's I-, der 855 in der Theilung mit seinen Brüdern, Karl und Ludwig (s. Karolinger), die Länder zwischen Schelde, Rhein, Maas und Saöne, das sogenannte Lotharingis chcRcich (I^otbarü reZonm) erhielt. Nachdem dasselbe fortgesetzt der Zankapfel des Karolingischen Geschlechts gewesen und mehrmals zu Frankreich geschlagen worden, blieb es dem Haicpttheile nach ein deutsches Lehen. Kaiser Otto I. gab das Herzogt hum L 953 seinem Bruder, dem Erzbischöfe Bruno von Köln. Um aber die Macht dieses großen Besitzes für immer zu brechen, mußte derselbe 959 das Land in zwei Herzogthümer thcilen, über welche er mit sehr beschränkten Rechten als Erzherzog die Oberaufsicht führte. Niederlothringen, das Land zwischen Lsthein, Maas Lothringen 87 und Schelde (IHiaringia Nasan» oder Rii„mrm), erhielt als Lehen ein Herzog Gottfried; Oberlothringen, das Land zwischen Rhein und Mosel bis an die Maas (LotliitrinAia Rlosollana), bekam derGrafFriedrich von Bar als Herzogthum. Überdies löste man die großen Territorien Trier, Metz, Toul und Verdun ganz aus. dem Feudalverbande, und dieselben gingen fortan nur von dem Kaiser zu Lehen. Niederlothringen oder Ostlothringen wurde im Laufe der Jahrhunderte an sehr verschiedene Häuser verliehen. Seit Heinrich II., gest. 1248, nannten sich die Herzoge von Niederlothringen nach dem Haupttheile ihres Landes Herzoge von Brabant (s.Brabant), und nach Philipp'sl. Tode, der >429 ohne Erben starb, fiel das Land an Burgund (s. d.). Die Nachkommen Herzog Friedrich's von Oberlothringen starben 1048 aus, und der Kaiser verlieh hierauf das Land an den Grafen Albrecht von Elsaß, dem 1048 sein BruderGerhard folgte. Letzterer wird als der Stammvater der ganzen lothring. Dynastie betrachtet. Der letzte unmittelbare Sprössling seines gewaltigen und kriegerischen Geschlechts, K arl ll., starb 1431 als Connetable von Frankreich und hinterließ eine Tochter Jsabella, die mit Renatus von Anjou, dem Titulaturkönig von Neapel, vermählt war. Wiewol ein Neffe Karl's II., Anton Graf von Vaudemont, die weibliche Nachfolge streitig machte, verlieh doch der Kaiser Sigismund das Herzogthum anIsabella und NenatuS von Anjou, und Anton wurde endlich zufrieden gestellt, indem sein Sohn Friedrich die Tochter Jsabella's und Anjou's, Jolantha, heirathete. DemHerzog von Anjou folgte 1453 sein Sohn Johann II., und diesem 1470 sein Sohn Nikolaus, mit welchem 1473 das Geschlecht Anjou erlosch. Oberlothringen kam nun an die eigentliche Dynastie, anNe- natus II., den Sohn Friedrich's von Vaudemont und Jolantha's, zurück, der darum als der Stifter des neuern lothring. Geschlechts angesehen wird. Unter ihm wurde das Land von K a r l d e m K ü h n e n (s. d.) von Burgund schrecklich verheert und Nancy 1475 erobert. RenatuS mußte nach Lyon entfliehen, verband sich aber von dort aus mit den Schweizern, eroberte sein Land wieder und schlug 1477 Karl den Kühnen vor Nancy, wo derselbe auch blieb. Während dem Renatus sein ältester Sohn, Anton, I5V8 in Oberlothringen folgte, stiftete der jüngste, Claudius, in Frankreich eine ausgebreitete Nebenlinie, zu welcher die Herzoge von Guise (s. d.), von Aumale, Elboeuf und Harcourt gehörten, und die 1751 mit dem Prinzen Lamb esc (s. d.) erlosch. Der Herzog Anton suchte die Ausbreitung der Reformation auf die drei Bisthümer einzuschränken und vernichtete bei Zabern das große Bauernheer, das vom Elsaß in's Land drang. Ihm folgte 1544 sein Sohn Franzi., der schon 1545 das Land seinem zweijährigen Sohne, Karl III., hinterließ. Während des Letzteren Minderjährigkeit riß Heinrich II. von Frankreich die Bisthümer Metz, Toul und Verdun an sich. Der Sohn Karl's III-, Heinrich II., folgte dem Vater 1608. Derselbe vermählte seine Tochter Nicola mit seinem Neffen, der ihm 1624 in der Negierung als Karl IV. folgte. Unter diesem schwachen Fürsten wurde das Land von den Franzosen furchtbar heimgesucht: Weil Karl IV. den Herzog Gaston von Orleans (s. d.), den Bruder König Ludwig's XIII., unterstützte, eroberte der Cardinal Richelieu 1634 Oberlothringen, gab es zwar zurück,vertrieb aber 1642 denHerzög nochmals. Karl starb l 670 und Frankreich behielt und verwüstete das Land. Sein Sohn Karl V., berühmt als kaiserlicher General durch seine Lhaten gegen die Türken, versuchte 1666 und 1667 sein Erbe von Ludwig XIV. ohne Erfolg wieder zu erlangen. Erst im Frieden zu Nyswijk 1697 erhielt Karl's V. ältester Sohn, Leopold Joseph Karl, das Land wieder zurück; doch mußte er die Festungswerke von Nancy und Bitsch schleifen und andere drückende Bedingungen eingehen. Ihn beerbte 1729 sein Sohn Franz Stephan IV., dessen Mutter, Charlotte von Orleans, die Bevölkerung als Vormünderin hart bedrückte. Im poln. Erbfolgekriege nahm Frankreich 1733 das Land nochmals in Beschlag und behielt es mit dem Herzog- thume Bar. doch mit Ausnahme der Grafschaft Falkenstein, zufolge des wiener Friedens von >735 einstweilen für den König Stanislaus (s.d.) von Polen, der seine Negierung 1737 antrat. Fran z Steph an (s.d.) aber, der sich mit der Erzherzogin Maria Theresia vermählte, erhielt von seinem Schwiegervater, Kaiser Karl VI., zur Entschädigung das Großherzogthum Toscana. Nach des Königs Stanislaus Tode, am 23.Febr. 1766, wurde Oberlothringen für immer dem stanz. Reiche einverleibt; doch war den Großen Sitz und 88 Lotrchius Lotterie Stimme auf den deutschen Reichs- und Kreistagen Vorbehalten» welches Vcrhältniß erst der Friede zu Luncvillc im I. 1801 aufhob. Dgl. Eticnne, „iräsumv clc I'tiistoire eie I^nrruine" (Par. 1825). Lotlchlils (Petrus), zum Unterschied von seinem Oheim gleiches Namens auch Se- cufltus genannt, einer der berühmtesten neuern lat. Dichter, der Sohn eines LandmanncS, geb. zu Schlüchtern im Hanauischen am 2. Nov. >528, studirtc zu Marburg Medicin und bann in Wittenberg Philosophie, alte Sprachen, Beredsamkeit und Poesie. Hierauf diente er unter den Truppen des Schmalkald. Bundes und machte dann als Führer einiger reichen Jünglinge Reisen durch Frankreich und Italien. In Padua prsmovirte er als Doctor der Medicin. Nachdem er l 557 zurückgekehrt, wurde er Professor der Medicin zu Heidelberg, wo er aber schon am 7. Nov. l 560 starb, wie man sagt, an einem Liebestranke, der ihm in Bologna credcnzk worden war. Seine lat. Gedichte, namentlich die Elegien, in denen er an Leichtigkeit und Anmuth mit seinem Vorbilde Ovid wetteifert, geben ihm einen Platz unter den größten lat. Dichtern der neuern Zeit. Die von ihm selbst veranstaltete Ausgabe derselben von 155 l ist sehr selten; später wurden sie von P. Burmann (2 Bde., Amst. 1754, 4.) und Kretschmar (Drcsd. > 773) herausgegcben und von Kößlin ins Deutsche übersetzt (herausgeg. von Fr. Blum», Halle 1826). Vgl. Hage, „Vita l.otic!,','," (Lp;. > 603). — Nicht minder berühmt als lat. Dichter ist ein Bruderssohn von ihm, Joh. Pet. L., geb. am 8. Marz l 508 zu Nauheim, der in mehrenStädteuDeutschlands theils als praktischer Arzt, theils als Lehrer der Medicin rnhmlichst wirkte und zuletzt als kaiserlicher Rath und Historiograph l 669 zu Frankfurt am Main starb. Von ihm besitzen wir eine nicht unbedeutende Anzahl von Gedichten, die unter dem Titel „Vacle niecum sive epigrummutum noroiiim centurise <1»-re" (Franks. 1625) und „koemsts" (Marb. 1640) erschienen, außerdem eine „vibliotlleca poetsrum" (4 Dde., Mark. 1625) und mehre historische und medicinische Schriften. Lotophägeil (gri'ech ), d. h. Lotusesser, nannten die Alten eine im Norden von Afrika, wahrscheinlich an der Küste Libyens oder in der kleinen Syrte wohnende, friedliche und gastfreie Völkerschaft, die von den süßen und wohlriechenden Früchten des dort einheimischen Lotusbaumcs, die sie genoß, "den Namen erhielt und der homerischen Dichtung zufolge auch den Odysseus, der auf seinen Irrfahrten dorthin kam, aufnahm. Lotos oder Lotus nannten die Griechen verschiedene Fruchtbäume, unter Anderm « ilne Strauchart (l^atn, IH,)-571 ein öffcntli- äier Beamter als Aufseher über die Lotterie vor. Aus Italien kamen die Lotterien unter dem Namen Blangue (vom ital. bianca, weil die meisten Loose Nieten, leeres, weißes Papier waren) nach Frankreich. Zn den I. 1582 und 1588 errichtete Louis de Gonzaga eine solche Blanque in Paris zur Ausstattung armer Mädchen und 1660 Tonti eine lilan^ue rnzule. (S. Tont ine.) Seit dieser Zeit gab es in Frankreich nur lotteries r»>ales, deren Ertrag gewöhnlich zu öffentlichen Bauten verwendet wurde. In England kommt die erste Lotterie 1567 vor; 1612 wurde eine Lotterie zum Besten'der engl. Colonicn und >680 eine solche dem Unternehmer einer Wasserleitung gestattet. Unter dem Canning'schen Ministerium dagegen wurden die Lotterien für immer abgeschafft und als nachtheilig für die Wohlfahrt der Nation aus der Staatseinnahme gestrichen. In Amsterdam wurde schon 15-19 eine Lotterie zur Erbauung eines Kirchthurms gezogen. In Hamburg wurde 1653 eine Lotterie nach Holland. Weise und in Nürnberg 1699 die erste Claffenlotterie errichtet. Die meisten deutschen Lotterien sind gegenwärtig Geldlotterien und werden classenweise gezogen, um durch allmälige Zahlungen den Einsatz zu erleichtern; die große Hamburger aber ist bei Einer Ziehung stehen geblieben. Neben den Geld- und Waarenlotterien sind in neuerer Zeit, namentlich in der östr. Monarchie, in Baiern und im Mecklenburgischen, auch Güterlotterien aufgekommen, und Fabriken, Rittergüter, ja ganzeHerrschaften werden unter öffentlicher Genehmigung und gewöhnlich unter Bürgschaft bedeutender Handelshäuser, welche die Dcbilirnng übernehmen, ausgespiclt, um den verschuldeten Besitzern derselben zum Arrangement zu helfen. Sicherlich tragen auch die Lotterien zur Förderung des Staatswohls nicht bei, allein da dem Menschen die Neigung, sein Glück zu versuchen, angeboren ist, so kann nicht geleugnet werden, daß cs immer noch das Beste ist, wenn der Staat die Befriedigung derselben durch eine einfache Geldlotterie übernimmt, den Spielern die Einlage nach Abzug von höchstens zehn Procent wiedergibt und durch strenge Beaufsichtigung der Collcctenrs alle damit verbundenen Nachtheile möglichst entfernt. Wie aber bas Lotto im höchsten Grade vcrdammlich erscheint, so sind auch alle Güterlotterien nur von »achtheiligem Einflüsse, weil die Güter zu willkürlich abgeschätzt und in Folge davon die Spieler zu sehr übervortheilt werden. Auch hat man die Lotterien mit den Staatsanleihen verbunden. So wurden in Ostreich, Dänemark, Baden und andern Staaten, sowie von der Seehandlung in Berlin Prämienanleihen gemacht. Die neuesten Beispiele dieser Art sind die kurhcss. und die bad. Anleihe», welche für den Gläubiger so nachthcilig eingerichtet sind, daß sie nur wenig mehr als 2'/- Procent jährlichen Zins gewähren. Lotz (Joh. Fricdr. Eusebius), geb. am 13. Jan. >771 zu Sonnenfeld, gesi. am 13. Nov. 1838, studirtc seit 1787 die Rechte in Jena und trat 1790, da der Tod seines Vaters seine Absicht, die akademische Laufbahn zu betreten, vereitelte, als Hofad- vocat in Sonnenfeld und später in Hildburghausen in die Praris und 1795 in den Staatsdienst, wo er zum Kanzleirath und Geh. Negierungs- und Lehnssecretair auf- rückcc, aber, weil er seine Beförderung zum wirklichen Mitgliede der Negierung nicht 9st London annehmen wollte, bei dem Minister in Ungnade fiel und 1806 als Justizamtmann nach Heldburg versetzt wurde. Dies bestimmte ihn, 181 v den Ruf, in sachsen-koburg. Dienste als Wirklicher Regierungsrath zu treten, anzunehmen, wo er dann rasch zum Geh. Conferenzrath und Mitglied des Ministeriums aufstieg und bei den wichtigsten Staatsverhandlungen, z. B. der Theilung der gothaischen Lande, dem Zollverein, der Beruhigung von St.-Wendel, gebraucht, auch >815 Spruchmann des Deutschen Bundesschiedsgerichts wurde. Er war ein biederer Mann von gesegneter praktischer Wirksamkeit. Berühmt aber machte ihn sein literarisches Streben, das ihn unter die ersten nationalökonomischen Schriftsteller erhebt, ihm auch I8I S einen Ruf an die Universität zu Bonn verschaffte, den er ablehnte. Er begann es 1797 mit einem „Gutachten über den Entwurf einer Proceßordnung für Kursachsen", dem „Juristische und staatswisscnschaft- liche Nachrichten" (Hildburgs). >799), die Schrift „Über den Begriff der Policei und den Umfang der Staatspoliceigewalt" (Hildburgs). >806), „Ideen über öffentliche Arbeitshäuser" (Hildburgh. >8ll), die „Revision der Grundbegriffe der Nationalwirthschafts- lehre" (4 Bde., Kob. 18 ll fg.), „Civilistische Abhandlungen" (Kob. 1820) u. s. w. folgten. Sein Hauptwerk ist aber sein „Handbuch der Staatswirthschaftslehre" (3 Bde., Erlang. 1820—22; 2. Aust., 1837—38). Er ist Anhänger Adam Smith's, hat aber die Grundbegriffe mit ausgezeichnetem Scharfsinn entwickelt und geschieden und das System in wichtigen Punkten berichtigt und fortgebildet. Ausgezeichnet in der reinen Nationalökonomie, nimmt er bei der Anwendung ihrer Lehren auf Güterpolice und Finanz weniger Rücksicht auf das Gegebene und die Besonderheiten der Wirklichkeit, als man von dem praktischen Gcschäftsmanne erwarten sollte. In seinen Schriften über Policei und Juristisches zeigt er sich mild, gemäßigt, als erfahrenen Menschenkenner. Seine politische Ansicht war die des gemäßigten Conservativen. London oder Laudon (Gideon Ernst, Freiherr von), einer der berühmtesten östr. Generale, geb. am 10. Oct. 1716 zu Trotzen in Liefland, war der Sprößling einer aus der Grafschaft Ayre in Schottland stammenden alten, aber armen Familie, von der ein Zweig im 14. Jahrs), nach Liefland ausgewandert. Er trat 1731 als Cadet in russ. Dienste, wohnte der Belagerung von Danzig bei, zog mit dem Hülfsheere der Kaiserin Anna an den Rhein und wurde in dem Feldzüge gegen die Türken und Tataren Lieutenant. Nach dem Frieden im I. >739 verabschiedet, beabsichtigte er, in östr. Dienste zu treten, wurde aber auf seinem Wege über Berlin von einigen gleich ihm verabschiedeten Kameraden beredet, Friedrich II. seine Dienste anzubieten. Doch dem Könige, den er erst nach langem Warten zu sehen bekam, misfiel.sein Gesicht und sein röthliches Haar und mit der Äußerung „I^a pkzcsiogoomie 756 den Theresicnorden und wurde zum Feldmarschalllieutenant befördert. Hierauf kämpfte er gegen Fouque in den Engpässen von Braunau, streifte bis ins Brandenburgischc und half den Sieg bei Hochkirch herbeiführen, den die Kaiserin mit seiner Erhebung in den Freiherrnstand belohnte; auch entschied er allein 1759 durch sein Eingreifen im rechtzeitigen Momente den Sieg bei Kunersdorfss. d.) und erhielt von jetzt an, zum Feldzcugmeister ernannt, ein eigenes Corps von 30090 M. Mit diesem gewann er gegen den tapfern Fouque am 29. Juni 1760 die Schlacht bei Landshut in Schlesien; auch erstürmte er Glaz und berennte Breslau, ohne jedoch diese von Tauentzien tapfer vertheidigte Festung cinnehmen zu können. Nach der Schlacht bei Liegnitz deckte er den Rückzug der Daun'schen Armee so meisterhaft, daß Friedrich II. sagte: „von ihm müsse man retiriren lernen, er räume das Feld wie ein Sieger". Im Feldzuge von 1761 fand er wenig Gelegenheit, seine Tapferkeit auf dem Schlachtfelde zu zeigen. Dagegen führte er sehr geschickt die schwierigen Unterhandlungen mit dem zu keinem Entschlüsse zu bringenden ruff. Feldherrn Butturlin. Den Schluß dieses Feldzugs krönte er mit einer ebenso kühnen als in der Kriegsgeschichte merkwürdigen That, indem er am l.Oct. ohne vorgängige Einschließung das feste, wohlverproviantirte und stark besetzte Schweidnitz durch einen Handstreich nahm, ein Wagniß, für welches ihn der Hofkriegsrath in Wien Lust hatte, zur Rechenschaft zu ziehen. Nach dem Hubertusburger Frieden von der Kaiserin mit Geschenken und Ehrenbezeigungen überhäuft, besuchte er zur Wiederherstellung seiner Gesundheit Karlsbad, wo er mit Gellert innige Freundschaft schloß; auch begleitete er Joseph II. auf seiner Reise durch die ncuerworbcnen Provinzen Galizien und Lodomericn. Beim Ausbruch des bair. Erbfolgekrirgs erhielt er, zum Feldmarschall erhoben, den Oberbefehl über eine eigene Armee. So wenig Gelegenheit er auch hier fand, sein Feldherrntakent zu zeigen, so war er cs doch vorzüglich, der die Preußen abhiclt, etwas Entscheidendes zu unternehmen. Nach dem Frieden zu Teschcn gab er sich wieder der Beschäftigung mit den Wissenschaften hin, bis Joseph II., in seinem Feldzuge gegen die Türken unglücklich, sich entschließen mußte, den allen erfahrenen Krieger zu Hülfe zu rufen. Von diesem Augenblicke an wendete sich das Kriegsglück zu Ostreichs Fahnen. Dubicza wurde genommen, ein türk. Heer unter den Mauern dieser Feste geschlagen, Belgrad erstürmt und Semendria beseht. Für die Eroberung Belgrads schenkte der Kaiser ihm den ganz aus Brillanten bestehenden und im kaiserlichen Familienschatze aufbewahrlen Stern des Theresienordens, den eigentlich nur der Monarch selbst als Großmeister tragen durfte und den Kaiser Leopold II. nach L.'s Tode von dessen Witwe für 50000 Fl. einlöstc; auch wurde ihm, was seit Eugen in Ostreich Keinem verliehen worden war, die unumschränkte Gewalt und der Titel Generalissimus ertheilt. Dieser Feldzug schloß L.'s kriegerische Laufbahn; denn als unmittelbar darauf gegen Preußen ein vstr. Heer in Mähren aufgestellt wurde, das mit Freuden seinen alten Führer an seiner Spitze sah, überraschte ihn der Tod im Hauptquartiere zu Neutitzschcin in Mähren am 14. Juli 1790. Sein Grab zu Hadersdorf unweit Wien, einer ihm von der 92 Lovisd'or Lonvel Kaiserin geschenkten Besitzung, schmücken Werkstücke einer bei der Eroberung von Belgrad aufgefundenen Grabstätte. Außer seinem hervorragenden Fcldhcrrntalent zierten L. als besondere Tugenden rastlose Thätigkeit, unversiegbare Liebe zu den Wissenschaften, Mäßigkeit und Bescheidenheit, und charakteristisch an ihm war es, daß die Raschheit und Kühnheit seiner Entwürfe mit den Jahren eher zu steigen als zu sinken schien. Louisd'or, eine seit Ludwig (Louis) XIll. in Frankreich übliche Goldmünze, welche ihren Ursprung dem auch in Frankreich verbreiteten Unwesen, das Gold zu verfälschen, zu beschneiden u. s. w., verdankt. Die coursirenden Goldmünzen wurden damals eingewechselt und dagegen eine geränderte Goldmünze mit des Königs Brustbild ausgegeben. Ursprünglich trug der Revers ein aus vier oder acht Lilien zusammengesetztes Kreuz; unter Ludwig XV. aber meist ovale Schilde und seit Ludwig XVI. eckige Schilde. Die Münzen der beiden letzten Könige nennt man daher auch Schildlouisd'or. Die Louisd'ore Lud- wig's XVI., welche im Revers die Schilde mit den Lilien und den Ketten von Navarra führen, nennt man gewöhnlich Louis» eufs. Bon allen diesen Sorten gibt cs auch dop- pelte Stücke, ckoubl« I^ouis oder Uoudlou. Die vier» und zehnfachen Lguisd'ore dagegen sind als Medaillen zu betrachten (quaclriij>les L-auis oder piece» 81-1, als die Ver- kündeten Frankreich überzogen, stieg ihm der Gedanke auf, zur Errettung seines Vaterlandes die Bourbons aus der Welt zu schaffen. Er reiste nach Elba, um den Kaiser zu sprechen, kehrte aber unverrichteter Sache zurück und trat nach Napoleon's Rückkehr als Satt- lergcscll in die Hofställe, welche Stellung er auch unter den Bourbons behielt. Die politischen Vorgänge der Restauration steigerten seinen Haß gegen die Dynastie, und er entschloß sich endlich, die Ausrottung des Geschlechts mit dem Herzog von Bern zu beginnen, weil auf diesem die Nachkommenschaft beruhte. Als der Prinz am 13. Febr. 182» gegen 11 Uhr Abends seine Gemahlin aus der Oper nach dem Wagen führte, drängte sich L. heran, faßte denselben bei der linken Schulter und stieß ihm ein Messer in die rechte Seite. Der Mörder wurde auf den Schrei des Prinzen ergriffen und in der Wache des Opernhauses sogleich vom Minister Decazes verhört, wobei er erklärte, daß er die Thar nicht aus persönlichem Haß, sondern zur Vertilgung der ärgsten Feinde Frankreichs unternommen habe. Dasselbe behauptete er auch während des Protestes, der drei Monate hindurch vor der Pairskammer verhandelt wurde. Ungeachtet der eifrigsten Nachforschungen konnte man keine Mitschuldigen entdecken. Der Vertheidiger L.'s schützte Wahnsinn vor und berief sich auf die letzte Bitte des Prinzen, den Mörder zu begnadigen. L. selbst verlas eine trotzige Ver- theidigung. Dessenungeachtet verurtheilte ihn der GerichtshofzurTodesstrafe, die am7.Juni I82Ü vollzogen wurde. Vgl. „Histoirs lill praces cle k>. assassin" (2 Bde., Par. 1820). Louvet de Couvray (Jean Bapt.), franz. Schriftsteller und Conventsmitglied, wurde am I I. Juni 1760 zu Paris im niedrigen Stande geboren. Er eignete sich eine sehr lückenhafte Schulbildung an, besaß aber um so mehr Geist und Phantasie und übernahm bei dem Akademiker Dietrich im Alter von 17 Jahren eine Secretairstelle. Später trat er als Commis bei einem Buchhändler ein. In dieser Stellung schrieb und veröffentlichte er von 1787—80 seinen vielgelesenen, schlüpfrigen Roman „k.e5 aventnres 797 aus dem Nathe geschieden, legte er einen Buch, laden an, dessen Geschäfte seine Frau führte. Zum Mitgliedc des Instituts ernannt und in die Section für Grammatik verwiesen, konnte er den Mangel an classischer Bildung nicht verbergen und erlitt dafür die ärgsten Angriffe. Als er vollends die Beschränkung der Preßfreiheit foderte, wurde er mit Schimpf und Spott überschüttet. Er unterlag diesem Kampfe und starb -am 25. Aug. 1797. Seine Frau, die ihn zärtlich liebte, versuchte sich durch Gift zu tobten, wurde aber gerettet. Übrigens war er einer der ausgezeichnetsten Redner der Revolutionsepoche. Louvois (Franc. Michel Letcllier, Marquis de), Kriegsminister Ludwig's XlV. von Frankreich, wurde am l8. Jan. 1641 zu Paris geboren. Sein Vater, welcher Kanzler und Staatssecretair im Kriegsdepartement war, kaufte ihm 1654 das Recht der Nachfolge im Amte und weihte ihn zeitig in die Geschäfte ein. Nachdem er 1662 die reicheMarquise von Courtanvaux geheirathet, entschlug er sich aller Zerstreuungen und verschaffte sich durch rast, lose Thätigkcit und Willenskraft eine tiefe Einsicht in das Wesen der Kriegsverwaltung. Schon 1666 überließ ihm der Vater die ganze Last der Geschäfte, und L. erlangte bald um so mehr Macht und Einfluß, als Ludwig XlV. glaubte, er habe sich seinen Minister erzogen. Während Colbert, mit dem er in Feindschaft lebte, die Finanzquellen eröffnete, schuf L. ein großartiges Heer und hob das Genie - und Artilleriewesen unter der Beihülfe Vauban's (s.d.) aufeine außerordentliche Stufe. Zugleich wurde er aber auch aus Ehrgeiz und Sucht, sich unentbehrlich zu machen, der Dämon des Kriegs. Er verwickelte den König in kühne, weitgreifende Plane und entflammte dessen Leidenschaft nach Eroberung. Als der Friede zu Aachen im Z. 1668 den Krieg mit Spanien geendet, regte er den König gegen die Niederländer aus. Der Krieg begann im Vertrauen auf ein wohlausgerüstetes Heer von 186000 M. Turenne und Condc hatten vorgeschlagen, einen vortheilhaften Frieden durch den schnellen Marsch auf Amsterdam zu erzwingen; allein L. wußte dies zu Hintertreiben. Nachdem bereits im Mai 1672 die Hälfte der Niederlande dem König in die Hände gefallen war, hielt ihn L. zurück, und die Holländer erzwangen nun den Rückzug der Franzosen durch die Öffnung der Schleusen. Ebenso benahm sich L. im Feldzuge von l671, dem er beiwohnte; Turenne griff gegen die Befehle des Ministers an, befolgte aber leider die Anweisung desselben, die Pfalz mit Raub und Brand zu verheeren. Nach dem Frieden von Nimwegen, den er verhandelte, war L. nächst dem Könige der mächtigste Mann in Frankreich. Er sorgte nun mit verdoppelter Kraft für die taktische Ausbildung des Heers, bewog den König zu den berüchtigten Reunionen und übersiel und nahm am 30. Sept. >68l Strasburg. Zum Unglück starb Colbert !683, worauf L, sich auch in die Finanzen mischte und ein System der Erpressung und des Borgens begründete, das Frankreich allmälig an den Abgrund brachte. Da er den König von der Verbindung mit der Maintenon (s. d.) abgerathen und wenigstens erzwungen hatte, daß die Ehe nie öffentlich erklärt würde, so mußte er bei dem steigenden Einflüsse derselben Alles aufbieten, um sich seinem Herrn unentbehrlich zu machen. Er bewog zunächst den König, die müßigen Truppen zur Bekehrung der Protestanten zu verwenden, und wurde hiermit der Urheber der Greuel, welche folgten. Als dennoch seine Stellung zu wanken begann, verwickelte er den König 1688 in den Krieg mit dem Deutschen Reiche. Die nächste Veranlassung dazu war, wie erzählt wird, ein Streit des Königs mit dem Minister über ein zu groß angelegtes Fenster im Lustschlosse zuTrianon, welches unter derAufsicht L.'s/der nach Colbert'sTode auch Intendant der königlichen Bauten war, errichtet wurde. „Ich bin verloren", rief L. wüthend aus, „wenn ich dem Manne nicht Beschäftigung verschaffe; wenn ich ihn mir nicht durch einen Krieg vom Leibe halte". So begann der lange, muthwillige Krieg, der Frankreich entkräftete, in Europa verhaßt machte und erst 1607 mit dem Frieden von Nyswijk endete. Der Seeminister Seignelay schlug nach der Kriegserklärung Wilhelm's III. vor, England zur See anzugreifen. Aber L. widersetzte sich diesem Plane heftig, indem er so Einfluß und Gewalt verlieren mußte. Unter dem Vorwände, die Grenzen des Reichs sicher zu stellen, ließ er 1689 die Pfalz in eine Einöde verwandeln. Heidelberg, Manheim, Worms, Speier und viele andere Städte und Orte wurden geplündert und verbrannt. Die Frau von Mainte- non machte den König auf diese Greuel aufmerksam, der hierauf dem Minister untersagte, - , Louvre Löwen 95 Trier, wie bereits beschlossen wer, zu verbrennen. Als L. jedoch die Maßregel wiederholt vorschlug und vorgab, daß er, um dem Könige Gewissensunruhe zu ersparen, den Befehl zur Einäscherung der Stadt schon habe abgehen lassen, griff der König nach der Feuerzange im Kamin und würde den Minister gemishandclt haben, hatte sich nicht die Maintenon dazwischen gelegt. Solche Auftritte wiederholten sich und untergruben die Gesundheit des ehrgeizigen Ministers, der seinen Fall über Alles fürchtete. Nach einem bei der Maintenon am 10 . Juli 1691 gehaltenen Staatsrathe, in welchem das Benehmen des Königs besonders hart und drohend gewesen war, starb er plötzlich während eines Aderlasses. Einige behaupteten, der Ärger habe ihn getödtet, Andere, er sei durch einen Diener seines Hauses auf Anstisten des Herzogs von Savoyen vergiftet worden. Obschon Ludwig das größte Verwaltungsgenie verlor, schien er sich doch über die Entäußerung dieses Mannes zu freuen. — Ein Nachkomme des Ministers ist der reiche, durch seine industriellen Bestrebungen bekannte Aug. Michel Fc'licite'Letellier de Souvre, Marquis deL.,- geb. am 3. Dec. 1783, verheirathet mit der Tochter des Fürsten Joseph von Monaco. Nachdem er Kammerherr am Hofe Napoleon's gewesen, erhielt er 1815 die franz. Pairswürde. Loüvre heißt der alte königliche Palast zu Paris, am nördlichen User der Seine, ein prächtiges, vierseitiges Gebäude, mit einem Hofe in der Mitte. Der Ursprung des Namens sowie die Zeit der ersten Erbauung dieses Schlosses sind unbekannt. Man weiß nur, daß König Philipp August 1214 ein Fort und ein Staatsgefängniß daselbst anlegte, daß KarlV., 1366—80, das Gebäude verschönerte und seine Bibliothek, sowie seine Schatzkammer dahin brachte, und daß Franzi. 1528 denjenigen Theil des Schlosses errichtete, welcher jetzt das alte Louvre heißt. Heinrich IV. legte den Grund zu der prachtvollen Galerie, welche das Louvre an der Südseite mit den Tuilerien verbindet; Ludwig XUI. erbaute das Mittelgebäude und Ludwig XIV., nach den Angaben des dadurch berühmt gewordenen Arztes Perrault, die prächtige Facade gegen Osten nebst der Colonnade des Louvre, noch jetzt das vollendetste Werk der Baukunst in ganz Frankreich. Später wählte Ludwig XlV. das von ihm erbaute Schloß zu Versailles zu seinem Aufenthalt. Nachdem Napoleon das Schloß der Tuilerien bezogen hatte, fing er an, der erwähnten Galerie gegenüber eine zweite Galerie erbauen zu lassen, mittels welcher die beiden Paläste ein großes Ganze, mit einem länglich viereckigen Hofe in der Mitte, würden gebildet haben, die aber bei seiner Throncnt- setzung erst auf eine Länge von 95 Klaftern vollendet war. Die Ehre des Louvre haben, hieß ehemals in Frankreich die Erlaubniß, in alle königlichen Schlösser einfahren zu dürfen. Anfangs war dies nur ein Vorrecht der Prinzen. Als aber 1607 ein Herzog unter dem Vorwände einer Unpäßlichkeit in das Louvre fuhr, gab Heinrich IV. nicht nur ihm, sondern 1609 auch dem Herzog von Sully die Erlaubniß, solches thun zu dürfen. Endlich erhielten wäbrend der Minderjährigkeit Ludwig's XIII. alle hohe Kronbeamte und Herzoge durch Maria von Medici dasselbe Vorrecht. Löwe, die größte Art der Katzen, ist ein seit den ältesten Zeiten sehr bekanntes, gegenwärtig fast in allen Menagerien anzutreffendes Thier, welches einst viel weiter verbreitet, selbst in Griechenland vorkam, jetzt nur noch in Afrika von der Sahara bis zum Cap, und in einigen Gegenden Arabiens und Indiens einheimisch ist. Er wird bis 8 F. lang, 3 F. hoch, hat einen 4 F. langen Schwanz, eine ungefleckt gelbliche Färbung und das Männchen ist mit großer Mähne versehen. Gestalt, Betragen und Charakter find anders als bei den übrigen Katzen, und in Berücksichtigung seiner unglaublichen Stärke sowol als seiner Unerschrockenheit und seiney ruhigen Verachtung gewöhnlicher Gefahren scheint der Löwe es wohl zu verdienen, daß man ihn zum König der Thiere erklärt hat. Wie häufig er ehedem gewesen sein muß, ergibt sich aus den Nachrichten classischer Schriftsteller über die Zahl der Löwen, welche bei großen Festen den Römern vorgeführt wurden. Als Pompejus sein Theater einweihte, zeigte er auf einmal 600 lebende Löwen, Cäsar 400 männliche mit Mähnen versehene. Versuche von Zähmung sind Mehren in auffallendem Grabe gelungen, ;. B. dem sogenannten Löwenbändiger Martin, dem Menageriebesitzer van Aken u.A. DieHäute der Lötvrn kommen häufig vom Cap, haben aber im Handel nur geringen Werth. Löwen, franz. Louvain, in der belg. Provinz Südbrabant, an der Dyle, welche einen Theil der Stadt durchfließt, und an einem Kanal aus derselben in die Rüpel, wo- I' 98 Löwen (Ioh. Friede.) Löwenbund durch sie mit Mcchcln und der Schelde in Verbindung sicht, hat gegen zwei Stunden im Umfange, ist aber ein sehr stiller Ort, indem zwei Dritthcile ihres Umfangs landwirch. schaftlichcn Zwecken dienen. Größeres Leben herrscht nur an und bei dem Markte, wo sich auch die Hauptgebäude befinden. Dahin gehören das Nathhaus, eines der schönsten Gebäude im spätem goth. Stile, vollendet 1469, mit reicher Bildhaucrarbcit, im Innern aber sehr modern; die Peterskirche, im schönen goth. Stile, >358—>460 erbaut, mit in Holz geschnitztem Hauptportal und herrlichen Gemälden und andern Kunstsachcn im Innern; das alte Zunfthaus der Brauer (Muisnn cles Iirasscmrs), im Renaissancestile; und in einer Seitenstraße am Markte die Hallen, die, 1317 von der Weberzunft erbaut, >679 aber der Universität überlassen, noch gegenwärtig von dem Neichthum und Geschmack ihrcrEründer Zeugniß oblegen. Auch die übrigen Kirchen in L. sind im Besitz guter Bilder. Die Zahl der Einwohner beläuft sich auf 2406«. Die vom Herzoge Johann IV. von Brabant 1426 gestiftete Universität mit einer beträchtlichen Bibliothek, der bedeutendsten des Landes, in einem reich mit Holzschnitzwcrk gezierten Saale der Hallen, einem botanischen Garten und einem anatomischen Theater, galt im 16. Jahrh. für die erste in Europa, besonders in Be- ziehung auf die katholisch-theologische Facultät, und zählte 6000 Studenten. Nachdem sie unter Kaiser Joseph II. einige Zeit gehemmt gewesen und in Folge des franz. Nevolutions- kriegs eingegangen war, wurde sie später in ein Lyceum verwandelt, unter der holländ. Negierung aber >8>7 wiederhergestellt. Sie zählte vor der Revolution von >83« gegen 700 Studirende, sank aber dann sehr schnell in ihrer Frequenz herab. Das philosophische Collegium an derselben, welches der König Wilhelm I. für die Bildung katholischer Geistlichen errichtet hatte, mußte >830 wieder aufgehoben werden, da die Bischöfe sich weigerten, die Zöglinge dieser Anstalt in ihre Seminaricn aufzunehmen oder sie als Priester anzustcl- len. Gegenwärtig ist sie noch immer die besuchteste aller bclg. Universitäten, indem sie 600 Studirende zählt. Sie ist eine freie Universität, da die Mittel zu ihrer Unterhaltung von der Geistlichkeit beschafft werden, wird aber im Gegensätze zu der freien Universität in Brüssel gewöhnlich die katholische genannt. Zu Anfänge des >4. Jahrh., wo L. als Hauptstadt des Herzogthums Brabant und als Residenz 150000 E. zählte, hatte es gegen 4000 Tuch- manufacturcn. Eifersüchtig gegen den Adel erhoben sich >332, wie in andern Städten Flanderns, die Tuchweber zu offenem Aufstande und warfen > 7 adelige Mitglieder des Raths zu den Fenstern hinaus, wo sie mit den Lanzenspitzen aufgefangen wurden. Durch den Herzog Wenzel überwältigt, wanderten viele der Arbeiter aus der nun hart bedrängten Stadt nach England aus, wohin sie ihren Gewerbfleiß und ihre Geschicklichkeit verpflanzten. Von dieser Zeit an begann der Verfall 8.s, der noch fortdauert. Als besonders wichtig sind gegenwärtig noch hervorzuheben die Bierbrauereien, die jährlich gegen 15000» Fässer Bier ausführen, einige Zuckersiedereien, Baumwollenspinnercien und Blondenfär- bereicn; auch wird noch beträchtlicher Getreidehandcl getrieben. Löwe» (Joh.Friedr.), deutscher Dichter, geb. 1729 zu Klausthal, studirte die Rechte, war eine Zeit lang Sccretair in Schwerin, >767 bei den vergebliche» Versuchen, die Hamburger Bühne zu heben, bctheiligt und starb am 23. Dec. >771 als Registrator in Rostock. Untcrseinen jetzt vergessenen Dichtungen stehen obenan seine „Romanzen", die als Vorläufer von Bürgcr's komischen Dichtungen zu betrachten sind; andere satirische Gedichte und Lustspiele von ihm haben wenigstens höher» Werth als die ernstern Inhalts. Anerkcnnens- werth ist sein Eifer für die Hebung der deutschen Bühne, den er auch durch theoretische Schriften bethätigte. Seine „Schriften" erschienen gesammelt in vierBänden (Hamb. > 765—66). Löwenbund oder Gesellschaft vom Leuen nanntesich der Nitterbund, welcher 1379 zu Wiesbaden zu dem Zwecke zusammcntrat, den Fehden untereinander zu entsagen, den mit Andern möglichst zu steuern und, wo Solches nicht möglich, sich einander beizüste- hen. Er vereinigte sich nachmals mit den gleiche Zwecke verfolgenden Gesellschaften von St.-Wilhelm und St.-George, trat auch mit einigen schwäb. Städten in Verbindung und scheint sich dann gleichzeitig mit dem Städtebunde aufgelöst zu haben. — Löwenbund oder Gesellschaft von dem Leon hieß ferner der vom Kaiser Friedrich III. 1489 bestätigte Nittervercin gegen die Herzoge Albrecht IV. und Georg von Baiern, der sich später ebenfalls mit der Gesellschaft von St.-Ecorge und dem schwäb. Städtebunde vereinigte. Löwendal Löwenstei» 97 n Löwendal (Ulrich Friedr. Woldemar, Graf von), der Urenkel König Friedrich'- lll. ). von Dänemark, gcb. 17,»0 zu Hamburg, der Sohn des Freiherr,, Woldcmar von L., ch der >7«a als Oberhofmarschall und CabinetSministcr zu Dresden starb, begann 1713 als c- kaiserlicher Soldat in Polen seine kriegerische Laufbahn und wurde 1714 Capital,,. Als er Freiwilliger trat er später in dän.Dienste, 1716 aber wieder in kaiserliche Dienste, in denen lz er sich in der Schlacht bei Petcrwardcin und bei den Belagerungen von Temeswar und ,; Belgrad auszcichncte. Dann nahm er in Sardinien und Sicilien an allen Schlachten des cr Kriegs von 1718—21 Antheil. Während des Friedens studirte er das Artillerie- und Geer niewesen. Hierauf trat er in die Dienste des Königs August von Polen, der ihn zum Felder marschall und Generalinspeckor der sächs. Infanterie ernannte. Der Tod dieses Monar- hl chen im Z. >733 gab ihm Gelegenheit, sich durch seine muthige Vertheidigung Krakaus !6 auszuzeichnen; in den I. >734 und 1735 befehligte er die sächs. Truppen am Rhein, in Nachdem er sodann in die Dienste der Kaiserin von Rußland getreten, erwarb er sich durch ,d sein Benehmen in der Krim und Ukraine solcbe Anerkennung, daß ihm ein Kommando e- übertragen wurde. Jndeß sehr bald zog ihn Ludwig XV. in seine Dienste. Er wurde 17 43 sie Eenerallieutenant und zeichnete sich >744 bei den Belagerungen von Menin, Ipern und z. Freiburg durch Klugheit und Tapferkeit aus. Im 1.17 4 5 befehligte er das Reservecorps in d. der Schlacht bei Fontenai, an deren glücklichem Ausgang er rühmlichen Antheil hatte, en Dann eroberte er Gent, Oudenarde, Ostende und Nieuport. Im folgenden Jahre nahm er he l'Ecluse, Sas de Gand und die übrigen Festungen im holländ. Flandern; zugleich traf er st, Anstalten zur Vertheidigung von Antwerpen. Die Festung Bergen op Zoom, welche bis n, dahin für unnehmbar gehalten worden war und von einer zahlreichen Besatzung und von ll- einem noch zahlreicher» Heere, das vor ihren Thoren ein Lager aufgeschlagen hatte, ver- >0 theidigt wurde, eroberte er „ach kaum eröffneten Laufgräben am 16. Sept. 1747 mit en . Sturm und empfing dafür am folgenden Tage den Marschallsstab. Er starb >735. L. bc- is- saß im Geniewesen, in der Geographie und Taktik die gründlichsten Kenntnisse, sprach ladt teinisch, deutsch, englisch, italienisch, russisch und französisch mit gleicher Geläufigkeit und h. verband mit diesen Vorzügen eine seltene Bescheidenheit und Herzensgüte. Gleich Moritz, en dem Marschall von Sachsen, seinem vertrautesten Freunde, wußte er das Studium der es Kriegswissenschaften mit dem Genüsse der rauschendsten Vergnügungen zu vereinigen, ich Löwenhaupt (Adam Ludw.), schweb. General, geb. am 1 5. Apr. 1 659 auf der In- ig. sel Seeland im Lager vor Kopenhagen, studirte in Lund und Upsala und später ,'n Witten- tr> berg und Rostock. Da er nach beendigten Studien eine paffende Anstellung im Vaterlande r§ nicht erhalten konnte, trat er in bair. Kriegsdienste, in denen er als Rittmeister gegen die Türken in Ungarn focht. Erst >697 kehrte er nach Schweden zurück, wo ihn KarlXlI. zum ir- Chef eines neugeworbcnen Regiments machte. In dem nord. Kriege focht er sehr glücklich gegen die Russen und stieg dadurch zum General der Infanterie auf. Doch im I. 1708, als er dem Könige ein Hülfscorps von 16000 M. zuführen wollte, erlitt er bei Slop am Dnjepr durch Peter den Großen eine Niederlage. Zwar schlug er sich zum Könige durch, ch allein nach der Schlacht bei Pultawa mußte er 1709 eine Kapitulation abschließen, welche den Rest der schweb. Armee in russ. Gefangenschaft brachte. Er selbst blieb gegen zehn „d Jahre als Gefangener in Rußland, wurde von Ulrike Eleonore bei ihrer Thronbesteigung zum Reichsrath ernannt, starb aber, ohne sein Vaterland wieder betreten zu haben, am js. 12. Febr. 1719. — Karl Emil, Graf von L., geb. 1692, wurde wegen der Capitu- z). lation von Helsingfors, die er 1742 als General und Oberbefehlshaber über die Truppen ,xr in Finnland abschloß, vom Kriegsgericht zum Tode verurtheilt und, nachdem ein Fluchtver-- rn, such mißlungen^ l 7 43 enthauptet. ' re- Löwenstein, eine Grafschaft mit dem gleichnamigen Bergschloß im Oberamte Weins- on berg des würtemberg. Neckarkreises, 2'/- IHM. mit 6500 E-, hatte bis in die Mitte des 15. nd Jahrh. ihre eigenen Grafen. Verletzte GrafLudwig verkaufte sie 1441 an den Kurfürsten n d Philipp von der Pfalz, der sie hierauf an Ludwig, den natürlichen Sohn des Kurfürsten be. Friedrich's I.von der Pfalz, überließ, welcher den Titel eines Grafen von L. annahm und vom rer Kaiser Maximilian l. in den Reichsgrasenstand erhoben wurde. Sein Enkel Ludwig !l, Conv.-Lex. ReunteAufl.-7 98 ^ Lowositz Lorodromische Linie nannte sich, nachdem, er die Grafschaften Werrhcim und Rochefort erworben, GrafvonL.- Wertheim. Ludwig's ll. Söhne, Christoph Ludw., gest. >618, und Joh. Thcod., stifteten die buden noch blühenden Linien, jener L.-Virneburg oder die evangelische Linie, jetzt L.-Freude nberg, dieser L.-Rochefort oder die katholische Linie, jetzt L.-Ro- senberg. Beide Linien hatten bis 1806 Sitz und Stimme im frank., die ältere auch im Hess. Grafencollegium. Auch steht ihnen das Obcrst-Erbkämmereramt in Würtemberg zu, welches jedesmal der Senior der beiden Hauptlinien verwaltet. Die ältere Linie L.-Freudenberg, wie sie sich nach den im Neichsdeputationshauptschlusse von > 803 ihr als Entschädigung zugewiesenen Besitzungen nannte, besitzt gegenwärtig über 8 IHM. mit 21800 E., hat 170000 Fl. jährliche Einkünfte und theilt sich seit 1721 durch die beiden Söhne Heinrich Friedrich's in die Vollrath'sche und Karl'sche Speciallinie, welche beide 18 l 2 vom Könige von Baiern und 1813 vom Könige von Würtemberg in den Fürstenstand erhoben wurden. Standesherr der erster» ist der Fürst Georg, geb. am >5. Nov. 1775, der zu Wcrtheim residirt, Standesherr der letztem, die im Erlöschungsfalle steht, der Fürst Karl, geb. am 26. Apr. >781. Die jüngere Linie L.-Ro send erg hieß sonst auch L. -Nochefort, wegen der ererbten Grafschaft dieses Namens in den Niederlanden, Der Graf Maxim. Karl erhielt >711 die reichsfürstliche Würde, die im folgenden Jahre auch auf seinen Nachfolger ausgedehnt wurde, und >7 >3 Sitz und Stimme auf der schwäb, Neichsfürstenbank. Für seine verlorenen Besitzungen jcnseit des Rhein wurde das Haus 1803 durch Besitzungen im Würzburgischen, Mainzischen und einige Abteien entschädigt. Auch hat es Theil an der Grafschaft L.-Werrycim u. s. w. Überhaupt betragen seine Besitzungen in Baiern, Würtemberg, Baden und im Großherzogthum Hessen, in welchen Staaten sie standesherrliche Rechte besitzen, und in Böhmen zusammen 21 UM. mit ungefähr 55000 E. und 300000 Fl. Einkünften. Der gegenwärtige Standesherr ist der Fürst Karl, geb. am 18. Juli > 7 83, der l 8 1 i seinem Vater folgte. Der Erbprinz Konstan - » tin, geb. am 28. Sept. 1802, gest. am 27. Dec, 1838, hat sich durch mehre Schriften zur Bertheidigung der standesherrlichcn Rechte gegen die neuern Entwickelungen des deutschen Staatsrechts, sowie durch die Herausgabe von „Beiträgen zur Philosophie des Rechts" (Heidelb. 1836) bekannt gemacht, in denen vorzugsweise eine Abneigung gegen das repräsentative System der neuern Zeit hervortritt. Lowosstz, ein kleines Städtchen in Böhmen, im leitmeriher Kreise, wurde durch die Schlacht am I.Oct. 1756 geschichtlich, in welcher Friedrich der Große den Sieg über die Ästreicher davon trug. Die Östrcicher wollten nämlich die bei Struppen, unweit Pirna, eingeschlossenen Sachsen befreien. Sogleich rückte Friedrich der Große, nachdem er ihre Absicht erfahren, ihnen entgegen. Die Ostreicher unter dem Feldmarschall Brown zählten 70000 M.,'die Preußen 23000 M. Bei L. trafen beide Armeen zusammen. Schon hat- ten die Preußen nach sechsstündigem unausgesetzten Kampfe alle ihre Munition verschossen und wurden unmuthig, als der Prinz von Bevern sie von neuem ermuthigte und mit ihnen zum Bayonnetangriff überging, durch den die Ostreicher endlich zurückgedrängt und aus L., das man in Brand steckte, vertrieben wurden. Lowth (Rob.), einer der geistvollsten und gelehrtesten Bischöfe der engl. Kirche, geb. 1711 zu Duriton, studirte seit 1730 in Oxford, wo er 1731 Professor der hebr. Sprache wurde. Seine 1753 erschienenen Vorlesungen „ l)o sucru >,oesi Lelrrueorum" (neue Ausg. von Rosenmüller, Lpz. 1815) gründeten seinen Ruhm. Im I. 1755 als Kaplan des Vi- cekönigs, Marquis von Harrington, nach Irland gesendet, wurde er Bischof von Limerick, vertaujchtc aber sehr bald diese Würde mit einer Pfründe in Durham und wurde dann 1766 Bischof von St.-Duvids, bald nachher von Oxford und 17 77 von London, wo er am 3. Nov. 1787 starb. Seine letzte Arbeit war eine Übersetzung des Jesaias mit kritischer Einleitung und Anmerkungen, die Koppe deutsch herausgab (GLtt. 1770 fg.). Auch gab er eine, treffliche engl. Sprachlehre heraus (Lond. 1762 ). Lopodromische Linie, d. i. Linie des schiefen Laufs, nennt man eine auf einer Kugelfläche oder auf der Oberfläche eines elliptischen Sphäroids gezogene Curve von doppelter Krümmung, welche die Eigenschaft hat, daß sie alle aus einem Pole gezogene größte Kreist (Meridiane) unter demselben Winkel schneidet. Sie wird in der Schiffahrt gebraucht, der der zu fen so na Je voi sch eitl 15 au rer H- er scr hei ne> de> in da cai ga au ter sel 15 mi wi Pl dei wi vo IS di« »u sck wi dr kl« 4 l! F ft 8. 2 ! ss d« vl b. 8 Loyola Lozere 99 i- o- m u, a° >t- t-, n- de n- >v. )k, :n. >rc ib. us zt. st- en ;e- rst n- i"r >en s" cä- die die lIL, hre ten al- °s- nit nd eb. che sg. öi- ick, nn m )er ^ab Alltel is- ht, denn offenbar ist sic die Linie, welche ein Schiff durchlaufen würde, wenn cs immer nach demselben Windstriche fortgingc, ohne jedoch einen, der vier Hauptstrichc des Kompasses ui folgen, in welchem Falle cs entweder einen Meridian oder einen Parallelkrcis durchlau. fen würde. Ist der Winkel des Windstrichs gegen dcik Meridian ein spitzer oder stumpfer, so läuft die Linie in unzähligen Windungen um den Pol herum. Auf den Landkarten nach Mercator's Projection erscheint jede loxodromifche Linie als gerade Linie. Loyöla (Ignaz von), eigentlich Jnigo Lope; de Recalde, der Stifter des Ordens der Jesuiten, geb. I -t!> > auf dem Schlosse Lovola in der span. Provinz Guipuzcoa, das jüngste von elf Kindern, verlebte seine Jugend als Page an dem Hofe Ferdinands des Katholi- scheu, diente bis in sein 20. Jahr im Militair und war bei geringen Geistcsgabcn ritterlich, eitel und phantastisch. Bei der Belagerung von Pampelona durch die Franzosen im I. 1521 an beiden Beinen schwer verwundet, ließ er, nachdem die Heilung schon vollendet, aus Eitelkeit den einen Fuß, welcher nicht gerade geworden war, noch einmal brechen. Wäh- rend der zweiten Heilung wurde durch Lesen einer Lebensbeschreibung Christi und mehrer Heiligenlegenden aus dem Weltmann ein Heiliger. Sobald er hcrgestcllt war, vertheiltc er seine Güter unter die Armen und pilgerte in einem schlechten Gewände nach den, Monc- scrrat, wo er dem wunderthätigen Marienbilde seine Waffen weihte, sich zum Ritter der heil. Jungfrau erklärte und endlich sich im Hospitale zu Manrcsa (einem benachbarten kleinen Orte) einquartirte. Theils hier, theils in einer nahen Felsenhöhle marterte er seinen Leib dermaßen ab, daß man ihn eines Tags bewußtlos fand. Zehn Monate später schiffte er sich in Barcelona nach Palästina ein. Doch sein Plan, hier sich der Bekehrung der Mohammedaner zu widmen, wurde von dem Wächter des heil. Grabes, dem Provinzial der Francis- caner, gemisbilligt; er kehrte daher >521 über Venedig nach Barcelona zurück und begann nun die lat. Grammatik zu studiren. Nach zweijährigem Aufenthalt daselbst ging er auf die hohe Schule zu Complutum, wo er anfing, Andere zu geistlichen Übungen anzuleiten und dem Volke Religionsunterricht zu ertheilen. Die Inquisition aber ließ ihn seines seltsamen Benehmens wegen, als der Zauberei verdächtig, fcstnehmen und gab ihn erst 1528 wieder frei, worauf er nach Paris ging, um Theologie zu studiren. Hier wurde er mit mehren theils gleich ihm überspannten, theils ehrsüchtigen Landsleuten und Franzosen, wie Laynez, Bobadilla, Rodriguez, Pierre Lefevre u. A., bekannt, die mit ihm 1554 den Plan entwarfen, einen Orden für den katholischen Glauben zu stiften. Da indeß einig: derselben ihre Studien noch nicht beendet b.atten, so begab sich L. bis zu diesem Zeitpunkte wieder nach Spanien. Im 1.1537 trafen sie aufs neue in Venedig zusammen und gingen von hier nach Rom, wo sie vom Papste Paul III. am 27. Sept. 1540 die vorläufige und 1543 die unbedingte Bestätigung des Ordens erhielten, und nun das vierfache Gelübde in dieHände des Nuntius Veralli zu Venedig ablegten. (S. Jesuiten.) L. wurde 1541 zum ersten Ordensgeneral ernannt, obgleich eigentlich Laynez, sein Nachfolger im Amte, schon damals als die Seele und der Begründer und Ausbilder des Ganzen zu betrachte» war. Auch als General verrichtete er in der Kirche seines Ordenshauses zu Rom die niedrigsten Dienste, gab sich, obwol der ital. Sprache nicht einmal mächtig, zum Unterricht kleiner Kinder her und sammelte Almosen rur Versorgung der Juden und Freudenmädchen, deren Bekehrung er sich ganz besonders angelegen sein ließ. Er starb am 31. Juli 1556, wurde 1599 von Paul V. selig, >622 von Gregor XV. heilig gesprochen und sein Fest in der katholischen Kirche auf den 31. Juli gesetzt. Man hat von ihm zwei.Werke in span. Sprache, die „Ordensconstitution" und „Geistliche Übungen" (Nom 1548). Sein Leben beschrieben Ribadcneira, Maffei und Bouhours (neue Aufl., Par. 1829). Vgl. Münster, „L. und Ganganelli" (Neust, an der Orla 1828). Lozere, ein Departement im südlichen Frankreich, welches das vormalige Ländchen Gevaudan, Theile von Velay und die Diöcese von Uzes begreift, hat seinen Namen von dem Lozeregcbirge, einem Zweige der Sevennen, der dasselbe durchstreicht. Es wird von einer Menge kleiner Flüsse durchschnitten, ist ein fast durchgängig rauhes, wenig fruchtbares Gebirgsland von 97 IHM. mit etwa > 42990 E., die mit Wollenfabrikation, Vieh- und Mauleselzucht, Benutzung der Wälder, etwas Acker- und Bergbau sich beschäftigen. Die 7* 100 Lübben Lübeck Hauptstadt Mende mit 6000 E. ist durch ihren Handel mit Sergen und dem wollenen Zeuge, welches Kadis genannt wird, und unter dem Namen Serge de Mende ins Innere von Frankreich, nach Spanien und Deutschland versendet wird, berühmt; auch liegt in diesem Departement das stark besuchte, schwefelhaltige Warmbad Bagnol les Bains. Lübben, im Regierungsbezirk Frankfurt der preuß. Provinz Brandenburg, vormals Hauptort der Niederlausih, auf einer Insel der Spree und Berste gelegen, hat gegen 4V00 E., ein Schloß, ein schönes Landschaftshaus, eine höhere Bürgerschule, ein Hebammeninsti- tut, Gartenbau und bei starker Tuch-, Leinwand - und Tabacksfabrikation stark besuchte Jahrmärkte. Lübeck, ein zum Großherzogthum Oldenburg gehöriges Fürstenthum, längs der Trave und um den Eutinersee, in der Holstein. Landschaft Wagrien, wurde als Bisthum von Kaiser Otto I. in Holstein gegründet, 1'62 aber die Residenz des Bischofs nach Eutin verlegt. Zm I. 1530 traten Bischof und Stift der Reformation bei und es blieb Erstcrer Reichsfürst. Da das fürstliche Haus Holstein dem Bisthum manchen Dienst erwiesen hatte, so wurde 1647 zwischen beiden ein Vergleich geschloffen, zufolge dessen die nächsten sechs aufeinanderfolgenden Bischöfe aus dem Holstein. Hause erwählt werden sollten. Hierüber entstanden Streitigkeiten mit Dänemark, das jedoch > 667 im Frieden zu Glückstadt jenem Vergleiche seine Zustimmung gab. Ein neuer Streit erhob sich in Folge einer Bischofswahl im I. l 701, bei der zwölf Stimmen auf den dän. Prinzen Karl, nenn aber auf den Holstein. Administrator, den Herzog Christian August, gefallen waren. Durch Vermittelung Englands und Hollands kam indeß doch endlich ein Vergleich zu Stande, vermöge dessen der Administrator von Holstein im Besitze des Bisthums verbleiben, der Prinz Karl von Dänemark aber durch eine Summe Geldes abgefunden werden sollte. Nachdem dem Vertrage von 1647 schließlich durch die Wahl des Herzogs Friedrich August von Holstein-Eottorp volle Genüge geschehen, wählte das Domcapikel 17 56 den dän. Prinzen Friedrich, einen Sohn König Friedrich's V., zum Coadjutor. Dieser begab sich 1772 seiner Ansprüche zu Gunsten Peter Friedrich's, eines Sohnes des erwähnten Bischofs Friedrich August, der sie wiederum 177 6 an seinen Vetter, den Herzog Peter Friedrich Ludwig, abtrat, welcher 1785 die^bischöfliche Regierung antrat und zugleich Administrator des Herzogthums Oldenburg wurde. Im I. 1802 wurde nicht nur das ganze Bisthum, sondern auch das fast ebenso beträchtliche Domcapitel dem Herzoge von Oldenburg für gebrachte Opfer als Fürstenthum zur Entschädigung gegeben, wobei man jedoch der Reichsstadt Lübeck (s. d.) einen Theil der Capitelsdörfer zum eigenthümlichen Besitze zuerkannte. Vermöge des am i l.Febr. >842 zu Plön mit der Krone Dänemark abgeschlossenen Vertrags hat zur Arrondirung der beiderseitigen Gebiete ein Ländertausch stattgefunden, vermöge dessen das Kirchspiel Natekau an das Herzogthum Holstein, das Kirchspiel Gleschendorf aber an das Fürstenthum L. übcrgegangcn ist. Das Fürstenthum 8. zählt nach der letzten Zählung von >840 auf etwa 8 IHM. 20740 E.in der Stadt Eu tin (s. d.), einem Marktflecken und 82 Dörfern. Seit 1845 sind das Consistonüm, die Rentenkammer und daS Direktorium des Armenwesens aufgehoben und die Geschäfte dieser Collegien der Negierung überwiesen, der für die geistlichen und Schulangelegenheiten ein Mitglied vom Fach beigeordnet ist. Lübeck, eine von den vier freien Städten Deutschlands, wird zuerst unter dem Wen- denfürstcn Gottschalk, 1043-^66, genannt- lag aber damals nördlicher, am Zusammenfluß der Schwgrtau und Trave. Gvttschalk's Nachfolger Kruko verlegte die Stadt nachdem zwischen der Trave und Wacknitz gekegenen Werder Buku. Indeß gab ihr nach Kruko's Tode Gvttschalk's Sohn, König Heinrich- die frübere Stclle wieder, welche seitdem Alt- Lübeck genannt-wurde.' Die jetzige Stadt auf Buku erbaute l >43 Graf Advlfll. von Hölstein-Schaumburg, trat sie aber nothgedrnngen l l 58 an Heinrich den Löwen,- Herzog von Sächfen, ab, der sie mehr städlisch-einrichtete und 1-163 das Oldenburger Disthum hier- Her verlegte. Zn Folge der Achterklärung des Herzogs- wurde sie-1181 kaiserlich und rm't Vsssehnkich en Privilegien begabt, welche die Dänen, in deren Gewalt-sie 12-01 fiel, bestätigten. AlS abrr die nordalbingifchen Lande-sich befreiten, amterstellke sich die Stadt denr Kaiser Friedrich ll.- der sie 1226 für alleZeiten zu einer freien Reichsstadt erklärte. Als solche bckp blül groj l 4. Ost stell sehe I5l l6'i alte ihre Blr zose zose kehr ihre Cor foch stau sied 5.Z Se! Hab, und ' trag ^ deut burc mai Eiiu wur Geg die o ledll der: Brr Thv 74 j mge zeich eine Tod ten. belä dun gcoi Bä, Wii Ger begi gliu Äui vigc Vei Lübeck 10L behauptete sie sich gegen dicDänen in derSchlacht bciBornhöved am 22. Juli >227. Der blühende Handel vereinigte die Stadt bald mit andern Städten Norddeutschlands zu der großen Hansa deutscher Kaufleute, deren Angelegenheiten sie seit dem Anfänge des 'll.Jahrh. mit vieler Umsicht und großem Erfolge leitete. Ihre Flotten beherrschten die Ostsee und ihre Stimme entschied über die Angelegenheiten der nordischen Reiche. Mit der steigenden Macht der Fürsten und mit dem veränderten Gange des Handels sank dieses Ansehen, ein Versuch, es wieder herzustellcn, den der Bürgermeister Jürgen Wullenweber 1531—5l machte, mislang. Während des Dreißigjährigen Kriegs, wo in ihr Dänemark 1620 Frieden schloß, verlor die Stadt ihre welthistorische Bedeutung; doch blieb ihr ein alter Ruhm und ein noch immer ansehnlicher Handelsverkehr. Als 1802 viele Reichsstädte ihre Selbständigkeit verloren, behielt L. dieselbe. In Folge der Schlacht bei Jena warf Blücher sich mit einem Theile des preuß. Heers in die Stadt, worauf diese von den Franzosen am6.Nov. 1806 erstürmt und mehre Tage geplündert wurde. Sie blieb von den Franzosen besetzt und wurde im Dec. 1816 dem franz. Kaiserreiche einverleibt. Handel und Verkehr hatten wegen der Continentalsperre fast gänzlich in derselben aufgehört, und das Elend ihrer Bewohner war groß. Im Frühjahr 1813, als die Franzosen beim Anrücken eines ruff. Corps die Stadt verlassen hatten, erhob sie die Waffen gegen Frankreich, und ihre Streiter fochten rühmlich im Kriege an der Niederelbe. Nachdem sie vor Eintritt des Waffenstillstandes im Sommer >813 »och einmal in die Hände der Franzosen gefallen war, welche sie durch aufcrlegte Contributionen und Requisitionen vollends erschöpften, wurde sie am 5. Dec. 1813 durch das Anrücken der Schweden befreit. Mit dem Frieden sah sie ihre Selbständigkeit gesichert und wurde Mitglied des Deutschen Bundes. Handel und Verkehr haben sich seit der Zeit wieder gehoben, wozu Ermäßigung der Zölle, zweckmäßige Hafen - und Chauffeebauten, mit auswärtigen Staaten geschlossene Schiffahrts- und Handelsverträge u. s. w. wesentlich beitrugen. Eisenbahnanlagen zur Verbindung der Stadt mit dem deutschen Eisenbahnnetze sind projectirt; zunächst dürfte eine Verbindung mit den Mecklenburg. Bahnen ins Werk gerichtet werden. Auch die inner» Verhältnisse haben in neuern Zeiten manche heilsame Änderungen erfahren und gehen einer durchgreifenden Reform entgegen. Eine Umgestaltung der Verfassung, welche den Bedürfnissen der Gegenwart nicht entspricht, wurde schon 1816 von dem Senate beantragt, damals aber von der Bürgerschaft abgelehnt. Gegenwärtig hat die Bürgerschaft Neformverhandlungcn cingeleitet, wozu auch der Senat die Hand geboten. Die 1833 entstandenen, aber bald unterdrückten Volksunruhen hatten lediglich privative Tendenzen. Die Stadt liegt in einer freundlichen Umgebung auf einem mäßigen Hügel zwischen der Trave und Wacknitz. Ehemals war sie befestigt; seit 1805 sind, nach Abtragung der Brustwehren, die Wälle mit Anpflanzungen und Spaziergängen versehen. Sie hat vier Thvre und 07 geräumige Straßen und Plätze. Die Häuser (3325), wozu noch 79 Säle, 73 Wohnkeller und 1700 Buden in den Gängen und auf den Höfen kommen, sind mit wenigen Ausnahmen massiv gebaut und zum Theil altcrhümlich. Unter den fünfHauptkirchen zeichnet sich aus die Marienkirche mit zwei 330 F. hohen Thürmen, einer berühmten Orgel, einem marmornen Altar, einer marmornen Kanzel, einem astronomischen Uhrwerke, einem Todtentanze und vielen Kunstschätzen. Ebenso besitzt die Domkirche viele Merkwürdigkeiten. Sehcnswerth ist auch das im goth. Stil erbaute Rathhaus. Die Zahl der Einwohner beläuft sich auf26000, darunter 400 Reformirte und 200 Katholiken. Unterricht und Bildung werden gefördert durch das Katharineum mit 18 Lehrern, und durch andere wohlgeordnete Lehranstalten und Schulen. Auch hat L. eine öffentliche Bibliothek mit 40000 Bänden, worunter eine ausgezeichnete Sammlung von Jncunablcn. Umfassend ist die Wirksamkeit der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Thätigkeit, welche von dem Gemcingeiste der Bürger ein rühmliches Zeugniß ablegt und von der folgende Institute begründet sind und zum Theil erhalten werden: eine Rettungsanstalt für im Wasser Verunglückte, eine Sonntags - und Abendschule, eine Industrieschule für dürftige Mädchen, eine Kunst- und Naturaliensammlung, eine Schwimmschule, ein Schullchrerseminar, eine Navigationsschule, eine Spar - und Anleihekasse (bei der über > Mill. Mark belegt sind), ein Verein für lübische Geschichte, zwei Kleinkinderschulen, eine Taubstummen- und Blinden» 102 Lübisches Recht Lublin anstatt, eine Anstalt zur Förderung des Gewerbflcißes, ein Verein für lübische Statistik, eine Unterstützungskasse für alte Seefahrer, eine Gewcrbschulc, ein Verein für entlassene Sträflinge und sittlich Verwahrloste, ein Gartenbauvcrcin und eine Turnanstalt. Die Stadt besitzt viele und reich dotirle Wohlthätigkcitsanstaltcn, deren Capital, die Grundstücke und sonstige Besitzungen ungerechnet, über 5 Mill. Mark beträgt. Der Handel mit Wein, Getreide, Leder, Hanf, Talg, Öl, Thecr, Bauhol;, Pottasche, Taback. Rapssaat, Fellen, Eisen, Manufactur- und Colonialwaaren wird durch die vortheilhaftc Lage in der Nähe der Ostsee, durch den Stecknitzkanal, welcher die Travc mit der Elbe verbindet, durch sechs Assecuranzcompagnien, die Discontokaffc, die niedrigen Zölle und mehre hier cinmündende Chausseen begünstigt, und erstreckt sich zunächst auf die nordischen Reiche, die Niederlande, Frankreich, England und das Mittclmccr. Der Gesammtwerth der eingeführten Maaren belief sich in den I. 1877—s 1 im Durchschnitt jährlich über -10 Mill. Mark. L. besitzt 72 eigne Schiffe; jährlich kommen über 1000 Schiffe an; auch bestehen hier regelmäßige Dampfschiffahrten nach Kopenhagen, Stockholm, Swinemünde, Riga und Petersburg. Es hat Fabriken in Amidam, Puder, Kupfer, Messing, Leder, Öl, Seife, Papier, Taback, Cigarren, musikalischen Instrumenten, goldenen und silbernen Tressen, metallenen Clavier- saiten, Fischbcin, Spielkarten, Wachslicht, Watte, metallenen Knöpfen, Maschinen und mechanischen Instrumenten, kurzen Eisenwaaren, Manufacturwaarcn u. s. w., auch eine Glockengießerei, eine Glashütte, eine Eisengießerei und bedeutenden Schiffbau. Die Verfassung, in ältern Zeiten aristokratisch, ist seit dem Necesse von > «>oo wesentlich demokratisch. Der Senat, welcher aus vier Bürgermeistern und > o Nakhshcrren besteht, istdieVoll- ziehungsbehörde; die Gesetzgebung und zum Thcil auch die Verwaltung übt er unter Con- curren; der Bürgerschaft, welche aus zwölf Kollegien besteht, deren jedes eine Stimme hat. Gelehrte als solche und Landbewohner sind in derselben nicht repräsentirt. In Hinsicht dc< Kirchenwesens hat der Senat die bischöflichen Rechte; doch nimmt er die Anträge des au» den Stadtgeistlichen bestehende» geistlichen Ministeriums entgegen und holt dessen Gutach- ^ re» ein. Außer den städtischen Gerichten und dem Landgerichte, welches zugleich die Verwaltung de« Gebietes besorgt, ist in L. das Oberappellationsgericht der freien Städte. DaS Lübische Recht (s. d.) ist die vorzüglichste Quelle für die Entscheidung privatrechtlicher Streitigkeiten. Die jährlichen Einkünfte betragen über 000000 Mark, die Schulden 5'/, Mill. Mark. Auf dem deutschen Bundestage hat L. in der Plenarversammlung eine Separatstimme und in den engern Versammlungen mit den übrigen freien Städten die >7. Collcctivstimmc. Das Bundescontingent, zur zweiten Division des zehnte» Armeekorps gehörig, beträgt <107 M.; die Infanterie bildet mit der Infanterie Bremens ein Bataillon ; die Cavalerie, mit der Reserve 8» M. stark, bildet mit der bremcr Cavalcrie eine Schwadron. Mit den Contingentcn Hamburgs, Bremens und Oldenburgs ist das lübische Contingent zu einer Brigade vereinigt. Die Artillerie stellt vertragsmäßig Oldenburg, woselbst auch die Militairschule der Brigade ist. DaS Bürgcrmilitair besteht aus einem activen und einem Rcscrvcbataillon; außerdem ist im Gebiete eine fünf Bataillone starke Landwehr. DaS privative Gebiet der Stadt enthält IHM. mit 10200 E-, worunter (meist in dem Dorfe Moisling) .700 Juden. Außer 72 Dörfern und 72 Höfen und Gehöften gehört zu dem Gebiete das Städtchen Travemünde (s. d.). Auch besitzt L. mit Hamburg gemeinschaftlich daS Städtchen Bcrgcdorf und die Vicrlande 820 70; und Decckc, „Geschickte der Stadt L." (Lüb. 1 81 <). Lübischeü Recht ist eines der wichtigsten unter de» durch Autonomie entstandenen Stadtrechtcn des deutschen Mittelalters. Das älteste noch vorhandene deutsche lübische Rechtsbuch ist vom I. > 277; dir letzte publicirtc Revision des lübischcn RcchkS vom I. > 78s. Lublin, Hauptstadt der gleichnamigen Woywodschaft (ungefähr 700 iüM. mit 720000 E.) im Königreiche Polen, an der Bistrzyca, mit einem alten festen Schlosse auf einem Berge, hat gegen > 7000 E., worunter die Hälfte Juden sind, und ist der Sitz eines Bischofs und eine- Appellativnsgcrichts. Unter den Kirchen zeichnet sich besonders die.Ka- stik, 'cm ladt ücke ein, len, ähe echs nde nde,' »en -sitzt ßige urg. ack, oierund eine Ser- isch. roll- fon- hat. dct aui tach-' Lei- DaS ich-r Iden eim ndi! mce- Ba- ein! lübi- uirg, inem iarke intcr Ge- mit Vgl. rcicn tati>> sichte cncn sische >»«!. mit auf cinci Ka- Lucameit Lnccü WZ thcdrale aus; auch bestehen daselbst zwölf Mönchs- und sccbs Nonnenklöster, ein Piaristcn- collegium, ein Nationalthcater und mehre Krankenhäuser und andere Wohlthätigkeitsan- staltcn. Starker Handel wird besonders mit Tuch, Getreide und ungar. Weinen getrieben; ihn beleben die drei jährlich daselbst gehaltenen Messen, deren jede einen Monat dauert. Lucanien, eine ziemlich gebirgige Landschaft in Unteritalien, wurde östlich von dem Tarentinischen Meerbusen, nördlich von Apulien, westlich vonCampanien und dcinTvrrbe- nischenMeere, südlich vonBruttium begrenzt und in frühesten Zeiten von den Önotrern (s. d.) bewohnt, zu denen sich griccb. Colonisten gesellten, welche längs der Küste die Städte P ä stu m(s. d.), H e r a k l e a (s. d.), S y b ari s (s. d.) und Elca oder V c li a (s d.) gründeten. LucänuK (Marcus Annäus), ein röm. Dichter, gcb. um Ü8 n. Chr. zu Corduba in Spanien, kam in frühester Jugend nach Rom, wo er in der Philosophie, Grammatik und Rhetorik gründlich unterrichtet und durch seinen Oben» väterlicher Seits, den Philosophen Seneca (s. d.), ins öffentliche Lebe» eingcführt wurde. Noch vor dem geschlichen Alter erhielt erdieQuästur und trat hierauf in das Collegium der Augur». Bereits hatte er durch mehre Gedichte einen Ruf erlangt, als er die Eifersucht und den Haß Ncro's sich zuzog, der ebenfalls als Dichter glänzen wollte. Als nun Nero ihm ferner öffentlich aufzutrete» untersagte und von seinen Werken mit Hohn und Verachtung sprach, verband sich L. mit mehren ausgezeichneten Personen, an deren Spitze Piso stand, zu einer Verschwörung gegen den Kaiser. Nach Entdeckung derselben zum Tode vcrurtheilt, kam L. der Vollziehung dieser Strafe dadurch zuvor, daß er, wie Seneca, die Adern sich öffnen ließ und so im J.«>.'> n.Chr. sein Leben endete. Von seinen poetischen Erzeugnissen hat sich nur seine „t>ki,r->alm" in zehn Büchern erhalten, in welcher er die Ereignisse des Bürgerkriegs zwischen Cäsar und Pom- pejus und die denselben entscheidende pharsaliscke Schlacht erzählt, ein Gedicht, das in einem unvollendeten Zustande überdies durch Härte und Dunkelheit im Ausdrucke, durch rhetorischen Schwulst und übertriebene Bilder mannichfach entstellt ist, obgleich cs auf der andern Seite von Adel der Gesinnung und Frcihcitslicbc zeugt, die das Ganze durchdrin- gcn, und einzelne wahrhaft poetische Schilderungen enthält. Zu den vorzüglichsten Bearbeitungen gehören, nach der ersten Ausgabe (Rom l itt!>, Fol.), die von Öudcndorp (Lcyd. 172», -l.), Durmann (Lcyd. I7ä», l.), die zwei größer» Ausgaben von K. F. Weber, von denen die eine mit den Anmerkungen von GrotiuS, Bcnrlep und den Scholien (:r Bde., Lpz. >821—lll), die andere mit den bis dahin noch ungedruckten Bemerkungen Eortc's, Mar- tyni-Laguua's und A. (2 Bde., Lpz. >»28—2ü) versehen ist, und die Handausgabe von Weise (Quedlinb. I8Z,',). Eine deutsche Übersetzung besitzen wir von HauS (Manh. >792). Vgl. Lcloup, „De poesi vpica m 1'ln» ,«uli,i I.ucuni" (Trier > 828) und Kästner, „yusoslin- nes io Imcun'i Ulmrsuliam" (t Abthl., Bielefeld I 821>—28). Lucas, der Verfasser dcö dritten kanonischen Evangeliums und der Apostelgeschichte, soll nach Angabe der Kirchenväter zu Antiochia in Syrien geboren und ein Arzt gewesen sein. Der Abstammung nach wahrscheinlich hellenistischer Jude, begleitete er den Apostel Paulus auf seiner letzten Missionsrcise und verließ ihn auch nickt während der Gefangenschaft zu Cäsarca; doch scheint er dann sich von ihm getrennt zu haben und »ach Antiochia zurückgckehrt zu sein. Nach Hieronymus wurde er 8-1 Jahre alt und zu Konstantiuopel begraben. Daß L. einer von den 7» Jüngern oder Maler gewesen, sind unhaltbare Sagen. Sein einem gewissen Thcophilus gewidmeter Evangelium ist nach Paulinischcm Typus und mit Benutzung des Evangeliums des Matthäus abgefasit. Die Apostelgeschichte, die »ach einer grundlosen Vermutkung von Timotheus hcrrülwen soll, hat neuerdings viele Untersuchungen hinsichtlich ihrer Quellen, ihres Zweckes und der Zeit ihrer Abfassung veranlaßt. Vgl. Schleicrmacher, „Über die Schriften dcö L." »I7) und Schneckenburger, „Über de» Zweck der Apostelgeschichte" (Bern I» 11). Lucahos, s. Bahamainscln. Lucca, ein Herzogthum in Italien, begrenzt vom Mittelländische» Meere, Modena und ToScana, hat ein Areal von l »V lälM. und etwa > «>»«'»» E, An den Grenze» streichen die Apcnnincn hin; der einzige Kluß ist der Scrclsio, der aber nicht schiffbar ist, sondern blo» zum Holzstößen gebraucht wird. Der Boden ist zwar nickt durchgehend fruchtbar, aber sehr fleißig angebaut. Die Hauptproducle sind Oliven, Obst, Kastanien, Mandeln, Pvmcran. 104 Lucchesini zen, Citrone» und Feigen; auch wird der Maulbeerbaum sehr fleißig gebaut; das Getreide dagegen reicht nicht zum Bedarf aus. Außerdem zieht man guten Wein, und das lucchcsi- sche Öl ist das vorzüglichste in Italien. Ebenso sind der Seidenbau und die Viehzucht von Wichtigkeit. Im Allgemeinen kann man das Land wohlhabend nennen. Die Staatsvec- fassung ist monarchisch, jedoch zufolge der Constitution von >805 durch einen Senat beschränkt, der aus 36 Personen besteht, die gesetzgebende Gewalt übt und jährlich berufen werden muß. Klöster gibt cs noch mehr als zwanzig, Schulen etwa -10, an weiblichen Bildungsanstalten fehlt es noch ganz. Die Staatseinkünfte belaufen sich ungefähr auf 2 Mill. Lires; die Civilliste beträgt 530000 Lires und die Staatsschuld gegen 70000 Thlr. Die Landmacht besteht aus 720 M. und einerMunicipalgarde von2000M.; die Marine aus einer Galeotte von 12 Kanonen und aus einigen Kanonierbooten. Das Gebiet von L. war ursprünglich eine Colonie der Römer, welche mit dem Sturze des longobard. Reichs 77-t durch Karl den Großen unter frank., und durch Otto den Großen 962 unter deutsche Hoheit kam. Seitdem wurde es von verschiedenen Familien beherrscht. Ludwig der Baier ernannte >327 den tapfer» Castruccio Castracani zumHerzoge von L-, der dieStadt zu großer Macht erhob. Nach manchem anderweiten Hcrrscherwechsel an Florenz verkauft, erlangte cs endlich 1370 vom Kaiser Karl IV. für 200000 Fl. seine Freiheit, welche es, oft mit Florenz im Kriege, bis zum Z. >707 behauptete, w,o eS von den Franzosen erobert, sich eine neue Verfassung aufdringen lassen mußte. Im Z. 1805 wurde es als Fürstenthum, mit Piombino vereinigt, dem Schwager Napoleon's, Bacciocchi, zugetheilt, >815 aber von den Östreichern besetzt und durch den wiener Congreß der Infantin Marie Luise, der Tochter König Karl s IV. von Spanien und Witwe des ehemaligen Königs v^-> Hctrurien, und deren Kindern unter dem Titel eines Herzogthums, mit völliger Souverai- netät bis dahin überlassen, wo sie wieder zum Besitze Parmas gelangen würden, in welchem Falle, sowie, wenn die Nachkommenschaft der Infantin ausstürbe, L. an Toscana fallen soll, welches dann einige tosca». und lucchestsche Districte an Modena abtritt. Doch erst 1818, nachdem der Infantin der Rückfall von Parma zugestchert worden war, trat sie die Regierung an. Sie starb am >3. Mar; > 82-1 und ihr folgte ihr Sohn, der Znfant Karl (s. d.). — Die Haupt- und Residenzstadt Lucca mit 23000 E., der Sitz eines Erzbischofs, am Serchio, liegt von Bergen umgeben in einer fruchtbaren Ebene, hatStunden im Umfange und ist mit Wällen umschlossen, die, mit Bäumen besetzt, einen angenehmen Spaziergang bilden. Die Straßen sind zum Theil krumm und enge, aber gut gepflastert; die Häuser nicht unansehnlich, die Kirchen und die öffentlichen Gebäude ohne Pracht. Die Domkirche San-Martina ist zwar groß und alt, aber ohne künstlerischen Werth, auch der Residenzplatz unansehnlich, dagegen das Lustschloß Villa di Murlia ein prächtiges Gebäude. Die Universität, welche nie zu Ruf gelangte, wurde durch eine Sternwarte bereichert und ist im Besitz einer bedeutenden Bibliothek; die 158-1 gestiftete ^ceuckemm ckegl'i oscuri wurde vom Fürsten Bacciocchi 1805 als ^ecackemiu luccüese cki scienre, lottere eck arti wieder erneuert. Eine schöne Wasserleitung wurde von der Fürstin Bacciocchi begonnen und später fortgeführt. Die Stadt hat Seiden-, Woll-, Baumwoll- und Tuchfabriken und treibt starken Handel mit Seide und Öl und fleißigen Feldbau. Aus dem Hafen Viareggio werden die meisten Marmorblöcke aus Carrara zur See verführt. In der Nähe der Stadt gibt cs viele herrliche Villen und bei Bagno alla Villa vielbesuchte Mineralbäder. Vgl. Mazzarosa, „8l,„ia cki I,." (Lucca 1833). Lucchesini (Girolamo, Marchese), preuß. Skaatsminister, aus einer lucchestsche» Patrizierfamilie, geb. in Lucca 17 52, wurde durch den Abbe Fontana dem Könige Friedrich II. von Preußen vorgestellt, der ihn zu seinem Bibliothekar und Vorleser, mit dem Titel eines Kammerherrn, ernannte. Im Aufträge Friedrich Wilhelm's II. und des Kurfürsten von Mainz ging er 1787 nach Rom, um die päpstliche Bestätigung der Wahl des Koadjutors von Dalberg cinzuholen, und dann nach Warschau, wo er sich 1 788 bei Eröffnung des Staatsraths mit vieler Gewandtheit benahm, die für Unabhängigkeit gestimmte Partei gegen Rußland aufreizte und im März 1790 ein Bündniß zwischen Preußen und Polen zu Stande brachte. Im I. 1791 wohnte er, in der Eigenschaft eines bevollmächtigten Ministers, dem Congreß in Reichenbach hei, und im Juli 1792 ging er abermals nach Warschau, Luchana Sucianus 10'- wo er sich zum Bruche des Bündnisses, das er selbst unterzeichnet hatte, Hinreißen ließ. Im Jan. >793 ernannte ihn der König zu seinem Botschafter in Wien ; doch begleitete er den König während des größten Theils des damaligen Feldzugs. Im März 1797 von Wien zurückberufcn, wurde er im Sept. 1802 als außerordentlicher Gesandter nach Paris gesendet, von wo er sich spater zu Bonaparte nach Mailand begab. Er begleitete dann den König bis nach der Schlacht bei Jena, Unterzeichnete hierauf zu Charlottenburg mit Napoleon einen Waffenstillstand, den aber der König nicht genehmigte, und nahm in Folge dieses seine Entlassung. Später wurde er bei Napoleon's Schwester, der Fürstin von Lucca, Kammerherr. Er starb zu Florenz am 19. Oct. l 825. Unter seinen Schriften ist sein Werk über den Rheinbund „8ulle cause e gli eüetti ckella conketiersrione renaua etc." (deutsch von Halem, 3Bde.,Lpz. >821—25) zu erwähnen. — Sein jüngerer Bruder, Cesare L., geb. am 2. Jul. 1756, gest. als Staatsrath in Lucca am l7. Mai 1832, machte sich als Gelehrter durch die Schrift,,I)eII' illustrarione «teile tmgue anticb« e mockerns e princi- pslmente «teil' Itatiana, procurata nel sscolo XVIIl 6-rgI' Italisni" (2 Bde., Lucca 1819), die Fortsetzung des Werks von Denina's „Hella stvria letteraria «1i l.ucca" und die „6nu- gietture intoruo al primitive altaketo greco" (1829) einen Itamen. Seine „Opere ellite eil ineäite" erschienen zu. Venedig 1833. Luchänü (Graf von), s. Espartero (Don Baldamero). Luchs, eine Katzcnart von röthlicher Farbe, mit braunen Flecken, hat eine Höhe von 16 Z., eine Länge über 3 F„ einen 8 Z. langen Schwanz und am Ende mit einem Haarpinsel versehene Ohren. Einst ein sehr gewöhnliches gefährliches Raubthier in Deutschland, ist er jetzt selten geworden, doch kommt er im östlichen Europa uni so häufiger vor. Den Rennthicren und Hirschen wirft er sich von einem Baume herab auf den Rücken und zerbeißt ihnen das Genick. Die Bälge sind als Pelzwerk geschätzt und die schönsten kommen aus Sibirien; andere Bälge, theils von Spielarten des gemeinen Luchses, theils von ähnlichen Katzenartcn herrührend, tragen im Nauchhandel besondere Namen. ' Luchtmans ist eine seit 150 Jahren in Leyden bestehende Buchhandlung, die sich fortwährend hauptsächlich mit dem Verlage von Ausgaben griech. und röm. Klassiker und andern mit der klassischen Literatur verwandten Werken befaßt hat. Sie wurde begründet von Jordan L., geb. 1652, gest. >708, und fortgeführt von Sam.L., geb. >685, der nach des Vaters Tode als dessen einziger Sohn 1708 die Buchhandlung übernahm und seit >7 30 Stadt- und Universitätsbuchdrucker war. Er starb 1757. Zwei Jahre vorher hatte er sein Geschäft seinen Söhnen, Sam. L-, geb. 1724, und Johannes L., geb. 1726, überlassen, die wie der Vater eine wissenschaftliche Bildung erhalten hatten. Nach dem Tode Samuel's setzte Johannes das Geschäft seit 1780 allein fort, bis 1786 des verstorbenen Bruders Sohn, Sam. L., geb. >766, mit in dasselbe eintrat. Johannes starb 1809, Samuel 1812. Hierauf wurde die Buchhandlung mit gleichem Eifer und nach wie- berhergestelltem Frieden seit 1814 mit glücklichem Erfolge durch die Sorgfalt des Buchdruckers I. Brill in Leyden fortgeführt. Ein Enkel des Johannes L., I. T. Bodel Nyen- huis, geb. I7S7, trat 1819 in die Handlung, nachdem er vorher zu Leyden Doctor der Rechte geworden. Luciänus, der geistreichste unter den später« griech. Schriftstellern, wurde zu Samo- sata, der Hauptstadt der syr. Provinz Kommagene am Euphrat, um 125 n. Chr. aus nie- derm Stande geboren und sollte in seinem 15. Lebensjahre bei einem Oheim mütterlicher Seils die Bildhauerkunst erlernen, entlief aber wieder, als ihm sein erster mißlungener Versuch eine harte Züchtigung zugezogen hatte, und führte nun den frühern Lieblingsplan, den Wissenschaften sich zu widmen, trotz der Armuth und Dürftigkeit glücklich aus. Nachdem er einige Jahre in Jonien und Griechenland Philosophie und Rhetorik mit Eifer betrieben hatte, kehrte er in sein Vaterland zurück und trat als Sachwalter in Antiochia auf. Dann unternahm er große Reisen durch Syrien, Phönizien und Ägypten und gelangte in seinem 25. Jahre über Griechenland nach Italien, wo er, sowie in Gallien, durch Unterricht in der Beredtsamkeit ein bedeutendes Vermögen sich erwarb, um dann zu Athen im Umgänge mit de» ausgezeichnetsten Männern seinen geistigen Beschäftigungen ungestört ob- liegen zu können. Allein im vorgerückten Alter verlor er sein ganzes Vermögen und über- 106 Lucifer Lucilius nahm deshalb eine vom Kaiser Severus ihm angetragenc öffentliche Anstellung als Procu- rator der Provinz Ägypten, die er noch unter Commodus bis an seinen Tod behauptete. In seinen zahlreichen Schriften, die meist erzählender, philosophischer, rhetorischer und satirischer Art, in einer leichten, gefälligen Gesprächsform, einer einfachen, ziemlich reinen und dem besten Atticismus glücklich nachgebildeten Sprache verfaßt sind, sucht L. frei und unbefangen, im Besitze einer unerschöpflichen Quelle von Laune und Witz, die Gebrechen und Verkehrtheiten seiner Zeit, besonders die sittliche Versunkenheit und den Aberglauben des Volks, sowie die Hoffart und Gaukelei der damaligen Philosophen, zu enthüllen und mit herbem Spotte zu geißeln, wobei freilich selbst hervorstechende Charaktere zuweilen nicht verschont bleiben. Es spiegeln sich in ihm die Zerrissenheit seiner Zeit und der Gemüthszu- stand eines Heiden, der die Größe der alten Welt erkennt, aber die Stützen derselben ungläubig bekämpfen muß und ihren Untergang nahen sicht. Unter den vielen Bearbeitungen seiner Werke nennen wir, außer der ersten Ausgabe (Flor. >39«, Fol.), als die vorzüglichsten die von Reih, nsit dm Anmerkungen von Hemstcrhuys und der lat. Übersetzung von J.M.Gesner (3 Bde-, Amst. >7 33— >6, 3; neuer Abdruck, I »Bde., Zweibr. 1789—93), wozu noch ein „Mexico» Immuieiiu," (Utr. >739, 3.) kam; die von Schmieder (2 Bde., Halle >890—I) und die von Lehmann (9 Bde., Lpz. > 822—31); die mit einem kritischen Apparat und den Scholien versehene von Jacobih (i Bde., Lpz. >839—31) und die in Einem Bande mit lat. Übersetzung von W. Dindorf (Par. 1839). Außerdem besitzen wir eine Reihe trefflicher Ausgaben einzelner, und zwar meist der gclesensten Schriften desselben, z. B. der „Todtengcspräche" von Voigtländer und Klotz (3. Ausl., Lpz. 1833), der „Göttergespräche" von Poppo (3. Ausl., Lpz: >825) und Fritzsche (Lpz. 1829), der „Götterund Todtengespräche" zusammen von Koch (Lpz. 1832), des „Toraris" von Jacob (Halle >823) und von Jacobih (Lpz. >832), des „Charon" von Koch (Lpz. 1839), der Schrift „Wie man Geschichte schreiben müsse" von Hermann (Franks. 1828), des „Timon" von Jacobih (Lpz. 1831), des „Traum, Anacharsis, Demonax, Timon, Doppelte Anklage und Wahre Geschichte" von Schöne (Halle 1838), der „Anscrwähltcn Schriften L.'s" von Geist (Darmst. >839), Eysell und Weismann (Kaff. 1831) und Seyffert (Brandend. 1832). Unter den deutschen Übersetzungen verdient die von Wieland (6 Bde., Lpz. 1788—89), welche ganz den Lucianischen Geist wiedergibt, den Vorzug; außerdem ist die von Minckwitz begonnene (Bd. I, Lpz. >836) und die von Pauly (15 Bde., Stuttg. 1827—29) zu erwähnen. Vgl. Jacob, „Charakteristik L.'s" (Hamb. > 832) und Wetzlar, „De aetute, vitu scrijiti^us Diiciuni" (Hanau 1833). Lucifer, d. i. der Lichtbringer, bei den Griechen Phosphoros, heißt der Planet Venus, wenn er des Morgens vor der Sonne aufgeht; dagegen Hes Perus (s. d.) als Abendstern. Gehalten wird er für einen Sohn des Jupiter und der Aurora. Ihm nebst den Horen lag die Besorgung der Sonnenroffe und des Sonnenwagens ob. In der bildenden Kunst fällt er mit dem Helios zusammen. — Lucifer heißt auch der Fürst der Finsterniß. Durch eine allegorische Erklärung der Kirchenväter nämlich wird eine Stelle des Jesaias 9, 22, in welcher der König von Babylon mit dem Morgenstern verglichen wird, vom Teufel verstanden. Lucilius (Casus Ennius), ein röm. Ritter, geb. >39 v. Chr. zu Sueffa in Companien, gest. um >93 v. Chr. zu Neapel, war der Großoheim Pompejus des Großen von mütterlicher Seite, ein vertrauter Freund des Lälius und Scipio, unter welchem er seinen ersten Feldzug nach Numantia machte. Er kann insofern für den Begründer der röm. Satire gehalten werden, als er ihr zuerst diejenige Form gab, unter welcher diese Dichtung nachher von Horaz (s. d.), PersiuS (s. d.) und Juvenal (s. d.) weiter ausgebildet wurde, während seine Satiren die ersten rohen Erzeugnisse eines Ennius(s. d.) und Pacuvius (s. d.) übertrafen. Die Bruchstücke seiner im Alterthume hochgeschätzten Satiren haben Dousa (Leyd. 1597 und Padua >735) und Vargcs (Stettin >836) zusammengestellt. Vgl. von Heusde, „8t»liia critioa inlmcilinw poetam" (Utr. I 832) nebst dessen „LPistola tle Imciliv" (Utr. 1833) und Gerlach, „Casus L. und die röm. Satura" (Bas. 1833). — Einem jüngern Lucilius, einem Freunde des Seneca, welcher mehre Schriften an ihn richtete, und Procuratör von Sicilien war, wird ein didaktisches Gedicht zuge- Lucina Luckner 107 schrieben, welches die Ausbrüche dieses Vulcans erklärt und nach andern den Cornel. Severus (s-d.) oder Manilius (s. d.) zum Verfasser haben soll. Besondere Ausgaben haben wir von Gorallus, d. i. Clcricus (Amst. >7 03 und >715) und Jacob (Lpz. 1826), zugleich mit deutscher Übersetzung von Schmid (Braunschw. >769) und von Meinccke (Ouediinb. 1818). Lucrna, die Lichtgöttin, besonders die an das Lebenslicht fördernde Gcburtsgöttin, war der röm. Name der Gebnrtsgöttin, als welche Juno oder Diana erscheinen. Ihr zu Ehren wuroe am I. März ein Fest gefeiert, bei dem sich die Mütter in ihren Tempel begaben, denselben mit Blumen schmückten und sich hierbei eine zahlreiche Nachkommenschaft erflehten. (S. Jlithyia.) Luckau, eine Stadt in der preuß. Niederlausitz, an der Berste, hat gegen 3800 E-, ein Gymnasium, eine Strafanstalt, einigen Tabackbau, nicht unansehnliche Tuchwebereien und bedeutenden Handel. Am -1. Juni >813 kam es hier zwischen den Franzosen unter Oudinot und den Preußen und Östreichern zum Gefechte; hierauf provisorisch befestigt, wurde die Stadt im Aug. 1813 beschossen, wobei Feuer auskam, das den größer» Theil der Gebäude in Asche legte. Mit der Niederlausitz wurde sie 1815 von Sachsen an Preußen abgetreten. Lücke (Gottfr. Christian Fricdr.), Consistorialrath und ordentlicher Professor der Theologie an der Universität zu Eöttingen, geb. am 23. Aug. 1792 zu Egeln bei Magdeburg, machte seine Studien auf der Domschule zu Magdeburg und aussden Universitäten zu Halle und zu Göttingen, wo er >813 Repetent wurde. Im I. 1816 ging er nach Berlin, wo er als Licentiat der Theologie exegetische Vorlesungen über das Neue Testament zu halten begann. Der freundschaftliche Umgang mit de Wette und Ncander, insbesondere aber mit Schleiermacher wirkte anregend auf ihn, bestimmte seine theologische Richtung und blieb nicht ohne Einfluß auf seine schriftstellerische Thätigkeit, deren erste Frucht sein „Grundriß einer Hermeneutik des Neuen Testaments" (Gütt. 18«7) war. Die Achtung, in der er als Docent stand, erwirkte ihm 1818 eine außerordentliche Professur der Theo- ogie und noch in demselben Jahre dieErnennung zum ordentlichen Professor der Theologie ;u Bonn. Hier lebte er in ebenso freundlichen kollegialen Verhältnissen, exegetischen und kirchenhistorischen Studien und Vorlesungen sich widmend und an der „Berliner theologischen Zeitschrift", sowie an der „Christlichen Zeitschrift" mitwirkend, bis zum I. 1827, wo er nach Göttingen berufen wurde. Zur Zeit des Streites über die Authentie des Evangeliums Johannis erschien sein „Commentar über die Schriften des Evangelisten Johannes" (4Bde.,Bonn 1820—32),wclcherdurchwiederholteBearbeitung(3.Aufl., I843fg.) erhöhten Anfoderungen genügt. In ihm gibt sich neben philologischer Tüchtigkeit das Streben kund, aus der Idee des Ganzen das Einzelne zu erklären. Außer mehren Denk- schriften, namentlich der über Schleiermacher (Hamb. 183-1), und der anonymen Flugschrift „Strauß und die züricher Kirche" (Bas. 1839), sind noch seine werthvollen Beiträge in den „Studien und Kritiken" zu rühmen. Lucklum, ein Dorf im Herzogthum Braunschweig, mit 350 E., einem Schloß nebst Park und Kupferhammer, war sonst als Commenthurei der Hauptort der Ballei Sachsen, wo auch der Landescomtur seinen Sitz hatte. Luckner (Nikolaus), Marschall von Frankreich, geb. 1722 zu Kämpen in Baiern von armen Altern, trat aus einem hannov. Husarenregiment in preuß. Dienste und schwang sich durch Tapferkeit bald zum Husarenoberst empor. Im Siebenjährigen Kriege führte er ein kleines Parteigängercorps und that an dessen Spitze >757 den Franzosen besonders in der Schlacht bei Roßbach großen Schaden. Als der König von Frankreich nach beendigtem Kriege ihm Anerbietungen machte, ging L., im Verdruß, daß er entlassen worden, mit dem Grade eines Generallieutenants am 20. Juni 1763 in dessen Dienste. Doch gegen dreißig Jahre mußte er vergebens auf eine Gelegenheit warten, sich auSzuzeichnen. Ob- schon ohne politische Überzeugung, wendete er sich 1790 misvergnügt der Revolution zu, behielt aber seine Pension und wurde am 28. Dec. >791 sogar zum Marschall erhoben. Nach der Kriegserklärung an Ostreich vertraute man ihm, auf des Ministers Narbonne Empfehlung, den Oberbefehl über das Heer an der Nordgrenze. Seine ersten Unternehmungen waren nicht ohne Erfolg. Er nahm Menin und Courtray, mußte aber, nachdem 108 Lucretia Lueüllus letztere Stadt am 30. Juni >792 wieder verloren gegangen, die Bertheidigung des Rhein mit Lafayette theilen. Letzterer verwickelte ihn in seine contrerevolntionairen Plane zur Rettung des Königs. Der alte und schwache L., der sich leicht unter Thränen Alles entlocken ließ, wenn er aus der Hand der einen Partei in die andere ging, wurde zu Anfänge des Monats August vor die Nationalversammlung geladen und compromittirte hier seinen College» aufs ärgste. Nach dem > o. Aug. und der Flucht Lafaycttc's mußte er den Befehl über sein 20000 M. starkes Corps, mit dem er bei Metz stand, an Kellermann abgeben und erhielt dafür den Titel eines Generalissimus mit dem Aufträge, in der Gegend von Chalons - sur - Marne ein neues Neserveheer zu bilden. Beschimpft und bedroht von allen Seiten, entschloß er sich gegen Ende des Sept. nach Paris zu gehen und sich zu vertheidi- gen- Der Convent nahm ihn nicht übel auf; doch erhielt er Stadtarrest bis zur Entscheidung seiner Sache. Ruhig hätte L. können den Sturz der Schreckensmänner abwarten; allein er machte sich bemerkbar, indem er seine zurückgehaltene Pension foderte. Sofort deshalb verhaftet, wurde er von dem Revolutionstribunal zum Tode verurtheilt, den er am 4. Jan. 1794 unter der Guillotine erlitt. Lucretia, s. Brutus (Lucius Junius). Lucretms (Titus Carus), ein röm. Dichter, geb. um 95 v. Chr., widmete sich, fern von öffentlichen Geschäften, fast ausschlicßend dem Studium der Epikureischen Philosophie, wozu er wahrscheinlich zu Athen selbst den Grund gelegt hatte, und soll in einem Anfalle von Melancholie, nach Andern in Folge eines ihm beigebrachten Liebestranks, im -14.Jahre seines Alters durch freiwilligen Tod das Leben geendet haben. Sein schon wegen der veralteten Wörter ünd Formen schwieriges Lehrgedicht in sechs Büchern, „44e rorii,.-, nutm-a", Oorin er die metaphysischen Grundsätze der Epikureischen Philosophie in kräftiger Sprache und mit Scharfsinn entwickelt, mit großer Fertigkeit in ein Ganzes verwebt und hier und da mit heitern Farben auszuschmücken sucht, mußte bei dem abstrakten und fast ganz un- poetischen Stoffe mislingen, wenn auch einzelne Partien, z. B. die Beschreibung des menschlichen Elends, der furchtbaren Pest in Griechenland u. s. w., wahrhaften Dichtergeist verrathen. Unter den zahlreichen Bearbeitungen nennen wir, außer der ersten Ausgabe (Brixen um 1470, Fol.), die von Lambin (Par. >504 und öft.), Creech (Oxf. >095 und Lond. >7>7), Havercamp (2 Bde., Leyd. >725, 4.), Wakefield (3 Bde., Lond. >790 —97,4.; 2. Ausg., 4 Bde-, Glasg. >813), die mit einer trefflichen Einleitung versehene von Eichstädt (Lpz. >80>), die neueste von Negnier (Par. >837) und die gute Handausgabe von Farbiger (Lpz. 18?8). Eine meisterhafte deutsche Übersetzung im Versmaße des Originals lieferte Knebel (2 Bde., Lpz. >821, 4.; 2. verb. Aüfl., >831). Vgl. Siebelis, „tZusestiouvs Imcrstmuse" (Lpz. >844). Außerdem gehört hierher das von dem Cardinal Melchior von Pölig nac (s. d.) unter dem Titel „^nti-Imcrstius" in lat. Sprache verfaßte, sehr umfangreiche Gedicht (2 Bde., Par. >747; Lpz. >748), das freilich ohne allen poetischen Werth ist. Lucullus (Luc. Licinius), röm. Feldherr gegen Mithridates (s. d.), that seine ersten Kriegsdienste im I. 80 v. Chr. im marsischen Kriege und bewährte dabei seinen persönlichen Muth. Als Legat des Sulla zeichnete er sich hierauf im ersten Mithridatischen Kriege namentlich als Befehlshaber der Flotte aus, obwol er aus Feindschaft gegen den marianisch gesinnten Fimbria dem Mithridates die Flucht aus einer Seestadt, in welche ihn jener cingeschlossen hatte, nicht verwehrte. Nach seiner Rückkehr bekleidete er mit seinem Bruder Marcus die curulische Adilität im I. i 9. Sulla, der ihn liebte, übertrug ihm vor seinem Tode im I. 78 die Vormundschaft über seinen Sohn Faustus und beauftragte ihn, seine Denkwürdigkeiten vor der Bekanntmachung durchzufeilen. Nachdem er im I. 77 Prätor gewesen war und hierauf die Provinz Afrika verwaltet hakte, wurde er im I. 74 mit M. Aurelius Cotta Konsul, und ihm selbst Cilicien, dem Cotta Bithynicn (s. d.) als Provinz übertragen. Mithridates, der in das letztere eingefallen war und so den Krieg (den dritten Mithridatischen) eröffnet hatte, schlug den Cotta zu Wasser und zu Laude bei Chalcedon und schloß ihn selbst in diese Stadt ein; L. eilte herbei und zwang den Mithridates durch Abfchneidung der Zufuhr, die Belagerung aufzuheben. Dieser wendete sich hierauf gegen Cyzikus, das den Römern treu war, aber des L. vorsichtige und kluge Lucumonen Luden 109 Kriegführung vereitelte sein Vorhaben und nachdem er den größten Theil seines Heers und viele Schisse verloren hatte, mußte er, von L. verfolgt, in den I. 73 und 72 nach Bithynien und weiter nach Pontus fliehen, wo er ein neues -Heer bei Cabira sammelte. Hier suchte ihn L., der indeß eine Flotte des Königs bei Tenedos vernichtet hatte, im I. 7 l auf, schlug ihn und nöthigte ihn zur Flucht zu seinem Eidam Tigranes (s. d.) von Armenien. L. nahm Cabira ein, kehrte darauf nach Pontus zurück; das Land aber wurde im I. 70 durch die Einnahme von Eupatoria, Amisus und Sinope den Römern unterworfen; auch Heraclea in Bithynien fiel endlich, nachdem es durch Cotta über zwei Jahre belagert worden war. Bei der Ordnung der inncrn Verhältnisse der Provinz Asien, die L. bierauf vornahm, verletzte er durch den Schuh, den er den Provinzialen gegen die furchtbaren Bedrückungen der röm. Pächter und Wucherer angedeihen ließ, die Interessen des röm. Ritterstandes, der nun bald in Nom feindlich gegen ihn wirkte. Auch die eigenen Truppen, die er zum Theil aus früherer Verwilderung, da sie dem Fimbria gefolgt waren, erst an strenge Kriegszucht hatte gewöhnen müssen, deren Liebe er aber nicht zu gewinnen wußte, waren unwillig gegen ihn; doch folgten sie seinem Befehle noch, als er sie im I. 60 gegen Tigranes-führte, der die Auslieferung des Mithridates verweigerte. Mit > 200» M. erfocht er am 6. Oct. eine» völligen Sieg über die 22000«) des Tigranes und eroberte dann dessen Stadt Tigranocerta. Ein neuer Sieg wurde am Flusse Arsanias im I. 68 über das Heer, welches Mithridates und Tigranes vereint führten, erfochten; nun aber weigerten sich die Legionen, die P. Clodius (s. d.) insgeheim aufwiegelte, die Stadt Artaxata zu belagern oder weiter vorzudringen. L. mußte sie südlich nach Mesopotamien führen und nach Eroberung der Stadt Nisibis hier die Winterquartiere nehmen. Indeß drang Mithridates wieder in Pontus ein, schlug die röm. Legaten, namentlich bei Zela im I. 67 den Triarius, und eroberte mit Tigranes einen großen Theil des Landes, das ihm L. abgenommen hatte. L- wollte ihnen von Kappadocien aus entgcgenziehen, doch vergebens beschwor er seine Soldaten, ihm zu folgen; sie verließen ihn, als der von Rom aus nach Bithynien geschickte Man. Acilius Elabrio sie ihrer Pflicht gegen L. entband. L. verließ im I. 66 Asien, um den P ompejus (s. d.) die Früchte seiner achtjährigen Kriegsführung ernten zu lassen, und fast drei Jahre mußte er vor Rom verweilen, ehe er den Triumph gegen die Ca- balcn seiner Feinde durchsetzte. Er lebte von nun an bis zu seinem Tode, der vermuthlich im I. 57 v. Chr. erfolgte, von Geschäften zurückgezogen, dem Vergnügen, das er, der ungeheure Neichthümer erworben hatte, in verschwenderischer Üppigkeit fand. Lucullifche Gastmähler sind sprüchwörtlich geworden und die Gärten des L. bei Rom und seine Villen, namentlich die bei Lusculum und bei Bajä, waren wegen der Pracht und Großartigkeit ihrer Anlagen berühmt. Doch gewährten ihm auch die Beschäftigung mit der Wissenschaft, uamentlich das Studium der griech. Philosophie, in der ihn Antiochus für die ältere Akademie gewonnen hatte, und die Arbeit an einer Geschichte des marstschen Kriegs Erheiterung. Mit Gelehrten und Dichtern, wie mit dem Archias (s. d.), verkehrte er gern und ließ sie seine Bibliothek, die jedoch keine öffentliche war, benutzen; ebenso mit Malern und Bildhauern, durch die er die reichen Sammlungen, die er aus Asien mitgebracht hatte, erweitern ließ. Von Cerasus in Pontus hat er den Kirschbaum nach Europa verpflanzt. -— Sein Sohn gleiches Namens, geb. nach 65 v. Chr. von Servilia, wurde unter Vormundschaft seines Oheims M. Cato und des Cicero, der seinem Vater eng befreundet gewesen war, erzogen, und fand den Tod bei Philippi im I. 42 v. Chr. — Marcus Lic. L., der jüngere Brecher des berühmter» Lucius, war im I. 73 Consul und zeichnete sich im I. 7.2 bei Verwaltung der Provinz Macedonien durch seine Kriege in Thrazien aus; er besiegte die gefürchteten Befsier auf dem Hämus und drang bis zum Jster und PontuS Euxinus Vox, an dessen Küste er Apollonia und andere griech. Colonien einnahm. Lucumönen hießen im Allgemeinen die Edlen und Vornehmen in Etrurien (s.d.), aus denen in den zwölf Republiken oder Bundesstädten nach Aufhebung der königlichen Würde die jährlich wechselnden Magistrate unter Beibehaltung dieses Namens gewählt wurden, die mit großem Pomp in Kleidung und Insignien, sowie mit zwölf Lictvren umgeben waren und zugleich das Priesteramt verwalteten. .. Luden. (Heim.),.MH. Hofmth und ordentlicher .Professor der.Gesthlchfeauf.ber 116 Ludewig Ludmila Universität zu Jena, geb. zu Loxstedt im Hcrzogthum Bremen am >». Apr. 178», besuchte seit 17»» die Domschule zu Bremen und studirre >799 —18»3 in Göttingen Theologie, Geschichte und Philosophie. Hieraus lebte er auf dem Lande, in Berlin und zuletzt wieder in Göttingen. Im I. i 8»» als außerordentlicher Professor der Philosophie nach Jena berufen, las er daselbst vorzüglich über Geschichte und erhielt >81» die ordentliche Professur in dieser Wissenschaft. Durch seine Vorträge trug er wesentlich bei zur Hebung des Studiums der Geschichte und Politik unter den Studirenden. Seine Schriften haben ihm den Ruf eines gründlichen und geistvollen historisch-politischen Schriftstellers erworben. Abgesehen von seinen einzelnen Abhandlungen, namentlich den gelungenen Biographien, z. B. des Christ. Thomasius (Berl. 18»',), des Hugo Grotius (Berl. 18»») und des Sir Will. Temple (Gött. I8»8), erwähnen wir seine „Ansichten des Rheinbunds" (Gött. !8»8; 2. Aust,, 18»!)), das erste kräftige Wort über diese Verbindung, auf eigene Verantwortung des Verfassers in Jena, wo die Professoren damals censursrci waren, gedruckt, weil der göttinger Censor Schlözer unter großem Bedauern das Imprimatur verweigerte; „EinigeWorte über das Studium der vaterländischen Geschichte" (Jena 18»»; neue Ausl., 1828), welche eigentlich L.'s Wirksamkeit als akademischer Lehrer begründeten; das „Handbuch der Staatsweisheit oder der Politik" (Jena >811), dem er wegen der darüber gefällten wunderlichen Urtheile die Abhandlung „Über den Sinn und Inhalt des Handbuchs der Staatsweisheit" (Jena >811) nachsendete; die neue Ausgabe von Herder's „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit" (Lpz. >812; 3. Aust., 1828); „Allgemeine Geschichte der Völker und Staaten des Alterthums" (Jena >814; 3. Aust., 1821) und „Allgemeine Geschichte der Völker und Staaten des Mittelalters" (Jena 1821 — 22; 2. Ausl., >824), welche beide Werke bei ihrem Erscheinen hochgepriesen, später aber sehr abweichend beurtheilt wurden; die „Nemesis, Zeitschrift für Politik und Geschichte" (12 Bde., Weim. 1614—>8), worin ein großer Lbeil der Aufsätze, in denen die wichtigsten Angelegenheiten der Zeit besprochen werden, von dem Herausgeber selbst herrühren; das „Allgemeine Staatsverfassungsarchiv" (3 Bde., Weim. >816); sein wichtigstes Werk, „Die Geschichte des deutschen Volks" (Bd. 1 —12, Gotha >82.',—37), das von Einigen als wahres Nationalwerk gepriesen, von Andern im Einzelnen vielfältig getadelt wurde und bei dem vielen Neuen und Abweichenden, welches dasselbe enthält, erst in späterer Zeit gerechte Würdigung finden dürfte, und seine „Geschichte der Deutschen" (Bd. 1—3, Jena 1842—43). L. gehört zu den Geschichtsforschern, durch deren Werke die zeitgemäßere und geistvollere Behandlung der Geschichte das Übergewicht, durch keine Grundidee belebte geschichtliche Form gewann. Wie im Allgemeinen durch Tiefe des Wissens, so zeichnen sich seine Schriften durch sreimüthige Sprache und Gesinnung rühmlichst aus. Llldetvig (Joh. Pet. von), der Kanzler an der Universität zu Halle, geb. am >5. Aug. >67» auf dem Schlosse Hohenhard bei Schwäbisch-Hall von bürgerlichen Altern, studirre in Tübingen, Wittenberg und Halle, wo er 1695 Professor der Philosophie wurde. Zu seiner weitern Ausbildung ging er dann nach Holland, wo er >697 den Verhandlungen des ryswijker Friedens beiwohnte und durch die von mehren anwesenden hohen Fremden für seine denselben geleisteten Dienste erhaltenen ansehnlichen Geldgeschenke sich in den Stand gesetzt sah, den Grund zu seiner später so bedeutenden Bibliothek zu legen. Auch nach seiner Rückkehr nach Halle hatte er für Kurbrandenburg mehre Schriften zu fertigen und erhielt deshalb den Titel als Rath. Im1.17»3 wurde er in Halle Professor der Geschichte an Cellarius' Stelle, ! 7»4 Doctor der Rechte und königlicher Historiograph, 17»5 ordentlicher Professor der Rechte, 17»9 königlicher Heroldsrath, dann Regierungsrath, 1718 Geh. Rath, im folgenden Jahre in den Adelstand erhoben und 1722 Kanzler der Universität. Als solcher starb er am 7. Sept. l 7 43. Von seinen Schriften sind als noch gegenwärtig brauchbar zu erwähnen die „8criptores rer. germso." (2 Bde., Halle 1718, Fol.); ,,11elig»isc nuum- script. omni« sevi ckiplomstuin sc moiiiiincotorum ineckitorum" (12 Bde., Halle 1746 —41); „Geschichtschreiber des Bisthums Würzburg" (Franks. 1713, Fol.); „Opusculs wisoellsiies" (2 Bde., Halle 172», Fol.) und die „Vits äiistwisvi etc." (Halle 1731, 4.). Ludmila, die Gemahlin des ersten christlichen Herzogs von Böhmen, Boriwoj, und mit ihm zugleich wahrscheinlich durch Method selbst in Mähren getauft, war eine außer»» Ludolf Ludwig I. (röni. Kaiser) deutlich eifrige Christin und erzog auch ihren Enkel, den heil. Wenzel, zu großer Liebe für dos Christcnchum. Als nach dem Lode Wratislaw's (des Vaters Wenzel's) dessen noch heidnische Witwe Drahomira sich der Regierung bemächtigte und das Hcidenthum wieder cmporhob, entspann sich Streit zwischen den Anhängern desselben und den Christen, in welchem L. auf Befehl Drahomira's in ihrer Burg Tetin, wohin sie sich zurückgezogen, am 15. Sept. 927 erdrosselt wurde. Später wurde sie unter die Zahl der Heiligen und der böhm. Landespatrone erhoben. Ludolf (Hiob), einer der größten Orientalisten seiner Zeit und erster Begründer des Studiums der äthiop. Sprache und Literatur in Deutschland, geb. am l5. Zan. 1624 zu Erfurt, bezog 1639, mit tüchtigen Kenntnissen ausgerüstet, die er sich durch seinen unermüdlichen Eifer erworben, die Akademie seiner Vaterstadt, wo er anfangs sich zumeist mit der griech Sprache und der Musik beschäftigte, dann Französisch, Italienisch und Spanisch lernte und nachher dem Studium der oriental. Sprachen sich zuwendete. Auch betrieb er mit Eifer die damals noch ziemlich vernachlässigte äthiop. Sprache, wobei er auf die man- gelhaftesten Hülfsmittel hingewiescn war. Seit 16 >5 schte er seine oriental. Studien in Leyden fort. Mit dem Engländer Thys bereiste er > 647 Frankreich und >648 England, und im Aufträge der Königin Chriftina von Schweden ging er 1649 nach Rom. Hier machte er Bekanntschaft mit mehren Abyssiniern und besonders mit einem gewissen Grego- rius, von welchem er sich in der äthiop. Sprache unterrichten ließ. Nachdem er noch bis 1651 Reisen in Schweden und Dänemark gemacht, wurde er in Gotha 1652 bei der Regierung angestellt, bei welcher er später als Geh. Rath, einen sehr bedeutenden Einfluß gewann. Von ungemeiner Wichtigkeit für L.'s äthiop. Studien war ein halbjähriger Besuch des erwähnten Gregorius, der ihn bei Ausarbeitung seines Lexikons und seiner Grammatik der äthiop. und der amharischen Sprache sehr unterstützte. Trotz der großen Arbeiten und Mühen, welche ihm seine Stellung auferlegte, trieb er mit unablässigem Eifer die oriental. Sprachen. Er starb am 8. Apr. 1764 in Frankfurt am Main. Seine erste bedeutende Schrift war die „llistoiia »Ltlm-z»," (Franks. >681, Fol.). Im I. 1683 ließ er auf seine Kosten eine „bchistolu uetiliop. uc! »»iversam H-tbessmorum ^entew scrijits" drucken, auf welche er > 685 eine Antwort erhielt. Zu seinen bedeutendsten Werken gehört ferner sein „Öommeutarius <»I iiistniim» aettnop." (Franks. 1691, Fol.), dem er 1693 einen „^ppenclix" beigab. Er war der Erste, welcher eine „Srsmmatica awbaricae lio^uae" (Franks. >698, Fol.) und ein „Mexico» ainkarico-lat." (Franks. 1698, Fol.) herausgab. Sein „l.cx16<>ii acttiiop." wurde zuerst von Wansleben herauS- gegeben (Franks. 1661, 4.), ebenso seine äthiop. Grammatik; er selbst besorgte die zweite Ausgabe sowol des Lexikons (Franks. 1699, Fol.), wie der Grammatik (Franks. >762, Fol.). Noch ist zu erwähnen sein „ksaltcrium vaviclis aetliiopic«" (Franks. 1761, 4.). Sein Leben beschrieb Juncker (Lpz. und Franks. > 716). Ludolf'sche Zahl, s. Kreis. Ludwig I. oder der Fromme (leckebounicire, d. h. der gutherzige Schwache), röm. Kaiser von 814—846, der dritte Sohn Karl's des Großen, geb. 778, von dessen dritter Gemahlin, Hildegard, einer alemann. Fürstin, wurde schon frühzeitig von seinem Vater zum König von Aquitanien und 813 nach dem Tode seiner ältern Brüder, Karl's und Pipin's, auf einer Neichsversammlung zu Aachen zum Mitregentcn des Frankenreichs ernannt, das er als Alleinherrscher am 28. Zan. 814 erbte. Den Anfang seiner Negierung bezeichnet er durch einenHoffnung verheißenden Aufschwung zu rüstiger Thatkrast. Er verbannte mit Strenge die in der letzten Zeit am Hofe eingerissene Zügellosigkeit der Sitten, stratte die Unterdrückung des Volks durch die Großen, steuerte dem Gewaltmisbrauche der Grafen in den Provinzen, drang auf eine Reformation der Weltgeistlichen und der Mönche und verpflichtete mit kluger Milde die sächs. und fries. Herren und Freien sich dadurch zu treuer Anhänglichkeit, daß er ihnen ihre Erbgüter wiedergab oder ihnen aus den Pflanzorten die Rückkehr in ihr Vaterland »erstattete. Diesen weisen Maßnchmungen aber folgten bald gefährliche Misgriffe. Die Diener und Nathgeber Karl's wurden nicht blos zurückgesetzt, sondern verfolgt, ja Wala, ein Seitcnverwandter Karl's, der für die Ernennung Bern- h-rd'ö, eines Sohnes des verstorbenen Pipin, zum Kaiser gestimmt hatte, mit seinen Brü- > 112 Ludwig 1. (röm. Kaiser) der» gar ins Kloster verbannt; unzählige Befreiungen wurden ertheilt, die königlichen Gü- ter massenweise als Lehen ausgethan und der Geistlichkeit immer mehr Einfluß und Macht eingeräumt. Die unglücklichste Maßregel L.'s aber war die bereits 817 ausgeführte Thei- lung des ganzen Reichs unter seine drei Söhne, welche die Ursache zu allen nachfolgenden Unruhen und Streitigkeiten während seiner Regierung wurde. Lothar, der älteste, bekam Australien und Deutschland und die Mitrcgcntschaft des Kaistrthums nebst dem kaiserlichen Titel, Pipin wurde in Aquitanien bestätigt und Ludwig erhielt Baiern, Böhmen, Kärnten und die dazu gehörigen avarischen und wendischen Länder. Gleich anfangs reizte diese Theilung, bei der sein Neffe, der König Bernhard von Italien, sich zurückgeseht, ja bedroht sah, diesen zur Empörung. Unter arglistigen Versprechungen ließ L. ihn 818 nach Chalons locken und grausam die Augen ausstechen, sodaß er nach wenigen Tagen starb, worausJta- lien au Lothar gegeben wurde. Als der Kaiser so seine Rache gestillt hatte, reute ihn die Miffetbat. Dazu kam der Tod seiner Gemahlin. Er wollte seine Würde niederlegen und ins Kloster gehen. Seine geistlichen Räthe aber, die den Nachfolger fürchteten, hielten ihn davon zurück , beredeten ihn 819 zu einer zweiten Ehe mit der schönen Tochter des Grafen Welf, Judith, ließen ihn zu Attigny öffentlich Kirchenbuße thun und brachten es dahin, daß er ohne ihren Rach nichts mehr unternahm. Als ihm hierauf Judith 823 einen Sohn, Karl, gebar, schritt er, durch die Bitten seiner Gemahlin bestürmt, 829 zu einer neuen Theilung des Reichs, in welcher Karl, nachher der Kahle genannt, unter dem Titel eines Königs von Alemannien, mit Lothar's Zustimmung das Land zwischen Rhein, Main, Donau und Neckar nebst Rhätien und Helvetien erhielt. Bald darauf aber einigten sich die Brüder gegen den Vater, griffen zu den Waffen, nahmen ihn, unterstützt von den misvcrgnüg- ten Großen, welche den Kaiser verließen, zu Compiegne gefangen, beschuldigten ihre Stiefmutter Judith des Ehebruchs mit dem Grafen Bernhard von Septimanien und vernrtheil- ten sie zum Kloster. Schon hatte auch der Kaiser erklärt, die Krone nach dem Wunsche seiner Söhne niederlegen zu wollen, als die beiden andern Brüder und die Geistlichen Lothar's Absicht merkten, allein zu herrschen. Von jetzt arbeiteten sie nun selbst an L.'s Wiedereinsetzung, die auf dem Reichstage zu Nimwegen erfolgte, wo die Deutschen sich gegen Lothar erklärten, der sich hierauf unterwarf und um Gnade bat. L. verzieh ihm zwar, nahm ihm aber die Mitregentschaft, holte Judith wieder aus dem Kloster und gab ihrem Sohne Karl das zeither von seinem treulosen Sohne Pipin besessene Aquitanien. Dies veranlaßte einen neuen Aufstand Ludwig's und Pipin's, welchem sich bald darauf auch Lothar und sogar der damalige Papst Gregor IV., der zur Schlichtung des Streites über die Alpen gekommen war, anschlossen. Beide Theile lagerten 833 mit ihren Herren im Elsaß unweit Kolmar. L. verlor den günstigen Augenblick des Kampfes, und während der Papst mit ihm unterhandelte, wurden seine Truppen verführt und gingen zu den Empörern über, sodaß er selbst auf dem Rothfeld bei Kolmar, nachher Lügenfeld genannt, den Söhnen sich gefangen geben mußte. Sogleich wurde er nun von seiner Gemahlin, die man nach Italien, und von stimm Sohne Karl, den man nach Prüm führte, getrennt und nach Soiffons ins Kloster gebracht, wo er auf Lothar's Betrieb, um ihm die Rückkehr auf den Thron für immer zu verschließen, knieend auf einem härenen Bußsacke öffentliche Kirchenbuße thun und ein Ber- zeichuiß seiner Sünden ablesen mußte. Doch war L. schlau genug, trotz aller Drohungen, noch nicht das Gelübde eines Mönchs abzulegen, weil er aus eine abermalige Rettung hoffte. Diese blieb auch nicht aus. Die Brüder, durch die Herrschsucht Lothar's beleidigt, einigten sich bald zumKampfe gegen diesen, nahmen die ihrem Vater widerfahrene Mis- handlung zum Vorwand, verjagten Lothar, und setzten 8., nachdem er von den Bischöfen vollkommene Absolution erhalten , wieder aus den Thron. Judith und Karl kehrten zurück, L. ließ sich von neuem huldigen und krönen, ertheilte den abgefallenen Großen Amnestie und verwies Lothar, der sich endlich gleichfalls unterwarf, nach Italien. Zugleich machte er 837 zu Gunsten Karl's eine neue Theilung, in welcher dieser außer Aquitanien auch Neustrien erhielt. Die Söhne schwiegen; als aberL. nach Pipm'STvde838,mit Ausschließung der Kinder desselben, Weststanken an Karl und Italien nebst ganzAuftrasien oderDlrutschland an Lothar austheilte, gckff Ludwig, dem auf diese Wesse nur Baiern verblieb,, tief gekränkt zu den Waffen, während zugleich die-Aquitanirr-zu Gunsten der-Sohne Ludwig II. (röm. Kaiser) Ludwig IV. (deutscher Kaiser) 113 Pipin's kämpfend sich erhoben. Der Kaiser wollte die Streitigkeiten auf einem Reichstage zu Worms ausmachen, starb aber, von Kummer und Mühseligkeit erschöpft, auf einer Rheininscl unterhalb Mainz am 20 . Juni 830, und wurde zu Meh beerdigt. L. besaß bei manchen Vorzügen des Charakters und bei nicht gewöhnlichen Kenntnissen und Erfahrungen doch gerade die Eigenschaften nicht, die ihn allein zum Regenten eines so großen Reichs befähigen konnten, nämlich den Blick des Staatsmanns und die feste Thatkraft. Seine Milde artete in Schwäche, sein Frommsinn in Bigotcrie und blinde Unterwürfigkeit gegen die Kirche aus. Er hatte allein in Aquitanien 26 Klöster gestiftet. Deutschland verdankt ihm die Stiftung des Klosters Korvci und die Gründung des Erzbisthums Hamburg. Drei Jahre nach seinem Tode theilten seine drei Söhne Lothar, Ludwig und Karl das väterliche Reich aufs neue unter sich in dem Vertrage zu Verdun (s. d.). Als Kaiser folgte ihm LotharI. (s. d.), dem er noch kurz vor seinem Tode mit der Bitte um die Beschützung seines Lieblingssohnes Karl die Neichsinsignien übergeben hatte. Ludwig II-, röm. Kaiser von 855—875, ältester Sohn Lothar's I., geb. um 822, wurde von seinem Vater 8-13 nach Nom gesendet, um den Zwiespalt zwischen den Päpsten Sergius und Johannes zu schlichten, setzte den erstern als rechtmäßigen Papst ein und ließ sich von ihm zum Könige der Langobarden krönen. Bereits 870 von seinem Vater zum Mitregenten angenommen, folgte er diesem 855 im Besitze Italiens und des Kaiscrthums, während der zweite Bruder, Lothar, das Land zwischen dem Rhein, der Maas und der Schelde nebst einem Theil von Hclvetien und Burgund, und der jüngste, Karl, die Provence mit Lyon erhielt. In der Zeit des Bruderkriegs in Deutschland hatten die Sarazenen in Italien bedeutende Eroberungen und viele ital. Große sich unabhängig gemacht. Aber L. schlug nicht nur die erstem 818 bei Benevent und entriß ihnen die hartnäckig vcrtheidigte Festung Bari, sondern demüthigte auch die letztem. Ebenso behauptete er gegen die Griechen das Kaiserthum, das diese im Einverständniß mit einer Partei in Nom wieder mit dem Thron von Konstantinopel zu vereinigen strebten. Nach dem kinderlosen Tode Karl's von Vurgundien, imJ. 866 , theilten die beide» andern Brüder dessen Reich unter sich, und als bald darauf, 8 >i!>, auchLothar starb, benutzten Karl der Kahle und Ludwig der Deutsche (s.d.) L.'s Bedrängnisse in Italien, bemächtigten sich ohne Rücksicht auf das Näherecht Lud- wig's U. Lothringens und theilten das Land am ll.Aug. 870 zu Marsam; doch gab Ludwig der Deutsche bald darauf 872 seinem Neffen Ludwig II, an den auch seine Tochter Jngelberg vermählt war, seinen Antheil heraus und nahm ihn erst wieder, als derselbe am > 3. Aug. 875 ohne männliche Erben starb. Seines übrigen Re.ichs bemächtigte sich Karl der Kahle. Ludwig III- oder das Kind, der Sohn des deutschen Königs Arnulf, erhielt im I. 000 , obgleich erst sechs Jahre alt, auf Betrieb des Sachsenherzogs Otto, des Markgrafen Luitpold von Ostreich und des Erzbischofs Hatto von Main; die Königskrone, weil diese Männer unter dem Namen dieses Kindes als Obervormüuder des Reichs selbst regieren wollten, und nahm 008 den Kaisertitel an. Außer der Wiedervereinigung Lothringens mit Deutschland, das Arnulf dem wilden Zwenlibold gegeben hatte, bezeichnet kein glückliches Ercigniß die kurze Zeit seiner Regierung. Unaufhörliche Fehden, von denen die ba- benbergische 002—005 am berühmtesten geworden ist, machten die Vasallen immer über- müthiger und trotziger, und wiederholte Einfälle der Ungarn verödeten und verwüsteten aufs furchtbarste die Provinzen des Landes. Schon im 1.007 waren die Ungarn in Baicrn eingedrungen, hatten den ihnen entgegengcsendeten Herzog Luitpold überfallen und mit seinem ganzen Heere aufgericben. Im nächsten Jahre zogen sie verheerend durch Thüringen, wo Herzog Burkhard, und in den 1.009 und 0 l 0 durch Schwaben und Franken, wo Graf Gebhard im Kampfe gegen sie nutzlos den Tod fanden. Nur die Zahlung eines jährlichen Tributs verschaffte Deutschlapd vor ihnen Ruhe. Unter solchem Misgeschick starb L. 911, unvermählt, und mit ihm erlosch der Karolingische Stamm in Deutschland. Das Bedürf- niß eines kräftigen Regenten veranlaßte die Fürsten, zu L.'s Nachfolger den Herzog Ko n- radI. (s. d.) von Franken zu wählen. Ludwig IV. oder der Baier, deutscher Kaiser >313—37, der Sohn Ludwig's des Strengen, Herzogs von Baiern, geb. 1286, wurde nach Heinrich's VII. Tode 1313 von Conv.-Lex. Neunte Ausl. IX. 8 11-t Ludwig IV. (deutscher Kaiser) fünf Kurfürsten zum Kaiser erwählt, während die übrigen für den Herzog Friedrich von Ostreich stimmten. Zu Wien mit seinen Verwandten, des Herzogs Albrecht's von Ostreich Söhnen, erzogen, folgte er >294 seinem Vater unter Vormundschaft seiner Mutter, Ma- Ihilde von Habsburg, wurde 1300 Mitregeut seines ältern Bruders Rudolf und erhielt 1310 in der Theilung den Landstrich am linken Ufer der Isar. In Folge der zwiespältigen Wahl der Fürsten brach natürlich sehr bald zwischen de» beiden Gegenkaisern L. und Friedrich ein Bürgerkrieg aus, der von Mord, Brand und Parteiung begleitet, acht Jahre lang Deutschland verheerte und den sogar die bei Mühldorf in Baiern 1322 durch den kriegserfahrenen Seifried Schwcppermann glorreich gewonnene Schlacht und die EefangennchmungFried- rich's bei dieser Gelegenheit nicht zu beendigen vermochten, weil dessen Bruder Leopold und der Papst für sich den Kampf gegen L. eifrig fortsetztcn. L. hatte inzwischen seinen Bruder Rudolf von der Pfalz, der aus Neid über dessen Erhebung sich an Ostreich anschloß, 1317 vertrieben und dessen Länder in Besitz genommen. Nach dem Tode desselben fand er sich jedoch bewogen, mit dessen Söhnen 1320 einen Vergleich einzugehen, kraft dessen sie ihr väterliches Erbe wiederbekamen und die Kurwürde zwischen Baiern und der Pfalz künftig wechseln sollte. Zugleich verlieh er, seine Hausmacht zu verstärken, seinem ältesten Sohne Ludwig 1322 die erledigte Mark Brandenburg, und unserstützte, um den siegreichen Fortschritten des Papstes in Oberitalicn Einhalt zu thun, die hartbedrängten Visconti in Italien und verschaffte ihnen dadurch den Sieg über die guelfische Partei. Der Papst Johann XXII., hierdurch zu noch heftigerm Hasse gegen L. aufgeregt, schleuderte nicht nur >323 den Bannstrahl gegen ihn, sondern wiegelte auch die Polen und Russen auf, die in Brandenburg einfallen mußten, und knüpfte zwischen Ostreich und Frankreich gegen den Kaiser ein heimliches Bündniß. Dies bewog L., sich mit Friedrich auszusöhnen und ihn unter der Bedingung der Thronentsagung und Ausantwortung der besetzten Städte und Reichsgütcr 'in Schwaben freizulasscn und andererseits König Johann von Böhmen durch ein Bündniß zu verpflichten, daß er die ihm ohnehin verhaßten Polen bekämpfen sollte. Da aber Friedrich, durch seinen Bruder Leopold verhindert, die versprochenen Bedingungen nicht erfüllen konnte, kehrte er zu L. zurück, der durch solche edle Treue gerührt, mit ihm die Herrschaft zu thcilen beschloß, eine Absicht, die jedoch an der Weigerung der Kurfürsten scheiterte- Bald darauf, 1327, machte L. einen Zug nach Italien, ließ sich zu Mailand zum König von Italien, zu Rom zum Kaiser krönen, bestrafte den verräterischen Galeazzo Visconti, setzte an Johann's XXII. Stelle Nikolaus V. als Papst ein und begann, in Verbindung mit einer sicil. Flotte, die Florentiner und den König von Neapel zu bekriegen, als eine Empörung der Römer und andere gefahrdrohende Bewegungen in Italien, beider Schwäche seines durch Krankheiten zusammengeschmolzencn Heers, ihn nüthigtcn, zuerst 1329 nach Oberitalien, dann 1330 nach Deutschland zurückzueilen. Die Kunde, die er hier von seines Nebenbuhlers Friedrich's Tode erhielt, bewog ihn, nunmehr eine Aussöhnung mit den andern Herzogen von Ostreich zu suchen, zu welcher diese, da sein zeitheriger ärgster Feind, Herzog Leopold, 1326 gestorben war, gegen eine bestimmte Entschädigung für die Kriegskosten durch König Johann's von Böhmen Vermittelung in der That auch bald sich bereitwillig finden ließen. Weniger glücklich waren die Bemühungen Johann's von Böhmen, der sich L. für Übertragung des ihm willkommenen Reichsvicariats in Italien gern dankbar erweisen wollte, eine Aussöhnung zwischen dem Papste Johann XXIl. und dem Kaiser zu Stande zu bringen, so sehnlich der Letztere eine solche auch wünschte. Der unheilvolle Einfluß der franz. Staatskunst auf die jetzt zu Avignon rcsidirenden Päpste machte, wie die frühern, so auch die erneuten Versuche einer friedlichen Ausgleichung mit dem wohlmeinender gesinnten Benedict XII. fruchtlos, sodaß, als selbst die demüthigsten Anerbietungen des Kaisers zu keinem Ziele führten, die deutschen Fürsten sich ermannten, den Kaiser eigenmächtig vom Banne lossprachcn und auf dem Kurvereine zu Rense am Rhein, am >5. Juli 1338, ein- müthig den zum Neichsgesetz erhobenen Beschluß faßten, „daß, wer auf rechtmäßige Weise von der Mehrheit der Kurfürsten auf den deutschen Thron erhoben worden, für einen wahren und rechtmäßigen Kaiser und König zu halten sei, ohne erst der Einwilligung und Bestätigung des Papstes zu bedürfen". Hierdurch gesichert, benutzte L., wenn auch nicht ohne Willkür und Machtstreiche, die nächste Zeit zur Vergrößerung seiner Hausmacht. Außer Ludwig der Deutsche (Köuig der Deutschen) 115 Brandenburg nahm er 134 l ohne Rücksicht auf seine Vettern die Länder Heinrich's von Niederbaiern in Besitz, vermählte hieraufdic berühmte Margarethe Maultasche, die er eigen- mächtig von ihrem Gemahl Johann Heinrich von Böhmen schied, mitHinem Sohne, dem Markgrafen Ludwig von Brandenburg, brachte mit ihr Tirol an sein Haus und erwarb endlich durch seine Gemahlin Margaretha, die Schwester des verstorbenen Grafen Wilhelm von Holland, auch die erledigten Länder Holland, Seeland, Friesland und Hennegau. Aber wenn schon die unrechtliche Erwerbung Tirols das durch Böhmen so mächtigeHaus Luxem- bürg ihm zu unversöhnlichem Haß verfeindete, so führte derTod Benedicts Xll. in Clemens VI. ihm noch besonders einen Gegner zu, der an Feindseligkeit Johann XXII. weit übcrtraf. Nicht genug, daß dieser am Gründonnerstage 1346 aufs neue feierlich den Bann über ihn «ussprach, so foderte er auch die deutschen Fürsten zu einer neuen Kaiserwahl auf, entsetzte den L. befreundeten Erzbischof von Mainz, vergab den erzbischöflichen Stuhl an den Grafen Gerlach von Nassau und wußte durch diesen einen Theil der übrigen deutschen Fürsten so zu gewinnen, daß sie am l l. Juli 1346 zu Reuse an L.'s Stelle den Markgrafen Karl von Mähren als Karl IV. (s.d.) zum Kaiser wählten. Zwar konnte cs Karl nicht zur Anerkennung bringen und Ludwig von Brandenburg schlug ihn sogar aus Tirol, welches er zu erobern kam, heraus; doch L. starb, als er sich zu einem neuen Römerzuge rüstete, plötz- lich auf einer Bärenjagd bei Fürstenfeld, unfern München, am I I. Oct. 1347. Er wurde in der Frauenkirche zu München begraben, wo ihm 1622 Kaiser Maximilian I. ein Denkmal errichtete. Die Stelle, wo er starb, hat der König Maximilian Joseph von Baiern durch eine marmorne Spitzsäule ausgezeichnet. Vgl. Männert, „Kaiser L. IV. oder der Baier" (Landsh. 1812) und Schlett, „Biographie des Kaisers L. des Baiern" (Amb. >822). Ludwig der Deutsche, der Sohn Ludwig's des Frommen, geb. um 805, König der Deutschen von 843—876, der Gründer eines selbständigen deutschen Reichs, erhielt in der ersten Theilung seines Vaters 817 -Baiern und die nach Osten hin angrenzenden Länder, sah sich aber in den beiden neuen zu Gunsten des spät geborenen Karl's gemachten Theilun- gen, 823 und 838, so verkürzt und zurückgeseht, daß er dem langwierigen, immer wieder sich erneuernden Kriege seiner Brüder Lothar und Pipin gegen den Vater sich anschloß. Sogleich nach des Vaters Tode im I. 840 begann unter den Brüdern ein mehrjähriger Streit über das Erbe, welches Lothar gern allein sich zugeeignet hätte. Aber L. und Karl vereinigten sich gegen denselben, schlugen ihn in der Schlacht bei Fontenai 841 und nöthigten ihn, nachdem L. vorher noch die von Lothar zur Empörung gereizten Sachsen wieder unterworfen hatte, zum Theilungsvertrag zu Verdun von 843, durch welchen L. Deutschland bis zum Rhein und überdies Mainz, Speier und Worms als künftiges Besitzthum zuerkannt wurden. Wenn L. schon in der früher« Zeit der Statthalterschaft in Baiern, seit 825, wiederholte hartnäckige Kämpfe mit den von Südost herandringcnden Bulgaren und mit einzelnen staw. Völkerschaften, den Böhmen, Sorben und Moraven, zu bestehen hatte, so machten ihm nach seinem Regierungsantritte vor allem die EinfällederNormännervielzu schaffen,die jährlich im Rhein - und Frieslande sich wiederholend, nach der Einäscherung Hamburgs ihn endlich zwangen, 85 8 das Erzbisthum Hamburg mit dem Bisthum von Bremen zu vereinigen. Auf die Einladung einer mitKarl dem Kahlen unzufriedenen Partei, brach er 858mit drei Heeren von Worms auf, setzte sich in den Besitz Frankreichs und glaubte einen Augenblick lang, Ost - und Westfranken unter seinem Scepter wieder vereinigen zu können. Aber die Großen, durch seine kräftige Negierungsweise geschreckt, und-das Volk, durch die deutschen Besatzungen bedrückt, fingen an, wieder zu Karl, der indeß Anhänger in Burgundien gesammelt hatte, sich zu neigen,.und L. , im entscheidenden Momente vom franz. Heere ver- lassen, sah sich genöthigt, Frankreich zu räumen. Einen Aufruhr sejneS Sohnes Karlmann im I. 862 dämpfte er sehr bald; auch gelang es ihm, als Lothar von Lothringen gestorben war, von Karl dem Kahlen die Hälfte des von ihm in Besitz genommenen Landes auf friedlichem Wege zu erlangen. Dagegen betrog ihn Karl nach Ludwig's II. Tode durch listige Ränke um die Kaiserkrone. Als er sich rüstete, den treulosen Bruder dafür zu bestrafen, starb er am 28. Aug. 876 zu Frankfurt. Seine drei Söhne Heilten, nachdem sie erst einen Ervberungsversuch ihres Oheims, Karl's des Kahlen, aufDeutschland durch die sicg- « * 116 Ludwig Ludwig IX. (König v. Frankreich) reiche Schlacht bei Andernach im I. 876 zurückgewiesen, zu Hohcnalthcim ihres Vaters Erbe so unter sich, daß Karlmann Baicrn, Kärnten und die angrenzenden zinsbare» Lander der Slawen (Böhmen, Mahren, Ostreich und Ungarn), Ludwig der Jüngere Franken, Thüringen Sachsen und Friesland, und Karl der Dicke Schwaben vom Main bis in die Alpen erhielt. Ludwig der Jüngere erwarb zu seinen Besitzungen nach Ludwig's des Stammlers von Frankreich Tode im I. 879 noch die westliche Hälfte von Lothringen und, als sein Bruder Karlmann 880 starb, auch Baiern, welche Länder sämmtlich nach seinem Hinschciden im I. 882 an Karl den Dicken, gest. 887, sielen, der, obgleich schwach und unfähig, Karl's des Großen Reich in seiner Hand noch einmal vereinigte. Ludwig (1>nuis), and dem sränk. Chlodwig gebildet, ist mit Einschluß Kaiser Lud - wig's l. oder des Frommen (s. d.) der Name von 18 Königen Frankreichs (s. d.). Die fünf ersten gehören zur Dynastie der Karolinger (s. d.), Ludwig VI. bis mit Ludwig XII. zur Dynastie der Valoisss. d.) und Ludwig XIII. bis mit Ludwig XVIII. zur Dynastie der Bourbons (s. d.). Ludwig IX. oder derHeilige, König von Frankreich, 1226—70, der Sohn Ludwig's VIII. und der Bianca von Castilien, geb. am 25. Apr. >215, folgte 1226 seinem Vater unter der Vormundschaft der Mutter, die auch die Regentschaft führte. Die Großen versuchten zwar gegen die Ausländerin Widerstand und wollten sich 1228 durch Gewalt des Königs bemächtigen, wurden aber von Bianca bezwungen. Auf Andringen des Papstes und des berüchtigten Legaten NomanuS unterdrückte Bianca auch die Albigenser (s. d.), richtete den Grafen Naymund VII. von Toulouse zu Grunde und nahm demselben den größten Theil seiner Länder. Als der König volljährig geworden, weigerte sich Hugo de la Marche, den Vasallencid zu leisten, und rief seinen Schwager ^Heinri ch III. (s. d.) von England zu Hülfe; doch L. schlug Letzter« >242 bei Taillebourg und Saintes. Die Bedrängnisse der Christen ini Orient erweckten damals aufs neue die Schwärmerei der abend- . ländischen Welt. Auch L. that > 21-1 in einer schweren Krankheit das Gelübde, als Kreuzfahrer in Person aufzutretcn. Nachdem er seine Mutter zur Negentin eingesetzt, segelte er im Aug. 1248 mit einem Heere von 10000 M. nebst seinen Brüdern Robert und Karl und seiner Gemahlin nach Cypcrn, von wo er im nächsten Frühjahre nach Ägypten übersetzte, um nach Eroberung dieses Landes Palästina leichter behaupten zu können. Er landete am -t. Juni 12-19 zu Damietke, schlug das mohammedan. Heer und nahm die Stadt, rückte aber erst im Nov. den Nil bis Mansura hinauf, wo sich der Feind am andern Ufer befand. Nachdem das Krcuzheer zwei Monate mit Ableitung des Nil verloren, zeigte ein Araber eine Furth, durch welche endlich der größte Theil der Franzosen über den Fluß gelangte. Des Königs Bruder Robert drang jedoch blindlings in den schon fliehenden Feind und wurde mit seinem Corps gänzlich niedergehauen. L. sah sich deshalb mit der geschwächten Hauptmacht zum Rückzuge gcnöthigt und alsbald von allen Seiten so hart gedrängt, daß er sich am 5. Apr. 1250 mit seinen Brüdern Karl und Alfons, welcher Letztere ihm Verstärkungen gebracht hatte, gefangen geben mußte. Obschon in schrecklicher Lage, wußte er sich doch die Hochachtung der Mohammedaner zu erwerben und wurde mit den Seinigen am 7. Mai gegen ein Lösegeld von 100000 Mark Silber wieder frcigclassen. Mit dem Neste von kaum 6000 M. schiffte er sich nach Acre ein und blieb, von religiösem Eifer beseelt, noch vier Jahre im heiligen Lande, bis ihn der Tod seiner Mutter im I. 1251 zur Rückkehr nöthigke. Er gab zwar den Gedanken an einen zweiten Kreuzzug nicht auf, widmete sich aber doch mit Ernst den Angelegenheiten des Reichs. Nachdem er durch Vertrag und Heimfall viele Provinzen mit der Krone vereinigt, schloß er 1259 mit Heinrich IIl> von England einen Vergleich, in welchem er den Engländern freiwillig einige franz. Besitzungen bewilligte. Höchst wichtig waren die Reformen, die er im Justizwesen vornahm. (S. Frankreich.) Er schaffte die Gottesurtheile ab, gewöhnte die Großen an die Appel- larionsinstanzen seiner Dominialländer und brachte selbst ein Gesetzbuch, die „Ltsblisse- ment« tlo 8t.-1.ouis", zu Stande. Freilich wurde dabei das Bolksrecht unterdrückt und der Grund zum königlichen Despotismus gelegt. Nach dreijähriger Vorbereitung entschloß er sich endlich, obschon ihm selbst der Papst abrieth, zu einem neuen Kreuzzuge. Nachdem er «ine Regentschaft eingesetzt und die kirchliche Ordnung durch eine pragmatische Sanktion Ludwig XI. (König von Frankreich) 117 gesichert hatte, ging er am I. Juli >270 mit 30000 M. und in Begleitung seiner Söhne Philipp, Tristam und Peter nach Sardinien unter Segel. Hier erst offenbarte er, daß der Zug gegen Tunis gerichtet sei, und sein Bruder Karl von Anjou, der seit 1206 das Königreich Sicilicn usurpirt hatte, bestärkte ihn in diesem Entschlüsse und versprach ihm Unterstützung. Die Absicht.dabei war, dem Sultan von Ägypten die wichtigste Hülfsquelle zu entziehen, das Mittelmeer frei zu machen und durch die Eroberung des reichen Tunis die Schätze für weitere Expeditionen zu gewinnen. Nach der Landung des Kreuzbecrs an der afrikan. Küste und der Einnahme von Karthago machte L. auch sogleich Anstalt zur Belagerung von Tunis. Doch im franz. Lager brach eine verheerende Seuche aus, welcher der größte Theil des Heers und am 25. Aug. 1270 auch der König selbst unterlag. Sein Sohn und Nachfolger Philipp >Il. (s. Capctinger) schloß mit dem Könige von Tunis eiligst Frieden und kehrte mit der Leiche des Vaters nach Frankreich zurück. L. besaß einen hohen kühnen Geist, der freilich durch die Schwärmerei seiner Zeit verdunkelt war. In seinem Privatleben folgte er nur zu häufig seiner Mutter und seinen Umgebungen; gegen den Papst und den Klerus aber erwies er sich stets fest. Ungeachtet der unglücklichen Kreuzzüge erhob sich Frankreich unter ihm außerordentlich. Der Papst Bonifaz VII!. sprach ihn 1297 heilig. Vgl. Joinville, „Histoire <1c 8t.-b.onis" (Par. 1668 und öft.); Bengnok, „bissai sur los institutinns ilo 8t.-I-.ouis" (Par. 1821) und Villencuve-Trans, „üistoirc <1s 8t.-I.nuis" (3 Bde., Par. 1839). Llldwist XI., König von Frankreich, 1361 — 33, der älteste Sohn Karl's VIl. (s. d.) und der Marie von Anjou, geb. am 3. Juli 1323, wurde schon 1336 mit Margarethe von Schottland verheirathet. Von Jugend auf zeigte er einen harten, herrschsüchtigen, dabei tückischen Charakter; er verfolgte die Näthe seines Vaters und behandelte die achtbare Agnes Sorel (s. d.) in gemeiner Weise. Von den unzufriedenen Großen ließ er sich 1330 zur Theilnahme an der offenen Empörung, der Pragucrie, verleiten. Der König schickte ihn hierauf mit den unbeschäftigten Söldnern gegen die Schweizer, wobei er sich klug und tapfer benahm. Im I. >351 vermählte er sich eigenmächtig mit der neunjährigen Charlotte von Savoyen, um gegen den Hof einen Rückhalt zu haben. Seine Erpressungen in der Dauphine, die'er als Kronprinz regierte, verbunden mit neuen Anschlägen gegen den Thron, bewogen endlich den König, ein Truppencorps zur Eefangennehmung des Sohnes abzuschicken. Der Dauphin entwich jedoch nach Brabant und lebte hier unter dem Schuhe des Herzogs von Burgund bis zum Tode des Vaters. Als ihm 1361 die Krone zufiel, begann er sogleich eine harte Verfolgung der alten Näthe und die Unterdrückung der Großen, namentlich der Häuser Burgund und Bretagne, was zu einer Coalition des Adels (si> ligzis ( 1,1 bien public) führte, an deren Spitze Karl der Kühne (s. d.), der spätere Herzog von Burgund, stand. Ungeachtet L. ein starkes Heer sammelte und die Städte gewann, würde er doch unterlegen haben, hätte er nicht seine Feinde durch List zu trennen gewußt. Als der Krieg wieder auszubrcchen drohte, weil er seinem Bruder, dem Herzog von Bern, gegen die Verträge von Conflans und St.-Maur die Normandie entriß, lud er Karl den Kühnen im Oct. 1368 zu einer friedlichen Ausgleichung nach Peronne. Da der Herzog mit der Ankunft zögerte, wiegelte er gegen denselben die Lütticher auf, wurde aber dafür von Karl gefangen genommen und hart behandelt. Sobald sich L. freisah, erneuerte er mit dem Herzog von Burgund die Händel, die nun bis in den Dec- 1372 dauerten. In diesem Jahre trat auch Comines (s. d.) in des Königs Dienste und wurde fortan das Hauptwerkzeug von dessen Politik. Während Karl der Kühne mit Eduard IV. von England ein Bündniß zur Eroberung Frankreichs schloß, verband sich L. mit den Schweizern und dem Herzog Renatus von Lothringen. Eduard IV. erschien 1375 in der Thal mit einem Heere in Frankreich, ließ sich aber, da ihn der Herzog von Burgund nicht unterstützte, am 29. Aug. den Frieden von L. für 75000 Eoldthaler und ein Jahrgeld abkaufen. Fortan sah L. den Kämpfen und dem Untergange seines Erbfeindes aus der Ferne zu. Nach dem Tode Karl's des Kühnen im I. 1377 suchte er dessen Erbtochter, Maria, so viel als möglich an Land zu entreißen. Er nahm die burgund. Städte in Picardie, Artois, Flandern, Hennegau und das ganze Herzogthnm Burgund als cröffnetcs Mannslehn. Der Franchc Comte bemächtigte er sich, um die Provinz für die Herzogin Maria, die sich mit dem Dauphin vermählen 118 Ludwig Xll. (König von Frankreich) würde, in Verwahrung zu nehmen. Als jedoch Maria nicht den siebenjährigen Dauphin sondern den Erzherzog Maximilian heirathete, griff er zu den Waffen und brachte es endlich am 23. Dec. 1182 zum Frieden von Arras. Vermöge desselben sollte Maximilian's Tochter, Margarethe, mit dem Dauphin, dem spätem Karl VIII. (s.d.), vermählt werden und unter Andern, die Grafschaften Burgund und Artois als Heirathsgut mitbringen. Des Herzogthums Burgund.und der Städte an der Somme wurde im Vertrage mcht mehr gedacht. Eine andere wichtige Erwerbung machte L., indem er durch Ränke den alten Titu- larkönig von Neapel und Grafen von Provence, Renatus von Anjou, bewog, den kinderlosen und ihm ergebenen Grafen Karl von Maine zum Erben einzusetzcn. Letzterer starb 1181, und nun nahm L. die Grafschaften Provence und Forcalquier, sowie Anjou und Maine als heimgefallene Lehen in Beschlag. Übrigens blieb seit L.'s Negierung auch die Dauphine mit der Krone vereinigt. In den letzten Jahren litt L. an Krämpfen, Wuthausbrüchen und schrecklicher Furcht vor dem Tode. Weil er überall rächende Hände sah, schloß, er sich in die Feste Le-Plessis-lcs-Tours ein, die von zahlreichen Bogenschützen bewacht und mit spitzen Eisengittern und Fußangeln umgeben war. Seine Gesellschaft bestand aus einigen alten Dienern und dem Leibarzte Coctier, der ihn furchtbar knechtete und vor dem er oft in der Angst auf die Knie fiel. Als keine Arznei half, wendete er sich an Wunderthä- ter und ließ aus allen Ländern Reliquien hcrbeischaffen. In diesem Zustande hielt er überall seine Spione, setzte Beamte ab und ein und ließ Die bestrafen, welche nicht an sein Wohlbefinden glauben wollten. Er starb am 30. Aug. 1483. Mehr als -1000 Personen soll er und zwar meist heimlich und ohne Form haben hinrichten lassen. Doch hintcrließ er, durch Unterdrückung des Feudaladels und Begünstigung des Bürgerthums, die königliche Macht gestärkt und das Reich geordnet. Unter ihm hoben sich die Steuern von 2 auf beinahe 5 Mill. Livres. Dem Könige Johann von Aragonien lieh er gegen Verpfändung der Grafschaften Roussillon und Cerdagne 300000 Goldthaler. Mit dem Papste suchte er durch Aufhebung der von seinem Vater hergestellten pragmatischen Sanction in gutem Vernehmen zu bleiben. Als Freund der Wissenschaften vermehrte er die Bibliothek, refor- mirte die Universität zu Paris und zog gelehrte Griechen ins Land. Für den Staatsdienst richtete er auch zuerst regelmäßige Posten ein. Auch gilt er für den Verfasser der Schriften „l.es ceulKouvelles noiiveliss", einet Nachahmung des „liseawerons", und der „kosier Oes guerres", einer Instruction für seinen Sohn. Vgl. des Comines „Vlemoires", die Lenglot-Dufresnoy (1 Bde., Lond. >717) vollständig herausgab, und Duclos, „Hisloire lis L.ouis XI" (Par. 1715). Delavigne hat L. zum Gegenstände eines Dramas gemacht. Ludwig XU., König von Frankreich, 1198—I5IS, gcb. am 27. Juni 1162, war der Urenkel Karl's V. und der Sohn des Herzogs von Orleans (s. Val vis) und der Maria von Kleve. Nach dem Willen Ludwig's XI. hatte er absichtlich eine schlechte Erziehung genossen und zeigte sich als Jüngling gewaltthätig und verschwenderisch. Unter Karl V III. (s. d.) stritt er mit dessen Schwester Anne de Beaujeu um die Negierungsgcwalt und mußte dafür dreijähriges Gefängniß erdulden. Als er nach des erbelosen Karl's Tode >198 als erster Prinz von Geblüt den Thron bestieg, zeigte er sich hingegen mild und gerecht. Er mäßigte die Auflagen und verbesserte die Rechtspflege, gerieth aber wegen Abkürzung der Processe mit der pariser Universität in heftigen Streit. Zum Minister wählte er den späten, Cardinal und Erzbischof von Rouen, George von Ambosse. Nachdem er sich von Jcanne, der Tochter Ludwig's XI., hatte scheiden lassen, heirathete er >199 aus Neigung und Politik die schöne Witwe seines Vorgängers, Anna von Bretagne, die ihn mit dem Minister beherrschte. Als Enkel der mailänd. Prinzessin Valentine, der Tochter des Herzogs Galeazzo Visconti, machte er Ansprüche auf Mailand, die sich jedoch nur auf den Ehevertrag der Großältern gründeten. Er zog den Papst Alexander VI., die Schweizer, die Vcnetianer und den Herzog von Savoyen in sein Interesse und sendete im Aug. 1199 unter dem Italiener Trivulzi ein Heer über die Alpen, welches ohne Widerstand den Herzog Ludwig Sforza vertrieb und Mailand in Besitz nahm. Als der Herzog im Jan. 1500 mit einem Corps von Schweizern zurückkehrtc, nahm er denselben durch Verrath gefangen und ließ ihn zu Loches in einen engen Kerker sperren, wo der Unglückliche nach zehnjähriger Gefangenschaft starb. Sodann verband er sich mit Ferdinand von Aragonien zur Erobe- Ludwig XU. (König von Frankreich) 119 rung des Königreichs Neapel, auf das er von seinem Borgänger Ansprüche ererbt zu haben glaubte. Das Land wurde von span, und stanz. Truppen beseht und der entthronte König Friedrich begab sich nach Frankreich und begnügte sich hier mit der Landschaft Anjou und einem Jahrgehalte. Über die Theilung von Neapel brach aber unter den Siegern selbst Krieg aus, der erst im Oct. 1505 beigelcgt wurde, indem sich Ferdinand mit L.'s Schwestertoch- tcr Germainc de Foix unter der Bedingung vermählte, daß die Kinder dieser Ehe Neapel erhalten sollten. Inzwischen hatte L. auch den röm. König Maximilian, den Obcrlehns- hcrrn von Mailand, gewonnen, mit dessenSohn, dem Erzherzog Philipp, er einen Vertrag einging, nach welchem dieser L.'s älteste Tochter, Claudia, heirathen und die Bretagne als Mitgift erhaltensollte. Diesen unpolitischcnVertrag mußten jedoch >500dieStändezuBlois für ungültig erklären, worauf der König die Tochter mit seinem Vetter, dem Herzoge von Angouleme, dem später» Könige Franz I. (s.d.), verlobte. Um den Papst Julius II. und den nunmehrigen Kaiser Maximilian zu beschwichtigen, trat L. der berühmten, zur Demüthi- gung Venedigs im Dec. I5V8 geschlossenen Ligue von Cambray bei. Doch trennte sich der Papst, nachdem er seine Städte zurückerhalten, von der Ligue und suchte zugleich die andern Verbündeten zum Rücktritt zu bewegen, weil er die Franzosen mehr als die Vene- tianer fürchtete. In dieser schwierigen Lage starb am 25. Mai I5IV der Cardinal von Amboisc und L. mußte nun seine Angelegenheiten selbst führen. Er erneuerte mit dem Kaiser am 17. Nov. 1510 zu Blois die Ligue und berief >511 ein Concil nach Pisa, das der päpstlichen Macht entgegcntreten sollte, das aber nur von der stanz. Geistlichkeit besucht war. Der Papst eröffnete dagegen ein Concil im Lateran, dem nur Italiener beiwohnten, und schloß am 4. Oct. 1511 zur Vertreibung der Franzosen aus Italien mit Ferdinand von Aragvnien und den Venetianern eine heilige Ligue, der auch Heinrich VIII. von England beitrat. L. befahl nun seinem Neffen, dem jungen Gasten de Foix, Herzog von Nemours (s. d.), der damals Statthalter zu Mailand war, mit den verbündeten Franzosen und Deutschen den Feldzug zu eröffnen. Derselbe nahm Bologna und schlug die Vc- netianer zu Brescia, sowie >512 die päpstlichen Truppen bei Ravenna, wobei er umkani. Diese Fortschritte L.'s in Italien erregten allgemeinen Schrecken, und der Papst brachte es endlich dahin, daß sich die Schweizer wie die kaiserlichen Truppen von den Franzosen trennten. Vor einem Corps Schweizer, das auf Befehl des Papstes der Cardinal-Bischof von Sitten, Mathias Schinner, anführte, mußten die geschwächten Franzosen im Juni 1512 über die Alpen zurückgehen, und Mailand wurde von dem Kaiser an Maximilian Sforza verliehen. L. befand sich jetzt in großer Verlegenheit, zumal da ihn der Papst in den Bann that. Er verband sich am 23. März 1513 mit den Venetianern und schickte ein neues Heer nach Italien, das Mailand bis auf einige feste Plätze besetzte, aber schon im Juni von den mit Sforza verbundenen Schweizertruppen wieder vertrieben wurde. Unterdeß war Heinrich VIII. von England mit 45»0v M. in Frankreich angekommen und belagerte Terouennc, wobei auch der Kaiser mil einem Corps Niederländer erschien. L. schickte den Verbündeten ein zusammengerafftes Heer unter Longueville entgegen, das jedoch am 17. Aug. 1513 bei Guinegate geschlagen wurde. Weil die Franzosen dabei mehr die Sporen als die Waffen gebrauchten, so nannte man das Treffen die Sporenscklacht (iasournee cles eperous). Zu gleicher Zeit brach ein starkes Corps von Schweizern und Deutschen, unter dem Herzoge Ulrich von Würtemberg, in Burgund ein und belagerte Dijon. Jndeß gewann Latrimouille, der in der Festung lag, die Schweizer durch Geld und Versprechungen, sodaß das Corps auseinander ging. Auch der übrigen Feinde wußte sich L. durch seine große Unterhandlungskunst zu entledigen. Er stellte den neuen Papst Leo X. durch die Vereinigung des pi- sauischen mit dem lateranischen Concil, den König Ferdinand von Aragvnien aber durch Aufgeben der Ansprüche auf Neapel zufrieden. Nachdem er mit dem Kaiser im Marz 1514 Waffenstillstand geschlossen, schloß er auch am 7. Aug. mit Heinrich VIII. Frieden, dem er die Stadt Tournay überließ und eine Million Goldkronen zahlte. Da er am 9. Jan. 1513 seine Gemahlin verloren, vermählte er sich zugleich mit Heinrich's VIII. Schwester, Maria, sodaß ihm rücksichtlich seiner Plane auf Italien der mächtigste Fürst nicht mehr entgegenstand. L. vergaß an der Seite seiner jungen Gemahlin Alter und Schwachheit und starb, zwölf Wochen nach der Hochzeit, am I.Jan. 1515 unter Vorbereitungen zur 120 Ludwig XIH. (König von Frankreich) Wiedereroberung Mailands. Ungeachtet seiner unglücklichen Unternehmungen wurde er von dem Volke geliebt und seines Eifers wegen, die öffentliche Noth zu lindern, der Vater des Volks genannt. Um keine neuen Steuern aufzulcgen, machte er die Civilämtcr käuflich, was große Übelstände hervorrief. Sein Nachfolger war Franz I. (s. d.). Vgl. „Histoiro de I^anisXll" (Par. 1615 ) von Auton, Seyssel u. A.; „Ulisteire de lil ligue falte ä 6ainbra^" (Haag 1729); Baudier, „Histeire de I'adminlstration da Cardinal d'Xm- Koise" (2 Bde., Par. 1634) und Röderer, „I^omsXIl etkrangnisl" (2 Bde.,Par. 1825). Ludwig XII!., König von Frankreich, 1610—43, der Sohn Hcinrich's IV. (s. d.) und der Maria von Medici (s.d.), wurde am27.Sept. 1601 geboren und bestieg nach der Ermordung des Vaters am 14. Mai >610 den Thron. Seine Mutter, die mit der Vormundschaft auch die Regentschaft an sich riß, verließ sogleich das politische System ihres Gemahls, verband sich mit Spanien und verlobte den König mit der Infantin Anna und ihre Tochter Elisabeth mit dem Prinzen von Asturien. Diese dem Interesse Frankreichs zuwider- laufende Politik erregte die Besorgnisse der Hugenotten (s. d.) und machte die Rcgcntin zumal als Ausländerin verhaßt. Die Prinzen und Großen, die sich überdies von der Regierung verdrängt sahen, verließen den Hof nnd rüsteten sich unter dem Vorwände des StaatswohlcS zum Kriege. Nachdem der Hof am 5. Mai 1614 zu St.-Mcnehould mit den Großen Frieden geschlossen, bestätigte der König bei seiner Mündigkeitscrklärung im Scpt. das Edict von Nantes und berief im Oct. die versprochene NeichSversammlung, dir allen Beschwerden abhelfen sollte. Jndeß wußte der Hof die Wirksamkeit der Stände zu lähmen und entließ dieselben, als sic die schmähliche Finanzvcrwaltung der Königin Mutter untersuchen wollten, für immer. Die Großen waren besonders empört, daß der Florentiner. Concini, den Maria zum Marquis d'Ancrc (s.d.) undzumMarsckall erhoben hatte, Staat i und Hof unumschränkt beherrschte. Der Prinz Heinrich II. von Conde (s. d.) verließ des-: halb die Hauptstadt und zog wieder Truppen zusammen. Da auch die Hugenotten auf dii ^ Seite der Großen traten,,,so suchte der Hof, nachdem sich der König am 25. Nov. 1615 zu Bordeaux mit Anna von Ostreich vermählt hatte, die Parteien durch den am 4. Mai l lM zu Loudun geschlossenen Vertrag zu beschwichtigen. Dessenungeachtet blieb der Hof du Schauplatz von Cabalcn, die das öffentliche Wesen zerrütteten. Am I. Sept. 1616 ließ sogar Concini den Prinzen Conde in dieBastille bringen nnd hob dadurch sich und seineGön- nerin, die Königin Mutter, auf den Gipfel der Macht. Ein Edelmann, deLuyncs (s. d.), hatte jedoch die Freundschaft des Königs gewonnen und beschloß, Concini zu stürzen. Mit Vorwiffen des Königs wurde Concini am 11. Apr. >617 niedergeschoffcn, die Königin Mutter aber in Haft genommen. Die Großen lehrten nach der Palastrevolution an den Hof zurück, fanden aber die Allgewalt des neuen Günstlings de Luynes, der sogleich zum Pair und Herzog stieg, ss unerträglich, daß Viele an den Hof der nach Angers geflüchtete» Königin-Mutter gingen und Anstalten zum Kriege trafen. Doch der König zwang die Unzufriedenen an der Spitze eines Heers zur Unterwerfung. Hierauf überzog er auf Anstifter de Luynes', der gern das Schwert dcs Connetable erwerben wollte, die meist von Protestanten bewohnte Landschaft Bcarn, unterdrückte unter großen Verwüstungen die Privilegien der Provinz und schlug dieselben zur Krone. Die Protestanten begannen deshalb den ersten Neligionskrieg, in welchem sie fast sämmtliche Sicherhcitsplätze verloren, und der im No». 1622 endete. Nach dem Tode de Luynes'trat 1624 der spätere Cardinal-Herzog von Richelieu (s. d.) in den Staatsrath. Dieser überlegene Geist unterjochte alsbald den schwachen König, riß als Minister die Staatsgewalt an sich und gab der Negierung eine feste Nich- - tung. Nach seinem politischen System, welches die Monarchie Ludwig's XlV. vorbereitete, sollte durch Unterjochung der Großen, der Protestanten und Parlamente die königliche Gewalt unumschränkt gemacht werden. Nach außen nahm Frankreich die Demüthigung dcS Hauses Habsburg wieder auf. Auf Betrieb des Ministers wurden noch im Winter >621 dieSpanier aus dem Veltlin (s d.) vertrieben und dieser Schlüssel von Italien den Grau- bündtnern zugesichert. Die Protestanten aber benutzten die Händel im Veltlin und griffen, von der Stadt Larochelle aufgefodert, nochmals zu den Waffen. Der Herzog von Soubise (s. d.) richtete die königliche Flotte zu Grunde und Nohan (s. d.) zog die protestantischen Streitkräste in Languedoc zusammen. Obschon der Marschall Montmorcmy 121 Ludwig Xlll. (König von Frankreich) im Sept. 1625 die Larochcller besiegte, schloß doch der Hof vorläufig am 25. Fcbr. 1628 Frieden. Der König rief im Dec. > 626 die Notablen zusammen und erhielt hierdurch die Mittel zur Ausrüstung einer Flotte und eines bedeutenden Landheers. Wahrend die große engl., den Protestanten zu Hülfe geschickte Expedition wegen Unfähigkeit des Herzogs von Buckingham (s. d.) fast wirkungslos blieb, cröffnete nun L. imOct. 1627 in Person die Belagerung von Larochelle. Die unglückliche Stadt, die durch-16 Schiffe und einen ins Meer gebauten langen Damm auch von der Seeseite cingeschlofsen wurde, mußte sich endlich am 28. Oct. 1628 ergeben. Die Protestanten verloren hiermit ihr letztes Bollwerk und waren fortan der Gnade des Hofes anheimgegcbcn, der ihnen jedoch freie Neligionsübung licii. Durch den Tod Vinccnt's II. aus dem Hause Gonzaga war seit >627 das Hcrzogthum Mantua erledigt worden, und unter Andern machte darauf ein franz. Vasall, der Herzog von Revers, aus einer jünger» Linie der Gonzaga, Ansprüche. Da indeß der Kaiser auf Anstiftcn Spaniens die Belehnung verweigerte, so brach L. im Febr. 1626 mit einem starken Heere über die Alpen, schlug den Kaiser, nahm Mantua!m Interesse seines Vasallen in Besitz und wirkte demselben in einem an, 6. Apr. 1631 zu Chierasco geschlossenen Vertrage die Belehnung aus. Bei dieser Gelegenheit blieben die zwei wichtigen Festungen, Casale in Mantua und Piguerol in Savoyen, in den Händen der Franzosen. Wiewvl L. dieses Glück nur Richelieu zu verdanken hatte, so haßte er doch insgeheim den Minister als seinen Unterdrücker und war den Einflüsterungen seiner Günstlinge, der Königin Mutter und seines Bruders Und muthmaßlicheu Nachfolgers, des Herzogs Gaston von Orleans (s. d.), die sich jetzt jedes Einflusses beraubt sahen, nicht unzugänglich. Richelieu wußte jedoch alle gegen ihn gerichteten Cabalen und Verschwörungen zum Verderben seiner Feinde und zur Befestigung seiner Stellung zu wenden, indem er den argwöhnischen König überredete, seine Umgebung wolle ihn vom Throne stürzen. Im Febr. 1631 entwich dcrHerzog von Orleans mit mehren Großen vom Hofe, um durch Empörung die Entlassung des Ministers zu erzwingen. Das Parlament weigerte sich, die Unzufriedenen für Majcstätsver- brecher zu erklären, und Richelieu benutzte die Gelegenheit und ließ die Mitglieder vom Könige in brutaler Weise bedrohen und der Corporation das Recht zu Vorstellungen abspre- chcn. Unterdessen zog der Herzog von Orleans, nachdem ihn der Hof aus Lothringen vertrieben, in den Niederlanden ein Corps von 2660 Spaniern zusammen, fiel damit in Frankreich ein, wurde aber am >. Sept. >632 vom Marschall Schömberg bei Castelnaudari völlig geschlagen. Weil der Herzog Karl von Lothringen den Herzog von Orleans vielfach unterstützt hatte, ließL. im Herbste >633 ganz Lothringen (s. d.) erobern und behielt einstweilen das Land. Schon langst hatte der franz. Hof die Niederländer gegen Spanien und Gustav Adolf gegen den Kaiser unterstützt; jetzt aber, nachdem die Unterdrückung im In- nern vollendet, bewog Richelieu den König zur offenen Theilnahmc am Dreißigjährigen Kriege. Die span.-östr. Truppen hatten das von den Protestanten an Frankreich ausgelieferte Philippsburg genommen und den unter franz. Schutz gestellten Kurfürsten von Trier angegriffen. Dieses mußte zum Vorwände dienen. Die Marschälle von Chatillon und Breze führten dem Prinzen von Oranicn ein starkes Heer in den Niederlanden zu, und am Rhein verband sich der Cardinal Lavalettc mit dem Herzog Bernhardss. d.) von Sachsen-Weimar. Beide Heere konnten jedoch im Feldzüge von 1635 wegen Krankheit und Proviantmangcl wenig ausrichtcn. Dagegen setzten 1636 die Kaiserlichen unter Gallas bei Breisach über den Rhein, wendeten sich in die Franche Cvmte und nöthigten'Condc' zur Aufhebung der Belagerung von Dole, während die Spanier von den Niederlanden aus in die Picardie einfielen und der bair. General von Werth unter Mord und Brand bis in die Nähe von Paris streifte. Dessenungeachtet misglückte der Plan, den Krieg in das Herz von Frankreich zu versetzen. L. schloß, in der Absicht, das linke Rheinufer zu gewinnen, am 26. Oct. > 635 mit dem Herzog Bernhard ein enges Bünduiß, den er in der Eroberung des Elsaß unterstützen wollte. Als jedoch der Herzog seinem Ziele durch Waffenglück nahe rückte, entzog ihm der franz. Hof die Unterstützung und benutzte den erwünschten, vielleicht beförderten Tod Bernhardts, um sogleich dessen Eroberungen in Beschlag zu nehmen. Noch glücklicher war L. an der span. Grenze. Während sich 16-11 die aufgestandeucn Catalonicr an Frankreich ergaben, unterwarf ein franz. Heer, zu welchem der schon kranke König ab- 122 Ludwig XIV. (König von Frankreich) ging, die Grafschaft Roussillon. Richelieu starb mitten unter Siegen und Verschwörungen am3.Dec. 16-12, und Mazarin (s. d.) trat an seine Stelle. Der König, dersich längst mit dem Tode beschäftigt hatte, starb am 13. Mai 1613. Er hinterließ die Nation von Lasten und,Dcspotismus erdrückt, die Großen aber immer noch mächtig genug, daß sic die Unruhen der Fronde (s. d.) beginnen konnten. L. war von Körper schwächlich, von Charakter unentschlossen, finster, argwöhnisch und der Einsamkeit ergeben; Begnadigung sprach er ungern aus. Obschon ohne alle Phantasie, besaß er doch ein gesundes Urthcil. In seinen Kriegen zeigte er eine kalte Tapferkeit. Seine Gemahlin gebar nach dreiundzwanzigjähriger Unfruchtbarkeit 1638 den Dauphin, der als Ludwig XIV. (s. d.) auf dem Throne folgte, und 163» den Herzog Philipp von Orleans, den Stammvater der gegenwärtigen Dynastie in Frankreich. Vgl. Bazin, „lliLtoire Ue I.o>u8 XIII" (Par. 183»). Ludwig.XIV., König von Frankreich, 1633—1715, der Sohn Ludwig's Xlll. und der Anna von Ostreich, wurde am 5. Sept. 1638 geboren. Mit dem Tode seines Vaters, am 13. Mai 1633, riß die Mutter die Regentschaft an sich und erhob Mazarin (s. d.) zu ihrem Minister. Ungeachtet der glänzenden Erfolge der franz. Waffen gegen Spanien und Ostreich, konnten die Machthaber das Ansehen der Krone nicht wie unter der vorigen Regierung behaupten. Noch während der Unterhandlung des westfal. Friedens begannen die mit dem Parlamente verbundenen, von Spanien unterstützten Großen die Unruhen derFrondehs. d.), welche erst mit der Unterwerfung Conde's (s. d.) und dem pyrc- näischen Frieden 165» völlig endeten. Der Gewinn, den Frankreich anscheinend aus diesem Vertrage zog, war die am 9. Juni 166» vollzogene Vermählung L.'s mit der reiz- losen, beschränkten Infantin Maria Theresia, der Tochter Philipp's IV. Damals erregte der junge, den Frauen und üppigen Festen ergebene, in Erziehung,besonders in Bildung gänzlich verwahrloste König sehr geringe Erwartungen. Erst als Mazarin am ». März 1661 starb, griff er plötzlich nach dem Staatsruder und machte mit seltener Energie eine politische Theorie geltend, die zwar seine Urikenntniß von der Entstehung seines Rechts und seiner Macht bekundete, aber um so verhängnißvoller auf die Geschichte Frankreichs und der europ. Welt wirken sollte. L. war mit dem Jnstincte zum Despotismus geboren und in dem Hasse gegen politische Autoritäten ausgewachsen. Schon 1655 trat er nach der Anleitung Mazarin's mit Reiterstiefeln und mit der Peitsche in der Hand in die Parlamentsversammlung, um seine angeblichen Vormünder auszuschelten. Jetzt, wo er wirklich die Negierung antrat, verwarf er darum jedes Recht und Herkommen und gründete sein Herrschcr- thum auf den berüchtigten Grundsatz: „I'etat c'est moi", d.h. „der Staat bin ich". Mit dieser kühnen Fiction, die ganz Frankreich in einen Menschen zusammenfaßte, verband er sehr bald die Überzeugung von der Göttlichkeit seiner Person als Individuum wie als König. Glücklicherweise besaß der junge Monarch auch alle Eigenschaften, die ihn zu einer solchen Nolle befähigten. Er war zwar „nur ein gewöhnlicher Kopf, ohne Phantasie und Ge- müth, hatte aber ein imponirendes Äußere, natürliche Würde und Anmuth, viclThätig- keitstrieb und Ausdauer im Glück wie im Unglück. Die Nation kam ihm bei seinen Bestrebungen entgegen. Die langen Religions- und Bürgerkriege hatten beim Volke die Sehnsucht nach innerer Ruhe und Entwickelung erweckt, aber auch zugleich eine Menge fähiger und verwendbarer Geister erzogen. L. machte von diesen Elementen Gebrauch, um seinen Thron mit Macht und Glanz zu umgeben. Seine erste Sorge war die Herstellung der äußerst zerrütteten Finanzen. Er fand in Colbert (s. d.) ein großes Verwaltungstalent, das unter seiner Aufsicht den Staatshaushalt ordnete und durch eine reißende Entfaltung des Kunstfleißes, deS Handels und der Schiffahrt die Nation und den königlichen Schatz in nie dagewesencr Weise bereicherte. Auch rührte der Minister an das Genie der Nation, gründete die Akademien und rief durch Aufmunterung und Unterstützung eine Reihe von Künstlern, Dichtern und geistreichen Köpfen hervor, welche in den Volksgeist den Keim zu später» Früchten legten und vor Allem den Glanz der Epoche und des Hofes erhöhten. Dagegen war der königliche Despotismus dem Volksunterricht und der strengen Wissenschaft, welche den Geist wahrhaft befreit, höchst ungünstig. Die franz. Schulen konnten und durften damals nicht einen Publicisten bilden, der die Staatsschriften und Pamphlete des Hofes verfaßte, sondern L. nahm die ganze Zeit seiner Negierung hindurch 123 Ludwig XIV. (König von Frankreich) seine Zuflucht zu deutschen Schriftstellern. Während Colbert die Hilfsquellen eröffnet«, schuf Louvois (s. d.) ein neues Heer, das an Gehorsam, Ausrüstung und Kunstfertigkeit seines Gleichen nicht fand und bestimmt war, den König auf die Bahn des Eroberers zu führen. Schon hatte sich L. in Etikettenstreitigkelten gegen Spanien und den Papst hochfahrend und anmaßend benommen. Nach dem Tode Philipp'slV. erhob er als dessen Schwiegersohn, im Vertrauen auf sein Heer, unter dem Vorwände des Rechts derDevolution (s. d.), Ansprüche auf einen Theil der span. Niederlande. Ungeachtet man ihm das Ungehörige dieser Foderung von allen Seiten nachwics, brach er doch im Mai 1667 in Begleitung T u r e n n e' s (s. d.) mit starker Kriegsmacht über die Grenze, eroberte viele Platze und im Winter die ganze Franche Comte und würde sich der ganzen Niederlande bemächtigt haben, hätte ihm nicht die Tripleallianz zwischen England, den Generalstaaten und Schweden Einhalt gethan. Der am 2. Mai 1668 zuAachen (s. d.) geschlossene Friede ließ wenigstens eine Menge Grenzplähe in seinen Händen. L. schwor den Eeneralstaaten, deren Verfassung und Nebenbuhlerschaft zur See ihm verhaßt waren, Rache und suchte dieselben vor der Hand zu isoliren. Er gewann KarlII. (s. d.) von England durch Geld, schloß Bündnisse mit den deutschen Reichsfürsten und 1672 selbst einen Freundschaftsvertrag mit dem Kaiser Leopold. Nachdem er 1676 dem Verbündeten der Eeneralstaaten, dem Herzog Karl IV. von Lothringen, das Land entrissen, drang er im Mai 1672 in Gemeinschaft mit Conde und Turenne in die Niederlande ein, eroberte binnen sechs Wochen die Hälfte der Provinzen und überließ dann dem Herzog von Luxembourg (s. d.) die Verheerung derselben. Zugleich mußte eine von Colbert wie durch Zauber geschaffene, mit der engl, vereinigte Flotte die Niederländer unter Ruyter (s. d.) zur See bekämpfen. Zm folgenden Jahre führte er eine neue Trnppenmacht in Person auf den Kriegsschauplatz und begann mit Vauban (s. d.) die Belagerung von Mastricht. Die Eeneralstaaten verbanden sich indeß mit Spanien und detn Kaiser, und auch das Reich trat endlich bei, weil zugleich eine franz. Armee am Rhein das Erzstift Trier überfallen und die zehn Reichsstädte des Elsaß weggenommen hatte. L. stellte seinen zahlreichen Feinden im Frühjahre >674 drei große Armeen entgegen. Mit der einen besetzte er selbst die Franche Comte. Die andere unter Conde machte die Niederlande zum Schauplätze des Kriegs und siegte bei Senef. Eine dritte unter Turenne verheerte die Pfalz und schlug die Kaiserlichen nebst dem Kurfürsten von Brandenburg bei Mülhausen und Türkheim. Nach einer kurzen Pause, welche der Tod Turenne'S und der Abgang Conde"s verursachte, erschien L. zu Anfang von 1676 mit Verstärkungen in den Niederlanden und eroberte mit dem Herzog von Orleans viele Plätze, während Luxembourg den Breisgau schrecklich verheerte und den Prinzen von Oranien bei Mont-Cassel schlug. Alles Land zwischen Saar, Mosel und Rhein war auf Louvois' und des Königs Befehl zur Wüste gemacht worden. Endlich fand sich L. mit dem Auftreten Englands gegen ihn zur Einstellung dieses muthwilligen und wüsten Kampfes bereit. Nach langen Verhandlungen, in welchen er die Verbündeten zu trennen suchte, schloß er im Laufe des Jahres >678 den Frieden zu Nimwegen (s. d.) und erhielt von den Generalstaaten eine Menge Plätze, von Spanien aber die ganze Franche Comte. Dem Kaiser gab er Philippsburg zurück, erhielt aber dafür Frciburg und blieb zum Erstaunen der Reichsstände in dem stillschweigenden Besitz aller Eroberungen im Elsaß. Nachdem er die zehn Reichsstädte und die Reichsritterschaft zur Huldigung gezwungen, errichtete er zu Metz, Breisach, Besancon die berüchtigten Ncunionskammern. Diese Gerichte, in denen er Kläger, Zeuge, Richter und Executor in einer Person war, mußten ihm alle Ortschaften, Districte, Grafschaften zusprcchen, die nur jemals zu seinen gemachten Eroberungen gehört hatten. Er lud dann die Besitzer wegen verweigerter Huldigung vor und confiscirte die Territorien, weil dieselben nicht erschienen, als verwirkte Lehen. Strasburg wurde sogar am 3V. Sept. 1681 im Frieden durch Überfall genommen. Ein gleiches Verfahren beobachtete L. auch an den niederländ. Grenzen. Nach vergeblichen Vorstellungen und dem Einfall einer franz. Armee in die Niederlande verbanden sich endlich die Generalstaaten, Spanien und der Kaiser, und vermochten den König am iS. Aug. >684 zu Nimwegen zu einem zwanzigjährigen Waffenstillstände, in welchem derselbe die Einstellung der Reunionen (in- cameruüons) versprach. Nach Kriegsruhm und Anerkennung dürstend, schickte L. 1681 124 Ludwig XIV. (König von Frankreich) eine franz. Flotte ins Mittelmccr, die unter duQuesne Tripolis beschoß und 168-1 Dasselbe an Algier wiederholte. Weil die Genueser den Seeräubern Munition verkauft, mußte der Admiral im Mai auch Genua cinäschcrn, bis der Doge nach Versailles reiste und dort den König kuieend um Verzeihung bat. L. befand sich jetzt auf der Höhe seiner Laufbahn. Er war von Europa als der mächtigste Fürst gefürchtet und hatte seine Nation durch Druck, Klugheit und Waffeuruhm zu anbetcnder Bewunderung, blinder Ergebenheit und asiatischem Gehorsam gewöhnt. Alle Neste politischer Selbständigkeit, die er von seinen Vorfahren ererbt, lagen zertreten. Nie wurden unter seiner Regierung Versammlungen der Stände, der Notablen, oder, mit Ausnahme der Bretagne, selbst nur Provinzialvcrsammlungcn abgchaltcn. Der Adel verlor entweder bei Hofe oder in der Armee seine Unabhängigkeit und die Lust und Fähigkeit, politische Macht geltend zu machen. Den städtischen Corporationen war die Wahl ihrer Beamten genommen; sie erhielten ihre Obrigkeit vom Hofe. Die Provinzen wurden geräuschlos durchJntendanten verwaltet, die unter den Ministern standen, und diese empfingen wiederum unmittelbar ihre Befehle vom Könige selbst; nie besaß L. einen ersten Minister. Der - Civilproceß blieb, da derselbe nur dem Volke dienen konnte, mit den ärgsten Misbräuchen behaftet; dagegen wandte der König seine Aufmerksamkeit dem Strafrechte zu und gab demselben harte, blutige Formen, die Frankreich in den Augen des Auslandes schändeten. Wollte der König in den Ncchksgang eingreifen, so setzte er Commissionen ohne Umstände nieder, oder entzog die Betheiligten durch ill-ettros 698, noch beim Leben und ohne Wissen Karl'sII., mehre Verträge zur Theilung der span. Monarchie, in welchen auch der hauptsächlichste Prätendent, der Sohn des Kaisers Leopold, der spätere Kaiser Karl VI. (s. d.), bedacht war. Zndeß hinterließ Karl II., als er am I. Nov. 1760 starb, ein Testament, in welchem er zufolge einer Reihe von Zufällen und Jntriguen Philipp V. (s. d.), den zweiten Enkel L.'s, zum Erben der span. Eesammt- monarchie einsetzte. Der Kaiser eröffnete sogleich 1701 den Krieg in Italien, und bald erklärten sich auch die Seemächte und das Reich gegen Frankreich, weil sie sahen, daß L., gegen die feierlichen Verträge, seinen Enkel in Spanien aufrecht erhielt. Der Ausbruch des Kampfes wurde noch beschleunigt, indem 8. die Engländer durch die Anerkennung des Prätendenten Jako b's III. (s. d.) aufs heftigste erbitterte. Nur unter großen Anstrengungen brachte der König diesmal ein Heer auf, das auf einem so weiten Kriegsschauplätze und bei so zahlreichen Feinden nur einigermaßen genügen konnte. In die Niederlande schickte er den Marschall Bouflers, gegen welchen Marlborough (s. d.) die feindliche Hauptmacht befehligte ; in Italien aber kämpfte der schwache Marschrll Villeroi, später aber Vendöme gegen den Prinzen Eugen von Savoyen (s. d.). Zu Anfänge von 170.7 drang Villars durch den Schwarzwald und das Kinzinger Thal bis nach Duttlingen, vereinigte sich hier mit dem Verbündeten des Königs, dem Kurfürsten von Baiern, und brach dann nach Tirol ein, um gegen Italien vorzudringen. Die fortwährenden Verluste der Franzosen in den Niederlanden lähmten diesen überaus kühnen Plan. Im Dec. 1703 verließ endlich auch der Herzog von Savoyen, über die Eewaltstreiche des Königs empört, die franz. Sache und L. befand sich nun gänzlich ohne Bundesgenossen. Demungeachtet zersplitterte er seine Kräfte und eröffnete im eignen Lande den mehrjährigen Krieg in den Cevennen (s. d.), in welchem er die Reste der Protestanten auf die empörendste Weise hinzuschlachten suchte. Mit dem Feldzuge von 1704 zeigte es sich deutlich, daß weder seine Generale, noch seine zu- sammcugerafften Armeen im Stande waren, Eugen und Marlborough zu widerstehen; ein blutiger Verlust folgte dem andern. Die Niederlage Tallard's bei Hochstädt oder Blenheim, am 13. Aug. 1704, die Villeroi's am 23. Mai 1706 bei Namilliers, die Eroberung Tu- rin's am 7. Sept. 1706 durch Eugen, nöthigten L. zuvörderst, Neapel und Italien überhaupt preiszugeben. Auch die Siege des Marschalls Bcrwick (s. d.) im Feldzuge von 1707 in Spanien konnten dem Waffengeschick keine glücklichere Wendung geben. Am II. Juli wurde dafür der Herzog vonBourgogne (s. d.), des Königs Enkel, bei Oudc- narde, und am 28. Sept. ein zweites Mal bei Wynnendal geschlagen. Der strenge Winter von >708, der darauf folgende Miswachs und eine Hungersnolh beraubtenden König vollends seiner Hülfsquellen und vermehrten die dumpfe Gährung, die sich bereits des Volks bemächtigte. L. zeigte sich in dieser verzweifelten Lage würdevoll und gemessen; er bat die Sieger um Frieden und war bereit, die größten Opfer zu bringen. Da ihm jedoch die Verbündeten auf der im Mai 1709 zu Gertruydenburg eröffnete« Conferenz die Verpflichtung avflegen wollten, seinen Enkel mit den eignen Waffen aus Spanien zu vertreiben, trat er zurück und suchte die Fortsetzung des Kriegs zum ersten Mal auch bei seinen Ludwig XV. (König von Frankreich) 127 Unterthanen zu rechtfertigen. Am 28. Juli 1709 erlitt hierauf Villars die furchtbare Niederlage bei Malplaguet. Im März >710 gelang cs endlich dem Marquis von Torcy unter der Versicherung, daß sein Herr mit der geringsten Entschädigung seines Enkels zufrieden sei, und daß er selbst den Elsaß hcrausgcben wolle, die Unterhandlungen wieder anzuknüpfen. Der Tod des Kaisers Joscph's der nun 171l den span. Kronprätendenten als Karl VI. auf den Kaiserthron hob, ferner der Stur; der Whigs am Hofe der Königin Anna und die Entfernung Marlborough's waren Zufälle, die L. trefflich zu benutzen wußte. Der Friede kam am l >. Apr. > 713 zu Utrecht förmlich zu Stande, und Frankreich opferte in demsel- den im Allgemeinen seine Kolonien. Der Kaiser indeß führte den Krieg fort und schloß erst, nachdem er die deutschen Gebiete am Rhein nochmals den Verheerungen Villars' aus- gesetzt, mit dem Könige am 6. Mär; 171 -1 den Separatfrieden zu Nastadt, in welchem die frühem Verträge anerkannt wurden. Frankreich ging aus dem ungleichen Kampfe mit völliger Zerrüttung seiner inner» Verhältnisse hervor, und nur der angewöhnte Gehorsam gegen den unbeugsamen Machthaber hielt den Ausbruch von Empörung zurück. Wie sehr 8. jede Selbständigkeit des Willens und der Meinung bei seinen Unterthanen haßte, zeigte er nochmals in den jansenisti- schen Streitigkeiten, die seine letzten Negierungsjahre erfüllten. Ohne die wahre Ursache des Zwistes zu kennen, befahl er durch ein Edict von 1714 die Geltung der Bulle Unigcni- tus und ließ die Widerspenstigen verfolgen und in den Kerker werfen. Er starb in diesen Bewegungen am I.Sept. 1715 nach kurzer Krankheit und empfand noch in den letzten Augerr- blicken die bitterste Neue, daß er die Wohlfahrt seines Volks seinem Ehrgeize geopfert. Vielleicht starb nie ein Mensch, der eine größere Lücke als 8. zurückließ, indem er bis zuletzt gewohnt war, sein großes Reich bis ins Geringste durch persönliche Befehle zu regieren. Die Nation hielt sich bei seinem Scheiden von der drückendsten Last befreit und ging unbewußt der Auflösung ihres politischen Lebens entgegen, zu welcher der Ehrgeiz, die Prunksucht und der kalte Despotismus des Monarchen den Grund bereits gelegt hatten. L. erfuhr das Unglück, daß fast sein ganzes Geschlecht vor ihm in das Grab stieg. Seine Gemahlin Maria Theresia hatte ihm sechs Kinder geboren, von denen die fünf jüngern in früher Kindheit starben. Mit der Lavalliere (.s. d.) zeugte er drei, mit der MonteSpan (s. d.) vier natürliche Kinder. Noch am > 3. Apr. 1711 starb sein Sohn, der Dauphin Ludwig, im Alter von 50 Jahren. Im Febr. >712 folgte die Herzogin von Bourgognc, die der König sehr liebte, und am >8. ihr Gemahl, der Herzog (s. Bourgognc), welcher als der älteste' Enkel L.'s der Thronerbe war. Endlich starb auch am 8. Mär; L.'s ältester Urenkel, der Herzog von Bretagne. Obschon man diese gehäuften Todesfälle dem Gifte des Herzogs von Orleans zuschrieb, war es wahrscheinlich nur eine Frieselkrankheit, welche den Hof und die Dynastie hinraffte. Überdies kam ei» Bruder des Herzogs von Bourgognc, der Herzog von Berri, durch einen Sturz vom Pferde am 4. März 1714 um, fodaß, außer Philipp V. von Spanien, nur der zweite Sohn des Herzogs von Bourgognc übrig blieb, der dem Urgroßvater im Alter von fünf Jahren als Ludwig XV. folgte. Schon früher hatte L. seine beiden mit der Montespan erzeugten Söhne, den Herzog von Maine und den Grafen von Toulouse, legitimirt und denselben den Namen Bourbon bcigelcgt. Im 1.1714 brachte es jedoch die Maintcnon, welche diese Prinzen liebte und erzogen hatte, dahin, daß der König dieselben den Prinzen von Geblüt völlig gleichsctztc und die Bastarde zur Thronfolge fähig erklärte. Wiewol Frankreich über diesen Schritt erstaunte, so gab das Parlament dem Edict ohne Widerrede Gesetzeskraft, hob cs jedoch eben so leicht unter der folgenden Negierung wie- der auf. Die besten Aufklärungen über den Charakter und die Denkungsart L.'s geben seine „Oeuvres" (g Bde., Par. 1806), welche die Instructionen für den Dauphin und für Philipp V., sowie mehre Briefe enthalten. Vgl. Voltaire, „8iöde de Don!» XIV"; Lemontey, „blsssi sur I'ötablissemeiit monsrelnque de Uouis XIV" (Par. 1818; deutsch, Lpz. > 830); Saint-Simon, „dlömoires com^Ietes et sntkentiqnes snr le siede de I,v»is XIV et In regence" (16 Bde., Par. I82S und öft.). Ludwig XV., König von Frankreich, 1715 — 74, Urenkel und Nachfolger Lud- wig's XIV. und Sohn des Dauphin Louis, Herzogs von Bourgogne (s. d.), wurde am 15. Febr. 1710 geboren. Als ihm am I. Sept. 1715 die Krone zufiel, übernahm der Her- 128 Ludwig XV. (König von Frankreich) zog Philipp von Orleans (s. d.) als erster Prinz von Geblüt die Regentschaft. Der junge König war äußerst schwächlich und der Gegenstand der zärtlichsten Sorgfalt der Nation. Er erhielt den unfähigen MarschaU Villcroi zum Erzieher und den Cardinal Fleury (st d.) zum Lehrer. Während der Leichtsinn des Regenten und die Creditopcration des Schotten Law (s. d.) die Monarchie vollends dem Abgrunde zuführtcn, erzogen diese Män- ner den König, der gute Anlagen besaß, zum andächtigen, folgsamen, schüchternen Werkzeuge. Auf Fleury s Rath erhielt nach Orleans' Tode, am 2. Dec. 1123, der Herzog von Bourbon die Leitung der Geschäfte. Derselbe schickte die achtjährige, mit dem Könige verlobte Infantin Maria Anna nach Madrid zurück und vermählte ihn zur Sicherung baldi- gcr Nachkommenschaft am 16. Aug. 1725 mit Maria Leszczynska, der Tochter des entthronten Königs Stanislaus (s. d.) von Polen. Schon l 726 vertrieb Fleury, der den Willen seines Schülers völlig beherrschte, den Herzog von Bourbon vom Staatsruder, um cs selbst zu ergreifen. Er hob durch Sparsamkeit die Finanzen, verfolgte nach außen die Friedenspolitik, sah sich aber doch in den Kampf um die Krone Polens verwickelt. Im Interesse seines Schwiegervaters verband sich L. mit Spanien und Savoyen gegen den Kaiser und sandte im Oct. 1733 B erwick (s. d.) mit einem starken Corps über den Rhein, wäh- rend de Silly Lothringen nahm und Villars (s. d.) nach Italien aufbrach. Ungeachtet des Waffenglücks blieb jedoch die Sache Stanislaus' verloren und Frankreich schloß am 3l.Dcc. 1738 mit dem Kaiser den Frieden zu Wien. L. gab die Eroberungen am Rhein, Philippöburg, Kehl, Trier zurück, erhielt dagegen für den Schwiegervater Lothringen (st d.), welches nach dessen Tode für immer an Frankreich fallen mußte- Hatte auch der König durch den Krieg einiges Ansehen nach außen gewonnen, so wurde er doch schon jetzt seinem Volke, das so große Erwartungen von ihm gehegt, ein Gegenstand der Verachtung. Er bewies sich stumpf, faul, umgab sich mit verworfener Gesellschaft, verließ seine allerdings unbedeutende Gemahlin und nahm, nicht ohne Schuld Fleury's, hintereinander die vier Schwestern Mailly zu seinen Maitressen. Unter den Anstrengungen Fleury's, den europ. Frieden aufrecht zu erhalten, starb 1746 Kaiser Karl VI., und der östr. Erbfolgekrieg brach aus. Auch Frankreich hatte die P r a g m a t i sch c S a n c t i o n (st d.) garantirt. Allein der Marschall Bel leiste (st d.), ein durch Kraft und Thätigkeit ausgezeichneter Mann, machte bei Hofe den Plan.gcltend, die Lage des Hauses Ostreich zu dessen Zertrümmerung zu benutzen und, statt der Maria Theresia (std.), den Kurfürsten Karl Albrecht von Baiern zur Erlangung des Kaiserthrons zu unterstütze». Dieser kühne, romantische Plan fand so großen Anklang, daß endlich auch Fleury mit Widerstreben darein willigte. Bel- leiste schloß im Mai 1741 mit Spanien und Baiern ein geheimes Bündniß, dem bald Köln, Pfalz, Sicilien und Preußen beitraten. Schon im Juli führte hierauf Belleisle ein Corps über den Rhein, vereinigte sich mit dem Kurfürsten von Baiern, der den Titel eines franz. Gencrallieutcnants annahm, und drang durch Oberöstreich nach Böhmen ein, während sich ein zweites Heer unter dem Marschall Maillebois nach Westfalen wandte, um die Seemächte im Schach zu halten. Obschon der Kurfürst als Karl VII. zum Kaiser erwählt wurde, sah doch Frankreich bald seine gespannten Erwartungen scheitern. Friedrich II. von Preußen söhnte sich mit Maria Theresia aus und die Franzosen in Böhmen wurden von dem Herzoge Karl von Lothringen so hart bedrängt, daß sie endlich, nach der Auslieferung von Prag, das Land im Sept. 1743 gänzlich räumen mußten. Unter den Unfällen war Fleury im Jan. 17 43 gestorben, der durch zu große Sparsamkeit dabei viel verschuldet hatte. L. nahm den rechtschaffenen Orry zum Finanzminister und Maurepas (st d.) erhielt das Seewesen, Amelot das Auswärtige, d'Argenson das Kriegsdepartement. Im März mußte der Herzog von Noailles mit einem neuen Heere über den Rhein gehen, der aber am 24. Juni bei Dettingen von der pragmatischen Armee geschlagen wurde. Frankreich, das den Krieg bisher im Namen Karl's VII. geführt, trat nun selbständig auf und erklärte den Krieg förmlich gegen England, dessen Verbündeten, Sardinien, und Maria Theresia. Sogleich siel der Prinz Conti in Piemont ein, trat aber im Herbst, nach einer bewundernswürdigen Operation, mit großem Verlust den Rückzug an. Der König selbst, den die Minister aus der Schwelgerei und Faulheit ziehen wollten, mußte in Begleitung Noailles' mit I06VV0 M. in die Niederlande eindringen. Er eroberte ohne Blutvergießen die Barrie- Ludwig XV. (König von Frankreich) 129 renplätze und wandte sich im Juli 1744 mit einem Theile des Heers nach dem Elsaß, um die Ostreichcr abzuhalten, die den Marschall Coigny schon aus den lauterburgcr Linien gedrängt hatten. Nach des Königs von Preußen Plan im Begriff über den Rhein zu gehen, erkrankte jedoch L. am 8. Aug. zu Metz sehr gefährlich, wobei er Besserung gelobte, die Maitreffcn entließ und vom Volke eine unverdiente Theilnahme empfing. In seiner Gegenwart unternahm hierauf Coigny im Nov. mit der Hauptmacht die Eroberung von Freiburg, und der Bruder Bclleislc's drang mit einem Strcifcorps nach Schwaben und nahm Kostnitz und die vier Waldstädte. Der Tod Karl's VII. entzog Frankreich >745 die Unterstützung Baicrns. Da die Gegenwart des Königs den Muth des Heeres hob, so mußte sich L. auch im Feldzüge von >745 nach den Niederlanden begeben, wo der Marschall Moritz v o n S ach sc n (s. d.) bereits die Belagerung von Tournay eröffnet hatte. Der große Sieg über die Verbündeten am > >. Mai bei Fontcnoi, wobei L. Muth zeigte und auf dem Schlachtfeldc erschien, hatte die Einnahme der wichtigsten Plätze zur Folge. Auch in Italien eroberte Maillebois an der Spitze der bourbonischcn Truppen Mailand und Parma, während jedoch in Deutschland Conti mit seinem schwachen Corps die Wahl des Herzogs Frau; zum Kaiser nicht verhindern konnte. Obscho» Frankreich im Frieden zu Dresden zum zweiten Mal seinen Verbündeten, den König von Preußen, verlor, so beschloß doch L. mit seinen Ministern, den Krieg gegen Ostreich und England fortzusctzen. Von Frankreich unterstützt, mußte der Prätendent Karl Eduard (s.d.) im Juli 1745, auf Schottland landen, was so über Erwarten gelang, daß sich Georg >1. genöthigt sah, seine Strcilkrafte in den Niederlanden zu schwächen. Die franz. Armee unter Moritz von Sachsen machte hierauf. so außerordentliche Fortschritte, daß der Kaiserin im Herbst von den Niederlanden nichts blieb, als Luxemburg und Limburg. Dessenungeachtet stimmten die Unfälle der bsurbonischen Truppen in Italien den König für den Frieden, weshalb er gern in die Eröffnung des Congresses zu Breda, im Oct. 1746, willigte. Um den Unterhandlungen Nachdruck zu geben, mußte der Gencrallicukenant Löwendal im Apr. 1747 in Holländ.- Flandern einbrechen, was jedoch zur Erneuerung des Kampfes führte. Die Franzosen schlug.cn die Verbündeten am 2. Juli beim Dorfe Laffeld unweit Maastricht und eroberten nach harter Belagerung am >6. Sept. das starke Bergen vp Zoom. Dagegen gefährdete die brit. Flotte die franz. Colonicn in Ost- und Wcstindien. Als überdies Elisabeth von Rußland die östr. Partei ergriff und das durch Abgaben erschöpfte Volk laut den Frieden verlangte, so beeilte sich endlich L., noch dazu von seiner von der Kaiserin gewonnenen Maitresse, der Pompadour (s.d.), getrieben, den Frieden zu Aachen (s.d.) am 18.Oct. 1748 zu unterzeichnen. L. erklärte, daß er ungeachtet der Eroberungen in den Niederlanden für sich nichts verlange. Der lange Krieg, der den Wohlstand des Volks noch tiefer zerrüttet, die Seemacht zu Grunde gerichtet hatte, endete also ohne den geringsten Vortheil. Während jetzt das Parlament seinen langen Streit mit dem Klerus zu Gunsten des Jansenismus führte, versank L. unter der Herrschaft der Pompadour, welche die Geliebte und Kupplerin zugleich spielte, in das tiefste Seraillcben herab. Dieses Weib entzog dem Schatze durch königliche Handbillets, sogenannte ^clits cks comptant, zu ihrem schmählichen Treiben Hunderte von Millionen'und legte >75» unter Andern: auch den berüchtigten Hirschpark an. Bald nach dem Frieden zu Aachen war auch der Kampf zwischen Eng- land und Frankreich ohne Kriegserklärung um die Grenzen Arabiens, das L. abgetreten hatte, wieder ausgebrochen. Der König mußte sich deshalb auf das Andringen seiner Mi- nister entschließen, Rüstungen zu einer Landung an den brit. Küsten vorzunehmcn. Am 2n. Apr. 1756 landete der Herzog von Nichclieu (s. d.) mit einer starken Seemacht auf Minorca und eroberte am 29. Juni unter furchtbarem Gemetzel Port-Mahon. Allein auch an dem Landkriege in Deutschland sollte Frankreich wieder Theil nehmen. Nach dem Sturze Maurepas' im Apr. 1749, an dessen Stelle der unfähige Nouillier trat, arbeitete die durch die Schmeicheleien der Kaiserin gewonnene und durch den König von Preußen gekränkte Pompadour an einem Bündnisse Frankreichs mit Ostreich. Dieser unglückliche Vertrag, welcher das politische System Frankreichs seit Jahrhunderten änderte, kam bei der verworfenen Schwäche L.'s am I. Mai >756 wirklich zu Stande. Während er wenige , Conv.-Lex- Neunte Ausl. IX. 9 7-^ .3 13 « Ludwig XV. (Köllig von Frankreich) Jahre vorher das Geld und das Blut seines Volks auf die Bitten der Mailly zur Demi',- thigung des Hauses Habsburg vergeblich verschleudert hatte, sollte er jetzt die Kräfte seines Reichs zur Erhebung der Macht opfern, die stets der unversöhnliche Gegner seiner Vorfahren gewesen. Erst nach dem Einbrüche Friedrichs II. in Sachsen ließ sich L. durch die Vor- stellungen der Pompadour und die Thränen der dem sächs. Hause entstammten Dauphine bewegen, dem Kriege in Deutschland offen beizutreten. Im Fcbr. 1757 vereinigte sich ein franz. Corps unter dem Marschall Estrces in den Niederlanden mit den Östreichern, ging über die Weser und lieferte am 26. Juli der brit.-hannov. Armee das Treffen bei Hastenbeck. Mitten im Siegesläufe mußte jedoch Estre'es den Oberbefehl aufVcrlangen der Pompadour an den Herzog von Richelieu abtreten, der nun in die brandenburg. Staaten einficl. Ein anderes Corps unter dem Prinzen Soubise vereinigte sich im Aug. bei Erfurt mit der Reichsarmee, wurde aber am 5. Nov. 1757 von Friedrich II. bei Roßbach geschlagen. Auf Betrieb der Maitresse übergab jetzt der König den Oberbefehl in Deutschland dem Grafe» Clermont, einem Abbe, der nie eine Armee gesehen hatte. Derselbe erlitt sogleich durch Prinz Ferdinand von Braunschweig am 23. Juni >758 die Niederlage bei Krefeld und mußte das Kommando dem erfahrenen Marschall Contades ausliefern. Bei der Mutlosigkeit der Truppen, dem Mangel an tüchtigen Führern, der Zerrüttung der Finanzen verlangte das Volk und selbst der Hof stürmisch den Frieden. Allein der von seiner Maitressl unterjochte und bei den Leiden seines Reichs gleichgültige König bestand hartnäckig auf der Fortsetzung des Kampfes. L. erhob im Aug. >758 den Herzog von Choiseul (s. d.), der bisher zu Wien Gesandter gewesen, zum ersten Minister und erneuerte sogar am S<>. Dec. das Bündniß mit Ostreich. Obschon man Alles aufbot, die Armee in Verfassung zu setzen, so erlitt doch Contades am l.Aug. >759 die entscheidende Niederlage bei Minden. In demselben Jahre nahmen die Engländer das Cap Breton, mehre westind, Inseln, eine» Theil von Canada, in Ostindien das wichtige Surate und am 26. Nov. wurde auch du . Flotte unter dem Marschall Conflans vom Admiral Hawke auf der Höhe von Quiberv» geschlagen. Der König verlieh für den Feldzug von 1766 den Oberbefehl in Deutschland dem Marschall Broglio, der bei der Zerrüttung des Heers wenig unternehmen konnte, Ersi im folgenden Jahre wagte er in Verbindung mit Soubise, den Herzog von Braunschweig am 15. Juli bei Billingshausen anzugreifen, mußte aber wiederum mit großem Verlust« zurückweichen. Noch unglücklicher gestaltete sich der Kampf in den Kolonien. In Ostindien fiel Pondichery und Mähe, in Westindien eroberten die Engländer fast sämmtlicheJnseln; am 7. Juli 1761 gelang es sogar einer brit. Expedition, Belleisle an der Küste von Bretagne zu nehmen. Obschon die Pompadour fortgesetzt neue Anstrengungen verlangte, ließ jedoch L. zu Anfänge desJ. 1761 Astreich und Rußland erklären, daß er nicht mehr im Stande sei, den Krieg fortzusetzen. Um England zu mildern Bedingungen zu bewegen, brachte indeß vor der Hand Choiseul den berühmten bourbonischcn Hausvertrag im Aug. 1761 zu Stande, durch welchen sich sämmtliche Bourbons zu gegenseitiger Hülfe in Krieg und Frieden für immer verpflichteten. Der Bund hatte aber k^ine andern Folgen, als daß sich auch noch zuletzt Spanien im Kampfe gegen Portugal und England abschwächte. Nachdem das Heer im Feldzuge von >762 noch eine Menge Unfälle erlitten, gelang cs endlich Choiseul, am 16.Fcbr. 1763 den Desinitivvertrag mit Großbritannien zu schließen, k. gab Minorca und empfing Belleisle zurück; ferner mußte er Canada, die meisten westind. Inseln und in Ostindien Alles, bis auf Pondichery und Mähe, abtreten. In vier Jahren hatte die Flotte 36 große Schiffe verloren und der Verlust an Geld und Menschen während dieses siebenjährigen, auf den Wunsch einer Maitresse geführten Kriegs war unberechenbar. Der König blieb indeß so in Trägheit, Wollust und Unempfindlichkeit versunken, daß ihn der Ruin seines Reichs und die Verachtung des Volks wenig kümmerte. Selbst ei» Mordversuch, den 1757 ein Fanatiker, Damiens (s. d.), an ihm machte, konnte ihn nicht cmporreißen. Mehr bewegte ihn der Kampf, den die Pompadour und Choiseul nach dem Frieden mit den Jesuiten begannen. Die Jesuiten haßten die allmächtige Maitresse wie deren unternehmenden Minister und hatten sich mit dem Dauphin verbunden, ihre gemeinsamen Feinde zu stürzen. Dagegen ängstigte die Pompadour den König mit den Anschläge» der Jesuiten und ließ gegen dieselben die heftigsten Schriften ausstreuen. Der Bankerott ä u h n g 3 V! 1 Vl 6 hi ft vl le ? I N di Z 4 d Ludwig XV. (König von Frankreich) 131 des Jesuiten Lavalette, dessen Vertretung der Orden nicht übernehmen wollte, gab endlich dem Minister Gelegenheit, die Jesuiten ihrem bittersten Feinde, dem Parlamente, zu überliefern. Während dieses Proceffes nahm das Parlament Anlaß, in die Verfassung des Ordens cinzudringen, und gelangte darüber zu dem festen Entschluß, dieses dem Staate gefährliche Institut mit Hülfe des Hofs zu zertrümmern. Der König, auf der einen Seite von den Frömmlingen, der Geistlichkeit und dem Dauphin, auf der ändern von dem Minister, der Maitresse und dem Parlament bedrängt, wandte sich endlich 1762 an den Jesuitengeneral Ricci, von dem er zur Beilegung des Streites verlangte, daß künftig zum Ge- neralvicar des Ordens in Frankreich ein geborener Franzose gewählt» werden sollte.' Ricci gab aber dem Könige die berüchtigte Antwort, die Jesuiten müßten bleiben wie sie wären oder zu existiren aufhören (sink »t sunt, mit non sunt), und dies entschied L. für die Zerstörung des Ordens. Er ließ der Untersuchung des Parlaments freien Lauf und bestätigte endlich mit ungewohnter Festigkeit durch ein Edict vom Nov. 1 76 t die Aufhebung des Ordens in Frankreich für immer. Der Sieg des Parlaments über seinen 56jährigen kirchlichen und politischen Gegner crmuthigte dasselbe, nun auch dem Hofe selbst entgegenzutreten. Das Parlament zu Paris verweigerte im Apr. >765 die Einregistrirung her Steuer- edicte, und als es durch ein Int 7 60 brach der Streit über die Verfolgung, welche das Parlament zu Rennes von dem Herzoge von Aiguillon, dem Gouverneur von Bretagne, erfuhr, wieder aus. Nach heftigen Debatten kam es endlich im Nov. 1770 zum völligen Bruch mit dem Hofe und sämmtliche Magistrate stellten ihre Amts- , Verrichtungen ein. Die Parlamente hatten bei ihrer Widersetzlichkeit auf ihren Freund Choiseul gerechnet, der jedoch im Dcc. >7 70 durch die neue Maitresse Dub arri (s. d.), hinter welche sich die Geistlichkeit und die Höflinge steckten, gestürzt wurde. Auf Veranlassung der Dubarri erhob der König den Herzog von Aiguillon zum ersten Minister; der verhaßte Meaupou blieb aber Kanzler und der Abbe^Terray, der öffentlich sein Räubertalent rühmte, erhielt die Finanzen. Sämmtliche Minister waren die heftigsten Feinde des Parlaments. Auf ihr Drängen schickte der König in der Nacht vom >9. zum 20. Jan. 1771 gemeine Soldaten an die Parlamentsrathe und foderte von denselben mit Ja und Nein die Antwort, ob sie sich unterwerfen wollten. In der nächsten Nacht aber erschienen die nämlichen Musketiere und verkündigten den Rathen ihre Absetzung und Verbannung. Die Parlamente rechneten zwar auf baldige Zurückberufung, weil ihre Ämter mit mehr als 30 Mill. LivreS waren erkauft worden, die der Hof nicht zurückzahlen konnte. Jndeß erklärte der König die Käuflichkeit aufgehoben und setzte ein Jnterimsparlament und'sechs Oberge- richke ein, welche die Justiz verwalten sollten. Diese Gewaltstreiche, gegen welche auch die Prinzen von Geblüt protestirten, brachten das Volk in die tiefste Bewegung und steigerten die Verachtung und die Erbitterung gegen den Hof. L. hingegen schloß sich stumpfsinnig in seinen Hirschpark ein und widmete sich in der letzten Zeit gänzlich der Jagd und seinen Beischläferinnen. Die Art, wie unterdeß der Hof und die Minister die öffentlichen, dem Volke grausam erpreßten Einkünfte verschleuderten, war unerhört. Die Dubarri griff nach Belieben in den Schatz und soll in fünf Jahren >80 Mill. Livres vergeudet haben. Blos ein Kamin in einem ihrer Zimmer zu Versailles hatte 60000 Livres gekostet. Da L. sein ganzes Leben hindurch jede ernste Beschäftigung scheute, so griff er oft aus langer Weile zu den niedrigsten Zerstreuungen. Er druckte nicht nur Bücher, sondern wollte auch als der beste Koch in seinem Reiche gelten und fand sich geschmeichelt, wenn die Höflinge begierig seine Speisen verschlangen. Aus kindischer Neugierde unterhielt er an allen Höfen Agenten, die ihm die Jntriguen und den Scandal berichten mußten. Auch mischte.er sich gern in die Händel seiner Umgebung und spielte in Liebesverhältnissen den Vertrauten. Nächst der Wol- 182 Ludwig XVI. (König von Frankreich) lust war das Spiel seine Leidenschaft. Er hielt zu dem Zwecke eine eigene Kasse, die er durch Spcculation in Papieren und sogar durch Kornwuchcr bereicherte, den eine eigens dafür eingesetzte Behörde betreiben mußte. Wern man ihm die Auflösung des Staats und das Elend des Volks verhielt, so pflegte er zu antworten: „Die Monarchie wird schon halten, so lange wir leben". Schon lange war er zufolge seiner Ausschweifungen mit einer ge- Heimen Krankheit behaftet. In diesem Zustande bekam er durch ein junges Mädchen die Kinderblattern, an welchen er am >9. Mai > 774 starb. Die Nation freute sich über diese Erlösung und der Pöbel feierte sein Begräbnis; durch Pasquille und Gasscnlicdcr. Sei» einziger Sohn, der Dauphin, war am 29. Dcc. 1766, seine Gemahlin am 24. Juni 1768 gestorben. Ihm folgte der Enkel Ludwig XVI. (s. d.) auf dem Throne. Vgl. Voltaire, „Siede 6« lHuis XV", und die Memoiren von Duclos und Saint-Simon; ferner Lafftcy, „Siede cka I^ouis XV" (2 Bde., Par. 1796); Dcsodoards, „Histoire tle I.ouis XV» (3 Bde., Par. 1798), und Lcmontcy, „Distoire 765 den Vater, bald darauf im Mutter, wodurch er zum Dauphin und Thronfolger stieg. Der Prinz besaß von Natm einen starken Körper, viel Hcrzensgüte, aber geringen Verstand und noch weniger Willen. Der sonst achtbare Herzog von Vauguyon, der seine und seiner jüngerst Brüder, der Grafen von Provence (s. Ludwig XVIII.) und Artois (s. Karl X.), Erziehung leitete, war unfähig, etwas für die Ausgleichung dieser einseitigen Natur zu thun; er erzog den Prinzen in Rechtschaffenheit, Frömmigkeit und blinder Ergebenheit. Die Thätigkcit und die Neigungen L.'s waren seinem beschränkten Wesen ebenfalls angemessen. Er lernte mit Fleiß Geographie und ein wenig Geschichte, vernachlässigte aber gänzlich philosophische und politische Wissenschaften. Die größte Vorliebe zeigte er für mechanische Arbeiten; mit Geschick führte er Hammer und Feile und druckte Bücher; auch liebte er die Jagd. Obschon in der Atmosphäre des verdorbensten Hofes erzogen, übte er einfache, reine Sitten, zeigte Ncchks- und Pflichtgefühl, haßte den Luxus und neigte sich zu den arbeitenden Elasten. Die Hoflcule verachteten und verspotteten ihn schon, weil er kein glänzendes Äußere besaß. Die Vermählung L.'s mit Marie Antoinette (s. d.), der jüngsten Tochter der Kaiserin Maria Theresia, am >6. Mai 177», war von einem furchtbaren Zufälle begleitet. Bei einem Feuerwerke, welches die Hauptstadt am 16. zur Feier der Vermählung abbrannte, fuhr ein panischer Schrecken unter die Volksmassen, wobei im Gedränge Tausende beschädigt. 399 gctödtcl wurden. Der Prinz gab Alles hin, was er besaß, und wies viele Monate seine Apanage an, um die Verunglückten, die er selbst aufsuchte, zu unterstützen. Bei dem geringen Zutrauen, das er zu sich selbst besaß, erfüllte ihn die Aussicht auf den Thron mit Bangigkeit. Als man ihm am 19. Mai >774 die Nachricht von dem Tode des Großvaters übcrbrachke, rief er unter Thränen aus: „O mein Gott! welches Unglück für mich". In der That erfvderte die Lage des Staats und der Nation einen freien, starken Charakter. Die Verschwendung und der Despotismus der Vorfahren hatten das öffentliche Wesen zerrüttet, das Volk in Elend versenkt, jede reformatorische Entwickelung verhindert. Gesetz und Verwaltung standen im Widerspruch mit den Bedürfnissen und den Fodcrungen der Zeit; besonders aber war cs die Finanzlage, welche drohend und gebieterisch Abhülfe verlangte. Durch den Einfluß der Tante des Königs wurde Maurepas (s.d.), ein alter, verbrauchter Hofmann, erster Minister. Dennoch erweckte die neue Verwaltung große Hoffnungcr indem ausgezeichnete, patriotische Männer, Berge nn es (s.d.), Saint-Gcrmain, Males- herbes (s. d.) und Turgot (s. d.), die Geschäfte übernahmen. Die beiden Letztem begannen, eigentlich an derSpitzc der Finanzen, sogleich eine Reihe trefflicher Veränderungen. Man schaffte die mit jeder Thronbesteigung verbundene feudalistische Abgabe, das „Droit 90 Mill. Livres Staatsschulden ab- eer ens ind >al- ge- die icse :cm 168 lire, rcy, lV" 6« des vo» vo» die rtm ilcir ist» linken )ici- ßco- ische chilk l der hk§- cu!e urig esi-, erke, scher >r>te! uze Zu- .kcit. chke, lh-t Lee- ttet, Ler- Zcit; rgte. chlcr ger lcs- bc- gcn. >roit chcn Ludwig XVI. (König von Frankreich) ' 133 zahlen konnte. Zudem gründete der König zu Paris im Interesse der arbeitenden Classen das Leihhaus und die Discontokasse und erwarb sich durch die Anspruchlosigkeit, mit welcher er das Elend aufsuchte und linderte, Aller Herzen. Tiefere Reformen, die an die Privilegien rührten, scheiterten an dem Widerstande der Aristokratie und der Parlamente, die man zurückgcrnfcn (s. Ludwig XV.) und in den vorigen Stand gescht hatte. Nach dcrKrönung zuNhcims, am I I.Juni 1775, sah dcrKönig schon die Schwierigkeiten seiner Stellung wachsen. Ein Edict, das die drückenden Wegcbaufrohnen, ein anderes, das den Zunftzwang abschaffte, konnten nur durch ein lüt »lejustice zum Gesetz erhoben werden, und Turgot, der Urheber dieser Reformen, mußte bald darauf mit Males- hcrbcs aus der Verwaltung scheiden, weil ihn der schwache König weder gegen die Parlamente noch gegen den Hof zu schützen vermochte. Zu dieser Zeit begann die durch Zugend und Schönheit ausgezeichnete, von ihren Schwägern und dcnHoflcuten umdrängteKönigin ihren unhcilsvollcn Einfluß auf den Gang der Staatssachen zu äußern. Der König, der sich verspottet und hart bcnrthcilt sah, verlor hiermit vollends das Vertrauen zu den eigenen Kräften. Nach der kurzen, aber abscheulichen Finanzvcrwaltung Clugny's ließ sich die Königin im Juni 1777 die Wahl Necker's (s. d.) zum Generaldirektor gefallen. Dieser erfahrne Banquier hätte gewiß auch ohne tiefgreifende Veränderung einen leidlichen Finanz- zustand hcrgcsicllt, wäre die Theilnahme am Frcihcitskampfe Nordamerikas nicht da- zwischengctreten. Der König lehnte anfangs die Theilnahme an dem Kampfe ab, sowol aus Furcht gegen England, als auch aus Rücksicht für das legitime Princip. Erst das Andringen der Minister, welche die brit. Macht gcdcmüthigt sehen wollten, und der Enthusiasmus der Nation bestimmten ihn, am 6. Febr. 1778 das Bündniß mit den Vereinigten Staaren zu schließen. Die nächsten Folgen dieses Schrittes waren unermeßliche Gcldopfer, sodaß Ncckcr an Hcrbcizichung der Privilegirten und an größere Einschränkungen denken mußte. Erstcrcs empörte das Parlament, Letzteres den Hof, und am >9. Mai l78i legte der Minister unter Anklagen und Jntrigucn und mit dem tiefsten Bedauern des Königs sein Amt nieder. Der unfähige Joly de Flcury kam jetzt an die Finanzverwaltung. Die Empörung gegen die Erpressungen dieses Mannes thcilte sich bald ganz Frankreich mit; in der Bretagne griff die Negierung sogar zu militairischen Mitteln. Mit dem Friedensschlüsse, I78:l, schien bereits die Aufregung mit der Finanznoth auf das Höchste gestiegen. Das Volk, dessen Selbstgefühl auf Kosten des Hofes durch den nordamerik. Freiheitskrieg gesteigert war, rief laut und drohend um Abhülfc. Nachdem der rechtschaffene d'Ormesson sieben Monate hindurch vergeblich zu helfen versucht hatte, ließ sich endlich der König am 3. Oct. 1783 Calonne (s. d.) zum Eeneralcontrolcur aufdrängen. Die Partei der Grafen Artois und Polignac, zu welcher auch die Königin gehörte, hatte diese Wahl durch- gcsetzt. Die Leichtfertigkeit, womit Calonne dem Hofe Geld verschaffte, machte ihn beliebt und täuschte selbst den König, während das Volk zornig zusah. In dieser Zeit entfaltete sich der unversöhnliche Haß gegen die Königin- Calonne, nachdem er so viel als möglich aufgcborgt, dachte zuletzt gleich seinen Vorgängern an die Herbeiziehung der Privilegirten. Zu diesem Zwecke bewog er den König zur Versammlung der Notablen, im Febr. 1787, die aber, als er die schreckliche Wunde aufdcckte, nicht halfen, sondern ihre Bewilligungen von dem Rücktritte des Ministers abhängig machten. Der König übergab nun die Finanzen am I.Mai 1787 dem populaircn aber unfähigenErzbischofLome'nie de Brienne(s.d.). Derselbe faßte die Notablen beim Worte und erhielt von denselben in der That die Einwilligung zu einer allgemeinen Grundsteuer, zur Stempcltaxe, zur völligen Unterdrückung der Wegcbaufrohnen und zur Einführung von Provinzialvcrsammlungcn. Während indessen das Volk über die patriotischen Entschließungen ;ubelte, verweigerte das Parlament, unter dem Vorwände, die Stempcltaxe werde das Volk drücken, die Bestätigung dcr Ncformcdiclc, und zwar nicht ohne Zuthun Derer, die sie bewilligt hatten. In diesen Discussioncn wurde im Parlament die Verschwendung des Hofes und der Königin von einigen Mitgliedern frei aufgedeckt und zum ersten Mal auf eine Versammlung der Ncichsstände (s. Ltnts-generaux) hingewiesen. Das Parlament wollte damit nur die Regierung zur Gefügigkeit zwingen. Allein kaum war das Wort ausgesprochen, als ganz Frankreich davon wiederhallte. Das Volk sah hierin einen Schritt zur konstitutionellen 134 Ludwig XVI. (König von Frankreich) Staatsverfassung und zur Niederdrückung der Parteiinteressen, welche Frankreich in dem Zustande der Noth und Auflösung erhielten. Adel, Hof und Geistlichkeit dachten an die alten Gcneralstaaten, in welchen gewöhnlich bei dem Übergewichte der Privilcgirten dem dritten Stande die Lasten um so förmlicher aufgebürdet wurden. Indessen ging der König auf die Versammlung der Stände nicht ein, sondern erzwang durch ein !>>t <.Ie justiee vom 6. Aug. 1787 die Einregistrirung der Edicte und verbannte das Parlament, als es sich widersetzen wollte, nach Troyes. Eigentlich war die Maßregel das Werk des Ministers; der König selbst zeigte sich unthätig, gleichgültig und unentschlossen. In Kurzem jedoch gab er dem Parlament das Versprechen, daß er die Reichsstände binnen fünf Jahren zusammenberufen wolle, verlangte aber für die Zwischenzeit die Bewilligung einer bede». tenden Anleihe und rief auch das Parlament unter dieser Bedingung zurück. Im blinden Widerstand verweigerte jedoch das Parlament seine Zustimmung zur Anleihe, und der Herzog Philipp von Orleans, der persönliche Feind des Hofes, protestirte in einem Int <>s justice am Id. Nov. 1787 gegen die erzwungene Einregistrirung des Edicts. Ein solches Betragen versetzte den König in ungewöhnliche Aufregung. Er verbannte den Prinzen und ließ mehre Parlamentsglicder verhaften. Unter den heftigsten Kämpfen veranlaßte ihn hierauf Brienne zu dem Edicte vom 8. Mai 1788, welches sämmtliche Parlamente auflöste und an deren Stelle eine Art Hofrath (cour pleniöre) anordnete, der aus den Prinzen, den Pairs, den vornehmen Hofbedienten, den hohen Magistraten und Offizieren bestand. Dieser Despotismus machte den König zum ersten Mal verhaßt und setzte das ganze Reich in Feuer und Flammen. Der Aufruhr wuchs, als am >6. Aug. das berüchtigte Edicl erschien, nach welchem der Schatz alle Baarzahlungen, mit Ausnahme des Soldes an die Truppen, einstellen wollte. Brienne mußte sogleich das Ministerium Necker überlassen, und der König stellte am 25. Aug. die Parlamente her und versprach die schleunige Berufung der Neichsstände. Mitten im Parteigewirre berief er jedoch am 6. Nov. l 7 88 die Notablen, die über die Form des Reichstages entscheiden sollten. Natürlich erklärte sich diese Versammlung für die Form der alten Gcneralstaaten, worüber der dritte Stand, du am meisten litt und hoffte, in die höchste Aufregung und Erbitterung gerieth. Die Finanz- noth, eine Erscheinung der Krankheit, aber nicht das tiefe Übel selbst, an welchem Frankreich litt, trat nun in den Hintergrund. Es begann jene leidenschaftliche Untersuchung über die Rechte des Menschen und des Bürgers und der Kampf gegen die Zustände eines versunkenen Staats, einer veralteten Gesellschaft und eines an Vergeudung und Despotismus gewöhnten Hofes. Auf den Rath Necker's, der in seinen Finanzplänen eines Gewichts gegen Adel und Geistlichkeit, selbst gegen den Hof bedurfte, entschloß sich endlich der König, den dritten Stand in doppelter Anzahl zu berufen, sodaß von 1200 Abgeordneten 600 dem Bürgerstande angehörten. Weder der Monarch noch der Minister begriffen die Noth- wendigkeit und die Bedeutung dieses Schrittes, noch die Conseguenzen, die daraus für ihr eignes Betragen erwuchsen. Während L., von der Last seiner Krone erdrückt, bald in Bekümmerniß, bald in Apathie versunken, unthätig verharrte, zogen die Stände gleich zwei feindlich gerüsteten Colonneu nach Versailles, wo der Monarch mit dem aufrichtigsten Wunsche für das Wohl seines Volks am 5. Mai >789 die Reichsversammlung eröffnet». Vielleicht wäre cs Necker möglich gewesen, durch ein entschiedenes Auftreten den Sturm zu beschwören. Allein Necker, der es weder mit dem Volke noch dem Hofe verderben wollte, überließ die entscheidendste Frage, ob die Versammlung nach Ständen oder in Masse berathen und abstimmen sollte, dem Parteihader. Als sich endlich der dritte Stand am 17. Juni >789 als Nationalversammlung constituirte (s. Frankreich), ließ sich der erschrockene König von der Hosarisio- kratie zu einem Schritte verleiten, der schon zu spät geschah und die Leidenschaften nur steigern konnte. Von militoirischem Pomp und dem Glanze des Hofes umgeben, hielt er am 23. Juni l 78S eine zweite königliche Sitzung, in welcher er mit Härte sein Misfalieu aussprach, die Beschlüsse des dritten Standes cassirte, die Feudalrechte als die Stützen der Monarchie bezeichnete, hingegen die Ausdehnung der Staatslastcn auf die Privilegirten, die Unterdrückung der Salzsteuer, die Zulassung aller Stände zu den öffentlichen Ämtern, Provinzialversammlungen und regelmäßige Berufung der Generalstaaten versprach. Zum Ludwig XVI. (König von Frankreich) 133 Schluß befahl erden Standen, auseinanderzugchen und die Berathungen einzeln zu beginnen. Diese Zugeständnisse blieben jeht, wo die Schwäche des Hofes und des Königs hinlänglich bekannt, die Vertreter des dritten Standes aber der öffentlichen Stimmung versichert waren, ohne Wirkung. Die N ationalversammlung (s. d.) erklärte jede Gewalt gegen ihre Mitglieder für Majestätsvcrbrechen, und der König, der die Constitui- rung zweier Kammern und eine der brit. ähnliche Verfassung befürchtete, bat sogar die Geistlichkeit und den Adel, sich mit deni dritten Stande zu vereinigen. Dem Könige blieb jetzt nur übrig, sich an die Spitze der politischen Revolution selbst zu stellen, oder dieselbe mit den Waffen in der Hand zu bekämpfen. Zum Erstern fehlte ihm Energie und Überzeugung; gegen die Gewalt empörte sich sein Herz und seine Tugend. Demungeachtet ließ er sich von seiner Umgebung zur Zusammenziehung eines 30000 M. starken Truppencorps unter dem Befehl des Marschalls Broglio in der Nähe der Hauptstadt bewegen. Eine solche Drohung im Angesicht der Nationalversammlung setzte das Volk in Zorn nnd Schrecken und entschied über den Gang der Revolution. Man bereitete sich zum Widerstande vor, und die bezahlte Rotte des Herzogs von Orleans, der das Verderben des Königs wünschte und, wenn auch vor drr Hand nicht auf die Krone, doch auf die Regentschaft speculirte, schürte das Feuer und brachte die ausschweifendsten Gerüchte in Umlauf. Die Abdankung Necker's am l2. Juli und der Angriff des Prinzen Lambcsc(s. d.) im Palais Royal auf die friedliche Menge schienen die feindselige Stimmung des Hofs zu bestätigen. Während der König in der Mitte seines Hofs zu Versailles rathlos träumte, trat am 13. Juli die Hauptstadt unter die Waffen und eroberte am 13. die Bastille. Die Nachricht von dem Aufstande setzte den König in Schrecken; doch erblickte er darin nur eine „Revolte". Erst der Herzog Laro chefo ucauld (s. d.) klärte ihn sreimüthig über seine Lage, über die Stimmung der Nation und die Absichten des Herzogs von Orleans auf. Der Marschall Broglio rieth dem Monarchen, sich in die Mitte der Truppen zu begeben und nach Metz abzuziehen. Der König indessen, den Bürgerkrieg und die Faction Orleans fürchtend, schlug dies aus nnd begab sich am 1 '>. zu Fuß in die Nationalversammlung, wo er erklärte, daß er mit der Nation eins sei, und daß er die Truppen zurückziehen werde. Die Havmonie zwischen Volk und Thron schien jetzt hergestellt; der König war in der That für den Augenblick den Einflüsterungen der Hofpartei entzogen. Er unternahm am >7. die gefährliche Reise nach Paris, bestätigte die Errichtung der rcvolutionairen Autoritäten und derNational- garde und kehrte in Begleitung einer jubelnden Volksmasse nach Versailles zurück. Auch wurde Necker zurückgerufen, der in der That die Eitelkeit besaß, Frankreich durch seine Finanzpläne aus dem rcvolutionairen Abgrunde herausziehen zu wollen. Die Nationalversammlung ging nun an die Abfassung der Constitution und an die Zertrümmerung des Feudalstaates, und der König bestätigte am 18. Sept. mit geringer Ausnahme sämmtliche Decrete. Erst mit dem Beschluß der Versammlung, am 21. Sept., der Krone in der neuen Verfassung ein nur suspensives V e to (s. d.) zu verleihen, gelang es der Hofpartei, den König zum Widerstande zu reizen. Über diesem Streite gerieth namentlich die Hauptstadt in neue Bewegung, und ein zufälliger Umstand trug dazu bei, daß endlich der Vulkan der Revolution mit voller Wuth ausbrach und das Schicksal des Thrones und des Königs die schnellste Wendung nahm. Neben der Bürgermiliz und der Leibgarde hatte der Hof zur Sicherung des Schlosses das Regiment Flandern nach Versailles rufen lassen, bei welcher Gelegenheit die Miliz wie die Gardisten den Offizieren des angekommenen Regiments ein Fest gaben. Zu Ende des Mahles trank man auf das Wohl der königlichen Familie, nicht aber auf das der Nation. Diese unpatriotische Stimmung stieg, als auch die Königin, ihre Kinder und ihren Gemahl mit sich führend, bei dem Gastmahle erschien. Die Soldaten weinten beim Anblick der bedrängten Familie, und die Hand voll von Offizieren zog den Degen und schwor, für den König zu sterben, die Nationalversammlung aber zu vernichten. Auch steckte man weiße Cocarden auf und trat die Nationalfarben mit Füßen. Diese Orgie erregte im Volke den höchsten Unwillen, und Geldspenden der Orleanisten an den hungernden Pöbel von Paris brachten denselben zum Aufstande. Einige Tage nachher, am Morgen des 5. Oct., rotteten sich in der Hauptstadt wüthende Haufen, darunter viele Weiber, zusammen und zwangen Lafayette (s. d.), an der Spitze von 30000 Nationalgarden und 136 Ludwig XVI. (König von Frankreich) abgefallcncn königlichen Garden mit nach Versailles zu ziehen. Gegen Abend des 6. traf der furchtbare Zug ein. Man federte von der Nationalversammlung Brot und die Bestrafung der Offiziere, welche die Nationalfarbcn beschimpft. Eine Deputation der Versammlung, begleitet von 12 Weibern aus dem Volke, begab sich zum Könige, .der Letzter« die möglichste Abstellung der Hungcrsnoth versprechen, der Deputation aber nach langem, rathlosem Zögern dicBcstätigung des suspensiven Vetos bewilligen mußte. Schon schien durch die Bemühung Lafayette's jede Gefahr für die königliche Familie beseitigt, als am Morgen des 7. eine von Wein erhitzte, von Orleans bestochene und gereizte Menge sich auf das Schloß stürzte, einzelne Gardisten ermordete und sogar in das Zimmer der Königin drang, die kaum aus dem Bett zu ihrem Gemahl entfliehen konnte. Jirdcr Wuth durchstach man das Bett und drang dann gegen das Zimmer des Königs vor; allein die Soldaten Lafa- yctte's vereinigten sich mit der Leibgarde und trieben den Haufen aus dem Schlosse. Als hierauf der Pöbel Anstalten traf, die gefangenen Gardisten an dem Eitterwerk des Schlosses aufzuknüpfcn, erschien der König auf dem Dalcon und bat für seine Gardisten um Gnade. Auf dieses Wort und die Versicherung L.'s, daß er mit Nach Paris ziehen werde, ließen die Wüthcndcn den unglücklichen König leben und auch die Königin mußte zitternd vortreten und empfing Zeichen des Beifalls. Um l Uhr Nachmittags fuhr der König mit seiner Familie, von der pariser Nationalgarde und den Pöbclhaufcu, welche die gefangenen Gardisten und die Köpfe der Ermordeten auf Piken mit sich führten, begleitet, der Hauptstadt zu; die Nationalversammlung folgte. Der König bezog die Tuilericn und verfiel hier in gänzliche Apathie. Die Nationalversammlung decrctirtc, der König bestätigte und beschwor such am l 4. Juli l799 öffentlich und ohne Vorbehalt die neue Constitution. Der Enthusiasmus, der sich bei der Feierlichkeit auch für die Dynastie zeigte, war der letzte Strahl von Glück und Hoffnung, den der schwache Monarch empfand. Unthätig und sich aufs Innigste an seine Familie schließend, schien er den Kampf der Parteien, die Wuth und den Fanatismus der Jakobiner (s. d.), die Jntrigucir und Anschläge des Herzogs von Orleans nicht zu beachten. Als er sich am 18. Apr. 1791 mit seiner Familie zur Osterfticr nach St.-Cloud begeben wollte, hielt ihn eine wüthende Menge zurück, weil man wußte, daß die Anhänger des Hofes mancherlei Fluchtpläne entworfen hatten. Bisher hatte L., aus Furcht vor dem Bürgerkriege, diese Anträge abgelehnt; allein jetzt dachte er ernstlich daran, sich mit seiner Familie zu retten. Längst schon schwebte ihm das Schicksal Karl's l. von England vor. Der Marschall Bouille (s. d.) traf Anstalten, die königliche Familie zu seinem Trnppeneorps an die lothring. Grenze zu bringen, wo man die Contrercvolution beginnen wollte. In der Nacht vom 29. zum 21.Juni reiste demnach L. mit seiner Gemahlin, seiner Schwester und seinen beiden Kindern heimlich aus Paris ab und schlug die Straße nach Montmedy ein. Zugleich ließ er unklugerwcise eine eigenhändig geschriebene Erklärung zurück, worin er gegen die Constitution und alle Acte der Nationalversammlung protestirte. Erst früh gegen 9 Uhr wurde die Abreise bekannt. Der Wagen war unangefochten bis nach St.-Menchould gelangt, wo der Postmeister Drouet (s. d.) den sich herausneigcndcn König zufällig erkannte und ihn hierauf zu Varenncs anhalten ließ. Ein Detachement Husaren, das zugegen war, hätte ihn leicht durch Waffengewalt aus den Händen des Volks und der Behörde befreien können; allein L. verabscheute das Blutvergießen. In der Begleitung von 6000 wüthenden Menschen trat er die Rückreise nach Paris an. Nachdem ihm die Nationalversammlung die Krone wieder zugcsproche», nachdem alle Dcmüthigungcn erschöpft waren, beschwor er am >4. Sept. 1791 ohne Widerrede abermals eine neue Verfassung. Mit einem Stoicismus, der nur Schwäche und Hülfslosigkeit war, ergab er sich jetzt gänzlich in sein Schicksal. Er ließ sich die Unterstützung der Girondisten (s. d.) gefallen, nahm aus dieser Partei seine Minister, willigte in die Maßregeln gegen seine emigrirten Brüder und erklärte sogar an Ostreich den Krieg. Endlich gelang cs der Königin, ihren Gemahl diesem Zustande der Lethargie zu entreißen. Nach ihrem Wunsche mußte er sich an die feindlichen Mächte wenden und von diesen seine Rettung erbitten. Er schickte Mallet-du-Pan (s. d.) mit eigenhändig geschriebenen Instructionen an die Verbündeten ab und verlangte, daß dieselben Frankreich mit Vorsicht und Schonung überziehen, ein friedliches Manifest veröffentlichen und durch ihre Gegen- 137 Ludwig XVI. (König von Frankreich) wart die Herstellung des Thrones und der Ordnung unterstützen sollten. Als auf die Nachricht von der Niederlage der Franzosen und dem Eindringen der Verbündeten die Nationalversammlung die Zusannncnzichung eines Heers von 20000 Fcde'rirtcr zum Schutze der Hauptstadt beschloß, verweigerte der König, die Ankunft der Fremden herbeiwünschcnd, die Vollziehung dieses Dccrcts. Diese Weigerung erschien in den Augen der Nation, welche die geheimen Unterhandlungen bald erfuhr oder ahncte, als Verrath und gab nun den Fanatikern und den Feinden des Hofes die beste Gelegenheit, König und Thron vollends in den Abgrund zu stürzen. In einem Aufstande vom 20.Juni l 702 drangen die bewaffneten Vorstädtcr in die Tuilericn und fodcrtcn vom Könige die Vollziehung dieses, sowie der Decrete gegen die Emigranten und widerspenstigen Priester. L., nur von einigen Dienern umgeben, ließ dieThürcn selbst öffnen und ertrug mit Ruhe und Klugheit dieBeschimpfungen des Pöbels. Er setzte die dargcrcichrc rothe Mütze auf und trank sogar aus der Hand eines schmuzigcn Kerls ein Glas Wein. Erst nach vierstündiger Pein erschien der Maire Pe- thion (s.d.) und machte der Scene ein Ende. Der von den Jakobinern förmlich organistrte Aufstand vom I0. Aug. traf auch den Hof nicht ohne Vorbereitung. Das Schloß war mit Liiücntruppcn und Nationalgardcn umgeben; das Innere vertheidigten 1600 Schweizer. Noch ehe der eigentliche Angriff geschah, erklärten die Truppen und Nationalgarden, daß sie gegen das Volk nicht schießen würden, und der König sah sich auf dcn Nath des Ee- meiudcprocurators Nöderer gcnöthigt, mit seiner Familie Schutz in dem Schoose der Nationalversammlung zu suchen. Hierwcrnahm er alsbald die Stürmung der Tuilerien und schickte den Schweizern den Befehl, die Vcrtheidigung des Schlosses aufzugeben. Da seine Gegenwart angeblich die Berathung hemmte, mußte er sich in die Loge derEeschwind- schreiber zurückziehcn, wo er l5 Stunden verweilte, den Beschluß seiner Suspension als constitutionelle Gewalt anhürte und zusah, wie die Zerstörer des Schlosses ihre Beute vor der Versammlung »iederlcgten und mit drohender Wuth die Absetzung des Monarchen verlangten. Am l l., um > Uhr des Morgens, brachte man endlich den König als Gefangenen mit seiner Familie nach dem Palast Luxembourg und von hier nach einigen Tagen ^ in den festen Thurm des Tcmple. Die eigentliche Absetzung und das Gericht über den Unglücklichen überließ die Versammlung dem am 2l. Scpt. zusammcntretendcn Nationales n v c n t (s. d.). Die Behandlung, welche die unter die Aufsicht des revolutionairen Ge- meiudcrathes gestellte königliche Familie erfuhr, war nicht eben großmüthig. Man trennte von ihr sämmtliche Diener, bis auf den Kammerdiener Cleri, und übertrug die Bewachung rohen Handwerkern, die den Gefangenen aus Mistrauen keinen Augenblick freien Verkehr »erstatteten. DerKönig zeigte in dieser Lage die Ruhe und die Ergebenheit eines Märtyrers. Er beschäftigte sich mit dem Unterrichte seines Sohnes und las während der Gefangenschaft 250 Bände. Nachdem der Convent Frankreich zur Republik umgewandelt, begann er die Verhandlungen über das Schicksal des Königs. Die Jakobiner wollten ihn ohne Umstände vcrurchcilen und hinrichten; die Girondisten drangen auf eine förmliche Procedur, um das Haupt des Unglücklichen zu retten. Am 11. Dcc. erschien L. vor den Schranken der Versammlung. Er benahm sich mit Würde, vertheidigte sich, auf sein consiitutionelles Recht hinweisend, und erhielt Tronchct, Maleehcrbes und Dcseze zu Vcrtheidigern. Bei dem Übergewichte, welches die Partei des Blutes und Schreckens bereits über alle Eemüther und über ganz Frankreich besaß, war der Ausgang des Processcs nicht zweifelhaft. Am 20.Dcc. erschien L. zum zweiten Mal vor den Schranken und nahm, nachdem ihn Dcseze vertheidigt, selbst das Wort, um seine Unschuld im Allgemeinen zu betheuern und die Blutschuld vom > 0. Aug. von sich abzuwciscn. Ungeachtet man die positiven Beweise der Unterhandlungen des Hofes mit dem Auslande bei Erstürmung des Schlosses gefunden, glaubte der König doch jede Thatsache ablcugnen zu müssen, was einen sehr widrigen Eindruck hcrvorbrachtc. Der Convent erhob hierauf unter furchtbaren Kämpfen die einfache Stimmenmehrheit bei der Fällung des Urtheils zur Regel, erklärte Ludwig Capct, wie man den König hieß, der Verschwörung gegen den Staat und die Sicherheit der Nation schuldig und bestimmte auch, daß das Urthcil, wie es auch ausfallen möge, dem Volke nicht zur Bestätigung vorgelcgt werden sollte. Seit dem > 6. Jan. endlich wurde unter dem Zudrange wülhender Volksmassen über die Strafe selbst entschieden und am ! 9. das Todcsurlhcil, i38 Ludwig XVII. ohne Aufschub und Appellation, mit 383 gegen 310 Stimmen ausgesprochen. Garat erhielt als Kriegsminister den Auftrag, dem Könige das Urtheil zu verkündigen. L. vernahm sein Schicksal mit außerordentlicher Fassung, bat aber um drei Tage Aufschub, um eine freie Zusammenkunft mit seiner Familie, von der man ihn während des Protestes getrennt hatte, und um den Beistand seines Beichtvaters Edgeworth (s. d.). Nur der Aufschub wurde ihm versagt. Nachdem er die Nacht vom 2». ruhig geschlafen und die Tröstung der Religion empfangen, bestieg er am 21. Jan. >793 den Wagen des Maire und wurd^ unter großen Sicherheitsanstalten auf den Revolutionsplatz gefahren. Um l 9 Uhr betrat er muthig das Schaffet. Als ihn die Henker gebunden, riß er sich los und riefdem Volke zu: „Franzosen, ich sterbe unschuldig; ich wünsche, daß mein Blut nicht über Frankreich komme". Trommelwirbel erstickten seine Stimme, und unter dem Ausrufe Edgeworth's: „Sohn des heiligen Ludwig, steige zum Himmel empor!" siel sein Haupt unter derGuillotine. L. starb als das Sühnopfer der Verbrechen seiner Vater und trug als Individuum keine andere Schuld, als daß ihm die Natur die Eigenschaften des großen Herrschers versagt hatte. Sein Leichnam wurde auf dem Kirchhofe St.-Madelaine neben den Gräbern der bei seiner Vermählung Verunglückten und der am I9. Aug. gefallenen Schweizer bestattet. Nach den Bestimmungen seines Testaments, eines würdigen Zeugnisses christlicher Ergebung und humaner Gesinnung, erklärte sein Bruder, der Graf von Provence, den Dauphin als Ludwig XVII. (s. d.) zum Könige, den die fremden Mächte auch anerkannten. Vgl. Soulavie, ,Mömsires Iri'.ttoriques et pali1ici»es >1» regne tio Louis XVI" (6 Bde., Par. 1891); Girtanner, „Schilderung des häuslichen Lebens, des Charakters und der Negierung L.'s XVI."(Berl. 1793); Moleville, „Uistoire cke In re- volutioo lle krance, pencksnt Iss ckerniöres nnnöe.8 cln regne eie I^uiii» XVI" (10 Bde., Par. 1891); Bournisseaux, „üistvire <>e Voni^XVI" (3 Bde., Par. 1829) und Barriere, „lim cour et I» ville sous li-oiiis XIV, XV et XVI" (Par. 1829). Ludwig XVII. (Karl), zweiter Sohn König Ludwig's XVI. (s. d.) von Frankreich und der Marie Antoinette (s. d.) von Ostreich, wurde am 27. März >785 zu Versailles geboren und erhielt den Titel eines Herzogs von der Normandie, nach dem Tode seines Bruders aber, am -t. Juni >789, die Würde des.Dauphin. Er war ein Knabe von blühender Gesundheit und munterm Wesen, zeigte Geisteskräfte und Lernbegierde und hatte die Marquise von Tourzel zur Gouvernante, den Abbö Davoux zum Lehrer. In der ersten Zeit der Revolution besänftigte man das Volk mehrmals, indem man der Menge den Pmnzen in der Uniform eines Nationalgardisten und mit den Nationalfarben geschmückt zeigte. Nach den Ereignissen vom ä. und 6. Ort. 1789 bezog er mit seiner Familie die Tuilerien, wohnte der verunglückten Flucht nach der lothring. Grenze bei und folgte auch mit seiner Schwester, der Herzogin von Angouleme (s. d.), nach der Katastrophe vom 19. Aug. 1792, seinen Altern in den Templethurm. Nach der Hinrichtung Ludwig's XVI., am 21. Jan. 1793, wurde der Prinz von seinem Oheim, dem späteren Ludwig XVIII., der sich damals in Westfalen befand, zum Könige von Frankreich erklärt. Er theilte noch mehre Monate hindurch die Gefangenschaft mit seiner Mutter. Im Juni jedoch berichteteSt.-Just, daß die gestürzten Girondisten durch eine Verschwörung den Sprößling Ludwig'sXVI. auf den Thron heben wollten, und der Convent befahl die Trennung des Kindes von der Mutter. Der Prinz wurde im Temple einem rohen, wüthenden Jakobiner, dem Schuster Simon, zur Pflege und Erziehung übergeben, der ihn aber in Gemeinschaft mit seiner Frau durch grausame Behandlung und Anleitung zu Ausschweifungen Physisch und geistig zu Grunde richtete. Hubert entriß in diesem Zustande dem Knaben die schmählichsten Beschuldigungen gegen die unglückliche Mutter. Nach dem Sturze der Schrcckensmänner vergaß man den Prinzen vielleicht absichtlich, und seine Lage änderte sich wenig. Man hielt ihn jetzt in einem Zimmer ohne Pflege und Unterricht eingesperrt; das Stroh seines Bettes wurde nie aufgeschüttelt; die Speise erhielt er vermittelst einer Drehlade; Niemand kam zu ihm, als die Jnspectoren des Temple. In diesem Zustande erloschen vollends seine Geisteskräfte und die Sprache, und sein Körper verkümmerte in Entkräftung und Rhachitis. Im Febr. >795 setzte man endlich den Gemeindcrath von Paris von der Krankheit des Prinzen in Äenntniß. Der berühmte Arzt Dussault mußte 139 Ludwig XVll. ihn besuchen, erklärte aber, daß jede Hülfe zu spät komme. Wirklich hörte das Opfer am 8. Juni > 795 auf zu leben. Auf das Gerücht von einer Vergiftung schickte der Convent eine Commission von Ärzten, welche erklärte, daß kein gewaltsamer Tod vorliege. Der Leichnam wurde auf dem Kirchhofe St.-Marguerite in die gemeinschaftliche Grube bestattet und wie gewöhnlich mit Kalk bedeckt, sodaß >815 die Reste nicht mehr aufgefunden werden konnten. Vgl. Eckard, „)le,uoiros üistori^ues üiir I^ouis XVll" (Par. 1817). Ungeachtet damals und auch spater alle dabei betheiligten Personen unzweifelhaft dargct-han, daß der Prinz wirklich gestorben, verbreitete sich, besonders unter der royalisti- scheu Partei, der Glaube, daß derselbe zur Zeit seines angeblichen Todes aus dem Gefängnisse errettet worden sei und noch lebe. Namentlich stützte man sich auf den ermittelten Umstand,. daß am 9. Juni 1795 ein von einem zehnjährigen Knaben begleiteter Mann, Namens Aujardics, auf der Straße von Paris nach Fontainebleau angehalten, den andern Tag aber wieder in Freiheit gesetzt worden war, ohne daß man in dem über das Ereigniß aufgenommenen Protokoll bemerkt hatte, wo das Kind hingekommen sei. Bald erstand eine ganze Reihe von Abenteurern, die das Gerücht von der Flucht des Prinzen ausbeuteken und die Rolle L.'s XVII. mit mehr oder weniger Geschick und Glück übernahmen. — Der erste dieser angeblichen Prinzen war Jean Marie Hervagault, der Sohn eines Schneiders zu St.-Lö, geb. daselbst am 2«. Sept. 1781. -Inder Überzeugung, daß er zu etwas Höherm bestimmt sei, entlief er >796 dem väterlichen Hause, gab sich nacheinander für den Sohn verschiedener vornehmer Familien und endlich für Ludwig XVII. aus. Er besaß viel Verstand, Takt und ein sanftes, einnehmendes Wesen und wußte die Erzählung von seiner angeblichen Flucht aus dem Temple so meisterhaft vsrzutragen, daß er sich in Frankreich unter dem alten Adel der Provinzen viele Anhänger erwarb. Man ehrte ihn hoch und hielt es für eine Gnade, wenn er Geld oder Unterstützung annahm. Die Behörden verhafteten ihn mehrmals als Landstreicher, setzten ihn aber auf Reklamation seines Vaters wieder in Freiheit, bis er 1892 zu Rheims als Betrüger zu vierjähriger Einsperrung vcrurtheilt wurde. Nie konnte man ihn überführen, daß er gegen die Regierung intriguirt oder politische Pläne verfolgt hätte. Weil ihm fortwährend Anhänger blieben, so ließ ihn Napoleon zu Bicetre einsperren, wo er 18 > 2 starb. — Ein zweiter falscher Ludwig XVll. war M a- thurin Brune au, geb. 178-1 zu Vezins bei Cholet in Anjou, wo sein Vater Holzschuhe verfertigte. Er entlief l795 diesem Handwerke, wurde 1893 als Landstreicher eingesperrt, trat hierauf in die Schiffsartillerie, desertirte jedoch bald nach Amerika. Im Sept. i 816 kehrte er aus den Vereinigten Staaten mit einem Paß zurück, in welchem er,,Karl von Navarra" genannt war. Zugleich trat er als Sohn Ludwig's XVl. und Prinz auf und spielte, als er einer Gaunerei wegen verklagt wurde, auch vor Gericht diese Rolle fort. Aus dem Gefängnisse richtete er an den brit. Statthalter auf der Insel Guernsey ein Schreiben, in welchem er denselben auffoderle, dem Hofe zu London anzuzcigen, daß der rechtmäßige König von Frankreich gefangen gehalten und gleich einem Übelthäter behandelt werde. Man brachte ihn hierauf nach Rouen. Hier nahm er einen Mitgefangenen, Namens Banzon, als Secretair an und schickte unter dem Namen des Dauphin eine Menge Briefe an hoch- gestellte Personen und den Herzog und die Herzogin von Angouleme. Zu Paris trat sogar eine Gesellschaft zusammen, die ihm reichliche Geldbeiträge zufließen ließ, aber von der Police! aufgehoben wurde. Da Bruneau sein Wesen forttrieb, stellte ihn die Regierung 1818 vor dasZuchtpoliceigericht zu Rouen, wo er sich sehr roh und anmaßlich benahm. Erwürbe zu siebenjähriger Einsperrung vcrurtheilt und da er seinen Briefwechsel nicht aufgab, >821 , auf das Fort Mont-St.-Michcl zu Caen gesetzt. Später, wahrscheinlich erst nach der Juli- revvlution, entließ man ihn in seine Heimat, wo er unter policeilicher Aussicht Holzschuhe verfertigte, nach anderer Nachricht das Bäckerhandwerk trieb. — Als ein dritter falscher Ludwig XVll. machte in den Jahren 1833 und 183-1 der sogenannte Herzog von Rich- mont großes Aufsehen, der sich auch Ludwig Hector Alfred Baron von Nichmont, Herzog von der Normandie nannte. Dieser Abenteurer hieß eigentlich Henri Hebert, war ans der Gegend son Rouen gebürtig, behauptete schon früher, daß er der aus dem Temple entflohene Sohn Ludwig's XVI. sei und richtete >828 und 1829 an die Kammern Bittschriften, in welchen er seine Titel und Rechte verlangte. Nach der Julirevolution protestirte er gegen 140 Ludwig XVlll. (König von Frankreich) die Thronbesteigung Ludwig Philipp's als der Herzog von Normandie, gab seine Memoiren heraus, in denen er die abenteuerlichsten Schicksale erzählte, und vcrthcilte viele aufrührerische Flugschriften, in denen er sein Erbrecht geltend machte. Weil er sich nicht auf die Entgegennahme von Geldspenden beschränkte, sondern den König beschimpfte und an einer Verschwörung arbeitete, die ihn auf den Thron bringen sollte, so umgab ihn die Regierung mit Spionen und stellte ihn im Oct. l 83-1 mit einigen Anhängern vor die Assi- sen zu Paris. Unter den gegen Hebert auftrctendcn Zeugen befand sich auch ein ehemaliger Gefangcnwärtcr im Tcmple, Namens Lasnc, welcher aussagte, daß der wirkliche Prinz in seinem linken Arme verschieden sei. Hebert wurde zu zwölfjähriger Einspcrrung verurcheilt, entsprang aber nach acht Monaten aus dem Gefängnisse St.-Pelagie und gelangte mit Hülfe seiner Anhänger nach London, wo er als wohlhabender Mann unter dem Namen des Herzogs von Nichmont lebte. Gegen Ende 1838 empfing er in dem Garten seines Hauses, angeblich von einem Franzosen, dessen er sich zu geheime» Sendungen bedient zu haben schien, eine starke Verwundung; doch sprach das Gericht den Beschuldigten frei, weil die Beweise unzulänglich waren. Im I. >8-13 wiederholte sich dieser Fall, fast unter ähnlichen Umständen. Hebert starb 18-15. — Während Hebert zu Paris vor den Assisen stand, trat ein gewisser Morel de Saint-Didicr vor, der im Namen des „wahren, echten Lud- wig's XVII." gegen die Anmaßungen des Abenteurers protcstirte. Dieser echte Prinz wollte kein anderer sein, alsKarl Will). Naundorf aus dcrNicderlausitz. Derselbe lebte früher als Uhrmacher zu Krossen, zeugte mit seinerFrau zehnKinder und hakte bei seinenBekann- tcn das Lob eines rechtlichen und arbeitsamen Mannes. Schon längst hielt er sich, oder gab sich für den Herzog von Normandie aus, erzählte seine romantische Flucht aus dem Tcmple und wandte sich an die Negierungen und die Herzogin von Angoulemc. Nach der Julirevolution ging er mit seiner Familie nach Frankreich und erhielt hier wegen seines bour- bonischcn Eesichtsschnittcs und der Ähnlichkeit seiner Tochter mit Marie Antoinette viele Anhänger, denen er aus Erkenntlichkeit Hofwürden verlieh. Endlich wandte er sich an die Kammern, rcsignirte aber auf die Krone zu Gunsten der Dynastie Orleans unter der Bedingung, daß man ihm standesmäßigc» Unterhalt gewähre. Die Kammern gingen über sein Gesuch zur Tagesordnung, und Naundorf gericth jetzt in große Geldverlegenheit. Er hatte zur Begründung seiner Ansprüche eine Zeitung „Uo justica" gegründet, die nach sechs Wochen wieder cinging, weil er die Caution nicht erlegen konnte. Im Febr. 1836 verklagte ihn sein gewesener Nedacteur, Thomas, vor dem Zuchtpoliceigcricht zu Paris als Jntriguanten und Betrüger und fod'erte 16660 Fr. an Auslagen und Schadenersatz. Das Gericht entschied jedoch, daß Naundorf nichts sei, nicht einmal ein Betrüger, und sprach ihn von der Anklage völlig frei. Er entfernte sich mit Würde, umgeben von zahlreichen Anhängern, die ihn ehrfurchtsvoll beglückwünschten. Seitdem lebte Naundorf mit seiner Familie in ziemlich leidktchcn Verhältnissen bald in Belgien, bald in England, mit Begründung seiner Rechte beschäftigt. Vgl. „Ludwig XVII. lebt'^ (Lpz. 1835). Ludwig XVlll. (Stanislaus kkaver), König von Frankreich, 1814 — 24, geb. zu Versailles am 17. Nov. 1755, war der vierte Sohn des Dauphin Ludwig, des einzigen Sohnes Ludwig's XV., aus der Ehe mit Marie Josephe von Sachsen. Er erhielt den Titel eines Grafen von Provence und hatte mit seinen Brüdern, dem Herzog von Berri (s. Ludwig XVI.) und dem Grafen von Artois (s. Karl X.), den rechtschaffenen aber beschränkten Herzog de la Vauguyon zum Erzieher. Seinen Brüdern an Geist überlegen, suchte er dieselben zu beherrschen und wußte sich auch zeitig der Leitung zu entziehen. Dafür umgab er sich mit Gelehrten, las die röm. Dichter und philosophische Schriftsteller und machte selbst Verse, die indessen kein großes Talent vcrricthcn. Am >4. Mai 1771 verhcirathcte er sich mit Marie Joscphinc Luise, der Tochter Victor Amadeus'4II. von Sardinien. Nach dem Regierungsantritt Ludwig's XVI. nahm er den Titel Monsieur an und wurde aus Eitelkeit und Wichtigthucrci der Gegner der Negierung. Er widersehte sich Maurcpas (s. d.) bei Zurückberusung der Parlamente und vertheidigte dabei die Prärogative der alten Monarchie. Die Reformen Turgo t's (s. d.) und Neckcr's (s. d.) feindete er als revolutionair an. In der Versammlung der Notabel» von 1787 spielte er als Bureaupräsident eine Hauptrolle und half den Minister Calonne (s. d.) stürzen, obschon gerade er von dessen 141 Ludwig XVi!i. (König von Frankreich) Verschleuderung den meisten Nutzen gezogen. Während der Verwaltung Lome'nie de Bricnne's (s. d.) trat er auf die Seite der Parlamente und machte sich dadurch sehr beliebt beim Volke. Obgleich er Necker bei dessen Rückkehr Unterstützung versprach und in der Notablenvcrsammlung von 1788 die doppelte Vertretung des dritten Standes in den Generalstaaten aufrecht hielt, so zog er sich doch beim Hcrcinbruche der Revolution gänzlich zurück und ließ den König rakhlos. In den Ereignissen vom 5. und 6. Oct. wurde er gar nicht bemerkt. Dagegen beschuldigte man ihn später, daß er damals heimlich nach der Regentschaft gestrebt habe. Inwiefern er an dem Complot des Favras (s. d.) bcthciligt war, welches die Aufhebung der Nationalversammlung und die Einsetzung einer Regentschaft zum Zweck gehabt haben soll, ist nicht klar geworden. Der Prinz hielt cs indessen für norh- wcndig, sich persönlich in cinerNede auf dem Stadthause zu verthcidigcn, wodurch er in den Augen des Volks viel gewann. Einen neuen Stoß erlitt seine Popularität durch die Veröffentlichung des sogenannten rothcn Buches, nachdem er unter Calonne 13,824000 Livr. an Bencsizicn empfangen, und außerdem auf seine Ställe jährlich 800000 Livr. verwendet hatte. Obschon er sein Wort geleistet, daß er Frankreich nicht verlassen würde, begab er sich in der Nacht vom 20. zum 21. Juni 1701 mit dem Könige auf die Flucht und gelangte, den Weg über Lille »ach der bclg. Grenze cinschlagcnd, unangefochten nach Brüssel. Jetzt erklärte er sich offen gegen die Nationalversammlung, rief die Hülfe der fremden Mächte zur Herstellung der alten Monarchie an und machte mit dem schon früher ausgcwandcrten Grafen von Artois in einem Schreiben vom 10. Scpt. 17 91 die Declaration von Pillnitz bekannt, wobei dem Könige das Recht, die Constitution anzunehmcn, abgcsprochcn wurde. Diese feindseligen Schritte der Prinzen, um die sich zu Koblenz ein förmlicher Hof bildete, ihr Eifer in der Bildung eines Emigrantenhecrs richteten den unglücklichen König vollends zu Grunde. Nachdem die Brüder der Auffodcrung Ludwig's XVI., nach Frankreich zurückzu- kehrcn, nicht gefolgt, erklärte die Nationalversammlung durch ein Dccret vom 16. Jan. 1792 den Grafen von Provence des Rechts auf die Regentschaft und Thronfolge verlustig. Bei dem Aufbruche der Preußen nach dem Rhein, im Juli >792, vereinigte sich der Prinz mit einem Corps von ungefähr 6000 Emigranten und erließ ein Manifest, das noch viel jäm- mcrlicher war, als das des Herzogs von Braunschweig. Der Rückzug aus der Champagne und das Vordringen des republikanischen Heers nöthigtcn ihn endlich, das Schloß Neuville, wo er sich während der Expedition aufgehaltcn, zu verlassen, und nach Schloß Ham in Westfalen zu gehen, wo er auch die Hinrichtung seines Bruders, des Königs, erfuhr. Bei dieser Nachricht veröffentlichte er ein Manifest, in welchem er den Dauphin als Ludwig XVl!.(s.d.) ausrief, sich selbst aber zum Regenten und den Grafen von Artois zumGe- nerallicutenant ernannte. Einige Höfe, besonders der zu Wien, verweigerten jedoch die Anerkennung seiner Regentschaft, bis nach der Hinrichtung der Königin. Er verlegte nun seinen Hof nach Verona im Vcnctianischcn und nannte sich Graf von Lille. Nach dem Tode Ludwig's XVII., am 8. Juni 1795, nahm er den Königstitel an und ließ eincProclamation erscheinen, in welcher er sich auf sein göttliches Recht berief, die Herstellung der alten Monarchie verkündigte und sich mit Heinrich IV. verglich. Auch zeigte er jetzt den Entschluß, sich persönlich an die Spitze der Insurgenten in der Vcndee zu stellen, was jedoch, bei seiner gänzlichen Unfähigkeit als General, nicht zur Ausführung kam. Die Drohungen, welche Bo- naparte an die venctian. Republik richtete, hatten die Ausweisung des Prinzen zur Folge. Er verließ am 13. Apr. 1796 Verona, ging über den St.-Gotthard und vereinigte sich mit dem Corps des Prinzen Conde, das mit der öfir. Armee verbunden war. Da ihn jedoch das Cabinet zu Wien, weil er angeblich nicht in die Vermählung dcr Tochter Ludwig's XVI. mit dem Erzherzog Karl willigte, die Anerkennung als König verweigerte, so mußte er sich unter Androhung von Waffengewalt aus dem Hauptquartier Conde's zu Mülheim entfernen. Er ging nach Dillingcn in Schwaben, wo er von einem franz. Meuchelmörder einen Streifschuß am Scheitel erhielt und begab sich von hier nach Blankenburg im Braunschweigischen. Zufolge der Revolution vom 18. Fructidor (s.d.), die alle seine Hoffnungen und geheimen Verbindungen mit Pichcgru, CambacereS, Barras, Boissy d'Anglas, Camille Jordan vernichtete, hielt er es gerakhen, sich weiter zurückzuzichen. Der Kaiser Paul gewährte ihm ein Asyl zu Mitau in Kurland, wo er am 23. März >798 cintraf. Hier bildete 142 Ludwig XVIII. (Körrig von Frankreich) sich bald aus den vornchnien Emigranten, dem Cardinal Montmorcncy, den Herzogen von Guiehe, von Villequicr und Fleury, den Grafen d'Avaray, de Lasse de St.-Priest, dem Marquis von Nesle u. s. w., ein kleiner Hof, an welchem nach achtjähriger Trennung auch die Gemahlin des Prinzen erschien- Die Verhandlung des Kaisers Paul mit der Consular- regicrung hakte jedoch zur Folge, daß der Graf Lille mit seiner Umgebung Mitau ! 80 t verlassen mußte, worauf er sich mit Bewilligung Preußens nach Warschau wandte. Bona- parte ließ ihm hier l 803 den Antrag machen, er möge seinen und seiner Familie Ansprüchen auf den franz. Thron entsagen, widrigenfalls er ihm die Unterstützung bei einigen Hofen verkümmern würde. Der Prinz wies dieses Ansinnen stolz und entschieden zurück und pro- tesiirte auch, als er die Thronbesteigung Napolcon's vernahm. Mit Genehmigung des Kai- sers Alexander kehrte er >805 nach Mitau zurück, allein der Friede zu Tilsit nöthigtc ihn gegen Ende des Jahres 1897, Zuflucht in England zu suchen, wo sich der Graf von Artois seit I796aufhiclt. Hier kaufte er 1809 das SchloßHartwcll in der Grafschaft Buckingham, das er fortan bewohnte, und auf welchem >819 seine Gemahlin starb. Er lebte sehr zurückgezogen, beschäftigte sich mit den röm. Classikern und politischen Studien und k-,m nur einmal, im J. I8lI, an den Hof nach London. Als der Sturz Napoleon s hcreindrohte, suchte er sich aus mannichfache Weise der franz. Nation zu nähern. Nach dem Rückzug aus Rußland empfahl er dem Kaiser Alexander die gefangenen Franzosen, und als die Verbündeten in Frankreich eindrangen, erließ er mit dem Grafen von Artois und Herzog von Angouleme eine vom l. Febr. >81-1 datirte Proclamation, in welcher er zwar sein göttliches Thronrccht beanspruchte, allein liberale, dem Jahrhunderte angemessene Institutionen versprach. Obschon sich durch diese Erklärung in Frankreich eine Partei für die Herstellung der Bourbons erhob, so erhielt die öffentliche Meinung doch erst eine entschiedene Richtung, als die Monarchen erklärten, daß man nicht mit Napoleon oder einem Eliede seiner Familie unterhandeln wolle. Talleyrand und noch einige andere einflußreiche Persönlichkeiten besorgten hierauf - das Übrige. Vgl. de Pradt, „Recit iiistoriqns sur la restmiration cie !a rozmute en krsnce le 31. mrrrs 1813 ". Der Senat ernannte zunächst eine provisorische Negierung, an deren Spitze Talleyrand stand. Dieselbe veröffentlichte einen vom Senat in Eile abgefaßten und am 5. Apr. 18! 1 angenommenen Constitutionsentwurf, nach welchem die Bourbons auf den Thron zurückgerufcn wurdenr Ein anderes Senatsdecret vom 3. übertrug dem Grafen von Artois die Statthalterschaft, bis sein Bruder durch die Annahme der Constitutionsacte den Thron bestiegen haben würde. Der bisherige Graf von Lille landete nun am 26. Apr. zu Calais und verweilte einige Tage zu Compiegnc, wo er die franz. Marschälle, dann zu St.-Ouen, wo er die Deputationen der Behörden der Hauptstadt empfing. Von St.-Ouen aus erklärteer, daß er der Nation kraft seines Herrscherrechts eine Constitution verleihen werde, den Entwurf des Senats aber im Besonder« nicht annehme. Am 3. Mai hielt er hierauf, nach vierundzwanzigjährigcm Exil, als König von Frankreich seinen Einzug in die Hauptstadt; einen Monat später, am 3. Juni, empfing die Nation aus seinen Händen die constitutionelle Charte. (S. Frankreich.) Wiewol L. hierdurch» wie durch seine andern ersten Regentenhandlungen an die absolute Monarchie anknüpftc und den Charakter der Revolution und die Stimmung der Nation gänzlich verkannte, so würde er sich bei der Milde seiner Gesinnung gewiß mit dem neuen Zustande versöhnt haben, hätte sich nicht sogleich die alte Adels- und Priesterpartei, an deren Spitze der Graf von Artois stand, zwischen das Volk und den schwachen Monarchen geworfen. Die wichtigsten Bestimmungen der Charte, die Preßfreiheit, das Eigenthumsrecht, der Rechtsschutz wurden sogleich mit Füßen getreten und die Anhänger des Kaisers, die Republikaner und die Protestanten mit Wuth verfolgt. Erst auf die Nachricht von der Landung Napoleon's lenkte der König selbst um, beschwor aufs neue die Charte und erließ freisinnige Proclamationen; allein allesDics, wie die Anstrengung der Prinzen und cinzelnerGe- trcuen in den Provinzen, war vergeblich. Bei der Annäherung des Kaisers verließ der König mit seiner Familie in der Nacht vom l9. zum 29. März 1815 Paris und floh nach Lille, von wo aus er sich am 23., in der Gefahr gefangen zu werden, über Ostende nach Gent begab. Hier fanden sich auch alsbald alle die sogenannten Getreuen ein, deren Wuth er dieses zweite Exil zu verdanken hatte, und die ihr Privatinteresse zu dem der Dynastie machten. 143 Ludwig Philipp (König der Franzosen) Nach der Schlacht von Waterloo erließ L. zu Cambray eine Proclamation vom 25. Juni, in welcher er vor der Nation seine begangenen Fehler cingcstand, sich mit der Unkenntniß des neuen Geistes entschuldigte und eine allgemeine Amnestie, mit Ausnahme der Verrä- thcr, und die Sicherung der Charte durch neue Bürgschaften versprach. Unter dem Schutze des Herzogs von Wellington hielt er hierauf am S. Juli 1815 seinen Einzug in Paris und erneuerte seine Versprechungen. Demungeachtet ließ er sich sogleich von der alten Partei, die gänzlich den Zustand von 1789 wollte und sich daher Lectili^nes nannte, beknechten und gab die Staatsgewalt dem maßlosesten Fanatismus preis. Durch eine Ordonnanz vom 16. Juli wurde die Armee aufgelöst und an die Stelle der alten Offiziere traten Männer, die oft nie die Waffen geführt. Eine andere Ordonnanz vom 24. Juli bezeichnte die Verräther; 19 Generale und Offiziere wurden auf den ersten Griff vor ein Kriegsgericht gestellt; 38 wurden verbannt, darunter mehrcCivilbeamte; 29 wurden derPairschastentsetzt. Gegen seinen Charakter zeigte sich der König bei derVerurtheilungNey's (s. d.), Lab edoyere's (s. d.), Lavalette's (s. d.) u. A- unerbittlich. Die am 7.Oct. eröffnte Kammer (s. OKsmdre intron vakle) war durch die Regellosigkeit bei den Wahlen so mit ultraroyalistischen Fanatikern angefüllk, daß der Herzog von Nichelieu (s. d.) dem Könige ricth, dieselbe am 5. Sept. 1816 aufzulösen. Dieser Maßregel folgten royalistische Complote, welche den Umsturz der Charte und die Entthronung L.'s zum Zwecke hatten. In den Provinzen scharten sich von Adeligen oder Priestern geführte Mörderbanden zusammen, die ungestraft die Anhänger der Revolution, oder auch unter dem Deckmantel der Politik die Protestanten zu Hunderten hinschlachteten. Die Gefängnisse waren mit politisch Angeklagten angefüllt, die Tribunale, mit Processen überhäuft. Kaum mar es dem Ministerium Decazes (s. d.) gelungen, den Sturm zur Freude des Königs etwas zu besänftigen, als die Ermordung des Herzogs von Bcrri (s. d.), am 13. Febr. 1829, der ultraroyalistischen Partei aufs neue ihre Stärke verlieh. Die nächste Folge davon äußerte sich in der Abschaffung des freisinnigen Wahlgesetzes, im Juni 1829, und in dem verstärkten Einflüsse des Grafen von Artois, der Villele (s. d.) ins Ministerium brachte. Zur Stärkung der Legitimität und Befestigung des monarchischen Princips ließ sich auch der geistig und körperlich schwache König im I. 1823 noch zu dem rühmlosen und kostspieligen Feldzuge nach Spanien verleiten. Nach diesem letzten Triumphe starb er, schon längst an Gicht und Fettsucht leidend, am 16. Sept. 1824. Die undankbaren Priester verweigerten dem Todten die kirchlichen Ehren, weil er den Wunsch g'ehegt hatte, nach der Charte zu regieren. In seinem Privatleben war L. liebenswürdig, nur besaß er die Schwachheit, als Dichter und Gelehrter zu gelten, und cor- rigirte jungen Schriftstellern, die sich an ihn wendeten, gern die Manuskripte. Er selbst schrieb anonym in die Zeitschriften und gab eine Menge Schriften und Gedichte heraus, die, wenn sie auch in der That von ihm hcrrühren, jetzt ohne Bedeutung sind. Vgl. „Kle'moire^ ,ii8 XVlll" (Par. 1832), die großes Interesse besitzen, wenn auch der Herzog von Doudcauville die Autorschaft abgclehnt hat. Ludwig Philipp, König der Franzosen seit der Revolution von 1 839, geb. zu Pa- ris am 6. Oct. 1773, isfider älteste Sohn des Herzogs Ludwig Philipp Joseph von Orleans (s. d.) und der Prinzessin Louise Marie Adelaide von Penthievrc. Bei der Geburt erhielt er den Titel eines Herzogs von Walvis, 1785 den eines Herzogs von Chartres. Sein erster Erzieher war der Chevalier Bonnard, ein sehr gebildeter Artillerieoffizier. Im 1.1782 übertrug jedoch der Herzog von Orleans die Erziehung seiner Kinder seiner Freundin, der Frau von G enlis (s. d.). Das Erzichungssystem, welches die berühmte Frau verfolgte, war den philosophischen Grundsätzen jener Zeit entsprechend und entfaltete sehr glücklich die ausgezeichneten Geistesanlagen ihres älteste» Zöglings. Der Prinz erlernte die neuern Sprachen, stählte Geist und Körper durch physische Abhärtung und empfing überhaupt statt religiöser eine tüchtige Vcrstandesbildung. Wäre auch nicht die Stellung seines Vaters zum Hofe eine feindselige gewesen, so mußte sich doch der Herzog von Chartres schon der Erziehung nach den Frciheitsideen der beginnenden Revolution zuwcnden. Er trat in die Nationalgarde, als sich dieselbe bildete, und nach dem Beispiele seines Vaters am 1. Nov. 1799 sogar in den Club der Jakobiner, die sich damals noch die Constitutions- freunde nannten. Nachdem er 1791 den Befehl über sein Regiment zu Vcndöine über- 144 Ludwig Philipp (König der Franzosen) nsmmen, wurde er im Aug. mit demselben nach Valenciennes verseht, wo er als ältester Oberst den Befehl über den Platz übernahm und durch kluges Betragen die öffentliche Meinung gewann. Beim Ausbruche des Kriegs trat er unter Befehl des General Viron und zeichnete sich schon im Apr. >792 in den Gefechten bei Guicvrin undBoussu durch Tapferkeit aus. Am 7. Mai zum Marcchal-de-Camp ernannt, befehligte er in der Armee Luckner's (s. d.) eine Cavaleriebrigade, stieg dann unter Kellermann (s. d.) am 7. Sept. zum Gencrallieutenant und leistete als solcher am 29. Sept. in der berühmten Kanonade bei Valmy glänzende Dienste. Hierauf ging er in die Armee Dumouricz's über und gewann mit demselben gemeinschaftlich am 6. Nov. die wichtige Schlacht bei Je map. pes (s. d.). Zufolge der Ereignisse vom > 9. Aug. hatte der Prinz längst seine Titel abgelegt und gleich seinem Vater den Namen Eg alite angenommen. Als der Convent die Verbannung über alle Bourbons verhing, erlangten Vater und Sohn ein Ausnahmegesetz. Aber nach der unglücklichen Schlacht bei Neerwinden am 18. Mär; 1793, wo der Prinz das Ccntrum befehligte, wurde die Lage desselben höchst mislich. Dumouricz soll damals den Plan gehegt haben, den Herzog von Chartres auf den constitutionellen Thron zu hc. ben; ob der Herzog davon wußte, ist nicht bekannt. Doch wurde er in den Vcrhaftsbefehl gegen seinen Obcrgeneral eingeschloffcn und trat mit demselben am 4. Apr. >793 auf das östr. Gebiet. Er ging hierauf, die Anerbietungen Ostreichs zurückweiscnd, nach der Schweiz und suchte daselbst seine Schwester Adelaide aus, die er mit Frau von Ecnlis vor seinem Austritt aus Frankreich schon in Sicherheit gebracht hatte. Zu Zürich, zu Zug und an andern Orten fehlte cs indeß den Behörden an Muth, ihm eine Freistätte zu gewähren. Der Prinz ließ darum seine Schwester in einem Kloster zu Bremgarten im Aargau und irrte vier Monate, von einem treuen Diener begleitet, in den Bergen umher. Endlich verschaffte ihm der ebenfalls ausgewanderte General Montesquiou die Stelle eines Lehrers der Geographie und Mathematik an der Schule zu Reichenau bei Chur. Zn dieser Stellung, die er durch ein Examen gewann, blieb er unter dem Namen Chabaud-Latonr acht Monate verborgen und erwarb sich die Achtung seiner Schüler wie der Bürger. Als er die Hinrichtung seines Vaters erfahren, legte er das Amt nieder und begab sich nach Bremgarten zu Montesquieu, als dessen Adjutant er längere Zeit unter dem Namen Corby galt. Hier faßte er, nachdem seine Schwester zur Prinzessin Conti nach Baicrn abgereist, den Entschluß, nach Amerika auszuwandern und begab sich deshalb nach Hamburg. Aus Mangel an Mitteln verschob er jedoch seinen Plan und machte eine Reise durch Dänemark, Schweden, Norwegen bis ans Nordcap hinauf. Nach seiner Rückkehr nach > Hamburg, zu Anfänge des Z. 1796, lebte er einige Zeit in sehr dürftigen Verhältnissen. Seine Mutter, die Herzogin-Witwe, sowie seine beiden Brüder, der Herzog von Montpcn- sier und der Graf Beaujolais, waren unterdeß in Frankreich frcigclasscn worden. Doch stellte das Directorium die Bedingung, daß der älteste Prinz Europa verlassen sollte. Der Herzog von Orleans, wie er nach dem Tode seines Vaters hieß, schiffte sich demnach am 24. Sept. !796 ein und kam am 21. Oct. in Philadelphia an. Mit den Ereignissen vom 18. Fructidor wurden jedoch die kaum freigegebenen Güter der Familie Orleans wieder eingezogcn und die Bourbons vom Boden der franz. Republik nochmals verbannt. Die Herzogin-Witwe mußte mit einer Rente von-199999 Fr. nach Spanien auswandern; die jüngern Brüder aber folgten dem ältesten und landeten im Fcbr. >797 in Amerika. Die drei Prinzen bereisten nun gemeinschaftlich die Vereinigten Staaten und schiffun sich endlich nach England ein, wo sie im Febr. 1899 zu Falmouth landeten. Nach einem vergeblichen Versuch des ältesten, die Mutter in Spanien aufzusuchcn, lebten nun die Brüder länger als sieben Jahre im Dorfe Twickenham bei London von den Ersparnissen der Mutter. Im I. >897 starb jedoch der Herzog von Montpcnsicr an einem Brustübcl, und da der Graf von Beaujolais auch erkrankte, brachte ihn sein Bruder nach Malta, wo er ebenfalls starb. Der Herzog von Orleans reiste nun nach Sicilicn, wo der König Ferdinand l. (s. d.), der Hälfte seines Reichs beraubt, zu Palermo Hof hielt. Er wurde daselbst sehr gut ausgenommen und faßte Neigung zu der zweiten Tochter des Königs, der Prinzessin Marie Amölie, gcb. am 26. Apr. 1782. Ehe die Vermählung staktfand, schickte ihn jedoch Ferdinand mit dem Prinzen Lecpold von Salerno nach der span. Küste, um hier 145 Ludwig Philipp (König der Franzosen) die Lache der Bourbons gegen Joseph Bonaparte aufrecht zu erhalten. Die Prinzen landeten zu Gibraltar; aber auf Betrieb Englands wurde Leopold festgehalten und der Herzog von Orleans im Sepk. l 808 nach London gebracht, wo er mit Mühe die Erlaubniß zur Rückkehr nach Palermo erhielt. Ehe er sich zu PortSmouth cinschifftc, traf er nach langer Trennung seine Schwester, die nun mit der aus Spanien vertriebenen Mutter am 2',. Nov. >8'!!» seiner Vermählung mit der Prinzessin Marie Amelie beiwohnte. Kurz darauf wurde der Herzog von Orleans von der Junta zu Sevilla nach Spanien berufen. Man hoffte, daß seine Gegenwart an der Spitze eines Heers in Katalonien diese Provinz und auch das südliche Frankreich zum Aufstande gegen Napolcon's Herrschaft bringen würde. Auf einer span. Fregatte schiffte er sich am 2 l. Mai 1810 ein, kam zu Tarragona an, fand aber keine Armee. Er begab sich nach Cadiz, wohin die Junta geflohen war; allein die Spanier hatten den Muth verloren und fürchteten die Einmischung Englands. Nachdem die Versammlung der Cortes den Prinzen zur Abreise aufgefodert, kehrte er am 3. Oct. nach Sicilien zurück. Zu Palermo, wo sich ihm, das glücklichste Familienleben cröffnete, wurde indeß seine Stellung der Königin Marie Karoline gegenüber äußerst schwierig. Auf die Nachricht von dem Sturze Napolcon's reiste der Herzog von Orleans sogleich nach Paris, wo er von Ludwig XVIIl. nicht ohne Mistrauen ausgenommen und am 13. Mai 1811 zum Generaloberst der Husaren ernannt wurde. Nach einigen Wochen holte er von Palermo seine Familie und bezog endlich, nach einem langen Exil und dem schicksalvollsien Leben, das Palais Royal, die Wohnung seiner Väter. Auf die Nachricht von Napolcon's Rückkehr mußte er nach Lyon zur Unterstützung der Operationen des Gra- fen von Artois abgchcn, kehrte aber, da alle Anstrengungen vergebens waren, sogleich nach Paris zurück und beschwor in der Kammersitzung vom 16. März 1815 mit dem königlichen Hause die konstitutionelle Charte. Nach dem ebenso vergeblichen Versuche, die nördlichen Departements den Bourbons zu erhalten, verließ er am 2ä. März 1815 Lille und zog sich nach England in das Dorf Twickenham zurück, wohin ihm schon seine Familie vorausgegangen war. Nach seiner Rückkehr im Juli 1815 hakte er Mühe, die Aufhebung der von der kaiserlichen Negierung angeorbncten Sequestration seiner Güter zu erlangen. Die Entfernung Ludwig's XVIli. von ihm war noch größer geworden, indem die Parteien im Laufe der Ereignisse den Herzog von Orleans als Thronfolger vorgeschlagen hatten. Auch misstet die Mäßigung, die er dem Hofe anrieth, und die er offen in der Pairskammer geltend machte.. Je mehr dadurch seine Popularität stieg, um so heftiger brach der Haß des Hofs und der Prinzen gegen ihn los. Der Herzog von Orleans entfernte sich darum freiwillig und reiste am 2:;. Oct. >815 nach Twickenham, wo sich noch seine Familie befand. Erst nachdem mit der Aufhebung der tlllumbre intronvublo (s. d.) der Hof eine gemäßigtere Richtung cinschlug, kehrte er zurück und genoß nun in Ruhe sein immer noch großes Vermögen, das ihm die Revolution zurückgelassen. Sein Hof wurde ein Sammelplatz freisinniger und wissenschaftlicher Geister, und allmälig erwuchs eine Stimmung für das Haus Orleans, welche dessen künftige Erhöhung vorbereitete. Auch die Söhne des Herzogs, die in öffentlichen Anstalten ihre Bildung erhielten, genossen einer großen Popularität. Dessenungeachtet kann man Ludwig Philipp, dessen Scharfsichtigkeit allerdings die Ereignisse vorauesehcn mochte, nicht vorwerfcn, daß er sich in politische Jntriguen gegen die ältern Bourbons verwickelte. Nach der Thronbesteigung Karl's X. gestaltete sich sogar sein Verhältniß zum Hofe freundlicher. Auch nahm er an den Ereignissen, welche der Revolution von 18:16 vorangingen, weder auf Seiten des Hofs noch des Volks irgend einen Antheil. Während der blutigen Tage vom 27., 28. und 20. Juli hatte ihn der Hof zu St.- Cloud ganz vergessen und jede Maßregel gegen den Prinzen, der jetzt politische Wichtigkeit erlangen mußte, verabsäumt. Auch zu Paris wurde sein Name während des Kampfes nicht genannt. Nur L affitte (s.d.) hatte ihn seit dem 28. Juli ermuntert, die Gelegenheit zu ergreifen. Als am 26. auf dem Stadthause die Absetzung Karl'sX. ausgesprochen worden, beschloß die provisorische Kammer auf Lafsitte's Vorschlag am 50., dem Herzog von Orleans die Regentschaft als Generallieutenant des Reichs anzutragen. Der Herzog kam hierauf in der Nacht vom 30. zum 31. nach Paris, nahm die Würde an und trat auf dem Com,.-Lex. Neunte Aufl. IX. 10 146 Ludwig I. (König von Baiern) Stadthause, wo die republikanische Partei unter Lafayette (s. d.) ihren Sitz hatte, dem sogenannten Juliprogramm bei, welches einen mit republikanischen Institutionen umgebenen Thron versprach. Nachdem der Regent die Kammern am 3. Aug. berufen, erhielt der Depukirte Berard den Auftrag, die Charte umzuarbeitcn. Doch wußten schon damals der Regent und die Do ctrinaires (s. d.) zu verhindern, daß sich die Umgestaltung über wenig mehr, als die einleitenden Grundsätze erstreckte. In einer Sitzung der Kammer am 9. Aug. beschwor hierauf Ludwig Philipp die reformirte Charte und bestieg als König der Franzosen den Thron. Obgleich er in der That seine Krone aus den Händen der Nation empfangen, war er doch schon früher mit seinen Freunden der Überzeugung, daß ihm die Thronfolge nach dem Sturze der altern Linie als dem Haupte des jüngern Zweiges rechtmäßig gehöre. Unter dieser Form machte er den fremden Mächten seine Erhebung bekannt, verpflichtete sich zu den Verträgen von 1814 und 1815 und empfing seine Anerkennung. In Voraussetzung dieser Legitimität und auf die mittlere Bürgerclaffe gestützt, die mittels des Wahlgesetzes fortwährend den Ausschlag in der Volkskammer gibt, suchte er auch sogleich im Innern den demokratischen Bewegungen Grenzen zu setzen und den Grundsatz desä II sr L miIie II (s. d.) oder der rechten Mitte geltend zu machen. Unter den zahllosen Verschwörungen und Erneuten, die sich alsbald gegen die Politik der neuen Negierung richteten, mußte zuvörderst das Interesse und die Befestigung der Julidynastie die Hauptaufgabe des Bürgerkönigs werden- (S. Frankreich.) Diesem Interesse gemäß ist der König nach außen der Apostel oder der Napoleon des Friedens geworden, während ihm im Innern die Erhaltung des ststns yno und die Durchführung, einer weitgreifcnden, von dem königlichen Willen in Person geleiteten Verwaltung Alles gilt. Männer, wie Per- rier (s. d.), Guizot (s. d.), Mole (s. d.), Thiers (s. d.), haben ihm dazu, oft gegen ihre Absicht, ihre Kräfte gewidmet. Der positive Gewinn, den Frankreich bisher aus dieser Fesselung seiner politischen Kräfte und Leidenschaften erfahret, zeigt sich unstreitig in einer nie dagewesencn Entwickelung seines materiellen Lebens. Bewunderung erregte es, daß weder eine Reihe Mordversuche auf den König, noch Alter, noch selbst Familienunglück den energischen Charakter desselben gelähmt, noch seinen Geist niedergebeugt haben. Aus seiner Ehe mit Marie Amelie von Sicilien entsprangen: I) der älteste Sohn Ferdinand, Herzog von Orleans (s. d.), gest. am 13. Juli >842; 2) Ludwig, Herzog von Nemours, geb. am 25. Oct. 1814; 3) Franz, Prinz von Joinville, geb. am >4. Oct. 1818; 4) Heinrich, Herzog von Aumale, geb. am >6. Jan. >822; 5) Anton, Herzog von Montpensier, geb. am 31. Juli 1824 ; 8) die Prinzessin Louise, geb. am3.Apr. > 812 , die Gemahlin des Königs der Belgier, Leopold; 7) die Prinzessin Marie, geb. >813, gest. >839 als Gemahlin des Herzogs Alexander von Würtemberg; 8) die Prinzessin Clementine, geb. 1817, vermählt mit dem Prinzen August von Sachsen-Koburg-Eo- tha. Der Herzog Ferdinand von Orleans hat aus seiner Ehe mit der Prinzessin Helene von Mecklenburg-Schwerin hinterlassen: I) den Kronprinzen Ludwig Philipp, Grafen von Paris, geb. am 24. Aug. 1838, und 2) Robert, Herzog von Chartres, geb. am 9. Nov. 184»; die Prinzessin Marie einen Sohn, den Herzog Alexander Philipp, geb- 1838. Der Herzog von Nemours, der sick mit der Prinzessin Victorie von Sachscn-Ko- burg-Gotha vermählte, zeugte mit ihr zwei Söhne: 1) Ludwig, Grafen von Eu, geb. 1842, und 2) Ferdinand, Herzog von Alcncon, geb.I844; der Herzog von Joinville, vermählt mit Donna Francisca von Brasilien, ist Vater einer Tochter, Francis ca, geb. 1844. Die Schwester des Königs ist die Prinzessin Ad ölaide, geb. 1777. Vgl.Birch, „Ludwig Philipp I., König der Franzosen" (2 Bdc., Stuttg. 1841—43). Ludwig I. (Karl Aug.), König von Baiern seit 1825, der crstgeborne Sohn und Nachfolger des Königs Maximilian Joseph aus dessen erster Ehe mit Marie Wilh. Auguste, Prinzessin von Hessen-Darmstadt, wurde am 25. Aug. 1786 geboren. Er besuchte die Universitäten zu Landshut und Güttingen, machte dann den Krieg gegen Ostreich und in Tirol mit und vermählte sich am 12. Oct. 181» mit der Prinzessin Therese von Sachsen- Hildburghauscn (jetzt Sachsen-Altenburg), geb. am 8. Juli >792. An den spätern Feld- Zügen sich zu betheiligen, wurde ce dirrch seine schwächliche Gesundheit abgehalt-n. Als Kronprinz nahm er an den Negierungsgcschäften sehr wenig Antheil, lebte abwechselnd in Ludwig I. (Großherzog von Hessen-Dnrrnstndt) 147 Salzburg, Innsbruck, Würzburg und Aschaffenburg und widmete sicl> mit Ernst den Wis- scnsckaftcn und Künsten. Sparsam in seinem Privatleben, konnte er schon zu jener Zeit beträchtliche Summen auf den Ankauf von Kunstschätzcn und die Erbauung eines prachtvollen Museums (der Glyptothek) zur Aufnahme der Meisterwerke der Sculptur verwenden. Sobald er am 13. Oct. 1825 den Thron bestiegen (s. Baicr»), traten im Staatshaushalte mehre Reformen ein, welche von dem Grundsätze strenger Ökonomie ausgingen. Der Geschäftsgang wurde vereinfacht und selbst die Presse wurde der drückendsten Fesseln entledigt. BeiseinerLiebe für Künste und Wissenschaften, insbesondere für Bildhauerkunst, Malerei und Baukunst, entfalteten sich die letzter» zur schönsten Blüte. Er zog ausgezeichnete Gelehrte und Künstler in seine Nähe, verlegte die Universität von Landshut nach München, reorganisirte die Akademie der Künste und ließ die prachtvollsten Bauten aus- führcn, unter denen wir nur die Pinakothek, das Odeon, den königlichen Palast und mehre Kirchen in München (s. d.), die Walhalla (s. d.) bei Regensburg und den Ludwigskanal (s. d.) anführen. Auch trat er selbst als Dichter auf. Seine „Gedichte" (Münch. 182«; 3. Aust., 3 Bde., 1839) geben, wenn auch oft gegen die Form verstoßend, cm schönes Zeugniß seinesEemüths. Ihnen schlossen sich „Walhalla's Genossen" (Münch.>833) an. Wählend so der Anfang und die ersten Jahre seiner Negierung zu den schönsten Hoffnungen berechtigten und die Aufmerksamkeit von ganz Deutschland erregten, wendete sich die öffentliche Meinung später mehr und mehr von ihm ab in Folge seines übertriebenen Eifers für die Wiederherstellung von Klöstern, sowie wegen seiner Maßnchmungen in politischer wie in kirchlicher Beziehung, ohne jedoch deshalb seine großen Verdienste um Kunst und Wissenschaft zu verkennen. Mit seiner Gemahlin zeugte er vier Söhne und ebensoviel Töchter: l) den Kronprinzen Maximilian, gcb. am 28. Nov. >811, vermählt seit 1832 mit der Prinzessin Maria von Preußen, die am 25.Aug. 1835 von einemSohne Otto Ludwig entbunden wurde; 2) den Prinzen Otto, König von Griechenland (s. d.); 3) L uitp.o ld, geb. 1821, vermählt 1833 mit der Erzherzogin Auguste von Toscana, dem 1835 ein Sohn, Ludwig, geboren wurde; 3) Adalbert, gcb. 1828; 5) Mathilde, gcb. 1813, seit 1833 Gemahlin des Erbgroßherzvgs Ludwig von Hessen; 6) Adel- gund e, gcb. 1823, vermählt seit >832 mit dem Erbprinzen Franz von Modena; 7) Hildegard, geb. 1825, seit 1833 Gemahlin des Erzherzogs Albrccht von Ostreich; und 8) Alexandra, gcb. 1826. Ludwig I-, Großhcrzog von Hessen-Darmstadt, geb. am 13. Juni I753 zuPrenz- low in der Uckermark, wo damals sein Vater, der nachmalige Landgraf Ludwig IX., als preuß. Generalmajor in Garnison stand, wurde hauptsächlich unter der Aufsicht seiner Mutter, Henriette Karoline, Prinzessin von Zwcibrückcn-Birkcnfcld, erzogen und von dem Geschichtsschreiber Wenck unterrichtet. Er bezog 1769 die Universität zu Leyden, machte dann eine Reise durch die Niederlande, Frankreich und England und trat >773 in russ. Kriegsdienste, die er aber bald wieder verließ. In Darmstadt beschäftigte er sich sodann mit Wissenschaft und Kunst, während er gleichzeitig dem Militair große Aufmerksamkeit widmete. Nachdem er sich1 7 7 7 mit Luise Karoline Henriette, Tochter des Landgrafen Georg Wilhelm von Hessen-Darmstadt, einer geistvollen und liebenswürdigen Prinzessin, vermählt hatte, lebte er in stiller Zurückgezogenheit, bis ihn der Tod seines Vaters, am3.Apr. 179», unter dem Namen Ludwig X. zur Negierung berief. Bald nachher verlor er seine Hanau-lichtenbergischen Besitzungen. Seine Truppen kämpften am Rhein, im Elsaß und in den Niederlanden; er selbst wohnte der Belagerung von Mainz bei. Endlich sah er sich genöthigt, seine Residenz zu verlassen und sich erst nach Gießen, später nach Sachsen zu begeben. Erst im März 1799 kam cs zu einem Separatfrieden zwischen Hessen-Darmstadt und Frankreich. Für den Verlust seiner Besitzungen auf dem linken Rhcinufer wurde er im Neichsdeputationshauptschluß unter Andern, durch das Hcrzogthum Westfalen entschädigt. Nur nach langem Kampfe trat er am I. Ang. 1896 dem Rheinbünde bei und wurde souveraincr Großfürst. Als solcher nannte er sich nun Ludwig I. Bereits am I. Oct. 1896 hob er die in einem Thcile des Landes bestehenden alten Landständc auf. Die Verbindung mit Frankreich kostete ihm große Opfer, und Hessen fochten bei Badajoz, bei Wagram und in 10 * 148 Ludwig 1l. (von Hessen-Darmstadt) Ludwig Wilhelm l. (von Baden) Rußland. Nichtsdestoweniger zögerte er gewaltig, sich den Verbündeten anzuschliefien, was erst im Nov. 1813 durch die frankfurter Convention geschah. Auf drin wiener Co„- gresse erwarb er für Westfalen die Rhcinprovinz. Sein Land, das beim Antritte seiner Negierung auf IW lüM. 300000 E. umfaßte, bestand jetzt aus einem Areal von >85 lüM. mit 680000 E. Es war zwar Friede, aber im Lande herrschte Währung. Gute und böse Absicht, Streben nach Freiheit und Arisiokratcnumtriebe mischten sich durcheinander. Truppen marschirten und Untersuchungen waren im Gange, bis die Verfassungsurknnde vom 17. Dec. 1820 die Spannung friedlich löste. Nachdem er am 23. Oct. 1829 seine Gemahlin durch den Tod verloren, starb er selbst am 6. Apr. > 830. Er war freisinnig und hochherzig in seinen Ansichten. Der Redefreiheit trat er niemals, selbst unter Napoleon nicht in den Weg; geheime Policei würde er nie geduldet haben. Auch hattcHesse» bis zum Erscheinen derBundcstagsbeschlüssc von I8I0vollePreßfreiheit und selbst nachher eine ge- lindeCensur. Erwarrcligiös und tolerant; Künstlerfreund und eifrigerFürdererderWisscn- schaft. Wegen seiner Vorliebe für das Theater mußte er häufig lauten, bitter» Tadel erdulden. Er war einfach, ohne Prunk und bei aller reichen Bildung, allem Verstand und der vielfachsten Kenntniß doch natürlich und selbst oft derb, besonders im Ansdrucke. Seine Abneigung gegen Nheinhessen, das er nie besuchte, war Ursache, daß manches Gute vo» dort nicht herübcrkam. Ihn folgte in der Negierung sein Sohn Ludwi g II. (s. d.). Ein großartiges Denkmal wurde ihm in Darmstadt auf dem Luisenplaßc im I. >813 errichtet. Ludwig II-, Eroßherzog von Hessen-Darmstadk seit 18.30, der Sohn des Vorigen, geb. am 26. Dec. 1777 zu Darmsiadt, machte seine Studien unter Leitung des nachherigcn Geh. Raths von Pctcrsen in Leipzig. Im I. 1803 vermählte er sich mit Wilhelmine, der Tochter des Erbprinzen Karl Ludwig von Baden, die am 27. Jan. >836 verstarb, und lebte nun bis zu seinem Regierungsantritte am Apr. 1830 meist still in Darmstadt. An eigentlichen Ncgicrungsgeschäften durfte er keinen Anthcil nehmen. Dagegen wurde er behufs der Ausarbeitung des Entwurfs der Vcrfassungsurkunde, gleich seinem Bruder, dem Prinzen Emil (s. d.) von Hessen, dem Ministerium beigcgebeu. Auch nahm er, wie früher an den landstäudischcn Versammlungen, nach Einführung der Constitution an den Sitzungen der erstenKammerAntheil; doch beteiligte er sich nur sehr selten an dcrDiscus- ston. Ebenso war er von 182.3 an Mitglied des Staatsraths. Er hatte keine kostspieligen Liebhabereien, war aber dessenungeachtet)» auschnliche Schulden versunken, deren Übernahme auf die Staatsschuldenkilgungskassc ihn sofort nach seinem Regierungsantritte mit den Ständen, die solches ablehnten, in Conflict brachte. Er versuchte Ersparnisse im Staatshaushalte und man war von seinem aufrichtigen Willen, nur das Beste des Landes zu wollen, überzeugt; nichtsdestoweniger brachen auch in Hessen im Oct. 1830 Unruhen aus. Großen Jubel veranlaßte sowol in Hessen, wie im übrigen Deutschland die von ihm im Jan. 1830 ausgesprochene Begnadigung der verurthcilten politischen Eefangeubn. Der Eroßherzog ist Witwer geblieben und aus der Ehe mit seiner verstorbenen Gemahlin stammen drei Söhne und eine Tochter: I) der Erbgroßhcrzog Ludwig, geb.'am 0. Juni 1806, vermählt seit >833 mit Mathilde, der Tochter des Königs Ludwig von Baiern, geb. am 30. Aug. 181.3, jedoch in bis jetzt kinderloser Ehe; 2) Karl, geb. am 23. Apr. > 800, vermählt seit 1836 mit Elisabeth, der Tochter des Prinzen Wilhelm von Preußen, geb. am 18. Juni >815, mit der er die Prinzen Ludwig, geb.am > 2. Scpt. 18.37, und Heinrich, geb. am 28. Nov. >838, und die Prinzessin, Maria Anna, geb. >83.3, gezeugt hat; 3) Alexander, geb. am 15. Juli >82.3; und 3) Marie, geb. am 8. Aug. 1 823, -seit 1831 die Gemahlin des Großfürsten und Thronfolgers von Rußland, Alexander Ni- kolajewitsch. Außerdem leben noch drei Brüder des Eroßherzogs, Georg, geb. 17 80, Friedrich, geb. 1788, und Emil, geb. 1700. Ludwig I.— VI., Landgrafen von Thüringen (s. d.). Ludwig Wilhelm I., Markgraf von Baden-Baden, einer der ausgezeichnetsten Generale seiner Zeir, der Sohn des Erbprinzen Ferdinand Maximilian, und der Prinzessin Luise Christiane von Carignan, und der Enkel des Markgrafen Wilhelm's I. von Baden-Baden, wurde in Paris am 8. Apr. 1655 geboren und von Ludwig XI V . aus der Taufe gehoben. Die Mutter wollte ihn in Paris, wo sie getrennt von ihrem Gatten lebte, Ludwig (Erzherzog v. Ostreich) Ludwig (Prinz v. Preußen) 119 erziehen, abcr Vater und Großvater nahmen ihn in einem Alter von drei Monaten heimlich weg, damit er unter dein Volke aufwachsc, über das er einst regieren sollte. Seine ersten Kriegsdienste that er unter Montecuculi gegen Turennc in dem Feldzüge im Elsaß. Auch als der Herzog von Lothringen an Montccuculi's Stelle getreten war, behielt er unter diesem ein Commando. Nach dem Frieden von Nimwegen kehrte er 1678 nach Baden zurück und übernahm, da sein Vater bereits 1669 verstorben, an seines >677 verstorbenen Großvaters Stelle die Negierung. Als 1683 der Krieg zwischen Ostreich und der Türkei ausbrach, warf er sich mit einem Truppcncorps nach Wien, und als die Stadt durch den Herzog von Lothringen und den König von Polen, Sobieski, entsetzt war, errang er mehrfache Vvrthcile über die geschlagenen Türken. Er behielt hierauf den Oberbefehl an der Donau und schlug die Türken am 2 !. Sept. 1689 bei Nissa und am > 9 . Aug. >691 bei Salankcmcn. Im I. 1693 wurde ihm der Oberbefehl über die Ncichsarmce in Deutschland gegen die Franzosen übertragen; er nahm Heidelberg wieder, und ging sodann nach En'gland, um sich mit dem König Wilhelm wegen dcrKriegSuntcrnehmungcn gegen Frankreich zu vereinigen. Nach Eröffnung des Feldzugs im Frühjahre 1693 fiel er in das Elsaß ein, wo er die Wachsamkeit des Herzogs von Lorgcs täuschte und die größte Thätiakcit bewies, ungeachtet er au der heftigsten Eicht lict. Nach Sobicski's Tode bewarb er sich >697 um den erledigten poln. Thron; doch der Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen trug den Preis davon. Im span.Erbfolgekriege befehligte er die kaiserliche undRcichsarmce, eroberte 1792 , ungeachtet des tapfern Widerstandes, Landau. Sein Talent in der Befestigungskunst bewährte er durch die Anlegung der berühmten Linien, die sich von dem Schwarzwalde durch Bühl bis Stollhofen an den Rhein ausdchnten. Doch war ihm in der letzten Zeit das Kriegsglück weniger günstig. Er starb zu Rastadk am 3 . Jan. 1797 . Ludwig (Jos. Änt.), Erzherzog von Ostreich, jüngster Bruder des Kaisers Franz, gcb. zu Florenz am 13 . Dec. 1783 , widmete sich frühzeitig dem Militärdienste und stand schon in dem Feldzüge von > 899 an der Spitze eines östr. TruppencorpS, mit welchem er abcr in der Schlacht bei Abens b erg (s. d.) am 29 . Apr. von Napoleon geschlagen wurde. Als er hierauf das Commando verlor, wendete er sich mit Eifer dem Studium der mathematischen und Naturwissenschaften zu, und machte behufs der Erweiterung seiner Kenntnisse Reisen durch England und einen großen Thcil des Continents. Nach dem Tode des Feldmarschalllicutcuants Grafen Hieronymus von Eolloredo-Mansfeld wurde er 1 822 zum Gcncraldircetor der Artillerie ernannt. Obwol im Charakter ganz verschieden, hatte er sich doch des bcsondern Vertrauens seines Bruders, des Kaisers, zu erfreuen, der ihm sogar die Erledigung eines Thcils der Regicrungsgcschäfte übertrug und sich auch anderweitig von ihm oft vertreten ließ. Noch größcrn Einfluß gewann L., als er nach der Thronbesteigung seines Neffen, des Kaisers Ferdinand, im I. >833 Chef der aus dem Erzherzoge Franz Karl, dem Fürsten Metternich und dem Grafen Kolowrat zusammen, gesetzten geheimen Staatseonfcrenz wurde. In dieser Stellung bewährte er zwar fort- dauernd eine feste Anhänglichkeit an die von Kaiser Franz befolgten Maximen des Stabilitätssystems, dabei aber zugleich eine stets sich glcichblcibendc und durch nichts zu bcein- trächtigende strenge Gcrcchtigkcitsliebe, die ihm das Vertrauen aller Parteien erwarb. Überhaupt birgt der Prinz,, trotz dem, daß ihm die den Habsburgern eigenthümliche offenherzige Leutseligkeit fehlt, mnter dem zurückhaltenden Ernste seines Wesens einen hohen Grad von Herzensgute, und seinem Billigkeitsgefühle vorzüglich verdankt man mehre Wendepunkte in den Verwalrungsmaßrcgeln, die von wohlthätigen Folgen für das Ganze des Staats waren. Ludwig (Fricdr. Christian), gewöhnlich Louis Ferdinand genannt, Prinz von Preußen, wurde am >8. Nov. >772 geboren als der Sohn des Prinzen Ferdinand von Preußen, dcS Bruders Fricdrich's des Großen. Bei vortrefflicher Ausbildung seines Geistes durch franz. Erzieher und Lehrer vernachlässigte man ganz die Bildung seines Charakters, weshalb er sehr oft eine Beute der Leidenschaftlichkeit wurde und sich gern in Extremen bewegte. Für den Krieg entflammt, folgte er 1792 mit den überspanntesten Hoffnungen dem Heere an den Rhein, wo ihn sein Ungestüm wiederholt in Verlegenheit brachte, allein auch sein Fcldherrntalent sich unverkennbar zeigte. Nach dem Frieden von 150 Ludwistsburg Ludwigskanal 1795 beschäftigte er sich wieder daheim mit der Kunst, aber auch mit galanten Abenteuern. Insbesondere lieble er die Musik, weshalb er sich auch den bekannten Componistcn Dussck zu seinem Vertrauten erwählte. Wegen voreiliger Einmischung in die Politik zog er sich wiederholte ernste Rügen des Königs zu. Bei seiner entschiedenen Abneigung gegen Frankreich konnte cs nicht fehlcn,daß die kriegerisch gesinnte Partei imJ. I8»vihn zu ihrem Wortführer erwählte und daß der Prin; wieder, gestützt auf dieselbe, nicht ohne großen Einfluß auf die Kriegserklärung war. Zum Gcncrallicutenant ernannt, erhielt er den Befehl über den 18090 M. starken Vortrab des Hohenlohc'schcn Corps, mit welchem er vorsichtig über den Thüringerwald vorrücken, jedoch jedes Gefecht vermeiden sollte. Als jedoch ein ihm zweimal überlegener Feind am ><>. Ott. bei Saalfcld cntgegcnrückte, nahm er, statt sich zurückzuziehen, in der Leidenschaftlichkeit den Kampf an, der mit der fast gänzlichen Vcr- nichtung seines Corps endete. Von den Feinden umringt und den Tod der Gefangenschaft vorziehcnd, siel er nach tapferer Gegenwehr ganz von Wunden bedeckt. Ein Denkmal wurde ihm daselbst am I». Ott. 1823 errichtet. Ludwistslinrst, im Neckarkrcisc, die zweite Residenz des Königs von Württemberg und die schönste Stadt des Landes, wurde seit 179«; vom Herzoge Eberhard Ludwig nach einem großartigen Plane, mit regelmäßigen breiten Straßen angelegt. Sie hat vier Kirchen, sirben öffentliche Plätze, acht Thore und ein prachtvolles königliches Schloß, welches mit reizenden Gartcnanlagen und den künstlichen Ruinen der Emichsburg geziert ist und in seinem Innern die Familiengalcric, eine Bildersammlung aller würtemberg. Regenten nebst einem großen Theil der Fürstinnen, den Ritter- oder Ordcnssaal, die Ordcnskapclle, die Gemäldegalerie und die fürstliche Gruft enthält. Die Zahl der Einwohner beläuft sich auf > 9999. Auch befinden sich daselbst das Arsenal, die Stückgießerci und eine miiitairische Lehranstalt. Die hauptsächlichsten Industriezweige sind Tuch-, Porzellan-, Steingut - und Fayence- fabrikation. Auch besitzt die Stadt ein Lyceum, zwei Waisenhäuser, eine Kindcrrcltungs- anstalt und ei» Zuchthaus. In den Umgebungen sind die Lustschlösser Mo nrcp os, an einem künstlich geschaffenen See, mit Gartcnanlagen und zwei Inseln, auf deren einer sich eine im goth.Stile gebaute Kapelle befindet; Favorite und Salon, beide gleichfalls mit Gartenanlagen, und Solitudc, mit einem vom Herzoge Karl 179.'! angelegten, jetzt größ- tcnlhcils abgebrochenen königlichen Lustschloß und Garten auf einem Berge am Walde. Ludwigskanal, zur Verbindung zwischen der Donau und dem Rhein, ist unstreitig eine der großartigsten Unternehmungen der neuesten Zeit und von ganz außerordentlicher Bedeutung. Schon Karl der Große hatte die Idee, den Main durch die Altmühl mit der Donau zu verbinden, allein die höchst mangelhaften Kenntnisse damaliger Zeit in den mechanischen und hydrotechnischen Wissenschaften hinderten die Ausführung. Endlich faßte König Ludwig von Baicrn den Entschluß, jenen großartigen Gedanken zu verwirklichen. Nach den nöthigcn Vorarbeiten lieferte der Oberbauralh von Pechmann eine» Entwurf, der > 834 genehmigt wurde. Damals waren die Kosten auf 8,359999 Fl. veranschlagt, doch dürften sic wol mehr als das Doppelte betragen haben. Das veranschlagte Capital wurde durch Acticn aufgebracht, deren vierten Theil der Staat übernahm. Die jährlichen Unterhaltungskosten sind wol viel so niedrig auf 559299 Fl. berechnet. Der eigentliche Bau des Kanals begann bei Nürnberg im I. 1839 und gedieh in den ersten sieben Jahren schon s? weit, daß man die Strecke von Wendelstein nach Nürnberg und von da nach Bamberg fahrbar machen konnte. Der Kanal beginnt bei Kchlheim, und erreicht seinen höchsten Punkt, 939'/, F. über dem Mainspiegcl und 279"/, F. über dem Donauspiegel beiNcumarkt. Er hat auf seiner Länge von 23/^M. 91 Kammerschlcusen, deren jede 129 F. lang und > 9 F. breit ist und auf 99 F. ein Zwisckcnthor hat, da die ganze Länge nur für die Bauholzschiffe benutzt werden soll. Die Breite der Schiffe ist an der Oberfläche > 3'/?, im Boden l -i F. und voll beladen gehen dieselben 4 F. im Wasser. Bei günstigein Winde kann ein Pferd bis zu 2999 Ctr. ziehen. Die Leinpfade sind mit Obstbäumen beflanzt. Der Kanal selbst ist oben 54, in der Sohle 34 F. breit, die T>cfe ist 5F.; doch kann sie, wenn die Verschlämmungen cintretcn, auf 7 F. gekrackt werden. Der Kanal durch- schncidet die Nürnbcrq-Fürthcr Eisenbahn und wird durch eine 159 F. lange Brücke über die Pegnitz gcleittt. Gegen Anschwellungen dcrWassermasse ist der Kanal durch Durchlass« t»«N,»dSoli»r»ls Ludwigslied Lnstbetteu 151 geschützt, deren Zahl sich auf 99 belauft; >2 Brücken führen ihn über Flüsse und Bäche und l»5, thcils hölzerne, thcils steinerne Brücken führen über ihn. Die ganzen Bauten, vom ersten Spatenstich bei Nürnberg an, haben neun Jahre gedauert und wenn auch mancher Misgriff bei dem gewaltigen Unternehmen gemacht wurde, wenn man auch bei der Ausführung cinsah, daß Vieles auf dem Plane ganz leicht aussah, dem sich dann in der Praxis fast unübcrstcigliche Hindernisse in den Weg stellten, so ist doch das Ganze, jetzt vollendet, im eigentlichsten Sinne ein Volksdcnkmal, dessen scgenbringcndc Folgen wol schon die nächste Zeit zeigen wird, und ein sprechendes Bild deutschen Unternehmungsgeistes und deutscher Beharrlichkeit. Ludwigslied heißt ein althochdeutsches Gedicht auf den Sieg, den der westfränk. König Ludwig III., ein Sohn Ludwig's des Stammlers, bei Saucourt in der Picardie im J.88I über die Normannen erfocht. Es schließt sich dcmVolkston an, ist aber ohne Zweifel von einem frank. Geistlichen verfaßt. Herausgegeben wurde cs zuerst von Schilter (Strasb. 1696) in sehr verderbtem Text nach einer Abschrift, die Mabillon von der Handschrift genommen hatte. Diese galt lange für verloren, bis Hoffmann von Fallersleben sie zu Valcn- ciennes wieder ausfand und aus ihr das Gedicht in den von ihm und Willems herausgegebenen „LInonensia" (Gent 1837) in treuem Abdruck bekannt machte, ans dem sich auch ergibt, daß es nicht durchgehend ans Strophen von vier Halbzeiten besteht, sondern daß sich neben diesen auch Strophen von sechs Halbzeilen finden. Nachher hat cs W. Wackernagel in die zweite Ausgabe seines „Alldeutschen Lesebuchs" (Bas. 1839) ausgenommen. Lufft(Hans), Buchdrucker und Buchhändler zu Wittenberg von 1525—84, hat sich vorzugsweise durch den Druck der verschiedenen Erstlingsausgabcn der Luther'schen Bibelübersetzung berühmt gemacht, weshalb man ihn schon zu seiner Zeit vorzugsweise den Bibeldrucker nannte. Geboren war er 1495, doch weiß man nicht wo. Er starb zu Wittenberg am 2. Sept. 1584, als ein auch in seiner bürgerlichen Stellung geehrter Mann, denn er hatte in Wittenberg von >559 an das Amt eines Nathshcrrn und von 1563 an das des Bürgermeisters bekleidet. Aus einigen Briefen Luther's sieht man, daß er früher als wandernder Buchdruckcrgehülfc von dem Prior des Augustinerklostcrs zu Wittenberg, Eberhard Brißger, bald hier bald dorthin, wahrscheinlich zur Ausführung kleiner Drucke, geschickt wurde. In Wittenberg, wo im >6. Jahrh. die Buchdruckcrkunst lebhaft betrieben wurde, und wo er schon Johannes Gruncnberg, Melchior Lotther den Jüngern und Georg Nhau zu Vorgängern hatte, gründete er 1525 eine Druckerei, nachdem er wahrscheinlich bei dem zweiten der genannten Druckcrherren eine Zeit lang gearbeitet hatte. Sein Geschäft betrieb er anfangs mit weniger Glück, von >529 an aber erhielt dasselbe einen sehr bedeutenden Aufschwung durch den Druck der Bibelübersetzung Luther's, sowie der Hans- und Kirchenpostille und anderer Schriften desselben. Während Luther für die Bibelübersetzung nicht einmal Honorar bekam und suchte, erwarb sich der vom Verfasser auf alle Weise begünstigte und bevorzugte Drucker des mühsamen Werks Ansehen und Neichthum. DieBibel erschien, nachdem einzelne Bücher derselben schon vorher gedruckt worden waren, vollständig im I. >534, sodann >541, 1545 und >546. In einem Zeiträume von ungefähr fünfzig Jahren gingen gegen IV9N69 Bibeln aus L.'s Officin hervor. Vgl. Zeltner, „Historie der gedruckten Bibelversion und anderer Schriften v.lllarlini Imtüeri in der Beschreibung des Lebens Hanns L.'s" (Nürnb. und Altdorf >727, 4.). Luft heißt imAllgemeinen jeder elastisch-flüssige oder gasförmige Körper, daher mau auch von Lu ft arten spricht. Im cngern und gewöhnlicher» Sinne versteht man darunter nur das aus 79 Thcilen Stickstoff, 21 Theilen Sauerstoff, etwas Kohlensäure und Wasserdünsten bestehende Gasgcmenge, welches die Atmosphäre der Erde bildet. (S-Atmosphäre und Gas.) Luftballon, s.Akrostat. Luftbetten waren schon im Anfänge des 18. Jahrh. bekannt, wurden damals aber nur aus Leder verfertigt und waren deshalb sehr kostbar. Erst die Erfindung des Engländers Clark, auch gewebte Stoffe luftdicht zu machen, führte eine große Verbesserung )md einen billiger» Preis dieser Luftkissen herbei. Die Einrichtung derselben ist folgende. Ein Tack, in der Form eines Kissens oder auch einer Matratze, wird ans cigenthümliche Weise 152 Luftheizung Luftröhre genährt und auf der inncrn Seite mit einem Kautfchukpräparat überzogen, welches dc»sel< den luftdicht macht. In einer Ecke desselben ist ein Ventil angebracht, durch welches ma» mittels eines Blasebalgs die Luft cinbläst, die man nach Befinden herauslassen oder er. neuern kann, wenn man das Ventil wieder öffnet. Die Vorzüge dieser Betten bestehen insbesondere darin, daß sie Elasiicität, Leichtigkeit und große Reinlichkeit vereinigen, der Ge- sundheit förderlich sind, durch Ein- und Auslassen der Luft härter und weicher, zu jeder Zeit frisch und kühl gemacht werden können, keine Feuchtigkeit aufnehmen, keine Auflockerung erfodern, keinen Staub verursachen und entleert einen sehr geringen Raum cinnchmen. Am besten werden diese Luftbettcn in der Wetzlar'schen Fabrik in Leipzig gefertigt, welche ihr Fabrikat selbst nach England und Amerika sendet. Luftheizung nennt man jene Methode künstlicher Erwärmung von Gebäuden und Zimmern, wobei die Erwärmung nicht direct durch die Strahlung oder Mitthcilung von de» heißen Wänden eines Ofens aus, sondern dadurch geschieht, daß man in einem besonder» Ofen erhitzte Luft in die zu erwärmenden Raume ein - und dafür wieder kalte Luft austrc> ten läßt. Viele neuere Constructioncn von Zimmeröfen stellen durch Anwendung von Röhren oder Nöhrensystcmen, in denen die Luft durch den Fcucrraum streicht, eine Combiim- tion der Ofen- und Luftheizung dar. Meist versteht man indeß unter Luftheizung nur die Anwendung auf ganze Gebäude, in deren tiefsten Theilcn daun ein besonderer Ofen errichtet wird, welcher die Luft in vielfacher, immer aber nur durch eiserne Wände vermittelt« Berührung mit der Hitze durchströmt, um sich dann in einem Kanalsysicmc durch alle z» heizende Räume zu vcrtheilen. Vgl. Meißner, „Tie Heizung mit erwärmter Luft" (2. Aust, Wien > 82:?). Man hat die Luftheizung vielfach für öffentliche Gebäude angcwcndct, »»d Ersparnisse werden dabei allerdings gemacht; allein man tadelt dabei thcils die Unmöglichkeit einer leichten Regulirung der Hitze, thcils die große Austrocknung der Lust. Zwar hat Meißner ganz neuerdings zu zeigen gesucht, daß jene Nachtheilc meist nur von fehler- t Hafter Anwendung der Methode hcrrühren; doch scheint die Luftheizung neuerdings re» der in manchen Beziehungen vorzüglichem Wasscrhcizung nach der Methode von Per- kins verdrängt werden zu wollen. Luftpumpe nennt man das von Otto von Euerikc (s. d.) >050 erfundene physikalische Instrument, um in Räumen die Luft zu verdünnen, oder auch nach Umständen;» verdichten. Dasselbe besteht stets aus einem oder zwei Stiefeln mit luftdicht auf- und nik- dergehendcn Kolben; der Raum der Stiefel oder Cylindcr sieht durch ein Rohr mit dem Raume in Verbindung, auf den man cinwirken will, und in diesem Verbiuduugsrohrc bl- finden sich entweder Ventile oder ein doppelt gebohrter Hahn, wodurch beim Hcrabgehc» des Kolbens die Verbindung mit dem Raume abgeschlossen, mit der äußern Luft hcrgk- stellt, beim Hinaufgehcn aber das Entgegengesetzte ausgeführt wird, wenn man die Lust verdünnen will. Bei umgekehrter Stellung der Ventile oder des Hahns wirkt die Pumxc verdichtend. Luftpumpen für physikalischen Gebrauch müssen äußerst sorgfältig gearbeitet und mit vielen Nebenapparatcn behufs der Versuche ausgestattet sein. In größerm Maßstabe bedient man sich der Luftpumpen zum Anskrocknen von Substanzen, zum Abdampfen u. s. w. Auch die Cylindergebläsc und Wettersätze sind nur großartige Luftpumpen. An Niederdruckdampfmaschinen wird die Pumpe, welche nach jedem Kolbenstoß das heiße Wasser aus dem Condensator auszieht, häufig auch die Luftpumpe genannt. Luftröhre (tracliea oder arteria aspera) heißt derjenige Theil des menschlichen Körpers, welcher die Lunge (s. d.) mit der Atmosphäre in Verbindung setzt. Sie besteht aus einer aus Häuten und Knorpelringcn zusammengesetzten Röhre, welche an ihrem vorder» Umfange gewölbt, an ihrem hintern platt und im Innern mit Schleimhaut überzogen ist. Ihre Form verdankt sie den Knorpelringcn, die nicht vollständig geschlossen sind, sondern mehr die Gestalt eines L besitzen und zugleich durch ihre Elasiicität verhüten, daß sie von den umliegenden Theilen zusammengedrückt wird. Die Luftröhre beginnt unmittelbar unterhalb des Kehlkopfes (s. K eh le), ist ungefähr vier Zoll lang, von links nach rechts neun Linien bis ein Zoll, von vorn nach hinten sieben bis neun Linien weit und liegt an der »ordern Seite des Halses, bedeckt von der Schilddrüse, einigen Muskeln und der äußern Haut. Sobald sie in die Brusthöhle cingetrctcn ist, geht sie in zwei Äste (Ix-nncln) Luströhrenentzündung Lüge 153 über, von denen der eine kürzere zum rechten, der andere längere zum linken Lungenflügel führt. Hier spalten sic sich wieder in kleinere Zweige (brondüa) und vcrtheilcn sich ganz nach Art der Blutgefäße baumartig, indem sie so das eigentliche Gerüst der Lunge bilden. Die Knorpelringe sind in den beiden ersten Ästen noch regelmäßig, wie im Hauptstamme, bei der weitern Thcilung aber hören die Ringe auf und man findet nur noch Knorpclstück- chen von unregelmäßiger Gestalt zwischen die Häute der kleinern Zweige cingeschoben, bis auch diese bei den noch kleinern gänzlich verschwinden. Im Embryo bildet die Luftröhre zuerst einen häutigen Kanal, in welchem sich vom dritten Monate an die Knorpcl- ringc auszubilden anfangen. Da die innere mit Schleimhaut überzogene Oberfläche der Luftröhre in einer ununterbrochenen Berührung mit der äußern Luft steht, so hat auch die Temperatur dcrAtmosphärc einen bedenkenden Einfluß auf dieselbe, und die meisten Krankheiten dieses Organs rühren von Erkältung her, welche meist erst den einfachen L u ftr öh - renkatarrh (s. Katarrh) erzeugt, der durch verschiedene Umstände in Luftröhren- cntzün düng (trsebeitis) und aus dieser in Ln ftröhren schwindsucht (pktlimis tra c'aealis) mit Geschwürbildung und eiteriger Zerstörung übergehen kann. Luströhrencntzünduilg, s. Croup. Lnströhrenschnitt (brniidlotomiri oder traclmntomiu) nennt man diejenige chirurgische Operation, durch welche man von der vordem Fläche des Halses aus mit dem Messer den Kanal der Luftröhre eröffnet. Der Zweck dieser Operation kann ein doppelter sein, entweder um Luft in die Luftröhre und die Lungen einzulasscn, wenn die oberhalb der Luftröhre liegenden Ncspirationsorganc mehr oder weniger verschlossen sind, oder um einen in die Luftröhre eingescnktcn fremden Körper zu entfernen. Je nach diesem Zwecke weichen auch die Opcrationsartcn voneinander ab, besonders was die Größe des Einschnitts in die Luftröhre selbst anlangt. Ungeachtet der Gefährlichkeit dieser Operation wurde dcrLuftröh- renschnitt doch schon im Alterthume unternommen und hat, mit gehöriger Umsicht und Ec- wandtbcit ausgeführt, bis auf die neueste Zeit viel glückliche Erfolge herbcigcführt. Luftspiegelung, s. Fata Morgana. Luganerfee (I-aZo di Imgimo), ein Landscc an der lombard. Grenze im schwciz. Canton Tessin, genannt nach dem daran liegenden gewcrbfleißigen Städtchen Lugano, ist etwa zehn Stunden lang, eine Stunde breit, 582 F. über dem Meere gelegen und reich an Fischen, besonders an Forellen. Die ringsum steil aus dem Wasser sich erhebenden Felsenmassen geben ihm ein höchst romantisches Ansehen und eine Menge Buchten gewähren die abwechselndsten Aussichten. I/UAäüIIUM, s. Lyon; ll, II -;ia Emm), d. h. die, welche durch eine absichtliche Unwahrheit einen übrigens guten Zweck erreichen will, als vielmehr die sogenannte Nothlügc, d. h. diejenige, bei welcher man nur durch die Lüge entweder sich selbst oder Andern ein Unheil oder ein Verbrechen ersparen zu können und folglich die Wahrheit verletzen zu müssen glaubt. Um über die verwickelten Collisionsfälle, die hier in der Wirklichkeit sckr wohl eintreten können, zu entscheiden, ist durchaus eine Sonderung der verschiedenen Gründe, auf denen die Verwerflichkeit der Lüge beruht, sammt deren Anwendung auf dm individuellen Fall nöthig; am wenigsten würden sich aber solche Lügen sittlich recht- 154 Lugger Luise (Königin von Preußen) fertigen lassen, die dem Lügenden blos eine persönliche Verlegenheit ersparen sollen, wie die sehr gewöhnlichen D i c n st l ü g c n und H ö fl i ch k c i t§ i ü g c n. Ebenso würde cs in keinem Falle einen Sinn haben, von einer Pflicht zur Lüge zu sprechen, wie der Ausdruck „edle Lüge" anzudcutcn scheinen könnte. Vgl. C. F. Böhme, „Uber die Moralität der Nothlügc" (Neust. 1828), und Hcinroth, „Die Lüge" (Lp;. 1834). Lugger heißt in England ein schncllscgclndcs Schiff mit zwei oder drei Masten und einem verlängerten Bogsprict, welches hauptsächlich als Postschiff gebraucht wird und eine besondere Art von Segeln, die Lugger sc gel, die sich von den Sprict- und Gaffelsegeln unterscheiden, führt. Luini oder Luvino (Bernardino), der vorzüglichste Maler der Mailand. Schule, ist wahrscheinlich in dem gleichnamigen Flecken, am Lago Maggiore, in der zweiten Hälfte des l 5. Jahrh. geboren. Man weiß von ihm nur, daß seine Arbeiten meist in die Zeit von 1—3t) fallen und daß er wahrscheinlich nie in Nom war. Zu der milden und weichen Darstellungsweise der altern mailänd. Schule kam bei ihm die Einwirkung Leonardo da Vinci's, dessen vorzüglichster Schüler er wurde; Lconardo's hoher Ernst, theilwcise auch seine feurige Kraft und die Größe und Freiheit seiner Formen gingen auf L. über, wie auf keinen andern seiner Nachfolger; auch werden Leonardo nock fortwährend, selbst in den vorzüglichsten Galerien, z. B. in Florenz, Werke L.'s zugeschricben. L.'s Verdienst ist erst in der neuesten Zeit nach Gebühr anerkannt worden; jetzt aber wird sein Name neben den Heroen der übrigen Sämlen genannt, und zwar mit Recht, weil bei ihm noch die zarteste Naivetät und Innigkeit mit der höchsten Schönheit gepaart sind. Sein Colorit ist warm und reich, auch in den Frescobildern, seine Composition und Zeichnung untadclhaft, der Ausdruck oft hinreißend und großartig. Er war einer der fleißigsten Maler seiner Zeit. Zu seinen frühesten Leistungen gehören eine Anzahl von Fresken zu Saronno im Mailändischen und einige Bilder in der Brera zu Mailand. Die höchste Vollendung der Technik zeigen sein mit dem Lamme spielender Johanncsknabe (in dar Ambrosiana zu Mailand) und seine Herodias (in der Tribuna zu Florenz), die beide lange Zeit als Meisterwerke Lconardo's galten. Seine Fresken finden sich sämmtlich in Mailand und in der Umgegend; Christi Geißelung in San-Eiorgio, eine Dornenkrönung in San-Scpolcro (in 38 Tagen vollendet), eine Anbetung der Weisen in San-Eustorgio, eine Madonna in San-Maria belle Grazie, endlich eine Anzahl von ausgesägten Fresken in der Brera und beim Duca Litta, vor Allem aber eine Madonna und eine colossale Kreuzigung in San-Maria degli Angel! zu Lugano sind seine Hauptarbeiten. — Sein Sohn, Aurelio L., war ebenfalls ein tüchtiger Maler, aber in jeder Beziehung minder bedeutend als der Vater. Luise (Auguste Wilhclmine Amalie), Königin von Preußen, geb. am ll>. März 1776 zu Hannover, wo ihr Vater, der Herzog Karl von Mecklenburg-Strelitz, Comman- dank war, verlor im sechsten Jahre ihre Mutter, eine geborene Prinzessin von Hesscn- Darmstadt, und blieb hierauf der vortrefflichen Aufsicht eines Fräuleins von Wolzogen anvertraut. Später wurde sie ihrer Großmutter, der Landgräfin von Darmstadt, zur fernen! Bildung übergeben, unter deren Aufsicht Dcmoiselle Gelieux, aus der Schweiz, als Hofmeisterin der Prinzessin ihr Erziehnngstalent bewährte. In Folge der Unruhen des franz. Nevolutionskriegs begab sie sich mit ihrer ältern Schwester, Charlotte, die 1818 als Gemahlin des Herzogs Friedrich von Sachscn-Hildburghausen starb, nach Hildburghausen, wo sie bis zum März I7V3 blieb. Auf der Rückreise lernte sie in Frankfurt am Main der nachherige König Friedrich Wilhelm Ul. von Preußen als Kronprinz kennen. Gleich bei ihrem ersten Erscheinen von ihrer Schönheit und von dem Adel, der auf ihrer Gestalt, sowie auf jeder ihrer Bewegungen schwebte, gefesselt, machten bei näherer Bekanntschaft ihr Geist und Eemüth nur um so größcrn Eindruck auf ihn. Er verlobte sich mit ihr in Darmstadt am 2-t. Apr. 1793, die Vermählung aber erfolgte wegen des Kriegs erst am 24. Dec. Sehr bald entfaltete sich ihr seltener Charakter in seiner ganzen Fülle. Als daher ihr Gemahl 1797 den Thron bestiegen, empfing sie bei der Huldigung überall die unzweideutigsten Beweise der Zuneigung und des Vertrauens des Volks. Auch als Königin wußte sie die Anspruchslosigkeit des Familienlebens zu bewahren. Alle unverschuldeten Unglücklichen fanden an ihr eine Wohlthäterin, welche still und anspruchslos ihr Elend mil» Luise Ulrike (Königin von Schweden) Luisiana 155 dcrte. Vertrauensvoll nahte sich ihr das ungckannte Verdienst, und sie erwarb ihm Anerkennung und Belohnung. Der Adel ihrer schönen Seele reizte sich bei jeder Veranlassung, und die allgemeine Verehrung stieg von Tag zu Tag. Als der Krieg den König l 866 ins Feld rief, folgte sic ihm nach Thüringen. Nach der Schlacht bei Jena begab sie sich mit ihm nach Königsberg. Nachdem in den Schlackten von Eylau und Fricdland der lehtc Hoffnungsstrahl für Preußen erloschen, ging sie in das feindliche Hauptquartier nach Tilsit, um durch persönliche Dazwischcnkunft von dem Sieger gelindere Bedingungen für Preußen zu gewinnen. Allein der Zweck ihrer Reife war verfehlt. Später ging sie mit ihrem Gemahl nach Memel. Alle Leiden, die ein unglückliches Vcrhängniß über sie verhing, trug sie mit einer Ergebung, die nur wahre Frömmigkeit und ein reines Bewußtsein verleihen. Am 16. Jan. 1868 kehrte sie mit ihrem Gemahl von Memel nach Königsberg zurück, unternahm von hier aus gegen Ende des Jahres eine Reise nach Petersburg und kehrte mit dem Könige am 23. Dcc. 1869 nach Berlin zurück. Während eines Besuchs bei ihrem Vater in Strelitz erkrankte sie auf dem Lustschlosse Hohcnzieritz, und starb daselbst in den Armen ihres schnell herbeigcciltcn Gemahls am l 0. Juli 18 > 6. Der allgemeine Schmerz sprach laut für den Werth der Frühvcrklärten. Ihre Überreste wurden in dem Schloßgartcn zu Charlottenburg beigescht, wo ihr auch ein Denkmal gewidmet und ihre Statue von Rauch auf- gestellt ist. L.'s edles Thun aber als Königin, Gattin und Mutter wird fortlebcn, wenn längst ihr Grabmal von der Zeit zertrümmert ist. Ihrem Andenken istdas Luiscnstift in Berlin, eine Anstalt zur Erziehung junger Mädchen, und der am 3. Aug. 1814 gestiftete Lu i se norden gewidmet. Luise Ulrike, Königin von Schweden, eine Schwester Fricdrich's des Großen von Preußen, geb. am 24..Juli 1726, erhielt von Jugend auf eine sehr gute Erziehung und entwickelte allmälig im Umgänge mit ausgezeichneten Männern ihre nicht gcringenTalente» sodaß sie ihr Bruder Friedrich für eine Zierde seiner Familie erklärte. Im I. 1744 vermählte sic sich mit dem Kronprinzen und nachmaligen Könige Adolf Friedrich von Schwe- den. Nach der Thronbesteigung ihres Gemahls im I. >751 fing sie an, den regsten Eifei für Föiderung von Kunst und Wissenschaft zu entfalten. Sie stiftete 1753 aus eignen Mitteln die Akademie de.r schönen Literatur und Geschichte zu Stockholm, ebenso die Bibliothek und das Kunstcabinct im Schlosse zu Drotningholm, welches ihr Schützling Anne beschrieb, und das Museum zu Stockholm. Sie verwendete große Summen auf die Verschönerung ihrer Paläste; auch unterstützte sie Industrie und Arme. Eine stolze, hochherzige Frau, suchte sie ihren Gemahl vom Ncichsrathe unabhängiger zu machen, was ihr unter den Großen des Landes viele Feindschaft zuzog. Nach dem Tode ihres Gemahls im I 1771 wollte sie aufihre Söhne, GustavIIl. und Karl den Xlll., demselben Einfluß üben, den sie auf Erstem geübt hatte. Allein da der neue König dessen sich entschieden wehrte, so entstand zwischen ihm und dcrMutter eine solche Spannung, daß diese bis zu ihrem Tode nur selten noch am Hofe erschien. Sie starb am 16. Juli >782. Männlicher Verstand, einnehmende Bercdtsamkcit, Liebe zu den Wissenschaften nnd eine auch im Tode uncr- schülkerte Gcisiesstärke charakterisiren diese Fürstin. Luisenburg, ein häufig besuchter Berg, drei Viertelstunden von Wunsiedel im bair. Kreise Oberfranken, zur Mittelgruppe des Fichtelgebirgs gehörig, besteht zum Theil in einem Felsenlabyrinth, das in drei Absätzen hoch cmporstcigt. Ungeheure mannichfach geformte Granitmassen in den verschiedenartigsten Stellungen bilden steile Wände, Schluchten, Grotten und Gänge. Unter Nachhülfe der Kunst sind daraus Anlagen entstanden, die ein mannichsaltiges Ganze von 56 merkwürdigen, zum Theil nach ausgezeichneten Personen benannten Plätzen und Punkten mit herrlichen Aussichten und zwei Wasserfällen bilden. Sonst hieß der Berg die Luchsenburg, nach einem alten Naubschlosse, von dem man nur noch einiges Maucrwerk sieht; seinen gegenwärtigen Namen erhielt er > 805 zu Ehren dcrKönigin Luise von Preußen. Vgl. Sommerer, „Beschreibung der L." (Wunsied. 1833). Lüislulia, einer der Vereinigten Staaten vmr Nordamerika, von 2260 UlM. mit 352000 E., worunter 168000 Sklaven,wird im Süden von dem Meerbusen von Mexico, im Osten von dem Mississippi und von Florida, gegen Westen von dem Sabinefluß und vom Texas und im Norden vom Arkansas begrenzt. Die vorzüglichsten Flüsse sind der Missis, 156 Lukas von Leyden sippi und die Sabine. Das Klima ist im Süden im Vcrhältniß zur geographischen Breite nicht sehr heiß, dagegen im Norden unverhältnißmäßig streng; der Boden fast ganz ebe» ^ nnd zum Thcil fruchtbar, zum Thcil sumpstg, sandig und steinig. Die hanptsächlichsir» MU Productc sind Getreide, Zuckerrohr, das 17 1i2 eingcführt wurde, Baumwolle, Südfrüchte und Wein; viel Holz, namentlich Kunsthölzcr, Steinkohlen, Salz nnd etwas Silber. Wilde 6s" Thicre, wie Bären, Wölfe, Damhirsche, Alligators und Stachelschweine, gibt es in Menge. Die Ausfuhr besteht in Landesproduetcn und Holrwaarcn, die Einfuhr in Knnstproduete» des Auslandes. Ureinwohner gibt es nur noch wenige; die ersten Einwanderer waren Fra»' zosen, denen namentlich Spanier folgten. Die Mehrzahl bekennt sich zur katholische» 8^>' Kirche. An Bildungsanstalten fehlt cs fast gänzlich. Die Gesetzgebende Gewalt üben z»- ssolgc der Constitution von 1812 ein Senat und eine Nepräsentantcnkammcr, in die kci» ""Z Farbiger cintrctcn kann. Die Vollziehende Gewalt hat ein Gouverneur, der auf vier Ich; gewählt wird. Die Hauptstadt ist Ncuorleans mit >92999 E., früher war Donald>onS- ville der Sitz der Negierung. Das Land wurde I 741 von den Spaniern entdeckt, dann von "f" den Briten besucht und seit >682 von den Franzosen colonisirt und zu Ehren Ludwig's XIV ^l Luisiana benannt. Doch diese stanz. Colonicn in der Nähe des Mississippi gingen in Folg« ^ deS rauhen und ungesunden Klimas bald wieder ein. Hierauf erhielt >712 Crozarh m . reicher stanz. Kaufmann, für den Handel nach L. einen ausschlicßcndcn Freibrief auf l; ""« Jahre, den er > 717 an Law (s. d.) abtrat, der nun eine Gesellschaft für den Handel M Mississippi errichtete, an deren Spitze er sich stellte. Im I. >71,-1 trat Frankreich L. bis ri den Mississippi an Spanien ab, erhielt cs jedoch > 892 zurück. Da aber das Land vermeg« seiner Lage, seines Klimas und Bodens unter einer kraftvollen Negierung eine gefährlich« Nachbarschaft für die Vereinigten Staate» werden konnte, so widersetzte sich der Eongch der Abtretung und erhielt, in Folge eines am 39. Apr. > 893 mit Frankreich durch den Ad °« nister Barbe - Marbois mit Livingston abgeschlossenen Vertrags, für eine Summe von >1, > Mill. Dollars sowol die Souvcrainctät des Stadtgebiets Ncuorleans, als überhaupt dil 's ^ ganzen Landes auf den Fuß des bisherigen Besitzstandes Spaniens. Vgl. Brackenridg« lH" „Ansichten von L." (deutsch, Weim. >819); Steddart, „Sleotcües nk I„" (Philadclphu 1818) und Barbc-Marbois, „Ui.^oire .1-, la I.." (Par. 1828). Lukas von Leyden, eigentlich Lukas Dameß oder Dommeh, einer der größten»«!' ^ " dcrländ. Maler des 16. Jahrh. und Zeitgenosse Dürcr's, Hans Holbein's und Kranassl " ' gcb. zu Leyden > -19-1, genoß anfangs den Unterricht seines Vaters und später des Com "6 lius Engelbrechtsen, eines vorzüglichen Malers und Schülers van Eyck's. Schon im mm « ^ ten Jahre fing er an m Kupfer zu stechen, und in seinem zwölften setzte er alle Kenner dm«! ^ einen in Wasserfarbe gemalten heil. Hubertus in Erstaunen. Im > 7. trat er mit inchm selbst componirten und gestochenen Blättern auf, worunter die Versuchung des heil. Bnto ^ nius und die Bekehrung des heil. Paulus in Hinsicht auf Composition, charakteristisch«'! ^ Ausdruck, Gewandung und Behandlung des Grabstichels meisterhaft sind. Seit dich ) . Zeit lieferte er sehr viele Gemälde in Öl, Wasserfarben und auf Glas, sowie eine Menz« ^ Kupferstiche, die seinen Ruhm allgemein verbreiteten und ihn neben Marc Anton und Dürer als den größten Kupferstecher seiner Zeit charakterisiren. In vorzüglich freund ^ schaftlichen Verhältnissen stand er mit Malusse und Albr. Dürer, der ihn in Leydens suchte. Zur Wiederherstellung seiner zerrütteten Gesundheit machte er eine Nesse durch k Niederlande, auf welcher ihn Mabuse begleitete. Aber auch dadurch wurde seine Hypoch«' ^ dric nicht beschwichtigt. Er bildete sich ein, von neidischen Malern vergiftet zu sein, hüte« fast sechs Jahre lang das Bett, arbeitete aber ununterbrochen fort. Er starb l 533. M>u könnteL.gewissermaßcn einen verweltlichten Dürer nennen. Nicht nur behauptet dasGcme bild, das er zuerst mit Absicht und Bewußtsein behandelt hat, eine wesentliche Stelle mit" seinen Schöpfungen, sondern es sind auch seine heiligen Scencn durchaus mit einem gemt « ^ artigen, oft possenhaften Wesen durchdrungen. Die Richtungen des damaligen Lebe»- ^ insbesondere des Lebens seines Volks, das scharf Verständige und das Phantastische, D ^ in ihm zu einem merkwürdigen Ganzen verschmolzen. Groß ist er in der Mannichfaltigkt«-' ^ der Charaktere, obschvn er sich selten bis zur Würde emporschwingt. Seine Technik in do Gemälden ist fein und sorgfältig. In seinen letzten Gemälden, z. B. dein Jüngsten GeriA I5i7 Luken Lullt) auf dem Stadthause zu Leyden, sieht man das Bestreben, sich den Italienern zu nähern. Seine Kupferstiche und Holzschnitte zeugen von der sorgfältigsten Handhabung des Grabstichels; sic sind sehr hoch geschätzt und zum Theil sehr selten. Vorzüglich anziehend sind die Blätter, in deren Ausarbeitung L. mit Albr. Dürer wetteiferte. Die schönsten Sammlungen seiner Kupferstiche finden sich auf der Bibliothek zu Wien und in der des Erzherzogs Karl. Die seltensten und theucrstcn seiner Blätter sind die große Ruhe der heil. Familie, die Hagar, der Eulenspiegcl. Seine Gemälde sind in mehren Galerien zerstreut, die vorzüglichsten findet man in Lcyd^i, Wien, Dresden, München und Florenz; seine Zeichnungen sind fast ebenso selten als seine Gemälde. Luken heißen diejenigen viereckigen Öffnungen in den Verdecken der Schiffe, welche dazu bestimmt sind, durch sie die Ladung in den Raum zu bringen. Nach ihrer Lage erhalten sie die Namen große, Nor- oder Kist- und Hinterluke; die erstere befindet sich nahe der Mitte der Schiffe. Sie sind mit einem Rande, Sill genannt, umfaßt und werden mit den Luke »decke ln geschlossen, über die man noch zu größerer Sicherheit gethcertcs Segeltuch legt, das man mit Latten und Nägeln befestigt. Lullns (Raimundus), einer der seltsamsten und ausgezeichnetsten Geister des l 3. Zahrh., ein großer Alchemist, geb. in Palma auf der Insel Majorca 1233, widmete sich anfangs dem Kriegshandwerke, wie sein Vater, und führte ein sehr wüstes Leben. Bon seinen Ausschweifungen führte ihn, wie erzählt wird, der gräßliche Anblick der Folgen des Lasters zurück, und er ergab sich nun dem strengen Leben und der Einsamkeit. Hier erschien ihm Christus, der ihn znr Nachfolge auffoderte. L. vcrtheilte sein Vermögen unter die Armen und bereitete sich durch anhaltendes Studium zum Missionar vor. Von einem Sklaven lernte er Arabisch. Dann bat er den König Jakpb um die Errichtung eines Minoriten- klosters in Majorca. Gleichzeitig scheint er seine große Kunst, wie er sie selbst nannte, erfunden zu haben, welche ihm angeblich eine himmlische Erscheinung nicderzuschreiben und bekannt zu machen befahl. Er reiste nun nach Rom, Paris und wieder nach Italien, um sein Neformationswerk in den Gang zu bringen, und von da nach Asien und Afrika. In Tunis kam er durch sein Disputiren mit einem Muselmanne, den er bekehren wollte, in Lebensgefahr, und verließ Afrika wieder. Bei einem zweiten Bekchrungsversuchc geriet!) er in Afrika ins Gefängniß, aus welchem ihn ein genues. Kaufmann errettete. Nachdem er nöch einmal nach Italien zurückgcgangen war und dort von neuem zur Bekehrung der Ungläubigen vergebens aufgemuntert hakte, ging er zum dritten Male nach Afrika, und starb an den Folgen der dort erlittenen Mishandlungcn auf seiner Rückfahrt l 315. Die LI-S magnu Im»i oder Lullischc Kunst, welche später von Bru no (s. d.) wieder ausgenommen und bearbeitet wurde, ist ein Versuch zu schematischer Anordnung der Begriffe zum Behuf einer übersichtlichen Erkenntniß und einer leichten Mittheilung. Die Mittel dieser Logik sind Buchstaben (ulpliirbotiim :»<>«) zur Bezeichnung der Grundbegriffe, Figuren (Dreiecke, Vierecke, Kreise), womit die Beziehungen derselben bezeichnet werden, und Abtheilungen (csm-i-ae), welche durch Zusammensetzung dieser Figuren entstehen. Sowol die ausgewählten Begriffe, als die Verbindung und Anordnung derselben haben viel Will- kürliches, und der Gebrauch dieses Schematismus, um aus solcher mechanischen Combina- tion zu finden, was sich über einen Gegenstand sagen lasse, konnte nur ein oberflächliches Denken befördern. Indessen lag doch dieser Erfindung das Bedürfniß einer logisch bessern Behandlung der Gegenstände zum Grunde, als bis dahin in der scholastischen Dialektik zu finden war. Seine „Opera omniu" gab Salzinger heraus (16 Vde., Mainz 1721—32, Fol.). Lully (Eiov. Battista), ein berühmter Opcrncomponist, geb. zu Florenz 1633, kam in seinem zwölften Jahre als Küchenjunge zu Mademoiselle de Mo.ntpensicr. Hier erregte er durch sein Geigenspiel, welches er ohne Meister erlernt hatte, Ludwig's XIII. Aufmerksamkeit, der ihn nicht allein in seine Dienste nahm, sondern auch die sogenannte Laucke des petits violons errichtete und ihn an die Spitze derselben stellte. Durch die Sorgfalt, mit welcher sich L. der Ausbildung dieser Bande annahm, und durch seine Compositioncn für dieselbe, übertraf diese sehr bald selbst die Gesellschaft der Vierundzwanziger, welche damals die gepriesenste Kapelle in Europa war. Vor L. waren der Baß und die Mittelstimmen stets nur als die Oberstimme begleitend behandelt worden; L. behandelte auch die Mittel- 158 Luna Lüneburg stimnicn obligat und vcrtheiltc zwischen ihnen und der Hanptsiimme die Melodie. Auch erweiterte er die Grenzen der Harmonie, indem er durch die sogenannten falschen Accordc sowie durch Dissonanzen die überraschendsten Wirkungen hervorznbringcn wußte. Nachdem der Abbe Pcrrin ihm > 67 I das Privilegium der großen Oper abgetreten hatte, compouirte L. als Director derselben > 0 Opern, welche über ein halbes Jahrh. hindurch die franz. Na- tion entzückten, und ungeachtet der Revolutionen, welche die sranz. Thcatcrmusik durch Piccini, Sacchini und Gluck erlitt, bei den Franzosen noch lange in einem gewissen Ruft blieben. Er wird alsGründer der franz. großen Oper betrachtet, in der man freilich zunächfl nichts suchen darf, als eine Hoffcstlichkeit des prachtliebenden Ludwig's XIV., bei der dicftr gelegentlich selbst spielte und tanzte. Als Vorläufer aber des reichern Genius Gluck, der für seine höher», reinem Ideen durch ihn die Bahnen geebnet fand, hat er eine geschichtliche Bedeutung, da hierdurch an seinen Namen einer der bedeutsamsten Bildungsschritte der Musik sich knüpft. Er starb zu Paris am 22. Mar; 1087. Luna, die Mondgöttin, ist der röm. Name der griech. Göttin Selene (s. d.). Lund (I^oiickiniun im), der Sitz einer Universität und eines Bischofs, in der Provinz Schonen im schweb. Gothland, mit 450» E., liegt in einer wenig reizenden Gegend und hat enge und krumme Straßen. Unter den öffentlichen Gebäuden ist besonders die Domkirche berühmt, aus dem 10. Jahrh., eines der prächtigsten Gebäude dieser Art!» ganz Skandinavien. Ein anderes herrliches Gebäude ist die 1845 eingeweihte neue Residenz des Bischofs im byzant. Stile. Die Universität mit zwei schönen Gebäuden wurde 1608 erbaut und die Zahl der Studircnden hält sich zwischen 40« — 50t). Mit ihr stehen in Verbindung ein Prcdigerseminar, eine Bibliothek von 500k>0 Bänden und l ooo Handschriften, ein Naturalien-, Münz-, Modell- und physikalisches Jnstrumenkencabinet, eine Sternwarte, ein botanischer Garten, ein anatomisches Theater und mehre nicht unbedeutende Privatsammlungen. Ein Erzbisthum wurde in L. schon > >04 gegründet. Wie scheu zu Anfänge des 13. Jahrh. kam L. auch später wieder an Dänemark, welches es crst im Frieden von 1058 an Schweden abtrat. Der Schlacht bei L. zwischen den Dänen und Schweden im I. 1670 folgte der daselbst am 26. Scpt. 1676 zwischen den genannten Mächten abgeschlossene Friede. Lüneburg, ehemals ein Fürstenthum in Niedersachsen, bildet jetzt eine Landdrostti des Königreichs Hannover, welche mit den zwei >810 an Hannover gekommenen Ämter» des Fürstenthums Laucnburg und der Grafschaft Dannenberg vereint auf 204 LM, 310000 meist protestantische Bewohner zählt. Die Elbe, welche hier dieJcetze, dieJlmcn-ui mit der Lühe und die Seeve, Elste, Schwinge und Oste, die insgesammt in der Lüneburger Haide entspringen, aufuimmt, macht größtentheils die nordöstliche Grenze. Etm 1 0— l 2 M. von der Elbe entfernt und mit derselben parallel fließt die Aller durch den südlichen Theil des Landes und fällt, nachdem sie die Ocker, Fusc, Leine und Böhme aufgenommen, in die Weser. Über den größten Theil der Provinz hin zieht sich eine von mannichfachcu Hügelketten unterbrochene, 1 2 M. lange Ebene, die Lüneburger Haide genannt, meist aus Sandboden bestehend, der zwar zum Theil mit Haidekraut bewachsen, oder von große» Waldungen (die Göhrde, Lüs, Naubkammer, Süsing u.s. w.) und Torfmooren durchzogen, thcilweise aber auch für Wiescwachs und.Ackercultur gewonnen ist und dann Geestland heißt. Die Haidegegend zieht die unter dem Namen Haidschnucken (s. S chaf) bekannt! Schafgattung, macht durch die Haideblüte eine starke Bienenzucht möglich und trägt in großer Menge Wachholder-, Heikel-, Preiset- und Erdbeeren, die Gegenstände des Handelsind. Sparsam bewohnt, arm und öde sind blos einzelne Striche derHaide, die andern nähren ihre Bewohner sehr gut, ja machen sie sogar, wie in den Marschgegcndcn an der Elbe und deren Nebenflüssen, reich und wohlhabend. Anbau des Bodens, Bevölkerung und Wohlhabenheit nehmen sichtbar zu; auch ist in neuerer Zeit für die geistige Cultur der Bewohner, die sich durch Gutmüthigkcit, Biederkeit und Genügsamkeit anszeichnen, viel ge- than worden. In der Gegend von Lüchow ist ein Bezirk, Drawän oder das Wcndland genannt, dessen Einwohner in Sprache und Sitten noch Spuren ihres slaw. Ursprungs zeigen. Durch dieses Fürsteuthum führt mittels der schiffbaren Ilmenau die Hauptstraße des Handels zwischen Hamburg und dem inncrn Deutschland. Der Stapclort desselben ist die Lünetten Lunge 159 Stadt Lüneburg. Minder bedeutend ist der Waarcnzug von Hamburg über Haarburg und Celle, von Bremen über Celle und von Lübeck über Lüneburg. Fabriken und Manufakturen find unbedeutend, dagegen liefert das Land brauchbare Pferde, gutes Schlachtvieh, Holz, Torf, Gyps, Kalk und besonders Salz; auch sind Garnspinnerei, Leinweberei, Strumpfstrickerei und Holzarbeiten sehr verbreitet. — Die Hauptstadt des Fürstenthums, Lüneburg, bis > 3 6S der Sih der Herzoge von Braunschweig-Lüneburg, liegt an der bis hierher schiffbarenJlmcnau, drei Meilen vom Ausflusse derselben in die Elbe, und hak gegen 11800 E. Auf dem Kalk- derg, einem Gypsfelsen an ihrem westlichen Ende, wurden im >0. Jahrh. das Michaeles- kloster und Befestigungen angelegt. Im 1.1382 wurde dieses Kloster in die Stadt verlegt, 1055 aber in eine Rittcrakademie umgewandrlt, die als allgemeine Bildungsansialt für die höher« Stände noch gegenwärtig fortbesteht. L. hat ein Gymnasium, zwei Bibliotheken, von denen eine der Nitterakademie, die andere dem Nathe gehört, vier Kirchen, ein durch Bauart und alterthümliche Merkwürdigkeiten ausgezeichnetes NathhauS, sowie Zucker-, Spielkarten - und Tabacksfabrikcn. Non den vielen Salzquellen werden die drei vorzüglichsten, mit einem Salzgehalt von 25 Proc., aufgefangen, und ihre Sovle wird ohne vorgängige Gradirung verfetten. Auch benutzt man die Soole seit einigen Jahren zu Sool- Kadern. Außer dem Salz bilden Kalk und Gyps, der an dem Kalkbcrg und in noch zwei andern Gruben in der Nähe der Stadt bricht, starke Ausfuhrartikel; noch wichtigere Nah- rnngszweige aber für L. sind die Ncunaugenstschcrei und der lebhafte Spcditionshandel.— Mit dem Treffen bei L. zwischen dem franz. General Morand und den Generalen Dörnberg und Czcrnitschew wurde am 2. Apr. 1813 der Freiheitskrieg in Deutschland eröffnet. Etwa vier Meilen südwestlich von L. liegt die G ö hrd e (s. d.), ein schöner Wald mit einem königlichen Jagdschlösse. * Lünetten, s. Brillen. Luneville (Dnnuris villu), eine offene, schön gebaute Stadt des ehemaligen Lothringens, im franz. Departement dcr Meurthe, am Zusammenflüsse der Meurthe und Vezouze, in einer fruchtbaren Ebene, hat gegen 15400 E-, ein Schloß, das jetzt als Kaserne dient, eine schöne Kirche und mehre bedeutende Fayencefabriken. Insbesondere schön ist das da- sige Pflaster von einer Art Kalkstein, der indeß bei trockenem Wetter einen den Augen schädlichen Staub verursacht. Als >735 der König von Polen, Stanislaus Leszczynski, zum Besitz von Lothringen gelangte, wählte er L. zu seiner Residenz, das dadurch sehr gewann. Geschichtlich denkwürdig wurde die Stadt durch den daselbst am 0. Febr. >801 zwischen dem Deutschen Reiche und der franz. Republik auf die Grundlage des Friedens von CampoFor m i o (s. d.) abgeschlossenen Frieden. Belgien und das linke Nheinufer wurden in demselben an Frankreich, Mailand und Mantua an die Cisalpinische Republik; Venedig aber und das Gebiet bis an die Etsch, Istrien und Dalmatien mit Cattaro an Ostreich abgetreten. Für den Berlust ihrer Besitzungen auf dem linke« Nheinufer sollten die deut- scheu Neichssürstcn innerhalb des Reichsgebiets entschädigt werden. Auch trat Ostreich das Fückthal nebst dem Landstriche zwischen Basel und Zurzack an Frankreich ab, von dem Bci- dcs 1802 an Helvetien überlassen wurde. Den Breisgau gab Ostreich dem Herzog von Modena; auch willigte es in die Errichtung des Königreichs Hetrurien, wogegen der Großherzog von Toscana in Deutschland entschädigt werden sollte. Der Thalweg des Rhein machte die Grenze gegen Frankreich; die Schiffahrt auf dem Rhein sollte frei sein. Sie war es auch bis >804, wo für die vollständige Entschädigung mehrer Neichsstände eine Rheinschiffahrtsabgabe festgesetzt wurde. Lunge (pulmo) nennt man dasjenige Respirationsorgan im menschlichen Körper, in welchem durch die eingeathmcte Luft die zum Leben nothwendige Veränderung des venösen Blutes in arterielles bewerkstelligt wird. Sie befindet sich in der Brusthöhle und besieht aus einem rechten und einem linken Lungenflügel, von denen jeder in der ihm entsprechenden Seite der Brusthöhle liegt und welche nur durch ihre Größe und Gestalt sich etwas voneinander unterscheiden. Beide Lungenflügelstnd von dem Brustfell (pleuru) überzogen. Dieses bildet zwei in sich vollkommen geschlossene Säcke, deren jeder an die eine Seite der innern Oberfläche der Brusthöhle und unten an das Zwerchfell angewachscn ist, während die der angewachsenen entgcgenstehende Seite durch Einstülpung die Lungen gänzlich 160 * Lunge überzieht, sodaß zwischen den Lungen und den Wänden der Brusthöhle ein leerer Raum befindlich ist, welcher der gehörigen Bewegung ersterer vollkommene Freiheit gestattet. Durch diejenigen Thcile der beiden Brustfellsäcke, welche vorn von dem Brustbein und hinten von der Wirbelsäule aus zu dem Herzbeutel und von da zu den Lungen theils unmittelbar zu diesen übergehen und Mittelfelle genannt werden, erhalten die Lungenfiügel zugleich die ihnen nöthige Festigkeit in ihrer Lage, wozu noch die Verbindung mit der herabsteigen- dcn.Luftröhre und mit dem Herzen durch die Lungcnartericn und Lungenvcnen beiträgt. Die Lungen sind sehr weich, schwammig, elastisch und geben unter dem Drucke des Fingers ein Knistern von sich, welches davon hcrrührt, daß die Luft aus ihnen entweicht. Diese befindet sich nämlich in den kleinen Luftzellcn, welche eigentlich die Enden dcrLuft- röhre (s. d.) darstellen. Diese verzweigt sich baumartig in der Lunge, sodaß diese aus einer Menge sogenannter kleiner Läppchen (!<>k»ili) besteht, deren jedes einen kleinen Zweig dn Luftröhre mit den davon ausgehenden kleinern Ästchen und Luftzellen enthält und die untereinander durch Zellgewebe verwachsen sind. Ferner tragen zur Bildung der Lungen bei die Blutgefäße, welche theils zur Ernährung der Lungen bestimmt sind, theils das Blut aus dem ganzen Körper hierher führen, um cs wieder zur Ernährung tauglich zu machen, die Lymphgefäße, welche in großer Menge vorhanden sind, die Nerven, welche vom neunten Hirnnervenpaare (s. Nervensystem) und demEangliensysteme kommen, und ein sehr feines Zellgewebe. In diesem letztem wird in Form rundlicher Körnchen ein schwarzer Farbe- sivff abgelagert, welcher die ganze Lunge beim Erwachsenen blauschwärzlich erscheinen laßt, während sie beim Kinde, wo noch nicht so viel Farbestoff abgesondert ist, noch ein blaßrokhes Ansehen hat. Die Gestalt eines jeden Lungenflügels ist die eines unregelmäßigen Kegels, dessen Basis aus dem Zwerchfelle ruht; der linke ist durch einen vom Brustfelle ausgckleidcten und von außen nach innen gehenden Einschnitt in zwei, der rechte durch zwei dergleichen in drei sogenannte Lappen (I»lii) gctheilt. Die der Willkür des Menschen nur bis zu einem gewissen Grade unterworfene Verrichtung der Lunge, das Akhmen, bezweckt die Regeneration des Blutes, welche in folgender Art bewerkstelligt wird. Bei dem Einathmcn werden die Lunge und die Brusthöhle ausgedehnt und die feinen sackartigen Endigungen der Luftröhre, die Lungenbläschen, mit atmosphärischer Luft ungefüllt. An und in den Wänden der letztem verlausen die feinen Haargefäße, in welche sich die aus der rechten Herzkammer kommende und das aus dem ganze» Körper zurückkehrende und venös gewordene Blut den Lungen zuführendc Lungenarkerie spaltet, und durch die häutigen, äußerst dünnen und feinen Wandungen, welcbe hier das Blut von der Luft trennen, tritt die Luft einen Theil ihres Sauerstoffgehaltes an das Blut ab, welches dafür der Lust Kohlenstoff mittheilt, der mit dem übrigen Sauerstoff der Luft verbunden als Kohlensäure beim Äusathmen wieder entweicht. Durch diesen Proceß wird das Blut wieder in arterielles, zur Ernährung des Körpers taugliches umgewandelt. Diese zum Leben unerläßlich nothwcndige Verrichtung der Lungen erleidet aber folgerecht größere oder geringere Störungen, wenn die Lungen sich in krankhaftem Zustande befinden, und daher gehören die Lungenkrank!) eiten zu den wichtigsten und gefährlichsten, denen der Mensch ausgesetzt ist. Die ziemliche Größe jedoch, welche das Athmungsorga» besitzt, macht es möglich, daß das Leben fortbestehcn kann, wenn nur ein'Thcil dieses Organs der ihm obliegenden Function vorstehen kann, obgleich sich die dadurch entstehende Störung auf vielerlei Weise bemerklich inacht. Verwundungen der Lunge bedingen eine beträchtliche Erschwerung des Athmens und sind mit bedeutender Gefahr verbunden, welche besonders durch den Erguß von Blut in die Brusthöhle und die dazu tretende Entzündung gesteigert wird. Unter den Krankheiten, welche die Lunge am gewöhnlichsten befallen, ist, außer Husten, Katarrh und andern weniger gefährlichen, besonders die Lungenentzündung, meist Brustentzündung genannt, zu erwähnen, welche bald als Lungengewebentzündung (jEumttmu), bald als Brustfellentzündung (pleuritis), bald als Lungcnbrusi- fe l l e n t z ü n d u n g (pleiiiaperipueuinonia) auftritt. DieseKrankheit hat in ihrer acuten Form nieist sehr deutliche Zeichen, gewöhnlich einen sehr schnellen Verlauf und wird nicht selten durch Uberfüllung der Lungen mit Blut, Erstickung und Apoplexie tödtlich, während sie in andern Fällen in eitrige Lungenschwindsucht (plitlli-is pulmonsli» purulent») Lungenprobe 161. Verwachsung der Lungen mit den umliegenden Theilen, Brustwassersncht, Verdichtung des Lungen gewebes (Kepatisntio pulmonum) und andere längere Zeit andauernde Lungenkrankheiten übergeht, in vielen Fällen jedoch auch geheilt wird, indem sie nur für einige Zeit eine mehr oder minder bedeutendeReizbarkeit der Lungen mitNeigung zuRück- fällen zurückläßt. Von der erwähnten Lungenschwindsucht verschieden sind die sogenannte knotige (pütlnsis pnlmonalir tuberculosii), welche von der das Lungengewebe ergreifenden und zerstörenden Erweichung und Vereiterung der Lungenknoten (s. Tuberkeln) herrührt, und die Schleimschwindsucht (pütlnsi8 pulmonslis pituitosa), welche in übermäßiger Schleimerzeugung in den Lungen und dadurch bewirkter Aufzehrung der Kräfte des ganzen Körpers besteht. Von den gegen diese Krankheiten angewendeten sehr verschiedenen Mitteln ist hier nur als specicll auf die Lunge sich beziehend das Lungenbad zu erwähnen, welches indem Einathmen einer von der atmosphärischen, durch Zusatz von andern Gasarten oder von gewissen Dämpfen verschiedenen Luft besteht und entweder von der Natur selbst, namentlich in der Nähe gewisser Mineralquellen und anderer vulkanischen Producte, in Kuh- ställcn u. s. w. geboten oder künstlich bei Salinen oder in besonders dazu eingerichteten Anstalten bereitet wird; ferner hat das Lungenkraut (pulmouaria okkcinalis odermnoilnti») seinen Namen davon, daß die davon gefertigte Abkochung durch ihren Schleimgehalt bei Reizung der Lunge besänftigend , geschmeidig machend wirkt. Unter den Thieren haben die untersten Claffen kein Organ, welches der Lunge des Menschen ähnlich wäre; das Athmen findet bei ihnen gar nicht,statt und nur der Zweck desselben, die Veränderung des ihnen eigenthümlichen Blutes, wird entweder durch Vermittelung der Haut oder besonderer Werkzeuge, der sogenannten Kiemen, erfüllt, indem hier das an den dünnen Gefäßwandungen vorbeiströmende Wasser diese Veränderung bewirkt. Nur bki einigen Schneckenarten, den Negenwürmern und Blutegeln finden sich Organe, die ein wirkliches Athmen voraussetzen lassen. Viele Arten der Spinnen und alle Insekten haben Athmungswerkzeuge, die meist in einem Apparat von Luftröhren bestehen; die Fische athmen nur durch Kiemen, die Amphibien zeigen zuerst Gebilde, welche den menschlichen Lungen verglichen werden könnten, einige von ihnen haben jedoch neben diesen zugleich auch noch Kiemen; auch haben nur einige paarige Lungen. Am ausgebildetsten ist das System der Lust aufnehmenden Organe bei den Vögeln. Während ihre Lungen stets paarig, im Verhältniß aber klein und ihrer innern Struktur nach auf mancherlei Art von denen des Menschen abweichend sind, findet man in ihrer Brust - und Bauchhöhle große, dieser Thier- gattung eigenthümliche Lustsäcke, die in größere und kleinere Zellen getheilt sind und mit denen durch besondere Öffnungen auch die Höhlen der theilweise marklosen Knochen in Verbindung stehen. Die Ausdehnung der Pneumaticität der Knochen, d. h. die Eigenschaft, Lust zu enthalten, steht im Allgemeinen mit der Größe und dem Flugvermögen der Vögel im Verhältniß. Die Lungen der Säugethiere sind in ihren Grundzügen denen des Menschen gleich und ihre Abweichungen davon blos durch die Größe und Gestalt des Thieres bedingt; nur die Fledermäuse besitzen einen an die Luftsäcke der Vögel erinnernden Apparat. Lungenprobe (liocimnsi» pulmonum k^clrostutica) nennt man den mit der Lunge einer tobten neugeborenen Kindes angestellten Versuch, welcher die Beantwortung der Frage, ob das Kind geathmet habe oder nicht, begründen soll. Bei diesem Versuche werden die Lungen in Verbindung mit dem Herzen nach vorgängiger Unterbindung der untern und obern Hohlvene (s. Herz), der Aorta und der aus dem Bogen derselben entspringenden Gesäße (s. Kreislaufdes Blutes) und der Luftröhre aus der Brusthöhle entfernt und vorsichtig in ein mit reinem kalten Wasser ungefülltes Gefäß gebracht, wobei man beobachtet, ob sie untersinken oder schwimmen. Auf dieselbe Art werden dann die Lungen allein nach gehöriger Lostrennung des Herzens, hierauf jeder Lungenflügel besonders und endlich kleinere abgeschnittene Stücke der Lunge untersucht. Ferner gehört noch zu diesem Versuche, daß man beobachtet, welche Zeichen sich aus dem.Druck der Finger auf die Lunge ergeben, wie das beim Einschneidenchervorquellende Blut beschaffen sei u. s.w. Dieser Versuch stützt sich nämlich auf die Erfahrung, daß das Lungengewebe schwerer ist als Wasser, jedoch leichter wird als dieses, sobald Luft in die Lungenbläschen eingedrungen ist. Mau Conv.-Lex. Neunte Aufl. IX. ' 11 162 Lungrnseuche Lünig hat daher nun so geschlossen: wenn die Lunge auS dem Leichnam eines neugeoorenen Km- des im Wasser nicht schwimmt, so hat dieses auch noch nicht gcathmct, ist also todt zurWclt gekommen; schwimmt sic aber, so ist auch Luft in ihr enthalten, welche nur durch Einath- men hineingekommcnsein kann; das Kind muß gcathmct, also gelebt haben, und die Ursache seines Todes ist in einem Umstande zu suchen, der erst nach der Geburt eingewirkt hat. Fer- ner sprechen ein beim Drucke der Lunge gehörtes Knistern und das Hervorquellen schaumi- gen Blutes beim Eknschneidcn gleichfalls für Vorhandensein von Luft, also für geschehenes Athmen. Die Gewißheit über den vor oder nach der Geburt erfolgten Tod ist aber beson- ders in Fällen von Verdacht aufKindcsmord von der höchsten Wichtigkeit, weshalb die Lun- genxrobe in solchen jedesmal angestcllt wird, wenn sie anders nicht durch zu große Fortschritte der Fäulniß sich als unzweckmäßig hcrausstellt. So sicher indeß das Resultat dieser Untersuchung zu sein scheint, so haben sich dennoch nicht geringfügige Einwendungen von Seiten gelehrter Gerichtsärzte dagegen erhoben, welche thcils dasPrincip, theils die Zuverlässigkeit der Probe selbst in Zweifel ziehen. Sichern Beobachtungen zufolge kann nämlich ° ein Kind nach der Geburt eine Zeit lang leben, ohne zu athmcn, auf der andern Seite aber auch schon vor der Geburt athmen, während die Lungen selbst unter gewissen Umständen auch nach vorgängigem Athmen im Wasser untersinken oder, ohne durch Einathmcn Lust ausgenommen zu haben, schwimmen können. Da diese Einwürfe sämmtlich begründet sind, so kann die Lungenprobe allein nicht entscheidend sein, sondern es gehören noch verschieden! andere Momente, besonders eine genaue Untersuchung, ob im ganzen Körper des Kind« die Veränderungen sich finden, welche nach der Geburt cintrcten, dazu, um zur Gewißheit über die Zeit, in welcher der Tod erfolgte, gelangen zu können, was allerdings wieder bei dem Mangel physiologischer Kenntnisse über diesen umfassenden Gegenstand auf groß! Schwierigkeiten stoßt. Obwol schon Galenus und nach ihm viele Anatomen das VcrlM niß der Lungensubstanz zum Wasser kannten, so wurde doch erst 1662 die Lungenprobr durch Schreyer, Physikers in Zeih, zum gerichtlichen Beweismittel erhoben und seit jenu Zeit als eine der hauptsächlichsten Streitfragen in der gerichtlichen Medicin behandelt. Lungeilseuche oder Lungenfäule ist eine sehr gefürchtete Krankheit des Rindviehes, welche rasch verläuft, schnell um sich greift und vermöge ihrer bösartigen, faulig!» Natur in den meisten Fällen tödtlich ist. Die Lungcnseuche findet ihren Grund in einem -zu großen Gehalt des Blutes an plastischen Stoffen in Folge fehlerhafter Fütterung mit staubigem, verschlemmtem Futter, faulem Wasser u. s. w.; Erkältung kann den Ausbruch der Krankheit befördern, aber nicht selbständig erzeugen. Im zweiten und dritlw Stadium ist die Krankheit ansteckend. Sic dauert drei bis vier Wochen, nach welcher Zeil das Thier entweder fällt oder gesund wird, oder es geht die Krankheit in ei» langwieriges Leiden über. Da die Entstchungsursachen von zu mannichfacher Art und nie ganz zu vermeiden sind, so hat man vorzüglich daraufhinzuarbeiten, die Prädisposition durch mäßige Aderlässe, Gaben von Koch - und Glaubersalz, Applicarion von Haarseiten und Fontanellen zu zerstören-- Daneben sind die Policcimaßregcln gegen die Ansteckung zu beobachten. Man trenne die kranken Thierc von den gesunden, sorge für Reinlichkeit des Stalles, treibe die Thiere nicht auf nasse, sumpfige Weideplätze, halte sie während der Mittagshitze und bei ungünstiger Witterung im Stalle und striegle und bürste sie oft, um die Ausdünstung zu unterhalten. Nur wenn die Krankheit gleich anfangs erkannt und richtig behandelt wird kann sie geheilt werden. LÜNlg (Zoh. Christian), ein verdienter publicistischer Schriftsteller, gcb. zu Schwalenberg in der Grafschaft Lippe am lä. Oct. 1662 , studirte in Helmstedt und Jenwund machte dann als Führer eines jungen Mannes Reisen nach Italien, England, Holland, einen großen Thcil Deutschlands, Dänemark und Schweden. Zn Diensten eines kaiserlichen Generals machte er den Feldzug gegen Frankreich mit, auf welchem ihn der General Flcm- ming kennen lernte, auf dessen Empfehlung er dann Amtmann in Eilcnburg wurde. Fünf Jahre später kam er als Stadtschrciber nach Leipzig, und starb daselbst als solcher am 14 . Aug. 1741 ». Er war ein überaus fleißiger Arbeiter; seine hauptsächlichsten Schriften sind „Das deutsche Ncichsarchiv" (26 Bde.,Lpz. > 716 — 22 , Fol.); „Deutsche Reichskanzlei" (8 Bde., Lpz. 1714 , Fol.); „Europ. Staatsconsilia" (2 Bde., Lpj. 1715 , Fol.); Lunte Lupin 163 „Hiestriim caeromoniulo liist.-pnlit." (2 Bde., Lvz. > 719—20, Fol.); „Ovckex juris mi- litsris" (Lp;. 1723^ Fol.); „Ooclex ^ugusteus" (2 Bde., Lpj. 1724, Fol.); „Lockex Itu- liue tliplnmutiaus" (^Bde.,Lpz. 1725—35, Fol.); „6nr;>iiz juris seutlalis germun." (3 Bde-, Lpz. 1727, Fol.) nebstFortseßung (2 Bde.,Lp;. 1730, Fol.), und „Cot1sx6ermL- niiie lüpioinutiois" (2 Bde., Lpj. 1732—33, Fol.). Lunte nennt man einen von Flachswerg lose zusammengcsponnenen Strang, der, in einer Lauge von Buchenssche und Kalk, auch wol noch mit Salpeter, Blcizucker u. s. w., gekocht, nach dem Trocknen langsam fortglimmt, wenn er an dem Ende angezündct wird, wohin der Strich geht. Die Lunte bildet dann eine spitz-glühende Kohle, welche ;ur stets bereiten Entzündung der Geschühladungen so lange im Gebrauch bleiben wird, bis es gelingt, eine gute Percussions- oder Frictions;ündung zu erfinden. Zum Gebrauch wird sie auf einen Luntenstock gewickelt, dessen obere Klemme das Ende der Lunte fcsthält. Um ihr Äuslöschcn bei Negenwetter zu verhindern, ist sie mit einem pfundledcrnen Lunten- verberger umgeben; bei anhaltender Nässe reicht aber auch dieser nicht aus, und man muß dann zu den Zündlichrcn greifen. In England wird die Lunte ans starkem, in Sal» pcterlauge getränktem Papier rollirt. Luntenschloß. Bei der ersten Anwendung der Handfeuerwaffen kannte man keine andere Entzündungsart der Ladung, als mit der Lunte. Anfänglich wurde sie mit der Hand auf das Pulver der Pfanne gehalten; dann brachte man einen Bügel an, dessen vorderes Ende am Schaft befestigt, dem hintern Ende, in welches die Lunte eingeklemmt war, eine Bewegung nach der Pfanne und zurück erlaubte, wozu ein sehr einfacher Mechanismus mit einem Drücker für den Finger der rechten Hand diente. Noch sehr lange Zeit nach Erfindung des Radschlosses (s. d.) war außer demselben auch noch das vorbe- schriebcne Luntens chloß angebracht. Lupercus ist der röm.Name des lykäischenPan, welcher am palatinischenBerge ein Heiligthum (lmperci,!) hatte, das in einer Grotte bestand. Hier war auch sein mit einem Zicgcnfell umhangenes Bild aufgestellt. Sein Fest (Impercslis), welches Nomulus und Ncmus eingesetzt haben sollen, wurde im Neinigungsmonate (s. Februar) gefeiert. Die dabei den Dienst versehenden Priester hießen I^uperci. (S. Lykäos.) Lupin (Friede. Freiherr von), auf Illerfeld, Mitglied der bair. Akademie der Wissenschaften, als mineralogischer Schriftsteller, sowie als Humorisiikcr in Jean Paul's Manier bekannt, geb. am 1 l. Nov. i 771 in der damals freien Reichsstadt Memmingen, aus einer alten Familie, kam 1789, nachdem er die gewöhnlichen Schulstudien gemacht, zu seiner weitern Ausbildung nach Strasburg, wo er sehr bald als Nationalgardist in die Wirren der Revolution hineingezogen wurde. Von 1790—92studirke er in Göttingen und wendete sich hier mit Eifer dem Studium der Mineralogie zu, dann in Erlangen, worauf er in Deutschland reiste und Schweden und Polen besuchte. Nach seiner Rückkehr wurde er in seiner Vaterstadt 1794 als Stadtgcrichtsassessor und I5VI als Kanzleidirector angestellt. In dieser Eigenschaft fungirte er zur Zeit der Mediatisirung der Reichsstädte als reichsstädtischer Abgeordneter in Paris, sowie bei dem letzten Reichstage zu Ncgcnsburg und auf dem letzten Städtctage zu Ulm. Nachdem Memmingen an die Krone Baiern gekommen, ernannte ihn der König 1804 mit Berücksichtigung seines Lieblingsfachs, der Mineralogie, zum Bergcommissar, 1809 zum Obcrbergcommissar und sodann zum Oberbergrath. In diesem Wirkungskreise unternahm er nicht nur mehrjährige Untcrsuchungsreisen in die bair. Gebirge, sondern bereiste auch die Hochalpen nach ihrer ganzen Ausdehnung. Zn Folge der Aufhebung der Oberbergcommissariate zog er sich auf sein Landgut Jllerfcld zurück, das er durch Cultur, Bauten und Gartenanlagen verbesserte und verschönerte und wo er nun seine Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, namentlich sein höchst instruktiver Naturaliencabinet aufstcllte. Außer seinen mineralogischen und andern Schriften gab er auch „Biographie jetzt lebender »der im Laufe des gegenwärtigen Jahrhunderts verstorbener Personen" (Bd. I, Stuttg. 1826) Heraus. Erst am Abend seines Lebens und gleichsam zur Aufheiterung versuchte er sich mit glücklichem Erfolge im humoristischen Fache und ließ die „Schulrede, gehalten am Sylvesterabend 1837 von Florian Felbel^ 11 * 164 Lupine Luther (Lpz. > 838 ) und die „Erneuerte Schulrede am Sylvesterabend 1839" (Weim.l840) er. scheinen, in denen er in Jean Paul'scher Weise mit gutmüthiger Schalkheit den Ereignissen der betreffenden Jahre in der sittlich-politischen Geschichte Deutschlands entgegentrat. Sein umfassendstes Werk ist seine an interessanten Partien sehr reiche und im Allgemeinen sehr unterhaltende „Selbstbiographie" (4 Theile, Weim. 1844). Lupine (Impinus), ursprünglich eine Zierpflanze, ist auch für den Feldbau wichtig. Sie kann nicht nur zu Erünfutter angebaut werden, sondern sie ist auch die passendste Pflanzezur Gründüngung und kommt in ihrer Wirkung dem Schafmist gleich. Außer, dem dienen die Samen, durch Einweichen von ihrer Bitterkeit befreit, als Gemüse, oder geröstet zur Nahrung und als Kaffeesurrogat. Die Lupine war schon von den Alten gekannt und gerühmt. Man baute sie theils zur Vertilgung des Unkrauts, theils zur Düngung der Äcker und Weinberge an. Auch um die Wurzeln kranker Bäume pflanzte man sie, weil jene dadurch wieder gesund wurden. Die Samen der Lupine werden vorzugsweise zur Fütterung der Zugochsen und zur Vertreibung der Würmer bei Rind- und Schafvieh verwendet. Bei Mangel an Korn dienten sie jedoch auch zur Nahrung der Menschen. Lupulin ist das nur den weiblichen Hopfenpflanzen eigene gelbe Pulver, welche- wie Staub die Samenkörner des Hopfens überzieht. In dem Lupulin liegt die meiste aromatische Kraft des Hopfens, und es ist deshalb nothwendig, für die Erhaltung des Lupulins bei der Ernte des Hopfens (s.d.) dadurch zu sorgen, daß man diesen nicht überreif werden läßt. Das Lupulin enthält ein sehr feines Aroma, Gallussäure, Gerbestoff und ein bitteres, in Wasser und Alkohol lösliches Princip. Lusiäden ist der Titel des Epos von Luis de CamoenS (s.d.). Luugnan (Guido von), s. Guido von Lusignan- Lu rtanien, s. Portugal. Lussac (Nie. Franx. Gay-), s. Gay. Luffa c. Luirum (von luere, d. l. reinigen oder sühnen) hieß das feierliche Sühn- und Reinigungsopfer, das nach Beendigung des Census (s.d.) durch einen der Censoren im Namen des röm. Volks dargebracht wurde. Die Oferthiere, ein Schwein (sus), Schaf («vis) und Stier (isnrus), daher die Benennung 8uovetaur!I!a, wurden vor der Schlachtung um das auf dem Marsfelde ccnturiemveise versammelte Volk herumgcführt und dieses dadurch gleichsam gereinigt oder entsühnt. Weil das Lustrum mit dem Census in der Regel alle fünf Jahre wiederkehrte, wurde mit dem Wort Lustrum auch ein fünfjähriger Zeitraum bezeichnet. Lustseuche, s. Syphilis. Lustspiel, s. Schauspiel. Lutatius ist der Name eines röm. plebejischen EescklechtS. — CajusL. Catulus erfocht als Consul 242 v. Ehr. mit einer durch freiwillige Beiträge derBürger ausgerüsteten Flotte bei den Ägatischen Inseln den Sieg über die karthag. Flotte, die unter Hanno dem Hamilkar nach Sicilien Zufuhr bringen sollte, worauf der Friede, der den ersten pun. Krieg endigte, erfolgte. — Quintus L. Catulus, College des Marius im Consulat imZ. 102, siegte mit ihm alsProconsul tvt über dieCimbernaufden raudischcnFeldern, wurde aber von ihm, da er im I. 87 mit Cinna nach Rom zurückkehrte, trotz der Verwendung seiner Freunde geächtet und gab sich selbst den Tod. Er wird als einer der edelsten, weisesten Bürger gefeiert, zeichnete sich als Redner aus und beschrieb die Thaten seines Consulats.— Sein gleichnamiger Sohn schloß sich an Sulla an, dessen Einrichtungen er als Consul im I. 78 gegen seinen AmtSgenossen M. Ämil. Lepidus (s. d.), der sie stürzen wollte, mit Cnejus Pompejus verbunden aufrecht erhielt. Einer der Führer der optimatischen Partei, war er dem Cicero befreundet, feindlich gegen Cäsar gesinnt, dem er aber im I. 63 beider Bewerbung um die Würde des Pontifex Maximus unterlag. Er starb im I. 60. Luther (Martin), unstreitig der originellste deutsche Charakter und durch Geist und Eemüth wie kein anderer zum Reformator berufen, wurde am l ü.Nov. >483 zu Eislebcn geboren, wo sein Vater, derBergmann Hans L. aus dem Dorfe Möhra, und seine Mutter Margarethe des Jahrmarkts wegen sich befanden. Im folgenden Jahre zog sein Vater nach Mansfeld und kam daselbst später in den Rath. L. wurde mit Strenge erzogen und im Luther 165 14. Jahre nach Magdeburg, >498 aber, weil er hier keine Unterstützung fand, nach Eisenach auf die Schule geschickt, wo er anfangs Currcndcschüler war, dann aber bei einer frommen Frau, Namens Cotta, Aufnahme fand. Im I. 1501 bezog er die Universität zu Erfurt, wo er > 50Z Magister wurde, und nun Vorlesungen über die Physik und Ethik deS Aristoteles hielt. Als er dann nach dem Willen seiner Altern zum Ncchtsstudium über- gehen sollte, wurde in ihm theils durch die Bekanntschaft mit einer Bibel, die er auf der Universitätsbibliothek fand, theils durch den plötzlichen Tod seines Freundes Alexius, vor Allem aber durch eine heftige Krankheit die Vorstellung der menschlichen Unheiligkeit und der göttlichen Strafgerechtigkeit so lebendig angeregt, daß er der heil. Anna ein Gelübde that und >505 in das Kloster der Augustiner-Eremiten zu Erfurt trat. Allein selbst die strengste Ascese befreite ihn nicht von seiner Seelenangst, bis ihn, den Schwererkrankten, ein alter Ordensbruder auf die Vergebung der Sünden durch den Glauben an Jesum Christum verwies. Diese damals über dem Dringen auf sogenannte gute Werke beinahe vergessene Lehre brachte Licht in L.'s Seele, und die Milde, mit welcher Staupih, sein Ordensprovinzial, ihn behandelte, auszeichnete, von allen niedrigen Diensten für das Kloster befreite und zur Fortsetzung seiner theologischen Studien ermahnte, wirkte ermunternd auf sein Herz. Er erhielt 1507 die Priesterweihe und l 508 durch Staupih den Ruf als Professor der Philosophie an die neue Universität zu Wittenberg. Jndeß durfte er schon 1509 einige theologische Vorlesungen halten, wonach er sich um so mehr sehnte, da ihn das fortgesetzte Studium der Bibel, vornehmlich der Paulinischen Briefe, sowie die Lectüre des Augustinus und mancher Mystiker der Scholastik immer mehr entfremdeten. Eine Reise nach Nom, die er >510 in Angelegenheiten seines Ordens unternahm, enthüllte ihm die Irreligiosität und Sittenlosigkeit der röm, Geistlichkeit, schwächte jedoch seine Ehrfurcht gegen den Papst noch nicht. Nach seiner Zurückkunft nahm er ein Predigcramt in Wittenberg an und wurde 1512 Doctor der Theologie, eine Würde, durch die er sich zur unerschrockensten Vcrtheidigung der heiligen Schrift verpflichtet erachtete. Seine gründliche Gelehrsamkeit, welche die alten Klassiker wie die Kirchenväter umfaßte, sowie der Ruf seines geistvollen Vortrags machten ihn bald den größten Gelehrten seiner Zeit bekannt und werth. Groß war daher das Aufsehen, das er in ganz Deutschland erregte, als er am 51. Oct. 151? die berühmten 85 Sätze gegen Tetzel's Ablaßkram an die Schloßkirche in Wittenberg anschlug, um zu einer öffentlichen Disputation über den wichtigen Gegenstand cinzuladen. Hatten ihn zu diesem Schritt weder Ehrgeiz, noch Ordensneid gegen die Dominicaner, sondern blos die Liebe zur evangelischen Wahrheit veranlaßt, so konnten auch weder die Streitschriften deS Dominicaners Hogstraaten, des röm. Beamten Prierias und des vr. E ck (s. d.) noch die Vorladung des Papstes nach Rom, welcher er nicht folgte, noch das glimpflichere Zureden des Cardinals Cajetan (s.d.) zu Augsburg imJ. 1518 und des Nuntius von Miltitz zu Altenburg im I. >519, obgleich Letzterer manche lockende Anerbietung im Namen des Papstes hinzufügte, ihn zum Widerruf bewegen. Widerlegt hatte ihn Niemand, Und mit gutem Grunde appcllirte er von der Entscheidung Cajetan's an den Papst und von diesem an ein allgemeines Concilium. Auch die durch Eck veranlaßte Disputation zu Leipzig im I. > 519 hatte nur die Folge, daß L. von der Unstatthaftigkeit des röm. Primates fester überzeugt wurde. Obschon er in einem bescheidenen Briefe dem PapsteLeo X. seine Ergebenheit bezeugt, auch, falls seinen Gegnern Schweigen auferlegt werde, selbst friedlich zu schweigen versprochen hatte, so wurden doch nicht nur seine Schriften in Rom, Köln und Löwen von seinenFeinden verbrannt, es erschien auch 1520 die päpstliche Bannbulle gegen ihn, den Erzketzer. Jetzt durfte er mit Recht sich von einer Kirchengemeinschaft lossagcn, die ihn selbst von sich stieß, und so verbrannte er zum Zeichen dieser Lossagung am l O.Dec. 1520 vor dem Elsterthore zu Wittenberg die Bulle und die päpstlichen Decretalen. Begeistert jauchzten die trefflichsten Männer des Adels deutscher Nation, die er zur Vertheidigung des neuen Lichts aufgerufen hatte, ein Hutten (s. d.), Sickingen (s. d.) u. A., dem Heiden der evangelischen Freiheit Beifall zu und boten ihm, da der Kurfürst Friedrich von Sachsen unschlüssig schien, ob er ihn schützen solle, ihre Vesten und Schwerter an. Aber L. wollte von Niemand geschützt sein denn von Gott. Die besorgten Freunde, die ihm Nachgebcn anriethen, hörte er nicht mehr; ein innerer, gewaltiger Geist, den er selbst 166 Luther nicht hemmen konnte, trieb ihn zur That fort. Mit Bewunderung vernahm daS Volk die Rede des Mönchs, der sich allein gegen Papst und Priestcrthum, gegen Kaiser und Fürsten stellte. Denn nichts Geringeres khat er, als er am 5.Apr. 1521, von Justus Jonas(s.d.) uno einigen Andern begleitet, die Reise zum Reichstage nach WormS antrat. Gegen 20 vy Personen zu Pferd und zu Fuß kamen ihm eine Stunde vor Worms entgegen. Die Über- zcugung von der Wahrheit seiner Sache war so stark in ihm, daß er dem Boten, durch den Spalatin (s. d.) ihn warnen ließ, antwortete: „Und wenn so viel Teufel zu Worms wären als Ziegel auf den Dächern, doch wollt' ich hinein". Vor dem Kaiser, dem Erzherzoge Ferdinand, 7 Kurfürsten, 2t Herzogen, «Markgrafen, 30Bischöfen undPrälalcn und vielen Fürsten, Grafen, Herren und Gesandten erschien L. am 17. Apr. in der Reichs- versammlung, bekannte sich zu seinen ihm vorgelegtcn Schriften und schloß am folgenden Tage seine zweistündige, zugleich echt deutschen Geist athmende Vcrtheidigungsrcde mit den Worten: „Es sei denn, daß ich mit Zeugnissen der heiligen Schrift oder mit öffentlichen, klaren und Hellen Gründen und Ursachen überwunden und überwiesen werde: so kann und will ich nichts widerrufen, weil weder sicher noch gerathen ist, etwas wider das Gewissen zu thun. Hie steh' ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir! Amen". Er verließ Worms in der That-als Sieger, aber unter so unzweideutigen Vorbedeutungen des Unter-, ganges, den seine Feinde ihm bereiteten, daß der Kurfürst Friedrich der Ä^sse von Sachsen ihn unterwegs am 4. Mai wegfangen und heimlich nach der Wartburg schaffen ließ, um sein Leben zu sichern. Weder die kaiserliche Achtscrklärung noch die Bannbullen des Papstes konnten ihn in der Muße stören, die er hier zum liefern Studium des Griechischen und Hebräischen, zu polemischen Schriften und vor Allem zur Verdeutschung des Neuen Testaments anwendete. Doch dauerte diese Zeit der Ruhe nur zehn Monate. Auf die Nachricht von Karlstadt's (s.d.) Bilderstürmer« hielt ihn nichts zurück,und trotz der neuen Achtserklärung, welche der Kaiser zu Nürnberg wider ihn erließ, trotz der drohenden Ungnade des Kurfürsten eilte er, mitten durch das Land des gegen ihn erzürnten Herzogs Georg von Sachsen, nach Wittenberg. Der Brief, in dem er sich wegen dieser Entweichung bei dem Kurfürsten Friedrich rechtfertigte, ist ein herrlicher Beweis seiner Scclengrößc. Die Predigten, mit denen er gleich nach seiner Rückkehr, am 7. März 1522, acht Tage nacheinander aufkrat und de» Aufstand der Neuerer in Wittenberg stillte, zeigen seine weise Abneigung gegen kirchlichen Radikalismus, seine feine Menschenkcnntuiß und seine Sanftmuth gegen blos Irrende. Nur wo böser Wille und unlautere Gesinnung sich ihm cntgegcnstellten, oder wo er die evangelische Wahrheit in Gefahr sah, war er stürmisch; daher seine harte Antwort auf die kleinliche Schmähschrift König Heinrich's VIll. von England und die Erbitterung in seinen Streitigkeiten gegen Karlsiadt und Erasmus. Den Letzter» hielt er, nicht ohne allen Grund, für lau gegen die gute Sache; in Karlstadt's Angriffen auf seine Abendmahlslchre aber glaubte er offenbare Abtrünnigkeit und Eifersucht zu erkennen. Unter diesen Kämpfen und Anfechtungen war sein Entschluß gereift, auf eine völlige Reformation der Kirche, welche die Nation laut verlangte, hinzuarbeitcn. Zunächst fing er t 523 an, in Wittenberg die Liturgie von leeren Gebräuchen zu reinigen. Dadurch, daß er 1524 die Mönchskutte ablcgte, gab er das Zeichen zur Aufhebung der Klöster und zur bessern Verwendung der Kirchengüter. Auch nahm er eine Nonne, welche das Kloster verlassen hakte, Katharina von Bora (s. d.), 1525 zum Weibe: ein Schritt, den der 42jährige Mann erst nachviclen Bedenklichkeiten, aber gewiß ebenso wol aus Grundsatz als aus Neigung that. Doch nur auf dem Wege der Ordnung wollte er die neue Form des kirchlichen Wesens eingcführt wissen. Während er den Reichsstädten und fremden Fürsten dabei mit Rath und That zur Hand ging, erklärte er sich um so nachdrücklicher gegen die aufrührerischen Bauern und Wiedertäufer, je mehr seinem gesunden Verstände Schwärmerei und Überspannung lebenslang fremd und zuwider waren. Mit der Ruhe eines Mannes, der wohl wußte, was er wollte, gab er von 1527—29 unter Autorität des Kurfürsten, mit Hülfe Melanchthon's und anderer Freunde, der Kirche in Sachsen eine neue, der Lehre des Evangeliums entsprechende Ordnung, und vom höchsten Gewichte war das Verdienst, welches er sich durch die Abfassung des Großen und Kleinen Katechismus (s. d.) um den Schulunterricht erwarb. Weniger erfreulich erscheint vom heutigen Standpunkte die Un» Luther 167 duldsamkcil, die er gegen die schweiz. Reformatoren wegen ihrer abweichenden Ansicht in der Abcndmahlslehre übte. Allein abgesehen davon, daß sie bei ihm aus tiefer Ehrfurcht vor dem göttlichen Worte hervorging, so erwies sich die Trennung von den Neformirten schon l 53V als politisch kluge Maßregel; auch bedurfte cs eines in Glaubenssachen unbeugsamen Geistes, um den Versuchen der Papisten, die durch Unterhandlungen etwas von der gewonnenen Wahrheit abdingen wollten, siegreich zu widerstehen. Ganz in diesem Geiste schrieb er 153"! die Schmalkaldischen Artikel (s.d.), aus denselben Gründen gab er den bran- denburg. und anhalt. Gesandten, die 1541 vom Reichstage zu Negensburg an ihn geschickt wurden, um ihwzur Nachgiebigkeit gegen die Katholischen zu stimmen, eine abschlägige Antwort, auch verweigerte er 1545 die Theilnahme seiner Partei am Concilium zu Trident. Die Heftigkeit des Tons in seinen Streitschriften findet Entschuldigung in der herrschenden Denk- und Sprechart seines Zeitalters, in derNatur seines Unternehmens, das ohne Kampf und Streit gar nicht von statten gehen konnte, in der Kränklichkeit, die ihn nicht selten verstimmte, in der Lebhaftigkeit seiner Phantasie, und gern wird man seine Rauheit mit seinem eigenen Ausspruch entschuldigen: „Meine Schale mag ziemlich hart sein; aber mein Kern ist weich und süß". Aus den Ansichten seiner Zeit und seinen durch übermäßige Anstrengungen entstandenen hypochondrischen Leiden erklären sich auch die Schreckbilder teuflischer Anfechtungen, die ihn oft beunruhigten; denn der Teufel war jenem Zeitalter eine wirkliche Person, und wer sich der Sache Gottes widmete, mußte den Angriffen des Teufels nothwendig überall begegnen. Genug, daß er die Kraft hatte, es mit dem Teufel auf- zunehmcn. „Ich bin dazu geboren", sagte er selbst, „daß ich mit Rotten und Teufeln muß kriegen und zu Felde liegen, darum meiner Bücher viele stürmisch und kriegerisch sind". Daß er ohne Falsch und überall ehrlich zu Werke ging, mußten ihm selbst seine Feinde zugestehen. Bei keinem Manne war der Grundcharaktcr des deutschen Eemüths, Eradheit, Treue und Redlichkeit, herrlicher entwickelt und offener dargelcgt. Er scheute sich ebenso wenig, seine Schwächen zu gestehen, als die Fehler Anderer zu züchtigen, und neben diesen Schwächen war die überlegene Kraft und Größe seines Geistes mit vielen liebenswürdigen Eigenschaften vereinigt. Man erstaunt über die unermüdeteThätigkeit, mit der L. nach allen Seiten hin wirkte; das große Werk der Bibelübersetzung brachte er von 1521—34 zu Stande, und schon hierdurch würde sein Name unsterblich sein. Es erschien zuerst 1523 das Neue Testament, 1534 das Alte Testament und die ganze Bibel überarbeitet 1541. Zugleich bewährte er sich durch die Menge seiner Abhandlungen über die wichtigsten Gegenstände des'Glaubens als einen der fruchtbarsten Schriftsteller aller Zeiten und die meisten seiner Arbeiten überragen an Geist und Gehalt beiweitem die Schriften seiner Zeitgenossen. Er predigte in jeder Woche mehre Male, ja zu gewissen Zeiten täglich, verwaltete mit Eifer sein geistliches Amt und führte einen ausgcbrcikeren lat. und deutschen Briefwechsel über Gegenstände aller Art mit Fürsten und andern Großen, mit Gelehrten und Freunden. Er war für jeden Besuchenden zugänglich, half mit Rath und That, wo cs Noch war, bekümmerte sich um jeden Armen, der ihn ansprach, und gab sich gern selbst den Freuden der Geselligkeit hin, wobei er, wie seine Tischreden zeigen, eine körnige und geistreiche Unterhaltung führte. Auch blieb er der Kunst nicht fremd; bekannt ist seine Vorliebe für die Musik, in welcher er, so oft es nur möglich war, durch Singen und durch Spielen auf der Flöte und Laute seine Erholung suchte. Seine geistlichen Lieder, von denen zuerst acht zu Wittenberg 1524, später 89 zu Leipzig 1545 erschienen, zeichnen sich durch Innigkeit und Kraft aus. Seine vollkommene Herrschaft über die deutsche Sprache zeigt sich in allen seinen Schriften, namentlich in seiner Bibelübersetzung. Mir ihm begann für die Geschichte der deutschen Sprache ein neuer Zeitraum, und seine Sprache, zu der die verschiedenen oberdeutschen Mundarten hatten beisteuern müssen, wurde von jetzt an die herrschende Schriftsprache. Nur eine seltene Geistes- und Körpcrkraft konnte so gehäuften Arbeiten gewachsen sein. Schonseit 1531 hatte er mit harten körperlicken Leiden, namentlich mit Steinsckmerz und Schwindel, zu kämpfen und war in mehren Krankheiten dem Tode nahe. Vor der letzten Reise nach Eislcben, wohin ihn die Grafen von Mansfeld zur Schlichtung einer Streitigkeit riefen, schilderte er im Jan. 1546 seinen Zustand in einem Briefe folgendermaßen; 168 Lutheraner „Ich alter, abgelebter, fauler, müder, kalter und nun auch einäugiger Mann hoffte doch nun ein wenig Ruhe zu haben; so werde ich aber dermaßen überhäuft mit Schreiben, Reden, Thun und Handeln, als ob ich nie etwas gehandelt, geschrieben, geredt oder gethan hätte. Ich bin der Welt satt und die Welt meiner, wir sind also leicht zu scheiden, wie ein Cast, der die Herberg quittirt. Darum bitte ich um ein gnädiges Stüudlein und begehre des Wesens nicht mehr". Er starb am > 8. Febr. 1546 zu Eisleben und wurde in der Schloßkirche zu Wittenberg begraben. Seine zärtlich geliebte Frau hinterließ er mit vier Kindern (zwei waren früher gestorben) in dürftigen Umständen. Seine männliche Nachkommenschaft erlosch mit Mart. Gottlob L., der 17 59 als Rechtskonsulent in Dresden starb. Die angeblichen Nachkommen in Erfurt, Böhmen, Dresden und Schleswig, die von L.'S ältesten Sohne, Johannes L., abstammen wollen, lassen sich nicht einmal mit einem Scheine historischer Wahrheit anknüpfen. Wider L.'s Willen wurde seine Partei nach ihm die Lutherische genannt; wider seiner Willen hat sic die Kriege geführt, die Deutschland verwüsteten. L. rieth, so lange er lebte, zum Frieden und erhielt ihn; er achtete es für Frevel, mit menschlicher Gewalt durchsetzen zu wollen, was Gottes Sache ist, und in der That hat sein unerschütterlicher Glaube mehr dafür gethan, alS alleKriege und Verträge nach ihm. Einige Geschichtschreiber sind bemüht gewesen, eine Menge von äußern Umständen aufzuzählen, welche die Reformation herbcige- führt haben würden, auch wenn kein L. erschienen wäre. Wir aber halten uns an Daß, was wirklich geschehen ist, und finden die Grundbewegkraft des größten aller deutschen Werke in dem Charakter L.'s. Von den durch die Literarische Gesellschaft in Mansfeld seit 1801 gesammelten Beiträgen zu einem Denkmale L.'s, zusammen 34000 Thlr., wurde am 31. Oct. 1821 das Denkmal zu Wittenberg aufgestellt, wozu der König von Preußen am I.Nov. 1817 den Grundstein gelegt. Neuerdings hat auch Friedrich Wilhelm lV. angeordnet, das Wohnhaus L.'s in Wittenberg auf Staatskosten anzukaufen und eine Schule darin einzurichten. Unter den Ausgaben der Werke L.'s ist die von Walch (24 Bde., Halle 1740—51, 4.) die vollständigste; neue Ausgaben derselben erscheinen in Erlangen (Bd. I—36, 1826—44) und in Leipzig (Abth. I und 2, 1844—45); „L.'s Werke, in einer das Bedürfniß der Zeit berücksichtigenden Auswahl" wurden in Hamburg (10 Bde., 1826; 3. Aufl., 1844); seine „Briefe, Sendschreiben und Bedenken" von de Wette (5 Bde., Berl. 1825—28), desgleichen von Pfizer (Franks. 184») und von Gcrlach (Bd. I —H,Berl. 1841—44); seine „Politischen Schriften" von Thcod. Mundt (Bd. I—4, Berl. 1844—45) und seine „Kirchenpostille" von Francke (Bd. I, Lpz. 1844—45)hcr- ausgegeben. Vgl. Mathesius, „Leben L.'s in 17 Predigten", herausgegeben von Rust (Berl. >842); E. A. H. Ukert, „L.'S Leben" (2 Bde., Gotha 18,7); Pfizer, „L.'s L-- den" (Stuttg. 1836); Jäckel, „8. und seine Zeit" (20 Bdchn., Lpz. 1840—42) und Genthe, „L.'s Leben" (Lpz. 1841 fg.). Lutheraner oder Altlutheraner ist der Name einer Partei, welche in der Fortbildung der Kirchcnlehre seit Luther eine Entartung und nur im buchstäblichen Festhalten an dem lutherischen Lehrbegriffe Heil erblickt. Aus der Reaction wider den Rationalismus im Allgemeinen hervorgegangen, hat sie sich namentlich im Gegensätze gegen die Union (s. d.) und Agende (s. d.) in Preußen consolidirt. Zuerst nämlich trat im I. 1830 in Breslau auf Scheibel's (s. d.) Anregung eine Gemeinde zusammen, welche die Union als einen Bund Christi mit Belial verschrie und in ihr, sowie in der Agende, die Aufhebung der lutherischen Kirche sah. Auch sammelte sich ein Häuflein Gleichgesinnter 1834 um Guerike (s. d.) in Halle. Wol suchte nun die Regierung theils durch Entsetzung der Stimmführer, theils durch gütliche Vorstellungen cntgegenzuwirken; allein der blinde Ei- ! fer erfaßte hierauf auch mehre Landgemeinden Schlesiens, unter diesen Hönigern (s. d.), i und ging so weit, daß man den Besuch unirtcr Schulen und den Gehorsam gegen unirte ! Kirchenobere für heilsgefährlich erklärte. Unter solchen Umständen schritt der Staat endlich zu ernstern Maßregeln und wendete, als diese wenig fruchteten, die Gesetze gegen tzchul- versäumniß, Laientaufe und Conventikel auf die lutherischen Separatisten an. Trotzdem erhielten sie sich, bis ihnen Friedrich Wilhelm IV. die Bildung selbständiger Gemeinden >ch ke- an :in >re >er in ch. rb. !.'S em in M zu da- ge- ge- aß, st» seit rde ßen an- ul- alle 8d. ner de. ette 8d. >n- kust Le- rnd Sitten ruS on > in ion mg um der Ei- d-), irte licii ul- em >ea Lütke Lüttich 169 gestattete. Übrigens hat die Partei durch die Art und Weise, wie sie gegen den Staat auf- trat, selbst Diejenigen sich entfremdet, die gleich ihr an Systemen Luther's festhalten, wie Harms (s. d.), Grundtvig (s. d.), Nudelbach (s. d.) u. A. Lütke (FedorPetrowitsch), aus deutscher Familie stammend, gegenwärtig russ. Con- treadmiral und Erzieher des Großfürsten Konstantin, hat sich besonders einen Namen ge- macht durch seine in den Z. 1826—29 ausgeführte Weltumsegelung. Am 2V. Aug. l 826 ging er, damals noch Flottencapitain, auf der Kriegssloop Ssenjawin gemeinschaftlich mit dem Capitainlieutenant Stanjukowitsch, der ihm auf der Kriegssloop Möller beigegeben wurde, aus Kronstadt ab, um die Rußland zugehörigen Küsten Asiens und Amerikas und die im Norden des Stillen Oceans zerstreut liegenden Inselgruppen zu untersuchen. Er entdeckte drei Inselgruppen, die er nach seinem Schiffe die Ssenjawininseln benannte, durchforschte das Beringsmeer, beschrieb die bisher unbekannten Koraginsinseln, die Insel des heil. Matthias und die Küste von Tschukotien von dem Ostcap bis nahe zur Anadyr- mündung, und bestimmte die Lage der Pribylowsinseln; auch untersuchte erden großen Archipel der Karolineninseln von der Insel Jualan bis zur Gruppe Ulyuthy, sowie die Bonin-Simainseln, während Stanjukowitsch gleichzeitig einen Theil der Küsten der Halb' insel Alaschka, die Inseln Lito und Lasarew ausnahm und die Insel Möller entdeckte. Die eigentliche Wissenschaft trug reichlichen Gewinn von dieser Expedition, denn außerdem, daß L. viele geographische Ortsbestimmungen, besonders auf Kamtschatka, ferner viele Höhenmessungen, Untersuchungen über die Strömungen, Beobachtungen über Ebbe und Flut in den Häfen, über die Temperatur des Seewaffers an der Oberfläche, über die Magnetnadel und die stündlichen Schwankungen des Barometers u. s. w. machte, war er auch der Erste unter allen russ. Weltumseglern, der eine Reihe der sorgfältigsten Pendelversuche anstellte. Nicht minder gewährte diese Reise in naturwissenschaftlicher Beziehung eine herrliche Ausbeute. Am 25. Aug. 1829 kehrte er zurück und widmete die nächsten sieben Jahre der Ordnung und Überarbeitung des angesammelten Stoffs. Sein Reiscwerk erschien in russ. Sprache (3 Bde., Petersb. 1834—36, mit Atlas). Auch enthalten die „Memoiren" >er Petersburger Akademie eine Menge interessanter Berichte von ihm selbst und von den Teilnehmern der Expedition, von denen einige, z. B. Postels, auch selbständige Neisewerke erscheinen ließen. Zugleich übergab er dem Museum der Akademie ein überaus werthvolles Portefeuille von >260 Zeichnungen und eine reiche Sammlung von Kleidungsstücken, Waffen, Werkzeugen und Zierrathen der Südseeinsulaner. Sein Werk ist in mehre Sprachen übersetzt, wie denn L. jener Expedition überhaupt seine gegenwärtige einflußreiche Stellung verdankt, mit der er eine edle, freie Denkart und ein leutseliges Wesen voll hoher Humanität, die ihn den Deutschen wie den Russen gleich werth macht, verbindet. Lutter am Barenberge, ein Dorf im Braunschweigischen, mit einer herzoglichen Domaine und 1300 E., ist bekannt durch die Schlacht im Dreißigjährigen Kriege am 27. Aug. 1626, in welcher Lilly den König Christian IV. von Dänemark vollständig schlug. Lüttich (franz. I-ieFs, fläm. I-n^Ir), eine Provinz des Königreicys Belgien von 52'/, LlM. mit 413500 E., meist Wallonen, die sich zur katholischen Kirche bekennen, grenzt im Norden an Limburg, im Osten an Nheinpreußen, im Westen an die Provinzen Brabant und Namur und im Süden an Luxemburg und Namux und besteht aus Theilen des ehemaligen Hochstifts L., des Herzogkhums Limburg und aus der reichsunmittelbaren Abtei Stablo, die zur Zeit der franz. Herrschaft den Departements Ourthe und Sambre- Maas angehörten. Außer der Maas, die sie durchschneidet, wird sie vorzüglich von der Ourthe durchflossen. DerBoden ist im südlichen und östlichen Theile, wohin sich eine Forr- sttzung der Ardennen zieht, waldig, felsig und hügelig, im westlichen Theile eine fruchtbare Ebene. Getreide wird, besonders im Süden, nicht ausreichend gewonnen und durch den Kartoffelbau ersetzt; dagegen sind die Schaf- und die Nindviehzucht nebst der Käsebereitung sehr ausgebreitet. Sie ist reich an Steinkohlen, Galmei, Alaun, Eisen, Kalk-, Bau- Wetz- und Flintenstcinen und gutem Marmor, sowie an Mineralquellen, von denen Chaudfontaine und besonders Spaa als Bäder berühmt sind. Wichtig sind ferner die Baumwollenzeug-, Tuch-, Strohhut- und Holzwqarenfabriken, nächstdem die Verfertigung von Stahl- und Ei- senwaaren aller Art, Nadeln, Messern, chirurgischen Instrumenten, Nägeln, EisenLahnschic- 170 Lüttich neu, Dampfbootcn, Dampfmaschinen, Lokomotiven und besonders von Kanonen nnd Schießgewehren. L. war ehemals ein zum Westfälischen Kreise gehöriges Bisthum, dessen Bischöfe deutsche Ncichsfürstcn waren, wurde >701 von den Franzosen beseht, im Frieden von Luncville förmlich an Frankreich abgetreten und dann dem Departement der Ourthe einvcrlcibt. Durch den Beschluß des wiener Congrcsscs und einen bcsondern Vertrag vom 23. Marz >815 wurde cs mit den übrigen südlichen nicdcrländ. Provinzen als ein souveraineS Fürstcnthum demKönigc der Niederlande überlassen und bildete,nachdem einige Theile davon zu den Provinzen Henncgau, Limburg und Namur gekommen und dafür andere von Lim- bürg, Luxemburg und Namur dazugeschlagen worden waren, eine Provinz des Königreichs der Niederlande, bis dieselbe in Folge der Revolution von 1830 an Belgien kam. Dir Hauptstadt Lüttich, der Sitz eines Bischofs, eines Gouverneurs und einer Universität, mit 71 »00 E., liegt in einem herrlichen, fruchtbaren Thale an der Maas, in welche oberhalb der Stadt die Ourthe mündet, zwischen zwei Bergen, von denen der höchste auf der Nordscirc, der St.-Walburgisberg, die nach einem neuen Plane wiedcrhcrgestcllte starke Citadellc trägt, und hat meist enge und finstere Straßen, von Steinkohlenrauch geschwärzte Häuser, aber einen schönen Quai mit gutgebauten Häusern an der Maas. Dieser Fluß thcilt L., abgesehen von den zehn Vorstädten, in die alte oder obere und in die neue oder untere Stadt; über ihn führen 17 Brücken, unter welchen sich die alte Brücke (U016, erneuert 1522—38, mit prachtvollen Glasmalereien in den Fenstern des hohen Chors; die St.-Paulskirche, zum Thcil aus dem 13. Jahrh., vollendet in der Mitte des >6. Jahrh., mit einer unter Geefs' Leitung in Holz geschnitzten herrlichen Kanzel; die Bartholomäuskirche, eine Basilica aus dem 12. Jahrh., mit zwei byzant. Thürmen und einem merkwürdigen ehernen Taufbecken aus dem 12. Jahrh.; die Martinskirche, aus der Mitte des 16. Jahrh., mit guten Elas- gemäldcn nnd herrlicher Aussicht auf die Stadt, und die Kirche des heil. Kreuzes. Das se- hcnswürdigste öffentliche Gebäude ist der Justizpalast, zum Theil aus dem 16. Jahrh., früher die Residenz der Fürstbischöfe. Die Universität, die 1817 von der nicderländ. Regierung gegründet wurde, zählt über 500 Studircnde und ist im Besitz eines schönen Uni- versitätsgebäudcs, welches nächst den Hörsälen alle akademischen Sammlungen umfaßt, die aber mit Ausnahme des physikalischen Apparats nicht von großer Bedeutung sind. Auch hat die Universität einen botanischen Garten. Außerdem bestehen in L. eine Gesellschaft für Wissenschaften nnd Künste, eine Malerakademie, ein musikalisches Conscrvalo- rium, ein theologisches Seminar, ein Lyceum und eine Taubstummenanstalt. Unter den Fabriken sind die Tuch- und Wollenzcugfabriken und dic Gewehrfabrikcn die ansehnlichsten. Nächstdem hat L. eine große Gcschützgicßerei und Bohrerei, die mit zwölf Öfen arbeitet, eine Zinkfabrik, Gerbereien, Leimsiedereien, Cichorienfabriken, eine Feilen- und Ambosfabrik und viele Nägelfabrikcn. Zwölf Schwarzblcchmüylcn in der Umgegend bereiten jährlich 00—100000 Ctr. Blech. Die Steinkohlcnbrüche in der Nähe ziehen sich zum Tbeil 000 F. tief unter der Erde fort und liefern jährlich über 0 Will. Ctr. Steinkohlen. Der Handel mit Fabrikerzcugnisscn und der Spcditionshandcl sind ansehnlich; ihn unterstützen eine Börse und ein Handelsgericht. Sehcnswerth ist die Passage Lcmonnier, ein großartiger Bazar mit Kaufläden. Die Stadt kommt bereits im 8. Jahrh. vor, wo die Bischöfe von Tongern ihren Sitz von Maastricht dahin verlegten. Frühzeitig zu bedeutender Große angewachsen, reich und freiheitsliebend sührte-die Bevölkerung wiederholte Kriege mit den Bischöfen, wobei das benachbarte Frankreich sic gern unterstützte. Karl der Kühne, im Einverständniß mit dem Bischöfe, eroberte sie 1167, schleifte ihre Mauern und führte ihr Geschütz fort; auch Maximilian I. mußte als Erzherzog zweimal sie mit Gewalt zur Unterwerfung bringen. Von denFranzoscn wurde sie 167 5, >681 und 1601, von Marlborough im span. Erbfolgekricge >702 erobert. Schon im Nov. 1782 wurde die Stadt von den Franzosen besetzt, im Marz 1793 aber wieder geräumt und erst am 27. Juli 1701 unter Lützen 171 Pichegru nndJourdan von neuem erobert. In der Revolution von 1830 gehörte L. zu den ersten Städten des Landes, die von Holland absielcn. Lützen» eine kleine, unansehnliche Stadt mit 1800 E. im Regierungsbezirk Merseburg der preuß. Provinz Sachsen, erhielt einen denkwürdigen Namen durch die beiden Schlachten, die hier im Dreißigjährigen-Kriege und im Befreiungskriege gegen Napoleon geschlagen wurden. Die erstere siel am 0. (l 0. neuen Stils) Nov. 1632 vor. Nach der Aufhebung des Lagers von Nürnberg hatte sich Gustav Adolf, um seine Eroberungen fort- zusetzen, nach Baiern, Wallcnstcin aber gegen Sachsen gewendet, um den schwankenden Kurfürsten mehr durch Waffengewalt als durch Güte für den Kaiser zu gewinnen und den Schweden den Weg nach Norddcutschland zu verlegen. Schon waren Holk und Gallas vorausgescndet worden, die das Land auf jede Weise ängstigen mußten, und Wollenstem folgte mit der Hauptmacht. Da erschienen bei Gustav Adolf, der gerade Anstalten traf, Ingolstadt aufs neue zu belagern, Boten über Boten des Kurfürsten, ihn zur Hülfe her» bcizurufcn. Über Nürnberg und Arnstadt seinen Weg nehmend, vereinte der König sich mit dem Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar, ging dann über Erfurt nach Naumburg, um sich womöglich mit den Sachsen zu vereinigen, und verschanzte sich hier in einem festen Lager. Sogleich rückte Wollenstem dem König bis L. entgegen, dieser aber traf Vorkehrungen zur Befestigung seines Lagers, welche bei der vorgerückten Jahreszeit auf eine Beendigung des Feldzuges zu deuten schienen. Wallenstein, hierdurch sicher gemacht, entsendete Pappenhcim gegen den Rhein, um dem Kurfürsten von Köln gegen die Holländer bei- zustehen, und verlegte die bei ihm zurückbleibenden Truppen in enge CantonirungSquartiere in der Gegend von L. Kaum erfuhr Gustav Adolf Pappenheim's Abmarsch, als er sogleich den Plan zur Vereinigung mit Johann Georg aufgab und, um Wallenstein anzugreifen, geraden Weges gegen L. zog, wo er am 5. Nov. Abends anlangte. Überrascht von der Ankunft der Schweden, zog Wallenstein eiligst sein Heer zusammen und entsendete Eilboten an Pappenhcim, unverzüglich von Halle zurückzukommen. Zugleich ließ er in der Nacht und am Morgen seine Stellung auf alle Weise befestigen, und ordnete sein Heer so, daß der rechte Flügel unter Holk an das Städtchen L. sich anlehnte, der linke unter Gallas bis zu dem die Ebene zwischen Markranstädt und L. durchschncidcnden Floßgraben sich aus- dchnre. Die Fronte war nach der Straße zu gekehrt, deren Gräben Wallcnstcin vertiefen und mit Scharfschützen besetzen ließ. Dahinter standen zwei Linien Füscliere und eineLinie Kroaten, die von ihren Pferden über die beiden vordersten Linien wcgschicßen, den Feind also einem dreifachen Feuer aussehen sollten. Eine vor der Fronte des Heers aufgcfahrene Batterie von sieben Kanonen sollte diese Truppen schützen, und eine andere Batterie von > 3 Kanonen war auf dem höchsten Punkte der Gegend an den Windmühlen so aufgestellt, daß sie einen großen Theil der Ebene bestreichen konnte. Die eigentliche Schlachklinie, in zwei Treffen geordnet, stand etwa 3N0 Schritte hinter der Landstraße; dasFußvolk in vier große unbchülfliche Quarrc's gesondert, bildete das Centrum, von Schafgoksch und Schaumburg befehligt, aus beiden Flügeln hielt die Reiterei; auch hatte der rechte Neitcrflügcl ein fünf^ tes Quarre in seiner Mitte. Die Schlachtordnung der Schweden war dieselbe, wodurch Gustav Adolf das Jahr vorher bei Leipzig gesiegt hatte. Durch das Fußvolk hatte der Köniz kleine Schwadronen Reiter, unter die Reiterei hin und wieder eine Anzahl von Musketieren verthcilt, doch, gewarnt durch die leipziger Schlacht, demselben Feldstücke beigcge- bcn, um sich kräftiger gegen die einbrechende Cavalerie vertheidigcn zu können. Die ganze Armee stand in zwei Tressen; der linke Flügel reichte bis L., der rechte über den Floßgraben hinaus; vor der Fronte zog sich die große leipziger Straße hin, im Rücken krümmte sich der Floßgrabcn um das Heer. Auf den Flügeln hielt die Reiterei, in der Milte in acht Abthei- lungen das Fußvolk. Der König selbst führte den rechten, der Herzog Bernhard den linken Flügel, die Mitte aber der Graf Kniphauscn. Das Geschütz der Schweden bestand aus lvo Kanonen, davon waren 26 der schwersten in Batterien vor dem linken Flügel und außerdem vor jedem Flügel noch 20 kleinere, und fünf vor jedem Schlachthaufen des Fußvolks ausgestellt. So geordnet standen sich beim Anbruche des 6. Nov. beide Heere gegenüber; doch ein dichter Nebel, der über der weiten Ebene verbreitet lag, verzögerte den An- Anff. Knieend unter Begleitung der Feldmusik verrichteten die Schweden ihre Morgens«- 172 Lützen dacht; dann durchritt der König die Reihen seiner Truppen, ihren Muth zur frohen Zuversicht zu entflammen, und als gegen Mittag der Nebel allmälig vor der Sonne schwand, gab er mit dem läuten Rufe: „Nun wollen wir dran! Das walt'der liebe Gott! Jesu, Zesu, hilf mir heut' streiten zu deines heiligen Namens Ehre" das Zeichen zum Angriff. „Gott mit uns" war das Losungswort der Schweden, „Jesus, Maria" das der Kaiser!!- chen. In muthiger Haltung rückten das blaue und gelbe Regiment auf der Ebene vor, dem Feinde entgegen, der, unterstützt von dem Floßgraben und derBrustwehr, vonMuske- tieren, Kürassieren und dem groben Geschütze, die Andringenden mit einem furchtbaren Feuer empfing. Zurückgctreeben und mit gelichteten Reihen erneuerten sie dennoch, older König selbst sich an ihre Spitze stellte, den Angriff, vertrieben die Kaiserlichen aus den Gräben, eroberten die hier ausgestellteBatterie und rückten im Sturmschritte auf dieQuar- res an. Das erste derselben wurde bald durchbrochen, ebenso nach heftigem Kampfe da- zweite, und schon war das dritte in gleicher Gefahr, als Wallenstein zur Hülfe herbeieilt!, mit den holk'schen Kürassieren die zerstreut und schutzlos andringenden Schweden zurückwaif und die von dem Feinde genommene Batterie wiedereroberte. Inzwischen war es auch dm schweb. Schwadronen, die dem Fußvolke nicht so schnell hatten folgen können, gelungen, über den Graben zu sehen. Sie stürzten sich auf Wallenstein's Reiter und warfen die vordersten aus die hintersten zurück; Schrecken und Verwirrung verbreitete sich über den ganzen linken Flügel des kaiserlichen Heers und die Batterie der sieben Kanonen wurde auf- neue erobert. Ebenso hatte der König auf dem rechten Flügel gewichtige Vorthcile erfochten. Schon der erste mächtige Andrang der schweren sinnländ. Kürassiere zerstreute dii leicht berittenen Polen und Kroaten, die sich an diesen Flügel anschlossen, und ihre unor- dentlickeFlucht theilte sich bald auch der übrigen Reiterei mit. Da erhielt derKönig die Nachricht, daß seineJnfanterie über die Gräben zurückgeschlagen sei und daß auch sein linker Flügel, durch das feindliche Geschütz von den Windmühlen aus furchtbar geängstigt, in Unordnung zurückweiche. Dem General Horn die Verfolgung seines Sieges anvertraucnd, eilten sogleich an der Spitze des Stenbock'schen Regiments seinen bedrängten Truppen zu Hülfe. Von nur wenigen Reitern, darunter der Herzog Franz von Lauenburg, begleitet, sprengten seinen Schwadronen weit voran, gerade nach dem Orte, wo sein Fußvolk am gefährlichste» bedrängt war, um eine Blöße des Feindes zu erspähen. Zu weit sich vorwagend, wurde ei hier zuerst von einem kaiserlichen Musketier durch einen Schuß in den Arm, und als ei umkehrte, durch einen zweiten in den Rücken verwundet, sodaß er ohnmächtig vom Pferde sank. Der Herzog Bernhard hatte auf dem rechten Flügel eine so geschickte Schwenkung gemacht, daß er mit einigen Regimentern seinem Gegner in die Flanke fallen konnte, all die Kunde von dem Tode des Königs seine Reihen erreichte. Augenblicklich ergriff er selbst den Oberbefehl und eilte von Schar zu Schar, die bestürzten Truppen zu ermuthige». Mit Heldemnuth, gleich wüthenden Löwen, kämpften nun die Schweden, stürzten Alle- vor sich nieder, drangen abermals über den Graben vor, eroberten die verlorene Batterie und die bei den Windmühlen und stürzten sich zermalmend auf die kaiserlichen Quarret. Schon wendeten sich die Kaiserlichen nach dem Verluste beinahe der ganzen, besonders der schweren Reiterei- zur Flucht, da erschien im entscheidenden Augenblicke Pappenheim mi> acht frischen Reiterregimentern, mit denen er von Halle her der Infanterie vorauSgeeilk war, auf dem Wahlplatze und die Schlacht entbrannte nun furchtbarer als zuvor. Es gelang ihm, einige Haufen der Fliehenden zu sammeln und sie mit seinen frischen Reitern, denen sich Piccolomini anschloß, den Schweden entgegcnzuwerfen. Der rechte Flügel derselben, zuerst angegriffen, wich dem heftigen Angriffe Pappenheim's; ein Gleiches geschah nacheinander mit dem Centrum und dem linken Flügel. Vergebens setzte das blaue und da- gelbe Regiment den tapfersten Widerstand entgegen; sie wurden nicdergchauen, die genoni- > menen Batterien wieder erobert und die Schweden über die Gräben zurückgedrängt. Hin! aber stellte sich das zweite schweb. Treffen unter Kniphausen den Kaiserlichen mit fest» Entschlossenheit entgegen und hemmte ihren Andrang. In demselben Augenblicke wurdl Pappenheim von zwei Musketenkugeln getroffen und tödtlich verwundet aus dem Treffe» gebracht. Bestürztüberdiesen Unfall, ergriff seine Reiterei die Flucht, riß zugleich einen Theil des rechten Flügels mit fort, und als jetzt der Herzog Bernhard das erste und zweite Tref- 173 Lützen fen in Eine Linie sammelnd, aufs neue vordrang, wurden nach blutigemGemehel zum drit- en Male die Gräben überschritten und zum dritten Male die dahinter aufgepflanzten Batterien genommen. Unentschieden dauerte noch lange der furchtbare Kampf, in welchem die letzte Kraft der Verzweiflung rang, bis endlich die Dunkelheit der hereinbrechenden Nacht demselben ein Ziel setzte. Kein Theil schien Sieger zu sein; doch Wallenstein, der den Anmarsch der sächs. Truppen fürchten mochte, hatte mit Zurücklassung seines Geschützes das Schlachtfeld eilig verlassen und sich in der Nacht nach Leipzig zurückgezogen, von wo er sein Heer weiter nach Böhmen führte. Sachsen war vom Feinde befreit und für die Rettung des protestantischen Glaubens eine neue Gewährleistung gegeben. Beide Theile hatten über 9000 Tobte und schwer Verwundete; unter den erstem waren Gustav Adolf und Pappenheim. Pappenheim starb an den in der Schlacht empfangenen schweren Wunden zu Leipzig, Gustav Adolf's (s.d.) Leichnam wurde durch Bernhard's ausgesandte Kundschafter unweit eines großen Feldsteins unter einem Haufen von Tobten gefunden, entkleidet und von den Hufen der Pferde fast bis zur Unkenntlichkeit zertreten. Lange Zeit erhielt bloß dieser sogenannte Schwedenstein, den man später mit Pappeln umkränzte und mit steinernen Bänken umgab, das Andenken an den tapfern König. Jetzt erhebt sich über dem Stein ein auf Veranlassung der Eedächtnißfeier des Sieges im J. 1832 aus gesammelten Beiträgen errichtetes gothisches Denkmal von Gußeisen, das von einem Invaliden, welcher in einem kleinen Hause daneben wohnt, bewacht wird. Vgl. Curth, „Die Schlacht bei Brei- teufeld und die Schlacht bei L." (Lpz. 1814) und Vincke, „Die Schlacht bei L. am 6. Nov. I632"(Berl. 1832). Die Schlacht bei L. im Befreiungskriege, am 2. Mai 1813, die man richtiger nach dem südlich von L. gelegenen Dorfe Großgörschen genannt hat, war nach dem russ. Feldzuge des I. 1812 der erste gewaltige Zusammenstoß der jetzt vereinigten ruff.-preuß.Streitkräfte mit Napoleon's neugeschaffenen Hceresmassen. Schon gegen Ende des April drangen die stanz. Colonnen über den Thüringerwald herein, und am 28. erreichten sic Naumburg; gleichzeitig marschirte der Vicekönig von der Magdeburger Gegend aus die Saale aufwärts und bewirkte, nach mehren glücklichen Gefechten gegen die Preußen bei Wettin und Halle, am 29. bei Merseburg seine Vereinigung mit dem franz. Hauptheere. Als nun nach dem bei Rippach am >. Mai zwischen der Avantgarde des franz. dritten Corps und demGeneral Winzingerode gelieferten Gefechte, in welchem Bessieres durch eine Kanonenkugel getödtet wurde, die Franzosen L. und den Floßgraben besetzten, zeigte es sich immer deutlicher, daß es Napoleon's Absicht sei, auf Leipzig und nach der Elbe vorzugehen. Die im Anmarsch begriffene franz. Armee war > 24000 M. stark, die russ.-preuß. dagegen zählte nur 85000 M. Dennoch faßten die Verbündeten, der muthvollen Stimmung ihrer Truppen nachgebend und mit Rücksicht auf Ostreich, das man gewinnen wollte, den Entschluß, Napoleon anzugreifen. Zu diesem Zwecke wurde am 1. Mai die gesammte unter Wittgenstein's Befehlen stehende Heeresmacht bei Pegau und den nächsten Übergängen über die Elster zu- sammengezogen, sodaß sie in der Nacht über den Fluß setzen, im Süden L.'s sich entwickeln und sodann gegen die rechte Flanke der großen franz. Marschkolonne wirken sollte, um diese von Weißenfels abzuschneiden und hierauf einen entscheidenden Schlag im Rücken ausfflführem Dem General Kleist wurde aufgegebcn, mit 5000 M- den Posten bei Linde- nau einzunchmen, um Leipzig, als Rücklehnpunkt der Verbündeten, für unerwartete Fälle zu sichern; dagegen blieben 12000 Russen unter Miloradowitsch in Zeitz zur Deckung jener Seite. Da die Verbündeten dem Verrücken des franz. Heers durchaus kein Hinderniß in den Weg legten, glaubte Napoleon dieselben hinter L. versammelt zu finden, wo er ihnen eine Schlacht anzubicten gedachte. Er ließ daher seine Scharen unter dem Schutze des Ney'schen Corps, das die rechte Seite schützen mußte, auf der Straße von Weißenfels nach L. unverweilt vorwärts marschiren und das Kleist'sche Corps, das bei Lindenau stand, durch Lauriston mit Nachdruck angreifen, um sick den Weg frei zu machen. Unterdeß hatten die Verbündeten von der Seite her sich gegen die Ebene zwischen L. und Pegau, wo Ney mit seinen Truppen die im verschobenen Viereck gegeneinander liegendenDörferGroß- görschen, Rahna, Kaja und Kleingörschen beseht hielt, in Bewegung gesetzt, gleich anfangs Großgörschen genommen und später, gegen 2 Uhr, als Uork an demGefechte Antheil nahm, 174 LüHow auch die übrigen Dörfer nach der Reihe erobert. Da wurde Napoleon, dessen ganze Auf: mcrksamkeit fortdauernd auf Leipzig gerichtet war, mit einem Male durch den von der Seite hcrüberschallenden Donner des Geschützes von der Gefahr, die seinem Heer drohte, benachrichtigt. Entschlossen, dem Kampfe sich muthig entgegenzuwerfen, befahl er Ney, um jeden Preis in seiner Stellung bei Kaja sich zu behaupten, ließ die auf der Straße nach Leipzig vorwärts ziehenden Scharen sich rechtsum gegen die Angriffspunkte wenden und kam, da die Verbündeten es versäumten, bei Zeiten durch rasches Vordringen im Sturm- schritt sich den Sieg zuzueignen, gerade noch im rechten Augenblicke auf dem Schlachtfeld! an, um den von allen Seiten bedrängten Ney zu retten. Das von den Verbündeten unbr, achtete Dorf Starsiedel wurde sogleich besetzt, Kaja wiedercrobert, und als Marmont her- anrückte, wurden auch Rahna und Großgörfchen genommen. Zwar eroberten die noch nicht zum Gefecht gekommenen preuß. Garden in Verbindung mit einer vom General Berg geführten russ. Truppcnabtheilung Großgörfchen und Rahna wieder und zersprengten du Quarre's, die die Franzosen zwischen Rahna und Kaja aufgestellt hatten; als aber auf dm linken franz.Flügcl neue Verstärkungen erschienen und unter dem Schuhe eines zahlreich«! Geschützes gegen die durch das siegreiche Gefecht etwas zerstreuten Scharen des prcus. und russ. Fußvolks vorrückten, sahen diese sich genöthigt, über den Floßgraben zurückz»- wcichcn und die eroberten Dörfer, mit Ausnahme von Großgörfchen, dem Feinde wieder;» überlassen. Auch die Bewegung, die der Prinz von Würtemberg auf der rechten Flank der Verbündeten, indem er Eisdorf besetzte, gegen die Franzosen unternahm, um sieze überflügeln, gelang nicht. Er stieß auf Verstärkungen, die der Vicckönig, aus der Gegend von Leipzig auf das Schlachtfeld rückend, heransührte, wurde in ein heftiges Gefecht verwickelt und verlor Eisdorf wieder. Ebenso wenig batte ein in der Dnnkelheit durch eine» Angriff franz. Reiterei vcranlaßtcs Vorgehen Blücher's mit neun Escadrons, bei welcher Gelegenheit Napoleon beinahe gefangen worden wäre, bcsondcrn Erfolg. Man stieß auf Infanterie, die vom Geschütz unterstützt, ihre Stellung zu behaupten wußte. Beim Ein- bruch der Nacht verließen beide Theile das Schlachtfeld, in der Absicht, mit anbrechcndm Morgen die Schlacht zu erneuern. Jndcß bewogen Napolcon's Überlegenheit an Truppe» und die Nachricht von der Besetzung Leipzigs durch Lauriston die Verbündeten, am ander» Tage sich nach Pegau und von da bis in die feste Stellung bei Bautzen zurückzuziehcn. Der Verlust der Verbündeten betrug gegen 1VV00M., darunter 2t>nv Russen; todtwarder Prinz von Hessen-Homburg, tödtlich verwundet Scharnhorst. Die Franzosen verlöre» > 2MW M., unter ihnen fünf Generale, hatten aber dem Ausgange dieser Schlacht de» Wicderbcsitz Sachsens und der Elbe zu danken. LÜHow (Ludw. AdolfWilh., Freiherr von), der Führer der nach ihm benannte» Freischar, geb. am >8. Mai 1782 in der Mittelmark, trat 1795 als Gefreiter Corporali« das erste Bataillon Garde, wurde I8»0 Lieutenant, und I8V4 zum Regiment Ncizcnsiei» versetzt, mit welchem er 18U6 der Schlacht von Anerstädt beiwohnte. Nach der hier erfolgten Auflösung des Regiments schloß er sich dem Schillsschen Corps in Kolberg an, organi- sirte dessen Cavalcrie und nahm Thcil an den Gefechten und Expeditionen dieser Truppe». In dem Gefechte bei Stargard wurde er schwer, und bei Dodendorf abermals verwundet. Im I. >807 zum Stabsrittmcistec befördert, nahm er 1808 als Major seine Entlassung. I Erst >811 trat er wieder als Major bei der Cavalcrie ein, und wurde 1813 ermächtigt, ei» Freicorps zu errichten, zu welchem sich bald eine Anzahl ausgezeichneter Männer meldete. Er commandirte dasselbe als Chef, und unter ihm der Major von Petersdorff und Haupt- > mann von Helmenstreit. Dasselbe hatte die Bestimmung, im Rücken des Feindes den kleinen Krieg zu führen und in Thüringen, Hessen und Westfalen Volksaufstände zu errege». Es bestand aus drei Jägcrabtheilungen und einer Schwadron, welche durch besondere Auswahl zusammengesetzt waren; die Übrigen bildeten drei Fahnen oder Bataillone und vier Schwadronen- Rühmliche Erwähnung verdienen insbesondere die Bergknappen an du Saale, die biedern Altmärker und Mecklenburger, die Sachsen und Baiern; vor Allen aber die Tiroler, geführt von Riedl und Ennemoser (s. d.). Beim Rückzuge der Heere nach ^ der Schlacht von Lützen war ein Thcil der Fußjägcr des Corps, der in Leipzig gestanden hatte, nach Schlesien zurückgcgangcn. Dadurch wurden Jahn, Neil und andere Führer Luv Luxembourg 175 von L. getrennt, welcher, durch den Alles umfassenden Friesen und den Alles begeisternden Körner (s.d.) noch mehr fortgezogen, mit der Reiterei über die Elbe und Saale ging, während der zurückgebliebene Theil des Fußvolks unter dem Major von Petersdorff in unruhi- » ger Thatenlosigkcit an der Elbe auf- und abschwärmte. Die Hoffnung, am Juni 1813 vereinigt mit Woronzow und Czernitschew Leipzig siegreich zu besetzen, wurde durch den Waffenstillstand vernichtet. Hiermit ging die frühere Idee des Gebrauchs dieser Freischar unter. Dazu kam noch, daß die Reiterei während des Waffenstillstandes von den Franzosen und Würtcmbcrgern zu Kitzen bei Leipzig am t 7. Juni überfallen, fast ganz aufgcricben wurde. (S- Normann-Ehrenfels.) Nach dem Waffenstillstände waren dieLützower jedoch stärker als vorher mit Reiterei und Geschütz versehen. Allein auch jetzt wurden sic nicht ihrem ursprünglichen Zweck gemäß verwendet, sondern dem Corps von Tettenborn unter Walmoden beigegcbcn. Den Ruhm kühner Verwegenheit erwarben sich die schwarzen Jäger, wie man sie wegen ihrer Kleidung nannte, in dem Treffen an der Görde am tO.Sept., wo L. abermals schwer verwundet wurde, und in vielen Vorpostengcfcchten; aber Großes * konnte um so weniger ausgcführt werden, als das Corps beständig getrennt war. Erst im Dec. sammelte es sich wieder bei Boißenburg und wurde vom General Bülow nach Holland gerufen und in Celle vom Kronprinzen von Schweden zum Vortrab seines Heeres gewählt. L. war unterdessen bei der sckles. Armee in Chalvns cingctroffen; von schweren Wunden kaum genesen, hatte er dem General Saint-Priest zu Rheims am 12. März >814 Depeschen übcrbracht, als er auf dem Rückwege mit seiner wenigen Mannschaft vom franz. Landsturm gefangen wurde. Der andere Theil der Lützow'schcn Schar ging unter der Führung dcs Hauptmanns Hclmenstreit im Jan. 1814 vom Baltischen Meere nach dem Rhein. Auf 1300 M. zusammengcschmolten kam das Corps vor die Festung Jülich zu liegen, wo cs drei Wochen lang den täglichen Ausfällen eines sechsmal stärkern Feindes ansgesetzt war. Zu spät langte es in Laon an, um mit den Siegern in Paris einzuziehcn. Nach dem Frieden wurde cs aufgehoben und zum Theil zu regulairen.Truppen organisirt; L. aber im Apr. 1814 zum Obcrstlicutcnant, und im März >815 zum Commandeur des sechstenklh- lancnrcgimcnts befördert. In der Schlacht von Ligny attakirte er auf Blücher's Befehl ein sranz. Quarre, wobei seine sämmtlicheUmgebung vön sieben Personen theils getödtet, theils verwundet, er selbst aber gefangen wurde. Der Sieg bei Belle Alliance brachte ihn wieder in Freiheit. Im Oct. l 815 erfolgte seine Beförderung zum Oberst; 1817 erhielt er das Commando der >3. Cavalericbrigade zu Münster; 1822 wurde er Generalmajor, im Apr. 1830 aber seines Commandos enthoben und zur Disposition gestellt. Erstarb in Berlin in der Nacht vom 5. zum 6.Dec. 1834. Vgl. „Geschichte des L.'schen Freicorps" (Bcrl. 1827). Luv ist der Gegensatz von Lee, folglich die Seite eines Schiffes, die den Wind zuerst empfängt; daher Lumdas Commando an den Steuernden, das Vorderende mehr gegen den Wind zu drehen. Luxembourg (Fran;. Henri de Montmorency, Herzog von), Marschall von Frankreich, ein berühmter Feldherr Ludwig's XlV., geb. am 8. Jan. 1^28, war der nachge- borcne Sohn des wegen eines Duells enthaupteten Grafen Bouteville. Seine Tante, die Mutter des großen Conde, nahm sich seiner an, brachte ihn an den Hof und gesellte ihn ihrem Sohne bei, unter welchem er 1643 der Schlacht bei Rocroi beiwohnte. Im Feldzuge in Katalonien zeichnete er sich 1648 in der Schlacht bei Lens so aus, daß ihn Anna von Ostreich sogleich zumMare'chal-dc-Camp erhob. In den Unruhen der Fronde hielt er es mit seinem Freunde Conde (s. d.). Er brachte Burgund in Aufstand, um den zu Vincennes gefangen gehaltenen Prinzen zu befreien, mußte sich aber mit der Armee Turenne'S vereinigen. Von diesem empfing er den Titel eines Eenerallieutenants und wohnte als solcher der Schlacht bei Ncthel bei, in der er sich, verlassen und verwundet, ergeben mußte. Ma- zarin behandelte ihn gut, ließ ihn aber ebenfalls zu Vincennes einsperren. Als Conde 1652 an der Spitze eines span. Heeres den Krieg von neuem eröffnete, trat er demselben wieder bei, wurde 1658 von Turenne gefangen, aber bald gegen den Marschall d'Aumont ausge- wechselt. Nach dem Frieden von 1659 kam auch Bouteville an den Hof zurück und erhielt von Ludwig XlV. Verzeihung, zumal da er nur seinem Freunde gefolgt war und die Anerbietungen Spaniens abgewiesen hatte. Durch die Vermittelung Conde's heirathete er nun 176 Luxemburg die Erbin des Hauses Luxembourg, dessen Namen er annahm. Im Feldzuge von 1667 in Flandern diente er unter Turenne als Freiwilliger und wurde von demselben dem Könige empfohlen. Schon im folgenden Jahre folgte er jedoch seinem Freunde Conde als General- lieutenant in die Franche Comte und half diese Provinz durch die Einnahme der wichtigsten Plätze erobern. Im Feldzuge von 1672 in den Niederlanden erhielt?., nachdem der König im Juli das Heer verlassen, den Oberbefehl, konnte aber nichts Wichtiges mehr unternehmen, weil die Holländer das Land unter Wasser gesetzt hatten. Erst am 27.Dec. unternahm ec auf dem Eise mit 8000 M. den bekannten Marsch von Utrecht nach Woerden und von da nach Swammerdam, das er in Brand steckte. Da plötzlich Thauwctter einficl, so mußte er mit großem Verlust den Rückweg über Bodegrave nach Utrecht antreten. Aus eigner Bosheit, sowie nach dem Befehle Lo uv ois'(s. d.), verwandelte er Bodegrave und die Umgegend mit fürchterlicher Grausamkeit in einen Schutthaufen und trat dann mitten durch die überlegenen Feinde seinen Rückzug an. Im Feldzuge von 1674 führte er unter Conde den rechten Flügel des Heers in Flandern und wohnte am 11. Aug. der zwölfstündigen Schlacht beim Dorfe Senef in Brabant bei. Nach Turenne's Tode wurde er 1675 zum Marschall erhoben und erhielt den Oberbefehl über einen Theil des Heers. Nachdem er am I l^Sept, 1676 die Eroberung von Philippsburg durch den Herzog Karl V. von Lothringen hatt! geschehen lassen müssen, verwüstete er den Breisgau auf die unerhörteste Weise, um die Kaiserlichen von der Franche Comte abzuhalten, und nöthigte den Herzog von Würtemberg, ihm die Stadt Mömpelgard einzuräumen, die er plündern ließ. Im Feldzuge von 167i schlug erden Prinzen vonOranien am 1 l.Apr. bei Mont-Cassel, eroberte am20.St.-Omri und nöthigte den Prinzen am 14. Aug., die Belagerung von Charleroi auszuheben. Nach dem Frieden von Nimwegen suchte ihn Louvois, unter dessen Joch sich der Marschall nicht beugen wollte, durch ein fast unglaubliches Mittel ins Verderben zu stürzen. Derselbe wußtt sich einen Contract zu verschaffen, den der Marschall mit einem Holzhändler geschlosst» hatte, und ließ das Document iy ein Bündniß mit dem Teufel verwandeln. L. wurde demnach vor die glühende Kammer gefedert, wo er unter Anderm auch eines Vergistungsvek- suchS seiner Frau und des Marschalls Cre'qui angeklagt wurde. Seine Freunde wollten ih» zwar außer Landes schaffen, allein L. ging, im Vertrauen auf seine Unschuld, freiwillig i» die Bastille, wo man ihn in einen finstern Kerker steckte. Erst nach 14 Monaten wurdet! 1680 freigesprochen, entlassen und auf eines seiner Güter verbannt. Nachdem er hier zehn Jahre in Vergessenheit gelebt, erinnerte sich seiner der König und gab ihm 1690 den Oberbefehl über das Heer in Flandern. L. schlug am I. Juli 1690 den Fürsten von Waldeck bti Fleurus, am 4. Aug. 1692 den König Wilhelm III. von England, der ihn überfiel, bti Stcinkirchen und am 29. Juni >693 den König nochmals entscheidend bei Neerwinde». Den Feldzug endete er hierauf am 12. Oct. durch die Eroberung von Charleroi. Zm folgenden Jahre vermochte er in den Niederlanden wenig auszurichten. Er erkrankte bti der Armee, starb sehr erbaut und bußfertig am 4. Jan. >695 und wurde zu Ligny bestattet. L. besaß einen schwächlichen, schiefen Körper, war aber an Geist frei, durchdringend und thatkräftig. Vgl. Beaurain, „öistoire miiitaire du duc öle I,." (Haag 1756); „Zleinoire pour servir 5 I'tiistoirs du marecbal de ib,., ecrite pur lui-meme" (Haag 1758) und „6sw- pSAne de Hollands en 1672" (Haag 1759). Luxemburg, ein altes, deutsches Dynastenland, war als Grafschaft und später als Herzogthum Jahrhunderte lang ein Bestandtheil des Deutschen Reichs und gehörte seit > 8>ö als Großherzogthum zu dem Deutschen Bunde, bis es durch den zu London 1839 abgeschlossenen Vertrag zwischen Belgien und den Niederlanden getheilt und dessen größere Hälfte M Deutschland getrennt wurde. Das Großherzogthum zählte bis zur Theilung auf >25 llN ungefähr 315000 E. An der westlichsten Grenze von Deutschland, auf den Ardennen gele- gen, grenzt es im Nordwesten und Westen an das gegenwärtige Königreich Belgien, iw Süden an Frankreich, im Osten und nordöstlich, wo die Mosel und die Sure mit der Oui die Grenzflüsse bilden, an die preuß. Nheinprovinz. Der Boden ist größtentheils von der- reich bewaldeten Bergen der Ardennen, deren höchste Spitzen bis zu >800 F. sich erhebe», bedeckt. Zum Ackerbau wenig geeignet, trägt es hauptsächlich Hanf und Flachs; an bei Mosel baut man auch etwas Wein, und die Waldungen liefern viel Nutzholz. Die Vich MN lach aich! ußlk ffl» >eni> lvek- ihn gili den zeh» )bev Zbli bei ,den. Zn, e bl! attel. und lioire chl-s- NM ülM. zel-> ,i» Om ndw >eben, nd« Sich Luxemburg 177 zuckt wird stark betrieben, auch gibt es viel Wild, und selbst Wolfe in beträchtlicher Zahl. Die Bache der Ardennen sind fischreich. Unter den Mineralien ist Eisen das wichtigste Product, nächstdcm findet man Schiefer und Thon. Die Einwohner sind theils Deutsche, größtenlheils Wallonen, die ein verdorbenes Französisch reden, und bekennen sich zur katho» fischen Kirche. Der Gcwerbflciß beschränkt sich auf Leinwandweberci, die sehr verbreitet ist, auf Eisenwerke, Lederfabriken, Tuchweberei u. s. w. Auch gibt es viele Papiermühlen. Handel und Verkehr sind unbedeutend, weil es an schiffbaren Flüssen, Kanälen und guten Landstraßen fehlt. Auch in der Bildung steht der Luxemburger gegen den Niederländer und den Deutschen zurück; doch sind einige gute Schulen im Lande. Die Hauptstadt ist die deutsche Bundesfestung Luxemburg (s. d.). Das niederländ. L-, zu dem als deutsckem Bundesstaat ein Theil von Limburg (24 IHM. mit >99000 E.) geschlagen wurde, besteht aus 47 L)M. mit 17500V E. Es thcilt mit den Niederlanden die gemeinsame Constitution von 1815, hat seine eigenen Landstände und sendet vier derselben als Vertreter in die zweite Kammer der Eeneralstaaten. In der deutschen Bundesversammlung hat es im enger» Rathe die elfte Stelle, im Plenum drei Stimmen und «ls Bundcscontingent stellt es 1319 M-, die zum neunten Heerhaufen gehören. Das belg. L.umfaßt 78 lHM.mit >76500 E. Das Dynastenland Luxemburg oder Lützelburg hat seinen Namen von der alten Burg l-nciliburgum oder Lützelburg, woraus die jetzige Stadl und Festung Luxemburg entstand. Diese Burg brachte der Graf Siegfried von den Ardennen 063 durch Tausch von dem Abt Wicker zu St.-Maximin in Trier an sich, und vereinigte sie mit seiner Grafschaft, worauf dann seine Nachkommen sich Grafen von L. nannten. Unter ihnen wurde Hermann Graf von L. 1081 als Eegenkönig wider Kaiser Heinrich IV. erwählt, dankte aber >087 ab und starb 1088. Der Letzte dieses Stammes, Konradll. Graf von L., starb 1136 und setzte seine Muhme Ermenson, die mit dem Grafen Gottfried von Namur vermählt war, zur Erbin ein. Ihr Sohn, Heinrich I. Graf von Namur, der Blinde genannt, hinterließ eine einzige Tochter Hermesinde, welche die Grafschaft L. ihrem Gemahl Walram, Grafen von Limburg und Marquis von Arlon (gest. 1226), zubrachte. Der älteste Sohn aus dieser Ehe, Heinrich I. Graf von Limburg, welcher auf einem Zuge nach Palästina 1270 starb, wurde der Stifter der zweiten Linie der Dynasten von L., indem seine Nachkommen den Namen Limburg aufgaben und sich Grafen von L. nannten. Heinrich'sl. Enkel, Heinrich III., wurde nach des Kaisers Albrecht's I. Ermordung im Nov. 1308 zum deutschen Kaiser erwählt und 1309 als H einrich VII. (s. d.) zu Aachen gekrönt. Er brachte durch die Vermählung seines Sohnes Johann mit Elisabeth, der Tochter des Königs Wenzeslaw von Böhmen, 1311 dieses Königreich an sein Haus, und starb in Italien 1313. König Johann von Böhmen und Graf von L. fiel in der Schlacht bei Crccy 1346. Sein ältester Sohn Karl, der'1346 zum röm. König und 1347 als Karl IV. (s. d.) zum deutschen Kaiser erwählt wurde, erhob 1354 die Grafschaft L. zu einem Herzogthume und überließ es seinem Stiefbruder Wenzeslaw, dem Sohne Zohann's mit seiner zweiten Gemahlin, Beatrix von Bourbon. Da aber Wenzeslaw keine Leibeserben hinterließ, so vermachte er das Herzog, thum bei seinem Tode im 1.1383 seinem Neffen, Karl's IV. ältestem Sohne, dem Könige Wenzeslaw von Böhmen, der im 1.1378 zum Kaiser erwählt wurde. Letzterer'übergab das Herzogthum unterpfändlich seiner Nichte Elisabeth, der Tochter Johann's, Herzogs von Görlitz und L., statt des ihr versprochenen Brautschatzes von 120000 Fl. Elisabeth war in erster Ehe mit dem Herzog Anton von Burgund, in zweiter Ehe mit dem Grafen Johann von Holland vermählt. Die Luxemburger aber empörten sich gegen die neuen Regenten und erwählten den Markgrafen Wilhelm III. von Meißen, als Gemahl-der Enkeltochter des Kaisers Sigismund, der das von seinem Bruder Wenzeslaw verpfändete Herzogthum L. einzulösen berechtigt war, zu ihrem Herzog. Zn dieser Verlegenheit trat Elisabeth 1443 alle ihre Rechte auf das Herzogthum an den Herzog Philipp den Gütigen von Burgund ab, der den Herzog Wilhelm III. vertrieb und ihm 1462 mit 120000 Fl. alle Rechte und Ansprüche auf L. abkaufte. So war das Herzogthum seit 1444 ein Theilbes Herzogthums Burgund, welches die Niederlande umfaßte. Durch die Vermählung Maria's, der Erbin von Burgund, mit dem Erzherzoge Maximilian im1.147 7 kam L. an das Haus Hahsburg-Östreich, Conv.-Lex. Neunte Aufl. IX. 12 178 Luxemburg und wurde, gleich den gesummten Niederlanden, 1512 ein Bestandtheil des Burgundischen Kreises. Als in der Folge Maximilians Enkel, KarlV., die Niederlande >555 an seinen Sohn, Philipp II., König von Spanien, abtrat, gehörte L. zwar auch zu der span. Monarchie, blieb aber als ein Thcil des Burgnndischcn Kreises bei dem Deutschen Reiche. In den: pyrcnäischcn Frieden von >65!) mußte jedoch Spanien von L. einen kleinen Theil, Thionville (Dicdcnhofen), Montmedy, Damvillcrs, Jvoy, Chavancy und Marville, an Frankreich abtreten. In Folge des utrechter Friedens von 1713 kam L., mit Ausnahme jenes an Frankreich abgetretenen Theils, wieder an das Haus Habsburg, und gehörte nach wie vor nebst den östr. Niederlanden zu dem Burgnndischcn Kreise des Deutschen Reichs, bis cs1795 von Frankreich erobert wurde und hierauf nebst den östr.Niederlanden imFrieden zu Eampo Forniio von >797 zugleich mit dem Bnrgnndischen Kreise an Frankreich abgetreten werden mußte. Durch den wiener Kongreß wurde L. als ein besonderer deutscher Bundesstaat, unter dem Namen eines Großherzogthums, dem Deutschen Bunde einvcrleibt und dem , Könige der Niederlande Wilhelm I. als Entschädigung für den Verlust seiner naffauischen Erblandc zugcthcilt; dock sollte die Stadt und Festung Luxemburg eine deutsche Bundes- fcstung und das ganze Eroßherzogthum dem naffauischen Haussidcicommisse einvcrleibt sein; auch sollten für die wechselseitige Succession der beiden Linien des Hauses Nassau iu L. die naffauischen Erbvercine von 1783 gültig bleiben. Zugleich wurde, in Folge der Ausgleichung der Grenzen zwischen Preußen und dem Königreiche der Niederlande, ein kleiner Theil des alten Hcrzogthums L., nämlich Sanct-Veit oder Vith am Our, Bittburg, Neuerburg und die bisher unter luxemburg. Hoheit gestandene Grafschaft Schleiden, an Preußen abgetreten, und die östliche Grenzlinie des Eroßherzogthums L. so bestimmt, daß sie dem Lauf der Mosel bis zur Einmündung der Sure, dann dem Lauf der Sure aufwärts bis zumEiii- strömcn der Our, hierauf dem Laufe der Our aufwärts bis zu der Grenze des ehemaligen franz. EantonS Sk.-Vith, welcher an Preußen kam, folgte. Dagegen kam an der südwestlichen Grenze der größte Thcil des Herzogrhums Bouillon als Standesherrschaft unter dii Souvcraiuclät des Eroßhcrzogs von L., auch wurde ein Theil von Lüttich mit L. vereinigt. Zm I. 1839 schloß sich L., mit Ausnahme der Bundesfcstung und ihres Rayons, der Revolution an und wurde zu Belgien (s. d.) gezogen. Dieser für Belgien äußerst vor- thcilhaste Zustand dauerte ungeachtet der Beschlüsse der Londoner Conferenz (s. d.) bis zum I. 1839, wo man endlich von Seiten Hollands und Belgiens sich dazu verstand, die Bestimmung, daß für den an Belgien abgetretenen Thcil von L. ein gleich großer Theil von Limburg mit L. als deutsches Bundesland vereinigt werde, anzunehmcn und in Ausführung zu bringen. (S. Niederlande.) Luxemburg, die Hauptstadt des gleichnamigen Eroßherzogthums, eine starke deutsche Bundcsfestung von strategischer und politischer Wichtigkeit, liegt theils auf einem steilen Fclsbcrge, theils in dem von der Alzig oder Alzctte durchflossenen Grunde und zerfällt demnach in die ältere Oberstadt und die Unterstadt Pfaffenthal und Grund. Sie zählt gegen 1 1909 E-, und hat ein altes Schloß und in der Nikolaußkirche ein Denkmal des >2. Jahrh. Die Fcstung haben Natur und Kunst zu einem der festesten Plätze gemacht. Sie wurde zufolge der wiener Congreßacte deutsche Bundcsfestung und ihre Besatzung besteht aus drei Theilcn Preußen und einem Thcile Niederländer; den Gouverneur ernennt der König von Preußen. Die Stadt entstand allmälig um die alte Burg Lützclburg, deren Name in Luxemburg überging. Scho,, frühzeitig befestigt, wurde die alte Feste nach Erfindung des Schießpulvers mehr und mehr verstärkt. Jm J. 1443 wurde sie von dem Herzoge Philipp von Burgund und 1479 von den Franzosen erobert, die aber noch in demselben Jahre von dem Markgrafen von Baden wieder vertrieben wurden. Ebenso wurde sic > 542 von dem Herzoge von Orleans für Franz 1. erobert, und als dieser bald darauf sie wieder hatte aufgcbcn müssen, 1543 von den Franzosen abermals genommen. In den I. 1544, 1558 und 1597 widerstand sie den Angriffen der Franzosen. Dagegen wurde sie >63 ! von den Franzosen unter dem Marschall Cre'gui binnen vier Wochen zur Übergabe gezwungen. Den Angriff halte Dauban geleitet, der nun, da die Fcstung in den Händen der Franzosen blieb, auch ihre Werke bedeutend verstärkte. Auch im franz. Nevolutionskricge mußten sie nach achtmonatlicher enger Einschließung die Lnxor LuyrreS 179 Ostrcichcr übergeben. Beim Einmarsch der Verbündeten in Frankreich wurde sie am 14. Jan. cingeschlosscn und blieb cs bis zur Übergabe an den König der Niederlande. Luror, ein ärmliches von einigen Tausend armer Fulahs bewohntes Dorf am rechten Ufer des Nil in Obcrägyptcn, auf der Stelle des alten Theben (s. d.), ist wichtig wegen der bedeutenden Neste altagyptischcr Denkmale, die sich daselbst noch vorsinden. Von hier stammen unter Anderen auch die beiden schönen Obelisken von rosenrothcm Eremit, von denen der größere von 75 F. nach London, der kleinere von 72 F. nach Paris geschafft und daselbst auf dem Eintrachtsplatz ausgestellt worden ist. Lupus nennt man ein dem Stande der Cultur eines Volks angemessenes höheres Wohlleben, das aber freilich häufig in Hoffahrt und Üppigkeit ausartct. Der Luxus ist eine Folge des Ncichthums, entspringt aus dem Bestreben zur Verschönerung des Lebens und zeigt sich in derErsindung und Anwendung immer neuer Ecnußmittcl, die zum Glanze und zur Befriedigung künstlicher Bedürfnisse dienen. Allein bei allem Nachthcile, welchen er in seiner Ausartung der Sittlichkeit, Gesundheit und Naturkräftigkcit des Menschen bringen kann, ist er doch wieder im Staate eine Nothwendigkcit, weil er den physischen Wohlstand befördert, denselben unter die größtmögliche Menschcnmasse verbreitet und so der dem allgemeinen Nationalwohlstande nachteiligen Vcrmögensunglcichhcit cntgcgcnarbcitct, welche kein Staat in Absicht des Mobiliarvcrmögens zu verhindern vermag. Da nun der höchste physische Zweck des Menschen Wohlleben ist, gegründet auf dauernden Wohlstand, so hat der Staat hinsichtlich des Luxus nur die sehr bedingte Pflicht der Einschränkung in de» Fällen, wenn Jemand durch denselben aus dem Zustande des Wohlstandes herabzusinken in Gefahr ist, oder wenn die Sittlichkeit und Religiosität dadurch verletzt werden. Übrigens ist der Luxus kein ausschließliches Vorrecht des Neichen; nach seinen VcrmögcnSumständcn durch gewisse Eenußmittcl sich das Leben zu verschönern hat jeder Mensch ein gleiches Recht. Alle Aufwandsgcsehe, von dem Archischcn Luxusgesetze der Römer, im I. > 82 v. Ehr., an bis zu den ins Unendliche vervielfältigten Aufwandsgcscßcn der Franzosen, Schweizer, Schweden u. s.w., sind stets ein fruchtloses Bestreben der Negierungen geblieben. Luynes (Charl. d'Albret, Herzog von), der Günstling Ludwig's XM. (s. d.) von Frankreich, wurde am 5. Aug. 1578 zu Pont-Saint-Esprit im Earddepartement geboren. Seine Familie wanderte >414 aus dcm Florcntinischen ein, hieß eigentlich Alberti und erwarb durch Kauf die Besitzung Luynes oder Maille, im früher» Touraine, mit welcher der Grafcntitcl verknüpft war. Mit seinem Bruder kam L. als Page an den Hof Hcinrich's IV., wo er durch seine Schönheit Aufsehen machte. Er erwarb sich als Gespiele die Gunst des Dauphin besonders dadurch, daß er dem Prinzen Dohlen abrichtete, die gleich Falken auf Sperlinge stießen. Als Ludwig König geworden, blieb er dessen unzertrennlicher Gesellschafter, weil er wcdn! der Königin-Mutter, noch deren mächtigem Günstlinge, dem zumMarquis d'Ancre erhobenen Florentiner Eoncini, gefährlich schien. Indessen untergrub L. aus Ehrgeiz, vielleicht auch von den misvcrgnügtcn Großen bewogen, das Ansehen der Mutter und des Marquis beim Könige, und brachte cs dahin, daß Ludwig den Entschluß faßte, sich des Florentiners, und wäre cs auch durch Mord, zu entledigen. Der Marquis d'Ancre wurde hierauf am I^.Apr. 1617 bei seiner Verhaftung nicdcrgeschosscn, weil er Miene machte, sich zu vcrtheidigcn; Maria de Medici aber wurde in Gefangenschaft gehalten. L. erhielt sogleich die Güter des Ermordeten geschenkt und bemächtigte sich auch, obschon er ohne alle Erfahrung war, des Staatsruders. Noch in demselben Jahre heirathcte er die Tochter des Herzogs von Montbazon, und I 6 ll> erhob ihn der König zum Herzog und Pair von Frankreich. Eine solche Erhebung des jungen, gänzlich vcrdicnstlosen Mannes erregte den Unwillen der Großen, die sich jetzt mit der nach Angers entflohenen Königin- Mutter zum Sturze des Günstlings verbanden. Indessen wußte L. den Streit bcizulcgen und erhielt sogar l 621 während des von il>m betriebenen Feldzuges gegen die Protestanten das Schwert als Connctablc und kurze Zeit darauf das Kanzleramt. Bei der Belagerung von Montauban bewies er jedoch sogleich seine gänzliche Unfähigkeit. Es war ein Glück für ihn, daß er schon am 15. Dec. 162 l, nach der Einnahme von Monhcur in Guicnne, starb, ehe der König Zeit erhielt, den herrschsüchtigcn, habgierigen Günstling dem Unwillen der Großen und des Volks prciszugcbcn. 12 * 180 Luzae Luzau Luzac (Jean), Philolog und Publicist, geb. am 2. Aug. 17-16 zu Leyden, wo sein Vater, Jean L., Buchdruckereibesitzer war, flammte aus einer der Religion wegen aus Frankreich gewanderten Familie. Er studirte die Rechte, zugleich aber unter Valckenaer und Rnhnken Philologie. Bald nach vollendeten Studien und nachdem er als Doctor der Rechte promovirt hatte, wurde ihm der Lehrstubl der griech. Sprache zu Groningen und zwei Jahre später der der Rechte angetragen, doch zog er es vor, sich der juristischen Praxis im Haag zu widmen, wohin er sich gleich nach seiner Rückkehr von der Universität begeben hatte. Im I. 1772 kehrte er nach Leyden zurück, um daselbst an der Herausgabe der 1738 von seinem Vater und seinemOnkel, Stephan L., gestifteten „Nouvelles extra- »rckiuuires 787 selbst redigirte. Er erhielt in Leyden die Professur der vaterländischen Geschichte beide: Universität, auch übernahm er nach Valckenaer's Tode >785 den Lehrstuhl der griech. Sprache. Obschon ein eifrigcrFreund gesetzmäßiger Freiheit, wurde er doch, als,.dic Unruhen in Holland ausbrachen, aus Antrieb mchrer der heftigsten Neuerer, die ein Ärgcrniß an seinen Vorträgen der vaterländischen Geschichte genommen hatten, der Professur der Geschichte enthoben, was ihn so schmerzte, daß er auch seine philologische Lehrstelle niedcrlegte und im I. 18<1ü selbst seine Zeitschrift aufgab. Gleich nach seiner Entsetzung als Professor der Geschichte hatte ihm Washington die größten Versicherungen seinerHvch- achtung gegeben. Auch die brieflichen Verbindungen, in welchen er mit Adams, Jefferson Herhberg, von Dohm, Stanislaw Poniatowski und Leopold II. stand, beweisen, wie allgemein geschätzt er war. Als ,1802 die Ruhe in den Niederlanden wicderhergcstellt war, wurde er in seine frühem Ämter bei der Universität wiedereingesetzt. Bei der Pulver- cxplosion am >2. Jan. 1807 fand er seinen Tod. Luzan (Don Jgnacio de), ein Epoche machender span. Dichter, geb. am 28. März 1702 zu Saragossa, wo sein Vater als Gouverneur von Araaonien residirtc, wurde durch den frühen Tod seiner Altern und durch die Unruhen des Erbfolgckriegs aller Vortheile seiner hohen Geburt verlustig. Mit vier Jahren verwaist kam er zunächst zu seiner Großmutter väterlicher Seits in Barcelona und machte dann mit Unterstützung seines Oheims, Don Jose Luzan, eines Geistlichen, seine Studien zu Mallorca und Palermo, worauf« auf der Universität zu Catana >727 Doctor der Rechte wurde. Doch Änlage und Neigung zogen ihn stets mehr zum Studium der Poesie und Sprachen. Frühzeitig übte er sich im Verfertigen lat. und ital. Verse und brachte es außerdem zu großer Fertigkeit im Französischen, Deutschen und Griechischen. Nachdem er > 729 auch den Oheim durch den Ted verloren hatte, sah er sich gezwungen, sich nach Neapel in den Schutz seines Bruders, de§ Grafen von Luzan und Gouverneurs von Sant-Elmo, zu begeben. Dieser sendete ihn vier Jahre später nach Spanien, um seine Güter zu verwalten, unk nun lebte er zurückgezogen in Monzon. Um sich ein besseres und unabhängiges Loos zu verschaffen, begab er sich nach Madrid, wo seine Talente und Kenntnisse sehr bald solche Anerkennung fanden, daß er 1741 Ehrenmitglied, im folgenden Jahre wirkliches Mitglied der königlichen Akademie und bald auch Mitglied der Akademie der Geschichte wurde. Seine Kenntnisse aber in den Staatswissenschaften und seine einnehmende Persönlichkeit verschafften ihm 1747 die Ernennung zum Botschastssecretair in Paris, im folgenden Jahre zum Geschäftsträger daselbst, und nach seiner Rückberufung nach Spanien im I. 1750 zum Finanz- und Com- merzienrathe, Oberaufseher der Münze von Madrid und zum Schatzmeister der königlichen Bibliothek. Der Minister Don Jose de Carvajal führte ihn in die engern Zirkel der Akademie üel Luen 6usto ein, die sich damals zur Hebung des guten Geschmacks in dem Hause der Gräfin von Lemos gebildet hatte, wo er viele von seinen poetischen Kompositionen mit großem Beifall vortrug. Auch hatte er mit Carvajal bedeutenden Anthcil an der Errichtung der Äkademie von San-Fernando. Der König wollte ihn zu einem der ersten Staatsposten erheben, als L. am 19. März >754 starb. Auf die Umgestaltung der span. Poesie übte er durch seine kritische „Loetieu" (Sarag. 1737-, Fol.; 2 Bde., Madr. 178S und 1789) den entscheidendsten Einfluß; denn durch sie wurde er der Einführer des franz.- klassischen Geschmacks. Weniger bedeutend ist L. durch seine eigenen Dichtungen geworden, in denen er nie die Grenzen geschickter Nachahmung überschritt. Sie bestehen auch nur aus Luzern Lydien 181 Übersetzungen, Nachbildungen und Gelegenheitsgedichten, die sich hauptsächlich durch Correctheit, Eleganz und technische Fertigkeit auszeichnen. Außerdem haben wir von ihm einige gelehrte und gutgeschriebcne Abhandlungen über Politik und vaterländische Geschichte und ,Memc>rias literarias cls Uaris" (1751). Luzern, ein in der Mitte der Schweiz gelegener und schon im I. 1332 dem Bunde der drei Länder beigetrctcner Canton, hat auf einem Flächenraume von ungefähr 28 lüM. gegen l 3200» E. Das Land ist fruchtbar an Getreide und Obst, hat bedeutende Viehzucht, und im Entlibuch und in einigen andern höhern Gegenden wird Alpenwirthschaft getrieben. Das Staatseinkommen beträgt etwa l»»»»»Thlr.; das eidgenössische Mannschaftscon» kingcnt 249» M. und das Gcldcontingent 373s» Schw. Francs. Die Bewohner sind Deutsche und bekennen sich zur katholischen Kirche bis auf etwa l»0 Neformirte, die erst 1828 freie Rcligionsübung erhielten. L. gehörte zu den sogenannten regenerirten Can- tonen und seine Staatsverfassung vom I. 1831 hatte den Charakter einer gebildeten Ne- präscntativdemokratie, mit Ausschluß des eigentlich ochlokratischen Elements. Als aber später mehr und mehr die ultramontane Partei das Übergewicht erhielt, fetzte sie unter Beibehaltung mancher Hauptformen der frühem Constitution gleichwol eine Verfassung (vom l.Mai >841) durch, welche durch Einführung des Veto, durch Beschränkung der frühem städtischen Repräsentation, durch blos nominelle Beibehaltung der Preßfreiheit und durch einseitige Begünstigung des Clcrus zu den theokratisch-ochlokratischen gehört. Die unselige Berufung der Jesuiten im 1.1844 stürzte den Canton und die ganze Schweiz in eine Reihe von Zerwürfnissen. (S. Schweiz.) Luzern, die Hauptstadt des gleichnamigenCantons, am Ausflüsse der Neuß aus dem Vierwaldstädtersee, dessen hierher sich erstreckender Busen der Luzernersce heißt, hat wegen der vielen Gärten einen bedeutenden Umfang und ist wegen der breiten und gnt- gepflastcrten Straßen eine der schöner» Städte der Schweiz. Der Fluß theilt sie in mehre durch Brücken verbundene Theile. Sic ist der Sitz des päpstlichen Nuntius und, mit Bern und Zürich abwechselnd, der Tagsatzung, und hat 85»0 E., ein Lyceum und ein Seminar, eine öffentliche Bibliothek, eine Kunstsammlung, Zeichenschule, Singakademie und mehre Klöster. In der Nähe ist das 182» eingeweihte Denkmal auf die am l O.Aug. 1792 in den Tuilcrien gefallenen Schweizergarden, ein nach Thorwaldsen's Modell in eine Felswand eingehauener kolossaler Löwe, der sterbend die Lilien Frankreichs schirmt. Luzerne (UeckicaFo sstiva) ist eine der schätzbarsten Futterpflanzen, die besonders in großer Ausdehnung im südlichen Frankreich und in Italien, aber auch in manchen Gegenden Deutschlands, z. B. in Thüringen und in den süddeutschen Ländern, angebaut wird. Sie verträgt Hitze und Trockenheit, liefert das zeitigste Grünfutter im Frühjahr, gibt 4—5 Schnitte und ist sogar dem Acker sehr zuträglich, gedeiht aber nicht überall, da sie zu ihrem Fortkommen einen tiefen, trockenen, humosen oder mergelhaltenden Lehm- oder Thonbodcn verlangt. Hinsichtlich ihres Futtcrwerths steht sie dem Kopfklee und der Esparsette nach, doch wird die geringere Nahrhaftigkeit durch die größer» Futtermassen ausgeglichen, welche sie gibt. Lyceum (griech. Lykeion) hieß ursprünglich ein dem Apollon Lykeios (d. h. Wolfstödter) geheiligter Ort in der nächsten Umgebung von Athen, berühmt durch die schattigen Haine und herrlichen Eartenanlagen, besonders aber durch das Gymnasium, worin Aristoteles und die Peripatetiker lehrten und wonach auch die Römer ähnliche Anstalten, z. B. auf dem Tusculanum des Cicero und in der Villa Hadrian's zu Tibur, so benannten. Zu Ehren des Aristoteles bezeichneten die Neuern mit diesem Namen die höhern lat. Schulen, weil in denselben ehemals die Aristotelische Philosophie in scholastischer Form einen Hauptgegenstand des Unterrichts ausmachte; doch ist in Rücksicht des Ranges der Lyceen vor oder nach den Gymnasien in neuester Zeit der Sprachgebrauch schwankend geworden, da man in einigen Ländern, z. B. in Baiern, unter Lyceen eine Art Hochschule versteht, wo es nur eine theologische und eine philosophische Abtheilung gibt, während in andern Städten, z. B. in Hannover, dieser Name noch für die eigentliche Vorbereitungsschule zur Universität besteht. (S. Gymnasium.) Lydien, eine ansehnliche Landschaft Kleinasiens, welche westlich LN Jonien, südlich durch den Mäander an Karien, östlich an Phrygicn und nördlich an Mysien grenzte, wurde 182 Lyell LygdamuS in frühester Zeit Mäo nie» genannt, da die ursprünglichen Bewohner, die Mäonicr, erst von den später cingcwandcrtcn Lydiern, einem karischcn Völkcrstamme, unterworfen wurden. Sic hatte einen meist fruchtbaren, üppigen Boden und war überaus reich an Go!d, das man ans dem Flusse Paktolus und de» ergiebigen Bergwerken gewann, daher sehr bald eine beispiellose Verweichlichung und Sittcnvcrdcrbniß, besonders in der Hauptstadt Sardes (s. d.), überhand nahmen, die namentlich zum Untergänge des Reichs beitrugen. Die Geschichte des Landes zerfällt nach den drei einander folgenden Dynastien der Atyden (s. AttiS), Hcraklid en (s.d.), die von I 2 »U—7uu v. Chr. geherrscht haben sollen, und der Mcrmnaden, die von 7—53<> v. Chr. den Thron behaupteten, in drei Zeiträume, deren beide erste völlig der Mythe angchören. Unter der zuletzt genannten Hcrrschcrfanülic, durch welche L. zur höchsten Macht gelangte, zeichneten sich Gygcs (s. d.), Alyattcs, welcher <>25 v. Chr. gegen die Meder kämpfte, besonders aber dessen Sohn Krösus (s. d.) aus, der zwar ganz Vordcrasicn bis zum Halys (s. d.) eroberte, dann aber, als er auch diesen Fluß überschritt und das benachbarte pers. Ncich .angriff, durch den altern Cyrus (s.d.) )3<> v. Chr. seiner Herrschaft verlustig wurde. Übrigens werden die Lydier wegen ihres erfinderischen Geistes gerühmt, vorzüglich wegen der Kunst, kostbare Kleider und Tapeten zu verfertigen, Wolle ;u färben, Crzc zu schmclccn, ferner wegen der Einführung von Eold- und Silbermünzcn und des Gebrauchs des sogenannten Lydischcn Steins, d.h. des Kiesel- oder Wctzschicfcrs, als Probirstcin; auch gab man einer der Haupttonarkcn der griech. Musik, der man den Charakter der Weichlichkeit beilegte, vorzugsweise den Namen der Lydischcn Tonart. Vgl. Menke, „I.zilmca" (Bcrl. >833). Lyell (Chari.), Professor der Geologie am Kingscollcge und Secretair der Geologischen Gesellschaft zu London, gcb. am l-I.Nov. >797 auf dem Landgute Kinnordy in For- farshire, besuchte die Schule zu Midhurst in Sussex und bezog >816 die Universität zu vrford, um sich den Rechtswissenschaften zu widmen. Gleichzeitig beschäftigte er sich viel mit den Naturwissenschaften, mit Entomologie, Botanik und besonders mit Geologie, für welche ihm Buckland eine entschiedene Neigung einflößte. Nach dreijährigem Aufenthalt in Drford begann er die gewöhnliche praktische Laufbahn der engl. Nechtsgelehrtcn; doch fuhr er auch jetzt fort, sich mit der Geologie zu beschäftigen. Nachdem er seinen Wohnsitz in London genommen, wurde er ein thätigcs Mitglied der Geologischen Gesellschaft; auch begann er > 832 Vorlesungen über Geologie am KingScollcgc. Auch bereiste er mehre Thcile von Deutschland, Frankreich und Italien. Seine gcognostischcn Beobachtungen legte« seit >823 in den „'l'raiisnctiniisnl'lliegooloFicul societ)" und den 831; deutsch von^K. Hartmann, Wcim. 1832), die eine Epoche in der Wissenschaft bezeichnen. Der Verfasser hat.sich die Aufgabe gestellt, die Veränderungen der Erdoberfläche aus noch jetzt wirksamen Ursachen, ohne Annahme ganz besonderer, qualitativ und quantitativ wundcrbarcr Umwälzungen, zu erklären. 2eotz allen Einwürfen, die Conybearc, Scdgwick u. A. gegen seine Ansichten erhoben haben, ge- . bührt ihm doch das große Verdienst, auf sehr wichtige Gesichtspunkte für geologische Betrachtung nachdrücklich aufmerksam gemacht und ein sehr conscqucntcs geologisches System ausgestellt zu haben. Auch gab er „Uloments ok AooloFz" (Lond. >838; 2. Aust., 2 Bde., > 8 >2; deutsch von Hartmann, Weim.'1839) heraus. Lyfldämus, wahrscheinlich ein röm. Sklave oder Freigelassener, über dessen Lebeiis- nmstände etwas Näheres durchaus nicht bekannt ist, wird in neuester Zeit von Einigen für den Verfasser des dritten Buchs der dem Ti bull us (s.d.) gewöhnlich zugcschricbeneii „Elegien" gehalten, da L. selbst am Schlüsse der zweiten Elegie als solcher genannt wird und dieses Buch gerade durch Sprache, Ton und Färbung von den übrigen sich merklich unterscheidet. Diese von I. H. Voß (s. d.) zuerst, im „Musenalmanach" vom I. >786 aufgcstcllte, später in der Vorrede zur deutschen Übersetzung des Tibullus und L. (Tüb. >8>«>) weiter ausgeführle und mit neuen Gründen unterstützte Behauptung hat von mehren Gelehrten theilS Zustimmung, thcils Widerspruch erfahren. Vgl. Eichstädt, „De I-pg- ! flami carmiuikus" (3 Abhandlungen, Jena >320—-33) und Grüppe, „Die röm. Elegie" M r, Lpj. l kW, Lykabettos Lykomedes 183 Lykabettos war der alte Name eines Bergs in der Nabe von Athen, worunter der große Fclskcgel in nordöstlicher Richtung der Stadt, jetzt St.-Ecorg, den Leake irrthüm- lich für den Anchesmos hielt, zu verstehen ist, wie dies Forchhammcr in der Schrift „Zur Topographie Athens" (Gott. 1833) bestimmt nachgewiesen hat, während man früher den kleinen Felshügcl nördlich von dcrPnyx, den heutigen Nymphenhügcl, oder dic Hügclrcihe, welche die Thälcr des Kephisos und Jlissos trennt, mit dem Name» Lykabettos belegte. Lykanthropie ist eine Art des Wahnsinns, welche vorzüglich im Alterthnmc in Griechenland und im I -1.— 16. Jahrh. im übrigen Europa vorkam und darin bestand, daß die Geisteskranken sich in Wölfe verwandelt glaubten und demgemäß betrugen. Der Ort, wo sich die Lykanthropie im Alterthume fand, und die Zeit, in der sie sich später weiter verbreitete, lassen leicht erkennen, daß auch diese Art des Wahnsinns in Folge des Aberglaubens und besonders der Annahme von sogenannten Wehrwölfen entstand. Lykäon, der Sohn des Pelasgus und der Meliböa, der Tochter des Occanos, oder der Kyllene, war ein König in Arkadien, welcher Lykosura erbaute und den Dienst dcö Zeus Lykäos (s. d.) gründete. Dionysius erwähnt einen ältcrn und einen jüngcrn L. Er war Baker von 50 Söhnen, von denen mehre als Erbauer arkadischer Städte genannt werden. Der Sage nach erscheint er bald als Frevler gegen die Götter, bald als der erste Entwilderer Arkädiens. Nach Pausanias opferte er auf dem Altar des Zeus ein Kind, wurde aber noch während des Opfers vom Gotte in einen Wolf verwandelt. Dieses und Anderes gab wahrscheinlich Veranlassung zu der von Ovid u. A. ausgcschmücktcn Fabel. Nach dieser stieg Zeus, der von der Verdorbenheit des Menschengeschlechts gehört, in Menschengestalt auf die Erde herab und ging nach Arkadien. Hier wurde er von dem Volke erkannt und verehrt, nur L. zweifelte und setzte ihm, um ihn zu versuchen, mit Menschenfleisch vermischte Speise vor. Sogleich stürzte Zeus im Zorn darüber die Tafel um, brannte den Palast des L. nieder und verwandelte ihn mit seinen ebenfalls ruchlosen Söhnen in Wölfe oder erschlug sie mit dem Blitzstrahl. Nur einer von den Söhnen, NykrimoS (den aber nach Andern der Vater zu jcnerMahlzeit schlachtete), wurde durch Vermittelung der Ge gerettet. Unter der Negierung desselben kam dann die deukalionische Flut, die die Gottlosigkeit der Lykaoniden herbeigeführt haben soll. — Lykarn, der Sohn des Priamus und der Laothoe, ein Bruder des Polyderus, wurde von Achilles gctödtct. Lykaonien, eine Landschaft in Kleinasien, mit der Hauptstadt Ikon! um (s. d.), wurde östlich von Kappadocien, nördlich von Galatien, westlich von Pisidien, südlich von Zsanrien und Cilicien begrenzt und erhielt der Sage nach den Namen von einem alten Könige der Arkadier, Lykaon (s. d.). Lykäos war ein Beiname des Zeus, vom Berge Lykäo § in Arkadien, auf dem sein Heiligthum sich befand. Der Eintritt in dasselbe war verboten; wer mit Gewalt eindrang, starb in demselben Jahre. Auch erzählt man, daß weder Menschen noch Thiere darin einen Schatten würfen. Auf dem Gipfel des Bergs stand der Altar des Gottes, auf dem man ein mysteriöses Opfer darbrachlc, dessen Gebräuche das Volk nicht kennen lernte. Vor dem Altar standen nach Osten zwei Säulen, aus denen sich goldene Adler befanden. — Auch - war Lykäos ein Beiname des Pan, der ebenfalls auf diesem Berge ein Hciligthum hatte und daselbst geboren sein sollte. Bei dem Heiligthum befand sich eine Laufbahn, wo man ihm in der frühesten Zeit die lykäischen Kampfspicle feierte, die den röm. Lupcrcalicn (s. Lupercus) wahrscheinlich zum Vorbild dienten. Lykastus, ein Sohn von Minus l. und der Ikone, der Tochter des Lyktios, war König von Kreta, Gemahl der Jda, einer Tochter des Korybas, und Vater von Minus II. Lykien, eine Landschaft im Süden Kleinasicns, mit den berühmten Städten ch'anthoS und Patara, grenzte im Osten an Pamphylicn, im Norden an Pisidien und Phrygien, im Westen an Karlen, im Süden an das Mittelländische Meer und soll nachLykos genannt sein. Lykomedes hieß der Sohn des Apollon und der Parthcnopc, des Ankäos Tochter. — Der König Lykomedcs von Skyros, einer Insel bei Euböa, war der Vater der Deiba- j weia. Zu ihm brachteThctisdcn Achilles (s.d.), welcher mit derDewamcia denPynhus ieugte. Als Thescus (s. d.) aus Athen geflohen war und auf der Flucht nach Skg, 184 tzykophron LykurguS ros zu L. kam, stürzte rhn dieser von einem Felsen herab, entweder weil er dessen Einfluß auf seine Untcrthancn fürchtete oder dessen auf Skyros liegende Güter nicht herausgcben wollte. Lyköphron, ein gricch. Grammatiker und Trauerspieldichter um 27» v. Ehr., aus Chalcis in Euböa gebürtig, der aber den größten Theil seines Lebens an dem Hofe desPto- lemäus Philadclphus zu Alexandria zubrachte und an einer, bei einem Wortwechsel über die Borzüge der alten Dichter von seinem Gegner ihm beigcbrachtcn Wunde gestorben sein soll, ist der Verfasser eines unter dem Namen „Kassandra" oder „Alexandra" bekannten Monodramas in Jamben, worin jene Seherin den Untergang Trojas und die Schicksale aller darein verflochtenen Helden in fortlaufender Rede weissagt. Dieses wegen seiner vielen dunkeln Anspielungen schwer verständliche und an mythologischer Gelehrsamkeit strotzende Gedicht charakterisirt am deutlichsten die Richtung der sogenannten Alexandrini- schen Schule (s. d.). Die besten Ausgaben, zugleich mit dem griech. Commentar von Isaak und Johannes Tzetzes (s. d.), besitzen wir von Potter (Oxf. 1607; 2.Aufl., 1702, Fol.), Sebastian! (Nom 1803, 4.) und Müller (3 Bde., Lpz. 1811),; eine neue Textrecen- ston von Bachmann (Lpz. 1830). Vgl. Niebuhr's Abhandlung „Uber das Zeitalter L.'s , des Dunkeln" in den „Kleinen historischen Schriften" (Bonn 1828). Lykos ist der.Name mehrer Flüsse im Alterthume. Am bekanntesten sind darunter , der Lykos in Assyrien, welcher in den Tigris mündet, der in Paphlagonicn, welcher bei He- l raklea in denPontus strömt, der in Großphrygien, ein Nebenfluß des Mäander, und endlich ! der in Phönizien oder im südlichen Syrien, welcher zwischen Byblos und Berytos in das Mittelmeer sich ergießt. ' ' Lykos hieß der Sohn des Poseidon und der Plcjade Keläno, den sein Vater auf die Inseln der Seligen versetzte; ferner der Sohn des Ares, der als König von Libyen alle Fremde seinem Vater opferte, den Diomedes (s. d.) ausgenommen, der von des L. Toch- - ter gerettet wurde; dann der Sohn des Hyrieus und Bruder des Nykteus. Letzterer bemächtigte sich, während Hercules seine zwölf Arbeiten verrichtete, der Herrschaft von Theben, behandelte hierbei die Gemahlin jenes, Meg ara (s. d.), sehr übel, und wurde deswegen von ihm nach seiner Rückkehr getödtet. — LykoS hießauch einer vondenTelchinen, welcher nach Lykien gekommen sein und dort am Lanthos dem lykischen Apollon den ersten Tempel erbaut haben soll, sowie der Sohn Pandion's II., der voll seinem Bruder Ägeus auS Athen vertrieben, sich zu dem Sarped on (s. d.) in das Land der Termilcn begab, welches von ihm den Namen Lykien bekommen haben soll. Außerdem wird noch von ihm erzählt, daß er von den Nymphen die Sehergabe erhalten und den Dienst der großen Göttinnen (Demeter und Persephone) aus Attika nach Andania in Messenien gebracht habe. Von ihm leitet man auch das alte berühmte Priestergeschlecht der Lykomeden her, welches« der Landgemeinde Phlyä und zu Andania eigene Wcihkapellen hatte. Lykurgus, der berühmte Gesetzgeber der Spartaner, um 880, nach Andern um 801 v. Ehr., stammte der Sage nach aus der alten Familie derProkliden, war eine Zeit lang der Vormund des Königs Charilaus und wurde später durch eine Gegenpartei veranlaßt, auszuwandern. Später kehrte er, nachdem er Kreta, Kleinasien, woher er die Homerischen Gesänge mitgebracht haben soll, und Ägypten besucht hatte, in sein Vaterland zurück und er- thcilte hier, auf Veranlassung seiner Mitbürger und mit Genehmigung des delphischen Orakels, seiner Vaterstadt eine Verfassung, die außer einigen neuen Einrichtungen zum Theil nur altes Herkommen als Gesetz bestätigte und deren einzelne Satzungen mündlich in Sprüchen fortgepflanzt wurden. Die Grundzüge dieserVerfassung, bei welcher namentlich alle Privatinteressen dem gemeinsamen Staatsinteresse untergeordnet waren, bestanden wesentlich darin, daß mit Beibehaltung der zwei erblichen Könige diesen ein Rath von 28 durch Erfahrung und höheres Alter erprobten Mitgliedern oder Gkrönten (s. d.), welche die oberste Leitung der Staatsangelegenheiten hatten, zur Seite gesetzt und in den Volksversammlungen, an denen jeder Spartaner vom 30. Lebensjahre an Theil nehmen konnte, durch Bejahung oder Verneinung über Gesetze, Beamtenwahl, Krieg und Frieden entschie- ! den wurde. Auch wird die Einführung eines gleichen Grundbesitzes durch gewisse unver- ! äußerliche und untheilbare Loose auf L. zurückgeführt. Ebenso sah L. bei der Erziehung und Normirung des Privatlebens besonders auf Abhärtung des Körpers und Tauglichkeit zum Lykurgus Lymphatisches System 185 Kriegsdienste, daher er außer großer Einfachheit in Kleidung und Wohnung auch öffentliche Männermahle anordncte, bei denen die bekannte schwarze Suppe einen Hauplbcstand- theil ausmachte. Um alle Abweichung von der heimischen Sitte zu verhüten, verbot er das Reisen ins Ausland ebenso wie den Aufenthalt der Fremden in Sparta. (S. Sparta.) Ob unter ihm auch schon die Einsetzung der Ephoren stattfand, bleibt ungewiß. (S. Epho- rus.) Nachdem er die Könige, dcn Nath und die Bürger einen feierlichen Eid hatte schwören lassen, daß sie während seiner Abwesenheit nichts an den eingeführten Gesetzen ändern wollten, verließ er die Stadt und kehrte nie wieder zurück, ein Ereigniß, das in späterer Zeit vielfach ausgcscbmückt worden ist. Überhaupt ist diese ganze Gesetzgebung sehr in Dunkel gehüllt und scheint im Verlaufe der Zeit manche Erweiterungen und Zusätze erhalten zu haben, indem man alles Löbliche und Gute in dieser Verfassung dem L., als einem gefeierten Namen, beilegte, wie denn auch die altern Geschichtschreiber und selbst Thucydides derselben ohne Angabe des Stifters gedenken. Doch ist man auf der andern Seite offenbar zu weit gegangen, wenn man die ganze Erscheinung des L. für einen blosen Mythus hat erklären wollen. Vgl. Heinecke, „Homer und L." (Lpz. 1833), und Lachmann, „Spartan. Staatsverfassung" (Bresl. > 836). Lykurgns, einer der vorzüglichsten attischen Redner und älterer Zeitgenosse des Demosthenes, geb. um 408 v. Ehr. zu Athen, gest. 323 v. Chr., erhielt durch Plato und Jso- krates seine Bildung und erlangte, sobald er die politische Laufbahn betreten hatte, durch Uneigennützigkeit, strenge Rechtlichkeit, besonders aber durch seinen echten Patriotismus in dem Kampfe gegen Philipp von Macedonien und Alexander, bei dem Volke unbedingtes Vertrauen und Ansehen, das er auch bis an seinen Tod behauptete. Von seinen 15 Reden, welche die Alten kannten, hat sich nur die durch eine kräftige, edle und erhabene Darstellung ausgezeichnete Rede gegen Leokrates erhalten, die sich in den Gesammtausgaben der griech. Redner von Reiske (Bd. 4, Lpz. 171 l), Bekker (Bd. 3, Berl. 1823) und Baiter und Sauppe (Zür. 1842) befindet, von Heinrich (Bonn 1821), Becker (Magdeb. 1821), Osann (Jena 1821), Pinzger, mit deutscher Übersetzung (Lpz. 1824), Blume (Strals. 1828), Baiter und Sauppe (Zür. 1834) und Mätzncr (Berl. 1836) besonders bearbeitet, und von Simon (Hamb. 1811) und Nüßlin (Manh. 1840) deutsch übersetzt wurde. Die Bruchstücke der übrigen Reden gab Kießling (Halle 1834) heraus. Vgl. Nissen, „De O. vitsc et rebus gestis" (Kiel und Hamb. 1833), und Blume, „Narratiotleib,." (Potsd. 1834). Lymphatisches System (sxstemalz'iiiplmliculli) nennt man den Inbegriff derjenigen Organe, in welchen die Lymphe (s.d.) theils bereitet wird, theils die ihr zukommenden Veränderungen erleidet. Hierzu gehören die Lymphgefäße oder Saugadern (vasa I^m- pbstica oder adsorkenlia) und die Lymphdrüsen oder Lymphknoten (ssanclulae Ivm- xllaticae oder conssobatae). Erste« entspringen als feine Kanälchen im Zellgewebe, welches nach einigen Anatomen nur aus feinen Lymphgefäßen und Lymphzellen besteht, vereinigen sich dann zu größer» Stämmen und endigen in dem linken oder großen und rechten oder kleinen Brustgang, von denen jeder aus der seinem Namen entsprechenden Seite in den Vereinigungspunkt der Schlüsselbeinvene mit der Drosselvene einmündet. Diese Lymphgefäße sind durch den ganzen Körper verbreitet; entdeckt wurden sie noch nicht in der Eehärnsubstanz, dem Rückenmark, den Augen, der Knorpclsubstanz, dem Fruchtkuchen und dem Nabelstrange, doch muß man sie auch in diesen Organen vermuthen. Sie sind wie die Blutadern gebaut, nur daß die Haut ihrer Wandungen dünner ist, und mit einem Klappenapparat versehen; die kleinsten scheinen jedoch nicht so fein zu sein als die kleinsten Haargefäße (s. d.). In der untern Körperhälfte sind die einzelnen Lymphgefäße von bcdeutenderm Umfange als in der obern; im Allgemeinen verlaufen neben den größer« Arterien und Venen auch größere Lymphgefäße; da sie aber fortwährend sich an und in allen Organen netzförmig aus- breiten, nehmen sie an Zahl nicht so ab, wie die aus dem Haargefäßnetze sich bildenden Venen, während ihr Umfang ebensowenig den jener erreicht und der große Brustgaug an seiner Mündung nur ungefähr zwei Linien im Durchmesser hält. Die absorbirenden Gefäße führen jedoch nicht nur Lymphe, sondern die, welche sich im Nahrungskanale finden, saugen hier den Nahrungssaft (cd)-!»») auf, welcher sich, mit der von. andern Theilen zugeführten Lymphe vermischt, dem Blute mittheilt, daher auch die Farbe dieser Gefäße vermöge der 186 Lymphe Lyrrchgesctz Durchsichtigkeit ihrer Wandungen, wenn sie Nahrungssaft enthalten, weiß und, wenn Lym- phe in ihnen fließt, gelblich ist. Der zweite wesentliche Bcstandthcil des lymphatischen Sy. siems besteht aus den Lymxhdrüsen. Diese stellen sich als runde, plattgcdrückte, röthliche Körper dar, welche die Größe einer Linse bis zu der einer Haselnuß haben und an der Oberfläche der verschiedenen Organe liegen. Sic bestehen aus einem Knäuel von Lymphgefäßen, deren mehre in einer derselben zusammcnkommen, sich in viele kleine Aste spalten, nach und nach wieder in weniger und größere Stämme zusammcntretcn und so ihren Lauf fort- sctzen. In der Drüse selbst werden diese von einem dichten Haargefäßnetzc umstrickt, und das Ganze wird durch ein lockeres Zellgewebe zusammcngehaltcn. Wahrscheinlich tragen auch kleine Nerven zur Bildung dieser Organe bei. Noch hat man keine Lymphdrüsen ans. zufindcn vermocht am Nucken, an den Händen, den Fußen, in dcr Schädclhöhle, der Rücken« markshöhle und der Substanz der Organe. Die größten liegen im Gekröse, an der Eintrittsstelle der Luftröhrenäste in die Lunge, in der Leistengegend, der Achselhöhle, dem Becken und am Halse, die kleinsten iln Netze und am Kopfe. Die Aufgabe des lymphatischen Systems besteht darin, die für die Ernährung des Organismus tauglichen Stoffe, sie mögen nun durch die Haut, durch die Ne-spirationsorgane oder den Nahrungskanal dem Körper zugekommcn sein, aufzusaugcn, daraus die Lymphe und den Nahrungssaft zu bereiten und beide dem Blute zuzuführen. Daher sind auch Lymphgefäße in den Theilen zu finden, wo die schon ausgeschiedeucn Stoffe, wie Urin, Koth u. s. w., bis zu ihrem Austritt aufbewahr! werden, und auch aus diesen wird noch Das, was zur Erhaltung des Körpers dienen kann, von diesewGefäßen ausgenommen und zu Lymphe verarbeitet. Überhaupt werden viele schon aus dem Blutsystem ausgeschicdcne flüssige wie feste Stoffe, wenn sie für den Organismus entbehrlich sind, z. B. Fett, Schleim, abnorme Gebilde, Geschwülste, Eiter u. s. w-, bei Mangel an nährenden Stoffen im Blute von den Lymphgefäßen aufgesogen und wieder zur Ernährung der zum Leben unentbehrlichen Theile verwendet, wie besonders die Abmagerung bei auszehrenden Krankheiten, die Hungercuren (s. d.) u. s. w. zeigen. Man nennt diese etwas voneinander abweichenden Functionen des Lymphsystems Absorption und Resorption. Das Lymphsystem der Säugthiere ist dem des Menschen ähnlich, während man bei den Vögeln, Amphibien und Fischen nur cinsaugcndc Gefäße, aber keine Lymphdrüsen findet und bei den niedrigem Thicrclasscn noch keine Organe beobachtet hat, welche eine der des lymphatischen Systems ähnliche Bestimmung zu haben schienen. Vgl. Dreschet, „Das Lymphsystem" (deutsch von Martiuy, Qucdlinb. >837). Lymphe (I>m>>Im) nennt man im weitern Sinne jede klare, Helle Flüssigkeit, welche auf pathologischem Wege aus dem Körper sich ausschcidet und für welche noch keine besondere Bezeichnung vorhanden ist, z. B. die Flüssigkeit, welche durch die Wirkung derBlascn- pflaster, bei Verbrennungen dcrHaut, bei vielen Hautkrankheiten u. s. w. abgesondert wird. Im engcrnSinne bedeutet dieses Wort dicFlüssigkeit, welche in den Lymphgefäßen (s.Lym- phatischcs System) enthalten ist. Dieselbe istklar, hell, schwach gelblich, geruchlos, von etwas salzigem Geschmack, alkalischer Ncaction und enthält besonders Eiweiß und Faserstoff. Es ist sehr schwierig, reine, nicht mit Blut vermischte Lymphe aus dem menschlichen Körper zu erhalten, daher auch chemische Untersuchungen über dieselbe bis jetzt nur spärlich vorhanden sind. Jedoch auch diese haben verschiedene Resultate geliefert, weil die Lymphe und ihre Bestandtheile nach Verschiedenheit des Alters, des jeweiligen Körpcrzustandes u.s. w. auch in einem und demselben Körper mannichfachcn Veränderungen unterworfen ist. Lyllchgesetz (IH-ncir bnv) nennt man den abscheulichen Gebrauch in einigen der Vereinigten Staaten von Nordamerika, daß das Volk über Diejenigen, welche sich bei demselben verhaßt gemacht haben, und da,.wo gewisse unsittliche Handlungen unbestraft bleiben, wie etwa das Hazardspielen, vorzüglich das Bankhaltcn, eigenmächtig Strafen verhängt, die darin bestehen, daß ein Volkshaufe sich zusammcnrottct, die Häuser der unglücklichen Opfer überfällt, das bewegliche Eig-enthum zerstört, die Häuser in Brand steckt, die Bewohner mis- handelt und nicht selten mit kaltblütiger Grausamkeit und unter den schrecklichsten Qualen mordet. Schauderhafte Beispiele dieser Sclbsthülfe und barbarischen Volksrachc fallen in gllcn,Theilen Nordamerikas vor, doch häufiger und empörender in den südlichen und neuern Agqlen, ws die Leidenschaften heftiger nnd die Bande der sittlichen Ordnung lockerer sind, alt Ei Ll cn sch B tc> de ni gc all > wi >m tcr El me > S-l bei Fll > da< i un > Ne leh ^ V- Lt me Lai Zn El Zu MN odc chn der bri i Zc > lik ! S Ly ^ ric > Lr du sw ' ha d« l! L di 8' »i de ri lg Lyndhurst 187 als in den altern und nördlichen Staaten. Das Traurige ist, daß Niemand vo» diesen Greueln Notiz nimmt, die Beamten sic ruhig geschehen lassen, die Gerichte die erwiesenen Lhätcr frcisprcchcn und die Gesetzgebung Denen, welche unter diesen Gcwaltthaten von der einen und durch die gewissenlose Nachsicht von der andern Seite gelitten haben, jede Entschädigung und Unterstützung abspricht. Eine der gewöhnlichen Mißhandlungen ist das Bestreichen mit Theer und das dann folgende Wälzen in Federn. Wer nur in entfernten Verdacht kommt, ein Feind der Sklaverei zu sein und die Abschaffung derselben zu fördern, hat zu fürchten, fstr vogclfrci erklärt,und wenn er einem Haufen der Anti-Abolitio- nisten in die Hände fällt, auf das Schändlichste gcmishandclt zu werden. Der Name Lynch- gcfetz soll von einem gewissen John Lynch hersiammcn, der gegen bas Ende des iii.Jahrh., als der regelmäßige Gang der Colonialgcsctze keine» genügsamen Schutz gegen die Verwüstungen gewährte, welche flüchtige Sklave» und Verbrecher, die in der Nähe des Dis- mal Swamp, eines Ungeheuern Sumpfes inNordcarolina, sich sammelfen, an den benachbarten Pflanzungen verübten, von den Bewohnern erwählt und mit unumschränkter Machtals Gesetzgeber, Richter und ausführendc Gewalt in Civil- undCriminalsachcu bekleidet wurde. Lyndhurst (John Singlc'ton Copley, Baron), ein ausgezeichneter brit. Staats mann, gcb. am 21 . Mai >772 zu Boston in Nordamerika, kam mit seinem Vater, einem geschickten Maler, >775 beim Ausbruche deS Unabhängigkcitskampfes nach England. Für den geistlichen Stand bestimmt, zeichnete er sich auf der Universität zu Cambridge durch Fleiß und Talent so aus, daß er >795 ein Ncisestipendium erhielt, welches er dazu benutzte, das Land seiner Geburt zu besuchen. Nach der Rückkehr widmete er sich dcmNechtsstudium und gewann bald als Sachwalter eine ausgcbreitctc Praxis. Als er 1816 von der Stadt Jarmouth ins Unlerhai s gewählt wurde, besaß er bereits einen großen Nus als Rechtsgelehrter und Wortführer der Volkspartei. Nebst Charl. Wetherell übernahm er >820 die Vcrlhcidigung der der Verschwörung angeklagten Radicalen Wathon und Thistlewood. Obgleich er die Schuldigen nicht zu retten vermochte, erwarb er sich doch einen großen Namen. Aus Ehrgeiz verließ er aber seine freisinnigen Grundsätze und seine volksthümliche Laufbahn und nahm von der Negierung das Amt als Generalprocurator der Krone an. In däcser Eigenschaft mußte er im Oberhause gegen die Königin Karoline Amalie Elisa belh (s. d.) auftreten, deren Angelegenheit Brougham führte. Die Vorsicht und Zurückhaltung, die er im Angesichte seines gefürchteten Gegners bewies, zog ihm damals mit Unrecht die Vorwürfe der Höflinge zu. Im I. >823 stieg er zum Attorncygencral oder Generalanwalt; >826 aber erhielt er die Stelle des Master of the rolls oder des Archivars beim Kanzleihofe, die den Inhaber gewöhnlich zum Kanzleramt selbst führt. In derselben Zeit wurde er auch nach einem harten Wahlkampfe von der Universität zu Cambridge in das Unterhaus gewählt. Vön der Lorypartci cmporgehobcn, hatte er in kurzer Zeit seine Ansichten so gänzlich geändert, daß er sich mit Eifer der Emancipation derKatho- likcn widersctzte und mit den Hochtories stimmte. Als sein Freund Canning >827 an die Spitze der Verwaltung trat, mäßigte er sich und wurde zum Lordkanzlcr, sowie zum Baron Lyndhurst und Pair von England erhoben. Dieses Amt behielt er nicht nur unter Gode- rich's Verwaltung, sondern auch unter dem Ministerium Wellington. Erst 1 83 », als die Whigs ans Ruder kamen, trat er sein Amt an Brougham ab. Während des Kampfes um die Parlamentsreform spielte nun L., der sich einige Jahre zuvor mit Canning zu den freisinnigsten Reformen verbunden hatte, den hitzigsten Wortführer der Hochtories. Er behauptete, daß die Veränderung des Wahlgesetzes den Untergang der brit. Größe nach sich ziehen würde. In der vorübergehenden Verwaltung, die Peel und Wellington im Nov. 1831 bildeten, bekleidete er wieder das Kanzlcrämt. Seil diesem Rücktritte machte er den Whigs im Parlamente besonders viel zu schaffen, indem er seine Angriffe unter anscheinender Mäßigung versteckte. In der Sitzung von >837 veranlaßte er das Haus, den Tadel gegen Lord Durch am (s. d.) auszusprechcn, der eigentlich auf die Minister zurückfallcn mußte. JmJ. > 839 brachte er in den Angelegenheiten dcr Colonie Jantaica die Verbindung der Radicalen mit den Tories zu Stande, was die augenblickliche Auflösung des Ministeriums mit sich führte. Die maßlose Leidenschaftlichkeit, die er in den Discusstonen überJ» sklld MchiMtt, M ihm hMder? dkN Zorn und dioSHmach derJrländer z», Ai- endlich 188 LyukenS Lyon im Aug. 1841 das Ministerium Melbourne unterlag, übernahm L. unter Peel zum dritte» Mal das Amt des Lordkanzlers., Lynkenö, der Sohn des Ägyptus und der Argyphia, war der Gemahl der Danaide Hypermncstra, welche allein unter den Danaiden ihren Gemahl verschonte (s. Danaus), Vater des Abas und nach des Danaus Tode Herrscher vonArgos. Das Grab Beider zeigte man noch spät in Argos in der Nähe des Altars des Zeus Phyxios. — Lynkeus, der Sohn des Aphareus und Bruder des Idos, hatte eine so große Sehkraft, daß er die Me- talle in der Erde erkannte. Er war Lootse der Argonauten, kämpfte mit den Dioskuren und befand sich auch bei der kalydonischen Jagd. Lyon, die Hauptstadt des Nhonedepartements und nach Paris die wichtigste Stadt Frankreichs, liegt am Zusammenfluß der Rhone und der Saone malerisch theils in den Thälern der beiden Flüsse, theils an und auf den sie umgebenden Bergen, in einer reizenden, i von Gärten und Landhäusern angefüllten Gegend. Die Rhone, welche nebst der Saone durch die Stadt strömt, theilt sie in zwei Haupttheile, die Rhone- und Saonestadt, die wieder in 28 Stadttheile zerfallen, welche durch vier Brücken über die Rhone und zehn Brücken über die Saone miteinander verbunden werden. Um L. herum liegen mehre bedeutende Vorstädte, die zum Theil besondern Städten gleichen; die bedeutendsten darunter sind Vaise, Lacroix rousse, Laguillotiere und Brotteaux. Mit diesen Vorstädten zählt L. über 2000W, ohne dieselben über 160000 E. Seit den beiden letzten großen Aufständen ist cs durch mehre um dasselbe herumliegende und es beherrschende abgesonderte Forts befestigt worden, die vielmehr gegen die Stadt als gegen äußere Feinde angelegt erscheinen. ^ Wegen des unebenen Bodens ist es sehr unregelmäßig, und dabei im Ganzen keineswegs ^ schön gebaut. Die Straßen sind meist eng, winklig und uneben, die Häuser zwar massiv gebaut, aber durch übergroße Höhe, zum Theil bis sieben Stockwerke, unschön; doch gibt es viele einzelne herrliche Gebäude. Um so schöner sind die Kais längs der Flußufer und dik Promenade; auch von den 56 öffentlichen Plätzen sind die meisten schön zu nennen, besonders der große Belle-Cour-Platz mit der Neiterstatue Ludwig's XIV., der Platz Terreaux, berüchtigt durch die auf ihm vorgenommenen Hinrichtungen in der ersten Revolution, und der Platz von Sathonay mit der Statue Jacquakd's. L. zählt gegen 5V Kirchen; die bedeutendsten darunter sind die alte Kathedrale, die Kirche zu St.-Nizier, dieKarthäuserkirche, die zu St.-Paul, Notre-Dame auf der Höhe von Fourviers, die Sühnungskapelle mit den Gebeinen der in der ersten Revolution Gemordeten. Von den übrigen öffentlichen Gebäuden sind zu erwähnen der prächtige Präfecturpalast; der Palast des Erzbischofs; das vormalige Trinitatiskloster, eines der schönsten Gebäude der Stadt, in welchem sich jetzt das königliche Gymnasium und die große Stadtbibliothek, deren Local zu den schönsten derartigen Localen in Europa gehört, befinden; die große St.-Petersabtei, ein ehemaliger Benedictinerkloster, daS gegenwärtig zugleich Sitz der Börse, des Conservatoriums der Künste, der Gemäldesammlung, einer Bibliothek, des antiquarischen und des naturhistorischen Museums ist, und endlich das große Theater. L. ist reich an wissenschaftlichen und wohlthätigcn Anstalten. Von jenen sind zu erwähnen die aus den Facultäten der Theologie, Medicin, exacten Wissenschaften und der Literatur bestehende ^caclemie rmiversitaire, das Gymnasium (college), das theologische Seminar, die Landban- und Thierarzneischule, zwei Eewerbschulen und eine Menge gelehrter und gemeinnütziger Gesellschaften, unter denen die Akademie der Wissenschaften, schönen Literatur und Künste dem Range nach voranstcht, die katholische Missionsgesellschaft aber, ihrer ausgebreitetcn Wirksamkeit wegen, die wichtigste ist; ferner außer den schon erwähnten Bibliotheken und andern wissenschaftlichen und Kunstsammlungen, der botanische Garten und die Sternwarte. Unter den vielen Wohlthätigkeits- anstalten sind das große Hospital, das jährlich über 9000 Hülfsbedürftige unterstützt, und das bereits im 6. Jahrh. von Childebert gegründete Hotel Die», das jährlich auf I 20 VV Kranke verpflegt, auszuzeichnen. L. ist die erste Fabrikstadt ganz Frankreichs; von den vielen Gcwerbzweigen, die in ihr betrieben werden, führen wir nur die zwei bedeutendsten an: die Hut» und vor allen andern dieSeidenmanufactur, in welcher letztem, obwol siein neuester Zeit wieder im Sinken begriffen ist, L. noch immer den ersten Rang auf der Erde einnimmt. Man berechnet die Zahl der Webstühle durchschnittlich auf 25000 und die der 18S Lyon dabei beschäftigten Arbeiter auf 50000 ; der Werth der jährlich erzeugten Fabrikate wird auf 2V Mill. Thlr. angeschlagen. Natürlich ist bei einer so bedeutenden Fabrikation auch der Handel der Stadt von großer Bedeutung, der übcrdcm noch durch die dem Handel so günstige Lage der Stadt am Zusammenfluß zweier Ströme und im Mittelpunkte wichtiger sich hier kreuzender Straßen zwischen dem Mittelmeere, dem Innern Frankreichs und der benachbarten Schweiz und Italien sehr gefördert wird; man schätzt den jährlichen Umsatz auf 30 Mill. Thlr. Dampfboote auf der Saone undNhone, die Eisenbahn nach St.-Etienne, zu der noch die wichtige von Paris über L. nach Marseille kommen wird, tragen das Ihrige dazu bei, den Verkehr immer belebter zu machen. L. war schon zur Zeit der alten Gallier eine bedeutende Stadt und der große Markt Galliens. Sie lag im Gebiet der Segustaner im lugdünensischen Gallien, und wurde, wie uns die Römer überliefern, ImFckunum genannt. Um 40 v. Chr. führte Munatius PlancuS eine röm. Colonie dahin, und bald gewann die Stadt unter der röm. Herrschaft großes Ansehen und kam zu immer größerer Blüte. Augustus restdirte mehre Jahre daselbst, Kaiser Claudius wurde daselbst geboren, und Maxentius und Gratianus starben da. Unter Nero brannte L. ab, und erhielt nach seiner Wiederaufbauung den Rang vor allen gallischen Städten. Das Christenthum fand hier zuerst in Gallien festen Boden; das Blut vieler Märtyrer floß hier, aber auch die erste christliche Kirche Galliens wurde hier gegründet. In der Völkerwanderung erlitt L. harte Schläge; Stilicho überließ es 407 den Burgundern, die es zur Hauptstadt ihres Reichs in Gallien machten; Attila brannte es 4SI nieder; unter Chlotar eroberten es 534 die Franken. Von nun an theilte es die Schicksale des fränk. und neuburgund. Reichs, erhob sich während dieser Zeit, trotz der Plünderung durch die Sarazenen, die es im 8. Jahrh. hart Mitnahmen, immer mehr, besonders unter Karl dem Großen, bildete mit der umliegenden Landschaft die unter eigenen Grafen stehende und zum Arelatischen Reiche gehörende Grafschaft Lyonnais, und kam unter Kaiser Konrad II. mit Arelat zu dem Deutschen Reiche. Im I. l 173 ging die Stadt mit der Grafschaft Lyonnais aus der Gerichtsbarkeit und Gewalt der Grafen unter die der Erzbischöfe von L., die von jeher große Macht und Einfluß besessen hatten. Zn den I. >247 und 1254 wurden daselbst zwei wichtige Kirchenversammlungen gehalten. Im 1.1274 begaben sich die Erzbischöfe von L. unter franz. Schutz, und 1363 wurde Lyonnais förmlich mit dem Königreich Frankreich vereinigt, dessen Schicksale es von nun an theilte. Mehr als jede andere Stadt Frankreichs litt L. in der ersten Revolution; denn obschon das Volk 1789 das feste Schloß Pierre en Cise zerstörte, so bewies sich die Stadt, die viele Royalisten unter ihren Bewohnern zählte, im Ganzen doch sehr lau für die Revolution, und als diese immer mehr ihre Schrecken entfaltete, trat L. offen gegen das Schreckensregiment auf, erhob am 29. Mai 1793 die Fahne des Aufstandes gegen dir Nevolutionsregierung, und vertrieb die jakobinische Municipalikät. Doch die Befreiung vom Joche des Terrorismus dauerte nicht lange; schon am l.Aug. 1793 begann ein vom Convent gesendetes Heer die Belagerung der Stadt und bombardirte sie, sodaß sie sich am 10. Oct. auf Gnade und Ungnade ergeben mußte. Die für schuldig Geachteten wurden zu Hunderten von den Siegern mit Kartätschen niedergeschossen, und der Convent sprach über die Stadt, die den Namen Oommime aörancbis erhielt, die Vernichtung aus, deren Vollziehung Collot d'Herbois, Fauche und Couthon übertragen wurde. Gegen 6000 Menschen wurden durch sie hingeopfert, und fünf Monate lang riß man die schönsten Gebäude nieder. Auch der 9. Thermidor war nicht ohne blutige Reactionen für L. Nur langsam erholte sich die Stadt wieder von diesen Schlägen, und erst seit 1815 nahmen der Handel und die Seidenfabrikation den Aufschwung, der der Stadt eingBlüte verlieh, wie sie sie früher nicht erlebt, die aber seit der Julirevolution wieder im Abnehmen begriffen ist. Viel trugen zu diesem neuen Sinken, außer der Concurrenz, auf die L. in andern Ländern stößt, die zwei blutigen Aufstände vsn > 831 und 1834 bei. Der erstere, der am 2l.Nov. 1831 ausbrach, ging von den Seidenwebern (csmils) in der Vorstadt Lacroix rvusse aus, die, vom größten Elende gedrückt, bessere Bezahlung von den Fabrikherren soderten, und als diese ihnen nicht gewährt wurde, die Nakionalgarden schlugen, Barrikaden errichteten, die Garnison vertrieben, die Häuser mehrer Fabrikanten demolirten und IW Lyra Lyrik ihre Geräthschaftcn und Maaren verbrannte». Erst die Ankunft des Marschrlls Soult mit 20000 M., in Begleitung des Herzogs von Orleans, vermochte durch Entwaffnung der Aufrührer und Verhaftungen die Ruhe hcrzustcllcn. Allein trotz der Auflösung der Nationalgardc und der Einlegung einer starken Garnison dauerte der meuterische Geist unter den Arbeitern im Stillen »»geschwächt fort, um im Apr. 183-1 nm so stärker hcrvor- zubrechcn. Diesmal hatte der Aufstand einen mehr politischen Charakter; die Republikaner verbanden sich mit den Arbeitern zum Sturze der Negierung, und geheime Gesellschaften gaben dem Aufstande einen gefährlichen Zusammenhang mit den gleichzeitigen Aufständen in Paris, im Elsaß und im Süden. Die Veranlassung zum Ausbruche des durch eine förmliche Verschwörung geleiteten Aufstandes gab das gerichtliche Verfahren gegen einige Mitglieder geheimer Verbindungen am 9. Apr. Der Aufstand war diesmal nicht eine blinde Meuterei, sondern ein förmlich organisirtcr Bürgerkrieg. Fünf Tage lang wurde in den Straßen aufs erbittertste gefachten; die Truppen unter General Aymar, welche sich im Besitz der strategisch wichtigen Punkte behaupteten, mußten die Häuser und Straßen, in denen sich die Aufrührer verschanzt, mit Sturm nehmen, wobei sie häufig nur durch Nieder- schießen der Häuser zum Ziele kommen konnten. Zwar behielten sie zuletzt vollkommen die Oberhand; aber dieStadt warfurchtbar mitgenommen; man schätzte den Verlust derselben an Häusern u5s. w. auf mehre Mill. Francs. Von den Truppen waren -17 5 M., von den Aufrührern gegen 70» M. todt oder verwundet. Seitdem ist cs in L. nicht wieder zu einem Aufstand gekommen; die Geister haben sich nach und nach beruhigt, und statt desNcpubli- kanismus hat der Ultramontanismus hier einen Herd gewonnen, von dem aus er das Feuer des geistlichen Kriegs gegen Staat und alle nichthierarchischcn geistigen Gewalten nach allen Seiten unterhält. Vgl. Bochard, „voscriptüm lüstorigue cko 1^." (Lyon 18N) und Clerjon, „llistoii e lle lä." (4 Bde., Lyon l 829—35). Lyra, das älteste Saiteninstrument, dessen Ursprung auf den ägypt. Hermes oder Mercur (s. d.) zurückgeführt wird, hatte anfangs nur drei Saiten, obwol die des Anubis auf einem Mumienkasten in Wien bereits fünf enthält. Bei den Griechen fügte Hermes, dem man auch die Erfindung der Lyra selbst zuschrieb, eine vierte Saite hinzu, was nach Andere Apollon (s. d.) tyat. In Folge der Veränderungen, welche Linus, Orpheus, Amphion und Tcrpander mit der Lyra Vornahmen, vermehrte sich die Zahl der Saiten auf sieben und zuletzt auf elf. Von der Kithara oder Zither (s. d.) unterschied sich die Lyra dadurch, daß sie einen schildkrütenförmigen, ticfern Schallboden und eine weniger gekrümmte Gestalt hatte, daher sie beim Spiele nicht aufrecht gestellt, sondern zwischen den Knieen gehalten wurde, und daß sie wegen ihres stärker» und schärfern Tones überhaupt als das männlicbe unter den Saiteninstrumenten galt. Übrigens wurde die ursprüngliche Lyra des Mcrcm der Sage nach zu Lyrnessus anfbewahrt, wo sie Achilles bei Eroberung dieser Stadt erbeutete, andern Erzählungen zufolge nach dem grausamen Tode des Orpheus, der sie vom Apollon erhalten hatte, vom Jupiter unter die Gestirne versetzt. i Lyrik oder Lyrische Poesie heißt dicjcnigcHauptgattung derPoesie, die das innere Gefühlsleben zum Gegenstände ihrer Darstellung hat. Sobald nämlich überhaupt eine dichterische Thätigkeit bei einem Volke erwacht ist, zieht dasselbe nicht nur die Gegenstände der Außenwelt in den Kreis dichterischer Behandlung, sondern sucht auch seinen Gefühlen, mögen sie nun rein innerlichen Ursprungs sein oder an Gegenstände der Außenwelt anknü- pfen, je nach dem Maße ihrer Stärke und Klarheit poetischen Ausdruck zu verleihen. So entsteht die lyrische Poesie, von dem Hervorgchen aus der inner» Persönlichkeit des Menschen auch subjcctive Poesie genannt, im Gegensätze gegen das Epos, welches sich auf die rein objective Darstellung und dichterische Erzählung menschlicher Handlungen beschränkt, und gegen das Drama, welches die inncrn und äußern Kämpfe verschiedener Persönlichkeiten untereinander vergegenwärtigend darstcllt. Natürlich muß die wahre lyrische Poesie zunächst alle Erfodcrnisse der Poesie überhaupt erfüllen; sie muß dem innern Gefühle i»it< tels der Phantasie eine klare, anschauliche Gestalt geben und die innere Wahrheit ihres Inhalts mit idealer Auffassung verbinden. Besondere Anfoderungcn an die Lyrik in ihrer Reinheit sind, daß sie geeignet ist, sich mit der Musik, als der dem Gefühlsleben cntspre- ! chendsten Kunst, eng zu verbinden. Von der Lyra, als dem Instrument, mit dem die Erie- ch in ,bl re ' b< S' ch fl u n (j A u. sä he ist cn sch üb bei A! erk in me B! UN we vei He Lyi °ch der Ja für blil an! lick che sch! He La> Ge dui we 13 i°s ke! ve> des ve> lai Fb Lys Lysanber 191 che« derartige Erdichte begleiteten, hat sie ihren Namen. Ferner kann das lyrische Gedicht im Vergleich mit Epos und Drama immer nur einen vcrhältnißmäßig kleinen Umfang haben und endlich stimmt zu dem Inhalt dieser Gedichte die strophische, mehr oder weniger regelmäßige Form, die noch durch manche besondere Kunstmittel, z. B. den Refrain, gehoben wird. Ihrem Inhalte nach kann man die lyrischen Gedichte cinthcilen in solche, die all- gemeine menschliche, und solche, die ganz besondere persönliche Gefühle ausdrücken, zu welchen letztem die meisten Gelegenheitsgedichte gehören; ferner in solche, die großartige Gefühle in ihrer tiefsten Erregung und Kraft in entsprechender, erhabener Form ausdrücken, und vorzugsweise Hymnen (s. d.) und Oden (s. d.) genannt werden, und solche, die innigere aber ruhigere Gefühle in einfacherer Form aussprechcn, wie das eigentliche Li ed chen Lysbourg im franz. Departement Pas de Calais, und wird in Frankreich bei Merville schiffbar. Er theilt das Departement des Norden in eine nördliche und eine südöstliche Hälfte, nimmt die Dcule, Mandele und den Kanal von Brügge auf und fällt nach einem Laufe von 22 M., und nachdem er die Städte Aire, Mcnin und Courtray berührt hat, bei Gent in die Schelde. Am L. ließ Ludwig XlV. 1695 beim Ausbruch des CoalitionSkricgS durch 20600 Bauern in acht Tagen seine ersten Linien anlegen, die aber wegen ihrer zu weiten Ausdehnung sich als unhaltbar erwiesen. Im Nevolutionskriege fand am L. am l3.Sept. 1793 zwischen den Holländern unter dem Erbprinzen vonOranien und den Franzosen unter dem General Houchard ein Gefecht statt, in welchem die Erstern siegten. Lysander, ein berühmter spartan. Feldherr, der mit einer außerordentlichen Thätig» keit und einem durchdringenden Verstände zugleich große Schlauheit, Nachsucht und einen verderblichen Ehrgeiz verband, erhielt, nachdem er einen Thcil seiner Jugendzeit am Hofe des jüngern Cyrüs verlebt hatte, im I. 407 v.Chr. den Befehl über die spartan.Flotte und verfolgte von jetzt an den Plan, das damals gebietende Athen zu stürzen und sein Vaterland auf den Gipfel der Macht zu erheben. Noch in demselben Jahre schlug er die athcn. Flotte in Abwesenheit des Alcibiades (s-d.) bei dem Vorgebirge Notion. Nach der 192 Lysias LysippuS Niederlage und dem Untergange des an seine Stelle gewählten Kallikratidas (s. d.) trat er gegen die in Sparta herrschende Gewohnheit zum zweiten Male an die Spitze der Flotte. Er eroberte Lampsakos, nahm im I. 405 v. Ehr. auf der Rhede von Agos-Po- tamos (s. d.) die größte Zahl der feindlichen Schiffe weg und beendete im darauf folgenden Jahre mit der Eroberung Athens, welchesAgis undPausanias(s.d.)zuLandeeingeschlos- sen hatten, den peloponnes. Krieg. Schon den früher« Sieg benutzte er zur Unterwerfung aller Bundesgenossen der Athener in Kleinasien und auf den Inseln und führte überall aristokratische Verfassungen unter Aufsicht spartan. Harmostcn oder Statthalter ein. Nach seiner Rückkehr nach Sparta, das von jetzt an in Folge der unermeßlichen im Kriege gewonnenen Schätze in Weichlichkeit und Lasterhaftigkeit verfiel, wußte er sich unter dem Scheine von Uneigennühigkeit und Freigebigkeit einen bedeutenden Anhang zu verschaffen. Er versuchte die bestehende Verfassung seines Vaterlandes zu stürzen und sich selbst auf den Thron zu erheben, gab aber diesen Plan aus nicht unbegründeter Furcht vor Verrath wieder auf und kam später im böotischen Kriege in der Schlacht bei Haliartus, 394 v. Ehr., um. Sein Leben habe« unter den Alten Plutarch und Cornelius Nepos beschrieben. Lysias, einer der vorzüglichsten griech.Redner, geb.458 v.Chr. zu Athen, begab sich imJ. 443 nach Thurii in Unteritalien, wo er Unterricht in der Rhetorik und Philosophie erhielt und über dreißig Jahre lang in Achtung und Wohlstand lebte. Im I. 411 kehrte er in seine Vaterstadt zurück, mußte dieselbe aber während der Herrschaft der dreißig Tyrannen in Folge politischer Verdächtigung wieder verlassen, flüchtete sich hierauf, des größten Theils seiner Habe beraubt, nach Megara. Nachdem Thrasybulus zumFreiheitskamxfr sich gerüstet und L. selbst den Rest seines Vermögens zum Besten des Staats freiwillig hingegeben hatte, ging er abermals nach Athen zurück und starb daselbst im 1.3" 8 v. Ehr., ohne irgend eine Belohnung für seine Aufopferung erhalten zu haben. Sehr groß wai seine rednerische Thätigkeik, da die Alten 425 Reden, die man unter seinem Namen kannte, erwähnen, obgleich unter diesen von ihnen selbst nur 230 als echt anerkannt wurden. Vor ihnen sind nur 35, und darunter einige unvollständige oder verdächtige, auf uns gekommen. Diese Reden, die L. vielleicht mit Ausnahme einer einzigen, gegen Eratosthenes, nicht selbst gehalten, sondern theils zum Gebrauch für Andere, theils zur Übung verfaßt hat, zeichnen sich durch Reinheit, Einfachheit und Würde der Sprache ebenso sehr wie durch Abrundung und Anmuth des Vortrags aus. Bearbeitet wurden sie in den Gesammtausgabcn der alt. Redner von Reiske (Bd. 5 und 6, Lpz. 1772), Bekker (Bd. I, Berl. l823) und Baiter und Sauppe (Zur. 1843), und besonders herausgegeben von Förtsch (Lpz. 1829), Franz (Münch. 1831) und in einer Auswahl von Bremi (Gotha 1826). Vgl. Hölscher, „vevitn et^scripti» l^siae" (Berl. 1837). Lyfkmächus, ein Feldherr Alcxander's des Großen, erhielt nach dessen Tode bei der Ländervertheilung das macedonische Thrazien, das er aber wegen der Hartnäckigkeit der > Bewohner erst erobern mußte, nahm später nach dem Beispiele der übrigen Heerführer den' KönigStitel um 308 v. Chr. an und schloß mit den Satrapen Kassander, Ptolemäus Lagi und dem aus Babylon vertriebenen SeleukuS ein Bündniß gegen Antigo nus (s. d.), der in der Schlacht bei Jpsus (s. d.) 301 v. Chr. Leben und Reich verlor, worauf L. von ganz Vorderasien diesseits des Taurus Besitz ergriff. Unglücklich dagegen war sein Feldzug ge- gen die jenseit der Donau wohnenden Geten, da er hier durch Verrätherc! mit dem größten Theile seines Heers in Gefangenschaft gerieth; doch wurde er von dem Könige der Geten, dem er seineTochter zurGemahlin gab,wieder freigelassen und in seine frühernRechte vollständig eingesetzt. Hierauf suchte L. seine Macht immer weiter auszudchnen, wurde aber in Folge der Ermordung seines trefflichen Sohnes Agathokles, der bei dem Volke in großer Liebe und Achtung stand, von dem gegen ihn aufgereizten Seleukus Nikator (s. d.) bei Kurupedion in Phrygien 282 v. Chr. gänzlich geschlagen und fiel selbst kämpfend im Getümmel der Schlacht. Lystppus, einer der thätigsten und berühmtesten griech. Bildhauer in Erz, um 330 v. Chr., aus Sicyon im Peloponnes gebürtig, wußte die Beobachtung der Natur und das Studium der frühern Meister, namentlich des Polykletus (s. d.), glücklich zu verbinden, indem er der körperlichen Wohlgestalt und dem Ausdrucke echt heroischer Kraft eine Vorzug! sche Her sein des arti bew Ale ein vor! sicht rone den sofoi nun les Sch ände gehö Güt risch tbe i zwai durö neni mon taste, „M- M Eig- dem Fan ents, tus rühr der > säße stud rinn mal rale von ) er- er «- °ß- O lliz hr<, vai nt!, So» m. neu unz alt. liter ranz vit» LysistratuS Maanen 193 zügliche Aufmerksamkeit schenkte. Daher wählte er auch zum Gegenstand seiner schöpferischen Kunst Gneist Heldengestalten aus der mythischen und historischen Zeit, besonders den Hercules in seinen Kämpfen und Athlctenfiguren. Den höchsten Ruhm aber erlangten seine Darstellungen Alexander's des Großen, bei denen man das Weiche in der Haltung des Nackens, das Verschmelzen der Milde in den Augen mit dem Mannhaften und Löwen- artigen, das in den Mienen dieses Helden lag, und das strahlenförmig wallende Haupthaar bewunderte. Außerdem verfertigte er eine ganze Gruppe von Feldherren und Kriegern aus Alexander's Umgebung, welche eine täuschende Ähnlichkeit mit den Originalen verriethcn. Lyststrätus, ein griech. Bildhauer um 33« v. Chr-, aus Sicyon im Peloponnes, ein Bruder des Lysippus (s. d), scheint sich blos die getreue Nachahmung der äußerlich vorhandenen Gestalt zum Ziele seiner Kunst gesetzt zu haben, war aber der Erste, der Gesichter in Gyps abformte. Lyttleton (George, Lord), engl. Dichter und Geschichtschreiber, ein Sohn des Ba- ronet Thom. L-, geb. 17«9 zu Haylay in der Grafschaft Worcester, trat, nachdem er den Continent bereist, unter dem Ministerium Walpole ins Unterhaus und zeigte sich hier sofort als den heftigsten Gegner der Verwaltung. Besonders weil er auf die Entfernung Walpole's antrug, wählte ihn der mit dem Hofe zerfallene Prinz Friedrich von Wales 1737 zu seinem Secretair. Durch des Prinzen Einfluß wurde L. 1744 Lord der Schatzkammer und Geh. Rath. Da er indeß hiermit zugleich seine politischen Grundsätze änderte, so mußte er schon im Dec. desselben Jahres mit Lord Carteret, der zu den Tories gehörte, wieder aus der Regierung treten. Im 1.1751 kam er als Erbe des Titels und der Güter.seines Vaters in das Oberhaus. Er lebte fortan in Zurückgezogenheit, ganz literarischen Arbeiten gewidmet, und starb am 23. Aug. 1773. Sein Hauptwerk „üistor^ ok tbe llke «5 Henrx II." (5 Bde., Lond. 1755—71 ; deutsch von Weigel, Nürnb. >791) ist zwar weitschweifig, aber auf gründliche Forschung gestützt. Großes Aufsehen machte er durch die „vialogues os tbe cleack" (Lond. 1767), dichterische Betrachtungen, die er in seinen Mußestunden niederschrieb. Seine „kneticul vorks", die zugleich mit denen von Ham- mond (Glasg. > 787) erschienen, zeichnen sich übrigens weniger durch Schwung der Phantasie, als durch correcte Versification aus. Sein literarischer Nachlaß kam unter dem Titel „Mscssllanies" (Lond. 1775; 3 Bde., 1776) heraus. Lytton (Edward), s. Bulwer (Baronet). der t der j den ^ 8-gi der M lg-' ßten eten, voller« «ßer s.d.) di« 330 >dai iden, vor- M. Ä?, das abgekürzte Mac, wie es auch ausgesprochen wird, ist eine Vorsetzsilbe schot. Eigennamen und bedeutet so viel als Sohn. Es rührt, gleich dem hebr. Ben (s. d.) und dem irländ. O' (s. d.), aus den Zeiten her, wo die vom Vater auf den Sohn forterbenden Familiennamen noch nicht gebräuchlich waren. Mäander, jetzt Mein der, ein Fluß Kleinasiens, welcher bei Kelänä in Phrygien entspringt, hierauf Karien und Lydien, wo er die Grenze bildet, durchströmt, und bei Mile- tus ins Jkarische Meer fällt, war im Alterthume seiner vielen Krümmungen wegen berühmt, daher man auch in der Stickerei die künstlichen Windungen, besonders die ineinander verschlungenen Purpureinfassungcn an den Gewändern, wol auch auf Urnen und Gefäßen, damit bezeichnete. Maanen (Cornelis Felix van), niederländ. Staatsmann, geb. im Haag 1769, studirte die Rechte in Leyden, wo er auch als Doctor promovirte und wurde, nachdem er einige Zeit in seiner Vaterstadt prakticirt hatte, 1795 Generalprocurator. Er gehörte damals, wenn auch nicht aus Überzeugung, sondern weil es die Zeit verlangte, zur ultraliberalen Partei und war ein entschiedener Anhänger der Volkssouverainetät. König Ludwig von Holland ernannte ihn 1896 zum Justizminister, entließ ihn aber I8V9. Nach derVer- Conv.-Lex. Neunte Aufl. IX. 13 Maas Maastricht emigung Hollands mit dem franz. Reiche wurde er 1810 Staatsrath und später Oberprä- sident des Appellationsgerichts im Haag. Obschon er an der Wiederherstellung seines Vs- terlandes im Z. 1814 nicht den entferntesten Antheil genommen hatte, ernannte ihn doch der König Wilhelm zum Mitglied der mit der Revision des Grundgesetzes beauftragten Commission und zum Präsidenten der Versammlung der Notabeln. In dieser sprach er sich sehr nachdrücklich für die Verantwortlichkeit der Minister aus und wurde hierauf im Sevt. 1815 Zustizminister, wozu ihn seine Talente wie seine Thätigkeit befähigten. Allein sofort änderte sich seine politische Gesinnung und mit Eifer trat er nunmehr den liberal Gesinnten entgegen. Abgesehen hiervon machte er sich den Belgiern noch insbesondere der- haßt durch die Strenge, mit der er die Verordnung über den Gebrauch der Holland. Spracht in Belgien durchführte, durch den Proceß gegen Ducpeliaux und Potter (s.d.) und durch den Antheil, den man ihm beimaß, an der Erklärung des Königs, in Ansehung der Brr- antwortlichkeit der Minister, sodaß man ihm einen großen Theil der Schuld z»schreib« muß, welche die belg. Revolution hervorrief. Nachdem das erbitterte Volk seine Wohnung in Brüssel verwüstet und die Revolution begonnen hatte, wurde er in Folge seines dringenden Ansuchens am 3. Sept. 1830 entlassen, nach der Unabhängigkeitserklärung Belgiens aber sofort wieder als Zustizminister angestellt. So blieb er, dem man große Erfahrung, Klugheit, Charakterfestigkeit und Bercdtsamkeit nicht absprechen kann, fast ununterbrochen eine Hauptstütze der Regierung König Wilhelm's. Allein nach der Abdankung desselben sch auch M. schnell sein Gestirn erbleichen, sodaß er sich veranlaßt fand, 1842 seine Entlassung zu nehmen. Erstarb 1843. Maas (lat. Lloss, franz. blense), ein bedeutender Fluß, welcher in Frankreich m Departement Obermarne, bei dem Dorfe Meuse, zwei Meilen von Langres auf den S- chelbergen (monts äs t-mcilis) in den Vogesen entspringt, ist insbesondere durch sein W» schwinden unter der Erde bei Bazoilles vor Neufchäteau, wonach er erst eine Meile da» bei Noncourt wieder zum Vorschein kommt, merkwürdig. Er wird bereits in dem nach ih» benannten Departement schiffbar, nimmt in Frankreich den Chiers auf, fließt dann nach Belgien, wo die Sambre und Ourthe sich mit ihm vereinigen, hierauf nach Holland, wo« die Roer aufnimmt, und ergießt sich von der linken Seite in den Arm des Rhein, welch« die Waal heißt. Gleich darauf trennt er sich wieder von der Waal, um sich bei dem Schloß Löwenstein aufs neue mit ihr zu vereinigen, heißt dann Merwe und theilt sich bei Don- recht wieder in zwei Arme, welche beide, der linke in mehren Mündungen, der rechte, nachdem er vorher durch den Kanal Merwe den zweiten Rheinarm Leck zum Theil ausgenommen hat, sich in die Nordsee ergießen. Auf seinem im Ganzen langsamen Lause von S« M. berührt er die Städte Verdun, Sedan, Metz, Charleville, Charlemont, Dinant, Na- mur, Lüttich undMaastricht. ScineBreite, die beiVerdun 200 F. beträgt, wächst bei Lüttich auf 600 , bei Gorkum auf 1000 F. Maastricht, auch Maestricht (IrafectlunsäUossm), dieHauptstadt der Holland. Provinz Limburg mit 23000 E., liegt am Einflüsse der Jaar in die Maas, durch welch! sie in zweiTheile gesondert wird, von denen der kleinere auf dem rechten Ufer liegende Theil Wyk heißt. Beide hängen durch eine schöne 500 F. lange steinerne Brücke zusammen. Di Stadt ist ziemlich regelmäßig und schön gebaut, hat ansehnliche öffentlichePlätze, unter ihm > den großen Marktplatz mit dem sehr schönen Rathhause, wo eine öffentliche Bibliothek ausgestellt ist, und den mit Bäumen umgebenen Paradeplah, sehr zahlreiche Kirchen, und m! Lyceum. M. ist die wichtigste Festung der Niederlande und der Schlüssel zu diesem Köniz reiche von der Maas her. Zu ihr gehört die südlich der Stadt gelegene Citadelle auf dem > Petersberge, zwischen welcher und der Stadt das flache Land durch Schleusen unter Wass^ gesetzt werden kann. Die Erwerbszweigr der Einwohner sind Branntweinbrennerei, Tuch- Flanell-, Gewehr-, Seife- und besonders Lederfabrikation, nächstdem Krapp-, Tabacks- und! Cichorienbau. Ausgezeichnet sind auch die hier bereiteten, unter dem Namen Heiligmak« bekannten Pfefferkuchen. Eine besondere Merkwürdigkeit ist der in dem Petcrsberge befind-. liche große Steinbruch mit einem Labyrinthe unterirdischer Gänge, welche durch viereckig! Pfeiler unterstützt werden und in welchen hin und wieder nach oben ausgehauene Licht - und Luftlöcher, auch kleine Wasserbehältnisse angebracht sind. Nach der Maas zu ist der Ew Maaß Mabillon 195 gang, wo die Wagen leicht hineinfahren und hernach die Steine am Ufer des Flusses aus- laden können. Bei dem weiten Umfange des Stcinbruchs, der auf zwölfMeilen angegeben wird und wegen der vielen sich durchkreuzenden Wege, deren man 20000 zählt, ist es gefährlich, ohne erfahrene,« Wegweiser sich in diese Jrrgänge zu wagen, die übrigens den Einwohnern in Kriegszelten zu einem sichern Zufluchtsorte für sich und das Ihrige dienen. Auch findet man darin Lager von Muscheln und merkwürdige Versteinerungen, unter denen besonders ein Krokodil und die Skelete von mehren unbekannten Seethieren interessant sind. M. stand früher unter der gemeinschaftlichen Regierung der Herzoge von Brabant und des Bischofs von Lüttich. Im westfälischen Frieden wurde es den Generalstaaten zuerkannt. Maasi (Ioh. Gebh. Ehrenreich),, ein besonders als Physiolog verdienter deutscher Philosoph, geb. zu Krottendorf im Halberstädtischen am 26.Febr. 1768, besuchte die Domschule zu Halberstadt und seit 1784 die Universität zu Halle, wo er nach seines Vaters Wunsche Theologie, mit besonderer Vorliebe aber Philosophie studirte und sich 1787 habi- litirte. Er wurde daselbst 1791 außerordentlicher, 1798 ordentlicher Professor der Philosophie, und starb am 23. Dec. 1823. Auf seine Philosophie hatte besonders Eberhard großen Einfluß; doch eignete er sich später Manches von Kant an. Unter seinen Schriften erwähnen wir die „Ideen zu einer physiognomischen Anthropologie" (Lpz. 1791); „Versuch über die Einbildungskraft" (Halle 1792; neue Ausl., 1797); „Über Rechte und Verbindlichkeiten" (Halle 1794); „Grundriß der reinen Rhetorik" (Halle 1798; 4. Aufl. von Gruber, 1827); „Versuch über die Leidenschaften" (2 Bde., Halle und Lpz. 1805—7); „Grundriß des Naturrechts" (Lpz. 1808); „Versuch über die Gefühle, besonders über die Affecten" (Halle und Lpz. 1811); seine Fortsetzung und neue Auflage von Eberhard's „Synonymik" (6 Bde., Halle und Lpz. 1820) und seine „Familiengemälde" (4 Bde., Halle und Lpz. 1813 —14). M. war auch ein sehr tüchtiger theoretischer Musiker und hat namentlich mehre Lieder componirt. Maaßen (Karl Georg), ehemaliger preuß. Geh. Staats - und Finanzminister, geb. am 23. Aug. 1769 zu Kleve, besuchte das Gymnasium zu Wesel und studirte seit 1788 in Duisburg die Rechte. Nachdem er 1791 bei der Regierung zu Kleve in den Staatsdienst getreten, wurde er im folgenden Jahre Referendar, 1795 Geh. Regierungsarchivar und 1799 zugleich Criminalrath. In Folge der Auflösung der kleve-märkischen Regierung kam er 1803 zur neuen Regierung nach Münster, 1804 als Kriegs- und Domainenrath nach Hamm, und nachdem Preußen seine westfäl. Besitzungen verloren hatte, 1808 als Rath in das großherzoglich belgische Ministerium zu Düsseldorf. Schon im nächsten Jahre aber berief man ihn in Preußen zum Director der zweiten Abtheilung der Regierung zu Potsdam. In Preußen wurde er 1816 Director derGencralverwaltung für Gewerbe und Handel, 1817 wirklicher Geh.Oberfinanzrath und Mitglied des Staatsraths, 18l8Gencralsteuerdirector und nach Motz's Tode, der ihn selbst zu seinem Nachfolger vorgeschlagen hatte, 1830 Geh. Staats- und Finanzminister. Als solcher erwarb er sich um Deutschland ein h>Hes Verdienst durch Zustandebringung des deutschen Zollvereins. Er starb zu Berlin am 2. Nov. 1834. Mabillon (Jean), ein gelehrter Benedictiner von der Kongregation des heil. Maurus, geb. am 23. Nov. 1632 zu St.-Pierremont in der Champagne, trat 1654 in den Orden. Indem er im Interesse desselben die Echtheit mehrer von den Jesuiten der Errichtung und Verfälschung bezüchtigten Urkunden zu beweisen strebte, wurde er der Gründer der wissenschaftlichen Urkundenlehre, deren Grundsätze er später in seinem elastischen Werke „Dere Uiplomutica" (Par. 1681, nebst Supplement 1704, Fol.; herausgegebeuvonNui- nard 1709 und von Adimari, Neap. 1789, Fol.) mit musterhafter Klarheit und Gründlichkeit darstellte. Colbert bot ihm eine Pension von 2000 Livres an; M. aber schlug sie aus und erbat sich nur des Ministers Schutz für seinm Orden. Im 1.1683, schickte ihn Colbert nach Deutschland, um in Archiven und Bibliotheken Alles zu sammeln, was zur Geschichte Frankreichs dienen könnte. Die Resultate dieser Reise, die zum Theil im vierten Bande seiner „Vetera analecta" (4 Bde., Par. 1675—85) niedergelegt sind, bewogen den König, W. 1685 auch nach Italien zu schicken. Wie dort, so entdeckte er auch hier viele wichtige Documente, die er zum Theil in seinem „Llusaeuw itsl. seu collaotio vstt. scriutt. 13* 196 Mably Mabuse vxbibliotb. itsl. eruta" (2 Bde., Par. 1687—89, 4.; neue Ausg., 1724) veröffentlichte. Für die königliche Bibliothek in Paris hatte er gegen 3000 seltene Bücher und Handschriften gesammelt. Er starb in Paris am27.Dec. 1707. Zu der großen Ausgabe der Kirchen- Väter, welche die Congregation des heil. Maurus veranstaltete, lieferte er die Werke des heil. Bernhard (2 Bde., Par. 1687, Fol.). Sein „ IHte kies ätuOes monsstiques" (2 Bde., Par. 1692), eine kurze Methodologie des theologischen Studiums, war eine Gelegenheitsschrift und gegen Dominique Rance, Abt von Latrappe, gerichtet, welcherln einer seiner Schriften behauptet hatte, daß den Mönchen die Studien mehr schadeten als nützten. Der Kirchengeschichte nützte er durch Vermehrung des gewissenhaft gesammelten urkundlichen Stoffes. Auch gab er„^ct»8anctoruin orOiius 8.-Lene0icti"(9 Bde., Par. l 668—1702, Fol.) und „^nnsies orOinis 8.-8eneOicti" (6 Bde., Par. 1703—39, Fol.) heraus, die erste kritische Geschichte seines Ordens, die von Nuinard fortgesetzt und von Massent-und Martene beendet wurde. In den „Oeuvres postbmnes Os 51. et Oe RuinarO" (2 Bde., Par. 1724) ist ein Theil seiner nachgelassenen Schriften nebst einigen selten gewordenen Abhandlungen zusammengestellt. Mably (Gabr. Bonnot de), ein gründlicher Kenner der Geschichte und des Ver- fassungswesens alter und neuer Staaten, geb. zu Grenoble am 14. Mai 1709, der alten Bruder des Philosophen Condillac (s. d.), trat, nachdem er unter den Jesuiten zu Lyon studirt hatte, in den geistlichen Stand, in welchem er bei seinen verwandtschaftlichen Verhältnissen mit dem Cardinal und später» Minister Tencin es zu glänzenden Ehrenstellen hätte bringen können, wenn nicht seine Neigung für ruhige Beschäftigung mit den Wissenschaften, noch mehr aber seine scharf ausgesprochene Verachtung moderner Zustände ihn von öffentlichen Geschäften fern gehalten hätten. Zwar arbeitete er seit 1742 mehre Denkschriften für die Minister, unterhandelte >743 mit dem preuß. Gesandten zu Paris und entwarf den Tractat, den Voltaire dem König Friedrich II. überbrachte; auch verfaßte er dir Schriften, welche den Verhandlungen des Congresses zu Breda zur Grundlage dienen sollten, kehrte indeß bald wieder ganz zu seinen Studien zurück und mischte sich erst in spätem Zähren nochmals in die Politik, als die poln. Conföderirten an ihn und I. I. Rousseau dm Grafen Wielhorski absendeten. Er verweilte 1771 ein Jahr in Polen, wo er sich die unge- kheilte Liebe erwarb, und seine Ansichten über die poln. Verhältnisse enthält die Schrift „Du gouvernement et Oes Isis Oe ls kologne" (Par. 1781). Weniger günstig nahmen die Amerikaner seine „Observutions sur Iss Ltats-Öois Oe I'5-inerique" (Par. 1784) auf. Er starb zu Paris am 23. Apr. 17 85. Seine literarische Laufbahn hatte er mit der „karsi- lele Oes Romsins et Oes Rranqsis pnrrspport Aouvecnement" (2 Bde., Par. 1740) begonnen. Obgleich diese Schrift allgemeinen Beifall fand, so genügte sie doch dem Verfasser bald so wenig, daß er sie ganz verwarf und zu zwei neuen Werken „Observation« sur le, Romains" ^enf 1751) und „Observstions suri'bistoire Oe braves" (2 Bde., Genf 1765) verarbeitete, die von Guizot neu herausgegeben und mit einem „Lssai «ur I'Kistoire 818 (6 Bde., Par.). Mabuse (Joh. von), ein berühmter Malbr, der Zeitgenosse des Lukas von Leyden, geb. 1499, nach Andern schon um 1470, im Hennegau zu Maubeuqe oder Mabuse, wovon er seinen Namen entlehnte, hieß eigentlich Gessart, nach Andern Gossaert. Nach längerer Ausübung seiner Kunst in den Niederlanden ging er nach Italien, ohne daß man jedochlwe- derben Zeitpunkt, noch die Schule, welcher er sich anschloß, genauer zu bezeichnen wüßte; Mac Macao 197 doch läßt sich auf ein besonderes Studium der Werke Leonardo's und Michel Angclo's schließen. Nach der Heimat zurückgekehrt, fand er Ruhm und Beschäftigung genug; allein stets riß ihn sein wilder, ausschweifender Sinn zu vielen Verirrungen hin, sodaß die Geduld, Treue und Zierlichkeit, womit er seine Arbeiten ausführte, doppelt bewundernswerth sind. Von Utrecht, wo er eine Zeit lang sich aufgehalten hatte, zog er nach Middelburg, wo er unter vielen andern Arbeiten ein sehr großes Altarbild, eine Abnahme vom Kreuze, malte, das aber, als der Blitz später die Kirche anzündete, verbrannte. Seine Zügellosigkeit zog ihm endlich in Middelburg Gefangenschaft zu, während weicherer treffliche Zeichnungen lieferte, die aber großentheilS verloren gegangen sind. Von Middelburg ging er nach London, wo er das Bild, Heinrich's VH. Vermählung mit Elisabeth von Dork, malte, das nebst andern von ihm noch jetzt in Strawberry-Hill zu sehen ist. Eine Zeit lang lebte er bei seinem Gönner, dem Marquis van der Veren. Hier lernte ihn Karl V. kennen und beschenkte ihn mit einem neuen Gewände von weißem Damast mit herrlichen Blumenverzierungen und Laubgewinde; allein M. verkaufte den Damast heimlich, und vcrschwelgte den Ertrag, wußte jedoch den Kaiser, als er vor diesem erschien, durch ein von Papier gesertigtes täuschend übermaltes Kleid zu täuschen, bis dieser einen Zipfel des Gewandes ergriff, um es genauer zu untersuchen. M. starb 1562, nach Andern schon 1532. Gemälde von ihm finden sich in mehren Galerien; so namentlich eine Kreuzigung, eine heil. Jungfrau und ein Erzengel Michael in goldener Rüstung in Boisseree's Sammlung; eine Madonna in der kaiserlichen Galerie zu Wien und eine Maria mit dem Jesuskinde in der Moritzkapelle zu Nürnberg. M- ist durchgängig in seinen frühem, vor der Reise nach Italien gemalten Bildern am ansprechendsten. In Italien ging es ihm wie den meisten niederländ. Malern; sie büßten die Naivetät, den derben Natursinn und die leuchtende Farbe der van Eyck schen Schule ein und eigneten sich dagegen die Freiheit der Form, die sie bei der Antike lernten, äußerlich an. So gehen auch bei M. zumal die profanen und mythologischen Gegenstände selten über das Gebiet der Allegorie und der Actfigur hinaus, und doch wird er neben Bernardin von Orley immer als der bedeutendste dieser in Italien gebildeten niederländ. Künstler gelten dürfen. Mac, s. M'. Macadamiffren nennt man eine besondere Art des Chausseebaues. Der Erfinder dieses Bausystems, ein Amerikaner, John London M'Adam, geb. 1755, gest. am 26.Nov. 1836, veröffentlichte die Grundsätze desselben in zwei Schriften, „^practica! esss^ c>n tlle scientific repair ancl preservation nk public roacls" (Land. 1819) und „Remark« ou Ibe present state ok rvscl making" (Lond. 1829; deutsch von Vogel, Darmst. 1825). Das System hat von vielen Seiten Anfechtung gefunden, nichtsdestoweniger ist dasselbe seiner vielen Vortheile wegen auch jetzt noch das anerkannt beste. Zufolge desselben erhalten die Straßen nur eine geringe Wölbung; dieselbe beträgt nicht mehr als l'/» Z. auf 10 F. Breite der Straße. Der Untergrund ist minder hart als bei den gepflasterten Straßen und besteht aus einer 6—10 Z. hohen Schicht von Steinen, die in Stücke von I'/,—3 Z. im Quadrat zerschlagen sind, und bietet der Beschüttung eine regelmäßige Oberfläche dar. Die Beschüttung selbst besteht aus Steinen derselben Art, die aber bis auf etwa einen Zoll im Quadrat zerkleinert sind, und durch das Fuhrwerk selbst festgedrückt werden. Man wählt statt des Kiesels, Granits oder Porphyrs womöglich Kalkstein, da er, obgleich weicher als jene, besser bindet und eine zusammenhängendere, undurchdringliche Schicht gibt. Allerdings sind die macadamisirten Chausseen anfänglich schlecht zu befahren und greifen das Zugvieh bedeutend an. Wenn sie aber erst eben sind und man sie vor eingeschnittenen Gleisen bewahrt, so sind sie beiweitem besser als gepflasterte. Die Reparatur solcher Chausseen ist leicht, doch muß man dafür sorgen, daß die reparirten Stellen mit den alten in guten Verband kommen, was man dadurch bewirkt, daß man schwere gußeiserne Walzen darüber hin- zicht, mit welchen man überhaupt öfters die aufgefahrenen Geleise einebenen muß. Macäo, eine kleine, ungefähr fünf >üM. große und von 40999 Menschen bewohnte Insel an der Mündung des Tiger- oder Perlflusses unterhalb Kanton in China, die unter chines. Oberhoheit gegen Erlegung eines jährlichen Grundzinses von den Portugiesen besessen wird, gehörte früher nebst den Inseln Solor und Timor zum Generalgouvernement von Goa, bildet aber nebst diesem seit 1844 ein eigenes portug. Gouvernement, das indeß 198 Macartney noch von einem chines. Mandarin überwacht wird, der die dem chines. Kaiser vorbehaltenen politischen und policeilichen Rechte wahrnimmt. M. ist einer der merkwürdigsten Punkte Asiens, indem es während der Herrschaft der Portugiesen in diesen Meeren, die hier schon seit 1563 eine Niederlassung haben, der Mittelpunkt des oriental. Handels war, und weil man ihn als die Wiege des unermeßlichen Handels betrachten muß, der gegenwärtig sich in Kanton concentrirt hat und seinen Einfluß über die ganze Erde verbreitet- Die auf der Insel liegende Stadt gleiches Namens mit ungefähr 36000 E., nächst den Chinesen meist Engländer und Portugiesen, ist der Sitz des portug. Gouverneurs und eines katholischen Bischofs, der großen Einfluß auf die Verwaltung hat, hat vier Forts, einen sichern Hafen, fünf christliche Kirchen und mehre Pagoden, und wird von einer portug., meist aus Negern oder Mulatten bestehenden Besatzung vcrtheidigt. Vor dem letzten Kriege zwischen den Engländern und Chinesen war sie von großer commercieller Bedeutung, weil sie den Vermittelungspunkt zwischen dem europ. Handel und Kanton bildete, indem der Verkehr hier leichter und ungehinderter war als in letzterer Stadt, wo eine Menge Beschränkungen denselben belästigten. Hierher mußten sich auch die europ. Handelsleute zurückziehen, wenn der Handel in Kanton geschlossen war, den die chines. Negierung nur für die Dauer einer halben Jahres gestattete. Allein seit dem letzten Frieden zwischen China und England vom 26.Aug- >842, insbesondere seit derGrüüdungder engl. Niederlassung aufHong-kong, und der größer» Freiheit, welche dieChinesen demVerkehr haben bewilligen müssen, hat M. viel von seiner alten Wichtigkeit verloren, obschon der daselbst getriebene Zwischenverkehr, besonders in Betreff des Opiumschmuggels, noch immer von großer Bedeutung ist. Die Engländer besitzen in M. eine Factorei, mit einer Bibliothek und einem Museum naturhistorischer und ethnologischer, besonders auf China bezüglicher Gegenstände. Außerdem ist M. der Sitz der engl, protestantischen Mission für China nebst einer chinesischen Buchdruckerei und dadurch der Mittelpunkt des literarischen Verkehrs zwischen diesem Reich und dem Abcnd- lande. Auf einer Anhöhe bei der Stadt findet man die Grotte des Camoens, in der dieser seine „Lusiaden" gedichtet haben soll. Macartney (George, Graf), bekannt durch seine Eesandtschaftsreise nach China, geb. am 14. Mai 1537 zu Lissanoure in Irland, erhielt seine erste Bildung auf der Universität zu Dublin und studirte dann zu London die Rechte, wo er mit Burke und andern ausgezeichneten Persönlichkeiten seiner Zeit Freundschaft schloß. Nach einer Reise auf dem Festlande trat er durch Lord Holland'S und Sandwich's Einfluß für Midhurst ins Parlament. Im I. >765 sendete ihn die Regierung nach Rußland, wo er einen Handelsvertrag abschloß. In der Folge wurde er Secretair des Lordlieutenants von Irland und irländ. Baron; 1775 aber Gouverneur von Granada und Tabago. Bei der Eroberung von Granada fiel er 1779 in franz. Gefangenschaft. Die Regierung ernannte ihn >781 zum Gouverneur von Madras, wo er sich im Kriege gegen Frankreich große Verdienste erwarb. Im 1. 1785 zurückgerufen, trug ihm die Regierung kurz vor seiner Abreise das Generalgouvernement von Bengalen an. Doch stellte er dabei solche Bedingungen, daß die Direktoren der Compagnie darauf nicht eingehen mochten. Nach einer länger» Muße zu London erhielt er als brit. Gesandter eine Sendung nach China. Um nämlich die großen Baar- zahlungen, die jährlich für Thee nach China gingen, einzuschränken, wollte die Regierung versuchen, den brit. Fabrikaten den Eingang in China zu verschaffen. M. trat die Reift am 26. Sept. 1792 an und erreichte unter großen Anstrengungen Pe-king. Man erkannte jedoch am dortigen Hofe weder den Werth der Geschenke, die er mit sich führte, noch gestattete man ihm, längere Zeit zu verweilen und Unterhandlungen anzuknüpfen. Nach seiner Rückkehr im J. 1794 wurde er zum Grafen erhoben und im folgenden Jahre alS Unterhändler zu Ludwig XVIII., der damals in Verona residirte, gesendet. Er erhielt hierauf die brit. Pairswürde und ging als Generalgouverneur nach dem Cap der guten Hoffnung. Seiner geschwächten Gesundheit wegen kehrte er indeß schon 1798 zurück und starb zu London am 30. März 1806. Die Beschreibung jener Reise, durch welche Europa zum ersten Mal umfassende und gründliche Aufklärungen über China erhielt, gab M.'s Secretair, Staunton, heraus. Auch veröffentlichte Barrow „kvdlic Icke ->n521 und oft.; neueste Ausg., 2 Bde., Amst., eigentlich Mantua, 1768—71), weil er, gleichwie zu den Maccaroni verschiedene Mischtheile genommen werden, darin Lateinisch und Italienisch vermischte. Den Helden seines an satirischen Schilderungen reichen Gedichts führt er durch mancherlei Begebenheiten zuletzt in die Hölle, wo er unter Anderm die Strafen der Dichter sieht, denen von besonders dazu bestellten Teufeln für jede Unwahrheit oder Übertreibung, die sie gesagt haben, einZahn ausgerissen wird, der aber alleTage wieder wächst. Außer den „Alaecaroiies" hat man von ihm zu derselben Gattung gehörig ein kleineres komisches Gedicht ,Mo8cKe»" oder „Der Krieg der Mücken und Ameisen" (deutsch von Hans Christovh Fuchs, 1580; neue Ausg. von Genthe, Eisleb. 1833), sowie Eklogen und Episteln. Fm daS älteste deutsche maccaronische Gedicht hält man die „b'Iom, Ortum versicsle cks klnü srvartibus, illis Dsirlculis, guae omne« kere llliasclios, Wlsnuo8, Wei1»rk»8, äungkras etc. beknppsre et spit?>l>u8 8U>8 8cl>oall>8 8teclrere et bittere 8olent. Autors 6ripbuI,Io XoickLnsckio er ibioluniiiu" >593, 1. und öft.; deutsch, Kolb. 1830; lat. und deutsch, 2. Aust., Sulzb. 1832). Auch gibt es ein deutsches maccaronisches Gedicht „De Iu8titste otnäentica". Französische maccaronische Verse finden sich in dem zu Moliere's „>lali»1e ia,»Amaire" gehörenden dritten Zwischenspiele. Zum Glück für die Literatur hat dich possenhafte Dichtungsart, zu der wahrscheinlich das schlechte Mönchslatein des Mittelalters Veranlassung gab, nicht viele Nachahmer gefunden. Vgl. Genthe, „Geschichte der mac- cumnischen Poesie und Sammlung ihrer vorzüglichsten Denkmale" (Halle 1829). Mac-Carthy Reagh (Graf), einer der größtdn Bibliomanen der neuern Zeit, geb. 17-14 zu Springhouse in Schottland, wählte später Toulouse zu seinem bleibender Wohnorte, wo er auch nach fast vierzigjährigem Aufenthaltei 811 starb. Seine Bibliothek, die er von frühester Jugend an gesammelt hatte, und zu deren Bereicherung er kostbare ' Sammlungen, wie z. B. die von Girardot de Prefond, ankaufte, erregte wegen ihrer Seltenheiten, ihrer Kostbarkeit und Pracht allgemeine Bewunderung. Den vorzüglichster Gegenstand seines Sammlerfleißes bildeten Exemplare auf Pergament (602 Werke in 82V Bdn.),unter ihnen z.B.dieComplutensischePolyglotte. Übrigens zeichnete sich seineBibliv- thek aus durch eine Sammlung der seltensten alten Drucke, wie er denn unter Anderm die beiden Psalterien von 1457 und 1459 besaß; ferner durch eine Sammlung der ältesten Erzeugnisse der sranz. Literatur und durch eine bedeutende Anzahl von Exemplaren auf groß Papier, durch kostbareEinbände und überhaupt durch die ausgesuchtesten und schönstenExem- plare, welche der Besitzer oftmals erst dadurch gewonnen hatte, daß er von einem Werke mehre Exemplare kaufte und die besterhaltenen Bogen und Blätter davon zu einem Ganzen auswählte. Sie wurde in Paris 1817 versteigert und gab, mit Ausschluß der von der Familie zurückerstandenen Werke, einen Ertrag von 404746 Fr.; ihr Andenken aber erhält der von Len Gebrüdern I. Jacq. und Mar. Jacq. Debure gefertigte Katalog (2 Bde., Par. 1815). Macchiavelli (Niccolo di Bernardo bei) wurde 1469 aus einem edeln Geschlecht! zu Florenz geboren und hatte den Staatsmann und Philologen Marcellus Virgilius zum Lehrer. Seiner Talente wegen wurde er im ersten Manneßalter Cancelliere der Republik und erhielt nicht lange nachher den wichtigen Posten eines Segretario der Republik. W solcher, nicht als eigentlicher Gesandter, wurde er, nachdem die Florentiner die Mediceer vertrieben und so ihre Freiheit erkämpft hatten, zu den wichtigsten diplomatischen Senduu- - gen gebraucht. Die Republik erkannte seine großen Verdienste, belohnte sie aber so kärglich, daß er mehrmals sich genöthigt sah, die Signoria zu bitten, ihm nur das Nothwendigste l zu gewähren. Als der Papst die Mediceer in Florenz wieder eingesetzt hatte, wurde M- durch Lorenzo bei Medici aller seiner Würden entsetzt. Nachher kam. er in den Verdacht der Theilnahme an der Verschwörung des Boscoli und Capponi gegen den Cardinal Giovanni bei Medici und wurde deshalb eingekerkert und der Tortur unterworfen, welche er, sowie die darauf folgende Verbannung, mit Standhaftigkeit ertrug. Erst nachdem Gio- > vanni dei Medici als Leo X. den päpstlichen Stuhl bestiegen hatte, durfte M. in seine Vaterstadt zurückkehren und wurde nun von der mächtigen Familie wieder in Gnaden angenom- 201 M'Culloch men und vom Cardinal Julius bei Medici, der in Leo's X. Namen Florenz verwaltete, bei der angeblich beabsichtigten Reform der dasigen Angelegenheiten zur Dämpfung mannich- facher Unordnungen und Gährungen als Rathgeber gebraucht. Der Verdacht, in welchen er bei einer neuen Verschwörung gegen die Mediceer kam, nöthigte ihn, abermals ins Privatleben zurückzukehreu, und erst nachdem Julius bei Medici als Clemens VII. Papst geworden, erhielt er wieder öffentliche, jedoch nur unbedeutende Aufträge. Allein dieses ihm von den Mediceern bewiesene Zutrauen und der Umstand, daß er von ihnen für die Abfassung seines Werkes über die florent. Geschichte ein Jahrgeld von 100 Ducati erhielt, hatte ihm die Florentiner abgeneigt gemacht. Verkannt und geschmäht starb er zu Florenz am 22. Juni 1527. Unter seinen schriftstellerischen Arbeiten kommen zunächst seine Ge- sandtschastsberichte in Betracht, die von vielem Scharfblick und logischem Sinn zeugen, der Schreibart nach aber nur skizzenhaft gehalten und wenig ausgearbeitet sind. Kunstvoll geschrieben sind erst die Werke seiner Muße von öffentlichen Geschäften: die Komödien, wie es der Zeitgeschmack foderte, der Antike nachgeahmt und ohne sonderliche Eigenthüm- lichkeit, die „Vom>>3giÜL 789 auf der Insel Whithvrn in Wigtonshire, gebildet in Edinburg, einer der hauptsächlichsten Vertheidiger eines fixen Ee- treidezolls, seit 1843 auswärtiges Mitglied der franz. Akademie, hat sich durch sein „Dictionary of commerce nixl commercia! naviAatiou" (2 Bde., Lond. 1832; deutsch, 2. Aust., Augsb. 1842 und von Schmidt, Stuttg. 1838—37) in Deutschland einende- kanntern Namen gemacht, als durch seine wichtiger» Werke, unter denen wir nur an der „Discourse on tbe rise, Progress etc. of politicsl ecouom^" (2. Aust., Edinb. 1827' „l'be principles of politicsl econom^" (2. Aust-, Lond. 1830; deutsch von Weber, Stuttg. 1831), die Ausgabe von A. Schmidt's „l'deor^ of moral seutiments" (2 Bde., Lond. 1828) und „Nature rmcl causes oftke vvealtb of nations" (2 Bde., Land. 1828) erinnern. Macdonald (Etienne Jacq. Jos. Alex.), Herzog von Tarent, Marschalllind Pair von Frankreich, wurde am 17. Nov. 1765 zu Sedan im Departement Cher geboren. Sein Vater stammte aus einem Hochschot. Clangeschlechte, hatte mit 20 Andern seine! Stammes 1745 in der Schlacht bei Culloden für den Prätendenten Karl Eduard gesiebten und war als Jakobit nach Frankreich ausgewandert. Als Lieutenant in dem irischer , Regiment Dillon wohnte M. 1784 dem Feldzuge in Holland unter dem Marschall Mail- lebvis bei. Er wendete sich derRevolution zu,focht alsOberst in derSchlacht beiJemaxpet, tratdannalsBrigadegeneralindieNordarmee und zeichnete sich in den Feldzügen von I7SZ und 17 94 in Holland vielfach aus. In Anerkcnntniß der Kühnheit und Thätigkeit, welche er unter Pich e gru (s. d.) im Jan. 1795 beim Übergange über den gefrorenen Waal (der Rhein an der Mündung) bewies, wurde er Divisionsgeneral. In dieser Eigenschaft befehligte er 1796 erst am Rhein und dann in Italien, wo er unter Bonaparte seinen militärischen Ruf begründete. Im I. 1798 erhielt er das Gouvernement in den röm. Staaten, mußte sich aber, als der General Mack mit 50000 Neapolitanern vordrang, mit seinen Truppen auf das Heer des Obergenerals Championnet zurückziehen, an dessen siegreichen Operationen er nun Theil nahm. Doch sehr bald zerfiel er mit Championnet und nahm seine Entlassung. Allein nach der Absetzung desselben erhielt er im Frühjahre 17SS den Oberbefehl in Neapel. Die Unfälle Scherer's (s. d.) zwangen jedoch auch ihn, da! Land aufzugebcn. An der Spitze von 35000 M. trat er den Rückzug an; er warf die Ost- reicher am 12. Juni 1799 bei Modena, wurde aber am 17. Juni von dem weit überlegenen östr.-russ. Heere unter Suwarow und Melas über den Tidone gedrängt und am iS. und 19. an der Trebbia unweit Piacenza gänzlich geschlagen. Nur unter dem Schutze Mo- reau's, mit dem er sich endlich im Genuesischen vereinigte, gelang es ihm, die Trümmer seiner Armee zu retten. Verwundet verließ er hierauf das Heer, wurde Commandant von Versailles und unterstützte als solcher Bonaparte sehr kräftig in der Revolution vom >8. Brumaire. Dieser vertraute ihm dafür bei Eröfftiung des Feldzuges von 1 800 den Befehl über die Reservearmee, mit der M. über den Splügen in das Veltlin eindrang. Dock der Waffenstillstand von Treviso setzte dieser kühnen Operation, durch welche der Feind zwischen zwei Feuer genommen werden sollte, ein Ziel. Nach dem Frieden von Luneville ging M j als franz. Gesandter nach Dänemark; nach der Rückkehr fiel er bei Bonaparte in Ungnade, weil er im Processe Moreau's muthig dessen Vertheidigung übernahm. Erst 1809 wurde . er wieder nach Italien entsendet, wo er mit dem rechten Flügel des Prinzen Eugen über > die Piave drang und Laibach nahm. Seine ausgezeichneten Dienste, welche er am 6. Juli j 1809 in der Schlacht bei Wagram leistete, brachten ihm den Marschallstab und die Würde ein übe celi Zn UN! am Si Ir He sch au> lich mi> Be der Ka Na zur der Loi Fo kar Al cell h' oon sich Au Gr Ost put ter (s- selb an uni Ha l'P M fäl die du wr bai ba G, gei im ree Ol w> r«! Macduff Macedonien 203 nd eines Herzogs von Tarent. An Augereau's Stelle übernahm er im Mai 181 y den Befehl in über das siebente Armeecorps in Spanien, mit welchem er die Verproviantirung von Baris. celona ausführte und nach der Vereinigung mit Suchet die Spanier bei Cervera schlug. :n> Zm ruff. Feldzüge von l 8 l 2 führte er das zehnte Armeecorps. Nachdem sich die Preußen »k unter D orck (s. d.) von ihm getrennt hatten, mußte auch er den Rückzug antreten und kam »l am 3. Jan. 1813 zu Königsberg an. Im Mai nahm er Merseburg; dann wohnte er den nd. Schlachten bei Lützen und Bautzen bei; an der Katzbach wurde er von Blücher geschlagen. In der Schlacht bei Leipzig befehligte er das elfte Armeecorps. Er hatte den Rückzug des t>>« Heers zu decken und konnte sich endlich nur dadurch retten, daß er die Pleiße durch» C, schwamm. In dem Feldzuge zwischen der Marne und Seine, auf franz. Boden, machte l in auch M. noch verzweifelte Anstrengungen. Als er jedoch sah, daß aller Widerstand vergeb- lich war, rieth er dem Kaiser zur Abdankung und hatte zu dem Zwecke mehre Conferenzen cm mit dem Kaiser Alexander. Die Bourbons erhoben ihn dafür zum Pair und gaben ihm den sch, Befehl über die 21. Militairdivision. Bei der Rückkehr Napoleon's stand M. an der Spitze bk> der vom Herzog von Angouleme befehligten Armee im Garddepartement, welche dem den Kaiser den Weg nach Paris abschneiden sollte. Nachdem seine sämmtlichen Truppen zu ü' Napoleon übergegangen, begleitete er Ludwig XVIII. auf seiner Flucht. Nach Frankreich tlg. zurückgekehrt, verweigerte er aber während der Hundert Tage jede Dienstleistung. Nach >nd, der zweiten Restauration übertrug ihm der König die Auflösung des franz. Heers an der ein. Loire. Im 1.1816 wurde er Kanzle» der Ehrenlegion, 181S Generalmajor der Garden, und Fortwährend mit Ehren aller Art überhäuft, vertheidigte er dessenungeachtet in der Pairs- ren> kammer die Grundsätze constitutioneller Freiheit. Nach der Julirevolution zog er sich vom im! Alter gebeugt von allen öffentlichen Geschäften zurück und lebte auf seinem Schlosse Cour- ocl>, celles bei Guise, wo er am 24. Sept. 1840 starb. Er hinterlicß einen Sohn, Alex. M., che» . Hkrzog vonTarent, geb. am 11. Nov. 1824. !A Macduff (Viscount), s. Fife (James Duff, Graf von). pe( Makedonien, in frühester Zeit auch Emathia genannt, eine Landschaft nördlich 'SZ son Griechenland, welche im Alterthum eine welthistorische Bedeutsamkeit erhielt, erstreckte W sich ursprünglich vom Olympus bis zur Mündung des Flusses Lydias, dehnte aber mit der M Ausbreitung der königlichen Herrschaft, namentlich unter Philipp und Alexander, seine fth. Grenzen im Westen bis zum See Lychnis, im Norden bis zu den skardischen Gebirgen, im mi- Osten bis zum Flusse Nestus, im Süden bis zu dem macedon. Gebirge oder dem Olym- ten, -us und dem ÄgeischenMeere aus und umfaßt gegenwärtig als türkische Provinz, auch un- mn ter dem Namen FilibaVilajeti bekannt, mit der wichtigen Handelsstadt Dalonichi chm (s- d.), auf einem Raume von ungefähr 720 IHM. eine Zahl von 700000 E. Das Land ihm selbst war bei den Alten berühmt durch seine Gold- und Silbergruben, durch Neichthum 78 S an Öl, Wein und andern Früchten, die besonders auf den Küstenstrichen trefflich gediehen, d„s und besaß eine Menge blühender und geschichtlich denkwürdiger Städte, unter diesen die Hst, Haupt- und Residenzstadt Pella, Pydna, Thessaloniki, Potidäa, Olynthos (s. d.), Phi- egk- lippi (s. d.) und Amphipolis, in deren Nähe die Spartaner im I. 422 v. Chr. über die IS. Macedonier einen Sieg erfochten. Die Geschichte dieses politisch so wichtigen Reichs zer- fällt in drei Perioden, von denen die erste von der Gründung bis auf Philipp, 360 v. Chr., wer die zweite bis zur Schlacht bei Jpsus, 301 v. Chr., die dritte endlich bis zur Unterjochung von durch die Römer, 168 v. Chr., geht. Die Macedonier waren ein illyrisches Hirtenvolk, ,8. wurden aber von den Griechen nie als Stammverwandte anerkannt, während die Sage fehl bald den Herakliden Karanus um 813 v. Chr. aus Arges eine Colonie hierher führen, j der dald den Herakliden Perdikkas aus Argos mit seinen Brüdern das Land erobern und so den chen Grund zur später» Größe und Macht legen läßt. Ein größerer Zusammenhang in den Be- U i gebenheiten beginnt erst seit der Unterwerfung unter die Perser durch Mardonius (s. d.) ade ^ 2- -ISO v. Chr., indem der damalige König Alexander sich gezwungen sah, an dem Hee- ardr . re^zuge des Terxes gegen Griechenland Theil zu nehmen, bis mit dem Rückzuge des pers. M Oberbefehlshabers nach der Schlacht bei Platää (s. d.) 479 auch Macedonien wieder frei Zuli wurde. Der hieraus folgende König, der unbeständige Perdikkas II., welcher von 4 54—413 ird« regierte, wurde in den Peloponnes. Krieg verwickelt, in welchem er es mehr mit Sparta hielt. 204 MäcenaS Die dadurch Iherbeigeführte schwankende Stellung des Staats wurde erst durch seinen Sohn und Nachfolger, Archelaus, gehoben, der den Ackerbau, Künste und Wissenschaften l förderte, Städte befestigte, das Heerwesen besser ordnete und so dem Ganzen neue Kraft und Haltung zu geben wußte. Nach dem Tode desselben im I. 399 v. Chr. folgte eine dunkle Zeit von Verwirrungen und blutigen Thronstreitigkeiten, die damit endigten, daß Philipp II. (s. d.) die Vormundschaft über seinen Neffen Amyntas benutzte, sich selbst 359 auf den Thron zu schwingen. Philipp verstand es, die Kräfte seines Landes und den Muth der kriegerischen Bewohner desselben außerordentlich zu steigern/ daher er sogar am Tage von Chäronea(s. d.), 338 v. Chr., das unter sich uneinige Griechenland unter seine Herrschaft brachte. Noch weit mehr aber erweiterte die bereits begonnenen Eroberungen ' sein Sohn Alexander der Große (s. d.), welcher bald nach seiner Thronbesteigung, 33K v. Chr., nicht nur in Europa viele Länder sich unterwarf, sondern auch einen großen Theil von Asien besiegte und M. auf kurze Zeit zur Beherrscherin der halben Welt erhob. Nach seinem Tode, 323 v. Chr., erfolgte eine ununterbrochene Reihe von Kriegen, die 22 Jahre dauerten und durch welche allmälig ein neuer Zustand der Dinge hervorging, indem die große macedon. Monarchie in mehre kleine Reiche zerstückelt wurde, welche die vornehmsten Heerführer Alexander's verwalteten, unter denen Antipater M. erhielt. Nach dem Tode desselben, 32V v. Chr., wurde M. unter allen sich bildenden Reichen das unglücklichste, da von jetzt an ein Beherrscher den andern gewaltsam verdrängte und die Truppen den Gehorsam verweigerten. Zn ziemlich raschem Wechsel folgten Demetrius Poliorketes (s. d.) 294 v. Chr., dann Lysimachus(s. d.), der den gewonnenen Thron gegen Pyrrhus aus EpiruS glücklich vertheidigte und M. 286 v. Chr. auf wenige Jahre mit Thrazien und Kleinasien vereinigte, und während der wiederholten Einfälle der Gallier errang Antigo- nus GonataS, ein Sohn des vorher erwähnten Demetrius, die Herrschaft und vererbteste in einem ziemlich ruhigen und glücklichen Zustande auf seine Familie. In dieser Zeit aber regte sich in Griechenland die letzte Kraft zur Wiedererlangung der Unabhängigkeit, der alte l' achäische Bund wurde erneut, der ätolische kam hinzu, und die Politik der Könige von M. mußte nun dem einen dieser Bündnisse durch Verbindung mit dem andern entgegenwirkcn oder gegen beide sich vertheidigen, wie dies,bei Demetrius II. von 243—233 v. Chr., und dessen Bruder Antigonus, mit dem Beinamen Doson, von 233—221, der Fall war. Unterdessen hatten die Römer ihre Blicke auf Griechenland gerichtet. Als daher Philipp I!l. (s. d.) den Thron bestieg und sich in die innern Angelegenheiten der Griechen mischte und sogar Athen belagertes riefen letztere die Römer gegen ihn zu Hülfe, worauf er bei Ky- noskephalä (s. d.) im I. 197 v. Chr. entscheidend geschlagen wurde. Schon von jetzt an stand M. gleichsam unter dem Schuhe der Römer, und Perseus (s. d.), der Nachfolger Philipp's III. im I. 179, vermochte sich bei aller Thätigkcit und Schlauheit nicht zu halten und mußte elf Jahre später nach der unglücklichen Schlacht bei Pydna, 168 v. Chr., den Triumph des röm. Feldherrn Ämilius Paullus schmücken. Als nun die Römer von jetzt an das Land besetzt hielten, stand später, durch die Bedrückungen derselben gereizt, der ma- eedon. Adel und die gesammte Nation unter dem Emporkömmling Andriskus nochmals auf. Allein durch Q. Cäcilius Macedonicus gänzlich geschlagen, wurde der Adel genöthlgt, auSzuwandern und das Land 148 v. Chr. zur röm. Provinz gemacht, mit der man noch Thessalien und einen Theil von Jllyrien verband. Vgl. K.O. Müller, „Über die Wohnsitze, die Abstammung und die ältere Geschichte des macedon. Volks" (Berl. > 825, mit einer Karte); Gousinöry, 6ans leLl." (2 Bde., Par. 1831, 4., mit Kpfrn.); Männert, ^ „Geschichte der unmittelbaren Nachfolger Alexander's des Großen" (Lpz. 1787), und Flathe, „Geschichte M.'s und der Reiche, welche von macedon. Königen beherrscht wurden" (2 Bde., Lpz. 1832—34). Mäcenas (Cajus Cilnius), ein röm. Ritter aus einer alten und mächtigen Herrscherfamilie Etruriens entsprossen, der Günstling des Augustus (s.d.) und Gönner deS Horatius (s.d.) und Virgilius (s.d.), gelangte, obgleich er nie ein öffentliches Amt bekleidete, da die ihm im I. 31 v. Chr. nach der Schlacht bei Actium übertragene Präfectur über Italien mehr eine Privatcommission war, dennoch in Nom sehr bald zu außerordentlichem Ansehen und wußte dasselbe bis an seinen Tod, im 1.9 v. Chr., zu behaupten, indem Macer Machaon 205 er seine vom Glücke begünstigte persönliche Lage trefflich zu benutzen verstand. Namentlich suchte er Männer von Talent und feiner Bildung, unter diesen besonders die damaligen ausgezeichnetsten Dichter, auf jede Weise zu unterstützen und zu heben, und zwar thcils auS eigenen Mitteln, theils dadurch, daß er sie dem Augustus, dessen Vertrauen und Zuneigung er im hohen Grade besaß, angelegentlichst empfahl. Letzteres that er wol nur aus einem politischen Grunde, um auch von dieser Seite den Glanz und Ruhm seines mächtigen Gebieters zu verherrlichen. Überhaupt sind seine Verdienste um Beschützung und Förderung der Künste und Wissenschaften, abgesehen davon, daß schon das ihn leitende Motiv kein lauteres und uneigennütziges war, in früherer und späterer Zeit vielfach übertrieben worden, wie man ihn denn mit derselben Freigebigkeit des Lobes auch als Muster aller Mi- nistertugenden hat aufstellen wollen. Denn wenn sich auch nicht leugnen läßt, daß er, ohne selbst mit hohen Eigenschaften des Geistes und Herzens ausgestattet zu sein, Zuvorkommenheit und Gefälligkeit gegen Andere zeigte, Feinheit im Umgänge und große Lebensklugheit besaß und mit einem angenehmen Äußern Gewandtheit und Klarheit des Geistes verband, so wurden diese Vorzüge wieder durch Gefallsucht und übertriebene Neigung zu Putz und Luxus verdunkelt. Zn letzterer Beziehung mußte er von Augustus oft spöttische Bemerkungen sich gefallen lassen, doch erlaubte er sich dagegen auch wieder manches freie und selbst ernste Wort, wie er denn einst dem Augustus, als dieser noch während des Triumvirats vor Gericht mehre Todesurtheile aussprach, seine Schreibtafel mit den darauf geschriebenen Worten: „8urge laixlsui, carnitex!" (Steh' endlich auf, du Henker!) hinreichen ließ, worauf Augustus der erhaltenen Weisung ohne Groll folgte. Nach Beendigung der Bürgerkriege überließ er sich seit seinem 40. Lebensjahre in seinem prachtvollen, mit schönen Gärten umgebenen Palaste auf dem esquilinischen Hügel einer völlig üppigen und schwelgerischen Lebensweise und führte unter Anderm auch die pantomimischen Tänze in Nom ein, wobei sein Verhältniß zu dem durch Kunst und Schönheit berühmten Bathyllos (s.d.) besonders zu erwähnen ist. Die durch diesen wollüstigen Müßiggang erzeugte Schlaffheit des Geistes finden wir auch in seinen Schriften ausgeprägt, von denen sich einige Bruchstücke erhalten haben. Vgl. Meibom, „Nlaecenas" (Leyd. 1653, -1.); Schömberg, „1Ke like okLl." (2. Ausg., Lvnd. 1766); Viola, „8t»ria 6i >l." (Rom 1816) und Lion, „Uaecenaliana" (Gött. >624); vorzüglich aber Weber, „Überden Charakter des M."in Zahn's „Jahrbüchern für Philologie und Pädagogik" (Supplementbd. 9, Lpz. 1843) und Frandsen, „M-, eine historische Untersuchung über dessen Leben und Wirken" (Altona 184 3). Macer (Ämilius), ein röm. Dichter aus Verona, der im I. 17. v. Chr. in Asien starb, wird gewöhnlich als Verfasser eines Gedichts über die Vögel „Ormtko^oma" und über die Schlangen „llmriacu" genannt, in welchem letztem er wahrscheinlich den Ni- kander (s. d.) zum Vorbild hatte. Doch ist von seinen Gedichten keine Spur mehr vorhanden, denn das ihm beigelegte Gedicht „De viribus berbarum", herausgegeben von Choulant (Lpz. 1832), ist ein Machwerk des Mittelalters.— Zu unterscheiden ist ein anderer Ämilius M., ein Freund des Ovidius, der unter dem Titel „öellum trojauum" oder „^lltebomerics" und „kostllowerica" eine Nachahmung des homerischen und cykli- schen Evos verfertigte. Maceration nennt man die Behandlung einer festen Substanz mit einer Flüssigkeit in der Weise, daß man die Flüssigkeit kalt über die Substanz gießt und damit, gewöhnlich unter öfterem Umrühren, mehr oder minder lange in Berührung läßt. Sie hat entweder Mm Zweck, die marerirte Substanz zu erweichen und aufzulockern, oder ihr irgend einen Bestandtheil zu entziehen, oder endlich, man will auf diese Weise gerade den nutzbaren Be- standtheil ausziehen und dann ist die von der Substanz getrennte gesättigte Flüssigkeit als das Product anzusehen; so z. B. bei Bereitung der Tincturen durch Maceration, bei Ausziehung der Runkelrübenschnitte mit kaltem Wasser nach der sogenannten Macerations- meth ade der franz. Rübenzuckerfabriken. Machäon, der Sohn des Asklepios und der Epione, oder der Koronis, Bruder des Podaleirios und Gemahl der Antikleia, nahm mit seinem Bruder Theil am trojanischen Kriege und zeichnete sich vorzüglich als Wundarzt beim griech. Heere aus. Er wurde von Eurypylos, als er den Tod des Nireus rächen wollte, getödtet. Göttliche Verehrung genoß 206 Mächtig Maciejowice er zu Gerenia in Messenien, wo sein Grabmal und Heiligthum waren. Hier suchten Kranke Heilung, und Glaukos, der Sohn des Äpytos, brachte ihm daselbst zuerst Heroenopfer. Mächtig. Mit diesem Ausdruck bezeichnet man in der bergmännischen Sprache zweierlei; einmal die Breite der verschiedenen Gänge und Stollen, dann aber und hauptsächlich die Dicke irgend einer Erd - oder Steinschicht (Flötz) im Gebirge. JmAllgemeinen nennt man aber nur diejenigen Flohe mächtig, deren Dicke zwölf Zoll und darüber beträgt. Der Gang oder das Flötz wird mächtig, sagt man dann, wenn elfterer von Lachter zu Lach, ter breiter und letzteres nach und nach immer an Dicke zunimmt. Machtspruch nennt man es, wenn die oberste Gewalt im Staate ihren Willen in einer Angelegenheit geltend macht, wo dies nicht, oder nichts» dieser Art, in der gesetzlichen Ordnung begründet ist. Am öftersten hat man einzelne Äußerungen der Cabinetsjustiz (s. Cab inetsinstanz), die aber noch ein Mehres umfaßt, mit jenem Namen belegt, während die Machtsprüche in Berfassungsangelegenheiten meist den Charakter von Staatsstreichen (s. Coup) annehmen. Machtsprüche kommen in Monarchien wie in Republiken, demokratischen und aristokratischen vor, sollen aber im gesunden Staatsorganismus weder nöthig noch möglich sein. Was man als Machtsprüche des engl. Parlaments bezeichnet (attsincker, bills okpeimlties), das sind eigentlich nur Ausflüsse seiner gesetzgebenden Gewalt, angewendet auf Ausnahmefälle und schon deshalb nicht Machtsprüche, weil dem Parlament, d. h. der aus König und beiden Häusern bestehenden Gewalt, die Omnipotenz verfassungsmäßig zusteht. Sie können aber den moralischen Charakter von Machtsprüchen im schlechtesten Sinne tragen, wenn sie eben nur Äußerungen der schlechten Willkür und mit Recht und Sitte im Widerspruch sind. Denn nur zum Rechten und Guten hat die Verfassung solche Gewalt verliehen. Marias, ein galicischer Troubadour, der durch seine Liebe und deren tragisches Ende zum Sprüchwort geworden ist, stand in der ersten Hälfte des 15. Jahrh. als Page im ^ Dienste des Marques Enrique de Villen« und lebte mit demselben im Königreiche Zaen an der Grenze des maurischen Reichs in Spanien. Hier gewann er heimlich die Liebe eines Edelfräuleins aus dem Hofhalte des Marques,, die jedoch durch diesen gezwungen wurde, sich mit einem Edelmanne aus Porcuna zu vermählen. Da sich auch dann noch M. trotz aller Ermahnungen und Drohungen des Marques nicht bewegen ließ, seiner Liebe zu enl- sagen und sein Verhältniß mit der nun Vermählten abzubrechen, so wurde er als widerspenstiger Diener von seinem Herrn in das Schloß von Ärjonilla gefangen gesetzt. Auch hier fuhr er fort, die Geliebte in Minneliedern zu besingen und diese ihr zu senden. Unglücklicherweise fiel eins dieser Lieder dem Gemahl in die Hände. Rachbegierig eilt dieser nach Arjo- nilla, sieht den verhaßten Nebenbuhler an dem Fenster des Gefängnisses stehen, schleudert seine Lanze nach ihm und durchbohrt ihn. M. starb; doch durch sein Geschick und seine Lieder lebt er im Munde des Volks und der Dichter fort, und noch jetzt sagt man von einem Liebekranken: „Er ist verliebt wie Marias". Trotzdem sind nur sehr wenige seiner Liebeslieder, theils in galicischer, theils in castilianischer Mundart gedichtet, auf uns gekommen (im <7sncionerc> äeLaens); vollständig ist nur ein einziges bis jetzt im Druck erschienen (deutsch bei Bellermann, „Die alten Liederbücher der Portugiesen", Berl. 1840). Maciejowice, eine Besitzung des Grafen Zamoyski in dem Gouvernement Lublin, 10M. von Warschau unweit der Weichsel, ist durch die Schlacht vom lO.Oct. 1794 denkwürdig, in welcher mit Kosciuszko's Gefangennehmung Polens Freiheit unterging. Ko- sciuszko's (s. d.) Plan war, dem russ. General Fersen, obgleich dieser 160vo M.be- k fehligte, vor dessen bevorstehender Vereinigung mit Suwarow eine Schlacht zu liefern; er selbst hatte nur 6000 M. General Poninski sollte während der Schlacht eintreffen und die Russen von dem linken Flügel her in die Flanke nehmen. Ein Überläufer aber verrieth den Plan, und Fersen griff, mit Denisow's Corps vereinigt, noch vor Tagesanbruch die Polen in ihrer Verschalung an. Aus beiden Seiten wurde bis gegen Sonnenuntergang mit gleicher Tapferkeit und außerordentlichem Muthe gesuchten, doch Poninski mit der ersehnten Hülse traf nicht ein. Kosciuszko, von allen Seiten umringt, suchte sich Bahn zu brechen, fiel aber nebst Niemcewicz (s. d.) und den Generalen Sierakowski, Kniaziewicz (s. d-)- Kaminfki und Kopec in russ. Gefangenschaft. Maciejowfli Mackeldey 207 Maciejowski (Waclaw Alexander), poln. Geschichtsforscher, geb. l 792, erhielt seine ! erste Ausbildung bei den Plansten in Piotrkowo, und begab sich dann nach Krakau, wo er unter den Augen Bandtke's das Studium der Quellen poln. Geschichte und poln. Rechts liebgewann. Von 1814—16 studirte er die Rechte und Philologie in Breslau, dann in Berlin und in Göttingen, wo er als Doctor der Rechte promovirte. Nachdem er kurze Zeit Professor der alten Literatur an dem Lyceum zu Warschau gewesen war, erhielt er 1819 die Professur des röm. Rechts an der warschauer Universität. Er schloß sich besonders an die deutsche historische Rechtsschule an und lehrte mit großem Beifall. Bei Aufhebung der Universität im 1.1831 verlor auch er sein Amt, doch fand er bald wieder als Tribunalrichter am Civilgericht zu Warschau einen angemessenen Wirkungskreis. Früher war er Mitglied der Commission gewesen, welche zur Ausarbeitung eines neucnGesetzbuches für das Königreich Polen zusammentrat, und dadurch zum genauem Studium des frühem slaw. und insbesondere poln. Rechtszustandes veranlaßt worden. Ein Ergebniß dieser Studien war seine „Slaw.Nechtsgeschichte"(„Listor^Ä stoveiÄuskiLÜ", 4 Bde., Marsch. 1832—35, deutsch von Buß und Nawrocki, 2 Bde-, Stuttg. >836). Unter seinen andern Werken sind die bedeutendsten die „kawitztniki o ckLiejack, piswiennietwie i stnäs stowiLi," (2 Bde., Marsch. 1838), Beiträge zur Geschichte der Slawen, ihres Schriftwesens und ihres Rechts; ferner eine poln. Literaturgeschichte des 15. und 16. Jahrh. und „?olsicu" (4Bde., Petersb. 1842), Sittenschilderungen der Polen bis ins 17.Jahrh. enthaltend. Mack von Leiberich (Karl, Freiherr), östr. Feldzeugmeister, geb. am 25. Aug. > 752 zu Neuslingen in Franken, aus niederm Stande, zog als Fourier in kaiserlichen Diensten durch seine Talente sehr bald die Aufmerksamkeit des Grafen Lascy auf sich und avancirte zum Lieutenant Im Türkenkriege wurde er dem General London bekannt. Von diesem Joseph II. empfohlen, erhielt er nach der Einnahme von Belgrad das Theresienordenskreuz, wurde Oberst, und später, als der Kaiser kurz vor seinem Tode ein Heer an der schles. Grenze zusammenziehcn ließ, zum Chef des Generalstabes ernannt. Für den Prinzen von Koburg in den Niederlanden entwarf er 1793 die Pläne zur Überrumpelung der franz. Cantoni- cungen an der Roer, zum Entsätze von Maastricht und zur Stürmung des Lagers bei Fa- mars. Der von ihm entworfene Plan zu dem Feldzuge von 1794 erwarb ihm von Vereinen Seite ebensoviel Lob, als von der andern Tadel. Inzwischen zum Feldmarschalllieutenant ernannt und bei der Rheinarmee angestcllt, begab er sich nach dem Frieden von Campo Formio im Oct. >798 nach Neapel, um auf den Wunsch des Königs Ferdinand den Oberbefehl des neapolitan. Heers gegen die Franzosen zu übernehmen. Hier siegte er anfangs in mehren Gefechten; er besetzte am 27.Nov. dasTags zuvor von den Franzosen verlassene Nom, und gemeinschaftlich mit den Engländern Civita-Vecchia, bald aber nöthigte der demoralisirte Zustand der Truppen ihn zum Rückzuge. Zugleich brach in Neapel eine Meuterei der Lazzaroni aus, die ihm und seinem deutschen Generalstabe Gefahr drohte, sodaß er sich veranlaßt fand, zu dem feindlichen General Championnet.zu fliehen. Nach Frankreich als Kriegsgefangener abgeführt, entwich er 1800 heimlich aus Paris. Zm J.I8V4 erhielt er den Oberbefehl über sämmtliche Truppen in Tirol, Dalmatien und Italien; 1805 stand er an derSpitze des östr. Heers in Deutschland; er wurde an der Iller am 14. und 15. Oct. geschlagen, warf sich mit der Absicht, sich hartnäckig zu vertheidigen, in die Stadt Ulm, ergab sich aber mit der 20000 M- starken Besatzung schon am 17. Oct. den Franzosen » kriegsgefangen. Auf sein Ehrenwort entlassen, kehrte er nach Ostreich zurück, wurde aber hier vor ein Kriegsgericht gestellt und zum Tode verurtheilt. Der Kaiser milderte jedoch dieses Urtheil auf Cassation und 20jährige Festungshaft, von der ihm ein Theil erlassen wurde. Seitdem lebte er zu St.-Pölten, bis er 1819 auf Verwendung des Erzherzogs Karl begnadigt und nun normalmäßig als Feldmarschalllieutenant pensionirt wurde. Er starb zu St.-Pölten am 22. Oct. 1828. M. war mehr Theoretiker als praktischer Strateg und ein guter Corpsgeneral, zum General en Chef aber fehlte ihm die nöthige Ruhe und Besonnenheit. , Mackeldey (Ferd.), einer der berühmtesten unter den neuern deutschen Rechtslehrern, geb. am 5. Nov. 1784 zu Braunschweig, wo sein Vater herzoglicher Stallmeister 208 Mackenzie Mackintosh war, erhielt seine Vorbildung theils in dem Gymnasium zu Braunschweig, theils im Pädagogium zu Helmstedt und in der Erziehungsanstalt seines Oheims Hundeiker zu Las- ferde, theils im Carolinum zu Braunschweig und studirte von l802 an auf der Universi- tat zu Helmstedt, wo er l 806 die juristische Doctorwürde erlangte und dann in die prak- rische Laufbahn eintrat. Dabei habilitirte er sich zu Ostern 1807 als Privatdocent, jedoch durchaus nicht in der Absicht, sich ganz dem Lehrfache zu widmen. Für dieses entschied er sich erst, als er im Nov. 1807 plötzlich das Gehör verlor, und zwar nothgedrungcn, da um jene Zeit das öffentliche und mündliche Verfahren in Westfalen eingeführt wurde. Im I. 1808 zum außerordentlichen Professor der Rechtswissenschaft ernannt, kam er nach der Aufhebung der Universität 1811 nach Marburg, wo er ordentlicher Professor und Bei> sitzer des Spruchcollogiums wurde. Bald nach der Errichtung der Universität zu Bonn erhielt er >818 den Ruf dahin zur ersten Professur der Rechte, wurde 1821 Ordinarius des Spruchcollegiums und 1821 Geh. Justizrakh, legte jedoch 1828, durch unangenehme collegialische Verhältnisse bewogen, das Ordinariat des Spruchcollegiums nieder und lebte hierauf nur seinem Lehramte bis zu seinem Tode, am 20. Oct. 1831. Als Lehrer wie als Schriftsteller richtete er feine Thätigkeit hauptsächlich auf die wissenschaftliche Ausbildung der Theorie des heutigen röm. Rechts, und seine Bemühungen fanden allgemeine Anerkennung. Seine Hauptschriften sind die „Theorie der Erbfolgeordnung nach Napoleon's Ge- setzbnche" (Mark. 1811) und das „Lehrbuch der Institutionen des heutigen röm. Rechts" (Gieß. 1811), welches in der zweiten Ausgabe den Titel „Lehrbuch des heutigen röm. Rechts" (Gieß. 1818; 10. Aust., 2 Bde-, 1833; 12. Aust, von Roßhirt, 1842) erhielt, in mehre Sprachen übersetzt wurde und auf mehren deutschen Hochschulen als Leitfaden der Vorlesungen dient. Mackenzie (Henry), engl. Romanschreiber, der glücklichste Nachahmer Sterne s, den er an Geschmack und Feinheit übertraf, an Kraft undHumor aber nicht erreichte, wurde in Edinburg 1715 geboren, und widmete sich nach einer sorgfältigen in seinem Vaterlande und in London erhaltenen Vorbildung dem Sachwalterberufe in Edinburg. Großen Beifall fand gleich sein erster Roman „Hie man ofleeling" (1771), in dem Tone weicher Empfindsamkeit gehalten, dem als Gegenstück „Hs man oktlle ivorlä" und später „äulla 805 besonders gedruckten Bericht über die Gedichte Ossian's, deren Echtheit er verfocht. Zugleich empfahl er sich der Verwaltung Pitt's durch mehre zu dessen Gunsten geschriebene Flugschriften, und erhielt >801 den Posten einesGeneralcontroleurs der Abgaben inSchottland. Er starb am l l.Jan. 1831. Seine gesammelten Werke erschienen 1818 (8 Bde., Lond.). Sein Leben beschrieb Walter Scott in den „lävss «f tde novslists". Mackintosh (Sir Jam.), einer der angesehensten Rechtsgelehrten und Staatsmänner Englands, geb. am 21. Oct. 1765 zu Mdouriehouse in der schot. Grafschaft Jnverneß, studirte ursprünglich Medicin und wurde >787 in Edinburg Doctor. Hierauf machteer eine Reise durch Frankreich, Holland und Deutschland. Nach seiner Rückkehr schrieb er die „Vinäicise gallicae ar clekeiwe nk tbe irericli revolutinn" (Lond. >701), eine feurige Ver- theidigung der franz. Revolution, für die ihm die Gesetzgebende Versammlung den Titel eines franz. Bürgers bewilligte. Ein zufälliges Zusammentreffen mit Burke brachte ihn zu entgegengesetzten Ansichten. Er trat nun zur Rechtswissenschaft über, ließ sich >792 in Lin- colns-Znn aufnehmcn, und wurde 1795 Sachwalter. Noch wenig beschäftigt hielt er inzwischen Vorlesungen über Natur- und Völkerrecht in Lincolns-Jnn, bekam aber die Er- laubniß, dieses Local zu benutzen, erst nachdem er seinen „viseourse on tlie Isv ok nature Sll<1 nations" (Lond. 1799) hatte erscheinen lassen, welcher von beiden Parteien mit großem Masvn Macrobius 209 Beifall ausgenommen wurde. Seine Rede für die Preßfreiheit zur Vertheidigung Peltier's, welcher wegen Verleumdung des ersten Consuls in Frankreich vor Gericht gezogen war, erregte allgemeine Bewunderung. Er wurde Professor der Politik und Gesetzgebung in Heartford, bald darauf (1803) auch Ritter und Recorder (Director des Obercriminalge- richts) in Bombay, wo er sich die größten Verdienste und den Ruhm eines menschenfreundlichen Richters erwarb. Seine Gesundheit nöthigte ihn 18 l I, nach Europa zurückzukehren. Im1.1813 ins Parlament gewählt, war er einer der thätigsten Theilnehmcr an der Reform der Criminalgesetzc und seit dem Tode des Sir Sam. Romilly der eigentliche Leiter dieser Reform. Auch in allen andern Angelegenheiten.der Zeit stand er stets in der vordersten Reihe der Streiter für Recht, Licht und Menschenwohl. Großen Ruhm erwarb er sich bei den Verhandlungen über die Fremdenbill, über religiöse Duldung, über den Sklavenhandel und über das Recht der Colonien auf eigne Verwaltung ihrer Angelegenheiten. Er war der Erste, der für die Unabhängigkeit Griechenlands sprach, und 1831 einer der kräftigsten und gründlichsten Kämpfer für die Reformbill. Er bekleidete 1822 und 1823 das Rectorat anderUniversitär zuGlasgow; 1827 machte ihn Canning zum Geh. Rath und 1830 wurde er Mitglied der Commission für die ostind. Angelegenheiten. Er starb am 3N. Mai 1832. Unter seinen früher« schriftstellerischen Arbeitendst seine „Dissertation on tke ;>roFress ok etbical pbilosvjibx" in der „Lne^clopssclis britannics" auszuzeichnen, welche auch besonders gedruckt wurde (Lond. 1830,3.). Seine kurz vor seinem Tode vollendete „Distor^ okLnKl-menns, d. i. Bürgerin, verdrängt. Zur Auszeichnung führten bis zur Julirevolution die Töchter der franz. Könige (kill«» 6« krsnoe) gleich von ihrer Geburt an den Titel Madame und hießen Alesüsmes 6e Trance. Auch erhielt diesen Titel die Frau des ältesten Bruders des Königs von Frankreich. In Deutschland, wo man bis in die neueste Zeit herab jede Frau des höher» und mittler» Bürgerstandes, besonders wenn der Mann ohne Titel und Würden war, mit Madame anredete, läßt dieser Gebrauch gegenwärtig doch auch nach. Mademoiselle, d. i. meine Demoiselle, ist in Frankreich der Titel für jedes anständige, unverheirathete Frauenzimmer. In früherer Zeit nannte man in Frankreich den jungen Adeligen Dsmoisel oder Dsmnisesn, die adelige Tochter aber Demoiselle. Das ersten Wort entspricht dem veralteten Dam, das letztere dem Titel Dame. Vorzugsweise führten sonst die Nichten der franz. Könige von ihrer Geburt an den Ehrentitel Demoiselle ; seil 173-1 aber legte man denselben nur der ersten Prinzessin von Geblüt bei. In Deutschland ist der Titel Demoiselle, den man den Töchtern bürgerlicher Herkunft gab, allmälig,durch das einheimische Fräulein verdrängt worden. Madera oder Madeira, eine den Portugiesen gehörige afrikan. Insel von 17 lüM. mit I2V000 E., westlich von Afrika und nördlich von denCanarischenInseln, wurde lllS von den Portugiesen Zargo und Taxeira entdeckt. Den Namen veranlaßten die Waldungen, die zur Zeit der Ankunft der Portugiesen die Insel bedeckten, jetzt aber verschwunden sind; denn Madeira bedeutetem Portugiesischen Holz. Sie ist ein ausgebrannter Vulkan, dessen Spitze, der Pico Ruyro, bis 5300 F. überdasMeer sich erhebt, und von einer Menge Bäche bewässert. Das Klima gleicht einem immerwährenden Frühlinge und die Luft iß äußerst gesund. Im Sommer ersetzt der Thau den Regen; im Winter verursacht der Regln häufige Uberschemmungen. Die Fruchtbarkeit ist außerordentlich, und das Haupterzeugnis der Wein. Die von der Insel Kreta hier angepslanztenReben liefern jährlich 30000 Pipen oder etwa 9000» Ohm Wein, wovon mehr als die Hälfte ausgeführt wird. Die besten Sorten sind der Malvasier und der Dry-Madera, d. h. trockene Madera, so genannt, weil er den allerreifsten, schon etwas trockenen Trauben noch vor der Kelter entträufelt. Außerdem gibt eS viele Kastanien-, Aprikosen - und Pfirsichbäume, sowie Südfrüchte aller Art. In den Gärten zieht man neben den gewöhnlichen Küchengewächsen auch Ananas und andere tropische Gewächse. Getreide wird nicht hinreichend erbaut und muß deshalb eingeführt werden. Die einzig wildlebenden vierfüßigen Thiere sind das Kaninchen und das Schwein! Rindvieh, Schafe und Pferde hat man aus Europa eingeführt. Die Einwohner sind meist portug. Abkömmlinge, auch Mulatten und Neger. Portugal hält aus M. einen Generalgouverneur und bezieht von der Insel beträchtliche Einkünfte. Der Handel ist meist in den Händen der Engländer. Die Hauptstadt Funchal, der Sitz des Gouverneurs und eines Bischofs, erhebt sich amphitheatralisch auf der Südküste der Insel, im Hintergründe einer Bai, entspricht aber im Innern keineswegs dem schönert Anblicke von außen. Sie hat drei Klöster, eine von vier Forts vertheidigte sichere Rhede, 20000 E. und ist als Anhaltepunkl der von Europa nach Ostindien segelnden Schiffe von maritimer Wichtigkeit. — Nördlich von M. liegt die dazu gehörige kleine Insel P orto - S anto, mit 1200 E-, die sehr reich an Federwildpret ist. Madia (Ua6is sstivs), eine Ölpflanze, hat Chile,zum Vaterlande, wo sie sowol wild wächst, als im Großen zur Gewinnung eines trefflichen Öls angebaut wird, und heißt deshalb auch chilische Ölpflanze. Sie ist schon seit dem Anfang dieses Jahrhunderts i» Madison Mädler 213 Deutschland bekannt, wurde aber hier als Feldölgewächs erst seit 1839 cultivirt. Die Ergebnisse der Anbauversuche sind jedoch in den meisten Fällen nicht so günstig, als man erwartet hatte. Gleichwol verdient die Madia alle Beachtung, lda sie nichts von Frost und Ungeziefer zu leiden hat, keine großen Ansprüche aufBodengüte macht und ein vortreffliches Ol liefert. Sie ist besonders da zum Anbau im,Großen zu empfehlen, wo Raps und Rübsen keine sichern Ernten erwarten lassen. Das Öl der Madia ist fetter als das Mohnöl, fast ganz geruchlos und von mildem, angenehmem Geschmack, auch zum Einschmieren der Maschinen sehr tauglich, indem es bei einer Kälte von 19°R. noch nicht gefriert, und in Tuchfabriken und Wollmaschinen mit großem Bortheil zu gebrauchen. Die Ölkuchen gewähren ein gutes Viehfutter; Stroh und Spreu haben giftige Eigenschaften; doch gibt elfteres einen guten Brennstoff. Madison (Jam.), Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika 1899—17, wurde um 1758 in Virginien geboren und widmete sich nach sorgfältiger Vorbildung dem Sachwalterberufe. Kaum 22 Jahre alt, wurde er schon in einem öffentlichen Amte angestellt und erwarb sich bald das Vertrauen seiner Mitbürger, die ihn zum Mitgliede des Congresses wählten, wo er zu den gewandtesten Rednern gehörte. Nach der Gründung der neuen Verfassung der Vereinigten Staaten, zu welcher er viel beigetragen hatte, verband er sich mit einigen Patrioten, um durch Flugschriften, die dann unter dem Titel „'I'be teäe- mlist" gesammelt wurden, das Volk zur Annahme des Grundgesetzes zu bewegen. Unter Jefferson's Verwaltung wurde er Staatssecretair. Zum Präsidenten erwählt, erklärte er seinen Entschluß, die Unabhängigkeit des Vaterlandes fest zu begründen und die Partei der Föderalisten, die man einer Hinneigung zu England beschuldigte, aus allen Kräften zu bekämpfen. Im Geiste dieses Grundsatzes verbot er allen Verkehr mit England und Frankreich, so lange diese Staaten die seit I8V7 den Handel der Neutralen störenden Verfügungen aufrecht erhalten würden. Als die franz. Regierung die beschränkenden Verordnungen zurücknahm, eröffnete M. die Verbindung mit Frankreich wieder, während die Verhältnisse mit England sich verwickelten, da die brit. Regierung weniger nachgiebig sich zeigte, und durch Anmaßungen zur See, besonders durch das Pressen der Matrosen auf amerikan. Schiffen, M.'s ohnehin ungünstige Stimmung gegen England jnoch mehr reizte. Dies führte 1812 zu dem Kriege gegen die Briten, welcher den aufblühenden Wohlstand der Vereinigten Staaten außerordentlich störte. Die Fehler, welche mehre amerikan. Generale begingen, wurden dem Präsidenten zugeschrieben, und das Misvergnügen über ihn äußerte sich besonders bei der Gegenpartei, den Föderalisten, welche die Absicht merken ließen, einen andern Präsidenten zu wählen. M. benahm sich in diesem kritischen Zeitpunkte mit männlichem Muthe, besonders bei der schmählichen Verbrennung der Bundesstadt Washington durch die Engländer. Nach dem Abzüge der Feinde versammelte er den Congreß, eröffnete die Sitzung desselben mit einer kriegerischen Rede und nahm so kräftige Maßregeln, daß die Amerikaner in kurzer Zeit ein Übergewicht, besonders durch einige glückliche Vorfälle in Ca- nada und durch die Tapferkeit der amerikan. Seemacht, erhielten. Die Folge war, daß der am 21. Dec. 1811 zu Gent mit England geschloffene Friede den Zustand vor dem Kriege wiederhcrstellte. Hierauf bemühte sich M. mit dem günstigsten Erfolge? den Wohlstand der Vereinigten Staaten zu heben. Am >. März >817 Unterzeichnete er die NavigationSacte, drei Tage nachher legte er seine Stelle nieder. Sein Nachfolger war James Monroe (s.d.). Er starb als Friedensrichter in Virginien am 28. Juni 1836. Mädler (Joh. Heinr.), Professor der Astronomie und Director der kaiserlichen Sternwarte zu Dorpat, wurde zu Berlin am 2S. Mai 1791 geboren, wo er sich dem Lehr- stande widmete und 1817 —28 an der Leitung des städtischen Schullehrerseminars Theil nahm, später aber an dem 183» errichteten königlichen Schullehrerseminar angestellt war. Seit 1829 stellte er in Verbindung mit Wilh. Beer (s. d.) auf der von dem Letztem in Berlin erbauten Sternwarte die fleißigsten Beobachtungen an) als deren Frucht zuerst Zeichnungen des Mars während seiner Öpposition aus 1830 erschienen. Ungleich wichtiger und werthvoller war die von ihnen bearbeitete große Mondkarte (1 Blatt, Berl. 1831—36, 1.), welchcMe frühem Arbeiten dieser Art beiweitem übertraf, und die ihr zur Erläuterung dienende „Allgemeine vergleichende Selenographie" (2 Bde., Berl. 1837, 1.). Eine General- 5 x.' L>7-^ 214 Madonna Madrazo y Agudo karte de- Mondes, von > 2 Zoll Durchmesser, erschien gleichfalls > 837, sowie im I. l 839 eine kurzgefaßte Beschreibung des Mondes, beide von M. allein bearbeitet. Außerdem beschäftigte sich M. hauptsächlich mit der Berechnung der Bahnen mehrer Doppelsterne, sowie der beiden nächsten Saturntrabanten. Zm Sommer >833 besorgte er auf der Insel Rügen die Zeitbestimmungen für die russ. Chronometer-Expedition. Im I. >836 wurde er an der unter Encke's Direction stehenden königlichen Sternwarte in Berlin angestellt und l 83» folgte er dem Rufe in seine gegenwärtige Stellung nach Dorpat. Von seinen Schriften sind noch zu erwähnen die „Populaire Astronomie" (Berl. >831); der „Leitfaden zur mathematischen und allgemeines physischen Geographie" (Stuttg. >833), und „Astronomische Briefe" (Lief. >, Riga >835). Madonna (ital.), d. h. meine Herrin, wird vorzugsweise nur die Jungfrau Maria genannt, und zwar ai»ch außerhalb Italien, insofern dieselbe Gegenstand der bildenden Kunst ist. Die urchristliche Kunst kennt keine Darstellung der MutterChristi; erst seitdem dieselbe im5.Jahrh. als Mutter Gottes anerkannt worden war, treten vereinzelte Marienbilder auf. Das Antlitz der Mutter ist meist völlig oval und von mildem Ausdruck; ein Schleier bedeckt ihr Haar. Auch das Kind ist fast immer völlig bekleidet. Die großen Meister der später« nord. und ital. Kunst haben die Madonna zu einem Hauptgegenstand ihrer Darstellungen gemacht und sich in den verschiedensten Auffassungsweisen, man kann wol sagen, vollständig erschöpft. Am tiefsinnigsten und herrlichsten faßte sie Rafael auf, in dessen Madonnenbildern bald mehr die liebende Mutter, bald das Ideal weiblicher Schönheit vorherrscht, bis er in der Madonva des heil. Sixtus die höchste Darstellung der Königin der Heiligen erreichte. — Eine Madonna ohne das Kind gehört erst der neuern Kunst an und hat ihre edelste Darstellungsweise in Murillo's „Empfängniß" gefunden. Madras, eine Präsidentschaft des indo-brit. Reichs von 6700 IHM. mit >5 Mill. E, begreift den östlichen Theil der Halbinsel diesseit des Ganges, vom Cap Komorin bis Ba- lasore, und zerfällt in die acht Landschaften Karn atik (s. d.), Coimbatur, Salem, Serin- gapatnam, Malabar, Canara, Balaghaut und die nördliche Cirkars. Die Hauptstadt gleiches Namens in derLandschaft Karnatik aufder Küste von Koromandcl, in einer sandigen Gegend, am Flusse Palier und am Meere, bietet im Allgemeinen den bizarren orient. Charakter dar, indem man hier nebeneinander Pagoden, christliche Kirchen, Moscheen mit Minarets, Häuser mit platten Dächern und zwischen allen diesen Bäume und Gärten erblickt. Sie zerfällt in zweiTheilc, die weiße und die schwarze Stadt. Die ersten, schön und regelmäßig gebaut, mit einer Mauer umgeben, wird blos von Europäern bewohnt und ist der Sitz der reichen Kaufleute, ungeheurer Waarenmagazine, Kaufmannsgewölbe und Kramläden. Mitten in ihr liegt das sehr feste St.-Eeorges-Fort. Unter den vielen großen Gebäuden zeichnet sich der prächtige Palast des Gouverneurs aus, in welchem sich der größte Saal der Erde befindet. Durch eine Esplanade von der weißen Stadt getrennt, liegt, einen Raum von drei Stunden einnehmend, die schwarze Stadt, wo die schönsten Paläste mit den elendesten Hütten und breite Straßen mit engen Gassen wechseln. Sie ist der Aufenthaltsort der Hindus, Armenier, überhaupt aller Asiaten, sowie der portug. Kaufleute, von denen jede Classe ihr eignes Viertel inne hat. Die Gesammtzahl der Bewohner beläuft sich auf 500000. Es hat gegen >000 Pagoden, Moscheen, Kapellen, Kirchen, Tempel und Bethäuser, darunter in einem Palmenhaine die schönste christliche Kirche in ganz Asien. Auch gibt es daselbst eine protestantische Missionsanstalt, eine Sternwarte, einen botanischen Garten, eine Buchdruckerei, ein Collegium für die ind. Sprachen, mehre andere Lehranstalten, eine astat. Gesellschaft, ein Waisenhaus und ein Irrenhaus. Die Baumwollenfabrikation, die früher hier so blühend war, ist durch die Überlegenheit der engl, jetzt ganz gesunken. Man fertigt viele Glasarbeiten zum Putz für die Hindufrauen; auch gibt es ansehnliche Töpfereien, Ziegelbrennereien und Salzsiedereien. Sehr bedeutend ist der Handel, obgleich die Stadt nur eine mittelmäßige Rhede hat. Den Mangel eines guten Trinkwaffers erseht eine in neuern Zeiten angelegte Wasserleitung. M. steht an der Stelle des alten Städtchens Tschin- napatnam, welches dem Könige von Bisnagor gehörte, der es > 635 den Briten überließ. Madrazo y Agudo (Don Jose de), einer der ausgezeichnetsten unter den lebenden Malern Spaniens, geb. am 22. Apr. 1781 zu Santander, bildete sich für die Kunst auf Madrid 215 der Akademie zu Madrid, dann in Paris, wo er Davids Schüler wurde, und endlich in Rom, wohin ihn seine Negierung sendete. Eines seiner schönsten Bilder, die er in Paris malte, ist Jesus in dem Hause des Anas (jetzt im königlichen Museum zu Madrid). In Rom malte er zunächst den Tod der Lucretia und den durch Verrätherhand fallenden Viria- thus. Nach der Einnahme der Stadt durch die Franzosen wurde er nebst andern Landsleuten, weil sie sich weigerten, Joseph Napoleon den Unterthanseid zu leisten, fcstgenommcn. Nachdem er seine volleFreiheit wieder erhalten hatte, malte er für dasOuirinal denKampf der Griechen und Trojaner um die Leiche des Patroklos. Karl IV. ernannte ihn zur Zeit seines Aufenthaltes in Rom zum wirklichen Mitgliede der Akademie San - Luca und zum königlichen Kammermaler, in welcher letzter« Würde ihn später Ferdinand VlI. bestätigte. Lheils noch in Nom, theils nach seiner Rückkehr nach Spanien malte er den Triumph der göttlichen Liebe über die weltliche (jetzt im Museum zuMadrid), verschiedene Darstellungen der heiligen Familie, die Mutter Gottes mit dem Kinde, umgeben von anbetcnden Engeln, und vor Allem das Bild von dem heiligen Herzen Jesu mit der wunderschönen Glorie der Engel für das Kloster der Salesianerinnen in Madrid. Auch als Portraitmaler hat sich M. einen bedeutenden Namen gemacht. Er wurde 1818 Director an der Akademie von San-Fernando, und seine zahlreichen Schüler beweisen hinlänglich seinen wohlthätigen Einfluß auf die Künstlerjugend seines Vaterlandes. Die lithographischen Anstalten in Paris kennen zu lernen, ging er dahin und schon wenige Monate nach seiner Rückkehr ließ er in dem von ihm errichteten königlichen lithographischen Institute zu Madrid die „Oolec- cion litoßrüüca lie cuacirv» ckel re^ lls Lsjisna" (1826) erscheinen. Für dir Kunstausstellung von >836 lieferte er die Schlacht von Cerignola und die Einnahme von Breda, und für die von 1838 den Sturm von Montefrio durchGonzalo de Cordova und einen mit Blumen umketteten Cupido. — Sein Sohn, Don Federico de M., hat sich als Maler und Kunstschriftsteller einen Namen erworben. Er machte seine Kunststudien unter des Vaters Leitung in Italien und in Paris. Mit seinem Freunde, dem Dichter Don Eugenio de Ochoa, gründete er das Kunstblatt „LI artista". Madrid, die Haupt- und Residenzstadt Spaniens, in dem Königreiche Neucastilien, am linken Ufer deS Manzanares, über welchen zwei große steinerne Brücken führen, in einer wasscr- und baumlosen Hochebene auf einer zahllosen Menge Hügel, 2216 F. über der Meeresfläche, fast im Mittelpunkte des Reichs gelegen, bildet ein unregelmäßiges Viereck, welches von einer hohen Mauer aus Backsteinen umschlossen wird und aus welchem 15 Thore, unter denen das von Alcala das schönste ist, und ein Triumphbogen führen. Obgleich, bei einem Umfange von 3'/, Stunden und einer Länge von l'/< Stunde, die größte und bevölkertste Stadt Spaniens, wird sie doch dem Range nach nicht als Ciutad (Stadt), sondern als Villa betrachtet, im Kanzleistile aber die sehr edle, rechtliche, berühmte und wegen ihres Aufstandes gegen die Franzosen auch die heroische Stadt genannt. Sie zerfällt nach der neuesten Eintheilung in zwei nördliche und zwei südliche Stadttheile, von denen jeder fünf Bezirke enthält, die zusammen 18830« E. zählen. Der ältere, südwestliche Theil der Stadt hat niedrige Häuser und enge, krumme Gassen; der neuere, beiweitem größere, ist in gutemGeschmacke gebaut, hat schöne, hoheHäuser und breite, gerade, gutgepflastcrte Straßen, unter denen die von Alcala, San-Bernardo und Fuencarral sich besonders auszeichnen. Von öffentlichen Plätzen sind merkwürdig der klar» maxor oder Marktplatz, der mit sehr hohen Häusern, welche im untern Stock Arcaden haben, eingefaßt, aber vielfach durch Buden verbaut ist, und der Platz Vuerto 6el 8oj, der den Mittelpunkt der Stadt bildet und Sammelplatz der Geschäftsleute ist; von öffentlichen Spaziergängen der?rscko, der eine Viertelmeile lang zwischen dem Palast Luen Retira und der Stadt gartenähnlich durch mehre Straßen, mit Springbrunnen und Statuen geschmückt, sich hin- zieht und zum Reiten, Gehen und Fahren dient; der Garten von L»en Letir», verdicht an den kracio anstößt, und der Spaziergang Las üeliciss, welcher eine Viertelstunde lang am Kanäle fortläuft. Unter den 77 Kirchen, die weder durch Größe, noch durch besondere Schönheit auffallen, aber reich sind an Meisterwerken berühmter span., ital. und nieder- länd. Maler, verdienen Erwähnung die von Philipp IV. gegründete prächtige St.-Jsidors- kapelle, die Kirche der Salesianerinnen, die zur heil. Jsabella und die Kirche von Antiochia. 216 Madrigal Unter den öffentlichen Gebäuden zeichnen sich aus das seit dem Brande von 173-1 neu auf. geführte Residenzschloß auf einer Anhöhe der Westseite der Stadt, ein regelmäßiges Viereck, mit plattem Dache, im Innern aufs kostbarste^ namentlich auch mit herrlichen Malereien von Mengs, Tizian, Murillo u. A. bis zur Überladung ausgeschmückt; ferner der alle königliche Palast, Luen Retiro (s. d.); derkalacio 829 Professor der lat. Sprache und Literatur. Als Kritiker hat er vorzugsweise Cicero's philosophische Schriften und Reden behandelt. Außerdem gehören hierher seine kritischen und exegetischen Arbeiten über Lucrez und Ju- venal, sowie der von ihm gelieferte Nachweis, daß der von Mai und Osann herausgegebene Grammatiker Apulejus eine literarische Mystifikation sei. Allgemeine Anerkennung fand seine größere kritische Ausgabe des Cicero „1)e luübus bonorum et mulorum" (1839). Unter seinen historisch-antiquarischen Abhandlungen gedenken wir der Untersuchungen über die röm. Colonialverhältnisse in Verbindung mit andern Seiten des röm. StaatS- rechts(>832). Seine akademischen Arbeiten erschienen als „Opu8cuIuscslIemic:u"(2Bde., 1834—42). Unter seinen in verschiedenen Zeitschriften zerstreuten und einzeln gedruckten Forschungen nehmen mehre, z. B. „Blick auf die Staatsverfassungen des Alterthums" (1846), „Von dem Wesen, der Entwickelung und dem Leben der Sprache" (1842), „Über den gelehrten Schulunterricht" und „Über die Grundbegriffe der alten Metrik", einen hohen Rang ein und begründen zum Theil neue Standpunkte. Ebenso hat er durch seine „Lat. Sprachlehre für Schulen" (deutsch, Braunschw. 1844) eine neue Bahn eröffnet. Me8t«80, d. i. Majestätisch, dient zur Bezeichnung einer Vortragsart in der Musik und setzt, ohne nähere Bezeichnung, ein gemäßigtes Zeitmaß voraus. Maffei (Francesco Scipione, Marchese), einer der besten ital. Lust- und Trauerspiel- dichter, geb. zu Verona am I. Juni 1675, studirte im Jesuitencollegium zu Parma und ging >698 nach Rom, wo er sich der Dichtkunst widmete und in die Akademia der Arkadier ausgenommen wurde. Später nahm er Kriegsdienste, machte unter seinem Bruder Ales- sandro im span. Erbfolgckrieg einige Feldzüge in Italien und Deutschland mit, und wohnte 1704 der Schlacht von Donauwörth als Freiwilliger bei. Bald aber rief die Liebe zu den Wissenschaften ihn wieder nach Italien zurück. Hier schrieb er bei Gelegenheit eines Streites, in den sein Bruder Alessandro verwickelt war, „llellu scienru obiumul» cavnllerescu" (Rom 1710, 4.), Untersuchungen über die Bräuche der Alten bei Zwistigkeiten zwischen Privatpersonen. Mit Apostolo Zeno und Valisnieri vereinigte er sich zur Herausgabe einer kritischen Zeitschrift, welche zugleich den Zweck hatte, die Bekanntschaft der Italiener mit der ausländischen Literatur zu befördern. Gleichzeitig wendete er seine Aufmerksamkeit dem Theater zu; glänzenden Beifall fand seine Tragödie „Nerope" (Modena 1713), obgleich sie nur ein Versuch war, die Vorzüge der griech. und franz. Tragödie zu verbinden. Auch sein Lustspiel ceremoniu" wurde mit Erfolg auf die Bühne gebracht. In der Absicht, das Studium der griech. Sprache unter seinen Landsleuten wieder zu beleben, berief er geschickte Lehrer, die er aufseine Kosten in Verona unterhielt. Die Entdeckung einiger wichtigen Handschriften in der Domkirche seiner Vaterstabt führte ihn auf das Studium der Diplomatik, dem wir sein gelehrtes Werk „Verona illustrats" (Ver. 1731 —32, Fol.; neue Ausg., 8 Bde-, Ver. 1792—93, 4.) zu danken haben. Nach Beendigung desselben bereiste er 1732 Frankreich und sodann England, Holland und Deutschland, wo er in Wien von Kaiser Karl VI. auf das Ehrenvollste ausgenommen wurde. Er starb am 11. Fcbr. 1755 in seiner Vaterstadt, die ihm aus Dankbarkeit ein Denkmal errichtete. Eine Gesammt- ausgabe seiner Werke erschien zu Venedig (21 Bde., 1790). — Sein Bruder, Alessandro, Marchese M., geb. zu Verona 1662, gest. zu München 1730, machte unter dem Kur- 218 Masse! (Giovanni Pietro) Magazin fürsten Maximilian Emanuel von Baiern Feldzüge gegen die Türken und gegen Frankreich mit, diente mit Ruhm im span. Erbfolgekriege und wurde >7 >7 in Anerkenntniß seiner Verdienste bei der Belagerung von Belgrad zum Feldmarschall ernannt. Massei (Giovanni Pietro), einer der gelehrtesten Schriftsteller unter den Jesuiten, geb. zu Bergamo >535, erhielt seine Bildung in Rom, wo er sich mit Annibale Caro und andern gelehrten Männern verband. Jm J. >563 wurde er Professor der Beredtsanikeit in Genua und sehr bald auch Secretair der Republik. Doch schon nach zwei Jahren kehrte er nach Nom zurück und trat in den Jesuitenorden. Dir hier von ihm > 570 herauSgege. bene lat. Übersetzung von Jos. Acosta's „Histvris 6« las Inäiss" gefiel dem Cardinal Heinrich von Portugal so wohl, daß er ihn nach Lissabon berief und ihm die Abfassung einer allgemeinen Geschichte von Indien übertrug, die unter dem Titel „Histormrum meliesrimi libriXVI" (Flor. >588; besteAusg., Köln 1593,Fol.) erschien. Er kehrte >581 nachRom zurück und starb >603 zu Tivoli. Eine Sammlung seiner lat. abgefaßten Schriften erschien zu Bergamo (2 Bde., 1747, 4.). Massei (Jos. Ritter von), Wirklicher Rath und Professor der ital. Literatur an der Universität zu München, geb. am 27. Mai 1775 zu Cles nella Naunia im tridentiniscken Gebiet, erhielt seine akademische Vorbildung auf den Lyceen zu Verona und Trient und stu- dirte >795—98 in Salzburg, wo er auch die Priesterweihe erhielt. Nachdem er ganz Italien, Deutschland, die Schweiz und das südliche Frankreich bereist hatte, kehrte er im I. >8»n nach Salzburg zurück und wurde hier 1805 Professor der ital. Literatur an der Universität. Als Salzburg >8>I an Baiern überging und die Universität aufgehoben wurde, blieb er daselbst als Professor am Lyceum. Im I. >816, wo Salzburg wieder an Ostreich zurück- siel, wurde er nach München berufen und anfangs als ordentlicher Professor am Lyceum und andern königlichen Instituten, >826 aber an der von Landshut dahin verlegten Universität angestellt. Vielfache Verdienste erwarb er sich um die ital. Literatur. Er war der Erste, der die deutschen dramatischen Werke Jffland's und Kotzebue'S und die Jugendschriften Christoph Schmidt'S in guten ital. Übersetzungen in Italien einführte, und umgekehrt Producte berühmter ital. Gelehrten in Deutschland verbreitete. Sein Hauptwerk aber ist die „8toria siella lettersture ital. sisll' origine siella lingus sino s' nostri giorni" (3 Bde., Mail. 1825; neue Aufl., 4 Bde., 1834). Mafra , ein Flecken in der portug. Provinz Estremadura, ungefähr fünf M. nordwestlich von Lissabon, unfern dem Meere, in hochgelegener Gegend, ist wegen des prächtigen Klostergebäudes berühmt, das König Johann V. in Folge eines Gelübdes > 717—3> mit einem Auswande von mehr als 20 Mill. Fl. aufführen ließ. Der Baumeister desselben war ein Deutscher, Namens Friedr.Ludwig. In seiner viereckigen Form dem Escurial ähnlich, aber beiweitem umfangreicher, ist es doch mehr ein Denkmal der Prachtliebe und des Aufwandes als der Größe. Es soll 866 Zimmer und mehr als 2500 Thüren und Fenster enthalten. Das Kloster ist ein Augustinerkloster und im Besitz einer Bibliothek von 5 lMV Bänden. Eine Klosterschule wurde daselbst >772 durch Joseph I. gegründet. Die Umgebungen bilden ausgedehnte Gärten mit herrlichen Anpflanzungen. Bekannt wurde das Kloster besonders durch Murphy's Prachtwerk (Lond. >791, Folr) mit Luis de Sousa's Texte. Magazin nennt man im Allgemeinen einen Aufbewahrungsort, der sorgfältiger gebaut, mehr Sicherheit und bessere Erhaltung der Gegenstände gewährt als Schuppen und andere Gebäude. Vorzüglich wichtig sind die Pulvermagazine, welche Luftmagazine heißen, wenn sie über der Erde liegen, wo sie dann weit entfernt von bewohnten Gebäuden, und insofern mehre an einem Orte erfoderlich sind, hinlänglich entfernt voneinander angelegt werden. Sie sind meist von Fachwerk erbaut und mit einem Wall umgeben, der bis zur untern Kante des Daches reicht, haben keine Glasfenster, sondern nur Drahtgitter und hölzerne Laden an der äußern Wandseite. Die Thüre, gegen Osten gerichtet, führt in eine kleine Vorhalle; die innere Thüre hat ein kupfernes Schloß und bewegt sich auf kupfernen Angeln. Die Luftmagazine werden nur zur Aufbewahrung des Pulvers im Frieden gebraucht und daher zuweilen Friedensmagazine genannt. Das zur Vertheidigung einer Festung erfoderlichr Pulver wird im Kriege in bombenfesten Magazinen nicdergelegt, Pie theils unter dem Wall befindlich sind, seltner in besondern Gebäuden bestehen, und für Magdalena Magdeburg 219 die man besonders solche Orte wählt, die nicht leicht vom feindlichen Feuer getroffen werden können. In keinem Pulvermagazin sollen sich mehr als höchstens 5«>0 Centner befinden. Die Pulvertonnen liegen im untern Raume auf dazu eingerichteten Unterlagen zwischen festen Ständern; Kartuschen (ohne Kugeln), Zündungen und andere leichte Gegenstände werden auf dem Boden aufbewahrt. Alle Maßregeln zur möglichsten Verhütung der Ge» fahr müssen getroffen und deshalb auch die Gebäude mit Blitzableitern versehen werden. Die Magazine für Feldlaboratorien werden entweder in einzeln liegenden Gebäuden von guter Beschaffenheit eingerichtet, oder man erbaut Schuppen dazu. Die Engländer legen die Pulvertonnen auf einen einfachen Unterbau von starkem Holz und bedecken das Ganze mit getheertem Segeltuch. Nächst den Pulvermagazinen sind noch die Fourage- und Proviantmagazine zu erwähnen, deren Einrichtung nur auf sicherm Verschluß und trockner, übersichtlicher Unterbringung der Gegenstände beruht. Noch bis >806 umfaßte die Anlage und Sicherung der Magazine einen wesentlichen Theil des Operations- Plans; oft entschied die Wegnahme und Vernichtung derselben den Ausgang des Feldzugs. Bei der seitdem eingetrctenen weit schnellem Bewegung der Truppen, welche nicht ohne das Requisitionssystem besteht, ist die Anlegung der Magazine sehr vermindert und nur auf einzelne Verhältnisse beschränkt worden, wo größere Truppenmassen längere Zeit in einer Gegend verweilen. Die Magazine für die Waffen u. s. w. nennt man Zeughäuser (s.d.). Getreide - und Mehlmagazine werden bei zu befürchtenderTheuerungoder bei andern Unglücksfällen angelegt. Magdalena oder Maria von Magdala, einer Stadt am galiläischen See in Palästina, eine Begleiterin Jesu, wird nach einem alten Jrrthume für die Luc. 7, 36—5V erwähnte Sünderin gehalten, die Jesum salbte und Vergebung ihrer Sünden von ihm erhielt. Den mythischen Stoff, welcher aus dieser Verwechselung entstand, ergriffen Andacht und religiöse Kunst, um daraus das heil. Magdalenenbild zu schaffen. Auch entstand um 1215 in Deutschland ein Orden der Klosterfrauen von der Buße der heil. M., der sich in Frankreich, Spanien, Italien und selbst bis nach Indien verbreitete, anfangs nur Buhl- dirnen, später aber auch ehrbare Jungfrauen aufnahm und bis in die neuern Zeiten sich erhalten hat. Die in protestantischen Ländern noch übrigen katholischen Magdalenenstifte haben sich zur Krankenpflege bequemen müssen, so z. B- das zu Lauban in der Oberlausitz. — M a g d a l e n e n g e se l l sch a f t e n heißen in England und den Vereinigten Staaten wohl- thätige Anstalten, welche die Besserung gefallener Mädchen zu bewirken suchen. Die erste derartige Gesellschaft wurde in London 1758 durch die Bemühungen deS vr. Dodd begründet und hat viel Gutes gestiftet. Magdeburg, die Hauptstadt der preuß. Provinz Sachsen, der Sitz eines Oberpräsidenten, einer Regierung, eines Oberlandesgerichts, eines Consistoriums und eines evangelischen Generalsuperintendenten, des Generalcommandos des vierten Armeecorps und zugleich eine der wichtigsten Festungen des preuß. Staats, am linken Ufer der hier in drei Arme getheilten Elbe, besteht aus vier besonder« Theilen und zwei Vorstädten, und zählt, das Militair und die Vorstädte ungerechnet, gegen 50V0V E. Jene Theile sind I) die Altstadt, oder die Hauptfestung längs der Elbe mit elf Bastionen und zehn kleinen Ravelinen zwischen ihnen, die noch «ine Anzahl Contregardcn und Lünetten vor sich haben. Sie werden allenthalben von einem doppelten und an einigen Punkten dreifachen bedeckten Wege umgeben und durch Minen verstärkt. Im Süden der Altstadt liegt 2) der Stem, eine vierseitige casemattirte Tenaille, unter Friedrich dem Großen vom General Wallrave erbaut, mit einem guten Mincnsystcm und drei verschiedenen Umwallungen, von denen die äußere auf drei Seiten in der Mitte nochmals ausspringende Winkel hat. In dieser Schanze saßen einst der Freiherr von Trenck in einem für ihn besonders bestimmten Häuschen, im trockenen Graben, und ihr Erbauer Wallrave, wegen Treulosigkeit, in einem von ihm selbst angelegten Kerker gefangen. Zwischen dem Stern und der Altstadt wurde zur Verbindung beider miteinander auf der Stelle der abgetragenen Sudenburg, einer ehemaligen Vorstadt, seit l8ll da« Fort Napoleon, jetzt Scharnhorst genannt, eine fünfseitige große Lünette, er- baut, in der Kehle mit einer Caponnicre, welche Schießscharten hat, versehen. Von der Altstadt aus führt eine Drücke über den westlichsten, breitesten der drei Elbarme, die neue Elb« 220 Magdeburg genannt, nach der Insel, auf welcher 3) die Citadelle liegt, ein bastionirtes Fünfeck mit hohem, gemauertem und casemattirtcm Walle ohne bedeutende Außenwerke, erbaut von König Friedrich 1. 1680 und dadurch merkwürdig, daß hier Bahrdt, Lafayette und Beckcr gefangen saßen. Jenseit der beiden andern Elbarme, über die eine feste Brücke führt, auf dem rechten Ufer der Elbe, liegt 4) die Friedrichsstadt oder die Thurmschanze, ein Städtchen von etwa l 600 E., durch eine Umwallung mit drei ganzen und zwei halben abgerundeten Thürmen befestigt, vor welchen drei ganze, zwei halbe Bastionen und ein Bedeckter Weg liegen. Die beiden Vorstädte, die nördlich gelegene Neustadt mit etwa 680V E., und die südwestlich gelegene Sudenburg mit 2000 E-, die, weil sie den Festungswerken zu nahe lagen, >806 von den Preußen und 1813 durch die Franzosen nebst dem ehemaligen Kloster.Be rgen (s. d.) zerstört wurden, sind seit >818 theilweise wieder aufge- baut. M. hat zwar meist enge krumme Straßen, wovon nur der die ganze Stadt der Lange nach durchschneidende Breite Weg eine Ausnahme macht, ist aber im Ganzen gut gebaut. Öffentliche Plätze sind der Domplah und der Marktplatz, auf welchem die schon im I. 973 errichtete Bildsäule Ottv's des Großen steht. Zu den öffentlichen Spaziergänge» und Gärten gehören der schöne Fürstenwall, welcher 600 Schritt längs der Elbe sich hinzieht, der Werder am linken User der alten Elbe mit vielen schönen Gärten und der Friedrich- Wilhelms-Gartcn, der auf der Stelle des abgebrochenen Kloster-Bergen angelegt ist. Untn den zehn evangelischen Kirchen zeichnet sich besonders die aus dem Anfänge des > 3. Jahrh. hcrstammcnde prächtige goth. Domkirche aus, um deren Restauration Friedrich Wilhelm III. sich großes Verdienst erwarb, mit zwei schönen 332 F. hohen steinernen Thürmen, einem l I O F. hohen von zwölfPfcilern getragenen Gewölbe, dem Hochaltar aus Marmor, ssklli- nern Altären, dem schönen, I >06 von Peter Bischer zu Nürnberg gegossenen Denkmale de! Erzherzogs Ernst und dem Grabe Kaiser Otto des Großen. Merkwürdig sind auch die Lied- fraucnkirche, die älteste in M., sowie die katholische Kirche und die franz.-rcformirteKirchi, denen sich die jüdische Synagoge anschließt. Unter den andern öffentlichen Gebäuden sind zu erwähnen das 1691 erbaute Rathhaus, die Dompropstei oder das Fürstenhaus, dal Landschaftshaus, die Wasserkunst mit einer Getreidemühle und die Artilleriekascrne. D» Stadt hat ein Pädagogium im Kloster Unserer lieben Frauen, ein Domgymnasium »>il nicht unwichtiger Bibliothek, ein Schullehrerscminar, eine höhere GewerbS- und Handell- schulc, eine Kunst- und Baugcwcrkschulc, eine Hebammen-und mcdicinisch-chirurgisch! Lehranstalt, ein Arbeitshaus, eine Irrenanstalt, ein ArmcnkrankcnhauS, fünf HoSpitLlü, ein Bürgerrctlungsinstitut, eine Sparkasse, mehre Kleinkinderbewahranstalten und zmi Waisenhäuser. Sie gehört zu den wichtigsten Handelsstädten nicht nur Preußcrr-, sondn» Deutschlands überhaupt. Der bedeutende Transits- und Spcditionshandel, besonders mit Colonialwaarcn und Wein, wird durch zwei Wollmärkte'und eine Messe, und in neuest» Zeit namentlich durch die vereinigte Magdcburg-Hamburger Dampfschiffahrt, sowie durid die beiden Eisenbahnen, die Magdeburg-Leipziger und die Magdeburg - Braunschweig«, wesentlich befördert. Auch gibt cs zahlreiche Fabriken in Wolle, Baumwolle, Seide, Handschuhen, Band, Leder und Taback, sowie Zuckerraffinericn, Essigsiedcreien und Bierbrauereien. Schon von Karl dem Großen wurde die Stadt mit der Stapclgerechtigkeit ver- schen. Kaiser Ötto I., der sie zu seinem Lieblingsaufenthaltsort erkor, legte hier 937 ri» Bcnedictincrkloster zu Ehren des heil. Mauritius an, und verwandelte dasselbe 967 in«" ErzbiSthum, dem vom Papst Johann XIII. das Primat von Deutschland erthcilt und du Bischöfe von Meißen, Merseburg, Naumburg, Zeitz, Brandenburg und Havclbcrg untti- gcordnet wurden. Die Erzbischöfe führten in den stürmischen Zeiten des Mittelalters wir- verholte Kriege nicht nur gegen die häufig einfallendcn Slawen, sondern auch gegen Kais« Heinrich I V., gegen die Markgrafen von Brandenburg, sowie gegen die Bürger vo»M selbst, die sich mehrmals wider ihre geistlichen Herren empörten. In später« Zeiten wurde" die Erzbischöfe gewöhnlich aus dem brandcnburg. oder sächs. Fürstenhause gewählt. Der schon frühzeitig errichtete Schöppcnstuhl stand im Mittelalter in großem Ansehen, und das Magdeburger Recht, da- eine Mischung von altsächs. Gewohnheit-- und Magdeburg. Localrechten war, fand weite Verbreitung und Gültigkeit. Zur Zeit der Reformation st«> die Stadt sehr bald der neuen Lehre zu, zeigte für dieselbe große» Eifer und wurde, all Magdeburger Centnrien Magellan 22t sie die Annahme des Interims verweigerte, in die Acht erklärt und in Folge dessen vom IV.Sept. >550 bis 9. Nov. >551 vom Kurfürsten Moritz von Sachsen belagert, nach der endlichen Übergabe jedoch schonend behandelt, aber freilich des Stapelrechts, des Schöppenstuhls und anderer Gerechtsame verlustig. Schon >554, unter dem Administrator Christian Wilhelm, aus dem brandcnburg. Hause, erhielt sie indeß das Stapelrecht zurück, das ihr Kaiser Maximilian auf ewige Zeiten bestätigte. Im Dreißigjährigen Kriege wurde M., nachdem es >629 von den Kaiserlichen 28 Wochen lang vergebens cingeschlossen gewesen, >631, weil es seinen geächteten Administrator wieder ausgenommen hatte, von neuem durch Lilly belagert. In Hoffnung baldigen Entsatzes leisteten zwar die Bürger mit Hülfe einer schwachen schweb. Besatzung eine Zeit lang tapfern Widerstand; allein endlich sahen sie sich doch genöthigt, mit dem Feinde Unterhandlungen anzuknüpfcn. Im Vertrauen auf den bevorstehenden Vertrag und von dem langen beschwerlichen Kriegsdienst ermüdet, verließen sic zum Theil ihre Posten, und so geschah es, daß am > 6. Mai (alten Stils) >631 die Stadt erstürmt wurde. Eine dreitägige Plünderung mit Mord, Brand und allen Ausschweifungen der wüthcnden Krieger war die Folge. Über 30000 E. jedes Alters und Geschlechts fielen unter dem Schwerte der Sieger, und, um Mißhandlungen zu entgehen, stürzten Hunderte von Jungfrauen, einander an den Händen fassend, sich von der Brücke in den Elbstrom. Ein heftiger Sturm verbreitete das Feuer der angezündeten Häuser über die ganze Stadt und nur der Dom und etwa > 30 Häuser blieben von der Vernichtung verschont. Von den Kaiserlichen im folgenden Jahre wieder verlassen, wurde M. nun von den Schweden beseht, 1636 aber von den Kaiserlichen und Sachse» wieder belagert und mit Kapitulation übergeben, worauf >638 der durch den prager Frieden bestimmte neue Administrator, Herzog August von Sachsen, das Erzstift in Besitz nahm. Durch den westfälischen Frieden >648 wurde das Erzstift als weltliches Hcrzogthum, zur Entschädigung für Pommern, an das Haus Brandenburg überwiesen, bei dem es, die kurze Dauer des Königreichs Westfalen von 1807—13 abgerechnet, ununterbrochen blieb. In dem Kriege Preußens mit Frankreich im I. 1806 gehörte auch M. unter die Zahl der preuß. Festungen, die dem Feinde ohne Widerstand übergeben wurden. Mit einer starken Besatzung versehen, hielt sich die Festung >813 und >814 gegen das sie cinschließendcTauenzicn'sche Corps, bis sie in Folge des variser Friedens >814 an Preußen zurückgcgcben wurde. Vgl. Rathmann, „Geschichte der Stadt M " (1 Bde., Magdeb. 1800 —17); Wolter, „Geschichte der Stadt M. von ihrem Ursprünge bis auf die Gegenwart" (Magdeb. >845); F. W. Hoffmann, „Chronik der Stadt M." (Lief. >—0, Magdeb. >843—45) und Lehmann, „Topographie der Stadt M." (2. Aust., Magdeb. > 830). Magdeburger Centnrien, s. Centuri en (Magdeburger). Mägdesprung ist der Name einer schroffen Felsenklippe im Herzogthum Anhalt- Bernburg, die den Mittelpunkt des reizenden Selkcthalcs bildet. Am Fuße derselben liegt das gleichnamige Hüttenwerk, wo zu Ehren des Herzogs Friedrich Albert, gest. I7V6, ein schöner gußeiserner Obelisk, 58 F. hoch, errichtet ist. Magellan (Fernando de), eigentlich Magelhacns, ein berühmter Seefahrer, von Geburt ein Portugiese aus einer guten Familie, diente mit Ruhm fünf Jahre unter Albu- querque in Ostindien und that sich 15 >0 bei der Eroberung von Malakka hervor. Da er aber seine Dienste für schlecht belohnt von seinem Hofe hielt, nach andern Angaben wegen Veruntreuung, begab er sich nach Spanien, wohin ihn sein Landsmann, Ruy Falero, der i» der Geographie und Astronomie gute Kenntnisse hatte, begleitete. Der kühne Plan Beider, einen neuen Weg von Westen nach den Molukken aufzufinden, wurde vom Kaiser Karl V. wohl ausgenommen. Am 20.Scpt. 1510 segelte M.mitfünfSchiffen und 236 M. von San-Lucar ab und erreichte am >2. Jan. 1520 die Mündung des Laplata. Schon an der Küste Patagoniens hatte er eine Meuterei seiner Mannschaft, welche dem abtrünnigen Portugiesen nicht gehorchen swollte, zu unterdrücken. Gegen Ende Oct. >520 gelangte er an da« Vorgebirge, das er >><- >»-< Virgii»--, nannte, am Eingänge der Meerenge^ die nachher den Name» der Magellanischen Straße erhielt. Al- er hierauf eines seiner Schiffe nach Europa zurücksendele, bedurfte es seines ganzen Ansehens, die übrige Mann schafl zu bewegen, sich in diese unbekannte Straße zu wagen. Nachdem ihm solches gelungen 223 Magelone entdeckte er am 27. Nov. die Südsee, der er wegen des anhaltend milden und ruhigen ? Wetters den Namen deS Stillen Oceans gab. Am 6. März l52I wurde er derLadronen ansichtig, dann kam er zu dem ArchipelaguS von St.-LazaruS, nachher die Philippinen genannt. Auf Zebu, einer dieser Inseln, bewirkte er die Bekehrung des Königs zum Christenthum. Er blieb in einem Gefechte gegen den Beherrscher der Insel Matan am 26. Apr. 1521. Ohne dieses unglückliche Ereigniß würde er den Ruhm des ersten Welk- umseglers sich erworben haben, den nun Sebastian Cano sich zueignete, der M.'s Schiff glücklich über Ostindien zurückbrachte und am 7. Sept. 1522 in San-Lucar einlief. Ein Auszug aus M.'s Reisetagebuche findet sich in Ranusio's Sammlung; vollständig wurde seine Neisebeschreibung zuerst von Amoretti herausgegeben (Mail. 1811). — Ein Urenkel M.'s, der Naturforscher Joh. Hyacinth M., früher Augustinermönch zu Lissabon, gest. zu Jslington bei London am 7. Febr. 1796, ist der Erfinder der Bereitung mineralischer Wasser. Magelone oder Maguelonne soll nach der Sage die Tochter eines Königs van Neapel gewesen sein. Bon dem Rufe ihrer Schönheit angelockt begab sich Peter, der Sohn des Grafen von Provence, an den Hof ihres Vaters und zeichnete sich hier bei den Turnieren so aus, daß, wiewol er seinen Stand und Namen nicht angeben wollte, er doch di« Aufmerksamkeit des ganzen Hofes auf sich zog und die Liebe der Prinzessin erwarb. Durch die Amme derselben wurde das Verständniß unterhalten und durch sie schickte er ihr drei kostbare Ringe als Liebespfänder. Endlich gab er sich ihr zu erkennen und bewog sie, mit ihm zu entfliehen, da ihr Vater sie mit einem andern Ritter vermählen wollte. Sie bargen sich vor dessen Nachstellungen in einem dichten Walde; M. entschlief vorMüdigkeit in dem Schoose des Ritters, der, um ihr Erleichterung zu verschaffen, ihre Gewände lüftete und dabei auf ihrer Herzgrube die drei Ringe, die er ihr geschenkt, in einen rothen Zindel genäht fand. In ihre Reize verloren legte er die Ringe bei Seite; da raubte sie ihm ein Rad«, -s Der Ritter, dem die Ringe nun doppelt theuer geworden, setzte, sobald er denRaub gewahr wurde, dem Naben nach; doch dieser flog damit dem User zu, setzte sich auf einen Fels und ließ die Ringe ins Meer fallen. Peter warf sich in einen gebrechlichen Kahn, um der Ring« wieder habhaft zu werden, wurde aber von einem Sturme fortgeriffen, auf das hohe Meer getrieben, dort vor; Seeräubern gefangen und als Sklave an den Sultan von Babylon verkauft. M., als sie erwachte, sah sich von ihrem Geliebten verlassen; vergebens war ihr Rufen, vergeben- ihr Suchen, ihre Verzweiflung; endlich raffte sie sich auf, fand muh vielem Umherirren den Ausgang des Waldes und begegnete auf der Landstraße, die nach Rom führte, einerPilgerin. Mit dieser tauschte sie die Kleidung, und also unkenntlich begab sie sich nach Nom. Hier blieb sie als arme Pilgerin 15 Tage in dem Spitale und flehte täglich im St.-Petersdome zu Gott, um wieder mit dem Geliebten vereint zu werden. Dann beschloß sie nach der Provence zu wandern, schiffte sich in Genua ein und landete glücklich in Aiguesmorles. Dort hörte sie von der großen Güte der Altern Peter's gegen arme Leute; aber auch zugleich von ihrer großen Trauer um den verlorenen Sohn. In ihrer Nähe wenigstens wollte M. bleiben, und als sie erfuhr, daß in dem nahen Hafen, der der Heiden Port (kort des Sarrarins) hieß, eine kleine Insel sei, wohin aus allen Landen die Kaufleute mit ihren Waaren kamen und auch viele arme und kranke Leute sich befanden, beschloß sie, dort von den Schätzen, die sie aus Neapel mitgenommen, ein Kirchlein zu St.- Peter'S Ehren zu bauen und ein Spital für arme Pilger zu gründen. In diesem Spirale wartete sie selbst mit solcher Treue der Armen und führte so strengen Lebenswandel, daß sie unter dem Namen der heiligen Pilgerin allgemein verehrt und auch von Peter's Altern bald geliebt wurde. Auch Peter hatte sich das Wohlwollen des Sultans in so hohem Grade erworben, daß er ihm versprach, eine Bitte zu gewähren. Peter bat um Urlaub, seine Altern zu besuchen. Ungern bewilligte derSultan dieseBitte; doch gab er nicht nur nach, sondern rüstete ihn sogar reichlich aus. Peter aber verspätete sich unterwegs auf einer Insel, Namens Sagona, wo sein Schiffspatron Wasser einnahm; dort fanden ihn Fischer und brachten , ihn in die Stadt Cragona, wo sie den Erkrankten dem Spitalmeister übergaben. Neun § Monate wurde er verpflegt; doch konnte er nicht ganz gesund werden; da landete ein Schiff aus der Provence, und als dessen Patron in Peter einen Landsmann erkannt^ l 22S Magen nahm er ihn mit sich und brachte ihn in das Spital der heiligen Pilgerin im Heidenport, um sich ganz Herstellen zu lassen. Dort pflegte ihn M. erst ohne ihn zu erkennen, und als sich die Liebenden erkannt hatten, sendete sie die Freudenbotschaft an Peter's Altern, die herbcieilten und den Bund segneten. Die Insel, auf der M. die Kirche und das Spital erbaut, erhielt von ihr den Namen Maguelonne; sie und ihr Gemahl wurden in der Kirche begraben, welche noch steht, aber auch fast den einzigen Rest der ganzen Insel ausmacht. Diese Sage hat zuerst ein StiftSherr jener Kirche, Bernard de Treviers, um 1 >78 in einem provenzal. Gedichte ausgezeichnet, wovon man in neuester Zeit ein Exemplar in Spanien aufgefunden haben soll. Dieses wurde in einem franz. Prosaroman überarbeitet, der zuerst I >57 im Druck erschien und fast in alle europ. Sprachen übersetzt und zum eigentlichen Volksküche wurde. Das deutsche Volksbuch, durch Magister Veit Warbeck bearbeitet, erschien zuerst zu Augsburg 1535 (in Marbach's und am besten in Simrock's „Deutschen Volksbüchern" wieder abgedruckt); in neuerer Zeit wurde es von Tieck in „Lcberecht's Volksmärchen" und von Morgcnroth (Lpz. 1829) bearbeitet. Magen (stomackus s. ventriculus) nennt man das zur Aufnahme und ersten Verdauung bestimmte Organ, welches im menschlichen Körper in seiner Gestalt, Lage, Zusammensetzung u. s. w. sich auf folgende Art verhält. Er gleicht einem gekrümmten Kegel, dessen Basis, Magengrund (kuullus ventriculi) genannt, in der linken Seite des Körpers liegt und mit derSp eise röhre (s. d.) zusammenhängt, während der mittlere Theil, der sogenannte KörperdesMagens (c»rpur ventriculi), nach und nach sich verengend in schräger Richtung nach der rechten Seite zu herabsteigt und in die Spitze (portio p/lorica ventriculi) übergeht, welche ziemlich wagerecht verlaufend und sogar etwas aufsteigend endlich sich in den Zwölffingerdarm (s. d.) fortsctzt. Betrachtet man den Magen von vorn, so sieht man ihn nach oben durch eine kürzere, links etwas convexe, übrigens aber concave, nach unten durch eine durchaus convexe Linie begrenzt, welche man als Ränder des Magens bezeichnet und den obern und den untern oder den kleinern und größer» Rand oder Bogen (curvatura minor et inajor) nennt. Hat man diese Ränder festgesetzt, so zerfällt auch die äußere Oberfläche des Magens in eine vordere und eine Hintere Fläche; beide gehen jedoch, wenn der Magen gefüllt ist und eine cylinderförmige Gestalt angenommen hat, ohne eine bestimmte Grenze zu haben, ineinander über, wobei sich gleichzeitig der Magen '/< um seine Längenachsc dreht, sodaß der untere Bogen nach vorn, der obere nach hinten sieht. Mit der Speiseröhre und dem Zwölffingerdärme steht der Magen durch seine äußere svwol wie durch seine innere Oberfläche in Verbindung und kann demnach als eine blose sackartige Erweiterung des Nahrungskanals betrachtet werden; außerdem aber sind in seiner Nähe noch die wichtigsten Organe gelegen. DerMagcngrund liegt dicht unter demZwerchfelle (s. d.) ; an der linken Seite des untern Randes ist die M i lz (s. d.) angeheftet; an demselben verbindet das große Netz (s. d.) den Magen mit dem Quergrimm- darme (s. Darm), während das kleine Netz vom obern Rande ausgehend den untern Theil der Leber (s.d.) damit in Verbindung setzt. Hinter ihm liegt die Bauchspeicheldrüse (s. Bauch), und seine vordere Fläche wird auf der rechten Seite durch das unterste linke Stück der Leber bedeckt. Die Magenwände bestehen aus vier Hautschichten, von denen die äußerste oder oberste ein Theil des Bauchfelles ist, den ganzen in dasselbe eingestülptcn Magen überzieht und nebenbei noch die beiden Netze nebst verschiedenen andern Hautfalten bildet, welche den Magen mit der Milz und dem Zwerchfelle verbinden und in der Anatomie als Bänder betrachtet werden. Unter dieser befindet sich eine MuSkclhaut aus Längen-, Quer- und Kreisfasern bestehend, sodaß der Magen in jeder Richtung zusammengezogen werden kann; auf diesefolgt die von einigen Anatomen angenommeneGefäßhaut, welche nur ein von einem dichten Gesäßnetze durchzogenes Zellgewebe ist. Die innere Oberfläche endssch, eineTchleimhaut, enthält eine große MengeFaltcn oder Runzeln, welche, wenn der Magen ausgedehnt wird, sich ausgläkken, und sondert einen zähen, klaren, weißlichen Schleim und während der Verdauung den Magensaft (succus gastrici«) ab. Von den beiden bei Unthätigkeit des Magens geschloffenen Öffnungen desselben nennt man die Mündung der Speiseröhre den Magenmund (csrllia s. ostim» oesopimgeuw), den Ausgang in den Zwölffingerdarm aber den Pförtner (pzäorui s, ostium äuoäcu»!«). Erstere befindet 224 Magen sich am Grunde des Magens, letztere an der Spitze, wo zugleich durch eine Falte der Schleimhaut eine ventilartige Klappe (valvuls pylori) gebildet wird, um das Zurücktreten - des Speisedreies zu verhindern. Die Größe des Magens ist sehr verschieden; in der Regel beträgt sein Längendurchmesser vom Magenmunde bis zum Pförtner l 0—12, sein Quer- durchmesser am Grunde 4'/-, in der Mitte 3'/-—4 und am Pförtner I —2 Zoll. Blut erhält der Magen mehr als die meisten übrigen Organe aus verschiedenen Arterien zugeführt, und die Nerven, welche seine der Willkür nicht unterworfenen Verrichtungen vermitteln, kommen vom neunten Hirnnervenpaar (s.Nerv ensystem) und dem Gangliensystem (s.d.). Die Aufgabe des Magens besteht darin, die durch die Speiseröhre ihm zukommenden, noch wenig veränderten Speisen in den Speisebrei (cli^mns) zu verwandeln und somit geschickt zu machen, von den Lymphgefäßen aufgesogen zu werden und imDarm- kanale die weitern Veränderungen zu erleiden. Zu diesem Zwecke wird während der Verdauung mehr Schleim als außer derselben, und der Magensaft, eine saure Flüssigkeit, abgesondert, in welchem die Speisen aufgelöst werden. Ist diese Auflösung geschehen, so beginnt die wurmfärmige Bewegung des Magens (motus perist-elticus), indem die Kreisfasern der Muskelhaut denselben zusammenziehen, theils in seinem ganzen Umfange, theils nur an einer Stelle, aber so, daß sich diese Zusammenziehung allmälig von einem Ende zum andern fortsetzt, und auf diese Weise der Speisebrei in den Zwölffingerdarm gedrängt wird. Außerdem sind dabei noch die vielen imMagen befindlichen Saugadern in voller Thätigkeit, um die Theile der Nahrungsmittel, welche sich schon zum Aufsaugen eignen, aufzunehmm und so den Nahrungssaft (ck)-!»«) zu bereiten. Ist der Magen seiner Function wegen sonach als eines der Hauptorgane des Körpers anzusehen, so ist es auch natürlich, daß eine Störung derselben für den ganzen Körper übl! Folgen haben muß, indem die Ernährung stets darunter leidet, was sich gewöhnlich auch bald durch bedeutende Abmagerung kund gibt. Sehr deutlich sind solche Störungen bei dm Magenkrankheiten, von denen besonders folgende zu erwähnen sind. Die Magenenl- - zündung (Aastritis), meist durch unmittelbare Einwirkung schädlicher in den Magen gebrachter Stoffe herbeigeführt und durch Schmerz im Magen und Erbrechen bezeichnet, ist eine gesährlichcKrankheit und geht, wenn sie nicht durch sich selbst schon tödtlich oder vollkommen geheilt wird, in Magenverhärtung, welcher oft Magenkrebs folgt, Magenver- eiterung oder Magenkrank über, oder hinterläßt wenigstens eine bedeutende Schwäne der Verdauung. Eine andere, besonders beim weiblichen Geschlechte oft Vorkommens Krankheit ist der Magenkrampf (carckmlFiu), welcher von sehr verschiedenen Ursachen herrührt, auch in seinem Verlaufe verschiedene Formen darstellt und gewöhnlich ein langwieriges und schwer zu hebendes Leiden ist. Durch eine in eigenthümlicher Art fehlerhafte Absonderung des Magensaftes entsteht die Magensäure, welche entweder mehr vorübergehend, hauptsächlich durch den Genuß unpassender Nahrungsmittel, besonders saurer, erzeugt wird, oder länger andauernd mit einem ticfern Leiden der Verdauung, namentlich . bei Kindern mit der Skrophelkrankheit (s. Skropheln), in Zusammenhang steht. Unter Magenbruch (gastrocele 8. kernin ventriculi) versteht man das bruchartige Hervortreten der Eingeweide in der Magcngegend, wobei aber gewöhnlich nur ein Theil des Quergrimmdarms im Bruche enthalten ist. Die sogenannten Magen mittel (stomackica) sind meist reizende, bittere Arzeneien, welche mehr eine momentane Schwäche, den sogenannten verdorbenen Magen, zu heben im Stande sind, als daß sie als Mittel bei Magenkrankheiten Anwendung finden dürften. Historisches Interesse allein bietet die jetzt nicht mehr gebrauchte Magen bürste (excutia ventriculi), eine aus weichen Haaren verfertigte und an einen mit Seide übersponnenen Draht befestigte Bürste, mit welcher man in den Magen einging, um ihn vom Schleime zu reinigen. Unendliche Verschiedenheit in Hinsicht auf Vorhandensein und Bau des Magens herrscht bei den Thieren, indem bei den niedriger« Thierclassen bald mehr bald gar kein Organ gefunden wird, welches sich dem Magen vergleichen ließe. Selbst bei vielen Fischen und Amphibien ist der Nahrungskanal von dem des Menschen gänzlich abweichend gebaut. > Von den Vögeln besitzen die meisten zwei, nur einige drei Magen, währeüd von den Säug- thieren die niedriger« Gattungen einen zusammengesetzter«, die höhern einen einfachem ha nn »II in 23 vo er sin su an voi 18 di( §ai 28 ne> als lieh ber En her an! mä tet. thä solc sen non Wi Na uns nur Scl sich nal wei zu> vor nu äet «n! le< trc M sig gek oft all sin Ar >er m > ;el ! er- lut ge- er- n- !>m eln m- rr- ge- Mt ern Mt um ird. eit, um >ers ibl! uch dm nt- » ge- ciu! MI er- ilbr mdr hm inz- aftc ber- rer, tlich , uter o°r- uei- ic») oge- zen- nchl > igle den ;en§ kein cheu aut > iug- ^ ;ern , Magen-ie Magie 225 Huben. Unter letztem sind vorzüglich die Wiederkäuer zu erwähnen, bei denen man vier magenähnliche Organe findet, welche der Pansen (rinnen), der Netzmagen (reticulum .833 —36; und von Elsäßer, 3. Aufl., 2 Bde., Tüb. 1833—36); „kormuluire ;,our I'emploi et Is prepuration cles plusienrs nouvesux we- äicsmsns" (Par. 1 82 1; s. Aust., 1836; deutsch von Kunze, 6. Aufl., Lpz. 1831); „I>- §c>ns snr les pbönomenes ns s»r les konclions st Iss inslsäiss 78-1); Tiedemann, „Oe »rtium Mkegicarum c>r,Fme" (Mark. >787); Horst, „Zaubn- bibliothek" (6 Bde., Mainz 1820—26); Derselbe, „Von der alten und neuen Magie Ursprung, Idee, Umfang und Geschichte" (Mainz IH2»), und über die sehr zahlreiche Liter«- tur Grässe, „Bibliographie der wichtigsten in das Gebiet des Zauber-, Wunder-, Geismund sonstigen Aberglaubens einschlagenden Werke" (Lpz. >843). Magier (m»b') hießen bei den Medern und Persern die Mitglieder der Priestei- kaste, die wie die Leviten der Israeliten einem bestimmten Stamme angehörten. Sie w«- ren im Besitze der wissenschaftlichen Kenntnisse und übten die heiligen Gebräuche der Religion, arteten aber sehr bald aus. Ihre Lehren nannte man Nazismus und ihre Weisheit die Magie. Ihr Reformator wurde im 7. Jahrh. v. Ehr. Zoroaster(s. d.), der sie in Herbeds oder Lehrlinge, Mobeds oder Lehrer und Desturmobeds oder vollendete Lehm theiltc. Auch bei den Chaldäern erwähnt schon Jeremias einen Magierorden, dessen Glieder aus den Sternen, aus dem Fluge der Vögel und aus den Opferthieren weissagte« und die Weisen Babels oder im Auslande schlechthin Chaldäer genannt wurden. Daniel (s.d.) war Vorsteher derselben. Auch bei Jesu Geburt werden Magier erwähnt. (S. Drei K ö nige.) Im Neupersischen bezeichnet man sie mit dem Worte illog. Aus Mogbed, d.i. Priesteroberhaupt, wurde Mobed, welchen Titel noch gegenwärtig die Oberpricster du Parsen zu Surate führen. Später ging ihr Name auf alle hcrümziehendc Zauberer, Wunderthäter und Goldmacher über. Magister, vollständig Hlsgist er artium Iikersiium, eine akademische Würde dn philosophischen Facultät, die sich aus den ältesten Zeiten der Errichtung der Universitäten herschreibt, wo man das später ausgebildete Facultätswesen noch nicht kannte und am wenigsten an die drei höher« Facultäten der Theologie, Jurisprudenz und Medicin dachte. Den ganzen Kreis der akademischen Thätigkeit auf die sieben freien Künste beschränkend, nannte,man die Lehrer derselben Artisten, die ganze Lehrerversammlung artistische Facultät und Diejenigen, welche nach Beendigung ihres Studiencurses wegen ihres Fleißes und ihrer Kenntnisse öffentlich ausgezeichnet werden sollten und bereits den Grad eines Bacca- laureus (s. d.) erlangt hatten, iÜüAistrns srtium, d. h. Lehrer oder Meister der freie» Künste. Das Jahr derEnkstehung dieserWürde läßt sich nicht bestimmen; schon im 12 .und 1 3.Jahrh. stand sie in Frankreich in so großerAchtung,daß selbst die angesehensten Männer sich um dieselbe bewarben. Später sank sie in ihrem Ansehen durch Einführung der Facultätsverhalt- nisse, durch die große Vermehrung der Universitäten und durch manche dabei eingcriffene Magister equitum Magistratus 227 Misbräuche. Nichtsdestoweniger behauptete sie auf den meisten Universitäten als die ältere akademische Würde den ersten Vorrang unter den akademischen Würden und wird als eine Grundbedingung gefedert vonDem,der akademische Vorlesungen halten (Nsgigtor >egens)und akademische Ämter und Würden bekleiden und erlangen will. Auf einigenUni- verfftäten ist mit dem Magistertitel zugleich der Titel als Doctor der Philosophie verbunden, wie z. B. in Leipzig, während andere, wie z. B. Jena, den Doctortitel allein verleihen und den Magistettitel nur Denen geben, die wirklich Vorlesungen halten. Die Leiweitem größere Zahl von Magistern haben die Universitäten zu Leipzig und Wittenberg creirt, weshalb man früher auch Sachsen das Land der Magister nannte, und die in Leipzig bei der Promotion jedesmal erscheinenden sogenannten Panegyrici mit den Lebensbeschreibungen der Promovirten sind in ihrer langen Reihe eine vortreffliche Quelle für die Litcrarge- schichte. Als zu Ende des 18. Jahrh. in der allgemeinen Meinung der Doctortitel höher gestellt wurde, als der Magistertitel, der namentlich durch die Promotionen in Wittenberg und Erfurt sich zu häufig machte, fing ein Theil der zugleich zu Doctoren der Philosophie mitten Magister an, sich des erstem Titels zu bedienen, worüber viel Streit entstand, der sich auch wieder erneuerte, als dies, mit Ausnahme der Prediger und der Candidaten in Sachsen, allgemein Sitte wurde. Magister equitum hieß bei den Römern derjenige außerordentliche Magistrat, der als Befehlshaber der Reiterei und überhaupt als Gehülfe zunächst unter dem Dicta- tor (s. d.) stand, der ihn gewöhnlich selbst, unmittelbar nach seiner eignen Ernennung, erwählte, in einzelnen Fällen auch vom Senate beigegeben erhielt. (S. Magistratus.) Er hatte vermuthlich gleiche Insignien mit den Prätoren, namentlich wie diese sechs Lictoren. A»Ki8ler Irm11ie8en8 heißt in der Geometrie, unstreitig seiner besondern Wichtigkeit wegen, der Lehrsatz des Pythagoras (s. d.), daß in einem rechtwinkligen Dreieck das Quadrat der Hypothenuse den Quadraten der Katheten gleich sei. Magisterium, ein sonst mehr als jetzt in der Pharmacie gebräuchlicher Ausdruck, bedeutet so viel als Niederschlag (s. d.). Jetzt nennt man fast nur noch das basisch-sal- petersaure Wismuthoxyd Llagisterium Lismulbi (s. W ismuth). Über das Große und das Kleine Magisterium s. Alchemie. Magisträtus bezeichnet! bei den Römern ebensowol das obrigkeitliche Amt, als die Person, welche dasselbe bekleidete. Die Macht, welche jedem Magistrat dem Wesen seines Amte- gemäß zukam, hieß pvtestar; ein Imperium als höchste befehlende und ausfüh- rmde Gewalt war nur mit den höchsten Magistraten verbunden. (S. Imp erium.) Wie schon in der ältesten Zeit, 75-1 — 599 v. Ehr., die Wahl des höchsten Magistrats, des Königs oder Rex (s. d.) durch das Volk vollzogen und ihm danach ebenfalls von diesem das Imperium gewährt wurde, so galt es auch während der Republik, 599 — 31 v. Ehr., als Grundsatz, von welchem nur denn Dicta tor (s. d.) und seinem Magister equitum (s-d.), sowie bei denJnterreges (s.Jnterrex)Ausnahmen stalrfanden, daß dem in Comi- tie n (s. d.) versammelten Volke, als von dem alle Staatsgewalt ausgehe, die Wahl aller wirklichen Magistrate zukomme und daß diese ihre Gewalt von dem Volke, dem daher auch das höchst selten ausgeübte Recht, auf Antrag des Senats die Absetzung zu verfügen, zu- stand, empfingen, wenn auch die Übertragung des Imperium als ein besondrer Act allmälig blose Formalität wurde. An die Stelle des auf Lebenszeit gewählten Rex, für den im Fall einer Abwesenheit ein praekectus nrki (s. Präfect en), im Fall des Todes bis zu neuer Wahl Interreges eintraten, und Neben dem sich auch Quästoren (s. d.), Parricidii für einzelne Gerichtsfälle, sowie Tribunen, Curionen, Decurionen als Vorsteher der alten Tribus (s-d.) und ihrer Unterabtheilungen finden, traten nach Vertreibung des Tarquinius Superbus zwei für ein Jahr gewählte Co nsuln (s. d.). Sie standen an der Spitze der ganzen Staatsverwaltung und ihre Reihe wurde nur in der ältern Zeit, da die Republik noch in dem Streit der Stände schwankte, das eine Mal, 151-1-19, durch die für Gesetzgebung erwählten Decemviri (s. d.), sodann durch die Kriegstribunen (s. Tribunen) mit con- sularischer Gewalt, die in den 1.111—376 häufig statt der Consuln gewäblt wurden, unterbrochen. Mit der Entwickelung des Staats mehrte sich die Anzahl der Magistrate; schon 15* 228 Magistratus im'J. 509 wurden Quästoren (s. d.) des Staatsschatzes erwählt, 49» plebejische Tri. bune» (s. d.) und Ädilen (s.d.), 443 Tensoren (s. d.) als eigner Magistrat, 36? der erste Prätor (s. d.) und die ersten curulischen Adilen. Noch gehörten zu den ordentlichen Magistraten die triumviri c»pit»I«s und mniictales ss. Triumvirn), die üe- cemvirl lilibii» jiiäicanciis , die Quatuorviri zur Sorge für die städtischen, die Duum- viri für die außerstädtischen Straßen und die vier Präfecti, die in campanische Städte für die Rechtspflege geschickt wurden, sämmtlich unter dem Namen Bigintisexviri, später, alt die beiden letztgenannten Arten wegfielen, Vigintiviri begriffen. Außerordentliche Magi strate, wie sie besondere Verhältnisse desStaats, oder dieSorge für vorübergehende Bedürf. nisse nöthig machten, waren die aus der Königszeit hcrübergenommenen Jnterreges, dn Dictator und Magister equitum, zuerst 591 gewählt, die Iriumviri reipubliese conrti tuen«1ue nach Cäsar's Tode, der praefcctiis nrdi ksriarnm latinarum causa, die Du um- viri (s.d.)navales und Andere. Die Römer unterschieden zwischen maßistratus populi u^ xlebis, von dem alten Gegensatz zwischen Populus und Plebs (s.d.)her,und zu den lchier«. den Tribunen und plebejischen Adilen, blieb plebejischer Stand Erfoderniß, auch nachdm die erster» längst aufgehört hatten, patrizisches Eigenthum zu sein; ferner zwischen maxi Stratus msjvrcs und minores nach dem Gewicht, welches dieAuspicien hatten, zudem Anstellung sie berechtigt waren und wonach jene selbst in auspicia maxima und wmm zerfielen, sodaß zu den erster», abgesehen von den höher» außerordentlichen Magistraten,M die Consuln, Tensoren und Prätoren gehörten; endlich waren durch das Ehrenrecht dl! elfenbeinernen curulischen Stuhls die magistratus curnles ausgezeichnet, zu denen diepü- befischen Magistrate, die Quästoren u. s. w. nicht gehörten. Die Dauer der Amtsführung war bei allen ordentlichen Magistraten auf ein Jahr, nur bei den Tensoren erst auf fünf, dann auf anderthalb beschränkt. Die Rechenschaft, die nach Niederlegung des Ami! nächst dem vor dem Volke zu leistenden Schwure, die Gesetze erfüllt zu haben, dem S«,. als der beaufsichtigenden Behörde, abzulegen war, und die Möglichkeit der Anklage eim abgegangenen Magistrats vor dem Volk, gewährten Sicherung gegen willkürlichen M> brauch der Amtsgewalt. Ebendahin wirkte die Einrichtung, daß die Verwaltung eines und desselben Magistratus immer zu gleicher Zeit mehren Personen zugetheilt war und düs! Kollegen ein gegenseitiges hemmendes Einspruchsrecht (jus intercecienäi) hatten, d« auch, obwol jeder Magistrat unabhängig von den andern in seinem Amte verfuhr, dem hi- Hern Magistrat gegen den niedern, den Tribunen der Plebs aber gegen alle Magistrat zustand. Dem einzelnen Bürger aber gab die Appellation an jene Tribunen und die dmä diese leichter zu vermittelnde Provocation an das Volk einen Schutz gegen die Magistrat!, der durch Gesetze, wie die Valerischen, die Porcischen, durch welche den Magistraten du Anwendung von Leibes- und Lebensstrafen verboten war, und das Sempronische, geschim wurde, und nur gegen das imperium miiitsrc nicht galt. Eine Reihenfolge der Ehrenstlü len oder Uonores, wonach man erst nach dem niedern das höhere Amt bekleiden kennt!, rvar von alter Zeit herkömmlich, aber erst durch Sulla gesetzlich; auch die Federung eim! gewissen Alters für die Bekleidung der einzelnen Ehrenstellen wurde erst spät durch dü Villia vom I. 189, die daher ^nnslis genannt wird, gesetzlich. Sie verlangte für dil Quästur die Erreichung des 31., für die Ädilität des 37., für die Prätur des 49., für da! Consulat des 43.Lebensjahrs; in beiden Hinsichten fanden aber Ausnahmen wie vomHu> kommen, so vom Gesetz häufig statt. Das plebejische Tribunat lag zwischen der Quast« und Prätur; die Censur pflegte gewöhnlich gewesenen Consuln übertragen zu werde«. > Besoldungen der Magistrate gab es nicht, aber der Staat sorgte für die Ausstattung de! Magistrats mit dem Röthigen und mit dem gebührenden Glanz, und für die Besoldung der Diener (sppsritores), zu welchen die scribae als das Expeditionspersonal, die Li cto> ren (s. d.), die vistvres oder Boten, die praecvnes oder Ausrufer u. s. w. gehörten, und die Verwaltung der Provinzen (s. d.) bot in der später» Zeit den abgegangenen höher« Magistraten, denen sie übertragen wurde, die Mittel reichlicher Entschädigung. Zn du Kaiserzeit war die höchste Staatsgewalt factisch bei dem Kaiser, Princeps (s- d.), du ' jedoch selbst zunächst als oberster, lebenslänglicher Magistrat zu betrachten ist, indem theR in seiner Gewalt die Gewalten republikanischer Magistrate, das Imperium der Consim und und V°l der! ser > mit Ma das men Vol altr neu, (,'( dale weh vigi sond repr eine Der hau dies, am was Na< und nack thek dem ters Hera tige dien 171 chee svgl mel alt, unt den seit Ta nä, He M hie D ser ein gr> Magliabecchi Magnäanisches Institut 229 und Proconsuln (s. Imperator) und die Macht der Censore» und Tribunen, vereinigt und ihm anfangs durch einzelne Gesetze, dann durch ein Senatusconsult in Form eines Volksbeschlusses (die sogenannte lex imperio oder lex regia) übertragen wurden, theils der Senat zu seiner Wahl berechtigt sein sollte, der darin freilich sowol durch die dem Kaiser überlassene Designation seines Nachfolgers, als auch sehr bald durch den Nachdruck, mit dem das Heer sein Verlangen zu unterstützen vermochte, beschränkt war. Die übrigen Magistrate der Kaiserzeit schied man, da jetzt neben dem Princeps doch auch noch immer das eigentlich durch den Senat vertretene römische Volk (popnlus romsnus) als theilneh- mend an der Regierungßgewalt angesehen wurde, zwischen Magistratus des römischen Volks (populi romani) und Magistratus des Kaisers (prineipis). Für die erster» blieben die altrepublikanischen Namen, doch hörten die Censoren bald auf und zu den nieder» kamen neue hinzu; ihre Wahl wurde, sodaß dem Volke nur ein Schein der Mitwirkung blieb (sComitien), dem Senat zugetheilt, der jedoch die vom Kaiser vorgeschlagenen Candi- dalen nicht unberücksichtigt lassen durfte und offenbarer Eingriffe des Kaisers sich nicht erwehren konnte; die Magistrate des Kaisers, der prsetectus urbi, die praelecti prsetorio, vigilum, simonae, nerarii (s. Präfekten) wurden von dem Kaiser unmittelbar ernannt. Seit Diocletian und Konstantin war der Kaiser auch der Form nach nicht mehr Magistrat, sondern unbeschränkter Herr, von dem eine große Zahl von Beamten abhing; die alten republikanischen Magistrate erhielten sich dem Namen nach zum Theil noch lange, ohne eine eigentliche Bedeutung für den Staat. — In neuern Zeiten bezeichnet Magistrat in Deutschland die Gesammtheit städtischer Verwaltungsbehörden. In England werden hauptsächlich die Friedensrichter und folgeweise die obcrn Policeibeamten der Städte mit diesem Ausdrucke bezeichnet; in Frankreich hingegen versteht man unter der magistralure das Richterpcrsonal mir Einschluß der Staatsanwalte. Magliabecchi (Antonio), einer der größten Literatoren seiner Zeit, geb. zu Florenz am 28. Oct. >633, kam nach dem Tode seines Vaters zu einem Goldschmied in die Lehre, was aber seiner angeborenen Neigung für die Literatur keinen Eintrag zu thun vermochte. Nach dem Tode seiner Mutter widmete er sich seit >673 ganz dem Studium der Sprachen und der schönen Literatur, wobei ihn vorzüglich Michael Ermini unterstützte, dessen Amtsnachfolger alsBibliothekar an der vom Großherzog Cosmus III. in Florenz errichteten Biblio- thek er wurde. Bei ununterbrochenemFleiße und einem außerordentlichen Gedächtnisse, von dem man wahrcWundererzählt,hatteersicheineMassevonKenntnissen erworben. DerPa- ter Finardi brachte nicht ohne Wahrheit der Beziehung aus seinem Namen das Anagramm heraus: 1s umis bibliotkeca msgna. Seine Bereitwilligkeit, Einheimischen und Auswärtigen mit den Schätzen sowol seiner eignen, als auch der ihm anvertrauten Bibliothek zu dienen, kannte keine Grenzen. Unter den Büchern gleichsam vergraben starb er am 4. Juli 17 >4. Seine ebenso zahlreiche als schätzbare Bibliothek und sein ganzes Vermögen, welches er zur Vermehrung der Bibliothek bestimmte, vermachte er dem Großherzoge. Diese sogenannte Magliabecchi'sche Bibliothek wurde später durch andere Sammlungen vermehrt und zum öffentlichen Gebrauche bestimmt und ist besonders der Handschriften und alten Drucke wegen berühmt. Ein Katalog derselben erschien zu Florenz 1763. M. hat nichts unter seinem Namen drucken lassen, aber zu vielen Büchern, z.B. den „^ctis ssnctorum", dem Werke des Cardinal Bona „vc liturgiis", die wichtigsten Beiträge geliefert, auch mehre seltene Werke wieder drucken lassen. Von den zahlreichen an ihn geschriebenen Briefen gab Targioni eine Sammlung (Flor. >745 fg.) heraus. A. F. Marini beschrieb sein Leben. Magnäanisches Institut heißt die durch ein Legat des Professors Arnas Mag- näus, eines gelehrten Isländers (geb. 1663), in Kopenhagen begründete Stiftung zur Herausgabe iSländ. Manuskripte. Die höchst schätzbare Handschristensammlung, welche Magnäus auf Island, wo er eine Reihe von Jahren als königlicher Commissar sich aufhielt, zusammenbrachte, wurde zwar durch den großen Brand Kopenhagens 1728 um zwei Drittheile vermindert, doch ist der übrige Drittheil noch immer die größte Sammlung dieser Art. Die Stiftung erhielt 1766 die königliche Confirmation und wird seit 1772 durch eine eigne Commission verwaltet. Durch die Bemühungen derselben sind seitdem, außer der großen Ausgabe der altern Edda, viele Sagen, Kirchen- und weltliche Gesetzbücher mit 230 Mgiia eiiilrt» lat. Übersetzung, Anmerkungen, Glossarien, Facsinulicn u. s. w. hcrausgcgebcn, auch An- dere in der Herausgabe ähnlicher Werke unterstützt worden. Gegenwärtig sind ein Auszuz der isländ. Annalen des Mittelalters und ein Gesetzbuch für Island aus dem >3. Jahrh. (äuinsitlkl) im Druck; eine Ausgabe von Snorro Stnrlcsön's „Edda" (der jüngern) mit der Fortsetzung derselben, „Skalda", wird zum Druck vorbereitet. Nll^urt eluttlit (tke greut cbsrtcr) heißt in England der >215 dem Könige I». Hann ohne Land (s. d.) von Adel und Geistlichkeit abgenöthigte, für die Begründung und Entwickelung des engl. Staatsrechts höchst wichtigeLandesgrundvertrag. Schon Hein- rich I., der l I 00 die Thronrechte seines Bruders usurpirte, suchte seine Krone durch die Er- theilung eines Freiheitsbriefes, durch die (Aorta Illiertotum, zu befestigen. Diese Urkunde bestätigte die angelsächs., angeblich von Eduard dem Bekenner gesammelten Nechtsstame (common lav) mit den von Wilhelm dem Eroberer gemachten Veränderungen, versprach die Acktung vor den Freiheiten und Gütern der Kirche, ordnete die Feudalverhältnisse, mä- ßigte die Lehndienste, besonders der Untervasallen, und gewährte der Stadt London grosi Privilegien. Auch die Könige Stephan und Heinrich >1., deren T.hronrecht zweifelhaft war, verbrieften freiwillig l >35 und l > 5-i die Zugeständnisse ihres Vorgängers. Dagegen »er- anlaßte die schmachvolle Negierung Johann's ohne Land den Adel und die Geistlichkeit, demselben die Bestätigung der Nationalfreiheiten mit gewaffneter Hand abzudringm, Nach dreitägiger Unterhandlung auf der großen Wiese Nuningmede bei Windsor wußte er am 19. Juni 1 2 l 5 den neuen Freiheitsbrief, die -kagno ckortg, unterschreiben. Die Ur> künde bekräftigte in 60 Artikeln die Gesetze Eduard's, die Veränderungen Wilhelm'-1, die (Aorta libertatum und bewilligte überdies zeitgemäße Erweiterungen und Reformen, Die Geistlichkeit war darin am besten bedacht,, und erhielt unter Andern, gänzliche Bo freiung von weltlicher Gerichtsbarkeit. Die Lehnsverhältnisse wurden bedeutend gemildert Die Barone sollten nur ein mäßiges, festgesetztes Lehngeld an den König bezahlen, komu ten nun ihre Erbtöchter und überhaupt ihre Kinder nach Gutdünken vermählen und hatten der Krone nur in drei bestimmten Fällen sogenannte Nothsteuern zu entrichten. Auch »er- pflichtete sich der König, die Lehnhülfeu und außerordentlichen Steuern nur dann zu erho den, wenn ihm dieselben von Adel und Geistlichkeit auf den Neichsversammlungen wäre! bewilligt worden. Die Städte erhielten unentgeltliche Bestätigung ihrer Privilegien, Bo freiung von ungesetzlichen Lasten und Handelsfreiheit. Außer diesen besondern Freiheit»! gewährte die Nagnacliarta auch allgemeine Vortheile. Kein Freier sollte mehr ohne Urthal und Landrecht bestraft und verfolgt werden; auch wurde die ausgedehnte Gerichtsbarkeit der königlichen Bannforste manchen Beschränkungen unterworfen. Der König verzichtet! auf die Gelder, die seinem obersten Gerichtshöfe in der Form von Sporteln für günstige Urtheile gezahlt wurden. Die Ausländer erhielten das Recht, freien Handel in England zu treiben. Durch das ganzeLand sollte fortan einerleiMaß und Gewicht gelten. Endlich verpflichtete sich der König, die fremden Miethstruppen abzuschaffen. Tämmtliche Zugeständnisse gingen im Grunde nicht über die Rechte und Bedürfnisse des Feudalstaats, und doch lag in diesen verbrieften Rechten der Keim zu den großen cynstitutionellen Freiheiten del Landes. König Johann schon trachtete den Vertrag kraft der Lossprechung des PapsteS zu drecken und starb darüber im Kamtzfe mit der Nation. Sein Sohn Heinrich lll. sah steh in der Finanznoth gezwungen, die Freiheiten der lUa^ua cbarta durch eine neue, 3 7 Artikel enthaltende Urkunde vom l I. Febr. 1225 zu bestätigen. An demselben Tage ertheilte er auck einen zweiten Freiheitsbrief, die (Asrts dieberei stand, in Geld - und Gefängnißstrafe. Heinrich lll. brach die Frei- heitsbriefe öfters und mußte dieselben zur Erlangung von Subsidien sieben Mal bestätigen. Der Umliand, daß die Einkünfte des Feudalstaats zur Bestreitung der Bedürfnisse der Krone nicht mehr hinreichten, und daneben die Bestimmung der Alagua cllsrts, daß die Magnaten Magnesia 231 Erhebung vonSubsidien an die Einwilligung eines geldarmen Adels und einer habsüchtigen Geistlichkeit geknüpft war, führten sehr bald zu noch bedeutenderen Erweiterungen der Nationalfreiheiten. Eduard I.ertheilte nämlich den Grafschaften und Städten, in deren Händen die Reichthümer des Landes lagen, das förmliche Recht, Abgeordnete ruf die Rcichsversamm- langen oder Parlamente zu schicken. Diese sogenannten Gemeinen, deren Bedeutung und Macht mit demNeichthum ihrcrCommittcnten stieg, erzwangen schon 1297 zurLlagnaekarts den Zusatz, daß zur Erhebung von Steuern ganz besonders auch ihre Einwilligung gehöre. Zu- gleich mußte Eduard l. die beiden Freiheitsbricfe bestätigen und dieBestätigung im Apr. 130V wiederholen. Die Ausbildung der Deputation des dritten Standes zum förmlichen Unterhause während der langen Negierung Eduard's III. verlieh den verbrieften Nationalrechten nun vollends Bestand und Wirksamkeit. Eduard III. mußte, um Geld zu erhalten, dem Parlamente die blsgna cllurts ungefähr zwanzig Mal bestätigen. Wenn auch im Laufe der Zeit alle übrigen Freiheiten der 5kagna ck-u-ta ihren Werth verloren, so blieb sie doch als das älteste, unzweideutigste Zeugniß des Steuerbewilligungsrechtes die Grundlage der öffentlichen Freiheiten und der Verfassung. Selbst die despotischen Fürsten des Hauses Tu- dor wagten nicht, dieses Recht und die Autorität, auf die es sich stützte, in Zweifel zu ziehen. Aus diesem Grunde war der Unwille der Nation so tief, als später die Stuarts in ihrem Dünkel von der Schrankenlosigkeit königlicher Gewalt das Steuerbewilligungsrecht des Parlaments umgingen und so den Grundvertrag brachen. Zwar gab Karl l. in Folge der ihm vom Parlament überreichten Beschwerdeschrift, kstitiou ok rigbt, in welcher die Erneuerung der Älsgn» «bsrta mit zeitgemäßen Erweiterungen verlangt wurde, nach und bestätigte am 7. Juni >628 die Nationalfreiheitcn, fuhr aber dessenungeachtet in der willkürlichen Besteuerung fort und stürzte endlich Thron und Volk in den Abgrund der Revolution. Wiewol die >lagna cbarta noch gegenwärtig nicht aufgehoben ist, so kann man dieselbe doch kaum mehr als die Urkunde des Vertrags zwischen Volk und König ansehen. Nach der Revolution von 1088 nämlich überreichte das Parlament dem KönigeWilhelm Ill. die sogenannte Erklärung der Rechte (Oeclai-ötion okrigllts), welche derselbe mit seiner Erhebung auf den Thron anerkannte. Diese Acte enthielt die wesentlichen Bestimmungen, auf welche sich jetzt die constitutionellen Rechte der brit. Nation stützen. Die )lugrm cburta ist ursprünglich lat. abgefaßt; sie wurde 1507 zum ersten Mal und seitdem sehr oft gedruckt. Die Kopien, welche ältere Gcschichtswerke mittheilcn, sind sehr fehlerhaft und inker« polirt. Die beste Ausgabe liefert Blackstone in „ Dke great clmrter sock cliarker ok tke korest" (Oxf. 1753) und in seine» „Dracts relsting to antiguities »nck law» ok Lnglanck" (2 Bde., Oxf. 1762). Magnaten (lat. magna- n-iti) heißen in Ungarn die vornehmsten adeligen Geschlechter, die Neichsbarone, die zufolge ihrer Geburt an der Vertretung des Landes Theil haben und sich zu diesem Behufe in Person in einer besondern Kammer (Magnatentafel) versammeln. Dazu gehören der Palatin, der Reichs- und Hofrichter (j»«1ex cnrise), der Ban von Kroatien, Slawonien und Dalmatien, der Schahmeister und die höchsten Hofbeamten; ferner alle Grafen und Freiherren. (S. Ungarn.) In Polen begreift man unter dem Namen der Magnaten die geistlichen und weltlichen Senatoren oder Neichsräthe und den hohen Adel. Magnes hieß der Sohn des Äolus und der Enarcte, der von einer Najade Vater des Polydektes und Diktys wurde; ferner der Sohn des ArgoS und der Perimele, nach dem ein Theil Thessaliens Magnesia (s. d.) genannt wurde. Magnesia ist in reinem Zustande ein feines, weißes, geschmack» und geruchloses Pulver, welches in Wasser unauflöslich ist, in Säuren jedoch sich auflost und Salze darstellt, welche einen auffallend bitter» Geschmack haben. Aus letzterm Grunde nennt man die Magnesia auch Bitter erde, sowie sie auch Ta lke rd e heißt, weil sie sich häufig im Talk (s. d.) findet. Sie besteht aus dem im I. 1808 von Davy (s. d.) entdeckten, metallischen Magnesium und Sauerstoff, wird in der Natur nie rein, sondern nur mit Wasser verbunden oder in verschiedenen Salzverbindungen gefunden und aus diesen auf verschiedene Art dargcstellt. Man wendet sie bei manchen technischen Arbeiten und in der Medicin an. Hier braucht man die kohlensaure (magnesia carbonica ». alb») und die aus ihr gewonnene reine Magnesia (magnesis nst») als säuretilgendes, dir schwefelsaure (s. Bitrer« 233 Magnesia Magnet sal,) als abführendes und die schwefelwasserstoffsaure (mugriosi» sulplmrsta) als ein den L chwefellebern (s. d.) überhaupt analog wirkendes Mittel. Magnesia, eine lydische Stadt am Sipylus in Kleinasien, ist berühmt durch den Lieg der Römer unter Scipio über Antio chus III. (s. d.) von Syrien im J. >90 v. Ehr. Sie ist das jetzige Man issa inNatolien, das gegen-10000 E. zählt, worunter >5000 Griechen, und wegen seines schönen Tulpenflors und Safranbaus im Rufe steht. — Ein anderes Magnesia in Karien, am nördlichen Ufer des Mäander, das jetzige Guzulhissar in Natolien, mit 30000 E. und vielen Fabriken, zeigt noch merkwürdige Ruinen eines ini Al- terthume berühmten Dianentempels. — Auch im alten Thessalien gab es eine Landschaft Magnesia mit der Hauptstadt gleiches Namens. Magnet nennt man jeden Körper, welcher die Eigenschaft hat, Eisen dauernd, d.h. ohne daß ein freiwilliger Übergang in Abstoßung stattfindet, anzuziehen und, in Form eines Stabes frei drehbar aufgehangen oder aufgestellt, von selbst eine solche Stellung anzunehmen, daß das eine Ende nach Norden, das andere nach Süden weist. Es gibt zwei natürlich vorkommende Verbindungen des Eisens, den Magneteisenstein (natürliches Eisenoxydoxydul) und die demselben entsprechende Schwefelverbindung, den Magnetkies, welche schon von Natur magnetisch sind, d.h. Eisenfeilspäne anziehen. Außerdem sind > Schmiedeisen (nicht Gußeisen) und Stahl, ferner Eisenoxydul und die demselben entsprechende Schwefelverbindung, endlich Nickel, Kobalt und Chrom (sämmtlich Metalle, die in Meteorsteinen Vorkommen) des Magnetismus fähig; indessen praktisch nur Eisen und Stahl von Wichtigkeit. Um die Art zu verstehen, wie nichtmagnetisches Eisen magnetisch , werden kann, ist die Kenntniß der Polaritätserscheinungen am Magneten nöthig. Nennt man das Ende eines stabförmigen Magneten, welches derselbe bei freier Aufhängung nach Norden kehrt, den Nordpol, das andere den Südpol, so findet man zwar, daß beide Pole indifferentes Eisen gleich stark anziehen oder von ihm gleich stark abgelenkt werden; nähert man aber statt dessen einen andern Magnetstab, so ergibt sich, daß die beiden Nordpole und die beiden Südpole sich abstoßen, die ungleichnamigen Pole aber sich anziehen, eine Erscheinung, welche mit der elektrischen Anziehung bis auf den Umstand übereinkommt, .daß hier die Anziehung eine dauernde, durch keine Ausgleichung bei der Berührung sich endigende ist. (S. Elektricität.) Man kann also in einem Magneten einen Süd- und einen Nord- magnetismuS annehmen, welche sich aber in einem Zustande dauernder Vertheilung finden, während im gewöhnlichen Eisen und Stahl beide Magnetismen gegenseitig gebunden sind. Daher können Eisen und Stahl durch Vertheilung magnetisch werden >) blos dadurch, daß man sie in Berührung oder große Nähe eines Magneten bringt. Der Anker eines Magneten wird selbst auf die Dauer seines Anhaftens zum Magneten mit entgegengesetzter Richtung der Pole; ein am Magneten hängender Eisenstab zieht mit seinem untern Ende wieder leichtere Eisentheile an. Hierher gehört auch, daß ein Eisensiab, welcher längere Zeit in gleicher Lage gegen die Erde bleibt, von selbst magnetisch wird und zwar auf unserer Hemisphäre so, daß das der Erde nächste Ende zum Nordpol wird. Es ergibt sich nämlich aus der Eigenschaft der Magnetnadel, daß die Erde selbst als ein großer Magnet betrachtet werden kann, dessen Südpol in der Nähe des geographischen Nordpols liegt. 2) Indem man stabförmige Eisen - oder Stahlkörper vom Mittelpunkte nach den Enden zu, ohne je rückwärts zu streichen, mit den Polen eines kräftigen Magneten streicht, werden sie selbst zum Magneten. Diese Methode ist die üblichste und beste, um dauernde und kräftige Stahlmagneten zu erzeugen. Man unterscheidet dabei den einfachen und doppelten Strich und r, cs kommt auf manche praktische Vortheile bei der Ausführung an- 3) Wenn man um einen Stab weichen Eisens eine Kupferdrahtspirale mit isolirten Windungen legt und durch diese einen elektrischen Strom gehen läßt, so wird der Stab auf die Dauer des Stromes selbst zum Magneten, dessen Nordpol rechts von der Richtung des Stromes liegt und dessen Stärke von der Stärke des Stromes abhängt. Durch letztere Erscheinung ist die Vereinigung des Magnetismus mit der Elektricität gegeben, obgleich weitere Forschungen die Art dieses Zusammenhanges erst noch zur Evidenz bringen sollen. (S. Elektromagnetismus.) Im Zusammenhänge damit steht wol mich das Magnckischwerden von Nadeln, welche man längere Zeit der Bestrahlung durch violettes Licht aussetzt. Während die zuerst Magnet 233 und oic zuletzt angeführte Art der Erregung nur Magneten geben, die ihren Magnetismus bald nach Aufhören der wirkenden Ursache wieder verlieren, erzeugt das Streichen dauernde Magneten. Dabei findet der Unterschied statt, daß Schmiedeisen den Magnetismus schnell annimmt und schnell verliert, Stahl aber sich entgegengesetzt verhält, weshalb Schmiedeisen hauptsächlich zu Elektromagneten, Stahl zu Streichmagneten paßt. Auch Letztere halten indeß den Magnet nicht unbedingt fest; durch starke Erschütterungen und Temperaturwechsel, durch Ausglühen geht der Magnet verloren und auch ohne diese Einwirkungen schwächt er sich, wenn man nicht die Anziehungskraft des Magneten durch einen vorgelegten Anker (ein Stück Schmiedeisen) stets in Thätigkeit hält; man kann sogar durch allmäligc Vermehrung der angehängten Gewichte die Tragkraft vermehren. Kommt es vorzüglich darauf an, die anziehende Kraft des Magneten zu zeigen oder zu benutzen, ohne Unterscheidung der Pole, so bedient man sich hufeisenförmig gebogener Magneten, bei denen der Zndifferenzpunkt in der Mitte der Biegung liegt, beide Pose aber so in einer Ebene, daß man durch einen quer vorgelegten Anker die Anziehungskraft beider benutzt. Solcher hufeisenförmiger Lamellen kann man eine ganze Anzahl übereinander legen (magnetische Batterie); man läßt dann die Pole der mittelsten Lamelle etwas vorstehen und hat an ihnen eine Wirkung, welche der Summe der Kräfte aller einzelnen Lamellen gleich ist. Oben und unten fügt man dann wol, als sogenannte Armirung, um den Magnet besser zusammenzuhalten, gewöhnliche schmiedeiserne Lamellen an. Auch die Magneten, deren man sich zu Erregung elektrischer Ströme bedient (s. Magnetoelektri.cität), pflegen Hufeisenmagneten zu sein. So groß die Tragkraft mancher natürlicher Magneten und künstlich erzeugter Streichmagneten sein mag, so wird sie doch von der Anziehungskraft beiweitem übertroffen, welche man durch starke Ströme in Elektromagneten zu entwickeln vermag; daher sich auch alle Versuche der-neuern Zeit, magnetische Anziehung als Beweg- krast zu benutzen, nur auf Elektromagncte beziehen. Will man an dem Magneten die verschiedenen Eigenschaften der Pole benutzen, so ist die Stabform die beste, wobei beide Pole am weitesten auseinander liegen. Wird ein solcher Stab an einem Faden freischwebend aufgehangen, oder auf eine Spitze drehbar aufgelegt, so dient er theils zu leichtester Erkennung der magnetischen Polaritäten, wo sic Vorkommen mögen, theils auch, und so wird er in der Mineralogie verwendet, zu Erkennung eines Gehaltes der Mineralien an metallischem Eisen oder magnetischen Eisenverbindungen. Eine besondere Form solcher frei drehbarer Magnetstäbe ist die Magnetnadel (s. d.). Die Beobachtungen dieses letzter» Instruments haben aus eine höchst interessante Elaste von Erscheinungen geführt, die man als tellurischcn oder Erdmagnetismus zusammenfaßt. Daraus nämlich, daß die Magnetnadel an verschiedenen Orten der Erde sowol in der Kori- zontalebene von der genau nördlichen Richtung, als in der Verticalebene von der völlig horizontalen Stellung mehr oder minder abweicht, hat man zunächst geschlossen, daß die Erde selbst als ein Magnet, oder eine Combination zweier sich unter sehr spitzen Winkeln kreuzender Magneten angesehen werden könne. Tägliche Schwankungen der Magnetnadel und andere Beobachtungen führen darauf, daß die Intensität des Erdmagnetismus an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten ungleich sein müsse, und endlich lassen die Affeclionen, welche die Magnetnadel durch Nordlichter und andere Erscheinungen erfährt, auf einen Zusammenhang dieser Dinge mit dem Erdmagnetismus oder der Elektricität schließen. Die Beobachtungen, durchweiche alle diese Beziehungen zu erörtern sind, erfo- dern besonders eingerichtete Instrumente und Apparate, und Räume (magnetische Observatorien), in denen störender Einfluß naher Eisentheile und rascher Temperaturwechsel vermieden sind. Zugleich aber ist nöthig, daß solche Beobachtungen gleichzeitig an sehr verschiedenen Punkten der Erde angestellt werden. In beiden Beziehungen hat sich der durch die Regierungen fast überall kräftig unterstützte Magnetische Verein (s. d.) bereits der Wissenschaft sehr förderlich gezeigt. Technische Anwendungen hat der Magnetismus bis jetzt wenig gefunden, wenn wir von der für die Schiffahrt und die über - und unter- irdische Meßkunst überaus wichtigen Magnetnadel absehen. Zn Metallwcrkstätten bedient man sich hier und da der Magneten, um Eisensplitter aus den Augen u. s. w. zu ziehen, und in großen Schleifereien der magnetisirten Eisenmasken, um zu verhüten, daß der Eisen- 234 Magnetische Vereine Magnetismus staub ins Auge oder in die Luftwege gerathc. Ob der Elektromagnetismus, außer seiner te. legraphischen Anwendung (s. Telegraph) auch als Bewegkraft technische Benutzung finden werde, ist noch zu erwarten. Magnetische Vereine. Bei der Wahrnehmung, daß der Erdkörper selbst magnetische Erscheinungen darbiete (s. Magnet), welche theils in horizontalen und vertikalen Abweichungen derMagnetnadel, theils in Veränderungen in derStärke dieser Abweichungen bestehen, war es in wissenschaftlicher Beziehung höchst wichtig, über die Gleichzeitigkeit und relative Größe dieser Abweichungen in der Richtung und Neigung der Magnetnadel sowvl als in der Intensität des Erdmagnetismus an verschiedenen und möglichst vielen Punkten der Erde Beobachtungen zu haben, weil nur daraus eine sichere Theorie des Erdmagnekis- mus sich ableiten ließ. Dieses erkannte zuerst Alex, von Humboldt (s. d.), der >828i» Berlin das erste magnetische Observatorium einrichtete und Beobachter in Freiberg, Paris, Petersburg, Kasan, Nikolajew, Archangel, Liska und zwei Punkten Südamerikas und Asiens veranlaßke, jährlich an sieben bestimmten Tagen 24 Stunden lang stündlich mit Gambry'schcn Declinatorien (s. Magnetnadel) die Abweichung zu beobachten. Über diese Beobachtungen gab Dove in Poggendorff's „Annalen" von Zeit zu Zeit zusammenstellende Berichte. Allein der anfängliche Eifer hatte allmälig sebr nachgelassen, als Gauß (s. d.) und W. Weber (s.d.) in Göttingen ganz neue Methoden und Instrumente zur Messung der Intensität des Erdmagnetismus erfanden, dadurch ein neues Element für die Beobachtungen aufstellten und von >833 an in dem neuerrichteten magnetischen Observatorium zu Eötlingcn fortlaufend beobachteten. Die Resultate ihrer erste» Beobachtungen waren so überraschend, daß sich >834—36 ein neuer Magnetischer Verein mit Göttingen als Centralpunkt bildete, dem bereits 1836 Altona, Augsburg, Berlin, Bonn, Braunschweig, Breda, Breslau, Dublin, Freiberg, Göttingen, Greenwich, Halle, Hannover, Heidelberg, Kasan, Kassel, Kopenhagen, Krakau, Leipzig, Mailand, Marburg, München, Neapel, Petersburg, der Seebcrg bei Gotha und Upsala alsBeobachtungsorte angehörten. Alle diese Orte beobachteten mit Gauß'schen Instrumenten an sechs Tagen im Jahn (am letzten Sonnabend der ungeraden Monate) 24 Stunden lang, gleichzeitig nach mittlerer göttinger Zeit, alle fünf Minuten die Variationen der Magnetnadel und maßen außerdem die absolute Intensität. Die Beobachtungen wurden in einer seit 1837 regelmäßig erschienenen Jahresschrift „Resultate aus den Beobachtungen des Magnetischen Vereins" von Gauß und Weber veröffentlicht. Im I. >839 gab Gauß darin eine „Allgemeine Theorie des Erdmagnetismus", welche den Nutzen dieser Beobachtungen so schlagend erwies, daß die engl. Negierung und die Ostindische Compagnie feste magnetische Observatorien in St.-Helena, Montreal, auf dem Cap, inVandiemensland, Madras, Bombay und amHimalaja anlegen ließ; auch in Paris undAlgiergeschah neuerdings ein Gleiches und selbst die russ. Negierung errichtete Stationen inPetersburg, Barnaul, Katharinenburg und Ner- tschinsk. In Deutschland kam es erst später zu Prag, München und Leipzig zu festen Observatorien auf öffentliche Kosten. Gegenwärtig beobachtet man an allen genannten Orten nur viermal des Jahres 24 Stunden lang alle fünf Minuten die Variationen der Nadel und zugleich mit den neuesten Instrumenten von Weber auch die Variationen der Intensität. Dagegen sollen auf den festen Stationen drei Jahre lang alle zwei Stunden die Beobachtungen angestellt werden. So ist der Magnetische Verein ein in seiner Art einziges Beispiel von allgemeinem Zusammenwirken zu Lösung eines wissenschaftlichen Problems. Magnetismus nennt man die Kraft, welche dem Magneteisenstein (s. Magnet) und dem magnetisch gemachten Stahl inwohnt. Schon im Alterthume, wo der Magneteisenstein auch als innerliches Heilmittel gegeben wurde, und bei den arab. Ärzten finden wir die magnetische Kraft bei der Behandlung von Krankheiten angewendet, worauf dieselbe, nachdem sie lange Zeit in Vergessenheit gerathen, durch Paracelsus (s. d.) und dessen Nachfolger van Hclmont (s. d.), I. Agricola u. A. wieder zu ziemlicher Berühmtheit gelangte, dann wieder außer Gebrauch kam und erst im > 8. Jahrh. von Hell, Lenoble und Mesmer (s.d.) wieder in Anwendung gebracht wurde, denen.sich auch Keil, Laennec, Becker und einige andere Ärzte anschlossen. Da die magnetische Kraft in ihren verschiedenen Modificationen und Potenzen offenbar eine hohe Stelle unter den Naturkräften einnimmt, Magnetismus 235 auch Beispiele von Heilungen durch dieselbe wirklich sich Nachweisen lassen, so ist ihr therapeutischer Werth nicht zu bezweifeln, ihre Anwendung selbst jedoch selten, da die Art ihrer Wirkung noch durchaus nicht genug erörtert ist. Man wendet den Magnetismus so an, daß man Magneteisenstein oder magnetisirten Stahl entweder unmittelbar am Körper tragen läßt oder in der Nähe desselben anbringt und in manchen Fallen durch Eisen auf der entgegengesetzten Seite des Körpers eine magnetische Strömung vermittelt. Auch durch Berühren und Bestreichen mit einem Magnet hat man Heilungen versucht. Hauptsächlich scheint der Magnetismus bei Nervenleiden nützen zu können, die sich als Nervenschmerzen, Krämpfe, Fehler der Sinnesorgane, Lähmungen u. s. w. aussprechen. Man nennt diesen Magnetismus den mineralischen und stellt ihm den animalischen Magnetismus, auch Mesmerismus, Tellurismus, magnetischer Rapport, thierischer oder Lebensmagnetismus genannt, gegenüber, womit man eine Anzahl gewisser in einer Reihenfolge sich zeigender Erscheinungen bezeichnet, welche durch eine eigenthümliche Einwirkung eines Menschen auf einen andern willkürlich herbeigeführt werden können. Zieht man alle wunderbaren oder räthselhaften Heilungen von Krankheiten durch eigenthümliche Berührungen, Erhitzen der Phantasie, künstliches Einschläfern oder Aufregen der Nerventätigkeit, wie so viele aus der Vergangenheit erzählt werden, in das Gebiet des animalischen Magnetismus, so hat man ihn schon seit den ältesten Zeiten gekannt und nur nach Maßgabe der Eeistesrichtungen in den einzelnen Zeitperioden seinen Namen, nicht aber sein Wesen verändert. Das Händeauflegen, der Tempelschlaf, die Weihrauchopfer, Sympathie, Amulett und Alles, womit Schwärmerei, Mysticismus, Aberglaube und Magie zu allen Zeiten nicht nur zu heilen Vorgaben, sondern auch wirklich oft heilten, kann dann als zum thierischen Magnetismus gehörig betrachtet werden. Die eigentlicheGeschichte desselben beginnt jedoch erst mit Mesmer, welcher durch scineHeilversuche mit dem mineralischen Magnetismus auf den animalischen geleitet wurde und sowol seiner Heilmethode als der dabei wirksamen Kraft den Namen gab, den sie noch jetzt führen, nebenbei aber auch noch eine dieselben er- klärende Theorie aufstellte. Ging Mesmer schon selbst in dem Vertrauen zu der von ihm gepflegten magnetischen Kraft zu weit, so thaten dies noch mehr seine Anhänger, unter welche sich viele Betrüger mischten, sodaß es den Gegnern des Magnetismus nicht schwer wurde, ihrer Behauptung, das Ganze beruhe auf nichts als aufTäuschung, bei dem größten Theile des gebildeten Publicums Glauben zu verschaffen. Jndeß wurden doch die. Erscheinungen, welche bei Magnetisirten stattsinden sollten, nachdem die erste Aufregung verschwunden war, von unparteiischen, wissenschaftlich hochgebildeten Männern, unter denen wir nur Neil, Hufeland, Stieglitz, Heineken, Schelling, Döllinger, Brandts und Nees van Esenbeck erwähnen, wiederholten Prüfungen unterworfen, welche, obgleich die Gegenwart von Zweiflern die Kraft des Magnetismus hemmen soll, dennoch das Resultat lieferten, daß gewisse von den Magnetiseurs angegebene Erscheinungen an den Magnetisirten nicht nursich wirklich zeigten, und durch das dabei angewendeteVerfahrenhervorgebracht wurden, sondern daß auch Heilungen von Krankheiten durch den Magnetismus nicht zu bezweifeln seien. Der Zustand, welcher durch Anwendung des Magnetismus hervorgebracht wird, hat sehr verschiedene, oft allerdings nicht genau voneinander zu trennende Grade; entweder erleidet nur der physische Theil des Magnetisirten eine Veränderung oder der geistige nimmt daran Theil, wobei wieder entweder nur die Sinnlichkeit als aufgehoben betrachtet werden kann oder sich eine Exaltation des innern Sinnes zeigt. Man erzielt diese Wirkungen durch die sogenannte magnetische Manipulation. Diese besteht in ihrer einfachsten Art in einer sanften Bestreichung der bekleideten oder unbekleideten Oberfläche des zu Magnetisi- renden mit der Hohlhandfläche, wobei man einzelne Körperstellen, namentlich den Kopf, die Augen, Ohren, Schultern, das Rückgrat und die Magengegend, noch besonders berührt und belastet oder die Hände länger darauf liegen läßt, und in einer gegenseitigen Berührung der Fingerspitzen. Man streicht dabei über den ganzen Körper von oben nach unten, zuweilen auch in abwechselnden Richtungen, sowie überhaupt noch verschiedene besondere Modi- ficationen in Hinsicht auf die Dauer der Manipulation, die Stellung des zu Magnelisirenden, die Entfernung des Magnetiseurs von diesem u. s. w. stattfinden. Zur Verstärkung der Wirkung bedienten sich Mesmer und einige seiner Anhänger noch des sogenannten Baquet 236 Magnetismus oder der magnetischen Wanne in Verbindung mit andern etwas charlatanartigen Apparaten. Dieses Verfahren wird mehre Wochen lang zu gewissen Tageszeiten fortgesetzt. Die Erscheinungen nun, welche dadurch hcrvorgerufen werden, sind schr.mannichfaltig, bei ver- schiedenenIndividuen oft sich vollständig entgegengesetzt und deshalb nicht sicher im voraus bestimmbar, bis endlich ein schlafähnlicher Zustand eintritt, oder falls dieser nicht zuStande kommen kann, nicht selten Konvulsionen sich zeigen oder Neigung zum Erbrechen erfolgt. Überhaupt kommen diese letzter» Zufälle sehr oft noch während des Schlafes oder bald nach dem Anfänge der Behandlung, verschwinden aber wieder, nachdem man der Bestreichung die der vorigen entgegengesetzte Richtung gegeben hat. Dieser sogenannte magnetische Halbschlaf ist dem natürlichen nicht unähnlich, geht jedoch bei fortgesetzter Behandlung oft in den magnetischen Schlaf über, welcher von jenem gänzlich verschieden, oft durch krampfhafte Zufälle eingeleitet, plötzlich mit dem Schwinden aller Sinne eintritt, weder durch lautes Anrufen noch durch körperliche Schmerzen, sondern nur durch ein bestimmtes Verfahren des Magnetiseurs aufgehoben werden kann, bald längere, bald kürzere Zeit andauert und Zeichen eines tiefen Ergriffenseins der ganzen Lebenskraft darbietet. Hat dieser Schlaf eine Zeit lang gedauert und schreitet die magnetische Wirkung weiter, so tritt das Schlafwachen oder der magnetische Somnambulismus ein. Das Gesicht belebt sich wieder, man bemerkt Zeichen von Aufmerksamkeit auf Dinge, die um den Magnetisirten Vorgehen, die Sinne beginnen ihre Thätigkeit von neuem, jedoch in einer veränderten Art, sodaß sie geschärft erscheinen. Die Befangenheit und Überraschung, welche sich zuerst auf dem Gesicht bemerklich macht-, geht nun nach und nach in eine gewisse Klarheit über, welche sich bis zu einem Ausdrucke der Entzückung steigert. Endlich findet sich auch die Sprache wieder, es erfolgen, gewöhnlich in langen Zwischenräumen, Antworten auf die Fragen des Magnetiseurs, erst nur einfache, dann zusammengesetztere. Eigenthümlich ist dabei, daß die Rede meist eine poetische Färbung zeigt, die sie im wachen Zustande nicht hat, daß der Somnambule seinen Körper als eine von ihm, dem Sprechenden selbst, verschiedene Persönlichkeit betrachtet, daß er Dinge zu bemerken glaubt, welche von körperlichen Sinnen nicht wahrgenommen werden können, und daß er nicht selten Verordnungen für die Behandlung feiner Krankheit und der Anderer gibt. In Bezug auf diesen letzten Punkt ist zu bemerken, daß die Befolgung dieser Verordnungen für die Krankheit des Magnetisirten selbst fast immer nützlich ist, während die, welche Anderer Krankheit betreffen, oft ungereimt sind. Hieran reihen sich Vorherverkündigungen der Zukunft, welche in Bezug auf die Krankheit, die später eintretendcn magnetischen Zustände und auf die genaue Beschreibung derselben in der Mehrzahl derFälle eintrcffcn, in Hinsicht auf andere Dinge sich aber oft falsch erweise». Außerordentliche Erscheinungen bietet das Gedächtniß der Somnambulen dar. Während sie, wenn sie wachen, sich des magnetischen bis zu der beschriebenen Höhe gesteigerten Zustandes nicht erinnern, so behalten sie dagegen im Somnambulismus die Erinnerung an alles Übrige und an Das, was im magnetischen Schlafzustande mit ihnen vorgegangen war, ja sie sammeln ihr Gedächtniß in einem solchen Grade, daß sie aus früherer Zeit an Dinge sich erinnern, die sie im gewöhnlichen Leben längst vergessen hatten, Gedichte recitiren, die sie vor vielen Jahren auswendig lernten u. s. w. Eine fernere Eigenthümlichkeit ist die, daß die meisten Somnambulen nur die Fragen hören, die der Magnetiseur an sie richtet; jedoch gibt es hiervon nicht seltene Ausnahmen, da auch zuweilen der Somnambulismus zu den bestimmten Stunden ohne unmittelbare Einwirkung des Magnetiseurs, sogar in Abwesenheit desselben von selbst eintritt. Dieses sind die Erscheinungen, welche von unparteiischen Beobachtern gefunden worden sind und somit außer allen Zweifel gesetzt zu sein scheinen; über diese hinaus gibt cs noch sehr viele, welche zu den mehr problematischen gehören. Man rechnet dahin die magnetische Anschauung und das magnetische Hellsehen, wobei der Somnambule Dinge wahrnimmt, die in weiter Ferne von ihm Vorgehen, den innern Bau seines Körpers nicht nur, sondern auch anderer Personen erkennt und beschreibt und mit dem ganzen Körper, besonders mit der Magengegend, sieht, in Gedanken und Ausdruck sich weit über die Sphäre seiner gewöhnlichen Bildung erhebt, in fremden, ihm sonst ungeläufigen Sprachen redetu.s-w. Die Beziehung, in welcher der Magnetiseur mit dem Magnetisirten steht, der sogenannte Magnetnadel 237 magnetische Rapport, soll sich nun auch bis zur wahren Sympathie steigern, der Somnambule soll die Gedanken des Magnetiseurs errathen, selbst wenn dieser entfernt ist, die Wünsche, die jener unausgesprochen hegt, erkennen und durch die magnetische Kraft gezwungen werden, sie, soviel es ihm möglich ist, zu erfüllen. Der höchste Grad endlich ist die magnetische Divination; der Magnetisirte spricht mit vollkommen entfesselter Phantasie, in Versen, durchfliegt im Geiste das ganze Weltall und gibt Aufschlüsse über die höchsten Probleme der Physik, Astronomie, Philosophie, Metavhysik und Religion, deren Wahrheit allerdings keinerControle unterworfen werden kann. Diese höchsten Grade des magnetischen Seins hat man unter den Namen Clairvoyance, magnetisch« Ekstase u. s. w. zusammengefaßt. Anlangend denMagnetiseur, so wird von ihm verlangt, daß er an körperlicher und geistiger Kraft der zu magnetisirenden Person überlegen sei und den festen ernstlichen Willen habe, durch sein Verfahren zu nützen, und übrigens alle die Eigenschaften besitze, welche von einem Arz^e verlangt werden, zu dem die Kranken Vertrauen haben sollen. Ebensowenig, als sich ein Jeder zum Magnetiseur eignet, obgleich Jedem magnetische Kraft einzuwohnen scheint, sind alle Menschen fähig, die Wirkungen des Magnetismus zu empfinden, und nach unbefangenen Beobachtern stellt sich ungefähr folgendes Verhältniß heraus, daß von gesunden Menschen nur '/,» und ebensoviel von Kranken vom Magnetismus überhaupt afficirt wer- den, von diesen letztem nur '/-» bis zum Somnambulismus und von diesen nur '/s bis zur Clairvoyance gelangt. Das weibliche Geschlecht besitzt eine weit größere Empfänglichkeit für den animalischen Magnetismus als das männliche. Von den Theorien, welche das Wesen des Magnetismus erklären sollten, ist vor allen die von Mesmer anzuführen, welche von dessen Anhängern meist der Grundidee nach angenommen und nur verschiedentlich modisicirt wurde. Mesmer nahm eine der Elektricität ähnliche, höchst feine Flüssigkeit an, welche aus dem Magnetiseur in den zu Magnetisirenden überströme und da die beschriebenen Erscheinungen hervorbringe. Da jedoch die Existenz dieser Flüssigkeit nur durch diese einzige Beobachtung, welche man am thierischen Magnetismus macht, also beiweitem nicht durch so viele sichere Zeichen wie die der Elektricität begründet wird, so hat sich auch nach und nach eine andere Ansicht geltend gemacht, welche auf den Grund hin, daß die Erscheinungen des thierischen Magnetismus zuweilen auch bei Nervenkrankheiten beobachtet werden, denselben als eine künstlich erzeugte Nervenkrankheit betrachtet. Was dieHeilkräfte des Magnetismus betrifft, so ist nicht zu leugnen, daß schon oft Heilungen von Krämpfen, Fehlern des Gesichts und Gehörs, Lähmungen und andern auf Störung des Ncrvenlebens b'cruhcnden Krankheiten durch ihn erzielt wurden, zugleich aber wohl zu bedenken, daß nur bei langen, tiefen Leiden und nachdem alle andern rationellen Mittel sich als unzureichend bewiesen haben, zu seiner Anwendung geschritten werden darf, indem schon die Erscheinungen, die er bietet, zeigen, daß er zu den eingreifendsten Mitteln gehöre, und die Erfahrung es lehrt, daß nach seiner Anwendung langjährige Convulsionen, Schwächung des ganzen Nervensystems und Geisteskrankheiten folgten, sowie daß früher vorhandene unheilbare Übel durch einen schnellem Verlauf den Tod herbeiführten, als sic sonst zu thun pflegen. Unter den Verfechtern des Magnetismus nach Mesmer zeichneten sich besonders aus die beiden Puyscgur, Bergasse, d'Eslon, Barbarin, Villers (s. d.), Peteün, Wienholt, Ol- bcrs, Böckmann, Eberh. Gmelin (s. d.), Lavater (s. d.), Wolfart, Envemoser (s.d.), L. C- Treviranus (s. d.), Zördens, Lichtenstcdt, Nasse (s. d.), Kiefer (s.d.), Kerner (s. d.) und Eschenmayer (s. d.). Vgl. Becker, „Der mineralische Magnetismus und seine Anwendung in der Heilkunde" (Mühlhaus. 1829 ); Kluge, „Versuch einer Darstellung des animalischen Magnetismus als Heilmittel" (Berl. l8ll); Stieglitz und Hufeland, „Über den thierischen Magnetismus" (Berl. 1816 ) und „Selma Wiener, die jüd. Seherin" (Berl. 1838 ). Magnetnadel nennt man ein aus gut gehärtetem Stahl geschmiedetes, durch Streichen magnetisch gemachtes und in seinem Schwerpunkte frei an einem Faden aufgehangenes oder mittels eines Achathütchens auf eine Stahlspitze gestelltes Stäbchen, dessen man sich praktisch zu Beobachtung der Himmelsgegend, wissenschaftlich theils zu Beobachtungen über den Erdmagnetismus, theils als Meßinstrument (Multiplicator und Galvanometer) für elektrische Ströme bedient. (S. Elektromagnetismus und 238 Magnetoelektricität MagnifieaL Galvanismus.) Für den praktischen Gebrauch des Schiffers ist die Magnetnadel in einem runden Gehäuse über einem eingetheilten Kreise, der außer der Theilung in 360 Grade auch die sogenannte Windrose (s. d.) darbietet, angebracht. Man nennt dann das Instrument einen Co mp aß (s. d.), und es dient bei solchem Wetter, welches astronomische Beobachtungen hindert, dem Schiffer zur Orientirung. In eisernen Schiffen kann man die Magnetnadel nur erst in neuerer Zeit in Folge angebrachter Verbesserungen anwenden. Ähnlich eingerichtet, meist mit einer Nivelle oder Wafferwage zum Horizontalstellen verbunden, sind die B o ussolen (s. d.) der Feldmesser und Markscheider; letztere führen statt der Windrose die Eintheilung in Stunden (zweimal zwölf) nach bergmännischer Weise. Bei beiden Änwendungsarten ist es nöthig, zu wissen, wie stark an jedem Orte die Magnetnadel von der nördlichen Richtung abweicht. Zur Messung dieser Abweichungen hat man besondere Instrumente; die zu Messung der horizontalen, östlichen oder westlichen, Abweichung oder Deklination bestimmten nennt man Declinatorien; die verticale Abweichung oder Inklination mißt man durch Znclinatorien; zu Jntensitätsmessungen endlich dienen die durch Gauß und Weber so sehr vervollkommneten Magnetometer; und die Nadeln in diesen Instrumenten sind zuweilen Stäbe von sehr bedeutenden Dimensionen. Beobachtet man die Magnetnadel an verschiedenen Punkten der Erde in diesen drei Beziehungen, so findet man auf der Erde und um dieselbe >) Linien, in denen die östliche oder westliche Deklination gleich groß ist (isogonische Linien); eine davon, der magnetische Meridian, zeigt gar keine Abweichung; rechts von ihr ist die Abweichung westlich, links östlich; alle isogonische Linien, meist sehr krumm verlaufend, schneiden sich in zwei Punkten, den magnetischen Polen der Erde, deren nördlicher durch die Nordpolexpeditionen von Parry, Roß und Franklin aufgesucht und in der Nähe der Insel Melville unweit der Baf- finsbai bestimmt ist, während die Südpolreise von Roß noch zu keiner so nahen Bestimmung des magnetischen Südpols geführt hat. 2) Linien, in denen die Inklination gleich ist (iso- clinische Linien); sie laufen dem Äquator^ziemlich parallel; diejenige, wo die Nadel völlig horizontal steht, heißt der magnetische Äquator, nördlich von ihm neigt sich der Nordpol, südlich der Südpol der Nadel der Erde zu; in den magnetischen Polen würde eine freie Nadel mit der Spitze gerade nach unten zeigen. 3) Linien, in denen die Intensität des Erdmagnetismus gleich ist (isodynamische Linien); für die nördliche Hemisphäre gibt es zwei Punkte in Nordamerika und Nordasten, wo die Intensität am größten ist. In den neuern Ätlanten für physikalische Erdbeschreibung findet man diese Linien verzeichnet. Für sehr feine elektrische Messungen, wo der Erdmagnetismus störend wirken würde, vereinigt man zwei Nadeln mit entgegengesetzten Polen, deren eine über, die andere unter den zu messenden Strom gestellt wird, und eine solche Doppelnadel nennt man eine astatische. Magnetoelektricität. Nicht blos der elektrische Strom vermag Magneten zu erzeugen, umgekehrt erzeugt auch ein Magnet elektrische Ströme in Drahtspiralen. Wenn man in eine mit Seide übersponnene Drahtspirale einen Magneten stellt und rasch herauszieht, so geht im Moment der Trennung ein Strom durch die Spirale, dessen Richtung von der Lage der Pole des Magneten abhängt. Versieht man nun eine starke magnetische Hufeisenbatterie mit einem Anker, dessen beide den Polen gegenüberstehende Arme mit solchen isölirten Spiralen versehen sind, und dreht nun den Anker an einer Spindel rasch um, sodaß seine Arme in rascher Folge bei den Polen des Magneten vorbeipassiren, so ist dies, da der Anker nun von den Polen der Batterie bei jedesmaligem Passiren inducirt wird, ebenso, als ob man in rascher Folge durch die Spiralen Magnete mit entgegengesetz- terPolrichtung einführte und wieder auszöge. Es gehen unzählige entgegengesetzte Ströme durch den Schließungsdraht; bringt man aber einen Commulator an (s.Elektro Magnetismus), so wirkt daraus ein einziger. Auf diesem Princip beruhen die magnetoelektrischen Notationsmaschinen, die als ein stets bereites und kostenloses Mittel, sich elektrische Ströme von beliebiger Dauer und Intensität zu verschaffen, für die nicdici- nische Anwendung der Elektricität großen Werth haben. Die wirksamste dieser Maschine» ist von Stöhrer in Leipzig. Andere derartige Maschinen erzeugen erst durch eine galvanische Batterie einen Elektromagneten und durch diesen wieder den elektrischen Strom. Magnificat nennt man in der kirchlichen Sprache nach dem Anfangsworte in der Magnificenz Magnusen 239 Vulgata den aus dem Evang. Luc. >, 46—55 entlehnten sogenannten Lobgesang der Maria, der unendlich oft in Musik gesetzt, bei Feierlichkeiten in katholischen, wie in protestantischen Kirchen zur Aufführung kommt. Magnificenz (N^ßmücus), d. h.Herrlichkeit oderHoheit, ist der Titel der Rectoren und Kanzler der Universitäten, sowie der Bürgermeister in den freien Städten. Wenn ein ! -Fürst die Würde eines Rectors bekleidet, wird er Alagaillcentissimiis genannt. Magnusen (Finn), einer der ausgezeichnetsten nord. Archäologen, unbedingt der erste isländ. Sprachkundige der Gegenwart und der eigentliche Gründer der wissenschaftlichen Runologie, geb. am 27. Aug. I78> zu Skalhvlb auf Island, aus den edelsten und ältesten Geschlechtern, indem sein Vater, der letzte Lagman Islands, der Bruder des Naturforschers Eggert Olafsson und des Alterthumsforschers Jon Olafsson, seine Mutter aber die Tochter des Kirchengeschichtschreibers Islands, Finnur Jonsson (imnus äolmu- »ueus), war, zog schon als Knabe durch seine ungewöhnlicheLernbegierde und großeLiebe zu Büchern die Aufmerksamkeit auf sich. Durch seinen Oheim Finnur Jonsson vorgebildct, bezog er >767 die Universität zu Kopenhagen, wo er im Umgänge mit seines Vaters Bruder, Jon Olafsson, hauptsächlich mit Poesie, Geschichte und Alterthumswissenschaft sich beschäftigte, die juristischen Studien aber nur des Lebenserwerbs halber trieb. Nachdem er >863 nach Island zurückgekehrt war, fungirte er hier alsAdvocat, bis er >812 wieder nach Korenhagen ging, wo er sich nun mit verdoppeltem Eifer seinen Lieblingsstudien zuwendete und durch seine Landsleute, Thorkelin (s. d.) und Thorlacius (s. d.), vielfache Unterstützung fand, bis er l 815 zum Professor ernannt, und ihm >819 aufgetragen wurde, an der Universität und der Akademie der schönen Künste über die altnord. Literatur und Mythologie Vorlesungen zu halten. Wie er diesem Berufe genügt, zeigten sowol seine durch interessante historische Blicke ansprechende „Aussicht über die älteste Heimat und die Wanderungen des kaukas. Menschenstamms"( I818), wie sein „Beitrag zur nord. Archäologie" (1826). Durch * die in letzterer Schrift aufgestellte Behauptung der plastisch-symbolischen Idealität der nord. Mythen, welche dieselben zur künstlerischen Darstellung ebenso geeignet machen müsse als die griechischen, gerietst er mit Torkel Baden (s. d.) in einen Streit, dessen bedeutendster Gewinn wol der sein mochte, daß mehre talentvolle dän. Künstler, wie Lund, Freund und Koop, den thatsächlichen Beweis jener Behauptung zu führen versuchten. Nachdem er schon zum zweiten Theile der großen, von der Arnamagnäantschen Commission besorgten Ausgabe der Edda (1818) die Probe eines Glossars und mehre Jndices geliefert, gab er zum dritten Theile (1828) ein auch einzeln erschienenes, mit großer Gelehrsamkeit ausgestattetes mythologisches Lexikon und altnvrd. Kalendarium („kriscae veterum Loreslium m)tlloIc>Fiue lexicon et Fsntils calenclarium"). Insbesondere aber bekundete er seine historisch, mythologischen Forschungen nach dieser Seite hin in den beiden großen, inzwischen erschienenen Werken, nämlich der Übersetzung und Erklärung der ältern Edda („Äldre Edda, oversat og forklavet", 4 Bde., Kopenh. >821 —23) und der vom Standpunkte der vergleichenden Mythologie aus unternommenen Darstellung der ganzen Lehre der Edda („Eddalären og dens Oprindelse", 4 Bde., Kopenh. 1824—26). Unter seinen später» Werken nehmen das große runologischeWerk („Ru»amo ogkunerne", Kopenh. 1841,4.), das zugleich den sechsten Band der „Historisch-philosophischen Abhandlungen der königlich dän. Gesellschaft der Wissenschaften" bildet, sowie die in Verbindung mit K. C. Ra fn (s.d.) sl unternommene, für die Nordamerika», und altnord. Archäologie sehr wichtige Darstel- d lung der geschichtlichen Denkmäler und alterthümlichen Überreste auf Grönland („6röi>- ' Isnclz üistorisice minilesmürlcer", Bd. 1—3, Kopenh. 1838—42) den höchsten Rang ein. Außerdem hat er eine große Anzahl ausgezeichneter, in Zeitschriften zerstreuter Monographien über nord. und allgemein archäologische, runologische und historische Gegenstände (z. B. „Erklärung mehrer, das skandinav. Alterthum betreffenden Stellen im Ossian", 1813; „Über die Picken und den Ursprung dieses Namens", 1817; „Snorro Sturlcsön's Leben", l 823; „Sneglu-Halle's Reisen im 1 l.Jahrh.", 1826; „Ursprung und Umbildung der altnord. Gilden'/, 1829) geliefert, durch namhafte Beiträge die gegenwärtige isländ. Literatur gefördert, und durch patriotisch«Hingebung, als Deputirter Islands und der Fä- 240 Mago Mahlmann röer seit 1835, die Interessen des Vaterlandes gewahrt, deren jüngere Söhne stets seiner kräftigen Unterstützung und väterlichen Leitung sich zu freuen hatten. Mago, ein karthag. Suffet um 500 v. Chr., hatte über den Landbau ein Werk in 28 Büchern geschrieben, das nach dem dritten pun. Kriege auf Verordnung des röm. Se- nats aus der griech. Bearbeitung, die Cassius Dionysius von Utica »erfaßt hatte, ins Lateinische übertragen wurde und dessen Varro, Columella und Plinius, die es benutzten, mit großem Ruhme gedenken. — Auch ein Sohn des Hamilkar Barkas hieß Mago, der Bruder Hannibal's und Hasdrnbal's.. Er war mit dem Letztem im zweiten pun- Kriege seit 2 t 6 v. Chr. karthag. Feldherr in Spanien und siegte mit ihm im I. 212 über die Scipie- neu. (S. Hasdrubal.) Im I. 2N8 wurde er von M. Silanus, dem Legaten des großen P. Cornelius Scipio, und im Z. 20? bei Bäcula von diesem selbst geschlagen, worauf er sich zunächst nach Gades und von da nach den Balearen flüchtete. Mit einer Flotte, die er hier gesammelt hatte, segelte er 205 nach Ligurien, um seinem Bruder Hannibal, der sieh im südlichen Italien schwer der Römer erwehrte, eine Erleichterung zu schaffen. Die Ligu- rer fielen ihm, nachdem er sich Genuas rasch bemächtigt hatte, zu, auch die cisalpinischen Gallier waren ihm geneigt; als aber die Karthager in Afrika selbst bedrängt wurden, riefen sie ihn 203 gleich dem Hannibal zurück. Er starb auf der Rückfahrt an einer Wunde die er bei einer durch die Römer im Gebiet der Znsubrer erlittenen Niederlage erhalten hatte. Magyaren, s. Ungarn. Mahäbhärata, s. Sanskrit. Mahagoni oder richtiger, wiewol weniger gebräuchlich, Mahogani, ist das Holj eines im südlichen Amerika auf Jamaica, Cuba, Domingo und den Bahamainseln wild- wachsenden Baumes von großem Umfange und schnellem, sehr schönem Wuchst. Sem Stamm erreicht oft eine Dicke von fünf Fuß und mehr; das Holz ist fest, feinkörnig und dauerhaft, nimmt eine schöne Politur an und chat eine herrliche Farbe, die aber mit der Zeit stark nachdunkelt. Die Rinde wird oft zum Fälschen der Chinarinde verwendet, da fie ähnlichen medicinischen Werth hat. Man macht die Arbeiten selten aus massivem Mahagoniholz-, sondern schneidet dasselbe in dünne Platten oder Fournicre, mit denen man die aus anderm Holz gefertigten Artikel überzieht. Diese Fourniere theilt man, nach ihrem Farbcnspiel, in geflammtes, gemasertes, Pyramiden- oder glattes Holz. Will man dem Nachdunkeln des Mahagoniholzes Vorbeugen oder dasselbe wenigstens verzögern, so muß man beim Schleifen und Poliren desselben kein Öl, sondern Talg anwenden. Die Spanier und Portugiesen verwendeten das Holz des Mahagonibaums statt des Eichenholzes zum Schiffbau, wozu es sich wegen seiner großen Härte und Dauer im Wasser und durch den Umstand, daß der Wurm nicht leicht hineinkommt, sehr gut eignet. Die Naurus in-lica liefert ein das sogenannte Madeira- oder das falsche Mahagoniholz, welches dem wahren Mahagoniholz schr ähnlich ist und dasselbe an Dauerhaftigkeit der Farbennuance übertrifft. Mähen nennt man das Abbringen der Kulturpflanzen und des Grases. Es geschieht theils mit der Sense, theils mit dem Siget, theils mit der Sichel. Der letztem bedienen sich zumeist die kleinern Grundbesitzer beim Abbringen des Wintergetreides, während dagegen das Sommergetreide nur mit der Gestellsense abgebracht wird. Der Gebrauch der Sense hat den Vorzug der Schnelligkeit, Arbeitersparniß und des größern Strohgewinns; die Sichel liefert sauberere Arbeit, führt aber Verlust an Stroh herbei. Das Wintergetreide wird mit der einfachen Sense umgehauen und von einer dem Mäher folgenden Person abgerafft, das Sommergetreide dagegen mit der Eestellsense abgehauen und in Schwaden geworfen. In neuerer Zeit hat man auch Mähemaschinen erfunden und mit Erfolg in Anwendung gebracht. Die ersten dergleichen Maschinen wurden in England und Amerika angefertigt; namentlich ist die Gctreideschneidemaschine des Engländers Belt zu erwähnen. Zn Deutschland war Llgazy der Erste, welcher eine Fruchtmähemaschine construirte. Ihm folgte darin in neuester Zeit der Maschinenbauer Weissc in Dresden; doch haben diese Maschinen zur Zeit noch keinen Eingang bei dem deutschen Landwirth gefunden. Mahlmann (Siegfr. Aug.), ein bekannter deutscher Dichter im lyrisch-elegischen Gebiet und in der Burleske, geb. am l 3. März t 771 in Leipzig, wo sein Vater Kaufmann war, besuchte, nachdem er frühzeitig die Altern verloren hatte, die Fürstenschule zuErimma 241 Mahmud v. und studirte seit 1789 in Leipzig, wo er sich zwar der Rechtswissenschaft mit Eifer befleißigte, aber schon eine entschiedene Neigung zum Idealen im Leben an den Tag legte. Nach beendigten akademischen Studien ging er als Führer eines jungen Edelmanns nach Tiefland, mit welchem er nachher die Universitäten zu Leipzig und zu Göttingen besuchte und >797 eine Reise durch den Norden Europas machte. Im folgenden Jahre nach Leipzig zurückgekehrt, beschäftigte er sich hier vorzüglich mit der deutschen schönen Literatur, übernahm kurze Zeit eine Buchhandlung und wurde 1805 nach seines Schwagers Spazier Tode Herausgeber der „Zeitung für die elegante Welt", welche er bis l8lO allein, dann bis >816 in Verbindung mit Meth, Müller rcdigirte, und in der er hauptsächlich die Richtung angab, welche die deutschen belletristischen Zeitschriften bis nach 1830, freilich allmä- lig sich verschlechternd, befolgten. Don 1810—18 hatte er auch die „Leipziger Zeitung" in Pacht und Administration, die ihm während des Kriegs sehr bedeutenden Gewinn brachte, «berauch die Veranlassung gab, daß er 1813 durch die Franzosen auf kurze Zeit auf die Citadelle nach Erfurt abgeführt wurde. In den letzten Jahren seines Lebens beschäftigte er sich mit den Naturwissenschaften und insbesondere mit der Ökonomie, welche er bei Bc- wirthschaftung seiner Güter praktisch anwendete, weshalb er auch zuletzt zum Director der durch seine Mithülfe erneuerten Leipziger ökonomischen Socictät ernannt wurde. Außerdem erhob ihn sein Geist und seine ausgezeichnete Gabe der extemporirtenBeredtsamkeit, verbunden mit dem Ansehen seiner persönlichen Erscheinung, zu einem der tüchtigsten Vorsteher der maurerischen Verbindung, welches Amt er mit allgemeiner Anerkennung in der Loge Minerva zu Leipzig von >813 an bis zu seinem Tode, am 16. Dec. 1826, verwaltete. Sind seine Gedichte, deren mehre von den besten Liedercomponisten in Musik gesetzt wurden, der ebenso innige als klare Ausdruck einer sanften Wehmuth oder einer über das Grab hinausblickenden Erhebung, so bekunden dagegen sein anonym herausgcgebenes „Mario- nettentheater" (Lpz. 1806) und sein „Herodes vor Bethlehem", eine satirische Parodie von Kotzebue's „Hussiten", des Verfassers Talent für die dramatische Burleske. Auch seine „Erzählungen und Märchen" (2 Bde., Lpz. 1802; 2. Ausl., 1812) wurden mit Beifall gelesen. Er selbst besorgte eine Ausgabe seiner„Sämmtlichen Gedichte"(Halle 1825; 4. Ausl., Lpz. 1845); seine „Sämmtlichen Werke" erschienen in acht Bänden (Lpz. 1839—40). Mahmud II-, Sultan der Osmanen 1808—39, gcb. am 20.>Juli >785, war der zweite Sohn des 1789 verstorbenen Sultans Abdul Hamid, und zeigte sich schon in seiner Jugend, die er im alten Serail verlebte, hartnäckig, heftig und grausam. Als sein älterer Bruder Mustapha IV. 1807 den Thron bestieg, sollte M., damit man keinen Thronbewerber in ihm zu fürchten habe, ermordet werden. Doch ein albanes. Corps bemächtigte sich seiner noch zur rechten Zeit und rettete ihn. Sofort begann er nun die Revolte vorzubereiten, die am 28. Juli >808 Mustapha IV. stürzte und ihn am I.Aug. aus den Thron brachte. Um sich selbst auf dem Throne zu befestigen, ließ er den Sohn Mustapha's IV., ein Kind von drei Monaten, erwürgen und vier schwangere Sultaninnen, in Säcke eingenäht, in den Bosporus werfen, sodaß er nun der Einzige und Letzte aus dem Stamme Osman's war. Ein Versuch, das Militair auf europ. Fuß zu organisiren, scheiterte in Folge der Auflehnung der Janitscharen. Ohne Rathgeber, ohne Geld und fast ohne Heer, mußte er den Krieg mit Rußland und den Kampf gegen die Serbier fortsetzen, bis er endlich nach gänzlicher Erschöpfung sich genöthigt sah, mit Rußland den Frieden zu Bukarescht am 28. Mai 1812 zu schließen. Die Schrecknisse, unter welchen er den Thron bestiegen, und die Gefah- ren, welche denselben ununterbrochen umgaben, hatten sein Gcmüth verhärtet und Blut- befehle schienen ihm Maßregeln kluger Festigkeit. Gegen die christlichen Cabincte zeigte er eine stolze und feste Haltung^ doch im Innern seines Reichs kämpfte der Verrath mit der Empörung, sodaß er immer abhängiger wurde von dem Willen mächtiger und glücklicher Satrapen oder kühner, entschlossener Völker. (S. Ali Pascha von Janina, Griechenland, Mehemed Ali'von Ägypten, und Serbien.) Äls er endlich in der Hauptstadt und in den Fürstenthümern, wo der Aufstand der Griechen zuerst ausgebrochen war, seine Feinde vertilgt, die rebellischen Satrapen in den Provinzen durch andere ehrsüchtige Paschen besiegt hatte und zuletzt der Kopf Ali's gefallen war; als er den Krieg mit Persien Eonv.-Sex. Neunte Aufl. IX. 16 2L2 Mahmud N. durch den Frieden von 182» geendigt und von den Wahabiten (I- d.) nicht» mehr zu befürchten hatte, wurde er nur um so trotziger und grausamer. Dennoch zitterte er, wenn die Wuth der Janitscharen die Hauptstadt mit Brand, Mord und Plünderung ängstigte. Sie zu beruhigen gab er namentlich bei ihrem Aufstande im I. >822 Alles preis, die tüchtigsten Männer, die nächsten Verwandten und die ältesten Vertrauten. Als jedoch die Ruhe ' wiederhergestellt zu fein schien, beschloß er, ihren Trotz zu züchtigen, und mit der Gefahr wuchs seine innere Kraft. Nach und nach reiften durchgreifende Reformationsplane in seiner tief verschlossenen Brust, deren, wenn auch größtentheils misrathene Ausführung ihm seine welthistorische Bedeutung verleiht. Die erste Frucht derselben war die endlich durchgeführte Auflösung der Janitscharen (s. d.) im I. >826. Nachdem er hierauf schnell sein Heerwesen geordnet, lehnte er in seiner am S. Juni 1827 übergebenen Erklärung in Betreff der griech.-europ. Frage jede Intervention der christlichen Mächte entschieden ab. Doch sein Trotz wurde im Frieden zu Adrian opel (s. d.) am > -1. Sept. 1829 gebrochen, und Griechenland (s.d.) von dem osman. Reiche getrennt. Sonach außen hinin Ruhe, kehrte er wieder zu seinen alten Reformplanen zurück und suchte vor Allem das Heer und die Flotte wiederherzustellen. Allein der Widerstand gegen diese Reformen nahm einen immer heftigern Charakter an, besonders in Albanien, wo Mustapha Pascha von Skodra die Fahne des Aufruhrs erhob. M. ließ sich indeß nicht einschüchtern; um sich selbst von den Erfolgen seiner Reformen zu überzeugen, unternahm er 1831, ganz gegen die zeitherige Sitte deS Serails, eine Reise nach Adrianopel. Die Beweise von der unter dem Volke herrschenden bösen Stimmung, die er auf derselben erhielt, ließen ihn nach seiner Rückkehr zwar scheinbar in seinen Reformen innehalten, um so mehr, als sich die Unzufriedenheit nack alter barbarischer Weise durch furchtbare Feuersbrünste in Konstantinopel aussprach; allein diese Opposition machte M. im Innern nur um so hartnäckiger in seinen Ncformplänen, die er bald wieder mit erneuter Energie zur Ausführung brachte. Ein Civil - und Militair- orden wurde gestiftet, die Policei Konstantinopels verbessert, Lehranstalten für den Staatsdienst, besonders für das Sanitätswesen, wurden gegründet, ein halb in türk., halb in franz. Sprache erscheinender „Moniteur" wurde herausgegebe». Die inzwischen I83lzu Stande gekommene Unterwerfung der rebellischen Paschen von Bagdad und Skodra und die dadurch bewirkte Rückkehr zur Ordnung im Innern schien seinen Reformen eine» gedeihlichen Ausgang versprechen zu wollen, als auf einmal der Ausbruch des Kriegs mit Ägypten (s. M e h e m e d Ali) erfolgte, der alle Schöpfungen M.'s wieder in Frage stellte. Die unglückliche Schlacht von Konieh führte ihn an den Rand des Verderbens; nur die Hülfe Rußlands, an das er sich in seiner äußersten Bedrängniß wendete, vermochte ihn noch zu retten. (S. Osmanisches Reich.) Kaum war diese Gefahr überstanden, als neue Aufstände in Albanien, Bosnien und Kleinasien ausbrachen und hemmend in die Plane des Sultans eingriffen. Nur der Aufstand, der im Mai 1833 in Palästina gegen Mehe- med Ali von Ägypten ausbrach, schien dem bedrängten Sultan, der alle seine Plane scheitern sah, einen Hoffnungsstrahl zu gewähren. Er wollte die Gelegenheit, sich an seinem Todfeind Mehemed Ali zu rächen, benutzen, und sendete ein Heer von 8«M»u M. gegen Syrien; da legten sich die europ. Mächte ins Mittel und verhinderten den Ausbruch des Kriegs. Mitten unter allen diesen Wirren vervollständigte er jedoch immer mehr seine Reformen, kein Mißlingen und kein Widerstand vermochte ihn zu ermüden, sondern schien seine hartnäckige Energie nur zu vermehren. Straßen wurden gebaut, Posten und Quarantainen eingerichtet, das Heer organisirt. Damals war cs auch, wo die Pforte nach dem Vorbild der l übrigen europ. Regierungen stehende Gesandtschaften an den Höfen der europ. Großmächte einführte, und zum ersten Male durften die Frauen des großherrlichen Harem sich öffentlich zeigen. Die Ruhe kehrte, obwol langsam, in den Provinzen wieder zurück; zu gleicher Zeit wurde Kurdistan unterworfen; auch hörten die Unruhen in Albanien und Bosnien auf. Zum zweiten Male, am 29. Apr. 1837, unternahm der Sultan eine Reise nach Ru- melien und Bulgarien; doch mußte er in aller Eile nach Konstantinopel zurückkehren, um die Verschwörung, die während seiner Abwesenheit in der Hauptstadt sich gegen ihn angc- spönnen hatte, mit blutiger Hand zu unterdrücken. Bei dieser Thätigkeit, die M. entwickelte, war es vorzüglich ein Gedanke, der im Hintergründe aller seiner Handlungen lag, und der Mahomed Mahren 243 in der letzten Zeit seines Lebens seine ganze Brust ansfüllte, nämlich der, Rache zu nehmen an Mehemed Ali. Die fortwährenden Ansprüche >znd Übergriffe Mehemed Ali's, welche das Verhältniß von Tag zu Tag verschlimmerten, gaben ihm sehr bald die erwünschte Gelegenheit dazu. Nachdem er im Frühjahre 183S ein bedeutendes Heer unter dem Seriasker Hafiz Pascha am Taurus vereinigt hatte, erklärte er Mehemed Ali in die Acht und ließ seine Truppen den Taurus überschreiten. Die ganze Unternehmung scheiterte in der Schlacht von Nisib am 23.Juni 1839. (S. Ibrahim Pascha.) Doch M. erfuhr hiervon nichts mehr. Seine Ausschweifungen aller Art hatten schon längst seine Gesundheit untergraben und während dieser letzten Zeit den Ausbruch einer schweren Krankheit herbeigeführt, die seinem Leben am I. Juli >839 ein Ende machte. Mahömed, s. Mohammed. Mahon (Phil. Henry, Viscount), ältester Sohn und Erbe des Grafen Stanhope, geb.am 3l.Jan. 1805, wurde schon früh ins Parlament gewählt, in welchem er den FleckenHertford vertritt, und war 1835, während des kurzen Wellington-Peel'schen Mini- steriums Unterstaatssecretair. Er ist ein tüchtiger Geschichtschreiber und am vorth eilhaftesten bekannt durch seine „Historzc ok Lnglunck from Ille ziesce ok lUtrecllt tc> Ille peuce okUx- l»-6llspelle" (2 Bde., Land. 1836), in welcher er durch Benutzung werthvoller Familienarchive neues Licht über viele Begebenheiten verbreitete. Außerdem schrieb er ein „lüke vk IjeIissrius"(Lond. 1836) und „Listor^ oftlle rvsr ok succesmon in 8puin"(Lond. 1832). Mahratten, s. Maratten. Mähren, eine Markgrafschaft und deutsche Provinz der östr. Monarchie, ist im Norden von der preuß. Grafschaft Glah und dem östr. Schlesien, im Osten von Ungarn, im Süden von Niederöstreich und im Westen von Böhmen begrenzt und zählt auf 399 IIM. 1,716660 E. Das der jetzigen politischen Eintheilung nach dazu gerechnete östr. Schlesien umfaßt ein Areal von 83 lUM. mit 366000 E. Die Sudeten trennen M. von Schlesien, das Mährische Gebirge von Böhmen und die Karpaten von Ungarn; Zweige dieser Gebirge durchschnciden das ganze Land, das nur im Süden ausgedehntere Ebenen aufzu- wcisen hat. Neben zahlreichen andern Flüssen, ist die Morawa oder March, von der das Land den Namen hat, der Hauptfluß, jedoch auch nur eine Strecke schiffbar. Die in M. entspringende Oder und Weichsel berühren das Land nur wenig. Das höhere Gebirge M wenig fruchtbar; dagegen fehlt es im Innern des Landes nicht an schönen Ebenen und Flächen, und in der sogenannten Hana und den südlichen Gegenden ist der Boden ungemein ergiebig. Das Klima ist verhältnißmäßig mild. Nächst der Rindviehzucht, die durch fette Wiesen und Weiden begünstigt wird, ist die Federviehzucht, besonders die Gänsezucht von Bedeutung; auch wird viel Fischerei getrieben. Getreide baut man vorzüglich in der Hana, am March, um Brünn und in den südöstlichen Gegenden des znaymer Kreises. Auch der Flachs-, Obst- und Gartenbau sind nicht unbedeutend. Ferner baut man Hanf, Anis, Senf, Fenchel, Saflor, Krapp und Süßholz und in den südlichen Gegenden vielen, wenn auch nicht ausgezeichneten Wein. Die ansehnlichen Waldungen sind mehrLaub- als Nadelhölzer. Am wichtigsten sind die Eisenbergwerke; auch hat das Land Schwefel, Steinkohlen und Alaun. Die Tuch-, Wollenzeuch- und Leinwandmanufacturen sind sehr bedeutend ; minder die Baumwollenfabriken. Die Ausfuhr ist größer als die Einfuhr und der Transitohandel, den gute Kunststraßen und eine Eisenbahn födern, von hoher Wichtigkeit. Die Rcgierungsform ist fast unumschränkt, obschon es Landstände gibt, welche aus Prälaten (dem Erzbischof von Olmütz, Äbten, Pröpsten, Domherren), Herren (Fürsten, Grafen und Freiherren), Rittern (adeligen Rittergutsbesitzern) und den Vertretern von acht Städten zusammengesetzt sind. Politisch ist M. in sechs Kreisämter eingetheilt: Olmütz, Brünn, Jglau, Znaym, Hradisch und Prerau, wozu noch die beiden östr.-schles. Ämter Troppau und Teschen kommen, welche wie jene unter dem Landesgubernium zu Brünn stehen. Die Landeseinkünfte schätzt man auf 6—7 Mill. Fl. Die Bewohner sind zu drei Mer- lheilen Slawen, zu einem Viertheil Deutsche; außerdem gibt es gegen 36600 Juden. Die beiden Hauptstämme derSlawensind dieHanaken (s.d.) und dieSlowaken (s.d.). Die Mehrzahl bekennt sich zur katholischen Kirche; die Zahl der Protestanten und Refor- 16 * Al)' 244 Mährische Brüder Maiblume mitten beläuft sich auf70000. Die bedeutendsten StädtesindBrünn (s.d.)mit dem nahen Austerlitz (s. d.), Olmütz (s. d.) und Znaym (s. d.). M. wurde in Germaniens Urzeit von den Quaden bewohnt. Als diese im I. 407 mit den Vandalen nach Gallien und Spanien zogen, besetzten cs die Nugier, die Heruler und um 548 die Longobarden. Zuletzt wurde es von einer Colonie Slawonen, die von den Walache» (Bulgaren) vertrieben waren und von der Morawa den Namen Morawer annahmen, aufs neue bevölkert. Bei dem Verfalle des Reichs der Avaren konnten sich die Morawer weiter ausbreitcn und ein Königreich errichten, das unter dem Namen Großmähren weit mehr Länder als das heutige M. in sich begriff. Karl der Große überwand die Morawer und nöthigte ihren König Samoslaw, sich taufen zu lassen; doch wurde erst um 856 Cyrill (s. d.) der wahre Apostel der Mähren. Ludwig der Fromme legte dem König Megomir Tribut auf, und Ludwig der Deutsche machte den König Radislaw zum Gefangenen. Arnulf vergrößerte M. auf der einen Seite bis an die Oder und auf der andern gegen Ungarn bis an den Fluß Gran; als sich aber Swjatopulk empörte, schlug er ihn mit Hülfe der Böhmen und Ungarn. So wurde das mährische Reich geschwächt, dann unter Swjatobog, Swjatopulk's Sohne, im Z. 908 ganz aufgelöst und nach und nach ein Raub der Ungarn, Polen und Deutschen. Im Z. 1056, wo es ungefähr den jetzigen Umfang hatte, kam es vollends an Böhmen, erhielt 1085 den Titel einer Markgrafschaft und wurde bis auf des Kaisers Matthias Zeiten von den bvhm. Königen mehrmals ihren Söhnen und Anverwandten in Lehn gegeben. Vgl. Wolny's „Taschenbuch für die Geschichte M-'s und Schlesiens" (2 Bdchen, Brünn 1826—27). Mährische Brüder, s. Böhmische Brüder. Mar (Angelo), ein neuerer ital. Literator, der sich namentlich durch Bekanntmachung einer großen Anzahl von Schriften des griech. und röm. Alterthums verdient gemacht hat, die er in Palimpsesten (s. d.) zuerst entdeckte und durch chemische Mittel leserlich machte, geb. in der Provinz Bergamo am 7. März 1781, lebte anfangs als Jesuit zurückgezogen im Venetianiscken, bis er I»13 eine Anstellung als Aufseher bei der Ambrosianischen Bibliothek zu Mailand erhielt. Hierauf wurde er 1819 Custos der vaticanischen Bibliothek zu Rom, dann Bibliothekar, 1825 überzähliger apostolischer Protonotar, später Prafect der Congregation des Index und 1838 Cardinal. Zu seinen frühem Entdeckungen gehören die Bruchstücke der Reden Cicero's „pro 8csuro, 1'uIIio, kllscco" (Mail. 1814; Franks 1815, und mit Anmerk, von Cramer und Heinrich, Kiel 1816, 4.) und „in Cloclium et Ourionem" (Mail. 1814), die er später auch vereint hcrausgab (Mail. 1817); ferner einige „Reden" des Cornelius Front», mehre „Briefe" der Kaiser Marc Aurel und L.Verus und andere kleinere Überreste (Mail. 1815; 2. verm. Ausg., Nom 1823); die Bruchstücke von acht „Reden" des Q. Aurel. Symmachus (Mail. >815); Fragmente des Plautus, besonders aus der „Viclularis" desselben (Mail. 1815); die vollständige Rede des Jsäus „Über die Erbschaft des Kleonymus" (Mail. 1815) und eine Rede des Themistius (Mail. 1816); sodann einige Bücher der „Röm. Alterthümer" des Dionysius von Halikarnaß (Mail. 1816,4.); ein „Itinerarium ^lexanclri" und die Schrift des Julius Valerius „Res gestse ^lexanckri" (Mail. >817, 4., und Franks. 1818); Bruchstücke des Eusebius und Philo (Mail. 1816) und des Eusebius „6liron!comm csnoimm libri äuo" (Mail. 1818, 4.), die er zugleich mit Zohrab aus einer armen. Handschrift wieder herstellte. Diese und noch andere bis dahin ungedruckte Schriften theilte er aus der Ambrosianischen Bibliothek mit; hierauf setzte er seit 1819 seine palimpsestischen Studien zu Rom in der vaticanischen Bibliothek fort, deren schönste Frucht das Werk des Cicero „De republica" ist (Rom 1822). Außerdem verdanken wir ihm mehre Sammlungen von alten, noch unbekannten Schriften, die allerdings der Zeit und dem Inhalte nach einen verschiedenen Werth behaupten, sowie eine Menge anderer literarischer Beiträge und Notizen, in den „^uctore, classici e VLtic. coclci. eckiti" (5 Bde., Rom 1828—33), in der „Scriptorum veterm» nova collectio e vstic. cocld. eclit»" (8 Bde., Rom 1825—33, 4.) und in dem „8j,!ci- leßiuni i-om." (10 Bde., Rom 1843). Maiblume oder wohlriechende Maililie, auch Zauke oder Zäupchen in verschiedenen Gegenden Deutschlands genannt (OonvLlI»ri» m»jr»I!r), eine Pflanze aus der Maier Mailand 245 Ordnung der Liliengewächse des natürlichen Systems, wächst im ganzen nördlichen Europa und ist eine willkommene Verkünderin des Frühjahres, sowol wegen ihres freundlichen Ansehens und ihrer wohlriechenden Blüten, wie wegen der Möglichkeit von Überpflanzung in Gärten allgemein beliebt, aber beiweitcm nicht von der medicinischen Wichtigkeit, die man ihr ehedem zuschrieb. Die rothen Beeren und die Wurzel sind wirkungslos; die trocknen Blüten verlieren zwar ihren Wvhlgeruch, sind jedoch gepulvert ein starkes Niesmittel und kommen als solche zu manchen reizenden Pulvern. DerMaiblumencssiggenießtindenHausapotheken sehr mit Unrecht ein großes Ansehen als Mittel bei Ohnmächten und wird in der Hauptsache durch jeden scharfen Essig vertreten. — Die Weißwurz ist eine andere, in Gärten gewöhnliche Art von Maililic, die bei uns gleichfalls wildwachsend, durch übergeneigten Stengel und hängende cylindrische Blütcnkronen kennbar, in Gärten oft angepflanzt vorkommt, aber durchaus keine medicinische Bedeutung hat. Maier (Ulajoi-) hieß im Mittelalter der Vorsteher von Gutsunterthanen, namentlich unfreien, und ist also gleichbedeutend mit Voigt; sodann bezeichnet es auch in manchen Gegenden eine besondereArt vonBauern, die kein volles Eigenthum an ihrem Gute haben. Maifeld, s. Märzfeld. Maikäfer, s. Käfer. Mailand, ehemals ein selbständiges Herzogthum in Oberitalien und eines der schönsten, fruchtbarsten und cultivirtesten Länder Europas, wurde westlich von Piemont und Montferrat, südlich von Genua, östlich von Parma, Mantua und Venedig, nördlich von den vier ital. Vogteien der Schweiz und von Graubündten begrenzt. Der erste vom Kaiser Wenzel 1395 ernannte Herzog war Gian Galeazzo Visconti (s. d.), und das Herzog- lhum bestand damals aus den blühendsten lombard. Städten, in welchen die Visconti theils durch Fehden, theils durch Begünstigung der Bürger und des Kaisers die höchste Macht erhalten hatten. Als der Mannsstamm der Visconti 1337 erlosch, gelang es, obschon Frankreich die nächsten Ansprüche auf M. hatte, doch dem Francesco Sforza (s. d.), dem Gemahl einer natürlichen Tochter des letzten Visconti, 1350 das Land für sich und seine Familie zu erhalten. Doch seit 1309 fing Ludwig XII. von Frankreich wieder an, seine Ansprüche auf M. geltend zu machen, die sein Nachfolger Franz I. noch eifriger verfocht, und so war das Land nun abwechselnd im Besitze Frankreichs und der Sforza, bis Franz I. im madrider Frieden von 1526 alle ital. Besitzungen aufgeben mußte. Als hierauf mit Francesco II. Sforza, der M. I 521 vom Kaiser Karl V. als Reichslehn erhalten hatte, 1535 der Sforza'sche Mannsstamm ausstarb, gab Karl V. M. seinem Sohne Philipp II. von Spanien, bei welcher Krone cs nun bis zum span. Erbfolgekrieg blieb, in Folge dessen es 1713 an Ostreich kam, worauf es nebst Mantua die östr.Lombardei bildete. In dem wienerFrie- den von 1735 und in dem Wormser Vertrage von 1733 wurden Stücke davon an Sardinien überlassen. Nachdem sich >796 die Franzosen des Landes bemächtigt hatten, wurde es 1797 zur Cisalpinischen Republik, 1802 zur Italienischen Republik und 1805 zum Königreich geschlagen. Bei der Auflösung desselben im1.1813 erhielt Sardinien den früher besessenen Antheil an M. (136 >iiM. mit 600000 E.) zurück; das Übrige vereinigte Ostreich unter dem Namen eines Gouvernements (395 UM. mit 2,570000 E.) mit dem neugebildeten Lombardisch-venetianischen Königreich. Mailand (lat. Aleckiolanuin, ital. Miau«), die Hauptstadt des ehemaligen Herzogthums Mailand, jetzt des Lombardisch-venetianischen Königreichs, eine der reichsten, präch- tigsten und volkreichsten Städte Oberitaliens, mit 135000 E., hat ungeachtet aller durch Zeit, Kriege und andere feindliche Schicksale erlittenen Unfälle doch noch einen großenTheil ihres alten Glanzes gerettet. An ihr Alterthum erinnert freilich nur ein Nest von Thermen. Desto reicher ist sie an Denkmalen neuerer Zeit, darunter der berühmte Dom, von den Einwohnern das achte Wunder der Welt genannt, nach St.-Peter in Rom die größte Kirche in Italien. Ganz aus weißem Marmor gebaut, gewährt derselbe von innen und außen einen unbeschreiblichen Eindruck. Die ältesten Meister, welche an demselben seit 1386 arbeiteten, führten ihn im später» goth. Stile auf; um die Mitte des 16. Zahrh. aber baute Pellegrino Tibaldi die Vorderseite mehr im antiken Geschmacke aus und zerstörte auf diese Weise die Einheit und Eigenthümlichkeit des Ganzen. Napoleon ließ mit 246 Mailäth großen Kosten das halb fertige Gebäude fast bis zu seiner Vollendung fortführen; doch ist der Bau, den l 81S Kaiser Franz wieder aufnahm, noch immer nicht ganz vollendet. Wenn von außen der Glanz des Marmors, die goth. Verzierungen und die Fülle von -1000 Statuen den Beschauer überraschen, so wird er im Innern des Doms, der sich auf 52 Säulen- Pfeiler stützt, von dem ehrwürdigen Helldunkel der heiligen Räume lebendig ergriffen. Vgl. Franchetti, „8toria e üescririone (lei ciu<>mntiiAI."(Mail. l82 l) undRuppundBramati, „Vescririoile storicv-critica ciel «luomo cli Al." (Mail. 1823, 3., mit Kpf.). Alter als der Dom ist die Kirche San-Ambrogio, die im -1. Jahrh. auf den Ruinen eines Minervcntem- pels erbaut wurde, aber, einige Alterthümer abgerechnet, nichts Sehenswerthes bietet. Von den übrigen zahlreichen, zum Theil prächtigen Kirchen und geistlichen Gebäuden er- wähnen wir noch das ehemalige Dominicanerkloster Sta-Maria belle Grazie, in dessen Refektorium sich das berühmte Frescogemälde des Leonardo da Vinci befindet, welches das Abendmahl Christi darstellt. Das ehemalige Jesuilencollegium, die Brera, ein prächtiges Gebäude, enthält mehre Stiftungen für Künste und Wissenschaften, namentlich eine schöne Gemäldegalerie, welche reich an Werken lombard. und bologneser Meister ist, eine Biblio- thek, die manche Seltenheit, unter Anderm den Haller'schen Büchernachlaß, enthält, und eine Sternwarte. Berühmt ist die vom Cardinal Borromeo gestiftete Ambrosianische Bibliothek (s. d.). Ein geographisch - militairisches Institut wurde l 80 l gestiftet und hat sich durch die Herausgabe eines Atlas des Adriatischen Meers und vieler anderer Karten einen hohen Ruf erworben. Unter den Wohlthätigkeitsanstalten behauptet das große Hospital den ersten Rang sowol durch seine Bauart und Größe, wie wegen der Pflege, die den Kranken, deren es 4000 aufnehmen kann, zu Theil wird. Nächst dem Theater San- Carlo in Neapel ist das mailänd. della Scala eins der größten in Italien und vielleicht in Europa. ES wurde 1778 von Piermarini erbaut und zeichnet sich vor allen andern durch Bequemlichkeit aus. Außerdem bestehen noch die Theater Re, della Canobiana, Carcano und Girolamo. M. hat eine große Anzahl Paläste und andere ansehnliche Gebäude; die Straßen aber sind weder sehr breit noch gerade. Ein Triumphbogen des franz. Heers wurde l829 als Friedensbogen dem Kaiser geweiht. Außer dem schönen Corso, der Porta orientale, gewähren die öffentlichen Gärten herrliche Spaziergänge; doch find sie beiweitem nicht so besucht wie der Corso, auf welchem des Abends die vornehme Welt sich einfindet. Bedeutend ist in M. der Handel mit Getreide, Reis, Seide und Käse; nicht minder wichtig sind die Fabriken und Manufacturen. Künste und Wissenschaften finden eifrigeVerehrung; in den neuesten Zeiten hat sich namentlich die mailänd. Kupferstecherschule rühmlichst ausgezeichnet. Die Umgebungen der Stadt sind sehr fruchtbar; den fehlenden Fluß ersehen zwei Kanäle, der Naviglio grande, welcher die Olona mit dem Ticino, und der Naviglio della Martisana, der dieselbe mit der Adda verbindet, sowie die lomb.-venctian. Eisenbahn. Den Horizont der Stadt gegen Norden begrenzen die Alpen der Schweiz. Vgl. Pirotta, „Kou- velle äescriptiov 6e Al." (Mail. 1819) und Carta, „Ouiüs <1e la vüle Al." (Mail. 1830). Mailäth (Joh-, Graf), der bedeutendste unter den neuern Ungar. Dichtern, auch als Geschichtsforscher rühmlichst bekannt, wurde aus einer altadeligen Ungar. Familie zu Pesth am S.Oct. 1788 geboren und ist das 14. Kind unter 18 Geschwistern. Sein Vater, Jos., Graf M., war östr. Staats- und Conferenzminister und ließ ihm eine sehr sorgfältige Erziehung geben. Er studirte in Erlau Philosophie,^.in Raab die Rechte und trat dann in den Staatsdienst, den er aber nach zehn Jahren seiner geschwächten Augen wegen wieder verlassen mußte. Von dem Unglücke, am schwarzen Staar zu erblinden, wurde er durch eine mehr als zweijährige Behandlung des Augenarztes Beer geheilt. Während dieser Zeit, in welcher er weder lesen noch schreiben durfte, faßte er den Entschluß, sich ausschließend der Literatur zu widmen. Einzelne poetische Versuche von ihm waren allerdings schon früher erschienen. Neben der Poesie wählte'er nun die Geschichte, namentlich Ungarns, zu seiner Hauptbeschäftigung. Hierbei unterstützte ihn hauptsächlich sein außerordentliches Gedächtniß. Später wurde er wieder im Staatsdienste angestellt und ist gegenwärtig kaiserlicher Kämmerer, Hofrath der Ungar. Hofkanzlei und juclex curise zu Pesth. Von seinen poetischen Arbeiten erwähnen wir den von ihm mitKöffinger herausgegebenen „Koloc- zaer Codex altdeutscher Gedichte" (Pesth 1818); seine „Altdeutschen Gedichte" (Sluttg, Maimbourg Maimoiiides 247 I8I S), eine Auswahl der schönsten in dem zuvor erwähnten Codex enthaltenen Dichtungen in neudeutscher Übertragung; seine lyrischen „Gedichte" (Wien 1824); seine „Magyarischen Sagen und Märchen und Erzählungen" (Brünn 1825; 2. Aust., 2 Bdchn., Stuttg. und Tüb,, >837); seine Übersetzung „Magyarischer Gedichte" (Stuttg. >825) und die gelungene Übertragung von „Himfy's (d. i. Alex, von Kisfaludy's) auserlesene Liebelieder" (mit magyarischem Originaltext, Pesth > 829; 2. Aufl., ohne Originaltext, Pesth 1831); und von seinen historischen Werken die nach den Quellen bearbeitete „Geschichte der Magyaren" (5 Bde., Wien 1828—31); die „Geschichte des östr. Kaiserstaats" (Bd. I—3, Hamb. >834—42); „Der ungar. Reichstag im I. 1839" (Pesth >831); „Geschichte der Stadt Wien" (Wien 1832); „Leben der Sophie Müller" (Wien 1832) und „Das ungar. Urbarialsystem" (Pesth > 838). Auch lieferte er eine „Ungar. Sprachlehre" (Pesth 1830; 3. Aust., 1838) und eine „Mnemonik" (Wien 1842) und gibt gegenwärtig das Taschenbuch „Iris" (Jahrg. >—6, Pesth 1839—44) heraus. Maimboura (Louis), franz. Kirchenhistorikcr, geb. zu Nancy 1619, trat mit seinem 16. Jahre in den Jesuitenorden und vollendete seine Studien in Rom. Nachdem er nach Frankreich zurückgckehrt war, wurde ihm eine Professur in Rouen übertragen, die er aber niedcrlcgtc, als er sich später vorzugsweise dem Predigcramte widmete. Durch die Lebhaftigkeit, mit welcher er die gallicanischen Neuerungen vertheidigte, zog er sich den Unwillen des Papstes Jnnocenz'XI. zu, der den Jesuitenorden veranlaßte, M. aus seiner Gemeinschaft auszuschließcn. Dieses geschah im I. l 682. Ludwig XIV. entschädigte ihn indessen für diese Härte durch eine Pension. M. zog sich nun in die Einsamkeit der Abtei Saint- Victor zurück, wo er am 13. Aug. 1989 starb. Als Kanzelredner erregte er durch wirkliches Rednertalent, oft aber auch nur durch seine beißenden Ausfälle Aufsehen. Von seinen historischen Schriften verdienen seine Geschichten des Wiklcsismus, des Lukheranismus, Calvinismus u. s. w. (14 Bde., Par. >686—87 oder 29 Bde. in 12.) und sein berühmter „Trsite tüstori<;ue Iss oj-ittivss st Iss ;><>uvk,irs cle I'egchre üe Rome et cle »e» eveyue," (Par. 168.',, 4.; neueste Aufl., Revers 1831) erwähnt zu werden. Maimomdes, eigentlich Moses Ben Maimon Ben Joseph, arab. Abu Amran Musa ibn Abdalla, aus einem angesehenen jüd. Geschlechte, geb. in Cordova am 39. März 1135, studirte die damalige Wissenschaft,der Juden und der Araber und die griech. Philosophie, namentlich Aristoteles in arab. Übersetzungen, hörte arab. Philosophen und lernte die Heilkunde. Durch die Religionsversolgungen der Almohaden gegen die Juden in Andalusien imJ. 1148 aus seinen Studien gerissen und zur Verheimlichung des JudenthumS genöthigt, wendete er sich endlich mit seinem Vater noch vor 1169 nach Fez, reiste später nach Jerusalem, wo er > > 95 war, und nahm bald darauf seinen bleibenden Aufenthalt in Fostat, Kairo gegenüber. Hier vcrheirathet, lebte er anfangs vom Handel mit Edelsteinen; wurde aber sehr bald Leibarzt des Sultans von Ägypten und Oberhaupt der jüd. Gemeinde. Seine Kenntnisse als Arzt und als Philosoph, seine Gelehrsamkeit, sein edler Charakter und glänzender Geist, und vor Allem seine Werke verbreiteten seinen Ruf über das Abend- und Morgenland, unter Araber und Juden. Er starb am 13-Dec. 1294, und seine Leiche wurde nach Palästina gebracht. M., dessen Schriften schon bei seinem Leben überseht worden, hat als Theolog und Eesetzlchrer einen außerordentlichen Einfluß auf die ganze Entwickelung des Judenthums gehabt. Die neucnBahnen, die er betreten, wurden ein.Kampf- Platz für Wissenschaft und Orthodoxie, und schon im 13. Jahrh. lasen deutsche Theologen seine ins Lateinische übertragenen Bücher. Die vornehmsten Schriften des M, in arab. Sprache sind „Der Führer der Verirrten" („More Nebochim"), eine philosophische Begründung des jüd. Gesetzes (deutsch, der dritte Theil von Scheyer, Franks. 1838; der erste Theil von Fürstenthal, Kroroschin > 839); ein Compendium der Logik; ein Commentar der Mischnah; eine Erläuterung der 613 Mosaischen Gesetze; Gutachten und Sendschreiben; verschiedene Abhandlungen, z. B. über die Einheit Gottes, die Auferstehung u. s. w.; mehre medicinische und diätetische Schriften, namentlich ein Auszug aus Galenus. Zn reinem Hebräisch schrieb er „Mischne Thora", später gewöhnlich „Das Werk" oder „Jad Chasaka" genannt, eine aus 982 Capiteln bestehende Systematik des talmudischen Juden- thums und ein bis jetzt unübertroffenes Meisterwerk. Auch übertrug er Avicenna's Kanon 248 Main Maine (Herzog von) ins Hebräische. — Sein einziger Sohn, Abraham, geb. 1184, gest. 1254, der gleich, falls Leibarzt und Oberhaupt war, hat sich durch ein theologisches Werk „Das den Frorn- men Genügende" bekannt gemacht. Main, der kleinste unter den sechs Hauptflüssen Deutschlands, entsteht aus dem weißen und rothen Main, von denen der erstere auf dem Fichtelgebirge am östlichen Ab- > hange des Ochsenkopfs, 3000 F. über dem Meere, etwas über eine halbe Meile südwestlich über Kulmbach bei Steinhausen, der letztere, welcher kleiner ist, auf dem Frankenjura bei Lindenhart oberhalb Kreußen im Baireuthischen entspringt. Beide vereinigen sich bei Burg-Kunstadt zum eigentlichen Main, der westwärts fließend zwischen Taschendorf und Baunach die Ztz, unterhalb Bamberg die Regnih und einige andere Flüßchen, in Unter- franken die frank. Saale, bei Wertheim in Baden die Tauber, bei Hanau die Kinzig, im Herzogthum Nassau bei Höchst die Nidda aufnimmt, und nachdem er Aschaffenburg und Frankfurt berührt hat, oberhalb Main; in einer Breite von etwa 400 Schritt sich in den Rhein ergießt. Zn großen schlangenartigen Windungen sich langsam hinziehend, durchlauft er eine Strecke von 60 M.; sein Flußgebiet beträgt 730 UM. Nach Vereinigung mit der Regnih wird er schiffbar; durch den Ludwigskanal (s. d.) ist er mittels der Altmühl mit der Donau in Verbindung gesetzt. Maine, einer der Vereinigten Staaten von Nordamerika, der nordöstlichste von allen, ist im Norden von Canada, im Osten von Neubraunschweig, im Süden vom Meere, im Westen von Neuhamshire begrenzt und zählt auf einem Areal von 1500 lUM. gegen 550000 E., worunter nur wenige Indianer und Farbige. Das Land ist gut bewässert, im Innern reich bewaldet, im Allgemeinen fruchtbar und an der Küste sehr fischreich; das Klima gesund, im Sommer heiß, im Winter sehr strenge. Die volkreichste Stadt ist Portland mit 15000 E. und einem guten Hafen. M. gehörte früher zu Massachusetts und trat erst 1820 als Staat der Union bei. Zum Congreß sendet eS zwei Senatoren und acht Repräsentanten. Maine hieß sonst eine Provinz in Frankreich, die von Bretagne, Normandie, Anjou und Vendomais begrenzt wurde und ungefähr die jetzigen Departements Sarthe und Mayenne umfaßte. Sie wurde seit 955 von erblichen Grafen regiert, kam um die Mitte des II. Iahrh. an die Herzoge von der Normandie, zu Anfänge des 12. Zahrh. an Anjou und mit diesem an England. Nachdem sie Philipp August von Frankreich 1204 den Engländern wieder abgenommen hatte, kam sie durch Ludwig den Heiligen >246 an seinen Bruder Karl, der sie auf seine Nachkommen vererbte, und l 440 durch Karl VII. an das Haut Anjou, nach dessen Aussterben 1481 sie an die Krone Frankreich zurückfiel. Louis Auguste, der natürliche Sohn Ludwig's XIV., führte blos den Titel eines Herzogs vonMaine (s. d.). Maine (LouisAuguste deBourbon, Herzog von), dernatürliche Sohn Ludwig'sXIV. von Frankreich undderFrau von Montespan (s.d.), wurde am 30.März 1670 zu Versailles geboren. Er erhielt mit seinem Bruder, dem Grafen von Toulouse, die Marquise von Maintenon (s. d.) zur Erzieherin und erwarb sich durch schnelle Entwickelung seiner Geistesanlagen die besondere Gunst des königlichen Vaters. Schon 1673 wurde er legiki- mirt, und 1682 erhielt er das Fürstenthum Dombes, später den Titel eines Herzogs von M. Im I. 1692 vermählte ihn Ludwig XIV. mit Anne Louise Benedicte von Bour- bon-Condch der Enkelin des großen Conde. Auf Anliegen der Maintenon, die ihre Zöglinge sehr liebte, ertheilte der König 1694 seinen beiden Söhnen von der Montespan den Rang unmittelbar hinter den Prinzen von Geblüt, und 1714 erklärte er dieselben sogar thron- i fähig, im Fall das rechtmäßige Bourbonengeschlecht aussterben würde. Überdies sollte der Herzog von M. nach den Testamentsbestimmungen des Königs die Erziehung des jungen Ludwig's XV. leiten, die Haustruppen befehligen und eine Stelle imRegentschaftsrathe einnehmen. Diese Anordnungen hatte die Maintenon im Verein mit dem ihr ganz ergebenen Herzog von M. für gut befunden, um dem Herzog Philipp von Orleans (s.d.), dem künftigen Regenten, so viel als möglich an Macht zu entziehen. Der Regent unterdrückte nach Lud- wig's XIV. Tode sogleich diese Bestimmungen und hob >717 auch jenes Edict auf, welches die Kinder der Montespan erbfähig und zuPrinzen von Geblüt erklärte. Aus Verdruß darüber ließ sich der Herzog von M. mit seiner Gemahlin in die von dem span. Minister Albe- Mainotten Maintenon 249 ron i (s. d.) angezetteltenJntriguen gegen den Regenten verwickeln. Namentlich trat die Her- zogin mit den Jesuiten und der früher» Hofpartei in eine Verschwörung zusammen, welche der span. Gesandte, Prinz von Cellamare, leitete. Man wollte den Herzog von Orleans auf- hcben, sich des Königs bemächtigen und die Reichsstände zusammenrufen, um eine neue Regentschaft zu Gunsten Philipp's V. von Spanien, des Enkels Ludwig's XIV., einzusetzen. Der Minister Dubois entdeckte jedoch im Dec. 1718 das Complot. Der Herzog von M., dem es zwar nicht an Geist, aber an jeder Eigenschaft für eine politische Rolle fehlte, wurde aufdas Schloß Dourlans, seine Gemahlin aber nach Dijon, sodann nach Chalons geführt. Der Herzog selbst konnte nicht überführt werden und erhielt nach einjähriger Gefangenschaft seine Freiheit; die Herzogin jedoch gestand bald darauf den ganzen Zusammenhang der Jntrigue und wurde nach Sceaux verwiesen. Hier lebten fortan Beide vom Hofe entfernt und umgeben von einer Gesellschaft geistreicher Männer und Frauen. Der Herzog starb am 14. Mai 1736; seine Gemahlin erst >753. Sie hinterließen zwei Söhne, mit denen das Haus Maine wieder erlosch: Louis Auguste de Bourbon, Prinz von Dom- bes, gcb. 1700, gest. >755, und Louis Charles de Bourbon, geb. 17VI, gest. >755. Mainotten heißen die Bewohner des Gebirgsbezirks Maina, der die gebirgige, vom Penteduktylon oder Taygetusgcbirge (jetzt Eliasberg) gebildete Halbinsel zwischen den Meerbusen von Kolokythia und Koron im südlichen Morea begreift und jetzt zur Provinz Lakonien im Königreich Griechenland gehört. Sie sind Mer für Nachkommen der alten Spartaner, in deren Lande sie wohnen, gehalten worden; nach den neuesten Forschungen aber ist es wahrscheinlicher, daß sie zum größten Theil von Slawen, die sich mit den griech. Ureinwohnern zur Zeit der großen slaw. Wanderung in die türkische Halbinsel mischten, akstammen. Ihre Anzahl beträgt gegen 6«woo. Sie sind wild, kühn, abergläubig, freiheitliebend, blutdürstig und räuberisch, treiben Ackerbau, Viehzucht, Ölbau, Spinnerei und Weberei, halten die Gastfreundschaft heilig, sind einfach, mäßig und streng in ihren Sitten und bekennen sich zur griech. Kirche. Zur Zeit der türk. Herrschaft wußten sie, von der Natur ihres hochgebirgigen Landes trefflich geschützt, ihre factische Unabhängigkeit zu bewahren, indem die Türken blos die nominelle Oberherrschaft führten und nur einen unbedeutenden Tribut erhielten. Sie standen unter erblichen, in festen Thürmen oder Burgen hausenden Häuptlingen, welche unter dem Namen Zapitaden in den einzelnen Ortschaften herrschten; diese bildeten acht Bezirke, die unter acht erblichen Stammeshäuptlingen oder Kapitanys (s. d.) standen, und diese wurden von einem Bei regiert. Wie mit den Türken, so waren die einzelnen Häuptlinge unter sich in einem immerwährenden Kriege begriffen, zu dem die im Lande herrschende Blutrache unaufhörlich Veranlassung gab, und der nur dann eine Unterbrechung erlitt, wenn es eine gemeinschaftliche Unternehmung gegen die Türken galt. Nach der Katastrophe des Hauses ihres letzten Bei, Pietro Mauromi - chali (s. d.), wurde ihre Selbständigkeit erschüttert. Vergebens empörten sie sich 1834 gegen die Regentschaft; sie mußten, durch die bair. Truppen besiegt, zum Theil ihre Waffen niederlegen und ihre festen Thürme wurden gebrochen. Zwar haben sie seitdem fast bei allen politischen Stürmen, welche das Königreich Griechenland bewegten, sich geregt, allein niemals gelang es ihnen, ihre alte Unabhängigkeit wieder zu gewinnen, und selbst der so verhaßten Conscription mußten sie sich unterwerfen. Maintenon (Francoise d'Aubigne, Marquise von), die Geliebte und später die heimliche Gemahlin Ludwig's XIV. (s. d.), stammte aus einer protestantischen Adelsfamilie und wurde am 27. Nov. 1635 im Gefängnisse zu Niort geboren, wo ihrVater, ein Abenteurer, eingeschlossen saß. Ihre Altern führten sie im Alter von drei Jahren mit nach Amerika. Nach dem Tode des Vaters kehrte die elfjährige Tochter mit der Mutter nach Frankreich zurück. Da Letztere ebenfalls starb, kam das Mädchen zu einer Tante, Namens de Billette, die sie mit großer Härte behandelte und in der reformirten Religion erzog. Im Alter von 16 Jahren machte sie zu Paris die Bekanntschaft des Dichters Scarron (s. d.), der ihr, angezogen von ihrer Schönheit, ihrem Geist und ihrer hülflosen Lage, freistellte, ob sie von ihm die Summe zum Eintritt in ein Kloster oder seine Hand annehmen wollte. Obgleich Scarron gelähmt und misgestaltet war, so wählte sie doch das Letztere und lebte nun in der glänzenden, geistreichen Gesellschaft, die sich in dem Hause des Dichters vereinigte. Als 250 Mainz Scarron 1666 starb, gericth sie bald in die drückendste Noth, bewahrte jedoch mit Klugheit ihren guten Ruf, obschon sie als sehr genaue Freundin der Ninon de Lenclos (s. d.) gast Sie stand imBegriff, als Erzieherin nach Portugal zu gehen, als sie durch Frau von Mon- tespan (s. d.), die damals noch nicht die Geliebte des Königs war, eine Pension vom Hose erhielt. Vier Jahre später wurde sie die Erzieherin der beiden Söhne, welche die Mont< espan Ludwig XIV. gebar. In dieser Stellung lernte sie der König kennen, auf den ihre ge- suchte Strenge und ihre Zurückhaltung anfangs einen ungünstigen Eindruck machten. Doch war Ludwig mit ihren Leistungen so zufrieden, daß er ihr >66666 Livres schenkte, für welche sie das Gut Maintenon kaufte, dessen Namen sie auch annahm. Durch kluges Betragen wußte sie indessen allmälig das Herz des Königs zu erobern und ihre Wohlthä- tcrin aus dessen Gunst zu verdrängen. Sie bildete den hochmüthigen, wollüstigen Monar- chen zum Frömmler und erlangte so große Gewalt über ihn, daß er um > 685 sogar in eine heimliche Vermählung mit ihr willigte. Obschon sie vorgab, sich nicht in die Politik mischen zu wollen, begann doch hiermit ihr mächtiger und unseliger Einfluß auf die Staatsangelegenheiten. Im Bunde mit der Hofgeistlichkeit unterstützte sie die Verfolgung und gewaltsame Bekehrung der Hugenotten (s. d.) und betrieb sie die Aufhebung des Edicts von Nantes. Ihre Creaturen wurden Minister und Generale, oder erhielten Pensionen, die den Schatz bedrückten. Die Hofleute und Beamten verwandelten sich in heuchlerische Frömmler, um die Gunst der mächtigen Frau zu erlangen. Umgeben von Glanz und Glück, wie eine Königin geehrt, fühlte sie sich dennoch sehr unglücklich und sehnte sich aus den vergoldeten Sälen zu Versailles in die Dürftigkeit zurück. Es fiel ihr ebenso schwer, den alten, mürrischen, vom Unglück gebeugten König zu erheitern, wie den Haß zu ertragen, den das Volk nicht mit Unrecht auf sie warf. Als Ludwig l 1 > 5 starb, zog sie sich in die Abtei Saint- Cyr zurück, die auf ihren Wunsch 56 Jahre vorher in ein Fräuleinstift war verwandelt worden. Hier starb sie am I5.Apr. >719. Sie empfing bis zu ihrem Ende die Ehren einer Königswitwe, wiewol sic nie Anspruch erhob, noch über ihre Vermählung eine Erklärung gab. Ihre „Nömoires" (6 Bde., Amst. 1755) sind ein Machwerk Veaumelle's. Derselbe gab auch ihre gesammelten Briefe (!> Bdc., Amst. 1756 und öft.; beste Ausg., 3 Bde., Par. 1815) heraus, die vom Geiste und von der Bildung der Verfasserin zeugen und bei aller Zurückhaltung für die Geschichte der Zeit wichtig sind. Ferner erschienen „I^ettres m- öäites ile Älack. 814 und 182k). Vgl. Caraccioli's „Vie 6e 5Ii>ck. cke 51." (Par. 1786) und der Frau von Genlis „üistoüe ckeblsll. «Ie 51." (2 Bde., Par. 1806; deutsch, Lpz. 1867). Mainz, das ehemalige Erzstift im Nicderrheinischen Kreise, dessen Erzbischof der erste der drei geistlichen Kurfürsten und dcS Reichs Erzkanzler in Deutschland war (s.Kurfü rsten), umfaßte bis zurZeit des lunevillerFriedens ein Areal von I 50 lHM.mit ungefähr 269600 E. Die kurmainz. Länder lagen auf dem rechten und linken Nheinufer und in den Maingegendcn zerstreut; namentlich gehörten dazu Erfurt (s.d.) und das Eichs- feldss.d.). Durch den Frieden zu Luneville von >86l wurde die Stadt Mainz (s. d.) nebst dem auf dem linken Rheinufer gelegenen Theile des Landes an Frankreich überlassen. Der Reichsdeputationshauptschluß entschädigte >803 den Kurfürsten, der Erfurt an Preußen abtreten mußte, durch das Fürstenthum Regensburg und die Grafschaft Wetzlar, worauf der Kurfürst Regensburg zu seiner Residenz machte und den Titel Reichserzkanzler annahm. Gestiftet wurde das Erzbisthum unter Bonifacius um 756; der Ursprung der Kurfürstenwürde wird in das 1.996 gesetzt. Unter den Erzbischöfen und Kurfürsten waren die ausgezeichnetsten Hrabanus Maurus (s.d.), gest- 856; Hatto I-(s.d-), zurZeit Ludwig des Kindes und Konrad's 1., undHattoII. (s. d.), von dem der Mäusethurm herrühren soll, gest. 976; Willigis, gest. 1611, der vom Papst das Vorrecht erhielt, den deutschen König zu krönen und auf allen deutschen und franz. Concilien zu präsidircn; Siegfried II., als Feind Kaiser Friedrich's II. berüchtigt; Albrecht von Brandenburg (s. d.), zur Zeit der Reformation, und Joh. Phil, von Schönborn, gleich einsichtig als Fürst wie als Staatsmann, geb. 1665, gest. 1673, der mit Eifer den Wohlstand seines Landes förderte, Mainz befestigte und verschönerte und Erfurt seiner Botmäßigkeit 1667 unterwarf. Der letzte Kurfürst war Friedr. Karl von Erthal, der < 862 starb. Ihm folgte als Reichserz- ka, Fü all füi dei lai Hi bei w< fes D err Sl un mi no ve> F° mi ker we voi sin bu we ha im Di Pr Nr lick un dei mo UN seö eir ihr uu be w> di> st 3i g- di st. 3 m E st ei L 251 Mainz kanzler der bisherige Coadjutor Karl Theod. von Dalberg (s. d.), der 1806 souverainer Fürst Primas des Rheinbundes, später Großherzog von Frankfurt wurde, 1813 aber auf alle seine Besitzungen als Landesherr verzichten mußte. Mainz (iVloAunti» oder Lloguntiacum), die alte Residenz der Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz, jetzt die Hauptstadt der großherzoglich Hess. Rheinprovinz und eine deutsche Bundesfestung, liegt in einer der schönsten und fruchtbarsten Gegenden Deutschlands, am linken Ufer des Rhein, da, wo er den Main ausgenommen hat, am Abhang eines Hügels. Eine auf 4!) Pontons ruhende Brücke, unterhalb welcher sich 13 Schiffmühlen befinden, führt über den Nheinstrom nach dem Städtchen Castel (s. d.), welches zu dem weitläufigen Befestigungssysteme der Stadt gehört. M. ist in neuerer Zeit zu einem der festesten Plätze gemacht worden und die stärkste unter den deutschen Bundesfestungcn. Der Umfang der Festungswerke, welche schon vor der Abtretung an Frankreich bedeutend erweitert worden waren, beträgt mit Einschluß der seit 1826 angelegten Weißenauer Schanze, die kleinen Feldschanzen ungerechnet, 2'/, Stunde. Sie bestehen aus elf ganzen und zwei halben Bastionen, zu denen von der Südseite noch ein Kronenwcrk kommt. Jm- mitten derselben liegt südlich die Citadelle, ein bastionirtes Viereck, das nach dem Flusse zu noch besonders durch eine Mauer und ein casemattirtes Weik zur Bestreichung des Rhein vertheidigt wird. Um die Citadelle im weitern Kreise zieht sich ein aus sieben detachirten Forts, unter denen besonders der Hauptstein, ein vor allen übrigen vorspringcndes Werk mit herrlicher Aussicht, merkwürdig ist, und aus einer dicht vor den Hauptwerken liegenden kenaillirten Enveloppe bestehender Gürtel, der von drei Seiten her unter Wasser gesetzt werden kann, und als erste Vertheidigungslinie liegen acht detachirte Forts vor dem Walle, von denen zwei miteinander und mit der Zosephsschanze durch eine Courtine verbunden sind. Das mit der Stadt als Außenwerk, besonders zur Deckung der Schiffbrücke, verbundene Castel hat gleichfalls ausgedehnte und mit besonderer Kunst angelegte Festungswerke, die aus den vier Forts Castel, Mars, Montebello und dem Petersauer bestehen. Auch hat man in neuester Zeit zur Verstärkung des rechten Mainufers Forts auf der Mainspitze und auf der ehemaligen Gustavsburg angelegt. Die Stadt, eine der ältesten Städte in Deutschland, ist im Geschmacke des Mittelalters gebaut, und hat, außer einzelnen schönen Privatgebäuden, wenig ansehnlicheHäuser und meist enge,winklige und schmuzige Straßen. Nur die drei Bleichen und die Thiermarktsstraße sind schön zu nennen. Von den 27 öffcnt- lichen Plätzen sind der Gutenbergsplatz, mit der 1837 errichteten Standsäule Gutcnberg's, und der mit Bäumen umgebene Paradeplah am ehemaligen Schlosse die schönsten. Unter den elf Kirchen zeichnen sich aus die schöne Jgnatiuskirche, deren Decke mit trefflichen Ge- mäldcn, welche Begebenheiten aus dem Leben des heil. Ignatius darstellen, geziert ist, und die Domkirche, 356 F. lang, > 46 F. breit, mit einem 396 F. hohen Hauptthurme und sechs kleinen Thürmen, und im Innern mit 14 Altären und 26 Ncbenkapellen, worunter eine unterirdische. Die Domkirche litt besonders durch die Belagerung im I. 1793; von ihrem ehemaligen großen Schatze und ihrer beträchtlichen Bibliothek ist nichts mehr übrig, und selbst viele von den zum Theil sehr merkwürdigen Grabmälern sind zerstört. Die bedeutendsten öffentlichen Gebäude sind das deutsche Ordcnshaus, worin Napoleon residirte, wenn er nach M. kam, und das neben diesem stehende schöne, große und massive Zeughaus, die der Stadt von der Rheinseite her ein imposantes Ansehen geben. Die ehemaligen kurfürstlichen Schlösser, die Favorite und die Martinsburg, welche beide zu den vorzüglichsten Zierden der Stadt gehörten, sind abgebrochen. Zu den Merkwürdigkeiten aus röm. Zeit gehören auch der sogenannte Eichelstein, auf einer Bastion der Citadelle, eine Steinmaffe, die man für ein Denkmal des röm. Feldherrn Drusus hält, und die in 59 Pfeilern bestehenden Reste einer Wasserleitung nebst 18 Pfeilern einer Brücke, unweit des Dorfes Zahlbach, die man gleichfalls von Drusus erbaut glaubt. Mit dem Dorfe Zahlbach und mit Einschluß der gegen 16066 M. starken Besatzung hat die Stadt 40660 E., ein Gymnasium, welches an die Stelle der ehemaligen Universität getreten ist, ein Pricster- seminar und eine'Realschule. In dem Bibliothekgebäude sind vereinigt ein Münzcabinet, ein Naluraliencabinet, eine Sammlung physikalischer und mechanischer Instrumente, eine Bildergalerie, die Stadtbibliothek, welche 90000 Bände zählt, und das Museum röm. 252 Maire Denkmäler, die in der Nähe von M. gefunden worden sind. Zur Beförderung des Handels ließ Napoleon einen Freihafen anlegen, in dem man einen Theil des Rheinufers bei der Stadt mit Ungeheuern Kosten durch einen festen Steindamm erhöhte und zur Anlandung der Schiffe einrichtete. Seitdem besaß M. ansehnliche Schiffahrt und trieb mit Holz und Wein besonders nach den Niederlanden und dem nördlichen Deutschland lebhaften Sxe- ditionshandel. Da der letztere dem neuen Hafen von Bibrich und Frankfurt gegenüber in neuester Zeit sichtbar in Verfall gerieth, so beschloß die Hess. Regierung >845 den einer Mainz-Ludwigshafncr Eisenbahn, welche durch die Concession der Speyer-Lauter- burger Bahn einerseits mit Strasburg und der Schweiz, andererseits mit Metz und Paris in Verbindung treten soll, und die Errichtung einer wohlsrganisirten Dampfschleppschiffahn, indem sie zugleich den Mainzer Handel von einer Menge Hemmnisse und Beschränkungen befreite, um mit der manheim-holländ. und biberich-holländ. Schleppschiffahrt concurriren zu können. An Jndustriegegenständen liefert Mainz Glas- und Wachsperlen, Leder, Hüte, Seife, Fischleim, Taback, Weinessig, Kutschen, physikalische und musikalische Instrumente und überhaupt Kunsttischlerarbeiten. Wo jetzt M. liegt, legte im I. > 3 V.CHr.Drusus ein Castell, genannt bla^ontiLeuw, an, in dessen Nähe nachmals eine Stadt entstand, die sich aber zu den Römerzciten nicht bis an den Rhein erstreckte. Im 1.406 wurde dieselbe von den Vandalen völlig zerstört und blieb mehre Jahrhunderte in Trümmern, bis der frank. König Dagobert um 612 sie wiedu aufbaute und bis zum Rhein ausdehnte. Den eigentlichen Grund zu ihrem raschen Empor- blührn legte aber Karl der Große durch neue Bauten und Bewilligung von Freiheiten und BonifaciuS durch Gründung des dasigen Erzbisthums. In der Mitte des 13. Iahst, stellte sie sich an die Spitze des rhein.Städtcbundes. Durch Gutenberg wurde sie die Wiegt der Buchdruckerkunst. In dem Streite zwischen dem abgesehten Kurfürsten Diether vo» Isenburg und seinem Nebenbuhler Adolf von Nassau kam sie durch Eroberung des Letzter» an das Erzstift, welchem derKaiserMaximilian sie I486 förmlich cinverleibte. Im Dreißig« jährigen Kriege wurde sie >631 von dem Könige von Schweden, der die Gustavsburg anlegte, 1635 von denKaiserlichen und I644von den Franzosen erobert. In dem westfälische» Frieden zurückgegeben, wurde sie trotz der unter dem Kurfürsten Johann Philipp durch de» Italiener Spalla angelegten neuen Befestigungen 1688 wiederum von den Franzose» eingenommen, von den Sachsen und Baiern jedoch ihnen 1689 wieder entrissen. Am 14.Oct. 17 92 fiel sie durch Verrath und Feigheit in die Hände des franz. Generals Custim, doch wurde sie am 22. Juli >793 wieder von den Preußen unter Kalckreuth genommen. Von den Franzosen 1794 von neuem eingeschlossen, wurde sie >795 durch den östr.Feld- marschall Clerfait befreit, der am 29. Oct. unvermerkt der Festung sich näherte, über de» Rhein ging, die franz. Verschanzungen überfiel und die Stadt nebst allem Geschütz mit Sturm eroberte. Im Frieden zu Luneville kam sie 1801 an Frankreich. Durch den Wien« Congreß wurde sie 1814 dem Großherzoge von Hessen zugesprochen, jedoch unter der Be« dingung, daß sie in militairischer Hinsicht eine deutsche Bundesfestung bleibe und von östr., preuß. und Hess. Truppen gemeinschaftlich besetzt werde. Ostreich und Preußen ernenne» abwechselnd von fünf zu fünf Jahren die Stellendes Gouverneurs, Vicegouverneurs und Festungscommandanten in der Art, daß, wenn Ostreich die beiden erstem, Preußen den letztem ernennt, und so umgekehrt. Die Artillericdirection hat Ostreich, die Eeniedirectio» Preußen. In Folge der Karlsbader Beschlüsse versammelte sich in M. 1819 die Central- untersuchungscommission zur Ermittelung revolutionairer Umtriebe (s. d.), die am 20. Sept. 1828 ohne ein eigentliches Ergebniß ihrer Bemühungen geschloffen wurde. Vgl. Wemer, „Der Dom von M. und seine Denkmäler, nebst Darstellung der Schicksale der Stadt und der Geschichte ihrer Erzbischöfe bis zur Translation des bischöflichen Sitzes nach Regensburg" (2 Bde., Mainz >827 — 29); „M. und seine Umgebungen" (Darmsi. 1843); Schaab, „Geschichte der Stadt M." (2 Bde., Mainz >841—44) und Desselben „Geschichte der Bundesfestung M-, historisch und militairisch bearbeitet" (Mainz >835). Maire heißt in Frankreich der Vorsteher jedes Gemeindebezirks. Das Wort ist de« german. Maier, und dieses anscheinend dem lat. illajor entsprungen. Schon in der alten Gemeindeverfassung Frankreichs, von welcher beim Ausbruche der Revolution noch einige 253 Mals Maison Spuren vorhanden waren, gab es Maires. Ein von der Nationalversammlung berathenes ' Gesetz vom 14. Dec. I 789 regelte das Gemeindewesen aufs neue und bestellte in jeder Ge- meinde einen Maire, der, wie die übrigen Gemeindebeamten, von den Bürgern gewählt ^ wurde. Seine Stellung entsprach dem deutschen Bürgermeister und dem engl, Durch die Constitution von 1793 aber wurden dieGemeinden einesCantons in eine einzige Municipalität vereinigt, deren Vorsteher den Namen Präsident empfing. Die Constitution von >799 stellte die Verwaltung in jeder Gemeinde wieder her, sprach aber die Ernennung des Maire der Regierung zu. Obschon ein Gesetz vom 21. März 1831 und mehre spätere Verordnungen einige Abänderungen trafen und die Gemeindeverfassung vervollständigten, so ist doch jene dem ministeriellen Einflüsse sehr günstige Organisation des Gemeindewesens M geblieben. Der von der Gemeinde gewählte Maire wird vom Könige, und in den Ge° meinden, die unter 2909 E. zählen, vom Präfecten des Departements im Namen des ^ Königs bestätigt. In Paris hat ausnahmsweise jeder der zwölf Stadtbezirke einen Maire; E das Ganze leiten der Policeipräfect und der Präfect des Seinedepartements. Das Amt des Maire umfaßt sehr verschiedene Zweige. Er ist zuvörderst Richter oder auch öffentlicher Ankläger in Policeisachen. Als Regierungsbeamter theilt er die Gesetze, Verordnungen und Bescheide mit, verwaltet die Civilregister, übt die Wohlfahrts- und Sicherheitspolicei ^ und vertritt überhaupt das Gesetz und den König. Auch kann er nach Gutdünken die bc» waffnete Macht zur Herstellung der Ruhe anrufen. Seine eigenen Anordnungen haben indessen nur provisorische Geltung und bedürfen der Bestätigung der Oberbehörde. Da- ^ gegen ist aber auch der Maire Gemeindebeamter. Er vertritt die Interessen derselben oder Einzelner dem Staate gegenüber, verwendet die vom Gemeinderath bewilligten Gelder und ützt legt darüber Rechnung ab, verwaltet das Communalvermögen, leitet die Gemcindebauten und ist der Beschützer und Rathgeber des einzelnen Bürgers nach allen Seiten hin. Je , nach der Volksanzahl der Gemeinde hat der Maire einen oder mehre Adjuncte (^choints), die ihn auch vertreten können. Dieselben werden ebenfalls von der Gemeinde gewählt und a»' von dem Könige oder dem Präfecten bestätigt. Der Präfect besitzt zwar das Recht, den ür>> Maire von seinem Amte vorläufig zu entbinden, die Absetzung desselben kann jedoch nur der dk" Minister im Namen des Königs verfügen. °s>« Mais, Welschkorn, Türkischer Weizen oder Kukurutz, ist eine Getreideart, Am die ursprünglich aus Amerika stammt, jedocb auch in Italien, Frankreich, Ungarn, Kroatien bnt und in dem südlichen Deutschland im Großen angebaut wird. Schon Plinius gedenkt des neu. Mais. In Italien wurde er 1599 bekannt und seit 1619 ein Handelsartikel. Man hat >eld< eine Menge Spielarten. Für Deutschland sind zum Anbau am geeignetsten der kleine d» weiße und der kleine gelbe Mais, da sie selbst bei ungünstiger Witterung zur Reife mii kommen. Der Mais gewährt in allen seinen Theilen großen Nutzen. Die Körner geben em eine schmackhafte Grütze und ein vortreffliches Mehl zu allerhand Backwerk, in Italien Ve> namentlich zu Maccaroni (s.d.) und Polenta (s.d.); zu Brot aber ist das Maismehl str., seiner eigenthümlichen Süßigkeit halber nicht geeignet. Auch bereitet man daraus Bier ne» und Essig. Übrigens sind die reifen Körner und unreifen milchigen Kolben geröstet, ge- und braten und warm gegessen sehr schmackhaft. Die Pflanzen enthalten zur Blütezeit eine de» große Menge süßen, zur Syrup- und Zuckerbereitung tauglichen Saftes, wozu sie auch mit tio» dem günstigsten Erfolg benutzt werden. Allen Hausthiere» gewähren die Körner ein ange- ral> nehmeS gedeihliches Futter, was auch von der Maispflanze als Grünfutter und von den am > getrockneten Blättern gilt. Die Maisstengel lassen sich zum Dachdecken und als Brenn- rde. material verwenden, und die Stengel werden zum Korbflechten benutzt. Die Fasern der fall Stengel, sowie die Blätter geben ein haltbares Gespinnst, und die innersten Blätter, welche tzes die Kolben umgeben, sind elastisch und lassen sich zum Auspolstern von Sesseln, Sätteln nsi. und zur Anfertigung guter, dauerhafter Matratzen verwenden, welche letztere in Paris ben und Strasburg zu einträglichen Handelsartikeln gehören. Zum Ausbringen der Körner ). ausdcnKolben bedient man sich gegenwärtig der Maisentkörnungsmaschinen, unter ,e« denen die amerikanische und die Seidl'sche Maisdrcschmaschine die vorzüglichsten sind. M Maische, s. Branntweinbrennerei. >ige Maison (Nicolas Jos, Marquis), Marschall von Frankreich, geb. zu Cpinay bei ..j 254 Maistre Saint-DeniS am l S. Dec. 177tt, war der Sohn eines armen Tagelöhners. Er trat 17SZ in die Armee, wohnte bereits als Hauptmann der Schlacht bei Jcmappes bei, mußte ab» ungeachtet seiner Tapferkeit >793 als Verdächtiger austreten. Bald kehrte er indeßj« Nordarmee zurück, wurde in derSchlacht beiFleurustüdtlich verwundet und kämpfte I7SS und >796 in der Maas- und Sambrearmce. Von Jourdan zum Bataillonschef ernannt, focht er hierauf unter Bernadotte in Franken und ging dann zur Armee nach Italien, m er sich bis zum Frieden von Campo Formio vielfach auszeichnete. Im Z. 1799 wurde» Generaladjutant des Kriegsministers Bernadotte, der ihm eine wichtige Sendung W Rheinarmee anvertraute. Im folgenden Jahre kämpfte er in Holland, wo er wieder tidt- lich verwundet wurde, und erhielt nach dem Frieden von Amiens das Commando im Di> partement Tanaro. Als Bernadotte l 805 Hannover besetzte, begleitete er diesen und zeich. ncte sich dann in der Schlacht von Austerlitz aus, wo er die ruff. Garden zurückwarf. Zn, preuß. Feldzuge von 1806 befehligte er als Brigadegeneral; er verfolgte nach der Schlecht von Jena Blücher bis vor die Thore Lübecks und wurde Gouverneur dieser Stadt, >8»? aber Generalstabschef bei seinem Armeecorps. Unter dem Befehl des Marschalls Vimr kämpfte er 1808 in Spanien; er trug am >0. Nov. zum Siege bei Espinosa de los Mm- teros bei, mußte jedoch, vor Madrid schwer verwundet, nach Frankreich zurückkehren. Mit Bernadotte drang er 1809 in Holland vor und befehligte in Bergen op Zoom, darauf!» Rotterdam, zuletzt im Lager bei Utrecht. Im russ. Feldzuge von >812 erhob ihn Napalm nach dem Gefecht bei Polotsk zum Divisionsgeneral und auf dem Rückzuge nach der Bm> sina auf dem Schlachtfelde zum Baron. An Oudinot's Stelle erhielt er hierauf den Ob»- befchl über das zweite Armeecorps, an dessen Spitze erden Rückzug der Heerestrümm» nach der Weichsel deckte. Im Feldzuge von >813 stand er im fünften Armeecorps mit» Lauriston, bemächtigte sich der Stadt Halle, besetzte am Tage der Schlacht von Lützen Lch- zig und half den Sieg bei Bautzen erringen. In der Schlacht von Leipzig wurde er, sieii verwuirdet, außer Gefecht gesetzt. Am 22. Dec. >813 ernannte ihn Napoleon zum Graf» und Oberbefehlshaber der Nordarmee, welche die Linie des Rhein vertheidigen Mt. M. zeigte in diesem Feldzuge großes militairisches Talent; seine Armee, mit der erd» feindlichen Übermacht die Spitze bieten wollte, war anfangs 6000, später 14000 M. stark. Auf die Linie der Schelde zurückgedrängt, concentrirte er seine Kräfte zu Brüssel und schlug den General Thielmann noch am Tage der Übergabe von Paris bei Courtray. Als erd» Abdankung Napoleon's erfuhr, schloß er am 7. Apr. >814 einen Waffenstillstand und unterwarf sich Ludwig XVIII., der ihn zum Pair und im März >815 zum Gouverneur d» Hauptstadt ernannte. Als solcher führte er unter dem Herzog von Bern den Befehl üb» das bei Paris versammelte Truppencorps. Als jedoch bei der Ankunft Napoleon's da! ganze Ofsiziercorps überging, ergriff M. die Flucht und begab sich nach Gent zum König!, der ihn nach der zweiten Restauration zum Gouverneur der ersten Militairdivision ernannt!. Weil er sich als Mitglied des Kriegsgerichts, welches das Loos des Marschalls Ney entscheiden sollte, incvmpetent erklärte, fiel er in Ungnade und wurde zur achten Militairdi«!- sion versetzt. Dessenungeachtet erhob ihn der König 1817 zum Marquis. Im I. >828 erhielt er den Oberbefehl über die Expedition nach Morea. Er schiffte sich am 14. Aug. mit 14000 M. zu Toulouse ein, landete auf der Halbinsel und zwang Ibrahim Pascha durch eine Convention vom 7. Sept. zur Einschiffung, worauf er Navarin, Modon, Koronund Patras ohne großen Widerstand nahm und die Halbinsel in Vcrtheidigungszustand zu setzenK suchte. Nachdem er von seinem Hofe den Marschallstab und den Befehl zur Rückkehr enthalten, traf er im Mai 1829 in Frankreich ein. Als ein fester Vertheidiger der constitutio- nellen Rechte erklärte er sich in der Revolution von 1830 für die Dynastie Orleans, erhielt den Auftrag, Karl X. nach Cherbourg zu begleiten, und übernahm am 2. Nov. auf einig! Wochen das Ministerium des Auswärtigen. Hierauf ging er als Gesandter nach W»" und 1833 in gleicher Eigenschaft nach Petersburg. Am 30. Apr. 1835 erhielt er das Kriegsministerium, das er bis zum 19. Sept. 1836 verwaltete. Seitdem zog er sich gänzlich von den öffentlichen Geschäften zurück und starb zu Paris plötzlich am 13. Febr. >810. Maistre (Jos., Comte de), einer der geistreichsten Vertreter der absoluten Staatsphilosophie in Frankreich, geb. zu Chambery am I. Apr. 1755, war seit 1787 piemonies Maitland Maittaire 255 Senator, wanderte aber aus, als Savoyen 1792 von den Franzosen in Besitz genommen wurde. Später folgte er seinem Könige nach Sardinien und wurde 1803 Gesandter in Petersburg. Wegen seines innigen Zusammenhanges mit den Jesuiten mußte er 1817 diese Stellung aufgeben und übernahm dann das Ministerium in Turin, wo er am25.Febr. 1821 starb. Als Schriftsteller trat er mit den zuerst anonym erschienenen „Oousickerationg 5 >irlakralice" (Par. 1796 u. öft.)auf, in denen er den Sturm derRevolution als ein noth- wendiges Gottesgericht betrachtete. Seine strenge Lehre vom theokratischen Despotismus entwickelte er in seinem „Lssai 8ur le principe ^önersteur 6es constitutions politicpies" (Petersb. 1810; neue Ausg., Par. 1814), und vorzüglich in seiner berühmtesten Schrift ,,v» pape" (2 Bde., Lyon 1820 und oft.). Noch erwähnen wir von ihm „I^es svirees cle 8t.-?etersdourA, ou eütrelien» sur le Gouvernement temporel cke 1a pro vicience" (2 Bde., Par. 1822), „ve I'eglise ^allicane" (Par. 1821) und sein nachgelassenes „Examen criti- gu, üe Is pbilosoplne Lacon" (2 Bde., Par. >831). Er ging sowol in seinen theologischen, wie in seinen politischen Ansichten von derErbsünde aus, deren Expiation die Lebensaufgabe des Menschen sei, und hieraus folgerte er, daß die Negierungen, welche den Menschen zur Buße anzuhalten haben, streng und absolut sein müßten. — Sein jüngerer Bru- der,-kavier de M., russ. Generalmajor, geb. zu Chambe'ry 1764, diente anfangs in dem sardin. Heere, und folgte dann nach dem Feldzuge 1799 dem Feldmarschall Suwarow nach Rußland. Nach dem Tode desselben trat er in russ. Dienste und, nachdem er dieselben aufgegeben hatte, lebte er seit >817 abwechselnd in Frankreich und Petersburg. Er ist ein trefflicher Landschaftsmaler und ein witziger Schriftsteller, vorzüglich durch die anfangs ohne seinen Namen erschienene „Vo^age autour 6e ms ckambre" (Petersb. 1794; neue Aust-, Par. 1841), worin er so viel heitere Laune und Scharfsinn gezeigt, daß man ihn den „fei- mrn Sterne" genannt hat. Unter seinen Erzählungen verdienen „I.e löpreux äe la cite <1'.4o5tc" (Par. 1811), ein ergreifendes Gemälde; „I-e prisonnisr clu Oaucsse" und „Krascovie onlajeune 8iderienne" hervorgehoben zu werden. Seine „Oeuvrss" erschienen in 3 Bänden (2. Aust., Par. 1825). Maitland, s. Lauderdale. Naitre8 äk8 r«Mete8 hießen in Frankreich überhaupt die Magistrate, welche über eingegangene Bittschriften und Caffationsgcsuche (regpmtes) Bericht und Bescheid erstatteten. Bei den Parlamenten gab es eineNequetenkammer, welche über die Gesuche um Aufhebung eines richterlichen Urtheils, wobei Privilegiensachen in Frage kamen, entschied. Dies waren die Reyuete« <1u palsis. Eine andere höhere Requetenkammer war die des königlichen Palastes, die ebenfalls in Privilegienangelegenheiten urtheilte. Ihre Sachen hießen UeMe- les cke I'dötel. Endlich hießen Uüitres <1e» recpietes die Näthe zweiter Classe, welche im sogenannten con-eil 793—97) herausgegeben wurden, ohne daß dadurch M.'s Werk überflüssig geworden wäre. Von den übrigen Werken M.'s nennen wir seine „Oraec. linguae äialecti" (Lond. 1706; neueste Ausg. von Sturz, Lpz. 1807); „Opera et kraxmenta veternm poetarum lat." (2 Bde., 256 Maja Majestät Land. 1713, Fol.), vorzüglich wegen typographischer Schönheit geschätzt; „ Stepbanonim Iiistoriu" (Lond. 1709); „UiZtoria Hpogrupkorum sliguol parisiens." (Lond. 1717) und „Narmvru oxonieosiu" (Lond. 1732, Fol.). Maja oder Mäa war in der Mythologie der Inder der weibliche Theil des höchstm ! Wesens, welcher dem männlichen oder dem liebenden Gotte die Bilder der zu erschaffenden Dinge gleichsam vorhielt, um ihn dadurch zu bewegen, selbige in die Wirklichkeit zu rufen. Sie erscheint stets als die Göttin des Scheins und der Täuschung, durch welche die Welt gebildet wird, und ist die Mutter des Liebesgottes Kama. Dargestellt wird sie als webende Spinne oder mit einem Schleier, welcher die maNnichfaltigen Gestalten der Dinge zeigt. — In der griech. und röm. Mythologie ist Maja die älteste Tochter des Atlas und dei Pleione, mit welcher Zeus in einer Grotte des arkadischen Berges Kyllene den Hermes zeugte. Ihr wurde Arkas, der Sohn des Zeus und der Kallisto, zur Erziehung übergeben. — Bei den Römern hieß auch eine Göttin, die Tochter des Faunus und die Gemahlin des Vulia- nus, Maja (nach Andern Majesta), die für identisch mit der Erde oder magna matei gehalten wurde und der man an den Kalenden des Mai eine trächtige Sau opferte. Majäno (Benedetto da), ein florentin. Bildhauer des >5. Jahrh., begann seine Künstlerlaufbahn mit Arbeiten von eingelegtem Holze und bildete sich erst in der Folgest! die Skulptur und für die Baukunst aus. Nächst Ghiberti und Donatello kann er als einer der hauptsächlichsten Repräsentanten jener großen Entwickelungsepoche gelten. Als seine vorzüglichsten Skulpturen werden das Grabmal Strozzi in Sta.-Maria Novella zu Florenz und eine herrliche Verkündigung in Monte Oliveto betrachtet. An dem vielbewunderten Palaß Strozzi in Florenz hat er wenigstens wesentlichen Antheil gehabt, und der herrliche Vorbau der Kirche belle Grazie bei Arezzo ist bestimmt von ihm. Er starb 1498. — Sein Bruder oder Oheim, Giuliano da M., arbeitete sich vom Tischler zum Bildhauer und Baumeister herauf und leitete als solcher einige Zeit den Bau des DomS in Florenz. Der prachtvolle Triumphbogen des Königs Alfons in Neapel, wo Giuliano später hinberufen wurde, wird von Manchen ihm zugeschrieben; der imposante Palast von San-Marco in Rom und ei» Theil der Kirche von Loretto sind erweislich sein Werk. Er lebte noch im I. >471. Majestät bezeichnetc schon in der Republik Rom die höchste Macht und Würde, welche man der gesammten Bürgergemeinde, dem Volke, zuschrieb. Mit dem Umsturzeder Volksregierung ging Würde, Macht und Name der Majestät auf die röm. Imperatoren (August!) und von ihnen auf die Kaiser des westlichen Europa über. Den Königen wurde dieser Titel erst viel später zugestanden; in Frankreich führten ihn unter Heinrich II. die Hofierte ein, aber noch bei dem westfäl. Frieden gab es darüberStreitigkeiten. In demFriedensvertrage vonCambray imJ. >529 wird nur Karl V. Majestät genannt. Beim Frieden zu Crespo von 1544 heißt Karl V. kaiserliche und Franzi, königliche Majestät, und in dem Frieden zuChä- teau-Cambresis von l 559 findet man zum ersten Male die Titel allerchristlichste und katholisch! Majestät gebraucht. In England legte sich Heinrich VIII. zuerst den Titel Majestät bei, der jetzt mit Ausnahme des Großsultans, welcher blos Hoheit heißt, allen europ. Königen gegeben wird. Von dem Titel der Majestät ist die Sache, d. i. die persönliche Würde, unterschieden, welche einem jeden unabhängigen und selbständigen Regenten zukommt. Daher legt man auch denjenigen Regenten, welche im europ. Kanzleiceremoniel den Titel nicht erhalten, doch die persönliche Majestät bei, wenn sie wirkliche (erbliche oder gewählte) Monarchen und nicht blos oberste Negierungsbeamten ihres Staats sind, wie die Direktoren und Consuln der franz. Republik. Diese persönliche Majestät ist von dem blosen Titel, welcher auch wol abtretenden Regenten Vorbehalten wird, insofern sehr verschieden, daß sie mit der Unverletzlichkeit des Regenten zusammenhängt, vermöge deren er nicht nur über alle Verantwortung erhaben ist, sondern auch Beleidigungen seiner Person unter den Begriff der M ajestätsverbrechen (s. d.) fallen, welches beim blosen Titel nicht stattfindet. Db dieses Recht der Majestät den Fürsten von Gott verliehen oder von den Völkern übertragen sei, ist ein alter Streit, den schon zu Ende des 1 7. Jahrh. in England die Anhänger des Stuart'schen Hauses und Wilhrlm III. miteinander führten, und in welchem beinahe zu gleicher Zeit Christian Thomasius und der dän. Hofprcdiger Masius verwickelt waren. Dieser Streit verliert viel von seiner Wichtigkeit, wenn man bedenkt, daß auch eine gött< rum und )st-n lldm > ifcn, Welt ende i-'gt. > dn tgü. B-i llllL- l-lKk sei»! efm einer seine >re»z akß rbm ader eistee »eile, wird d m ürde, eder hren edie- lenle Ugi von Thä- lisch- ,der ,-g-. Hie- legt :hal> >!on- und lcher ^ tdn Lee- griff Ob -ge" ede§ e zu wen. zött< Majestätsbrief Majoran 257 liche Verleihung die Majestätsrechte (s.d.) nicht als einen Genuß oder ein Eigenthum, sondern als einen mit schweren Pflichten verknüpften Beruf überträgt, sowie dagegen eine von dem Volke ausgehende Übertragung keineswegs als eine willkürliche, sondern als eine nochwendige, ihrem Inhalte nach durch das göttliche oder das Vernunstgesctz bestimmte und unwiderrufliche, demnach ebenfalls göttliche, betrachtet werden muß. Die Rechte der Majestät sind in jedem Falle vollständig bestimmt durch die Pflicht, das Volk nicht nach blos individuellen Ansichten und Zwecken, sondern nach den unter demselben herrschenden Einsichten über Recht, Sittlichkeit und Religion zu regieren und von diesem sactisch gegebenen Punkte aus die weitere Entwickelung des Volks zu leiten. Hierin stimmt die liberale Ansicht mit der absolut monarchischen sehr wohl zusammen; beide unterscheiden sich nur in den Mitteln, durch welche man die wirklicheAusübung der Majestätsrechte in jenen nothwendigen Schranken, d. i. in ihrer steten Beschränkung auf den wahren Zweck de- Staats überhaupt, und in der naturgemäßen Übereinstimmung mit den herrschenden Begriffen des Volks erhauen zu können glaubt. Majestätsbrief, s. Calixtiner. Majestätsrechte oder Hoheitsrechtc nennt man diejenigen Rechte des Staats, die ihm seiner Natur nach gebühren und als unzertrennlich von seinem Wesen betrachtet werden, sodaß, auch wenn ihre Ausübung nicht durch unmittelbare Glieder des eigentlichen Regierungsorganismus erfolgt, doch die betreffenden Organe als im weitern Dienste des Staats stehend und unter seinem Aufträge und seiner Leitung handelnd angesehen werden müssen. So ist z.B. auch diePatrimonialgerichtsbarkeit immer ein Ausfluß derJustizgewalt des Staats und alle obrigkeitliche Autorität findet in ihr ihren letzten Grund. Die deutschen Regalien dagegen enthielten Manches, was nur zufällig in die Hände des Staats gekommen war, oder wo es doch nicht in dessen Begriffe selbst lgg, daß er es besorgte, z. B. das Postwesen, den Salzhandel, Bergbau u. s. w. Bei alledem läßt sich der Kreis der Maje- stätsrcchte nicht unbedingt schließen. Sic wurzeln auf der Pflicht des Staats und der allgemeinen Bestimmung desselben, woraus neue Aufgaben hervorgehen, oder wodurch die vorhandenen in ein anderes Licht treten können. Anderes fällt nach Zeit und Umständen wieder heraus aus diesem Kreise, wie das z. B. mit der Kirchenhoheit mehrfach begegnet ist. Noch weniger läßt sich etwas allgemein und bleibend Gültiges in Betreff einer engern Bedeutung des Wortes Majestätsrechte angeben, wo man nämlich die dem Staatssouverain oder sonstigen Träger der obersten Würde im Staate zu eigner Ausübung vor- behältenen Rechte darunter versteht. Die Festsetzung dieser Rechte hängt natürlich wesentlich von Zeit und Umständen, Verfassung, allgemeiner Stellung des Regenten ab. Majestätsverbrechen oder Verbreche» der beleidigten Majestät (crimen Iseesa« mchestatis) heißt in der neuern Strafgesetzgebung jede dolose Verletzung der Ehre des Regenten oder der demselben schuldigen Ehrerbietung. Die gegen Freiheit oder Leben des Regenten gerichteten dolosen Unternehmungen fallen unter den Begriff des Hochverrats (s.d.). Die gemeinrechtliche Praxis hat bei den Majestätsverbrechen stets eine arbitraire Strafe angenommen, die jedoch z. B. bei Realinjurien gegen den Regenten bis zur Todesstrafe steigen kann. So weit gehen auch von neuern Gesetzgebungen noch die preußische, bairische und würtembergischc, während anderwärts nur Freiheitsstrafen in verschiedenen Graden und Abstufungen gedroht sind. Majolika nannte man anfangs in Italien die Gefäße aus Fayence (s. d.), weil man sie von Majorca aus kennen lernte. Jetzt versteht man darunter aus gefärbtem Thon gefertigtes, mit einer weißen, undurchsichtigen Glasur überzogenes Geschirr, das, der Fayence ähnlich, aber geringer, in Italien sehr häufig ist. Majoran, eine Gewürzpflanze in zwei Arten, dem Sommermajoran und dem Wintermajoran, stammt aus Palästina und dem südlichen Europa und wird seiner stark gewürzhaft riechenden und schmeckenden Blätter wegen vielfach in dm Gärten angebaut. Dieselbe dient als Gewürz zu verschiedenen Speisen und in der Medicin gebraucht man sie wegen ihrer schleimlösenden und schweißtreibenden Kraft, sowie auch äußerlich zu zcrtheilen- deu Umschlägen. Man bereitet ferner daraus Majoranbutter als äußerliches Heil- Conv.-Lex. Neunte Ausl. IX. l7 958 Majorans Rsjor «lamm mittel, Majoranölund Majoranessig. Am kräftigsten ist der Majoran, wenn er z» blühen beginnt. Majorans (Gaetano), s. Caffare-lki. Majörat heißt im weitesten Sinne jede Erbfolgeordnung, die sich nach der früher» Geburt bestimmt, und das Vorzugsrecht, welches hiernach dem Altesten zukommt. G gibt aber dreierlei Arten Majorate: >) Die Primogenitur oder daS Erstgeburtsrechi, wonach jedesmal der Ältest« der ältesten Linie zur Erbfolge gelangt. Von dieser Art sind die Majorate der Lords in England und die neuern franz. Majorate; »auch ist hiernach faß in allen europ. Staaten die Thronfolge geordnet. 2 ) Das Majorat im engern Sin«, welches unter denjenigen Verwandten, die dem Grade nach am nächsten sind, den Ältest« zur Erbfolge bringt. 3 ) DaS Seniorat, welches dieselbe, ohne Rücksicht auf die Näh der Verwandtschaft, dem Ältesten in der ganzenKamilie gewährt. Folgend«Tafeln werk« den Unterschied dieser Erbfolgeordnungen am besten zeigen. Stirbt nachdem sein ältester Sohn (!) vor ihmge- storben, fo succedirt nach dem Erstgeburt-recht sei« ältester Enkel ( 4 ), nach dem eigentlichen Majorat sei« zweiter Sohn ( 2 ), nach dem Trniorat sein Bni- der (8). I. Unter Descendenten. » ^8 ä 8 a b H. Unter Seitenverwandten. .. . ^^ ^ ^ Stirbt L, nachdem sein Bruder (6) und dessen alt« ster Sohn (s) vor ihm gestorben, so succedirt nach dm 0 v Erstgeburtsrcchte der älteste Großneffe (6), nach dm j. Majorat der zweite Neffe (b), nach dem Seniorat d« Vaters-BruderSsohn (L), wenn nämlich der Oheim (vj früher gestorben; lebte dieser, so würde ihm nicht»« nach dem Seniorat, sondern auch nach dem Majore! die Erbfolge gebühren. Alle drei Arten des Majorats im weitern Sinne weichen von der gewöhnlichen Erbfolg! dadurch'ab, daß sie eine Theilung derGüter nicht zulasten. DaS Majorat im engern Sw« unterscheidet sich von der Primogenitur auch noch dadurch, daß der Majoratsherr nicht s» nem Vorgänger succedirt, und dessen Handlungen (Schulden) auch dann nicht zu vertrete» hat, wenn er der Sohn desselben ist, wie bei der Lehnfolge nach dem Rechte der Erstgeburt eintreten kann. Das Majorat dient daher noch kräftiger als die Primogenitur, die Güter in den Familien zusammenzuhalten und überhaupt das Grundeigenthum in wenige Hände zusammenzubringen. Daher muß die Gesetzgebung dafür sorgen, die Majorate nicht herrschend werden zu lassen. In Frankreich wurden sie in den ersten Zähren der Revolution aufgehoben; Napoleon stellte sie zwar bei Einführung seines neuen Adels durch das Gesetz vom l. März 18 V 8 wieder her, doch wurden nicht viele Majorate gestiftet. Gegenwärtig haben sie in Frankreich, da die Pairswürdc nicht mehr erblich ist und die Adelstitel keine» gesetzlichen Schuh mehr haben, ihre Bedeutung verloren, und die Gründung neuer Majo- rate ist verboten. Dagegen fanden die Majorate eine neue Stühe in -Preußen durch die!» Folge einer gewissen poetischen Auffassung des Mittelalters hervorgerufenen Bestimmungen des Königs Friedrich Wilhelm's I V. über die Standeserhöhungen bei seiner Huldigung in Berlin im Oct. > 840 . Majorca, s. Mallorca. Akljor A0IMI8 oder 60ine, clomns rexise, deutsch durch HauSmaier, ftanz. durch blsire cln palair übersetzt, war im fränk. Reiche unter den Merovingern derTitel des Ersten unter den Hof- und Staatsbeamten. Der blsjor cloinu, war zunächst Aufseher der königlichen Domainen und, da aus diesen der Dienstadel, die Leudes oder Antrustiom», kinmestici, ihre Benesicien oder Lehen erhielten, zugleich der Vorsteher dieser Leute des Königs und ihr Befehlshaber im Kriege. Durch den Einfluß, den die Llajores ciomu« aus die Vertheilung der Benesicien ausübten, durch das wachsende Ansehen de- Dienstadel» soll sab die in wü No go Gr Di kar CH UN! Au dre ll M 3 - den end zur 4 > Mi> LH als wv> füh älti reie 3 » aut ein wa siel Di 13 be! (»! W nei to Gl w, ,t< S au an P> tir «z» Hern E- rech, ksind hfnß MM, testen Sich! erden mge. ! sein tsck Bni- älte> >dm itdei »lv) tmir jmt ftlzt Um« tsed reten bm! iütee äiidt ftw Nie« !esti irtiz inen icin Innung nrch sten der ne», de« aus del» Majorermität Makkabäer 259 selbst, und durch dir Schwäche der Könige steigerte sich die Gewalt der Nsjores «Ismus in solchem Grade, daß namentlich seit Chlotar II. die Könige fast ohne alle Bedeutung und sie die eigentlichen Regenten waren. Während der Theilung des Reichs (s. Franken) bestand in jedem der Theile einNsjor «Ismus und auch, als unter Chlotar II. diese Theile sich wieder vereinten, blieben für Australien, Nrustrien und Burgund besondere Nnjsre- «Ismus Nach Chlotar's Tod« herrschte der austrasische Nestor «lomus Pipin von Landen unter Dagobert l. (s.d.) und Siegbert über die ganze Monarchie; der Versuch jedoch seines Sohns Grimoald, im 1.655 seinen eigenen Sohn Childebert auf den Thron zu setzen, scheiterte. Die Pipim'sche Familie wurde verbannt, und unter Chlodwig II. und dessen Sohn Chlotar III. war die Herrschaft bei dem Nestor «Ismus von Neustrien, bis 66«» die Austrasier Chlotar's Bruder Childcrich sich zum König setzten. Die Nestors« «lomus von Australien und von Neustrien kämpften nun um die Herrschaft, bis der Sieg bei Testri 687 für den Austrasier Pipin von Herstall (s. d.) entschied, der beständiger Nestor 6om»s in allen drei Reichen und «lux st prioeeps krunoornm genannt wurde. Nach seinem Tode im I. 714 wählten die Neustrier wieder einen N-stor «Inmus, aber Pipin's Sohn Karl, genannt Martell (s.d.), vereinigte 719 wieder alle Gewalt in sich. Er theilte bei seinem Tode im Z. 741 Austrasien seinem Sohn Karlmann, Nrustrien und Burgund dessen Bruder Pipin dem Kleinen zu, der, nachdem jener 747 ins Kloster gegangen war, allein herrschte und endlich 752 zu Soissons den merovingischen König Childerich III. absetzen und sich selbst zum König wählen ließ, womit das Amt der Nestors« «lomu« aufhörte. Vgl. Pertz, „Ge- chichte der meroving. Hausmaier" (Hannov. 1819), und Zinkeisrn, „Vs krancorum Mistor» -ckomus" (Jena 1826). Majorermität, s. Minorennität. Masvö heißen die schön gewachsenen, schlanken und kräftigen Bewohner einiger Thäler in der span. Provinz Andalusien, welche, durch eigenthümliche Tracht ausgezeichnet, als Raufer und Schläger im Lande umherziehen. Wie sie, so sind auch die weiblichen Bewohner jener Gegenden, die Majas, sowol ihrer Schönheit und Grazie, wie ihrer verführerischen Leichtfertigkeit wegen in ganz Spanien berühmt. Makäme (arab.) bezeichnet ursprünglich Sitzung, dann aber auch gewisse beiden altern Arabern gebräuchliche literarische Zusammenkünfte, in denen Einzelne durch geistreiche improvisirte Darstellungen, insbesondere durch Erzählungen aus dem Stegreife, die Zuhörer unterhielten. Später bildete sich für dergleichen Darstellungen ein eignerKunststil aus, welcher seinemHaupttheile nach in einer Prosa besteht, deren einzelne Nedeglieder miteinander reimen und mit der zahlreich eingestreute wirkliche Verse vermischt sind. Hamadäni war der Erste,der 400 novellenartige Erzählungen unter dem Titel „N->I«Lmü<" zusammenstellte; ihn übertraf Hariri (s. d.). Am meisten wurde diese Kunstform von den jüd. Dichtern de- Mittelalters nachgeahmt, besonders von Alcharizi, um die Mitte des l3. Jahrh., der die Makamen des Hariri meisterhaft in das Hebräische übersetzte („Nack- berot Itiel"), und in ähnlicher Form ein Dichterwerk schuf unter dem Titel „Dssblremom" (vgl. „Die ersten Makamen des Charisi" von Kämpf, Berl. 1845), sowie dessen Zeitgenosse Immanuel Rumi, dessen „Nscbbsrot" zu den bedeutendsten Dichtungen der neuhebr. Poesie gehören. Makarius, mit dem Beinamen der Große oder der Ägypter, ein Schüler des Antonius (s. d.) und wie dieser seit 330 Einsiedler, verpflanzte zuerst die Mystik auf das Gebiet der Brredtsamkeit und behandelte ascetiscke Stoffe mit vieler Kunst, wie aus den wahrscheinlich von ihm verfaßten 50 Homilien und mehren Abhandlungen, wie „Vs cu- stoiliit coräis", „De psikestivne in spiritu" u. s. w., erhellt. Er starb im I. 391. Seine Schriften hat G. Pritius (Lpz. 1698; deutsch von Jocham, 2 Bde., Sulzb. 1839) herausgegeben. — Von chm zu unterscheiden ist Makarius der Jüngere oder der Alexandriner, ebenfalls Einsiedler und Presbyter, der 404 starb. — Ein dritter Makariu s, Patriarch zu Antiochien, vertheidigte auf dem sechsten ökumenischen Concil zu Konstantinopel den Monotheletismus und wurde abgesetzt. Makkabäer, s. Juden. 17 * 260 Makrele Malabar Makrele nennt man im gemeinen Leben eine ziemliche Zahl Arten von Seefische«, «oi die indessen alle in die Familie der Scomberiden (Thunfischartige) gehören. Sie find in-, Co gesammt eßbar, oft sehr wohlschmeckend und zart, in der Gestalt gewöhnlichen Flußfisch^ hei ähnlich, mit ungemein kleinen Schuppen bekleidet, im Leben blau und silberglänzend, bch! ,«> nur fußlang, bald weit größer, meist gesellig und daher leicht zu fangen. Der gt me ine» Makrele (8comi>er scombru») gedenken schon die röm. Schriftsteller. Man fängt dii- selbe um ganz Europa herum, allein sie ist kein eigentlicher Handelsartikel wie die nord- »n amerik. Makrele, deren Fang Tausende ernährt, und die eingesalzen wird. Übrige»! trc sind die Makrelen wandernde Fische und daher zu Zeiten unsäglich häufig. E, Makris, die Tochter des Aristäos, lebte auf Euböa, wohin ihr Hermes den kleinen sei Dionysos zur Auferziehung brachte. Von da durch die Here vertrieben, flüchtete sie sich aus K> die Insel der Phäaken. ve Makrobiötik ist der Name einer erst im > 8. Jahrh. besonders durch Hu f eland As wc unter dieserBenennung bearbeiteten Wissenschaft, welche dieLehre über die das Leben thÄ Pi verkürzenden theils verlängernden Dinge in ihrer weitesten Ausdehnung und die Regch Ni wie man dieser Lehre gemäß sein Leben cinzurichten habe, um ihm die,von den natürlich!» ho Gesetzen verstattete Länge zu geben, enthält. Wenn seit dem frühesten Alterthume bis»« die neuere Zeit heran Scharfsinn und Fleiß vieler gelehrten Männer sich erschöpften, d»§ wi Mittel zu finden, den Tod des Körpers völlig aufzuheben oder ihn wenigstens bis auf lim bei sehr ungewöhnliche Entfernung von der Geburt hinauszuschieben, so waren dies Träum- G- reien, aber keine wissenschaftlichen Bestrebungen; der Aufklärung der neuern Zeit isi s Ei jedoch gelungen, an die Stelle dieses unnützen Strebens nach einem Phantom eine WM- au schaft zu sttzen, welche von ihrem praktischen Schüler die gewissenhafte Einrichtung eim! B ganzen Lebens nach ihren Regeln fodert und so, nicht wie jenes der Unsittlichkeit, sondm di, der Sittlichkeit Vorschub leistet. Da ihre weitere Ausbildung sich gänzlich auf das Fort- ur schreiten der Physiologie basirt, so kann sie auch als ein Theil der Medicin angesehen »in sei den. Noch unübertroffen und für jeden einigermaßen Gebildeten vollkommen verständlich er ist Hufeland's Bearbeitung dieser Wissenschaft, welche erst als „Kunst, das menschlich! eil Leben zu verlängern" (Jena 1796) und später als „Makrobiotik" (6. Ausl., Berl. l8U) ga die ausgedehnteste Verbreitung erhalten hat. A Maküba , eine Art Schnupftaback, hat seinen Namen von dem Bezirke dieses Ni- H mens im nördlichen Theile der Insel Martinique, wo er gebaut und zubereitet wird. 18 Malabar, auch die Pfefferküste und bei den Eingeborenen Malaysia uu! N Ka eru la genannt, der südliche Theil der Westküste der vorderind. Halbinsel, vom Süd- I: ende derselben, dem Cap Komorin, bis fast zu 12 °/-° nördl. Vr., begreift die Küstenterrajst, de "4 i-ll welche zwischen dem Kamm der westlichen Ghats und dem Arabischen Meere sich hinM Fl und ungefähr einen Flächenraum von 789 IHM. einnimmt. Das Land wird von viklt» Ä kleinen Flüssen bewässert und ist meist gebirgig; es hat eine außerordentliche Vegetation sa und ein angenehmes Klima, ist sehr gut angebaut und enthält viele Anpflanzungen, besou- w ders von Palmen. 'Hinsichtlich der Producte im Thier- wie im Pflanzenreiche stimmt es mll d> dem tropischen Indien überein; im Mineralreiche liefert es vorzüglich Salz. In den Et- sc birgen findet man noch große Wälder. Die Bewohner bestehen zum größten Theil au! a Hindus, aus Mapulern oder Moplays, aus Mohammedanern, die von eingewandert!» L Arabern abstammen, bis in die Mitte des 18. Jahrh. einen blühenden Staat bildeten, und ei »och jetzt, wo sie unter einem von den Engländern abhängigen Vasallenfürsten stehen, den» g Kananore regiert, wegen ihrer Seeräuberei berüchtigt sind; ferner aus sogenannten weiß« v Juden, in der Stadt Kotschin, die noch vor der christlichen Zeitrechnung aus Judäa aus ^ gewandert sein wollen; aus Nestorianern und Europäern. Der Landesadel, Nairen ge- § nannt, gehört im Allgemeinen zur vierten edeln Classc der Hindus; ein großer Theil aber, g namentlich die Fürsten und militairischen Befehlshaber, werden zur zweiten Claffe gezählt t und heißen Naiken. Die malabar. Sprache, der tamulischen verwandt, gehört zu den wohl- t klingendsten der Hindusprachen. Ganz M. zerfällt in die Königreiche Kalikut, Travanks« > und Kotschin. Kalikut mit der blühenden Hauptstadt gleiches Namens, die einst die Rest' > Lenz des Zamorins oder Kaisers von Malabar war, die von Tippu Saib gänzlich zerstört, l Malachias Malachotvski 261 Wh von den Engländern aber wieder aufgebaut wurde, steht unmittelbar unter der engl.-vstind. di»s> Compagnie; die beiden andern werden von zwei der Compagnie tributairen Nadschas üschiis bekerrscht. Der mächtigste von diesen ist der Radscha von Travankore, der über ein Gebiet , bolt! von 350 IHM, mit fast einer Mill. E. herrscht. i»k» Malachias, s. Maleachi. gt di,. Malachit, ein kohlensaures Kupferoxyd von dunkelgras- und smaragdgrüner Farbe lord- und blätterigem, faserigem oder dichtem Gefüge, kommt in krystallinischen Masten, in ciM traubigen, eiförmigen und knolligen Gestalten und derb auf Gängen und Lagern mit andern Erzen und besonders schön in Chile und Sibirien vor. Der faserige Malachit dient, leim fein zerrieben, als Malerfarbe; der dichte Malachit wird zu Dosen, Mesterheftcn und ch »ns Knöpfen, zu Tischplatten, Armleuchtern u. s. w., auch zu manchen Bijouteriegegenständen verarbeitet und nimmt eine schöne Politur an. Das größte früher bekannte Malachitstück sts.d.I war ein 30 Ctr. schwerer Block aus den Wcrchorurischen Bergwerken im Bcrginstitut zu thkilj Petersburg. Allein im I. >835 hat man in einer der Knpfergruben Demidow's bei egck, Nischne-Tazilsk im Ural ein Stück gefunden, welches 17 F. lang, 8 F. breit und 3'/, F. licht» hoch und gegen 500 Ctr. schwer ist. bis»» Malachowfki (Stanislaw, Graf), geb. 1736,derSohndesGroßkanzlers JanM., >, d»§ widmete sich dem Richteramte und erlangte als Landbote so allgemeine Achtung, daß er auf f lim dem Reichstage von 1788 zum Reichsmarschall erwählt wurde, welches Amt er trotz der ruuii- Gefahren, die seiner Person drohten, vier Jahre mit Umsicht und sicherer Hand führte, isii! Er ist als der Gründer der Constitution vom 3. Mai >791 anzuschen. Der russ. Partei, M»' an deren Spitze sein Bruder Hyacinth M., der Bischof Koffakowski und ckawary eim! Branicki (s. d.) standen, trat er aus allen Kräften entgegen. Vergebens jedoch suchte er ndm die Konföderation von Targowicz (s. d.) zu Hintertreiben; er mußte nach Wien flüchten, Fort- und wurde in die allgemeine Proscription mit ausgenommen. An dem Aufstande Ko- i M> sciuszko's im J. 1793 nahm er keinen Anthcil. Im I. l 799 in Warschau verhaftet, wurde Mich er ein Jahr lang in Krakau als Staatsgefangener fcstgehalten, weil man ihm den Plan chlicht einer Versammlung des poln. Reichstags in Mailand während der Emigration Schuld !8ch gab. Wieder freigelassen lebte er auf seinen Gütern, bis ihn die Fortschritte der franz. Waffen in Polen > 807 wieder in den Dienst des Vaterlands riefen. Nach Errichtung des S Ni- Hcrzogthums Warschau wurde er Präsident des Senats, starb aber schon am 29. Dec. 1809. — Sein Bruder, Hyacinth, Graf M., Kronkanzler, war ihm nicht nur aufdem o uui Reichstage, sondern auch später als Teilnehmer an derTargowiczcr Conföderation entgegen. Süd- In der Folge lebte derselbe zurückgezogen auf seinen Gütern, wo er sich ausschließend mit -rch, der Literatur beschäftigte, und starb zu Bodzechow am 27.März 1821.— Zu einer andern „zieht Familie gehört Kasimir M., poln. General, geb. am 27. Febr. 1765 zu Wisnowo in der viele» Wojewodschaft Nowogrodek in Lithauen. In dem Cadcttencorps zu Warschau vorgebildet, atioh sah er sich seiner Armuth wegen genöthigt, 1786 als gemeinerKanonier Dienste zu nehmen ieson- und wurde erst 1790 Lieutenant. In der Schlacht bei Raclawice zeichnete er sich so aus, mil daß ihn KosciuSzko vom Hauptmann zum Major erhob. Nach der letzten Theilung Polens o Ze- folgte er seinen flüchtigen Landsleuten nach der Walachei, von wo aus er die Ostreicher l au! angriff. Zurückgetrieben, entkam er glücklich nach Jtalien und trat hier 1797 in die poln. ,erte» Legion ein. Bei derTrebia verwundet und von den Ostreichern gefangen genommen, wurde , und «über ein Jahr bis zu seiner Auswechselung zu Kleinzell bei Ofen fcstgehalten. Nachdem er der i» ganz in franz. Dienste getreten und zum Befehlshaber des 113. Linienregiments ernannt »eiße« war, nahm er an der Expeditton nach San-Domingo Theil. Er war der Einzige poln. auS- Stabsoffizier, der den Dolchen der Neger und den Krankheiten glücklich entging. Nach der m ge- Capitulation von Cayenne fiel er den Engländern in die Hände, die ihn lange in Jamaica aber, gefangen hielten. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich wurde er Oberst in der neu- ezählt errichteten poln. Armee. Während des Feldzuges von 1812 zeichnete er sich besonders an wohl- der Beresina durch Deckung des Rückzuges aus und führte die Trümmer der poln. Armee nko« nach Warschau. Von Napoleon zum General ernannt, wurde er in der Schlacht bei Leipzig Reß- von den Russen gefangen, doch gegen sein Ehrenwort, daß er nicht gegen die Verbündeten -stört, kämpfen werde, entlassen. Im I. > 815 erhielt er auf den Vorschlag des Großfürsten Kon- 262 Malaga Malaie» stantin die Gouvcrneurstelle in der Festung Modlin, nahm aber bald seine Entlassung, wies alle russ. Ehrenbezeigungen zurück und lebte auf seinen Gütern. Nach dem Aufstand! von >830 trat er gleich wieder in das poln. Heer, befehligte eine Division und zeichnet! sich bei Wawrc, Bialolenka und Ostrolenka au«. Beim Rücktritt Skrzynecki'S lehnte er dir ihm angetragene Oberfeldherrnstelle ab; erst während der Bestürmung von Warschau entschloß er sich, da kein Obergeneral vorhanden war, einstweilen den Oberbefehl zu üben nehmen, den er aber gleich nach der Capitulation von Warschau niedcrlegte. Er trat nach Preußen über, lebte darauf in Frankreich allen Parteikämpfcn fremd und starb am 5. Jan. «843 zu Chantilly bei Paris. — Gustav M., geb. «397, war während der poln. Re, volution im Z. i83l Minister der auswärtigen Angelegenheiten, gehörte zu den vom ruß Kaiser Vcrurtheilten und starb zu Paris am «0. Apr. «835. Malaga, eine Stadl in der span. Provinz Granada, mit «»4000 E., am Fuße einu Berges in schöner Ebene, am Mittelländischen Meere gelegen, in welches sich hier der Gua- dalmedina ergießt, ist mit doppelten Mauern umgeben und hat einen vortrefflichen, durch ein Fort beschützten Hafen, dessen Molo, mit einem Leuchtthurm, 4000 F. weil ins M«i sich erstreckt. Die Häuser sind hoch, die Gassen schmal, eng und meist schmuzig; doch hal die Stadt einige schöne freie Plätze und nächst andern ansehnlichen Gebäuden, z. B. dm bischöflichen Palaste, eine besonders wegen ihres Innern sehenswerthe Kathedrale. Ni Einwohner treiben wichtigen Handel, führen Malagawein, Rosinen, Ol, Südfrucht« Mi Art, darunter frische Trauben in großen Krügen zu 75 Pf. verpackt, und in neuerer Zeit eich Blei aus und handeln dafür deutsche Leinwand, Holz, Getreide, Käse, Butter und gchi- zene Fische ein. Die in der Umgegend gelegenen Weinberge liefern gegen 90000 Lhir Wein, wovon über die Hälfte ins Ausland geht. Die geschätztesten Sorten sind Lag» de Malaga, Dom Pedro Limeues und Vino de Guindas, so genannt, weil man ihn zu»: auf den zarten Sprossen einer Art Kirschbäume, Guinda, liegen läßt. Das alte Ma- laca, welches angeblich die Phönizier angelegt, war schon zur Zeit der Römer ein bcdüt- tender Handelsplatz. Zm 8. Jahrh. wurde es von den Mauren erobert und erst von Fn- dinand dem Katholischen 1487 ihnen entrissen. Im Z. l680 richtete ein Erdbeben bednu Lenden Schaden in der Stadt an. Auch wird sie, trotz der gesunden Lage, bisweilen vm Gelben Fieber heimgesucht, das z. B. > 804 über 20000 Menschen hinwegrafftc. Auch!« den Parteikämpfen der Karlisten und Christinos hatte sie seil «834 viel zu leiden. Im ZW 1836 wurde hier der Militaircommandant San-Just und der Civilgouverneur Graf Dom- dio ermordet und hierauf die Constitution von «812 proclamirk und eine Junta eingesetzt Malaien nennt man im weitern Sinne den ganzen Mcnschenstamm, der als Übe» gang von dem kaukas. und mongol. zum äthiop. Menschenstamme über sämmtlichc Zusck des ind. Meeres und Polynesiens im engern Sinne von Madagaskar bis zur Osterinsel el» die Hauptbevölkerung verbreitet ist. (S. Mensch.) Die Völker dieses MenschenstamM der von ziemlich schöner Gesichtsbildung, langem lockigen Haar und mehr oder minder gebräunt ist, haben sich von jeher durch eine gewisse Cultur ausgezeichnet, die unter einigenbil zu einem ziemlich hohen Grade gestiegen ist. Außer ihrer körperlichen Gleichartigkeit beweist auch noch der Umstand ihre gemeinsame Abstammung, daß alle ihre Sprachen verwandt uni im Grunde nur verschiedene Mundarten Einer Sprache sind, die sich auf eine Grundsprache, die sogenannte groß-polynesische, stützt. Im engern Sinne aber, und gewöhnlich, versteh! man unter Malaien ein besonderes, zu der malaiischen Race gehöriges Volk, das sich durch kleinen, jedoch im Ganzen proportionirten nervigen Körperbau und ungezähinte Leidenschaftlichkeit, die im Zustande des Trunks bis zur völligen Tollheit sich steigert, auszeichuet. Ihre Hautfarbe ist dunkelbraun, ihr Haar lang und glänzendschwarz, die Augen sind dunkel, groß und feurig, der Bart, den sie ausraufen, schwach, die Nase platt und groß, du Schenkel und Waden wie bei den Negern dünn; aus ihrer Leidenschaftlichkeit entwickeln sich ihre übrigen Tugenden und Laster, ihre Tapferkeit, Energie, Treulosigkeit, Raub- und Mordlust. Die verschiedenen Stämme dieses Volks stehen auf sehr verschiedenen Culturstufen Ihre ursprüngliche Heimat ist das Innere des Hochlandes vonSumatra (s.d.), wo sie einst das mächtige, auf Landbau gegründete, jetzt der nipderländ. Herrschaft unterworfene Reich Menangkabo bildeten. Wahrscheinlich durch ind. Cultur frühzeitig civilisirt, zeichneten sich Malakka 263 die Bewohner dieses Reichs vor den Küstenbewohnem aus, die sie dann unterwarfen. Um die Mitte des 13. Zahrh. ließen sie sich auf der kleinen Insel Sinkapur am äußersten Ende der Halbinsel von Malakka (s.d.) nieder, und verbreiteten sich dann bald über diese selbst, die deshalb noch die malaiische Halbinsel genannt wird. Hier stifteten sie dasReich von Malakka, das, ebenfalls aus Ackerbau gegründet, Handel und Gewerbsteiß damit verband und »«durch schnell zu einer großen Macht sich erhob, die mit dem ganzen Orient im Verkehr Land und ihre Handelsflotten bis nach Arabien auf der einen und China auf der andern Seilr aussendete. Durch diesen Handelsverkehr wurde im t 3. Jahrh. der Islam in Ma- lakka eingeführt, der sich schnell auf friedlichem Wege über alle malaiischen Völ-ker im ind. Archipel verbreitete; denn das Reich von Malakka, dessen Herrscher früher den ind. Titel Nadscha führten, nun aber sich Sultane nannten, erstreckte sich nicht nur über die ganze Halb- insel von Malakka, sondern beherrschte auch den ganzen ind. Archipel, von dessen meisten Inseln es die Küsten mit seinen Colonisten besetzte. Diese Malaiencolonien scheinen zwar selbständige Gemeinden gebildet zu haben, dessemrngeachtet aber immer in einer gewissen Abhängigkeit vom Mutterstaate Malakka geblieben zu sein. Dieser stand im Anfänge des l 6. Zahrh. in der höchsten Blüte, als di« Portugiesen erschienen und 15 l 2 mit der Zerstörung Malakkas dieser Blüte ein Ende machten und die Malaienherrschaft im ind. Archipel mit aller Macht zu brechen suchten, was auch die auf die Portugiesen in der Herrschaft über Ostindien folgenden Holländer nach Kräften anstrebten. Das grausame Versorgungssystem dieser beiden Nationen gegen die Malaien hatte den unglücklichsten Einfluß auf den Volks» charaktcr der Letztem. Aus ihren bisherigen gewohnten Beschäftigungen, dem Ackerbau, den Gewerben und dem Handel, mit Gewalt gerissen, machten sie seitdem die Seefahrt und mit ihr die Seeräuberei zu ihrem Hauptgeschäft, und sind gegenwärtig, mit Ausnahme der westind. Flibustier, die tollkühnsten, ausdauerndsten und grausamsten Seeräuber. Diese malaiischen Seeräuber zerfallen in eine östliche und eine westliche Gruppe. Die letztere umfaßt das chines. Meer von der Sunda- und derMalakkastraße bis zu deu Küsten von Siam und Cochin - China und hat ihren Hauptsitz im Ostende der Malakkastrgße, während die östliche Gruppe sich von Borneo bis zu den Philippinen erstreckt und die Suluinseln zum Mittelpunkte hat. Die »och unabhängigen Malaienstaaten sind nur klein; sie sowol als die unter niederländ. und unter siamesischer Oberhoheit stehenden sind auf eine Art Feudalwesen gegründet, daher auch die Oberlehnsherrlichkeit der Sultane von Menangkabo, obwol diese die Souverainetät eingebüßt haben, von allen Malaien fortwährend anerkannt wird. Die monarchische Gewalt ist weniger durch Gesetze bestimmt, als durch das Herkommen und eine mächtige Aristokratie beschränkt, die über eine Menge von Hörigen verfügt. Der Geiz der malaiischen Sultane und ihre Bemühungen, allen Handel zu monopolisiren, haben einen fortwährenden Streit zwischen ihnen und ihrem Lehnadel hervorgrrufen, der die Ursache innerer Kriege unter dem Volke geworden ist und dadurch beigetragen hat, es treulos und grausam zu machen, sowie innere Trennung und Zwietracht unter demselben zu nähren Die wichtigsten Malaicnstaaten sind die von den Niederländern abhängigen StgoMsPa- lembang und Menangkabo, und die noch freie« Staaten Atschin, Siak upd-das Land der Battrs oder Batak auf Sumatr.a (s. d.); die unabhängigen StaalKri^Dschohor mit dem lributairen Staate Pahang, Pirak, Salangore und Rumbo^uno mehre von Siam ab- hängige auf der Halbinsel Malakka (s. d.), das Sultangpvtzn Mindanao und die Confä- deration der Häuptlinge des Jllanovolks auf Mindapastzs-Philippinen), die kleinen Staaten auf den Suluinseln zwischen Borneo und den Philippinen, und die Bugis und Macaffaren auf CelebeS (s. d. und Ma eassar). Malakka, eine schmaleHalbinsel von ungefähr 2880 OM. mit 58VVVV E., der süd- liche Theil der ind. Halbinsel jenseit des Ganges, hängt gegen Norden durch eine Landenge mit dem übrigen Hinteriridien zusammen, wird gegen Osten vom chines. und gegen Westen vom iyd. Meere bespült und ist gegen Westen durch die Straße von Malakka von der Insel Sumatra geschieden. Eine Fortsetzung der Gebirge Siams läuft mitten hindurch bis zum Cap Romania, der südlichsten Spitze der Halbinsel, und viele Küstenflüffe durchschnei- den dieselbe. Zm Innern gibt es Moräste und Urwälder. An den Küsten, wo die Hitze durch Seewinde abgekühlt wird, herrscht ein ewiger Frühling; sonst ist das Klima sehr heiß Malcolm 264 Malantcrien und in den waldigen, morastigen Gegenden hockst ungesund. Köstliche Früchte zu jeder Jahreszeit, welche alle andern in Indien an Wohlgeschmack übertreffen, überhaupt alle Ge. j wachse Indiens und der Philippinen gedeihen im Überflüsse. Elefanten, Tiger, Büffel und giftiges Ungeziefer halten sich in den Wäldern und Morästen auf; von zahmem Vieh gibt cs viele Schweine und Federvieh, aber wenig Rindvieh. Die Gold - und Silberminen werden nicht ausgebeutet; das Zinn gehört zu dem allcrfeinsten, und jährlich wurden sonst davon durch die Niederländer mehr als 40000 Ctr. und zwar zum größten Theil nach China aus. geführt. Die Küstenbewohner sind Malaien (s. d.); im Innern und in den Wäldern leben Wilde, worunter auch Menschenfresser. Die ganze Halbinsel zerfällt, abgesehen von den brit. Besitzungen, in mehre theils unabhängige, theils von dem Reiche Siam abhängige Malaienstaaten. Von jenen sind anzuführen Dschohor, das Südende und die Ost. feite der Halbinsel umfassend, mit Einschluß des tributairen Staats Pahang, und allen Inseln zwiscken der Halbinsel und Borneo; Pirak und Salangore im nördlichen Theilc der Westseite der Halbinsel; Rumbo oder Nimbau, ein kleiner Bergstaat im Innern der Halbinsel, von Eingewanderten aus Menangkabo beseht, zwischen denen noch un> ter dem Namen Dschakong und Benua einige Malaien in völlig wildem Zustande leben, die Manche für den Überrest des Urstammes der Malaiennation halten. Den Siamesen sind unterworfen die Staaten Ligor, Bondelon, Patani, Kälantan, Tringänu, Ke- dah oder Queda, das erst > 822 von den Siamesen erobert wurde. Den Briten gehöre» die Stadt Malakka mit einem Gebiet von 1 OM., und die Inseln Sinkapur(s. d.) und Pulo Pinang (s. d.). Die Stadt Malakka, einst die Hauptstadt des Reichs gleiches Namens (s. Malaien), hat etwa >2000 E. und einen Hafen; auch besteht daselbst ein für die Civilisation Ostasiens wichtiges anglo-chincs. Collegium. Im Besitze der Stadt waren seit 1509 die Portugiesen und seit 164 l die Niederländer; dann wurde sie von den Briten beseht, im Frieden von l 8 l 4 an die Niederländer zurückgegeben, 1825 aber wieder an die Briten abgetreten, die dagegen Bencoo len (s. d.) aufSumatra an die Niederländer abtraten. Malantcrien, s. A uß sa tz h äu se r. Malchus (Karl Aug., Freiherr von), ein bekannter staatswissenschaftlicher Schriftsteller, geb. am 27. Sept. 1770 zu Manheim, erhielt durch die Gunst des Herzogs Kerl von Zweibrücken, bei welchem sein VaterBurgvoigt war, eine sehr vortheilhafte Erziehung, besuchte die Universitäten zu Heidelberg und zu Göttingen, und wurde >790 Privatsten- tair des kurmainz. Ministers, Grafen von Westfalen, und als dieser >791 kaiserlicher Gesandter am kurtrierschen Hofe wurde, dessen Gcsandtschaftssecretair. Jm J. 1799 trat er in die Dienste des Hochstifts Hildesheim, und wurde, als dieses 1800 an Preußen fiel, Mitglied der Organisationscommission und darauf Kriegs - und Domainenrath bei der halbcrstadt-hildesheimischcn Kammer. Bald nach der Errichtung des Königreichs Westfalen trat er 1807 in die Dienste dieses Staats, wurde Staatsrath, dann Generaldircctor der Tteuern, 1811 Finanzminister, 1813 Minister des Innern und zugleich zum Grafen von Marienrode ernannt, von welchem Titel er aber später keinen Gebrauch mehr machte. Die Angriffe gegen seine Verwaltung und Person, welche er, nach der Auflösung des Königreichs Westfalen erfuhr, suchte er durch die Schrift „Über die Verwaltung des Königreichs Westfalen" (Stuttg. >814) abzuweisen. Er lebte hierauf in Heidelberg den Wissenschaften, bis er >81,7 vom König von Württemberg zum Chef des Fiuanz- facks ernannt wurde. Mehrfache Neuerungen, die er machte und die ihm zumal als Ausländer viele Feinde erregten, gaben die Veranlassung, daß er schon nach einem Jahre j seine Stelle aufgeben mußte, worauf er wieder Heidelberg zu seinem bleibenden Aufent- , haltsorte wählte, Wo eranch am Ta. Ocü l? er starb. Als seine vorzüglichsten Schriften ' nennen wir „Der Organismus der Behörden für die Staatsverwaltung" ( 2 Bde., Hei- delb.^821); „Politik der inner» Staatsverwaltung" (3 Bde., Heidelb. >823); „Statistik und Staatenkunde" (Stuttg. >820); „Handbuch der Finanzwissenschast nnd Finanzverwaltung" (2 Bde., Stuttg. 1830); sein treffliches „Handbuch der Militairgeographie von Europa" (Heidelb. >832; neue Aufl., 1834—35) und seine letzte Schrift „Die Sparkassen in Europa" (Stuttg. 1838). Malcolm (Sir John), geb. am 2. Mai I769zu Burnfoot bei Langholm in Schott- Malczeski Males 265 fand, ging bereits 1782 als Cudet nach Indien, wo er 1782 bei der Belagerung von Se- ringapatnam sich auszeichnete. Nach einem kurzen Aufenthalt im Vaterlande kehrte er 17 SS nach Indien zurück und wurde hier wegen seiner Kenntniß des Landes und der Sprachen derselben, sowie wegen seiner militairischen Tüchtigkeit sehr bald von der brit. Regierung zu den wichtigsten Aufträgen gebraucht. Unter Andern, erhielt er im I. > 80V eine Sendung nach Persien, wo es ihm gelang, mit den den Briten gefährlich gewordenen Afghanen ein Bündniß zu Stande zu bringen. Nach Kalkutta zurückgekehrt, wurde er Secre- tair des Gencralqouverneurs Marquis von Wellesley. Auch <802, 1808 und 1810 war er in diplomatischen Aufträgen am pers. Hofe. Persien verdankt ihm die Einführung der Kartoffeln, die man nach ihm Malcolmspflaumcn nannte, und der Schah von Persien verlieh ihm beim Abschiede die Würde eines Khans des Reichs. Während seines Aufenthalts in.Persien sammelte er den Stoff zu seiner „tlii-tarv „kkersis" (2 Bde., Lond. >81 5, 1.; 2. Aust., I 828, 8.; deutsch, 2 Bde., Lpz. 1830), und zu den „Sleetcbes ok Lersüt" (2 Bde., Lond. 1827; deutsch, Dresd. 1828). !Im 1.1812 kehrte er nach England zurück und erhielt die Ritterwürde, doch schon 1818 war er wieder in Indien. Zn dem Kriege gegen den Marattenfürsten Holkar zeichnete er sich rühmlich aus. Nach der Beendigung des Kampfes gegen die Maratten (s. d.) und die Pindarecs (s. d.) im I. 1818 wurde er von dem Generalgouverneur als Civil- und Militairgouvcrneur der eroberten Landschaften in Mittelindien angestellt, eine Stelle, die er auf die ausgezeichnetste Weise verwaltete. Einen Bericht über seine Verwaltung gab er in dem ,Memnirok central Inclia" (2 Bde., Lond. 1823), das sich sehr ausführlich über das Land und die Sitten seiner Bewohner verbreitet, wie er denn auch schon früher in der „Sketck oktlie political historx ob Inch»" (Lond. 18! I), die er später seiner „LoIitic-,1 bistorz-aklnckia krom 178-1 to 1823" (2 Bde., Lond. 1828) einverleibte, und in der „8ketc!i okIlle 8ickks" (Lond. 1812) seine genaue Kenntniß Indiens bekundet hatte. Zum Generalmajor ernannt,-kehrte er 1823 abermals nach England zurück, wo er nun blieb, bis er 1827 Gouverneur der Präsidentschaft Bombay wurde. Zn diesem neuen Wirkungskreise erwarb er sich namentlich auch dadurch ein großes Verdienst, daß er den Europäern gestattete, Ländereien zum Anbau oder zur An- leauna von Fabriken zu pachten. Nachdem er 1831 in sein Vaterland zurückgckchrt, wurde er ins Parlament gewählt. Auf Veranlassung der Verhandlungen über die Erneuerung des Freibriefs der ostind. Compagnie gab er in seiner Schrift „Tbe aämmistration ok bri- ti-!i Inclia" (Lond. 1833) eine aus amtlichen Papieren geschöpfte Darstellung der Verwal- tungsverhältniffe in Indien. Er starb zu Windsor >833. Malczefki (Antoni), poln. Dichter, geb. I7S2 in Wolhynien, der Sohn eines begüterten poln. Generals, erhielt seine erste Ausbildung durch stanz. Hauslehrer und trat 181! in das poln. Heer, in welchem er für einen der talentvollsten Jngemenrofsizicre galt. Ein Beinbruch zwang ihn, 1818 das Heer zu verlassen; hierauf durchstreifte er Italien, Frankreich und die Schweiz und bestieg 1818 den Gipfel des Montblanc. Nachdem er in Paris die Überreste feines Vermögens verschwendet hatte, führte ihn Überdruß an den sinnlichen Genüssen 1821 nach Warschau zurück, und er pachtete nun ein Gut in Wolhynien, um in ländlicher Ruhe zu leben. Aber ein unerlaubtes Derhältniß zu der jungen Gattin eines seiner Freunde trieb ihn alsbald wieder nach Warschau zurück, wohin seine Geliebte ihm folgte. Hier starb er von Mangel und Gewissensbissen gequält am 2. Mai 1826. Seine das ukränische Leben in tiefpoetischer Weise darstellende Erzählung „Marya" (Marsch. 1825; deutsch von Vogel, Lpz. > 845) ist, ähnlich den Byron'schen Erzählungen, voll anziebendcr, aber auch grauenhafter Schilderungen. Seine sämmtlichen Gedichte und Aufsätze gab Bielowfki (Lcmb. 1838) heraus. Malöa, jetzt auch Cap St.-Angelo genannt, heißt ein Vorgebirge im Südosten von Lakonien, die südöstlichste Spitze Moreas, welches schon im Alterthume wegen seiner gefahrvollen Umschiffnng gefürchtet war. Ganz verschieden davon ist der Malische Meerbusen (8mus Llaliscus), jetzt Meerbusen von Zeit» n, im Südwestcu Thessaliens, bei Thermopylä, welcher von der kleinen Landschaft Malis seinen Namen erhielt und längs der Küste von einem politisch nicht unwichtigen Volksstamme, den Maliern oder Maliensern, bewohnt wurde. Vgl. Kriegk, „Le Naliensibus" (Franks. >833). 266 Maleachi Malediven Maleächi odrr Malachias war der letzte unter den Propheten der Hebräer, mit Welchem die Prophetie um 40V v. Chr. schließt. Seine ernsten und kräftigen Vorträge rügen an jüd. Priestern Undankbarkeit gegen Gott, Nachlässigkeit im Tempeldienste und die Ehen mit fremden Weibem. Auch enthalten sie Drohungen der göttlichen Strafe ge- gen die Unbußfertigen und eine Verkündigung der Wiederkunft des Propheten Elia vor dem Tage des Weltgerichts. Die Meinung Einiger, daß der Name deS M. ein symbolischer und unter ihm Esra oder ein Anderer zu verstehen sei, läßt sich nicht begründen. Malebranche (Nicolas), der tiefdenkendste Metaphysiker der Franzosen, geb. am 0. Aug. 1638 zu Paris, wo sein Vater Vorstand der Rechnungskammer war, hatte von Zugend auf in Folge seines misgestaltcten Körpers mit Krankheit zu kämpfen, wasch» menschenscheu machte und in die Einsamkeit trieb. I» einem Atter von 22 Jahren trat er in dieCongregation des Oratoriums, wo er sich ganz dem Studium der biblischen Geschichte und der Kirchenväter widmete, bis die Schrift des Descartes „I)e iiomine", welche ihm zufällig in die Hand fiel, durch die Klarheit ihrer Schreibart und die Neuheit und scheinbare Gründlichkeit der vorgetragenen Gedanken in ihm die entschiedenste Neigung zur Philosophie erweckte. Nach mehrjährigem Studium der Cartesianifchen Grundsätze ließ er endlich sein berühmtes Werk „De la reckereke 6e Is verite" (3Bde.,Par. 1674; besteAusg., 4 Bde., Par. 17 i2, 12 ., und 2 Bde., 4.; deutsch, 4 Bde., Halle 1776—86) erscheine», welche« durch seine tiefsinnige Originalität und die Eleganz der philosophischen Darstellung großes Aufsehen erregte, ihm aber auch manchen Gegner erweckte, darunter »amentU Ant. Arnauld („vss vr-iies et 6es lsusses iclees", Köln 1683) und Bofsuet. Der Zwei dieses Werkes, welches auch Locke und Leibnitz einer kritischen Prüfung unterwarfen, war, die allgemeinen Ursachen der Jrrthümer, denen die menschliche Erkenntniß unterworfen ist, psychologisch zu untersuchen, zugleich aber zu bestimmen, was in derselben Wahrheit sei, worauf sich diese zuletzt gründe und auf welchem Wege sie zu erforschen sei. Dasselbe ist ein ehrwürdiges Denkmal eines tiefen, ruhigen, durchschauenden Geistes und enthält eine große Mannichfaltigkcit anziehender psychologischer Beobachtungen und Winke. Der Hauptsatz, zu welchem M. nach Verwerfung der verschiedenen Annahmen über den Ursprung der Erkenntniß gelangt, und in welchem sein Offenbarungsglaube.den Resultate» seinerSperulation begegnet, ist, daß wir alle D^nge in Gott schauen (seine berühmte Vioio» an Leu). Er betrachtete daher, hierdurch den Übergang von Cartesius zu Spinoza bildend, Gott als den einzigen Realgrund alles Seins und Denkens, der alle- Dinge auf intelligible Weise in sich schließt („visu est le lieu 6s« «Sprits, cnmine I'espsce est te lis» 6es eur;>s") und die Grundursache aller Veränderungen der Körper und Seelen ist, wobei sich diese nui passiv verhalten. (S. OccasionaliSmus.) Überhaupt neigt sich seine Lehre zu einem mystischen Idealismus hin. Außer jenem Werke sind noch zu erwähnen sein „l'rsitö de Is Notars et 6s I» glüce" (Rotterd. 1680) und der ,,'IHtö 6e morste" (Rotterd. 1684; deutsch von Reidel, Heidelb. 1831). Er wurde 1699 Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften und sah sich dadurch zur Abfassung feines „l'rsit^ 6« l» eommumestlo» 6u Mouvement", dem er ein ,^8Mewe göoe'rsl 6e I'uuivers" beifügte, veranlaßt. Seine „Lvaversstions cbretieonsr" (Par. 1677) sind ein Versuch, seine Ideen unmittelbar auf die Theologit anzuwenden. Er starb am 13. Ott- 17 15 zu Paris und hinterließ den R»' eines Mannes vom edelsten Charakter, aber von einer fast überspannten Frömmigkeit. Seine „Oeuvres" erschienen in elf Bänden (Par. 1712). Malediven, eine lange Kette unzähliger (12— 1 7000) niedriger Koralleninskln und Korallenriffe, welche sich, fast ganz in der Richtung des Meridians 91" östl. L., von beinahe 7" nördl. Br. in einer Länge von 116 M. bei einer ziemlich gleichen Breite von durchschnittlich i v M. biS 1" südl. Br. erstreckt und in 17 Inselgruppen, welche zugleich politische Abteilungen bilden, zerfällt. Diese Inseln bringen hauptsächlich Kokospalmen, Reis, Südfrüchte und die tropischen Knollengewächse hervor. Pferde gibt es gar nicht, Rindvieh nur wenig, dagegen viel Geflügel; die Fischerei bildet einen Hauptnahrungs- und Handelsartikel. Die Kauri (s. d.) genannten kleinen Muscheln dienen in Ostindien und einem großen Theile As rikss als Münze. Die Einwohner, von der Küste von Malabar ringewanderte Hindus, l ie sich später vielfach mit Araber« mischten, 200000 an der Zahl, Malerakademien Malerei 267 bekennen sich zum Mohammedanismus, betreiben lebhaften Handel und Schiffahrt nach Atschin auf Sumatra und der nördlichen Ostküste Vorderindiens, und sind im Übrigen ein harmloses Völkchen, das unter einem Sultan steht, der seine Residenz auf der Insel Male hat. Ganz von derselben natürlichen Beschaffenheit wie die M. find auch die beiden andern benachbarten Inselgruppen, die Lakediven- und dieTschagosinseln, die fast ganz in derselben Meridianrichtung mit den M. liegen, die erstern, von Moplays bewohnt und unter engl. Hoheit stehend, im Norden, die letztem im Süden von dm Malediven. Malerakademie«, s. Kunstakademien. Malerei oder Malerkunst heißt diejenige bildende Kunst, welche das Schöne in sichtbaren Gestalten mittels der Linien und Farben auf Flächen darstellt. Als schöne Kunst hat dieselbe den Zweck, etwas Vollendetes für die Anschauung hervorzubringen, und setzt insofern einen schaffenden Genius voraus, welcher durch entsprechende Versinnlichung der Ideen das Vollendete hervorbringt. Versteht man aber unter Dichten das innere Bilden nach Idem, so muß auch jeder Maler in gewissem Sinne Dichter sein, d. h. er muß Das vorher in seiner Einbildungskraft erschaffen haben, was er durch seine Kunst äußerlich dar- stcllen will, und daS Dargestellte muß das innere Wesen, den lebendigen Charakter der Dinge, überhaupt das Jdealische, ernst oder scherzend ausdrücken. Man spricht daher vor. poetischen und unpoetischen Gemälden, und unterscheidet die poetische oder ästhetische Com- Position von der eigentlich malerischen oder technischen Composition. Selbst bei Copien der Natur sollte nicht der einzelne Gegenstand als solcher dargestellt oder der Natrrr lediglich nachgeahmt werden; selbst das Portrait sollte nur den Geist und den Charakter in eigen- thümlich ausgeprägter Form darstellen. Indessen hat die technische Fertigkeit in Behandlung eines Stoffes, namentlich die Behandlung der Farben, für die Meisten einen so blen- denden Reiz, daß über diesem technischen Wcrthe der innere oder ästhetische, welcher sich auf das Poetische des Gegenstandes bezieht, zuweilen ganz vergessen wird, und man oft den Werth des Gemäldes nach seiner unmittelbaren Beziehung auf einzelne, wirkliche Gegenstände der Natur, deren Formen der Künstler gebraucht, nicht nach seiner Beziehung auf die darzustellendcn Ideen bestimmt. Daher gibt es auch eine technische und eine ästhetische Theorie dieser Kunst. Als bildende Kunst stellt die Malerei das Schöne in sichtbaren Gestalten ruhend dar. Der Künstler soll also etwas Vollendetes für die äußere Anschauung des Auges hervor- bringcn, ist aber im Verhältniß zu dem Dichter dadurch beschränkt, daß er das Sichtbare in einem bestimmten Raume und zwar so darstellt, wie ein Augenblick es zeigt. Dagegen ist die Malerei als bildende Kunst der Dichtkunst darin überlegen, daß sie die gleichzeitigen Gegenstände und Eigenschaften mit erschöpfender Kraft, Treue, Bestimmtheit und Anschaulichkeit aufzufassen und mitzuthcilen vermag, ja in noch eigentlicher»« Sinne sichtbare Gegenstände darstellt. Am sinnlichlebendigsten stellt unter allen bildenden Künsten die Malerei das individuelle Leben der Gegenständ« dar. Zwar bildet sie mw scheinbare Körper, indem sie durch Farben schildert, welche, vorzüglich in der Darstellung lebendiger Wesen, nur auf der Flächt die Wirkungen einer schönen Kunst hrrvorzubringen fähig sind; aber sie weiß durch Licht und Schatten und durch die Perspective das Auge über diese Abwesenheit der Raumersüllung so zu täuschen und ihren Scheingestalten durch Nachbildung der ätherischen Reize der Lichtwelt ein so lebendiges Dasein zu verleihen, daß man ihr unter allen bildenden Künsten die meiste Illusion (s. d.) zuschreibt und den Ausdruck Gemälde daher auch auf Werke der Dichtkunst und Vlusik figürlich überträgt. Die eigentliche Malerei kann Körper nur dadurch auf der Fläche darstellen, daß sie dieselben nach ihren perspektivischen Umrissen auf der Fläche zeichnet; ihr liegt also die Zeichenkunst (s. d.) zum Grunde. Von letzterer aber unterscheidet sich die Malerei dadurch, daß sie die Gegenstände mit ihren eigenthümlichen Farben darstellt, mithin durch das Colorit oder dir Farbengebung (s. d.) und die höhere Vollkommenheit des Helldunkels. Die>Zeichnung wird erst in der Malerei zu einem vollkommen belebten Ganzen; sie bestimmt den Charakter der Formen und gibt ihnen Bestimmtheit. Die Farbe gibt ihnen Leben nnd Seele, denn Licht und Farbe sind selbst etwas Geistiges und Ätherisches. Das Colorit hat nach der herrschenden Idee sine Hauptfarbe oder einen Grundton, welcher die Harmonie des Ganze« bewirkt 268 Malerei und die mannichfastigen Localfarben verbindet. Zeichnung und Colorit aber muffen eins und harmonisch sein; denn, wo die Zeichnung vorherrscht, wird der Stil hart und streng, und wo das Colorit zu stark hervortritt, wird der Stil weich und unbestimmt. Beide Er- fodernisse sind einem Gemälde gleich nothwcndig. Die Malerei übertrifft in Hinsicht des Umfanges ihrer Gegenstände die Baukunst wie die Sculptur oder Plastik im engern Sinne, indem sie nicht nur die Gegenstände dieser Künste ebenfalls in ihre Darstellung aufnchme» kann, sondern auch Gegenstände darzustcllen vermag, welche keine andere bildende Knnst darzustellen im'Stande ist, namentlich Gegenstände, welche, wie z. B. die Lust, nur durch Farben oder Perspective darstellbar sind. Man hat die Malerei auf mehrfache Weise eingetheilt. So vor Allem nach den behandelten Gegenständen, wobei sich als Rubriken das sogenannte historische Bild, das Genrebild, das Portrait, das Thierstück, die Landschaft und das Stillleben ergeben. Die Historische Malerei (s. d.) im weitern Sinne umfaßt nicht blos die Darstellungen aus der Weltgeschichte, sondern alles Dasjenige, was eine höhere, von den Zufälligkeiten des Individuums befreite, ideale Auffassung verlangt, also auch die Andachtsbilder, die mythe- logischen Darstellungen u. s. w. und würde somit richtiger ideale Malerei heißen. Die Genrem alerci (s. d.) stellt Scenen und Zustände des gewöhnlichen Lebens dar, welchen sie durch sittliche oder humoristische Bezüge, oder auch durch den Reiz des Alterthümlichen und Ausländischen, äußerlich durch feine Behandlung ein höheres Interesse abgewinnt Sie ist somit der historischen Malerei gegenüber nicht als blose Zustandsmalerci aufzufassen, denn die Handlung ist ihr so gut eigen als jener; die Verschiedenheit liegt vielmehr in der Intention des Ganzen und in der Auffassung des Einzelnen. Eine besondere Mittel- stellung nirmNt das bedeutsam behandelte Portrait (s. d.) ein. Einen ganz vorzüglich hohen Rang weist die neuere Kunstlehre der Landsch astmalerei (s. d.) zu, welche auch di: Seestückc und die Städteansichtcn umfaßt. Sie ist der Ausdruck eines poetischen Ee- dankens durch die Gegenstände der Natur, modificirt und bisweilen der historischen oder du Genremalerei nahe gebracht durch die sogenannte Staffage (s.d.), d. h. die Figuren nn Vordergründe. Ihr ist derZaubcr des Lichtes und derFarbcn vorzugsweise und alsHauxt- element nothwendig. Blumenstückc (s. d.) und Fruchtstücke (s.d.), Stillleben (s. d.) und Arabesken (s. Grotesken) schließen sich den genannten umfassenden Elasten der Malerei an. In jenen ist Naturwahrheit und Meisterschaft in der feinsten Farbengebung und Beleuchtung größtentheils Hauptzweck; sie stehen daher in ästhetischer Hinsich! sehr tief; diese sind als freie Spiele der ungebundenen Phantasie und eines unüberwindlichen Form- und Bildungstriebes bedeutend. Eine letzte Hauptgattung ist die Thier Malerei, beschränkter als jene, und nur dadurch anziehend, daß sie nicht einzelne individuelle Thiere, sondern den Charakter der Thierkraft gewisser Gattungen entweder in Ruhe, oder gleichsam handelnd, durch Zusammenstellung mehrcr Thiere oder in Begleitung des Menschen, mit sprechender Treue und malerischer Mannichsaltigkeit darzustcllen hat. Andere Einstellungen der Malerei beziehen sich auf das Äußere dieser Kunst. In eigentlich technischerBe- ziehung, nämlich in Hinsicht auf das Material und die äußere Behandlungsart, unterscheidet man die En kau stik (s.d.) der Alten, die der neuern W achsma lere i (s.d.) nahe- kommt; ferner die ihr verwandte Emailmalerei (s. Emailc) nebst Glasmalerei isU und Porzellanmalerei (s. Porzellan), Mosaik (s. d.) verschiedener Art, nebst der Malerei durch Sticken, Weben und Stricken. Zn Beziehung auf das Farbenmaterial zerfällt die Malerei in Ölmalerei (s.d.), Pastellmalerei (s. d.), Malerei mit Wasserfarben (s. d.), wozu die Freskomalerei (s. d.), die Gouachemalerei (s. d.) im engern Sinne und die Miniaturmalerei (s. d.) gehören. Die Geschichte der Malerei zerfällt nach den vorherrschenden und wichtigsten Erscheinungen der Kunst in die antike und die neue oder christliche; denn von einer oriental. Malerei vor der Zeit der griech. und röm. Kunst, und von den Malereien nichtchristlicher Völker in der neuern Zeit ist nicht viel zu sagen. Die Malerei der früher« Völker erscheint nur als eine Vorbereitung auf die Kunst der Griechen, und so fängt die Malerei erst da an, wo die Farbe selbst Zeichnung wird und mit ihr sich die Bedeutung selbständiger Formen verbindet. Zn Ägypten und Mexico scheint die Malerei nur auf das Bedürfnis noch- Malerei 269 dürftiger Verständlichkeit berechnet gewesen. Der ungebildete Sinn der Hindus fand sich durch den bunten Glanz seiner einheimischen Farben leicht für den Mangel an Reinheit und Richtigkeit derZeichnungen entschädigt. Auch bei den Persern war dieMalcrei unstreitig blos ein regelloses Farbengemisch. Bei den Ägyptern, welche namentlich aufdicBildung der Griechen wirkten, wurde insbesondere die Malerei durch, religiöse Bedürfnisse veranlaßt und bedingt und stand zur Sculptur und Architektonik in einem zwar engen, aber untergeordneten Verhältnisse. Man findet ägypt. Malereien aus der ältesten Zeit an Tempelwänden und in Begräbnißkammern, auf gricch. Reliefs, auf Mumiendecken, Mumiensärgen und Papyrusrollen. Die erstem sind bemalte Bildhauereien in vertieften mit Farben oder Metallen a-isgelegten Umrissen, wie die sogenannte Isistafel (s.d.), das wichtigste Denkmal dieser Gattung. Die Wandgemälde in Tempeln und Katakomben bestehen in kolossalen bemalten Figuren, mit eingegrabenen Umrissen und mit kleinern Wandgemälden eingefaßt. Die älteste griech. Ma lerschule finden wir an den kleinasiat. Küsten auf den Inseln. Ein Zusammentreffen glücklicher Umstände macht die frühe Blüte der Kunst in diesen gesegneten Ländern begreiflich, die schon im Homerischen Zeitalter durch vorbereitende Versuche in gefärbten Teppichen und Geweben begann. Von hier aus sollen die griech. Pflanzstädte an der Küste von Italien und Sicilien die Keime ihrer Kunst empfangen haben. Auch in dem eigentlichen Griechenland finden wir die Malerei ursprünglich als Begleiterin der Sculptur und Plastik zu religiösen Zwecken angewandt. Gewohnt, von Alters her die rohen Idole, denen der Grieche seine Andacht weihte, mit einem bunten Far- benanstrich auszuschmücken, glaubte man auch später, dieses Hülfsmittels zur Belebung des farblosen Stoffes sich bedienen zu müssen; zuletzt pflegte man nur noch die Augen zu malen, oder aus Schmelz oder Steinen künstlich einzusetzen. Unabhängig von der Plastik in heiligen Tempelgemälden zeigte sich die Malerei erst spät. Auch die Friese der Tempel, die Reliefs an den Frontons, die Galerien und Seitenhallen wurden gemalt oder vielmehr bemalt. Die eigentliche Malerei ging von der Zeichnung, und diese von Schattenrissen ans> die man bald auszuzeichnen anfing,' Skiagramme und Monogramme genannt. (S. Silhouette.) Von diesen schritt man zu Monochromen (s. d.) fort. Zunächst fing man nämlich an, die Umrisse mit einer Farbe (geriebenem Scherbensand) auszumalen, dann die Rundung der Körper durch Licht und Schatten mittels Abstufung der Farbe genauer aus- zudrücken. Älteste Überreste dieser einfarbigen Malerei, welche sich auch später erhielt, sind die sogenannten Vasengemälde mit schwarzen, silhouettenartigen Figuren auf ungefärbtem Grunde. Für die Linearzeichnung, dir nach der Anekdote von dem Wettstreite des Apel» les und Prokogenes unter den Griechen zu großer Vollendung gedieh, und für die einfarbige Malerei reichte der Griffel aus, mit welchem man gefärbte Wachstafeln, zubereitete Thierfelle und geglättete Buchsbaumtafeln bearbeitete. Das Polychrom aber, oder die mehrfarbige Zeichnung, setzte ein künstlicheres Werkzeug voraus, nämlich den Pinsel, welchen die Hand freier und kräftiger bewegte. Unter den weniger bekannten Künstlern aus dieser Periode ist Panänus merkwürdig, der Vetter und Gehülfe des Phidias (s. d.). Er war der Erste, der in den öffentlichen Spielen zu Korinth und Delphi um den Preis warb, welchen man für den Wettkampf in der Malerei angeordnet hatte. Seine Wandgemälde im Athenäum zu Elis, seine Gemälde im Iupitertempel zu Olympia, die Ausmalung der Pökile in Athen mit der Schlacht von Marathon, nebst den Bildnissen der griech. und pers. Anführer in mehren Gemälden haben seinen Namen erhalten, weniger die Colorirung und 5 Ausschmückung der Statue des Jupiter. Früher vielleicht noch malte Mikon, der Nebenbuhler des Polygnotus, welcher ebenfalls die Pökile sowie das Theseum zu Athen mit Schilderungen der Amazonen- und Centaurenkämpfe ausschmückke. Aber erst durch Polygnotus (s. d.) aus Thasus erhob sich ungefähr 42N v. Chr. die Kunst zur Selbständigkeit. Sein Verdienst war erhöhte Lebendigkeit des Ausdrucks und der Charakteristik, ferner Mannichfaltigkeit der Gewänder und symmetrische Vcrtheilung der Figuren. In der Ver- theilung des Lichtes und Schattens scheint Apollodor aus Athen,.401 v. Chr., die Kunst weiter gebracht zu haben. Zur Schönheit aber erhob diese Kunst Z e uxis (s. d.), ungefähr 3"! 8 v. Chr-, der in seiner berühmten Helena einen Kanon derselben aufstellte. Sein Nebenbuhler, Parrhasius (s. d.) aus Ephesus, neigte sich mehr zur Anmuth oder zum 270 Malerei weiblichen Ausdrucke der Schönheit hin und seine reinen Proportionen machten ihn nicht 8 minder berühmt als sein anmuthiges Colorit. Das Höchste im Ausdruck und in der siiini- ?! gen Erfindung erreichte Timanthes aus Samos. Apelles (s. d.) verband mit äußerster ! u Nakurwahrheit ein schmeichelndes Colorit und wird als Meister im Portrait gerühmt. Nach Z ihm verfiel die Kunst in Zierlichkeit, Künstlichkeit, Trockenheit und wendete sich selbst auf g Darstellung gemeiner Gegenstände (Nyparographie). Unter den Römern fand die Ma- Ii lcrei sehr geringe Theilnahme. Sic kannten früher nur die Malereien der Etrusker, und ; Fabius, der den Beinamen >>>ctor erhielt, steht einzig in den Kunstannalen Noms. Später g wurden Griechen die Lehrer der Römer; allein schon war weichliche Üppigkeit eingeriffen. L Die meisten Denkmale der alten Malerkunst, welche man in den Gräbern und Bädern den L Rom, Pompeji und an andern Orten Italiens gefunden hat, bestehen aus FreSconialereien n und musivischen Arbeiten. Überhaupt ist die Anzahl der noch vorhandenen Denkmäler der d griech. und röm. Malerei so gering, daß der Archäolog oft nur bei Vermuthungen stehrn n bleiben kann, welche in der Vergleichung mit den Werken dieser Nation in andern bilden- h den Künsten und durch Zeugnisse der classischen Schriftsteller einige Bestätigung finden. » Doch scheint man allgemein anzuerkennen, daß die Malerei überhaupt in dem classischen si Alterthume, sowol in Hinsicht ihres Gebrauchs als in Beziehung auf ihre Vollendung, der n Plastik immer nachstand und untergeordnet blieb, woher die Behauptung entstanden ist, ? daß die Malerei damals mehr plastisch gewesen sei. Die Flächendarstellung mußte sich, als d- die abstraktere, überhaupt später entwickeln. Aber noch mehr mögen hierzu mechanische >r Hindernisse, in Beziehung auf die Bearbeitung der Farben, beigetragen haben und ganz b! vorzüglich auch der Ümstand, daß die öffentliche Ausstellung der Malerwerke beschränkter n war. Die Behauptung, daß die Alten die Perspective nicht gekannt hätten, ist ungegrün- n det; wahr ist blos, daß sie bei ihrer dlos andeutungswcisen Behandlung der Hintergründe ß> keine Perspective entwickeln wollten, während sie dieselbe beim höchsten Gegenstände, dm F menschlichen Körper, in größter Vollkommenheit anwendeten. Gewiß dagegen ist, daß st k li> das Helldunkel nicht gekannt haben. Hiermit hängt zusammen, daß ihre Malerei sich meist a> auf Darstellung historischer Situationen und auf Thiermalerei beschränkte und daß die di Landschaftmalerei nicht cultivirt wurde. Vgl.Zunius, „Vs pictnra veterum", heraußgege- le den von Grävius (Rotterd. l 62-1); Durand, „vistoire de I» peinture ancienne" (Lond. A 1725); Turnbull, „Ireatise on ancient psintnre ete." (Lond. 1740)z Vinc. Regnen», A „8a^A> sul ristadiiimsnto clell' sntica arte de' Areci s de' rnmani pittori" (2 Bde., neue M Aufi-, Parma >787); Andr. Riem, „Über die Malerei der Alten" (Berl. 1787, 1.); ,, Grund, „Über di« Malerei der Griechen^ (2 Bde., Dresd. 1810—l I) und Bvttiger, vr „Ideen zur Archäologie der Malerei" (Bd. i, Dresd. 1811). p> Größere Vollendung erreichte die Malerei in der christlichen Zeit, sodaß sie die Oberherrschaft über die Plastik erlangte. Ihre älteste Anwendung auf christliche Ideen soll dl in den Grüften stattgefunden haben. Musivische Arbeiten wurden fortwährend in Menge »! geliefert; auch scheint die enkaustische Malerei noch im Gange gewesen zu sein. Seit dem di 4. Jahrh. verbreitete sich der Gebrauch heiliger Gemälde, z. B. der Heiligenbilder sin den Kirchen, im Morgen - und Abendlande immer allgemeiner, wodurch die Künstler zu neuem li Eifer entflammt wurden. So wurde die christliche Religion die Mutter der neuen Malerei; a aber oft empfahl auch die Malerei sene bei ihrer Ausbreitung. Obschon die Kunst unter der 2 Herrschaft barbarischer Nationen viel leiden mußte, so hörte sie doch nie ganz auf, indem ^ ihr die Religion Vorschub leistete. Vorzüglich wurden Gemälde religiöser Art im Abend- ^ lande geschäht und viele Legenden von ihrem übernatürlichen Ursprünge damit in Verbin- » düng gebracht. Als SiH der vollkommensten Technik erscheint das ganze frühere Mittel- f alter hindurch Konstantinopel (s. Byzan ti irische Kunst); hier hakte sich die Tradition " der Kunstmittel am vollständigsten erhalten, und dieser alte Ruhm hat in mehr als einer ^ Epoche eine gewisse Einwirkung auf die abendländ. Malerei zur Folge gehabt, die man b sich aber gewöhnlich viel zu ausgedehnt denkt. Die älteste deutsche Malerei z. B. zeigt blos ^ direkten antiken Einfluß und ist mit Ausnahme einer geringen Einwirkung zu Ende des " > 0. Jahrh. nicht wieder von der byzantin. Kunst berührt worden, was auch bei der schon ^ damals vollständigen Erstarrung und innern Unwahrheit der letztem kein Unglück war. Malerfarben 271 Beiweitem großem Einfluß hatte sie auf Italien, wohin in Folge der Bilderstürmer« im Morgenlande (s. Bilderdienst) seit dem 8. Jahrh. viele griech.Künstler wandcrtcn, und dessen Kunst nun in der Thal Jahrhunderte hindurch einen vorherrschenden byzantin. Stempel trägt, die wenigen spätlombard. Arbeiten ausgenommen. Erst im l 3. Jahrh. begann in Italien mit Cimabuess. d.) eine neue Kunst, die man später die Italienische Malerei (s. Italienische Kunst) genannt hat, da stein einem gleichsam abgeschlossenen Zeitraum, als dessen Repräsentanten Michel Angelo, Correggio, Rafael und Tizian angesehen werden können, einen eigenthümlichen Charakter entwickelte. In ihren höchsten Leistungen durchdrang sich der poetische Adel des Gedankens vollkommen mit der größten Schönheit der durch das Studium der Antike geläuterten Formen und, wie bei den Venetia- nern, mit der höchsten Pracht und Wärme der Farben; Borzüge, die sich wol nie mehr in dieser Art beisammen finden werden, und zeither nur theilwcise erreicht oder übertroffen worden ßnd. Auch die nord. Kunst entriß sich seit dem > ->. Jahrh. der frühem Befangenheit und bettat mit dem Aufblühen der flandr. Schule vorherrschend die Bahn des Charakteristischen und Individuellen. Eine höhere Läuterung durch die Werke des Alterthnms stand ihr jedoch erst zu Gebote, als es au- andern, auch äußern Gründen bereits zu spät war. (S.Nied irländische Kunst, Deutsche Kunst und Französische Kunst.) Nachdem durch die allgemeiner verbreitete Kenntniß der Antike und durch einen Austausch der Kunstmittel der verschiedenen Schulen mit dem Ablauf des >8. Jahrh. ein neuer gemeinsamer Boden gewonnen war, entwickelte sich aus diesem eine schöne Periode der Nachblüte, in welcher besonders das Kolorit großartige Triumphe feierte. Dahin gehören die neuere niederländ., die span, und die später« ital. Schulen. Aber Gehalt und Form nutzten sich wiederum ab bis zur widerwärtigen Manier, und erst unter dem Einfluß der großen Bewegung der Geister zu Ende des l8. Jahrh. entstanden neue, klassische Schulen in Frankreich, z.B. durch David (s.d.),nndinItalien, z.B.durch Appiani (s.d.); eine ähnliche Richtung lebt auch in Deutschland auf, z.D. durch Carstens (s. d.). Aus der Ne- actionder Romantik (s.d.) gegen diese Classtker gingen dann die fämmtlichen jetzt bestehenden Schulen in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden hervor. Über die Kunstlehre und Kunstgeschichte finden sich Beiträge in Cennini'S, Leonardo da Mnci's und Mengs' Werken. Auch haben Algarotti, de PileS, Watelet, DuboS, Richardson, Reynolds, Dan. Webb, Hagedorn, Lessing in seinem „Laokoon", Winckelmann, Füßli, Fiorillo, Falk in seinen „Kleinen Abhandlungen, die Poesie und Kunst betreffend", Fernow, Goethe in seinen „Propyläen" und besonders in seinem „Winckelmann und sein Jahrh." Manches hierin vorgearbeitet. Vgl. auch, außer Vasari, Mander und Houbraken, Descamps, „Vies des peintr«s Ssinsnds, ullemkmds et liotiauduis etc." (5 Bde., Par. 1753); Lanzi, „8toriu pittoric» d'ltslia 815; deutsch von Wagner, mit Anmerkungen von Quandt, 3 Bde., Lpz. >830—33); Rumohr, „Ital. Forschungen" (3 Bde., Berl. i-827—3l) und die neuern kunstgeschichtlichen Werke von Kugler, Schnaase, Kinkel, Waagen, MichielS u. A. Malerfarben sind theils Naturprodukte, theils Kunsterzeugniffe. Hauptsächlich liefert sie das Mineralreich (Mineralfarben), und wenn sie ihr Colorit auch Thieren oder Pflanzen verdanken, so ist dieses doch immer an etwas Mineralisches (eine Erde oder einen Metallkalk) gebunden, weil die reinen thierischen oder vegetabilischen Farbestoffe (Saftfarben) für sich keinen Körper haben, sondern ihn erst durch den mineralischen Zusatz erhalten. Der Färber kann allerdings jene im Wasser auflöslichen Farbestoffe ohne mineralischen Zusatz benutzen, weil er mit denselben die Zcuche durchdringen wjll; der Maler aber muß die Farben, damit sie um so weniger sich in den unterliegenden Grund einziehen, nur mit irgend einer Flüssigkeit, die leicht trocknet und die Farbe nicht verändert, anreiben und auf- tragen. Diese Flüssigkeit ist entweder wässerig (Gummiwaffer oder Seifenspiritus) oder fettig (austrocknendc Öle des Mohn - oder Leinsamens). Für die Ölmalerei eignen sich die mineralischen Farben besser als die nur an mineralische Körper gebundenen (die Lackfarben), indem letztere durch Beimischung von Öl stets dunkler werden. Diese Mineralfarben bestehen in metallischen Kalken (Oxyden oder Sauerstoffverbindungen), oder in Metallsalzen und Schwefelverbindungen; doch haben erstere vor letzter«, ihrer Unveränderlichkeit wegen, 272 Malesherbes den Vorzug. Zu den Metalloryden, welche als Farben benutzt werden, gehören vom Blei die rothgelbe Mennige und das gelbe Massicot; vom Eisen die verschiedenen Ocher, Erdm von Siena und Umbra, die durch das Glühen ihre Farben ins Dunklere ändern; vom Kupfer das Bergblau und vom Kobalt die Smalte. Andere salzige und salzähnliche Metall- verbindungen sind vom Blei das Bleiweiß und Kremnitzer Weiß und das Kasseler Gelb; vom Eisen das Berliner Blau; vom Kupfer die Grünspanblumen, das Berggrün, du; Braunschweiger Grün und das Scheele'sche Grün. Schwefelhaltige Metallfarben sind der Zinnober vom Quecksilber, das gelbe Auripigment vom Arsenik. Die Lackfarben habe» Zinn oder Alauncrde zur körperlichen Grundlage und erhalten ihre Farbe von einem thü- rischen oder vegetabilischen Farbestoffe. Hierher gehören die rothen Lacke aus Cochenik mit Alaun oder Zinn und aus Krapp, und die schlechtem aus Fernambuc bereiteten Sorten, die gelben uus Gelbholz, Scharte und Wau, die braunen aus mehren andern färbenden Rinden, endlich der Indigo, obgleich er seiner Entstehung nach ganz vegetabilisch iß Bei der Porzellan - und Glasmalerei dürfen nur metallische Farben angewendet werden, die im Feuer nicht flüchtig und nicht sehr veränderlich sind. Hier dienen zinnhaltiges Eck zum Purpur und Nickel zum Grün; Blau gibt Kobalt; Schwarz wird vom Eisen und Braunstein, ebenso Braun erhalten; Uran macht gelbe und Chrom grüne Farbe. Als das Beste, um die Kraft und Harmonie der Ölfarben mit der Reinheit der Wasserfarben j« verbinden, empfahl Lucanus die Malerei mit natürlichem Balsam. Vgl. Stieglitz, „Über die Malerfarben der Griechen und Römer" (Lpz. 1817) und Bouvier, „Nanuei »nisten et »mr»teurz en peiuture" (Par. 1827). Malesherbes (Chre'tien Guill. de Lamoignon de), Minister und Vertheidigtt Ludwig'SXVI. von Frankreich, stammte aus der berühmten Magistratsfamilie Lamoigm und wurde am 6.Dec. 1721 zu Paris geboren. Er erhielt st ine Erziehung bei den Zesuiw, legte sich mit großem Eifer und Erfolg auf das Rechtsstudium und war schon im Alter m 2-t Jahren Parlamentsrath. Als sein Vater, Guill. de Lamoignon, 1750 zum Kamin stieg, folgte ihm der Sohn als Präsident bei der Steuerkammcr (eour <1e-> aickes). W solcher trat er mit Freimuth, Rechtschaffenheit und Festigkeit für das Volksinteresse auf. Er befreite die Opfer der Finanzjustiz aus den Kerkern, verfolgte die blutsaugerische» Eeneralpächter und widersetzte sich in seinen berühmten Vorstellungen (Lswontrimces) den drückenden Steueredicten des Hofes. Mit dem Richteramt hatte er zugleich die Directio» des Buchhandels und die Aufsicht über die Presse erhalten. Namentlich in dieser Verwaltungsstelle wurde seine Wirksamkeit für die Zeitbewegung von großer Bedeutung. Er begünstigte den Druck und die Verbreitung kühner, aufklärender Schriften, und ohne ihr wäre vielleicht die „Encyklopädie" nicht erschienen. Als der Hof die Parlamente auflöste, richtete er an 8 udwig XV. (s. d.) im Febr. 17 71 eine kühne Vorstellung, in welcher er di! Zusammenberufung der Generalstaaten foderte, was aber seine Verbannung aufs« Güter und auch die Auflösung derSteuerkammer zur Folge hatte. Mit der Thronbesteigung Ludwig's XVI. (s. d.) und der Herstellung der Parlamente trat M. wieder an die Spitz! derSteuerkammer und erhob nun seine Stimme um so lauter für die Berufung derReichs- stände und eine gründliche Reform des versinkenden Staats. Die große Popularität, welche er besaß, bewog den König, ihm 1775 die Verwaltung des Innern zu übertragen, während sein Freund Turgo t (s.d.) die Finanzen erhielt. Die Reformbestrcbungen beidcrMäuner scheiterten an dem Widerstande des Hofes und der Parlamente, und der Rücktritt Turgot'i berbog auch M. am >2. Mai > 776 zum Bedauern des Königs zur Abdankung. Er zcg sich nun ins Privatleben zurück, widmete sich naturhistorischen Studien, besonders der Botanik, entwarf mehre Denkschriften zu Gunsten der Protestanten und Juden und trat endlich zu Fuß, unter fremdem Namen, eine Reise durch Frankreich, Holland und die Schweiz an, wo er sich allenthalben über die Volkssitten, den Landbau und die öffentlicher Anstalten gründlich unterrichtete. Mehrmals mußte er sich zu erkennen geben, um sein Schweigen und Misfallen zu rechtfertigen, wenn man seinen Namen und seine Bestrebungen mit leidenschaftlicher Anerkennung überhäufte. Er war schon längere Zeit zurück- gekehrt, als ihn der bedrängte Hof 1787, kurze Zeit nach der Versammlung der Notabel», nochmals ins Ministerium berief. Da man sich jedoch nur seiner Popularität bediente um Malfttatre Malherbe 273 ihm weder Einfluß gestattete, noch seine Nathschläge befolgte, so kehrte er schon vor der Versammlung der Generalstaaten wieder in ländliche Abgeschiedenheit zurück und lebte vergessen und glücklich im Schoose seiner Familie. Bei dem Ausbruche der Revolutionsstürme richtete er mehre Denkschriften an die Nationalversammlung, der »Mäßigung, und an den König, dem er Festigkeit und Patriotismus empfahl; allein die Stimme des Vorkämpfers der Revolution wurde kaum gehört. Als er vernahm, daß man dem Könige den Proeeß machen wollte, bot er sich dem Convente in einem Schreiben vom > 3. Dec. >792 zum Vertheidiger des verlassenen Monarchen an und erhielt die gefährliche Gunst zugleich mitTronchet und Deseze. Ohne Furcht und Rücksicht ging er mit der angestrengtesten Thätigkeit an seine Arbeit. Zugleich benahm er sich als persönlicher Freund und Tröster des Königs. Er besuchte denselben täglich im Gefängnisse, instruirte ihn und erfüllte dessen Wünsche und Aufträge. Die Nachricht von der Verurtheilung.des Monarchen fehle ihn in Verzweiflung. Er erschien noch am 19. Jan. 1793 vor den Schranken des Convents und beschwor die Versammlung, unter Thränen, den Vollzug des Urtheils von der Einwilligung der Nation abhängig zu machen. Unmittelbar nach der Hinrichtung beging M. die Unklugheit, die Gewalthaber zu schmähen und sich selbst als einen der Urheber der Revolution anzuklagcn. Zwar durfte er auf seinen Landsih Malesherbes zurückkehren, aber schon im Dec. >793 erschienen mehre Mitglieder des Nevolutionsausschusses mit bewaffneter Macht und verhafteten zuerst seinen Schwiegersohn, den Präsidenten Rosambo, mit Frau und Kindern, am folgendenTage auch ihn mit der übrigen Familie. Man klagte dieselben einer Verschwörung gegen die Republik an und verwickelte in den Proceß gegen 39 Personen, darunter mehre alte Magistrate und Frauen und Kinder, die sich nie gesehen hatten. M- vertheidigte mit Eifer seine Verwandten, verschmähte aber, das Wort für seine eigene Rechtfertigung zu ergreifen. Am 22. Apr. >794 starb er mit Ruhe und Heiterkeit unter der Guillotine, nachdem er zuvor die Häupter seiner Schicksalsgenossen, darunter seiner Tochter und seiner Enkel, hatte fallen sehen. Jm J. >826 wurde ihm durch Ludwig XVlil. im Zustizpalaste zu Paris ein Denkmal errichtet. M. hinterließ zahlreiche Schriften über Landbau und Botanik; seine politischen Denkschriften wurden im Manuscript zerstreut und gingen meist zu Grunde. In der Folge erschienen von ihm „lilaxünes, suivies «io re- tlexioas sur les lettres 899; 2. Ausl., > 827) und „Oeuvres cboisies" (Par. I 899). Vgl. Dubois, „Notice sur laviecle Hl." (3. Ausl., Par. 1 896);Gaillard, „Vieliistorigue >IebI." (Par. 1895) undBoissy d'Anglas, „Dssai sur la vie et les öcrits clelil." (2 Bde., Par. > 818). Malfilätre (Jacq. Charl. Louis de Clinchamp de), franz.Dichter, geb. am 8.Oct. >733 zu Caen von unbemittelten Altern, studirte im Jesuitencollegium seiner Vaterstadt und entwickelte frühzeitig sein Talent zur Dichtkunst. Der Beifall, den er mit seiner Ode „De soleil tixe au m'ilieu des planstes" erntete, veranlußte ihn, nach Paris zu gehen, wo seiner, nach einem kurzen Taumel von Glück, Elend und Dürftigkeit wartete. Sein MiS- geschick ist durch Gilbert's Vers „Da taim mit an tomdsau Älallilatrs ignnre", sprüchwört- lich geworden und hat selbst den Stoff zu einem Trauerspiel abgegeben. Er starb zu Paris am 6. März >767 unter Entbehrungen. Von seinen Dichtungen zeichnet sich das lyrisch- romantische Gedicht „Narcisse ckans I'ils cke Vönus" (Par. >769; neue Ausg., mit Einleitung von,Fontanes, 1799) durch Eleganz, Harmonie und Reinheit der Sprache aus; von seinen Übersetzungen bemerken wir die Bearbeitung der „Oeorgica" des Virgil (wieder abgedruckt unter dem Titel „De gönie cle Virgile", Par. 1819) und die Übertragung von Ovid's „Metamorphosen". Seine „Oeuvres clinisies" gab Auger (Par. 1805) heraus. Malherbe (Franc, de), der Schöpfer der klassischen franz. Poesie, d. h. der Poesie des Classicismus, geb. zu Caen 1555, stammte aus einer altadeligen Familie und studirte in seiner Vaterstadt, in Heidelberg und in Basel die Rechte. Mißvergnügt über den Con- fessionswechsel seines Vaters, der zur reformirten Kirche übergetreten war, ließ er sich nach seiner Rückkehr ins Vaterland im Gefolge des Herzogs Heinrich von Angoulemc, des natürlichen Sohnes von Heinrich ll. und Gouverneurs von Provence, in diesem Lande nieder und brachte den größten Theil seines Lebens in Aix zu. Ein eifriger Katholik, dient« Evnv.-Lex. Neunte Aufl. IX. 18 274 Malibran Müsset er eine Zeit lang mit Auszeichnung unter der Ligue, lernte aber nach der Thronbesteigung Heinrich's IV. diesen Fürsten schätzen und nahm von ihm, als er l666 Livres Gehalt an. Nach dem Tode des Königs zahlte ihm Maria von Medici seine Pension fort und erhöht! sie sogar. Er starb imOct. 1028. SeineBiographie lieferte sein Freund Racan, der nächst Maynard zu seinen bedeutendsten Schülern gehörte. Er war ein ehrlicher Mann, aber mürrisch und voller Sarkasmen. Nächst dem katholischen Glauben lag ihm die Reinheit der franz. Sprache am meisten am Herzen; noch auf seinem Sterbebette corrigirte er eine» Sprachfehler seines Beichtvaters und bat ihn, von den Freuden desHimmels zu schweige,» da sein schlechter Stil ihm die Sache verleide. Die besten Ausgaben seiner oft gedruckte» „Osuvrss" sind die von Chevreau mit Racan's Biographie (3 Bde., Par. >723), die von Lessvre de St.-Marc (4 Bde., Par. 1764) und von Didot (Par. 1797, 4.). Während die älternKunstrichter von M. an die Morgenröthe der franz. Poesie datiren, erkennt die neune Kritik in ihm zwar einen correcten Versificator und Sprachkünstlcr, aber nur einen höchst mittelmäßigen Dichter. Malibran (Maria Felicitas), eine der größten Sängerinnen der neuern Zeit, geb. 1808 zu Paris, war die Tochter des span. Sängers und Gesanglehrers Manuel Garci» (s. d.). Alle Bemühungen des Vaters, der sie unterrichtete, schienen bei ihr ganz erfolglos als aus einmal mit dem 13. Jahre die überraschendste Umwandlung ihres körperlichen und geistigen Wesens stattfand, und das erwachte Talent sich mit reißender Schnelligkeit entwickelte. Schon im 14. Jahre feierte sie in London, wohin der Vater sich gewendet halte, ihre ersten Triumphe in der ital. Oper, und bald war ihr Ruf ein europäischer. Indes wurde ihre Laufbahn durch eineEpisode unterbrochen, die auf ihr Leben den entscheidendste» Einfluß äußerte. Ihr Vater war mit ihr an der Spitze einer ital. Operngesellschaft nach Ncuyork gezogen; doch das Unternehmen scheiterte. Mit Rücksicht auf des Vaters Lagt nahm die Tochter die Hand eines Franzosen, Malibran, an, der für einen der reichst!« ' dortigen Kaufleute galt, aber bald nachdem sic die Bühne verlassen, bankcrvt wurde. Sir überließ hierauf ihm die durch den Heirathscontract ihr ausgesetzte Summe und betrat vo» neuem die Bühne. Nachdem aber häuslicher Zwiste halben sie sich von ihrem Gatten getrennt hatte, kehrte sie nach Europa zurück und mit ihrem ersten Auftreten trat der bis dahin unverkümmerte Glanz der Pasta vor dem neuaufgehenden Gestirn zurück. I» Frankreich, England, Deutschland und Italien erregte sie gleichen Enthusiasmus. 3.!«» den Ungeheuern Summen, die sie erwarb, machte sie indeß den alleredelsten Gebrauch. Sil übte eine wahrhaft verschwenderische Wohlthätigkcit, von der auch ihr Gatte nicht ausgeschlossen war, sodaß endlich ihre Freunde selbst Einhalt thaten und ihre Einnahmen i» Empfang nahmen. Alle, die in den Kreis ihres Umgangs kamen, rühmten mit Begeisterung ihre weiblichen und häuslichen Tugenden, ihre Bescheidenheit und aufgeweckte Unterhaltungsgabe. Seit 1833 reiste sie mit Beriot (s. d.), mit dem sie >836, nachdem ihre erste Ehe gerichtlich geschieden worden war, eine zweite schloß. Doch schon im Sept. lbiis ereilte sie der Tod in Manchester, wohin sie gereist war, uni bei einem Musikfeste mikzu- wirken. In der strengen Schule ihres Vaters hatte sie so viel allgemeine musikalische Bildung erlangt, um auch als Componistin austreten zu können. Eine ziemliche Anzahl ihrer Lieder, von denen manche sehr beliebt wurden, sind auch gedruckt. Ein Denkmal wurde ihr 1838 in Brüssel errichtet. Müsset (Claude Frang. de), franz. General und bekannt durch seine Verschwörung gegen Napoleon, war am 28. Juni > 754 zu Dole in der Franche Comte geboren und trat im Alter von 16 Jahren in die Leibgarde. Nach Auflösung dieses Corps kehrte er in scim Heimat zurück und stellte sich daselbst 179» als eifriger Anhänger der Revolution un die Spitze der Nationalgarde. Später ging er als Capitain zur Rheinarmee, wurde >7!U Eeneraladjutant, 1799 aber Brigadegeneral. Als solcher kämpfte er in der Alpenarmec und wurde 1865 nach Italien versetzt, wo er das Gouvernement zu Pavia erhielt. Weil er aber seinen Nepublikanismus nicht verleugnetc und die Unternehmungen Bonaparte s heftig tadelte, so setzte man ihn ab. Er kehrte nun nach Paris zurück, ließ sich hier in mehre republikanische Complots ein und wurde 1-868 von der Police! eingezogen, obschon »uw Mallet du Pan 275 ihn keines Vergehens überführen konnte. Im Juni 1812 brachte man ihn in ein Deten- tionshans, und hier entwarf er mit mehren Royalisten den Plan, Napoleon während des Feldzuges in Rußland zu stürzen. Er entfloh in der Nacht vom 2:;. zum 24. Oct. mit dem Abbe Lafon, einem kühnen Manne, aus der Haft, erschien in den Kasernen und verkündigte den Soldaten, daß der Tyrann in Rußland umgekommen sei. Hierauf setzte er die in dem Gefängnisse Laforce eingeschlossenen Generale, Guidal und Lahorie, in Freiheit, ließ ein vorher gewonnenes Bataillon der Garde von Paris unter die Waffen treten und suchte den Platzcvmmandanten Hullin (s.d.) auf, während sich Lafon an derSpitze einigerPelotons nach der Präfectur wendete. M. theiltc Hullin den Tod des Kaisers und die Errichtung einer provisorischen Negierung mit, und als derselbe Mistrauen bezeigte, zog er ein Pistol und zerschmetterte ihm das Gesicht. Der Adjutant Laborde, der die nächtliche Scene belauscht hatte, eilte auf den Schuß herbei und vermochte den Verschwörer zu überwältigen. Schon am nächsten Tage wurde M. mit Guidal und Lahorie vor eine Militaircommission gestellt, wobei er seltene Festigkeit und Geistesgegenwart zeigte. Als man ihn um die Mitschuldigen befragte, erwiderte er: „Ich würde ganz Frankreich, ja ganz Europa zu Mitschuldigen gehabt haben, wäre ich glücklich gewesen". Mit Kaltblütigkeit hörte er sein Todesurtheil, und ebenso entschlossen benahm er sich, als er am 29. Oct. 1812 mit seinen beiden Gefährten in der Ebene von Grenclle erschossen wurde. Vgl. „Histoire cles socieles seoi-btes ck« I'armce" (Par. 1815), in der M. jedoch eine sehr abenteuerliche Nolle spielt; Lemarc, „itk., o» <7«>»p-c1'oeiI s»r I'ori'Ains, ies elements, 1e bnt et los mo^ens des conju- r-ltions etc." (Par. 1814) und Lafon, „Histoire tle In conjurution cko III." (Par. 1814). Mallet du Pan (Jacq.), ein ausgezeichneter Publicist des >8. Jahrh., geb. 1749 zu Genf, erwarb sich tüchtige Kenntnisse und kam durch Voltaire, der ihn für die Philosophenpartei vergebens zu gewinnen suchte, als Professor der franz. Literatur 1772 nach Kassel. Hier gab er einen „Discoors lle I'iiüluence tle lu jcbilosopilie sur les lettres" heraus, legte aber als unabhängiger Charakter schon nach einigen Monaten sein Amt nieder und begab sich zu dem Publicisten Lingnct (s. d.) nach London, den er in der Redaction der „-^nnules Politik;»«!«" unterstützte. M. sah indeß bald in seinem Genossen einen käuflichen Sophisten und trennte sich von ihm. Als Linguet in die Bastille gesetzt wurde, gründete M. 1779 zu Genf die periodische Schrift „iVIemoires liistoriepies, politikpres et litte- ruiros", welche die politischen Annalen ersetzen sollte. Da der ernste Ton seines Werks wenig Anklang fand, gab er dasselbe 1782 auf, zumal da Linguet auf freien Fnß gelangte. Zufolge der genfer Ereignisse schrieb er hierauf „Dein clerniere revolntion 7 85 mit dem BuchhändlerPankouke das „äouriwl liistoricpce et paliticpis", das einen großen Aufschwung nahm. Jm J. 1788 vereinigte jedoch Pankouke die Zeitschrift mit dem ,Mercnre tle krance" in der Weise, daß M. die Redaktion vom politischen Theil des „ltlorcure" behielt. Er fuhr fort, im Sinne einer gemäßigten, konstitutionellen Freiheit zu schreiben, und der Erfolg war so groß, daß der ,Merc»re" bald in 20000 Exemplaren gedruckt wurde. Beim Ausbruche der franz. Revolution vertheidigte M. die Sache des Königs. Wiewol er die heftigsten Auffoderungen von Seiten der Bewegnngsmänner zum Einlenken erhielt, griff er die Schritte der Nationalversammlung, die Unordnungen vom Juli und Oct. 1789, überhaupt die Revolution mit großer Kühnheit an. Die Flucht des Königs am 21. Juni 1791 zog ihm eine Untersuchung zu; doch durfte er seine Zeitschrift wieder fortsehen. Nach Ausbruch des Kriegs ertheilte ihm Ludwig XVI. den Auftrag, die deutschen Fürsten um eine gemäßigte Intervention in den franz. Angelegenheiten zu ersuchen. M. reiste am 21. Mai > 7 92 nach Frankfurt am Main, sah aber sehr bald seine Bemühungen im Fortgange der Ereignisse scheitern. Die Katastrophe vom 10. Aug. >792, wobei zu Paris seine Wohnung zerstört und in Folge deren seine Zeitschrift unterdrückt wurde, nöthigte ihn, sich nach Genf zu wenden. Als thätiger Gegner der franz. Partei verfolgt, ging er im Frühjahre 1793 nach Brüssel, wo er die heftige Schrift „Onslckerutions LIII lu revoltttion tle bVsncs" herausgab. Mit dem Einbruch der Franzosen zog er sich nach Basel zurück, welches damals der Mittelpunkt aller gegen die franz. Revolution gerichteten Jntriguen war. Seines Unterhalts beraubt wurde er der Berichterstatter an die 276 Mallorca Malmedy Höfe zu Wien, Berlin und London und arbeitete in die'er Stellung mit großer Anstrengung an der Fortsetzung des Kampfes gegen die franz. Republik. Die Angriffe auf dar Benehmen Bonaparte's in Italien zogen ihm 1796 die Verbannung aus Basel zu. Er ging nach Zürich und von da nach Frciburg im Breisgau, wo er den Winter von >798 in den traurigsten Verhältnissen zubrachte. Im I. >799 begab er sich nach London und gründete daselbst das politische Journal „5Iercu,o ln-itunn'»,»«". Obschon ihn die Negierung nicht unterstützte, nahm doch sein von den Zeitumständcn begünstigtes Blatt bald den glänzendsten Aufschwung. Doch starb er schon am >0. Mai 1899. Seine mit fünf Kin- dern hinterlassene Witwe erhielt eine Unterstützung von der brit. Negierung. M. war seinen politischen Doctrinen nach ein Anhänger der brit. Verfassung, die er auch Frankreich zudachte. Sein Stil ist zwar nicht correct, aber kräftig und wirksam; seine Gedanke» ernst, tief und errungen. Noch gedenken wir seiner Schrift „l)„ principe des tuctinrw en gene- rul, et de celle« ^ui diviseiit In b'i-iix e" (1791); der „<7orrs8j>n»daiice pnliticzue, pouc «ervir » IRisto'ire d» repuldieiuiisiiio 1'runh." (Hamb. 1796) und des „kssrn s»r la >ls- structioii de I» liggie et ile lg lilierte Iielvetiejiie" (Lond. 1798). Mallorca oder Majorca, die größte der zu Spanien gehörenden Balkarischen Inseln im Mittelländischen Meere, welche nebst den Pityusischen Inseln das Königreich Mallorca bilden, hat einen Flächeninhalt von 69 OM. Sie ist meist gebirgig; namentlich zieht sich an der'Nordwesiseite eine Bergkette hin, deren höchste Spitze der-1596 F. Hobe Silla de Torellas ist, und die in mehre Vorgebirge, wie Formentor, Cala Figuer und Dragonera, ausläuft. Dessenungeachtct„hat sie ein mildes Klima und ist fruchtbar. Als Haupterzeugnisse liefert sie Seide, Wein, Ol, Südfrüchte, Safran, Salz, Vieh und Wild. Getreide wird nicht ausreichend erbaut, weil man den Boden nicht zweckmäßig;» benutzen versteht. Die ganze Insel hat an den Küsten feste Wachtthürmc aus der Zeit der türk. Seeräuber. Die Bewohner, an Zahl etwa 1-15999, zeichnen sich durch Arbeitsamkeit und Tapferkeit aus. Sehrvielhaben sievomGelben Fieber zu leiden, das sie allein seit Anfänge diesesJahr- hunderts dreimal heimsuchte und großes Sterben verursacbte. Der span. Negierung dient die Insel als Verbannungsort für politisch Verdächtige. Die befestigte Hauptstadt Palma, mit 34999 E., ist der Sitz des Generalcapitains des Königreichs Mallorca, eines Bischofs, einer Universität und einer Akademie der zeichnenden Künste. Sie hat einen großen Dom, eine prächtige Börse und einen durch zwei Forts vertheidigtcn und durch einen 4389 F langen Steindamm geschützten Hafen mit Leuchtthurm, und treibt neben Fabrikation in Tuch, Taffet und fein eingelegte» Tischlerarbeiten ansehnlichen Handel. Außerdem ist noch die Hafenstadt Alcndia, mit etwa 899 E., zu erwähnen, welche sehr ungesund liegt, Korallenfischerei treibt und sonst der Aufbewahrungsort für Staatsgefangene war. Malmaison, ein Lustschloß, 2/2 Stunde westlich von Paris, im Mittelalter eln Maierhof, Nsla dc»m,8 genannt, weil er in der Gegend lag, wo die Normannen im 9. Jahrh. gelandet, gehörte früher dem Minister Richelieu und war dann eine Besitzung der Kaiserin Josephine, die es zu einer der reizendsten Anlagen in der Nähe der Hauptstadt umschus, und aus deren Erbe es an ihren Sohn, den Herzog Eugen von Leuchtenberg, überging. Obschon M. nach der zweiten Einnahme der Hauptstadt im I. 1815 vielfach verwüstet wurde, so waren doch noch Gegenstände genug vorhanden, welche an die glanzvollen Tage der Kaiserregierung erinnerten; allein sie nahmen immer mehr und mehr ab, bis endlich 1829 auch die Mobilien versteigert wurden, welche Engländer und Freunde des Kaisers zu hohen Preisen erstanden. Im I. >842 wurde M. für die Königin Maria Christine von Spanien angekauft. Malmedy, eine Stadt im preuß. Regierungsbezirk Aachen, hat 4999 E., die bedeutende Fabriken in Tuch, Papier und Preßspähnen, hauptsächlich aber in Leder unterhalten, Gerberei und Leimsiederei treiben und die Producte dieser Industrie in den Handel bringen. Auch ist daselbst eine kräftige mineralische Quelle, die aber wegen der Nähe von Spaa nicht in großem Rufe steht. Früher war M. eine reichsunmittelbare Benedictiner- abtei, die, um die Mitte des 7. Jahrh. gestiftet, mit Stablo unter einem Fürstabte stand, dessen Besitzungen in dem Fürstenthume Stablo, wozu M. gehörte, und in der Grafschaft Ligne bestanden, die im Frieden zu Luncville 1891 an Frankreich kamen. Malmö Malsburg 277 Malmö, die Hauptstadt des gleichnamigen schweb. Lau, früher eine Festung, liegt am Sund und hat gegen 8000 E-, ein altes, festes Schloß (Malmöhuus), eine Schifffahrtsschule und ein Hospital für Blödsinnige. Man fertigt daselbst viel Handschuhe, Tuch, Seife und Tapeten; auch ist der Kornhandel sehr bedeutend. Durch'den Frieden zu M- im I- 1523 zwischen Gustav Wasa und Christian ll., der Schweden von Dänemark trennte, wurde die Kulinarische Union gelöst. Im folgenden Jahre hatte Gustav Wasa mit dem neuen Könige Friedrich I. von Dänemark in M. eine Zusammenkunft, um von ihm seine Anerkennung als König zu erlangen und sich mit ihm gegen den vertriebenen König Christian II. von Dänemark zu verbinden. Malouinen, s- Falklandsinscln. Malpighi (Marcello), ital. Anatom, Physiolog und Physiker, geb. am l 0. März 1628 zu Crevalcuore im Gebiete von Bologna, studirte auf der Universität zu Bologna, wo er auch Professor der Arzneikundc wurde. Im I. 1657 ging er in gleicher Eigenschaft nach Pisa, kehrte aber nach drei Jahren nach Bologna zurück, da die dortige Luft ihm nicht zusagte. Hierauf wurde er 1662 Professor der Medicin in Messina, gcrieth aber sehr bald mit den Galenisten und Arabern in Streitigkeiten, die ihn abermals zur Rückkehr nach Bologna bewogen. Endlich berief Papst Jnnocenz XII. ihn >691 nach Rom und ernannte ihn zu seinem Arzte und Kammerherrn. Hier starb er am 29. Nov. 169-1. Er war der Erste, der sich zur Untersuchung des Blutumlaufs des Mikroskops bediente. Seine Beobachtungen hierüber thcilte er in zwei Briefen an Borelli unter dem Titel „De pulmo- nibus" mit. Seine Abhandlungen über Gehirn, Zunge, Netzhaut, Tastorgan, Bau der Eingeweide, Nerven, Milz, Uterus u. s. w., sowie über den Scidenwurm, die Bildung des Jungen im Ei, über die Drüsen und besonders über die Anatomie der Pflanzen enthalten scharfsinnige und lehrreiche Beobachtungen. Seine „Opern" erschienen zu London 1686 (2 Bde., Fol.; vermehrt, 2 Bdc., Leyd. 1687, 3.) und seine „Opera postlmma" 1697 und zuletzt sehr vermehrt unter dem Titel „Opera ineüiea et anatonnca Varia" (Ben. 1733, Fol.). Malplastuet, ein Dorf im Bezirk von Avesnes im franz. Departement du Nord, wurde durch die Schlacht zwischen den verbündeten Ostreichern und Engländern und den Franzosen am 12. Scpt. 1709 bekannt. Nach der Eroberung von Tournay durch dieVer- kündeten hatte der franz. Marschall Villars sich in der mit vielem Buschwerk bewachsenen Gegend zwischen Aulnois und M. aufgestellt und durch Verschanzung der Gehölze, an welche er seine Flügel lehnte, gedeckt. Hier wurde er von Eugen und Marlborough angegriffen, und den Engländern gelang cs, sein Centrum zu durchbrechen und so seine Flügel zu trennen. Er selbst wurde schwer verwundet, sodaß Bouflers (s. d.) das Commando übernehmen mußte, der sich mit der Armee über Bavay nach BalencienneS zurückzog, ohne daß er verfolgt wurde. DieFranzosen hatten 15000, die Verbündeten >8000 M. verloren. Malsburg (Ernst Friedr. Georg Otto, Freiherr von der), der Übersetzer des Caldc- rvn, geb. am 23. Juni >786 zu Hanau, wurde wegen des unsteten Garnisonlebens seines Vaters, welcher in kurhess. Diensten stand, von seinem Oheim, der kurhess. Minister war, in Kassel erzogen und besuchte später das dasigc Gymnasium und seit 1802 die Universität zu Marburg, wo er sich für die diplomatische Laufbahn vorbereitete. Nach beendeten akademischen Studien begleitete er seinen Oheim nach Paris, wo er ein ganzes Jahr verweilte. Nach der Rückkehr wurde er 1806 Assessor in derNcgierung, unter der westfäl.Negierung Auditor im Staatsrathc, 1808 Legationssccretair in München und 1810 in Wien, von wo er erst 1813 nach Kassel zurückkehrte. Zwar mußte er nach der Rückkehr des Kurfürsten in den Posten zurücktretcn, den er vor dem Eintritte der Fremdherrschaft innegehabt hatte, allein schon im nächsten Jahre wurde er Jufiizrath und >817 Negierungsrath. Noch in demselben Jahre wurde er als Geschäftsträger seiner Regierung nach Dresden gesendet, und hier war es, wo er im Umgänge mit Tieck, Löben und Kalckreuth die letzten, aber auch schönsten und glücklichsten Jahre seines Lebens größtcnthcils zubrachte. Er starb am 20. Sept. 1823 auf dem ihm aus der Erbschaft seines Oheims zugcfallenen Schlosse Eschenberg. Seine eigenen „Gedichte" (Kass. > 817 und Lpz. 1821) sind meist in dem von Schlegel angeregten südlichen Tone versaßt; werthvollcr sind die religiösen Gedichte, doch auch in ihnen Novalis als Vorbild leicht erkennbar. Bedeutenden Ruf erwarb er sich durch ^ . 278 Malstrom Malta seine Verdeutschung der Schauspiele Calderon's (6 Bdc., Lpz. I819—25) und durch die drei frei behandelten Dramen Lope de Vega's unter dem Titel „Stern, Sceptcr, Blume" (Drcsd. >824). In den letzten Jahren lieferte er auch zahlreiche kritische Beiträge in Zeitschriften. Nach seinem Tode gab die Stiftsdame von Calenberg seinen „Poetischen Nach, laß und Umrisse ans seinem innern Leben" (Kass. > 825) heraus. Malstrom oder Mosköestrom, der berühmteste aller Strudel, an der vorweg. Küste, gleicht einem umgekehrten hohlen Kegel und hat einen so unbeschreiblich heftigen Wassersturz, daß auf der einen Seite die Schiffe bis auf eine Entfernung von fast sechs Meilen ihn meiden müssen. Malta, eine Insel im Mittelländischen Meere zwischen Sicilien und der afrik. Küste, har mit den ganz nahe dabei liegenden Inseln Gozzo, Comino und Cominotto, die dazu gerechnet werden, einen Flächeninhalt von 8 IHM. mit >39999 E- Der Boden, beste- hend aus verwittertem Kalkfelsen mit Höhlen und Grotten, ist mühsam durch Erde, die man aus Sicilien herbeigeholt hat, fruchtbar gemacht worden, ziemlich hügelig und voll Steinklippcn, dessenungeachtet aber jeder Zoll Landes benutzt. Das Klima ist heiß, doch durch Seewinde abgekühlt und gesund. An Ziegen, Schafen, Geflügel, Fischen und köstlichem Honig fehlt es nicht. Man erbaut Hülsenfrüchte, Gemüse, Sodapflanzen, besonders viel Baumwolle, jZuckerrohr, schönes Obst und Südfrüchte, die an Güte die italienischen übcrtreffen, auch etwas Wein, der dem spanischen gleich kommt; Getreide jedoch für den Bedarf nicht ausreichend. Die Flora ist sehr üppig, besonders waren die Rosen schon im Alterthume berühmt. Waldungen fehlen; nur der südwestliche Theil der Insel enthält etwas Holzung. Man bricht Marmor, Alabaster und gute Bausteine; Salz wird ans Seewasser bereitet. Der Gewerbfleiß beschränkt sich aus die Verfertigung weniger baumwollener Zeuge. Dagegen sind Handel und Schiffahrt sehr bedeutend. Die Einwohner, ein Gemisch sämmtlicher Völker, die nach und nach die Insel beherrscht haben, insbesondere der Araber, sprechen in den Städten Italienisch, auf dem Lande aber ein mit den Worten vieler andern Sprachen gemischtes verdorbenes Arabisch. Sie sind geschickte Handelsleute, Fischer und Seeleute und bekennen sich zur katholischen Kirche. Die Insel ist der Mittelpunkt des engl. Dampfschiffahrtssystems im Mittelmeere, sowie sie auch von großer strategischer Wichtigkeit ist, indem die Engländer durch sie nebst Gibraltar und den Jonischen Inseln das Mittelmeer beherrschen, weshalb sic dieselbe sehr befestigt und große Werste und Arsenale hier angelegt haben. Die Hauptstadt der Insel ist Lav alet tc (s.d.). Die alte Hauptstadt, Malta, auch Civita vecchia genannt, mit 5999 E. und antiken Ruinen, liegt im Innern der Insel. M. und Gozzo waren um l 399 v. Chr. tyrisch-phöniz. Colvnien, von deren Bauwerken sich noch jetzt auf Gozzo Spuren finden. Schon während ihrer heroischen Zeit war die Insel den Griechen bekannt, die sie damals Ogygia benannten und die Nymphe Kalypso dahin versetzten, deren angebliche Grotte noch jetzt gezeigt wird. Im I. 5 36 v. Chr. ließen sich griech. Colonisten auf M. nieder, das nun den Namen Melite erhielt. Sic blieben mit einer aristokratisch-demokratischen Verfassung unabhängig, bis die Karthager um 399 v. Chr. die Inseln eroberten, au deren Stelle 21 t> v. Chr. die Römer traten. Im I. 56 n. Chr. scheiterte hier der Apostel Paulus, der nach dcr Sage bereits damals eine christliche Gemeinde gegründet haben soll, und noch zeigt man die Höhle, in der er sich damals aufgehalten. Im I. -153 n. Chr. eroberten die Vandalen die Insel, 363 die Gothen, 533 die Byzantiner unter Belisar, 818 die Araber, die dieselbe Maltache nannten und mit einer geringen Unterbrechung bis >999 besaßen, in welchem Jahre sie die sicil. Normannen einnahmen und als ein Marquisat mit Sicilien verbanden, dessen Schicksale sie bis 1539 theilte, wo sie von Karl V. den I ohanniterrittern (s.d.) als ein Lehn des Königreichs Sicilien zugetheilt wurde. Bonaparte nahm sic auf seinem Zuge nach Ägypten 1798 unter dem Großmeister von Hompesch (s. d.) durch Verrath ohne Widerstand ein; doch mußte sich die franz. Besatzung l 8»9 an die Engländer ergeben. Im Frieden von Amiens wurde zwar die Rückgabe der Insel an den Orden, unter neutraler Garantie, versprochen, von England aber >803 verweigert. Im Frieden von Paris >813 verblieb sie den Engländern, die in der innern Verfassung wenig geändert haben. Sie steht unter einem engl. Gouverneur und hat eine engl. Besatzung; die Obrig- Maltebrun Malthns 279 keilen und Nechtsbehörden aber wählen die Bewohner aus ihrer Mitte. Die Staatseinkünfte betragen gegen 100000 Pf. St., werden aber bedeutend durch die Ausgaben Überwegen. Als Souvcrain von M. stiftete 1810 der König von England den St.-Georg- und St.-Michaclsorden. Vgl. Boisgelin, „tlucient snck mvckern N." (2 Bde., Lond. 1 805, t .); Bres, „51. ontica iilustrotu" (Rom l 8 l 6, 4.) und Avalos, „Dsblosu bist., ^>n!it., ;,i>zsicj. et marnl clc l>l. et cle ses llsbitans" (Par. 1830). Maltebrun (Konr.), eigentlich Malthe Bruun, Geograph, geb. 1775 in einer angesehenen jütländ. Familie, studirke in Kopenhagen und warf sich, als die franz. Revolution ausgebrochen, mit jugendlichem Eifer auf die Politik. Er schrieb eine heftige Satire gegen die Aristokraten unter dem Titel „Katechismus der Aristokraten" (1795), wurde gerichtlich verfolgt und flüchtete nach Schweden. Zwei Jahre nachher kehrte er zurück, mußte aber, da er die damaligen Machthaber von neuem reizte, zum zweiten Male flüchten und wurde 1800 in contumacism zu ewiger Verbannung verurlheilt. Er ging nun nach Paris, wo er vom Unterrichtgeben lebte; auch fing er an für Journale zu schreiben. Seit 1806 war er einer der Hauptmitarbeiter an dem „ckournal cles ckebsts"; 1808 unternahm er die „Ilnnules lies vozages, cle la j-cic>j;raz»ink et cke I'bistoire" (2-1 Bde.), die er 1814 schloß, und 1818 mit Eyries die „Kouveiles annsles cles vo^sges etc.", die noch gegenwärtig bestehen. Nach Napolcon's Sturze, zu dessen Gunsten er bis ans Ende seiner Regierung schrieb, gab er eine Zeit lang ein eigenes Blatt, „l-e spectateur", heraus, das mit dem dritten Bande einging, und 1815 wurde er Mitarbeiter an der ultraroyalistischen „tznoticiieinie" ; auch versuchte er in einer besondern Schrift, die auf dem wiener Congreß erfundene Legitimitätstheorie zu vertheidigen. Später trat er wieder beim „äournal clss clebsts" ein, dessen Mitarbeiter er bis an seinen Tod blieb, der am >4. Dec. 1826 erfolgte. Sein Hauptwerk ist der „Urecis cie !a ^eo^rapliiL universelle" (8 Bde., Par. 1824 — 28, mit einem Atlas), dessen zwei letzte Bände Huot lieferte, der dann auch die zweite Auflage besorgte. Auch a» dem trefflichen „victioilimire Aeogr. „Iliv." (8 Bde., Par. 1821 fg.) hatte M. bedeutenden Antheil, sowie bei der Stiftung der pariser Geographischen Ge- sellschaft, deren Secretair er eine Zeit lang war. Kleine Aufsätze von ihm im „äournal cles clebats" gab Nachet unter dem Titel „Belanges scienti6c>ues et littersires" (3 Bde., Par. 1828) heraus. Malter, s. Maße und Gewichte. Maltescrritter, s. Johanniterritter. Malthus (Thom. Nob.), ein berühmter brit- Volks- und Staatswirthschaftslehrer, geb. am 14. Febr. 1766 zu Rvckery in der Grafschaft Surrey, studirte in Cambridge, wo er nachher eine untergeordnete Lehrerstelle bekleidete und eine geistliche Pfründe erhielt. Im I. >804 kam er als Professor der Geschichte und politischen Ökonomie an das Collegium der Ostind. Compagnie zu Haileyburg, welches Amt er bis an seinen Tod verwaltete. Noch ehe er dahin abging, hatte er seinen berühmten Versuch über die Principien der Bevölkerung „Lssaz c>n tbs xri„eij>Ies «sj>o;»ilkltion" (Lond. 1798; deutsch von Hegewisch, 2 Bde., Altona 1807) veröffentlicht, und das Aufsehen und der Widerspruch, den seine kühnen und paradoxen Behauptungen machten, veranlaßten ihn, seine Ansichten zu einem System auszubilden. Er bereiste im I. 1800 denContinent, stellte die gründlichsten Untersuchungen über die Bevölkerungsverhältniffe an und ließ sein Buch in neuer Gestalt wiederholt (5. Ausl., 3Bde., Lond.4817) erscheinen. Wie schon vor ihm derSchotteWal- lace, der Engländer Townshend und der Italiener Ricci, behauptete auch M., daß die Vermehrung der Subsistenzmittel nicht gleichen Schritt mit der Vermehrung der Bevölkerung halte. Nach ihm wächst die letztere in arithmetischer Progression von 20 zu 20 Jahren, wie >, 2, 4, 8,16, während die Hülfsmittel der Unterhaltung nur in dem Verhältniß wie I, 2, 3, 4, 5 steigen. Er schließt daraus, daß der Staat, im Interesse des Ganzen, das Wachsthum der Bevölkerung gewaltsam beschränken und auf das Maß der Existenzmittel zurückführen müsse. Die Schwärmereien der deutschen und franz. Philosophm von der Perfccti- bilität des Menschengeschlechts hatten M- zur Durchführung dieser rein auf abstrakten Zahleuverhältnissen beruhenden Theorie geführt. Wie sehr auch schon die Thatsachen seine allgemeinen Grundsätze widerlegten, erwarb er sich doch mannichfaltige Verdienste durch 280 MaltiH (Apollonius) MaltiH (Gotthilf Aug.) seine statistischen Untersuchungen, die 183-1 bei der Reform der Armengesetze in England benutzt wurden. Als sein gründlichster Gegner gilt M. Th. Sadlcr, welcher „He law vk pc>,»>Iatioil" (2 Bde., Lond. 1830) hcrausgab. Außerdem schrieb M. „Urincijiles okpoü- licsl scvnom)" (3 Bde., Lond. 1819 — 20) und „veliuitions iu Political ecouvMz» (Lond. >827). Er starb zu Bath am 29. Dec. 1834. MaltiH (Apollonius, Freiherr von), bekannt als Dichter, geb. >795, ist der Sohn Pet. Friedr. von M.'s, der russ. Gesandter an den Höfen von Lissabon, Stuttgart und Karlsruhe war und > 829 starb. Seine Vorfahren hatten sich zu Anfänge des 18. Jahrh. aus Deutschland nach Rußland übersiedclt. Er widmete sich der diplomatischen Laufbahn, wurde > 830 Attache bei der russ. Gesandtschaft in Rio Janeiro, > 836 Legationsrath und Eesandtschaftssecretair in München und ist gegenwärtig russ. Charge d'Affaires am Hoft zu Weimar. Als Mensch wie als Dichter zeichnen ihn tiefes Gefühl, Tüchtigkeit und Brav- heit der Gesinnung und Adel des Gemüths aus. Namentlich hat er ein entschiedenes Talent für Sinngedichte und Gedichte humoristisch-satirischen Inhalts. Nächst seinen „Gedichten" (2 Bde., Münch. 1838) ließ er „Dramatische Einfälle" (2 Bde., Münch. 1838—43) und „Drei Fähnlein Sinngedichte" (Berl. >844) erscheinen. Zu Anfänge des I. >839 wurde er Mikredacteur der „Thceblätter", die sich später in „Deutsche Blätter" umwandeltcn. — Sein Bruder, Franz Friedr., Freiherr von M., außerordentlicher Gesandter und be> vollmächtigtcr Minister des russ. Hofes im Haag, geb. um >796, war >826 und >827 Geschäftsträger bei den Vereinigten Staaten und bekleidete dann bis 1832 als Wirklicher Staatsrath und Legationsrath den Posten eines Geschäftsträgers am preuß. Hofe, worauf er nach dem Haag versetzt wurde. Er machte sich in der deutschen Literatur einen Name» besonders durch seine Fortsetzung des Schiller'schen „Demetrius" (Karlsr. >817). Außerdem ließ er erscheinen „Gedichte" (Karlsr. >816); „Athalie, ein Trauerspiel nach Racine"; „Astre, ein Trauerspiel nach Voltaire"; „Die Geister auf Iburg, eine Nittcrsage", und „Phantasiebilder, gesammelt am malerischen User der Spree, von einem Unbekannten" s (Berl. 1834), worin außer eigenen Dichtungen, die jedoch mehr Sinn für die poetische - Form als eigene Schöpferkraft bekunden, auch gelungene Übersetzungen aus dem Russischen, ^ Englischen und Italienischen enthalten sind. Maltitz (Eokthilf Aug., Freiherr von), der Dichter der „Pfefferkörner", geb. zu Königsberg in Preußen am 9. Juli >794, wurde ungeachtet eines gebrechlichen Körpers von seinen Altern dem Forstfache bestimmt, das er auf der Forstakademie zu Tharand stu- dirte. Als > 8 l 2 der König von Preußen zumFrciheitskampfe aufrief, ließ sich auch M. nicht abhalten, in die Reihen dcrFreiwilligcn einzutreten. Wegen seines körperlichen Gebrechens von Einigen verspottet, sah er sich zu einem Duell genöthigt. Nach beendigtem Kriege widmete er sich wieder dem Forstfache, bis eine Satire auf zwei seiner Vorgesetzten, die er anonym hatte drucken lassen, ihn jeglicher Aussicht auf Beförderung beraubte. Hierauf unternahm er angeblich eine Reise nach Italien, und wählte dann Berlin zu seinem Aufenthalte. Bald machte er sich durch seine schriftstellerischen Erzeugnisse bekannt; gleichzeitig kam er mehr und mehr in den Geruch des Liberalismus. In seinem dramatischen Versuche „Der alte Student" sprach er seine Theilnahme für das getheilte und unterdrückte Polen deutlicher aus, als mit der Tendenz der Censur zu vereinbaren war. Als er nichtsdestoweniger die Schauspieler der königsstädtischen Bühne überredete, die gestrichenen Stellen bei der ersten Darstellung, welcher der König selbst beiwohnte, mitzusprechen, mußte er auf Cabi- nctsbefehl Berlin sofort verlassen und begab sich nun >828 nach Hamburg. Die Julirevolution in Frankreich fand an ihm einen überschwänglichen Enthusiasten. Er ging gegen Ende des I. > 830 nach Paris, kehrte jedoch wenig befriedigt 1831 wieder nach Deutschland zurüffund wendete sich nach Dresden, wo er in derZurückgezogenheit lebte und am 7.Juni 1837 starb. Bei gesundem Witze und nicht unglücklichem Sarkasmus, einer nicht unbedeutenden Dichtergabe, einem aufbrausenden Herzen und vieler Offenheit und Biederkeit besaß M. doch nicht genug gründliche Durchbildung, um in unfern complicirten Zeiten al§ Dichter Großes zu vollbringen und als Schriftsteller für die Dauer festen Fuß zu fassen. Dabei war er zu seinem größten Unglück etwas eitel. Er wurde mehr von der Zeit und ihren verschiedenen Anregungen beherrscht, als er sie zu bewältigen vermochte; so wendete Malvasier Mamertiner 281 er sich in seinen letzten Jahren immer mehr der Politik zu, wo er stets richtig fühlte, aber häufig haltlosen Phantasien und zuletzt einer immer steigenden Bitterkeit gegen alles Bestehende verfiel. Das Eemüthlich-Scherzhafte gelang ihm am besten, davon zeigen seine frühern Schriften, wie „Ranzel und Wandcrstab" (2 Bde., Berl. >821—23), und seine „Humoristischen Raupen oder Spätzchen für Forstmänner und Jäger" (4. Aust., Berl. I83S). Auch versuchte er sich im Fache der religiösen Erbauungsliteratur und gab „Sonnenblicke, Gesänge religiösen Inhalts" (0. Aufl., Zitt. 1834) heraus. Einiges Aussehen machte in der Literatur sein „Gelasius, der graue Wanderer im l 9. Jahrh.; ein Spiegelbild unserer Zeit" (Lpz. 1826). Später versetzte er seine Productionen mit politischen Gewürzen, wie die „Jahresfrüchte der ernsten und heitern Muse" (2 Bde., Lpj. >834—35; 2. Aufl., Lpz. >843); dagegen sind seine „Balladen und Romanzen" (Par. 1832) frei von aller Politik. Eine Quintessenz seiner politischen Satire gab er in seinen „Pfefferkörnern" ( > Hefte, Hamb. >831—34). Von seinen dramatischen Arbeiten, „Schwur und Rache, ein Trauerspiel" (Berl. 1826), „Hans Kohlhas" (Berl. >828), „Olivier Crom- well oder die Republikaner" (Hamb. >831) und „Die Leibrente", eine Posse, mitgetheilt in Franck's „Taschenbuch dramatischer Originalien", wurden die letztere und „Hans Kohlhas" mit Beifall gegeben; doch verdankte „Die Leibrente" den großen Beifall, den sie bei der Aufführung in Berlin fand, weniger sich selbst als der trefflichen Leistung des Schauspielers Eduard Devrient, der in dieser Posse eine seiner Hauptrollen hat. Malvasier wird der ursprünglich bei Napoli di Malvasia in Morea und nächstdcm auf Cypern, Kandia und andern Zieseln des Archipels wachsende rothe und weiße Wein ge- nannt, welcher sehr süß, fein und geistig ist und durch einen eigenthümlichen Geruch und Geschmack sich auszeichnet. Den im Handel gewöhnlich vorkommenden Malvasier liefern Teneriffa, Madeira, die Azoren, die Liparischen Inseln, Sardinien, Sicilien und die Provence. Malz nennt man behufs des Bierbrauens, Branntweinbrenneiis und Esslgsiedens zubereitetes Getreide. Hierzu werden hauptsächlich Gerste und Weizen, seltner Hafer genommen. DaS Getreide wird in Bottichen eingeweicht, dann in einer Tenne auf einen Haufen geschüttet, den man, sobald sich die Keime hinlänglich entwickelt haben, umschaufelt, worauf die gekeimte Frucht entweder auf luftigen Böden oder auf geheizten Darren ausgetrocknet wird; Erstcres stellt das Lu ftmalz, Letzteres das Darrmalz dar. Außer diesen beiden Arten bereitet man in neuester Zeit auch noch Filzmalz auf die Art, daß man das aus dem Bottich genommene Getreide in einen Haufen spitzt und in ein Beet von 3—5 Z. Höhe bringt. Sobald das Malz im Boden fest ineinander gewachsen ist, wird es in regelmäßige Stücke getheilt und das noch nicht gekeimte nach Innen zum Keimen gebracht. Nachdem Alles gekeimt, wird das nun fertige Malz mit den Händen gerieben und auf den Welkboden gebracht. Durch den anfangenden Vegetationsproceß des Keimens wird ein großer Theil Kleber oder Eiweißstoff der Körner mit ihrem Mehle in eine zuckerähnliche Substanz verwandelt, welche bewirkt, daß die Abkochung des geschrotenen Malzes (die Würze) in geistige Eährung übergehen und Bier (s. d.) liefern kann. Die Abgänge beim Malzen, der Malzstaub und die Malzkeime, dienen zur Viehfütterung und zur Düngung. Ein gutes Malz muß gleichförmig und weder zu viel noch zu wenig gekeimt, wohlgetrocknet oder geröstet, auch rein, nicht zu alt und verlegen sein und einen starken, angenehmen, süßen Geruch und Geschmack haben. Viele Seestädte, namentlich Danzig, Stralsund, Königsberg, Elbing, Rostock, Wismar u. s. w., treiben mit Malz starken Handel, und in Stralsund bilden die Malzarbeiter ein eignes Gewerbe. Mamertiner nannten sich nach Mamers, wie in oscischer und sabinischer Sprache der röm. Mars hieß, campanische Samniten, die im Solde des Agathokles (s. d.) gestanden und nach dessen Tode 289 v. Ehr. entlassen, sich der Stadt Meffana auf treulose Weise bemächtigt hatten. Hier tödteten oder vertrieben sie die männlichen Einwohner und bildeten einen Näuberstaat, der sich durch Züge zu See und zu Lande furchtbar machte. Endlich besiegte sie Hiero ll. (s. d.) von Syrakus bei Mylä, wo ihm 8000 M. entgegenstanden, 265 v. Ehr. und bedrängte sie in Messana. Eine Partei nahm Karthager zum Schuh in die Stadt, eine andere wendete sich 264 an die Römer um Hülfe; diese sendeten ihnen den Consul Appius Claudius mit einem Heere, und die Karthager wurden wieder 282 Mamluken Mammuth aus der Stadt vertrieben. Da sie nun aber mitHiero vereinigt diese belagerten, so gab dies die Veranlassung zum erste» Kriege zwischen Rom und Karthago. Mamluken (arab.), d. i. Sklaven, nannte man in Ägypten die aus den Gegenden des Kaukasus stammenden'Sklaven der Beys, welche die bewaffnete Macht derselben bildeten. Als nämlich im 13. Jahrh. Dschingis-Khan den größten Thcil Asiens verheerte und eine Menge Einwohner als Sklaven wegführte, kaufte der Sultan Nodschmaddin von Ägypten deren > 2000 , zum Theil Mingrelier und Tscherkessen, meist aber Türken ans dem Äaptschak, ließ sie in allen kriegerischen Künsten unterrichten und bildete aus ihnen ein Corps, das sich bald zügellos und rebellisch zeigte, die Negierungsangelegenheiten an sich riß und nach ,Ermordung des Sultans Turan Shah >233 aus ihrer Mitte Jbcgh zun, Sultan von Ägypten ernannte, mit dem die Dynastie der Bahariden begann, denen >382 die zweite Mamlukendynastie, die Bordschiten, folgte. Beider Herrschaft dauerte 26Z Jahre, während welcher Zeit die Mamluken verschiedene Eroberungen machten und dir Franken 12!» I aus dem Orient vertrieben. Sclim l. stürzte ihr Reich, nachdem er dieHauxt- stadt Kahira 1517 mit Sturm genommen hatte, und setzte einen türk. Pascha über Ägyx- ten, war aber doch durch die Umstände gcnöthigt, die 21 Beys, welche die verschiedene» Provinzen des Landes als Statthalter regierten, sortbestehen zu lassen. Diese Verhältnisse bestanden ohne besondere Veränderung fort, bis seit der Mitte des 18. Jahrh. die Maniln- kcn durch ihre Anzahl und ihre Neichthümer ein solches Übergewicht über die Regierung der Osmanen in Ägypten erhielte», daß der von der Pforte ernannte Pascha ganz nach ih. rem Willen handeln mußte, und die Mamlukcnbeys die wirklichen Beherrscher des Landes waren. Dieses Übergewicht verschaffte ihnen vorzüglich Ali Bcy, welcher mit unumschränkter Gewalt regierte und 17 73 ermordet wurde. Die Zahl der Mamluken, die durch ganj Ägypten zerstreut waren, betrug ungefähr >»—-1200» M. Sic ergänzten sich meist durch Sklaven aus Kaukasien, und nur aus ihnen wurden die Staatsämter besetzt und insbesondere die Beys gewählt. Ihre letzte glänzende Rolle spielten die Mamluken, namentlich Murad Bey, zur Zeit des franz. Einfalls in Ägypten und die nächste Zeit nach dem Abzug« der Franzosen. Durch List gelang cs 1811 dem nachherigen Vicekönige von Ägyptt», , Mohammed Ali (s. d.), die Beys zu vernichten. Mammuth ist der Name mehrer Säugthiere, welche in der letzten, der unser» zu- nächst vorausgrgangenen Erdperiode lebten, während der großen Umwälzung vernicht«! wurden und hinsichtlich ihrer staunenswerkhen Körpergröße im Verhältnisse zu eincr Thier- und Pflanzenwelt standen, deren auf uns gekommene versteinerte Neste überall auf einen ungeheuren Maßstab der damaligen Schöpfung schließen lassen. (S. Urwelt.) Man findet die Trümmer der Mammuthe häufig, zumal aber die Backenzähne einiger Arten ; selten aber kommen größere Skcletttheile vor. Die Mammuthe sind theils nur grasfressende, theils aber auch, wie man aus der Beschaffenheit der Zähne gefolgert hat, fleischfressende Thiere gewesen. Die erster» haben sich vom ind. Elefanten wenig unterschieden, waren aber weit größer, und sind zumal an den Küsten Nordasiens in solcher Menge unter dem ewigen Eise umgekommen, daß der Handel mit ihren herumliegendcn, oft 200 Pf. schweren Stoßzähnen für die Tungusen sehr einträglich ist. Pallas fand schon 1772 Reste unver- faulter Mammuthe unter dem Eise Nordsibiriens, Adams 1806 ein ganzes Thier, dessen, wenngleich haarloseHaut in Petersburg aufbewahrt wird. Für die Geschichte derErd- revolution ist das Vorkommen so gewaltiger Kräuterfresser in einem jetzt vereisten, pflanzenlosen Lande von großem Interesse, und hat zu vielen Vermuthungen Veranlassung gegeben. Fleischfressende Mammuthe gehören zur Gattung Mastodon, und kommen am häufigsten in Amerika vor, wo schon ziemlich vollständige Skelette ausgegraben wurden, von welchen das beste sich in Peale's Museum zu Philadelphia befindet. Es ist an den Schultern 1 l F., an der Hüfte 9 F. hoch, und 17 F. lang. In neuester Zeit hat man im Westen der Bereinigten Staaten noch andere Riesenthiere ausgegraben, die wol auchMam- muthe genannt worden sind; so das sogenannte Missuri-Thier, dessen Skelett der Sachse Koch 18-10 auffand, bis auf wenige kleine Knochen zusammenbrachte und später an das Britische Museum verkauft hat. Es mißt 30 F. in der Länge, ist an den Schultern l 5 F. hoch, hat ungeheure horizontale Stoßzähne und steht dem Nilpferde näher als dem Elefanten. Man Manchester 283 Man (lHoim), die zur engl. Provinz Westmoreland gehörige Insel im irischen Meere, hat einen Flächenraum von l 9 UM. und gegen 18000 E., welche durch ihren Fleiß das von Natur ziemlich öde Land in ein fruchtbringendes umgeschaffen haben und Vich > besonders Schafzucht und Flachsbau treiben. Die Insel hat viele mineralreiche Berge, darunter den 2000 F. hohen Snaffle- oder Snowfield, von welchem aus man das 11 St. entfernte Irland, das 8 St. entlegene Schottland, sowie die > 3 St. ferne Küste Englands erblicken kann. Die Bewohner, Manken genannt, stammen in unvermischter Abkunst von den alten Briten und sprechen die erfische (gälische) Sprache. M. hatte in den ältesten Zeiten eigne Könige, wurde aber im 13. Jahrh. von den Schotten erobert, die im folgenden Jahrhundert durch die Engländer wieder vertrieben wurden. Seitdem waren damit verschiedene Familien belehnt, zuletzt unter Heinrich IV. die Familie Stanley, bis >705 die engl. Regierung die Insel an sich kaufte, die jedoch ihre alte Verfassung behielt, die 21 Keys oder Negierungsrepräsentanten besorgen, an deren Spitze ein königlicher Gouverneur steht. Der Sitz der Regierung ist Castleton; die Haupthandelsstadt, namentlich in Betreff des Hecingsfangs, Douglas mit 7000 E. Mänäden, d.i. die Rasenden, hießen dieverzücktenBegleiterinnen desBacchus (s.d.). Manch» oder La Mancha, eine kleine zu Neucastilien gehörige span. Provinz von 355 lüM. mit 250000 E., ist gebirgig, gut bewässert und von heißem Klima. Man baut guten Weizen, schönes Obst, vortrefflichen rothen Wein, Safran, Hanf u. s. w. Sehr bedeutend ist die Viehzucht, namentlich in Beziehung auf Esel und Maulesel; Bergbau wird hauptsächlich auf Quecksilber getrieben. Die Bewohner sind ein arbeitsames, kräftiges und heiteres Volk. Die Hauptstadt ist Ciudad-Neal (s.d.), wonach die Provinz jetzt hauptsächlich benannt wird. Manche oder La Man che, ein stanz. Departement von I IO mM. mit 507000, meist katholischen E., ein Theil der ehemaligen Normandie, an dem Kanal, ist an der Küste voller Dünen und Klippen, im Innern ziemlich eben und theils morastig, theils sandig. Die Bewohner treiben Ackerbau, namentlich aufÖlpflanzen und Färbcrtöthc, Viehzucht, insbesondere Pferde- und Rindviehzucht, Obstbau auf Äpfel und Birnen, woraus sic Eider verfertigen, undBergbau aus Eisen, Torf u. s. w.; ihre Hauptnahrungsquelle aber ist der Handel. Die Hauptstadt ist Sk.-Lö. Manchester, der erste Fabrikplatz Englands, 37 M. von London, in der Grafschaft Lancaster, liegt in einer hügeligen Gegend, am Bridge-vaterkanale und am schiffbaren Jrwcll, an dessen Ufer Salford, eine Vorstadt von M., gelegen ist, die durch eine schöne gußeiserne Brücke von einem einzigen, 120 F. weit spannenden Bogen mit der Stadt in Verbindung steht. Unregelmäßig gebaut, hat die Altstadt, der Sitz der Fabriken, ein unfreundliches, rußiges Ansehen, und nur die äußern, ncuangebauten Straßen sind schön. Einer der schönsten Theilc derselben ist derCrescent, eine in Form eines halben Mondes angelegte schöne Häuserreihe mit einer Terrasse und der Aussicht auf den Fluß; ferner die neue Londoner Straße und der Neuniarkt. Unter den öffentlichen Gebäuden zeichnen sich aus die neue schöne Cvllegiatkirche, in gvth. Stil gebaut, die geräumige und geschmackvolle Börse, das ungeheure Gefängniß New-Bailcy und das Rathhaus mit einem der prächtigsten und größten Säle in Europa; unter den Wohlthätigkeitsanstalten das große Krankenhaus, wo jährlich über 12000 Menschen ärztlich behandelt werden; das Cheetham-Armen- haus mit einer Bibliothek von 20000 Bänden und einer Erziehungsanstalt für 80 arme Kinder, und die große, nach dem Lancaster'schcn Systeme eingerichtete Freischule. M., das vor 80 Jahren nur 20000 E. hatte, zählt jetzt, mit Einschluß der in seinem Umkreis zu Vorstädten gemachten Flecken und Dörfer, deren 350000. Es ist der Mittelpunkt der engl. Baumwollenfabrikation, welche weit und breit die ganze Gegend und auch benachbarte Grafschaften beschäftigt. Mehr als 350 Fabriken fertigen Nanquins, Pique, Barchent, Ginghams, faconnirte Zeuche, Zitze, Mousselin, Twiste und den nach der Stadt benannten Manchester (s.d.); außerdem aber hat M. in neuester Zeit auch bedeutende Seiden- und Spitzenfabrikation, Kattundruckereien und Färbereien, selbst Eisengießereien und Fabriken zum Bau oder zur Ausbesserung von Dampf- und andern bei der Baumwollenverar- bietuug erfodcrlichen Maschinen erhalten. Die Zahl der durch Dampf getriebenen Spinn- 284 Manchester Mandingos Maschinen, die mehr als ä Milk. Spulen in Bewegung setzen, geht weit über 100 und ihr, Unterhaltung wird durch den Neichthum der Gegend an Steinkohlen und die wohlfril, Herbeischaffung derselben mittels der Kanalverbindnngen sehr erleichtert. Überdies gibr,j über 200 Kattunwebercien, überhaupt mehr als 20000 gewerbliche Etablissements. Dir Engroshandel, den mehr als 200 Häuser betreiben, wird nicht nur durch mehre tzjstir bahnen, besonders die nach Liverpool, sondern auch durch vier Kanäle, namentlich du Bridgewater-, Rochdale- und Huddersfielderkanal, außerordentlich befördert. Trotz dich, reichen Industrie, welche ungeheure Geldsummen nach M. zieht, findet sich hier, ähM wie in Liverpool, sehr viel Armuth, großes Elend neben dem unermeßlichen Reichthum. Manchester nennt man starke, sammetartige Zeuche, welche eigentlich ganz aus ge- zwirntem Baumwollengarne gewebt werden; doch nimmt man zu geringer» Sorten eich Leinengarn. Man hat glatten Manchester, auch mit geköpertem Grunde, weißen, bedruckt», gefärbten, und zwar in allen Farben, auch sogenannten Sommer- und Wintermanchestki. Die meisten und besten Manchester liefern die engl. Manufacturcn, vorzüglich in und bii der Stadt Manchester (s. d.), nächstdem viele Orte in Frankreich und Deutschland. Mandarin ist ein portug. Wort, mit dem die Europäer jeden öffentlichen Beamt!« in China zu bezeichnen pflegen. Mandat hat in der Rechtssprache sehr verschiedene Bedeutungen. Unter Man- datscontract oder Bevollmächtigungsvertrag versteht man zunächst den Vertrag, wodurch Jemand (der Mandatar) die Besorgung eines Geschäfts für einen Andern (du Mandanten) übernimmt, sei es unentgeltlich, sei es gegen ein Honorar, aber nur nicht gegen Lohn, weil sonst das Geschäft in Dienstmiethe übergeht. Das Recht des Mandatar! heißt Mandat oder Vollmacht (s.d.); oft wird aber auch die darüber aufgesetzte Urkundi so genannt, namentlich in Civilprocessen die dem Sachwalter ertheilte. Mandat Heist ferner die richterliche Verfügung, durch welche-auf des Klägers einseitiges Anbringen du Gegenpartei Etwas anbefohlen oder verboten wird, daher diejenige Art der Summarisch en Processe (s. d.), die mit einem solchen Mandate ansängt, Mand atsprach genannt wird. Endlich wurden und werden zum Theil noch jetzt in manchen Staaten allg«- '- meine landesherrliche Verordnungen Mandate genannt. Mandate nannte man eine Gattung Papiergeld zur Zeit der Directorialregiermz in Frankreich. Nachdem die Assignaten (s. d.), denen der Nationalconvent einen ge- zwungenen Cours gegeben hatte, auf Nichts herabgcsunkcn waren, schuf die Negierung 1706 dieses neue Papiergeld, welches gegen die Assignaten umgewechselt werden sollst und suchte ihm dadurch Credit zu geben, daß der Inhaber damit jedes beliebige Nationalgist mit Ausnahme größerer Waldungen, öffentlicher Gebäude u. s. w., von den Departement- Verwaltungen erwerben konnte, wenn er die Hälfte der Taxe im Laufe der Decade, du andere Hälfte im Laufe von drei Monaten bezahlte. Es wurden für 2100 Mill. solcher Mandaten geschaffen; sie gelangten aber zu gar keinem erträglichen Credit und mußt!» sehr bald durch die Rescriptions metslligues ersetzt werden. Erst Napoleon brachte indes Ordnung und Festigkeit in die Finanzen. Mandeln nennt man die Kerne der Steinfrucht des Mandclbaums, die theils süß, theils bitter sind. Die süßen, wegen ihres fetten und milden Öles sehr nährend und vo» angenehmem Geschmack, dienen sowol zur Speise, wie medicinisch; die bittern enthalten neben dem wohlschmeckenden fetten Öle noch ein flüchtiges Öl, welches ihnen einen unangenehmen Geschmack und betäubende Eigenschaften gibt, die sich bei kleinern Thieren, z. Hunden, Katzen, Vögeln u. s. w., oft sehr stark und lebensgefährlich äußern- Der Mandelbaum (^mz-gckalus communis) stammt aus dem südwestlichen Asien und Nordafrika, ist jedoch jetzt auch in dem mittägigen Europa einheimisch, und wird selbst in Deutschland wegen seiner zeitigen und schönen rothen Blüten angepflanzt, bringt jedoch hier nicht immer reife Früchte. Die besten Mandeln von langer Form kommen aus Malaga; ebenso gesucht find die aus Valencia und die ital. Ambrosinmandeln. Die sicil. und provenzaler sind eine Mittelsorte und mehr rund als lang; die bittern kommen aus der Türkei. Knackmandeln nennt man die süßen Mandeln mit der Schale. Mandingos, s. Neger. Mandoline Manessische Handschrift 285 Mandoline, ital. mnnelnln oder manclorn, heißt ein kleines, mit vier, zuweilen auch mitsechs und mehr Stahl- und Messingsaiten bezogenes, lautenartiges Instrument, welches sowol mit einem Federkiel als mit einem Finger der rechten Hand gespielt wird. Als Virtuos auf diesem dürftigen, vorzüglich in Italien beliebten Instrumente machte sich der Italiener Wmercati auch in Deutschland bekannt. Mandrill ist der Name einer Affenart, die zur Abtheilung der Paviane gehört, mit langem Hundskopf, häßlich aussehend, entstellt durch einen kleinen gelben Bart am Kinn, einen spitzigen Haarwuchs auf dem Kopf, blaue, tiefgefurchte Backen, wozu bei den Alten noch eine scharlachrothe Nase kommt; auch hat das Gesäß diese letztere Farbe; die Schenkel aber sind violett. Der Mandrill erreicht fast Menschengröße und ist wegen seiner Wildheit und Kraft, sowie wegen seines fürchterlichen Gebisses, ein gefährliches Thier und deshalb in seinem Vaterlande Guinea von den Bewohnern sehr gefürchtet. Mandschu oder Mandschuren gehören zu dem tungus. Völkorstamme, und bewohnen den nordöstlichen Theil des chines. Reichs, die sogenannte Mandschurei, daS Flußgebiet des Mittlern und untern Amur, im Norden von Sibirien und dem Ochotskischen Meerbusen, im Osten vom Japan. Meer, im Süden von Korea und dem eigentlichen China, und im Westen von der Mongolei und Sibirien begrenzt. In den ältesten Zeiten waren sie unter demNamen Kin oder Niu-tschi bekannt und wurden 926 denKitanen zinsbar, gegen die sie sich aber unter Okota 1114 wieder erhoben und > > l8 das Reich der Kin in China stifteten. Bald darauf sielen die Mongolen, die bisher Vasallen der Kin gewesen waren, von ihnen ab und nöthigten sie, ihnen ein Stück Landes einzuräumen. Im I. >298 verweigerte Dschingis-Khan ihnen den Tribut, machte sich im glücklichen Kampfe gegen sie wc- nigeJahrc nachher nicht nur ganz frei von ihnen, sondern sie selbst sich tributpflichtig. Endlich wurde das Reich der Kin > 269 vollends vernichtet und dadurch ihre Auswanderung veranlaßt. Sie fanden in Lcatong, einem Erblande der chines. Dynastie, zwischen den Scha- raimongolen und Korea, Aufnahme und erst >536 erschienen sie nun unter dem Namen Mandschu wieder in China, das sie im folgenden Jahrh. wieder eroberten und wo sie ihre Dynastie zur herrschenden machten. (S. China.) Die Mandschu gehören, wie alle Tun- gusen, zur mongol. Nace, zeichnen sich aber vor den übrigen Völkern derselben durch schöner» Körperbau aus, sind dabei rauh und schmuzig, doch ehrlich und tapfer. In ihrer Heimat, der Mandschurei, treiben sie nur in den südlichen Gegenden derselben Ackerbau und Gewerbe, in dem beiweitem großem nördlichen Theile leben sie als nomadisirende Hirten, Jäger - und Fischerhorden. Man schätzt ihre Anzahl daselbst aus ungefähr 4 Mill. Die mit der Herrscherdynastie nach China übergesiedeltcn Mandschu sind fast ganz der chines. Civi- lisation erlegen. Sie haben seit zwei Jahrhunderten, wo ihre Sprache die Hofsprache in China wurde, auch eine Literatur, welche meist in Übersetzungen aus dem Chinesischen besteht. Der Grundbestandtheil der Mandschusprache ist das Tungusische, doch hat sie mongol., türk, und chines. Worte ausgenommen. Ein Wörterbuch der Mandschusprache lieferte Amiot (herausgegeben von Langles, Par. >789); die beste Grammatik von der Gabelentz (Aitenb. > 862). Vgl. Plath, „Die Völker der Mandschurei" (2 Bde., Gott. 1839—3 l). Manen (lat. nunie«) hießen bei den Römern und altital. Völkerschaften überhaupt die abgeschiedenen Seelen oder Geister der Verstorbenen, besonders der guten und wohl- wollenden, deren Überbleibsel man im Hause beizusetzen pflegte, damit sie eine vollkommene Ruhestätte hätten und dem Hause selbst zum Schutze dienten. Auch verehrten die Römer »ls Mutter derselben die Mania (s. d.). Manes, s. Mani. Manessische Handschrift wird gewöhnlich eine zu Anfang des > 3. Jahrh. wie cs scheint in der Schweiz geschriebene, früher in Heidelberg, seit dem >7. Jahrh. in Paris befindliche Sammlung lyrischer Gedichte von mehr als >39 Minnesängern (s. d.) genannt, weil man seit Bodmer annahm, daß der Bürgermeister von Zürich, Rüdigervon Man esse, und dessen Sohn sie habe schreiben lassen. Lachmann hat in der Vorrede zu seiner Ausgabe Walter's von der Vogelwcide darauf aufmerksam gemacht, daß diese Annahme in der Stelle in Hadlaub's Gedichten, auf welche sie sich beruft, keine Begründung findet, da dort nur gesagt ist, daß die Maneffen Liederbücher sammelten, und daher wird die - 386 Mauetho Manfred Handschrift von ihm passend nach ihrem Aufenthaltsort als pariser aufgcführt. Aus ih machte Bodmer zuerst „Proben der alte» schwäb. Poesie" (Zur. >748) bekannt, damigij er den, größten Theil heraus unter dem Titel „Sammlung von Minnesingern aus dm schwäb. Zeitpunkte" (2 Bde., Zur. 1758—59). Ergänzungen theilten Naßmann im „Ab deutschen Museum" (Bd. >, Berl. > 809), namentlich aber, aus einer mit Goldast's (s.d> Büchern nach Bremen gekommenen Abschrift, Benecke mit in den „Beiträgen zur Ke« - niß der altdeutschen Sprache und Literatur" (Bd. >,Gött. 1810). Manetho, ein griech. Geschichtschreiber, welcher aus einer angesehenen Priesters» lie zu Diospolis in Ägypten stammte und unter den ersten Ptolemäern um 260 v. Ehr« den Zeiten des Berosus (s. d.) lebte, ist der Verfasser einer aus einheimischen Quell« bearbeiteten „Ägypt. Geschichte" in drei Büchern, deren Inhalt wir nur noch zum IM aus den von Josephus und Syncellus mitgetheilten Auszügen kennen. Ein unter sei»» Namen vorhandenes astrologisches Gedicht „^potelesmstics" in sechs Büchern, oderübi, die Einwirkung der Gestirne auf das Schicksal der Menschen, gehört einer später» Zeit, »A leicht dem 5. Jahrh.n. Ehr., an und wurde von Jak. Gronov (Leyd. 1698,4.), zuletzt von Ai! und Rigler (Köln 1832) herausgegeben und von Axt ins Deutsche übersetzt (Wetzl. >835) Manfred, Fürst von Tarent, ital. Neichsverwcser von 1254 — 66, geb. 1231, ein ehelicher, aber nicht ebenbürtiger Sohn des Kaisers Friedrichs lk. von Blanca, derschi- nen Tochter des Grafen Bonifacius Lanzia, war seinem Vater ähnlich als Regent ml Feldherr, als Freund der Dichter und Sänger, aber auch in dessen Schwächen, dabei schir, heiter, Jedem zugänglich, mild und freigebig, kenntnißreich und persönlich tapfer. Nch seines Vaters Tode im I. >250 erhielt er das Fürstcnthum Tarent und bei seines HA bruders Konrad's IV. (s. d.) Abwesenheit führte er die Neichsverwaltung inJtaliw, Allein Papst Jnnocenz IV. reizte die Völker zum Äufstande, indem er behauptete, daß, di Friedrich II. im Banne gestorben, dessen Reich der Verfügung des Papstes anheimgefallni sei. M. unterwarf jedoch die abtrünnigen Städte, übergab dem König Konrad 1252 dit beruhigte Apulien und blieb ihm selbst dann noch treu, als dieser aus Argwohn M.'sBn- wandte von mütterlicher Seite verbannte. Als >252 sein Neffe Friedrich, des abgesehen , röm. Königs Heinrich Sohn, und >253 Heinrich, der Sohn des Kaisers und der engl.Isabelle, noch in jungen Jahren starben, beschuldigte man bald ihn, beide Prinzen vergiftetm haben, und als 1254 auch Konrad IV. durch den Tod hinweggerafft wurde, erklärte ihn der Papst gleichfalls für dessen Mörder. Auf das Verlangen der Großen, und selbst des Markgrafen Bertold von Hohenburg, welchen Konrad I V. zum Neichsverwcser bestimmt hatte, übernahm M. als Statthalter, im Namen seines Neffen Konradin (s. d.), die Verwaltung de! apul. Reichs, und allcVasallen erkannten eidlich, im FallKonradin kinderlos sterben Me, M.'s Thronfolgerecht an, das schon im väterlichen Testamente für solchen Fall ihm z»zt- sichert worden war. Allein der Papst erneuerte seine Ansprüche aufApulien, als cin zmÄ gcfallcnes Lehn der Kirche, und M. sah sich, da Bertold seine Unterstützung verweigerte und Mangel an Geld, um die deutschen Söldner zu bezahlen, eintrat, auch außerdem mehrt Große sich verschworen, genöthigt, am 27. Sept. >254 mit dem Papste einen Vergißt einzugchen, durch welchen er, nacb Aufhebung des Kirchenbannes, seine Besitzungen mb? der Grafschaft Andria als ein unmittelbares Kirchenlehen und die Statthalterschaft dies- seit der Meerenge im Namen Konradin's erhielt. Jnnocenz kam selbst als Oberlehnshm nach Neapel, empfing M.'s Huldigung und von den Baronen den Eid völliger Unterwer- fung. Als jedoch zuletzt auch M-. diesen Eid schwören sollte und sich dessen weigerte, beschiss der Papst seinen Untergang. Die durch M.'s Leute wider seinen Willen geschehene Ermordung des Aufrührers Burello lieh dazu den Vorwand. Doch glückte es M., den Nachstellungen des Papstes unter vielfachen Gefahren durch die Flucht glücklich zu entgehen. JnLuccria fand er Schutz und Kricgsmittel, besonders bei den Sarazenen, und besiegte mit ihrer Hülst die gegen ihn gesendeten päpstlichen Söldnerhaufen in der Schlacht bei Foggia am 2. Der. 1 254. Da nun um diese Zeit Jnnocenz am > 3. Dcc. 1254 zu Neapel starb, so gehorchtt bald ganz Apulien M. wieder und auch der grüßte Theil von Calabrien unterwarf sich HA und nach seine» Waffen. Doch auch der neue Papst Alexander IV. zeigte bald, trotz seiner trügerischen Vorspiegelungen, die Äbsicht, M. zu vernichten. Er brachte die von seinem V üb M g- S de dii A F- in S 1, er M 3 > im vo ve ve S ii e wi bcr vo IM 2 . LN !»i ret K- ve B E eil an A hr in A ab F tü b. E d> u I tz> il b I E ei r lls ß, »IB s d» ,,A>« ssdl cfiu«« hr.!» uell» Tdü ei»m rülii ; vikl l» Ai! 83s> >23!, csch» t Mt schm, Nch Helt> alm. >ß,di fallc« 2 d-t Bl» setzt!» , ,N- tctill »i dir W- übii- gdci sollt!/ j»zi^ irü5 gM »ehr! aleiö diei- shm cwk» 'chlos »>0r- IlUtt- ,ccck dülft D-c. >rchte »ach einer incm Manfred 287 Vorgänger mit dem Prinzen Edmund, einem Sohne des Königs Heinrich von England, über die Verleihung der apulischen Krone eingeleiteten Verhandlungen zu Ende, ließ gegen M- das Kreuz predigen, wiegelte die ihm untergebenen Städte auf und sendete Truppen gegen ihn. Doch M. kämpfte aufs neue im Felde glücklich, unterwarf sich die abgefallenen Städte wieder und wurde endlich 1257 Herr vom ganzen sicil. Reiche diesseit und jenseit der Meerenge, ja er ließ sich sogar, als um diese Zeit iu Italien das Gerücht von Konra- din's Tode sich verbreitete, auf den einstimmigen Wunsch der Prälaten, Barone und Abgeordneten der Städte am 11. Aug. l 258 zu Palermo zum König krönen. Als nun in Folge dessen der Papst M. und dessen Anhänger, unter ihnen die ersten Prälaten des Reichs, in den Bann that, überzog der König die päpstlichen Staaten, belegte sie mit harten Steuern, und gewann nach dem Siege Siena's über Florenz bei Montaperto, am 4. Scpt. 1260, ganz Tuscien für sich. Durch diese Glücksfälle schien M.'s Herrschaft fest begründet, er regierte sein Reich mit ebenso viel Kraft als Milde, ließ den Hafen von Salerno bauen, Manfredonia anlegen, stiftete viele Schulen und hielt streng auf Recht, Ordnung und Sitte. Zugleich verheirathete er sich nach dem Tode seiner ersten Gemahlin Beatrix von Savoyen im Juni 1259 aufs neue mit der schönen Helena, der Tochter Michael s, des Beherrschers von Atollen und Epirus, hielt einen glänzenden, von Sängern, Dichtern und Künstlern verherrlichten Hof, dessen Mittelpunkt verschöne, dichterisch begabte M. selbst war, und vermählte auch seine Tochter erster Ehe, die schöne Konstanze, mit Peter, dem erstgeborenen Sohne des Königs Jakob von Aragonicn. Aber dieses heitere Glück wurde gestört, als der neue Papst Urban IV. bald nach seinem Regierungsantritte die Entwürfe seiner Vorgänger wieder aufnahm, den Bann über M. und dessen Länder erneuerte und endlich 1263 dieselben als ein noch zu eroberndes päpstliches Lehen Karl von Anjou, dem BruderLudwig's IX. von Frankreich crtheilke. M.'s Feldherren, im Bunde mit den Ghibellinen, besetzten hierauf mehre Provinzen des Kirchenstaats, sodaß Urban nach Perugia flüchten mußte, wo er am 2. Ott. 1264 starb. Sein Nachfolger Clemens l V. schloß sich »och enger an Karl von Anjou an, wies alle Friedensvorschläge M.'s zurück und ließ Karl, der am 21. Mai 1265 zur See mit einem kleinen franz. Heere angekonnnen war, das jedoch bald durch ein anderes größeres von der Lombardei her verstärkt wurde, durch seine Cardinäle am 6. Jan. >266 zum König von Sicilien krönen. Zwar hatte M. unterdessen die Pässe bei Tagliacozzo und Ce- perano besetzt und seine Vasallen und die deutschen Söldner nach Benevent berufen; aber Briefe und Boten des Papstes und Karl's reizten die Neapolitaner zum Abfall, und der Graf Richard von Caserta öffnete dem Feinde verrätherisch den Paß am Garigliano. Nun erstürmten die Franzosen am 19. Febr. San-Germano, worauf die Schlacht bei Benevent am 26. Febr. 1266 das Schicksal M.'s entschied. Als er vor der Schlacht im Kriegsrathe Wankelmuth und selbstsüchtige Falschheit wahrnahm, rief er aus: „Lieber will ich heute hier sterben als König, denn fliehend und bettelnd als ein Elender in der Fremde umher- irren!" Sein Heer bestand aus 5tt»0 Reitern und 16900 M. Fußvolk, war aber an Zahl beträchtlich geringer als das französische. Am tapfersten fochten M.'s Krieger; als aber ein Theil des übrigen Heers zu den Feinden überging und ein anderer sich in wilder Flucht auflöste, stürzte M. sich in das feindliche Getümmel und wurde getödtet. Nach einigen Tagen fand man seinen Leichnam mit Wunden bedeckt und begrub ihn als einen Gebannten bei der Brücke von Benevent; allein das Volk und selbst Franzosen häuften dort Stein auf Stein ihm zu einem Ehrendenkmal, genannt Fels der Rosen. Später ließ ihn der Erzbischof von Cosenza, weil dieser Boden kirchliches Eigenthum sei, wieder ausgraben und nach der Grenze von Abruzzo und Picenum in dem Felsenthale, wo der Verde mit dem Trontv sich vereinigt, einscharren, und noch heute lebt dort unter den Landleuten die Sage von dem schönen, geistreichen, unglücklichen Manfred. Seine Witwe Helena wurde mit ihren vier Kindern von einem treulosen Burgvogt an Karl's Reiter ausgeliefert. Sie erlag der harten Behandlung und ihrem Schmerze im I. 1271, Beatrix, ihre Tochter, lebte >8 Jahre als Gefangene, bis Karl >284 gegen sie seinen in aragon. Haft gerathenen Sohn auslöste. M.'s drei Söhne blieben 31 Jahre in Fesseln, kümmerlich gehalten und einsam; 1297 ließKarl ihnen die Fesseln abnehmen und erlaubte, daß ein Geistlicher und ein Arzt die unglücklichen Brüder, von denen Heinrich im Gefängnisse erblindet war, besuchten. r X-. K 288 Mangan Manheim Mangan heißt das im Braunstein enthaltene Metall, das dem Eisen sehr ähnlich, jedoch noch schwerer als dieses schmelzbar ist, dasselbe in allen Erzen und Verbindungen ziemlich hartnäckig begleitet und daher als ein Feind der Eisenindustrie erscheint, weil es in größer» Mengen das Eisen härter und spröder macht. Seine Verbindungen gehen denen des Eisens in den nieder» Graden parallel; sie färben Gläser und erdigeMineralien,denenß! sich beimengen, rosenroth oder violett. Technisch werden nur die unter dem Namen Braunstein (s. d.) natürlich vorkommenden Gemenge des Superoxyds und Oxyds angewendet, weil sie einen Sauerstoffübexschuß enthalten, der sie zur Bereitung von Saucrstoffgas und Chlorgas geschickt macht. Manganum oder Mange, s. Balliste. Manheim, ehemals Hauptstadt der Pfalz am Rhein, jetzt zweiteNesidenz des Gros- Herzogs von Baden und Hauptstadt des Unterrheinkreiscs, in einer Ebene am linken Ufer des Neckar, oberhalb der Einmündung desselben in den Rheinüber welchen eine Schiff- brücke führt, ist eine der neuesten und deshalb regelmäßigsten Städte Deutschlands. Dü Straßen sind schnurgerade, reinlich, mit schönen Häusern beseht und durchschneiden sichst, daß die ganze Stadt aus l >v regelmäßigen Quadraten besteht. Eine Ausnahme hiervon macht nur die mit Bäumen besetzte Straße der Planken. Die ehemaligen Festungswerki wurden nach dem luneviller Frieden geschleift, und an ihre Stelle sind Gärten gekommen. Auf dem Paradeplatz befindet sich ein marmorner, aber waffcrlcerer Springbrunnen mit von Crepello gegossenen Statuen, und der schöne große Marktplatz ist mit einer in Stein gehauenen Gruppe von van der Brand geziert. Das 750 F. lange, >720—20 unter dm Kurfürsten Karl Philipp erbauteSchloß ist hinsichtlich seines Umfanges eins der bedeutend, sten in Deutschland und besteht aus drei großen Vierecken. Der linke Flügel brannte bei der Belagerung von >795großentheils ab; der rechte Flügel, den der Kurfürst Karl Theodor erbaute und der Kunst und den Wissenschaften bestimmte, enthält noch gegenwärtig eine Bildergalerie, eine bedeutende Kupferstichsammlung, eine Sammlung von Eypsabgüsseii der berühmtesten Antiken, eine Sammlung röm. Antiquitäten und ein kleines Naturalien- cabinct. Unter den geistlichen Gebäuden ist das vormalige Jesuitencollegium wegen seiner Kirche zu bemerken, die einen mit Säulen vom feinsten Pfalz. Marmor gezierten Hochaltar und eine m Fresco gemalte Decke enthält und auch hinsichtlich ihrer Bauart merkwürdig ist, indem sie zwischen zwei Thürmen eine hohe Kuppel zeigt. Andere ausgezeichnete Gebäude sind das Zeughaus, das Kaufhaus und das Schauspielhaus. Die Stadt hat 23450 E., ein gutes Gymnasium nebst einer Bibliothek, eine Handlungsschule, einen botanischen Garten, eine Sternwarte und eine Armenanstalt. Auch gibt es daselbst mehre Fabriken undBleich- anstalten. Bekannt ist das Manheimcr Wasser, ein versüßter Anisbranntwein. Der Handel ist nicht unbedeutend, namentlich wird der Speditionshandel durch die Rhein- und Neckarschiffahrr und die Eisenbahn nach Heidelberg, Karlsruhe und Basel und die nach Frankfurt begünstigt. Jährlich werden zwei Messen gehalten. Unter den Späziergängm sind zu erwähnen der Schloßgarten, eine engl. Anlage von dem Schlosse bis zum Rhein, und die Mühlaue, eine beim Ausflusse des Neckar in den Rhein gelegene Insel mit freundlichen Anlagen. JnÄer Nähe der Stadt wird viel Garten- und starker Hopfenbau getrieben. Wo jetzt M. steht, lag sonst ein Dorf gleiches Namens. Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz legte daselbst >608 ein fcsiesSchloß an, die Friedrichsburg, und unter ihm wurde M. zur Stadt, die vorzüglich Niederländer bevölkerten, welche wegen Religionsbedrückung ihr Vaterland verlassen hatten. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde M. 1622 durch Tilly, >63l durch den Herzog Bernhard von Weimar, >644 von dm Franzosen und nach wenig Tagen wieder von den Baiern erobert. Im I. >688 von Melac nach 17tägiger Belagerung genommen, wurde es nebst elf andern Städten der Unterpfalj zerstört. Bei dem Wiederaufbau der Stadt im 1.1690 ließ der Kurfürst Friedrich Wilhelm sie nach Coehorn's Manier befestigen, und ein starker Brückenkopf deckte den Paß über die Nheinbrücke. Ihren gegenwärtigen Glanz verdankt die Stadt dem Kurfürsten Karl Theodor, der sie >72l zur Residenz erhob, was sie bis 1777 blieb. Im Nevolutionskriege bemächtigten sich die Franzosen im Dec. >794 nach zweitägigem Bombardement derBrücken- schanze, nachdem das Treibeis die Rheinbrücke hinweggerisscn hatte, und >795 wurde die Man! 289 Stadt ihnen durch Vertrag übergeben. Im I. >799 wurde sie von den Östreichern unter dem Erzherzog Karl eingenommen; dock nach dem Abzug des Letztem von den Franzosen wieder besetzt. In Folge des luneviller Friedens kam sie >891 an Baden. Mani oder Maries (lat. Nanidi-rsns) heißt der Stifter eines gnostischen Neli- gionssystems. Nach den abendländischen Bericktcn kam er im Knabenalter als Sklave, unter dem Namen Corbicius oder Cubricus, zu einer begüterten Witwe in Persien, wo er durch das Lesen der Bücher des Scythianus, eines ägypt. Schwärmers, und unter der Leitung eines gewissen Terebinthus, dessen Name auf Indien hinweist, aufseine Welt- und Meisterlehre geführt wurde. Er beerbte seine Herrin bei deren Tode, nannte sich nun Mani und versuchte auf den Grund jener Bücher eine neue Religionsphilosophie zu bauen. Durch den Ruf seiner Weisheit kam er an den Hof des Königs Sapor von Persien; als aber der ihm anvertraute kranke Sohn dieses Königs unter seiner Behandlung starb, mußte er dafür mit Gefängniß büßen. Hier faßte er über dem Lesen der Bibel den Gedanken, auch die Christen für seine Lehre zu gewinnen, und sendete deshalb seineSchülerThomas,Addas u> d Hermas aus. Nach den morgenländischen Quellen dagegen war M. ein pers. Magu- säer, der später Christ und Presbyter zu Ahvaz in der pers. Provinz Huzitis wurde. Als solcher trat er um 270 mit der Idee, Parsismus und Christenthum zu combiniren, hervor und erklärte sich für den Paraklct, der die christliche Lekrc von jüd. Zusätzen zu reinigen und mit Hülfe einer Geheimlehre zu vollenden habe. Von den Christen excommunicirt, von den Magiern verfolgt, irrte er umher, bis er die Gunst des Königs Hormisdas sich erwarb. Unter dem Nachfolger desselben, Baharam, wurde er um 277 in der Burg Arabion lebendig geschunden. Seine Anhänger, die sich seit dem l.Jahrh. beträchtlich vermehrten, hießen Manichäer (s. d.). Das manichäische System nimmt zwei gleich ewige Grundwesen an, das gute oder Gott im Reiche des Lichts, und das böse, Hyle oder den Teufel, in der Finsterniß der Materie, jenes verstärkt durch zwei Radien des göttlichen Lichtwesens, Sohn und Geist, und stärker als dieses, beide von unzähligen, von ihnen abhängigen, gleichartigen Äonen oder Elementarkräften umgeben, die in fünfElementen oder übereinander gethürm- ten Sphären wohnen, im Reiche des Guten Licht, klares Wasser, heitere Luft, mildes Feuer und reiner Äther, im Reiche des Bösen Finsterniß oder Erde, trübes Wasser, stürmische Luft, verzehrendes Feuer und Rauch, aus deren jedem wieder Geschöpfe, ihm angemessen, hervorgingen. Während eines inner» Kriegs der immer zwiekrächtigen Kräfte der Finsterniß gewahrte die geschlagene Partei das vorher unbekannte Lichtreich und wollte es erobern. Da im Kampfe darüber ein göttlicher Lichttheil mit der Hyle in Berührung kam, so ließ Gott zur Wiederaufhebung dieser durch die Mutter des Lebens oder den lebendigen Geist das Weltall sich gestalten und ordnete es so, daß der Sonnengeist Christus und der Beherrscher des Äthers, der heilige Geist, das gebundene Licht (den Ies»s psssibilis) von der Erde an sich zögen. Um dies zu hindern, bildete das böse Princip den Menschen, dessen Natur aus der guten Vernunftseele oder Lichtstoff und aus der bösen Körperseele besteht. Vermöge jener nun sehnte sich der Mensch nack dem Lichte. Der Sohn des ewigen Lichts, Christus, mußte daher in die Welt kommen, um die Lichtseclen zu befreien. Dieser Erlöser wurde aber nicht Mensch; was das Neue Testament von dem Menschenleben Jesu erzählt, war nur Schein, was auch von seinem Tod und seiner Auferstehung gilt; die Erlösung geschieht nur durch den Unterricht, den Christus begann und den der Tröster (Mani) aus den Reden Christi und selbst empfangenen Offenbarungen kundmacht. M.'s Christenthum verwirft somit das Alte Testament ganz und gebraucht das Neue Testament nur nach seiner Deutung. Nach dem Tode nimmt er Reinigung der Seele durch Feuer und Wasser, aber keine Auferstehung des Leibes an. Die Vollkommenen sollen bald darauf zur Seligkeit im Lichte gelangen, die Unvollkommenen erst nach Wanderungen durch andere Menschen - und Thierkörper, die Unverbesserlichen aber sollen ewige Höllenstrafe leiden. Auch die nicht belebte Schöpfung durchdringt das Licht des leidensfähigen Jesus, das auf die Erde fällt und sie befruchtet, und der lebendige Geist reinigt auch die Vegetation, indem ihre Frückte durch den Genuß, den sie den Menschen geben, sich im Dienste des Lichts verzehren. Er- zürnt über diesen Erfolg, erregen jene teuflischen Kräfte Ungewitter und andere Physische dis keot >dti ubh >dli- ischk urdr °ßk chn- lhü' ersi Hk», u>lS mß, ^ s ni.> ldk!I ldkl ikiß- M tstki igm auf! 8k' Stag mn Mn ! dkl der« ndk, A üm, ttt» rik iche. - noih 4 zu teru an« llttt icis, tion >wol Manier Manipulation 291 die Wissenschaft als der Sprachgebrauch verschiedene Begriffe damit. Zn der Seelenheil- kunde bedeutet dieses Wort stets einen krankhaften Geisteszustand, eine ArtWahnsinn (s. d.), deren nähere Bezeichnung aber nach den voneinander abweichenden Ansichten der Irrenärzte verschieden gegeben wird. Wenn der Sprachgebrauch auf der einen Seite das Wort mit Tobsucht, Raserei oder Wuth überseht und somit den Sinn einer ausgesprochenen Geisteskrankheit hineinlegt, so bedient er sich desselben aus der andern nur in der Bedeutung einer auffallenden, übertrieben befolgten Geistesrichtung, die sich mehr für als gegen ein Object ausspricht. Besonders ist Letzteres der Fall in den aus diesem Worte und einem Eigennamen gebildeten Zusammensetzungen als Gallo manie,Angloma nie, Gräcomanie u. s. w. Manier bezeichnet im tadelnden Sinne die Eigenschaften eines Kunstwerks, die nicht aus dem Wesen des Gegenstandes, sondern aus der blosen Individualität des Künstlers oder der Nachahmung fremden Stils hervorgegangen sind; im engern Sinne wird es für gleichbedeutend mit Künstelei gebraucht. So nennt man in der Malerei Manieristen Diejenigen, welche den Stil eines großen Künstlers ohne Geist nachahmen. Doch wird das Wort Manier auch oft mit Stil (s. d.) gleichbedeutend genommen. — In der Musik versteht man unterManieren diejenigen Verzierungen, die entweder durch ein angenommenes Zeichen über den Noten oder zwischen denselben mittels kleinerer Noten bezeichnet, oder überhaupt dem Gefchmacke des Spielers oder Sängers überlassen werden. Dahin gehören Triller, Doppelschlag, Vorschlag, Nachschlag, Bebung u. s. w. Manifest nennt man ejne öffentliche Erklärung einer Staatsregierung über irgend eine wichtige Angelegenheit zu Rechtfertigung ihrer Handlungsweise. Dasselbe wird gegenwärtig meist in nicht ofsicieller Form, d. h. ohne Anrede, Unterschrift und Siegel, erlaffen, und soll besonders die öffentliche Meinung des Auslandes aufklären. An die auswärtigen Regierungen dagegen werden zu gleichem Zwecke Circularnoten erlassen, an die eignen Unterthanen Proklamationen, welche meist kürzer sind als das Manifest; auch werden zuweilen die mctivirten Vorträge der Minister bekannt gemacht.' — Im Seerecht heißt Manifest der Frachtbrief über die gesammte Ladung, welcher die Auszüge aus den einzelnen Frachtbriefen enthält. Manila, s. Philippinen. Manilins (Cajus), ein bekannter röm. Volkstribun, brachte im Z.66 v. Chr. das Gesetz in Vorschlag, daß statt des Lucullus dem Po mp ejus (s. d.) die Beendigung des Kriegs gegen Mithridates als außerordentliches Amt aufgetragen und er dazu mit unbeschrankter Vollmacht über Verwendung des Heers und der Flotte im Osten und mit den N. °en eines Statthalters versehen werde. Das Gesetz, welches Cicero, der damals Prätor war, in einer noch vorhandenen Rede („?ro läge iUmiilia") anempfahl, wurde angenommen erotz des Widerstandes derNobilität; M. selbst aber, sobald er sein Amt niedergelegt hatte, wegen ungesetzlicher Handlungen, die ihm Schuld gegeben wurden, belangt und verurtbeilt. Bgl. Mühlich, „Geschichtliche Einleitung nebst dem Plan zu Cicero's Rede für den Ma- nilischen Vorschlag" (Bamb. >826, -1.). Manilius (Marcus), ein sonst unbekannter röm. Dichter, wahrscheinlich aus dem Zeitalter des Augustus, ist der Verfasser eines nicht ganz vollständigen astronomischen Lehrgedichts, „elstronomica" in fünf Büchern, welches nach dem Vorgänge des Aratus aus Soli (s. d.) in einer ziemlich reinen Sprache und einfachen Darstellung über den Einfluß der Gestirne auf die menschlichen Schicksale handelt und auch einzelne wahrhaft poetische Schilderungen enthält. Dieses Gedicht wurde nach seiner ersten Bekanntmachung (Nürnb. 1472, 4.) namentlich von Z. Scaliger (2 Bde., Par. 157!» und Leyd. 1666, 4.) und R.Bentley (Lond. 1730,4.) bearbeitet und von Pingre zugleich mit einer franz.Über- setzung (2Bde.,Par. 1786) herausgegeben. Vgl. Jacob, „Do ilkmiilin (4Abhandlungen, Lüb. 1 830—36). Mampel, s- Legion. Manipulation bezeichnet den kunstgerechten Gebrauch der blosen Hände insbe- sondere in der Medicin und Chirurgie, wo namentlich bei der Einrichtung gebrochener oder 19* 292 Manlius Mannaschwingel verrenkter Knochen, beim Zurückbringen vorgefallener Theile, bei Einreibungen u. s. die Stellungen, welche die Hände einnehmen müssen, um mit der gehörigen Kraft >m Leichtigkeit wirken zu können, sehr genau vorgeschrieben sind. Manlius ist der Name eines röm. patrizischen Geschlechts, das noch in de» letzt« Zeiten der Republik in Ansehen stand, dessen zwei berühmteste Glieder aber der älter» Zeit angehören. Marcus M., Consul im I. 392 v. Chr., war mit unter den Römer»,, die, als Rom im I. 39» von den Galliern eingenommen wurde, sich aus dem Capitol hielten. In der Nacht, wo die Gallier an dem Felsen hinangeklettert waren, während d» Wachen schliefen, die der Juno geweihten Ganse aber durch ihr Geschrei die übrige Br- satzung weckten, war M. der Erste an der bedrohten Stelle, warf den Gallier, der schont» Höhe erstiegen hatte, und durch ihn andere, die ihm folgten, hinab und vereitelte so ta Anschlag der Feinde. Doch trug er nichts davon; denn den Beinamen Caxüc- linus führte sein Geschlecht schon vor ihm, weil sein Haus aufdem Capitol stand. Duft Mitleid, vielleicht auch durch Eifersucht gegen den von den Patriziern erhobenen Camilliii (s. d.) getrieben, nahm er sich im 1.385 der durch das Schuldrecht hart bedrückten Plekchi an, deren er viele aus eigenen Mitteln von der Schuldknechtschaft befreite und für die n auf Ackervertheilung und Schuldentilgung antrug. Der Dictator Aulus Cornelius Coffm ließ ihn in den Kerker werfen, gab ihn aber wieder frei, als Aufruhr von den Plebejern, du M- als ihren Patronus feierten, drohte. Im I. 383 aber wurde er angeklagt, nach dm Königthum zu streben. Bon den Centuriatcomitien, wie es scheint, freigesprochen, besetzte er das Capitol mit seinen Anhängern, da die patrizischen Cimatcomitien ihn verurtbeilte» und Camillus gegen ihn zum Dictator ernannt wurde; doch ein verrätherischer Siwe stürzte ihn herab. Nach andern Erzählungen geschah dies auf Bolksurtheil durch die Tribunen, nach andern wurde er enthauptet. Sei» Haus wurde geschleift, von dem Geschlecke selbst aber der Zuname Marcus für immer verpönt. — TitusM. soll den TribunenM, Pomponius, der seinen Vater anklagte, daß er den Sohn fern vom Staatsdienst aufdm Lande halte, mit dem Dolch gezwungen haben, von der Klage abzustehen. Als Kruft- tribun erlegte er 3« l v. Chr. im Zweikampf am Anio einen riesenhaften Gallier und beirog dadurch die Feinde zur Umkehr. Von der Halskette (toru- liuim imperia herrühren soll. Er gewann, nachdem Decius (s. d.), sein College, sich fürs Vaterland geopfert hakte, die Schlacht am Vesuvius, und vernichtete die Trümmer des latinischen Heers, die dessen Feldherr Numisius ihm noch einmal entgegenstellte, in einer zweiten Schlacht bei Trifanum zwischen Sinuessa und Minturnä. Mann, s. Geschlecht. Manna nennt man den eingetrockneten, klebrigen, blaßgelben, durchsichtigen,schleimigsüßen Saft, welchen einige Gattungen der Esche im südlichen Europa, besonders in Kalabrien und Sicilien, liefern. In dem Oriente gibt es mehre Manna liefernde Gewächse, welche man zum Theil noch gar nicht genauer kennt. Das Manna der Israeliten, welches sie auf ihren Wanderungen in der arab. Wüste genossen, fällt zufolge der Entdeckung Ehrcnberg's in dessen „Szrmbolae pllz-sicse" (Fasc. I, 1823) aus den Spitzen eines Strauches (lamai-ix gallics wanoit'ers) auf die Erde und wird von den Arabern und Mönchen am Sinai gleich Honig zum Brote gegessen. Der Saft rührt von Schildinsekien (eoccms inonnijiarns) her, welche die äußersten Äste des Strauches bedecken und dieRinde Wies M noch schm Hirse Lehn seßm Fach terste Gyn und Heft «an und Van >78' I8l! (Lar gesch (2 2 Frrr hellu der ( bekai kung mit ihren Stichen durchbohren. Aus diesen Wunden fließt nach dem Regen ein Saft, der sich zu einem röthlichen Syrup verdickt. Auch in Afrika und, wie neuerlich bekannt i worden ist, in Neuholland gibt es Gewächse, welche Manna liefern. Das Manna von Briancon kommt vom gemeinen Lerchenbaume. Das Manna wird in der Medicin, von Schönfärbern und zur Tuch- und Seidenappretirung verwendet. Mannaschwingel oder Mannahirse ist eine Grasart, die besonders auf nassen (s-d- batet setzte seine Wer LNst Vor steig le Lar ung S°g zu pre lich Ec Si (s- du thi Mannbarkeit Mauoel 293 s.n>, >iÄ Wiese» und im Wasser wächst. Jung abgehauen, gewährt sie ein gutes Grünfutter fü» Pferde und Rindvieh. In Ungarn, Polen, Preußen und Hannover benutzt man außerdem Wr noch die Samenkörner zur Bereitung echter Mannagrühe, die nicht nur eine wohl- ilker, > schmeckende Nahrung gibt, sondern in Milch eingequellt, auch sehr sättigt. DenManna- »m Hirse lieben besonders die wilden Enten, weshalb er häufig in den Forsten angebaut wird. M Mannbarkeit, s. Pubertät. ld k- Mannen wird in den Quellen und Urkunden des Mittelalters gleichbedeutend mit i Vc- Lehnsleuten und Vasallen gebraucht. Namentlich hat sich das Wort in der Zusammen- »ki, sehung Mannengericht (siickicium puriuin) erhalten. (S. Lehnrecht.) Männerbund, s. Evergeten. itt, Männert (Konrad), ein verdientet Schriftsteller im historischen und geographischen !u,ä Fache, geb. am 17. Apr. 17 56 zu Altdorf, besuchte die Schule und Universität seiner Valins terstadt und kam 1784 als Lehrer an die Sebaldusschule und 1788 an das Egidinische tejil Gymnasium in Nürnberg. Im I. 1797 wurde er Professor der Philosophie zu Altdorf ie ,r und 1895 folgte er dem Rufe als ordentlicher Lehrer der Geschichte mit dem Titel eines Hy Hofraths an die Universität nach Landshut, wo er in ununterbrochener Wirksamkeit blieb, i, di, bis er bei der Aufhebung dieser Universität im I. 1826 nach München versetzt wurde, wo dm er am 27. Sept. 1834 starb. M. war ein gründlicher Historiker, der es mit der Benutzung scp und Sichtung der Quellen sehr gewissenhaft nahm. Hiervon zeugen seine „Geschichte der M» Vandalen" (Lpz. >785); „Geschichte der unmittelbaren Nachfolger Alexander's" (Lp;, kw! >787); „Compendium der deutschen Neichsgeschichte" (Nürnb. und Altd. l8u:i; 3.Aufl., äri> 1819); „Älteste Geschichte Bojariens" (Nürnb. und Sulzb. 1807); „Kaiser Ludwig IV." M (Landsh. >812); „Handbuch der alten Geschichte" (Berl. und Lpz. 1818); seine mit Liebe iM. ^ geschriebene „Geschichte Baierns" (2 Bde., Lpz. 1826); seine „Geschichte der Deutschen" dm (2 Bde., Stuttg. 1828—3<>) und seine „Geschichte der alten Deutschen, besonders der Franken" (Stuttg. > 829). Ein noch größeres Verdienst erwarb er sich jedoch durch Auf- My hellung der alten Geographie, welche er ruerst allein, dann mit Ukert in der „Geographie er er der Griechen und Römer" (19 Bde., Nürnb. >792—1825) bearbeitete. Viel zu wenig „m bekannt sind seine unter dem bescheidenen Titel „Miscellanea" herausgegebenen Bemer- che» kungen über Diplomatik (Nürnb. >793). Mir Mannszucht, im Allgemeinen gleichbedeutend mit der militairischen Disciplin xfer (s- d.), umfaßt nicht allein die Subordination, sondern auch das sittliche Betragen des Sol- l»u- baten. Strenger, augenblicklicher und unbedingter Gehorsam für jeden Befehl des Vorge- fürs setzten ist die Grundlage der Mannszucht, ohne welche weder das Heer im Ganzen noch in des seinen einzelnen Theilen bestehen kann. Da es jedoch unmöglich ist, für jedes vorkommcnde imr Verhältniß ein Gesetz zu geben, so muß der Soldat gewöhnt sein, auch da sich rechtlich und anständig zu betragen, wo sein Handeln dem eigenen Gefühl überlassen ist. Hat ihn sein Vorgesetzter auf den richtigen Weg gebracht und sein Ehrgefühl dahin berichtigt und ge- nig. steigert, daß er aus eigener Überzeugung das Unrecht meidet, so hat die Truppe eine gute a>a- Mannszucht. Sie ist im Kriege noch wichtiger als im Frieden, namentlich in Feindes chst, Land, bei anhaltendem Mangel, nach erbitterten Kämpfen u. s. w. Sie wird leicht durch ches ungerechte, harte Behandlung der Untergebenen von Seiten des Vorgesetzten gestört. Da- ung gegen hat es auch nicht an Vorgesetzten gefehlt, die sich dadurch die Liebe ihrer Soldaten ines , zu erwerben suchten, daß sie nicht auf so strenge Mannszucht hielten und besonders Er- und Pressungen jeder Art und Ercesse in Feindes Land duldeten; nie aber sind dadurch glückten liche Erfolge im Ganzen erreicht worden. nde Mannus nannten, wie Tacitus berichtet, die Germanen den Sohn des erdgeborcncn der Gottes Tuisco, den göttlichen Helden, den sie als Stammvater verehrten, und nach dessen ge> Söhnen die drei Zweige, in die sie sich theilten, die Jngävonen (s. d.), Jstävonen von (sid.)und Her minonen (s.d.) sich benannten. Das Wort Mannus selbst hängt, wie das von durch die Ableitungssilbe isk davon gebildete Wort M a nnis ko, d.i. Mensch, mit dem go- thischen „man", d.h. ich denke, zusammen, sodaß das letztere ein denkendes Wesen bedeutet, ssen Manoel (Don Francesco), der berühmteste Lyriker in der neuern portug. Literatur, geb. zu Lissabon 1734 , bildete sich anfangs für die Musik, wendete sich aber bald zur Lite- 294 Manoeuvre Manometer ratur und Poesie. Sein Talent wurde zuerst von Ausländern anerkannt, die er, als gH, voller Cicerone, nach dem Erdbeben von Lissabon >'55 in den Ruinen seiner VatersiM herumführte. Hieraus finge« auch die Portugiesen an, M.'s Gedichte zu lesen, und imn« höher stieg sein Ruf. Da machten seine Feinde aus Neid über sein Talent und über di, Achtung, in der er stand, seine Gesinnungen verdächtig, wozu sie in seinen Äußerung,, über Toleranz und Mönche und in der Übersetzung von Moliere's ,,'1'art»6e" den Steg fanden. ZmJ. 1718 vor die Inquisition gefodert, entwaffnete er den Diener derselbi«, der ihn festnehmen sollte,,und flüchtete sich nach Paris, das er seitdem nicht wieder »erlist. Der portug. Gesandte in Paris, Marquis de Marialva, sicherte ihm ein sorgenfreies An, Vorzüglich schätzt man seine Oden und die Übersetzung von Lafontaine'- Fabeln. Auch übersetzte er Wieland's „Oberon". Er starb am 25. Febr. 1819. Seine „Obrss com^. iss" gab er unter demNamen kilintn Llysin heraus (2.Aufl., 11 Bde., Par. >8 t8—IS), Manoeuvre nennt man die Verbindung taktischer Bewegungen zu einem Ganz,,, um sowol im Kriege wie im Frieden das wirkliche oder das Scheingefecht einzuleiten, «du das schon begonnene zu einem günstigen Resultate zu bringen. Die Manoeuvres körn« daher entweder von einer Truppengattung allein oder von mehren zusammen ausgefüchn werden; immer geschieht es jedoch durch größere Abtheilungen aus mehren Bataillonen cki Escadronen mit Batterien zusammengesetzt, wodurch sie sich von den Evolutionen ssi» unterscheiden, zu welchen lehtern die Auflösung der Linie zum Tirailliren oder Plankm, die Auf- und Abmärsche, Front - und Flügelveränderungen, die Stellungen en eebelim, en öcbiquier, die schräge Schlachtordnung u. s. w. gehören. Oft bedeutet Manoeuvre ir wciterm, strategischem Sinne diejenigen Märsche und Stellungen, durch welche derAriri bedroht, und auch ohne Gefecht zum Rückzüge gezwungen (wegmanoeuvrirt) wird. Vorzugsweise bezeichnet man indeß durch Manoeuvre diejenigen Truppenübungen im Fried,«,", welche ein Bild der im Kriege vorkommenden Verhältnisse geben sollen, um nicht allein di, Truppen, sondern vorzüglich ihre Führer in steter Übung des Urtheils und schnellen Er. schluffes zu erhalten. Je vollkommener hierbei das Jncinandcrgreifen aller Waffen siair findet, je ähnlicher das Bild den Verhältnissen des Ernstgefechtes wird, um so größer ist d Manoeuvrirfähigkeit der Truppen. Man theilt die Manoeuvres zuweilen in Sa und Feldmanoeuvres. Bei erster« wird vorher eine bestimmte Disposition ub>, ca Folgereihe der Momente und über Das, was in jedem derselben dargcstellt werden soll,,» theilt. Bei letzter« werden nur die vorausgesetzten allgemeinen Verhältnisse den Führm der Truppen mitgetheilt und ihnen die Ausführung nach eigenem Ermessen Überträge«. Da bei denManoeuvres nicht scharfgeschossen und eingehauen werden kann, obgleich Petn der Große zur Übung seiner Truppen auch diese Maßregel ergriffen haben soll, so sind man nichfach verkommende Unwahrscheinlichkeiten unvermeidlich, sodaß der Nutzen derMan» vres oft in Zweifel gezogen worden ist. Derselbe findet aber gewiß statt, wenn für streich Fälle Schiedsrichter bestimmt werden, die nicht blvs nach der Truppenzahl jedes Theilt sondern nach ihrer Stellung und dem vorangegangenen Feuer u. s. w. die Entscheidung ab- geben. Vorzüglich wichtig für die damalige Zeit waren die großen Manoeuvres, welch Friedrich II. nach dem Siebenjährigen Kriege bei Potsdam ausführen ließ. Im Seeweser versteht man unter Manoeuvre die vereinten Bewegungen der Schiffe einer Flotte, m dem Feinde entgegenzugehen, ihm den Wind abzugewinnen, im Treffen seine Schlacht ordnung zu durchbrechen, den Fliehenden zu verfolgen oder sich der Verfolgung des Sieger,, zu entziehen und dergleichen. Auch die verschiedenen Arbeiten auf dem Schiffe, welche di, Bewegungen desselben zum Zweck haben, z. B. die Handhabung der Taue und der Segel das Lichten der Anker, das Aussetzen eines Botes u. s. w., werden so genannt. Manometer heißt ein meteorologisches Instrument, dessen man sich bedient, die Et pansivkraft der atmosphärischen Luft und ihr specisisches Gewicht zu bestimmen. Es wurde von Otto von Guericke erfunden, zeigt die Zu- und Abnahme der Dichte der Luft an und besteht aus einer Wage, an der ein Gewicht von sehr dichtem Material mit einer hohlen, ' luftleeren Kugel bei der Mittlern Dichte der Lufö im Gleichgewicht steht. Sobald di, Luft dünner wird, muß die Kugel sinken, weil ihr Gewichtsverlust minder bedeutend wird, Mansard Mansfeld (Geschlecht) 295 als der ihres Gegengewichts; sobald die Luft dichter wird, muß sie aus ähnlichem Grunde steigen. Fouchy und Gerstner haben dieses Instrument bedeutend verbessert. Mansard (Jules Hardouin), franz. Baumeister, geh. zu Paris 16-15, machte sich zuerst bekannt durch den Bau des Schlosses von Clagny, welches er 168» vollendete, und erwarb sich frühzeitig das Vertrauen Ludwig's XI V., in dessen Diensten sein Vater als erster Hofmaler angestellt war. Seine Hauptbauten im Aufträge des Königs waren das Schloß in Versailles und der Dom der Invaliden, die Schlösser von Marly und Trianon, derVcn- dömeplatz und der Siegesplah, die Kirche Notre-Dame in Versailles u. s. w.; doch stand er nicht über seiner Zeit. Er starb als Generaldireckor aller königlichen ^Bauten zu Marly am > 1. Mai 1708. — Sein Oheim, Fra ne. M., geb. zu Paris 1598, gest. daselbst im Sept. 1666, war der Begründer der Kirche Val de Grace in Paris, deren vollständiger Bau ihm darum genommen wurde, weil er selten seinen Entwürfen treu blieb, sondern immer änderte. Er erfand die gebrochenen Dächer, die nach ihm Mansarden benannt wurden. (S. Dächer.) Mansfeld, früher eine Grafschaft des obersächsischen Kreises mit eigenen Grafen gleiches Namens, jetzt zum Regierungsbezirk Merseburg der preuß. Provinz Sachsen gehörig, umfaßt auf 20 LlM. gegen 6000» E., ist gebirgig und hat ansehnlichen Berg - und Hüttenbau. Auch gehören zu ihrem Areal die beiden Seen, der süße und der salzige, in welchem letztem bei dem Dorfe Nöbbelingen in neuerer Zeit eine Badeanstalt in einige Aufnahme gekommen ist. Gegenwärtig ist sie in die Kreise Mansfeldergebirgs-, ManSfeldersee-Kreis und Sangerhausen getheilt. Die vorzüglichsten Städte sind Mansfeld oder Thalmansfeld, Eis leben (s. d.) und Sangerhausen (s. d.). Die Stadt Mansfeld am Thalbache mit 1500C., die hauptsächlich beim Berg - und Hüttenbau und als Steinbrecher Beschäftigung finden, hat in ihrer Nähe die Ruinen des gleichnamigen Stamm- und Residenzschlosses der Grafen von Mansfeld (s. d.), das aber im Dreißigjährigen Kriege geschleift und von dem nur noch die Schloßkirche vorhanden ist. Die Grafschaft wurde als Magdeburger, Halberstädter und kursächs. Lehen, nachdem sie wegen tiefen Verschuldens der Grafen seit >570 von den Lehnsherren und deren Nachfolgern theilweise bis 1716, theilwcise bis 1780 fequestrirt worden war, in zuletzt gedachtem Jahre beim Erlöschen des Mannsstammes der Grafen von Mansfeld zwischen Preußen und Sachsen getheilt. Nachdem der preuß. Antheil 1807 zu dem neuen Königreich Westfalen geschlagen worden, wurde 1808 auch zumeist der sächs. an dasselbe abgetreten. Im1.1813 setzte sich Preußen wieder in Besitz seines früher besessenen Antheils und erhielt 1815 auch den ehemals sächs. Antheil. Mansfeld, eins der ältesten gräflichen Geschlechter in Deutschland, das von dem alten Schlosse Mansfeld (s. d.) in der gleichnamigen Grafschaft seinen Namen führte, gewann in dem mit der Erbtochter des letzten alten Grafen von M. verheiratheten Burkhard von Querfurt, Burggrafen von Magdeburg, im 1 ll.Jahrh. einen neuen Stifter seines Stammes. DieEnkelBurkhard's stifteten die LinienM. und Querfurt und imJ. >475 entstanden die vorderortische und die hinterortische, so genannt nach den von ihnen bewohnten Abtheilungen des Schlosses zu M. Die letztere erlosch > 666, nachdem sie sich zuvor noch in die mittelortische und hinterortische Linie getheilt; die vorderortische zerfiel durch die zahlreichen Kinder des Grafen Ernst's ll. in eine Menge Linien, von denen die eislebische oder protestantische l7U> erlosch, und die katholische oder born- städtische, welche die reichsfürstliche Würde erlangte, 1780 mit dem Fürsten Joseph Wenzel im Mannsstamm erlosch. Die Allodialgüter und der Name gingen in Folge der Vermählung der Tochter des letzten Fürsten an das Haus Colloredo über. (S. Collorcdo- Mansfe ld.) Unter den alten mansfeld. Grafen hatsich Hoyer, der 1115 in dem Treffen beim Welfesholze blieb, um den Kaiser Heinrich V. verdient gemacht. — Zur Zeit der Reformation war es Albrecht, der sich für Luther's Sache erklärte und als eine der vornehmsten Stützen der Protestanten in dem Religionskriege zu betrachten ist. — Des Vorigen Sohn Vollrath, gest. 1578, zeichnete sich als Krieger aus und rettete im Treffen von Montcontour durch seinen Rückzug einen Theil der deutschen Reiterei. — Peter Ernst, Statthalter von Luxemburg und Brüssel, erhielt den Titel eines Fürsten des röm. 296 Mansfield Reichs und starb l«0ä. — Karl, des Vorigen Sohn, that sich im flandr. und ung». Kriege hervor und starb 1685 ohne Nachkommen. — Ernst, des Letztem natürlich« i Bruder, geb. 1585, wurde von seinem Taufpathen, dem Erzherzog Ernst von Ostreich, in der katholischen Religion erzogen, und leistete nebst seinem Bruder Karl dem Könige von Spa- I men in den Niederlanden und dem Kaiser in Ungarn wichtige Dienste, daher ihn Kaiser Rudolf II. legitimirte. Weil man ihm aber die Würde seines Vaters und die Güter, die er in den Niederlanden besessen hatte, gegen das gegebene Versprechen vorenthielt, schlug « sich 1610 zu den protestantischen Fürsten, trat zur reformirten Kirche über und wurde einer der gefährlichsten Feinde des Hauses Ostreich. Dem Widerstande, den er und einige kleine Neichsfürsten leisteten, ist es wenigstens theilweise zuzuschreiben, daß Ostreichs Plan, ganz ' Deutschland zu unterjochen, vereitelt wurde. Er vereinigte sich 1618 mit den misvergnüg- ten Böhmen, denen er Truppen zuführte, focht lange in Böhmen und am Rhein für die Sache des geächteten Kurfürsten Friedrich's von der Pfalz, verwüstete besonders die Staaten geistlicher Fürsten und wurde wiederholt geschlagen, aber niemals überwunden. Mit engl, und sranz. Gelbe warb er 1625 ein Heer, mit welchem er in die östr. Erbstaaten dringen sollte. Bei Dessau am 25. Apr. 1626 von Wallenstein geschlagen, setzte er doch seinen Marsch bis Ungarn fort, um sich mit dem Fürsten von Siebenbürgen, Bethlen Gabor, zu vereinigen, entließ aber seine Truppen, als dieser seine Gesinnung änderte, und beabsichtigte, über Venedig nach England zu gehen, als er in einem Dorfe unweit Zara erkrankte und 1626 starb. M. gehörte zu den außerordentlichen Menschen und war einer der größten - Generale seiner Zeit. Niederlagen machten ihn nur um so furchtbarer; kühn trotzte er allen Gefahren und Beschwerden. Mit großem Verstände, der sich besonders in seinen Unter- > Handlungen zeigte, verband er eine hinreißende Beredtsamkeit und eine unerschöpfliche List. Den Cvndottieri der Italiener in frühem Zeiten nicht unähnlich, nährte er seine Truppe» ,, nach der Sitte des Jahrhunderts durch Raub und Plünderung; doch ging er keineswegs ^ darauf aus, sich zu bereichern, sondern blieb arm. Den letzten Augenblick seines Lebens er- - wartete er völlig gewaffnet und stehend, auf zwei seiner Adjutanten gestützt. - - Auch Wolfgang hatte an den Angelegenheiten des Dreißigjährigen Kriegs bedeutenden Antheil. Mansfield (Will. Murray, Graf von), ein ausgezeichneter brit. Rechtsgelehrtrr und Redner, der vierte Sohn des Viscount Stormont, stammte aus der berühmten schet. Familie Murray und wurde am 2. März l 785 zu Perth oder zu Scone geboren. Seine Bildung erhielt er auf der Universität zu Oxford. Nachdem er 1758 einige Monate Frankreich ' und Italien bereist hatte, kehrte er zurück und bereitete sich zum Sachwalter vor. Schon nach einigen Jahren hatte er sich als Advocat großes Ansehen erworben und mußte in einer Reihe berühmter Processe auftreten. Nachdem er >738 die Tochter des Grafen Winchclsea ge- heirathet, ernannte ihn die Regierung 1712 zum Generaladvocaten (sallicitor Feuers!) und zugleich trat er für Boroughbridge ins Parlament. Hier unterstützte er die Verwal- lung des Lord Bath und hatte unter Anderen den großen Chatham zum Gegner, der ihn als Rechtsgelehrten und Redner bewunderte. Im I. >7 56 wurde Murray Oberrichter der königlichen Bank (L-orck ckiefsustice), und gleichzeitig Pair und Baron von Mansfield, sechs Monate später aber Kanzler der Schatzkammer. Als solcher erhielt er auch Sitz im Cabinet. In dieser Stellung brachte er das Coälitionsministerium Fox und Chatham zu Stande, wodurch die Negierung im Kriege gegen Frankreich Energie erhielt. Am l 2. Sext. 1757 mußte er sein Schahkammeramt niederlegen. Später, im 1.1766, erhob ihn derKö- nig zum Grafen. Weil er im Sinne der Regierung für die Katholiken auftrat, zerstörte t ihm das Volk in dem Aufstande von 1788 (s. Gordon) seine Wohnung, wobei er aucheine kostbare Bibliothek verlor. Seines hohen Alters wegen legte er > 788 das Richtcramt nieder. Er starb bei vollen Geisteskräften, ohne Nachkommen, am 28. März 1 7 83 . M. be- ) saß Schärfe und Geistesklarheit, umfassende Rechtskenntnisse und unter andern Rednergaben eine unwiderstehliche Anmuth der Stimme. Seine Gegner, besonders der Verfasser der „Briefe des Junius", werfen ihm vor^ daß er jedes Mittel anwendete, um die Macht der Krone zu vermehren. Er unterdrückte das altsächs. Recht, mißachtete die Staatsgrund- gesetze und zog zu Gunsten des Despotismus das röm. Recht an, so oft ex konnte. Auch zeigte er sich als Feind der freien Presse und hielt bei Libellproeessen den jetzt nicht mehr gel- Mariso Mantegrra 297 senden Grundsatz fest, daß die Geschworenen nur über den Tatbestand, nicht über das Vergehen zu urtheilen hätten. In seinen politischen Ansichten war er ein Anhänger des Lord Bitte; auf das lebhafteste unterstützte er im Oberhause das feindselige Verfahren gegen die nordamerik. Colonien. Sein Leben gab Holliday (Lond. >797) heraus. Manso (Joh. Kasp. Friedr.). ein durch Neichthum des Wissens und der Reinheit des Strebens ausgezeichneter Humanist und um die wissenschastlicheBildung der Jugend hochverdienter Schulmann, geb. am 26. Mai >759 zu Blasienzell im Herzogthume Gotha, erhielt seine erste Bildung im väterlichen Hause und später auf dem Gymnasium zu Gotha und widmete sich dann in Jena den theologischen, philologischen und philosophischen Wissenschaften. Nachdem er hierauf einige Zeit die Stelle eines Hauslehrers zu Gotha bekleidet hatte, bekam er l 7 85 eine Collaboratur und bald darauf eine Professur an dem Gymnasium daselbst. Im I. >796 wurde er als Prorector an das Magdaleneum nach Breslau berufen, dessen oberste Leitung er nach drei Jahren übernahm und bis an seinen Tod, am 9. Juni 1826, rühmlichst führte. Während seines Aufenthalts in Gotha knüpfte er ein enges Freundschaftsbündniß mit dem ihm geistesverwandten Fr. Jacobs (s. d.) und in Breslau später mit Ga rv e (s. d.), dessen Briefwechsel er zugleich mit Schneider veröffentlichte. Sowie im Leben, so bewies M. auch in seiner schriftstellerischen Thätigkeit überall einen offenen und redlichen Sinn, große Wahrheitsliebe, Bescheidenheit und Anerkennung fremden Verdienstes. Unter seinen Bearbeitungen der alten Classiker nennen wir die des Meleager (Gotha 1789) und des Bion und Moschus nebst deutscher Übersetzung (Gotha 178-1; 2. Ausl., Lpz. 1897); unter den antiquarischen Schriften die „Versuche über einige Gegenstände aus der Mythologie der Griechen und Römer" (Lpz. >79-1), sowie viele das Alterthum erläuternde Aufsätze und Abhandlungen in den „Vermischten Schriften" (2 Bde., Lpz. 189 l) und den „Vermischten Abhandlungen und Aufsätzen" (Bresl. 1821); unter den deutschen, meist freier« Übertragungen die des Virgil „ Von der Landwirth- schast" (Jena 1783) und des „König Ödipus" von Sophokles (Gotha 1785). Ebenso empfehlen sich seine eigenen poetischen Erzeugnisse, besonders die „Kunst zu lieben" (Berl. >794), die „Epistel an Garve über die Verleumdung der Wissenschaften", und eine große Anzahl kleinerer Gedichte, die sich in den angeführten „Vermischten Schriften" befinden, durch Leichtigkeit und Eleganz der Darstellung. Vor allen aber verdienen wegen der Gründlichkeit in der Forschung, Klarheit und Wahrheitsliebe seine historischen Werke hervorgehoben zu werden, besonders „Sparta, ein Versuch zur Aufklärung der Geschichte und Verfassung dieses Staats" (3 Bde. in 5 Abthcil-, Lpz. -899—5); ferner das „öeben Kon- stantin's des Großen" (Bresl. > 817 ); sodann die anerkannt treffliche „Geschichte des preuß. Staats seitdem hubertusburgcr Frieden"(3 Bde., Franks. 1819—29; 2. Ausl., >835), und die „Geschichte des ostgoth. Reichs in Italien" (Bresl. 182 - 1 ). Vgl. Klug, „M. als Schulmann und Gelehrter" (Bresl. 1826), Passow, „Narrativ civ Alansvue" (Bresl. 1826, 4.) und Jacobs in den „Personalien" (Lpz. >849). Mantegna (Andrea), einer der berühmtesten altern Maler und Kupferstecher, geb. z» Padua 1431, wurde, nachdem er in seiner Jugend das Vieh gehütet hatte, wegen seines ausnehmenden Talents von seinem Lehrer Squarcione an Kindesstatt angenommen. Er übte sich vorzüglich im Zeichnen nach antiken Statuen und schon in seinem 17. Jahre malteer ein großes Ältarblatt in derKirche der heil. Sophia zu Padua. Doch sehr bald erregte er die Eifersucht und den Haß seines Meisters, namentlich auch deshalb, weil er sich mit der Toch- ter Giacomo Bellini's verheirathete, der Jenes Nebenbuhler war, und begab sich deshalb in den Dienst des Marchese Lodovico Gonzaga nach Mantua, wo er eine große Schule er- öffnete. Hier malte er seinen großen Triumph des Julius Cäsar. Die neun Cartons dazu in Aquarell verkaufte später der Herzog Vincentio ll. von Mantua an König Karl l. von England; unter Cromwell gingen sie für > 999 Pf.Stcrl. inPrivathände über, doch kamen sie nachher wieder an die Krone und sind gegenwärtig im Palaste Hamptoncourt ausgestellt. Vom Papst Jnnocenz VIII. nach Rom berufen, um im Belvedere zu malen, vollendete M. dort eine Menge trefflicher Bilder, die aber sehr selten sind. Eins seiner spätesten und vorzüglichsten ist die Madonna della Viktoria, auf welchem Gemälde er die Schutzheiligen von Mantua nebst dem Marchese Giov. Franc. Gonzaga abbildete, der dasselbe für 298 Mantel Mantua den Sieg, welchen er >t66 gegen das Heer Karl's VIII. von Frankreich crfockten, gelobt hatte. Ein anderes treffliches WcrkM.'s, die heilige Jungfrau mit dem Kinde, umgebe» ! von Engeln, und Darstellungen der Apostel und Heiligen, befindet sich, nachdem es, gleich ^ jenem, nach Paris gewandert, jetzt wieder in der Kirche des heil. Zeno zu Verona. Auch die Galerie in Dresden bewahrt von M. eine Verkündigung der Maria. Er starb l M zuMantua. M. ist der Hauptrepräsentant der paduanischen Schule, welche zuerst das Sw dium der Antike und zwar bis zur Einseitigkeit, mit Vernachlässigung des Naturstudiuml, zu ihrem Hauptprincip erhob. Demgemäß ist auch seine Auffassung mehr plastisch alt malerisch und seine Darstellung der Formen hart und scharf. Um die Gestalt der Figuren möglichst vollständig hervortreten zu lasse», ersetzte M. die großen, feierlichen Eewandmch ' sen durch eine Menge kleiner, geknitterter Falten. Sein Colorit ist meist etwas trocken. Ausgezeichnet war er auch als Kupferstecher und es werden seine Arbeiten, besonders wegen der vortrefflichen Zeichnung und ihrer Seltenheit, sehr theuer bezahlt. — Seine drei Söhne waren ebenfalls Maler und malten unter Anderm die Kapelle, in welcher der Vater begraben wurde. Unter seinen Schülern sind Correggio und Raibvlini die berühmtesten. Mantel, s. Envelvppe. Mantinea, eine im Alterthume nicht unbedeutende Stadt in Arkadien, anbei Grenze vonArgolis, wurde berühmt durch die Schlacht, welche die Thebaner hier im Z> 362 v- Chr. gegen die Spartaner lieferten, wobei der theban. Feldherr Epaminondal (s. d.) schwer verwundet und unter Todesschmerzen auf einem nördlich von der Stadt gell- genen Hügel den Ausgang des Gefechtes abwartete und hierauf verschied. Aus denTrüni' mern der Stadt, diePausanias noch in ziemlicher Menge vorfand, entstand zum Theil sxä> ter Tripolizza (s. d.). Eine Schilderung der Schlacht nebst einem Plane gibt Leake in den „Druvels in tbeNorerr" (Bd. 3, Lond. 1 836) und Boblaye in der „Lxpeciition zcicii- liüyue cle lbloree" (Par. I 836). Manto, eine Tochter des Sehers Tiresias aus Theben und selbst Seherin, wurde als die Epigonen Theben erobert, von diesen mit andern Kriegsgefangenen dem delph» schen Apollon geweiht. Dieser schickte sic wieder nach Kleinasien, wo sie sich mit demKrtta Rhakios, dem sic den Mopsos (s. d.) gebar, vermählte und das Hciligthum und Orals des klarischen Apollon unweit Kolophon gründete. — Manto, die Tochter des Herallst ebenfalls eine Seherin, soll von der Mantua den Namen bekommen haben. Mtpntua, ital. Nantovu, ein ehemaliges Herzogthun» in der Lombardei, bildet gl genwärtig mit Einschluß der kleinen Fürstenthümcr Castiglione und Solferino eine Pro> vinz des Gouvernements Mailand und zählt auf 27 UM. 266066 E. Das Land staub unter den Römern in hoher Blüte. Nach dem Untergänge des röm. Staats kam cs a» dir Gothen, dann an die Longobardcn, unter Karl dem Großen an das Fränkische und unter Otto dem Großen an das Deutsche Reich. Als kaiserliches Lehn kam es an die Este und an die Markgräfin Mathilde von Toscana, später an die Bonacorsi und gegen die Mn des >5. Jahrh. an die Gonzaga (s. d.). Der letzte Herzog, aus dem Hause Gonzaga Karl IV., vom Kaiser, weil er in dem span. Erbfolgckriege die franz. Partei ergriffen hatte 1765 in die Reichsacht erklärt, starb zu Padua l 768 ohne Erben. Seit dieser Zeit blist Ostreich in dem Besitze des Landes und vereinigte es >785 mit den mailänd. Landschaften/ uus denen es die östr. Lombardei bildete. Im I. 1767 wurde es zur Cisalpinischen Ne° publik, dann zur Italienischen Republik, 1865 zum Königreich*Jtalien geschlagen, aber wieder von E)streich in Besitz genommen und mit dem Lombardisch-venetian. König' j reiche vereinigt. — Die Hauptstadt des Herzogthums, Mantua, mit 25606 E., buch Natur und Kunst eine der stärksten Festungen in Europa, liegt auf einer Insel des Mincia, der hier zugleich einen Landsee bildet. Zu ihr gelangt man mittels zweier Dämme, die von zweiForts und andern aufgeworfenen Werken bestrichen werden können. Die Stadt selbstiß von einer starken Mauer umgeben und durch eine Citadelle gedeckt. Die Gassen sind imv breit und gerade und haben zum Theil schöne Häuser. Merkwürdige Gebäude sind die ehe malige Francistanerkirche, die vormalige Jesuitenkirche mit ihrem zur Sternwarte ei»gs' richteten Thurme, der alte herzogliche Palast (Palazzo Vecchio) und der Justizpalast, du Gebäude der 1625 gestifteten Universität, das Zeughaus, die Judcnsynagoge, der in Mantns Manuel (Iacq. Aut.) 269 stakt eines 1* erbaute Palast del Te und endlich das von Giulio Romano bewohnte Haus, in der Nähe des alten herzogliche» Palastes. Es besteht daselbst eine Akademie der Wissenschaften und Künste (Virj-ilianit), mit der eine Maler - und Bauakademie vereinigt sind. Fast in allen Kirchen und mehren der öffentlichen Gebäude finden sich Gemälde von Giulio Romano, Mantegna u. A. Vgl. Susani, ^>rns;»ett» »teile pitture, soiltnre, ar- ckitetture etc. 796 wurde sie von den Franzosen blockirt und erobert; >799 von den Östreichern unter Kray durch eine förmliche Belagerung denselben wieder entrissen, im Anfänge des Z. >801 aber von neuem ihnen übergeben. Nach dem pariser Frieden von 1813 räumten sie die Franzosen ohne Belagerung. Das nahe gelegene Dorf Pietola, ehemals Andes, ist der Geburtsort Virgil's.— Das sogenannte Mantu anisch e Gesäß, welches sich früher im herzoglichen Museum zuBraunschweig befand, war ein großer zu cinerCamee mit zwölf Figuren geschnitzter Onyx von 9 Z. Breite und 2'/r Z. Stärke im Durchmesser, der ein Gefäß von sehr gefälliger Form bildete. Die vollendete Arbeit stellte die Thesmophorien dar. Im 1.1630 wurde dieses überaus kostbare Gefäß bei der Plünderung M.s durch das kaiserliche Heer von einem Soldaten erbeutet, der es dem Herzoge Albrecht von Sachsen- Lauenburg, einem der Befehlshaber des Heers, für 100 Ducaten verkaufte, und durch Vermächtnisse kam es endlich an das Haus Braunschweig. Während des Kriegs von 1806 war es in England, nach Andern in Petersburg ; seit der Revolution im I. 1830 ist es abhanden gekommen. Mantus, ein unterirdischer tuskischer Gott, den und dessen Gattin jeder aus dem Leben Scheidende zu scheuen hatte, war wahrscheinlich eine Personification der Schrecknisse des Todes und der Unterwelt. Auf etruskischen Todtcnkisten wird er dargestellt in Gestalt eines vierschrötigen Mannes mitSatyrohren, gewöhnlich geflügelt, in hochgeschürzter Tunica, zuweilen mit einem Schwerte, fast immer mit einem Hammer versehen, und einen Tobten, der gewöhnlich verhüllt zu Pferde sitzt, abholend. Manual, im Allgemeinen so viel als Handbuch oder Memorial, heißt im Rechnungswesen dasjenige Buch, worin die Ausgaben und Einnahmen nicht nach chronologischer Ordnung, wie im Kassenbuche oderIournal (s. d.), sondern nach den Quellen und verschiedenen Zwecken (nach Titeln und Kapiteln) eingetragen werden. Manualacten oder Privatacten heißen die Proceßschriften, svwol die eigenen wie die gegenseitigen, welche der Sachwalter eines Processes aufzubewahren verbunden ist. Gehen etwa die gerichtlichen Acten durch irgend einen Zufall verloren, so werden sie unter Zuziehung der Parteien aus den Manualacten ergänzt. Der Sachwalter hat dieselben, wenn sein Auftrag beendigt ist, wäre es auch durch Zurücknahme, wenigstens nach der richtigem und des Sachwalters würdiger« Ansicht, nicht eher an die Partei herauszugeben, als bis er wegen seiner Gebühren und Auslagen befriedigt ist. Manuel (Iacq. Ant.), berühmt als franz. Kammermitglied während der Restauration, geb. zu Barcelonette am 10. Dec. 1775, war anfangs für den Handel bestimmt, trat >793 in die Armee, widmete sich aber, nachdem er schon den Grad eines Capikains erlangt, nach dem Frieden von Campo Formio der advocatorischen Laufbahn. Nicht ohne Erfolg wirkte er in dieser Eigenschaft erst zu Digne, dann am Apellhofe zu Aix. Als er während der Hundert Tage zum ersten Mal Paris besuchte, empfing er die Nachricht, daß ihn das Departement der nieder« Alpen in die Kammer gewählt habe. Zögernd nahm er diese Ehre an und beobachtete längere Zeit ein gänzliches Stillschweigen. Erst nach der Schlacht von Waterloo erhob er sich plötzlich und zeigte sich als großer Redner und kühner Patriot. „Dieser junge Mann", rief das alte Conventsmitglied Cambou aus, „fängt da an, wo Barnave aufhörte". Mit der zweiten Restauration beschloß M., sich in Paris niederzulasscn, wurde aber von der Advocatencorporation als ein liberaler Charakter von den Gerichtsverhandlungen ausgeschlossen. Obschon er sich hierdurch blos auf Privatconsultationen bc- rvo Manuel (Nicol.) Manuel (Pierre Louis) schränkt sah, gelangte er doch bald zu Ruf und ausgedehnter Praxis. Bei den Wahlen von 1818 wählte man ihn in dem Departement Finisterre und in derVendce zugleich. Er entschied sich für letztere und nahm in der Kammer seinen Sitz zur äußersten Linken. Hier zeigte er sich nicht nur als einen glühenden Vcrtheidiger konstitutioneller Rechte, sondern ergriff auch in allen Zweigen der Verwaltung das Wort und legte außerordentliche Kenntnisse an den Tag. Mit der Stärke und dem Haffe seiner Gegner wuchs seine Kühnheit, seine Festigkeit und Begeisterung. Schon oft hatte er sich das Ausfallen der Majorität zugezogen, und man wartete nur auf eine Gelegenheit, um sich seiner zu entledigen. Endlich bot sich dieselbe in der Sitzung von > 8.'3 bei den Verhandlungen über den Feldzug nach Spanien dar. Am I. März hielt M. eine feurige Rede, die einen maßlosen Tumult verursachte, weil die Ultras in seinen Worten eine Vertheidigung Derer, welche Ludwig XVI, zum Tode befördert, wahrnehmen wollten. Vergebens versicherte er seine monarchische Gesinnung und wiederholte die Phrase; er wurde zur Ordnung verwiesen, Am nächsten Tage schlug Labourdonnape seine Austreibung aus der Kammer vor, die am 3. März auch durchging. Dessenungeachtet erschien M., über diese Procedur empört, am -1. März auf seinem Sitze und erklärte dem Präsidenten, daß er nur der Gewalt weichen würde. Man rief einen Unteroffizier der wachhabenden Nationalgarde, Namens Mercier, herbei, der aber seine Hand nicht an den Deputaten legen wollte. Gendarmen mußten hierauf eintreteu, die ihn in der Thal aus dem Saale schleiften. Sämmtliche Mitglieder der Linken folgten, M. war weit entfernt, die brutale Gewaltthat, welche den Bourbons in der öffentlichen Meinung einen harten Schlag versetzte, für seine Person auszubeuten. Er zog sich ui- rück und starb am 20. Aug. > 827 zu Maisons. Seine Leiche, die man auf dem Kirchhofe Pere-Lachaise zu Paris bestattete, wurde von mehr als 10N000 Menschen begleitet, Manuel (Nicolaus), genannt Deutsch, Künstler, Staatsmann, Dichter und Soldat, wurde wahrscheinlich im 1.148-1 geboren. Man vermuthet, er sei der uneheliche Sohn eines vielleicht aus dem Süden stammenden Emanuel de Alamannis gewesen, aus defft» Namen er den seinigen entlehnt habe. Als Künstler scheint er in der kolmarerSchuleMar- tin Schön's seine Bildung empfangen zu haben; später, wahrscheinlich um >511, wurdet: für einige Zeit in Venedig Tizian's Schüler. In Bern angesiedelt, nahm er als Mitglied des Raths sowol an den ital. Feldzügen, wie an den reformatorischen Kämpfen derSchwei; einen thätigen Antheil. Bald nach dem Siege der Reformation in Bern starb er im I. 1530. Sein Hauptwerk, ein auf die Umfangsmauer der dortigen Dominicanerkirche gemalter Todentanz, ist nur noch in Copien vorhanden und unterscheidet sich in der Auffassung nicht wesentlich von ähnlichen Darstellungen in Basel, Lübeck und anderwärts; das bedeutendere Vorwalten der Landschaft deutet wol auf venetian. Einwirkung. Von seinen Ölgemälden und Zeichnungen finden sich die meisten in Bern und in Basel. Sein Stil hängt noch ganz deutlich mit der scharfen und strengen Formbezeichnung der kolmarer Schule zusammen; seine geistreiche Subjectivität aber macht sich geltend durch Heiterkeit der ganzen Darstellung und durch einen oft bizarren Humor. In den Zuthaten und in der Kleidung ist er bunt und überladen; den Modeprunk seiner Zeit beutet er oft bis ins Unerlaubte aus. Vgl. Grüneiscn, „Nie. M." (Stuttg. und Tüb. l 837). Manuel (Pierre Louis), franz. Conventsdeputirter und Revolutionsmann, geb. 1751 zu Montargis, lebte nach vollendeten Studien als Hauslehrer und Schriftsteller zu Paris und gerieth wegen eines gegen Geistlichkeit und Regierung gerichteten Pamphlets in die Bastille. Wider in Freiheit gesetzt, wendete er sich mit Leidenschaft der ausbrecheuden Revolution zu. Schon nach den Ereignissen vom Juli l 780 trat er in den provisorischen Gemeinderath von Paris, an dessen Spitze Bai lly (s. d.) stand. Hierdurch erhielt er Gelegenheit, aus den Papieren der Policei die Schrift „lll,u polics cievniiee" (2 Bde., Par. 1791) abzufaffen, die große Abscheulichkeiten aufdcckte. Als eifriger Jakobiner würbe er gegen daS Ende des I. 1791 Gemeindeprocurator, während Petion (s. d.) das Amt des Maire versah. In dieser Stellung betheiligte er sich gewaltig am Umstürze des Thrones und leitete die Unruhen vom 20. Juni und 10. Aug. 1792. Nach der letzter» Katastrophe mußte er den König in den Templethurm schaffen, wobei er sich einer förmlichen Einkerkerung desselben vergebens widersetzte. Vielleicht mit Unrecht beschuldigten ihn seine Feinde Manufakturen Manuskripte 901 der Anstiftung und Theilnahme der Septembergreuel. Gewiß ist es, daß «r viele angesehene Personen rettete und später vom Convent verlangte, man möchte die während der Metzelei Entwichenen nicht als Emigranten betrachten. Von der Hauptstadt in den Convent gesendet, verlor er seine Popularität, indem er vorschlug, daß der Präsident in denTuilerien wohnen solle. Am 7. Oct. 1792 mußte er Ludwig XVI. die Errichtung der Republik eröffnen und denselben der äußern Zeichen der königlichen Würde entkleiden, was er ohne Roheit vollzog. Seitdem handelre er merkwürdigerweise stets im Interesse des unglücklichen Monarchen. Bei der Abstimmung über dessen Verurtheilung drang er auf Ein- spcrrung und äußerte in der Verhandlung über die Appellation ans Volk: „Das Recht über Leben und Tod gehört der Natur; der Despotismus hat ihr das Recht genommen, aber das Volk wird es ihr wiedergebcn". Von der Bergpartei desBetruges bei Einsammlung der Stimmen beschuldigt, wurde er auf der Stelle infam erklärt und mußte den Convent unter Mishandlungen verlassen. Er ging nach Monturgis, wo er im März 1793 von einer wüthenden Rotte fast todt geschlagen wurde. Im Aug. ließ ihn der Convent verhaften und nach Paris bringen. Zuvörderst mußte er im Processe der Königin als Zeuge äuftreteu, wobei er sich rücksichtsvoll und edel benahm, obgleich das Beil auch über seinem Haupte schwebte. Am 12. Nov. stellte man ihn selbst vor Gericht, beschuldigte ihn, der Urheber der Septembergrcuel gewesen zu sein, legte ihm aber auch zur Last, daß er mehre Schlachtopfer gerettet habe. Er wurde zum Tode verurtheilt und am 16. Nov. 1793 hingerichtet. Seine Schriften sind ohne Bedeutung. Ohne Erlaubniß der Betheiligten gab er auch die „I^ottres cls Alirabean ü 8nz,in6" slBde., Par. 1792) heraus. Manufakturen, s. Fabriken. Manumifsion hieß bei den Römern die feierliche Handlung, durch welche ein Sklave freigelassen wurde. (S. Freilassung.) Manuskripte oder Handsch riften (eociices) sind ein Hauptgegenstand der Diplomatik (s. d.). Alle noch vorhandene alte Manuscripte sind entweder auf Pergament oder Papier geschrieben. Das Papier ist theils ägyptisches, aus der eigentlichen Papyrusstaude verfertigtes, dessen Gebrauch zu Handschriften im Abendlande schon mit dem 9. Jahrh. aufhörte, theils Baumwollen- oder Seidenpapier (Ll>i»rt-> Kvmli^ciim), um 796 n. Chr. im Orient erfunden, das bis zur Einführung des Linnenpapiers und neben diesem noch bis in die Mitte des 13. Jahrh. gebraucht wurde, theils endlich Linnenpapier, dessen Erfindung man in das > 3. oder 13. Jahrh. seht, jenachdem man sich auf eine auf solches geschriebene Urkunde Kaiser Friedrich's II. von !2i3 oder auf andere derartige Urkunden von 1399, I3I I, >318 u. s. w. stützt. Schreibfedern werden zuerst im 7. Jahrh. erwähnt. Von Tinten war die schwarze die gewöhnlichste. Sie bestand gewöhnlich aus Ofenschwärze, Nuß von Harz und Pech, gebranntem Elfenbein, geriebenen Kohlen u. s. w. und war in der frühesten Zeit nicht mit Vitriol versetzt. Auch rothe (rubr»,») Tinte von einer blendenden Schönheit, findet man schon in sehr alten Handschriften. Mit ihr wurden die Anfangsbuchstaben, die ersten Zeilen und die Jnhaltsanzeigen geschrieben, daher die Ausdrücke Rubrum (s. d.), Rubrik und Rubricator. Seltener kommt in alten Handschriften blaue Tinte vor; noch seltener grüne und gelbe. Auch mit Gold und Silber schrieb man entweder ganze Handschriften, die jedoch wegen ihrer Kostbarkeit unter die größten Seltenheiten gehören, oder belegte die Anfangsbuchstaben damit. In Ansehung der äußern Gestalt theilen sich die Manuscripte in Rollen (volumina), die älteste Art, und in geheftete Bücher oder Bände, die eigentlichen collive«. (S. Codex.) Die Schreiber der Manuscripte (scriliue oder librarii) waren bei den Alten meist Freigelassene oder Sklaven, in den folgenden Zeiten die Mönche, unter welchen vorzüglich die Bcnedictiner durch ihre Ordensregel dazu verpflichtet waren. Korrektoren und Nubricatoren besserten und schmückten nachher die Handschriften aus. Von weit größerer Wichtigkeit als diese äußern Umstände und Merkmale sind für die Beurtheilung des Alters, Werthes u. s. w. einer Handschrift die innern, und namentlich die Züge der Schrift und der Buchstaben, mit denen sie geschrieben sind. Noch immer hat für diesen Theil der Handschristenkunde Walther's „17>6xic«u eliplomsliciim", (3 Bde., Gört. >732—17, Fol.) einen entschiedenen Werth, sowie zur Beurtheilung des Alters griech. Manuscripte nach den Schriftzügen Montfaucon s „kalaeoArapiiii," ein 302 Manutins unentbehrliches Hülfsmittel ist. Das Alter griech. Handschriften läßt sich aus den Schrift- > zügen schwerer bestimmen als das der lateinischen. Im Allgemeinen ist zu bemerken, daß > die Züge einer griech. Handschrift desto leichter, gefälliger und flüchtiger sind, je älter sie ist, I daß sie aber im Fortgehen der Jahrhunderte immer steifer werden. Der Mangel oder das I Dasein der grieck. Accente entscheidet nichts. Übrigens wird man nicht leicht ältere griech. ! Handschriften als aus dem 7., höchstens t». Jahrh. sinken. Die Schriftzüge der lat. Manu- I scripte hat man theils nach derGröße oderKleinheitderselben (Majuskeln oderMinuskeln) theils nach der verschiedenen Gestalt und dem Charakter, welche sie bei verschiedenen Völkern oder in gewissen Zeiträumen annahmen (scrhUnri» i c>n>. nntiqua, merovingica, longn- barclic», cnroliligicn etc., wozu seit dem 12. Jahrh. die sogenannte gothische kam, welches eine künstlich abgeschärfte und eckige Minuskel ist), cingetheilt, und bei jeder dieser Schriftarten wieder Regeln festgestellt, nach welchen man das Alter einer Handschrift beurtheilen kann. Vor dem 8. Jahrh. wird man selten Interpunktionen antreffen; doch kommen auch nach einzeführter Punctation aus dem > 3. und den folgenden Jahrhunderten noch Manu- scripte ohne Znterpunction, aber mit Absehen der Worte vor. Handschriften, die keim Capitel- oder andere Abtheilungen haben, sind immer alt. Der sogenannte Custos oder die Wiederholung des ersten Worts des folgenden Hefts am Ende des vorhergehenden gehört in das 12. und in spätere Jahrhunderte. Je wenigere und leichtere Abbreviaturen eine Handschrift hat, desto älter ist sie. In den ältesten Handschriften hängen die Worte gewöhnlich ohne alle Abtheilung ununterbrochen aneinander; erst seit dem 9. Jahrh. ist das Äbtheilen der Worte allgemein geworden. Auch die Gestalt der arab. Ziffern, welche man zuerst in Manuskripten aus dem Anfänge des >2. Jahrh. findet, trägt zur Beur kheilung des Alters einer Handschrift bei. Manche Manuscripte haben am Ende eine deutliche Bestimmung, wann, gewöhnlich auch, durch wen sie geschrieben worden sind, und mau j nennt sie deshalb dakirte Codices. Doch muß man die Richtigkeit dieser Unterschriften Mt gleich für erwiesen annehmen, da sie oft blos die Abfassung des Buchs anzeigen oder sich j nur auf einen Theil der Handschrift beziehen, oder auch ganz erdichtet sind. Ebenso wenig i darf man aus denselben immer aus das Alter der Handschriften mit Bestimmtheit schließen, da spätere Abschreiber oft derartige Notizen aus den Originalen, welche sie vor sich hatten, copirten. Mit Gewißheit läßt sich annehmen, daß keine aller bekannten Handschriften über das erste christliche Jahrhundert hinausreicht. Das > 82,5 auf der Insel Elephantine in Ober- ägyplen von einem für Sir Joseph Banks reisenden Franzosen aufgefundene Fragment , der „Jliade", aufPapyrus in Capitalbuchstaben schön geschrieben, dürfte unstreitig das älteste aller classischen Bücher sein rmd wahrscheinlich ans den Zeiten der Ptolemäer stammen. Abgeschabte und neu überschriebene Handschriften (cnclices rescripti odec rnsi) nennt man Pa limpsestenss.d.). Vgl.Pfeiffer, „ÜberBücherhandschriften überhaupt" (Erl. >810); Ebert, „Handschristenkunde" (2 Bde., Lpz. >825—27), und Hoffmann, „Handschristenkunde für Deutschland" (Bresl. >831). Manutius (Aldus), ital. Manuzio, Manuzzi oderManucci, auch Aldus der Ältere genannt, geb. > 33«; zu Bassano, studirt« hier, zu Ferrara und in Nom, weshalb er sich den Beinamen Rom anus gab, und wurde dann Erzieher des jungen Fürsten zu Carpi, Albertus Pius, der ihm neben andern Gunstbezeigungen den Beinamen Pius ertheilte; hierauf begab er sich >382 nach Mirandola. Erst im männlichen Alter studirte er das Griechische zu Verona, worauf er > 388 in Venedig eine Druckerei anlegte. Er ver- vollkommnete die Buchdruckerkunst ungemein, schaffte die bisher gebräuchliche Mönchs- , scbrift ab, führte die sogenannte Antiqua ein, erfand die Cursiv, verbesserte die Unterscheidungszeichen und gebrauchte zuerst das Kolon und Semikolon. Auch ließ er sich sehr ange-^ legen sein, nicht nur einfach schöne und correcte, sondern gute Texte zu drucken. Zudem Ende unterhielt er in seinem Hause eine gelehrte Gesellschaft, in welcher über die abzudruckenden Schriftsteller und über die Verbesserung des Textes gesprochen wurde. Seine ersten griech. Drucke waren die griech. Grammatik von Konstantin Laskaris und das Gedicht des Musäus (1394). Überhaupt verdanken wir ihm 28 c> reden zu mehren Schriftstellern, bemerkenswerth die „Institution«^ Zrawwaticas Zrseck Manzoni Mäonien 303 (1515,4.); das „Oictiouariiim graoc." (1497, und Bas. 1519 und oft., Fol.); „Insti- tutionos graeco-Iat." (1501 und 1508, 4.) und die „Introckuctio perdrevis o<> dedr. linAiurm" (zuerst mit Laskaris' Grammatik 1501,-1.). Vorzüglich sind seine Pergamentdrucke, namentlich ist die Schwärze vortrefflich. Die Päpste Julius II. und Leo X. unterstützten ihn durch Privilegien. Er starb am 6. Febr. 15 l 0 an den Wunden, welche ihm drei Meuchelmörder beigebracht hatten. — Sein dritter Sohn, Paulus M., geb. zu Venedig am 6. Apr. >512, studirte besonders die lat. Sprache, die er vortrefflich schrieb, hatte in Rom die Aufsicht über die apostolische Druckerei (die t^>ogra;>Kia?io-Nan»tiana) beim Druck der Kirchenväter und wurde auch bei der vaticanischen Bibliothek gebraucht. Er besorgte seit >533 seines Vaters Buchdruckerei, nachdem sie eine Zeit lang geschlossen gewesen war, und übernahm sie >540. Auf die Einladung des Papstes Gregor's XIII. ging er abermals nach Nom, wo er 1573 starb. Seine Ausgaben griech. und röm. Klassiker, besonders der Werke des Cicero, sind hochgeschätzt, und unter seinen eigenen Schriften zeichnen sich namentlich seine „kiiiistolos ei ;>raelatione8" (1558 und oft.) aus. — Aldus M. der Jüngere, der Sohn des Vorigen, geb. am 28. Oct. 15-17, schrieb bereits in seinem 1-1. Jahre eine Abhandlung über die lat. Orthographie. Später lehrte er die alten Sprachen zuVenedig, Bologna, Pisa und Rom, und starb daselbst 1597 sehr arm, nachdem er die väterliche Buchdruckerei eine Zeit lang fortgeführt, dann aber verkauft hatte. Noch in seinem Todesjahre hatte ihm Clemens VIII. die Leitung der l^pograplüa Vaticana übertragen. Mit ihm erlosch der Ruhm der Aldinischen Presse. Man hat von ihm Anmerkungen zum Vellejus Paterculus, Horaz, Sallust und Eutrop und mehre Abhandlungen über röm. Alterthümer, welche sich in Grävius' und Sallengre's „Ttiesaurus" finden. Das Zeichen der von den Manutiern gedruckten Bücher ist ein Anker, um den sich ein Delphin schlingt, bisweilen mit der Beischrift : 8u68e 827, von Leßmann, 3 Bde., Berl. 1827—28), worin in einer schönen Sprache das lombard. Bauernleben in der Geschichte des Seidenwebers Renzo vom Comersee geschildert wird. Diese Dichtung erschien neuerdings von M. selbst im Stile vielfältig nmgearbeitet (3 Bde., Mail. >842) mit einem Anhänge „8toria clell» (7olonna infame", worin M. in Beziehung auf denjenigen Theil seines Romans, welcher von der Pest in Mailand im I. 1630 handelt, die Richter in jener Sache des Justizmordes anklagt und, als würdiger Enkel Becearia's, gegen die Tortur, die in Italien noch nicht völlig abgeschafft ist, kämpft. Seit vielen Jahren lebt M. in tiefer Abgeschiedenheit nur seiner Familie und seinen christlichen Betrachtungen als eifriger und strenger Katholik. Von dieser seiner Richtung zeugen seine „O^ervamoni s»»a morale cattolica" (Flor. 1835; deutsch von Anspach, Köln 1835). Seine „Opere" wurden mit kritischen Bemerkungen herausgegeben von Nie. Tommasco (5 Bde., Flor. 1828—29). Mäonide, eigentlich ein Bewohner von Mäonien (s. d.) oder Lydien, wurde von den Alten vorzugsweise Homer genannt, weil Einige Kolophon, das früher zu Lydien gehörte, für dessen Vaterstadt hielten, während Andere, wie Lucian, diese Benennung von Mäon, dem Vater des Homer, ableiteten.— Später bezeichnetc man mit Mäonidcn die Musen überhaupt. Müonien war ursprünglich eine Landschaft in Lydien, galt aber dann überhaupt für die ältere Benennung vonLydien (s. d.). Maranon Mapprrungsrunst Mappirnngskunst, (.Landkarten. Mara (Gertrude Elisabeth), geborene Schmehling, eine berühmte Sängerin, wurde am 23. Febr. 1739 zu Kassel geboren, wo ihr Vater Stadtmusiker war, unter dessen An. leitung sie die Geige so fertig spielen lernte, daß sic schon in ihrem neunten Jahre in Wien Concerte geben und im zehnten in London vor der Königin spielen konnte. Auf Anrathen einer Hofdame legte sie die Geige bei Seite und nahm Gesangsunterricht bei dem Sopranisten Paradisi, der sie so weit brachte, daß sie im 13. Jahre als Sängerin-bei Hofe sich hi. ren lassen konnte. Im 1.1766 kam sie nach Leipzig, wo sie, von Hiller unterwiesen, bei de,» sogenannten Großen Cvncert als erste Sängerin bald allgemein bewundert wurde und sich zugleich zur Virtuosin auf dem Clavier ausbildete. Kaum hatte sie Friedrich ll. 177V einmal gehört, als er sie sogleich mit 3000 Thlr. Gehalt in Berlin anstellte, wo sie mit dem Virtuosen Concialini um den Preis eiferte und neben diesem und unter Porpora's Anleitung sich als Sängerin und Schauspielerin bildete. Doch durch ihre Verbindung mit dem Violoncellisten I o s. Mara imI. >773 verwickelte sie sich in unzählige Verdrießlichkeiten, wurde >780 von dem Könige im höchsten Unwillen entlassen und ging hierauf wieder nach Leipzig, >782 nach Wien und von da nach Paris, wo sie erste Concertsängerin der Königin wurde. JmJ. 1781 war sie wieder in London, wo sie mit dem höchsten Enthusiasmus ausgenommen wurde und im Winter >785 und 1786 am Operntheater angestellt war. N einstimmig die Lobeserhebungen über ihre Kunst, so groß waren die Klagen über ihren Eigensinn. Hierauf machte sie Kunstreisen in Italien, Frankreich, Deutschland und Rußland bis Moskau, wo sie, nach dem Tode ihres längst von ihr getrennten ManneS'sgcst. >8«>S) ihren bisherigen Begleiter, Florio, geheirathet haben soll. Als sie durch den Brand von Moskau >8>2 ihr ganzes Vermögen verloren hatte, ging sie nach Neval und gab daselbß Unterricht. JmJ. 1819 besuchte sie England und >821 Deutschland. In Neval starb jik am 2V. Jan. >833. Ihr Ruhm gründete sich nicht blos auf die Stärke und Fülle ihres Tons und auf den außerordentlichen Umfang ihrer Stimme, sondern auch auf die bewundernswürdige Leichtigkeit, Schnelligkeit und Rundung, womit sie die schwierigsten Passagen vortrug, sowie auf ihren einfachen und hinreißenden Ausdruck im Adagio. Vorzüglich berühmt war ihr Vortrag Händel'schcr Arien. Mära, die Tochter des Prötos und der Antcia, der Gefährtin der Artemis, wurdt von dieser erschossen, als sie mit Zeus den Lokros gezeugt hatte. — Mära hieß auch die Tochter des Atlas und Gemahlin des Tegeates, des Sohnes des Lykao». Ihr Grabmal zeigte man zu Legea und zu Mantinea. Nach Pausanias war sie Dieselbe, deren Schatten Odysseus im Hades sah. Marabufedern, ein Modeartikel, heißen die schönen flaumartigen langen Federn vom Marabustorch, der in Indien heilig gehalten und seiner Federn wegen als Haus- vogel aufgezogen wird, und vom Argulareiher, der ebenfalls in Indien heimisch ist. Du sie in sehr hohem Preise stehen, so werden sie häufig aus Truthahnsfedern nachgemacht. Marabut, s. Morabiten Maranon, der größte Fluß der Erde, entspringt unter l2° südl. Br. aus dem See Llauricocha auf den Andes von Peru, 12000 F. über dem Meere, läuft anfangs nördlich, wendet bei Jaen sich östlich, wird bald darauf schiffbar und nimmt außer viele» andern Seitenströmen den in Bolivia viel südlicher entspringenden Ucayale auf. der daher bisweilen als eigentlicher Quellenfluß betrachtet worden ist. Er heißt vonTabatingabisRio negro Solimoens, weiter hinab Amazonenstrom, und fällt fast unter dem Äquator mittels einer 35 M. breiten Hauptmündung in das Atlantische Meer. Alle von dem östlichen Abhange der Andes von Pasto bis Cochabamba, von der Nordseitc der Gebirge von Matte grosso und Minas, und von dem Westabfallc Guyanas herabfließende Gewässer finden früher oder später Ausnahme in diesen Niesenstrom, der an 500 M. lang, bis an die Andes schiffbar, die herrlichsten und fruchtbarsten, meist aber unbewohnten Länder Südamerikas durchschneidet, und in spätern Zeiten für jenen Welttheil noch weit größere Wichtigkeit erlangen wird, als der Missisippi für den nördlichen Continent. Entdeckt wurde der Ma> ranon durch Pinzon >198, und zuerst befahren bis an seine Mündung von Orellana!m 1 A cu le! di er ll, ihi na du all lic A lägt L L sti M de du in ve de Cl du sei Iw L al ne de b< I kr h> h.' U ü E C b, r, d I. 1511, dann von Aeuna, in der Mitte des 18. Jahrh. von Condamine, 1820 von Spix Marasmus Marat 305 Mid Martins bis Tabatinga, 1831—32 von Poppig von dc» Andes bis Para, 1829 von Mw und >633 vonSmyth, welche öicisende mehr oder minder umfängliche Berichte über jene Fahrt veröffentlicht hoben. Marasmus, s. Atrophic . Marasquino oder Maraschino, ein feiner ital. Ligilenr, wird von zerstoßenen sauren Kirschkernen und Branntwein abgcwgcu. Am bekanntesten sind der 3luriux,„i»» .»!-- duiiiws ,Ie IV-eluva;;«-", Par. >792 und oft.) erscheine» ließ. Ein anderes Werk „Ile »>> «In-- ;>ri,>»>.< >>>.< »>>- l'i»- tliieiwe! >lo l'üino 5»r Io c»r;>>> 1» c>»-z>,< sur I'ÜIUN" s3 Bdc., Amst. I 773 l verwickelte ihn in einen langen Streit mit Voltaire und dessen Partei. In dieser Zeit veröffentlichte er nacheinander mehre physikalische Schriften über das Feuer, das Licht und die Eleknicilät, durch welche er Newton widerlegen und die Wissenschaft umgcstalten wollte. Er ließ sich als Arzt zu Paris nieder; allein sein stürmischer Geist, seine Paradoxie nnd große Eigenliebe brachten ihn bei aller verzehrenden Thätigkcit um jeden Erfolg. Endlich erhielt er eine Anstellung als Stallarzt beim Grafen von Artois. Beim Ausbruch der Neoolutiou, die er längst im Innersten ersehnt, zeigte er sich sogleich als wilden Demagogen. Von kleinem, grotesken Äußern, mit scharf markirtcm Gesicht und wildem Blick, mischte er sich uurer das Volk und brachte durch seine zügellosen Reden bald eine lächerliche, bald eine furchtbare Wirkung hervor. Sein Einstuß auf die niedere Classe, deren Ton er zu treffen verstand, stieg, alS er mit dem >2. Dec. 1789 den „Ouülicisto >>nrizioi>" herausgab, den er einige Monate später in ,,/Vmi »I» ;>e»>>Io" nmwandcltc. In diesem Volksblatt, daS er am Abend der Menge in Person vorlas, verbreitete er die tollsten Gerüchte und denuncirke den Hof, die Minister nnd die Nationalversammlung unaufhörlich. Schon im Aug. 1789 schrieb er in einem andern Blatte, man müsse 809 Bäume im Garten der Tuilerirn i» 8»o Galgen verwandeln nnd ebenso viele Dcputirtc, an deren Spitze Mirabeau, aufhängcn. Danton, der M. als Werkzeug gebrauchen wollte, suchte seine Bekanntschaft und brachte ihn in den Club der CordclicrS. Keineswegs durch Ehrgeiz, sondern vielmehr durch das Geräusch und die Unordnung gefährlich, die er um sich verbreitete, befahl der Siadrrakh im Ja». > > 90 seine Verhaftung. M. verbarg sich in den Kellern der Cordclicrs, wo er sein Blatt redi- girte, und wagte sich erst nach dem Fluchtversuch des Königs wieder a» die Öffentlichkeit. Während der Gesetzgebenden Versammlung griff er, außer den wütkendsien Jakobinern, alle Parteien, besonders die Girondisten (s-d.), an, die er spöttisch die Staatsmänner nannte. Guadct foderte deshalb ein Anklagcdecrct, zu dem sich die Jakobiner erst verstau, de», als man auch den Proceß gegen den Abbe Noyou, den Redakteur deS „3,„, >0, r„st-, bewilligte. M. versteckte sich wieder bei den Cordelicrs; nach dcrKaiastrophc vom l u. Aug. >792 zeigte er sich aber sogleich und erneuerte seine Agitation mit schnaubender Wuth. Er trat jetzt förmlich in die Dienste Danton's, der Justizministcr geworden, und verfolgte sehr heftig den Minister Noland, der seine publieistischc Thätigkcit nicht mit Geld unterstützt hatte. Als sich im Schösse deS revolutionaircn Eemcinderarhs der berüchtigte Ausschuß zur Überwachung der Vcrräthcr bildete, ließ sich M. aus persönlicher Autorität aufnchmen und übte auf die Bcrathungcn, welche den Scxtcmbergreuclu vvrangingcn, den entschiedensten Einfluß. Auch Unterzeichnete er das Circular, welches die Departements zu äbnlicbcn Greueln und zur Ausrottung der Vcrräther auffodcrte. Unter den Dolchen der Sc.kem- bermanncr wurde M. in den Convent gewählt, wo er sich noch wilder und blutdürstiger zeigte, als in seiner Zeitschrift, die er seil dem 21. Dept. 1792 ,,.I,»,rn:>l >lv lu i'ö>>u>ilii,ue lriiny." nannte. Indessen nahm ihn der Convent sehr schlecht auf; Niemand wollte neben dem Scpkcmbristcn sitzen, und wenn er sprach, erhob sich ein Tumult. Die Eirendislen Conv.-Lex. Neunte Aust. IX. 20 Marar Louvet und Nebecqui klagten ihn in den ersten Tagen an, daß er zu Gunsten Nobespierre's die Diktatur vorgeschlagen habe. M. leugnete dies nicht; behauptete aber, daß diese Dicke- , tur nur einige Tage dauern dürfte, während im Gegentheil Frankreich 5V Jahre hindurch I unter der Anarchie des Convents zittern würde. Auch machte er geltend, daß sein Diktator l fortwährend eine große eiserne Kugel am Bein nachschleppen sollte, damit er sich nie dm Bereiche der Volksjustiz entziehen könnte. Endlich ließ man auf Vorlesung einer später» Nummer seiner Zeitschrift die Anklage fallen, und M. zog ein Pistol aus der Tasche und erklärte, daß er sich aufder Tribüne den Tod gegeben haben würde, hätte man ihn in derThak verhaften wollen. Durch die Straflosigkeit kühner gemacht, beschuldigte er am 18. Dea Dumouriez, daß derselbe die Patrioten, die zur Armee gegangenen Septembermänner, mmh- willig dem Feinde geopfert habe. Einige Tage später'foderte er in seiner Zeitschrift das Opfer von 279NW Köpfen, und als man ihn im Convent zur Rede stellte, meinte er, wenn man ihm diese verweigere, werde er mehr fodern. Während des Protestes des Königs, für dessen schleunige Hinrichtung er stimmte, rief er dem Volke in seinem Blatte zu: „Schlachtet, schlachtet 299099 Anhänger des alten Regiments und reducirt den Convent aufdas Viertel". Diese und andere Übertreibungen brachten in den Versammlungen im Jan. l793 furchtbare Scenen zuwege; der Convent heulte und pochte, wenn M. sprach, du Tribunen donnerten Beifall. Am 26. Febr. versuchten die Girondisten vergebens, gegen M. ein Anklagedecret zu erlangen, weil er den Pöbel zur Plünderung der Kaufläden anf- gereizt hatte. Er denuncirte hierauf alle Generale, schlug die Erneuerung der September- greuel vor und brachte im Apr. das furchtbare Gesetz gegen die Verdächtigen zu Standk, auf welches in Frankreich 499999 Menschen eingekerkert wurden. Im März unterzeichnet! er endlich als Präsident des Jakobinerclubs eine Adresse an das Volk, in welcher dasselbe zum Aufstande und zur Ermordung der Verräther, der Girondisten, aufgefodert wurde Dieser Schritt erregte selbst den Unwillen der Bergpartei; auf Lacroix's Antrag mußte M. vor dem Nevolutionstribunal erscheinen. Fouquier Tinville (s. d.) aber empfing M. gleich einem Märtyrer, und die Geschworenen erklärten ihn für unschuldig und für den wahren Äolksfreund. Man belud ihn mit Bürgerkronen und schleppte ihn auf den Schultern durch die belebtesten Straßen der Stadt in den Convent, wo ihm der Präsident Danton eine Lobrede hielt, die Sitzung aber im Tumulte schließen mußte. Mit diesem Siege begann M. nun offen den Kampf mit den Girondisten; er bearbeitete den Gemeinderath, rief die Sectionen zu den Waffen und läutete am 31. Mai auf dem Stadthause eigenhändig die r Sturmglocke. -Jedoch foderte er nur die Ächtung von 22 Deputirten, und als man ihm zu Gefallen am l. Juni noch mehr proscribiren wollte, widersetzte er sich. M. hatte jetzt dm Gipfel seiner revolutionairen Lausixrhn erstiegen; er bildete im Auge des Volks mit Robes- pierre und Danton das Triumvirat, welches durch gesetzlichen und ungesetzlichen Einfluß das Schicksal der Republik leitete. Indessen war. M. in Wahrheit weder ein Parteihaupk noch ein politischer Gewalthaber, sondern der Apostel und das Instrument, dessen sich Danton und Nobcspierre zur Äufrcgung und Entfesselung der Massen bedient hatten. Als nun der Kampf zwischen den eigentlichen Häuptern begann und Nobcspierre auf den Köpfen der Übrigen emporstieg, wurde der Äpostel unnöthig, und nur der Zufall Hinderkees, daß er nicht ebenfalls daS Schaffst besteigen mußte. Eine Entzündungskrankheit, die oft das Leben stürmischer Männer zerstört, hielt ihn seit dem Sturze der Girondisten in seiner Wohnung zurück. Nichts konnte hier seine fieberische Thätigkeit befriedigen; er schrieb unausgesetzt Briefe und beschwerte sich täglich beim Convent, daß man ihm zu wenig Auf- merksamkcit schenke, denn er hielt sich für den größten Staatsmann Europas. Nachdem er den Tag vorher noch die Generale Custine und Biron denuncirt, suchte ihn am l 3 . Zuli ! 1793 Charlotte Corday (s. d.) auf und erstach ihn im Bade, während er für die Guillo- s tinc die Reste der Girondistenpartei aufzeichncte. Dieser Mord, der das Leben M-'s nur um einige Tage kürzte, war ein Unglück und brachte die Schreckensherrschaft auf den Gipfel- - Robespierre benutzte die Volkswuth, um seine Gegner hinzuschlachten, und ließ den sogenannten Manen M.'s Ströme von Blut fließen. Die Leiche wurde unter Beiwohnung des Convents mit Pomp im Garten der Cordeliers begraben, und der Maler David malte daS Bild des Gemordeten mit klaffender Wunde, das man erst auf einem Altäre im Hast Marathon Maratten 307 des Louvre mit der Büste Lepelletier's (s. d.) feierlich aussehte und dann in den Convent hing. Seine Haushälterin, mit der er sich, nachChaumette's Ausdruck, an einem schonen Tage im Angesichte der Sonne vermählte, wurde auf Kosten des Staats ernährt. Am 4. Nov. >793 gestand ein Deeret den Überresten M.'s die Ehre des Pantheons zu; ein anderes vom 8. Nov. >795 warf die Leiche wieder hinaus. Zugleich entfernte man auch das Bild auS dem Convent. Maräthon, ein Flecken an der Ostküste von Attika, jetzt Marathona oder nach Lcake in der Nähe des heutigen Vranä, wurde berühmt durch den glorreichen Sieg, den hier im Z. 490 v. Ehr. die Griechen unter Miltiades (s. d.) über das Perserheer erkämpften. Eine genaue Beschreibung und Abbildung des Schlachtfeldes nebst den Positionen beider Heere gaben in neuester Zeit Leake in den „Demen von Attika" (deutsch von Westermann, Braunschw. 1840) und Finlay, „On tüe lmltls «f lVI." in den „'I'rsiis- actions «ktke societ/ «f litsrature" (Lond. 1839). Maratten oder Mahratten, ein zum Hindustamme gehöriges Volk, in dem Mittlern Theile Vorderindiens, die Gebirge von Gwalior bis Goa bewohnend und wahrscheinlich aus verschiedenen älter«, von den Mongolen aus dem eigentlichen Hindostan vertriebenen Völkerschaften entsprungen, tritt erst um die Mitte des I7.Jahrh. in der Geschichte auf, wo der Abenteurer Sewadschi, gest. 1680, sie zu einem Staate vereinigte, den er und seine Nachfolger durch Eroberungen, besonders im Reiche des Großmoguls, zu einem mächtigen Reiche erweiterten, das einen Flächeninhalt von 28000 mM. umfaßte. Die Untüchtigkeit, die bald unter seinen Nachfolgern, welche den Titel Nam-Radscha, d. i. Oberkönig oder -Fürst, führten und in Sattarah regierten, einriß, bewirkte, daß der Peischwah (erste Minister) Badschiro den Ram-Radscha gefangen setzte und des westlichen Theils des Marattenlandes sich bemächtigte, wo er in Punah einen unabhängigen Staat bildete, während sein College Radschodschi den östlichen Theil nahm und den Staat derBe- rar-Maratten daselbst gründete. Badschiro, der >750 starb, machte die Würde und den Titel als Peischwah in seiner Familie erblich. Diese Theilung des Marattenreichs konnte aber nicht ohne Einwilligung der Großen und Statthalter des Reichs geschehen, die deshalb mit Vermehrung ihrer Einkünfte und Macht befriedigt wurden. Die Folge davon war, daß das Reich in eine Menge mehr oder minder mächtiger, unabhängiger und Vasallenstaaten zerfiel und nach dem Aussterben der Dynastie der Nam-Radschas im I. 1777 nur durch einen aus zwölfBrahmincn bestehenden Regierungsrath, der dem Peischwah die vollziehende Gewalt ließ, zusammengehalten wurde, also eine Art Bundesstaat bildete. Nicht lange dauerte es, so brachen unter den Marattensürsten im letzten Decennium des >8. Jahrh. langjährige innere Kriege aus, in die bald die engl.-ostind. Compagnie verflochten wurde und die damit endigten, daß, nachdem mehre Provinzen des Marattenreichs an die Engländer bereits abgetreten waren, nach einem blutigen Kampf mit den Engländern im I. >817 und 1818 die letzten Überreste des Marattenreichs von diesen unterworfen und ihre Herrscher zu engl. Vasallen gemacht wurden, bis auf den einzigen Nao Scindiah, der seine Unabhängigkeit bis zu seinem Tode bewahrte. Als in Folge desselben seine Witwe einen Knaben als Sohn adoptirtc, den auch die Engländer als Herrscher anerkannten, kam unter der schwachen Weiberregierung der alte Haß gegen die Letzter« wieder zum Vorschein, der durch innere Jntriguen und die immer mehr gesteigerten Ansprüche der Engländer am Ende zu einem Krieg mit diesen führte, welcher d urch die beiden am 29. Dec. >843 gelieferten blutigen Schlachten von Maharadschpur und Puniar oder am Antripaß, beide auch die Schlachten von Hingolah genannt, beendigt wurde; die erstere lieferte der engl. Obergeneral Sir Hugh Gough, während die Maratten von den beiden franz. Obersten Baptiste und Jacob befehligt wurden; die andere der engl. General Grey. Die zum größten Theil europäisch or- ganisirten Maratten mit vortrefflicher Artillerie schlugen sich ausgezeichnet. Die Folge die- ser Niederlagen war, daß der Staat des Scindiah in die Reihe der der ostind. Compagnie unterworfenen Subsidiarflaaten trat, eine bedeutende Kriegscontribution zahlen und sein treffliches Heer auslösen mußte. Die Maratten, von festem, starkem Körperbau, mit mehr oder weniger brauner Hautfarbe, sindHindus und Brahmadiener, von grausamem, wildem und treulosem Charakter, abgehärtet und von kriegerischem Geist. In Folge davon, sowie 20 * 308 Maratti Marbod durch die Bedrückungen, die sie sich gegen die ihnen unterworfenen Völker erlaubten, haben sie sehr nachthcilig aufCultur undCivilisation derLänder gewirkt, in denen sie das herrschend« Volk waren. Die bedeutendsten der den Engländern unterworfenen Marattenfürstenthü- mer sind gegenwärtig derStaat des Scindiah, der den TitelMaha Nadscha, d.i. Groß, könig, führt und in Ewalior residirt, mit 1806 IHM. und 4 Mill. E.; der des Maha Nadscha von Sattarah, mit 510 IHM. und IMill. E.; der des Gu icowar, der in der großen Stadt Baroda residirt, mit 850 HüM. und 2 Mill. E.; der des Holkar, wel» cher seine Residenz in der schönen Stadt Zndur hat, mit 540 kHM. und 1,200000 E., und der desBunslah mit der Residenz Nagpur, 3300 mM. mit 3 Mill. E. Maratti oder M a va t t a (Carlo), gewöhnlich als der letzte Maler der röm. Schule betrachtet, wurde 1625 zu Camurano in derMark Ancona geboren und bildete sich bei dem bolognes. Maler Sacchi, einem Schüler Albani's, hauptsächlich nach Werken der Carracä und des Guido Neni, bis ihn Rafael völlig begeisterte. Nach einer langen in glänzenden Verhältnissen zugebrachten Künstlerlaufbahn starb er in Nom 1713. Er war im Ganzen ein flacher Idealist, allein er besaß vielen Geschmack und hat sich von der Verwilderung mancher damaligen Kunstgenossen völlig freigehalten. Vielleicht sein verdienstlichstes Werk war die sorgfältige Restauration der Nafael'schen Fresken im Vatican. — Seine Tochter, Faustina M., war als Dichterin berühmt und mit dem Dichter Zappi (s. d.)vermählt. Marawedi, eine altspan. Münze, war im frühen Mittelalter die Bezeichnung für das Gewicht, nach welchem die den Mauren abgenvmmene Beute (Morobotin) unter dir Soldaten vertheilt wurde. Nach diesem Gewicht, für edle wie später für unedle Metalle, wurde dann das Münzwesen eingerichtet, sodaß der Marawedi wirklich in Kupfer ausgeprägt ist, in Silber und Gold dagegen blos eine Nechnungsmünze abgibt. Seit 1487 schlug man 96 Marawedis aus der Mark Kupfer, ein.Vcrhältniß, welches bis auf die neueste Zeit beibchalten wurde. Auf einen Real gehen 34 Marawedis, auf einen Marc- wedi zwei Biancas. Sieben Marawedis sind — acht Pfennige. Marbach, der Geburtsort Schiller's, eine Stadt im würtemb. Neckarkreise, am Einflüsse der Murr in den Neckar, hat etwa 2400 gewerbfleißige Einwohner. In Schiller's Geburtshause ist dessen kolossale Statue von Thorwaldsen aufgestellt. Außerhalb der Stadt liegt die schöne Alexiuskirche, die um die Mitte des 15. Jahrh. gebaut ist. Der Ort scheint schon von den Römern gegründet, auf die wenigstens die in der Umgegend sich findenden zahlreichen Alterthümer Hinweisen, und war bereits im 10. Jahrh. befestigt. Bon den ältesten Zeiten an war die Stadt würtembergisch, mit Ausnahme derZeit von 1462— 1504, wo es zur Pfalz gehörte. Im I. 1693 hatte cS von den Franzosen viel zu leiden und wurde fast ganz niedergebrannt. Marbod oder Marob o d, König der Marko mannen (s.d.), hatte als Jüngling im röm. Kriegsdienst röm. Politik und Kriegskunst kennen gelernt. Sein Volk führte er, als er zu ihm zurückgekehrt war, bald nach Chr. Geb. aus den bisherigen Wohnsitzen am Main in das heutige Böhmen und gründete hier ein mächtiges Reich, dem sich viele andere german. Völker als Bundesgenossen anschlossen. Ein Angriff, den die Römer, für ihre Länder im Süden der Donau besorgt, auf ihn, der sich ein sichendes Heer von 70000 M. zu Fuß und 4000 Reitern gebildet hatte, im J.6 beabsichtigten, wurde durch den gleichzeitig ausbrcchenden Aufstand der Pannonier und Illyrier vereitelt und durch Tiberius mit ihm ein Friede abgeschlossen. Die Macht, die M. als König in Anspruch nahm, überschritt die Grenzen, in denen sonst bei den Germanen fürstliche Gewalt bestand, und er schien der german. Volksfreiheit gefährlich. Darüber brach im 1.17 ein Krieg zwischen ihm und Herma n (s. d.) dem Cherusker aus, in welchem sich die Langobarden und Semnonen von M. trennten; nach einer unentschiedenen Schlacht zog sich M. in sein Reich 'zurück. Die Römer verweigerten ihm ihre Hülfe und im I. 19 gelang es dem Drusus (s. d.), des Tiberius Sohn, ihm Feinde unter den Seinen zu erwecken. Der Gothe Catualda, der einst vor seiner Gewalt hatte fliehen müssen, übte nun Rache und nöthigte ihn, sich zu den Römern zu flüchten. Tiberius wies ihm Ravenna als Aufenthaltsort an, wo er nach > 8 Jahren starb. Auch Catualda floh bald nach ihm, von de» Hermunduren vertrieben, zu den Rö» mern und endete in Forum Julii (jetzt Frejus) im narbonens. Gallien. Marburg Marceau 209 Marburg, Universitätsstadt und die Hauptstadt der kurhess. Provinz Oberhesscn an der Lahn, die sie von der Vorstadt Weikenhausen trennt, mit ungefähr 8000 E-, liegt am Abhange eines Bergs, der ein ehemals festes Schloß trägt. Unter den Kirchen ist die Elisabethkirche nütihren schönen Grabdenkmalen, darunter das der heil. Elisabeth, Landgräsin von Thüringen, das aber in der Zeit des Königreichs Westfalen vielfach beraubt und beschädigt wurde, die sehenswertheste. Die Stadt hat außer der Universität ein Gymnasium mit ekwa 190 Schülern, ein Schullehrerseminar, seit >817 eine Naturforschende Gesellschaft, eine Bibelgesellschaft, eine Handwerksschule und sehr gut eingerichtete wohlthätige Anstalten. Die Manufakturen erstrecken sich auf baumwollene, wollene und leinene Zeuge, Leder, Hüte, Taback und Tabackpfeifen. M. entstand im Mittelalter als eine Ansiedelung um die alte Kattenburg auf dem Berge. !Nachdem die Landgräfin Elisabeth 1229 die Burg als Witwcnsih erkoren, erhob ihr Sohn, der Landgraf Hermann II., M. zu einer Hauptstadt des Landes. Im I. 1399 wurde daselbst der Verein wegen der AbsetzungKai- scr Wcnzel's abgehalten. Auch rcsidirten hier zwei Nebenlinien des Hauses Hessen, die ältere von 1458—99 und die jüngere von —1604. Im Schlosse fand >529 vom I.—3. Oct. das Neligionsgespräch über das Abendmahl zwischen den Wittenberg. (Luther, Mclanchthon u. s. w.) und den schweiz. Reformatoren (Zwingli, Ökolampadius u. s. w.) statt. Im Dreißigjährigen Kriege wurde die Stadt 1649 sehr übel von dem Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar behandelt. Am meisten aber litt sie im Siebenjährigen Kriege; durch die Franzosen besetzt, wurde sie im Scpt. 1759 durch Belagerung von den Verbündeten wieder genommen, im Juli 1769 aber durch die Franzosen von neuem erobert, die sich auch 1761 gegen einen heftigen Angriff der Verbündeten behaupteten. Die Universität zuM. wurde als die erste aller deutschen protestantischen Universitäten vom Landgrafen Philipp dem Großmüthigen am 39. Mai 1527 aus ungezogenen Klo- stergütcrn gegründet, aber erst 1541 von Kaiser Karl V. bestätigt. Ihre glänzendste Epoche hatte sie unmittelbar nach ihrer Stiftung. Ihre reiche Dotation, die Berufung der ausgezeichnetsten Lehrer aus Deutschland, Frankreich, Holland und der Schweiz, die glückliche Lage des Orts, das große politische Ansehen Philipp's des Großmüthigen und der Umstand, daß man in ihren Hörsälen aus der reinsten Quelle der neuen Lehre zu schöpfen hoffen durfte, vcranlaßtcn das Zuströmen von Jünglingen aus ganz Europa, und diese schöne Blüte dauerte fast hundert Jahre. Im 17.Jahrh. vereinigten sich dagegen mehre Umstände zur Verdunkelung ihres Glanzes, namentlich die Abschaffung der protestantischen Lehre und die Einführung des reformirten Glaubensbekenntnisses, sowie die 1607 dadurch veranlaßte Gründung einer zweiten Hess. Landesuniversität zu Gießen. M. verlor hierdurch einen Theil seiner Einkünfte, Lehrer und Studenten. Dazu kam noch 1607 und 16 l 1 die Pest, sodaß die Universität einstweilen nach Frankenberg und von da »ach Treyßa verlegt werden mußte. Im I. 1625 wurde zwar die Universität zu Gießen mit der zu M. vereinigt, 1650 aber wieder hergestellt, nachdem M. an Kassel zurückgefallen war. Sie ist reich an Instituten, die zum Theil sehr gut dotirt sind; namentlich besitzt sie eine Bibliothek von mehr als > 00900 Bänden, einen botanischen Garten, eine Entbindungsanstalt indem ehemaligen deutschen Herrenhause, ein anatomischesTheater, eine Thierarzneischule, ein Hospital, das als Land - und Provinzialkrankenhaus dient, ein medicinisches und chirurgisches ambulatorisches Klinikum, ein physikalisch-mathematisches Institut, ein chemisches Laboratorium, tin zoologisches Museum, ein philologisches Seminar und ein staatswirthschaftliches Institut. Die Universität zählt jetzt 30 ordentliche Professoren, fünf außerordentliche und mehre Privatdocenten. Die Zahl der Studirenden betrug im Sommer >844 gegen 299. Dhne eine besondere Curatel leitet das Ministerium des Innern unmittelbar alle Zweige der Universität. Vgl. „Geschichte der Universität M." in Justi's „Vorzeit" (1826). Marc Antonio, s. Raim 0 ndi (Marc Antonio). Marc Aurel, s. Ant 0 ninu"s, der Philosoph. Marceau (Franc. Severin DesgravierS), General'derfranz. Republik, geb.am I. März 1769 zu Chartres, sollte sich nach dem Willen seines Vaters, der an dem Gerichte daselbst das Amt eines ProcuratoyS bekleidete, dem Rechtssache widmen, trat aber aus Neigung für den Soldatenstand im Alter von 17 Jahren in das Regiment Savoyen-Ca» 31o Marcello Marcellus rignan und war Sergent, als er am 14. Juli >789 den Abschied erhielt. Nach Chartres zurückgekehrt, wurde er durch Wahl Befehlshaber des Freiwilligenbataillons vom Depar- tcment Eure und Loire, mit welchem er unter Lafayette an der Nordgrenze dem ersten Feld- zuge beiwohnte. Hierauf wurde er nach Verdun verlegt, welches die Preußen belagerten. Obschon er im Kriegsrathe heftig gegen die Übergabe des Platzes austrat, mußte er doch als jüngster Offizier dem Könige von Preußen die Kapitulation überbringen, wobei er aus Patriotismus Thränen vergoß. Im Apr. > "63 wurde er zum Hauptmann der Kürassiere in der deutschen Legion ernannt und in die Vende'e geschickt. Hier verhaftete ihn der Cou- ventsdeputirte Bourbotte mit sammt dem Stabe, weil er als Verräther deuuncirt worden war. Man erkannte jedoch bald den Jrrthum und setzre ihn am Tage vor der Schlacht von Saumur in Freiheit. Während des Gefechts übte er an Bourbotte edle Rache, indem er demselben sein Pferd abtrat und hiermit aus den Händen des Feindes rettete. Zufolge die- fer That ernannte ihn der Convent im Alter von 22 Jahren zum Brigadegeneral. M. zeigte sich dessen durch Geschick, Patriotismus und Uneigennützigkeit würdig und schloß sich an Kleber an, mit dem er überhaupt viel Ähnlichkeit besaß. Nach der Thcilnahme am Siege des General Rossignol bei Äntrain, am 18. Nov. >793, übertrug man ihm provisorisch den Oberbefehl über die beiden Armeen des Westens. M. schlug am 13. Dec. >793 die Vendeer in der heißen Schlacht bei Mans und eroberte die Stadt. Während des Kampfes hatte er ein schönes junges Mädchen, welches gegen die Republik die Waffen führte, gerek- tet und in Sicherheit gebracht, und diesen Umstand benutzten seine Neider, um ihn beim Convent abermals des Verraths zu beschuldigen. Man rief ihn zurück und würde ihn auf das Schaffet befördert haben, wenn sich nicht diesmal Bourbotte seiner angcnom- men hätte. Erst im Feldzuge von >794 erhielt er den Bejehl über eine Division in der Armee an den Ärdennen, dann an der Maas und Sambre. Nachdem er am 2». Juni bei Fleurus an der Spitze des rechten Flügels den Sieg entschieden, nahm er im Herbst Aachen, Bonn und Koblenz und zwang die Ostreicher zum Rückgänge über den Rhein. Bei der Rückkehr der stanz. Armee auf das linke Rheinufer, im Feldzüge von 1795, führte er mit Muth und Geschick die Arriiregarde. Im Feldzuge von 1796 befehligte er unter Moreau in der Rheinarmee. Mit dem 39999 M. starken linken Flügel blockirte er Mainz, mußte sich aber bei der rückgängigen Bewegung Jourdan's mit der Maas- und Sambrearmee ebenfalls auf Limburg zurückziehen. ,Jourdan gab ihm den Auftrag, sich mit der Arriere- garde dem Erzherzog Karl entgegenzuwerfen, damit die stanz. Armee das Desile bei Altenkirchen passiren konnte. M. vollzog diesen Befehl und rettete hiermit das Heer. Am 29. Sept. vom General Hohe im Walde von Hochsteinbach angegriffen, wagte er sich zu weit unter die östr. Plänkler und empfing dabei von einem tiroler Jäger, der hinter einer Hecke lag, einen tödtlichen Schuß. Jourdan brachte ihn nach Altenkirchen, mußte ihn aber der Großmuth der nachfolgenden Ostreicher überlassen. Auf Befehl des Erzherzogs widmete man ihm große Sorgfalt; er starb aber schon, drei Tage später, am 23. Sept. 1796. Seine Leiche wurde nach Neuwied gebracht, wo sich Freund und Feind zu einer feierlichen Bestattung vereinigten. M. besaß ein schönes Äußere und einen edeln, humanen Charakter. Er hinterließ besonders zu Koblenz ein rühmliches Andenken. Marcello (Benedetto), Componist und Dichter, geb. zu Venedig 1686, wurde in der Musik von seinem älter« Bruder Alessandro und von Gasparini und Lolli unterrichtet. Er bekleidete mehre Jahre das wichtige Ämt eines Richters unter den Vierzigern, wurde hierauf Proveditor zu Polo, und endlich Schatzmeister zu Brescia, wo erl 739 starb. Seine Motetten, Cantaten und Psalmen, welche letztere Seb. Balle (8 Hfte., Ven. > 893, Fol.) herausgab, erlangten einen ungemeinen Ruf durch ihre edle und einfache Erhabenheit. Zu seinen Schülerinnen gehörte die berühmte Faustina Bordoni, nachmalige Hasse (s.d.). Auch feine Gattin ward von ihm zur trefflichen Sängerin gebildet. Marcellus ist der Name einer röm. plebejischen Familie des elaudischen Geschlechts (s. Claudius), die zu den angesehensten der Republik gehörte. Unter den aus ihr entsprossenen Männern ragt am meisten hervor der M. Claudius M., der durch seine Thaten im zweiten pun. Kriege sich den Namen des Schwertes, wie Fabius den des Schildes der Römer erwarb, Schon im I. 222 v. Chr. hatte er, da er da? Consulak zum ersten Mah Märchen Marchesi (Luigi) 311 bekleidete, die Niederlage der cisalpin. Gallier durch seinen Sieg über die Jnsubrer entschieden, und von deren Anführer ViridomaruS, den er selbst erlegte, die seltnen ^»>Iia opuim (s. Spolien) erbeutet. Im zweiten pun. Kriege focht er zuerst 216 als Prätor gegen 5>ai»ubal bei Nola in Campanien. Der Sieg, den er davontrug, war darum von größter Bedeutung, weil es überhaupt das erste Mal war, daß Hannibal geschlagen und weil der durch die Niederlage bei Cannä gebrochene Muth der Römer dadurch wieder gehoben wurde. Auch imI. 215, wo er das zum zweiten Mal erhaltene Consulat wieder »überlegte, damit nicht zu gleicher Zeit zwei Plebejer es bekleideten, schlug er den Hannibal von Nola zurück. Zum dritten Male wurde ec 21 4 Consul und mit dem Kriege gegen Syrakus beauftragt, das nach Hiero 'sll. (s. d.) und seines Enkels Hieronymus Tode unter Hippokrates und Epicydes in offenem Bunde mit Karthago stand. Des Archimedes (s. d.) Maschi- nen vereitelten seinen Versuch, die Stadt zu stürmen; eingescklossen hielt sie sich bis 212, wo'sic endlich von M. erobert wurde, der hierauf auch das übrige Sicilien durchseinen Sieg über Hanno und Epicydes bei Agrigent den Römern unterwarf, bis aus Agri- gent selbst, das erst 210 von M. Valerius Lävinus eingenommen wurde. Zm I. 21V, wo er zum vierten Male Consul war, stand er dem Hannibal wieder gegenüber. Die Schlacht bei Numistro in Bruttium blieb unentschieden. Bei Canusium in Apulien siegte Hannibal im I. 209 anfangs über M., verlor aber daß am nächsten Tage vonM. erneuerte Treffen. Seinen Untergang fand er im I. 208, wo er zum fünften Male das Consulat bekleidete. Mit seinem College» T. Quinctius Crispinus geriech er nämlich zwischen Venusia und Bantia in Apulien in einen Hinterhalt Hannibal's; jener rettete sich, starb jedoch bald darauf an den empfangenen Wunden, M. selbst fiel im Gefecht. Seine Leiche wurde von Hannibal geehrt, seine Asche von ihm seinen Söhnen zugesendet, deren einer den Vater begleitet hatte, aber entkommen war und später 196 das Consulat, 189 die Censur, während der andere 183 das Consulat bekleidete. — In den spätem Zeiten waren die Mar- celler eine der Hauptstützen der Nobilitäk, der sie seit dem 4. Jahrh. angehörten, gegen Cäsar. M. Claudius M-, Consul im I. bl v. Chr., riekh im Z. 49 vergebens dazu, erst ein Heer aufzustellen, bevor der Krieg gegen Cäsar erklärt würde. Er begleitete darauf den Pompcjus und floh nach der Schlacht bei PharsaluS nach Mitylene. Cäsar schonte ihn und begnadigte ihn ohne sein Verlangen im I. 46 im Senat, wo für ihn Cicero eine Rede („?ro N-arcello") hielt, die noch vorhanden ist, da die Zweifel F. A. Wolfis an der Echtheit der unter dieser Aufschrift erhaltenen Rede nicht genügend begründet scheinen. M. wurde auf der Rückkehr nach Italien im I. 45 zu Athen von einem Begleiter ermordet. — Sein Bruder, Cajus Claudius M., Consul im Z. 49, fiel im Pompejanischen Kriege. — Ihres Oheims Sohn, CajusClaudius M., war im I. 50 Consul, zog sich aber beim Ausbruche des Kriegs auf sein Landgut bei Liternum zurück und lebte auch nach Cäsar'S Tode entfernt vom Staate, bis er ums I. 40 starb. — Seine Gemahlin Octavia (s. d.), die Tochter von Cäsar's Nichte Atia und dieSchwester des Ockavianus Augustus (s. d.), hatte ihm um das I. 43 einen Sohn geboren, M. Claudius M., der an Gestalt, Geist und Gemüth seiner eddln Mutter glich, von Octavian zärtlich geliebt, adoptirt und im I. 25 mit Julia (s. d.), seiner Tochter, vermählt wurde. Als curulischcr Ädil erkrankte er im I. 23 und starb allgemein betrauert zu Bajä, wie man glaubt durch Li via (s. d.) vergiftet, die durch ihn die Nachfolge ihres Sohnes Tiberius für gefährdet hielt. Augustus ließ ihn auf dem Marsfelde begraben, hielt ihm selbst die Leichenrede und weihte seinem Andenken im I. 13 das HstruL Narcslli, über dessen Resten jetzt der Palazzo Orsini in Rom erbaut ist. Märchen, s. Volksmärchen. Marches, s. Marquis. Marchese oder Marchesini (Luigi), einer der berühmtesten Sopranisten, geb. zu Mailand 1755, der Sohn eines Hornisten der modenes. Kapelle, war schon alsKnabeVir- tuos auf dem Waldhorn. Von Kunstverständigen seiner schönen Stimme wegen aufgeso- dert, ging er heimlich nach Bergamo, wurde hier castrirt und vollendete dann seine Gesangsstudien unter dem Kapellmeister Fiorini am mailänd- Dome. Hierauf bildete ec sich noch in München, 1775—77, vollends aus. Nach der Rückkehr ins Vaterland ry'nrbe er 312 Marches! (Pompes) Marclou überall mit Enthusiasmus aufgcnommcn und in Turin mit > 0»" Ducatcn Erhalt ange- flellt. Naclideni er sodann von 1 7 86 —>8«>I abwechselnd in Petersburg, Berlin, London uilb Wien gesungen hatte, kehrte er nach Italic» zurück, >ro er zu Mailand am l ä.Dci. 18-'!> starb. Seme Stimme war überaus rein und hell, und in Ansehung des VorrragS ',og man ihn »och dem Farinclli (s. d.) vor; doch gilt er für den Urheber des später» überladenen VirtuoscugcsangS. Marches! (Pompes), Cavaliere, einer der vorzüglichsten jetzt lebenden Bildhauer, gcb. nm >1!»!, ist als Professor an dcrAkadcmic der Künste zu Mailand angcstcllt. Wenn irgend einem Nachfolger Canova'S, so ist cs ihm gelungen, die höchste Weichheit und Gra- zic der Formen ohne Weichlichkeit, einfach und mit Mäßigung darzustellen. Seine Hauet- werke sind eine Tcrpsichore, eine wunderbar schone Venus Urania, mehre Basreliefs am Fricdcusbogcn und endlich die große, im Aufträge des Kaisers gefertigte Marmorgruxxl „Die gute Mutter am Charfrciiag", welche für San-Satiro zu Mailand bestimmt war. In dcn Portraikstatucn und Büste» M.'s herrscht eine edle und freie Auffassung; eines dir trefflichsten Werke dieser Art ist die sitzende Marmorstatuc Eocthc's in der Bibliothek zu Frankfurt am Main. Für die Verzierung der Fa;ade des Mailänder Castells lieferte M. unentgeltlich zwölfFcldhcrrnbüstcn in Tcrracotta. Marchrttns, nächst Franco von Köln (s. d.) einer der vorzüglichsten Verbessern des McnsuralgesangS (s. d), lebte gegen Ende des >3. und zu Anfänge des l-t.Jahrh. Zwei seiner Schriften hat Eerberk in den „8crij>t<>ros>Ie m»sici," bekannt gemacht. M.gibt schon die wichtige Regel, daß zwei vollkommene Consonanzcn (Unison, Quinten und Ocka- vc») nicht in gerader Bewegung aufeinander folge» sollen. Von Dissonanzen aber erkannte er noch weiter nichts als die Nolhwcndigkcit der Auflösung. Murebfeld heißt die fünf M. lange und drei M. breite und gctreidcrciche Ebene am linken Douauuftr, Wien gegenüber, vom Marktflecken Bockflicß bis an die March und Dvnau. Sic ist namentlich durch zwei Schlachten, welche hier geliefert wurden, denkwürdig. Z„i I. > 2ti>» schlug hier der König Ottokar von Böhmen den König Dcla IV. von Ungarn, und eroberte die Steiermark, die seitdem bei Deutschland blieb. Zn der zweiten Marchfclbschlachk am 26. Aug. 1278 siel Ottokar (s. d.) gegen Rudolf von Habsburg, der mir diesem Tage die Macht seines Hauses gründete. Mnrnäno, cinDorfim GroßhcrzogthnmToScana, wurde durch denSieg dcrTrupe pcn Kaiser Kurl's V. und des Herzogs Cosmo's I. von Florenz über die Franzosen, am 3. Aug. l äü-i, bekannt, zu dessen Andenken der Herzog 1562 den St.-Stepha»sorde» stiftete, der >817 von dem Eroßhcrzog von Toscana erneuert wurde. MarriäiNls, gricch. Kaiser, s. Byzantinisches Reich. Mareion, der Stifter der Marcioniten, einer gnostischrnPartei von vorherrschend praktischer Richtung, war der Sohn eines Bischofs von Sinope in Pontus und lebte um die Mine des 2. Jahrh. Wegen seiner häretischen Ansichten exrominunicirt, ging er „ach Nom, schloß sich an den syr. Gnostiker Ccrdon an und bildere ein der jüdisch-sinnlichen Auffassung des Christcnthums schroff entgegengesetztes System »is. Seine Grundidee war, das Wesen der wahren Religion, die nur in freier Lieb« zum Guten bestehe, sei erst durch das Christcnlhum offenbart worden; der Mosaismus mit den sinnliche» Motiven des Lohnes und der Strafe habe nur Legalität und auch diese blos bei Wenigen, das Hci- Lenthum aber nur BöscS erzeugen können. Zur Erklärung solcher specisischen Verschiedenheit zwischen der vorchristlichen und christlichen Zeit nun nahm M. an, jene Hube unter der Herrschaft zweier, allerdings von dem wahren Gott nicht unabhängigen Prineipien, dcS bloS gerechten JiidengottcS und Dcmiurgcn und des bösen, in der Hyle erzeugten Satans gestanden; erst mit Christus habe der wahre Gott auf die Welt cinzuwirken begonnen und durch den LogoS, sein Organ, der in Christus einen Scheinkörpcr angenommen, in berge- sammrcn Menschheit, nicht blos in einem Volke, ein Tugcndstrcbcn aus Liebe zu Gott und die Hoffnung auf die verzeihende Gnade desselben erweckt. Mit M.'S Ansichten hing cs zu- sammen, daß er das AlteTcstanient ganz verwarf und von dem Neuen Testamente nur zehn pauliiüschc Briefe nebst, einem Evangelium, welches das des Lucas in verstümmelter Gestalt war, gelte» ließ. Übrigens erklärt sich die groß« Verbreitung der Sekte thcils ans der Mareo Polo Marengo 313 Ähnlichkeit der Lehre M.'s mit der paulinischcn, thcils daraus, daß er nicht wie die übrigen Gnostiker zwischen der gemeinen Pistis und Gnosis (s. d.) unterschied, sondern seine Ne> sonn für alle Christen bestimmte. Marcisniten gab cs trotz der Polemik TcrtuUian s und trotz strengen Gesetzen bis ins 6. Iahrh., obgleich später Einige gnostische Spcculatio- neu aufnahmcn oder wie ApcUcs der katholischen Lehre stch mehr annäherren. Lgl. Hakn, „De grws! Hlurci"»!« rmlinoini" (2 Abhandl., Königsb. I 82»), „De can»»s !>Inrci»ni-" (2 Abhandl., Königsb. 1823) und „Das Evangelium M.'s in seiner ursprünglichen Gestalt" (Königsb. >823). Marco Polo, s. Polo (Marco). Marcus, der Evangelist, ist wahrscheinlich Derjenige, der in der Apostelgeschichte unter dem Namen Johannes Marcus als der Sohn einer Maria und als Begleiter des Paulus und Petrus auf ihren Reisen vorkommt. Seine Mutter war meist im Gewlge Jesu, und sein Haus zu Jerusalem der gewöhnliche Aufenthalt der Apostel. Durch Barnabas, mit dem er verwandt war, kam er in Verbindung mit Paulus und stand diesem trotz einer vorübergehenden Different als Mitarbeiter treulich bei. Ob er einer der Jünger gewesen, ist ungewiß. Mehr Glauben verdient die Nachricht, daß er als Hcrmcncut dcsPctrus diesem nach Nom gefolgt, dann nach Ägypten gegangen und, nachdem er mehre Gemeinden, unter ander» die zu Alexandria, gegründet, im I. 62 gestorben sei. Das unter seinem Namen im Kanon befindliche „Evangelium" gibt sich als einen Auszug aus den Evangelien des Matthäus und LucaS zu erkennen; dennoch haben in ihm neuerdings einige Gelehrte gerade das Urevangclium finden wollen. Vgl. Wilkc, „Der Urevangelist" (Drcsd. und Lpz. 1838). Marder ist der Name einer Gattung von Säugthiercn, zu der Familie der Zchcn- gänger gehörig, welche nur auf animalische Nahrung angewiesen, mehrenkhcils kleinere, aber dafür um so grausamere und blutdürstigere Thicrc in sich schließt. Der Edel- oder Baummarder von glänzend kastanienbrauner Farbe, und gelber Kehle, ohne Schwan; bis I/r F. lang, lebt in den Wäldern von ganz Europa bis nach Persien und auch in Canada. Er thnt jagdbaren Thicrcn großen Schaden und wird deshalb und wegen seines i sehr geschätzten Pelzes viel verfolgt und in Eisen gefangen, weshalb er auch in Deutschland jetzt selten ist. Der Steinmarder, kleiner als der vorhergehende, von graubrauner Färbung und weißlicher Kehle, lebt in ganz Europa bis an den Ural verbreitet, fehlt aber in Nordamerika. Er hält sich gern in der Nähe von Wohnungen auf, bricht mit ebenso vieler List als Wildheit in Hühner- und Taubenhäuser ein, und tobtet dann weit mehr von diesen Thicrcn als er verzehren kann. Sei» Pelz ist von geringem Wcrthe. Man entledigt sich seiner am besten durch geschickt ausgestellte Fallen oder Tellereisen. Maremmen heißen die ungesunden Sumpfgegenden Italiens, die sich an der Meeresküste hin vom Ausflüsse des Cccira bis gegen Orbitcllo in einer Länge von 2» M. oft I',^—-1 M. breit ns Land hinein erstrecken. Ihr für die Gesundheit höchst nachthciliger Einfluß scheint in den hier zahlrn'ch hcrvorströmcndcn schwefelhaltigen Quellen, sowie überhaupt in den aus einem von Schwefel und Alaun übersättigten Boden im Sommer hcrvordringcndcn starken Ausdünstungen seinen Grund zu haben. Noch im 15. Iahrh. waren diese Gegenden fruchtbar, g:sund und bewohnt. Während des Sommers wandern die Bewohner meist aus und ma> trifft nur die wenigen Lohnarbeiter aus der Nachbar- schaft, welche nicht ohne Gefahr <ür ihre Gesundheit das hier spärlich wachsende Getreide ' ernten; im Winter aber bieten dieMarcmmcn für die Hccrdcn, welche im Sommer auf die Apenninrn getrieben werden, eiie sehr gute Weide dar. Durch Baumpflanzungen hat man das Übel zwar etwas vermndert, aber gehoben wird cs dadurch keineswegs, wie die Umgebungen des Lago di Bolftia, das alte Volsinii, beweisen, die viel Waldung haben und deren Bewohner dennoch ar dem unter dem Namen Malaria bekannten Fieber leiden. Verschieden von den Maremnei sind die Campagna di Noma (s. d.) und die Ponli- , Nischen Sümpfe (s. d.). Marengo, ein Flecken m sardin. Herzogthume Montfcrrat, zwischen Alessandria und Tortona, wurde gcschichklch berühmt durch die Schlacht, in welcher der Consul Bo- mvarle am >3. Juni l suo l:n östr. General Melas besiegte. Letzterer begann schon im r 814 Marengo Apr. den Feldzug, erstieg die Apennincn, trennte die sranz. Armee und unterwarf sich da« Küstenland von Genua. Erst einen Monat später setzte Bonaparte seine ungefähr 60000M. starke, zu Dijon gebildete Reservearmee in Bewegung, die unter dem Befehl Berthier's in der Zeit vom in.—27. Mai die Alpen überstieg und durch verschiedene Paffe in Italien eindrang. Lannes rückte zuerst durch das Thal von Aosta vor, umging am 2. Juni das Bergschloß Bardo, setzte mit Gewalt über dieChiusella und zog sich vor Chiavasso. Murat, der anfangs Lannes folgte, verließ plötzlich die Doria, wendete sich links aus Vercelu, nahm Novara, setzte über den Tessino und traf in Mailand ein. Melas, der sich zu Nizza befand, war erstaunt über das Erscheinen einer Armee, an die er nicht geglaubt hatte. Er schickte den Feldmarschalllieutenant von Ott, der Genua erobert hatte, an den Po vor; allein dieser wurde nach einem harten Gefechte bei Casteggio auf die Bormida zurückgeworfen, jenseits welcher sich die östr.Truppen nun sammtlich concentrirt befanden. Melas hatte sein Hauptquartier zuAleffandria; er besaß 23000 M.Infanterie, 7 5VOM. Cavalerie und 60 Kanonen. Seine Lage war äußerst kritisch, weil ihm von der Seite von Valcnzä ein Corps unter Chabran, im Rücken die Armee Suchet's, in der Front Bonaparte selbst bedrohte; im Augenblick sah er sich sogar den Abzug ins Genuesische verschlossen. Es blieb ihm die Wahl, sich einen Weg durch die Feinde zu bahnen, oder seine Rettung auf eine entscheidende Schlacht zu setzen. Nach langem Zögern beschloß er das Letztere. Bonaparte glaubte indessen, sein Gegner wolle ins Genuesische entweichen, und schickte Desaix, der aus Ägypten anlangte, mit 3000 M. auf der Straße nach Novi vor. Dies geschah am l 3. Juni. Am 13. jedoch, bei Anbruch des Tages, ging die östr. Armee über die Bormida, stellte sich in Schlachtordnung, griff gegen 8 Uhr Victor in der Stellung bei M. an und trieb dessen Corps mit Verlust und in größter Unordnung bis hinter San-Giuliano zurück, wo sich die Truppen wieder zu sammeln suchten. Die sranz. Streitkräfte, welche in der Ebene von M. versammelt waren, mochten sich auf 2800t» M. belaufen. Gegen 9 Uhr erhielt Melas die Nachricht, daß sich franz. Plänkler vom Corps Suchet's hinter seinem Rücken zeigten, gegen welche er einen Theil seiner Cavalerie abschickke, die ihm dann später im entscheidenden Augenblicke fehlte. Gegen 10 Uhr erschien Bonaparte auf dem Schlachtfelde und fand Lannes im Kampfe und ebenfalls hart bedrängt. Er unterstützte denselben mit einigen Brigaden und stellte etwas abwärts von dessen rechtem Flügel die Consulargarde auf, die gleich einerGranitcolonne festen Stand hielt. Dessenungeachtet drangen dieOstrcichcr zwar langsam, aber hartnäckig vor und am Nachmittage war die ganze Gegend mit flüchtigen und verwundeten Franzosen bedeckt; die Schlacht schien für Bonaparte verloren. Hätte Melas seine gegen Suchet geschickte Cavalerie zum Nachdruck gehabt, so wäre das sranz. Heer in der That aufgelöst worden. Melas, der sich des Sieges gewiß hielt, verließ am Nachmittage das Schlachtfeld, um sein Glück nach Wien zu berichten, und übertrug die Verfolgung des Feindes dem Generalstabschef Zach. Degen 5 Uhr Nachmittags erschien endlich der herbeigerufene Desaix, und Bonaparte faßte Muth und ergriff wieder die Offensive. „Ihr seid als Franzosen schon zu weit zurückzegangen", redete er seine Truppen an; „erinnert euch, daß ich gewohnt bin, aufdem Sch/achtfelde zu übernachten". Desaix drang an der Spitze seiner Colonne vor, wurde aber soglsch tödtlich verwundet, und so große Anstrengungen auch seine Truppen machten, um den Gmeral zu rächen, so mußten sie doch mit großem Verluste der feindlichen Übermacht weichen. Da entschied Kellermann, der mit einer schwachen Cavaleriebrigade hinter Weingärten tersteckt stand, das Schicksal der Schlacht durch eine kühne That. Er sah, wie sich eine Colenne von 6000 ungar. Grenadieren auflöste, um die Franzosen zu verfolgen, brach hervor uw nahm das ganze Corps mit dem General Zach selbst gefangen. Bonaparte benutzte den Sortheil, stürzte sich auf das Centrum des seines Führers beraubten Feindes und überwältyte die sehr getrennten Colonnen einzeln. In der Meinung, Bonaparte habe bedeutende Lerstärkung erhalten, nahmen die Ostreicher den Rückzug, der im Schrecken und in der Vernirrung bald in eine wilde Flucht hinter die Bormida unter die Mauern von Alcssandria msartete. Am folgenden Tage Unterzeichnete Melas mit seinen Generalen den Waffenstilstand von Alcssandria, der den Feldzug endete und die Franzosen zu Herren von Oberitalen machte. Bonaparte »voll!; Maret Marezoll (Aug. Ludw. Theod.) 315 den Ruhm lieber mit dem Tobten, wie mit einem Lebendigen theilen und schrieb mit Unrecht die Wendung des Kampfes nicht Kellermann, sondern Desaix zu. MaretsHugucs Bernard), Herzog von Bassano, geb. am l.Mai 1763 zu Dijon, wo sein Vater Arzt war, bereitete sich anfangs für die militairische Laufbahn vor, widmete sich aber später der abvocatorischen Laufbahn und ging 17 85 nach Paris. Beim Ausbruche der Revolution gab er bin „kulletin" über die Sitzungen der Nationalversammlung heraus. Der Buchhändler Pankouke veranlaßte ihn aber, dieses Blatt mit dem Uoniteur (s. d.) zu vereinigen, wodurch sein Ansehen und seine Wirksamkeit stiegen. In dieser Zeit bewohnte er mit dem Artillerielieutenant Bonaparte ein Haus in der Straße St.-Thomas- du-Louvre, den er auf diese Weise kennen lernte und oft mit seiner Börse unterstützte. In seinen Ansichten mäßiger geworden, trennte sich M. in der Mitte des I. 1791 von den Jakobinern und half den Club der Feuillants stiften, der die Grundsätze der konstitutionellen Monarchie vertheidigte. Nach dem Ereigniß vom 16. Aug. >702 trat er unter Lebrun als Divisionsches ins Ministerium des Auswärtigen. Gegen Ende des JahreS wurde er als Botschafter nach London geschickt, mußte jedoch im Febr. >793, gänzlich abgewiescn, zurückkehren. Hierauf übertrug man ihm eine Sendung nach Neapel. Auf der Reise dahin ver- hafteten ihn jedoch die Ostreichen mit dem nach Konstantinopel bestimmten Scmonville und führten ihn nach Mantua, dann nach Kufstein in Tirol. Mit andern angesehenen Gefangenen erhielt er erst im Juni >795 bei der Auslieferung der Tochter Ludwig'sXVI. seine Freiheit zurück. Er lebte nun vergessen zu Paris, bis er l 7 96 in den Rath der Fünfhundert gelangte. Das Direktorium bediente sich seiner in den Friedensverhandlungen zu Lille; allein die Katastrophe des l 8. Fructidor machte seine Dienste unnöthig und begrub ihn in gänzliche Dunkelheit. Nach der Revolution vom 18. Brumaire, die er mit seiner Feder unterstützte, erhob ihn Bonaparte zum Generalsecretair der Consuln, welches Amt für ihn später in ein förmliches Staatssecretariat verwandelt wurde. In dieser Stellung, mit der kein besonderer Geschäftszweig verbunden war, erwarb er sich das Vertrauen Nastoleon's, begleitete denselben auf allen Feldzügen und Kongressen und versah diejenigen Geschäfte, die besondere Verschwiegenheit und Gefälligkeit crfoderten. Nachdem er >811 den Titel eines Herzogs von Bassano erhalten, führte ihn der Kaiser im Feldzüge von >812 nach Wilna, wo er die auswärtigen Verhandlungen leitete. Nach dem Rückzüge aus Rußland ging er nach Paris, übernahm das Kriegsministerium und foderte vom Senate die Herstellung einer neuen Armee von 35V090M. Von der öffentlichen Meinung heftig verfolgt und in der That mehr ein gefälliger und ergebenerAgent des Kaisers, als ein Staatsmann, mußte er das Ministerium an Caulaincourt abtreten, fiel aber damit keineswegs in der Gunst des Kaisers, dem er bis zum Abschiede von Fontainebleau treu blieb. Während der Hundert Tage übernahm er wieder das Staatssecretariat. Nach der Schlacht von Waterloo war er nicht zu vermögen, an den öffentlichen Angelegenheiten ferner Theil zu nehmen, wodurch er den Zorn der Bourbons räzte. Im I. >816 aus Frankreich verbannt, flüchtete er in die Schweiz, wo ihn das östr. Ccbinet verhaften ließ. Nachdem er erst zu Linz, dann zu Grätz gelebt, erhielt er 1819 die Lrlaubniß zur Rückkehr nach Frankreich. Später beschuldigte man ihn, den Ministern Kerl's X. den Staatsstreich von 1830 angcrathen zu haben; allein es ist gewiß, daß er eine Denkschrift ganz im entgegengesetzten Sinne cinge- reicht hatte. Nach der Julirevolution erhob ihn die Dynastie Orleans zum Pair, und am Iv. Nov. 183a mußte er als Anhängw des Tiersparti sogar das Ministerium des Innern mit der Präsidentschaft übernehmen. Weil der Hof die allgemeine Amnestie verweigerte, legte er schon nach drei Tagen seineVerwaltung nieder. Seitdem lebte er von den Geschäften entfernt und starb zu Parisam 13. Mai 1839. Marezoll (Aug. Ludw. The,d.), Hofrath und ordentlicher Professor der Rechte an der Universität zu Leipzig, der Schn des Nachfolgenden, geb. zuEöttingen am 13.Febr. >794, studirte seit >811 zu Jena md dann unter Hugo zu Göttingen, wo ihm für seine Abhandlung „De iostitutiomim orline" (Eött. 1815, 4.) der Preis und bald darauf die juristische Doktorwürde zu Theil wrrde. Hierauf begann er in Jena Vorlesungen über das rörn. Recht, und folgte 1817 demRufe als außerordentlicher Professor nach Gießen, wo kr, auf Veranlassung eines Nusei an die Universität zu Rostock, 1818 zum ordentlichen 316 Marezoll (Ioh. Gottlob) Margarethe von Anjou Professor und >826 zugleich zum wirklichen Oberappellationsrathe befördert wurde. Sei«, I Vorlesungen wie seine schriftstellerische Tätigkeit blieben dem röm. Rechte zugewandt! l doch haben beide auch über das Strafrecht und die philosophische Seite des Rechts sich uiil glücklichem Erfolge verbreitet. Im I. 1837 folgte er einem Rufe an die Universität;« Leipzig, an welcher er in den Fachern des Civil- und Strafrechts erfolgreich thätig ist. Von seinen Schriften, in denen eine gründliche Durchdringung des Gegenstandes, Scharfsinn und Objektivität sich als charakteristische Eigenschaften offenbaren, erwähnen wir nvchdai „Lehrbuch des Naturrcchts" (Gieß. 1818), in welchem er zwischen Hugo und Kant zu Mitteln suchte; „Über die bürgerlicheEhre,ihre gänzliche Aufhebung und theilweiseSchmi, lerung" (Gieß. > 824); das „Lehrbuch derJnstitutioncn" (Lp;. >83»; 2.Aufl., >841), dmis welches einem dringend gefühlten praktischen Bedürfnisse in erwünschter Weise abgehelfn wurde; das „Gemeine deutsche Criminalrecht" (Lpz. >841), welches namentlich nüt Niiä, sicht aufVorträge über die Codisirationen einzelner Länder abgcfaßt ist; ferner cincReiheAh Handlungen in Grolman's und Löhr's „Magazin" unter dem Titel „Bemerkungen, Z>rii> fel und Vcrmuthungcn über einzelne Fragen aus dem röm. Civilrechte", und eine grch Anzahl von Aufsätzen und Monographien in der „Zeitschrift für Civilrecht und Prouf", welche er mit Linde und Schröter (früher mit Wening-Jngenhcim) herausgibt. Marezoll (Joh. Gottlob), ein bekannter deutscher Kanzclredncr, gcb. zu Plauen i« sächs. Voigtlandc am 23. Dcc. 1761, besuchte die dasige Schule, studirte 1778—8)« Leipzig und wurde hierauf Hauslehrer. Der Beifall, welchen eine Predigt von ihm fand, veranlaßte ihn, sich als Prediger auszubilden. Auf Zollikofer's Anrathcn gab erl'Sk einige von seinen Predigten und dann anonym die Schrift „Das Christenthum ohneEi- schichte und Einkleidung" (Lpz. >787) heraus, wurde indeß bald als der Verfasser dnstl- den bekannt und hierauf als Üniversitätsprcdi'ger nach Eöttingen berufen. Kurzvochi hatte er das „Andachtsbuch für das weibliche Geschlecht" geschrieben (2 Bde.-, Hz ' 1788—88; 4. Aust., 1817), das in mehre Sprachen übersetzt wurde. An Münter'S Stellt wurde er >784 Hauplpastor an der deutschen Petrilirche in Kopenhagen, 1803 aberSii- perintendcnt in Jena, wo er höchst segensreich wirkte bis zu seinem Tode, der am > 5. Zw 1828 erfolgte. Unter seinen Schriften erwähnen wir noch die „Predigten, vorzüglich!« Rücksicht auf den Geist und die Bedürfnisse unsers Zeitalters" (2 Bde., Eött. 1780—S-h 2. Aust;, 1783); „Über die Bestimmung des KanzelredncrS" (Lpz. 1783); „Predigten zur Erinnerung an die fortdauernde Wichtigkeit der Reformation" (Jena IÜZ22) und die M Schott hcrausgegebene» „Homilicn und einige andere Predigten" (Neust, a. d. O- >829). Marforio heißt die große, verstümmelte Marmorstatuc eines liegenden Flußgottch welche jetzt in dem Hofe eines Flügels vom Capitol an der Wand steht und an welcher sonst häufig, wie am Pasquino, allerlei Pasquinaden anxeheftet wurden. (S. Pasquill.)- Margarethe von Anjou, die Gemahlin König Heinrich's Vl. von England, ein! Tochter des Renatus von Anjou, TitularkönigS von Sicilien, und der Jsabella « Lothringen (s. d.), gehörte, von einem Bruder starl's V. von Frankreich abstammend, in das Geschlecht der Valois und wurde 1425 geborm. Sie besaß kühnen Geist und seltene Schönheit und verheirakhcte sich im Nov. 1444 mi. dem charakterschwachen Heinrich Vl., über den sie bald unumschränkte Herrschaft erlangte Die Feinde des Herzogs von El»«' ster, der als Oheim des Königs die Regentschaft führte, schlossen sich alsbald an sie, will dessen Sturz, vielleicht auch dessen Tod im Fcbr. 1417 herbciführte. Nach einer geheim» Bedingung des Ehecontracts erhielt der Oheim M's, Karl von Anjou, die Grafschaft Maine zurück, und dies erleichterte den Franzosen znri Jahre später besonders die Wieder- erobcrung der Normandie. Unwillig hierüber, klage das Volk den Herzog von Suffolk, den Unterhändler und Lieblingsministcr der Königin,des Hochverraths an. Suffolk wurdl zwar verbannt, aber an seine Stelle trat der Hcrzcz von Somerset, der Vertraute und Liebhaber der Königin, wobei sich das Volk noch heftsicr verletzt fühlte. Unter diesen Umständen brach der dynastische Kampf, der Krieg der Aeißen mit der Rothen Rose (s d.) aus, in welchem M. für ihren Gemahl handelte und goße Energie entwickelte. Auf ihren Betrieb entkleidete derKönig im Jan. > 455 den Herzq von Aork des usiirpirten Prolecto- rats, und auch nach dem Treffen von St.-AlbanS wüte sie im Kebr. I486 das Parlamen zu' N> da lm He V0! ser LU che ter Tc S>> z« Co dr< vol in ihr wa dir 3a un Th am gle Fr, schi sie vök Pr che, ihr, ml Ve zur tur Sc die ihr we hei 13 S, da s°l blc zu W so V, D S- zu 317 Margarethe (Königin von Dänemark) zur Einsetzung Heinrich's VI. in seine volle Würde zu bewegen. Nach der Niederlage von Norlhampton floh sic mit ihrem jungen Sohne, Eduard, nach Schottland, kehrte aber, als das Parlament im Oct. 146" den Herzog von Jork zum Thronfolger erklärte, zurück und brachte schnell ein Heer von 2"""" M. zusammen, mit welchem sie am 31. Dcc. I -Ui" den Herzog besiegte und erschlug. Desgleichen überwand sie am 15. Fcbr. 1361 den Grafen von Warwick im Treffen bei St.-Albans, wobei der König selbst in ihre Hände siel. Dessenungeachtet gelang e§ dem ältesten Sohne Aork's, Eduard IV.(s. d.), sich zum Könige ausrufcn zu lassen, und die Königin sah sich gcnöthigt, an die schot. Grenze zurückzuwci- chen. Doch sehr bald hatte sic wieder einHeer von 6"""" M. gesammelt, dem sie die größten Ausschweifungen erlaubte, das aber am 2!). Mai 1461 in der furchtbaren Schlacht bei Towlon vernichtet wurde. Hierauf wendete sie sich mit ihrer Familie nach Schottland und ging von hier, nachdem das Parlament die Acht über das Haus Lancaster ausgesprochen, zu Ludwig den XI. nach Frankreich, der ihr unter der Bedingung der Auslieferung von Calais 2""" Soldaten bewilligte. Mit dieser durch englische Flüchtlinge verstärkten Macht drang sie aus Schottland in Northumberland ein, eroberte mehre Schlösser, unterlag aber vollständig in der Schlacht am >5.Mai l 463 bei Hcxham. Sie floh nun mit ihremSohne in einen Wald, wo sie in die Hände von Räubern siel. Bei dem Streite über die Theilnng ihrer Kostbarkeiten gelang es ihr, sich durch die Flucht zu retten, aber nur, um in die Gewalt eines andern Räubers zu gerathen. Angeblich entdeckte sie sich demselben und fand durch ihn Gelegenheit, mit ihremSohne nach Lothringen zu entkommen, wo sie mehre Jahre bei ihrem Vater zu Nancy im Privatstande lebte. An der Empörung Warwick's und des Herzogs von Clarence, wodurch Heinrich VI. 147" für kurze Zeit wieder auf den Thron gelangte, nahm sie anfangs keinen Theil. Erst am Tage der Schlacht bei Barnct, am 14. Apr. >471, in welcher Eduard IV. die Krone wieder eroberte, landete sie in Begleitung ihres 18jährigen Sohnes bei Weymouth in der Grafschaft Dorset mit einem CorpS Franzosen. Obschon ihre Sache mit dem Tode und der Niederlage Warwick's verloren schien, drang sie doch entschlossen in die Grafschaft Elocester ein. Am 4. Mai 1471 wurde sie aber in dem mörderischen Gefechte bei Tewkesbury mit ihrem Anhänge von Eduard IV. völlig geschlagen und sogar nebst ihrem Sohne gefangen genommen. Man brachte den Prinzen vor den König, der ihn einer kühnen Antwort wegen ins Gesicht schlug, auf welches Zeichen die Herzoge von Clarence und Glocester den Prinzen sofort niederhiebcn. Gleich ihrem Gemahl, dessen man sich nach einigen Tagen durch Mord entledigte, wurde auch M. in den Tower gesetzt. Hier blieb sie vier Jahre, bis Ludwig XI. von Frankreich zufolge des Vertrags von Pecquigny mit 5V""" Kronen sie auslöste. Sie kehrte nun nach Frankreich zurück, wo sie am 25. Aug. 1482 starb. Sie würde ihrer Charakterstärke wegen hohe Ach tung verdienen, wenn sie ihr Leben nicht durch Ausschweifungen befleckt hätte. Margarethe, Königin von Dänemark und Norwegen 1387 —1412 und von Schweden seit 1388, geb. 1353, die Tochter König Waldemar's III. von Dänemark und die Gemahlin König Hakon'S VIll. von Dänemark, ergriff nach dem kinderlosen Ableben ihres einzigen Sohnes Olav's V. l387 die Zügel der Negierung in Dänemark und Norwegen. Sie setzte den Krieg mit Schweden, in den Dänemark noch von ihres Vaters Zeiten her verwickelt war, mit Glück fort und nahm in der Schlacht von Falköping am 12. Scpt. 1388 den König Albrecht gefangen, worauf sie auch den Thron von Schweden bestieg. Sodann berief sie 1397 die Stände der drei nord. Reiche nach Kalmar, wo am 12. Juli das Gesetz zu Stande kam, welches alle drei Reiche zu Einer Monarchie vereinigte. Diese sogenannte Kalmarische Union beruhte auf folgenden drei Hauptpunkten: I) Das Reich bleibt ein Wahlreich; 2) der Regent ist verpflichtet, abwechselnd in einem der drei Reiche zu residiren; und 3) jedes Reich behält seinen Senat, seine Gesetze und seine Freiheiten. Wenn schon in dem ersten Punkte der Keim der künftigen Auflösung der Vereinigung lag, so wurde dieselbe noch mehr dadurch gelockert, daß die Königin mehre der Bedingungen der Vereinigung verletzte und dadurch besonders den Schweden Veranlassung zu Klagen gab. Die Königin starb 1412 und ihr folgte in der Negierung der drei Reiche ihr Neffe Erich, genannt der Pommer. Die Königin M. vereinigte mit den Talenten einer Heldin auch zum Theil die Eigenschaften eines Herrschers. Sie hielt mit lobenswerther Festigkeit am 818 Margarethe von Frankreich Margarethe von Parma Gesetz, aber freilich nur insoweit, als dasselbe ihren Staatsplanen nicht entgegen war. Jh« Politik war gewandt und schlau. Die Meinung des Volks suchte sie durch reiche Geschenk, an die Kirche zu gewinnen. Sic sprach mit Kraft und Anmuth und bediente sich mit Vor theil der ihr von der Natur verliehenen Gaben weiblicher Schönheit und männliche Muths. Im Ganzen gebührt ihr der Ruhm einer großen Königin. Margarethe von Frankreich oder von Valois, die Tochter Heinrich's ll. und der Katharina von Medici, wurde am >4. Mai >552 zu Fontainebleau geboren. Durch Geist und Schönheit ausgezeichnet, mußte sie sich am l 8. Aug. 1572 mit dem Könige von Navarra, dem später» Heinrich IV. (s.d.) von Frankreich, verheirathen. Diese mit großer Pracht vollzogene Vermählung, die vielleicht nur die Hugenotten (s.d.) an den Hof ziehen sollte, war der Vorläufer der pariser Bluthochzeit (s. d.). Die junge Fürstin liebte ihren ebenfalls flatterhaften Gemahl nicht und hatte ihr Herz schon früher dem Hm zog von Gusse geweiht. Als Heinrich von Navarra heimlich vom Hofe entfloh, wurde st, noch lange daselbst zurückgehalten und ihrem Gemahl erst 1578 von der Mutter an den Hof nach Pau zugeführt. Ihrer Zügellosigkeit wegen veruneinigte sie sich bald mit demselben. Sie entfernte sich und nahm, vom Hofe zu Paris ebenfalls verstoßen, die ihr als-Hei- rathsgut zugedachte Landschaft Age'nois in Besitz, welche ihr jedoch der Marschall Malig- non entreißen mußte. Hierauf wendete sie sich in die Auvergne, wo sie Jugend und Schönheit in den unwürdigsten Abenteuern begrub. Als ihr Gemahl den Thron von Frankreich errungen, machte er ihr den Vorschlag, ihre kinderlose Ehe trennen zu lassen. Sic willigle unter der Bedingung ein, daß ihre Schulden bezahlt und ihr ein anständiges Jahrgeld aul- gesetzt würde, worauf Clemens VIII. 1599 die Scheidung aussprach. Jm J. 1606 gingst, nach Paris und fand bei Hofe einen sehr freundlichen Empfang. Sie baute sich in beliebigen Faubourg St.-Germain ein großes Schloß mit weitläufigen Gärten längs der Seim, wo sie fortan der Galanterie, frommen Übungen und dem Umgänge mit Gelehrten und Schöngeistern lebte. Abgesehen von ihren Verirrungen, besaß sie ebensoviel Gutmüthigkeil als Geist; oft borgte sie, um Unterstützung gewähren zu können. Sie starb, als der letzte Sprößling der Valois, am 27. März 1615 und hinterließ ungeheure Schulden. Ihr Herz wurde im Kloster der Kille» ciu 8»cre-<7oeur niedergelegt, das sie gestiftet hatte; sie selbst wurde in Saint-Denis bestattet. Man hat von ihr interessante „Nemoires" (Par. >628 und öft.; deutsch von Fr- von Schlegel, Lpz. 1803); eine Sammlung ihrer Briefe besorgte neuerdings Guessard. Margarethe von Ostreich, Statthalterin in den Niederlanden, die Tochter Kaiser Maximilian's I., geb. am 10. Jan. 1180, kam als Kind 1482 gleich nach dem Tode ihm Mutter, Maria, der Tochter des Herzogs Karl des Kühnen von Burgund, an den Hof Ludwig's XI., um dort erzogen zu werden, weil sie dem Dauphin, dem nachherigen Könige KarlVlII., zur Gemahlin bestimmt war. Nachdem jedoch dieser sich 1491 mitAnmydn Erbin von Bretagne, vermählt hatte und deshalb der Kaiser Maximilian mit ihm in Krieg gerathen war, kehrte sie, zufolge der Bestimmungen des Friedens zwischen Beiden, UOs an den Hof ihres Vaters zurück und vermählte sich 1497 mit dem Jnfanten von Spanien, Johann, Prinzen von Asturien. Auf der Fahrt nach Spanien hatte das Schiff, welches ft trug, einen heftigen Sturm auszuhalten, der dasselbe mit dem Untergange bedrohte. Damals fertigte sich die Prinzessin folgende Grabschrifr: „6i git lHai-Fot, I-, gentil'üemoi- selle gu'eiit rleux nmris, et mourit piicellk". Doch noch in demselben Jahre wurde ft Witwe, worauf sie sich 1501 mit dem Herzog Philibert II. von Savoyen vermählte, der aber ebenfalls schon 1504 verstarb. Hierauf ernannte sie ihr Vater zur Statthalterin in den Niederlanden, eine Würde, die sie mit Ruhm und zur allgemeinsten Zufriedenheit der vorher sehr unruhigen Niederländer bekleidete, die sie fast anbeteten. Sie starb zu Mecheln am I. Dec. 1530. Ihre Reden, sowol bei Hofe als vor den Ständen gesprochen, ihre Gedichte und Witzspiele, nebst ihren „Diseours 538 m>' Margarethe von Valors Marheineke 919 Octrvio Farnese, dem Herzoge von Parma und Piacenza. (S. Farnese.) Als Statthalterin der Niederlande benahm sie sich nebst Granvella (s. d.), der ihr zur Seite stand, mit solcher Umsicht, daß cs ihr vielleicht gelungen wäre, den Aufstand zu bewältigen, wenn nicht Philipp ll. den verhaßten Herzog von Alba gesendet hätte. Da derselbe bei seiner Ankunft, im Aug. »587, sogleich mit Vollmachten auftrat, die ihre Würde zu einem blo- sen Titel machten, so legte sie dieselbe bald nachher nieder und ging zu ihrem Gemahl nach Italien, wo sie zu Ortoua 1586 starb. Margarethe von Valois oder von Navarra, früher von Angouleme, die Schwester Franz's I. und die Tochter Karl's von Orleans, Herzogs von Angouleme, mit Luise von Savoyen, geb- zu Angouleme am l >. Apr. 1-192, vermählte sich am 9. Oct. 1 509 mit Karl, letztem Herzog von Alencon, erstem Prinzen von Geblüt und Connetable von Frankreich, der zu Lyon nach der Schlacht von Pavia 1525 starb. Aus Liebe zu ihrem Bruder, Franz I., begab sie sich nach dessen Gefangennehmung nach Madrid, um ihn während seiner Krankheit zu pflegen, und trug viel dazu bei, ihm eine würdevolle Behandlung zu sichern. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich bezeigte ihr Franz seine Dankbarkeit, besonders bei ihrer Vermählung im 1. 1527 mit Henri d'Albret, König von Navarra, mit dem sie einen Sohn, welcher 1530. starb, und Jeanne d'Albret, die Mutter Heinrich's IV., zeugte. Ihre Maßregeln auf dem Throne waren einer großen Fürstin würdig. Sie hob den Ackerbau, ermunterte die Künste, beschützte die Gelehrten, ließ mehre Städte, z. B. Pau, befestigen und trug zu deren Verschönerung bei. Ihr Bestreben, sich von Allem selbst zu unterrichten, veranlaßte sie, auch protestantischen Theologen Gehör zu leihen und sich mit ihren Grundsätzen bekannt zu machen, und ihre Ansichten hierüber legte sie 1533 in einer kleinen Schrift „Mrnir cle l'Lme pedmresse" nieder, welche von der Sorbonne verurtheilt wurde. Gegen Ende ihres Lebens kehrte sie indeß zur katholischen Religion zurück. Sie starb am 21. Dec. >519 auf dem Schlosse Odos oder Orte; in Bigorre. M. verband einen männlichen Geist mit aller Anmuth ihres Geschlechts. Sie liebte die Künste und schrieb mit Leichtigkeit in Versen und in Prosa. Ihre Poesien und ihre Schönheit erwarben ihr den Namen der zehnten Muse und der vierten Grazie. Sie hinterließ „1Iei>ta- meron ries nouvelles", von El. Gruget geordnet (Par. 1 559, 1.; 2 Bde., Amst. 1 698; 3 Bde., Bern 1766—81), eine Sammlung von Erzählungen im Geschmacke des Boccaccio, welche zuerst 1558 unter dem Titel „I^es umuuts fortmies" erschienen waren. Die Leichtfertigkeit derselben stimmte mit den damaligen Sitten überein und darf keineswegs zu falschen Schlüssen auf den Charakter der Verfasserin verleiten. Ein Thcil ihrer dichterischen Productionen war noch bei ihren Lebzeiten unter dem Titel „Nurguerites 6« la lilsrAuerite 1) und den „Institution«« szsmdvlicae" (3. Aufl., Berl. 1636) hohe Achtung zollen. 320 Maria Aach sein „Entwurf der praktischen Theologie" (Bcrl. l 837) verdient alle Anerkennung. Die kirchlichen Zcitfragen bliebe» von M.'s Seile nicht ohne ernste Würdigung und Amwort, wie dies seine im Agcndenstreite, in dem durch Möhler angcrcgrcn Kampfe, in du Angelegenheit Bruno Baucr's, gegen Gorres und Droste Vischering erschienenen Schrift- chcn beweisen. In seinen Predigten, die in verschiedenen Sammlungen (Gölt. Erl. I8<>3 und Berl. l8I4 und > 818 ) von ihm hcrausgcgeben worden sind, herrscht das didaktische Element vor. Maria, in der Kirchensprache UnsereLiebeFrau (U.L.F.), auch die heilige Jungfrau, franz. zuweilen Xntro v.une, ist der Nachwelt nur durch wenige beglaubigte Züge bekannt. Die evangelische Geschichte gibt über ihre Abstammung keinen deutlicher Aufschluß und gedenkt ihrer als einer Jungfrau, die zu Nazareth lebte und mit einem Zim- mermanne, Namens Joseph, verlobt war. Ein Himmclsbote verkündigte ihr, sie werde einen Sohn gebühren, der Gottes Sohn heißen und der Netter sein werde, welchen daSjüd, Volk erwartete. Demüthig unterwarf sic sich dem Willen des Höchsten und soll nach der Tradition Jcsum in ihrem > 5. Lebensjahre geboren haben. Über ihre erziehende Thätigkril, sowie über ihren Charakter laßt sich aus den Evangelien nichts Bestimmtes erkennen ; doch ist ihr stilles Aufmcrkcn auf die geistige Entfaltung Jesu und ihre Scelcnstärke bei du» Tode desselben unverkennbar. Daß sie nachmals elf Jahre im Hause des Johannes gelebt habe und überhaupt 5l> Jahre alt geworden, zuletzt aber gen Himmel gefahren sei, ist thcilj ^ unverbürgte Nachricht, theils spater entstandene Sage. Schon gegen das Ende bei 4. Jahrh. erhoben sich unter den Christen Parteien, welche der M. entweder zu viel oder zu wenig B erehru n g erwiesen. Thrazischc und skythische Christinnen trugen auf sie in Anbien den Cultus der Cybcle über; sie dienten ihr mit Gebeten, Umgangen und Opfern, wobei sie auf einem Stuhlwagen kleine Kuchen (griech. Kollyris) darbrachtcn, weshalb ja Kollyridianerinnen genannt wurden. Auch singen die strenggläubigen Theologen selbst an, die Meinung, daß M. ewig Jungfrau geblieben sei, als Glaubenslehre zu verfechten, und nannten eine in Arabien aufgekommenc Partei, welche dieselbe als wirkliche Ehefrau Joseph's und nicht ohne biblischen Grund als Mutter mehrcr mit ihm erzeugter.Wider betrachtete, Antidikomarianitcn, d. h. Widersacher der Maria. Wegen derselben Ansicht wurden am Ende des t. Jahrh. Helvidius in Palästina und der Bischof BonosuS in Jllyricn verdammt. Die Verehrung der M. steigerte sich namentlich vom 3. Jahrh. a», als ihr die Kirche gegen des Ne storius (s. d.) Ansicht den Namen der M u t tcr GoeieS beilegte. Später kam durch Paschasins Nadberkus (s. d.) die Meinung von ihrer wunderbaren Entbindung hinzu. Schon im li.Jahrh. fing man an, Feste zur Ehre der M.zn feiern, wie das der Reinigung, d.h. des Kirchgangs zum Tempel in Jerusalem, am l.Febr., das der Verkündigung am25.März und das der Heimsuchung, d.h.des Besuchs dcrM.bei Elisabeth, am 2 . Juli, die auch in mehren protestantischen Ländern bcibchalten sind. Ferner begehen die griech. und die röm.-katholische Kirche, sowie die schismalischc Kirche im Orient als Feste Mariä Geburt am 8 . Scpt. und Mariä Himmelfahrt (.^»mti») am I ä.Aug. Ein Fest der unbefleckten Empfänzniß der M. kam um I l auf, ist aber wegen des Widerspruchs der Dominicaner gegen diese Lehre nie allgemein angenommen worden. Im Mittelalter artete die Verehrung der M. in völlige Gleichstellung mit Christus aus; man behauptete, ihr gebühre b^x-i-chilm, den übrigen Heiligen nur «Inlia; man hatte sogar „Usulteru, Kn- ris-?t und „vibliu Sisrisiul". Zugleich kam die Meinung von der wunderthätigcn Kraft mehrer alten Marienbilder auf, von denen die zu Lorctto (s d.) in Italien und zu Cz e nsto chau (s. d.) in Polen noch jetzt in großem Nufc stehen. Mehre geistliche Orden wurden zu Ehren der M. errichtet; dahin gehören der Bcttelocden der Servilen (s-d.) und alle die weiblichen Orden, die sich nach Unsrer Lieben Frauen nennen, z. B. die Nonnen von der Empfänzniß, von der Verkündigung (s. F ran c iSc a ner), von der Heimsuchung (s. Salesianer! nnen) u. s. w. — Ändere Marien, deren das Neue Testament gedenkt,sind I)Maria von Bethanien, die Schwester des Lazarus; 2 ) Maria von Magdala (s. Mazda lcna); 3) Maria, des Kleovhas Frau, die Mutter des Apostels Jakobus des Jüngern und zugleich die Schwester dcrMuttcrJesu, und 4) Maria,die Mutter des MarcuS. — Maria heißen mit besondern Beinamen auch viele Orte, wo skü- Maria Theresia (deutsche Kaiserin) 321 her wunderthätige Marienbilder aufgestellt waren; so Markafeld, ein Wallfahrtsort im illyr.Gouvernement Laibach; Mariahilf, ebenfalls in Zllyrien und in Böhmen; Mariaschcin bei Teplitz; Mariazell (s. d.5 in Steiermark u. s. w. Maria Theresia, deutsche Kaiserin, Königin von Ungarn und Böhmen und Erz. Herzogin zu Ostreich, die Tochter Kaiser Karl'sVl., wurde zu Wien am 13.Mai 1717 geboren und erhielt, von ihrem Vater durch die Pragmatische Sanction (s. d.) zur Thronfolgcrin bestimmt, eine diesem hohen Berufe angemessene sorgfältigeErziehung. Unter mehren Fürsten, welche sich um ihre Hand bewarben, wählte sie 1736 den Eroßherzog von Toscana, Franz Stephan (s. d.), aus dem Hause Lothringen, der von früher Jugend auf am kaiserlichen Hose erzogen worden war, zu ihrem Gcmahle. Nach dem Tode ihres Vaters, am 2 l. Oct. 1740, bestieg sie den Thron von Ungarn, Böhmen und Ostreich, worauf sie am 21. Nov. ihren Gemahl zum Mitregcnten ernannte. Sie fand die Monarchie erschöpft, die Finanzen zerrüttet, das Volk misvcrgnügt und das Heer, mit Ausschluß des inJtalicn stehenden, nur 30000M. stark. Um so gefährlicher und bedenklicher war unter diesen Umständen die gleich nach Karl's VI. Tode von Preußen, Baiern, Sachsen, Nea- vel und Sardinien geschlossene Verbindung zu einem Kriege, den dicscStaatcn, von Frank, reich angeregt, trotz ihrer Anerkennung der Pragmatischen Sanction, gegen die junge Königin in der Absicht unternahmen, ihre vermeintlichen Erbansprüche auf einzelne Länder der sstr. Monarchie nach Erlöschung des habsburgischcn Mannsstammes geltend zu machen. Da» erste Zeichen zur Kriegserhcbung gab der König von Preußen, Friedrich 11., der auf eralkcte, durch frühere Ausgleichungen mit Ostreich beseitigte Anrechte an vier schlcs.Fiu- n'tbumer gestützt, am 23. Dec. 1740 mit einer 26000 M. starken Armee in das wehrlose Lchlesicu cinsiel und binnen kurzer Zeit sich in den Besitz desselben setzte. (S. Schlc fische Kriege.) Tsie übrigen Verbündeten folgten diesem Beispiele, und während Spanien und Neapel der östr. Besitzungen in Italien sich bemächtigten, eroberten die Franzosen, Baiern und Lachsen einen Thcil der deutschen Erbländer. Von so vielen mächtigen Feinden mit einen: Male zugleich angegriffen, befand sich die Königin in einer höchst gefährlichen Lage. Ohne Geld, ohne Truppen, ohne geeignete Minister und Feldherren, von allen frühern Freunde» Ostreichs verlasse», halte sie unterliegen und ihr Reich der Zerstückelung preisgeben müssen, wenn nicht der Beistand des Königs von England, Gcorg's ll-, die Treue der Ungarn and ihre eigene Charakterfestigkeit, sowie die Uneinigkeit und Verkehrtheit von Seiten ihrer Feinde sie gerettet hätten. Nachdem Beharrlichkeit und Glück sic nach und nach von dem größten Lheil ihrer Feinde befreit hatten, schloß sie cndlich,auch mit Frankreich, das am längsten und hartnäckigsten sie befehdete, zu Aachen >748 einen Frieden, der diesem achtjährigen Erbfolgckrieg (s. d.) ein Ende machte. In demselben wurde M. allgemein als die Erbin der väterlichen Monarchie anerkannt; abgesehen Schlesien und Elatz, verlor sic nichts als die Herzogthümer Parma, Piacenza und Euastalla, welche an den span. Jnfan- ten Philipp abgetreten werden mußten; ja sie hatte im Laufe dieses Kriegs sogar die Freude erlebt, daß durch die Krönung ihres Gemahls Franz Stephan am 13. Scpt. 1745 unter dem Namen Franzi, die deutsche Kaiserwürde nach kurzer Trennung aufs neue an ihr Haus gekettet wurde. Während der nun eintretenden Zeit des Friedens wendete die Kaiserin ihre ganze Sorgfalt auf die Reorganisation ihrer Staaken. Namentlich faßte sie die zerrütteten Finanzen und das Militairwesen ins Auge. Nachdem sie schon früher bei ihrem Regierungsantritt die übermäßigen Verwendungen ihres Vaters für Prunk und Kunst eingeschränkt, viele der zahlreichen Hofdiener und hochbesoldctcn Hofkünstler, Sänger und Sängerinnen, Maler, Bildhauer und Baumeister theils entlassen, theils in ihren Gehalten herunkergesetzt und den unverschämtesten Betrügereien im Haushalte gesteuert hatte, schritt sie nunmehr zu einer durchgreifenden Umgestaltung und Verbesserung des ganzen Finanz, systems. Zufolge der neuen, besonders durch den Grafen von Haugwitz eingeführtcn Kameraleinrichtung von > 7 47 wurden die Lasten auf alle Staatsangehörige nach möglichst gleichen und verhältnißniäßig billigen Grundsätzen vcrthcilt, und hierdurch, sowie durch die hicrnachst erfolgendcNcckificirung der Grundabgaben, Einführung der Urbarien und Grundbücher, Aufhebung von Steuerbefreiungen, Vereinfachung dcß Staatskassenwescns, besou- C-Nv. - Lex. Neunte Aufl. IX. 21 322 Maria Theresia (deutsche Kaiserin) ? der- aber durch Hebung des Ackerbaus und der Industrie und durch Begünstigung dil xer Handels die Einkünfte des Staats, ohne größere Belästigung der Steuerpflichtigen, zu st, günstigen Verhältnissen emporgehoben, daß 1756 bei einem Ausgabebedürfniß von nui ^ 22 Will. Fl. dieselben auf 57 Mill.Fl. stiegen, während sie in den letzten Regierung sichre» Th Karl's VI., ungeachtet des damals größcrn Länderumfangs, etwa nur 36 Mill. betrag!» St hatten. Einen beträchtlichen Theil der durch die verbesserte Finanzverwaltung gesteigert!» nal Einkünfte verwendete die Königin auf das Kriegswesen, dessen Wichtigkeit sie in den Z«i- lrn ken der Noth nur zu klar erkannt hatte. Das Heer wurde, außer den in Ztalien und de» wis Niederlanden befindlichen Truppen, auf 168600 M. vermehrt, durch Gründung vonM- ligl litairbildungsanstalten mit geschickten Offizieren versorgt, von Zeit zu Zeit durch größm .> Th Kriegsmanoeuvres geübt und das ganze Kriegswesen überhaupt unter Daun's Leitung ms zun einen bessern Fuß gesetzt. Auch in der Gerichtsverwaltung machte sie große Veränderung!». s.lb Die Justizsachen wurden von den öffentlichen und Policeiangelegenheiten getrennt, dik die Provinzialkanzleien aufgehoben und ein höchster Gerichtshof für die letzte Instanz mich- z verstattete ihm jedoch ebenso wenig, wie früher ihrem Gemahl, sich in die innern Negierungs- tzus« j angelegenheiten zu mischen und überließ ihm nur die Fürsorge und Leitung des Kriegs- »ui wesens. Als nach August's lll. von Polen Tode Rußland und Preußen sich erst in die chren Thronfolgehändel, dann in die innern Regierungsangelegenheiten des in sich zerrütteten agk» Staats mischten, und endlich gar zur Theilung eines Drittheils dieses Landes schritten, ert« nahm auch die Kaiserin an diesem Länderraube Antheil. Zwar widerstrebte sie anfangs Zei- lange Zeit dem Andringen der übrigen Mächte und befragte sogar den Papst, der ihr Ge» > der wissen erst darüber beruhigen mußte; endlich aber, besonders durch Kaunitz überredet, wil- M- ligte sie in den am 5. Aug. 17 72 zu Petersburg mit Preußen und Rußland abgeschlossenen Hm Theilungsvertrag, zufolge dessen sie Galizien und Lodomerien, im Ganzen einen Länder- > aus zuwachS von l280 mM. mit 2Mill. E. erhielt. Auch die Pforte mußte ihr, da sie dje- M ftlbe mit wiederholten Foderungen ängstigte, um sie zufriedenzustellen, am 25. Febr. l777 > dir die Bukowina abtreten.. Um diese Zeit veranlaßte der Tod des Kurfürsten von Baiern am mch- 30. Dec. 1777, weil Ostreich dieses Ereigniß zur Durchsetzung seines Planes, sich nach Dir Süddeutschland hin auszudehnen, benutzen wollte, den kurzen und unblutigen bair. Erb- 'Nseil folgekrieg (s. d.), der in dem Frieden zu Teschen mit Abtretung des Jnnviertels an M Ostreich endigte, aber im Verein mit der Errichtung des Fürstenbundes (s. d.) eine merk» it ih' liche Abnahme des Einflusses Ostreichs auf Deutschland zur Folge hatte. Nach diesem,Frie» Ml- den schloß sich übrigens die Kaiserin enger an Rußland und Preußen an, um dem Erzherzog D, Maximilian die Kurwürde von Köln und das Bisthum Münster zu verschaffen, welches che- ihr auch trotz Fricdrich'sll. Gegenbemühungen kurz vor ihremTode, der am2S.Nov. 1780 and, erfolgte, noch gelang. Die Kaiserin war eine Frau von festem, fast männlichem Charakter, und mit Verstand und Muth zum Selbstregieren begabt; mit ernstem, regem Pflichtgefühl e»t> ihrem hohen Berufe ergeben und unermüdlich thätig. Sie herrschte in ihren Staaten zwar trotz nicht frei von Vorurtheilen und Fehlgriffen, aber wohlmeinend und wohlthätig wie eine , an Mutter. Ihr unablässig auf die innere und äußere Größe der Monarchie gerichtetes Stre- holt, ben hatte so glücklichen Erfolg, daß bei ihrem Tode das Haus Ostreich auf dem Gipfel seiner ank> Macht stand. Die Kämpfe, die die Kaiserin mit halb Europa zu bestehen hatte, machten sie Ee- auf die reichen Hülfsmittel der Monarchie aufmerksam, und diese Belebung der materiellen bald Staatskräfte, verbunden mit dem erhebenden Umschwung und der geistigen Erkräftigung, n in welche durch Verbesserung der Gesetze, Errichtung von Schulen und Weckung des Gewerben! heißes auch im innern Staatsleben hervorgebracht wurde, machen ihre Regierungsperiode mn- zu einem Wendepunkte in der Geschichte des östr. Staats. Wohlstand und Bildung wur- n in den während ihrer Regierungszcit immer allgemeiner, die Staatseinnahmen überstiegen l am stets die Ausgaben und das Kriegsheer wuchs bis auf 260000 M. Obschon dem röm.-ka- igm tholischen Glauben eifrig zugethan und von Andächtelei befangen, war sie doch nicht blind em> gegen die vielen Misbräuche ihrer Kirche und wahrte gegen den röm. Stuhl mit großer 756 Festigkeit die Rechte ihrer Krone. So verbot sie die Gegenwart des Geistlichen bei Testachen mentsvcrrichtungen, hob das Asylrecht der Kirchen und Klöster und die Inquisition in che» Mailand auf, unterdrückte 17 7 3 den Jesuitenorden, verordnete für beide Geschlechter ein mch Alter von 25 Jahren, um in ein Kloster sich aufnehmen zu lassen, schaffte die von den Pfar» gr°> rern eigenmächtig angeordnelen äußerlichen Kirchenstrafen und Bußen ab, untersagte die Hen Reisen der päpstlichen Nuntien in Ostreich und befahl, mit dem röm. Stuhle nur mittels luch ! des Ministeriums der innern Geschäfte in Verbindung zu treten. Obgleich nicht zur De- rieg ^ drückung und Verfolgung Andersgläubiger geneigt, that sie doch, besonders in der früher» chk, Zeit ihrer Regierung, wenig, um die Protestanten in ihren Ländern zu schützen oder ihr Loos and zu erleichtern. Ihre Kinder liebte sie mit der innigsten Zärtlichkeit, ebenso war sie ein Mumm ster ehelicher Liebe. Nach dem Tode ihres GemahlS^erschien sie stets in tiefer Trauer; auch Hi' i vernachlässigte sie später den Putztisch gänzlich, um so mehr vielleicht, weil sie im spätern ie- Alter übermäßig stark geworden und 1767 erst die Blattern und bald darauf ein Sturz tur mit dem Wagen ihr Gesicht durch Narben entstellt hatten. In der Regierung hatte sie ihren am ältesten Sohn I o s e p h ll. (s. d.) zum Nachfolger. Von ihren drei jünger» Söhnen verhalf res sie Leopold zum Großherzogthum Toscana, Ferdinand durch die Vermählung mit der Erb- aii, 21* 324 Maria I. (Königin von England) tochter des Herzogs von Modena zur Erbfolge in diesem Herzogthumc und Maximilian Kur- und Bischofswürde von Köln und Münster. Von ihren sechs Töchtern war die ältch ' Äbtissin zu Prag und Klagcufurt; die zweite, Marie Christine, der Mutter Liebling, mil Herzog Albert von Sachsen-Teschcu vermählt; die dritte Äbtissin zu Innsbruck; die ximi Gemahlin des Herzogs von Parma; die fünfte, Marie Antoinette, mit dem Könige««, Frankreich, und die sechste, Aaroline Marie, mit dem Könige von Neapel vermählt. Dgl. Duller „M. Theresia und ihre Zeit" (Wiesb. 1833). Maria I-, Königin von England, 1553—58, die Tochter Heinrich's Vlll. (s,d.) aus dessen Ehe mit Katharina von Aragonien, wurde am l l.Fcbr. >515 geboren. H Vater ließ sie > 533, nachdem er sich von seiner Gemahlin getrennt, für unehelich und »itz thronsähig erklären, gab ihr aber, sowie ihrer Stiefschwester Elisabeth, das Threnrch durch die Succcssionsactc von 1533 zurück. Schon im Andenken an ihre Mutter blich Ä, streng der katholischen Kirche ergeben und lebte während der Negierung ihres Vaters imt ihres Stiefbruders, Eduard's VI., in gänzlicher Zurückgezogenheit auf dem Schloß Copxid- Hall in der Grafschaft Essex. Als ihr Eduard die Ausübung des altkixchlichcn Cultus vcmch ren wollte, ries sie sogar den Schutz ihres Oheims, Kaiser Karl's V., an, der mit einer Kriegs erklärung drohte. Um so geneigter wurde der junge König, auf die Nathschläge des ehrgrb zigen Herzogs von Northumberland (s. d.) einzugehcn. Derselbe erklärte I553chi Einwilligung des Parlaments M. und deren Schwester Elisabeth von der Thronfolge aiis geschlossen und bestimmte eine entferntere Verwandte, Johanna Gray (s. d.), die Tch«- gertochter Northumberland's, zu seiner Nachfolgerin. Wicwol man die katholische Gm- nung M.'s fürchtete, beleidigte eine solche Anordnung doch den Nechtssinn der Mm, Es gelang Northumberland, als der König am 0. Juli 1553 gestorben, seine Schwiiga- tochter als Königin ausrufen zu lassen. Allein schon nach einigen Tagen sah er sich vu!«- > sen und am 3. Aug. hielt M. ihren feierlichen Einzug in die Hauptstadt. Sic benahm lih anfangs mit Mäßigung. Nur Northumberland und einige Genossen büßten mit km Kopfe; in Nücksicht der Religion erklärte sie, daß sie cs Gott überlasse, die Irrendem«' den rechten Weg zu führen. Doch schon einen Monat nachher begann die Einkerkerung de, protestantischen Wortführer, und im Oct. hob das gefällige Parlament alle Gesetze aiifd» in Ansehung der Religion unter der vorigen Negierung waren erlassen worden. Hi» erfolgte die Einsetzung der katholischen Bischöfe und die Berufung des Cardinallegam. Pole. Der Bischof Gardiner (s. d.), den die Königin zum Kanzler wählte, benukted» günstige Stimmung der Nation und unterhandelte nach dem Wunsche des Kaisers dielba mählung der Königin mit dessen Sohne, dem spätcrn Philipp II. (s. d.) von Spami«, Obschon in dem im Jan. 1553 geschlossenen Vertrage die Unabhängigkeit Englands gl- wahrt war, so erfüllte dieser Schritt doch das Volk, in Erinnerung des grausamen Drucks der span. Politik, mit Furcht und Unwillen. Ein Edelmann aus Kcnt, Thomas Woat,lü- reitete deshalb mit einigen andern kühnen Männern einen Aufstand vor, an dem sich aut der Herzog von Suffolk (s. d.) bethciligte, um seine im Gefängniß schmachtende TockM Johanna Gray, wieder auf den Thron zu setzen. Der Anschlag mislang durch Zufall gänzlich, und die Königin ließ nicht nur die Häupter der Verschwörung, sondern auch die unschuldige Johanna und deren Gemahl das Blutgerüst besteigen. Zugleich ließ sie, aufdit falsche Aussage Wyal's, ihre Schwester Elisabeth und deren Anbeter, Devonshire, gefangen sehen und scharf verhören. Doch stellte sich Beider Unschuld heraus, sodaß sie ihre Dch-! nicht befriedigen durfte. Nachdem M. das Ziel zärtlicher Ungeduld erreicht und ihre Ehe« s Juli l 553 mit Philipp vollzogen hatte, that sie liebesüchtig Alles, was ihrem stolzen, hcrrschsüchtigen, 26 Jahre alten Gatten nur gefallen konnte. Während sie eine Obedienz- gesandtschaft nach Nom sendete, mußte öas durch span. Gold erkaufte Parlament den Legaten Pole reumüthig um Aufnahme der Nation in den Schoos der katholischen Kirche bitten und die furchtbaren Ketzer- und Hochverrathsgesetze Heinrichs VIII. erneuern. Unter da Leitung Gardiner's wurden diese Gesetze auch sogleich vollzogen. Viele Protestanten, darr«- 1er die Bischöfe Latimer (s. d.), Ridley, Fcrrar und Hooper, starben unter scheußlickicn Martern schon in der ersten Hälfte des 1.1555 den Feuertod. Nach dem Muster der st« Inquisition richtete der Hof sogar eine aus 22 Personen zusammengesetzte KetzcrcomnüsM ein, die fan Mi st-u ihr der bcf keh sie L gef test gei ne> W Frau, vor lid, Ca sra da! ein Un Ku si- Hc ma Bl Lst Lu uni S- El la> sch S na S de vl E di ni m ft st d, l- z' l> d Maria Stuart (Königin von Schottland) 325 ein, an deren Spitze dcrBischosBonner von London stand, ein wilder, brutaler Mann, dem die Barbarei Vergnügen machte. Üble Eemüthsstimmung, in welcher sich die Königin befand, steigerte ihre VcrfvlgungSwuth zum Blutdurst. Die verfehlte Hoffnung auf eine Mutterschaft, die Gleichgültigkeit ihres Gemahls, der schon nach einem Jahre in seine Erbstaaten ging, stürzten sie bereits gegen Ende des I. l 555 in tiefe Schwermuth. Sie brachte ihre Zeit in Einsamkeit unter Thräncn zu, oder schrieb zärtliche Briefe an ihren Gemahl, der dieselben nur beantwortete, wenn er Geld brauchte. Um die Foderungen Philipp's zu befriedigen, überlud sic sich durch erpreßte Darlehen mit Schulden und vernichtete den Verkehr durch drückende Steuern. Ihre Finanzverlegenheiten wurden uni so dringender, als ste l555 die Kirchengütcr für ihre Person rcstituirte und die päpstlichen Annaten erneuerte- Weil sie meinte, die Entfernung ihres Gemahls rühre von dem Widerstande der Nation gegen die span. Politik her, so verdoppelte sie mit dem I. 1556 ihre Wuth gegen die Protestanten. Im März mußte auch Cranmer (s. d.) den Feuertod sterben; nach Einigen erlitten in den ersten drei Jahren überhaupt 360, nach Andern sogar 800 Personen dasselbe Schicksal. Durch die Drohungen Philipp's sah sich die Königin gegen den Willen und das Interesse der Nation genöthigt, an dem Kriege zwischen Spanien und FrankreichTheil zu nehmen. Nachdem sie am 7.Juni 1557 Heinrich II. förmlich den Krieg augekündigt, rüstete sie mittels unerhörter Erpressungen die Flotte und sendete ein Corps von 8000 Engländern nach den Niederlanden, welches daselbst zur span. Armee unter Phi- libert von Savoyen stieß. Die geringen Erfolge der Spanier, besonders die Eroberung von Calais am 8. Jan. 1558 durch den Herzog von Euise, womit die letzte engl. Besitzung auf sraiiz. Boden verloren ging, stürzten sie in Verzweiflung. Sie berief endlich am 2 l. Jan. das wiederholt auscinandergctriebene Parlament, das reichliche Subsidien zur Ausrüstung einer Flotte bewilligte, welche Brest als Entschädigung wegnehmen sollte. Doch auch dieses Unternehmen scheiterte. Noch während der Friedensverhandlungen erlag die Königin dem Kummer und der Wassersucht; sie starb ai- I7.Nov. 1558. „Nach meinem Tode", äußerte sie oft zu Denen, welche sic aufheitern wollten, „werdet ihr den Namen Calais in meinem Herzen finden". Bei aller Bigoterie und Grausamkeit, welche ihre Negierung verhaßt machten, war sie nicht ohne Fähigkeit, Bildung und Geistesstärke; sie erhielt den Namen der Blutigen (Ijloocl)' Llar/). Auf dem Throne folgte ihre Stiefschwester Elisabeth (s. d.). Vgl. Griffet, „^louvemix ecüiüreiszeineiit? «irr I'kirtoire 542—68, die Tochter Jakob's V. von Schottland und der Maria von Lothringen, wurde am 5. Dec. 1542 zu Linlithgow bei Edinburg, acht Tage vor ihres Vaters Tode, geboren. Schon in der Wiege Königin, verlangte sic Heinrich VIII. von England zur künftigen Gemahlin für seinen Sohn, und die schot. Protestanten unterstützten diese Verbindung. Die Königin-Mutter aber wahrte als Schwester der Euiscn das katholische Interesse und brachte die Tochter im Febr. >548 nach Frankreich, wo man sie sorgfältig in einem Kloster erzog. M. zeichnete sich durch Schönheit, Anmuth und Bildung aus und wurde am 28. Apr. 1558 mit dem Dauphin, dem späteren Franz II. (s. d.), vermählt. Nach dem Tode ihres Gemahls von Katharina von Medici ungern gesehen, kehrte sic im Aug. 1561 nach Schottland zurück, dem^sic durch Erziehung und Sitte gänzlich entfremdet war. Nur zufällig entging sie bei der Überfahrt der Nachstellung der Königin Elisabeth (s. d.) von England, die sie als Weib und Königin haßte. Als die Enkelin Margarctha's von England (s. Tudor) hatte sich M. nicht mit der Aussicht auf den engl. Thron begnügt, sondern wgr den Ansprüchen Elisabeth s zu nahe getreten, indem sie den engl. Königsritel annahm und ungeachtet aller Gegenvorstellungen behielt. Überdies weigerte sie sich, die Acte anzuerkennen, durchweiche >560 das Parlament in Schottland, nicht ohne Ermunterung von Seiten Elisabeth's, die Reformation eingcführt hatte. Bei ihrer Ankunft versprach sie zwar den kirchlichen Zustand zu achten, ließ aber in ihrer Hauskapelle katholischen Gottesdienst halten. Dies, sowie ihre leichtfertigen franz. Sitten, erbitterten die strengen Protestanten und erregten besonders den Eifer des Reformators Knox (s-d.), der über die Laster der Königin öffentlich predigte- 326 Maria Stnart (Königin von Schottland) Nachdem M. die Hand des Grafen Leicester (s. d.), des Favoriten Elisabeth'«, auSP, schlagen, traf sie Anstalten, sich mit ihrem Vetter, dem Schotten Robert Darnley, dm Sohne des Grafen Lenox, zu vermählen. Derselbe war katholisch, jung, schön und bestf als der Enkel Margaretha's von England aus einer zweiten Ehe, nach M. die nächst» Ansprüche auf den engl. Thron. Die von Elisabeth angestifteten Protestanten, an d-m Spitze der natürliche Bruder M.'s, Graf Murray (s. d.), stand, suchten die Verbindunz mit den Waffen in der Hand zu verhindern. Die Königin unterdrückte die Empörung mt feierte ihre Vermählung mit Darnley am 2S. Juli > 565. Darnley zeigte sich jedoch bil! ausschweifend und herrschsüchtig, behandelte seine Gemahlin mit Roheit und wurde dH, i von derselben mit Kaltsinn und Verachtung gestraft. Die Königin hatte einen alten, HG ' lichen Italiener, Dav. Rizzio, einen Sänger, in ihrer Umgebung, der ihr zugleich als Rch. geber und Secretair diente und besonders die geheime Korrespondenz mit den katholisch» Höfen besorgte. Diesem Manne schrieb Darnley den Kaltsinn seiner Gemahlin zu uni beschloß deshalb, von den protestantischen Häuptern in seinem Verdachte bestärkt, denselbu aus dem Wege zu schaffen. Er überfiel am 9. März >566 die hochschwangere Königin, als sie in ihrem Schlosse Holyrood zu Tische saß, und ließ vor ihren Augen den Rizzio m seinen Mitverschworenen ermorden. Die Königin sah sich zugleich in Gefangenschaft gi< halten und mußte den Zorn über den Schimpf, den sie als Weib und Königin erlitten, der Hand unterdrücken. Sie gewann ihren Gemahl, der ihr die Mitschuldigen entdeckt! floh mit demselben nach Dunbar, wo sie ein Corps Getreuer sammelte und damit die B»- schwörer zur Flucht nöthigte. Der GrafBothwell, der schon große Gewalt über die Königin besaß, besänftigte sie jedoch und wirkte den Verschworenen Verzeihung aus. Am S.Zim gebar die Königin einen Sohn, Jakob VI., der später als Jakob I. (s. d.) den Thron « Großbritannien bestieg. Darnley zeigte sich bei dem Ereignisse gleichgültig, wohnte da Taufe nicht bei und ging nach Glasgow, wo er an den Blattern erkrankte. Hier suchte ihr die Königin auf, führte ihn unter Beweisen ihrer Zuneigung zurück nach Edinburg und brachte ihn in einem einsamen Hause außerhalb der Stadtmauer unter, um daselbst s« Genesung abzuwarten. Sie pflegte ihn, schlief mehre Tage selbst in dem Hause, verließ ihn aber in der Nacht vom S. Febr. 1567, angeblich um bei der Hochzeit eines ihrer Dien« gegenwärtig zu sein. Gegen Morgen flog das Haus durch eine Pulverexplosion in die Lust und man fand Darnley und seinen Pagen todt im Felde liegen. Die öffentliche Stimm klagte sogleich die Königin und deren heimlichen Geliebten, den Grafen Bothwell, dei Mordes an. Letzterer wurde auch alsbald vor Gericht gezogen, aber nach einer Schein- procedur von der That freigesprochen. Bothwell trat nun als Bewerber um die Hand der Königin auf und compromittirte dieselbe in den Augen des Volks, indem er sie zum Schein auf eines seiner Schlösser entführte. Nachdem er Verzeihung erhalten und die Scheidung von seiner ersten Gemahlin bewirkt hatte, ließ sich die Königin in blinder Leidenschaft mit ihm am 15.Mai >567, drei Monate nach der Ermordung Darnley's, vermählen. Die Strafe folgte der frevclhafttn Verbindung auf dem Fuße. Bothwell liebte die Königin nicht, sondern hatte aus Herrschsucht gehandelt; er begegnete ihr sogleich brutal und trachtete, sich des Kronprinzen zu bemächtigen. Der protestantische Adel, über diese Vorgänge empört, schloß zu Stirling eine Conföderation zum Schutze der Dynastie und des Reichs, zog Trupen zusammen und nahm Edinburg ohne Schwertstreich, während die Königin am , 6. Juni 1587 mit ihrem Gemahl nach Dunbar floh und sich ebenfalls zum Widerstande ^ rüstete. Als jedoch die Truppen am 15. Juni bei Carberry zusammenstießen, knüpfte die Königin Unterhandlungen an und traf persönlich im feindlichen Lager ein, wo man sie gut aufnahm und ihr Schutz und Gehorsam versprach. Dessenungeachtet wurde sie zurrukgr- halten, als Gefangene unter Beschimpfungen vom Volke nach Edinburg gebracht, von hier aber unter dem Vorgeben, daß sie immer noch mit Bothwell im Briefwechsel stehe, »ach Schloß Lochleven abgeführt und daselbst in harte Gefangenschaft gesetzt. Die Lords risse» nun die Staatsgewalt an sich, raubten die königlichen Schätze und ächteten Bothwell, der nach Dänemark entkam, wo er acht Jahre später in Elend und Wahnsinn starb. Von ihre» Gegnern gedrängt, legte die Königin am 2t. Juli 1567 zu Gunsten ihres Sohnes die Krone nieder, für den Murray die Regentschaft übernahm. Da ihre Gefangenschaft fort' o27 Maria von Medici (Königin von Frankreich) dauerte, bewog die katholische Partei einen jungen Lord Douglas, den Bruder des Schloßherrn, die Königin zu befreien. Derselbe liebte die Gefangene, hatte von ihr selbst Hoffnung auf ihre Hand erhalten und entführte sie glücklich in der Nacht vom 2. Mai 1568 über den benachbarten See, an dessen Ufer die Königin von einem Haufen Bewaffneter mit Zubel empfangen wurde. Vom Schlosse Hamilton aus erklärte sie nun ihre Abdankung für erzwungen. Ihre Anhänger brachten ein Corps von 6000 M. zusammen; doch am IS. Mai besiegte der Regent Murray die Königin in einem Gefecht beim Dorfe Langside. Sie entfloh vom Schlachtfelde nach England, wo sie Elisabeth zu Carlisle um Schuh und eine persönliche Zusammenkunft ansprach. Elisabeth aber ließ ihre Nebenbuhlerin sogleich gefangen halten und schlug ihr die persönliche Zusammenkunft ab, bis sie sich von derTheil- nahme an dem Morde Darnley's würde gereinigt haben. Zu dem Zwecke schickte Murray, der seine Schwester in Gemeinschaft mit Elisabeth zu verderben suchte, eine Commission nach England, die eine weitläufige Erörterung über das Verbrechen begann, aber unter den Zntriguen beider Parteien zu keinem festen Resultate gelangte. Mit diesen Vorgängen gestaltete sich die Angelegenheit der Königin zur Sache der katholischen Partei, in England und Schottland, wie im Auslande, was Elisabeth noch feindlicher stimmte. Man brachte die Gefangene von einem festen Schlosse zum andern, gab ihr rohe Wächter und behandelte sie aufs härteste. Das unkluge, stolze Betragen der Königin, der Befreiungsversuch der Grafen Northumberland und Westmoreland, des Leonhard Dacres, des Grafen Norfolk, die Bannbulle des Papstes gegen Elisabeth und mehre andere Complote, die gewöhnlich der span. Herzog Alba von den Niederlanden aus anstiftete, brachten allmälig Elisabeth zudem Entschlüsse, sich der gefährlichen Gefangenen durch Mord oder Hinrichtung zu entledigen. Ein Katholik Namens Babington trat mit mehren Andern l 586 zu einer Verschwörung zusammen, welche wie gewöhnlich die Ermordung Elisabeth's und die Befreiung der Königin zum Zwecke hatte. Der Plan wurde zufällig entdeckt, und man stiftete von Seiten des Hofes zu London einen Briefwechsel mit der Gefangenen an, um diese selbst in das hochverrätherische Complot zu verwickeln. Obschon die Königin, durch Freunde gewarnt, nicht in den Anschlag eintrat, stellte man sie doch im Oct., nach der Hinrichtung der Verschworenen, vor eine Untersuchungscommission, die sie unter dem gesetzlosestenVerfahren für schuldig erklärte und als Hochverrätherin zumTode verurtheilte. Nachdem das gefällige Parlament das Urtheil bestätigt, Unterzeichnete auch Elisabeth mit verstelltem Schmerze. Vergebens waren die Bitten undDrohungen Heinrich's III., deS span. Hofes und Jakob's VI., des Sohnes der Unglücklichen. Am I8.Febr. 1587wurde sie in einem Saale aufdem Schlosse Fotheringhay enthauptet. Sie starb mit Muth und religiöser Ergebung, nachdem sie sich eigenhändig die ihr vom Papste gesendete Hostie gereicht hatte. Wenn die Dichter aller Völker die Königin als das rührende Opfer der Schönheit, der Schwäche eines zärtlichen Herzens, der Eifersucht eines Weibes und der Barbarei ihres Jahrhunderts dargestellt haben, so darf die Geschichte auch nicht vergessen, daß ihr Tod und ihr Schicksal ein großes Verbrechen sühnten, von dem sie nie durch überzeugende Gründe freigesprochen worden ist. Vgl. Whitaker, ,M., yueeu ok 8cotlauck viuticateck" (3 Bde., Lond. 1787) und Ehalmers, „läse es bl., c>usen os 8cots" (deutsch, 2 Bde., Lpz. 1826), die Beide M. zu vertheidigen suchten, und Miß Benger, „Uemoirs os tbe like «s Vl., cjueen »s 8cots" (2 Bde., Lond. 1823), die aus den Handschriften des Britischen Museums schöpfte. Maria von Medici, Königin von Frankreich, die Tochter des Großherzogs Franz II. Medici von Toscana, geb. am 26. Apr. > 573 zu Florenz, vermählte sich am l6.Dec. 1600 mit König Heinrich IV. (s. d.) von Frankreich. Sie war nicht ohne Reize, aber leidenschaftlich, ehrgeizig und zänkisch, sodaß die Ehe sich bald zu einem fortgesetzten Hader gestaltete. Wiewol sie im Sept. 1601 den Dauphin, den spätern Ludwig XIII. (s. d.), gebar, so floh doch der König sein^ Gemahlin und suchte um so mehr Entschädigung bei andern Frauen. Vergebens unternahm es Sully (s.d.), den häuslichen Frieden herzustellen. Unseligen Einfluß übten auf die Königin die Kammerfrau, Lconora Galigai, und deren Mann, Concini, die ihr aus Florenz gefolgt waren und den König haßten. Ehe Heinrich IV. an die Ausführung seines Kriegszuges Mg, bestand die Königin darauf, daß sie gekrönt würde. Die Feierlichkeit fand am 13. Mai ILIO statt; am folgenden Tage wurde der 328 Maria Luise König von Navaillac (s. d.) ermordet. Die Königin zeigte bei diesem Ereignisse weder großen Schmerz noch großes Erstaunen und lud den Verdacht auf sich, der That mein fremd gewesen zu sein. Sic riß sogleich mit Hülfe des Herzogs von Epcrnon die Vormundschaft lind Regentschaft an sich und kehrte zur Freundschaft mit Spanien und der katholischen Politik zurück. Sully, Jeannin und andere ausgezeichnete Näthc Hcinrich's lV. crdielli« den Abschied; Concini, der zum Morschall und Marquis d' Ancre (s. d) erhoben wurde, bemächtigte sich der Staatsgewalt; die Königin aber zerstörte die Finanzen durch grcmciu lose Verschwendung. Diese Herabwürdigung der Monarchie nahmen die Großen und Prinzen zum Vorwand, um mit den Waffen in der Hand ihre Theilnahme an der Mach! zu erzwingen. Ein unwürdiger Günstling des jungen Königs, de Luynes (s. d.), sühn, endlich den Stur; dieses Regiments herbei. Auf Betrieb desselben wurde Concini am U, Apr. 1617 niedergeschossen; seine Frau aber wurde als Hexe hingcrichtet und die Königin- Mutter im Luxembourg in einer Art von Gewahrsam gehalten. Nach einiger Zeit erhielt Letztere von ihrem Sohne die Erlaubniß, auf dem Schlosse zu Blois unter Aufsicht zu leben, wo sie aber mit Hülfe Epernon's in der Nacht vom 22. Fcbr. >610 durch ein Fenster entfloh. Sie wendete sich nach Angoulcme und sammelte, zumal da ihr Schicksal bald Theilnahme erweckte, viele und angesehene Mißvergnügte um sich, die den Bürgerkrieg Var- bereiteten. Ihr Sohn rückte mit einem Heere gegen die Mutter ins Feld und zwang dic- selbe auf den Math ihres Ministers Nichelieu (s. d.), der damals noch Bischof von Luc«» war, zur Unterwerfung. Nach dem Tode des de Luynes, am >4. Dcc. 1621, kehrte dir Königin nach Paris zurück und trat wieder an die Spitze des Staatsraths. Um sich zu bl- fcstigcn, brachte sie Richelieu in die Verwaltung, der ihr aber bald gänzlich die Macht au- den Händen wand und sich zum allmächtigen Minister emporschwang. Dic Königin setzt! ihren mütterlichen Einfluß und alle möglichen Mittel zum Sturze ihres Nebenbuhlers in Bewegung; allein der gewaltige Richelieu blieb Sieger. Derselbe gewann besonders die Oberhand, indem er den König überredete, als wolle dic Mutter ihren jünger» Sohn, dm Herzog Easion von Orleans, auf den Thron bringen. Deshalb wurde sie seit dem Fcbr. l k.,0 wieder auf demSchlosse zuCompiegne gefangen gehalten, entkam aber im Juli nachBrüs- sel. Der Einfall Easton's nach Frankreich veranlaßte Richelieu, dic Königin auch aus dm Niederlanden zu vertreiben. Hierauf ging sie l 638 nach England und im Oct. 16l>, de man ihr auch hier nicht Ruhe ließ, nach Köln. Hier starb sie in einer elenden Wohnung und in gänzlicher Entblößung am 3. Juli I6r2. Wie alle Glieder ihres Geschlechts lübkclic die schönenKünstc. Sie ließ zu Paris den Luxembourg nach dem Plane des Palastes Pini zu Florenz aufführcn und verewigte sich durch viele andere Baudenkmäler. Auch rührt dil Sammlung der allegorischen Gemälde von Rubens im Louvre von ihr her. Vgl. D'Esim, „lllönioircs ck'etat rous Is regeoce 6e 111 cle Aleckicis" (Par. 1666 ); Pontchartrin, moire» concernsnt los süsires cie bruuce «o»s la regence 6 äeU. äe Uecilcis" (3 Bde., Par. l774). Maria Luise, die Gemahlin König Karl's IV. von Spanien, geb. am 9. Dcc. >751, deS Herzogs Philipp von Parma Tochter, wurde >76.7 mit dem Jnfantcn Don Carlos wider dessen Willen auf ausdrücklichen Befehl seines Vaters vermählt. Sie. war nur kluge, höchst gewandte und ihrem Gemahl an Geisteskraft weit siberlegeneFrau. Früh;ei> tig wußte sie es dahin zu bringen, den stürmischen Sinn ihres Gemahls der. anfänglich sogar in thätlichc Beleidigungen gegen sie ausbrach, sich uuterthänig zu machen. An allen Staatsangelegenheiten nahm sie den regstcn Antheil: sic wnßtrsschr.klug ihre Günstlinge zu befördern uud erhielt auf diesem Wege völMHerrfchast überihxen Gemahl. Ein Brr- stäudniß, in welchem sie als Prinzessin pon Asturien Mit dem altern Gpdoy stand, trennte König-Aarl lil. dadurch, daß er Godoxr cnrs Madrid.verwies. Dagegen trat nun diePrun zessi» »stt. des Verwiesenen Bruder, dent uschhexigen Herzoge von Alcu dia ss. d.), m ein Verhältniß, has ste ihrem schqrfsichrigcn.Schwiegcrvatcr trefflich zu.verhehlen wnßlt/ lvährend sie zugleich dahin arbeitete 807. (S. Spanien.) Als hierauf in Folge der Revolution Ferdinand VII. (s. d.) den Thron seines Vaters bestiegen hatte und entschlossen schien, seiner Mutter Aufführung einer sircngcrn Untersuchung zu unterwerfen, warf sich dieselbe Napoleon und dessen Obcrscldhcrrn, Joachim Murat, in die Arme. Nebst ihrem Gemahl und dem Herzoge von Alcudia, dem sie die Freiheit erfleht hatte, trat sic in Bayonnc vor Napoleon als Anklägerin ihres Sohnes auf, ' jedoch ohne Erfolg. Sie wurde nach Compicgnc gebracht, lebte dann in Marseille und in Nizza, usid ging endlich nach Rom, wo sie am 2. Jan. 1819 starb. Maria Christin«, die Gemahlin König Fcrdinand's VII. (s. d.) von Spanien, und 1833—30 Königi'n-Rcgcntin im Namen ihrer unmündigen Tochter, der Königin Jsabella II. (s. d.), wurde am 27. Apr. 1896 als die Tochter des Königs beider Sicilicn, Franz's l., mit seiner zweiten Gemahlin, Maria Jsabella, der Tochter des Königs Karl'S IV. von Spanien, ln Neapel geboren, und ist demnach eine Halbschwester der Herzogin von Bcrri (s. d.) und rechte Schwester des regierenden Königs beider Sicilicn, Fcrdinand's II. (s. d.). Schon früh entwickelte sich in ihr ein bedeutendes Talent für Malerei und die ihrer Familie eigene Vorliebe für die Freuden der Jagd. Die körperliche» Übungen, denen sie sich dabei widmete, trugen nicht wenig dazu bei, ihr eine dauerhafte Gesundheit und unerschütterliche Ecisteshcitcrkeit zu verleihen. Durch die Jntrigucn ihrer altern Schwester Luise Charlotte, die mit dem Jnfantcn Don Francisco de Paula vermählt war, wurde sic 1829 von Ferdinand VII. zu seiner vierten Gemahlin erwählt und am 11. Dcc. in Madrid mit ihm getraut. Der König war entzückt über seine Ee- , mahlin, deren Reize seine Erwartungen bciweikem überfliegen. Desto erbitterter zeigten ! sich gegen sic die Gemahlin dc.S Jnfantcn Don Carlos und deren ältere Schwester, die Prinzessin von Bcira, die durch diese abermalige Vcrhcirathüng des Königs ihre Hoffnung abermals in Zweifel gestellt sahen, daß derselbe kinderlos bleiben und folglich Don Carlos (s. d.) ihm auf dem Throne folgen werde. Diese Erbitterung steigerte sich noch, als Ferdinand VII., um auf jeden Fall seiner eigenen Nachkommenschaft die Thronfolge zu sichern, am 29. März 1830 das Gesetz dcr8iete partitt-is wicdcrhersiclltc, kraft dessen in Ermangelung von Söhnen die weiblichen Descendentcn des Königs zur Thronfolge gelassen werden. (S. Spanien.) Hatten schon vorher die Liberalen der Königin sich zugcwcn- dct, so war dies in noch bciwcitcm Hähern Maße der Fall, als dieselbe am 19. Oct. 1839 von einer Tochter, der jetzigen Königin Jsabella II., entbunden worden war, da nun der gefürchtete Don Carlos auf einmal von dem ihm so nahe stehenden Throne wieder weit und vielleicht auf immer entfernt wurde. Zugleich wußte die Königin die Liebe ihres Gemahls im höchsten Grade zu gewinnen und manche Maßregel zu hiutcrtrcibcn, welche Laune und Willkür ihm cingabcn. Dagegen verdoppelte nun auch die Partei des Don Carlos ihre Anstrengungen, und wußte dem mit dem Tode ringenden Könige l 832 eine Erklärung zu entreißen, kraft deren er die Verfügung vom 29. Mär; 183» wieder aufhob. Die Königin ! hatte von allen Seiten, insbesondere von dem Minister Calomarde (s. d.), bedrängt, aus ^ Besorgniß für das Seelenheil ihres Gemahls, diesem selbst die Unterzeichnung des von den , Ministern vorgelcgten Decrcts cmgcralhen; allein kaum war deren dabei abwesende Schwe- f ster eiligst nach Madrid zurückgekchrt, als sie auch sofort dem gegen Aller Erwartungen wieder genesenden Könige die Augen öffnete, der nun am I. Oct. sämmtliche Minister entließ und sodann für die Dauer seiner Krankheit die Leitung der StaatSgcschäfte seiner Gemahlin übertrug, die schon am 15. Oct. eine fast allgemeine Amnestie erließ. Nachdem der König noch am letzten Tage des I. 1832 das Dccrek, durch welches er während seiner Krankheit das Erbfvlgegesetz vom 29. März 1830 umgcstoßcn hatte, für erschlichen und nichtig und letzteres wieder in Kraft erklärt, übernahm er bald darauf auch wieder die Leitung der Geschäfte, blieb jedoch i« einem kmnkhasten Zustande, und starb am 2V.Sept. 1833. In seinem Testament von 1830 hatte er scine Witwe zur Vormünderin feiner hin- terlaffenen Kindtr-midzürRegLntm der Monarchie fü^deg Füll, daß.lly,ftmeM Absterben 330 Maria H. (Königin von Portugal) der Thronfolger oder die Thronfolgerin noch nicht das 18. Jahr zurückgelegt habe, ernannt, die nun auch am 2. Oct. die Regentschaft des Reichs im Namen ihrer Tochter Jsabella ll. übernahm. (S. Spanien.) Sie lebte die nächsten Monate nach dem Ableben ihres Gemahls in der Zurückgezogenheit, doch mehr und mehr verringerte sich ihre Theilnahme an den Staatsgeschäften. Um diese Zeit kam Don Fernando Munoz, aus Tarancon in der Ko- vinz Cuenca, der damals in der königlichen Leibgarde diente, in die Gunst der Königin und wurde sehr bald von ihr zum Kammerherrn ernannt und ihr vertrautester und fast einzig« steter Begleiter. Aus ihrer sorgenlosen Ruhe wurde die Königin durch die Verschwö- rung geweckt, welche in der Nacht vom 13. Aug. 1836 in La Granja ausbrach und in Folge deren die Constitution vom 18. Juni 1837 zu Stande kam. Die Königin gewann jetzt ihre ganze Kraft wieder; doch zwischen ihr und ihrer ältern Schwester, der Infantin de Paula, wurde die Mißstimmung so stark, daß Letztere mit ihrer ganzen Familie Spanien verließ und Paris zu ihrem Aufenthaltsorte wählte. In politischer Hinsicht hatte sich die Königin-Regentin vom Anfänge an darauf beschränkt, dem Rath ihrer jedesmaligen Minister nachzugeben und die vorgelegten Beschlüsse, selbst wenn sie ihr widerstrebten, mit scheinbarer Bereitwilligkeit zu unterschreiben. Unter Zea-Bermudez erließ sie das absolutistische Manifest, worin sie den Despotismus Ferdinand's aufrecht zu halten verhieß; unter Martine; de la Rosa bewilligte sie das Lststuto resl; unter Toreno erklärte sie die aufrührerischen Junten und Provinzen außer dem Gesetz, die sie später wieder als rechtmäßig anerkannte; unter Jsturiz wurde die Intervention Frankreichs nachgesucht, um dieM- derherstelluug der Constitution von 1812 zu unterdrücken, und unter Calatrava mußtest erst diese, dann die von 1837 beschwören. Unter der Hand aber verstand sie sich trefflich darauf, den Planen ihrer Minister, falls ihr solche nicht zusagten, unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenzusetzen. Die Königin-Regentin blieb im Vertrauen des Volks, das nur Eines, nämlich ihren Geiz, tadelte, bis sie sich verleiten ließ, das von den in ihrer Majorität den Ministern ergebenen Cortes votirte Gesetz wegen der Ayuntamientos (s. d.) durch ihre Unterschrift zu sanctioniren. In Valencia gab sie dem neuen Ministerpräsident«! Espartero (s. d.) am l». Oct. 1810 die Erklärung, daß sie als Regensin abdanke und nach Frankreich zu gehen entschlossen sei. Mit Munoz hatte sich die Königin bereits im 1.183-1 in morganatischer Ehe vermählt und mehre Kinder erzeugt; doch hielt sie Beides geheim. Öffentlich wurde solches zuerst von Espartero ausgesprochen, als sie von Frank- reich aus die Vormundschaft über ihre Tochter beanspruchte. Nach Espartero's Sturze im I. 1813 kehrte sie nach Madrid zurück und ließ sich am 13. Oct. 18-11 feierlich mit dem zum Herzog von Rianzares erhobenen Munoz trauen. Maria H. da Gloria, Königin von Portugal und Algarbien, eine Tochter des vormaligen Kaisers Dom Pedro's l. von Brasilien mit seiner ersten Gemahlin, derErz- herzogin Leopoldine von Ostreich, geb. zu Rio Janeiro am i. Apr. 18IS, gelangte nach ihres Großvaters Zohann'S VI. (s. d.) Tode in Folge der Entsagungsacte ihres Vaters Dom P e dro (s. d.) bereits am 2. Mai 1826 auf den portugies. Thron. Noch in demselben Jahre, am 11. Dee., verlor sie ihre Mutter durch den Tod. Im folgenden Jahre wurde sie mit ihrem Oheim, Dom Miguel (s. d.), dem Bruder ihres Vaters, verlobt, den Letzterer unter der Bedingung, daß er sich mit seiner Tochter verlobe und die von Dom Pedro dem portugies. Volke verliehene Constitution anerkenne, zum Regenten ernannt hatte. Nachdem die Verlobung vollzogen worden war und Dom Miguel die Constitution beschworen und die Regentschaft angetreten hatte, verließ die Königin 1828 Brasilien, um nach Europa zu segeln. Allein inzwischen hatte Dom Miguel am 30. Juni 1828 sich zum absoluten König von Portugal erklärt und gestattete der Königin nicht, in Portugal zu landen, sodaß sie sich genöthigt sah, nach England zu gehen, wo sie von Georg IV. zwar als Königin empfangen wurde, aber keine Unterstützung fand, indem das brit. Ministerium den Usurpator begünstigte. Mit ihrer Freundin, der Prinzessin Amalie von Leuchtenberg, ihrer nach- herigen Stiefmutter, kehrte sie deshalb 1829 nach Rio Janeiro zurück, und lebte nun daselbst, bis ihr Vater 1831 zu Gunsten seines Sohnes Dom Pedro's II. sich genöthigt sah, auf die Kaiserkrone von Brasilien zu verzichten. Seitdem hielt sie sich in Paris auf, während ihrBa- ter den Kampf gegen Dom Miguel zur Vertheidigung der Rechte seiner Tochter unternahm 331 Maria Luise (Erzherzogin non Ostreich) und glücklich hinausführte. (S. Portugal.) Nach der Einnahme Lissabons hielt sic im Scpt. 1833 daselbst ihren Einzug. Doch erst am 29. Mai 1831 entsagte Dom Miguel seinen Ansprüchen und begab sich nach Italien, wo er indeß alle Zusagen zurücknahm und vom Papste als König von Portugal anerkannt wurde. Dom Pedro ordnete nun als Vor» mund und Regent den zerrütteten Staat; aber bald waren seine Kräfte erschöpft. Als er im Borgefühle seines nahen Todes, am >8. Sept. 1831, den Cortes meldete, daß er außer Standesei, die öffentliche Verwaltung forthin zu besorgen, erklärten dieselben noch an dem- selben Tage die Königin für volljährig, wodurch die verschiedenen Bewerber um die Regentschaft und eine Menge Jntriguen beseitigt wurden. Sofort beschäftigte sich nun die Königin mit ihrer Verheirathung; ihre Wahl fiel auf den Herzog Karl August Eugen Napo- leon von Leuchtenberg (s. d.), der schon früher ihr Herz gewonnen hatte. Nachdem der Vertrag zu München am 8. Nov. 1831 geschlossen worden war, fand am 27. Jan. 1835 in Lissabon die feierliche Vermählung statt. Dom August», Prinz von Portugal, wie der Gemahl der Königin genannt wurde, gewann bald durch sein edles und kluges Benehmen die Liebe des Volks. Seine Gemahlin ernannte ihn zum Pair und bald darauf zum Oberbefehlshaber des Heers, welche letztere Ernennung von den Cortes als verfassungswidrig angegriffen wurde. Doch kaum hatten die Debatten hierüber begonnen, als der Prinz am 28. März 1835 an der häutigen Bräune starb. Hierauf vermählte sie sich am 9. Apr. 1836 mit dem Herzoge Ferdinand, geb. am 29. Oct. 1816, dem Sohne des Herzogs Ferdinand von Sachsen-Koburg-Kohary, der mit der Geburt des Kronprinzen die königliche Würde erhielt. Mit ihm zeugte sie außer dem Kronprinzen Dom Pedro de Alcantara, geb. am 16. Sept. 1837, die Prinzen Dom Luis Felipe, Herzog von Oporto, geb. 1838, undDomJoao, Herzog von Beja, geb. 1812, und die Prinzessin Donna Maria, geb. 1813. Maria Luise, kaiserliche Majestät, Erzherzogin von Ostreich, Herzogin von Parma, Piaeenza und Guastalla, geb. am 12. März >791, ist die älteste Tochter des Kaisers Franz's 1. aus seiner zweiten Ehe mit Maria Theresia, der Tochter des Königs Ferdinand von Neapel. Vom Kaiser Napoleon (s. d.) zu seiner zweiten Gemahlin erwählt, wurde sie zu Paris am 2, Apr. 1810 durch den Cardinal Fesch mit ihm getraut und es schienen durch diese Vermählung die Dynastie Napoleon und der Conlinentalfriede eine Stütze mehr gefunden zu haben. Gleichsam im Triumph führte sie der Kaiser durch die Provinzen seines Reichs. Am 2V. März >811 gebar sie ihm einen Sohn, dem Napoleon schon vor der Geburt den Titel eines Königs von Rom ertheilt hatte, und noch glänzender als zuvor wurde nun ihr Hofstaat eingerichtet. Im folgenden Jahre begleitete sie ihren Gemahl nach Dresden und besuchte hierauf die Heimat. Als der Kaiser 1813 zu neuem Kampfe ging, ernannte er sie, jedoch unter vielen Beschränkungen, zur Regentin des Reichs, und sie erfüllte ihre Pflichten mit gewissenhafter Treue, wovon die Rede, welche sie in der großen Senatsversammlung, nach der Schlacht bei Leipzig, hielt, und ihr Aufruf an die Franzosen, ausBloiS am7.Apr. 1811 , die Beweise geben. In dem Unglück ihres Gemahls, der ihr aber auch seine volle Zuneigung schenkte, kann man ihr das Lob eines edeln Betragens nicht versagen. AufBe- fehl Napoleon's mußte sie mit ihrem Sohne am 29. März I8ti Paris verlassen und sich nach Blois begeben; doch umsonst bemühten sich des Kaisers Brüder, Joseph undHierony- mus, sie zu vermögen, ihnen jenseits der Loire zu folgen. Nach der Abdankung Napoleon's ging sie nach Orleans und von hier in Begleitung des Fürsten Esterhazy am 12. Apr. nach Rambouillet, von wo sie am >6. Apr. zu Klein-Trianon mit ihrem Vater eine Unterredung hatte. Zhreni Gemahle zu folgen, wurde ihr nicht vergönnt. Daher begab sie sich mit ihrem Sohne durch die Schweiz nach Schönbrunn, wo sie auch während der Rückkehr Napoleon's von Elba sich aufhielt, von dem sie Einladungen erhielt, nach Paris zu kommen. Zu ihrem Oberhofmeister erwählte man den östr. General-Feldmarschalllieutenant, Grafen von N e ipper g (s. d.), mit dem sie sich später in morganatischer Ehe vermählt haben soll. Am 17. März 18 i s übernahm sie die Regierung der ihr, neben dem Titel kaiserlicher Majestät, im Vertrage zu Fontainebleau zugesicherten Herzogthümer Parma, Piaeenza und Guastalla, und hielt am 20. Apr. 1816 ihren Einzug in Parma. JhrSohn blieb in Wien und wurde 1818 vom Kaiser Franz zum Herzoge von Reichstadt (s. d.) ernannt. Als im 332 Marie (Herzogin von Württemberg)' I. l 831 die rcvolutionaircn Bewegungen in Italien vonNcggio aus sich auch nachParma verbreiteten, begab sie sich nach Piaccnza, bis östr. Waffen die Ordnung wicderhcrgestcllt. Marie, Herzogin von Würtemberg, geborene Prinzessin von Orleans, die Tochter des Königs der Franzosen, Ludwig Philipp, gcb. zu Palermo am 13. Apr. IS13, wurde von Frau von Mullct, einer sehr unterrichteten Dame von fast übergroßer Frömmigkeit, erzogen und zeigte in ihrer Zugend keineswegs die Eigenschaften, die sie später auszeichm- len. Sic war unbesonnen, hochfahrend und reizbar; doch lernte sic mit vieler Leichtigkeit, und die Geschichte sowie fremde Sprachen waren ihr zeitig geläufig. Ihr musikalische Talent würde sehr bedeutend geworden sein, hätte nicht später eine andere Kunst sie völlig in Anspruch genommen. Zum Zeichenlehrer hatte sie Ary Scheffer (s. d.); doch betrachtete sie das Zeichnen lange Zeit bloß als Zeitvertreib und machte nur wenige Fortschritte. Erst nach der Vcrhcirathung ihrer Schwester Luise an den König Leopold von Belgien wurde die junge, bisher so ausgelasscncPrinzessin ernst und verständig. Sic sichln has Bedürfnis, sich zu beschäftigen und ihr Leben mit Arbeit auszufüllen. Bon allen Künsten, die sie betrieb, gab sic den zeichnenden einen ausschließcnden Vorzug. Mit zu viel Phantasie begabt, sing sic sehr bald an, selbständig zu schaffen. Gleich ihre ersten Versuche zeichneten sich aus durch Originalität der Composition, glückliche Disposition der Gruppen und vor Allem durch den Ausdruck, der in den Bewegungen und Gesichtern der kargeste!! tcn Personen herrscht; doch die Zeichnung war nicht correct. Verdrießlich darüber, in der Ausführung ihrer Zeichnungen cs nicht bis zur Vollkommenheit bringen zu können, kam die Prinzessin später auf den Gedanken, sich in der Bildhauerei zu versuchen. Ihr erster, jedoch in der Ausführung gänzlich verfehlter Versuch war ein Basrelief, welches Göhrs» Berlichingcn mit dem Bruder Martin darstellt. Hierauf unternahm sie die beiden ans Edgar Quinct's „^Imsverns" in ihren Motiven entlehnten Basreliefs, von denen das erst! den Engel Gabriel, der AhasvcruS den Eintritt ins väterliche Haus verbietet und ihm seine lange peinliche Pilgcrschaft ankündigt, das andere das Erwachen des Dichters darstell!. Enthüllten sich schon in jenem die natürlichen Anlagen der Künstlerin, so muß man dicht als ein Werk außergewöhnlicher Art anerkennen. Das Bronzcmodcll der Johanna von Are zu Pferde war das erste, aber zugleich ein ausgezeichnetes Erzeugniß der Prnncsstni» runder Arbeit. Um diese Zeit hatte ihr Vater eine Statue der Johanna von Arc bä Pradhicr, dem ersten Bildhauer Frankreichs, für das historische Museum von Versailles bestellt. DicSkizzc gefiel aber nicht, und Pradhier veranlaßte dcnKönig, einen andern Entwurf von der Prinzessin Marie zu verlangen. Diese nahm den Antrag an, unter der Bedingung, auch die Statue zu fertigen, wenn ihre Skizze gelänge. Gleich nach dem Beginn der Arbeit verlor die Prinzessin ihre Erzieherin, was sie für längere Zeit in die tiefste Trauer versetzte. Endlich führte sie die Statue der Johanna von Arc aus, die durch Kupftrsiild vervielfältigt, in ganz Europa bekannt ist. Statt des leicht zu behandelnden Thons waiidtt sie Wachs zur Verfertigung ihres Modells an. Zweimal mußte sie von vorn anfangcn; ein drittes Mal bog sich die Statue, da das Wachs zu weich geworden war. Ihr Much lies sied durch diese Widerwärtigkeiten nicht abschreckeu; sic beendigte die Statue, welche unstreitig das beste Werk unter den neuen Bildwerken in Versailles ist. Hierauf arbeitete die Prinzessin noch zwei Statuen von derselben Größe aus: die Pen, welche die Thronen eines reuigen Sünders dem Ewigen zu Füßen legt, und den Engel, der am Eingänge des Hü» mcls wacht. Ihre Büsten der Königin der Belgier und ihres Sohnes sind vollkommen in Ähnlichkeit wie Ausführung. Auch führte sie die Gruppe des Ahasverus und der Nahe! im Kleinen aus, sowie zwei vortreffliche Neitergruppen und den „Pilger" nach Schiller- Jedes neue Werk der Prinzessin bezeugte einen neuen Fortschritt. Die Arbeit war ihr zur Leidenschaft geworden, und oft wendete sie einen Thcil der Nacht darauf. Am 17. Oct- 1837 vermählte sie sich mit dem Herzoge Friedrich Wilhelm Alexander von Würtemberg, gcb. am 8. Dcc. 1803, dem sic sodann nach Deutschland folgte, das sie bewunderte und dessen Sprache und Literatur sic kannte. Auf ihre Gesundheit mochten hier beim Brande ihrer Wohnung in Gotha der Schrecken und der Umstand, daß sie im leichten Nachtgcwand über den feuchten Hof zu flüchten sich genöthigt sah, nachtheilig einwirken. Nach Paris zurückgckchrt, gebar sie am 30. Juli 1838 einen Sohn, Philivv Alexander Maria Ernst- Marians Marienbad 333 Bald nachher von einer Untcrleibsentzündung befallen, ging sie nach ihrer Genesung zu ihrer Erholung nach Genua, dann nach Pisa, wo sic am 2. Jan. 1839 starb. Mariäna (Juan), einer der ersten span. Geschichtschreiber, geb. zu Talavera 1536, hatte sich dem geistlichen Stande gewidmet, auf der Universität Alcala studirt und trat in den Jesuitenorden. Er bereiste 1566 Italien,-Sicilien und Frankreich, lehrte dann die Theologie in Nom, Sicilien und Paris, und kehrte, da das Klima in Frankreich seiner Gesundheit nicht zusagte, 1574 in dasJesnitcncollegium zu Toledo zurück. Jedoch erlangte er nie eine höhere Würde in seinem Orden; im Eegenthcil zogen ihm seine unerschütterliche Rechtlichkeit, wie in dem famosen Proccsse des von den Jesuiten verfolgten Herausgebers derPolyglottenbibelArias Montano, und seine Unparteilichkeit, womit er sich nicht scheute, die Gebrechen dieses Ordens aufzudecken, wie das unter seinen Papieren gefundene Werk „Da las eirt'ernwllailos 623. Sein Hauptwerk ist die „Ilwtnrin 661, Fol.; 9 Bde., Valencia 1785—96; 8 Bdc., Madr. 1819, und >'>Bde. mit der Fortsetzung, Barcelona 1839). Außerdem schrieb er eine berühmte Abhandlung „Do re^e et re^is iustitutinne" (Toledo > 598, 4.), welche elf Jahre nach ihrem Erscheinen wegen der darin ausgestellten Behauptung, daß man sich eines Tyrannen entledigen dürfe, als aufrührerisch von dem Parlamente zu Paris zum Feuer vcrurthcilt wurde und auch in Spanien ihm viele Unannehmlichkeiten zuzvg; ferner „Ito ponrle, ibus et inon.-nrij" (Toledo 1599, 4.) und „Scbnlia in Vet. et i'lov.'1'yzt." (Madr. 1619). Vgl. Ranke, „Zur Kritik neuerer Geschichtschreiber" (Bcrl. 1824). Marianen, s. Ladroncn. Mariänus Scotus, ein deutscher Quellenschriftstcllcr, wurde um l 628 kn Schottland geboren, verließ aber sein Vaterland und trat in Köln im I. I »56 in den Mönchüand. Zwei Jahre nachher ging er nach Paderborn, im folgenden nach Würzburg, wo er die Weihe empfing, dann nach Fulda und 1669 in ein Kloster nach Mainz, wo er 1686 starb. Seine „t'broilic:,", die bis 1083 reicht, wurde von Herold (Bas. 1569) hcrausgegcbcn und steht nach Pistorius in den „8cnj,tnrer rerum gern,." Mariazell, ein Dorf in Steiermark, an der Salza, mit 966 E-, ist besonders seiner Wallfahrtskirche wegen berühmt, die 1827 gänzlich abbrannte und im Besitze eines sehr bedeutenden Vermögens ist. Die Bewohner leben zum großen Tkeil von den zahlreich hcrbeisirömcnden Fremden und Pilgern und vomHandcl mikHciligcnbildcrn, Rosenkränzen und Reliquien. Marienbad, einer der vier besuchtesten Badeorte Böhmens, im Pilsener Kreise, von Karlsbad fünf, von Eger sechs Meilen entfernt, seitwärts der Straße von Eger nach Pilsen beim Dorfe Auschowitz, 1932 F. über dem Meere gelegen, gehört zu den Schöpfungen der neuesten Zeit. Obgleich schon Kaiser Ferdinand I. den Plan hatte, hier eine Salzsiederei anzulegcn, und die Bewohner der Umgegend sowie einige höher gestellte Männer mitErfolg die hier entspringenden Quellen benutzten, so wurden diese doch erst durch die Bemühungen des Arztes Nehr dem Auslände als heilkräftig bekannt und durch die Anstalten, welche Nciterbcrgcr, Prälat des nahegelegcnen Prämonstratcnserstiftcs Tepi, zu welchem M. gehört, und dessen Nachfolger treffen ließen, zugänglich und in größerer Ausdehnung brauchbar gemacht. Im I. l867 wurde ein Haus zur Aufnahme von Curgästcn, 18>>8 ein Badehaus erbaut, später die vorherige Wildniß durch Anlagen zu einer schönen angenehmen Gegend umgeschaffen; auch wurden Kunstsiraßen nach Karlsbad und Eger angelegt und so entstand nach und nach der jetzt schon mehr als 86 zum Thcil sehr ansehnliche Gebäude und 466 E. enthaltende Ort, in welchen im I. >844 3373 Badegäste zu- 934 Marienburg sammenströmten. Obgleich die Anzahl der Mineralquellen bei M. viel bedeutender ist, st werden doch nu-r sieben von ihnen als Heilquellen benutzt, nämlich >) der Kreuzbrunnen, ! 2) der Marienbrunnen oder die Badequelle, 3) der Ferdinandsbrunnen oder die auschowißer Quelle, 4) der Ambrosiusbrunnen, 5) der Karolinenbrunnen, sonst Neubrunnen, 6) der Wicsensäuerling und 7) die Waldquelle oder der Äolsbrunnen. Sie haben sämmtlich eine Temperatur zwischen 7—10° N., sind aber in ihren Mischungsverhältnissen und Wirkungsweisen derartig verschieden, daß die drei ersten zu den alkalischen Glaubersalzquellen, die drei nächsten zu -den alkalisch-salinischen Eisenquellen und die letzte zu den alkalisch- salinischen Säuerlingen gerechnet werden müssen. Innerlich benutzt man hauptsächlich den Kreuzbrunnen, den Ferdinandsbrunnen, die Waldquelle und den Wiesensäucrling; , äußerlich de» Marienbrunnen; auf beide Arten den Ambrosius- und Karolinenbrunncn. Ferner sind vortreffliche Anstalten zu Gas-, Dampf- und Douchebädern vorhanden, und ein in der Nähe befindliches Moorlager liefert hinreichendes Material zu Mineralschlammbädern. Außer der bedeutenden Quantität Gas, welche sich aus den Mineralquellen entwickelt, finden sich noch viele Stellen in der Nähe von M-, an denen es aus dem trockenen Boden cmporsteigt. Hinsichtlich der medicinischenBenutzung istru bemerken, daß imAllge- meinen der Kreuzbrunnen auflösend und auslecrend, der Ferdinands-, Ambrosius- und Karolinenbrunnen wehr belebend und reizend wirken, weshalb ersterer mehr bei stockender, letztere bei vorhandener, aber abnormer Absonderung der Unterleibseingeweide benutzt werden. Die Waldquelle, meist mit Milch oder Molken vermischt, wird besonders schwächlichen Subjecten, bei Krankheiten der Schleimhäute, der Brust- und Unterleibsorgan! empfohlen, während der Wiescnsäuerling eine besondere Wirksamkeit auf atonische Leiden der Schleimhäute der Harnwerkzeuge entfaltet. Die Bäder unterstützen die innerliche Cur, werden aber auch noch bei gichtischen und rheumatischen Leiden und Hautkrankheiten benutzt. Vom Kreuzbrunnen allein werden jährlich über 200000 Krüge versendet; ebenso gebraucht man auch den Ferdinandsbrunnen und dieWaldquelle in derFcrne, und im J. 18-14 betrug l die Quantität des versendeten Wassers 358 l 10 Krüge. Für die Bequemlichkeit und das Vergnügen der Badegäste ist auf jede Art gesorgt und mehre Orte in der Nähe, welche theils Annehmlichkeiten, theils verschiedenartiges Interesse bieten, werden vielfach von ihnen besucht. Vgl. Frankl, „M., seine Heilquellen und Umgebungen" (Prag 1831); außerdem hak sich der Brunnenarzt Heikler ein nicht geringes Verdienst durch seine Schriften, welche theils den Ort im Allgemeinen, theils die einzelnen Quellen und Anstalten betreffen, erworben, auch in Gemeinschaft mit dem Könige Friedrich August II. von Sachsen und mit Goethe die botanischen und geognostischen Verhältnisse der Umgebungen von M. näher beleuchtet und die Merkwürdigkeit derselben gewürdigt. Marienburg, eine als Vorfcste von Danzig befestigte Stadt im Regierungsbezirke Danzig in Westpreußen, an der Nogat, mit 6000 E., ist besonders wegen des Residenz- schlosses der Hochmeister des deutschen Ordens merkwürdig, welches als ein herrliches Denkmal altdeutscher Baukunst 1824 restaurirt wurde. M. war ursprünglich eine blase Feste, die um 1274 der deutsche Orden gegen die Einfälle der Polen und Lithauer anlegte. Als der Comthur des Ordens, Siegfried von Feuchtwangen, lieh entschloß, seinen Sitz von Venedig hierher zu verlegen, erbaute er um l 306 die eigentliche Hochburg, von der noch schöne Überreste auf uns gekommen sind. Verdienste um die innere Ausschmückung erwarben sich der Hochmeister Dietrich von Altcnburg 1333—41, der die Hauptkirche er, weiterte, unter dem Chor der Schloßkirche eine Gruft für die Hochmeister hinzufügte, den > Thurm erbaute und durch ein wunderbares Marienbild den Altar der Kirche bereicherte. Auch wurde unter ihm M. die festeste der hundert Landesburgen, sowie ihr an Pracht und Geschmack schon früher keine gleichgekommen war. So blieb das Schloß der Sitz dcrHocb- meister, blS am 6. Juni >457 die Polen M. einnahmen und den Hochmeister Ulrich von Elrichshausen vertrieben. Seitdem war es zum Theil von Jesuiten bewohnt und der Sitz poln. Woiwoden, zuweilen auch das Hoflager der poln. Könige, bis es 1772 mit dem preuß. Staate vereinigt wurde. Beinahe hätte das Ordenshaus kurz darauf seinen Unter- > gang gefunden, wenn nicht Friedrich II. dem Verderben Einhalt gethan hätte. Doch eilte es unbeachtet seinem Verfall entgegen, bis der neu erwachte Sinn für vaterländische Denk- me pr sch (K (L 2ll die w< sp' lai hei löt 3, zu thc Tr die vi, rec ein Bi dm Ge sch Cr Th un fru gn 16 UN sich wo stil V. tai lm äe U> lu A 6 ', ha w de 1t i Marienglas Marignano 33L mäler auch ihm seine Aufmerksamkeit zuwendete, und namentlich 182-1 der damalige Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen sich der Restauration thätig annahm. Vgl. Bü- sching, „Das Schloß in M." (Berl. 1823, 4., mit 7 Kpf.); Voigt, „Geschichte M.s" (KönigSb. 1824) und Ludwig von Auer, „Kriegsgeschichtliche Denkwürdigkeiten von M." (Danz. 1824). — Marienburg, ein Dorf in Liefland mit einem adeligen Hofe und 3000 E-, war der frühere Aufenthalt der nachherigen Kaiserin Katharina I. von Rußland, die deshalb den Namen des Mädchens von Marienburg erhielt. Marienglas, s. Gyps. Mariengroschen nannte man eine Silbermünze, welche ihren Ursprung den Bergwerken bei Goslar verdankt, sich von dort über Niedersachsen und Westfalen verbreitete, später auch inMariengulden überging und endlich als Marienthaler in Deutschland und den angrenzenden Ländern Geltung gewann. Der Name rührt von dem Gepräge her, der Mutter Gottes mit dem Jesuskinde. In Goslar wurde der Mariengroschen acht- löthig, 80 auf die rauhe Mark, ausgeprägt; doch bereits 1550 war sie schon um die Hälfte schlechter. Ums 1.1700 hörte das Prägen derselben allgemein auf und es blieb nur der Name. In der neuesten Zeit rechnete man 36 Mariengroschen auf den Thaler. Es gab 2, 3,4 und Ofache Mariengroschenstücke. Der Mariengulden, mit gleichem Gepräge, wurde zu 20 Mgr. ausgeprägt, hatte also den Werth von 13 Er. 4 Pf. Conv. Geld. Der Marienthaler entstand gleichfalls in Goslar und wurde nachmals besonders von Baiern, Mainz, Trier, Eichstädt, Bamberg, Würzburg u. s. w. geschlagen; am reichhaltigsten ist unstreitig die Reihe der Ungar. Marienthaler, mit der Umschrist katrona Hungsriae. Marienwerder, Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks der preuß. Provinz Westpreußen, an der Liebe und kleinen Nogat, eine Stunde von der Weichsel auf dem rechten Ufer dieses Stroms, über den eine Schiffbrücke führt, der Sitz der Regierung und eines Oberlandesgerichts, besitzt ein Gymnasium, ein Landgestüt und eine vom Grafen Bülow von Dennewitz gestiftete Blindenanstalt und zählt gegen 5600E., die hauptsächlich durch den Aufenthalt derBeamten ihren Erwerb finden. Zu den merkwürdigen öffentlichen Gebäuden gehört das alte weitläufige Schloß, früher die Residenz der pomesanischen Bischöfe und des Domkapitels, mit einem Anbau, der Danziger genannt, welcher jetzt als Criminalgefängniß benutzt wird, und die 1255 erbaute Domkirche mit einem > 70 F. hohen Thurme, Mosaikarbeiten, Glasmalereien und den Grabmälern dreier deutscherHochmeifler und der pomesanischenBischöfe. Die zwischen der Stadt und der Weichsel sich hindehnende fruchtbare, besonders an Obstbau reiche Marienwerdersche Niederung, l'/r üM. groß, litt in neuerer Zeit durch Überschwemmungen der Weichsel bedeutenden Schaden. Mariette (Pierre Jean), einer der größten Kunstkenner seiner Zeit, geb. zu Paris 1694, wurde von seinem Vater Jean M., der 1742 starb und als Zeichner, Kupferstecher und Buchdrucker gleich ausgezeichnet war, in der Kupferstechkunst unterrichtet und bildete sich dann auf Reisen durch Deutschland und Italien. Sein Ruf als Kunstkenner hatte sich während dieser Zeit schon so verbreitet, daß er den Auftrag erhielt, die kaiserliche Kupferstichsammlung in Wien zu ordnen. Im I. 1750 verkaufte er das nach dem Tode seines Vaters eine Zeit lang fortgeführte Geschäft, kaufte sich die Stelle eines königlichen Secre- tairs und KanzleicontroleurS und beschäftigte sich nun einzig mit seiner Kupferstichsammlung. Er starb zu Paris am 10. Sept. 1771. Wir besitzen von ihm einen „T'raitä 6e» pierres gravöes ciu csbinet 6u roi" (2 Bde., Par. 1750, Fol.), voll gelehrter Untersuchungen; „L.ettres L Llr.äe Onzäus"; die Beschreibungen der Crozat'schen Sammlungen von Gemälden, Kupferstichen, Statuen, Vasen, Gemmen u. s. w., in mehren Werken (1729, 1741 und 1750); „Öescription ciu recueil ck'estsmpes cke klr.Lc>)«r (Par. 1745, Fol.) u. s. w. M.'s Talente und liebenswürdiger Charakter hatten ihn in freundschaftliche Verbindung mit Caylus, Barthölemy und Laborde gebracht, weshalb er von ihnen beauftragt wurde, bei der Herausgabe des „Leeueil cle» peinturss snti wahrscheinlich zu Saragossa geboren. Er widmctc sich dem geistlichen Stande, und erhich ein Kanvnikatin Madrid; doch nahm er auch ander politischen Wiedergeburt seines Vater- landcs dui regsten Anthcil und suchte in einer Reihe von Schriften die ständischen Rech, der Nation historisch zu begründen. So gab er l 808 einen „Ln-u^o lü-lärico-cn'ticn snlm I-a antigiu» le^islucinn sie las reinas eie I^ean ^ Oustillu" (2. vcrni. Aust., 2 Bdc., Madr 1834, -1.) heraus. 1813 erschien sein Hauptwerk zur Vcrtheidigung der Cortesverfaffunz, die ,,'1'e«riu clo las cortes" (3 Bdc., Madr., 4.; 2.Aust., Madr. i 821; sranz. von Fieim, 2 Bdc., Par. 1822), und dazu als Einleitung den „visrorsa solare ei orsgen >Ie I» iin-nsr. , «quin x Sabre In nuturaleru ctel gobierno cspanvL' (Madr. 1813); und erst kur; vor seinem Tode, nachdem er sich durch die zweite Restauration gcnöthigt gesehen, von dem poiiti- scheu Schauplatz abzutrcten, schrieb er das theologische Werk „Uislanu cie nnesiro 8eHi>, äe-ncristo ^ cle In cloctrina moral cristiana" (Saragossa 1832). Ec starb 1833. Wen» auch seine politisch-historischen Schriften allzusehr die Farbe des constitutionellcn Liberalst- mus tragen, so kann man ihm doch gründliche, umfassende Gelehrsamkeit, klassischen Stil und reine Sprache nicht absprcchcn. Marine nennt man die Seemacht eines Staats mit Allem, was sic begreift, die Kriegsschiffe von jeder Größe und Art mit ihrer Ausrüstung und Besetzung, die zur Fielt, und zu den Häfen gehörigen Offiziere und Bedienungen, die Bootsleute und Sccsoldaic». Marino (San-), s. San-Marino. Marino oder Marini (Eiambaktista), ein bekannter ital. Dicbtcr, geb.znNc.nil ^ 136!«, sollte nach seines Vaters Willen sich zum Juristen bilden, wendete sich aber >ust > Neigung der Dichtkunst zu und fand auch sehr bald Gönner, die ihn unterstützten und st deren Umgebung er Torquato Tasso kennen lernte, der sehr vortheilhaft auf M/s Bildiir« cinwirktc. In Rom nahm sich sväter vorzüglich der Cardinal Pietro Aldobrandmi N.'l ' an. Im Gefolge desselben kam M. nach Turin, wo ihm ein Gedicht auf den Herzog rm Savoyen, Karl Emanucl, unter dem Titel „II ritratt»", eine günstige Aufnahme, sich Beweise von Wohlwollen und den Titel eines herzoglichen Sccretairs verschaffte. Toib der Neid seiner Feinde, seine Eitelkeit und satirische Laune verwickelten ihn auch hin in allerlei Streitigkeiten. Deshalb folgte er dem Rufe Margarethens, der geschiedenen Ee> mahlen Hcinrich's IV., nach Paris, nach deren Tode er an Maria von Medici cine Eömiem fand. Sehnsucht führte ihn >022 nach Italien zurück. Er hielt sich cinigcZeil ruNomanf, dann begab er sich nach seinem Geburtsorte, wo er den schönen Hügel von Posilixrozu seinem Aufenthalte erwählte und 1623 starb. Seine berühmteste poetische Production is! das heroische Gxdicht „,4>Ione" (Par. 1623,1.; vollständigsteAusg., 4Bde., Lond. I78S, 12.), das man ebenso sehr bewundert als in der Anlage und Ausführung getadelt und wegen der darin verkommenden wollüstigen Gemälde unter die verbotenen Bücher gcsielll hat. Von seinen Sonetten gehören einige zu den vorzüglichsten der ital. Literatur. Marionetten nennt man die künstlichen Gliederpuppen, die mittels Schnüre oder Drähte sich bewegen lassen und deren man sich auf den sogenannten Marionettentheatern alsDarsteller bedient, die dcr Marionettcnspielcr, je nach der Person dieStinnne verändernd, auch sprechen läßt. Die Marionetten waren schon bei den Griechen und Römern bekannt. In neuern Zeiten haben die Marionettcnspicle, namentlich in Frankreich, > großen Beifall gefunden; ja man wollte sogar ihre Erfindung dem Franzosen Brioche zu- , schreiben, der um die Mitte des 17.Jahrh. in Paris sie vervollkommnte. Allerdings gab cs in Paris schon 1674 eine Marionetten oper und i» mehren großen Städten Italiens , gibt cs noch gegenwärtig Marionettentheater, wie z. B. das Leatro 6irolamo in Mailand, l welche, auf ein gebildetes Publicum berechnet, dasselbe auch finden. Tief unter diesen sichen ! die in Deutschland herumüehenden Marionettentheater, welche das Marioncttensriel zu > einer der niedrigsten Volksbelustigungen hcrabgezogen haben, und durch Zweideuiiakciien ' den Beifall des großen Haufens zu erhaschen suchen, weshalb in mehren Staaten strenge ' Gesetze gegen die Zulassung unbefugter Kunst- und Marionettenspieler ergangen sind. Mariotte (Edmc), ein ausgezeichneter franz. Mathematiker und Physiker, geb. in MariuS 337 Bourgogne, Priester zu Saint-Martin-sous-Beaune und Mitglied der Akademie der Wissenschaften, starb am 12. Mai > 684. Sein Auftreten fiel in die Zeit, wo die mache- malischen Wissenschaften vielfach und mit Erfolg betrieben wurden. Mit seltenem Scharfsinn verband er eine damals bewunderte Fertigkeit im Experimentiren. Er erwarb sich ein entschiedenes Verdienst um die wissenschaftliche Bearbeitung der Hydrostatik und Hydraulik, namentlich gelang ihm die praktische Verarbeitung der Ideen seiner großen Vorgänger Galilei und Torricelli. Er machte eine Menge von Entdeckungen über das Maß ui;d den Abfluß der Gewässer nach der verschiedenen Höhe der Behälter, stellte Untersuchungen über die Leitung des Wassers und über die den Röhren nöthige Stärke zum Widerstande gegen den Druck an und bestimmte die Gesetze des Gleichgewichts flüssiger Körper. Von ihm hat der Lehrsatz, daß die Dichtigkeit der Lust sich wie das Gewicht, welches auf ihr lastet, oder wie die zusammendrückende Kraft verhält, den Namen des M a ri o tte'sch e n G e se tz e s. Um die Mechanik der festen Körper machte er sich durch vollständigere Bearbeitung der von Sir Christophe! Wien (s. d.) zuerst bearbeiteten Lehre vom Stoße verdient. Seine Werke erschienen gesammelt zu Leyden l7 l 7 (2 Bde., 4.). Marius (Cajus), der Besieger des Jugurtha und der Cimbcrn und Teutonen, war der Sohn eines Landmanns und in der lat. Stadt Arpinum l 57 v. Chr. geboren. Schon im numantinischen Kriege, wo er unter dem jünger« Scipio Africanus diente, im Z. 133, soll dieser in ihm den künftigen großen Feldherrn erkannt haben. Die Gunst, mit welcher ihn die Familie der Metellus (s. d.), in deren Patronat die seinige stand, überhaupt und bei der Bewerbung um das Volkstribunat unterstützt hatte, hielt ihn, da er dieses im I. Il9 bekleidete, nicht ab, der Nobilität offen entgegenzutrcten und ihren Einfluß auf die Abstimmung in den Comitien durch ein Gesetz zu beschränken. Seine Bewerbung um die Ädilität hatte keinen Erfolg, dagegen wurde ihm im I. 117 die^Prätur und nach dieser die Verwaltung Spaniens zu Theil, worauf er sich durch seine Verhcirathung mit Julia, einer Tante deS großen Julius Cäsar, dem angesehenen Geschlecht der Julier verband. Als Legat begleitete er >69 den Q. Cäcilius Metellus in den Krieg gegen Jugurtha (s. d.), kehrte aber im I. l v8 nach Nom zurück, um sich um das Consulat zu bewerben, da- er auch, seit langer Zeit der erste Consul, der sich auf keine Ahnen berufen konnte (domo novu«), für das I. l 07 erhielt. Zugleich wurde er wider den Willen des Senat- mit der Führung des Jugurthinischen Kriegs beauftragt, welche das Volk, seinen Verleumdungen des Metellus Glauben schenkend, diesem entzog. Bei der Ergänzung seines Heers nahm er zuerst ganz arme Bürger in die Legionen auf, ging dann nach Afrika, schlug den Jugurtha und Bacchus beiCirta imJ. 107, zum zweiten Male 106, worauf sein QuästorL.Cornelius Sulla (s. d.) den Bacchus zur Auslieferung deS Jugurtha, seines Eidams, vermochte. Der An- theil, den apf diese Weise Sulla an dem Ruhm erlangte, den Krieg beendet zu haben, legte den ersten Grund zu dem eifersüchtigen Haß des M. gegen Sulla. Zum zweiten Mal übertrug das Volk, durch die Gefahr, die von den Cimb ern (s. d.) und Teutonen (s. d.) drohte, in Schrecken gesetzt, dem M. das Consulat für das I. 104, und gab es ihm zum dritten, vierten und fünften Mal für die J. 103— Ivl bis zur völligen Besiegung der Feinde. Diesen entgegen ging M., nachdem er am I. Jan. 104 seinen Triumph über Jugurtha gefeiert hatte, in das südliche Gallien; hier an der Mündung der Rhone übte er sein Heer ein und beschäftigte es durch Arbeiten, wie durch die Ausgrabung eines Kanals zur Trockenlegung der Sümpfe, da die Entfernung der Feinde, die nach Spanien und in entlegene Theile Galliens gezogen waren, ihm Zeit ließ. Endlich im I. >02 brachen die Teutonen mit den Ambronen in das röm. Gallien. Vergebens suchten sie den M. aus seinem verschanzten Lager zum Streit zu locken; erst als sie abgezogen waren, folgte er ihnen mit seinem Heere, das nun an den Feind gewöhnt und nach Kampf begierig war, erreichte sie bei AquäSextiä (Aix in der Provence) und vernichtete sie in einer zweitägigen Schlacht. Hierauf zog er >»l nach Italien, wsQ. Lutatius (s. d.) Catulus als Proconful den Cimbern, die im Osten des Landes eindrangen, entgegenstand; M. übernahm den Oberbefehl und lieferte in einer günstigen Stellung auf den raudischen Feldern bei Verona, nach Plutarch bei Vercellä, im Aug. eine Schlacht, die mit der Niederlage des Feindes endete. Neunte Aufl. IX. 22 338 Marivaux (S. Cimbern.) Auch hier hgtte an der Entscheidung Sulla, der sich von M. verfeindet ge- trennt und zu CamluS als Legat begeben hatte, den wesentlichsten Anthcil. M. zogmi Triumph in Nom ein und ward zum sechsten Mal für das I. >00 zum Consul erwähle. Als solcher unterstützte er anfangs die Volkstribunen L. Appulcjus Saturninus (s. d.) und den PrätorC. Scrvilins Glaueia (s. d.) in ihren gewaltsamen Feindseligkeiten gegen die Nobilitat, durch die auch der von ihm gehaßte Q. Metellus Numidicus betroffen wurde; als aber jene bis zum offenen Aufstand vorschritten, sah er sich durch den Seim gcnöthigt, seine bisherigen Verbündeten aufzugeben und sie selbst mit gewaffneter Hand zu vernichten. Durch den Sieg der Nybilität und durch sein eigenes Schwanken hatte M. seinen Einfluß verloren; auch wurde Mctcllus sogleich aus der Verbannung zurückgerufen; M- ging nun aus Nom und reiste in Asien, während Sulla sich im Staate emporschwang; auch im Bundcszenossenkrieg seit 91, wo er wieder als Feldherr thätig war, übertraf ihn Sulla im gleichen Amte. Für das 1.88 wurde der Letztere, der nun schon an der Spitze der aristokratischen Partei stand, mit dem gleichgesinnten Q-Pompejus Nufus zumConsul erwählt und ihm die Führung des Mithridakischen Kriegs durch den Senat übertragen. Wie einst dem Metellus, so wollte jetzt ihm M. den Oberbefehl entreißen, und hierüber begann der erste Bürgerkrieg. M. verband sich mit P. Sulpi eins Nufus (s. d.), der als Volkstribun sich als den erbittertsten Feind der aristokratischen Partei, der er bis dahin selbst angehvrt hatte, zeigte. Durch bewaffnete Scharen setzte dieser seine Absichten gewaltsam durch und ließ dem M. den Oberbefehl übertragen. Sulla war nur dadurch, daß er sich in des M. Haus flüchtete und von diesem geschont wurde, der Ermordung entgangen. Er eilte zum Heere und kehrte mit diesem nach Nom zurück, wo nun die Häupter der Gegenpartei geächtet wurden. M. entkam durch die Flucht zur See; ein Sturm trieb ihn an die ital. Küste; hier irrte er lange umher, bis er entdeckt und gefangen nach Minturnä gebracht wurde. Die Behörde der Stadt beschloß, ihn hinrichten zu lassen; der cimbrische Sklave abep, der ihn tödten sollte, vermochte den Anruf und den furchtbaren Blick des M. nicht zu ertragen und lehnte den Auftrag ab. M. entkam aus dem Gefängniß und rettete sich auf einem Schiff, nachdem er in Sicilien einer zweiten Verhaftung mit Mühe entgangen war, nach Afrika. Hier verweigerte ihm der Statthalter den Aufenthalt; der Bote, der ihm die Nachricht übcrbrachte, soll ihn unter den Trümmern Karthagos getroffen und von ihm die Antwort erhalten haben: „Sage deinem Herrn, du hättest den M. auf den Trümmern von Karthago sitzen sehen". Er hielt sich nun auf einer kleinen Insel an der afrikan. Küste mit seinem Sohne und andern Anhängern auf, bis ihn im I. 87 Cinna (s. d.) zur Rückkehr rief. An der Spitze von vier Heerhaufen rückte er mit Cinna, Q. SertoriuS (s. d.) und Q. Papirius Carbo vor Nom, das ihnen nach vergeblich versuchtem Widerstand übergeben wurde. Der greise M. war unersättlich in seiner Rache; auf seinen Antrieb wurde fünf Tage und Nächte gemordet; eine Schar von -1900 Sklaven, die ihm hierbei diente, ließ endlich Cinna selbst niederhauen. Eine große Anzahl von Männern der Gegenpartei, unter ihnen die Consuln Octavius und Merula, der große NednerM. Antonius, auch des M. früherer College Q. Lutatius Catulus, verloren ihr Leben; Sulla wurde für einen Feind des Vaterlands erklärt. Für das Z. 86 ernannte Cinna sich und M- zu Consuln ; doch starb Letzterer, nachdem er die Würde, die er jetzt zum siebenten Male erhalten, erst 17 Tage bekleidet hatte. M. war ein gewaltiger Feldherr, aber zur Fassung und Durchführung politischer Pläne nicht geeignet; er war tapfer, jeder Entbehrung fähig, aber grausam, wilv und aller Bildung feind.— Sein Sohn, Cajus Marius, war im I. 82 mit Papirius Carbo Consul, wurde von Sulla bei Sacriportus geschlagen, zog sich hierauf nach Präneste zurück und tödtete sich selbst, als die Stadt sich dem Sulla übergab. Marivaux (Pierre Carlet de Chamblain de), franz. Noman- und Theatcrschrist- steller, geb. zu Paris 1688, erhielt von seinen Altern, welche einer alten Familie vonNouen angehorten, eine sorgfältige Erziehung, wurde 1743 Mitglied der Akademie und starb am II. Febr. 1763. Schon früh fesselte ihn das Theater, und wenn auch seine ersten Versuche als dramatischer Dichter unglücklich waren, so schuf er sich doch in der Folge eine Manier, welche eine Zeit lang wenigstens Anklang fand. Man Pflegte sie mit dem Ausdruck M a - rivaudage zu bezeichnen und meinte damit eine gezierte und witzelnde Art des AuS- 339 Mark drucks. Besonderes Glück auf der Bühne machten seine „äeux cke I'nmoin- et ä» imrulti", die „b'ausses cvnfxleiicer" und „lUu mere conkclente". Auch übertrug er seine Art und Weise auf das Gebiet des Romans und zu seinen besten Leistungen auf diesem Felde gehören „Vie cke Zbarianue" und „I7e z,s)8cli> psrvcau". Sein „8psetsteur frsa«;." steht dem engl. „Sxectstor" beiweitem nach. Eine Sammlung seiner dramatischen Werke erschien 1 758 (5 Bde., Par.); seine sämmtlichen Werke wurden von Duvicquct herausgego- ben(l 2Bde., Par. 1825). Mark, ein altdeutsches Wort, bedeutet zunächst so viel als Erinnerungszeichen; fer- ner bezeichnet man mit Mark oder Markung die Grenze eines Landes oder Bezirks n. s. w., daher Markstein und Markscheide, und endlich auch das von bestimmten Grenzen umschlossene Gebiet selbst, daher Dorfmark, Feldmark, Holzmark, wüste Mark u. s. w. In letzterer Bedeutung gebrauchte man im Mittelalter das Wort Mark auch von ganzen Ländern, wie der Name Dänemark zeigt, und insbesondere von den Thei- len größerer Länder, die an der äußersten Grenze lagen. So hießen namentlich im Deutschen Reiche die nach und nach den Slawen, Ungarn und andern feindlichen Nachbarvölkern entrissenen Landestheile Marken, und insofern sie kaiserlichen Markgrafen (s. d.) anvcr- traut waren, welche die unterworfene Bevölkerung im Zaume zu halten und die neuen Grenzen zu überwachen hatten, Markgrafschaften. Solche Marken waren die Mark Ostreich, Nordsachsen oderBrandenburg, Meißen, Lausitz, Schleswig, Mähren, Steiermark, Kärnten, Baden u. s. w. Auch gebraucht man in einigen Gegenden Deutschlands noch gegenwärtig das Wort Mark von kleinern, geschlossenen, einer Gemeinde gehörigen Bezirken, daher Markgenossen, Markordn un gen, Markrecht u. s. w. Mark, eine vormalige Grafschaft von etwa 30 lüM. mit jetzt 170000, meist protestantischen Einwohnern, im ehemaligen westfäl. Kreise, welche gegen Norden vom Für- sienthume Münster, gegen Osten vom Hcrzogthume Westfalen und gegen Süden und Westen vom Hcrzogthume Berg begrenzt wurde, und jetzt zum Kreise Hamm des Regierungsbezirks Arnsberg der preuß. Provinz Westfalen gehört, wird durch die Ruhr in den Hellweg, den größern, nördlichen, und in das Sauerland, den kleinern, südlichen Thcil gctheilt. Jener ist äußerst fruchtbar und hat viele Eisenerze und sehr gukt Steinkohlen, welche letztere bei den Manufacturen, namentlich im Sauerlande, welche Metallwaarcn aller Art liefern, den Hulzmangel ersehen. Die Grafschaft war in frühester Zeit ein Theil von Westfalen, gehörte seit dem Ende des 12. Jahrh. den Grafen von der Mark, kam im 1t. Jahrh. an die Grafen von Kleve und siel nach langen Streitigkeiten 1666 aus der Jülich'schen Erbschaft an das Haus Brandenburg. Der große Kurfürst versprach damals den Einwoh- nern, daß die Grafschaft stets bei seinem Hause bleiben sollte. Als daher > 805 und 1806 verschiedene Ländertausche stattfanden, erinnerten die Einwohner Friedrich Wilhelm III. an das Wort seines Ahnherrn, der dasselbe auch feierlich bestätigte; allein 1807, im tilsiter Frieden, mußte sie dennoch abgetreten werden, wurde nun zum Großherzogthume Berg geschlagen und machte den beträchtlichsten Theil des Nuhrdepartements aus, bis sie >813 von Preußen wieder in Besitz genommen wurde. Die vorzüglichsten Orte sind die Kreisstadt Ha mm (s. d.), Soest (s. d.), Iserlohn (s. d.), Altena mit 3800 E. und wichtigen Draht- und Nadelfabriken, die durch zwei unterirdische Kanäle getrieben werden, und Schwelm mit 3500 E., einem Gymnasium und wichtigen Fabriken, auch einer Mineralquelle. In der Nähe von Hamm liegt das Haus Mark in dem Dorfe gleiches Namens, das alte Schloß der Grasen von der Mark, und das Kloster Kentrop, wo seit 1820 eine Taubstummenanstalt ist. Außerdem ist noch die Emperstraße (s. d.) zu bemerken. Mark oder Knochenmark (meckulla ossiuw), ein durchsichtiges, weiches, öliges Fett, welches sich nur wenig vom gewöhnlichen Fett unterscheidet, wird besonders in den Röhren der langen Knochen abgesondert und beim Embryo, ehe die Knochen selbst verknöchern, gar nicht gefunden. Mark ist der Name einer alten deutschen Rechnungsmünze, deren Ursprung wol in der röm. 1>di-> zu suchen sein dürfte. Dieses Münzgewicht gegen jede willkürliche Beran- derung zu sichern, bezeichnete man es mit einem bestimmten Zeichen, einer Marke, und so 22 * 340 Marketender Markomannen i entstand der Name Mark. Von diesem Markgewicht benannte man nun so viel gemünzter Geld, als ihm gleichkam, also >6 Loth oder 8 Unzen wog, eine Mark. Diese frühere Be- ' zeichnung erlitt jedoch eine Abänderung, als man allmälig anfing, die edlern Metalle nicht mehr fein auszuprägen, sondern sie zu diesem Behufc mit unedlen Metallen, namentlich mit Kupfer, versetzte. So wurde man genöthigt, die Mark feines Gold oder Silber (Mark fein) von der Mark des versetzten Goldes u. s. w. (M ark löthig) zu unterscheiden. Die feine Mark Silbers nannte man auch weiße Mark (Mark witte) von feinem, reinem Silber, während man die Mark löthig auch rauhe Mark nannte, eine Bezeichnung, die noch jetzt üblich ist. Nachdem der Gehalt oder das Schrot und Korn des gemünzten Geldes all- mälig fest bestimmt worden war, hatte man nicht mehr nöthig, das Geld zu wiegen, sondern man zählte eS, und so entstand die Mark währun g, die g ezählte Mark, im Gegensatz der gewogenen Mark (Markgewickt), welche letztere nach und nach ganz verdrängt wurde, da die gezählte Mark die bequemere war. Dies der Grund, weshalb die gewogene Mark allmälig in so viele verschiedene Marken ausartete, z. B. die Lübeck'sche, Hamburg!, sche, Dänische, Englische, Schwedische u. s. w. Gegenwärtig rechnet man die feine Mark zu l3 Thlr. 8 gr. Conv.-Eeld, oder >4 Thlr. preuß. Courant. Marketender nennt man Personen beiderlei Geschlechts, welche den Truppen auf Märschen, in Bivouacs und im Lager Lebensmittel zerführen, zuweilen auch die Zubereitung des gelieferten Fleisches und theilweise die Reinigung der Wäsche besorgen. Im Felde, wo der Soldat selten Zeit und noch weniger Gelegenheit hat, seine Bedürfnisse selbst einzu- kaufen, und oft genug nichts geliefert erhält, geben die Marketender das Mittel ab, eigenmächtiges Wegnehmen von Lebensmitteln wenigstens zu vermindern, wenn sie auch dem Bedarf nicht ganz entsprechen können, und das Nequisitionssystem immer beibehalten «erden muß. Eine strenge Aufsicht auf die Marketender ist nicht allein nothwendig, um die Güte des Proviants zu prüfen und angemessene Preise dafür festzusetzen, sondern auch im Kriege vorzüglich deshalb, weil die Marketender oft Spione sind und vermöge ihrerÄei- ' sen, behufs des Einkaufs, leicht in feindliches Gebiet eintreten. Die Marketender komm«! schon in den ältesten Zeiten bei allen Heeren vor und werden zum Troß der Armee gerechnet; bei den Lanzkneckten waren sie unter den Befehl des Rumormeisters gestellt. Marketerie, s. Mosaik. Markgraf (marckio) hieß ursprünglich der seit den Zeiten Karl's des Großen bestellte Befehlshaber in einem Erenzbezirkc oder einer Mark (s. d.). Der Markgraf stand unmittelbar unter dem Kaiser, nicht unter dem Herzoge, zu dessen Territorium der Grenz- bezirk gehörte, und hatte herzogliche Befugnisse; doch gab es später auch Markgrafen, die von Herzogen abhingen. Gewöhnlich wurden solche Herren zu Markgrafen bestellt, die in den ihnen zur Beschießung übergebenen Bezirken ansehnliche Güter hatten. Im > 2. Zahrh. wurden die markgräflichen Stellen erblich und endlich reichsfürstlich, sodaß ein Markgraf in Ansehung seiner Würde über dem Grafen und unter dem Herzoge stand. Markland (Jeremiah), einer der vorzüglichsten engl. Kritiker, der durch eine tiefe und ausgebreitete Gelehrsamkeit, durch glückliche Combinationsgabe und große Besonnenheit sich auszeichnete, geb. 1692, erhielt seine Bildung zu Cambridge. Um sich den altclas- fischen Studien ungestört widmen zu können, nahm er nie ein Amt an und starb am'.Zuli 1778 zu Cambridge. Unter seinen einzelnen Schriften erwähnen wir die Bearbeitung der „S^Ivae" des Stativs (Lond. 17 28, 4.; vermehrt herausgeg. von Sillig, Dresd. >827,1.); ^ seine Bemerkungen zu den „Reden" des Lysias in Taylor's Ausgabe (Lond. >739, ->) , und zum Maximus Tyrius in Ward's Ausgabe (Lond. 17-10, 4.); die Ausgabe der beiden „Iphigenien" deS Euripides (Lond. 1763, 4.; neue Ausgabe von Gaisford, 2 Bde., Orf- 1811, und Lpz. >822); die „Lpistola critica all Lrsne. Uare" (Lond. 1723) und „Le- ^ mark» on ti>e epistle» »k tlicero to Lrntus" (Lond. 1745), worin er namentlich auch die ^ Unechtheit von vier Ciceronischen Reden mit vielem Scharfsinn darzuthun suchte, die , F. A. Wolf später in einer besonder» Ausgabe dieser Reden (Berl. 1801) bis zur Evidenz nachwies. Eine Charakteristik M.'s findet sich in Wolf's „Literarischen Anaftkten" (Bd.2). Marklosung, s. Retractrecht. Markomannen, d. h. Grenzmänner, ist derName eines german. Volks, der zuerst Markscheide Marktschreier 841 bei Cäsar verkommt, welcher unter den Völkern, die dem Ariovist folgten, auch Markomannen nennt. Vennuthlich aus den Gegenden am Mittlern und obern Main, in dem einst keltischen Ercnzlandc (s. Germanien und Kelten), führte sie Marbod (s. d.) in das Land Bojvhcmum (Böhmen), das von den früher» Bewohnern, den keltischen Bojcrn, diesen Namen fortbehielt. Sie standen an derSpitze der suevischen Völker, die zu dem Reiche, das Marbod hier begründete, gehörten, und auch nach dessen Zerfall ragen sie unter den Nachbarvölkern hervor, von denen die Quaden (s. d.) ihnen am nächsten verwandt und gewöhnlich mit ihnen verbunden erscheinen. Mit den Römern standen sie lange Zeit in freundschaftlichen Verhältnissen, die auch Domitian nur vorübergehend und zu seinem Schaden störte, bis in der zweiten Hälfte des 2. Jahrh. ihre Einfälle in das südlich von der Donau gelegene röm. Noricum und Pannonien begannen. Da brach der furchtbare Krieg aus, welcher nach ihnen, als dem Hauptvolke, der markomannische Krieg genannt wird. Marc Aurel (s. Antoninus) führte denselben gegen sie und die Ouaden und andere german. und sarmat. Völker vom I. 167—179 an der Mittlern Donau. Er starb, als der Sieg sich aufseine Seite zu neigen begann. Sein Sohn Co mmodus (s.d.) schloß eilig einen Frieden ab, der den Römern einige Vortheile sicherte und die Bedingung enthielt, daß eine Landstrecke zwischen ihrem und dem röm. Gebiet leer bleiben solle. Bald aber begannen die Angriffe der Markomannen von neuem und dauerten das ganze dritte Jahrhundert, während dessen Aurelian (s. d.) im I. 276 sogar in Italien selbst milden Markomannen und den Alemannen zu kämpfen hatte, und einen Theil des -1. Jahrh. fort. Von da an schwindet ihr Name, der sich indeß auch über östlichere Gegenden ausgedehnt hatte, allmälig, wie er denn nunmehr, wo die Deutschen schon weiter südlich in röm. Land vorgedrungen waren, seine Bedeutung verloren hatte. Aus ihrem Lande, das später zu dem Reiche der Thüringer gehörte, sind, als dieses im 6. Jahrh. durch die Franken zerstört wurde, wahrscheinlich die Nachkommen der alten Markomannen unter dem neuen Namen der Bojovarier nach dem heutige» Baiern ausgewandert. Markscheide, d. i. Grenze, heißt in der bergmännischen Sprache die Grenze zwischen zwei Gruben, welche über Tage durch einen Lochstein, in der Grube aber mit einem in daS Gestein oder Mauerwerk gehauenen Zeichen, die Markscheidestufe, bezeichnet wird. Von dieser Operation her nennt man die ganze unterirdische Geometrie Markscheidekunst und Den, welcher sich damit beschäftigt, Markscheider, welcher einer der obern Beamten bei einem Bergwerke ist. Die Markscheidekunst, deren zuerst Georg Agricola im 1.1557 gedenkt, die aber wol viel älter ist, und über welche das älteste Buch von Erasmus Neinhold >574 erschien, ist weiter nichts als die Fcldmeßkunsi auf den Bergbau angewendet. Sie lehrt den Grubenbau in allen seinen Theilen, sowol über als unter Tage aufmessen und berechnen und denselben graphisch nach allen Richtungen hin in Zeichnungen dar- stellcn, sodaß man daraus die Lage der Grube, die Stellung der Lagerstätte und zugleich das Terrain über Tag 058 zu Ashe in der Grafschaft Devon geboren. Wenig gebildet, aber von Natur mit Sckönheit und Anmuth begabt, kam er nach der Restauration als Page in die Dienste des Herzogs von Jork, der ihn, weil er viel Neigung zum Soldaten zeigte, im Alter von >K Jahren zum Gardefahndrich ernannte. Als solcher wohnte er der Entsetzung von Tanger und mehren Gefechten gegen die Mau.ren bei und stieg nach der Rückkehr zum Hauptmann in einem Negimente, das zur Verstärkung der Franzosen nach den Niederlanden abging. Schon im Feldzuge von I 072 trug Churchill die Lobsprüche Turenne's und Ludwig's XlV. mit dem Grade eines Oberstlieutenants davon. Er blieb bis !077 in franz. Diensten, kehrte dann nach England zurück, lebte als Weltmann und heirathcte >678 die schöne Sarah Jennings, welche schon damals die Favoritin der spätem Königin Anna (s. d.) war. Dieser Umstand und die Gunst des Herzogs von Jork, der Churchill's Schwester. Arabella (s. Berwick), zur Maitresse hatte, versprach ihm eine glänzende Zukunft. Nachdem sein Gönner als Jakob ll. den Thron bestiegen, wurde Churchill General und Baron von Sandridge. Wiewol er sich bei der Unterdrückung der Empörung des Herzogs vonMonmouth (s. d.) besonders thätig zeigte, verabscheute er doch die Neactionspläne des Hofes und trat in Verbindung mit dem Prinzen von Oranien. Als Letzterer landete, führte er sogar das ihm von Jakob vertraute Trupvencorps dem Prinzen zu und betrieb überhaupt den Sturz seines Wohlthäters mit auffallendem Eifer. Wilhelm UI. erhob ihn zur Belohnung zum Grafen von M. und übertrug ihm die Unterwerfung Irlands. Aus Schamgefühl verzögerte M. die Abreise, bis sich Jakob II. aus Irland entfernt hatte, worauf er die Insel vollends unterwarf. In Folge der Theiluahme Wilhelm's am Kriege gegen Frankreich erhielt M. hierauf das Commando der brit. Trup- ven in den Niederlanden. In dieser Stellung begründete er in den Feldzügen von 1680 und >081 seinen Feldherrnruhm, besonders durch den Sieg bei Walcourt. Weil er sich, vielleicht aus Neue über den frühem Verrath, in die Umtriebe der I akobiten (s. d.) eingelassen, wurde er bei der Rückkehr nach England plötzlich verhaftet und in den Tower gebracht. Obschon man ihn aus Mangel an Beweis nicht vcrurtheilen konnte, blieb er doch bis zum Tode der Königin Maria, welche die Rathgeber ihrer Schwester Anna besonders haßte, in Ungnade. Stach dem Frieden zu Ryswijk aber ernannte ibn der König zum Erzieher des Herzogs von Gloucester und beim Ausbruche des span. Suceessionskrieges zum General der brit. Armee in den Niederlanden. Der Tod Wilhelm's und die Thronbesteigung Anna's im März 1782 eröffnete M. einen schrankenlosen Einfluß; ohne den Titel zu besitzen, übte er die Macht eines Regenten. Während seine Gemahlin die Königin beherrschte, leitete er ganz den Minister Godolphin, dessen Sohn seine Tochter geheirarhet hatte. Er begann als General der verbündeten Truppen in den Niederlanden den Feldzug von >782 mit Vertreibung der Franzosen aus dem span. Geldern und eroberte Venloo, NureMonde, Lüttich und andere wichtige Plätze. Nachdem ihn die Königin am 2. Dec. zum Herzog erhoben, ging er im I. 1703 zur Unterstützung des Kaisers nach Deutschland, verband sich hier mit dem Prinzen Eugen (s. d.) von Savoyen und schlug zuerst die Baiern im Juni 1783 bei Donauwörth, dann am 13. Aug. die Franzosen unter Tallard bei Blenheim. Deutschland und die Niederlande betrachteten ihn als ihren Erretter. Das Parlament schenkte ihm die Domaine Woodstock, und die Königin ließ ihm das Schloß Blen heim (s.d.) bauen, dessen ungeheure Kosten sie indessen später nicht bezahlen mochte. Das Jahr >785 brachte M. mit diplomatischen Verhandlungen zu. Er besuchte die deutschen Höfe, gewann den Kurfürsten von Brandenburg, fcuerre die Holländer an und begann dann in den Niederlanden den Feldzug von >780. Nachdem erVilleroiam lü.Maibei Ramillies geschlagen, reinigte er Brabant, nahm Ostende, Menin, Dendermondc und Akh und vermochte im Frühjahr 1787 in einer persönlichen Zusammenkunft den König KarlXIl. von Schweden, daß sich derselbe ruhig verhielt. Mit dem größten Eifer widerscßtc er sich den Friedensversuchen, die der gedemüthigte Ludwig XIV. machte. Dabei leitete ihn jedoch Marlborough 343 „icbt allein politischer Scharfblick, sondern auch Ehrgeiz und die Habsucht. Nach kurzem Aufenthalt in England, wo er bereits gegen seine Widersacher kämpfen mußte, cröffncte er mit Engen den Feldzug von I7U9 und besiegte Villars am >l. Scpt. in der blutigen Schlacht bei Malplaquet. In dieser Zeit fodertc er auch zur Befestigung seiner Macht vom Parlament die Ernennung zum Generalcaxitain auf Lebenszeit und lud dadurch den Verdacht eines Usurpator» auf sich. Durch Einfluß auf das Oberhaus gelang es ihm zwar, die Frledcnsverhandlungcn zu stören und die Mittel zum Wiederbeginn des Kriegs zu erlangen; allein während er im Laufe des I. >7in einen Platz nach dem andern eroberte, wurde in England sein Sturz vorbereitet. Die Königin schüttelte das längst unerträgliche Joch der Herzogin von M. ab, worauf bei Hofe die Tories die Oberhand erhielten. Nach der Auflösung des Unterhauses mußten Godolphiu und Sunderland im Jan. 1711 das Ministerium niederlegen und der Graf Oxford (s. d.) gelangte mit der Torypartci ans Nudcr. WicwolM. im Herzen selbst gemäßigter Tory war und trotz seiner Kampfe gegen Frankreich, mit der Königin die jakobitische Partei fortwährend begünstigte, so schränkte man doch sogleich seine Macht ein und beschloß, sick seiner so bald als möglich zu entledigen. Nach der Eroberung von Bouchain kehrte er im Mai 17 ll nach London zurück, um sowol den Krieg wie seine Gewalt aufrecht zu erhalten. Das Unterhaus klagte ihn jedoch der Unterschlagung öffentlicher Gelder an, und das Oberhaus trat dieser Anklage bei. Die Königin entsetzte ihn hierauf am I.Jan. 1712 seiner Ämter, unterdrückte aber, besonders durch die Vorstellungen des Prinzen Eugen, der mit M. in enger Freundschaft lebte, die gerichtliche Verfolgung. Während der FricdcnSverhandlungen zu Utrecht verließ M. erbittert sein Vaterland und bestickte Holland, Deutschland und sein ihm vom Kaiser geschenktes Fürsicn- thum Mindelhcim, das er jedoch im Frieden ohne Entschädigung wieder verlor. Überall nahm man ihn mit dem größten Enthusiasmus auf. Mit dem Tode der Königisi Anna kehrte er nach England zurück, wo ihn Georg l., der durch seine Partei eigentlich die Krone erhalten hatte, mit Auszeichnung empfing und sogleich in die Stelle eines Generalissimus wiedcreinsetzte. M. genoß sein neues Glück nicht lange. Am 8. Juni l 7! 0 vom Schlage getroffen, verlor er fast ganz das Ecisteslicht und starb in diesem Zustande am >7. Juni 1722. Er war der größte Feldherr seines Jahrhunderts, erlitt nie eine crnstlicbe Niederlage und wußte seine Gegner ebensosehr durch Kühnheit und Thätigkcit, wie durch Benutzung ihrer Fehler zu vernichten. Als Diplomat siegte er durch seltne Gabe der Rede; im persönlichen Umgänge gewann er die Herzen durch Anmuth und Schmeichelei. Doch war er auch geizig und habsüchtig und hatte ein ungeheures Vermögen zusammengcrafft. Seine Titel und Würden gingen auf die Familie der zweiten Tochter, Anna, über, die sich mit Lord Spencer, dem Sohne des Grafen Sunderland, vermählte. Der Herzog George Spencer Churchill von M-, gcst. 18-lu, war sein Enkel im fünften Eliede. Vgl. Coxe, ,Msi»<»ir>! »k änlm ilulee okN., nitl» ins »riol>c1 Sarah Jennings, Herzogin vonM.,gcb.am 28. Mai I UV», stammte aus einer bei Hofe sehr beliebten Familie und kam im Alker von zwölf Jahren in die Dienste der Herzogin von Jork, wo sie die Freundin der Prinzessin Anna wurde. Durch Schönheit, Liebenswürdigkeit und stets bewahrte Tugend ausgezeichnet, hcirathete sie im Apr. 1K78 den nachmaligen Herzog vonM. Nachdem sie bei der Vermahlung der Prinzessin Anna 1683 deren Ehrendame geworden, knüpfte sich-zwischen den beiden Frauen das Freundschaftsverhältniß so eng, daß alle Skandesrücksichten wcgsiclcn. Bei der Thronbesteigung Anna's wurde sie zur ersten Ehrendame und Eroßmeisterin der Garderobe erhoben. Ihre Macht war jetzt schrankenlos; sie vergab Ämter und Würden und nahm dafür nach der Behauptung Swift's oft Geld. Einerseits ihre enge Verbindung mit den Whigs, andererseits die an Roheit grenzende Herrschaft, welche sie in allen Fallen über Anna zu behaupten suchte, machten sie allmälig der insgeheim zu den Tories neigenden Königin verhaßt und unerträglich. Zudem entzog ihr das Herz der Fürstin die Lady Masham, ihre Cousine, die sie an den Hof gebracht hatte und später aufs äußerste verfolgte. Als die Herzogin sah, daß sie Liebe und Vertrauen verloren, legte sie im Jan. >7 lI ihre Hofämter nieder, womit allerdings die Tories freieres Spiel gewannen, um auch ihren Gemahl zu stürzen. Die Behauptung Vvltairc's, daß damals ein Paar Handschuhe und ein 344 Marlow Marmier verschüttetes Glas Wasser den Sturz der Favoritin und die Umgestaltung der politischen Verhältnisse Europas bewirkt hätten, ist eine Übertreibung. Die Herzogin begleitete ihren Gemahl 1713 auf das Festland und lebte nach der Rückkehr in gänzlicher Zurückgezogen- heit. Sie starb erst am 29. Oct. 1744 und hinterließ ein Vermögen von 3 Mill. Pfd. St. Außer einem Sohne, der zeitig starb, gebar sie ihrem Gemahl vier Töchter. Kurz vor ihrem Tode gab sie „Nemoirs" (Lond. 1742; franz., Haag 1742) heraus, die ihre Rechtfertigung enthalten und die Jntriguen des Hofes schildern. Auch erschien ihre Privatcor- responden; (2 Bde., Lond. 1838), in der sie als Frau von großem politischen Verstände und überwiegender Persönlichkeit hervortritt. Marlow (Christopher), dramatischer Dichter und Zeitgenosse Shakspeare's, soll der Sohn eines Schuhmachers in Canterbury gewesen und um 1562 geboren worden sein. Er erhielt eine gelehrte Erziehung, studirte zu Cambridge und wurde daselbst 1587 Magister. Schon vorher war sein Trauerspiel „I'amerlsioe tke great" mit Beifall aufgeführt worden. Er wurde nun selbst Schauspieler, doch durch einen Beinbruch bald wieder unfähig dazu. Desto thätiger war er seitdem als Dichter, doch führte er dabei ein zügelloses Leben. Um eines Mädchens willen wurde er im Mai 1593 von einem Nebenbuhler erstochen. Als dramatischer Dichter ist er ein würdiger Vorgänger Shakspeare's. Seine wichtigsten Stücke sind „läse auch äeatli of Rr.paustus" und „Läwarä II."; außerdem haben wir von ihm „l'ke äeve okülalta" und „1K« massacre at Paris". Das unter seinem Namen erschienene Stück „Dust's ckomiuion" ist nicht von ihm. Auch übersetzte er die ,.Elegien" des Ovid, aber so gemein, daß sie auf Befehl des Erzbischofs von Canterbury verbrannt wurden. Seine Trauerspiele zeichnen sich aus durch überwältigende Kraft der Sprache und treffliche Schilderungen der Leidenschaften, zum Theil auch durch treffliche Charakterzeichnung. Doch wird der gute Eindruck, den einzelne Scenen machen, oft wieder durch Scenen gemeinen Scherzes und zügelloser Roheit gestört. Marly, ehemals mit dem Beinamen le Roi, ein Flecken an der Seine, eine Meile von Versailles, war bis zur Revolution wegen des prächtigen Lustschlosses berühmt, davon Ludwig XIV. erbaut, während der Revolution aber nebst dem herrlichen Parke zerstört wurde. Jetzt befindet sich darin eineTuchfabrik. Merkwürdig sind daselbst noch dieWaffer- kunstmaschinen, welche mittels einer Dampfmaschine das Wasser der Seine behufs der Wasserkünste in Versailles zu einer Höhe von 500 F. Hinauftreiben. Nicht weit davon liegt das jetzt ebenfalls sehr beschädigte Schloß Lucienne, welches Ludwig XV. für die Dubarri bauen ließ. Marmara-Meer, s. Propontis. Marmelade, vom portugies. marwelo, d.h. Quitte, auch Schachtelsaft genannt, ist eine gele«° oder gallertartige Zubereitung aus Quitten, Pfirschen, Aprikosen, Orangen, Ananas, JohanniS- oder Stachelbeeren u. s. w., in Verbindung mit Zucker und Gewürzen, die man wie Gallerte einkocht, dann warm in flache runde Schachteln oder Büchsen eingießt und als Confect in den Handel bringt. Die besten Maaren dieser Art liefern Italien, Frankreich, Ost- und Westindien. Marmier (Lavier), franz. Journalist und ein nach allen Richtungen thätiger Schriftsteller, geb. 1809 zu Pontarlier im Departement des DoubS, besuchte das College zu Nozeroy, bereiste hierauf die Schweiz und Holland und kam dann nach Paris. Hier verschaffte er sich in literarischen Kreisen durch ein Bändchen „Lsguisses poetiguss" (Par. 1 830) Zutritt. Seine journalistische Laufbahn eröffnet! er mit der Nedaction eines Journals in Besan;on. Dann wendete er sich der „Revue äe Paris", der „Vrance littäraire" und der „Revue fies äeur monäes" zu; durch seine Theilnahme an der „Revue ßermsmgue", deren Redacteur er eine Zeit lang war, wurde er auf ein näheres Studium der deutschen Literatur geführt. Zwar schien es, als sei eS ihm wirklich darum Ernst; er kam 1832 nach Deutschland, zeigte viel Interesse und ließ verschiedene literarische Arbeiten, z.B. „6I»oix äs parsboles rle p. Lrummacber" (Par. 1834), „Rtuäes sur Soetiie" (Par. 1835) und verschiedene Übersetzungen aus dem Deutschen erscheinen, welche als Vorläufer größerer Werke über seine gcrman. Studien anfangs vortheilhaft begrüßt wurden; aber leider muß man gestehen, daß er selbst in sprachlicher Beziehung nirgend über die Oberfläche hinausge- Marmont 345 en > gangen Ist. Dabei aber hat er durch seine einflußreiche Stellung als Mitarbeiter an gern ^ wichtigen Zeitschriften, sowie durch den dilatorischen Ton, in welchem er über deutsche Ni- Literatur in neuester Zeit abspricht, seinem Urtheile ein gewisses Ansehen in Frankreich veröl. schafft, sodaß die von ihm schwergekränkte deutsche Kritik nur ihre Pflicht that, wenn sie er seine Anmaßungen mit würdevollem Ernste zurückgcwiesen hat. Nicht besser ist es M. in >t- Betreff seiner Studien über die nord. Literatur, z.B.mit seiner „klistoire cle la litterstnre r> en vanemsrlc et en 8ue836—38 wurde er vom Unterrichtsministerium mit wissenschaftlichen Auf- »ll trägen nach dem Norden gesendet. Diese Reisen beutete er in literarischer Beziehung n. sswol in verschiedenen Werken, z. B. „Rußland, Finnland und Polen" (deutsch, 2 Bde., r. Regensb. 1844), als in zahlreichen Journalaufsätzen vielfach aus. Einzelne dieser Arbeiten r- bieten eine ganz unterhaltende Lectüre, obgleich sie sich im Allgemeinen nicht über das ge- !g wohnliche Genre der Touristenliteratur erheben. Nachdem er kurze Zeit zu Rennes mit der i. Professur der ausländischen Literaturen betraut gewesen war, erhielt er die Stelle eines ,s Bibliothekars auf dem Marineministerium. n Marmont (Aug.Fre'deric Louis Vieffe de), Herzog von Ragusa, Marschall von n Frankreich, geb. am 29. Juli > 17 4 zu Chätillon-sur-Seine, trat im Alter von 15 Jahren > als Lieutenant in die Infanterie. Im I. 1792 ging er zur Artillerie über und machte vor " > Toulon die Bekanntschaft Bonaparte's. Im Feldzuge von >795 kämpfte er am Rhein, im t folgenden Jahre mit Auszeichnung unter Bonaparte in Italien. Er begleitete Bonaparte e nach Ägypten, stieg bei der Wegnahme von Malta zum Brigadegeneral, wohnte der Er- < oberung von Alexandrien und der Schlacht an den Pyramiden bei und kehrte mit dem j Obergeneral nach Frankreich zurück. Nachdem er denselben in der Revolution vom I >8. Brumaire (s. d.) unterstützt, führte er im Mai > 899 die Reserveartillcrie über den ! Sanct-Bernhard und erhielt nach der Schlacht bei Marengo, in welcher er Geschick und ! Tapferkeit zeigte, den Grad des Divisionsgenerals. Im Feldzüge von >895 befehligte er ! ' zuerst die Armee in Holland und ging dann mit dem Kaiser nach Deutschland, wo er bei > ' der Wegnahme von Ulm mitwirkte. Nach Dalmatien gesendet, verthcidigte er glücklich ! das ragusanische Gebiet gegen die Russen und Montenegriner und verwaltete das Land l bis 1899 zur großen Zufriedenheit Napoleon's, der ihm deshalb den Titel eines Herzogs ! »on Ragusa ertheilte. Bei Eröffnung des Feldzuges gegen Ostreich im I. > 899 vereinigte er seine Truppen mit der ital. Armee und traf bei dem großen Heere am Tage vor der Schlacht bei Wagram ein. Er wurde mit der Verfolgung des Feindes beauftragt und «hielt von dem Kaiser nach der Schlacht bei Znaym, die er gewann, auf dem Schlachtfelde ^ die Marschallswürde. Als Gouverneur verwaltete er nun l 8 Monate mit großer Umsicht l die Jllyrischen Provinzen, bis er > 81 > an Massena's Stelle den Oberbefehl in Portugal übernehmen mußte. Die Offensive ergreifend, bewirkte er die Verbindung mit Soult und zwang den Feind zur Aufhebung der Belagerung von Badajoz; dann nach dem Tejo sich wendend, hielt er Wellington >5 Monate im Schach. Endlich von einer Kanonenkugel verwundet, kehrte er nach Frankreich zurück, um seine Heilung abzuwarten. Im Feldzuge § von 1813 übernahm er den Befehl über ein Armeecorps in Deutschland und focht in den ^ Schlachten bei Lützen, Bautzen und Dresden. In der Schlacht bei Leipzig wurde er am >6. Oct. bei Möckern geschlagen und verwundet, vcrtheidigte aber dennoch am >8. und >9. die Vorstädte. Nach dem Rückzuge erhielt er mit Victor und Macdonald den Auftrag, den Rhein zu vertheidigcn; allein die Übermacht der Verbündeten nöthigte ihn, sich im Zan. >8>4 über die franz. Grenze zurückzuziehcn. Er betheiligte sich mit Eifer an den Gefechten bei Brienne, Champ-Aubert, Montmirail und errang einige Vortheile über Blücher bei Meaux. Das Andringen der Verbündeten gegen die Hauptstadt nöthigte ihn ! endlich, sich mit seinem Corps unter die Mauern von Paris zu wenden. Der Kampf begann am Morgen des 29. März und endete gegen 4 Uhr Nachmittags, nachdem bereits die Unterhandlungen mit Bewilligung Joseph Bonaparte's eingeleitet waren. M. zog sich mit den Trümmern seines Corps am andern Tage auf der Straße von Essonne zurück und ^ schloß, da aller Widerstand und alles Blutvergießen vergeblich waren, mit Barclay de 346 Marmontel Tolly eine» Waffenstillstand. Napoleon, der noch im Sinne hatte, einen Versuch zur Wiedcrerobcrung von Paris zu machen, sah sich nun freilich genöthigt, seine Abdankung zu unterzeichnen. Das Betragen M.'s unterlag heftigem Tadel; mindestens erspart! derselbe aber seinem Vatcrlande ein letztes großes Blutvergießen. Die Bourbons überhäuften M. mit Gunstbezeugungen. Der Kaiser nahm ihn jedoch bei der Rückkehr in du zu Lyon proclamirten allgemeinen Amnestie aus, sodaß er die Flucht ins Ausland ergreifen mußte. Während der Hundert Tage hielt er sich zu Aachen auf, und nach der zweiten Restauration gab ihm Ludwig XVIII. die schon >814 erth'cilke Pairswürde zurück und erhob ihn, zum Generalmajor der Garde. Nachdem er > 817 die Unruhen zu Lyoir unterdriukt, widmete er sich fortan in der Zurückgezogenheit dem Ackerbau und industriellen Unternehmungen. Erst 1826 ging er zur Krönung des Kaisers Nikolaus als franz. Gesandter nach Rußland; nach der Rückkehr trat er wieder in das Privatleben zurück. Beim Ausbruch der Revolution von 1836 ertheilte ihm Karl X. am 26. Juli den Befehl über die erße Militairdivision, und in dieser Stellung begann er am 27. den ungleichen Kampf gegen die bewaffnete Hauptstadt. Schon am u8. geriet!) er durch Abfall und Mangel an Lebensmitteln in die bedrangtesteLage. (S. Frank reich.) Am Abend des 26. zog er sich mit l>M Schweizern und einigen treu gebliebenen Bataillons aus Paris zurück und wandertc hierauf in Begleitung des gestürzten Karl's X. in das Ausland. Seitdem durchreiste er faß alle Länder Europas; seinen gewöhnlichen Aufenthalt aber hat er in Wien. Von seiner Neisebeschrcibung find sechs Bände (Par. >867 fg.) erschienen; außerdem erwähnen wir noch seine Schrift „Über den Geist des Militairwesens" (deutsch von Stägcr von Waldburg, Berl. 1845). Marmontel (Jean Franc.), ein feiner fremz. Stilist, geb. am l l.Juli I72t!;u Bort im Limousin, wurde von seinem Vater, welcher Schneider war, für denHandelSsiaud bestimmt. Eigene Neigung trieb ihn aber zur geistlichen Laufbahn, für die er sich die nöthigen Kenntnisse in Toulouse erwarb. Nachdem er bereits die Tonsur genommen Halle, nöthigten ihn Umstände, seine Plane für die Zukunft zu verändern. Einige Zeit hindurch sicherte er sich seine Existenz durch Unterricht; dann beschloß er. in Paris sich eine Stellung als Schriftsteller zu gründen, nachdem er in Toulouse bereits einige poetische Triumphe gefeiert hatte. Von Voltaire an angesehene Personen empfohlen, versuchte er sich in Paris zunächst als Theaterdichter. Er schrieb mehre Tragödien, z. B. le H-ru»" (I „^riotomeaes-h „OI«»pütr767), eine frostige Nachahmung de§ „Delemugue", erregte wol nur deshalb Aufsehen, weil die Sorbonne einige Sätze daraus als ketzerisch verdammte. Auch seine „Incss, »u I» destructio» 6» l'eru»" (2 Bde., Pan 1777) sind in der Anlage dürftig, sowie in der Ausführung langweilig. Dagegen sind seine „Hlemoires 1 Verdi crsch weni einei war, groß bei 6 zi.: !78l gäbe Par. Abbe Färb litt » culla neuei ju bi !)E tem ^ der ft carra mate nochi Lueui c)D warb gelbe ten, r Fund weiße welch teten aus? warn Farbl kel;b schied mor i-B. halte! mora und r Pien Mu oder der? dunk schw, Tort weiß. Vast man zclne iM ng rlc cr- der fcv Ilc- K, >!ei ! ! 1 UZ- ck zm nS> >Sii lcr> litt m ä»d dil Il!!> I >rch > miz ^ pbr eris folg -kH üal. llcn, iriil iec- )lst kam tzt!» euer law !0»ü deS raui s Par sind M ^edn ''>) Ruf, Io>»'' Lr- 7 Sy Marmor 347 verdienen genannt zu werden. In den „Nomens ostlmmes" (13 Bde.) anrcihtcn; andere Ausgaben sind die von Coste (18 Bde., Par. 1819) und die „Oeuvres cknisies" (12 Bde., Par. 1823). Zn den meisten dieser Sammlungen befindet sich das „Noge cke M." vom Abbe Morcllet, seinem Verwandten. Marmor nennt man diejenigen Varietäten des Kalksteins ohne Unterschied ihrer Farbe und ihrer sonstigen Beschaffenheit, welche so hart und so feinkörnig sind, daß sie po- lirt werden können. Daher gehöre» in diese Elaste cbensowol die Marmorarten und Lu- cullane der altern Gebirgsformation, als die einfarbigen und bunten Marmorartcn der neuern und die Erauwackenkalksteine. Um die verschiedenen Marmorarten in ein System zu bringen, hat man sie nach ihrer natürlichen Beschaffenheit in drei Elasten gctheilt. >)Einfache Marmorarten, welche nur aus reinem oder nur mit Farbestoff versetztem Kalke bestehen. Dahin gehören u) der weiße Marmor, z.B. der gelblichwciße parischc, der feine pentelische, der koralitische, der von Lumi und der grauweiße vom Hymcttns. Der carrarische war schon im Alterthum berühmt und liefert noch jetzt das beste Bildhauermaterial. Außer Oberitalien, das am reichsten an weißem Marmor ist, findet man solchen noch in Frankreich, den Pyrenäen und Norwegen, d) Der schwarze Marmor: nero autieo, Lucullan, welche theils in Belgien, theils im südlichen Deutschland gefunden werden, c) Der rothe Marmor: der braunrothe, schwarz punktirte rossa antico aus Ägypten, der msrbre griutte aus Narbonne, der rosenrothe von Tirey und der rothe veronesische. ck) Der gelbe Marmor: der numidische giallo cmtico und der florentinische Marmor. Der Varietäten, wo die Farben gemischt sind, exisiiren eine Unzahl und man hat sie meist nur nach den Fundorten, bisweilen auch nach der vorherrschenden Farbe zu classificircn gesucht, z. B. mit weißem Grunde, mit schwarzem Grunde, mit blauem Grunde u. s. w. 2) Breccien, welche theils aus verschiedenfarbigen, durch die Marmormaffe gleichsam zusammengekit- teten Fragmenten bestehen, theils aus solchen Marmorn, welche nur durch Adern gctheilt, aus Fragmenten zu bestehen scheinen (Pscudobreccicn). Brocatello ist solcher Breccienmarmor, dessen Fragmente sehr klein sind. Außerdem classisicirt man die Breccien nach den Farben, z. B. die vlnletta unticu, scharfkantige weiße Fragmente mit violettem Bindemit- tll;bveccik» psvonurru, rothe Fragmente mit weißem Grunde; Breccie von Moutiers verschiedenfarbige Fragmente auf violettem Grunde u.s.w. 3) Zusammengesetzte Mar» morarten, welche nicht aus reinem Kalkstein bestehen, sondern andere Mineralien, j. B. Chlorit, Serpentin oder Talk u. s. w., in Bändern oder nestförmig eingesprcngt enthalten, weswegen sie oft mit den Breccien große Ähnlichkeit haben. Unter den antiken Mar- mvrarlen erwähnen wir hier den vercls cmtico, Kalk mit Serpentin. Der Cipolin ist weiß und mit Talk und Chlorit grau gestreift, geflammt oder geadert. Namentlich sind Savoyen, Piemont, Corsica und die Pyrenäen reich an zusammengesetzten Marmorn. 3) Der Muschel- oder Lumachcllmarmor, enthält Schalkhicrgchäuse entweder gedrängt oder vertheilt mit dem Kalkstein als Bindemittel vereinigt. Der prachtvollste dieser Art ist der Marmor von Bleiberg in Kärnten, welcher opalisirt. Der Lumachell von Astrachan ist dunkelbraun mit orangefarbenen Muscheln; der sogenannte Leichentuchmarmor ist dunkel- schwarz mit weißen Petrefacteu. Auch gehört hierher eigentlich der rothe Brocatello von Tortosa. Zu figürlichen Bildhauerarbciten verwendet man jetzt fast ohne Ausnahme nur weißen Marmor, während wir aus dem Alterthumc Bildwerke von allen Arten haben; zu Basen und architektonischen Ornamenten aber und zu Bekleidungen von Wänden, bedient man sich aller Arten und wählt nur nach einem geläuterten Gcschmacke die für jeden einzelnen Gegenstand passendsten Farben und Varietäten. Ein sehr gutes Studium bieten ' j. hltz: 348 Marmorchronik Marode in dieser Art die Prachtbauten der neuern Zeit in München und Berlin, wo man die m- schiedcnen Marmorarten in Wirklichkeit oder als Gypsmarmor mit ebenso viel Glück als Geschmack verwendet hat. Marmorchromk, nach dem muthmaßlichen Fundorte auch Parischer und nach dem ersten Besitzer ArundelischerMarmor genannt, lat. Llsrinora ?aria oder Lraa- äelians, auch Oxoniensis, heißt die um 263 oder 262 v. Chr. verfertigte und im 17.Zahrh. zu Paros, nach Andern zu Smyrna, oder aus der Insel Zea wieder ausgegrabene Man . mortasel, welche ein chronologisches Verzeichniß der Hauptbegebenheiten Griechenlands, ! besonders Athens enthält und im unversehrten Zustande einen Zeitraum von 1318 Jahm ^ umfaßte, indem sie mit Cekrops, 1582 v. Chr., begann und mit dem I. 264 v. Chr. ca« digte. Dieses in einem ziemlich unleserlichen Bruchstücke, welches bis zum Z. 354 ».Chr reicht, erhaltene Denkmal, das einzige Originalwerk dieser Art aus dem Altcrthume, wurde von dem engl. Grafen Thom. Arundel im Z. 1627 erkauft und zu London aufgesiellt, de» dessen Enkel aber, Henry Howard, im I. 1667 der Universität zu Oxford geschenkt, wo 6 sich noch gegenwärtig befindet. Seitdem haben mehre Gelehrte, namentlich Selben, Hun>> phrey Prideaux, Maittaire, Robertson und mit prachtvoller Ausstattung Rich. Chandler (Orf. 17 63, Fol.) dasselbe bekannt gemacht... Auch gab K. F. C. Wagner unter dem Titel „Die Parische Chronik" (Gott. I7VV) eine Übersetzung und Erläuterung dieses Denkmals und nachmals das „ Olrronicon karium sclnotationibus illustratum" (4 Hste., Mark 1832—34, 4.)heraus; den gelungensten Versuch aber, dasselbe gründlich zu entziffernd zu erklären, machte in neuester Zeit Böckh im „ Oorzms inscriptionum ^raec." (M. Berl. 1843, Fol.). Einige haben, obwol nicht mit zureichenden Gründeck, an der Echtheit des Ganzen gezweifelt. Marne (lat. Llatroua), ein Fluß in Frankreich, entspringt bei Langres im Deport!« ment der Obermarnc, wird bei Saint - Dizier schiffbar und fällt, nachdem er mehre andere § Flüsse ausgenommen, nach einem Laufe von 55 M. bei Charcnton in die Seine. Darnat . sind das Departement derMarne, 154'/- lüM- mit 356000 E. und der Hauptstad ! Chalons-sur-Marne, das Departement Obermarne mit 258000 E. und dasDe partement Seine und Marne mit 333000 E. benannt. Marnix (Philipp van), Herr von Mont Saint-Aldegonde, einer derbe« rühmtcsten Männer deS 16. Zahrh., gcb. zu Brüssel >538, studirte in Genf und trat dam in niederländ. Kriegsdienste. Der Aufstand der Niederländer im I. 1565 fand an ihm die thätigste Förderung und Unterstützung; auch entwarf er die sogenannte Compromißacte, die die Glaubens-, Cultus- und Gewissensfreiheit der Niederländer wahrend, besonders gegen die Einführung der Inquisition gerichtet war. Die Theilnchmer an derselben, derHerzog Ludwig von Nassau und Heinrich von Bredcrodc an ihrer Spitze, gelobten einander mit Leib mit Vermögen beizustehen. Die Statthalterin Margarethe von Parma verwarf aber die ihrem 5. Apr. 1566 überreichte Acte. Nachdem Alba > 567 gelandet, floh M. mit den Anhängen des Prinzen Wilhelm von Oranicn (s. d.) nach Deutschland. Mit Letzteren kehrten 157 2 nach den Niederlanden zurück. In demselben Jahre sendete ihn der Prinz zu der ersm Ständeversammlung in Dordrecht, dann war crMilitaircommandant von mehren Mp: Bei der EinnahmevonMaaslandssluyS fiel er157 3 in span. Gefangenschaft, kam aber >5^ wieder in Freiheit. Hierauf leitete er als Bevollmächtigter die Unterhandlungen der R» publik mit den Höfen zu Paris, London und > 577 auf dem Reichstage zu Worms. E , war sehr thätig bei der Begründung der Universität z-u Leyden, sowie 1576 beim Abschluß des Genter Vertrags, wo sich die Provinzen dem offenen Aufstande Hollands und Seeland- anschlossen. Im I. 1584 wurde er Bürgermeister von Antwerpen, das er >3 Monat« lang gegen den Prinzen von Parma vertheidigte, 1585 aber an die Spanier übergab. Dü Mishclligkeiten, in die er deshalb sich verwickelt sah, veranlaßtcn ihn, von den öffentlicher Angelegenheiten sich zurückzuziehen und erst im I. 1500 ging er wieder als Gesandte: nach Paris. Hierauf lebte er in Leyden, wo er im Auftrag der Staaten die hebr. Bibel >m Holländische übersetzte und 1598 starb. Marobod, s. Marbod. Maröde nennt man einen Soldaten, dessen Körpcrkräfte durch anhaltende MarM M- entl gen berl die! Jul Vol wer reni und Sll- !als vech kUll- lhch L-i> ndL Chr urdi W wli >UM> »dlll uni .d,r, ut!> idlll ; Mt i si-ir > Dt wbt dann Uldil e,d>i mdil sun! ,«>r »gen rte r -rsm ätzli: !Zli rRl- z. E, hlH laud- > vnid . D>! lich-r mdt« >el in!' rrschl, Marokko 349 Witterungseinflüsse, oder die Beschwerden des Dienstes erschöpft sind. Da diese Erschö- xfung auch oft nur vorgegeben wird, um auf dem Marsche zurückzubleiben und in denDör- fern zu plündern und zu rauben, so hat man jede solche ungesetzmäßige Erpressung mit dem Worte marodiren bezeichnet. Man bringt die Benennung mit dem schweb. General Marode in Verbindung, dessen Heerhaufe im Dreißigjährigen Kriege, aller Mannszucht entbehrend, nur von Raub und Erpressungen lebte. Marokko oder das Sultanat Moghrib ul Aksa, d. h. der äußerste Westen, im nordwestlichen Theile Afrikas, zwischen dem 21°—38° nördl.Br. und dem6°—16° östl.L., wird im Norden vom Mittelländischen Meere und der Meerenge von Gibraltar, im Westen vom Atlantischen Ocean, im Süden von der Wüste Sahara und im Osten von Algerien und der Steppe von Biledulgerid begrenzt, und nimmt einen Flächenraum von I40V0 OM. ein. Der Atlas (s. d.), der hier seinen höchsten Gipfel hat, durchzieht, vom Cap Noon, dem südwestlichsten Punkt des Landes, beginnend, dasselbe in der Richtung von Südwesten nach Nordosten in seiner ganzen Länge, es in eine nordwestliche und eine südöstliche Hälfte scheidend, und Seitenarme nach beiden Seiten aussendend, die an der Küste viele Vorgebirge bilden, von denen das Cap Spartel, die nordwestlichste Spitze Afrikas, hervorzuheben ist. Trotz der großen Küstenausdehnung besitzt das Land nur wenige und meist schlechte Rheden und Häfen. Der Boden, der sich vom Atlas nach beiden Seiten zu abdacht, bietet allen Stufenwechsel vom Hochgebirge in der Mitte bis zur Ebene auf den beiden Seiten an der Küste und am Rande der Wüste, und ist im größten Theile, vorzüglich auf der Nordwestseite, fruchtbar und anbaufähig. Die vielen Flüsse, die der Atlas nach beiden Seiten entsendet, sind meist unbedeutend und nicht schiffbar; am ansehnlichsten sind die Maluiah oder Mulvia, die sich in das Mittelländische Meer, der Sebu, die Morbeja, der Tensift und Sus, die sich in den Atlantischen Ocean, und Ghir, Ziz, Tafilet und Drah, die sich in die Wüste verlieren. Klima und Producte hat das Land im Allgemeinen mit der Berberei (s. d.) gemein. Dasselbe gilt von der Bevölkerung, die wahrscheinlich gegen 8 Will, beträgt; denn, wie in der Berberei überhaupt, besteht diese auch in M. aus berberischen Ureinwohnern (s. Kabylen), hier Amazirghen und Schellöchen genannt und die Mehrzahl der Einwohner bildend; ferner aus Mauren (s. d.), Beduinen (s. d.); Juden, als Sklaven eingeführten Negern und sehr wenigen Europäern. Die Bildung des Volks, sowie seine Thätigkeit, sowol in Beziehung auf Ackerbau wie auf technische Gewerbe, steht noch auf einer sehr niedrigen Stufe. Am gebildetsten sind die Mauren, während manche Stämme der Amazirghen fast in dem Zustande von völliger Wildheit leben, und dem Sultan fast nur dem Namen nach unterworfen sind. Bis auf die Juden und die we- mgenEuropäer bekennt sich die ganzeBevölkerung zumJslam, und zwar mit einem Feuer, das sie zu den fanatischsten Muselmännern macht. Bedeutender als der Gewerbfleiß, der sich nur in der Verfertigung von Mützen, feinen Seidenwebereien und feinem Leder, das daher den Namen Maroquin führt, auszeichnet, ist der Handel, der theils als ansehnlicher Karavanenhandel mit dem inner» Afrika, theils als Seehandel mit Europa in den Hafen- Platzen, theils als Levantehandel durch die Pilger nach Mekka geführt wird. Die Staats- Verfassung ist rein despotisch; der Titel des Herrschers, den wir gewöhnlich Kaiser, die Mauren aber Sultan nennen, ist Emir-al-Mumenin, d.i. Fürst der Gläubigen. Der ganze Staat zerfällt in zwei natürliche, vom Atlas getrennte Hälften, deren nordwestliche, der Mruritania Tingitana der Alten entsprechend, von Norden her durch die Reiche Fez (s.d.) und Marokko im engern Sinne, mit der Provinz Sus, deren südöstliche aber, die Gätulia der Alten, von den Provinzen Tafilet oder Tafilelt, Sedschelmesa und Darah gebildet wird, welche häufig mit zu Biledulgerid gezählt werden. Politisch sind die beiden Reiche Fez und Marokko in 28 Bezirke getheilt, die durch Paschas und Kaids regiert werden; das Tafilet steht unter zwei Kaids, die übrigen Theile des Reichs aber, besonders die Amazirghen- stämme im Innern des Atlas, unter fast unabhängigen Häuptlingen, welche die Gewalt eines Eroßschechs als Hauptes aller Amazirghen und Schellöchen, anerkennen, dem Sultan aber, dessen unbotmäßigste Unterthanen sie sind, kaum einen geringen Tribut entrichten und durch häufige Empörungen jede geordnete Regierung unmöglich machen. DieVerivaltung der einzelnen Provinzen ist, wie die Centralregierung, ganz orientalisch. Die Staatseiu- kj 350 Marokko künfte werde» auf jährlich 2'/, Mill. span. Piaster, die Ausgaben auf 1 Mill. angegkbr, sodaß ein bedeutender Überschuß im Schatze verbleibt, der ein persönliches Eigenthum dz Sultans, in einen« besonders dazu gebauten äußerst festen Schatzhaus zu Meknäs auft» wahrt wird, das von 2000 Schwarzen bewacht wird und dessen Schlüssel beständig»« Sultan und seiner Favoritsultanin bewahrt werden. Man gibt den hier aufgehäustx Neichthum auf 5» Mill. Piaster an. Das regelmäßige Heer zählt nur etwa 15—2t»W M. und besteht meist aus schwarzen Sklaven; in Kriegszeiten dagegen wird in den Pn> vinzcn noch ein besonderes Aufgebot von Milizen, der Gum, ausgehoben, das von calobrigkcitcn angeführt, eine unregelmäßige Truppe bildet und stch auf 80—IOOMU, ^ belaufen kann. Das Seewesen M.S war früher bedeutend, und die marokkan. Pim» machten sich im 16. und 17. Jahrh. allen europ. Seemächten, vorzüglich aberSpm«, furchtbar. Nach und nach wußten sich die großem Seemächte durch Gewalt oder Verlch gegen diese Gewaltthätigkeiten sicher zu stellen, die kleinern aber blieben M. auch noch di auf die neueste Zeit entweder preisgegeben oder tributair, ein Verhältnis das erstmö 1829 und >830 zu einer kriegerischen Expedition Ostreichs nach den marokkan. Äüslii' städten Veranlassung gab, und erst in neuester Zeit in Folge der Siege der Franzosen st gänzlich geändert hat. Jetzt ist das Seewesen M.s, das noch am Ende des > 8. Jahrh. du kleinern europ. Scestaaten gefährlich war, gänzlich heruntergekommen und besteht m noch aus ein paar unbedeutenden Schiffen. Die bedeutendsten Städte des marokkan.M- sind Fez, Meknäs, Tetuan, Tanger, Teza, El Arisch und Sale im Reiche Fez (s. d.sick im Reiche Marokko im engem Sinne: Marokko, eigentlich Maraksch oder MarMt,z die Hauptstadt des ganzen Reichs und die erste Residenz des Sultans, auf einer mit«! Hochebene zwischen dem Atlas und dem Flusse Tensift gelegen. Sie wurde 1052 ivch scheinlich an der Stelle des alten Bocanum Hemerum gegründet, zählte im >2. Zchh 100000 Häuser und 700000 E., ist aber jetzt so hcrabgekommen, daß sie kaum glg« 5000!) E. hat. Zwar haben die starken, 30 F. hohen und mit unzähligen Wachtthüm» i versehenen Mauern noch zwei Meilen im Umfang, aber innerhalb derselben gibt es ein Menge öder Plätze und verfallener Gebäude. Die Moscheen, von denen die im 12. Ich! erbaute El Kolubia die merkwürdigste ist, sind zahlreich und zum Theil sehr schön. Dc Palast der Sultans, aus mehren Gebäuden bestehend, ist von prächtiger Bauart, lieg außerhalb der Stadt und ist mit einer starken Mauer umgeben, die einen Umfang von si. Stunde hat. Handel und Verkehr, sowie die Lederbereitung sind noch ziemlich betuch) sich. Die Luft ist rein, die Stadt gut bewässert, aber schmuzig, und in winkligen, eng« Straßen ganz nach der gewöhnlichen oriental. Art gebaut. Für die Aussätzigen Mn eine besondere Vorstadt. Mogador, mit 16000 E-, von den Eingeborenen Suerah-e nannt, wurde erst 1760, wahrscheinlich auf der Stelle des alten Erythräa, gegründet, an Befehl des Sultans Sidi Mohammed, der einen Centralpunkt des Handels daraus macht! wollte. Die Stadt ist regelmäßig am Rande einer kleinen Sandwüste gebaut, hat zieinlie starke Festungswerke, die aber durch die letzte Beschießung sehr gelitten haben, und eint! nicht sehr tiefen, aber sichern Hafen, der durch eine Insel gebildet wird, welche die Frame scn eine Zeit lang nach der letzten Beschießung besetzt hielten. Der Handel ist noch im« von Wichtigkeit. Tarud ant, eine der ältesten Städte des Reichs, von Amazirghen ge gründet, zählt gegen 20000 E. und ist wegen ihrer Färbereien, Gerbereien und Salpeter fabrikcn berühmt. Von den Orten in den Provinzen südöstlich vom Atlas ist nur Tafile, anzuführen, eine Gruppe von befestigten Gebäuden und Dörfern an beiden Ufern des Zs mit 10000 E., die einen bedeutenden Karavanenhandel mit dem Innern Afrikas treib« Die Geschichte M.s ist bis zum Ende des 15. Jahrh. eng mit der der ganzcnBcrbero (s. d.) verbunden. Um diese Zeit wurden die Meriniden von den Sanditen gestürzt, dem» im Anfänge des 16 . Jahrh. die Schcrife von Tafilet folgten, unter welche» trotz der ime« Thronstreitigkeiten und oriental. Greuel gegen das Ende des 16. Jahrh. das Reich blühe« wurde und seine größte Ausdehnung erreichte, indem es den westlichen Theil von Algen« umfaßte und im Süden bis Guinea reichte. Unter ihnen wurden auch die Portugiesen an ihren Besitzungen vertrieben und König Sebastian (s. d.) geschlagen- Nach dem Ton Ahmed's, des mächtigsten der Scherise, um 1603, zerfiel das Reich durch die fortwährend! inn Na Mi nas Dy ind W> big wo! wa und den me! den pfei mit I7k getr 177 stän Fru äuß dam in d den Lan dein zu e ten und iM Skr Mi deut Ere verf soda brac Aux schr! digr (H- am Lag Häi I8t letzt sieli Vers war trac rigk erst geb«. Mi« gv« Älstt! !W« >Pto en > M, INll! 0II«. rlitz tchtH i n«i fißii> tiisit h.dli >t m Htch )>M ikest.! wlitt! jahis g-S« ÜMI! l tStl« (ahr> Lc , liex >nl) tücht engn fibt!! -Hs« t, w Ulhl! enilii l emk! ranze limm en ge lxettr ^ still, :§ Kt selber bcrt! den» nne» ühent grri-r !N a»1 L«dl senden Marokko 351 imiern Kämpfe unter seinen Nachfolgern immer mehr, sodaß es dem Mulei Schcrif, einem Nachkomnien Ali's und der Fatime, leicht wurde, die Dynastie der ersten Scherife um die Mitte des 17. Jahrh. zu stürzen und die der zweiten, welche jetzt noch regiert, auch die Dynastie der Aliden oder Hoscini genannt, zu begründen. Der berüchtigtste Herrscher dieser Dynastie war Mulei Ismail, der von 1672—1727, zwar nicht ohne Glanz nach außen, indem er Tanger und El Arisch den Spaniern abnahm, aber im Innern als der größte Wüthrich, der je geherrscht, regierte, indem er nicht weniger als 5000 Menschen eigenhändig hinrichtete, und die greulichsten Martern ersann, mit denen er sie zu Tode quälen ließ, wobei wederGünstlinge noch seine eigenen Frauen undKiuder gegen seinen Blutdurst sicher waren. Er hatte während seines ganzen Lebens nacheinander gegen 8000 Frauen und zeugte 825 Söhne und 342 Töchter. Unter seinen Nachfolgern herrschten die innern Kriege und Thronstreitigkeiten, die das Land immer mehr in Verfall brachten, unter fortwährenden Greueln und andern Barbareien fort bis auf die Negierung Mulei Sidi Moham- med's, von 1757—80, die sich durch Milde, Gerechtigkeit und das Bestreben, europ. Cultur den Eingang zu verschaffen, auszeichnete, dessenungeachtet aber mit Empörungen zu kämpfen hatte. Nach Mohammed's Tode begann wieder die alte Barbarei zu herrschen, bis unter dem Sultan Mulei Soliman eine glücklichere Zeit eintrat, dessen Negierung, von 1794 —1822, nur in den letzten Jahren von Pest, Empörungen und Thronstreitigkeiten getrübt wurde. Ihm folgte 1822 der jetzt regierende Sultan Mulei Abderrahman, gcb. >778, dem es gleich nach seinem Regierungsantritt gelang, der Empörung der GebirgS- stämme ein Ende zu machen. Übrigens zeigte er sich im Ganzen mild und als Freund des Friedens nach innen wie nach außen. Dessenungeachtet ist er es gerade, unter dem durch äußere Kriege und Vorgänge das Reich in die größte Gefahr verseht wurde. Die Ursache davon ist in der Besitznahme Algiers durch die Franzosen und in den Conflicten zu suchen, in die der Sultan dadurch auf der einen Seite mit den Franzosen selbst, auf der andern mit den fanatischen, durch Abd-el-Kader (s.d.) aufgewiegelten Volksstämmen seines eigenen Landes, besonders den berberischen, gerathen mußte. Schon in den I. 1830—32 wäre es beinahe wegen seiner Versuche, einen Theil der algier. Provinz Oran an sich zu reißen, zu einem Krieg mit Frankreich gekommen, der damals noch durch das entschiedene Auftreten Frankreichs verhindert wurde. Indessen dauerte die Spannung zwischen Frankreich und M., das den Todfeind des erstem, Abd-el-Kader, aus alle Weise als Nückhalt und Stühe disstke, fort, und steigerte sich endlich zu offener Feindseligkeit, als Abd-el-Kader, durch die Strategie und Siege Bugeaud's aufs Äußerste gedrängt, sich auf marokkan. Gebiet zurück- zuziehen gezwungen war, wo er offen von der Bevölkerung unterstützt wurde und ein bedeutendes Heer sammelte. Ein Heer, welches der Sultan von M. hierauf an der algier. Grenze versammeln ließ, beging, statt den Reklamationen der Franzosen Genugthuung zu verschaffen, gegen Ende des Mai >844 selbst die ersten Feindseligkeiten gegen dieselben, sodaß ein förmlicher Krieg mit ihnen unvermeidlich war, der dann auch bald aus- brach. Eine franz. Flotte unter dem Prinzen von Joinville bombardirte Tanger am 0. Aug. 1844 und Mogador am 15. Aug., und ein Landheer unter Marschall Bugeaud überschritt die marokkan. Grenze und schlug das große marokkan. Heer, das in Folge der Pre- digung des Dschad (d. i. heiligen Kriegs) aus dem in allen Provinzen aufgebotenen Gum (Heerbann) gebildet und unter den Befehl eines Sohnes des Sultans gestellt worden war, am > 4. Aug. 1844 in der Schlacht beim Flusse Jsly aufs Haupt. Das ganze marokkan. Lager mit dem Sonnenschirm des Prinzen (als Zeichen seines Oberbefehls) fielen in die Hände der Sieger und das marokkan. Heer wurde ganz zersprengt. Der am 10. Sept. 1844 zu Tanger abgeschlossene Friedensvertrag zwischen Frankreich und M., in welchem letzteres den Abd-el-Kader außer dem Gesetze erklärte, ihp, im Fall er in marokkan. Hände fiele, fest zu halten, desgleichen jede Unterstützung von Frankreichs Feinden zu verhindern versprach, und die alten Grenzen gegen Algier, die neu regulirt werden sollten, anerkannte, ! war die Folge dieser Siege. Am 26. Oct. 1844 wurden die Ratificationen dieses Vertrags in Tanger aüsgewechselt. Weit entfernt aber, daß durch diesen Vertrag die Schwierigkeiten der Lage zwischen Frankreich und M. beseitigt worden wären, stellten sic sich nun erst recht heraus; denn es zeigte sich immer mehr, daß der Sultan von M. durchaus nicht 352 Maronen Marot i die Macht habe, die im Friedensvertrag gethanen Versprechungen zu erfüllen, da er in dir, scm Falle mehr von seinen eigenen fanatisirten Völkern undAbd-el-Kader, der es auf nichj weniger als auf des Sultans Sturz und die Gründung eines eigenen Reichs in M. abge- sehen hat, als im Eegentheil von den Franzosen zu fürchten hätte. Den Beweis hin«,, liefert das neue siegreiche plötzliche Auftreten Abd-el-Kader'S im Oct. >845, zu dem erd» Mittel allein aus M. zog. Zu gleicher Zeit mit diesem Kampfe gegen FrankreichimZ. ^ 184-1 hatte M. Händel mit Spanien und den skandinav. Staaten; jene, aus der Ermor- düng des span. Consularagenten Darmon entsprungen, wurden durch Englands Vermittelung im Laufe des I. 1845 mittels einer unbedeutenden Genugthuung beigelegt; dich bei denen es sich um Nichtfortbezahlung der Tribute Dänemarks und Schwedens mit Nor- ^ wegen handelte, ebenfalls im I. 1845 unter Frankreichs Vermittelung durch einen Antrag beseitigt, in dem M. auf jene Tribute Verzicht leistete. Marönen, s. Kastanien. Maroniten ist der Name einer Partei oriental. Christen, die in Folge der monolhi- letischen Streitigkeiten entstand. Als nämlich die Monoth eleten (s. d.) nach demTodi des Kaisers Philippicus Bardanes im Z. 713 von Anastasius 11. vertrieben wurden, stri- melte sich ein Häuflein derselben im Libanon um das Kloster des heil. Maro oder Manm > eines Abtes im 6. Jahrh., wählte sich den Mönch Johannes Maro zum Oberhaupte m dem Titel Patriarch von Antiochien und erhielt sich von da an unter dem Namen der Me roniten. Von den Melchiten oder kaiserlich gesinnten Christen als Rebellen behandelt, wurden sie in der Gegend, die jetzt Kesruan heißt, zu einem Bergvolke, das seine politischem > seine kirchliche Selbständigkeit auch gegen die Mohammedaner tapfer zu vertheidigen mft ! und sie bis jetzt unter türk. Oberherrschaft gegen Erlegung eines Tributs, wie die Drosen, behauptet. Die politische Verfassung der Maroniten ist die eines militairischen Freiste von alten Gewohnheitsrechten regiert, gegen Angriffe von außen bewahrt, nähren sW zwischen ihren Bergen vom Ackerbau und vom Ertrage des Weinstocks und Maulbm- ^ baums. An Einfalt der Sitten, Mäßigkeit und Gastfreiheit gleichen sie den alten Arabern auch gilt unter ihnen noch die Blutrache, und zum Zeichen ihres Adels tragen sie den gm nen Turban. Ihre kirchliche Verfassung erinnert sehr an die Gebräuche der alten grieeh Kirche. Im I. 1182 und dann wieder 1445 haben sie sich dem Papste unterworfen uu! der röm. Kirche angeschlossen, ohne jedoch ihre Eigenheiten aufzugeben. Endlich erlangte e! 1736 ClemensXII., sie zur Annahme der Beschlüsse der trident. Kirchenversammlung zr bewegen; indeß blieben ihnen das Abendmahl unter beiderlei Gestalt, die Priesterehenaä Art der griech. Kirche und der Gebrauch der arab. Landessprache beim Gottesdienste, nui die Messe wird in altsyr. Sprache gelesen. Ihr Oberhaupt, das jedesmal den Namen Petrus erhält, nennt sich noch jetzt Patriarch von Antiochien, obgleich er im Kloster Kanada auf dem Libanon seinen Wohnsitz hat, und legt dem Papste alle zehn Jahre Rechensihas von dem Zustande der maronitischen Kirche ab. Unter ihm stehen die Bischöfe und übrig» Geistlichen, die in sieben Graden aufsteigen. In Kesruan sind über 200 maronitisch Manns - und Frauenklöster, die der angeblichen Regel des heil. Antonius folgen und sib durch Feld - und Gartenbau nützlich machen. ZurBildung derGeistlichen besteht seit lbk ein maronitisches Collegium zu Rom; doch ist es bis jetzt weder durch diese Anstalt nach durch die Sendung päpstlicher Nuntien gelungen, dieser Partei den Geist der röm. KirÄ i ganz einzuflößen, und sowol die in Kesruan als auch die zahlreich in Aleppo, DamaSl Tripolis und auf Cypern lebenden Maroniten sind immer bei ihren alten Gewohnheit» und selbst hier und da bei der alten Liturgie geblieben. Neuerdings haben die Maronit» des Libanon in blutigen Kämpfen mit den Drusen sehr gelitten; namentlich sind viele ihrer Klöstevzerstört worden. Maröquin,s. Saffian. Marot (Clement), franz. Dichter, geb. 1485 zu Cahors, war der Sohn Jean M-( geb. 1463 zu Mathieu in der Normandie, gest. 1523 alsKammerdiener König Franz'sl.u» ^ bekannt als Dichter namentlich durch fein „öoctrins! cles princesses", Der Vater selbst, nicht von strengen Sitten war, legte bei seinem talentvollen Sohne den Grund zu einer Fr>»° > ität, welche ihn in den Strudel eines wechselvollen Lebenswandels riß. So erhielt er zuers ^ Maroto 35S > dir. eine Stelle unter den Pagen der Margarethe von Valois, mit der er später ein zartes Bericht! > hältniß unterhalten haben soll, und trat dann als Kammerdiener in Franz's I. Dienste, dessen >bgt> i Gunst er sich durch sein Gedicht „Ue üe Cupickon" erwarb. Er begleitete seinen Herrn r»„ > aufmehren Kriegszügen und wurde, an der Seite desselben tapfer fechtend, beiPavia gefan- r di, gen. Indessen durfte er schon, als Franz I. noch in Madrid gefangen gehalten wurde, nach m Z. Paris zurückkehren. Sein poetisches Talent und sein froher Lebensmuth ließen ihn viel um> Glück bei den Frauen am Hofe Franz's I. machen; am berühmtesten wurde seine Liebschaft rniit> mit der nachherigen Maitreffe Heinrich's II., Diana von PoitierS. Dieses Verhältniß löste dich, sich, und der Groll seiner erzürnten Geliebten mag wol mit dazu beigetragen haben, die Nsi- ^ Verfolgungen der Geistlichkeit gegen ihn zu entfesseln. Auf Anstiften des Inquisitors Bli. Jean Bouchart wurde er gefangen gesetzt; aber selbst! im Kerker verließ ihn sein Fwhsinn nicht. Er schrieb unter dem Titel „I/anter" ein treffliches allegorisch-satirisches Gedicht gegen seine Ankläger und Richter und bearbeitete um Dieselbe Zeit den Roman von der Hl> Rose, welcher > 527 erschien. Nachdem er durch Franz's I. Fürsprache seine Freiheit 1526 Ladi wiedererhaltcn hatte, begab er sich aufs neue an den HofderKönigin von Navarra. Seine sin,, Poesie nahm nun eine ernstere Färbung an. Seine Bearbeitung der Psalmen, welche er mm hier begann, zog den Haß des Klerus zum zweiten Mal auf ihn. Er ging deshalb nach e m Genf, wo er von Calvin für den calvinischen Glauben gewonnen wurde und mit Beza fort- M fuhr, die Psalmen zu übersetzen. Seines anstößigen Lebenswandels wegen sehr bald wieder >W aus Genf vertrieben, hielt er sich eine Zeit lang amHofe zu Ferrara auf und wurde dann wie- e >m! dcrkatholisch, um nachFraukreich zurückkehren zu dürfen. Als ersieh jedoch hier mitMistrauen Mft empfangen sah, ging er wieder nach Italien und starb zu Turin im Sept. l 544. Seinen manch«, nichfaltigen Gedichten ist Leichtigkeit und Anmuth nicht abzusprechen, wenngleich bei ihnen M nicht selten der Adel des Ausdrucks und eine würdevolle Haltung zu vermissen sind. Das W ungetheilteste Aufsehen erregten seine 50 Psalmen, welche nach den Compositionen von lbui. Gondimel und Bourgeois überall gesungen wurden. Der naive Stil M.'s, von dem der bei« Ausdruck st^l« marotiqu« entlehnt ist, hat lange als Muster der leichtern Dichtnngsgat- > gm ! tungen gedient und ist besonders von Lafontaine mit Glück nachgeahmt. Seine Werke erlich > schienen öfters, z. B. von Lenglet Dufrenoy (4 Bde., Haag 173l, 4. und 6 Bde., 12.), nmil von Auguis (5 Bde., Par. 1823) und von P. Lacroix (3 Bde., Par. 1824) mit Glossen gtlü und Noten. - Sein Sohn Michel M., welcher 1534 als Page der Königin Margarethe ng zr ausgenommen wurde, ist ebenfalls als Dichter bekannt. Muroto (Don Rafael), nächst Zum ala-Carreg uy (s. d.) der bedeutendste karlisti- , Mi sche Heerführer im letzten span. Bürgerkriege, geb. 1785 zu Conca in Murcia, trat 1808 in n Po span. Kriegsdienste und wurde 1814 Oberstlieutenant und 1815 Oberst. Durch ein großes nobir Vermögen in eine unabhängige Stellung versetzt, benutzte er diese zu wiederholten Reisen, ischaf zumal in Amerika, England und Frankreich. Als Militair leistete er insbesondere in Süd- brigll amerika, wo er mit Espartero Freundschaft schloß, ausgezeichnete Dienste. Im I. 1833, ütisli wo er Generalcommandant von Guipuzcoa war, folgte er dem aus Spanien verwiesenen ödst Don Carlos nach Portugal, obgleich er wol schon damals die völlige Untauglichkeit des 15K Prätendenten durchschaut zu haben scheint. Im Dienste desselben wurde er 1834 bei der ersten t mV Belagerung von Bilbao unter Zumala-Carreguy verwendet, und erhielt nach dessen Tode Mi 1835 das Commando inBiscaya. Er erfocht am 11. Sept. 1835 bei Arrigoria einen glän- MÄ. zenden Sieg über Espartero und schloß hierauf Bilbao ein, das Espartero beseht hielt, fiel heitt: aber dann durch die Zntriguen der Camarilla und sein entschiedenes Auftreten gegen Don oMi Carlos, bei diesem in Ungnade. Außer Aktivität, lebte er nun in Tolosa, bis er um die eihr«! Mitte des I. 1836 nach Bayonne ging, wo er mit den stanz. Behörden wegen einer Intervention unterhandelte. Im I. 1837 folgte er dem Rufe als karlistischer Befehlshaber m Catalonien, kehrte indeß bald darauf nach Frankreich zurück und hielt sich hier auf, bis U'S er nach der Niederlage der Karlisten bei Penacerrada, am 25. Juni 1838, von Don Carlos I.uiit zum Chef des Generalstabs und bald darauf zum Oberbefehlshaber ernannt wurde. Er sst,dl> schien jetzt die karlistische Sache mit neuem Eifer erfaßt zu haben und that sehr viel für Friv« I die Reorganisation des zerrütteten Heers. Allein sehr bald brachte die apostolisch? Partei izM. Conv.-Lex. Neunte Xufl. IX. 2S 354 Marozia Marquesasinfela eine förmliche Conspiration gegen ihn zu Stande. Am 16. Febr. 1839 hatte erdesholj eine Unterredung mit Don Carlos, dem er hierbei geradezu erklärte, daß er 2» Jntrigu,» tcn erschießen lassen werde. Dieses geschah auch am IS. und 20. Febr. Doch diese blich! Strenge rief bald eine neue Reaction gegen ihn hervor und im Hinblicke auf die ihch drohende Gefahr, sowie unter dem Einflüsse eines Theil; der Militairchefs, die des mb losen Kampfes für die ihnen verhaßt oder gleichgültig gewordene Sache des Prätendent« müde waren, leitete er am 27. Febr. die Unterhandlungen mit den Christinos ein, die rx Zl.Aug. 1839 zu dem Vertrage von Bergara führten. (S.Spanien.) M.begabsij hierauf nach Bilbao, dann nach Madrid, .oo er aber sehr wenig für die AusrcchtlMm, des von ihm abgeschlossenen Vertrags that. Zum Lohne bewilligte ihm die König!,i-Reg«, tin eine Besoldung von 46066 Realen und im Z. 1840 wurde er,Beisitzer am höchst,, Kriegs. und Marinegerichtshof. Sein Andringen unter dem Ministerium auf pünktlich«, Erfüllung des Vertrags von Bergara zum Besten der baskischcn Provinzen und seineiM fengefährten wurde mit dem Bedeuten zurückgewiesen, daß er am wenigsten von allen 8» lheiligten zur Beschwerde Ursache habe. Marozla, gleich ihrer Mutter Theodora, eine der berüchtigtsten Personen der Ml telalterlichen Geschichte, war dreimal vermählt, zuerst mit dem Herzog Alberich von Tis cana, dann ftit 832 mit ihrem Stiefsohne Guido und zuletzt mit König Hugo vonArlü und Italien. Sie lebte mit dem Papst Sergius lll. in verbotenem Umgänge und zeugt, mit ihm den nachmaligen Papst Johann XI.; auch war sie Großmutter Johann's XII. uni Leo's VII. Auf ihr Veranstalten wurde der von ihrer Mutter auf den päpstlichen Stich gehobene Johann X. 928 erdrosselt. Sie wohnte in der Engelsburg und beherrschte unuu>> schränkt den Papst nicht nur und den Kirchenstaat, sondern selbst ganz Italien, bis endlich ihr Sohn erster Ehe, Alberich, der seinen Bruder, den Papst Johann XI., S33 ennordtt hatte, sich gegen sie empörte, einen Aufstand erregte und sie ins Gefängniß brachte, m sie bald darauf starb. Marpurg (Friedr. Wilh.), einer der vorzüglichsten musikalischen Schriftsteller, m zu Seehausen in der Altmark l 7 l 8 geboren. Mit dem Studium der Wissenschaften »«- band er ein gründliches Studium der Musik, welcher er auch dann noch seine meiste All widmete, als er 1763 die Stelle eines Kriegsraths und LottedirectorS zu Berlin erhalten hatte, welche er bis an seinen Tod, am 22. Mai 1795, bekleidete. Er war ein ebenso scharst sinniger als fruchtbarer musikalischer Schriftsteller, der alle Theile der musikalischen Wist scnschaft gründlich bearbeitete, besonders aber die Lehre von der Harmonie auftlärte. Bon seinen zahlreichen Schriften nennen wir die..Abhandlungen von der Fuge" ( 2 Wi.,L«rl> 1753); „Kritische Einleitung in die Geschichte der Musik" (Berl. 175-i); „Historisch-kritische Beiträge zur Aufnahme der Musik" (5 Bdc., Berl. 1756—78); „Anleitung »r Singcomposition" (Berl. 1759); „Anfangsgründe der theoretischen Musik" (Derl. i 7 SV); „Handbuch bei dem Generalbaß und der Composition" (Berl. 1 762) und „Versuch über die musikalische Temperatur" (Brest. I77L). MarquefrLittselll ist Name der südlichen Gruppe des Mendaüa-Archixelagiii im östlichen Theile Australiens zwischen 7'/,° und 10/," südl. Br. und 120 °— 122 ° west!. L., während die nördliche Gruppe den Namen Washingtonsiuseln führt. Die Mo quesasinsrln wurden 1596 vom Spanier Mendana de Neyra entdeckt und nach dem Me- könig von Peru Marquesas de Mendcza benannt; die Washingtsnsinseln entdeckte 1701 der Amerikaner Jngraham. Der ganze Archipel zählt 13 Inseln, die zusammen ungefähr 46 lüM. Flächenraum haben. Sie sind gebirgig und vulkanischen Ursprungs, und komm« hinsichtlich ihrer ganzen Natur, ihres Klimas und ihrer Producte ganz mit den übrige» vulkanischen Inseln des tropischen Australiens überein; im Allgemeinen rühmt man ste nicht als fruchtbar und anmuthig. Die Bevölkerung, die auf 25066 Seelen angegeben wird, gehört zum polynesisch-malaiischen Menschenstamm und ist ein schöner Schlag, der sich körperlich von den übrigen Polynesiern auszeichnet, moralisch aber sehr entartet ch und bis in die neueste Zeit herab noch Menschenfresserei trieb. Selbst die so thätigen eng» Missionare vermochten unter ihnen nichts zu wirken und wurden nur verhöhnt. Zn eilst Menge Gemeinden gespalten, die unter eigenen Häuptlingen standen, lebten die Bewohner Hali lUÜK )«k len!» Mk ierz ibjiij ltMj Gii ich«! W«'l T«K Sri« M- .nni stuhi NNNI> Mch erd« !,U »kl> :Z-i! alten bars Wis- S-rl. kriti- I ur SS); ÄN Hill vcstl. ßtar> Vice- 7SI -f-ihi ° ime» l :igr» i ^el>en , der etist engl, ei«! hu« , Marqueterie Mars 355 bis vor Kewzem zwar in Unabhängigkeit, aber auch im immerwährenden Kriege. Diesem Zustande wurde am 25.Juni 1842 ein Ende gemacht, an welchem Tage der franz. Contre- admiral Dupetit-Thouars den ganzen Mendana-Archipcl für Frankreich in Besitz nahm. Zn Folge davon ging von Frankreich eine Expedition nach diesen Inseln, die durch ihre Lage, als nächster Punkt im Stillen Ocean auf der Linie von Panama nach China, von Hoher Wichtigkeit sind, und brachte den neuen Gouverneur Schiffscapitain Bruat mit einer Be» satzung und den nölhigen Colonisationsmitteln dahin. Im Anfänge machten die Eingeborenen einige Versuche, der Besitznahme der Franzosen sich zu widerseßen, wurden aber jedesmal geschlagen. Die bedeutendsten unter den Inseln sindHivaoaunterdcnMarquesaS- und Nukahiwa (s. d.) unter den Washingtonsinseln. Marqueterie, s. Mosaik. Marquis, entstanden aus dem lar. Nin-ckio, war in Frankreich früher ganz gleichbedeutend mit Markgraf ss. d.) und ebenso Marguisat mit Markgrafenthum. Jetzt ist es ein einfacher Adelstitel, den der König verleiht und den Jeder vom nieder» Adel erhalten kann. Der Marquistitel bildet in Frankreich die Übergangsstufe vom hohen zum nieder« Adel. Der von Napoleon geschaffene neue Adel kannte diesen Titel nicht. In England, wo die Marquis zwischen den Herzogen und den Grafen stehen und im Kanzleistil Fürsten genannt werden, kam dieser Titel zuerst 1385 vor, wo König Richard ll. den nackmaligen Herzog Robert de Vere zum Marquis von Dublin ernannte; doch war er nie sehr häufig. Auch in Italien hat der ll1arcl,«e seinen Rang vor dem Grafen. Marryat (Francis), engl. Romanschriftsteller, geb. in der Grafschaft Suffolk, aus einer angesehenen Familie, trat frühzeitig in den Verdienst, zeichnete sich im Kriege gegen die Birmanen aus und wurde Capitain. Den Oberbefehl über die brasil. Flotte, der ihm 1839 angetragen wurde, lehnte er ab. Als Schriftsteller trat er 1829 mit dem Romane „Tire »avsl ol'trser" auf, dem 1839 „Tiie IcinAs c>»!>", 1832 „Kevvton Förster" und „keter simple" folgten. Seitdem erschienen in schneller Aufeinanderfolge „äacob Faitü- tnl", „Hs pksntom «hip", „lllr. Alickskipmrm Ls-) ", „He packia vk man/ tsle»", „äa- phet in sssrck ok g kstker", „koor äaclr", „Franlä Nilcima/", ,,3ossph Rusklirook^ tke poacker", „alssternmn Resrl/", „8nsrl6//ovv", „Ralph Rsttlin tks reeker", „Fercivsl Keeve" u. s.w., die, wie jene, fast insgesammt auch ins Deutsche übersetzt sind. Konnte eS bei so großer Fruchtbarkeit nicht fehlen, daß viel Mittelmäßiges mit unterlief, so finden sich doch der Wiederholungen nur wenige in M.'s Romanen, deren Zahl übrigens in den letzten Fähren nur noch wenig gewachsen ist. Mannichfaltigkcit und glückliche Zeichnung der Charaktere, leichter angeborener Witz, natürlicher Entwickclungsgang der Begebenheiten, gesunder Sinn und große Treue und Wahrheit der Schilderungen, endlich Reinheit von aller Ziererei sind Eigenschaften, die seine Romane cmpfehlenswerth machen, trotz dem, daß sie den höher» Anfoderungen, welche die Kritik an ein dichterisches Kunstwerk zu machen befugt ist, nur wenig genügen, denn so wahr unterhaltend auch M.'s Schilderungen sind, so sind sie doch meist nur wenig dichterisch. M.ist ein trefflicher Zeichner des Kleinlebens, namentlich des seemännischen; aufdem Schiffe ist er zu Hause und meisterhaft weiß er den brit. Seemann in den mannichfachsten Lagen und Abstufungen darzustellen. Auch besitzen wir noch von ihm seine Reisrbeschreibung durch Amerika „4. ciiar/ in America, rvirli remsrlr, VN its instltutions" (3 Bde., Lond. 1839), die aber von Engländern wie von Amerikanern bittern Tadel erfuhr, und in der neuesten Zeit hat er auch einige treffliche Jugendschriften geliefert, Wie „The settlers in Lanacka" (Lond. 1844) und „Tire Mission, or «eenes in ^friert" (2 Bde., Lond. 1845). Mars oder M av o rS, bei den Griechen Ares, der Gott des Kriegsgetümmels, war der Sohn des Zeus und der Here. Ohne Partei zu ergreifen, betrieb er den Krieg nur als Geschäft und ergötzte sick am wilden Männermord, weshalb er selbst den unsterblichen Göttern verhaßt war. Wenn er in die Schlacht fuhr, schirrten ihm seine Söhne und Begleiter Deimos und Phobos (Furcht und Grauen) die Rosse und schritten nebst seiner Schwester Eris (s. d.) vor ihm her. Doch siegte er nicht immer; er wurde von Diome- des (s. d.), dem Athene beistand, verwundet, von der Athene zu Boden geworfen und bt 22«° 356 Mars (Anne Fransoise Hippolyte) deckte bei seinem Falle sieben Hufen Landes; auch die Al ci dc n (s. d.) bezwangen ihn und hielten ihn dreizehn Monate gefangen, bis er von Hermes befreit wurde. Sein Wohnsitz war im rauhen Gebirgsland Thrazien. So roh und wild er war, liebte ihn doch Aphrodite, die ihm nach spätern Sagen den Deimos, Phobos, Eros, Anteros und die Harmonia gebar. So erscheint er bei Homer. In den Homerischen Hymnen tritt er in milderer Gestalt auf, als Racher der Unschuld, Leiter der Gerechten, Helfer der Sterblichen und Eebn kräftiger Jugend. Bei den Tragikern ist er der Gott jedes Verderbens, der Seuchen und des Miswachses. Spätere lassen ihn am Kampfe gegen die Giganten Theil nehmen, auf der Flucht vor Typhon nach Ägypten sich in einen Fisch verwandeln, um verborgen zu bleiben, und mit dem Herakles zweimal in Kampf gerathen, indem er seinen Söhnen gegen ihn beistchen wollte. DenHalirrhothios (s. d.), den Sohn des Poseidon, tödtele er,weil er der Alcippc, seiner Tochter, Gewalt anthun wollte. Deshalb von dem Poseidon beiden zwölf Göttern verklagt, hielten dieselben über ihn auf einem Hügel bei Athen Gericht, boil sprachen sie ihn frei. Da er der Erste war, über den hier ein Gericht gehalten wuroe, so soll dieser Gerichtshof von ihm den Namen Areopagus (s. d.) erhalten haben, wahrscheinlicher aber ist es, daß der Name die Sage vcranlaßte. Verehrt wurde M. besonders >» Thraüen, dann bei den Skythen, bei denen ihm unter dem Symbol eines Schwertes, das man auf einen Haufen Reisholz steckte, Pferde und Menschen, und zwar der Hundorp« Mann der Gefangenen, geopfert wurden. In Griechenland war seine Verehrung nicht sehr verbreitet. Zu Athen hatte er einen Tempel, worin seine Statue von AlkameneS mit denen der Aphrodite, Enyo und Athene stand; zu Geronthrä in Lakonien einen Tempel und einen Hain, dem sich bei dem jährlichen Feste kein Weib nähern durfte. In Sparta gab es dem Tempel des Poseidon Hipposthcnes gegenüber eine alte Bildsäule des Ans Enyalios, welche mit Ketten umbunden war, damit Mannhaftigkeit und Kriegsglück steiS an Sparta gefesselt sein möchten. Zn Rom, wo M. nächst Thrazien am meisten verehrt wurde, war er eine der Schutzgottheiten und gehörte zu den zwölf obersten Göttern (<>ü cniisentes), welche die Elemente beherrschten und die Jahreszeiten herbeiführten. Daher begann das alte röm. Jahr nach der Eintheilung des Romulus, der ein Sohn des M. war, mit dem Monate des Mars. Ihm zu Ehren ordnete Numa den Dienst der Salier (s.d.) an, welche im März, am Feste des Gottes, unter Tanz und Singen von Hymnen einen Aufzug hielten und die heiligen Schilde (snciliu) bewachten. Ihm war das Marsfell! (s. d.) geweiht, und außerdem hatte er mehre Tempel; namentlich erbaute ihm unter dem Namen Llurs uitor Augustus einen äußerst prächtigen Tempel. Was die plastische Darstellung des Gottes anlangt, so war derselbe seinem Wesen nach zu sehr bloser Begriff, um ein Hauprgegenstand der Kunst zu werden. Kein griech. Staat verehrte ihn als einen Haupt- oder Schutzgott, wie dieses später in Rom der Fall war. Ausgezeichnete Statuen desselben waren die des Alkamenes und des Skopas, welche den spätern zum Vorbild dienten. Zu seiner Darstellung gehört eine kräftige Muscularur, ein starker fleischig» Nacken, kurzgelocktes und gesträubtes Haar. Er hat kleinere Augen, eine etwas mehr geöffnete Nase und eine weniger heitere Stirn als andere Söhne des Zeus. Dem Alter nach erscheint er männlicher als Apollon und selbst als Hermes. Wenn er nicht ganz unbekleidet erscheint, ist seine Bekleidung eine Chlamys (ein Sagum). Auf Reliefs des alten Stils ist er geharnischt, später hat er gewöhnlich nur den Helm. In der Regel steht er; auf röm. Münzen bezeichnet ein lebhafter Schritt den Llrackivus; der Legionsadler und andere Signa den rötutor und lKtor; Viktorien, Trophäen, der Ölzweig den Victor und Lsciler. Skopas bildete einen sitzenden Ares. Außerdem sieht man ihn noch mit der Aphrodite zusammen in Statuengruppen. Namentlich wurde er von den Römern gern mit der Jlia oder Rhea Silvia darqcstellt, wobei man oft griech. Darstellungen, zumal die Überraschung der Ariadne durch Dionysos, zum Grunde legte. Mars (Anne Francoise Hippolyte), eine der berühmtesten franz. Schauspielerinnen, wurde l 7 7 8 zu Paris geboren. Ihr Vater war der vortreffliche Schauspieler Monvel am Dimärrc lrsnyms, und ihre Mutter und ältere Schwester, die >837 starb, waren beim Ikeätre Slontcmsier in Versailles angestellt. Hier trat auch sie seit 1791 in Kinderrollen auf. Nachdem sie sich unter der Leitung der Schauspielerin Contat weiter ausgebildet hatte,- Mars Marschall 357 wurde sie aml'köälr« 6-unysis angestellt, wo sie junge Liebhaberinnen und naive Mädchen spielte und neben den andern vorzüglichen Schauspielern sich so sehr auszeichnete, daß sie bald zu den ausgezeichnetsten Künstlerinnen gezählt wurde. Seit >812 übernahm sie die Rollen sogenannter wranckes cognettes und wendete sich nun zu Moliere's Stücken, die durch ihr unnachahmliches Spiel einen neuen Werth erhielten. Als Celimeue im „Slissntkrnpe", alSElmireim „IsrtuSe", ebenso inden KokettenrollenderMarivaux'schen Lustspiele ließ sie nichts zu wünschen übrig; welche Rolle sie auch übernahm, so war ihr Spiel vollendet. Sie hatte eine sanfte Stimme, der sie aber die mannichfaltigsten Beugungen, Nuancen und Intonationen zu geben vermochte. Sie übertrieb nie, blieb stets in den Grenzen des Natürlichen und Anständigen und hatte eine ungemeine Sicherheit des Spiels. Eine schöne schlanke Gestalt mit angenehmen Gesichtszügen, zeigte sie auch in ihrem Anzug einen so ausgezeichneten Geschmack, daß sie den Pariserinnen hierin zum Muster diente. Zu der Zeit des großen Flors des 1'Köatre tranyais bezog sie ein Einkommen von 3"—ävüvv Francs. Überdies machten ihr Napoleon und andere Fürsten ansehnliche Geschenke. In ihren höher« Lebensjahren versuchte sie sich auch mit Erfolg im tragischen Fache. Durch Spekulationen an der Börse, die sie früher mit Glück trieb, verwr sie später den größten Theil ihres Vermögens. Erst im I. >841 verließ sie die Bühne. Mars oder Marsch, im gewöhnlichen Leben Mastkorb genannt, heißt das auf zwei starren mit dem Mast (s. d.) verbolzten Planken, den Sahlingen oder der Sattelung ruhende Rösterwerk, welches bestimmt ist, den Fuß der Stenge, d. h. der Verlängerung des Mastes, zu tragen und durch die Wandten derselben sie zu befestigen. Der volle Dreimaster, die Pink oder das volle Schiff hat auf jedem Maste einen Mars, den Großen-, Vor- und Kreuzmars, während die Stengen zur Befestigung der Bramstcnaen nur Sahlingen ohne Rösterwerk tragen. Auf großen Schiffen findet man auf der hintern Seite der Marse eine aus Stützen ruhende Regelung. Hier haben die zum Auskuken Beorderten ihren Aufenthalt; auch benutzt man sie, um von hier aus Kleingewehrfeuer zu geben oder Handgranaten zu werfen. Endlich liegen hier zur Zeit eines Treffens der Bootsmänner Apparate und Hülfsmittel bereit, um den am Tau- und Segelwerk in den ober« Theilen vorkommenden Beschädigungen sogleich abzuhelfen. Marsch heißt die geordnete Bewegung von Truppen; doch wird marschiren auch zuweilen gleichbedeutend mit „ins Feld rücken" gebraucht. Je nach der Aufstellung der Truppen unterscheidet man den Front- und den Flankenmarsch. Beim Schrägmarsch erfolgt die Bewegung gleichzeitig vor- und seitwärts. Abmarsch findet statt, wenn die Linie sich in kleinere Theile bricht, welche hintereinander geschoben, sich vorwärts bewegen; Aufmarsch bezeichnet die Herstellung der Linie. In Bezug auf das Marschtempo der Infanterie unterscheidet man Parade- und Geschwindmarsch und den Sturmschritt; erstercr kommt nur noch bei Übungen der Rekruten und bei Leichen- paradcn vor. Bei der Cavalerie und Artillerie zu Fuß fällt der Sturmschritt weg; zu Pferde erfolgt der Marsch im Schritt, Trab Galopp oder Carriere (Marsch: Marsch!). Nach dem Zwecke des Marsches unterscheidet man Üb ungs-, Feld- und Manoeuvre- marsch. Dw Marschordnung bestimmt d'e Folgereihe der Lruppentheileund die für gegebene Verhältnisse besonders zu beobachtenden Regeln, z. B. nicht laut zu sprechen, keinen Tabak zu rauchen u. s. w. Marsch all oder Mars chalk (dlarescalcus), wie es in alterthümlicher Form heißt, ist unstreitig von dem alten Wort Mar oder Mähre, d. h. Pferd oder Streitroß, und Schalk, d. h. Diener, abzuleiten, sodaß es zunächst Einen bezeichnte, der die Aufsicht über die Pferde und über den Stall führte, also etwa einen Stallmeister, wie denn auch noch gegenwärtig im Französischen Nareckal der Hufschmied heißt. Schon unter den fränk. Königen aber war der Marschall (comss stabuli) eine höhere Hofwürdc. (S. Connetable.) Im Deutschen Reiche wurde seit der Zeit Kaiser Otto's l. das Amt des Marschalls eines der großen Hofämter (s.Hof- und Erzämter), die anfangs mit Lehngütern verbunden, mit diesen zugleich im Laufe der Zeit erblich (s. Erbämter) und nach dem Beispiele des kaiserlichen Hofes auch an den Höfen der geistlichen und weltlichen Fürsten cingcführt wurden. Reichserzmarschall des Deutschen Reicks war der Kurfürst von Sachsen, der 358 Marschall von Sachsen Marschälle von Frankreich seinen gewöhnlichen Dienst später durch einen Erbmarschall verrichten ließ. Er hatte für ! die Ordnung auf den Reichstagen und bei feierlichen Gelegenheiten zu sorgen; bei du Kaiserkrönung aber, mit Beziehung auf seine ursprüngliche Function, zu Pferde von eine« auf öffentlichem Markte aufgeschüttcten Haferhaufcn ein Maß voll Hafer zu holen und dem Kaiser zu überreichen. Gegenwärtig istHofmarschall derTitel eines der vornehmst!» Beamten bei Hofe, der dem Hofmarschallamte vorsteht, die ganze innere Haushaltung des Hofes, der Küche, des Kellers u. s. w. besorgt, die Aussicht über das Hofpersoual führt und alle Feierlichkeiten u. s. w. zu ordnen und zu leiten hat. Die ehemaligen Reichs- und Landerbmarschällr hatten bei den Versammlungen der Reichs- oder der LandeSstiwd, die oberste Aufsicht und den Vorsitz zu führen. (S. außerdem noch Feldmarschalluud Marschälle in Frankreich.) — Marschallstafel nennt man bei Hofe die Nebentafel für Diejenigen, welche nicht an die fürstliche Tafel gezogen werden, weil an ihr der Hofmarschall den Wirth macht. Marschall von Sachsen, s- Moritz, Graf von Sachsen. Marschälle von Frankreich (Llaröcbsnx äe Trance) finden sich schon in den Ä> , tern Zeiten der französischen Monarchie. Bereits unter Philipp August, > 180—1223, führte zeitweilig ein Oberbefehlshaber der königlichen Truppen diesen höchsten militairischen Titel, mit welchem jedoch nie andere, als Privilegien der Hofctikette verbunden waren. Unter Ludwig dem Heiligen gab eS zwei, später drei, vier und mehr Marschälle. Während da Negierung Heinrich's III. schränkten die Ltats gänöruux die Marschälle, die stets sehr hoch , besoldet waren, auf vier ein; doch wurde diese Zahl sowol von Heinrich Hl. selbst, wie von seinen Nachfolgern beträchtlich überschritte». Unter Ludwig XtV. gab cs nach der Elim- nung von >703 zwanzig Marschälle. Auch ertheilte derselbe diese Würde zuerst Seemänner». Die Marschälle Veralten Monarchie nannten ihre sclbstgewählten Adjutanten XiOes-ware- ^ cbaux. Aus denselben entstanden die bliu-ecluuix-cle-osiuj), welche die Verpflegung und Ei»- ^ quartirung der Truppen besorgten, in gewissen Fällen selbständig befehligten und imNange ^ dem Brigadegencral entsprachen. Als die Marschallswürde 1793 überhaupt aufzebobe» wurde, gab cs 500 5IaräcliLux-<1c:-«cu,;>. Napoleon stellte die Marschaüswürde wieder her und ernannte lUsröcbs'ix <1e I'empiro; die Bourbons führten nach der Restauration auch den Titel eines Älsröckal-Oe-cum;, wieder ei». Unter derDynastie Orleans beschränkte ei» Gesetz vom 4. Aug. 1839 die Zahl der Marschälle von Frankreich in Friedenszeit auf sechs, die jedoch im Kriege auf zwölf gesteigert werden kann. Zm Übrigen ist der Name Marschall in der franz. Armee noch an mehre Functionen gebunden. So heißt Xlgröolisl-äos-logü besonders bei der Cavalerie derjenige Unteroffizier, welcher die Einquarlirung seiner Esca- dron zu besorgen hat. Napoleon ernannte im Ganzen 25 Marschälle. Bei Errichtung de> Kaiserreichs am l 9. Mai 1503 erhielten diese Würde: >) Berthier, 2) Murat, 3) Moncey, 3) Jourdan, 5) Massen«, 6)Augcreau, 7) Bernadette, 8) Soult, 9) Brune, >o) LanneS, 1>)Mortier, I2)Ney, I3)Davoust, I3)Bessicres, IS)Kellermann, >6)Lesebvre, I7)Pe> rignon und 18) Serrurier; am II. Zuli 1807 nach der Schlacht bei Friedland: 19) Victor Perrin; am 12. Juli 1809 nach der Schlacht bei Wagram: 20) Macdonal!, 2l)Oudin°t und 22) Marmont; am 8. Juli >811 nach der Schlacht bei Tarragona: 23) Suchet; am 2 7. Aug. > 812 nach der Schlacht bei Polotsk: 2 3) Gouvion Saint-Cyr, und am 16. Lct. 1813 nach derSchlacht bei Wachau: 25) der Fürst Poniatowski. Ludwig XVIll. ernannte zu Marschälle» am 3. Juli 1816: Coigny, Beurnonville, Clarke und Viomenil, General- l marschall der portugies. Armeen während der Emigration, von 1801—13; ferner: Lauri- ston am 6. Juni 1823 bei der Eröffnung des span. Feldzuges, und Molitor am 9. Oct. , 1823 nach dem span. Feldzuge; Karl X.-. am 8. März 1827 den Fürsten Hohenlohe- Waldenburg-Bartensiein, der zugleich östr. General war und nur einem Feldzüge in franz. Diensten beigewohnt hatte; am 22. Febr. 1829, nach der Expedition von Morea, Maison, , und am 13. Juli 1830, nach der Einnahme von Algier, Bourmont. Unter Ludwig Phü lipp wurden zu Marschällen ernannt: Ge'rard am 17. Aug. 1830; Clauzel am 30. Zuli 1831, und zu gleicher Zeit Lobau; Grouchy am 19.Nov. 1831, eigentlich aber schon nach der Kapitulation des Herzogs von Angouleme, am >7. Apr. 1815; Valee nach der Einnahme von Konstantine, am 11. Nvv. 1837; Sebastian! am 2l.Oct. 1830, und Bugeaud iS. sin, ist> ner rui ter we frü S-r de: dir alt ba! nic K. au sic ra da VY tri Li ur di. Pc f° ei: O tr 1 d> t> jl ? e l ! j I I Marschland Marseille 359 -fÄ dkk ne« und sken deS und und inde und den- der ,L hui lln. t« ,°ch »«» l!N- M. ,w- M- nze den her Ulh ein h«, gis !»< de- >eS, P-' kor not -el; !ct. ute ' al- s ri- >ct. ,e- uz. ^ in, > hi. § uli ich «- ud I 84 S. Außerdem erhielten denMarschallstitel die Admirale Truguet, Duperre undRous- sin, sowie der hochbejahrte GrafDrouet d'Erlon. Das Zeichen der franz. Marschallswürde ist ein azurblauer mit goldenen Sternen verzierter Stab. Marschland nennt man im nordwestlichen Deutschland den in Thälern und Ebenen aufgeschwemmten, vorherrschend fruchtbaren Boden, der anderwärts Aue-, Niede- rungs- oder Bruchboden heißt. Der Marschboden dient sowol zumGetreide- als zum Futterbau, doch ist letzterer in Verbindung mit einer starken Viehzucht, Melkerei und Fettweide vorherrschender. Marschner (Heinrich), Hofkapellmeister zu Hannover, geb. 1798 zu Zittau, verriech frühzeitig Neigung und Anlage zur Musik, kam aber doch erst in Leipzig, wohin er >814 ging, um die Rechte zu stvdiren, zu dem entscheidenden Entschluß, sich ausfchließend der Musik zu widmen. Schicht stand ihm dabei rathend und belehrend zur Seite. Er stu» dirte nicht nur die Composition, sondern übte auch das Spiel mrhrer Instrumente und trat als Pianofortespieler sogar öffentlich auf. Auf einem künstlerischen Ansfluge nach Karlsbad lernte ihn der Ungar. Graf Amade kennen, auf dessen Veranlassung er l 8 l 7 nach Wien ging und in der Folge eine Musiklehrerstelle in Pesth erhielt. Hierdurch ließ sich aber M. von Verfolgung seines Hauptzieles, der Composition, namentlich der dramatischen, nicht abbringcn. Die erste Frucht seines Strebens, die Oper „Heinrich IV.", schickte er an A. M. von Weber pach Dresden, der dieselbe nicht nur zur Aufführung brachte, sondern auch in der Folge, als M. 1822 nach Dresden übersicdelte, demselben allen Vorschub leistete und seine Anstellung als Musikdirektor vcranlaßte. Zn jener Zeit schrieb er zwei kleine Opern, „Der Holzdieb" und „Zucretie". Schon 1826 verließ er indcß Dresden wieder, hei- rathcte die Sängerin Mariane Wohlbrück, machte mit ihr eine Kunstreise und privatisier dann seit 1827 eine Zeit lang in Leipzig. Hier schrieb er seine erste große Oper „Der Vam- pyr", die seinen Nuf weithin verbreitete und selbst inLondon aufdie Büynegelangte. Zn ihr tritt zuerst das eigenthümliche Gepräge, obwol noch mit manchen Elementen Webcr'scher Weise vermischt, entschieden und kräftig hervor, das M.'s Musik unterscheidend ansreichnet, und welches in der bald daraus folgenden Oper „Templer und Jüdin" noch freier, selbständiger und klarer sich entfaltete und derselben einen dauernden Platz im deutschen Opcrnre- pcrtoir sichert. Weniger frisch und auch weniger entscheidend in der Wirkung zeigten sich M.'S folgende Opern, „Des Falkners Braut", „DcrKyffhäuser", „Das Schloß am Ätna" und „Der Bäbu"; nur „Hans Helling" (zuerst l 832 in Berlin gegeben) fand und verdiente einen größer» Erfolg. In früherer Zeit hatte M. auch Vieles für Pianoforte, sowie Trios, Quatuors u. s. w. geschrieben, die aber gegenwärtig größtentheils in den Hintergrund getreten sind, wogegen seine Lieder und Männergesänge zu den beliebtesten gehören. Veit 1832 ist er in Hannover angestellt, wo er von Göttingen aus 1837 den Titel eines Dvctors der Musik erhielt. Marseille (Älsssilia), die dritte Stadt Frankreichs und die Hauptstadt des Depar- tementS der Rhonemündungen (Rouckes cku KKäus), und nach London und Hamburg diejenige Scehandelsstadt, welche die meisten und großartigsten Geschäfte macht, liegt am Fuße eines hohen Fclsengebirges und an einer Bucht des Meerbusens von Lyon in Gestalt einer Halbmondes um den sehr geräumigen und sichern Häfen herum, hat zwölf Vorstädte, 16000 Häuser und über 152000 E. Sie besteht aüs der Altstadt und der Neustadt, welche.beide durch Len herrlichen, eine Stunde langen Corso unv dessen Fortsetzung, die Nur de Rome, verbunden sind. Diese Straße ist mit doppelten Alleen besetzt, unter welchen in dichten Reihen Buden stehen und einen immerwährenden Markt bilden. Die Häuser an derselben haben, bei einer Höhe von fünf Stockwerken, Platte Dächer mit eisernen Geländern eingefaßt und mit Oranaebänmen besetzt. Die Altstadt (vieux guartier), der Volk- reichere und größere Theil, zieht sich auf der Nordseite an einer Anhöhe gegen ben Hafen hinunter und hat enge, steile und winklige Straßen. Die aufder Süd-und Ostseite liegende Neustadt (le deaii guartier) dehnt sich um den Hafen herum und ihreStraßen sind breit, schnurgerade und äußerst reinlich und die Häuser massiv und schön. Zu den vornehmsten Gebäuden gehören das Stadthaus mit der Börse; die Kathedrale, die älteste Kirche Galliens, auf den Ruinen eines DianentcmpelS erbaut, in welcher sich einige Säulen vom 360 Marseillaise Marsen höchsten Alterthume finden; das neue Theater; das alte und neue Zeughaus, und das , große, Hotel Die« benannte Hospital, nebst den Quarantaineanstalten. Unter denS7M Ken zeichnen sich aus der neue Platz mit vier Springbrunnen, der Königsplah, gleichst l mit einem schönen Springbrunnen, der St.-Ferrrolplatz mit einem artesischen Brun, neu, die Plätze Castellane de la Come'die und Montiers. Der Hafen, der seit >8!z zu einem Freihafen erklärt und seit 1823 durch Bereinigung der festen Felseneiland, Ratonneau und Pomegue mittels eines Dammes wesentlich verbessert worden ist und den Namen Die» - Donne führt, bildet ein an beiden Seiten mit Sreindämmcn eingefch teö längliches Biereck, das eine Viertelstunde weit in die Stadt cindringt, ist gegen M Winde geschützt und bietet für SW Schiffe Raum, ist aber bei seiner geringen Liest ! und wegen der verborgenen Klippen für Kriegsschiffe nicht geeignet. An und bei dein Hufen, in welchem über 60W Schiffe jährlich einlaufen, befinden sich die Magazine für du ankommenden Schiffe nebst den Schiffswerften. An der rechten Seite des Hafens lieg! das Fort St.-Zean, welches dreifach übereinanderliegcnde, mit Geschütz besetzte Festungswerke hat, und an der linken Seite das Fort Louis auf einem hohen Felsen. Rückwärts!« Stadt auf^drn dieselbe umgebenden Anhöhen liegen Fabriken, Gärten, Weinberge, md zwischen Öl- und Mandelbaumpftanzunaen eine ungeheure Menge von Landhäustru, BastideS genannt (über 5WV), auf welche die Vornehmen Sonnabends Abends sich hiu- begeben, um den Sonntag dort zuzubringen. M. hat, außer vielen katholischen Kirch», «ine reformirte und eine griechische Kirche (die einzige in Frankreich),' ein königliches Äl- lege, eine Navigationsschule, eine Arzneischule, eine Gewerbe- und Handelsschule, ein AL- näum, wo öffentliche Vorträge in allen Wissenschaften gehalten werden, eine königlich! Akademie der Wissenschaften und Künste, eine akademische Gesellschaft der Mediän, e« Marine-Sternwarte, ein Gemälde- und Antiquitätenmnseum, einen königlichen Accliim- tisations- und «men botanischen Garten, und eine öffentliche Bibliothek. Der Kunst- ml - Gewerbfleiß ist sehr blühend. Am wichtigsten sind die Fabriken in Seife, die aus schlecht!!» , Olivenöl bereitet wird und zur Verarbeitung der Seide unentbehrlich ist, in Stärke. Puder I und Nudeln; ferner in Korallen, Parfümerien, Liqucur-, chemischen Präparat-Wachs-, Glas-, Chocolade- und Flechtwaaren; in türk. Rothgarn und rothen marokkan. Mützl». Auch gibt es hier eine phelloplastische Fabrik. Dazu kommt ferner ausgebreitete Sardellen- und Thunfischerei. Ganz besonders hat es den ganzen levantischen Handel in Händen und sein Zollamt berechnet jährlich eine Einnahme von mehr als W Mill. Francs. Ein regelmäßiger Personenverkehr nach allen wichtigen Plätzen am Mittelländischen Meere, nach Genua, Livorno, Neapel, selbst nach Konstantinopel und Alexandrien, wird durch Dampfschiffe unterhalten und ein treffliches Lazareth mit musterhaften Quarantaineanstalten ist für die aus der Levante kommenden Schiffer und Waaren auf der Insel Pomergues, sechs Meilen von der Stadt eingerichtet. Wegen des Handels, des schönen Klimas und der angenehmen Gegend halten sich in M. viele Fremde aus; die Einwohner sind fröhliche, gesellige, gastfreie und das Vergnügen liebende Menschen. Die Straße von M. bis Aix, welche zwischen Gärten und Weinbergen über eine kleine Bergkette durch ein sieben Stunden langes Thal führt, ist eine der schönsten in Frankreich. M. gehört unter die ältesten Städte Europas und wurde von einer vor dem Eroberer Cyrus aus Kleinasien um .'>46 v. Ehr. fliehenden Phocäerrolonie gegründet. Es hieß Massalia, war ein aristokratischer Freistaat und hatte bis 50 v. Ehr. einen blühenden Handel. Zur Zeit der Völkerwanderung wurde ^ es eine Beute der verschiedenen, Frankreich erobernden Völkerschaften. Später kam eS an s Burgund und Arrlat. In den unruhigen Zeiten des Mittelalters wußte es sich fortdauernd seine Unabhängigkeit und Freiheiten zu bewahren, bis es endlich den Königen von Frankreich sich unterwerfen mußte. Marseillaise,/. RougetdeLisle(Zos.). Marsen (5lsrsi) waren ein mittelital. Volk, sabelllschen Stammes, wie die Sabiner, Peligner und Marruciner, an deren und der Äquer Gebiet das ihre grenzte, das die Gegend am Lacus Fucinus (jetzt Lago di Celano), an welchem ihr Hauptort Marruvium (jetzt San-Benedetto) lag, umfaßte. Im Bundesgenoffenkriege, der nach ihnen auch der marsische Krieg genannt wird, standen sie an der Spitze der sabellischen Völker, von de- MirSfeld 361 «en er 91 v. Chr. ausging; ihr Anführer VettiuS Cato schlug im Z. SO den rom. Consul P. Rutilius Lupus in einer Schlacht, in der dieser selbst das Leben verlor. Hierauf wurden sie von Marius und von Sulla geschlagen; im I. 89 aber verlor der Consul L. Porcias Cato gegen sie Schlacht und Leben, und erst nachdem sie zweimal von Sulla geschlagen worden waren, gelang es dem Consul Cn. PompejuS Strabo, sie zu unterwerfen. Wie durch ihre Tapferkeit, so waren sie auch wegen ihrer zauberischen Heilkunde und Schlangenzähmung bei den Alten berühmt. — Auch ein german. Volk am Niederrhein führte den Namen Marsen; sie waren wahrscheinlich der Theil der Sigambern (s. d.), der sich, als Liberins unter des Augustus Regierung .'9090 Sigambern auf das linke Rheinufer versetzte, die dort den Namen Gubernen oder Guzernen führten, in die östlich ern Waldhö- hcn zurückzog. Gegen sie, die auch an der Schlacht Hermann's gegen Varus Theil genom- men hatten, waren Angriffe des Germanicus (s. d. >, die sie namentlich im I. >9 n.Chr. schwer trafen, gerichtet. Nachher verschwindet ihr Name. Marsfetd, Lampus Marti».? oder auch blos Campus, hieß bei den Römern der nördliche Theil der großen Ebene, welche außerhalb des Pomörrum (s. d.) von Rom sich von den Abhängen des Pincius, Quirinal und Capitolinus gegen die dort westlich ausbiegende Tiber hin erstreckt und auf der jetzt der größte Theil der städtischen Gebäude Roms liegt; ihr südlicher kleinerer Theil erhielt von dem 229 v. Chr. daselbst Lurch Flamin ins (s. d.) erbauten Circus den Namen Liren? b'Iamimns, der seit Augustus als Name der neunten Region auch das Marsfeld mit inbegriff, während der imOsten zunächst an den Hügeln liegende Strich als siebente Region nach der sie im Westen begrenzenden, vom Capitolin bis zum Flaminischen Thore führenden Straße (jetzt Via «lei Lorso) via lata genannt wurde. Das Marsfeld war ursprünglich im Besitz der Tarquinier; nach ihrer Vertreibung wurde es dem Mars geweiht, und daher der Name. Es diente als freier Platz theils fü> > -minastische und --iegerische Übungen, theils, gegen Süden hin, zunächst der Stadt, für Volksversammlungen, namentlich die Lomitia ccmturmta, später auch für die Oomitiu triduts (s. Co mi tie n), und für den Gebrauch der Magistrate bei diesen und bei andern öffentlichen Anlässen war ein Gebäude aufgeführt (vilm publica). Übrigen^ aber war die ganze republikanische Zeit hindurch das Marsfeld unbebaut. Erst Cäsar begann für die Co mit! en (s. d.) marmorne Hallen (scptu, d. i. Gehege) aufzuführen, die Agrippa beendete, der auch die ersten öffentlichen Thermen und das Pantheoysfeht 8a» höchsten Autoritäten bestimmt war. Der König und der Präsident der Nationalversamm- I lung saßen auf gleichen, mit Lilien verzierten Sesseln; hinter ihnen auf einem Baken b«. fanden sich die Königin, der Hof und die Minister. In der Mitte erhob sich der Altar des Vaterlandes, an dessen Stufen 300 Priester, an ihrer Spitze der Bischof von Autun (s. Tallcyrand), den Meßdienst versahen. Nach Beendigung des Hochamtes erhob sich der König und leistete mit den übrigen Autoritäten den conflitutionellen Eid zugleich. In dem Augenblicke nahm die Königin, von Begeisterung hingerissen, den Thronerben auf ihre Arme und zeigte denselben dem Volke. Dieser Anblick erregte einen maßlosen Enthu- siasmus; Mutter und Kind hatten in dem Augenblicke die Herzen Aller gewonnen. Min ! der Hof wußte diesen letzten Sonnenblick der Popularität nicht zu benutzen. Man setzt« I auch nach der Versöhnungsfcier die Jntriguen gegen die neue Staatsordnung fort und steigerte damit um so mehr den Haß und die Leidenschaft der Parteien. Ein Jahr später, nach der verunglückten Flucht Ludwig's XVI., bot das Marsfeld einen andern Anblick dar. ^ Während die Nationalversammlung am tt>. Juli >781 das Fortbestehen desThronsde- crctirte, entwarf der Jakobincrclub unter großem Tumult eine Petition an die Versäum. > lung, in welcher man die Absetzung des Königs fodcrte. Am 17. sollte diese Petition auf ^ dem Altäre des Vaterlandes, der sich noch auf dem Marsfelde befand, niedergelegt werden. Nachdem Lafayette mit einem Theil der Nationalgarde die tumultuansche Menge veize- bens zu beschwichtigen versucht, erhielt der Maire Bail ly (s. d.) vom Municipalratheden Auftrag, die Ordnung herzustellen. Bei der Ankunft desselben erneuerte sich der Aufruhr, , weil mail unter dem Altäre des Vaterlandes zwei Invaliden entdeckte, die sogleich erwürgt ! wurden. Bailly verlas das Kriegsgesetz und ließ dann Lafayette entschreiten. Einige hundert Menschen büßten mit der ersten Salve das Leben ein. Dieses strenge Verfahren lähmte auf kurze Zeit den Muth der Anarchisten und brachte zwischen der Nationalversammlung und dem Könige eine Vereinigung zu Stande, die Letzterer jedoch schlecht benutzte. Nach der Rückkehr Napolcon's von der Insel Elba wurde das Marsfeld nochmals der Schauplatz einer politischen Feierlichkeit. Die altfränk. Gewohnheit nachahmend, hielt hier der Kaiser »ml. Juni l8I5 ein feierliches Malfeld (s. Märzfeld), um in den Angen Europas seiner zweiten Thronbesteigung den Charakter der Nechtmäßigkcit zu geben. Nach einer feierlichen Messe las Dubois, einer der 500 Abgeordneten der Centralausschüsse der Wahlcollegien, im Namen des franz. Volks eine Huldigungsrede vor. Der Neichserzkanz- ler Cambace'res machte hierauf die Abstimmung der Nation über die am 22. Apr. verliehene Zusatzacte (acte ackclitionel) bekannt. Wicwol von -10 Departements keine Abgeordneten erschienen waren, so rief dennoch der Waffenherold aus, daß diese Acre, welche dieCou- stitution des Kaiserreichs mit einem Repräsentativsystem beschenkte, von der Nation angenommen worden sei. Napoleon unterschrieb den Volksbeschluß, hielt an die Versammlung eine Anrede und beschwor die neue Verfassung. Ungefähr 200000 Personen, die zugegen waren, erwiderten den Eis, dem ein l'e ckeum folgte. Sodann thcilte der Kaiser vom Throne herab an die Nationalgarden und Truppen, deren Anzahl sich auf 50000 M. belief, Adler aus und ließ das Heer defilircn. Hierauf folgte die Eröffnung der Kammern. Marsh (Herbert), einer der fruchtbarsten theologischen Schriftsteller Englands, geb. zu London 1757, zeichnete sich schon in dem St.-John's College zu Cambridge durch seine philologischen und mathematischen Kenntnisse aus. Nachdem er Fellow geworden war, ging er nach Deutschland, um sich in neuern Sprachen zu vervollkommnen, und hielt sich einige Jahre in Eöttingen und zuletzt in Leipzig auf. Hier übersetzte er Michaeüs' „Einleitung in das Neue Testament" ins Englische (4 Bdr., 1702—4 801). Zugleich theilte er die wichtigsten politischen Nachrichten, die er sich zu verschaffen wußte, der brit. Negierung mit und vertheidigte die Politik derselben in Flugschriften. Pitt ertheilte ihm dafür eine Pension. Als die franz. Kriegsheere Deutschland überschwemmten, ging er nach England zurück und wurde 1807 Professor in Cambridge. Er hielt seine theologischen Vorlesungen nicht, wie bis dahin üblich war, lateinisch, sondern in engl. Sprache, wodurch dieselben an Gemeinnützlichkeit gewannen, da Personen jedes Standes sie besuchen konnten. Nächst mehren gelehrten Streitschriften in Beziehung auf theologische Kritik, Politik und das sr- Marsigli Martine 363 di« ! NI. ^ b«. res un ßch Ä uf )!>' , ein ^ tzl! ^ iei- > ach ! er. I de- l i». ! ruf m. Seien . hr, I rgt ! m- ce» er- - ili. ! der ^ Irr ;rn uh der nz- lie- rd- in- ge- mg zen om N. m. .-b. IN« ^ rr, - -H l lei- :er > >ng j ine ^ ,nd i zen an Hst !r- zlehungssystem Dellls und Lancaster's (s. d.) erwähnen wir seine Schrift compsr»- «ive vie«- «5tk« ekurclres oflUn^I^nO srul Rome" (1814) und seine „LorueRelasgicuc", Untersuchungen über den Ursprung und die Sprache der PelaSger, än welchen er sich als feinen Kritiker zeigt-- Er wurde 1810 Bischof von Llandaff, erhielt I8I S das Bisthum Peterborough, und starb am I. Mai l 839. Marsigli (Lodovico Fernando, Graf von), geb. zu Bologna am 20. Juli 1658, wurde von seinen Altern, ungeachtet seiner großen Neigung für das wissenschaftliche Leben, für das Militair bestimmt. Mit dem vcnctian. Gesandten machte er 1679 eine Neise nach Konstantinopcl, dann trat er 1683 in östr. Dienste, in welchen er sich während des Kriegs mit den Türken als einen geschickten Ingenieur bewies, doch sehr bald in Gefangenschaft gerieth. Nach einem Jahre wieder ausgcwechselt, wurde er zum Obersten ernannt und mit wiederholten Sendungen nach Rom beauftragt. Auch wurde er bei den Erenzbe- siimn'.ungen verwendet, die in dem Frieden zu KarlvwiH >699 verabredet worden waren. Zn dem span. Erbfolgekriege war er Untercommandant der Festung Altbreisach, die sich 1703 fast ohne alle Gegenwehr an den Herzog von Bourgogne ergab. Deshalb vor ein Kriegsgericht gestellt, wurde er aller Ehren und Würden entsetzt und ihm der Degen zerbrochen, während über den Commandantcn Grafen von Arco daS^Todesurthcil ausgesprochen wurde. M. fand Trost in den Wissenschaften, mit denen er sich auch während des Kriegs beständig beschäftigt hatte. Er bereiste die Schweiz, um die Gebirge kennen zu lernen, und das südliche Frankreich, um Untersuchungen über.das Meer anzustellcn. Im I. 1708 vom Papst Clemens Xl. berufen, um den Oberbefehl eines kleinen Heers zu übernehmen, welches sich gegen den Kaiser Joseph I. in Bewegung setzen sollte, blieb er, da der Krieg beigelegt wurde, seitdem in Bologna, machte nachher eine Reise durch die Niederlande, England und Frankreich, und starb zu Bologna 1730. Seine Vaterstadt verdankt ihm mehre wissenschaftliche Stiftungen. (S. Bologna.) Außer der Schrift „Sistoirs I-Kz-siijue tle In MCI-" (franz. von Leclerc, Amst. 1725, Fol.) und dem „8t»to militsre lleli' imjieri» ott' msuo" (2 Bde., 1732) lieferte er das thcure Prachtwerk „vsnudius xuuno- nico-wxsicus, cum odservsticmbus ALNgr^pIücis, ustronnwicis etc." (6 Bde., Haag 1726, Fol., mit 288 Kupfern). Marsiall nennt man die in der Regel sehr eleganten Gebäude, in welchen die Pferde fürstlicher und anderer vornehmer Personen ausgestellt sind, und wo alle zum Reite» und Fahren gehörigen Gerüche aufbewahrt werden. Marsyas, der Sohn des Olympos, Öagros oder Hyagnis, ist wegen seines Wettkampfes mit Apollon bekannt. Als Athene die von ihr erfundene Flöte, weil sie beim Spielen das Gesicht entstelle, weggeworftn, und Den, der sie aufnehmen würde, mit dem härtesten Fluche belegt hatte, fand M. dieses Instrument, auf dem er bald eine solche Fertigkeit erlangte, daß er es wagen konnte, den Apollon zum Wettkampf herauszufodern. Zu Kampfrichterinnen wurden die Musen herbeigerufen. Der stärkere Flötenton übertäubte anfangs die sanfter« Töne der Lyra, welche Apollon spielte, und schon neigte sich der Sieg auf des M. Seite, als Apollon sein Spiel mit Gesang zu begleiten anfing. Dies konnte ihm M. mit seiner Flöte nicht nachthun, und die Musen entschieden sich zu Gunsten des Apollon, der den Vermessenen an eine Fichte aufhing und ihm die Haut abzog. Dieser Kampf der griech. Kitharistik mit der phrygischcn Auletik ist von vielen Künstlern der alten und neuern Zeit dargestellt worden. In Nom und in den röm. Colonien standen Statuen des M. auf den Marktplätzen als Sinnbilder strengen Gerichts. Übrigens ist M. eine Klose Personification des phrygischen Flötenspiels. Martessos heißen die gewölbten runden, mit einigen Kanonen besetzten Thürme auf den Küsten von Sardinien und Corsica, die zur Zeit Karl's V. zum Schutze der Ge- gend gegen die Seeräuber angelegt wurden. Als Napoleon England mit einer Landung bedrohte, errichtete man hier ebenfalls Martellos, die seht als Wachtthürme gegen die Schleichhändler dienen. Martene (Edmond), ein gelehrter Bcnedictiner von der Congregation St.-Maure, wurde geboren zu Saint-Jean-de-Löne 1654. Mit seinem Ordensbruder, Ursin Durand aus Tours, machte er zur Untersuchung der Archive und Bibliotheken in Klöstern und Kirchen 301 Martens Martialgesetz seit 1709 große Reisen nicht nur in Frankreich, sondern auch in den Niederlanden und in Deutschland, die bedeutende Ausbeute für die Geschichtsforschung gaben. Er starb am Schlage am 20. Juni 1739. Unter seinen zahlreichen Werken bemerken wir seinen „Osw- ineutarius in rvßulsm »ancti pstri-, Uenstlicti literslis, moralis, bistoricus etc." (Par. 1690—95, 4.); „De sntchnis mnasckorum ritib»L" (2 Bde., Lyon >690, 4.); „Oe uuti816 zum Bundestagsgesandten in Frankfurt. Hier starb er am 21. Febr. 1821. Geschätzt sind sein „kscueil 6«s traitös >!'»>- i liemee, «1e p»ix etc. «lepuis 1761" (8 Bde., neue Aust., Gött. 1817—20) und „bäouvenn recueil Oes truites etc.", fortgesetzt von seinem Sohne Karl von Martens, Saalfeld und F. Murhard (21 Bde., Gött. 1824—44); „Erzählungen merkwürdiger Fälle des neuern ^ europ. Völkerrechts" (2 Bde., Gött. 1800— 2 , 4.); „6«urs Ochlomstigue, on tublesn > kle5 relations exterieurss «iss Puissance« 6e I'Lurnns" (3 Bde., Bcrl. 1801) und „Grund- ^ riß einer diplomatischen Geschichte der europ. Staatshändel und Friedensschluss« seitdem i l5,Zahrh." (Berl. >807). — Sein Neffe, Karl von M., hat sich als würdigen Nachfolger des Oheims bewiesen durch seinen „küanuel diplomstious" (Lpz. 1823), den er in dm , „6ui«1e 6ij>Ivlllatique" (2 Bde., Lpz. 1832) neu bearbeitete; seine „6»ll»escölebr«5ä» -jroit <1es FSUZ" (2 Bde., Lpz. 1827); „ldiouecücs cau5S!> cöldbre» etc." (2 Bde., ?pz. 1843) und den , Kecneil Manuel st pratique cles trsitös, couveutions st sutres sctes 6iplomatiqu«s eutr« les äivers ötuts souveraius" (Bd. I und 2, Lpz. 1845), ein Werk, das auffünfBände berechnet ist. Marth» (AnneBiget), gewöhnlich genannt Schwester Martha, eine durch ihre barmherzigen Werke berühmte franz. Nonne, geb. 1749, versah vor der Revolution die Dienste als Lhürsteherin in einem Kloster und lebte nach Auflösung der Orden zu Be- san^on von einer Pension von > 33 Francs. Mit seltener Aufopferung unterstützte und pflegte sie seit 1792 die Hülflosen und Kranken, und furchtlos besuchte sie die Gefängnis!. Bei Ankunft der Verwundeten und Kriegsgefangenen verdoppelte sie ihren Eifer; sie verpflegte ohne Unterschied Freund und Feind und suchte deren Schicksal selbst durch Verwendung bei den Behörden zu lindern. Besonders machte sie sich verdient um 600 gefangene Spanier, die 1809 zu Besancon im traurigsten Zustande anlangten. Ihr Name wurde in den Armeen bekannt, und die Soldaten priesen sie als ihren rettenden Engel. Im Z. ging die betagte M. nach Paris, um von den Verbündeten die Vollmacht zur Krankenpflege zu erhalten. Die Kaiser von Rußland und Ostreich und der König von Preußen erkannten ihreVerdicnste, verliehen ihr Orden und Geld, das sie aber lediglich zu mildthätigcn Zwecken verwendete. Auch Ludwig XVIII., dem sie vorgestellt wurde, gab ihr einen Orden und ernannte sie zur Vorsteherin aller Vereine von barmherzigen Schwestern in Frankreich. In , dem Hungerjahre 1817 reiste sie nochmals nach Paris und sprach die Reichen der Hauptstadt und die Regierung um Unterstützung der Nothleidenden ihrer Gegend an. Sie starb , zuBesanxonam29. März 1824. — Ein Neffe von ihr, der Maler Big et, der sieb« ihren Bemühungen oft unterstützt hatte, erhielt das Recht, ihre Orden zu tragen. Martialsiesetz (lHsrti»I-I»v) nennt man überhaupt, ganz besonders aber in England, das Kriegsgesetz oder die Reihe von gesetzlichen Bestimmungen, nach welchen in der bewaffneten Macht die DiSciplin geübt wird und die Vergehen bestraft werden. Das Kriegsgesetz, um seinem Zwecke zu entsprechen, ist überall in seinen Strafen härter und in seinem Verfahren formloser, als die allgemeinen Landesgesetze. WenndaherbeiAufruhroder Tumult die bürgerlichen Gesetze Leben und Eigenthum der Einwohner nicht mehr zu schützen Martialis Martignae 365 vermögen, so wendet man auf eine Stadt, einen District oder auch wol auf eine Provinz das Kriegsgesetz an. Die bewaffneteMacht ist dann berufen, Ordnung und Gehorsam zu er« zwingen und die Schuldigen nach den KriegsgcseHen ohne Umstände zu richten. Aber auch wenn eine Stadt oder Provinz vom innern oder äußern Feinde nur bedroht oder belagert ist, stellt man, in Rücksicht der großen Gefahr, die Bevölkerung unter Militairbefehl und Kriegsgesetz, oder man erklärt, wie man zu sagen pflegt, den Ort in Belagerungszustand. Zn neuester Zeit haben die großen Städte Frankreichs und Spaniens dieses Schicksal mehrmals erlitten. Da indeß ein solches von der Staatsgewalt beanspruchtes Ausnahmegesetz zu großem Misbrauch und zur Unterdrückung der öffentlichen Freiheit führen kann, so ist die Anwendung des Kriegsgesetzes, wenigstens in constitutionellen Staaten, mit schwerer Verantwortung belastet und darf nur in den Fällen und unter den Formen und Bestimmungen verhängt werden, welche dafür im voraus gesetzlich gegeben sind. Zn Frankreich steht es zunächst dem freilich von der Negierung ernannten und abhängigen Maire (s. d.) zu, die Militairgewalt bei außerordentlichen Fällen zu Hülfe zu rufen. Zn Großbritannien, wo Leben und Freiheit der Bevölkerung am meisten mit schützenden Formen umgeben sind, ist es allein die Sache der Ortsobrigkeit, den Kriegszustand eintretcn zu lassen. Diese Magistrate haben ihre Handlungsweise auf Anklage vor dem ordentlichen Richter zu verantworten, während die Untersuchung, ob die bewaffnete Macht die ihr gegebenen Befehle überschritten Kat, dem Kricgsgerichtshofe oder auch dem Parlament selbst unterliegt. Das alt- engl., im Laufe der Zeit entstandene Kriegsgesetz wurde zum letzten Mal unter Zakob II. bei der Empörung des Herzogs von Monmouth (s. d.) in Anwendung gebracht. Die blutige Willkür, welche hierbei der Hof geltend machte, hatte zur Folge, daß mit der Thronbesteigung Wilhelm's lll. die sogenannteAufruhracte (Nutin^-act) zuStande kam, welche seitdem vom Parlament jährlich wieder erneuert werden muß. Erst nachdem diese Acte verlesen, die Habeascorpuöacte (s. d.) für den bestimmten Ort und auf bestimmte Zeit aufgehoben ist, kann nach Verlauf einer Stunde gegen das aufrührerische Volk mit Militairgewalt verfahren werden. Für Irland gelten aber noch gegenwärtig besondere Gesetze. Martiälis (Marcus Valerius), der vorzüglichste röm. Epigrammendichter und der eigentliche Schöpfer des neuern Epigramms (s. d.), gcb. zu Bilbilis in Spanien um -10 n. Cbr. und erzogen zu Calagurris, jetzt Calahorra, der Vaterstadt seines Freundes Oluin- ctilian, kam als Jüngling unter Nero nach Rom und stand bei den folgenden Kaisern zum Theil in hoher Kunst und Achtung, sodaß ihn Domitian sogar zum Tribun ernannte und reichlich beschenkte. UnterTrajan dagegen, der die Satiriker nickt liebte, sah er sich veranlaßt, in sein Vaterland zurückzukekren, wo er um ! 00 n. Ehr. starb. Seinen Ruhm begründete er durch 14 Bücher Epigramme, die meist scharfsinnig und treffend und voll Anmuth und attischen Salzes sind, obgleich viele derselben, in denen er die Laster seiner Zeit bespottet, auch an Unzüchtigkeit und Schamlosigkeit grenzen. Unter den zahlreichen Ausgaben erwähnen wir nach der ersten (Ven. 1470, Fol.) die von Räder (Jngolst. >602 und öft.), Schrevel (Leyd. 1656 und 1670 mit I. F. Gronov'S Anmerkungen), Lemaire (Par. 1825), und die neueste vorzüglichste Textrccenfion, mit einem trefflichen kritischen Apvarate, von Schneidcwin (2 Bde., Grimma >841). Lat. und deutsch besitzen wir die „Sinngedichte des M. in einem Auszuge" von Ramler (5 Bde., Lpz. >787—91), eine deutsche Übersetzung mit Weglassung der anstößigen Stellen von Willmann (Köln 1825) und „Fünfzig Epigramme, mit zeitgemäßen Zusätzen" von Diestling (Franks. > 835). Martignac (Gaye, Vicomte de), franz. Minister unter Karl X., geb. >776 zu Bor- deaux, widmete sich dem Rechtsstudium, begleitete >798 Sicves als Privatsecreiair nach Berlin und setzte seitdem in seiner Vaterstadt die advocatorische Laufbahn mit Auszeichnung fort. Während der Hundert Tage erregte er die Aufmerksamkeit der Bourbons, indem er gegen Napoleon schrieb, und wurde dafür bei der zweiten Restauration zum Gene- ralprocurator des Gerichtshofes zu Limoges ernannt. Das Departement Lot und Garonne sendete ihn 1821 j„ die Kammer, wo er als konstitutionell gesinnter Royalist großes Rednertalent entfaltete. Im I. > 823 begleitete er als Eivilcommissair des Königs die franz. Armee nach Spanien. Er bewies in dieser Stellung Mäßigung und wurde nach der Rückkehr zum Staatssecretair, darauf zum Director der Domainen und 1824 zum Vicomte 366 Martin der Heilige Martin (Päpste) erhoben. Nach derAuflösung des Ministeriums Villclc stellte ihn derHofam9.Febr. 1822 als einen nicht unpopulairen Charakter an die Spitze der neuen Verwaltung, indem erdai Ministerium des Innern erhielt. Seinem Plane gemäß sollten beide Parteien den Fanatismus aufgebcn und sich zur Stütze des Thrones und Aufrechthaltung der Charte rer- einigen. In diesem Sinne suchte er in der Kammer die Anklage gegen das gefallene Ministerium zu beseitigen, sowie den Vorschlag zu einer Petition an den König um Herstellung der Nationalgarde. Dagegen hob er das schwarze Cabinct auf, welches die Deieferöffnun- gen und andere geheime Spionerien leitete, ersetzte die jesuitischen Policeidirectoren, Frau- chet und Delavean, durch Dcbelleyme und brachte überhaupt eine Menge gemäßigt und konstitutionell gesinnter Männer in die Verwaltung. Indessen unterlag bei der schroffen Stellung der Parteien und dem Kampfe um Principien die Vermittelungs- und Friedenspolitik M.'s sehr bald von beiden Seiten den heftigsten Anfeindungen. Als er in bei Sitzung von 1829 einen Gesetzentwurf zur Organisation des Eemeindewesens und einen andern zur Errichtung von Deparlementalräthen vor die Kammer brachte, verlangte!»! Linke größere Begünstigung des demokratischen Princips, die Rechte noch mehr Einschränkung des Wahlrechtes auf die Höchstbesteuerten. Der König löste zwar am 31. Juli 1822 die Kammer auf; aber M. sah sich auch zugleich vom Hofe gänzlich verlassen und legte schon am 8. Aug. seine Verwaltung nieder. Unter den» Ministerium Polign.nc gesellte er sich nun in der Sitzung von >830 der Opposition zu und stimmte für die Adresse der 221 Dessenungeachtet betheuerte er nach der Jnlirevolution vor der Kammer die Redlichkli! der Gesinnung Karl's X. und übernahm im Proccsse der gestürzten Minister unentgeltlÄ die Verthcibigung des Fürsten Polignac. Zu Anfänge des 1.1831 zog er sich in Folgt einer langwierigen Krankheit aus der Kammer zurück und starb am 3. März 1832. Noch seinem Tode erschien von ihm „Lsssi Kistori^uL zur 1s rövolutiou «LKsps^ltS et SM I'w- lerventioir «1s 1823" (3 Bde., Par 1832). Martin, der Heilige,^ geb. zu Saburia in Pannonia (jetzt Stain in Nicderungarn) ums 1.316 von heidnischen Altern, besuchte die Katechetenschule zu Pavia, mußte aber nach dem Willen seines Vaters, welcher Kriegstribun war, in seinem 18. Jahre unter Konstantins und JulianuS Kriegsdienste thun. Später ging er nach Gallien, wo er sich taufen lies und als ein Muster aller Tugenden erschien. Unter Andern: thcilte er sein Kleid mit einem Armen, der ihm an den Thoren von AmienS begegnete, und der Legende zufolge erschien ihm in der folgenden Nacht Christus, mit der Hälfte dieses Kleides bedeckt. Nachdem:: nun mehre Jahre als Mönch verlebt hatte, reiste er nach Pannonien, bekehrte seine Mutter und widersehte sich mit Eifer den Arianern, die in Jllyricn herrschten. Deshalb gegeißelt und des Landes verwiesen, wendete er sich nach Mailand, und, als er auch hier von Seite" des Bischofs Auxentius neuen Verfolgungen unterlag, ging er nach der Insel Gallium» im ligurischen Meere. Nachher ließ er sich bei Portiers nieder, wo er eine Menge Religio- sen versammelte. Gegen seinen Willen wurde ihm 375 das Bisthum von Tours übertragen. Um sich der Welt zu entziehen, erbaute er zwischen der Loire und einem steilen Felsen das Kloster von Marmoutiers, wo er im I. 400 sein Leben beschloß. Höchst achtbar erscheint M. dadurch, daß er sich der Hinrichtung des Pr iscillian (s.d.) beredt wider>etzte> Die Sage, daß einst der Kaiser Maximinus bei einem Eastmahle ihm den Becher zuerst habe reichen lassen, um ihn aus seiner Hand zu empfangen, hat ihn zum Schutzpatron der Trinker gemacht. Die M. beigelegte „Uroiessio l!4>7, nach Gre« gsr's XII. Entsagung und Bencdict'sXM. Absetzung, während der Kirchenversammlung zu Konstanz zum Papste erwählt. Keiner seiner Vorgänger oder Nachfolger ist je so feier- lich geweiht worden. Er ritt auf einem weißen Rosse, das der Kaiser und der Kurfürst von der Pfalz, Beide zu Fuß, beim Zügel führten. Eine Menge von Fürsten und eine ganze Kirchenversammlung bildeten den Zug. Seine Klugheit wußte die reformatorischen Bestrebungen des Concils so zu beherrschen, daß nur unbedeutende Misbräuche aufgehoben wurden. Mit Deutschland, Frankreich und England schloß er Separatconcordute, die nicht in Ausübung kamen, und löste die Versammlung in der «5- Sitzung unter nichtigem Vorwände auf. Ms Benedict XIII. 1424 gestorben, wurde zwar ein neuer Gegenpapst in Clemens VIII. gewühlt, dach dieser entsagte >429 seinen Ansprüchen und erhielt als Entschädigung das Bisthum von Majorca. Eine Kirchenversammlung, welche M. im I. 1423 nach Pavia berief und von da nach Siena verlegte, wurde ebenfalls aufgelöst, ohne etwas festgesetzt zu haben. M. starb >43>. Martin (Christoph Reinh. Dietr.), einer der ausgezeichnetsten Rechtslehrer Deutschlands, zumal im Fache des Protestes, stammt aus einer franz. Rc'fugie'familie, welche stch nach Hessen gewendet hatte, und wurde >772 in dem damals noch Hess. Orte Bovenden, unweit GLttingen, geboren. Er studirte in Göttingen, wurde >790 Advocat und zugleich akademischer Docent, >798 Doctor der Rechte, >797 Assessor der Juristenfacultät, 1802 außerordentlicher und >805 ordcntlicherProfessorderRechtedaselbst,folgte aber noch in demselben Jahre dem Rufe nach Heidelberg, wo er die Direktion der juristischen Facultät als Spruchcollegium übernahm. Als er hier wegen einer auf Beschleunigung der Einführung der versprochenen landständischen Verfassung gerichteten Petition im I. >815 in eine Untersuchung verwickelt wurde, fand er sich, obschon dieselbe mit einer vollständigen gerichtlichen Freisprechung endigte, doch bewogen, seine Entlassung zu nehmen. Unmittelbar darauf wurde er Oberappellationsgerichtsrath in Jena und zugleich ordentlicher Honorawrofessor der Rechte; auch übernahm er noch gewisse Arbeiten für die Gesetzgebung des Eroßherzog- thums Sachsrn-Weimar-Eisenach und erhielt später den Charakter eines Geh. Justizraths. Im I. >840 legte er indeß seine Ämter nieder nnd lebt seitdem als Privatmann zu Mügeln im Königreiche Sachsen. Unter seinen Schriften erwähnen wir das „Lehrbuch des deutschen gemeinen bürgerlichen Protestes" (Gött. > 809; >2. Aust., Heidelb. >838), durch welches er bedeutend auf die Fortbildung des Protestes eingewirkt hat; „Rechtsgntachten und Entscheidungen des Heidelberger Spruchcollegiums" (Heidelb. >808); „Anleitung zu dem Ncseriren in Rechtssachcu"(2.Aufl., Heidelb. >829) und „Lehrbuch des deutschen gemeinen Criminalrechts" (2 Bde., Heidelb. >820—25; 2. Ausl., 1329). Auch führte er 1816— >8 die Redaction des „Neuen rhein. MerkurS". Martin(Nob. Montgomery-), s. Montgomery-M artin (Rob.). Martin (Vinccnza), einer der beliebtesten Componisten in der altern ital. Manier, gib. in Valencia >754, machte sich zuerst bekannt durch seinen in Wien um 1785 geschriebenen und von Kennern geschätzten „Luri-oro". Den meisten Rnf aber erwarb er sich 1787 durch seine „(lora rara", welche zum ersten Male bei Gelegenheit der Vermählung des Prinzen, nachmaligen Königs von Sachsen, Anton, aufgeführt wurde. Unter seinen übrigen Compositionen erwähnen wir die Opern „Vcbore 800); ferner „Voclici csnoni per il cemlmlo"; „Voäici srietts italirme eon sccowp. äi cemlmlo" und die Cantate „II sozno". M. ging 1788 nach Petersburg, wo er Kapellmeister bei der russ. Oper wurde und > 8 > 6 starb. Martine«« (Miß Harriet), engl. Schriftstellerin, geb. am 1 2. Juni 1 802 zu Nor- wich in der Grafschaft Norfolk, unter acht Kindern eines Fabrikbesitzers eines der jüngsten, erhielt, wie alle ihre Geschwister, eine gute Erziehung. Ihre schwache Gesundheit, die Taubheit, an der sic seit früher Jugend litt, und ein inniges Verhältnis zu ihrem Bruder (JamesM.inLiverpool) trugen viel dazu bei, in ihr dieLiebe für dieWissenschaft hervorzu- rusen und ihrem Geiste eine Bcrstandesrichtung zu geben. Seit ihrem 1S. Jahre trat sie als Schriftstellerin auf, zuerst aus freier Neigung, bald durch Familienunglück gezwungen, 368 Martine; de la Rosa die Schriftsteller« zum Erwerbe zu benutzen. Doch schlug sie 1840 die ihr von der Re- gierung angetragcne Pension aus. Ihre zahlreichen Schriften haben fast alle die Ver- - besserung der gesellschaftlichen Zustände im Auge, daher sie keine Mühe gescheut hat, sich mit den für Frauen sonst abstoßenden Wissenschaften der Staatswirthschast und Statistik auf- innigste vertraut zu machen. Ihre wichtigsten Werke in dieser Hinsicht sind die „Illustrstiom ok Political economzs" (0 Bde., 1832—34), in der Form von Erzählungen, welche di! Staatswirthschaftslehre zur allgemeinen Kenntniß bringen sollen; „kam laws and (1834), eine scharfe Kritik der engl. Armengesetze; „Society in America" (3 Bde., 1837) , und „Retrvspect nf gestern 1ravcl"(3Bde., 1838), beides Schilderungen Nordamerika-, das sie 1836 bereist hatte. Außerdem schrieb sie die Romane „Deerbrook" (1839) und „Hie iiour and tlis man" (1840); die Kinderschristen peasant ancl tde prince", „Ib« settlers at käme" u. s. w., mehre Schriften über Erziehung, j. B. „kive xear«ok (1823) und über Religion, z.B. „'I'raclitian« nk kslestine.", und eine Masse Auf- sähe für kritische Jahrbücher. Ihre Schriften zeichnen sich sämmtlich durch Gründliche und Klarheit und durch eine frische, belebte, oft dichterische Schreibart aus; denn daß dich verstandesreiche Frau auch den dichterischen Schilderungen in hohem Maße gewachsen ist, hat sie durch ihr letztes Werk „k'eats on tbe kieml" (i 844) bewiesen. Martine; de la Rosa (Don Francisco), ehemaliger span. Minister der aus- wärtigen Angelegenheiten, geb. zu Granada in Andalusien, entwickelte in der reichen, historisch-romantischen Umgebung seinerVaterstadt frühzeitig sein schönes poetisches Talent. Nach Beendigung seiner Studien hielt er in Salamanca Vorlesungen über schöne Wissenschaften und Philosophie. Bei der ersten stanz. Invasion, im I.! 808, wirkte er als Journalist nicht ohne Erfolg für die Grundsätze der Nationalunabhängigkeit. Später übertrugen ihm die in Eadix constituirten Cortes einige diplomatische Sendungen, unter Andern auch eine nach London, und 1813 wurde er von Granada in die erste Versammlung der ordentlichen Cortes gewählt. Nach Ferdinand's VH. Rückkehr theilte er das Schicksal der Liberalen und wurde nach längerer Gefangenschaft exilirt. In dieser Zeit schrieb er das Trauerspiel „Alor»)ma". Nachdem Ferdinand VII. 1820 die Constitution von 1812 anerkannt, ! kehrte er zurück und wurde wieder der Vertreter Granada's in den Cortes, die ibn zum Prä- ! sidenten wählten. Über die Trefflichkeit seines unbefleckten Charakters war nur Eine Stimme. ! Daher ernannte ihn der König Ferdinand im Febr. 1822 zum Minister des Auswärtigen ! und übertrug ihm die Wahl seiner Collegen. Wie M. früher als Redner und Publicist durch Mäßigung die Extreme Fu besiegen gesucht hatte, so auch als Minister, und es wurde ! deshalb sein Ministerium das der Gemäßigten (de loL Anilleros) genannt. Nach der blutigen Unterdrückung des Aufstandes der königlichen Garden, am 7. Juli >822, als« einsah, daß er mit seinem Systeme der Mäßigung nicht durchkomme, trat er zurück, worin die extreme Partei eine Schwäche erkannte. Bei der Invasion der Franzosen im 1.1823 ging er nach Italien, und von der Restauration geächtet, lebte er meist in Paris, wo er sich mit Literatur beschäftigte. Erst im I. 1830, als nach Aufhebung des Salischen Gesetze- der König und die Königin nach Stützen in der öffentlichen Meinung suchen mußten, um den karlistischen Umtrieben widersteben zu können, erhielt auch M. die Erlaubniß, nach Spanien zurückzukehren, wovon er indeß erst 1833 Gebrauch machte. Durch seinen Geist, seinen Ruf als Dichter und seine lebhafte Unterhaltung gewann er sehr bald das Vertrauen der > Regierung in hohem Grade. An Zea-Bermudez's Stelle wurde er im Jan. 183 4 Minister ^ der auswärtigen Angelegenheiten und Präsident im Cabinet. Er bewirkte sofort die ^ Zurückberufung von ArguelleS, Galiano, Jsturiz, Quiroga, Baldez, Mina u. A., führte durch das Estatuto real vom 10. Apr. 1834 das Zweikammersystem ein und brachte zur Aufrechthaltung der neuen Ordnung auf der pyrenäischen Halbinsel die Quadrupelallia»; ! zwischen Spanien, Portugal, Großbritannien und Frankreich zu Stande. Auch führte er , nach dem Abgänge des Generals Llauder interimistisch das Portefeuille des Kriegsministeriums bis zur Ankunft des Generals Valdez. Doch der Krieg in den nördlichen Provinzen und der Kampf der Procuradorcs mit den Anhängern der Constitution von 1812 bereiteten ihm so große Schwierigkeiten, daß er am I". Juni 1835 aus dem Ministerium schied, in welchem er Toreno zum Nachfolger erhielt. Bei aller Gerechtigkeit, du Martini Martinique 369 ulken »!, rä- »e. l-" äst rk der « rin ich jeS IM ich 'ei- )er irr die rte ur uh er ,s- >en nii ni- dik man seinem Charakter und seinen Talenten widerfahren ließ, machte man ihm mit Recht Mangel an Energie und Entschlossenheit zum Vorwurf. Hierauf trat er wieder bei den Cortes ein, wo er 1843 in der Commission wegen der Volljährigkeitserklärung der Königin Zsabella den Vorsitz führte, und wurde bald nachher Gesandter am franz. Hofe. Als Redner ist er mehr durch einen blühenden und leichten Vortrag, sowie durch eine glückliche Improvisation ausgezeichnet, als durch Energie des Ausdrucks und Tiefe der Gedanken. Als Dichter hat er vorzüglich die klassische Schule der Franzosen zum Vorbild genommen. Er ist beständiger Secretair der königlichen Akademie, welche Stelle er auch, als er Minister war, beibehalten hatte. Seine „Odrss litersriss" erschienen in Paris (4 Bde., 1832) und eine deutsche Übersetzung seiner „Auserlesenen Schriften" besorgte Schäfer (2 Bde., Heidelb. 1835—36). Martini (Giambatrista), bekannt unter dem Namen ?sckre SIsrtiln, ein geschickter Componist und gelehrter Musiker, geb. zu Bologna >766, durchreiste sehr jung mehre Länder Europas und selbst einen Theil Asiens, und widmete sich nach seiner Rückkehr als Franciscaner mit Eifer dem Studium der Musik. Schon 1725 zum Kapellaristen des Franciscancrklosters zu Bologna ernannt, welches Amt er bis an seinen Tod verwaltete, eröffnet« er eine musikalische Schule, damals die gelehrteste in Italien, aus welcher eine beträchtliche Anzahl großer Künstler hervorging. Als Componist hat M. nur untergeordnete Bedeutung; doch sind immer noch seine Kirchenmusiken, seine Duette und Kanons für das Clavier oder die Orgel wegen ihrer Reinheit und Gründlichkeit geschätzt. Den meisten Ruhm erwarb er sich durch seine Schriften über die Musik, vornehmlich durch seinen ,,8sggi« ionckslnenlsle prstico >Ii contrsppnnlv svprs il csnto kermv" (2 Bde., Bologna 1774, Fol.), und seine „8tnris eleils musics" (3 Bde., Bologna 1775—81). Durch anhaltendes Studiren verfiel er später in eine Schlafsucht, in welcher er oft 30 Stunden zubrachte, und starb 1784. Martinifest, zu Ehren des heil. Martin (s.d.), wird in der katholischen Kirche am I I.Nov., als dem angeblichen Geburtstage desselben, gefeiert. Da eine Sage den heil. Martin zum Schutzpatron der Trinker gemacht hatte, so beging man sein Fest mit Schmausereien und Gelagen, woher die franz. Ausdrücke ülsrtiner und Isirels 8t.-iVlsrtin, d. i. schmausen, und msi 493 von den Spaniern entdeckt, aber nicht in Besitz genommen und blieb daher nach wie vor den Karaiben, bis > 635 etwa 156 franz. Colonisten von der Insel St.-Christoph herüberkamen, sich hier niederließen, die Ureinwohner besiegten und zur Übersiedelung nach St.-Domingo und St.-Vin« cent nöthigtcn. Colbert kaufte sie 1664 den Colonisten für 46606 Thlr. ab. Von den Engländern wurde sie 1761 , 1794 und 1869 genommen, beim Frieden aber jedesmal an Frankreich zurückgegeben. Sie ist dnrchgehends gebirgig, im Innern größtentheils noch mit Urwäldern bedeckt und nur längs der Meeresküste auf einer durchschnittlichen Breite v°» etwa einer Stunde in das Land hinein, angebarit. Sie wird von einer vulkanischen Bergkette durchzogen und die höchsten Gipfel derselben sind im südlichen Theile der Piton du Vanclain, in der Mitte der Pele'e «nd an der Nordwestspihe der 7600 F. hohe Carbet mit einem furchtbaren Krater. Sie hat zahlreiche Vorgebirge, die sichere Baien und Häfen bilden, eine zahllose Menge Flüsse und Gießbäche, und bei ihrem vulkanischen Charakter viele heiße Mineralquellen. Das Klima ist trotz der Hitze und dem Witterungswechsel der Tropengegend sehr gesund. und die Ergiebigkeit des Bodens höchst bedeutend. Man gewinnt alle Arten von Colonialproducten, wie Baumwolle und Taback, in besonderer Güte aber Kaffee, Zucker und Cacao. Die Ausfuhr betrug seit 1831 jährlich über 3 Mill. Thlr. ImZ. 1718 wurden aus dem botanischen Garten zu Paris zwei junge Kaffecbäume nach M. gesendet, die sich so außerordentlich vermehrten, daß man 1778 über 8 Mill. Kaffee» . Sonv. Lex. Neunte Aufl. IX. 24 370 Martins Martyni-Laguna bäume zählte, welche jährlich gegen >00000 Ctr. Bohnen lieferten. Heftige Stürme rich. tcn freilich bisweilen große Verwüstungen an, und erst 1845 war die Insel der Schauplatz einer furchtbaren Verheerung, bei der auch viele Menschen umkamen. Sic ist in zwei Hauptkhcile, Bassc-Terre und Cabes-Terre, eingethcilt. Die Hauptstadt St.-Pime, an der Westküste, hat 30000 E-, ein Fort und einen Hafen und ist besonders als Stapel- platz für den Schleichhandel, der in Westindicn mit franz.Erzeugnissen getrieben wird, sehr wichtig. Andere wichtige Festungen und Häfen sind Fort Noyal, die Residenz desfrauz. Gouverneurs, ebenfalls an der Westküste, und La Trinitc, an der Ostküstc gelegen, Martins (Karl Friedr. Phil, von), Hofrath, Professor und Dircctor des botani- schcn Gartens au der Universität zu München, gcb. l 794 zu Erlangen, wo sein VatcrHof- > apothekcr war, erhielt eine sorgfältige Erziehung und bald diejenige Richtung, welche für ihn Lcbcnselemcnt werden sollte. Er besuchte das Gymnasium, dann die Universität zu Erlangen, wo er Mcdicin studirte. Nachdem er sich die medicinische Doctorwürde erworben, nahm er Thcil an der 1817 — 20 von der östr. und bair. Negierung vcranstaltekm Reise nach Brasilien und erwarb sich durch den Umfang und die Tiefe seiner Forschungen über jenes große und wichtige Land einen Namen, wie ihn unter den deutschen Reisenden, außer Alex, von Humboldt, noch keiner erlangt hat. Obgleich er nur mit den botanischen Arbeiten der Expedition beauftragt war, zog er doch auch Ethnographie, Statistik, Geographie und allgemeine Naturbeobachtung in seinenBereich. Die Resultate derselben gab er in seiner „Reise nach Brasilien" (3 Bde., Münch. 1824—31), die ebenso reich an neuen Thal- , fachen, als anziehend ist durch vortreffliche Schreibart und die mit Wahrheit und unvei- kennbarer Liebe wicdcrgcgebcnen Bilder einer mit dichterischem Geiste aufgefaßten Natur. Der zeitig verstorbene Spix (s. d.) hat zu diesem vortrefflichen Werke nur wenig Material geliefert und an der Abfassung selbst keinen Theil genommen. In rascher Folge ließ M. später die rein botanischen Früchte seiner Reise erscheinen und es sind diese Werke meist sehr reich ausgcstattet und ohne Unterschied von hohem, wissenschaftlichem Werthe. Wer- anlaßt durch ein sehr reiches, aus Brasilien mitgebrachtes Material, beschäftigte er sich eine geraume Zeit ausschließcnd mit den Palmen, jenen königlichen Formen des Pflanzenreichs, und wurde dabei von allen Seiten her so eifrig unterstützt, daß er eine vollständige Men«' 1 graphic der ganzen Familie („Oenera et specie» palmarum", Münch. 1824—38, Fel.) zu geben vermochte, die den größten Prachtwerken sich zur Seite stellen darf, und so gelungen ist, daß Endlicher wol schreiben durfte, es werde der Name von M. immerdar mit den Palmen in Verbindung genannt werden müssen. Abgchcnd von der herkömmlichen Trockenheit der Darstellung hat M. in den meisten seiner botanischen Werke Naturschilderungen cingcwcbt, die nicht allein durch ihre Form anziehen, sondern auch für die noch neue Ws' scnschaft der Pflanzengcographie von Wichtigkeit sind; landschaftliche Ansichten mit der charakteristischen Vegetation der beschriebenen Gegenden, durch geschickte Künstler entwerfen und berechnet, auch dem Laien einen Eindruck der großartigen Natur der Tropenlander zu verschaffen, begleiten sowol das Werk über die Palmen, als die mit Unterstützung dcr bair. und östr. Negierung großartig angelegte „b'Ior» braoiliensis ", von welcher seil erst sechs Bände erschienen sind. Als Lehrer zeichnet sich M. durch große Klarheit deSVer- ! tragS aus, und als Mitglied der bair. Akademie wirkt er auch in weiteren Kreisen. Seim . Verdienste sind durch vielfache Auszeichnungen anerkannt worden. ! Martyni-Lagüna (JoanneSAloysiuS), nach seinerVerheiralhung mit einer Polin, ^ NamensLaguna, sogenannt, da er eigentlich Karl Friedr. Martini hieß, ein Mann § von Hellem Verstände und auSgebrciteten Kenntnissen, namentlich ein Meister der echtröm. Sprache und Darstellungskunst, geb. am 20. Jan. >755 zu Zwickau, erhielt seit >772 zu Leipzig, wo er sich besonders an Ernesti, Morus und Fischer anschloß, seine wissenschaftlich/ Bildung. Hierauf wurde er Lehrer bei dem Grafen von Hoffmannsegg in Dresden, und seit 1780 bei dem Grafen Unruh in Warschau, durch den er mit dem sächs. Minister von Hohe»' ! thal in nähere Verbindung kam. Später kehrte er in sein Vaterland zurück, lehnte aber, j jeglichen Zwang scheuend, mehre Berufungen zu den ehrenvollsten Ämtern ab und lebte allein, im steten Verkehr mit den ausgezeichnetsten Männern, den wissenschaftliche» ve» schäftigungen abwechselnd in Dresden und in Zwickau, wo er am 19. Apr. 1824 starb. Märtyrer Marx ö7 l Ein hartes Geschick traf ihn, als er im 1.1807 durch den Brand seines Landguts bei Zwickau seine ausgcwähltc Bibliothek, eine Anzahl von 7-1 der seltensten alten Handschriften, die er aufseinen Reisen und in Polen sich erworben hatte, und sämmtliche handschriftliche Collectaneen verlor. In Folge des Verlustes seiner werthvollen Sammlung ist auch die Zahl seiner Schriften unbedeutend. Doch erwähnen wir, außer seinen Beiträgen zu den „Kritischen Blättern", das satirische Libell „öinc illso Inorimae"; ferner „ Leben und Ende einer guten Tochter" (Drcsd. 1818); das elastische Gedicht „Lieg! all coinitein cls Ma V'i,»«-" (Lpz. 1823), besonders aber die von ihm begonnene Ausgabe der „Briese" Cicero's (Bd. >,Lpz. 1604), die er nach jenem Brandunglücke nicht weiter fortzusetzen vermochte. Den von ihm hinterlaffenen kritischen und exegetischen Apparat zu Lucan machte später Weber in seiner Ausgabe dieses Dichters (2 Bde., Lpz. 1828) bekannt. Märtyrer, vom gricch. mart) r, d. i. Zeuge, nannte man im cngern Sinne Diejenigen, welche in den frühesten Zeiten des Christenthums und während der sogenannten großen Verfolgungen lieber den Tod erduldeten, als daß sie ihren Glauben verleugnet hätten. Die christliche Kirche zählt viele heroische Vorbilder dieser Art, obschon es unleugbar ist, daß sich auch manche Fanatiker zum Märtyrerthum gedrängt haben. — Die Schilderung des Lebens, der Verfolgungen und Martern der christlichen Märtyrer findet man in den oft unglaubwürdigen Martyrologien. Der Bischof Clemens I. von Nom soll das erste Martyrologium entworfen haben und das römische blieb unter den vielen Märtyrergcschich- ten immer das berühmteste. (S. Legende und sanctormn.) — Märtyrer- feste scheinen schon im2. Jahrh. n.Chr. üblich gewesen zu sein. Man wallfahrtet? an den Todestagen der Märtyrer zu den Gräbern derselben und dankte Gott für das Beispiel, welches er durch sie gegeben. Auch wurden die Thatcn und Leiden derselben verkündet und Lobreden auf sie gehalten und die Feier mit dem Genüsse des Abendmahls und mit Armcn- spenden beschlossen. Die Todestage der Märtyrer nannte man sinnig ihre Geburtstage, weil sie durch den Tod für das ewige Leben gleichsam geboren waren. Nach und nach wurden auf diese Weise die Märtyrer selbst ein Gegenstand der Verehrung. (S. Heiligen- dienst.) — Martyria nannte man die den Märtyrern geheiligten Kirchen und Kapellen, die sehr oft blos verschlossene Abtheilungen der großem Kirchen ausmachten und in denen meist die Gebeine des Märtyrers, dem sie geweiht waren, aufbewahrt wurden. Marx (Adolf Bernh.), Professor der Musik und Musikdirektor an der Universität zu Berlin, geb. zu Halle am 27. Nov. I7S0, sollte nach dem Wunsche seines Vaters, eines Arztes, eine derFacultätswissenschaften studiren und wurde deshalb vorzugsweise in dieser Richtung hin unterrichtet und gebildet. Sehr frühzeitig lernte er indeß auch Clavier spielen und singen. Auf der Universität zu Halle studirte er die Rechte; doch blieb er fortwährend ein eifriger Jünger der Tonkunst. Nach beendigten akademischen Studien arbeitete er beim Stadtgericht zu Halle und wurde dann Referendar beim Oberlandcsgericht in Naumburg. Hier componirte er seine beiden ersten Opern, zu denen er den Text selbst lieferte. Auch fing er an, Gluck's Werke zu studiren, deren Verständniß erst jetzt sich ihm eröffncte. Das dringend gefühlte Bedürfniß, in einer großen Stadt zu leben, um dort seine Kunstbildung zu erweitern und selbstthätig aufzutrcten, veranlaßte ihn endlich, nach Berlin zu gehen, wo er zunächst eine Zeit lang Zelter's Unterricht genoß, dann aber vorzüglich Gluck's, Cheru- bini's, Spontini's und Seb. Bach's Werke studirte. Unterricht auf dem Clavier, im Gesänge und in der Composition, später die Nedaction der „Berliner allgemeinen musikali- schcn Zeitung" und mehre theoretische und praktische Musikwerke gewährten ihm die nö- thigen Subsistenzmittel, bis er >830 bei der Universität angestellt wurde. Schon zuvor hatte ihn l 827 die Universität zu Marburg zum Doctor der Musik ernannt. Seine Vorträge verbreiteten sich über alle Theile der Compositionslehre, über Geschichte der Musik und Philosophie derselben. Auch als Musikdirektor hat er um den akademischen Chor sich wesentliche Verdienste erworben. Unter seinen Schriften haben wir zu erwähnen „Die Kunst des Gesanges^/ (Berl. 1826); die Broschüren „Über Malerei in der Tonkunst" (Berl. 1828) und „Über die Geltung Händel'scher Sologesänge für unsere Zeit" (Berl. 1828); ferner seine Hauptwerke „Die Lehre von der musikalischen Composition" (3 Bde., 24* 372 Maryland Masaceio Lpz. 1837—45) und „AllgemeineMusiklehre" (Lpz. I83S). Herausgegeben wurden von ihm Seb. Bach's „Große Passion", „Hohe Messe" und andere Kirchenmusiken. Bon seinen eigenen Compositioncn sind zu nennen die Musik zu „Jery undBätely" (1825) und zum Melodrama „Die Rache wartet" (1827); ferner daß „Evangelische Choral - und Or- gelspiel" (Berl. 1832); das Oratorium „Johannes der Täufer"; mehre Hymnen für Männerstimmen und weltliche Chorgesänge, und neuerdings das Oratorium „Moses", und ein anderes Eesangwerk „Nahid und Omar". Maryland, einer der Vereinigten Staaten von Nordamerika, umfaßt das Uferland der innern Chesapeakbai und zieht sich zwischen Pennsylvanien, Delaware und Virginien mit einem schmalen Landstriche längs dem Potomak bis zum Westabhange des Alleghany- gebiets. Das Land ist im Innern sehr fruchtbar, und Eisen, Alaun, Steinkohlen, Taback und alle Arten Getreide und Obst sind die Haupterzeugnisse des Bodens. M. hat unge- fähr 500 IHM. Flächeninhalt mit 470000 E., darunter 53000 freie Farbige und gegen 89000 Sklaven; Zucker, Leder, Woll» und Baumwollenwaaren, Hüte und Quincaillerie- arbeiten sind die Hauptgegenstände des Eewerbsleißes. Die gesetzgebende Gewalt haben der Senat und das Haus der Abgeordneten, die vollziehende ein Gouverneur. Zum Con- gresse sendet M. zwei Senatoren und acht Repräsentanten. Die Hauptstadt, als Sitz der Regierung, ist Annapolis mit 280» E.; die bedeutendste Stadt aber als Handelsplatz mid Hafen ist Baltimore (s. d.). Außerdem verdienen der Erwähnung Harford wegen der dasigen Ockerbrüche, Cumberland wegen seiner Eisen-, Blei- und Kupfergruben und dal fast ganz von Deutschen bewohnte Frederiktown. Märzfeld (csmzms Aiortius) hieß unter den merovingischen Königen der Franken die allgemeine Volksversammlung, die regelmäßig im März gehalten wurde. Pipin der Kleine verlegte sie 755 auf den Mai, weshalb sie nun Maifeld (cuwpns majus oder msAicsmpus) genannt wurde, und so blieb es unter Karl dem Großen und so langeder Gebrauch unter den Karolingern sich erhielt. In dieser Versammlung, wie sie auch bei andern deutschen Stämmen im Frühjahr üblich war, erschienen nach altgerman. Sitte alle freie Männer, um über Dinge, die vor die Volksgemeinde gehörten, wie Krieg und Frieden u.s.w., zu bcrathcn und zu beschließen, und zu Abhaltung derHeerschau. Diese letztere und die Versammlung zum Kriegszug wurden bei den Franken die Hauptsache, da die Könige bei dem steigenden Ansehen der königlichen Lehnsleute, namentlich Derer, die Hof- und Staatsämter bekleideten, sowie der Bischöfe und Äbte, nicht mehr das gesammteBolk, sondern nur jene zur Berathung der Staatsangelegenheiten alljährlich auf dem großen Reichstag (placitum) vereinten, der ebenfalls im Frühjahr und in Verbindung mit dem März- oder Maifeld gehalten wurde, und neben welchem noch eine zweite Versammlung im Herbst stattfand, zu der der König blos die angesehensten Großen und seine Räche berief Marzipan, entstanden aus ZIsrci j>sni-, d. h. Markusbrot, ist eine Art seines Con- fect, das aus einem Teige von süßen und einigen wenigen bittern Mandeln und Zucker bereitet, im Ofen bei gelindem Feuer gebacken, dann mit Zuckergelee übergossen und mit buntem Streuzucker bestreut wird. Vorzüglichen Marzipan liefert Königsberg in Preußen. Masaccio, eigentlich Tommaso Guidi, ein florentin. Maler, wurde >402 wahrscheinlich zu San-Giovanni im Valdarno geboren. Ein ihm angeborener tiefer Ernst ließ ihn im Leben oft nachlässig und zerstreut erscheinen, daher die verächtliche Endfylbe seine- Namens, welche so viel als der unbehülfliche Thomas bezeichnet. Hauptgegenstand seiner Studien waren die Werke des Brunelleschi und Dvnatello. Sein Leben brachte er meist in Rom und in Florenz zu, wo er auch 1443 starb. Es sind nur wenige Staffeleibilder, sämmtlich in Tempera gemalt, von ihm vorhanden; um so bedeutender, ja epochemachend sind seine Fresken, besonders diejenigen der Kapelle Brancacci in der Karmelitcrkirche zu Florenz, dieGeschichte des heil.Petrus darstellend. Hicrzum erstcnMal läßtsich eine völlige Emancipation von der typischen Strenge des früher» Mittelalters, eine Darstellung der Menschengestalt um ihrer eigenen Schönheit willen, erkennen. M. hat zuerst vollständige Kenntniß des Nackten entwickelt und die Gegenstände nicht mehr halb andeutungsweise, sondern in ihrer ganzen Wirklichkeit dcmDeschauer vor Augen geführt. Einzelne Gestalten sind bereits so frei componirt, so edel aufgefaßt, daß sie für alle spätem Florentiner, ja für Masaniello 373 Rafael und Michel Angela Vorbild blieben und von Ersterm nachgeahmt wurden. Wie in der Modellirung des Nackten, so cröffnete M. auch für die Drapirung einen neuen Stil, indem er dieselbe mehr den Körperformen folgen ließ. Um dem Beschauer vollends sein Werk möglichst nahe zu rücken, umgab er die handelnden Hauptfiguren mit schönen, lebendigen Gruppen von Zuschauern. Die Fresken zu San-Elemente in Rom sind entweder nicht von ihm oder bis zur Unkenntlichkeit übermalt. Masaniello, eigentlich Tommaso Aniello oderAgnello, der Hauptanführer beim Aufstande in Neapel im J. >647, war zu Amalfi geboren und lebte in Neapel als Fischer. Obgleich sehr arm, unwissend und beschränkten Geistes, war er doch stolz und un» ternehmend. Liebe zur Freiheit und lebhafte Äußerungen über den grenzenlosen Druck, den Neapel von Spanien erleide, hatten ihm einen Anhang unter demBolke verschafft, welches seine Kühnheit bewunderte. Auch durch seine Beredtsamkeit machte er Eindruck auf den großen Haufen, der zumal über die neue Auflage von einemCarlin für jedes Pfund Früchte und Gemüse erbittert war, die zu Anfänge de- I. >647 eingeführt wurde. Als nun am 7. Juli >647 M.'S Schwager einen Korb Früchte zur Stadt brachte, weigerte er sich, die Steuer zu bezahlen, und als die Einnehmer ihn bedrängten, rief er das Volk zu Hülfe. Sogleich trat M. an die Spitze des aufgeregten Haufens und stürmte das Stcueramt, von wo aus man zum Schlosse des VicekönigS, des Herzogs di Arcos, zog, um von ihm zu verlangen, daß er M. zum College» annehme. Arcos flüchtete sich in das Oustello »novo. Vergebens suchte der Cardinal und Erzbischof von Neapel, Filomarino, die Wüthenden zu beruhigen; der Aufruhr stieg nur noch höher und wendete sich nun auch gegen den Adel, der Banditen gegen M- gedungen hatte. Dieser, zum<7apo clel ;>»;>c>Ic> erhoben und von Rathgebern aus der Hefe des Volks umgeben, gestattete die Plünderung mehrer Paläste, ohne jedoch selbst sich etwas zuzueignen. Bald aber wurde ihm Alles verdächtig, sodaß er Viele seinem leisesten Argwohn opferte. Sechs Tage verflossen unter diesen Schrecknissen, bis man am > 3. Juli in der Kathedrale eine Capitulation abschloß, nach welcher die Fruchtzölle abge- schafft und die alten Freiheiten wiederhergestellt werden sollten. M. legte hierauf die Waffen nieder, ohne irgend eine Belohnung zu fodern. Allein seine plötzliche Erhebung, seine Furcht vor den Banditen, die schlaflosen Nächte und die heftige Anspannung, in der er sich so lange befunden, versetzten ihn in einen fieberhaften Zustand, den er durch vieles Wcin- trinken noch vermehrte. Auch behauptet man, daß derVicekönig, welcher ihn zu sich einlud, ihm Gift unter den Wein gemischt habe. Er rannte durch die Straßen, erschoß seine besten Freunde und beging die äußersten Ausschweifungen, sodaß seine Freunde ihn binden mußten. Am >6. Juli aber entzog er sich ihrer Aufsicht und rannte in die Karmeliterkirche, wo er wie ein Wahnsinniger handelte. Doch erklärte er dem Cardinal seinen Entschluß, alle Gewalt dem Vicekönig zu übergeben. Der Cardinal ließ ihn jetzt in das Karmelitcrkloster bringen; allein schon war das Volk durch seine Gegner wider ihn aufgebracht. Die Verschworenen drangen in das Kloster ein mit dem Geschrei: „Lange lebe der König von Spanien! Tod dem Masaniello!" — „Sucht ihr mich, meine Freunde?" rief M., „hier bin ich". Da streckten ihn vier Verschworene, ehemals seine Freunde, mit ihren Kugeln zu Boden. Der Leichnam wurde von dem Pöbel gemishandelt; am folgenden Morgen aber von M.'s Anhängern in königlicher Kleidung mit Krone und Scepter feierlich begraben. Nach vier Tagen, als das Volk die vorige Bedrückung wiederkehren sah, gedachte es des Märtyrers der Freiheit und seine Mörder wurden ein Opfer der Volkswuth. Endlich wählte man am 4. Aug. den Prinzen von Mafia zum Anführer, der einen Vergleich mit dem Vicekö- nige zu Stande brachte, welcher die Genehmigung des Königs von Spanien einzuholen versprach. Allein Don Juan d'Austria, Philipp's IV. natürlicher Sohn, der am I. Oct. mit 35 Kriegsschiffen in den Hafen einlief und von dem Volke durch Äbgeordnete bewill- kvmmt wurde, verabredete mit dem Vicekönig einen gemeinschaftlichen Angriff und beschoß die Stadt. Doch nach dreitägigem Kampfe behaupteten die Insurgenten die Oberhand, worauf der längst verdächtige Prinz von Mafia von Gennaro Annese ermordet und dieser zum Anführer ernannt wurde. Da stellte sich im Nov. >647 der ritterliche Herzog Heinrich von Guise (s. d.) an die Spitze des Volks; allein seine Anstrengungen waren nicht glücklich. Das Volk ließ sich durch den Vicekönig gewinnen, der Herzog wurde gefangey 274 Mascagni Maschine genommen, und Neapel unterwarf sich. Vgl. Mielle, „lAämoirs» äu comte äs Lloätzn« «>ir Is revoluticm äs 1637" (3. Aust., 2 Bde., Par. 1828) mit der von Pastoret etwas ausgeschmücktcn Erzählung „H äus äs Ouiss ü Nu;,Iss" (Par. l828). Mascagni (Paolo), ein ausgezeichneter Anatom, geb. 1752 zu Castelleto, einem Dorfe bei Siena, widmete sich auf der Universität zu Siena der Heilkunde, vorzugsweise der Anatomie und Chemie und wurde >77-1 Professor der Anatomie daselbst. Eine Preisaufgabe der Akademie der Wissenschaften zu Paris über die absorbirenden Gefäße lenkte seine Aufmerksamkeit auf diesen Gegenstand und durch seinen „Lroärome ä'u» ouvrag« kiir ie s^stsme äes vgissesiix lzmpiiati^ues" (Siena 1783) gewann er den Preis, wenn auch seine Schreibart mannichfachen Tadel fand. Hierauf sehte er seine Forschungen in diesem Gebiete fort und begann mit Fon tana (s.d.) dieSammlung anatomischcrWachs- präparate zu Florenz. Gleichzeitig erschien sein Prachtwerk „Vssnrum I^m;,Iwtic»rum cor;,arir duinuni liistoriu st icnnoFr!>>>k>iu" (Siena 1787, Fol., Und 1789, 8.). Im I. 1899 ging er an die Universität zu Pisa, folgte aber schon >801 wieder dem Nuke als Professor der Anatomie, Physiologie und Chemie am Krankenhause Santa > Maria zu Florenz, wo er nach einem erfolgreichen Wirken am >9. Oct. >815 starb. Nach seinem Tode erschienen noch von ihm „^nutomiu ;,er »zo äegli stnäiosi äi »culturu e jntturu" (Flor. 1816) und „.^nutnmia nnivorsu 33 tsbulis ueneis juxtu arcllet);>»m Iiowinis uäulti ucciirutisriilie rsprussentutu" (Pisa I 823 —3 I ). Maschine bildet, im technischen Sinne genommen, den Gegensatz zu dem Begriffe Instrument. Unter letzterm versteht man im Allgemeinen jedes Eeräth, dessen man sich zu Anfertigung irgend eines technischen Gegenstandes bedient. Das Instrument also bedingt nothwendig die führende Hand neben dem denkenden Geiste des Arbeiters; die Maschine dagegen ist eine mehr oder minder künstliche Zusammenstellung einzelner Theile, welche, sobald sie von irgend einer Seite her eine mechanische Kraft in Bewegung setzt, den technischen Gegenstand selbst fertigt und nur einer zeitweise« Beaufsichtigung bedarf. In der Maschine sind die Instrumente, deren sich der Arbeiter bei der Handarbeit bedient, oft sehr sinnreich modifieirt, angebracht, und die Maschine ersetzt also die Handarbeit in den meisten Fällen vollkommen, beschränkt sie aber mindestens in allen. Ein Beispiel möge genügen. Die Feile ist ein Instrument, dessen man sich z.B. auch bedient, um metallene Scheiben an der Seite mit Zähnen zu versehen. In der Näderschncidemaschine ist jene Feile als eine kreisrunde Scheibe modifieirt, welche auf ihrer hohen Kante den Feilenhicb hat (die Fraise), und durch eine mechanische Kraft in Umdrehung versetzt, jenes Einschneiden verrichtet. Mit der Feile muß der Arbeiter darauf achten, daß er dieselbe stets genau auf die Theilung ansetzc, genau in der Richtung des Halbmessers einschneidet und allen Einschnitten eine gleiche Tiefe gibt. Auf der Maschine eingestellt, schneidet die Fraise immer in der richtigen Lage, geht blind, sobald sie auf die gehörige Tiefe gelangt ist und die Scheibe dreht sich genau um einen Thcilstrich des Rades und bietet der Fraise den richtigen Angriffspunkt für den neuen Einschnitt dar. Die Beaufsichtigung, welche der Arbeiter hier zu führen hat, beschränkt sich, wie man sieht, aufsehr Weniges und ein einzelner Mensch würde, wenn es crfoderlich wäre, viele solche Maschinen beaufsichtigen können, während sonst zu jeder Feile ein geschickter Arbeiter nöthig wäre, dessen physische Kraft noch außerdem nicht einmal hinreichen würde, in derselben Zeit dieselbe Arbeit und in derselben Güte zu liefern. Die neuere Art der Anfertigung technischer Gegenstände hat gleichsam von selbst auf die Erfindung der Maschinen geführt. Früher und noch jetzt theilweise vollendete ein Arbeiter seinen Gegenstand allein, er mußte also jeden Zweig seines Faches vollkommen ausgelernt haben; spätere Unternehmer legten Anstalten an, in welchen die Arbeit so vertheilt wurde, daß ein Arbeiter dem andern in die Hände arbeitete, sodaß einer immer nur denselben Gegenstand fertigte, oft nur aus dem Groben, und ihn dann einem zweiten gab, der ihn ausarbcitete und so fort, bis alle einzelnen Theile in die Hand des sogenannten Fertigmachers kamen, der Alles zusammenstelltc, wo das Ganze dann wieder von andern Arbeitern die letzte Vollendung erhielt. Es liegt am Tage, .daß so jeder einzelne Theil besser ausgeführt werden konnte, da der Eine, der immer nur eben diesen Theil machte, es bei demselben leicht zu großer Vollkommenheit bringen konnte. So entstanden die Fabriken. Wenn nun Ms > Maschine 375 eben die Anftttigung dieser einzelnen Theilc sich meistens ans sehr einfache Handgriffe zurückführcn laßt und fast einerein mechanische, maschinenmäßige wird, so mußte man bald auf die Idee gerathcn, dicseTheile durch Maschinen ansertlgcn zu lassen, welche jedenfalls genauer und stäriger arbeite» konnten und mußten, da man sie stets mit derselben Genauigkeit und Kraft arbeiten lassen konnte. Auf diesen einfachen Grund lassen sich ohne Ausnahme alle Maschinen zurückführen, wenn man dabei nur bedenkt, daß die zusanimcn- geseptcrn Maschinen die Arbeit mchrcr Menschen in sich conccntrircn, welche sic in nacheinander folgenden Operationen ausführcn. Man denke sich dieMaschinc zurVerfcrtigung der Krempelbcschläge. Sie schneidet den Draht nach der gehörigen Lange und gibt ihm die gehörige Biegung; sie sticht die Löcher in das Krempelledcr; sie steckt die Drahthäkchcn in die vorgestochcnen Löcher. Dies sind eigentlich drei in eine zusamnrengczogcne Maschinen, welche die Arbeit von drei Menschen verrichten, eine Arbeit, welche viel Genauigkeit verlangt und durch Menschenhände doch nicht so gut als durch die Maschine gemacht werden kann. Auf solche Weise müssen durch die Maschinen nothwcndig viele Hände erspart werden, und wenn auch eine allgemeine bewegende Kraft, die noch obcnein sehr oft eine schon zur Benutzung vorhandene Elementarkraft sein konnte, mit einigem Kostcnaufwande hcrbci- geschafft werden mußte, so trat doch immer eine große Ersparniß an Arbeitslohn ein, während die Erzeugnisse selbst besser wurden. Nun erhoben sich natürlich viele Stimmen gegen die Maschinen, welche sich, wie eS schien mit allein Rechte, darauf bezogen, daß durch dieselben eine große Menge von Menschen brotlos würden und eine baldige Verarmung voraussagten, ja es dahin brachten, daß in einzelnen Staaten Prohibitivmaßregeln gegen die Einführung der Maschinen in den Fabriken ergriffen wurden. Wenn aber auch die Prämissen jener Voraussagungen richtig sein mochten, so waren nichtsdestoweniger die daraus gezogenen Schlußfolgen falsch. Die Feinde des Maschinenwesens übersahen die natürlichen Folgen jener Einführung. Allerdings werden für den Augenblick mehre Menschen brotlos, das ist nicht zu leugnen. Die Erzeugnisse der Technik werden abek durch Anwendung der Maschinen wohlfeiler und besser, die Artikel werden mehr gesucht, weil sie durch billigen Preis Jedermann zugängig werden, die Consumtion steigert sich und es entstehen immer neue Fabriken, welche jene brotlosen Arbeiter wieder beschäftigen. Die Erfahrung hat es gelehrt, daß an Orten, wo die Fabriken mit Maschinen besetzt wurden, sehr bald die früher vorhandenen Arbeiter nicht mehr zureichten, um jene Maschinen zu beaufsichtigen, während in den Staaten, wo man die Maschinen nicht cinführcn ließ, durch dic Concurrenz des Auslandes eine solche Verarmung des Arbcitcrstandes eintrat, daß man gern jene Prohibitivmaßregeln eingehcn ließ. Außerdem crfodert auch die Anfertigung der Maschinen, selbst wenn wieder Maschinen die Maschinen unfertigen, eine Menge von Händen, die imAllgcmeinen besser besoldet werden, als die der gewöhnlichen Fabrikarbeiter, und zuletzt bilden sich von Tage zu Tage neue Erwerbzwcige, welche die menschliche Thäligkeit in Anspruch nehmen. Als die'Eisenbahnen immer weiter um sich griffen, erhob man allgemein die Frage, „was soll aus den Frachlfuhrleuten und ihren Pferden werden?" Die Eisenbahnen und die Wasserstraßen mehren sich von Tage zu Tage und die Frachtfuhrleute bestehen immer noch in derselben Menge und nirgend hat man gehört, daß man hätte die Pferde erschlagen müssen oder verhungern lassen. Endlich aber müssen wir noch eines Hauptvortheils gedenken, welchen das Maschinenwesen nach sich zieht, und der, wenn nicht erwähnt, dennoch sich fühlbar macht, wenn man auf das intellektuelle Wesen der arbeitenden Classe einen prüfenden Blick wirft. DieMaschinc halben Arbeiter zum Menschen gemacht, denn früher war er die Maschine. Der Betrieb der Maschine an und für sich erfodcrt schon eine größere Intelligenz und mehr Gewandtheit von Seiten des Arbeiters und diese Intelligenz eben führt ihn selbst darauf hin, und die Maschine gibt ihm zugleich die Zeit dazu, zu denken und an seiner übrigen Fortbildung zu arbeiten. Daß dies wirklich der Fall ist, beweist die fast durchgängig höhere Bildungsstufe, auf welcher seit cinigenJahrzehendcn unsere arbeitende Classe steht und die sicherlich nicht allein in den technischen Lehranstalten u. s. w. ihren Grund haben kann. Wenden wir unsere Aufmerksamkeit auf die Ausbildung des Maschinenwesens in den verschiedenen Ländern, welche m technischer Hinsicht eine gewisse Bedeutsamkeit erreicht i i 376 Maschine -Ä haben, so werden wir sehen, wie auf jene Ausbildung einerseits die Individualität desVolkS charakters, andererseits aber die Localität als Grundbedingungen sich darstellen. Als das eigentliche Vaterland des Maschinenwesens dürfen wir in der That England betrachten. Seine isolirte Lage, die Umständlichkeit, mit welcher die Erzeugnisse des Auslandes noch vor Kurzem zu beschaffen waren, weist den Engländer auf seine eigenen Mittel zurück, sein Seedienst aber, seine verhältnißmäßig große Kriegsmacht, sein Landbau nehmen viele Hände der nicht übermäßigen Bevölkerung in Anspruch, die Classe der Eewerbtreibendcn kjs also ohnehin nicht allzu zahlreich. Nichtsdestoweniger muß aber England viel Geld aus dem Auslande hereinziehcn, und dies kann es nur, da es viele Products von außen bezieh!, Lurch die Menge und die Güte seiner Fabrikate erreichen. Um diese also hervorzubringen, bedurfte es der Maschinen, und es erfand sie.,, Begünstigt wurde es hierbei durch die große Menge eines guten Eisens und durch den Überfluß am besten Brennmateriale; daher fanden in England die Dampfmaschinen am schnellsten Eingang, da sie die an so vielen Orten fehlenden Elementarkräfte auf eine passende Weise ersetzten. Wie groß die Konsumtion des Eisens in England ist, davon gibt der Umstand den Beweis, daß das einzige Haus Synes in Hüll jährlich 4ttttv Tonnen Eisen aus der Grube Danemora in Schweden bezieht, welche in England in Stahl verwandelt und verarbeitet werden. Aus den angegebenen Gründen hat sich das Maschinenwesen in England von allen Ländern Europas am meisten entfaltet. Der Engländer, niit pedantischer Strenge auf die Vollendung irgend eines Gegenstandes hinarbeitend, denkt stets auf Verbesserung, ergreift gierig jede ihm dargebotene und scheut keine Kosten, welche Versuche, oft sehr ins Große getrieben, ihm verursachen könnten. Dabei begünstigt ihn großer Scharfsinn und eine durch die nicht vom Staat besoldeten Civilingenieurs bis in die untern Arbeiterklassen hin verpflanzte technische Ausbildung. Erst in der neuesten Zeit geht man damit um, nach dem Muster der deutschen und französischen auch in England technische Lehranstalten und Gewerbeschulen zu gründen. Der Engländer ist rein praktisch, er erfindet erst eine Maschine, dann sucht er ihre Theorie auf und benutzt diese zur Verbesserung. Einen andern Weg schlägt man in Frankreich ein. Die technischen Bildungsanstalten Frankreichs haben in diesem Jahrhunderte eine sehr hohe Stellung eingenommen; dem dort gezogenen Arbeiter sind die Theorien nicht fremd und ihnen folgend ist dort manche wichtige Erfindung gemacht worden, welche in das Maschinenwesen greift. Man denke nur an Prouy's Bremsdynamometer und die Turbinen und manches Andere dgl. Darum nimmt auch der Franzose, obschon er häufig Englands Erfindungen sich ancignet, dieselben nie auf guten Glauben an, sondern er legt erst an alle den Maßstab der Theorie und der strengen Prüfung, weshalb auch dort eigentliche Misgriffe im Großen zu den Seltenheiten gehören. Der Franzose faßt, schon vermöge seines lebhaften Temperaments, das Neue leicht auf und weiß es, durch natürlichen Jnstinct getrieben, für sich auf die eine oder die andere Weise nutzbar zu verwenden. Aus diesem Grunde steht das Maschinenwesen in Frankreich, auch von Seiten der Negierung gefördert, sehr hoch. Für Deutschland hat eine sehr fühlbare Praxis dieLehre gegeben, daß auch hier dem allgemeinen Fortschritte gehuldigt werden müsse, und wenn man auch nicht überall mit dem ganzen Erfolge gegen das Vorurthcil gegen das Neue, selbst wenn es das Bessere ist, auftreten konnte, so beginnt doch auch hier der Maschinenbetrieb mächtig seine Schwingen zn entfalten. Leider aber stellen sich der vollständigen Einführung außer jenem grvßentheils in der Bcdachtsamkeit der Deutschen begründeten Vorurtheile leider noch manche Hindernisse anderer Art entgegen. Dahin rechnen wir den Mangel an gutem Eisen und Brennmaterial. Der Eisenhüttenbetrieb bedarf eines größer« Aufschwungs, die Production ist noch zu theucr und England sendet sein schlechtes Eisen roh und fabricirt zu Schleuderpreisen nach Deutschland, während es von dort und aus Schweden und Rußland gutes Material aufkauft. Diesem Ubelstande können nur Schutzzölle abhelfen und man hat dieselben auch theilweis, aber immer noch zu gering eingeführt. Ist erst der Eisenbetrieb gehoben und die Einfuhr fremder Maschinen mehr erschwert, so werden die inländischen Maschinenfabriken besseres Erzeugniß und zu billiger« Preisen liefern können. Welche Summen für Maschinen ins Ausland gehen, mag nur die einzige Angabe zeigen, daß von Maschinerie Masco v 377 ISO Lokomotiven, welche auf 7 deutschen Eisenbahnen laufen, nur 27 in Deutschland selbst, 123 dagegen im Auslande (112 in England und Amerika) gebaut sind, und daß der größere Theil der Schienen zu diesen Bahnen aus England bezogen wurde. Einen andern Grund für das Zurückbleiben des Maschinenwesens in Deutschland liefern aber auch die hier durchgängig niedrigen Preise der Handarbeit und der Umstand, daß die eigentlich großartigen Fabrikanlagen durchschnittlich immer nur noch in sehr geringer Anzahl vorhanden sind. Nichtsdestoweniger dürfen wir es uns aber nicht verbergen, daß die neueste Zeit einen mächtigen Aufschwung des Maschinenwesens zu bringen scheint, wie einige großartige Maschinenbauanstalten beweisen, und daß die intensive und extensive Wirksamkeit der Industrie und Gewerbevereine und das Emporblühen technischer Bildungsanstalten demselben mächtigen Vorschub leisten, sodaß Deutschland wol bald der englischen Industrie rühmlich zur Seite stehen dürfte. Nordamerika hat England hinsichtlich des Maschinenwesens fast überflügelt und dies ließ sich nicht anders erwarten. Hier ist der Preis der Handarbeit übertrieben hoch, der Speculationsgeist wird stets rege gehalten und dadurch unterstützt, daß von Europa aus nur solche Leute dorthin gehen, welche Geistes- und Willenskraft genug in sich fühlen, den Kampf mit den dort sich dem Geschäftsbetriebe entgegenstellenden Hindernissen cinzugehen. Vergleicht man die jetzige Regsamkeit im gewerblichen Leben mit den schwachen Anfängen von etwa zwei bis drei Jahrzehnden, so wird man sehen, was von diesen Riesenanfängen sich in der Zukunft für eine Entwickelung erwarten läßt. — Belgien hat in der neuern Zeit sein Maschinenwesen bedeutend gefördert und es hält in dieserHinsicht die Mittelstraße zwischen England und Fr-nkrcich, obgleich ihm manche Eigenthümlichkeiten nicht abzusprechen sind, i welche in der Gestaltung seiner neuern Verhältnisse und seiner technischen Industrie begründet sind. — In Rußland walten ganz andere Verhältnisse ob. Sowie in andern Staaten das Maschinen- und Gewerbswesen sich aus der industriellen Classe herauf bildet, so geht in Rußland Alles von den obern Staatsbehörden aus, und es ist nicht in Abrede zu stellen, daß von dort aus sehr energische Mittel ergriffen und sehr große Summen aufgewendet werden, um Rußland von der Industrie des Auslandes unabhängig zu machen, aus sich selbst heraus eine eigne, vaterländische Industrie zu schaffen, sowie auch nicht in ^ Abrede zu stellen ist, daß in manchen Zweigen der Zweck schon zum großen Theile erreicht ist. Über Maschinen und Maschinenwesen nennen wir in technischer Hinsicht die Schriften von Gerstner, Langsdorf, Prechtl und Poppe, in staatswirthschaftlicher und rechtlicher Hinsicht Charl. Babbage, „On tbe ecoiiom^ ok mscdiner^ sncl manukactures" (Lond. 1833; deutsch von Friedenberg, Berl. 1833). Maschinerie oder Maschinen nennt man in den Werken der epischen und dramati- ' schen Poesie alle jene außerhalb des Kreises unser Wahrnehmung fallende Wesen, z. B. Götter, Engel, Teufel, Geister, Zauberer, Feen u. s w., durch deren Einführung theils das > Wunderbare der Darstellung Erhöht, theils der sonst nicht lösbare Knoten gelöst werden i soll. Der Ausdruck schreibt sich von der griech. Bühne her, auf welcher zu solchem Behufe > Götter und Göttinnen gewöhnlich in Flugmaschinen (Deus ex mscbins) erschienen. Auch , hat man diesen Ausdruck weiter ausgedehnt und ihn besonders auf das epische Gedicht be- zogen und alle höhere Wesen, welche darin in die Handlung eingreifen, Maschinen genannt. Weil sie im Homer vorkamen, so glaubte man so fest an ihre Unentbehrlichkeit im ! Epos, daß man, allem Volksglauben zuwider, lieber durch personificirte Abstracta die ganze Darstellung erkältete, als sie wegließ. Daß aber solche Maschinerie wegfallen kann ohne alle Beeinträchtigung, ja zum Vsrthcil eines epischen Gedichtes, hat Goethe's „Hermann und Dorothea" gezeigt. Indessen würde man zu weit gehen, wenn man behaupten wollte, die epische Maschinerie müsse überhaupt wegbleiben. Die Anwendung derselben wird vielmehr durch die Beschaffenheit des Inhalts bestimmt. Auch findet ein Unterschied zwischen dem ernsten und komischen oder romantischen Epos in dieser Hinsicht statt. Ob Maschinen j im Drama gebraucht werden dürfen, hängt ebenfalls davon ab, ob der Stoff aus dem Kreise der Mythe und Religion, der romantischen oder natürlichen Welt genommen ist. Mascov (Joh. Jak.), ein bekannter deutscher Publicist und Historiker, geb. zu Dan, zig am 26 . Nov. > 68fl, studirte in Leipzig anfangs Theologie, dann die Rechtswissenschaft 878 Maser» Masiniffa und ging hierauf mit zwei jungen Grafen von Watzdorf auf Reisen. Nach seiner Rückkehr wurde er 1719 außerordentlicher Professor zu Leipzig, noch in demselben Jahre in den da- sigen Rath ausgenommen, später ordentlicher Professor der Rechte und der Geschichte, Hof- rakh und Proconsul der Stadt. Ec starb am 22. Mai 1761. Unter den deutschen StaatS- rechtslehrern behauptete er einen ausgezeichneten Rang. Seine „krineissm j»ris publici rom.-germari."(Lpz. 1729; 5.Aust., l 769) wurden lange Zeit aufden meisten Unioersitä- len als Lehrbuch gebraucht. Nicht geringere Verdienste erwarb er sich um die deutsche Ec- schichtschreibung. Seine unvollendete „Geschichte der Deutschen bis zu Anfang der frank. Monarchie" (2 Bde., Lpz. 1726 — 37, 4.), die ins Englische, Französische und Hollän- dische überseht wurde, zeigt, daß er ricktigere Ansichten von dem Wesen der Geschichte hatte, als es sich von seiner Zeit erwarten laßt. Während in allen deutschen Geschichtsbüchern die Idee des Reichs vorwaltctc, und sämmtliche deutsche Historiker blos entweder Reichs- oder Kaisergeschichten lieferten, unternahm er es, die Geschichte der Nation zu schreiben. Eine Fortsetzung derselben sind die „Oommentarü öle rebus imperü r<„n.-ger- INSU." (3 Bde., Lpz. 1751 — .73, 4.). Außerdem schrieb er den „Abriß einer vollständigen Historie des Deutschen Reichs" (Lpz. 1722—39, -i.) und eine „Einleitung zu der Ec- schichte des röm.-deutschen Reichs" (Lpz. 1752, -I.. Masern (morliilli) nennt man ein fieberhaftes Exanthem (s. d.), welches den Menschen nur einmal befällt und sich in der Gestalt kleiner, höchstens linsengroßer blaß- rother Flecke darstellt. Dem Ausbruche des ExanthcmS geht ein meist leichtes Fieber voran, zu welchem sich Augenentzündung und Brustbeschwerden gesellen. Gewöhnlich am vierten Tage des Unwohlseins kommt der Ausschlag im Gesicht zum Vorschein, verbreitet sich in den nächsten drei Tagen über den ganzen Körper, bleibt drei Tage stehen, wird dann blaß und schält sich endlich nach unbestimmter Zeit, oft sehr spät, wieder ab. Dabei dauert gewöhnlich die Affection der Augen und der Brust fort und erreicht nicht selten einen sehr hohen Grad. Eine strenge Diät und gleichmäßige Temperatur sind die Hauptbedingungen einer guten Behandlung. Oft machen nur die Nebenbeschwerdcn ein energischeres ärztliches Verfahren nothwendig, besonders aber ist die Gewöhnung an die freie Luft mit großer Vorsicht zu bewerkstelligen, da Erkältungen den nachtheiligstrn Einfluß auf die Lungen und andere edle Organe haben können. Mastnissa, König der Massylier in Numidien, der Sohn des Gula, ausgezeichnet durch Tapferkeit, Geistesgaben und voll Ehrgeizes, war im zweiten pun. Kriege seit2>l! v. Ehr. mit Karthago verbündet, da ihm Hasdrubal (s. d.), Gisgo's Sohn, seine schöne Tochter Sophonisbe verlobt hatte, und kämpfte in Spanien auf karthag. Seite, während Syvhax, ein anderer numidischer König, der auch um Sophonisbe geworben hatte, sich den Römern anschloß. Als aber nach der Niederlage der Karthager bei Väcula, 297 v. Cbr., Hasdrubal, um den Syphax zu gewinne», diesem M.'s Verlobte gab, näherte sich M. den Römern, wurde darum nach seiner Rückkehr auS Spanien durch Syphax und dieKarthagcr bekriegt und schloß sich, nach Livius, als Flüchtling mit wenigen Reitern dem Scipio an, da dieser 294 in Afrika landete. Mit den Römern verbündet, kämpfte er nun gegen Karthago und gegen Syphax, der im I. 293 sein Reich und Sophonisbe an ihn verlor und besiegt in röm. Gefangenschaft kam. Er verzieh Sophonisbcn die Untreue und vermählte sich mit ihr, aber durch Scipio gedrängt, welcher fürchtete, daß sie den Gemahl auf karthag. Seite ziehen möchte, und ihre Auslieferung verlangte, sendete er ihr den Giftbecher. Die Römer belohnten ihn mit königlichen Ehren und dem Lande des Syphax; nach der Schlacht bei Aam» mußten ihn die Karthager im Frieden als König des ganzen Numidiens anerkennen. Nach Hannibal's Vertreibung suchte er Stücke des karthag. Gebiets an sich zu reißen und wurde jedesmal von den Römern, die als Schiedsrichter angegangen werden mußten, begünstigt. Endlich reizte er sie, da er einen der fruchtbarsten und bebautesten Striche in Anspruch nahm, zum Kriege, und diesen Vorwand benutzten die Römer, um den Frieden auch für sich als gebrochen anzusehcn. De» Karthagern wurde im I. 159 v. Ehr. Krieg, der dritte pu- nische, angekündigt, in dessen zweitem Jahre M., 92 Jahre alt, >48 v. Ehr. starb- Sein Reich wurde nach seinem Willen unter seine drei Söhne, Micipsa, Gulussa und Mastanä' §al sethrilt; der Sohn des Letztem war Iugurtha (s. d.). Maskat Masken 379 IN, m in ^ . gl- ! -hr ^ >en >!S sr- »i- Nlt >z >11! Nid >en >r., >e» gcr sie- md >m. der i>cn hn< m» ach rde igt> uch sich pu- sein ii»' Maskat, ein arab. Staat auf der Ostküstc der Landschaft Oman am pcrs. Meere, wird gegenwärtig von einem Imam beherrscht, der von den Engländern unterstützt, den Wahabiten (s. d.) widerstanden und durch seine ebenso milde, als kluge und einsichtige Regierung M. zu einem der määitigstcn Staaten Arabiens gemacht hat, der eine nicht unbedeutende Land - und Seemacht besitzt. Zu demselben gehören der lange, schmale Küstenstrich der pcrs. Provinzen Laristan (s. d.) und Moghistan (s. Aaramanien) sammt den am Eingänge des pers. Meerbusens gelegenen Inseln Ormus und Kischm, sowie auf der ostafrikan. Küste ein Landstrich vom Äquator bis südlich zum Vorgebirge Del- gado mit den Landschaften und Inseln Zanzibar, Quiloa, Melinda, Patta, Pemba, Dschnba, Montia und Lambo. Die Insel Sokotora (s. d.) aber wurde 1835 vom Imam an England verkauft. Der ganze Staat enthält cinGcbictvonungefähr7506lIlM. mit8"66VOE., wovon 3U66NV auf das eigentliche M. in Arabien kommen. — Die Hauptstadt Maskat am pers. Meere, von Gärten und Dattelwäldern umgeben, ist ziemlich gut befestigt, besitzt einen Hafen, treibt bedeutenden Handel und ist der Stapelort zwischen Ostindien, Afrika und dem pers. Meerbusen. In Folge dieses Verkehrs und der guten Negierung des gegenwärtigen Imam, der hier wohnt, hat sich die Stadt in der Neuzeit außerordentlich gehoben und soll auf 5U—6E. zählen. Von 1507, wo Albuquerque die Stadt eroberte, bis l 648, wo sie der arab. Emir Akif wieder nahm, gehörte dieselbe den Portugiesen. Maskelyne (Nevil), ein ausgezeichneter Astronom, geb. 1 7 32 in London, erhielt seine Bildung in Cambridge und wurde > 7 6 l von der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu London nach St.-Helcna geschickt, um dort den Durchgang der Venus zu beobachten. Auf dieser Neise machte er mehre Mondbeobachtungen zum Behufs von Längenbestimmungen. Im I. 1763 reiste er nach Barbadoes, um Harrison's Chronometer zu prüfen. Bald nachher wurde er königlicher Astronom. Er beobachtete l 7 7 4 die Verfinsterung der Jupitertrabanten in Greenwich, bestimmte die Dichtigkeit der Erde und starb I8lI. Sein „Lritisk niariner's quicke" (Lond. 1763, 4.) enthält vollständige undfaßlicheAnwei- sungen zur Bestimmung der Länge auf dem Meere und auf dem Lande. Einen nautischen Almanach gab er seit 1767 heraus. Seine in Greenwich gemachten astronomischen Beobachtungen ließ er in vier Bänden erscheinen (Lond. 1776fg.,Fol.). Auch finden sich von ihm viele mathematische und astronomische Abhandlungen in den „kliilosoplücsl trsnssctinns". Masken, mittellat. mascs, span, mascsrs, von dem arab. mss-cbsrs, d. I. Spott oder Possenreißer, obgleich es Andere von dem spätem griech. Worte basles, d. i. Schreck- biid gegen Zauberei, ableiten, lassen sich ihrem Entstehen und Gebrauche nach auf das früheste Altcrthum zurückführen, und zwar auf die ländlichen Ernte - und Weinlesefeste der ältesten Bewohner Griechenlands, wobei bäuerische Possenreißer auftraten, die ihr Gesicht mit Weinhefcn übermalt und so entstellt hatten. Sowie es aber bei den Einweihungen in die Orgien des Bacchus drei Grade gab, den der Satyrn, Silenen und des bärtigen Bacchusselbst, so kamen auch sehr bald besondere, diese verschiedenen Grade charakterisirende Masken auf und in Folge dieser religiösen Bedeutsamkeit wurden sie nun auch bald bei allen andern geheimen Einweihungen, Festen und Processioncn gebraucht, bald wie Larven (s. d.), als vermeintliche Mittel gegen Zauberei in Verbindung mit andern Symbolen angcwcndet, daher wir eine große Anzahl der mannichfaltigsten Abbildungen von Masken auf alten Gemmen und Siegelringen finden. Natürlich war es nun, daß die Griechen bei ihrem hohen Sinne für vollendete Schönheit auch die Bildung der Masken all- mälig vervollkommnet«! und veredelten, und so entstanden aus jenen ursprünglich ungestalteten und verzerrten Zügen gefälligere Silen- und Satyrmasken und andere anmu- thigc und scherzhafte Künstlerphantasien, die nach und nach die Groteske (s. d.) und Arabeske veranlaßten. Wie der Ursprung des griech. Trauerspiels im innigsten Zusammenhänge mit dem Bacchusdienfle steht, so waren auch gleich anfangs in ersterm die Masken ein wesentlicher Bestandtheil. Unentschieden bleibt es, wann und von wem sie zuerst in der Komödie eingeführt wurden. Doch würde man sehr irren, wenn man sich die griech. und röm. Masken den heutigen durchaus gleich vorstellte; statt daß diese nur das Gesicht bedecken, bestanden jene in einem Überzug über den ganzen Kopf, welcher außer den Wefichrszügen auch Bart, Haare und Augen mit vorstellte. Sie waren anfangs'von 380 Masken Baumrinde, dann von Leder, später von Holz, welche« geschickte plastische,Künstler »sch Angabe der Dichter gestalteten. Man unterschied tragische Masken, mit großemaufgesteri- ten Munde und furchtbarem Ansehen, komische mit lächerlicher Gcberde, SatyrmM» und orchestrische oder Masken mit regelmäßigen Zügen für die Tänzer. Sie hatten miß sehr große Mundöffnungen, die inwendig mit Mctallstangen oder andern tönenden Kr- pcrn versehen waren, um die Stimme des Schauspielers zu verstärken, eine Vorkehrung, die bei der Einrichtung der alten Theater und ihrer Ungeheuern Größe sehr zweckmäßig j» nennen war. Wenn Viele die Alten wegen des Gebrauchs der Masken im Schauspiel!». delten, weil dadurch alle Mimik und sogar die dem Schauspieler zum Ausdruck der Leidin- schaften nöthige Biegsamkeit der Stimme verloren gegangen sei, so bedachten sie nicht, daß da die ganze tragische Mimik der Alten vor Allem aufdie höchste Würde gerichtet, d. i.id«. lisch, war, jene Darstellung der Individualität, in welche die Neuern ihrer SchauspielerMli> sterschast zu setzen gewohnt sind, ihnen durchaus das Letzte sein mußte, zu dessen Darstellung ihr Theater herabsinken konnte. Hierzu kommt, daß bei der kolossalen Größe der griech. Th«, ter unsere heutige Mimik wol ohnedies größtenteils verloren gegangen sein würde. L das röm. Theater fast in allen seinen Bestandtheilcn auf Nachahmung des griechischen bo rechnet war, so fügte es auch im Gebrauche der Masken wenig Neues hinzu. Eine groß! Anzahl Abbildungen alter Masken, nebst historischen und artistischen Notizen, denen fm- lich Kritik und Geschmack meist fehlt, finden wir in dem Werke von Pacichelli „De marcbe- ri», c-rpillLiveotis et ciurotliecis" (Neap. 1693), ferner in dem zwar ziemlich planlos!», aber prachtvollen Kupferwerke von Ficoroni (eigentlich Pietro Contucci) „Os larvis ?ce»i- ci, «t Lguris comicis" (Nom 1754, 4.) und in dem Werke von Berger „Oe per« i vulgo Isrvis se,i mascberis, von der Carnevalslust" (Franks. 1723, 4.). Vgl. Böttign, „Über das Wort Maske und über die Abbildungen der Masken auf alten Gemmen" in d« s von Sillig herausgegebenen „Kleinen Schriften" (Bd. 3, Dresd. u. Lpz. 1838), und„v« personis scenicis, vulgo lsrvir" in den „Opusculs, latins," (Dresd. 1837). Nur das ital. VolkStheater, die sogenannte <7omme > lehrten und dichterischen Bildung bedürftig, konnten sich auch während der Herrschaft der ^ Barbaren erhalten. Schon im 12.Jahrh., als dem Zeitalter, wo Jrnerius in Bologna ci»!' neue Schule der Rechtsgelehrsamkeit errichtete, finden wir den bolognes. Dottore, »ach Graziano genannt. Er hat eine Maske mit schwarzer Nase und Stirn und rochen Wo»' gen und erscheint als ein pedantischer und langweiliger Raisonneur. Der Pantalone kam gegen Ende des 14. Jahrh. auf die Bühne. Er ist die Maskenrolle des Vaters und stellt einen reichen venetian. Kaufmann vor. Seine ehemalige Kleidung war die sogenannt! Zimarra, eine Art langer Mantel mit kurzen Oberärmeln und umgelegtem schmal!» Kragen. Zugleich gehörte es zum Costume des Pantalone, daß Beinkleider und Strümps! aus Einem Stück sein mußten, weshalb man auch später diese Strumpfhosen Pantalons nannte. Sie waren bei dem alten Costume stets roth; die Zimarra war stets schwarz. Als aber die Republik Venedig das Königreich Negroponte an die Türken verlor, verwandelt! man auch bei dieser Tracht das rothe Untergewand zum Zeichen der Trauer in ein schwarzes. Übrigens wurde die Weste verlängert; auch unterband man die oben faltenreiche» Pantalons am Knie; Zimarra und Pantoffeln dagegen blieben sich gleich. Dem Charakter nach ist der Pantalon gewöhnlich ein gutmüthiger, einfältiger Alter. Er ist meist verliebt und wird stet- durch einen Nebenbuhler, Sohn oder Bedienten, angeführt. In der neuern Zeit macht man oft einen guten Hausvater aus ihm, voll Ehrgefühl und Gewiffenhastig' keit, was sein gegebenes Wort betrifft, und sehr streng gegen seine Kinder; dochbleibNs stets dabei, daß er angeführt wird. Er spricht vcnctianisch, wie der Dottore bologneM Die Zanni gehören ebenfalls zu den ältesten Masken der ital. Bühne. Der eine derselben ist Arlechino oder Harlekin (s. d.) ein Bergamaske, der andere Scapin; beide M listige und schelmische Bedienten im Dienste Pantalone's und des Dottore. Weniger a ist Br i gh e lla, wie sein mit grünen Bändern besetztes, im Geschmack de- Mittelalters vw fertigte- Kleid beweist, Er soll, wie Einige berichten, einen anmaßenden, herzhaften and Masonei Massa-Carrara 38 ! schlagenen Plebejer von Brescia vorstellen und dadurch entstanden sein, daß, als der Adel von Brescia im I. 1200 die Bürger nöthigen wollte, die Waffen gegen die von Bergamo zu ergreifen, die Bürger sich widersehten und die Adeligen vertrieben, und nachdem jene in Cremona einen militairischen Bund geschlossen, die Volkspartei einen ähnlichen Bund unter dem Namen Brugella oder Brighella schloß. Doch widerspricht diese Ableitung der gewöhnlichen Annahme, nach welcher Brighella aus Ferrara stammt. Er macht meist den Kuppler. Der Doctor von Bologna, Pantalon von Venedig, Harlekin von Bergamo, Brighella von Ferrara und alle die Personnagen, die man am besten unter demNamen Zan- neschi zusammenfaßt, die bramarbasirenden Capitains Spaviento, ein Neapolitaner, Fra- caffo, Tempesta, die an des Plautus Pyrgopolynices erinnern, und Truffaldin waren also seit dem 15. Jahrh. auf der Bühne. Außerdem hatten die Römer den Don Pasquale und die G elsomini, die Florentiner die Pasquelle, die Calabresen den Giangurgolo, die Sicilia- ner die Travaglini, die Messineser die Giovanelli, die Neapolitaner den Coviello, Pasqua- r:ello,dic Mailänder den Girolamo und diePiemonteser den Gianduja. Ferner kennt manPe- drolinv, Bertolino, Tartaglio, Trivelino, Mezzolinound Don PlioneBalanzoni. Endlich ist noch die Maske des Pulcinella (s. d.) zu erwähnen. Die weiblichen Charaktere der cnwmeäia clsll' »rte, Colombina und Spilctta, treten unmaskirt auf und sprechen römisch oder toscanisch. Ruzzante soll 1530 die Maskencharaktere zuerst in das größere Lustspiel eingcführt haben. Vgl. Valentin!, „Irattuto Sulla commecli» clell' arte, ossia impro^- viss, mascllere italiane e<1 alcune scene clel carnevale «ii Roma" (Berl. 1826, 4., mit Kpf.). — Die bei Redouten (s. d.) oder Maskeraden gebrauchten Masken sind entweder von Wachs und feiner Leinwand oder von Pappe. Jene werden hauptsächlich in Berlin und in Venedig, diese in Paris und Rouen gefertigt. — Im Englischen bedeutet Maske auch ein ohne Rücksicht auf Theaterregeln und auf die Wahrscheinlichkeit der Handlung, aber doch im tragischen Stil geschriebenes, dramatisches Gedicht, wie;. B. Milton's „6omv8". — In der Befestigungskunst versteht man unter Maske eine vorliegende Brustwehr, durch welche ein anderes Werk, Batterie u. s. w. dem feindlichen Feuer entzogen wird; daher maskiren, d. h. eine Feldbatterie durch eine Trupvenaufstellung dem Feinde so verbergen, daß sie erst sichtbar wird, wo sie ihre Wirkung thnt. Masonei, s. Freimaurerei. Masora, d. i. Überlieferung, heißt die Sammlung von kritischen und exegetischen Bemerkungen, betreffend den Worttext und zum Theil auch die Vocalisirung der Bücher des Alten Testaments. Dieselben stammen ursprünglich von de» alten Soferim und jüd. Weisen aus den beiden Jahrhunderten v. Ehr. und der darauf folgenden Mischnischen Epoche, wurden lange zum Theil mündlich fortgepflanzt, zumTheil hier und da am Rande der Handschriften angcmerkt; endlich aber, wol zuerst in Liberias, nach und nach gesammelt und von Zeit zu Zeit mit Zusätzen vermehrt. Diese Thätigkeit fällt zwischen das 6. und 8. Jahrh. Die gegenwärtige Masora ist indcß erst im 11. Jahrh. vollendet worden, und man thcilt sie in die große und die kleine Masora, welche letztere nur in einem Auszuge besteht. Die Masora ist für die Geschichte und die Kritik der hebr. Bibel sehr wichtig. Vieles hat man ihrer Sorgfalt zu danken, namentlich auch schätzbare Beiträge zur Exegese. Indessen haben die Verfasser und Sammler, die sogenannten Masoreten, auch manches Überflüssige gethan, z. B. Worte und Cvnsonanten gezählt, die mittelsten Worte eines jeden Buches ausgesucht u. s. w. Die allmälig in Unordnung gerathene Sammlung wurde von Jakob Ben Chajim aus Tunis für den Buchdrucker Dan. Bömberg zu Venedig geordnet, und erschien zum ersten Male in der rabbinischen Bibel (Vcn. 1525; abgedruckt in den Bibelausgaben, Ven. >548, 1568 und 1617, Bas. >618 und Amst. 1724 — 27). Eine Erklärung der masoretischen Ausdrücke geben Elias Levita („Masoreth hammaso- reth", deutsch von Semler, Halle 1772) und Buxtorf („'l'illerius", Bas. >620, 4.). Ma-sowien, s. Mazowien. Ma sa (Herzog von), s. Reynier (Claude Antoine). Massa-Carrara, das zum Herzogthum Modena (s. d.) gehörige kleine Herzog, thum, das mit jenem nur durch einen schmalen Landstrich zusammenhängt, besteht aus dem Herzogthume Massa am Mittelländischen Meere zwischen Toscana, Genua und Lucca, N82 Massachusetts Massen» und dem Fürstenthnm Carrara im Apenninischm Gebirge und zählt auf-1'/- OM. gegen 29<">« E. Es ist sehr gebirgig, aber gut angcbaut, und Marmor neben Wein, L> und Seide das Hauptprodutt. Die Hauptstadt Massa mit 7999 E., in reizender Gegend, hu ein skhönes Schloß und bedeutende Seidcnfabrikcn; Carrara (s. d.) ist seiner Marnm- brüche wegen berühmt. Das Herzogthum gehörte bis ins l 8. Jahrh. der Familie Cib». Malaspina. Nach dem Tode Aldcram's, des letzten Fürsten aus dicserFamilic, ererbte bat Herzogthum >731 dessen Tochter Maria Theresia, die sich >7-11 mit dem nachhcrigcn Hu- zöge Hercules »I. von Modena vermählte. Ihr folgte bei ihrem Tode in der Regierung von Massa-Carrara im I. >790 ihre Tochter Maria Beatrix, geb. >75«», die mit dem Erzherzog Ferdinand von Ostreich vermählt war. Wie Modena, so wurde auch Massa-Eer- rara 1796 von den Franzosen besetzt. Erst >81-1 konnte dieHerzogin wieder die Negierung von Massa-Carrara antrcten, mit dem durch den wiener Congreß noch die ehemaligen kaiserlichen Lehne in der Lunigiana verbunden wurden. Nach ihrem Tode erbte das Herzogthim ihr Sohn, Franz IV. (s. d.), Herzog von Modena. Massachusetts, einer der Vereinigten Staaten von Nordamerika zwischen Neurins Connecticut und Nhode-Jsland, Vermont und Neuhampshire, wird von den Flüssen Mer- rimak, Charles und Connecticut bewässert und von Zweigen der Apalachen, den Blauen Bergen, durchzogen. Die von Felsenriffen zerrissene Küste bildet viele Baien, namentlich die große Cap-Codsbai, und Vorgebirge. Nächst Eisen sind Marmor, Talkstein, denck Hol; zersägt und zum Häuserbau verwendet wird, Seesalz, Mineralwässer, Hopfen, Hanf, Wolle, Leder, Taback u. s. w. die Hauptzwcige der Naturprodukte, während Papier, Sei- lerwaaren, Thran, Seife, Lichte, Leder - und Wollwaarcn die vorzüglichsten Fabrikate a»S> machen und nebst dem Fischfang und Schiffbau einen bedeutenden Handel gewähren. Da Staat umfaßt auf ungefähr 379 OM. gegen 799999 E-, darunter etwa 7999 freieNega und 799 christliche und ansässige Indianer. Ungeachtet der starken Auswanderung nach dem Westen nimmt die Bevölkerung doch reißend zu. Die gesetzgebende Gewalt haben m Senat von -19 Mitgliedern und das Haus der Abgeordneten, die ausübende ein Gouvn- neur und ein Unlergouverneur, denen ein aus den Senatoren erwählter Nach von neun Mitgliedern zur Seite steht. Zum Nationalcongreß sendet M. zwei Senatoren und >7Ae- Präsentanten. Die Hauptstadt des Staats ist Boston (s. d.); andere vorzügliche Stadt! sind Cambridge (s-d.) mit der Harvard-Universität, Charlestown mit 10000 E. und einer großen Strafanstalt, und Springfield mit Arsenal und Waffenfabrik. Massageten, ein nomadisches Volk, wahrscheinlich dem Stamme der Scythen (s. d.) angehörig, bewohnten die weiten Steppen im Nordostrn des Kaspischen Meeres, nördlich vom Fluß Araxes oder Jaxartes (jetzt Sir deria Schon), wo jetzt die KirgiSkaisake» wohnen. Herodot erzählt von ihnen, daß sie Gemeinschaft der Weiber gehabt, ihre Alten geopfert und verzehrt, die Sonne als Gott durch Pferdeopfer verehrt, von der Milch und dem Fleisch ihrer Heerden und von Fischen gelebt und mit Lanze, Bogen und zweischneidiger Axt zu Noß und zu Fuß gestritten haben. Sie wurden von einer Königin Tomyris beherrscht und nach Herodot verlor gegen sie Cyrus (s. d.) im I. 530 v. Chr. sein Leben. Massalianer, s. Mcssalianer. Masse heißt das Träge oder Undurchdringliche an einem Körper; während man den Raum (s. d.), welchen ein Körper einniinmt, seinen Rauminhalt (Volumen) nennt. Das Verhältniß der Masse zum Rguminhalte ist nicht bei allen Körpern gleich, »veil die Len Körper bildende Materie durch größere und kleinere Zwischenräume, die man Poren (s.d.) nennt, unterbrochen ist. — In Concurssachen versteht man unter Masse die ge- sammte Habe des Falliten, in welche sich die Gläubiger zu thcilen haben. Massen» (AndiH, Herzog von Rivoli, Fürst von Eßlinz, Marschall des franz. Kai- serreichs, wurde am 6. Mai 1758 zuNizza geboren. In scinerJugend versah er aufeinem kleinen Fahrzeuge die Dienste des Schiffsjungen, trat dann in die sard. Armee und wurde Unteroffizier. Da er als Bürgerlicher keine Aussicht auf Beförderung hatte, verließ »nach 14 Jahren den Dienst und kehrte nach Nizza zurück, wo er sich verheirathete. Während der franz. Revolution stellte er sich bei einem Freiwilligcnbataillon des Vardexartements rin und wurde bereits am I.Aug. 1792 Befehlshaber des Corps, am 22.Aug. Masse»» 383 Drigadegeneral und am 2V. Dec. Divisionsgcneral. Er hatte sich in den Feldzügen in Oberitalien vielfach ausgezeichnet und die Östreicher unter Andern, 1795 bei Loano ge- schlagen, als ihm Bonapartc 1796 den Befehl über die Avantgarde übertrug. Stets entschlossen und scharfsichtig, war er auch in diesem Feldzug: vom Glücke so begünstigt, daß ihn selbst der Obergcneral in den Sicgcsbulletins „i'enlsnt ckeri «ie >a vidoird nannte. Im I. 1 798 schickte ihn das Dircctorium an Berthier's Stelle als Obergeneral in die rönr. Staaken. Allein die Truppen des eifersüchtigen Bernadotte legten dagegen Protest ein, und M. verließ, um Blutvergießen zu verhindern, Rom nach drei Tagen und übergab das Commando dem General Dallemange. Als Entschädigung erhielt er unter Jourdan (s. d.) den Befehl über die Armee in der Schweiz. Nachdem Jourdan am 25. März >799 bei Stockach geschlagen worden, trat er unter den nüslichstcn Verhältnissen an dessen Stelle, machte dem Erzherzog Karl das Terrain streitig und errang endlich über die Russen am 25. Sept. 1799 den Sieg bei Zürich, der Frankreich vor der Invasion bewahrte. Nach der Revolution vom 18. Brumaire schickte ihn Bonaxarte nach Italien. Zufolge der Unzulänglichkeit seiner Streitkräste vermochte er indeß gegen die Östreicher unrcr Melas wenig anSzurichten und mußte sogar einige Tage vor der Schlacht von Marengo (s. d) dem Feinde Genua überliefern. Indeß verringerte sich durch dieses Misgeschick die Achtung Bvnaparte's vor M.'s Talenten keineswegs; vielmehr erhielt er nach dem Siege von Marengo den Oberbefehl über die ganze ital. Armee. Obschon M. bei aller Bevorzugung Republikaner blieb, gegen das Consulat auf Lebenszeit stimmte und Moreau ver- theidigte, wurde er doch bei Errichtung des KaiscrthronS zum Marschall erhoben. JmFeld- zirge von 1305 erhielt er nochmals den Befehl in Italien, wo er den Erzherzog Karl in einer Reihe von Gefechten an der Brenta und dem Tagliamento aufhiclt, während Napoleon auf Wien loszog und die Schlacht von Austerlitz lieferte. Nach dem Frieden mußte er das neapolit. Gebiet für den König Joseph Bonaparte in Beschlag nehmen. Er führte dies ohne Widerstand aus, eroberte noch 1896 das starke Eaeta und nöthigte die in Cala- bricn gelandeten Engländer, sich wieder einznschiffcn. Im Feldzüge von >897 vermochte er seine Verbindung mit der großen Armee in Deutschland erst nach der Schlacht bei Ey- lan auszuführen. Napoleon vertraute ihm hierauf den rechten Flügel der Armee und erhob ihn nach dem Waffenstillstände zum Herzog von Nivoli. Diese Gunst knüpfte M. endlich aufrichtig an den Kaiserthron. Er erschien zum ersten Mal bei Hose, wo er mit Auszeichnung empfangen wurde, mußte aber diesen Schritt zufällig theuer bezahle.,, indem ihm Berthier auf derJagd unversehens das linkeAuge ausschoß. Im östr.Feldzuge von >899 befehligte M. die sämmtlichen Truppen auf dem rechten Donauufcr. Während der Schlacht bei Eßling am 21. Mai deckte er den Übergang der Armee über die Donau, indem er das DorfAspern verthcidigte, welches an diesem Tage > 4 Mal genommen und verloren wurde. Obschon am Tage vor der Schlacht bei Wagram durch einen Sturz vom Pferde verwundet, wohnte er doch dem Kampfe im Wagen bei und bctheiligte sich dann an den folgenden Gefechten bei Hollabrünn und Znaym. Napoleon, mit dem er damals im besten Vernehmen stand, er- nannte ihn jetzt zum Fürsten von Eßling und übertrug ihm 1819 den Oberbefehl in Spanien. Er sollte die Engländer nach Portugal zurückwcrfen und zur Einschiffung zwingen. Mit einer schlecht ausgestatteten Armee von 39990 M. begann M. muthig seine Operationen gegen das 190999 M. starke portug.-brit. Heer. Er drängte Wellington unter die Mauern von Lissabon, sah sich aber dessenungeachtet zu einer beobachtenden Nolle verur- thcilt. Nachdem er zu Santarcm sechs Monate vergebens auf Verstärkung gewartet, versuchte er die Linien des Tejo zu erzwingen, mußte aber zurückweiche» zumal da ihm Ney den Gehorsam versagte. M. schlug die Briten nochmals am 3. Mai >811 bei Fuenla d'Onarv und legte dann, krank und mismuthig, sein Commando nieder. Erst als sich Napoleon zum Feldzuge nach Rußland vorbereitete, bot er seine Dienste wieder an, erhielt aber nur die achte Militairdiviffon I» der Provence, wo er die Italiener im Zaume halte» sollte. In dieser Stellung traf und ließ ihn die Restauration. Ludwig XVIIl. gab ihm einen Naturalisationsbrief und erhob ihn am 29. Dec. 1814 zum Pair. Als Napoleon von Elba zurückkehrte, schrieb er an M. die kurze Ausfodcrung: „Prinz, pflanzen Sie die Fahne von Eßling auf und folgen Sie mir". Allein M. blieb den Ereignissen den Hundert -L 384 Massenbach Massillon Tage fern; erst nach der Schlacht von Waterloo übernahm er den Befehl über die Ratio- nalgarde zu Paris. Die Bourbons zeigten sich ihm mit der zweiten Restauration wenig günstig; er mußte sich sogar seines Betragens wegen rechtfertigen. In derselben Zeit lehnte er das Nichteramt in Ney's Procefse ab, angeblich, weil er dessen Feind gewesen. Er zog sich hierauf ins Privatleben zurück und starb am 4. Apr. 1817. Seine Würden erbte der Sohn. Auf dem Kirchhofe Pere Lachaise zu Paris, wo er begraben liegt, ist ihm ein Obelisk von weißem Marmor errichtet. Massenbach (Christian von), preuß. Oberst und Generalquarticrmeister, geb. 1788 zu Schmalkalden in Kurhessen, wurde unter den Augen seiner Mutter auf dem Stamm- gute Massenbach bei Heilbronn in Würtemberg erzogen und zu Ludwigsburg und auf der Militairakademie zu Stuttgart gebildet. Seit 1782 als Offizier in der würtemberg. Garde und zugleich als Lehrer bei der Akademie angestellt, kam er bald in den preuß. Generalquartiermeisterstab. Durchseine schriftstellerische Thätigkeit empfahl er sich dem nachherigen Könige, Friedrich Wilhelm II-, der ihm den Unterricht seines Sohnes Ludwig in der Mathematik auftrug. Er wohnte dem Feldzuge von 1787 in Holland und dem Kriege gegen Frankreich bis zum baseler Frieden bei und focht bei mehren Gelegenheiten mit Auszeichnung. Einige Kriegspläne jedoch, die er entwarf, und manche Vorschläge zu Verbesserungen in der Einrichtung des Generalquartiermeisterstabs erweckten ihm, obschon sie nicht beachtet wurden, viele Gegner. Zm Z. 1805 sprach er gegen den Krieg mit Frankreich und empfahl ein Bündniß mit Napoleon; als aber der Krieg entschieden zu sein schien, rieth er zu einer schnellen Bewegung gegen den Rhein, um Ostreich Luft zu machen. Die neue Richtung, welche die preuß. Politik nach der Schlacht von.Austerlitz nahm, veranlaßte ihn, die mili- tairische Besetzung von Hannover vorzuschlagcn und einen Plan zu einem Angriffskriege gegen Rußland zu entwerfen. Bei der Eröffnung des Feldzugs von 1806 war er Gene- ralquartiermeister bei dem Hohenlohe'schen Corps, zu dessen Übergabe bei Prenzlau er auf eine Art beitrug, die ihn in eine Untersuchung verwickelte, welche durch die Ereignisse des Kriegs unterbrochen wurde. Hierauf lebte er auf einem vom König von Preußen ihm geschenkten Landgute im Herzogthum Posen, später aber in Würtemberg, und schrieb in dieser Zeit seine „Rückerinnerungen an große Männer" (Amst. 1808), „Memoiren zur Geschichte des preuß. Staats unter den Regierungen Friedrich Wilhelm's II. und Friedrich Wilhelm's Hl." (3 Bde., Amst. 1809—10) und „Historische Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Verfalls des preuß. Staats seit >792" (2 Bde., Amst. 1809), die, obschon darin das Streben M.'s, sich geltend zu machen und darzuthun, daß er den Untergang deS preuß. Staats durch seine Rathschläge abzuwenden gesucht habe, nur zu sichtbar ist, doch wegen vieler Aufschlüsse über zeitgeschichtliche Verhältnisse von Werth sind. ^Er hatte wiederholt um seine Entlassung aus dem preuß. Kriegsdienste angehalten, sie aber noch nicht erhalten, als er 1817 in Frankfurt am Main auf Ansuchen des preuß. Hofs verhaftet, nach Küstrin gebracht und von neuem in Untersuchung gezogen wurde. Man gab ihm Schuld, wie früher, so auch neuerlich durch beabsichtigten Landesverrath die Staatsgesetze verletzt zu haben, welche die Bekanntmachung von amtlichen Schriften für eine Übertretung der Dienstpflicht erklären, und ein Kriegsgericht, das zum Theil selbst aus seinen Freunden zusammengesetzt war, verurtheilte ihn im Sommer >817 zu l^jähriger Festungshaft. Er wurde 1820 von Küstrin nach Elatz gebracht, 1826 aber begnadigt und starb am 27.N0V. 1827 zu Bialokosz bei Pinne im preuß. Polen. Vgl. „Der Oberst M., eine biographische Skizze" (1817). Massslia, eine schon im frühesten Alterthume bedeutende Stadt an der Südküstc des narbonens. Galliens, jetzt Marseille (s. d.), wurde bereits im 6. Zahrh. v. Chr. von Phscensern, welche «uS Kleinasien vertrieben worden waren, gegründet, hob sich dann schnell durch Schiffahrt^ Handel und Bildung und bestand als blühende Handelsrepublik bis auf Cäsar's Eroberung. Vgl. Dederich, „Über die Gründung von M." im „Rheinischen Museum" (Bd. 4, Heft I);'J»hannsen, „Veteris Llsssilise re» et iastitiit»" (Kiel 1817) und Brückner, „llistoris reipublica« Narsilieosium" (Gött. 1826). Masfillvu (Jean Bapt.), das vollendete Muster franz. Kanzelberedtsamkcit, geb- am 24. Juni 1663 zu Hi'eres in der Provence, trat in seinem 17. Jahre in die Congrega» 1 Massinger Mast 385 tion des Oratoriums. Nachdem er sich schnell als Kanzelredncr einen bedeutenden Ruf er. worben hatte, zog er sich in das Kloster Sept-Fonts zurück, von wo ihn erst der General seiner Congregation, Pater de Latour, der auf ihn durch seine ausgezeichnete Leichenrede auf den Erzbischof von Vienne, Henri de Villars, aufmerksam geworden war, 1686 nach Paris berief. Hier wurde er anfangs Direktor des Seminars Saint-Magloire. Damals glänzten vor allen Rednern Bossuet (s. d.) und Bourdaloue (s. d.); M. wurde ihr würdiger Nacheifcrer, unterschied sich aber von Beiden dadurch, daß er im höher» Grade als sie auf das Gefühl wirkte. Nachdem Ludwig XIV. l 764 zum zweiten Male sein Zuhörer gewesen war, wählte er ihn zu seinem Hofprediger, namentlich auch wegen seiner fried» liebenden Gesinnungen, indem er so den Cardinal Noailles mit den Jesuiten, auszusöhnen meinte; allein M. misfiel beiden Parteien. Vom Herzog von Orleans, als Regenten, 1717 zum Bischof von Clermont ernannt, erhielt er den Auftrag, vor Ludwig XV., der erst neun Jahre alt war, zu predigen. Zu diesem Zwecke verfaßte er jene unter dem Titel „ketit-OarZme" bekannten Reden, welche ein Meisterwerk der Kanzelberedtsamkeit sind, und in denen er manche für einen Fürsten hochwichtige Wahrheiten berührte. Im 1.17 ist trat er in die sranz. Akademie und durch den Cardinal Dubois erhielt er dann die Prälatur von Savigny. Seine letzte Rede, welche er in Paris hielt, war die Leichenrede auf die Herzogin von Orleans. Seitdem verließ er seinen Kirchsprengel nicht mehr, wo seine Tugenden, besonders seine Wohlthätigkeit, ihm die allgemeinste Liebe gewannen. Er starb am 18. Text, i 7 4 2. Seine Vorträge waren biblisch und evangelisch, freimüthig, einfach und voll Würde. Über alles Lob erhaben ist die Anmuth, Corrccthcit und Eleganz seiner Sprache, sodaß man ihn nicht mit Unrecht den Racine der franz. Kanzel genannt hat. Eine vollständige Ausgabe seiner „Sermons" besorgte sein Neffe Jos. M. (I 7 Bde., Par. 1745—l6); unter den neuern sind die vom Abbe Guillon (16 Bde., Par. 1823, 12.) und die vom Abbe Mignc in seiner großen Sammlung der Kanzelredncr die besten. Die unter M.'s Namen herausgcgcbenen „lstemoires ck« In winoritö cke Iwuis XV" (Par. 1792) sind ein aus der Fabrik von Soulavic hervorgegangenes Machwerk. Massinger (Phil.), engl. Schauspieldichter, geb. >584 zu Salisbury, studirte zu Oxford, verließ aber, noch che er seinen Cursus vollendet, die Universität und ging nach London, wo er zahlreiche Stücke für die Bühne schrieb. An einem Märzmorgen des I. >640 fand man ihn todt in seinem Bette. Seine Trauerspiele sind ernst und würdig, in ruhigem, aber kräftigem Tone gehalten; sein Vers ist glatt und wohlklingend. Seine Lustspiele gleichen denen Ben Jonson's in ungebundener Kraftäußerung und Wunderlichkeit; sie sind oft gemein und roh, namentlich wo er witzig und launig sein will, was ihm nicht gegeben war. Unter den > 8 erhaltenen Stücken sind die besten „Tke Virgin, martzr", „Ille lxmckmsi,", ,,'I'üe total ckowr)", „Tde ci!) mscksm" und „Tire nerv WS)! to PS) nick äedls". Ausgaben seiner Werke besorgten Gifford (4 Bde., Lond. 1865) und Hartley Coleridqe zusammen mit Ford's Werken (Lond. 1839). Maffon (Ant.), einer der berühmtesten franz. Kupferstecher, geb. 1636 zu Loury bei Orleans, war zugleich Waffenschmied und gravirte eine Menge Rüstungen in ausgezeichneter Weise. Von seinen unvergleichlichen Nadirungen kennt man 65 Blatt. Er starb zu Paris im I. 1766. Mast nennt man einen Baum von angemessener Länge und Starke, um mittels der an denselben befestigten Segel ein Schiff durch die Kraft des Windes forttreiben zu lassen. Da die Masten auf den Seeschiffen oft über 106 F. lang sind, so bestehen sie hier aus drei ! Stücken, von denen nur das untere der Mast heißt, während das mittlere die Stenge, das oberste die Brghmstenge genannt wird. See- und größere Flußschiffe führen zwei bis drei Masten, das Dampfboot Great Britai» sogar sechs, von denen aber einer höher als die übrigen ist und der große Mast heißt. Vor dem großen Mast steht der vordere oder Fockmast, s hinter ihm der Besahnmast. Ebenso gibt es eine große Stenge, eine Vorstenge und eine Kreuzstengc, sowie eine große Brahmstenge, eine Vorbrahmstenge und eine Kreuzbrahm- stengc. Wie der Länge nach, so bestehen die untern Masten der Linienschiffe und schweren Fregatten auch nach der Stärke aus mehren, miteinander verzahnten Hölzern; das mittlere Cvnv.° Lex. Neunte Ausl. IX. 2S V . M 386 Mastdarm Mästung heißt die Zunge, an welche die übrigen Wangen genau angelegt und durch eiserne Bänder festgehalten sind. Die Stengen hingegen bestehen nur aus einzelnen Bäumen. Auf du Spitze des Mastes, dem Topp, befindet sich ein starker Block von Eichenholz, das Esels- Haupt, durch dessen rundes Loch die Stenge geschoben und eine Mars (s.d.) befestigt wird. Die Masten stehen mit ihrem Fuße zwischen einigen im Viereck liegenden starken Balken, dem Spuhr, und werden in den für sie bestimmten Löchern der Verdecke, den sogenannt« Fischen, festgekeilt. Außer den Masten haben die Seeschiffe am Vordertheil noch einen schräge herausliegenden Baum, das Bugspriet, mit einer vorn ausgeschobenen schwächer» Verlängerung, dem Klüverbaum. Starke Taue, die Wandten und Stagen, halten den Mast nach allen Seiten. Maffdarm (intestinum rectum) nennt man das unterste Stück des DarmkaurlS (s. Darm), welches in der Mitte der hintern Wand des kleinen Beckens an der vorder» Fläche des Kreuzbeins vom fünften Lendenwirbel an bis zum After, mit dem es endigt, herabsteigt. Der Mastdarm besitzt dieselben Wandungen, wie die übrigen Theile des Darmes, nur sind sie dicker, was besonders durch die vielen ringförmigen Muskelfaser» bewirkt wird, die ihn zusammenziehen und verschließen können und deswegen Schließmuskel (splüncter uni) genannt werden. Die Bestimmung des Mastdarmes ist die Entfernung der unbrauchbaren Stoffe aus dem Körper. Von den Krankheiten, welche diesen Theil des Darmes befallen können, sind vorzüglich Geschwüre, welche theils F 'steln (s. d.) bilden, theils andere Entartungen verursachen können, und der Mastdarmvorfall (prolspsm iutestüü rscti) zu nennen. Bildungsfehler sind die Mastdarmverschließung (atresia ooi) sowie das gänzliche Fehlen desselben, welche beide bei Neugeborenen beobachtet werden und von denen der erste« durch chirurgische Hülfe beseitigt werden kann, der letztere ge- wöhnlich baldigen Tod nach sich zieht. Mastix heißt das Harz eines in Kleinasien, Griechenland u.s.w. wachsenden Baumes (?istscia lentisois), welches in kleinen, weißen oder gelben, durchscheinenden, in der Hitze wohlriechenden Körnern besteht und vielfach in der Medicin, zu Näucherpulvern, Firnissen und Lacken verwendet wird. Auch nennt man manche cement- oder kittartige Massen Mastix, aus Misvcrständniß des engl, und franz. Namens Llastic, welcher keineswegs für das Mastirharz gebraucht wird. Mastkorb, s. Mars. Mästung hat den Zweck, durch eine reichliche Fütterung mit guten Futterstoffen viel Fleisch und Fett von den Thieren zu gewinnen. Für die Mastfähigkeit derselben sind Alter, Geschlecht, Gesundheit und Anlage von Einfluß. Weder zu junge noch zu alte Thiere mästen sich gut; am zuträglichsten ist der Mästung die mittlere Lebensperiodc. Das zur Mästung aufgestellte Vieh muß gesund, nicht kraftlos und nicht ganz mager sein. Zur Mästung sind alle sonst gebräuchliche Futterstoffe geeignet; doch mästen Heu und Erün- futter allein sehr schwer. Die am meisten Fett erzeugenden Futterstoffe sind Kartoffeln und Nüben in gekochtem Zustande, Getreide, Ölkuchen, Trebern, Branntweinspülicht, die Abfälle von den Stärke- und Zuckerfabriken. Wie im Stalle so werden die Thiere auch auf der Weide gemästet, die Schweine in Eichen- und Buchenwäldern, Schafe und Rindvieh auf Ackern und Wiesen. Das Mastvieh muß öfter als das Zuchtvieh gefüttert, reinlich und trocken gehalten, so wenig als möglich in Bewegung gesetzt und in einem mehr dunkeln als Hellen Stalle gehalten werden. Je mehr das Futter durch Zerkleinern und Erweichen in den bestmöglichen Zustand der Verdauung gesetzt wird, und je mehr durch ein zweckmäßiges Zusammcnsetzen und Fortschreiten von minder nahrhaften Futterstoffen zu den nahrhaftem die Freßlust der Thiere rege erhalten wird, um so schneller erfolgt die Mästung. Man unterscheidet zwei Perioden derselben, die halbe und die gan ze Mästung. Erste« geschieht, um den zu magern Thieren einen Hähern Werth zu verschaffen, letztere, um Fett zu erzeugen. Ob die halbe oder ganze Mästung vortheilhafter sei, hängt von der Mastungs- fähigkeit der Thiere und von dem Preise des Fleisches und Fettes gegen die Mastungsmittel ab. In der ersten Periode der Mästung nehmen dieThiere bei reichlichem und gutem Futter am meisten zu, weshalb auch die halbe Mästung in den meisten Fällen vortheilhafter ist als die ganze. 387 Masur Maß und Gewicht Masur, eigentlich Mazur oder Mazurek, ein sehr lebhafter, graziöser und heiterer poln. Nationaltanz, zu welchem von dem poln. Landvolke auch häufig gesungen wird, im Dreiachteltakt, ist jetzt, doch ohne seinen ursprünglichen Typus ganz behalten zu haben, durch Europa verbreitet. Den Namen hat er von den Mazuren, den Einwohnern des ehemaligen Herzogthums Mazowien (s. d.). Masuren heißt der ostwärts von der Weichsel gelegene Landestheil von Ostpreußen, welcher die Kreise Zohannisburg, Sensburg, Lözen, Lyck und Olezko im Regierungsbezirke Gumbinnen ». s w. umfaßt und auf ungefähr 300 OM. gegen 400000 E. zählt, die als die Nachkommen der in der zweiten Hälfte des t5. Jahrh. hier eingewanderten Polen, mit Ausnahme der Städtebewohner, ein verderbtes Polnisch sprechen. Das Land ist bergig und reich an Naturschönheitcn, namentlich in der Nähe der Stadt Lyck, die, am Somnau- und am Lycksee reizend gelegen, gegen 4000 gewerbthätige E.zählt, ein Gymnasium hat und bis zur Absperrung Rußlands nicht unbedeutenden Handel trieb. Der Boden ist im Allgemeinen sandig und dürftig und deshalb sowie wegen geringer Intelligenz der Landlcute der Ackerbau auf keiner hohen Stufe. Im Winter 1 844 auf l 845 litt das Land durch verheerende Regengüsse und Überschwemmungen. Jndeß hatte die dadurch und durch russ. Grenzsperre, welche allen Handel lähmte, herbeigeführte große Noch doch wenigstens das Gute, daß der König im Frühjahre 1845 die Provinz persönlich bereiste und sich so am besten von Dem überzeugte, was hier dringend Noch sei. Zunächst soll die Provinz durch Chausseen mit Königsberg und Insterburg in Verbindung gesetzt werden, wo sich allein nur Absatz für ihre Products finden läßt. Maß und Gewicht. Um die Größe oder Quantität irgend einer ausgedehnten Größe (Naumgröße) zu bestimmen, muß man sie mit einer bekannten Größe derselben Art, welche als Einheit dient, vergleichen, indem man untersucht, wie vielmal die letztere in der zu bestimmenden Größe enthalten ist. Diese Einheit nennt man M a ß, die gedachte Vergleichung selbst aber me ssen. Aus dem Vorigen ist klar, daß beim Messen von Längen eine Länge oder Linie, beim Messen von Flächen eine Fläche, beim Messen von Körpern sin Kör- per als Einheit oder Maß angenommen werden muß; ebenso kann die Masse oder das Gewicht eines Körpers nur durch Vergleichung mit einem andern als bekannt angenommenen Gewichte bestimmt werden; die Einheiten des Flächen- und Körpermaßes lassen sich aber von der Einheit des Längenmaßes hcrleiten. Da die absolute Grüße jeder Maßeinheit an sich willkürlich ist, so kann es nicht auffallen, daß die Maße der einzelnen Länder sehr verschieden sind, und ihre Mannichfaltigkeit ist so groß, daß die Kenntniß der in den verschiedenen Ländern gültigen Maße und Gewichte eine eigene Wissenschaft (die Metrologie) bildet. In der ältesten Zeit hat man die Einheiten des Längenmaßes (Elle, Fuß, Zoll) von dem menschlichen Körper entlehnt, eine Bestimmung, die offenbar im höchsten Grade schwankend ist und die noch jetzt stattsiudcnde Verschiedenheit zur Folge haben mußte, wie denn namentlich in Deutschland fast jede größere Stadt ihren besonder» Fuß hat. Erst in der neuern Zeit ist man aus den Gedanken gekommen, unveränderliche Maßeinheiten aus der Natur zu entlehnen, um dadurch ein Universalmaß zu erhalten. Von den verschiedenen dahin zielenden Vorschlägen verdienen nur zwei eine nähere Erwähnung. Im I. 1673 schlug Huyghens die Länge des Secundcnpendels, welche nach seiner Theorie auf der ganzen Erde unveränderlich sein mußte, oder vielmehr den dritten Thcil derselben als Maßeinheit (Zeitfuß, pes üorarius) vor. Aber abgesehen von der willkürlichen Eintheilung des Trgs in 86400 Seeunden steht diesem Vorschläge der fast gleichzeitig bekannt gewordene Umstand im Wege, daß die Länge des Secundcnpendels nicht überall auf der Erde gleich, sondern von der geographischen Breite abhängig ist, weshalb Bouguer um >7 49 die Pendellänge unter dem 45. Breitengrade, Condamine aber, gewiß weit zweckmäßiger, die Länge des Pendels unter dem Äquator als Maßeinheit vorschlug. Jndeß kam keiner von beiden Vorschlägen zur Ausführung; zwar erklärte sich im I. >790 die franz. Nationalversammlung für die Pendellänge als natürliche Einheit und Grundlage des Maßsystems, aber die von der pariser Akademie der Wissenschaften zur Begutachtung ernannte Commission, welche Bvrda, Lagrange, Laplace, Monge und Condoreet bildeten, machte 4791 den Vorschlag, »25 * 388 Maß und Gewichr die Maßeinheit vielmehr von der Größe der Erde hcrzuleiten und zwar den zehnmillionßi« > Theil des Erdquadrankcn oder der Entfernung des Pols vom Äquator als Einheit des Längenmaßes anzunehmen. Dieser Vorschlag wurde sofort angenommen, worauf die stanz. Negierung eine möglichst genaue und sehr ausgedehnte Eradmessung veranstaltete, um durch diese die Größe jener Maßeinheit, welche Metre genannt wurde, genau zu de- stimmen. Auf die so bestimmte Einheit ist das ganze seit der Revolution in Frankreich gel- lende sogenannte metrische Maß > und Gewichtssystem gegründet. Obgleich gegen di, Grundlage desselben, den Mel«, eingewendct worden ist, daß er als Längenmaß zu grss zu verschieden von den bisher üblichen Längeneinheiten und überdies nicht einmal »Mg , richtig bestimmt sei, wie dies neuere Berechnungen allerdings dargethan haben, so ist doch dj«ses System seines strengen inner» Zusammenhangs und seiner eonsequent durchgeführ- ttn Decimaleintheilung wegen in wissenschaftlicher Hinsicht als das vorzüglichste aller vor- handencnMaßsysteme anzusehen und für wissenschaftliche Bestimmungen auch außer Frank- «ich fast allgemein, Mit Ausnahme Englands, in Gebrauch gekommen. Einige Staaten haben es sogar ganz angenommen, andere bei der Rcgulirung ihrer Maßsysteme wenigstens insofern zum Grunde gelegt, als sie einen bestimmten Theil des Mene als Längeneinheit angenommen haben. Von den übrigen Staaten, welche in der neuern Zeit ihr Maßwesen gesetzlich geordnet haben, sind die meisten von dem aitfranz., einige auch von dem engl. Längenmaße ausgegangen und haben sich begnügt, die bisher üblichen Maße durch Vergleichung mit den gedachten genauer zu bestimmen. Noch immer läßt aber der Zustand des Maß- und Eewlchcswesens sehr viel zu wünschen übrig; in vielen Staaten fehlt es noch , ganz an einer genauen gesetzlichen Regulirung der Maße )ind Gewichte, und namentlich > in einem Theile von Deutschland ist die in dieser Beziehung herrschende Verwirrung sch ( zu beklagen. Eine Abhülse durch Einführung gemeinschaftlicher Maße und Gewichte murr- I halb der Zollvercinsstaaten ist zwar in Aussicht gestellt, aber gewiß noch sehr fern. Zin l Folgenden wird eine gedrängte Übersicht der in den größer« europ. Staaten geltenden Maße und Gewichte geliefert, wobei dieselben mit den ncufranzösischen verglichen sind. l) Längenmaß. In den meisten Ländern heißt die Längeneinheit Fuß und ist ent- , weder in i 2 Zoll zu t 2 Linien oder dccadisch, d. h. in 10 Zoll zu I st Linien eingetheilt; wo im Folgenden nicht das Gegentheil bemerkt ist, findet das Erste« statt. Im Handel rechnet ^ man in Deutschland nach Ellen, deren eine in der Regel — 2 Fuß ist; noch größere Längeneinheiten sind die Klafter (zu 6 F.>, die Ruthe und für das Messen von Weglängm die Wegstunde und die Meile. Zn Baden (Maßordnung vom 27. Jan. 1829) ist der Fuß — /,» Metre und hat Ist Z. zu Ist 8 .; die Ruthe hat Ist F., die Wegstunde beträgt 4444 V, Met. In Baiern (Verordnung vom 28. Febr. >809) ist der Fuß — >29,38 pariser L. oder circa 9,292 Met.; die Elle hat 2 F. Ist'/) Z., die Ruthe ist F., die Meile 25496 F. In der bair. Pfalz ist der Fuß-----/- Met., die Elle---- IMet..-Jn Belgien ist das stanz. Maßsystem eingeführt. In Braunschw eig (Gesetz vom 39. März 1837) hat der Fuß 126/2 par. L. oder circa 9,285, Met., die Ruthe >6 F., die Meile 26990 F. In Bremen hält der Fuß circa 9,289 Met., die Ruthe hat > 6 , zuweilen auch 18 und 2v F. In Dänemark gilt der rheinländ. Fuß von circa 139,99 par. L. oder circa 9,3U Met., die Ruthe hat 19, die Meile 24900 F. In Frankfurt am Main hält derFuß 126/s, die Elle 242,62 par. L.; die Feldruthe hat 12 F., ist aber in 1 9 Feldschuh ge» thcilt. In Frankreich (Gesetze vom 7. Apr. 1795, und ist.D.c. >799) dient seit der Revolution der Metre, welcher genau 443,296 par. L. (der Toise von Peru) mißt und >9 Decimetres, I Vst Centimen es, IstOOMillimetres hat, als Längeneinheit. Für größere Längen dienen der Kilomette---- IstVO Met., der Myriametre -----10090 Mit. !wd die Lieue--- SOsttt Met. Das altstanz. Maß harte den Fuß (pariser oder königlicher Fuß, piell lln rvi, genannt) oder eigentlich die Toise (Klafter) von 6 F. »ur Längeneinheit; die Ruthe (percke) hatte für Acker 18, für Wälder 22 F., die Elle (aune) 526/« L. In Griechen- land ist seit dem März >837 dasstanz. Maßsystem cingcführt. In Großbritannien und Irland rechnet man nach Yard zu 3 F.; der Fuß beträgt ca. 9,305 Met. und hat 12 Z. zu 10 L.; der Faden hat 6 , die Ruthe 16'/, F„ die Meile (in 8 Furlongs gethellk) 6280 F. In Hamburg (Maß- und Gewichtsordnung vom > 6 . Jan. >843) ist derM 389 nße» - ik de« >f dik ltttt, ub,- >g!l- ^ dik gr°S' führ- v«. unö ! late» , stenS nhki! seskii engl, ^gin- > dks noch >tlich ' s-hr ^ l»er< ! Zm ' ndm ent- . oim hnet, gen- ^ > die lägt >,ZS icilr fen »F. und 311 W ge- der ! I« gen r»i, Ikhe en- ien hat ilk) Maß und Gewicht --- °'/rbs des dortigen Secundenvendels oder ca. 127,36 par. L.; er ist in 12 Z. zu 8 Theiien getheilt; die Ruche hat i6F. In H annover (Gesetz vom 19. Aug. >836) hat der Kuß l l'/- engl. Z. oder circa <«,262 Met., die Ruthe k 6 F., die Meile 25-166 F. In Hessen-Kassel hat der neue kasseler Fuß I l preuß. Z. oder ca. 6,288 Met., der alte 126,3 par. L. »der ca. 6,285 Met., die Feldruche l-l alteF. In Hessen-Darmstadt (Gesetz vom >6. Dec. l817) ist der Fuß -----V« Met. und decadisch eingetheilt, die Elle---- 21 Z. oder V-> Mit.; die Klafter hat 16 F., die Wegstunde 20666 , die Meile 36066 F. Zm Kirchenstaat hält der Baufuß oder Palmo ca. 6,223 Met.; 10 Palmi machen eine Canna; die im Handel übliche Elle oder Canna hält ca. 1,992 Met. Zn Lübeck und Mecklenburg hat der Fuß > 29 par. 8. oder ca. 6,291 Mit. In Nassau ist der Feldfuß ----- Met. und decadisch eingetheilt; 16 Feldfuß machen eine Ruthe; der Werk- fuß ist dem neuen badischen gleich. In Neapel (Gesetz vom 22. Apr. 1816) ist der Fuß oder Palmo als Basis des Maßsystems — '/ 7 °oo der ital. geographischen Meile, deren 66 auf den mittler« Grad des Erdmeridians gehen, also gleich oder ca. 6,26-155 Met.» und ist decadisch eingetheilt; l 6 Palmi machen eine Canna. Im Königreich der Ni eder- »ande gilt das fran;. Maßsystem. In Ostreich hat der wiener Fuß ca. 116 par. L. oder 6,316 Met.; die Elle hält 2,165, die Klaftert», die Meile 21666 F. Zn Oldenburg ist der Fuß — ca. 6,296 Met.; die Elle 257/, par. L-, die Ruthe ----- >8 oder 2VF. Zn Portugal ist der Fuß---- 115.9 par. L. oder ca. 6,329 Met., die Elle für den Großhandel (V«ra) — ca. 1,693 Met., sie für den Kleinhandel (Ovucko) ----- ca. 6,678 Met. In Preußen (Maß- und Gewichtsordnung vom 16. Mai >816) gilt der rhcinländ. Fuß, welcher gesetzlich >39,13 par. 8. oder ca. 6,31 - Met. hält; die Elle hält 2'/8 F., die Ruthe ! 2, die Meile 21006 F. In Rußland gilt der engl. Fuß, in 12 Z. zu 12 8. getheilt; die Ärschine oder Elle ist ----- 2'/z F., aber in 16 Werschock getheilt, der Sashen oder Faden hält 7 F. oder 3 Arschinen, die Werst oder Meile 3566 F. Zn Sachsen ist der bisher übliche (dresdner) Fuß ----- ca. 125,5 par. L. oder 6,283 Met.; die Elle hat 2, die Feldruthe >5'/«F. Nach dem neuen Maßsystem, dessen Einführung in den nächsten Jahren bevorsteht, ist der Fuß ----- V,o Mit., wie in Baden, aber in 12 Z. zu 12 8. getheilt, wie bisher; die Elle hak 2 F., die Lachter beim Bergwesen 2 Met., die Ruthe 16 F., die Meile 25666 F. In Sachsen-Weimar hat der Fuß >25 par. 8. oder ca. 0,282 Met., die Ruthe 16, die Meile 26696 F. In Sardinien ist der piecko li- praucko» ca. 6,511 Met., der gewöhnliche Fuß nur — 8 Z. oder /> des vorigen ; die Elle (rsso) hält l'/«, die Klafter (tesu) 3'/-, die Ruthe (perric») 12 liprand. F. Auch hier soll (vom l.Jan. »850 an) das neufranz. Maßsystem eingeführt werden (Decret vom ll. Sept. 1815). In S chwedcn hat der Fuß ca. 131,615 par. L. .'oder 6,2969 Mit., die Ruthe 16, die Meile 36060 F. Inder Schweiz haben die zwölf Cantone Aargau, Basel, Bern, Frciburg, Glarus, Lucern, St.-Gallen, Schaffhausen, Solothurn, Thurgau, Zürich und Zug sich am 36. Aug. >631 zu einem gemeinschaftlichen Maßsysteme vereinigt; nach diesem ist der Fuß dem badischen gleich und decadisch eingetheilt; die Wegstunde hat 16666 F. Waadtland und Wallis hatten schon früher denselben Fuß angenommen; hier bilden i F. eine Elle oder Aune, 10 F. eine Klafter oder Toise; in Neuenburg ist der Fuß »136 par. 8. Zn Spanien hat der castilian. Fuß ca. >25,3 par. L. oder ca. 6,283 Met.; die Elle oder Vara hat 3 F. In ToScana (Gesetz vom > i.Zuli 1782) hat die Elle 258,719 par. L. oder ca. 6,591 Mit.; die Ruthe oder Canna hat 5, die Meile 2833V- Ellen. In Würtemberg (Maß- und Gewichtsordnung vom 36. Nov. 1866) hat der Fuß 127 par. L. oder ca. 6,2865 Mit., »nd ist decadisch eingetheilt; die Elle h«t 2,1ii F., die Ruthe 16 F. 2) Flächen-oder Feld maß. Baden: Morgen-----160 mR. oder 6,38 Hektare. Baicrn: Tagwerk (Zuchart, Morgen) — 166 mR. oder ca. 6,311 Hect. Braun- schweig: Feldmorgen — >20 mR. oder ca. 0,553 Hect. Frankfurt: Morgen ----- 166 UM.; 36.Morgen geben eine Hufe. Frankreich: Hectare oder metrischer Arpent -----16666 oMitres; der Arpent des alten. Maßsystems hatte 18100 mF. Großbritannien: Acre ----- 166 mR. oder ea. 0,165 Hect. Hannover: Morgen ----- 120 mR- oder circa 0,262 Hect. Hrssen-Kassel: Acker---156 mR. Hessen-Darmstadtr 360 Maß und Gewicht Morgen — 406 mKlast.-----'/- Heck. Nassau: Morgen-----100 mR. Neapel: Mg. gio ----- 10000 mPalmen — ca. 0,070 Hect. Ostreich: Joch ------ >600 mKlast. oder circa 0,576 Hect. Oldenburg: Morgen — 356 mR. zu 400 mF. Portugal! Geira ----- 484 S mVaras. Preußen: Morgen ----- 190 mR. oder ca. 0,255 Hect. Rußland: Deffätine — 2400 mFaden oder 1,0025 Hect. Sachsen: alter Acker---- 300 mR. oder ca. 0,553 Hect.; neuer Acker ----- 600 mR. oder 0,54 Hect. Sachsen- Weimar: Acker ----- 140 mR. Sardinien: Giornata oder Tagwerk — 100 IM. Schweden: Tonne Land ------ 56000 mF. oder ca. 0,494 Hect. Schweiz: in den Ms concordirenden Cantonen Juchart ----- bad. Morgen; in Waadtland und Wallis Pose---- 500 mKlast. Spanien: Fanega-----6000 mVaraS oder ca. 0,459 Hect. Würtem- berg: Morgen-----384 mR. oder ca. 0,315 Hect. 3) Hohlmaß für Flüssigkeiten. Baden: Maß — '/,» Cubikfuß oder 1^/, Litre, getheilt in 10 Glas; ein Fuder hat io Ohm, 100 Stützen, 1000 Maß. Baiern: Maß (Maßkanne) ------ Cubikfuß oder ca. 1,069 Lit., getheilt in 4 Schoppen; lU Maß gehen auf einen Eimer. Belgien, s. Frankreich. Braunschweig: Quartier (faßt! 2 Pfd. destill. Wasser bei >5" N-) — 52"/,, preuß. Cubikzoll oder ca. 0,937 Nt.; ein Oxhost hat >/-- Ohm, 6 Anker oder 240 Quartier, eine Tonne 108 Quartier. Bre- men: Quart — ca. 0,805 Lit., getheilt in 4 Mingel; eine Ohm hält 45 Stübchen oder 180 Quart. Dänemark: Pott------'/z, Cubikfuß oder ca. 0,965 Lit., getheilt in t K- gel; ein Fuder hat 6 Ohm, 24 Anker, 930 Pott, eine Kanne 2 Pott, eine Biertonne >.1S Pott. Frankfurt am Main: Alt- oder Aichmaß ----- 90,384 par. Cubikzoll oder ca. 1,793 Lit., getheilt in 4 Schoppen; ein Fuder Wein hat 6 Ohm, 120 Viertel, >80 Aichmaß, 540 Jungmaß; ein Stück hat 8 Ohm. Frankreich: Litre — '/,o»o Cubikmetre; die Pinte des alten Maßsystems war------ 48 Cubikzoll oder ca. 0,931 Lit. und in 2 Cho- pinen getheilt, das Faß oder Muid enthielt 2 Feuillettes, 4 Quartauts, 36 Setiers, 288 Pinten. Großbritannien: Gallon (faßt 10 Pfd. Wasser bei 62" F.) -^- 277,274 engl. Cubikzoll oder ca. ----- 4,543 Lit., getheilt in 4 Quarts und 8 Pints; ein Peck hat 2, ein Bushel 8 Gallons. Hamburg: Stübchen — 266 Cubikzoll oder ca. 3,651 Lit., ge- theilt in 2 Kannen oder 4 Quart; ein Fuder hat 6 Ohm, 24 Anker, 30 Eimer, >20 Mertel, 240Stübchen. Hannover: Stübchen — 270 Cubikzoll oder ca. 3,894 Lit., getheilt in 2 Kannen, 4 Quartier, 8 Nößel; eine Ohm hat 4 Anker, 40 Stübchen oder 160 Quartier. Hessen »Kassel: Maß---- I 44 Cubikzoll oder ca. 1,984 Lit., getheilt in 4 Schoppen; eine Ohm hat 20 Viertel oder 80 Maß. Hessen-Darmstadt: Maß ----- 128 Cubikzoll oder 2 Lit., getheilt in 4 Schoppen. Kirchenstaat: Faß oder Barile —ca. 45,51 Lit., getheilt in 32 Boccali, 128 Foglictte, 5I2Cartocci; beim Öl hat daß Faß 28 Bsc- cali und hält ca. 53,i i Lit. Lübeck: Quartier ----- 45/, par. Cubikzoll oder ca. 0,905 Nt.; eine Ohm hat 20 Viertel oder >60 Quartier. Nassau: Weinmaß — ca. 1,685 Nt., Diermaß — ca. 1,886Lit. Neapel: Faß oder Barile ----- ca. 43,625 Lit., getheilt in 60 Caraffen; ein Botto ------ 12 Barili. Ostreich: Maß oder Kanne-----0,0448 Cubik- fuß ----- ca. 1,415 Lit., getheilt in 4 Seidel; ein Faß hat 10 Eimer zu 40 Maß. Oldenburg: Kanne-----74 par. Cubikzoll---- 1,468 Lit.; Anker----- 26 Kannen oder 40 Quartier. Portugal: Almude—ca. 16,541 Lit., getheilt in 2Potes, 12 Canadas, 48Quac- tilloS; eine Tonelada hat 2 PipeS zu 26 Almudcs, ein Barril 18 Almudcs. Preußen: Quart ----- 64 preuß. Cubikzoll oder ca. 1,145 Lit.; ein Oxhost hat IV- Ohm, 3 Eimer, 6 Anker, 180 Quart; beim Bier hat ein Gebräue 9 Kufen, 18 Faß, 36 Tonnen, eim Tonne aber 100 Quart. Rußland: Stoof------ 75 Cubikwll oder ca. 1,229 Lit., getheilt in 10 Tscharken; ein Faß hat 40 Wedroszu 10 Stoof. Sachsen: alte dresdner Kanne ------ 47,213 par. Cubikzoll oder ca. 0,937 Lit., Eimer — 72 Kannen; neue Kanne--- 64 Cubikzoll------Litre. Sardinien: Brenta-----ca. 49,285 Lit-, getheilt in 36 Pinte, 72 Boccali, l44Quartini; 10 Brente geben ein Carro. Schw eben: Kanne------ '/>°Eubik- fuß ----- 2,617 Lit., getheilt in 2 Stop, 8 Quarter, 32 Jungfrur; Am ------ 4 Ankar von 15 Kannen. Schweiz: in den concordirenden Cantonen Maß oder Pot ----- >'/- Eit.; Saum oder Ohm -----100 Maß. Spanien: für Wein große Arroba oder Cantara ---- 1237/, span. Cubikzoll-----16,073 Lit., getheilt in 8 Azumbrcs und 32 Quartillos; für 391 Maß und Gewicht öl kleine Arroba ----- 966'/- span. Cubikzoll ----- l 2,63 Lit., getheilt in -1 QuartilloS und 160 Quarterones oder Panillos. ToScana: für Wein Barile ----- 45,584 Lit., getheilt in 2 Mezzobarili, 20 Fiaschi, 80 Mezzette, 160 Quartucci; für Öl Barile ------ 33,429 Lit., getheilt in 2 Mezzobarili, >6 Fiaschi, 64 Mezzette. Würtrmberg: Maß (Hellaichmaß) -----78'/° Cubikzoll oder ra. >,837 Lit., getheilt in 4 Schoppen; Fuder ----- 6 Eimer, 96 Zmi, 960 Maß. 4) Fruchtmaß. Baden: Malter----- >00 Maß------ >'/, Hectolitre, getheilt in >0 Sester, lOO Mäßlein, >000 Becher; Zuber — >o Malter. Baiern: Metze-----34'/, Maß oder ca. 37,066 Lit.; Scheffel-----6 Metzen. Braunschweig: Himten----23I6 Cubikzoll oder ca. 3 l,l 45 Lit., getheilt in 4 Vierfaß oder 16 Metzen; Wispel ----- 40 Him- ten. Bremen: Scheffel-----74,104 Lit., getheilt in 4 Viertel oder >6 Spint; Last------ 40 Scheffel. Dänemark: Scheffel---- >8 Pott oder ca. >7,375 Lit.; Korntonnc ----- 8 Scheffel. Frankfurt: Malter-----64 Altmaß, getheilt in 4 Simmer, >6 Seckter, 64 Ge- scheid. Frankreich: Hectolitre----- >00Lik. Im alten Maßsysteme war ein Boisscau----- 655,78 par. Cubikzoll oder ca. 13,008 Lit. und in >6 Litron« getheilt; ein Setier hielt beim Hafer 24, beim Korn 12Boisseaur; Muid odg» Tonne — >2 Setiers. Großbritannien: Bushel------8 Gallons oder ca. 36,348 Lit.; Quarter-----8Bushels. Hannover: Himten — 1'/« Cubikfuß oder ca. 31,152 Lit., getheilt in vier Metzen oder Spint; Last — >6 Malter oder 96 Himten. Hessen-Kassel: Metze ----- 729 Cubikzoll oder ca. 10,046 Lit., getheilt in 4 Becher oder Mäßchen. Hesscn-Darmstadt: Malter ---- >28 Lit., getheilt in 4 Simmer, 16 Kumpf, 64 Gcschcid, 256 Mäßchen. Kirchenstaat: Nubbio-------ca. 294,46 Lit., getheilt in 4 Quart!, 22 S-corzi, 88 Quartucci. Neapel: Tomolo ------- 3 Cubikpalmi oder ca. 55,545 Lit., getheilt in 4 Quarti oder 24 Misure; Carro----36 Tomoli. Ostreich: wiener Metze------ >,947l Cubikfuß oder ca. 61,499 Lit., getheilt in 8Achtel, 32 Mäße!, >28 Becher; Muth-----30 Metzen. Oldenburg: Scheffel ----- ca. 22,803 Lit.; Malter ------ >2, Tonne ----- 8 Scheffel. Portugal: Fa° nega ---- ca. 54,263 Lit., getheilt in 4 Alquires, > 6 Quartos, 32 OitavaS und > 28 Sele- mineS; Moyv -----l5 FanegaS. Preußen: Scheffel — 3072 Cubikzoll -----ca. 54,961 Lit., getheilt in >6 Metzen zu 3 Quart; Tonne — 4 Scheffel. Rußland: Tschctwerik — 1600 Cubikzoll (64 Pf. Wasser) oder ca. 26,218 Lit-, getheilt in 8 Garne;; .Tschet- wert ----- 2 Osmin oder 8 Tschetwerik. Sa ch sen: alter (dresdner) Scheffel ----- 7900 Cubikzoll oder ca. >03,829 Lit., getheilt in >6 Metzen; Malter — 12, Wispel-----24 Scheffel; neuer Scheffel------ >00 Lit. Sachsen-Weimar: Scheffel — ca. 76,965 Met. S ardinien: Saccs — ra. l >5,028 Lit., getheilt in 5 Emine, 40 Coppi, 960 Cucchiari. Schweden: Kanne, s. unter 3); kleine Tonne----56, große Tonne —63 Kannen; Kappa --->'/, Kanne. Schweiz: in den concordirenden Cantonen hält der Malter wie in Ba- den ISO Lit. und ist getheilt in >0 Viertel zu 10 Jmmi. Spanien: Fanega — ca. 56,3 Lit., getheilt in >2 Celemines; Cahi; ---- >2 Fanegas. Toscana: Stajo ----- 24,363 Lit., getheilt in 2 Mine, 4 Quarti, 32 Mezzette, 64 Quartucci. Würtrmberg: Scheffel — 7537 Cubikzoll oder ca. >77,226 Lit., getheilt in 8 Simmer, 32 Vierlinge, 256 Eckletn, >024 Vicrtelein. 5) G ewi ryt. Die Gewichtseinheit heißt in Deutschland überall Pfund und wird hier gewöhnlich in 32 Loth zu 4 Quentchen eingetheilt. Das beim Zollwesen im deutschen Zollverein zur Anwendung kommendePfundist— '/-Kilogramm, der Centner------ > 0» Pf. Zn den einzelnen Ländern sind folgende Gewichte üblich. Baden: Pfund -----'/, Kilogramm, getheilt in l O Zehnling, 100 Centaß, l OOO Dekaß, 10000 Aß; Ctr. ----->0 Stein zu >0 Pf. Balern: Pfund-----0,56 Kilogr.; Ctr.---->00 Pf. Belgien s. Frankreich. Braunschweig: Pfund s.Preußen; Ctr.----->ooPf. Bremen: Pfund-----0,4985 Kilogr.; Ctr. °--->>6Pf. Dänemark: Pfund-----ca. 0,499 Kilogr.; Ctr.---->00 Pf. Frankfurt: leichtes Pfund ----- ca. 0,468, schweres ----- ca. 0,505 Kilogr.; Ctr. ----->00 Pf. Schwergewicht oder! 08 Pf. Leichtgewicht. Frankreich: Kilogramms------'/isooCubikmetredestillirtes Wasser), getheilt in > 000 Gramm; Quintal------100 Kilogr. Im alten Maßsystem war ein Pfund ---ca. 0,4895 Kilogr-, getheilt in >0 Unzen zu 8 Gros zu 72 Grains; > 00 Pf. gaben ein Quintal. Griechenland (.Frankreich- Großbritannien: Pfund Troygewicht » »^ 1 . ^ Maß und GrwichL 392 (gcsehliche Gewichtseinheit) -----ca. 0,373Kilogr., getheilt in >2Unzen, 240Pennyweight, 5760 Grains; Pfund Avoirdupois-Gewicht (für den Handel) ----ca. 0,4536 Kilogr., gelheilt in >6 Unzen zu 16 Drachmen; der Ctr. hat > i2Pf.Avoirdupois, die Tonne 2 Ctr.; 175 Pf. Troy-Gewicht geben 144 Pf. Avoirdupois-Gewicht. Hamburg: Pfmid^-9,i8j Kilogr.; Ctr.—I I2Pf. Hannover: Pfd.s.Preußen; Ctr.--->00Pf. Hessen-Kassel s. Preußen. Hessen-Darmstadt: Pfund -'/- Kilogr.; Ctr. ----- >0»; Pf. Kirchen- staat: Pfund — ca. 0,339 Kilogr., getheilt in >2 Unzen zu 24 Denan; Ctr.----100, M oder 2 5 0 Pf. Lübeck und Mecklenburg - Schwerin: Pf. — ca. o,4 85 Kilogr.; Ctr-- 1 l2Pf. Mecklenburg-»Strelitzs. Preußen. Nassau: Pfund-----ca. o,471 Kilogr.; Ctr. —106 Pf. Neapel: Pfund---ca-0,321 Kilogr., getheilt in 12Unzen zu3»Trappest; Rotolo — 33'/, Unzen — ca. 0,891 Kilogr.; Cantaro — 100 Rotoli. Nieder- lande s. Frankreich. Ostreich: Wiener Pfund----ca. 0,560 Kilogr.; Ctr.-----100Pf. Oldenburg: Pfund-----ca. 0,480 Kilogr.; Ctr. —100 Pf. Portugal: Pfund--- ra. 0,459 Kilogr., gctheilt in 2 Mark, 16 Unzen, 128 Outavas zu 72 Graos; Arroba — 32 Pf., Ctr.L-- >2SPf., Tonne—54 Arrobas. Preußen: Pfund (—'/« Kubikfußde- stillirtes Wasser bei I5°R.)----ca. o,468Kilogr.; Ctr.—I lOPf., Schiffslast—4000 Pf. Rußland: Pfund (----25 Kubikzou destillirtes Wasser bei 8°R.) -----ca. 0,409 Kilogr.; Pud---->40 Pf., Berkowetz-----10 Pud. Sachsen: altes Pfund ----- ca. 0,467 Kilogr.; Ctr.--- lIOPf.; neues Pfund-----Zollpfuud, Ctr.---- lOOPf. Sachsen-Weimars. Preußen. Sardinien: vor 1850Pfd.-^-ca. 0,369Kilogr., Rubbo —25Pf.; imZ. 1850 wird das franz. Gewicht eingeführt. Schweden: Schalpfund ----- ca. 0,425 Ki- logr.; Ctr.----- 120 Pf.; Schiffspfund — 20 Liespfund zu 20 Schalpfund. Schweiz s. Baden. Spanien: Pfund -----ca. 0,460 Kilogr., getheilt in 2 Mark, 16 Unzen u.s.«.; Arroba— 25 Pf., Ctr. ---100 Pf. To s ca na: Pfund — ca. 0,3395 Kilogr., unwirklich größer als das römische. Würtemberg: Pfund (Leichtgewicht) — ca. 0,468 Kilogr.; Ctr.--- 104 Pf. Leichtgewicht ----- 100 Pf. Schwergewicht. — Verschieden von dem im Handel üblichen ist fast überall das Apotheker- oder Medicinal-, sowie das Gold-, Silber- und Juwelengewicht. Bei dem erstem wird das Pfund in 12 Unzen zu 8 Drachmen, die Drachme aber in 3 Scrupel zu 20 Gran getheilt. Dasselbe stimmt meistens mit dem Nürnberger (---- ca. 0,358 Kilogr.) ziemlich genau überein und beträgt in Baden 0,3577-8, in Baiern 0,36, in Frankfurt am Main 0,357854, in Hessen-Darmsiadt 0,357828, in Hessen-Kassel 0,357664, in den Niederlanden 0,75, in Sachsen-Weimar 0,349091, inSchweden 0,356437, in Würtemberg 0,357647 Kilogr.; ferner in Ostreich '/> Pf. oder ca. 0,42 Kilogr., in Preußen Pf. oder ca. 0,35 l Kilogr., in Rußland '/«Pf. oder ca. 0,358 Kilogr. Für Gold und Silber bedient man sich in Deutschland und in mehren andern Staaten beim Münzwesen der köln. Mark, welche in 16 Loth, 256 Pfennige, 288 Grän und 65536 Richtpfennigtheile getheilt wird, aber nicht überall völlig gleich iß. Die eigentliche köln. Mark hält nach Chelius 233"/, Gramm, die preußische, seit 1838 von allen Staaten des deutschen MünzvereinS angenommene Münzmark aber beträgt 233,855 Gramm oder '/r preuß. Pf., die wiener Mark 2«<>,644 Gramm oder I '/> köln. Mark, die portugiesische 229,48 Gramm, die spanische (casiilische) 230,043 Gramm oder /, span. Pf.; das dän.Pf. Silbergewicht wiegt 469,89 Gramm oder '^/i? Pf. Handelsgewicht. Das Gewicht von Edelsteinen und Perlen wird nach Karat zu 4 Gran bestimmt; ein Karat beträgt in Preußen "/ 15 . Quentchen oder 0,2055 Gramm, in Ostreich 0,2061 Gramm. Schließlich geben wir hier eine Übersicht der Maße und Gewichte bei den Römern. ^) Maße, und zwar 1) das Längenmaß. Der?es (Fuß)---- 1 31,15 par. Linien---- 0,910 par. oder 0,942 rhein.F., wurde cingetheilt sowol in 12 uuciae als, namentlich von Feldmessern und Künstlern, in 16 Oi^iti (Finger oder Zoll); 4 UiZiti machten > pslwu- — '/, pas; größere Maße waren namentlich der polmipes----*/« pe«; deroubitus oder das cvbitnm (Elle) — 24 cüAiti oder l /, per; das Wort uloa wird theils gleichbedeutend mit cubitus, theils im Sinne von Klafter gebraucht. Der einfache Schritt, Zi-säur, enthielt 2/,röm.F.; der doppelte, passus, 5röm.oder 4,55par-, 4,71 rhein.F.; I 060 (mi»e) psssus betrüg die röm. Meile, deren ungefähr 75 auf den Grad gehen; jedes millisnum war auf den Lündstraßen durch einen Stein (Ispis) bezeichnet, daher dies Wort selbst für Mäßigkeitsvereine Maßrnaun 393 >bt Meile gebraucht wird. Die Meßrnthe hieß is6rsti (lüF.) 23889,33 par. oder 25581,91 rhein. lüF.; es ward selbst in uncise, Zwölftheile, eingctheilt und sofort durch die Unterst! «btheilungen der mwi» (s. beim Gewicht) Ns zur scriptnls (19» röm. lUF.), deren eS 288 n. enthielt. Außerdem waren noch in allgemeinem Gebrauch der »etus (sctus 29 peäes --- Länge nur -i pelles Breite hatte. Zwei siigers hießen ein bererliu»» (Erbe), 19 dereäi» eine centuris, -1 centnrise ein ssltus. 3) Das Hohlmaß, s) bei Flüssigkeiten: die »m- IP< pdors oder das gusllrsnl»! ward grthcilt in 8 congü oder 48 sextsrii, oder 9k kewinse, r< ° oder 192 gusrtsrii, oder 38-1 scetsbnls, oder 57k czatlu. Der sogenannte farnesifche cvll- Ps. gins in der dresdner Antikensammlung, ein im I. 878 der Stadt geaichtes Bronzegefäß, --- enthält 63466 par. Gran ----- 179,29 par. Cubikzoll oder 3,69 (3'/») dresdner Kanne; die — smpkara also > 362,32 Cubikzoll oder 28^ dreedn. Kanne, und 5 swpllvrse vergleichen de- sich 2 Eimern zu 7 2 Kannen oder I Ohm. Der sextsrin« -----' z Kanne zerfiel in 12 czs- Ps tbi (kleinste Meßgefäße), deren 4 einen trieus, Trinkgcfäß von Kanne, machten. 6) Tro- r.; ckenmaße. Der moäius entsprach '/> smpluns, also 454,1 t par. Cubikzoll, sodaß also r.j nahe an 12 mollii auf I dresdner Scheffel gehen würden; er enthielt selbst 1 6 sextsrü oder s 32 beminse, oder 64 gusrtsrii, oder 128 scetsbuls, oder 192 czmtiii. 8) Gewichte. Z, Der ss oder die libr» (röm. Pfund) zu 6165 par. Gran,' ungefähr —'/, par.,köln. kj. Pf., ward getheilt in 12 uncme; 1 uneia enthielt 2 semiuuciso oder 3 cluollsc, oder 4 »!- 4z ciliei, oder 6 sextulse, oder 24 scriptuls (Skrupel), oder 144 siligus«, sodaß also 288 o. z > Skrupel auf den s.s gingen. Damit ward in der spätern Zeit die Rechnungsdrachme ver- ck< s Kunden, deren 8, jede zu 6 oboli, auf die »ncis gingen. Die Mehrheiten vom »s wurden ss- bezeichnet durch lluponstius (2 ponilo oder 2 ssses), sestertius (2^/, ssses), trossi» (3 asses), sn ! gustrussis, ejuinguessis bis zu cevtussis (199 ssses). Das Wort »s selbst aber brauchten d>, j die Römer überhaupt zu Bezeichnung eines Ganzen und theilten dies in 1 2 gleiche Theile h- § (unciae) unter folgenden Benennungen: lleunx — 11 uncise oder klextrms — 19 ,jl une. Vk-, llollrans -----9 »nc. des -----8 unc. septunx ----7 nnc. V„, remis ----- 6 nnc. guiociiux ----- 5 une. triens ----- 4 unc. gusclrsnr — 3 unc. s/,, rextsnr ----- 2 unc. dt ^ ssscunx ----- I '/r »oc. uneis '/„. , m >! Mäßigkcitsvereme hat man die Verbindungen mehrcr Individuen genannt, welche ch sich gegenseitig versprechen, im Genüsse geistiger Getränke nicht außzuschweifen und bcson- st ! ders des Branntweins sich entweder ganz oder bis zu einem gewissen Grade zu enthalten, h- Die Bemerkung, welches Unheil die Trunksucht in vielen, besonders den nördlichen Ländern c, nach sich zog, seitdem der Branntwein eine wohlfeilere Art der Bereitung und demzufolge si. ! une bedeutendere Verbreitung erhielt, foderte Menschenfreunde und Staatsmänner auf, -n diesem Übel aus allen Kräften zu steuern. Wenn in manchen Ländern, z. B. in Schweden, 5 Strafgesetze für Berauschte gegeben wurden, so hat man in andern durch Stiftung von je Mäßigkeitsvereinen dem übermäßigen Genuß des Branntweins zu begegnen versucht. Ent- schiedcnen Nutzen haben die Mäßigkcitsvereme in Nordamerika und in Großbritannien ls gebracht, wo besonders der berühmte Pater Matthew als Apostel derselben wirkt, und selbst e> in Deutschland zeigen sich bereits ihre wohlthätigen Folgen. Maßmann (Hans Ferd.), ordentlicher Professor der altern deutschen Sprache und Literatur an der Universität zu München, wurde am 15. Aug. 1797 zu Berlin geboren - I und erhielt daselbst auf dem Friedrich-Werder'schen Gymnasium seine Schulbildung. Im n Herbst 1814 bezog er die Universität zu Berlin, um Theologie zu studiren, schloß sich aber r bald darauf den freiwilligen Jägern an, und setzte erst nach seiner Rückkehr aus Frankreich s sw Herbst >815 seine Studien, die sich auch aufPhilologie und Geschichte bezogen, anfangs 4 Berlin und von Ostern 1816 — 18 in Jena fort, wo er, der Burschenschaft angehörig, 4 manches Lied dichtete, auch die Feier des Wartburgfestes, bei der er gegenwärtig war, in ) > anonym erschienenen Schrift schilderte. Für die Turnkunst, die er mit Eifer betrieb, » ! halte ihn schon als Schüler Friedr. Ludw. Jahn (s. d.) gewonnen. ZmSommerl8l7 r 9<>nd er eine Zeit lang während Jahn's undEiselcn's Abwesenheit der berliner Turnanstalt S 394 Maßstab vor. Nach bestandener Candidatenprüfung wurde er in Breslau Mitglied des pädagsgi- scheu Seminars und Hülfslehrer am Gymnasium und leitete die öffentliche Turnansi»!» Eine Stelle am Gymnasium zu Magdeburg, die er 18 > 9 erhielt, gab er bald auf, wendet, sich nach Berlin, wo er mit in die Untersuchungen wegen demagogischer Umtriebe gezogen, dadurch aber nicht abgehalten wurde, theilS früher begonnenen naturwissenschastlichn, Studien, theils der Erlernung des Drechselns und Schneidens in Holz und Metall oben- liegen. Im Z. 1821 trat er in eine Erziehungsanstalt zu Nürnberg als Lehrer ein, die n aber auch bald wieder verließ, um nach Griechenland zu gehen. Von diesem Entschlüße brachten ihn indeß Erfahrungen ab, die er unterwegs in der Schwei; machte; von Zferteii, wo er Pestalozzi kennen lernte, ging er nach Eöttingen, dann nach Berlin zurück, weih« namentlich das historische Studium der deutschen Sprache beschäftigte. Auf einer wisse», schaftlichen Reise, die er 1824 nach Süddeutschland machte, erhielt er einen Ruf als Lehrer der Turnkunst bei dem königlichen Cadettencorps zu München, dem er 1826, nach einem länger« Aufenthalte zu Heidelberg, folgte. Bald nachher wurde ihm auch der Turnunter- richt bei den königlichen Prinzen, und 1828 die Stiftung und Leitung einer öffentliche» Lurnansialt für die münchencr Schulen übertragen. Im I. 1829 erhielt er eine außerordentliche Professur an der Universität, an welcher er seit Beginn seines Aufenthalts i» München Vorlesungen über altdeutsche Literatur gehalten hatte. Vier Jahre nachher machte er im Aufträge des Kronprinzen Maximilian von Baiern eine wissenschaftliche Reift nach Italien, von welcher er nach achtmonatlicher Abwesenheit außer Andern, Faksimiles und Abschriften goth. Svrachdenkmäler aus Neapel, Nom und Mailand mit zurückbrachte Im I. 1835 wurde er ordentlicher Professor und zugleich im königlichen Ministerium Referent für das Schulwesen. Unter Beibehaltung seiner Professur und des Jndigenats, das ihm >829 ertheilt worden war, ging er im I. 1842 auf einen Ruf der prenfi. Regierung nach Berlin, um die Einrichtung des allgemeinen Turnunterrichts im xreuß. Staate auszuführen. Von seinen literarischen Arbeiten erwähnen wir mit Übergehung der vielen!» Zeitschriften zerstreuten kürzer« Aufsätze und der poetischen Versuche, unter denen sich auch ein Paar in goth. Sprache (Münch. 1836 und 1837 erschienen) befinden, seine „Erläuterungen zum Wessobrunner Gebete des 8. Jahrh., nebst zweien noch ungedruckten Gedichte» des 14. Jahrh." (Berl. 1824); seine Ausgaben der „Denkmäler deutscher Svrache und Literatur aus noch »«gedruckten Handschriften des 8.—16. Jahrh." (Münch. 1828), der „Auslegung des Evangeliums Johannis in goth. Sprache, aus röm. und Mailand. Haud- schriften" (Münch. >834, 4.), der „Deutschen Gedichte des >2. Jahrh. und der nächsi- stchcnden Zeit" (2 Bde., Quedlinb. 1837), der „Eothischen Urkunden zu Neavel und Arezzo" (Wien >838, Fol.), der „Deutschen Abschwörungs-, Beicht-, Buß-undBet- formcln des 8. - 13. Jahrh." (Quedlinb. 1839), von „Eraclius. Deutsches und fram. Gedicht des 12. Jahrh." (Quedlinb. 1842), von „Samt Alexius' Leben in acht gereimte» mittelhochdeutschen Behandlungen" (Quedlinb. 1843), des „Tristan" Gottfricd's « Strasburg (Stuttg. 1843) und des „lubellns kmrarms «vu talmine eeratae-rom-mae in lnilink surariit sznrck Xbrncibsniuni «;>;ii, Münch. >831), „Geschichte des mittelalterlichen, vorzugsweise des deutschen Schachspiels" (Quedlinb. 1839), „Literatur derTodtentäme" (Lpz. 184 4), „Armin, Fürst der Cherusker, Befreier Deutschlands" (Lemgo >839), „Die bunte Welt oder Bilder und Geschichten, Lieder und Weisen für Kinder" (Münch. 182b), „Leibesübungen" (Heft I, Landsh. I83t>) und „Die öffentliche Turnanstalt zu München" (Münch. 1837). Auch hat M. viele Holzschnitte und Steinzeichnungen verfertigt und sich im Kupferstich versucht. Maßstab heißt das Werkzeug, auf welchem die Maßeinheit mit ihren Unkcrabkhel- luugen bemerkt ist, um hiernach die Ausdehnung einer Größe abzumessen, wiez-B.die Elle, der Zollstab u.s. w. Der verjüngte, d. i. der im genauen Verhältniß zu dem wirklichen verkleinerte Maßstab dient dem Zeichner, wenn er einen großen Gegenstand verkleinert, aber vollkommen ähnlich darstcllen will. Er heißt Transversalmaßstab, wen» er nach geometrischen Gesehen durch horizontale, perpendicularc und diagonale Linien dergestalt abgctheilt ist, daß man mit möglichster Genauigkeit Längeneinheiten und Unterab- Matador Materie 395 Heilungen derselben, z. B. bei einem Ruthenmaßstabe die Ruthen, Fuße und Zolle, danach bestimmen kann. Solche verjüngte und TranSversalmaßstäbe finden sich in allen bessern Reißzeugen. Auch ist auf allen Bau- und andern Riffen, Planen und Landkarten der ve» jungte Maßstab angegeben, nach welchem man mit dem Cirkel Größen abnehmen und messen kann. Eine andere Art von Maßstäben vertritt die Stelle von Tabellen; dahin gehören die quadratischen, cubischen und logarithmischen Maßstäbe. Die Artilleristen bedienen sich zum Messen der Geschütze des Kalibermaßstabcs (s. Kaliber), und dcrVisirstab (s.d.) dient zum Ausmeffen des Inhalts von Hohlgefäßen. Matädor, vom lut. mactninr, d. i. Todtschläger, nennt man in Spanien bei den Stiergefechten den Hauptkämpfer, der dem Thicre, wenn es aufS äußerste gebracht ist, den Todesstoß gibt. Im L'Hombre, Tarock, Solo und andern Kartenspielen bezeichnet man damit entweder einen der höchsten Trümpfe oder die ununterbrochene Reihenfolge der Trümpfe. Matelotte, ein Tanz, s. Hornpfeife. Mater, s. Matrize. Rateria moäiea oder Heilmittellchre,s. Pharmakologie. Materie, im Allgemeinen so viel als Stoff, bedeutet im Gegensätze zur Form so- wol im wissenschaftlichen, als im populairen Sprachgebrauche zunächst das Sachliche, Gegenständliche, den Inhalt im Unterschiede von der Art und Weise der Erscheinung, Gestal- tung, Behandlung oder Darstellung. In diesem Sinne spricht man im gewöhnlichen Leben von der Behandlung oder Bearbeitung einer bestimmten Materie, oder unterscheidet man die Form eines Kunstwerks von seinem Stoffe; ebenso unterschied Kant die Form unserer sinnlichen Empfindungen, das Räumliche und Zeitliche, von der Materie derselben, d. h. von Dem, was wir durch das Gehör, Gesicht u.s.w. wahrnehmen, und in einem andern Gebiete materiale Sittengesctze, d. h. solche, welche vorschreiben, nach welchen Objecten wir zu stre- , den haben, von formalen, die nicht auf gewisse Gegenstände, sondern nur auf Verhältnisse s unserer Thätigkeit gehen. Im engcrn metaphysischen Sinne ist der Begriff der Materie eigentlich erst ein Product der platonischen und aristotelischen Philosophie und seine Auffassung und Bestimmung hat mit den Veränderungen der spekulativen Denkweisen vielfach gewechselt. Die Veranlassung, ihn auszubilden, liegt in den Veränderungen der sinnlichen Erscheinungswelt. Die Frage, was denn eigentlich dem Wechsel der letztern zu Grunde liege, warfen sich schon die ältesten Denker auf, und beantworteten sic anfänglich so, daß sie einen oder mehre bestimmte sinnliche Stoffe (Wasser, Feuer, Luft n. f w.> als di» elementarische Grundlage aller Erscheinungen betrachteten. Dabei trat aber der Begriff des Stoffes und der Kraft der Materie und der Form noch nicht sogleich in einen bestimmten Gegensatz; erst Plato führte den Begriff eines bloscn Stoffes, der durch keinerlei sinnlich wahrnehmbare oder denkbare Qualität bestimmt sein.sollte, als Gegensatz der Ideen, d. h. Dessen, was die Dinge ihrer Qualität nach sind, in die Philosophie ein. Aristoteles machte von diesem Begriffe für einen viel weitern Umfang und mit größerer Entschiedenheit Gebrauch. Seine ganze Metaphysik beruht nämlich auf dieser Unterscheidung zwischen der Materie (Hyle) als einem bloß der Möglichkeit nach und der Form, als dem der Wirklichkeit nach Seienden, sodaß das Entstehen und Vergehen der Dinge als eine Vereinigung und Trennung zwischen Materie und Form, und die Veränderung als ein Übergang der an sich form - und bestimmungslosen Materie von einer Form zur andern betrachtet wurde. > Diese Auffassung des Gegensatzes zwischen beiden hatte ursprünglich gar nichts mit dem . Gegensätze zwischen Körper und Geist, dem Raumcrfüllenden und dem Nnräumlichen, gemein ; die in ihr aufgestellte Unterscheidung zwischen dem potentialen und actuellen Sein, sowie die darauf gegründete zwischen den materialen und formalen Ursachen beherrschte aber die Metaphysik Jahrtausende lang und gab namentlich der Scholastik Veranlassung zu der Frage, ob die Entstehung der Dinge als eine Bestimmung der Materie durch die Form (eontrLctio mstermp per snrmam) oder als eine Entwickelung der Form aus der Materie, in welcher sie der Möglichkeit nach schon liege (eciuctin msterise e tt-rnm), anzu- sthen sei. Eine ganz andere, später aber mit der erwähnten vielfach zusammenfließende Bedeutung bekam der Begriff der Materie durch Descartes (s.d.). Dieser ging näm- uch von einem ursprünglichen Gegensätze zwischen der ausgedehnten und denkenden Sub» 396 Materie stanz, zwischen Materie und Geist aus, und die Materie wurde hier als das im Raum Ausgedehnte, Körperliche, Undurchdringliche, Bewegliche, Theilbare aufgefaßt. Dn Gebrauch, den Descartes von dieser dualistischen Grundlage seiner Weltansicht machte, bestand im Wesentlichen in dem Versuche, alle Naturerscheinungen, soweit sie mit räumlichen Merkmalen in Verbindung stehen, aus den verschiedenen Vsrbindungsformen ihm materiellen Bestandtheile, also mechanisch zu erklären, das Geistige aber von dem Zusam- menhange mit dem Körperlichen und Materiellen ganz loszulöscn. Diese Richtung du cartesianischen Philosophie verwickelte bald in eine doppelte Classe von Schwierigkeiten. Zuerst nämlich entstand bei der vorausgesetzten völligen Ungleichartigkeit zwischen Geistigem und Materiellem die Frage, wie man sich nicht nur die Entstehung der sinnlichen Empfindungen, sondern überhaupt das Verhältniß zwischen Leiblichem und Geistigem zu denke» bade. Leugnete man zwischen beiden einen wirklichen ursächlichen Zusammenhang, und betrachtete man die Entstehung der Vorstellungen als etwas von den Affectionen des Körpers ganz Unabhängiges, so war dadurch einerseits Veranlassung zu idealistischen Meinungen gegeben, wie sie sich auch bei Berkeley (s. d.), M alebran,che (s. d.), in gewisser Hinsicht auch bei Leib netz (s. d.) finden; andererseits riefen Überspannungen dieser Art auch Versuche hervor, das geistige Leben -ganz und gar als eine Reche von Functionen und Lhätigkeiten der materiellen Bestandtheile des Körpers zu betrachten. In der letzter» Beziehung hatte schon Locke gefragt, worauf sich denn der Satz gründe, daß die Materie nicht vorstellen und denken könne, und namentlich die franz. Philosophie des >8. Jahr), setzte dem Spiritualismus oder Im Materialismus den Materialismus entgegen, d. h. die Ansicht, daß die Seele ein körperliches, materielles, mithin auch der Zerstörung und Theilung unterworfenes Wesen sei, eine Lehre, an welcher man vorzüglich in re- ligiöscr und sittlicher Beziehung Anstoß nahm, zu deren Widerlegung es aber nicht einmal der Berufung auf solche nicht rein theoretische Gründe bedarf. Ehe man nämlich das geistige Leben auS materiellen Grundlagen und mechanischen Veränderungen zu erklären unternähme, müßte es gelungen sein, wenigstens die Erscheinungen der Körpcrwelt mit dem vorausgesetzten Begriff der Materie i» einen genügenden Zusammenhang zu bringen, und gerade in dieser Beziehung verwickelt der durch Descartes herrschend gewordene Begriff dn Materie in eine zweite Reihe von Schwierigkeiten. Ist nämlich dieser Begriff wesentlich und ausschließend durch das Merkmal der räumlichen Ausdehnung bestimmt, so führtet wegen der unendlichen Theilbarkeit (Stetigkeit) des Raumes auf den Widerspruch der »»- rndlichen Theilbarkeit eines endlichen Quantums Materie; umgekehrt aber, wenn man die letzten Bestandtheile der Körper als unräumlich, folglich als nicht ausgedehnt und untheil- bar annimmt, entsteht die Frage, wie man sich die Entstehung des räumlich Ausgedehnt!» aus dem Raumlosen zu denken habe. Um diese Schwierigkeiten zu umgehen, haben sich du Naturwissenschaften, namentlich seit Newton, bei dem Grundgedanken des Atomismus (s. Atomen) beruhigt, daß die letzten Bestandtheile der Materie selbst wieder materiell, aber physisch untheilbar seien; sobald aber die Speculation zu der Einsicht gelangt ist, das alle Raumbestimmungen unter den Begriff der Erscheinung fallen und nicht als ursprüngliche Prädicate Dessen, was in Wahrheit ist, betrachtet werden können, stellt sich auch das Bedürfniß ein, über obige Fragen zu einer bestimmten Entscheidung zu gelange». Wie schwer diese zu erlangen sei, läßt schon der Ausspruch eines L eibn i tz (s. d.), die Stetigkeit eröffne einen Abgrund für das Denken, sowie die weite Lücke ahnen, welche zwischen seinen Monaden und der materiellen Körperwelt liegt. Die Kant'sche Philosophie versuchte die Schwierigkeiten, die in dem Begriff der Stetigkeit liegen, mehr zu umgehen, als zu losen; sie erklärte das Räumliche für eine Form blos der menschlichen sinnlichen Anschauung und benutzte die von Newton in die Naturwissenschaft eingeführte Annahme anzieheudkr und abstoßender Kräfte (s. Anziehung), um wenigstens den Widerstand, den die M»' teric dem Versuche, sie zu trennen, entgegenstellt (ihre Cohäsion),zu erklären. Die Art und Weise, wie derSchelling'sche und Hegel'sche Idealismus die Körperlichkeit;u erkläre» suchten, liegt zu weil von der.Nichtung der Naturwissenschaften ab, als daß sie einen k- deutenden Einfluß auf die letztem hätte gewinnen können; auch der scharfsinnige Versucb Herbart'S, den Begriff einer fingirtcn Lyeilbarkeit aufDas überzutragen, was keineThem IMk Dn htt, um- hm am- der km. gw >fiv- ' ck„ ' und ?°r- >un- iffn iesei iNM teni kerik hrh. ent- l ^st°- in- i mal ^ gli- , un- , dm und dn klick ter uu- >dic Eliten - ldil nuS UI- ! sich z-u. rk!< che» , Me , >l°- ung idki Na. Art ire» K- suck >eilt Mathematik Mathews 397 hat, hat bis jetzt noch nicht zu Resultaten geführt, die sich den physikalischen und chemischen Thatsachen und Theorien genau anschließcn, und so steht zunächst nur Das fest, daß die Materie nicht'selbst ein Princip ist, aus welchem die Phänomene erklärt werden könnten, sondern ein Problem, dessen Lösung nur im Zusammenhänge der philosophischen Naturwissenschaft versucht werden kann. Mathematik ist nach der gewöhnlichen Erklärung diejenige Wissenschaft, welche die Größen zu bestimmen, d. h. zu messen oder zu berechnen lehrt, genauer genommen aber die Wissenschaft von den verschiedenen Formen der Größen, weshalb sie am passendsten Größenlehre genannt werden kann. Man unterscheidet eine reine und eine angewandte Mathematik, je nachdem man die Größen an sich oder noch mit andern Eigenschaften verbunden betrachtet. Die reine Mathematik kann als Theorie, die angewandte als An- Wendung der Theorie auf wirklich vorhandene Gegenstände angesehen werden. Die reine Mathematik zerfällt wieder in die Arithmetik (s. d.), wo die Zahlgrößen, und in die Geometrie (s.d.),wo dieRaumgrößenbehandelt werden. Angewandte Mathematik nennt man die Wissenschaften, die zwar auf anderm Boden fußen, aber von den Grundsätzen der reinen Mathematik ihre Bestimmung und Sicherheit erlangen. So das Feld messen ss. d.), Nivelliren (s. d.) und Markscheiden (s. dH; in den mechanischen Wissenschaften die Mechanik (s. d.), Dynamik (s. d.), Statik (s. d.), Hydraulik (s. d.), Hydrostatik, Aerometrie, Aerostatik u. s. w.; in den optischen Wissenschaften die Optik (s. d.), Dioptrik (s. d.), Katoptrik (s. d.), Perspective (s. d.); in den astronomischen Wissenschaften die Astronomie (s. d), mit der die Chronologie (s. d.) und die Gno- mvnik (s, Gnomon) in genauer Verbindung stehen. Die mechanischen, optischen und astronomischen Wissenschaften bilden msammen die physische angewandte Mathematik. Die Anwendung, welche die Mathematik beim Bauwesen, bei der Schiffahrt, in der Kriegskunst, Geographie, Physik, Technik u. s. w. findet, wird von Einigen ebenfalls zu den mathematischen Wissenschaften gezahlt, kann aber passender als mathematischer Theil jener Wissenschaften und Künste bei ihnen abgehandelt werden. Die wissenschaftliche Begründung der Mathematik dürfte bei den Indiern und Ägyptern zu suchen sein; die erste Ausbildung finden wir bei den Griechen. Thales, namentlich Pythagoras, Plato und Eudaxos bereicherten ihr Gebiet. Doch scheint es, als sei die Geometrie damals sorgfältiger angcbaut worden als die Arithmetik. Euklides, Archi- medes und Apollonius von Perga brachten die Geometrie der Alten auf ihren Höhepunkt, Außerdem sind unter den gricch. Mathematikern noch EratosthcneS, Konon, Nikomedes, Hipparch, Nikomachus, Ptolemäus, Diophantus, Theon, Proklus, Eutocius, Pappus u. A. zu nennen. Ausfallend ist es, daß die Römer so wenig Sinn für die Mathematik hakten. Dagegen beschäftigten sich die Araber, die die Mathematik wie alle ihre wissen- schaftlichen Kenntnisse von den Griechen entlehnten, sehr viel damit. Durch die Araber gelangte die Mathematik nach Spanien, wo sich unter Alfons von Castilien ein reger Sinn dafür zeigte; dann fand sie zunächst in Italien und Deutschland gedeihlichen Boden. In svatern Jahrhunderten erwarben sich um die Pflege derselben große Verdienste Jobann von Gmünden, Peurbach, Regiomontan, Pacciolo, Tartaglia, Cardanus, Maurolycus, Vieta, Ludolf van Ceulcn, Nunez, Just.Byrgius u.A. Durch die Erfindung der Logarithmen (s. d.) wurde dem Mathematiker ein Mittel in die Hände gegeben, rascher und sicherer auch die schwierigsten Aufgaben zu lösen, und Newton und Leibnitz brachen durch ihre Infini- t e si m a l r e ch n u n g (s. d.) Bahnen in Gebiete, in welche früher kein Mathematiker ein- zudringen vermochte. Von dicker Zeit an gewann die Mathematik eine bewunderungswür- dizc Ausdehnung und einen Einfluß auf das Leben, wie keine andere Wissenschaft, namentlich durch Galilei, Torricelli, Pascal, Descarkes, L'Hopital, Cassini, Huyghens, Har- rist, Wallis, Narrow, Halley, Jak.und Joh. Bernoulli u. A.; sowie nachher durch Man- ftedi, Nic. und Dan. Bernoulli, Euler, Maclaurin, Taylor, Bradley, Moivre, Clairaut, d'Alembert, Tob. Mayer, Kästner, Hindenburg, den Erfinder der combinatorischen Ana- iysis, Lagrange, Laplace, Legendre, Gauß u. A. Mathematische Geographie, s. Geographie. Mathews (Charl.), ein ausgezeichneter engl. Komiker, geb. am 28. Juni >7 "6 in 398 Mathilde (Markgräfin von Toscana) Matrize London, kam noch vor Ablauf der Schulzeit bei seinem Vater, welcher Buchhändler war, , in die Lehre. Wider den Willen desselben betrat er >793 die Bühne und zwar zuerst in Richmond. Hierauf spielte er in Canterbury, Dublin und Aork, bis er 1803 nach London ^ zurückkehrte. Hier wie in Edinburg, Glasgow u. s. w. fand er namentlich als Multiple im „Scherwenzelkomödiantcn" großen Beifall. In Amerika, wohin er >822 ging, fand er eine weniger günstige Aufnahme, dagegen benutzte er die Gelegenheit, die Amerikaner zu studircn, die er nach seiner Rückkehr auf der engl. Bühne höchst ergötzlich darsiellte. Er blieb der Liebling des Publicums, bis > 833 Kränklichkeit ihn nöthigte, sich von der Bühne zurück-mziehcn. Zwei Jahre spater, an seinem Geburtstage, starb er zu Plymouth, wo er , einen Freund hatte besuchen wollen. Nach seinem Tode ließ seine Frau die „Llemcms ol dbsrl. 51." (-> Bde., Lond. i838) erscheinen. Mathilde, Markgräsin von Toscana, bekannt durch ihre Verbindung mit Papst Gregor V». (s. d.), war eine Tochter des Markgrafen Bonifacius von Toscana und >0ä6 geboren. Sie vermählte sich zwar mit Gottfried dem Buckligen, einem Sohne des Herzogs von Lothringen, lebte aber stets von ihm getrennt in Italien. Im 3<>. Jahre «es wikwet, trat sie nun ganz auf die Seite Grcgor's VII. gegen den Kaiser Heinrich IV., ihren Vetter. Tie war die unzertrennliche Gesellschafterin des Papstes, stets bereit, ihm in Allein, was er bedurfte, beizustehen, jede Gefahr, die sie nicht von ihm abwcndcn konnte, mit ihni zu theilen und ihn zu ausdauerndem Muthe anzufcuern. Diese enge Verbindung gab scheu der Mitwelt zu ungünstigen Bemerkungen über sie Anlaß, die jedoch ungerecht waren. Im I. >077 oder >079 schenkte sie alle ihre Güter und Besitzungen an die Kirche. Tie allein stand 1081 dem Papste gegen den Kaiser bei, unterstützte ihn mit ihren Schätzen, als er in Nom cingcschlosscn war, und führte selbst noch nach dem Tode desselben den offenen Krieg gegen den Kaiser fort. Sie starb in dem von ihr erbauten Bcnedictinerklosicr ;n Polirone 1115. Ihr Tod gab zu neuen Fehden zwischen dem Kaiser und dem Papst Pa- , schalis III. wegen jener Schenkung Anlaß, welche endlich dahin entschieden wurden, das der Kaiser einen Theil der Mathildischcn Güter dem Papste abtrat. Diese hatten in Toscana, Mantua, Parma, Reggio, Piacenza, Ferrara, Modena, einem Theil von Umbrim, dem Herzogthum Spoleto, Verona und fast Allem, was das heutige Patrimonium Petri ausmacht, von Vitcrbo bis Orvieto, nebst einem Thcile der Mark Ancona bestanden. Mathuriner, s. Trinitarier. Matrikel heißt jedes schriftliche Dcrzeichniß gewisser Personen oder Einkünfte, so auf Universitäten das Verzeichniß, worin die Studenten bei ihrer Aufnahme als Bürgel der Universität eingetragen (immalriculirt) werden; bei den Geistlichen das Verzeichnis der Eingepfarrten einer Kirche, meist jedoch nur der bei einer Pfarre befindlichen Einkünfte. Die deutsche Neichsmatrikel bestand in dem Verzeichnis aller Stände des Deutschen Reichs und ihrer Beiträge zu den Neichsanstalren. Die wormscr Matrikel von 1521 enthielt das Verzeichniß der zu stellenden Contingente und der Kricgssteuern l (Römermonate), eine andere das Verzeichniß der Kosten für die Unterhaltung des Rcichs- kammergerichts (Kammerzinsen). Beide waren indeß im Laufe der Zeit unbrauchbar geworden, ohne daß man sich über gesetzliche Berichtigung vereinigen konnte, daher behalf man sich nur mit Usualmatrikeln, d. i. den durch Ncichsschlüsse und Observanzen m°> dificirten altern Matrikeln. Matrize oder Mater nennt man in der Technik im Allgemeinen jede vertiefte Form, in welche ein erhabener Körper paßt oder in der ein solcher gefertigt werden soll, st z. D. in Maschinen eine fcstliegende Schraubenmutter, durch welche hin eine Schraube sich bewegen soll. In der Schriftgießerei versteht man unter Matrize das kupferne Plättchen, ln welches mittels eines geschnittenen Stahlstempels ein Buchstabe vertieft cingcschlagen wird. Dieses Stäbchen kommt dann an seinen gehörigen Ort in das Meßinstrument und bildet die Form für das Auge der zu gießenden Letter. In der Galvanoplastik bezeichnet man mit Matrize den ersten Kupferniederschlag, welcher auf einem zu copireudcn Originale gemacht wird und nachher als Form für die nachfolgenden Niederschläge dient. Hier tritt der Fall ein, z. B. bei dem Copiren von gestochenen Kupferplattcn, daß dir Matrize eine erhabene Form bildet. oi ui E ge F- sei pr no sei ih- sch die faj re< un H- der der St rick der bes äe- sto her hur ten den lres dur 17 ' M< der tra Cr gin bei 3n Dr pic Kis für nie In ben ter Leh Ku schl Matrosen Matthäi 399 Matrosen nennt man die Seeleute, welche unter dem Befehle des Schiffsführers oder Steuermanns ein Schiff bemasten, betakeln, beladen oder stauen, über See führen und entlöschen und auf der Reise alle Reparaturen an Tauwerk und Segeln besorgen. Ein befahrener Matrose muß steuern und rudern (rojen) können und nüchtern, verständig, gehorsam und entschlossen in Gefahren sein. Matter (Jacq.), ausgezeichneter kirchenhistorischer und philosophischer Schriftsteller Frankreichs, geb. zu Alt-Eckendorf am 3 l. Mai I7SI von deutschen Altern, besuchte seit seinem >5. Jahre das von Oberlin geleitete Gymnasium zu Strasburg, hörte dann an der protestantischen Akademie daselbst philologische und philosophischeVorlesungen und erhielt, nachdem er sich die akademischen Grade erworben hatte, am Gymnasium, dessen Zögling er gewesen war, eine Anstellung. Sein Wissensdrang veranlaßt« ihn aber, zu seiner weitern Ausbildung noch einige deutsche Universitäten, z. B. Göttingen, zu besuchen. Der Erfolg seines „bisssi iustorigus sur l'äeole st'^lexsockria" (Par. 1820; 2. Aust., 1844) fesselte ihn für immer an eine literarische Laufbahn. Im I. ISIS erhielt er die Professur der Geschichte zu Strasburg, welche er indeß noch nicht zwei volle Jahre verwaltete, indem ihm die Direktion des Gymnasiums dieser Stadt übertragen wurde. In dieser Stellung verfaßte er seine ,,ikist»ire ^änörsle ciu ob, istiunisme et cle la societe clirötienue, eonsickö- ree prineipalsineut «laus »es iustitutions etses cloctrmes" (4 Bde.; 2.Aust., Par. 1838) und seine „üistoire critigue 6u guosticisme" (3 Bde., Par. 1828; deutsch von Dörner, Heilbr. 1833). Der literarische Ruf, den er sich durch diese gediegenen Werke erwarb und der noch durch mehre akademische Preise, welche er davon trug, erhöht wurde, sicherte ihm den Posten eines Jnspectors der Akademie, welchen er > 832 mit der höchst einflußreichen Stelle eines Generalinspectors der Universität zu Paris, d. h. des ganzen Hähern Unter- richtswcscns in Frankreich, vertauschte. In neuester Zeit wurde er zum Generalinspector der Bibliotheken in Frankreich ernannt. Außer den bereits erwähnten Werken verdienen besonders noch seine Preisschrift „De «le» moeurs sur Iss lois et cle l'inguence äes lois sur les moeurs" (Par. 1832; deutsch von Buß, Freiburg 1833) und seine „Lli- stoire lies cloctriues morales et politigues «les trois cieruiers siecles" (3 Bde-, Par. 1837) hervorgehobeu zu werden. Außerdem war er in philologischer und pädagogischer Beziehung sehr thatig, wie er sich denn auch an vielen Sammelwerken und periodischen Schrif- ten betheiligte. Seine Arbeiten haben für Frankreich außer ihrer allgemeinen Bedeutung den eigenthümlichen Werth, daß in ihnen die Forschungen deutscher Gelehrter auf das trefflichste benutzt sind, wobei ihm seine Kenntniß der deutschen Sprache, welche er auch durch Betheiligung an deutschen Zeitschriften bewiesen hat, sehr zu statten kam- Matthäi (Friedr.), Historien- und Portraitmaler, geb. in Meißen am 4. März 1777, ein Sohn des Bildhauers und nachmaligen Jnspectors über die Sammlung der Mengs'schen GypSabgüsse in Dresden, bildete sich unter Anleitung seines Vaters und auf der dasigc» Akademie unter Casanova. Er wurde 17SO Pensionair dieser Akademie und trat zuerst mit dem sein Talent bewährenden Gemälde, das Urtheil des Paris, auf. Nach Casanova's Tode setzte er seine Studien auf der Akademie zu Wien unter Füger fort und ging dann zu seiner weitern Ausbildung snach Italien. In Florenz gewann er 1803 bei der Preisvertheilung den Preis und wurde Professor honorarius der dortigen Akademie. 3n Folge mehrer gelungenen Gemälde, die er später von Italien aus zur Ausstellung nach Dresden sendete und unter denen sich besonders die Ermordung des Ägisthus und die Co- pü der Grablegung Christi von Rafael auszeichneten, erhielt er ISO» den Ruf als Professor an die Malerakademie zu Dresden. Hier lieferte er unter Anderm ein Abendmahl für die Kirche zu Plauen im sächs. Voigtlande und den Tod des Kodrus im Auftrag der niederlaus. Stände für den Landsyndicus Freiherrn von Houwald. Später wurde er erster Jnspector der königlichen Gemäldegalerie und erhielt dann den Titel eines Directors dersel- den. Er starb auf der Reise zu Wien im Oct. 1845, wurde aber in Dresden beerdigt. Un- ter seinen verdienstlichen Leistungen dürfte eine unbestrittene Stelle seine Wirksamkeit als Lehrer, namentlich auch außer der Akademie in frühem Zeiten, einnehmen. Skeinla, der Kupferstecher, und der Maler Veit in Frankfurt am Main sind unter Andern Special- schuler von ihm. Insbesondere war seine Lehrthatigkeit höchst ersprießlich in Hinsicht auf 400 Matthäus Matthia Richtigkeit der Zeichnung. An seinen Gemälden rühmt man besonders die Compositim, die tüchtige Zeichnung und die großartige Draperie, vor Allem aber das Colorit, welches sich der alten florent. Schule nähert. Seine Portraits sind treffend und wahr. Matthäus, einer der zwölf Apostel und wahrscheinlich mit dem im zweiten Md dritten Evangelium erwähnten Levi eine Person, war vor seiner Berufung UntcreinnehnU bei dem röm. Zoll am See Tiberias und der Sage nach aus Nazareth, gebürtig. Die Nach- richten von seinen übrigen Lebensumständcn und feinen Reisen in Äthiopien oder in »er- schiedenen asiat. Ländern sind unverbürgt. Merkwürdig ist er besonders als Verfasser dis ersten Evangeliums, das er um 60 n. Chr. für palästin. Christen hebräisch entwarf, und , das dann ins Griechische übersetzt und aus der allgemeinen Überlieferung, wie es schein!, vervollständigt in dm Kanon ausgenommen wurde. Matthefius (Joh.), geb. zu Rochlitz 1504, studirte in Ingolstadt Theologie, muß!! aber wegen Armuth seine Studien unterbrechen und eine Kinderlehrerstelle bei München annehmen. Durch Luther's im I. 1520 erschienene Schrift „Von den guten Werken" für die Grundsätze desselben gewonnen, ging er l 52S nach Wittenberg, beendete dasilbsi . seinen akademischen Kursus und wurde hierauf Lehrer an der Schule zu Altenburg und 1532 Rector der Schule zu Joachimsthal. -Zwar kehrte er 1540 nach Wittenberg zuniik, doch schon 1541 ging er als Diakonus und Pastor wieder nach Joachimsthal, wo er nach Einführung der Reformation erster evangelischer Prediger war und bis zu seinem Todr im I. 1568 blieb. Neben mehren Kirchenliedern, z. B. dem alten Begräbnißlicd „Ni»> , laßt uns den Leib begraben", verfaßte er die geschichtlich nicht unwichtigen „Historien rer r Luther's Anfang, Lehre, Leben, standhaftem Bekcnntniß seines Glaubens und Sterini" (Nürnb. 1570, 4.; neue Aust, von Ohler, Lpz. 1806), in 27 Predigten, und die „Tr repta oder Bergpostille" (Nürnb. l 564, Fol. und öft.). I Matthiä (Aug. Heinr.), ein ausgezeichneter Schulmann und Philolog der nenne s Zeit, geb. am 25. Der. 1760 zu Göttingen, wurde auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt vorbereitet und widmete sich dann seit 1786 auf der Universität daselbst dem Studium dn Philosophie und des classischcn Alterthums. Im I. 178!» ging er als Hauslehrer nach Amsterdam, wo er im Umgänge mit mehren der gelehrtesten Männer für seine philologisilM und philosophischen Beschäftigungen vielfache Anregung fand und nebenbei vorzüglich neuere Sprachen und Literatur betrieb. Hierauf nahm er >708 eine Lehrstelle an demw» , Mounier zu Weimar gegründeten Institut an und erhielt 1801 das Directorat des Ey»> nasiums zu Altenburg, das er bis an seinen Tod, am 6. Jan. 1835, mit seltener Kraft und Würde behauptete, obwohl der Abend seines Lebens durch Jntriguen und Parteiungen getrübt wurde. Unter seinen zahlreichen Schriften, in denen er als scharfer und selbst- , denkender Forscher über viele Zweige der Alterthumswiffenschaft sich ebenso gründlich als ^ geschmackvoll verbreitet und besonders eine tiefere Kenntniß der gricch. Sprache gefördert ' hat, bezeichnen wir namentlich als wichtig die „Griech. Grammatik zum Schulgebrauch" (Lpz. 1808; 2. Aust., 1824); die „Ausführliche griech.Grammatik" (Lpz. 1807 ; 2 .Aufl., 2 Bde., 1825—27; 3. Ausl-, 3 Bde., 1833); den „Grundriß der griech. und röm.Literatur" (Jena 1815; 3. Aust., 1834); das „Lehrbuch für den ersten Unterricht in der Philosophie" (Lpz. I823;3.Aufl., I833;4.Aufl., 1844); den „Entwurf einer Theorie des lat. Stils" (Lpz. 1826); die „Encyklopädie und Methodologie der Philologie" (Lp! l835); ferner „Versuch über die Verschiedenheit der Nationalcharaktere" (Lpz. die Ausgabe der Homerischen „Hymnen und Batrachomyomachie" (Lpz. l805), wozu schon früher die „4mms6versi«ne8 in Llomoricos" (Lpz. 1800) erschienen waren, die treffliche Bearbeitung des Euripides (0 Bde., Lpz. 1813—28), zu der später ein Band „Illllicez" von Kampmann (Lpz. 1837) gekommen ist; sodann die Sammlung der Fragmente des AlcäuS (Lpz. 1827) und die Handausgabe des Herodot (2 Bde., Lpz. Lediglich für den Schulzweck bestimmt, aber einsichtsvoll gewählt und erläutert, sind du „lturmina grsecs selecta" (Altenb. 1802), „Oiceronis epistolae selectse" (Lpz. , 3» Aust., 1829), „Oicerouis selectse" (Lpj. 1818; 3. Aust-, 1831), und da „Griech. Lesebuch für die Mittlern Claffen gelehrter Schulen" (Lpz. 1800 ). Eine Ne« » gelehrter Untersuchungen machte er unter dem Titel „Rliscellallea pdilologics" (-' Bor . Matthias (deutscher Kaiser) 401 Jena > 803—4) bekannt, und seine Programme und Schulreden nebst andern Abhandlungen und Aufsätzen erschienen als „Vermisckte Schriften in lat. und deutscher Sprache" (Altenb. 1833). — Sein älterer Bruder, Friedr. Christian M., geb. 1763, welcher als Rector des Gymnasiums zu Frankfurt am Main >822 starb, hat sich durch Herausgabe des Aratus, Eratosthenes und Dionysius Periegetes ebenfalls verdient gemacht. Matthias, deutscher Kaiser, 1612 — 10 , geb. am 24. Fcbr. 1557, war der vierte Sohn des Kaisers Maximilian's ll. und erhielt, während sein Bruder, der nachmalige Kaiser Rudolf ll., in Spanien am Hofe Philipp's ll. erzogen wurde, unter den Augen seines Vaters in Deutschland durch den geistvollen und gelehrten Diplomaten Busbecq (s.d.) seinesehr zweckmäßige Erziehung und Bildung. Von regemThätigkeitsrriebe erfüllt, aber durch seinen argwöhnischen Bruder von der Theilnahme an Negierungsgeschäften ausgeschlossen, ergriff er beim Beginn des Aufstandes der Niederlande mit Freuden die Gelegenheit, die sich seinem Ehrgeize bot, als eine Partei unter den niederländ. Großen, die dem zu w eitgrcisenden Ansehen des Prinzen von Oranien ein Gegengewicht setzen wollte, ihn einlud, zur Rettung der katholischen Religion und der habsburgischen Herrschaft in jene» Provinzen sich an die Spitze zu stellen. Er ging 1577 heimlich in die Niederlande und empfing bei seiner Ankunft den Titel und die Huldigung als Souverain, legte aber, als er sein Bemühen, neben dem Prinzen von Oranien sich Einfluß zu verschaffen, für vergeblich erkannte, 1590 seine Würde nieder, erhielt vom Könige Philipp ll. und von scinemBruder durch dieVermittelung seiner Mutter Verzeihung und lebte nun aufs neue in geschäftsloser Zurückgezogenheit. Erst als sein älterer Bruder, der Erzherzog Ernst, 1505 gestorben war, vertraute ihm Rudolf, den seine Neigung in Prag fesselte, die Statthalterschaft in Ostreich an. Aber von seinem Aufenthalte in den Niederlanden her gegm den Protestantismus mit Groll erfüllt, und zugleich von dem wiener CardinalbischofKiesel (s.d.) angereizt, erwies er sich in dieser Stellung den Protestanten äußerst ungünstig, rieth seinem Bruder, die von dem vorigen Kaiser ertheilten Neligionsconcessionen in Ostreich aufzuheben und hinderte wenigstens, da dieser darauf nicht einging, die weitere Ausdehnung derselben, welche die Stände beantragt hatten. Als er hierauf, in Folge einer Verabredung mit seinen Brüdern und Vettern, förmlich zum Hauptregenten und Schutzherrn ihres Hauses ernannt worden war, zog er zu Felde gegen die Ungarn, die in Folge der sorglosen und verkehrten Regierungsweise des Kaisers Rudolf unter dem Magnaten Stephan Botskai einen Aufstand erregt und die Türken zu Hülfe gerufen hatten, und schloß mit ihnen am 23. Juni zu Wien und mit den Türken am l l.Nov. 1606 Frieden, wodurch die innere und äußere Ruhe wiederhergestellt wurde. Bald darauf durch einzelne Maßnehmungen seines Bruders wegen der Erbfolge mistrauisch gemacht, nöthigtr er denselben, ihm im Juni > 608 Mähren, Ostreich ob und unter der Ens und Ungarn abzutreten und die Nachfolge in Böhmen zuzu- gestehen. Für den Beistand aber, welchen ihm die Protestanten hierbei geleistet hatten, mußte er ihnen erweiterte,Religionsfreiheiten bewilligen, während zugleich der Kurfürst von Sachsen, der die Nolle eines Vermittlers zwischen den beiden Brüdern übernommen hatte, ihn dahin brachte, sich dem Einflüsse derJesuiten zu entziehen. Inzwischen war Kaiser Rudolf auch mit seinen böhm. Unterthanen in Händel gerathen. Vergebens suchte er sie >600 durch Bewilligung des Majestätsbricfes und durch Zusicherung freier Religions- Übung zu beruhigen. (S. Kalixtiner.) Als er aus Haß gegen seinen Bruder M. dem Erzherzog Leopold den böhm. Thron zuzuwenden suchte, wendeten sich die Böhmen, die sich durch dieses Beginnen bedroht glaubten, an M., der alsbald mit einem Heer erschien und seinen Bruder zwang, ihm auch Böhmen, Schlesien und die Lausitz an> 11. Apr. 161t abzutreten. Nachdem M. alsdann am 4. Dec. >611 sich mit Anna, der Tochter seines Oheims, des Erzherzogs Ferdinand, vermählt hatte, wurde er nach Rudolfs bald darauf erfolgtem Tode am 24. Juni 1612 von den Kurfürsten einstimmig zum Kaiser gewählt; doch mußte er in der Wahlcapitulation versprechen, daß er kein fremdes Kriegsvolk im Reiche dulden und die Rheinschiffahrt gegen die Holländer sichern wolle. Seine Regierung aber war keineswegs glücklich. Die bisher im Reiche und den östr. Ländern nur insgeheim thätige und gehässige Wirksamkeit der Glaubensparteien gegeneinander dauerte nicht nur fort, sondern Eonv.-Lex. Neunte Aufl. IX, 26 402 Matthias Corvinus (Äöu. v. Ungarn) Matthisson bildete sich sogar unter der Form zweier Verbindungen, der Union und der Liga, zu feste», einander öffentlich entgegenwirkenden Gewalten aus und Vergehens versuchte der Kaiser aufKlcsel'S Rath anfangs die Leitung der Liga von Baiern an Ostreich zu bringen, mid da dies nicht gelang, die Bündnisse zu vernichten. Als er durch einen Machtspruch am 3. Apr. 1617 dieselben aufhebcn wollte, achtete weder der eine noch der andere Theil auf seinen Befehl. Auch die türk. Macht, im Besitze des größten TheilS von Ungarn und derHaupt- stadt des Königreichs, drohte mit einem Angriffe. Die Umstände wären gerade jetzt günstig gewesen, die Türken zu vertreiben und Siebenbürgen wieder zu erobern; aber M. nnifle, da ebenso die Neichsstände wie die Abgeordneten seiner Erbländer ihm die zur erfolgreich» Führung eines Kriegs erfoderlichcn Mittel versagten, >615 mit dem Feinde unter leid- liehen Bedingungen auf 20 Jahre Frieden schließen. Bald erregte „er auch bei den Pr«, testanten in seinen Erbländern, durch Gestattung der ungerechten Übergriffe, welche die hohe Geistlichkeit dem Majestätsbriefe zuwider sich erlaubte, eine Unzufriedenheit, die nach stärker und allgemeiner wurde, als er zu kränkeln anfing, die Negierungsgeschäftc vernachlässigte und endlich, auf Andringen der übrigen Glieder des östr. Hauses, den bigoten Er;- Herzog Ferdinand, nachmaligen Kaiser Ferdinand II. (s. d.), 1617 zum Könige vo» Böhmen und >618 zum Könige von Ungarn krönen ließ. Nicht sobald hatte daher die Geistlichkeit in Böhmen sich neuer Verletzungen des Majestätsbriefes schuldig gemacht, als hier, während der Abwesenheit M.'s zur Krönung Ferdinand's in Presburg, am 23. Mai 1618 eine offene Empörung ausbrach, welche weder des Kaisers milde Abmah- nungsschreiben, noch auch, nach der von Ferdinand bewirkten Entfernung des zur Friedens- Politik geneigten Cardinalministers Kiesel, die Ergreifung kriegerischer Maßregeln zu dämpfen im Stande war. Die Böhmen, um ihr Schicksal besorgt, griffen zu den Waffe», stellten den Grafen von ManSfeld an ihre Spitze und hatten schon mehre bedeutende Vortheilk über das kaiserliche Heer erfochten, als der Kaiser am 26. März 1619 mitten in di-serBe- drängniß starb. M. besaß mehr Ehrgeiz als Fähigkeit, mehr guten Willen als Entschlossenheit und Kraft. Durch seine schwankende, unsichere Negicrungsweise machte er sich sehr bald alle Parteien abgeneigt, verlor den Einfluß auf sie und verschuldete so das Unglück des Dreißigjährigen Kriegs (s.d.), welches unter ihm überDeurschland hereinbrach. Matthias Corvinus, der Große, König von Ungarn, der zweite Sohn Zoh. Hit- nyad's (s. d.), wurde 1443 geboren und bestieg 1-158 als Matthias I. den Thron Ungarns, nachdem er bis dahin durch die Feinde seines Vaters in Böhmen war gefangrn gehalten worden. Mehre ungar. Große widersetzten sich aber seiner Wahl und luden dm Kaiser Friedrich III. ein, sich krönen zu lassen; auch waren die Türken, diese Spaltungen benutzend, in Ungarn eingefallen und verheerten es. M. zwang nun zunächst den Kaiser, ihm die Krone des heil. Stephanus auszuliefcrn, ohne welche er, nach der abergläubige» Vorstellung des Volks, nur dem Namen nach König gewesen wäre; dann eilte er gegen die Türken und vertrieb sie. Mit nicht mindcrm Glück bemächtigte er sich, von dem Papst angctrieben, im Kriege gegen seinen Schwiegervater, den hussilischcn Böhmenkönig Georg Podiebrad, Schlesiens, Mährens und derLausitz, I -16 8—7 8, besiegte die Polen und eroberte, nachdem der Krieg mit Friedrich III. wieder ausgebrochen, eilten Theil Ostreichs nebst der Hauptstadt. Allein dieseKriege nöthigten ihn freilich auch, seinen Unterthancn viele Lasten aufzulegen, wie er denn überhaupt mit großer Willkür regierte. Nichtsdestoweniger war er ein Mann von außerordentlicher Geistesgröße. Er zeigte während seiner ganzen, fast unter steten Unruhen und Kriegen geführten Negierung große Liebe für die Wissenschaften- Leider wurde der kostbare Bücherschatz, den er in Ofen zusammengebracht hatte, 26 Jahre nach seinem Tode von den Türken vernichtet. Auch brachte er auf dem Reichstage zu Ofen im J. 1488 mehre Gesetze gegen den Zweikampf, die Chicanen in Processen und andere Misbräuchc zu Stande. Mit neuen Kriegsrüstungen gegen die Türken beschäftigt, starker zu Wien 1496. Er hinterließ einen natürlichen Sohn, Johannes Corvinus, dersish umsonst bemühte, dem Vater auf dem Throne zu folgen. Sem Nachfolger wurde König Wladjslaw VIÜ von Böhmen. Matthisson (Friedr. von), einer der bekanntesten lyrischen Dichter Deutschlands, geb- «m 23. Jan- 1761 zu Hohendodcleben bei Magdeburg kurz nach dem Tode seines Vaters, Maturitätsprüfung 403 welcher früher Feldprcdiger gewesen war, wurde bis in sein l l.Jahr von seinem Großvater, einem Landgcistlichen, erzogen, und besuchte dann die Schule zu Kloster-Bergen, wo „Wer- ther's Leiden", „Sophiens Reisen" und „Siegwart" anregend auf ihn einwirkten. Er studirte auf der Universität zu Halle Theologie, die er aber bald mit Philologie, Naturkunde und schöner Literatur vertauschte, wurde hierauf Lehrer an dem Erziehungsinstitute zu Dessau und nachher Hofmeister der jungen liefländ. Grafen Sievers, mit denen er sich in Altona, Heidelberg und Manheim aufhielt. Dann lebte er zwei Jahre bei seinem Freunde Bonstetten zu Nyon am Eenfersee, bis er 17!>» als Erzieher in ein Handlungshaus nach Lyon ging. Als nach vier Jahren Familienangelegenheiten ihn in die Heimat gerufen hatten, wurde er >704 Lector undNeisegeschäftsführer der regierenden Fürstin vonAnhalt- Dessau, mit der er in den folgenden Jahren Italien, die Schweiz und Tirol bereiste. Nach ihrem Tode trat er 18! 2 in die Dienste des Königs von Würtemberg, der ihn zum Geh. Legationsrath, Mitglied derHoftheateroberintendanz und Oberbibliothekar ernannte, nachdem er ihm schon früher das Adelsdiplom ertheilt hatte. Im Gefolge der Familie des Herzogs Wilhelm von Würtemberg bereiste er I8li> noch einmal Italien. Nach dem Tode seiner Gattin im I. 1824 zog er sich nach Wörlitz bei Dessau zurück und starb hier am 12.März 183 1 . M. war seit 178", wo er mit einer vollständiger» Sammlung seiner „Gc- dichte" (12. Aufl., Zür. 1824) auftrat, lange Zeit als lyrischer Dichter der Liebling des PublicumS, das sich an seinen wehmüthig-sanften Darstellungen zarter Gefühle, insbesondere der Freundschaft und Liebe, an seinen malerisch lebendigen Naturschilderungen wie an dem Wohlklange und rhythmischen Flusse seiner Verse erfreute. Gleichwol ist es nicht zu verkennen, daß in seinen Gefühlsdarstellungcn nicht selten eine gewisse Absichtlichkeit störend hervorkritt, daß seine Naturschilderungen oft zur bloscn Landschaftsmalerei herabsinken, und daß die auf die Form verwendete Sorgfalt seinen Gedichten nur zu oft eine marmorartige und darum erkaltende Glätte verleiht. Seine poetische Thätigkeit beschränkte ' sich überhaupt nur auf einen kurzen Zeitraum seines Lebens. In einer Ausgabe letzter Hand erschienen seine „Schriften" in 8 Bänden (Zür. 182.7-2-31). Einige in Stuttgart herausgegebcne Fest- und Hofgedichte konnten seinen Ruhm nicht vermehren. Als Prosaiker trat er auf in seinen „Erinnerungen" (5 Bde., Zür. 181 <>— 16), welche interessante Details ! über Orte und Gegenden und Nachrichten von berühmten Männern enthalten, aber in einer höchst manierirten Sprache geschrieben sind. Seinen „Literarischen Nachlaß, nebst einer Auswahl von Briefen seiner Freunde" gab Schoch heraus (-1 Bde., Berl. >832). Maturitätsprüfung, Abgangs- oder Abiturientenprüfung nennt man diejenige Prüfung auf Hähern Schulen, durch welche ermittelt werden soll, ob ein Schüler nach vollendetem Schulcursus diejenige Bildung erlangt hat, welche zum Übergange auf die Universität oder in einen praktischen Lebensberuf erfoderlich ist. Wie früher die höhere Bildung überhaupt freier gelassen war als später, so wurden auch erst in der zweiten Hälfte des l 8. Jahrh. die Anfoderungcn an die von den Gymnasien auf die Universitäten abge- hcndcu Schüler genauer bestimmt und besondere Maturitätsprüfungen angeordnet. Eins der ersten, wo nicht das erste Abiturientenrcglement war das in Preußen vom 23.Dec. j >788, welches untcrdem !2.Oct. 1812 durch ein neues verbessertes abgeschafft wurde. Zufolge des letztern wurde eine mehr gleichmäßige encyklopädischeBildung in den allgemeinen Schulwissenschaften nicht zur unumgänglichen Bedingung für die Maturität gemacht, sondern cs genügte auch schon die Vertrautheit mit einer der Hauptrichtungen des Wissens, i wodurch der natürlichen Anlage und der Neigung des Schülers freierer Spielraum blieb. I Mehre der Bestimmungen dieses Reglements wurden durch besondere Verordnungen spä- I tcr modisicirt, namentlich unterm > >. Dec. >828 die Anfoderungcn im Griechischen, bis endlich unter dem 4. Juni > 834 ein neues Maturitätsprüfungsreglement publicirt wurde, welches von dem früher» in wesentlichen Punkten abweicht. AlsZweck der Maturitätsprüfung wird aufgestellt, auszumitteln, ob der Abiturient den Grad der Schulbildung erlangt hat, welcher erfoderlich ist, um sich mit Nutzen und Erfolg dem Studium eines besonder» wissenschaftlichen Faches widmen zu können. Die bisher gebräuchlichen drei Censurgrade wurden abgeschafft, indem nur einfach der Abiturient für reif oder nicht reif erklärt werden 1N4 Maturitätsprüfung sollte; indeß wurden diese Censurgrade dadurch gewissermaßen wiederhergestellt, daß bii ^ der Reife drei Stufen unterschieden, mit 8 und 6 bezeichnet, und daß unter 8 auch Dm jenigen, die im Deutschen und Lateinischen zwar den Anfoderungen genügen, und außer, dem in den beiden alten Sprachen oder in der Mathematik bedeutend mehr als das Gef», derte leisten, wenn sie auch in den übrigen Fächern das Erfoderliche nicht leisten, unter 6 aber bei vorgerückterm Alter und bei vermuthlichem Vortheil für den Staatsdienst auch De. jenigen für reif erkannt werden sollen, welche im Deutschen, Lateinischen und in noch M andern Gegenständen das Erfoderliche leisten. Die Geschichte wurde aus der Reihe du Hauptfächer gestrichen. Die Ansoderungen im Deutschen wurden, wenigstens äußerlich gesteigert, im Griechischen, Lateinischen und Französischen ermäßigt. Als neue Prüfungj- ^ gegenstände kamen hinzu philosophische Propädeutik und Religion. Die schriftlichen Är- beiten wurden leichter gemacht, die mündliche Prüfung durch ihren Umfang etwas schmie- riger, durch Ermäßigung einiger wichtiger Anfoderungen im Ganzen aber auch leichter. Das neue Reglement foderte mehr eine formale, allgemeine, encyklopädische Bildung, sicherte der rein philologischen und mathematischen Bildung ein Übergewicht und hatte die ' allgemeine Gleichheit aller Gymnasien des Landes zur Folge. Wie überhaupt dir Gymnasialschulwesen Deutschlands, besonders des nördlichen, schon seit dem Z. >811 sich mehr oder weniger nach dem Muster des preußischen umgestaltet hat, so wurden auch die Maturitätsprüfungen nach und nach bei allen deutschen Gymnasien eingcführt, z. B. >829 (umgeänderk 1828 und >834) in Kurhessen, >82» in Braunschweig, I827 in8l> ! denburg, >829 in Hannover und im Königreiche Sachsen (hier >831 erneuert), >832im Großhcrzogthum Hessen, >833 in Mecklenburg, >834 in Württemberg, und die Anselm i rungen im Ganzen meist nach den preußischen bemessen. ^ Unter dem 8. Mär; >832 wurden auch bei den höher» Bürger- und Realschuleniu Preußen durch eine vorläufige Instruction Maturitätsprüfungen angeordnet und der ^ Zweck derselben dahin bestimmt, denjenigen Jünglingen, welche den Unterricht in einer vollständigen höhern Bürger- rffrd Realschule genossen haben und mit genügenden Kenntnissen aus derselben entlassen werden können, die bisher an den Besuch der obern Clrffen der Gymnasien geknüpfte Berechtigung zum Eintritt in den einjährigen freiwilligen Militair- dienst, in das Post-, Forst- und Baufach und in die Bureaux der Provinzialbehörden zuzu- ! sichern; den Altern und Vormündern eine zuverlässige Benachrichtigung über de» Bil- i dungsstand des zu entlassenden Zöglings zu gewähren, um darnach zu ermessen, ob er zum Eintritt in die für ihn bestimmte Laufbahn gehörig befähigt sei; endlich den Schulen eine Gelegenheit zu geben, sich über ihre Leistungen vor den ihnen Vorgesetzten Behörden auSzu- weisen, durch den günstigen Erfolg sich in dem Vertrauen des Publicums zu befestige» und in den Lehrern wie in den Schülern den würdigen Eifer für die Erreichung eines bestimmten Ziels lebendig zu erhalten. Im I. > 841 erlitt diese Instruction durch zwei Ministem!- Verfügungen wesentliche Abänderungen. Nach der einen vom 2. Juni wurde die Berechtigung zum einjährigen Militairdienste nicht mehr von einem Maturitätszeugnisse, sondern von der Reife für die oberste Schulclasse abhängig gemacht, und in der Vom 3». Ott. wurde bestimmt, daß bei Mangel hinreichender Befähigung in der lat. Sprache cickZeugniß der Reife nicht ertheilt werden solle. Bei den Real- und höhern Bürgerschulen in andern deutschen Staaten, einzelne Anstalten vielleicht ausgenommen, sind bis jetzt ähnliche Maturitätsprüfungen nicht angeordnet worden, und es ist mindestens zweifelhaft, ob man dieszu . bedauern hat; denn es liegen gegen Maturitätsprüfungen überhaupt, sowol an Gymnasien als an Realschulen, gewichtige Bedenken vor. Diese Prüfungen sind hervorgegangen aus der falschen Ansicht, daß gehäufte Controls und Examina das sicherste Mittel sind, den Bildungsstand eines Schülers kennen zu lernen. Sie dienen aber nur dazu, dem blos äußern Wissen ein unstatthaftes Übergewicht zu verschaffen, das Augenmerk von der tiefer», namentlich von der Charakterbildung, abzülenken und einem äußern Ehrgeize Nahrung!» geben, welcher nachtheiligen Einfluß auf die sittliche wie die körperliche Gesundheit der junge» Leute auszuüken geeignet ist. Maturitätsprüfungen sind überdies ein sehr unsicher^ Mittel, den Stand dep Schulbildung eines jungen Menschen zu ermitteln, weil sie doch n»k Einzelnes aus dem Kreise des Schulwissens herausheben und nur eine kürzere Zeit in Au- Matuta Maugnin 405 spruch nehmen können. Den Angehörigen der Schüler kann auf geeignetere Weise Nachricht über den Bildungsstand des Schülers zugchen, und die Schule hat außerdem Gelegen- heit genug, über ihre Leistungen vor den Vorgesetzten Behörden und dem Publicum sich auS- zuweiscn. Die Reife oder Nichtrcife eines Schülers vermag das Lehrercollegium einer Anstalt auch ohne Maturitätsprüfung richtiger zu beurtheilen, und dieses Urtheil wird bei sialtfindenden Maturitätsprüfungen immer als letzte Norm gelten; deshalb dürfte cS besser sein, die Maturitätsprüfungen, wie sie jetzt bestehen, ganz fallen zu lassen und sie nur für die Fälle beizubchalten, wo das Lehrerkollegium selbst über die Reife eines Schülers zweifelhaft oder sehr getheilter Ansicht ist. Die Zulassung zu diesen ausnahmsweiscn Maturitätsprüfungen müßte billigerweise auch denjenigen Schülern gestattet werden, die zwar das Lehrercollegium für nicht reif hält, die aber den Cursus in der obersten Classc durchge- macht haben. Durch eine solche Einrichtung würde dem sehr bedenklichen Umstande entschieden entgegengewirkt, daß jetzt die Primaner der Gymnasien, zum Theil auch der Realschulen, fast nur für die Maturitätsprüfung arbeiten. Matüta, die Göttin der Frühe, war ursprünglich eine altital. Gottheit, welche sowol mit der griech. Leukothea als mit der Albunca vermengt wurde. Die Sagen und der Cul- tus der Zno-Leukothca gingen auf sie über. Die Frauen führten auch in Nom eine Sklavin in den Tempel der Göttin, schlugen sie mit Ruthen und trieben sie dann fort. Ferner nahmen die das Fest der Göttin (-latrulia) feiernden Mütter ihre Schwesteckindcr auf den Arm und begingen Feierlichkeiten, die sich auf die Leiden der Ino um den Dionysos, den Sohn ihrer Schwester Semelc, bezogen. Der König Servius Tullius weihte der M. einen Tempel, welchen Camillus wiedcrherstclltc. Manbeuge, eine Stadt im Departement des Nordens in Frankreich, an beiden Ufern der Sambre gelegen und als starke Festung bekannt, die in Form eines unregelmäßigen ba- stionirten Siebenecks unter Ludwig XlV. von Vauban gebaut wurde, hat etwa 6000 E., die sich mit Fabrikation von Luch, Fayence, Eisenwaarcn und Quincailleriesachen beschäftigen. Auch ist daselbst eine königliche Gewehrfabrik. Mauerbohrer und Mauerbrecher, s. Kriegsmaschinen. Mauguin (Iran;.), einer der ausgezeichnetsten Parlamentsredner in Frankreich, geb. am 28. Febr. 1785 zu Dijon, wo sein Vater Procurator beim Parlamente war, stu- dirte in Paris die Rechte und lebte dann mehre Jahre der wissenschaftlichen Muße, bis er 1813 als Advocat auftrat. Im I. 1815 übernahm er die Vertheidigung des Obersten Labe'doyere (s.d.) und fand dabei Gelegenheit, sein großes Ncdnertalent zu zeigen. Fortan vertraute man ihm eine ganze Reihe wichtiger Processe an, in welchen es galt, den Libc- ralismus gegen die Bedrückungen des Hofes und der Regierung zu vertreten. Nach dem Processe des Oberst Fabvier (s. d.) mußte er jedoch 18 l 0 in Rücksicht auf seine Gesundheit die Bcrufsgeschäfte aufgeben und Paris verlassen. Als er l 823 zurückkehrte, bewährte er sein Talent und seinen Freiniuth vor den Gcrichtsschranken wo möglich noch glänzender. Seit 1827 trat er als Abgeordneter des Wahlcollegiums zu Beaune in die Kammer, wo er als Vorkämpfer der Volksfrciheit seinen Sitz auf der äußersten Linken nahm. Mit leidenschaftlichem Eifer unterstützte er kurz vor der Revolution von 1830 die Adresse der 22 l, sodaß ihm der Präsident Noyer - Collard das Wort entziehen mußte. Während der Julitage wurde er in die am 20. errichtete Municipalcommission gewählt, die fünf Tage lang die höchste Gewalt in Frankreich vereinigte. Ohne an seine persönlichen Vortheile zu denken, trat er in die Reihen der parlamentarischen Opposition zurück und bekämpfte als einer der hitzigsten Bcwegungsmanner die Justmilieupolitik der neuen Dynastie. Besonders warf er sich mit dem General Lamarque auf die auswärtige Politik, widersctzte sich derRücksichtnahmc aus die absoluten Mächte und wollte nicht selten ganzEuropa den Krieg erklären. Er wurde hierbei weniger von Kenntnissen, als von der Biegsamkeit und dem Neichlhume seines Rednertalents unterstützt und zog sich durch die Eitelkeit, welche er kr diesen Declamationcn an den Tag legte, selbst die Abneigung der Gleichgesinnten und Liberalen zu. Da er überhaupt gegen die Opposition eine gewisse Unabhängigkeit beobachtete und oft gegen die Maßnahmen seiner Partei auftrat, so gerieth er allmälig in eine Vereinzelung, die seine Wirksamkeit gänzlich schwächte, Staunen erregte es, als er, in seiner 406 Mauke Maupeau Eigenschaft als Advocat der Colonien, in der Kammer dieNegcrsklaverei vertheidigte, nach» dem er zwei Jahre vorher Eurova aus den Fesseln der Knechtschaft hatte befreien wollen. Obwol er spater sei» Amt als Sachwalter der Colonien aufgab, blieb doch das Vertrauen in die Aufrichtigkeit seines Liberalismus erschüttert, zumal da er nach eincrNeise nach Nuß. land im I. 1810 mehrmals ernstlich eine Allianz zwischen Rußland und Frankreich vorschlug. Diese sogenannte Politik der Interessen machte er auch in dem „s»»r»ni clu commerce" geltend, dessen vornehmster Eigenthümcr er seit mehren Jahren geworden war. Mauke ist eine Fußkrankheit der Pferde und des Rindviehs, welche sich durch einen in der Kronengcgcnd des Hufs stattfindenden Abfluß einer wässerigen Feuchtigkeit zu erkennen gibt. Veranlaßt wird die Krankheit thcils durch innere Schärfe der Säfte, theils durch nachtheilig auf die Füße einwirkende örtliche Ursache». Das Wesen derselben besteht in dem Anschwellen eines oder beider Hinterfüße, wenn das Thier im Stalle steht; doch vergeht die Geschwulst, wenn es in Gang kommt. Die Krankheit endet mit gänzlicher-Abmagerung. Verschieden von dieser Krankheit ist die ausfallende oder brandige Mauke, die durch vieles Waten in Eis, Schnecwasser und gefrornein Boden entsteht und bald in Schwärung und Brand übergeht. Im Anfänge ist die Mauke meist leicht zu heilen durch Reinlichkeit, Abführmittel, vermindertes Futter, mäßige tägliche Leibesbewcgung und laue Fußbäder. Maulbeerbaum (Morus), ursprünglich im gemäßigten Asien heimisch, verträgt auch, wenigstens in einigen seiner Arten, das curop. Klima. Hauptsächlich unterscheidet man zwei Arten, den schwarzen Maulbeerbaum mit schwarzen und den weißen Maulbeerbaum mit weißen Beeren. Jener wurde wegen seiner eßbaren Früchte aus Persien, dieser aus China deshalb nach Europa verpflanzt, weil seine Blätter zur Nahrung für die Scidenwürmer dienen. Die Rinde des Maulbeerbaums ist sehr zähe und läßt sich zu Stricken verarbeiten; ans der des schwanen Maulbeerbaums fertigt man in China und Japan Papier; das Holz des weiße» Maulbeerbaums benutzt man in Italien und der Provence zu allerhand Gefäßen, da es im Wasser als sehr dauerhaft sich bewährt. Maulthier heißt der Bastard von Esel und Pfcrdestute, der zwar dem Pferde ähnlich ist, aber hinsichtlich des Kopfes, der Ohren, des Kreuzes, Schwanzes und der Stimme nach dem Vater gerathet. Da die Maulthiere einen viel sicherern Gang und größere Ausdauer haben, auch genügsamer als Pferde sind, so zieht man sie in allen Gebirgsgegenden diesen vor. In Spanien und den span. Colonien sind sie besonders geschätzt und oft theurer als Pferde. Sie pflanzen sich untereinander nicht fort. Der Bastard vom Pferdehengst und der Eselin heißt Maulesel, sieht dem Esel ähnlicher als dem Pferde, ist kleiner als daS Maulthicr, graubraun, und wird gewöhnlich nur zum Lasttragen gebraucht. Maultrommel, s. MundharINonika. Maulwurf, ein Säugthier, das zu den sogenannten Insektenfressern gehört, lebt fast beständig unter der Erde, wo es mit seinen breiten, starken Vorderpfoten und Krallen Gänge gräbt, aus denen es nur zur Begattung, oder wenn es durch Wasser vertrieben wird, herauskommt. Irrigerweise behauptete man sonst, daß der Maulwurf blind sei; doch sind seine Augen allerdings nicht größer als ein Stecknadelkopf, und in Italien findet sich eine Art, deren Augen sogar mit einem Fell überzogen sind. Die Nahrung des Maulwurfs besteht lediglich in Würmern, namentlich Regenwürmern, Insekten und ihren Larven; seineGänge gräbt er nur seiner Nahrung wegen, deren er sehr viel bedarf. Ist er schon im Freien sehr geschwind, so ist er es noch viel mehr in seinen ^Gängen. Sehr interessante Beobachtungen über die Maulwürfe machte der berühmte Maulwurssfänger Lccourt; veröffentlicht hat die- stlbeu CadetdeVaux in der Schrift „VomMaulwurf" (deutsch von Leonhardi, Lp;. >8ü4). Maupeau (Rene'Charl. de), Vicrkanzler von Frankreich unter Ludwig XV., war 1688 zu Paris geboren. Er bekleidete seit 1710 die Stelle eines Raths am Parlament zu Paris, stieg >743 durch Verbindung mit dem Hofe zum ersten Präsidenten auf und erlangte eine gewisse Berühmtheit durch einen langen Streit mit dem Erzbischof Bcaumont in Sachen der Hospitalverwaltung und der Janscnistcn. Der Hof verbannte demzufolge 17öl das Parlament nach Pontoise und den Bischof nach Conflans, ohne daß die Ruhe hcrgestellt wurde. Endlich mußte M. 1757 auf Betrieb seiner eigenen College» die Prasi- Maupertuis 407 dmtschaft niederlegcn. Der Hof erhob ihn indessen 1763 zun, Vicekanzler, um durch ihn den Kanzler Lamoignon, welchen besonders die Pompadour haßte, vollends zu stürzen. Als endlich Lamoignon am 15. Sept. >768 seine Entlassung genommen, erhielt M. die Kanz- lerwürde, legte jedoch dieselbe schon am folgenden Lage zu Gunsten seines Sohnes nieder. Er starb >773. — Nicol. Charl. Augustin de M., des Vorigen Sohn, bekannt durch seinen Streit mit dem Parlamente, wurde >714 zu Paris geboren. Er besaß nicht das vortheilhafte Äußere, aber mehr Kühnheit und Kenntnisse als sein Vater und erhielt zeitig die Stelle eines Parlamentsraths. Mit der Erhöhung des Vaters stieg er >763 zum ersten Präsidenten, in welcher Eigenschaft er den Minister Chaise ul (s. d.) zu gewinne» suchte. Nachdem er 1768 das Kanzleranit erhalten, verließ er seinen Gönner und betrieb, schon um seinen Vater zu rachen, mit dem Hofe die Demüthigung des Parlaments. (S. LudwigXV.) Die Gelegenheit dazu gab ihm der Proceß des Herzogs von Aiguillon, der als früherer Gouverneur von Bretagne vom Parlament zu Rennes'bei dem zu Paris wegen Überschreitung und Misbrauch der Amtsgewalt angeklagt worden war. M. ließ dem pariser Parlament in einem I.it llo sir-nicc im Juni >776 die Fortsetzung der Procedur verbieten ; allein das Parlament kehrte sich daran nicht, sondern erklärte den Herzog am 2. Juli aller Pairsrechte verlustig. Der König mußte nun auf Betrieb des wüthenden Kanzlers in einem zweiten >-it eie jnstics den Proceß cassiren und dem Parlament im Nov. 1 776 das Recht absprechen, sich der Einregistrirung der königlichen Edicte zu wider- setzen und mir den übrigen Parlamenten ein untheilbares Corps zu bilden. Das Parlament stellte hierauf seine richterlichen Functionen ein und der Kampf steigerte sich mehr und mehr, als Choiseul zu Ende des Jahres gestürzt wurde und die Dub arry (s. d.) das berüchtigte Ministerium bildete, in welches auch der Herzog von Aiguillon trat. M. ließ in der Nacht vom 2 >. Jan. 17 7 l die Parlamentsglieder durch abgesendetc Soldaten einzeln verhaften und verweisen und bildete am 23. aus dem großen Rathe ein Jnterimsparlament; zugleich ernannte er für den Eerichlsbezirk von Paris sechs Obcrgcrichte (Vonseils souvs- raills). Obschvn die Prinzen, die Parlamente der Provinzen, die übrigen Gerichtshöfe gegen den Gewaltstreich protestirtcn, so fuhr M. doch auf dem betretenen Wege fort, hob den Gerichtshof Chätelct, die Stcuerkammcr (s. Mal esh erbcs) auf und erklärte im Apr. >77 > das Jnterimsparlament für ein ständiges, das er mit seinen Kreaturen besetzte. Ebenso erfolgte die Auflösung des Parlaments zu Rouen, und die Mitglieder der übrigen wurden wenigstens größtcnthcils erneuert. Weil das Volk die Despotie des Hofes noch mehr haßte und fürchtete, als den aristokratischen Druck und die Anmaßungen der Parlamente, so gestaltete sich die Aufregung und die Unordnung für Hof und Minister täglich drohender. Der Tod Ludwig's XV., am >». Mai >774 , machte endlich dieser Spannung ein Ende. M. wurde sogleich verbannt, und das alte Parlament wiederhergestellt. Er ertrug seinen Fall und den Volkshaß mit Ruhe und starb vergessen zu Thuit am 29. Juli >792. Vgl. „äoiliiml lüstoriczue «Io ia revoliitinn »peiee elanslacoustitutiontle I» mon- srciüo lrun^. pur bt." (2 Bde., Lond. > 775). Maupertuis (Pierre Louis Moreau de), ein berühmter franz. Mathematiker, geb. zu St.-Malo > 697 von vornehmen Altern, zeigte in seiner Jugend viele Neigung für Mathematik und Kriegswissenschaften und nahm >718 Kriegsdienste, nach einigen Jahren aber seinen Abschied, um sich ruhiger jenen Studien widmen zu könne». Er wurde >723 in die Akademie der Wissenschaften ausgenommen, ging später nach London und nachher nach Basel, wo er mit den Brüdern Bernoulli Freundschaft schloß. Sein Ruf und seine Talente lenkten >736 auf ihn die Wahl, an die Spitze der Akademiker zu treten, die Ludwig XV. nach Lappland schickte, um durch eine genaue Gradmessung in Verbindung mit einer zu gleicher Zeit in Peru ausgeführten die Gestalt der Erde zu bestimmen, eine Unternehmung, die mit Überwindung unsäglicher Schwierigkeiten in einem Jahre glücklich ausgeführt wurde, uno welche M. in seinem Werke „De Is li^ure 7 38, mit Kpf.) ebenso unterhaltend als belehrend beschrieben hat. Nach Frankreich zurückgekehrt, folgte er >740 dem Ruse Friedrichs ». nach Berlin, um die Präsidentenstelle bei der Akademie zu über- nehmen. Er begleitete den König ins Feld und wurde in der Schlacht von Molwitz gefan- , 1 .^- 408 Mauren gen, in Wien jedoch vom Kaiser sehr ehrenvoll ausgenommen und ihm erlaubt, nach Berlin j zurückzukehrcn. Als er nachher Frankreich wieder besuchte, hofften seine Freunde ihn da- ^ selbst fest zu halten; er ging aber wieder nach Preußen, was er später vielfach bcreucte, de ' er bei allen Wohlthaten und Vertrauen, welches der König ihm schenkte, sich doch in Pren- ßcn nicht Wohlbefinden konnte. Auch wurde er in mehre Streitigkeiten verwickelt, vornehm, lich über einen Aufsatz in den „Memoiren" der berliner Akademie (1716), die Gesetze dn Bewegung und Ruhe nach dem metaphysischen Princip der kleinsten Wirkung betreffend, welchen König in Franeker angriff, indem er die Idee dazu Leibnitz beilegte. Mehre Schrif. ten waren die Folge dieser literarischen Fehde, in die sich auch Voltaire mischte, der anfangs mit M. in freundschaftlicher Verbindung gestanden und sich seinen Schüler genannt Ham, > nun aber ihn, den er 17 38 als ein erhabenes Genie, als einen zweiten Archimedcs geprie- l sen hatte, als einen bizarren Kopf und unsinnigen Philosophen verschrie. Eine Brustkrank- heit bewog M., 1756 nochmals nach Frankreich zu reisen. Im I. 17 58 begab er sich nach Basel, wo er am 27. Juli 1759 starb. M. war außerordentlich lebhaft im Veykehr, unge- mein höflich, selbst einschmeichelnd und sprach mit Geist und Leichtigkeit. Doch eine zu empfindliche Eigenliebe, ein hitziger, herrischer Charakter'und das allzugroße Bestreben emporzukommen schadeten ihm. Als Schriftsteller ist er geistreich, voll Feuer und Phan- tasie, aber oft auch gesucht, steif und paradox. Seine Werke, thcils philosophischen, theils , mathematischen Inhalts, erschienen in vier Banden (Lyon 17 56). Mauren, eines der die Berberei (s. d.) bewohnenden Völker, haben ihren Namen von den Mauren der alten Welt überkommen, ohne deren echte Nachkommen zu sein. Jene alten Mauren, welche als Urbewohner Mauritanien bewohnten, waren wahrscheinlich ^ mit den Numidiern eines Stammes und haben ihre unverfälschten Nachkommen in dm - Amazirghen deS jetzigen Marokkos. (S. Kabylcn.) In den ebenern Küstcngegenden des Landes waren sie wol schon in der vorhistorischen Zeit mit Einwanderern oriental. Stammes gemischt; noch mehr geschah dies, besonders in den Städten, mit den später an- ^ gekommenen cultivirten Einwanderern, und am meisten zuletzt mit den arab. Eroberern deS Landes. Während nun die echten Nachkommen der alten Mauren im Gebirge diesen Namen im Mittelalter verloren und wol schon damals den der Amazirghen annahmcn, blieb er dem hauptsächlich aus arab. und altmaur. Blut entsprossenen Mischlingsgeschlecht in den Städten und der Küstenebene Mauritaniens, und ging von da aus auch auf die ! Städtebewohner der übrigen Berberci über, die ebenfalls aus einer Mischung der Urcin- s wohner mit den Arabern entsprungen waren. So versteht man denn gegenwärtig unter ^ Mauren denjenigen Volksstamm der Berberci, welcher vorzugsweise die eingeborene Be- s völkerung der Städte der Berberei bildet. Die Mauren sind ein schöner Menschenschlag, ^ mit edlen, oriental. GesichtSzügen, die den Ausdruck von Milde und Melancholie tragen. Von Charakter sind sie zwar sanft und umgänglicher als die Berbern und Beduinen, aber ! auch phlegmatisch, kraftlos und geistig stumpf, und trotz ihres muselmännischen FanatiS- > mus feige, dabei grausam, wollüstig und hinterlistig, geizig und habsüchtig wie alle Mo- s hammedancr, und in den größer« Städten sehr verdorben. Ein großer Thcil von ihnen treibt ! Kramhandel und Kaffcewirthschaft; die übrigen sind meist Handwerker, Gärtner und Landbauer. Da die Araber, welche Spanien eroberten, aus Mauritanien herüberkamcn und auch wol viel mit Mauren gemischt waren, so werden auch sieMauren genannt, und die Namen Mauren, Araber und Sarazenen in der Geschichte Spaniens synonym ge» braucht. Don ihnen stammen die Moriscos, d. h. die Mauren, welche nach ihrer Besie» ( gung durch Ferdinand den Katholischen gegen Ende des l 5. Jahrh. scheinbar das Christen» thum annahmen und daher nicht mit ihren dem Islam treu bleibenden Stammgenoffen > aus Spanien vertrieben wurden. Sie lebten als fleißige, ruhige Unterthanen bis auf Phi» lipp II., welcher ihre gründliche Bekehrung oder ihren Untergang beschloß. Seine Bedrük« kungen und Verfolgungen brachten sie I57l zu einem bewaffneten Aufstand, nach dessen Dämpfung über > <>»060 derselben vertrieben wurden. Jndeß blieben noch immer Viele zurück, die trotz aller Verfolgungen den Glauben ihrer Väter im Geheimen treu bewahrten. Erst den Verfolgungen unter Philipp III. gelang es, sie auS Spanien gänzlich zu vertrei» Maurepas Maurer 40!) ben. Fast eine Million Moriscos wandertc damals nach Nordafrika aus, wo sic sich aus Rache vorzüglich auf den Seeraub gegen die Christen legten. Maurepas (Jean Frederic Phelippeaux, Graf von), Minister Ludwig's XV. und Ludwig's XV). von Frankreich, geb. 17VI, wurde noch als Kind in den Malteserorden ausgenommen. Sein Vater, J e'rö m e, versah das Amt eines Ministers und Staatssecrc- tairs, das vermöge der Amtskäuflichkcit schon >70 Jahre in der Familie vererbt worden war, mußte aber >715 abdanken und die Stelle dem 14jährigen Sohne überlassen. Der Marquis de Lavrilliere, der Schwager des jungen Ministers, erhielt den Auftrag, denselben zu vertreten und in die Geschäfte cinzuführen. Lavrilliere starb > 725, und M. über- nahm nun im Atter von 24 Jahren selbst sein Amt, das sich auf Paris, den Hof und das Seewesen erstreckte. Die Formen, in welche Ludwig XIV. die Verwaltung geschlagen hatte, machten allerdings die Geschäfte leicht, sodaß weniger tüchtige Kenntnisse, als eine gewisse Routine erfodcrlich waren. M. zeigte sogleich alle Talente eines höfischen Ministers ; er entwickelte Liebenswürdigkeit, Leichtfertigkeit und seltene Biegsamkeit. Doch erwarb er sich auch einige wirkliche Verdienste, indem er Seeschulen anlegte, die Häfen in Person be- suchte und Mathematiker in den Dienst zog. Überhaupt unterstützte er die Gelehrten und Dichter und wollte nach der Mode seiner Zeit selbst als Schöngeist gelten. Als die Pompadour an den Hof kam, ließ er sich gegen dieselbe in kleine Jntriguen ein, weil ihm diese niedrig geborene Frau die Ehre einer königlichen Maitresse nicht zu verdienen schien. Unter Anderm dichtete er auf ein Nosenbouquet, welches die Pompadour dem Könige an dessen Namenstage schenkte, ein sehr beißendes Epigramm, das bei Hofe die Runde machte. Ludwig XV. hatte den Herzog von Richelieu im Verdacht, es verfaßt zu haben; allein dieser bewies durch die Originalschrift, daß M. der Verfasser gewesen. Der Minister wurde sogleich vom Hofe verwiesen und lebte seit 1749 erst zu Bourges, dann zu Pontchartrain 25 Jahre hindurch in Ungnade. Als endlich Ludwig XVI. den Thron bestieg, empfing M. ein Schreiben, das ihn zum ersten Minister ernannte. Nur von seiner Tante gewissermaßen gezwungen, hatte der junge König Zuflucht zu einem Manne genommen, der kein anderes Verdienst besaß, als daß er das Opfer der Pompadour geworden. M. brachte in die schwierige Stellung nur die Leichtfertigkeit seiner Jugend mit, wählte aber Turgot, Malcsherbes und Necker zu seinen College». Um sich und den König populair zu machen und das Volk zu beschwichtigen, stellte er das alte, von Maupeau (s. d.) aufgelöste Parlament her. Nicht nur die Parteigänger des königlichen Despotismus, sondern auch viele freisinnige Männer misbilligten diesen Schritt, weil der Negierung daraus ein neues Hinderniß erwuchs, den versinkenden Staat zu reformiren. In der That brachen sich alsbald die Bestre- bungcn der Minister an dem Widerstande des Parlaments, das sogleich seine frühere Politik wieder aufnahm. M., der sich außerdem ungern von dem Genie Turgot's überflügelt sah, war auch schwach genug, seine Genossen dem Parlamente zu opfern. Vielleicht noch verhängnißvoller sollte für die Zukunft die auswärtige Politik sein, welche.er verfolgte. Mit der Absicht, die brit. Macht zu demüthigen, mußte der König auf sein Andringen die nord- amerik. Colonicn im Kriege gegen das Mutterland unterstützen. M. erlebte den Ausgang des Kampfes nicht; erstarb, sechs Monate nach Necker's Rücktritt, am 21. Nov. 1781 und wurde weder vom Hofe noch vom Volke betrauert. Unter seinem Namen gab Sou- lavie „Mmoires" heraus, ein geistloses Machwerk, das wahrscheinlich untergeschoben ist. Maurer (Georg Ludw-, Ritter von), bair. Staatsrath, lebenslänglicher Reichsrath und ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu München, geb. am 2. Nov. >790 zu Erpolsheim bei Dürkheim in der bair. Rheinpfalz, wo sein Vater evangelischer Prediger war, kam in Folge dessen, daß seine Altern wegen des Revolutionskrieges flüchten mußten, nach Heidelberg, wo er das Gymnasium besuchte, 1808— 11 die Rechte studirte, dann von deren juristischer Facultät ohne vorhergegangenes Examen das Doktor- diplom erhielt und einige Zeit prakticirte. Im I. 1812 ging er nach Paris, wo er für Recht,Sitten und Verfassung Germaniens gründliche Studien machte. Nack derRückkehr im Juni 1814 wurde er wegen seiner genauen Kenntniß des franz.Rechts zuerst in Mainz, dann in Speier und Landau bei den Kreisgerichten als Substitut des StaatsprocuratorS verwendet; 1816 kam er als Substitut des GeneralstaatsprocuratorS an das Appellations- 410 Maurerei Maurokordatos gcricht in Zweibrücken, >817 wurde er Appellations- und Nevisions-Gerichtsrath und l 824 Staatsprocurator bei dem Bezirksgerichte zu Frankenthal. In dieser Zeit erschien seine von der Akademie der Wissenschaften zu München, die ihn ! 824 zum correspondiren- den Mitglicde erwählte, mit dem ersten Preise gekrönte „Geschichte des altgerman. und > namentlich altbair. mündlichen Gerichtsverfahrens" (Heidelb. >824, >.), welche die Mt- anlassung gab, daß er 182« an die von Landshut nach München übersiedclte Universität für die Lehrfächer des deutschen Privatrechts, der deutschen Reichs - und Nechtsgeschichlc, sowie des franz. Rechts berufen wurde. Nachdem er > 82!) den Ruf an Eichhorn's Stelle nach Göttingen abgelehnt, erhielt er den Titel eines Geh. Hofraths. Gleichzeitig wurden ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften, noch in demselben Jahre Staats- i rath und zu Anfänge des I. > 8« I lebenslänglicher Ncichsrath. Im folgenden Jahre er- nannte ihn der König neben dem Grafen A r m a n s p c r g (s. d.) und dem Generalmajor von Heidegger zum Mitglied der Regentschaft in Griechenland. M. galt als politisch gleich, gesinnter Freund des Regentschaftspräsidentcu Armansperg, und wirkte, obschvn er sich sehr bald in seinen Ansichten über diesen getäuscht sah, in der neuen Laufbahn in der un- eigennützigsten, fürGriechenland überaus wohlthätigen Weise. Das größte Verdienst erwarb er sich durch die Abfassung des Strafgesetzbuchs, des Gesetzbuchs für das Strafverfahren, der Gerichts - und Notariatsordnung und des Gesetzbuchs über das Civilverfahren. Als endlich die Regentschaft in offenen Zwiespalt gerathen, war es M., der in Übereinstimmung mit Heidegger und A b el (s. d.) dem Präsidenten am entschiedensten entgegentrat. Deshalb mit Abel am >7 l .Juli 1 834 nach Baiern zurückbernfen, hatte er sich doch gleich diesem sehr bald wieder der Gnade des Königs zu erfreuen. Zu seiner Rechtfertigung ließ er die heftige Parteischrift „Das griech. Volk in öffentlicher, kirchlicher und privatrechtlicher Beziehung vor und nach dem Freiheitskampfe bis zum 3l. Juli i834"(3Bde., Hcidelb. IM) erscheinen. Von seinen übrigen Schriften erwähnen wir den „Grundriß des deutschen Privatrcchts" (Münch. > 828), „Über die bair. Städte und ihre Verfassung unter der röm. 1 und fränk. Herrschaft" (Münch. > 829), „Über die deutsche Neichsterritorial- und Rechtsgeschichte" (Münch. 183«) und die Ausgabe des „Stadt-und Landrechts Nuprecht'svm Freysing" (Stuttg. 1839), ein Beitrag zur Geschichte des Schwabenspiegels. Maurerei, s. Freimaurerei. Mauritius, eine der MaScarenhasinseln, unter 75° 3tL östl. Länge und 20° siidl. Br. im Indischen Ocean, hat einen Flächenraum von 35 lUM. mit einer Bevölkerung M mehr als > 09990 Seelen, die bis auf ein Zehntheil Weiße, Mulatten und Schwarze sind, zu denen in neuerer Zeit auch eingeführtc ostind. Arbeiter, sogenannte Hill-Kulis, kam». Die Insel ist sehr gebirgig und durchaus vulkanischer Natur, jedoch von Korallenbänken umgeben. Ihr Inneres, das sich bis gegen 3999 F. erhebt, bildet den Ungeheuern Krater ^ eines erloschenen Vulkans. Das Klima ist zwar tropisch, aber sehr mild und gesund, und war dies früher, ehe noch die Wälder gelichtet wurden, in noch höherm Grade. Nur die furchtbaren Wirbelwinde, von denen die Insel zu Zeiten heimgesucht wird, bilden eine Plage derselben. Die Vegetation trägt ganz den tropischen Charakter, dagegen ist die Fauna, wie gewöhnlich auf rein vulkanischen Inseln, ziemlich arm. Die Hauptproducn sind die gewöhnlichen tropischen Colonialwaaren. Die Insel wurde nebst den übrigen Mascarenhasinseln 1505 durch den Portugiesen Pet. Mascarenhas entdeckt und gehörte bis >588 den Portugiesen und von da an den Holländern, die sie Mauritius nannten. Nachdem diese sie >793 verlassen hatten, wurde sie <715 von den Franzosen beseht und t Jsle de France(s.d.) genannt. Jm J. 1819 eroberten sie die Engländer, die ihr den alten Namen wieder gaben und sie im pariser Frieden von >814 behaupteten. Die Hauptstadt ist Port Louis, der Sitz des Generalgouverneurs für die brit. Besitzungen im Indischen Ocean und ein wichtiger Handels- und Stapelplatz zwischen Ostindien und Ostaftika, mit mehr als 29999 E. und einem Freihafen. Maurokordatos, eine Fanariotenfamilie, stammt von Kaufleuten aus Chios ab, die ihren Ursprung vom genues. Geschlecht derScarlati herleiten. — Alex. M-, Ursprung' lich ein Arzt, bewies sich als Dragoman bei den karlowitzer Friedensverhandlungcn im Z. >698 als einen ausgezeichneten Diplomaten. — Sein Sohn, N i k. M., wurde >10- nd e» n- nd > :r. !ät kc, lle ee ts- ' er- °n ch. Ich »i- >rb ni, »S "g e§. kM dir le- 6) IlN m. t§- 1 ldl. !SÜ nd, eil. km lter md di! !iN! die lll! gen >rke !eii. > .md k ten l'st hen mit im OS Mauromichalis -in Hospodar der Moldau und >711 der Walachei. — Konstantin M., seit >733 Hos- xodar der Walachei, schaffte die Sklaverei ab und machte sich durch gute Gesetze und Ci„. richtungen, besonders durch die Einführung des Maisbaues, um das Land verdient. — Alex. M., ein geistreicher, wissenschaftlich gebildeter Mann, wurde beim Ausbruche der griech-Znsurrection, obschon er keinen Theil daran genommen, verhaftet, seines Vermögens beraubt und nach Angora verwiesen; seine Gattin, eine geborene Morusi, und seine Töchter aber wurden der Roheit der Soldaten preisgegeben. — Sein Sohn, Fürst Alex. M., geb. 1787 zu Konstantinopel, folgte noch jung seinem Oheim, dem Fürsten Karadja, nach der Walachei, begleitete ihn dann ins Ausland und lebte hierauf in der Schweiz und in Italien. Im I. 1821, nach dem Ausbruche des griech. Aufstandes, schiffte er sich in Marseille nach Griechenland ein, wo es ihm, nach Ätolien gesendet, gelang, die Sulioten für die Sache der Freiheit zu gewinnen. Auf dem Congresse zu Argos drang er auf eine feste Centralregierung und wurde mit Entwerfung der Unabhängigkeitserklärung und der einstweiligen Ncgierungsform beauftragt. Der Congreß zu Epidaurus wählte ihn zum Präsidenten der vollziehenden Gewalt. Mit dem Oberbefehle bekleidet, unternahm er im Sommer >822 den Feldzug in Epirus, der mit dem unglücklichen Treffen bei Peta endigte; doch rettete M. den Peloponnes durch die ebenso entschlossene als kluge Vertheidigung von Missolunghi (s. d.). Durch die Partei Kolokotronis' uud Demetrius Ppsilanti's angc- feindet, zog er sich nach Hydra zurück. Hier bewog er die Schiffsbcfehlshaber, mit einer Flotte Missolunghi zu entsetzen, und übernahm dann aufs neue den Oberbefehl im westlichen Griechenland. Durch kluge Maßregeln vereitelte er > 82-1 die Plane des Omer Lrione auf Ätolien und Akarnanien. Als aber Kolokotronis (s. d.) gegen die Negierung in Nauplia die Waffen erhob, zog sich M. mehr und mehr aus dem öffentlichen Leben zurück, bis er endlich im Oct. 1820 seine Entlassung nahm. Während der Regentschaft Kapodistrias' stand er mit Miaulis und Konduriotis an der Spitze der Opposition gegen denselben. Unter der Regentschaft des Königs Otto wurde er Minister der Finanzen und im Oct. 1833 Präsident des Ministeriums. Bei der Veränderung im Ministerium im I. >831 wurde er nacheinander Gesandter an den Höfen zu München, Berlin und London. Im 1.18-t i trat er für kurze Zeit als Ministerrathspräsident an die Spitze der griech. Negierung. Darauf ging er als Gesandter nach Konstantinopel, von wo er in Folge der Septemberrevolution von I8-I3nach Griechenland zurückkehrte, wo er anfangs als Minister ohne Portefeuille in das Cabinet Metaxas trat, dann aber nach dem Sturze desselben und der russischen Partei, am il. Apr. 1811 ein neues Cabinet, dessen Präsident er wurde, zu Stande brachte. Doch die engl. Partei, als deren Haupt er von jeher in Griechenland galt und noch gilt, wurzelte zu wenig im griech.Volk, als daß sich ein derselben ergebenes Eabiuet lange hätte halten können. Dasselbe fiel schon im Aug. 18 t-i, und seitdem hat sich M. nur durch seine hartnäckige, häufig in die verwerflichstenUmtriebe und in die gefährlichste Parteisucht ausartende Opposition gegen das Ministerium Kolettis bemerklich gemacht. Mauromichalis, eine Mainottenhäuptlingsfamilie, die jetzt gewöhnlich den fürstlichen beigezählt wird. Berühmt unter ihr sind: Georg M., der bei der Empörung der Mainottcn 1770 der Hauptanführer derselben war. — Peter M., bekannt unter dem Namen Pietro -Bei, wurde >816 Bei der Mainottcn, schloß sich später der Hetairie a» und erhob im Apr. I82l in Morea nebst Kolokotronis die Fahne des Aufruhrs. Von nun an einer der thätigsten und einflußreichsten Beförderer des griech. Freihcitskampfes, bekleidete er während desselben die Ämter als Mitglied des moreotischen Senats (1821), als Präsident der Nationalversammlung zu Astros (1822) und als Chef der ausübenden Gewalt(>82-t). ZmAnfange mitKolokotronis vereint, wurde er doch b,ld, als dieser immer mehr als Haupt der russ Partei und im selbstsüchtigen Streben besangen auftrat, ein Gegner desselben und eines der Häupter der nationalen Partei. So konnte es auch nicht fehlen, daß er in schneidenden Gegensatz zu dem ganz in russ. Interesse handelnden Kapo- distrias kam, der seinerseits den mächtigen Mainottenhäuptling auf alle Weise zu unterdrücken undunschädlichzu machensuckte. DieFolge davon war ein Aufstand der Mainottcn gegen Kapodistrias, der die Verhaftung Pietro-Bei- in Nauplia herbeiführte. Dies steigerte die Leidenschaft der Mauromichalis, die, wie alle Mainottenfamilien, durch die 412 Maurus (HrabanuS) Maury (Jean Siffrein- regste und empfindlichste Familienpietät sich auszeichnen, auf den höchsten Grad, sodaß d« Sohn des gefangenen Pictro-Bei, Georg M., und der Bruder desselben, Konstantin M.,am9.Oct. 1831 den Grafen Kapodistrias (s. d.) ermordeten. Konstantin wurd« gleich nach der That auf der Stelle von dem Gefolge Kavodistrias' niedcrgehauen, Ecoig aber spater, in demselben Jahre, hingerichtet. Nach dem Sturz der Kapodistrias schl» Regierung wurde Pietro-Bei wieder freigelasscn, der sich dann als einen der treuesten A». Hänger des Königs Otto bewährte und als solcher bis auf die neueste Zeit bewährt. Mannich. faltige Auszeichnungen, die sowol ihm wie Gliedern seiner Familie zu Theil wurden, warn, der Lohn dieser Treue; namentlich wurde er 1836 zu einem der Vicepräsidenlemdis Staatsraths ernannt. Maurus (HrabanuS), s. HrabanusMaurus. Maurus (Congregation des Heiligen), s. Benediktiner. Maury (Jean Siffrein), Cardinal, einer der ausgezeichnetsten geistlichen und pell, tischen Redner Frankreichs, geb. am 26. Juni 17-16 zuValre'as in der Grafschaft Avignon, war der Sohn eines armen Schuhmachers. Nachdem er seine Studien auf eine glanzend« Weise beendet hatte, trat er in den geistlichen Stand und ging dann in seinem >!>. Zahn nach Paris. Hier erhielt er anfangs in einem Privathause die Stelle eines Hofmeisters zeichnete sich aber dann durch sein „kilo^e lunebro e 8t.-Vioc«ntciekaule", der „kimepD'rigue lle 8t.-k.oui8", „Litiiög)ril>iie eie 8t.-Xug»5tiu" (1775) und seine „Iliscniirs elioisis sur divers sufets eie religchn et lle littöiilture" «I- öffncten ihm 1785 die franz. Akademie. Zum Deputaten der Geistlichkeit von Per« im I. 1789 in die Nationalversammlung gewählt, bewies er sich als erklärten Widersacher Neckcr's und der neuen Staatstheorie. Mirabeau fand in ihm seinen gewichtigsten Gegner und der Klerus den tüchtigsten Vertreter. Gleich beim Beginn der Nationalversammlung widersetzte er sich aufs heftigste der Vereinigung der drei Stände und als diese dennoch bewirkt wurde, verließ er Versailles. In Peronne verhaftet, wurde er auf Befehl der Nationalversammlung freigelassen und erschien sehr bald wieder in derselben. Er war es, der am > 3. und 36. Oct. sich am standhaftesten der Maßregel widersetztc, welche die Güter des Klerus zur Disposition der Nation stellte und dieser dagegen die Cultuskostcn übertrug. Am 19. Juni sprach er gegen die Aufhebung der Adelsprivilegicn und am 16. Juli lehme er sich mit Ungestüm gegen die Einverleibung von Avignon auf. Der Verlauf der Revolution zwang ihn zur Auswanderung; er ging nach Rom, wo er mir offenen Armen empfangen wurde. Der Papst gab ihm den bischöflichen Titel und schickte ihn als apostolische» Nuntius zur Krönung Franz'S II nach Frankfurt, ernannte ihn 179t zum Bischof von Nicäa in til»,s und am 21. Febr. >798 zum Cardinal. Als die franz. Heere sich Nom näherten, flüchtete er zunächst nach Toscana, dann .nach Venedig. Endlich begab er sich nach Rußland, kehrte aber bald in der Eigenschaft als Gesandter Ludwig's XVIIl. zum Papste zurück. Das Verlangen, nach seinem Vaterlande zurückzukehren, erklärt seine plötzliche Annäherung an Napoleon, bei dessen Huldigung er dcni Papste assistirte. Indessen erhielt er erst 1866 eine förmliche Autorisation, nach Frankreich zurückzukehren, worauf ihn Napoleon zum franz. Cardinal und Almosenier bei seinem Bruder Hieronymus ernannte. Im I. >816 nahm er vom Kaiser, welcher sich mit Fesch Überwerfen hatte, die Ernennung zum Erzbischöfe von Paris an, mußte aber, da der Papst diese Promotion nicht genehmigt hatte, bei der Restauration seinen Sitz verlassen. Er wendete sich nun wieder nach Rom, wo er ein halbes Jahr auf der Engelsbnrg gefangen gehalten wurde. Nachdem er seine Freiheit wieder erlangt hatte, wurde er für den Verlust seiner Würden durch eine Pension aus dem päpstlichen Schatze entschädigt. Er starb zu Nom in der Zurückgezogenheit in der Nacht vom > 6. zum I >. Mai 1817. Unter seinen hervorstechendsten literarischen Leistungen gehört sein „kissui 8»r I'el«l>ueuce lle I-> cliaire" ( 2 Bde., Par. 1810 und öft.). Seine „Oeuvres clivisies", worin auch seine Reden in der Nationalversammlung enthalten sind, erschienen in fünf Bänden «Pap. 1827). Vgl. seines Neffen L.N- Maury „Vie «in canlilinl l>l." (Par. 1827). Mauru (Juan Maria) Mauvillon -113 Maury (Juan Maria), ein ausgezeichneter span. Dichter und Kritiker, geb.zuMa- laga, »vo sei» Later ein angesehener Kaufmann war, kam frühzeitig nach Frankreich, um kort seine Studien zu beginnen, und vollendete seine Bildung in England. Nachdem er auch Italien besucht hatte, ließ er sich in Paris nieder. Sein episches Gedicht „l.a linumien" (Madr. 1806) zeichnete sich besonders durch sorgfältigen Versbau und schöne Sprache aus. Europäischen Ruf aber erwarb er sich durch seine „Lspague poötchue", (2 Bde., Par. l 820—27), eine Sammlung der span. Lyriker von den ältesten bis auf die neuesten Zeiten, mit metrischen franz. Übersetzungen und biographisch-kritischen Abhand, lungen, worin er sich als einen feinen Kenner seiner vaterländische» Poesie, geschmackvollen geistreichen Kritiker und so gewandten Übersetzer bewies, daß die Franzosen selbst seine cor- recken und eleganten Verse bewunderten. Erst nach langem Zwischenräume ließ er wieder ein eigenes größeres Gedicht, das romantische Rittergedicht „Lsvero ^ ^Imeckora" (Par. >840) erscheinen, worin er Taffo und Arivst nachstrebte und sie wenigstens in technischer Meisterschaft, in Vollendung des Versbaues und Schönheit der Diction fast erreicht hat. Seine kleinern Gedichte und vermischten Aufsätze sammelte er in den „koesms castell-mas" (3 Bde., Valencia > 845). Er starb zu Paris am 2. Oct. > 845. Maus, eine bekannte Gattung von Nagethieren, in einer großen Menge von Arten, deren mehre durch starke Vermehrung und große Gefräßigkeit den Menschen schädlich wer- den. Dahin gehören außer der Hausmaus, die Hausratte, Wanderratte und Feldmaus. Die HausmauS, meist dunkelgrau von Farbe, doch auch als Kakerlake, nämlich ganz weiß mit rothen Augen vorkommend, ist ursprünglich in Europa heimisch, findet sich aber gegenwärtig, durch Schiffe verbreitet, in allen Erdtheilen und wirft des Jahres vier bis sieben Junge. Größere Verwüstungen als sie richtet dieHausratte an, die 8 Z. lang ist und einen ebenso langen Schwanz hat, weil sie sich selbst durch die stärksten Mauern hii'i- durcharbeitet, weil nur wenige Katze», da sie sehr beißig ist, ihr nachstellen, und weil sic nicht leicht in irgend eine Falle oder an eine vergiftete Lockspeise geht. DieHausratte sowol als die Hausmaus werden von der Wan d erratte vertriebe»', die bedeutend stärker ist, l 0 Z mißt und einen 8 Z. langen Schwan; hat. Sie ist ein äußerst böses, bissiges Thier, das sogar gegen den Menschen sich zur Wehre setzt, unter dem Federvieh großen Schaden anrichtet und öfters sogar Kindern in der Wiege gefährlich wird. Sie ist sehr schwer zu tilgen, da sie sehr vorsichtig ist und eine Katze sich durchaus nicht an sie »vagt. Die Feldmans, oben rothgrau, mit sehr langen Ohren, erscheint in manchen Jahren in so großer Menge, daß sie den Ertrag der Ernte bedeutend schmälert. Füchse und Eulen stellen ihr eif- rigst nach, daher es nicht rathsam ist, dieselben unbedingt zu tödten. Mäusethurm, bei Bingen am Rhein, bekannt durch die Sage, welche sich an den Erzbischof von Mainz, Hatto ll. (s. d.), knüpft, wurde erst zu Anfänge des > 3.Jahrh. als Zollthurm angelegt und l 635 durch die Schweden zerstört. Merkwürdig ist, daß sich in Polen eine ähnliche Sage findet. (S. Goplo). Mausoleum hieß das Grabmal, welches dem Könige Mausolus von Karien seine Gemahlin Artemisia (s. d.) zu Halikarnaß errichten ließ. Es wurde erst nach ihrem Tode vollendet und gehörte seiner Pracht wegen unter die Wunderwerke der Welt. Dasselbe hatte eine Höhe von >04 F., 140 F. im Umfange und war von 36 korinth. Säulen rings umgeben. Auf dem viereckigen Unterbau erhob sich ein pyramidenförmiger Bau von 24 Stufen, und oben darauf stand eine Quadriga. Die Baumeister waren Satyros und Pytheus, die Bildhauer Bryaris, Leochares, Skopas und Timotheos. Mauth, s. Zoll. Mauvillon (Jak.), einer der bemerkenswerthesten Anhänger und Vertheidiger des Physiokratischcn Systems (s. d.), auch als militairischcr Schriftsteller und als Übersetzer bekannt, gcb. zu Leipzig am 8. März 1743, kain 1756 nach Braunschweig, wo sein Vater als Professor der franz. Sprache am Carolinum angestellt wurde. Er sollte die Rechte studiren, interessirte sich aber mehr für Sprachstudium, Zeichnen und Mathematik, und hegte, obgleich schwächlich und verwachsen, viel Neigung für den Militairstand, weshalb er auch im Siebenjährigen Kriege als Ingenieur in hannov. Dienste trat. Nach den» Frieden nahm er seinen Abschied und ging nach seines Vaters Wunsche nach Leipzig, um 411 Mävius Maxe» dort die Rechte zu studiren, was er jedoch bald aufgab. Er wurde 1766 Kollaborator an der Schule zu Jlefeld, dann Lehrer der Kriegsbaukunst in Kassel und Hauplmann. Zm Z. l 7 85 trat er als Major in braunschweig. Dienste und wurde später Oberstlieutenant bei dem Jngcnicurcvrps und als Lehrer an dem Carolinum angestellt. Ein Freund und Bewundern Mirabcau's ging er lebhaft aus dessen Plan ein, gemeinschaftlich mit ihm ein polikisch-H. losophisches Werk über den preuß. Staat zu schreiben, dem .er alle seine Muße widmete und zu welchem ihm Mirabeau von Berlin aus reichlich mit Materialien versah. Miradu» ließ das Werk in Paris unter seinem Namen erscheinen, worauf M. dasselbe in seinu „Schilderung des preuß. Staats unter Friedrich >l." (4 Bde., Lpz. 1793—95) neubi- arbeitete. Die franz. Revolution fand an ihm einen enthusiastischen Anhänger; da er sich aber zu lebhaft für Freiheit und Gleichheit aussprach, so verwickelte er sich dadurch in imn- cherlei Unannehmlichkeiten. In dem Pasquill „Bahrdt mit der eisernen Stirn" durch Kotzebue unanständig angegriffen, zog er sich neuen Verdruß dadurch zu, daß er Zimmer- mann öffentlich als den Verfasser der Schrift bezeichnet«. Er starb zu Braunschweig ani 11. Jan. 1794. Mit Übergehung seiner Übersetzungen gedenken wir noch seiner „Phyßo- kratischen Briefe an Dohm" (Braunschw. 1789); der „Einleitung in die militainschen Wissenschaften" (Braunschw. 1783), und der „Geschichte Ferdinand's, Herzogs von Braunschweig" (2 Bde., Braunschw. >794). Mävius, s. Bavius (Marcus). Mavors, s. Mars. Maxen, einNittergut und Dorf zwischen Pirna und Dippoldiswalde im Königreich! Sachsen mit Marmorbrüchen, deren Ausbeute jedoch fast nur zu sehr bedeutenden Kalk- brennercien benutzt wird, liegt auf einem Höhenplateau, welches an dreiSeiten von tiefen, steil eingescknittenen Thälern umschlossen ist, und führte durch diese seine Lage eines der wichtigsten Ereignisse des Siebenjährigen Kriegs herbei. Nachdem nämlich in dem Feldzuge des I. 1759 der Prinz Heinrich von Preußen mit seinen weit geringer»Streikkräfte» dem östr. Feldmarschall Daun zwischen der Elbe und Mulde nicht allein Widerstand geleistet, sondern ihn zu Anfänge des Nov. auch zum Rückzug nach seiner befestigten Stellung bei Plauen unweit Dresden genöthigt hatte, war während dieses Manoeuvres auch Friedrich der Große von Schlesien aus bei der Armee seines Bruders angekommen, und hatte, von der Idee befangen, daß Daun seinen Rückzug nach Böhmen fortsetzcn werde, uni dort die Winterquartiere zu nehmen, noch auf dem Marsche am 14. Nov. durch den General von Wunsch dem General von Fink, der die Avantgarde des Prinzen Heinrich commandirte, den Befehl crtheilt, Dippoldiswalde zu besehen, und selbst bis M. vorzurücken, um von hier aus die von Dresden nach Böhmen führenden Straßen beobachten und dem Feinde versperren zu können. Fink (s. d.), der das Misliche dieses Auftrags sogleich übersah, »ersuchte gegen diesen Befehl Einwendungen zu machen, die jedochder König unwillig zuriuk- wies. Er nahm daher, nachdem er Dippoldiswalde beseht, die Stellung von M., während der König selbst bis Wilsdruf vorrückte, und die Avantgarde unter Ziethen Kesselsdorf und den nördlichen Rücken des Plauischen Grundes besetzte. Die gefährliche Lage, i» welcher sich jedoch das Fink'scheCorps befand, war so in die Augen fallend, daß sie selbst Daun nicht entging und diesen bestimmte, dasselbe mit bedeutender Übermacht anzugreifen. Während nun Fink am l 8. und > 9. Nov. in und um M. seine Dispositionen traf, um den ihm drohenden Unfällen möglichst vorzubeugen, entsendete Daun am 19. einen Theil seines Heers »o» Plauen aus auf der großen Straße nach Dippoldiswalde, vertrieb hier das kleine preuß. Detachement, das Fink 6 .bst gegen den Willen des Königs daselbst hatte stehen lassen, und ging von hier aus über Reinhardsgrimma und Hausdorf auf M. los. Obwol es am Morgen des 29. Nov. etwas gefroren hatte und namentlich die steilen Anhöhen mit Glatteis bedeckt waren, so wurden sie doch von den östr. Grenadieren erstiegen und erobert, und hierauf M. selbst angegriffen. Während hier nun aufs hartnäckigste gekämpft wurde, war ein anderes östr. Corps von Plauen über Tronitz und Witgendorf gegen M- vorgerückt, soda? Fink bald zwischen zwei Feuer gebracht wurde. Zwar that Fink das Möglichste, um sich >»Dt zu halten, besonders da er hoffte, daß der König, der nur etwa drei Meilen von ihm entfernt stand, ihm zu Hülfe eilen würde, wenn er seinen Rapport erhalten und de» Kanonendon- i l ! f > 1 I s r s t c t e f d l e ii a S v n c r e d v g g l» l, (e d c l r k 1 r i < i > Mapentius (röm. Kaiser) Maximianns (röm. Kaiser) 415 ricr vernehmen würde. Allein Letzteres hatte der abstehende Wind verhindert, und von allen Ordonnanzen war nur eine einzige bis zum König gelangt; dagegen wurden die Angriffe der Feinde immer heftiger, und da nun auch die Neichsarmee von Dohna aus heranmar- schirte, um an dem Kampfe Theil zu nehmen, so sah sich Fink endlich genöthigt, mit dem Überrest seines Corps sich auf Ploschwitz zurückzuziehcn, um von hier aus vielleicht über Wcsen- stein, Liebstadt und Glashütte Freibcrg wieder zu gewinnen, oder über Sürsen undPosscn- dorf sich mit dem Könige wieder verbinden zu können. In der Hoffnung, den ersten Plan ausführen zu können, wurde er jedoch bald enttäuscht, da alle abgesandteNecognoscirungen die Gewißheit brachten, daß sämmtliche Durchgänge durch die tiefen Schluchten von den Kroaten bereits besetzt waren; den letztgenannten Weg versuchte jedoch der General von Wunsch mit der gesummten Cavalcrie; in der verzwciflungsvollcn Lage, in der sich Fink befand, da er von allen Seiten eingeschlossen, kaum noch 300V M. kampffähige Mannschaft dem zehnmal stärkern Feind entgcgenzusetzcn hatte, entschloß er sich, eine ehrcnvolleCapitu- lation nachzusuchen; allein Daun ließ ihm nur die Wahl, sich auf Gnade oder Ungnade zu ergeben, ja Fink mußte sogar den General von Wunsch zurückrufcn, während man jedoch den preuß. Offizieren, die auf Ehre dort gefangen bleiben sollten, ihre Bagage belassen wollte. Fink war nicht in der Lage, Bedingungen vorschreiben zu können, und wenn er selbst diejenige einging, welche die Zurückberufung der Cavalerie unter Wunsch verschrieb, so hoffte er allerdings, daß dieser seinem Befehle nicht mehr Folge leisten werde, wenn er eine Aussicht gefunden, sich durch die Feinde durchzuschleichen. Allein noch während die Kapitulation verhandelt wurde, kehrte Wunsch zurück, da er nirgend einen Ausgang gefunden, und so mußte nun der ganze noch übriggebliebenc Theil des anfangs gegen >0—l 2000 M. starken Corps, das aber jetzt bis fast auf 2000 Combattanten geschmolzen war, mit sieben Generalen und 550 Offizieren das Gewehr strecken und sich im freien Felde als Kriegsgefangene ergeben. Indeß war die Katastrophe von M- ohne irgend eine» wesentlichen Einfluß auf den weitern Gang des Kriegs. Maxentius, röm. Kaiser, der Sohn des Maxi »lia n u s (s. d.), wurde im I. 306 von den Prätorianern zum Augustus erhoben und von dem Volke und Senat zu Rom, die Galerius durch eine schwere Schatzung erbittert hatte, anerkannt. Severus, den Galerius gegen ihn und seinen Vater, der sich mit ihm verband, sendete, mußte sich dem Letzter« ergeben, und auch der Versuch, den Galerius selbst im I. 307 gegen ihn machte, war vergebens. Bald nachher entzweite sich M. mit seinem Vater, der vor ihm nach Gallien floh, und lebte nun in Üppigkeit, Trägheit und Grausamkeit in Nom. Das Glück, mit welchem eine Empörung der Afrikaner unter Alexander im Z. 311 durch seinen Feldherrn schnell unterdrückt wurde, reizte ihn zur Kriegserklärung gegen Konstant in den Großen (s.d.), an dem er den Tod seines Vaters rächen zu wollen vorgab.' Während nun Konstantin nach Italien drang und die Feldherren des M. bei Turin und Verona schlug, lag dieser mit einem gewaltigen Heere unthätig in Nom. Erst nachdem Konstantin die unbesetzten Pässe des Apennin überstiegen hatte, rückte er ihm unvorsichtig entgegen, wurde in der großen Schlacht am Pons Milvius am 27. Oct. 3>2 geschlagen und ertrank in der Tiber. Maximalst ein Satz (eine Ansicht, Überzeugung u. s. w.), den einZndividuum zum Grundsatz seines Thuns und Lassens macht, wobei cs unbestimmt bleibt, ob dieser Grundsatz blos eine subjective oder auch zugleich eine objcctiv allgemeine Gültigkeit hat. In den Maximen, nach welchen der Mensch handelt, wurzelt sein Charakter (s. d.) und deshalb ist die Untersuchung über die in den meisten Fällen unabsichtliche und unwillkürliche Entste- stehung und Befestigung solcher oder anderer Maximen von großer Wichtigkeit für die Pädagogik und Ethik, indem die sittliche Bildung darauf beruht, daß die subjektiven Maximen des Menschen mit den objektiven Sittengesetzen in Übereinstimmung kommen, oder daß die letzter» für ihn zu Maximen werden. Maximiänus (Marcus Aurelius Valcrianus), genannt Herculius, röm. Kaiser, aus der Gegend von Sirmium gebürtig, hatte sich aus nicdcrm Stande im Kriegsdienst emporgcschwungen und wurde von Diocletia nus (s. d.) im 1.285 zum Cäsar und 286, nachdem er den Bund derBagauda in Gallien (s.d.) unterworfen und die in dieses Land einfallenden deutschen Völker zurückgetrieben hatte, zum Augustus erhoben. Bei der Thei- 416 Maximilian !. (deutscher Kaiser) lung des Reichs, die er mit Diokletian, nachdem sie Galerius nnd Konstantins ChlvruSfl Cäsaren ernannt hatten, im I. 292 vornahm, erhielt M. Afrika und Italien nnd nahm seinen Sitz zu Mailand. Durch Diocletian veranlaßt, legte er, wie dieser, 395 die Augu, stuswürde nieder, nahm sie aber 396, mit seinem Sohne Maxentius (s. d.) verbunden, wieder an. Severus, den Galerius gegen sie schickte, fiel in Ravenna in seine Hände; doch mußte M. bald darauf vor seinem eigenen Sohne ans Nom nach Gallien flüchten. H« gewann er, nachdem er den Diocletian vergebens zur Wiederannahme der Kaiserwürde zu bewegen gesucht hatte, einen Theil des Heers seines Schwiegersohns, Ko nstantin'sde- Großen (s. d.), für sich, um diesen zu stürzen, wurde aber von ihm bei Massilia zur Erze- bung und zur Niedrrlegung des Purpurs, den er zum dritten Male angenommen Ham, ' genothigt, und im I. 31 9 , als er einen Versuch gegen Konstantin's Leben machte, getödket. i Maximilian!., einer der merkwürdigsten deutschen Kaiser, 1493—1519, Sohl, ! und Nachfolger Kaiser Friedrich's III. (s. Friedrich IV.), geb. am 22.März 1459,nahm . schon seit l 189, wo er zum röm. König erwählt wurde, Theil an den Regierungsgeschäften. l Von ansehnlicher Statur, stark und schön gebaut, entwickelte er, nachdem er bis infiin > zehntes Jahr wenig Geist gezeigt hatte, mit einem Male seine Fähigkeiten ebenso rasch als ! vielseitig und machte wie in Künsten und Wissenschaften, so in allen körperlichen Geschick- ! lichkeiten nnd Übungen die ausgezeichnetsten Fortschritte. Im I 9. Jahre vermählte er sich mit Karl's des Kühnen von Burgund Tochter und einzigen Erbin, Maria, und erwarb durch diese Herrath seinem Hause die weitläufigen burgund. Besitzungen. Da der Köniz Ludwig XI. von Frankreich die Hülflosigkeit der Maria benutzt hatte, um eines TheileS von Burgund sich zu bemächtigen, so zog M. gegen ihn alsbald zu Felde und zwang ihn zur Herausgabe der eroberten Provinzen. Dagegen mußte er nach dem früh erfolgten Tode seiner Gemahlin am 26. März I ->82, bei der durch Ludwig's Ränke gegen ihn aufgeregten, mistrauischcn Stimmung der niederländ. Stände, es ruhig geschehen lassen, daß in Folge l des Friedens zu Arras zwischen den niederländ. Ständen und Frankreich im Z. IE ! seine vierjährige Tochter Margarethe dem Dauphin, dem nachherigen Könige Karl VIII., verlobt, nach Frankreich geführt und Artois, Flandern und das Herzogthum Burgund ihr zur Mitgift gegeben wurden. Ungeachtet dieser erlittenen Kränkungen blieb M. in dm Niederlanden, wo er den Krieg gegen das ihm fortdauernd feindselig gesinnte Frankreich mit wechselndem Glücke fortsetzte und in unaufhörlichem Kampfe mit seinen aufrührerischen Unterthanen lebte, die weder Gewalt noch Milde ihm versöhnen konnten. Die von Frankreich fortdauernd angeschürte Aufregung ging endlich so weit, daß die Bürger von Brügge ihn l ->88 sogar mit List in ihre Stadt lockten und mehre Monate lang gefangen setzten. Aus dieser Hast durch einen Hexreszug seines Vaters und der deutschen Fürsten befreit, eilte er an die Donau, um mit dem Ungarnkönige Matthias, der einen großen Theil der östr. Länder erobert hatte, wegen deren Rückgabe zu unterhandeln, und nach Matthias' bald darauf erfolgtem Tode gelang es ihm l 4M», die Ungarn aus dem Lande zu treiben. Seine Bemühungen um den Ungar. Thron unterbrach der Einfall der Türken aus Bosnien nach Kram, Kärnten und Steiermark im I. 1492, die er mit einem schnell zusammengerafften Heere bei Villach schlug und nach Bosnien zurücktrieb. Schon wollt? er auch gegen Karl VI I l. von Frankreich, der ihm seine reiche Braut Anna von Bretagne abwendig gemacht, dagegen seine demselben verlobte Tochter zurückgesendet hatte, die Waffen ergreifen, als noch zu rechter Zeit durch des Kurfürsten Philipp von der Pfalz Vermittelung zwischen beiden Fürsten der Friede zu Senlis im I. > 493 zu Stande kam, in welchem M. wenigstens die bedeutende Mitgift seiner Tochter an Ländern zurückerhielt. Nachdem er Friedrich UI. auf dem kaiserlichen Throne gefolgt, verheirathete er sich mit Bianca Sforza, der Tochter des 1476 ermordeten Herzogs Galeazzo Sforza von Mailand, die ihm zwar Zütlvvü Dukaten Heirathsgut mitbrachte, aber ihn auch in die Italien. Händel ihres Hauses»«' wickelte. Dem unter seines Vaters langer und schlaffer Regierlmg im Reiche eingeriffenm ^ Zustand derRechtslosigkeit und Willkür suchte er durch Errichtung des ewigen Land- > friedenS (s. d.) und die Einsetzung des Neichskammergerichts ss. d.) im > j 1495 und des Reichshofraths (s.d.) im I. 1591 zu steuern. Zum Behuf der Executionen bei Landfriedensbrüchen theilte er Deutschland in sechs und im I- > '>l 2iit Maximilian I. (deutscher Kaiser) 4L7 zehn Kreise, in deren jedem ein Hauptmann das Kreiscontingent zur Erhaltung der Ruhe und Bestrafung der Ruhestörer führte. Auch trat er den Misbräuchen der Femge - richte (s.d.) entgegen. Ergab gute Policeigesehe, errichtete zuerst stehende Truppen unter dem Namen Lanzknechte (s. d.), verbesserte das grobe Geschütz, ließ zur Erleichterung der Eommunication Posten anlegcn, beförderte Wissenschaft und Künste, unterstützte Gelehrte und Künstler und sorgte namentlich für die Universitäten zu Wien und zu Ingolstadt. Eine größere Thätigkeit für das Reich nach innen und außen zu entwickeln hinderten ihn seine Feldzüge gegen die Schweiz und gegen die Franzosen in Italien. Hier war der junge Herzog Giov.Galeazzo Sforza von seinem Oheim Ludwig ermordet, dieser aber, nachdem er sich des Herzogthums bemächtigt, von dem mit Galeazzo verschwägerten König von Neapel mit Krieg überzogen worden. Ludwig hatte die Franzosen zu Hülfe gerufen, die sofort mit großer Heerrsmacht in Italien erschienen, Neapel eroberten und selbst Mäiländ bedrohten. Sich weiterer Eroberungen derselben zu erwehren, traten 1495 der Papst, der Kaiser, Spanien, Neapel und Mailand zu einem Bunde zusammen und zwangen den König Karl VIII., ebenso schnell als er gekommen, nach Frankreich zurückzukehren. Als jedoch > 599 die Franzosen ihre Eroberungsabsichten auf Italien erneuerten und Ludwig XIl. nächst dem größten Theil von Neapel auch Mailand in Besitz nahm, blieb M., dem es an Geld und Truppen fehlte, nichts übrig als im Vertrag von Blois den König von Frankreich gegen ein Geschenk von 209999 Francs und gegen das Versprechen einer Heirath seines Sohnes mit dessen Tochter Claudia mit dem Herzogthume seines Schwagers zu belehnen. Da Ludwig XIl. dieses Versprechen nicht hielt und seine Tochter anderweit verheiratbete, zog M. mit einer kleinen Armee über die Alpen, um Mailand wiedcrzunehmen. Doch die mächtigen Venc- tianer lauerten ihm auf, verwehrten ihm den Durchzug, schlugen ihn bei Cadore und eroberten später sogar Fiume und Triest. Mit lebhaftem Eifer ergriff daher M. die Auffodcrnng zur Theilnahme an dem Bündnisse, welches der Papst Julius II., Ludwig XIl. und Ferdinand von Aragonien zur Demüthigung der Republik Venedig unter dem Namen der Ligue von Cambrai schloffen, um auf diese Weise die erlittene Schmach zu rächen. Aber Venedig, geschreckt durch die heranziehcnden Heere, die bereits einzelne Landschaften der Republik erobert hatten, eilte, sich mit dem Papst und Ferdinand zu vergleichen, und so sah M., für seinen Theil zu schwach, in allen weitern Unternehmungen sich gehemmt. Der Groll über den verfehlten Erfolg dieses Feldzuges, dessen Schuld er den Franzosen zuschrieb, bestimmte ihn, 15 ll der sogenannten Heiligen Ligue zwischen dem Papst, Venedig, Ferdinand von Aragonien und Heinrich VIII. von England gegen Frankreich heimlich beizutretcn. Von der feindlichen Übermacht überwältigt, mußten die Franzosen in kurzer Zeit die Lombardei räumen und Mailand dem Maximilian Sforza überlassen, und als Heinrich VII.., mit M. verbündet, in ihr Land cinfiel, wurden sie in der sogenannten Sporenschlacht bei Guinegate am ll.Aug. l513vLÜig geschlagen. DochimJ. I5l5erneuerte derKönig vonFrankreich, Franz I-, seines Vorgängers Eroberungsversuche in Italien, eroberte Mailand und zwang M. im Frieden zu Brüssel nicht nur Mailand an Frankreich, sondern auch Verona an die Venetiancr gegen eine Abstandssumme von 299999 Dukaten zu übergeben. Nicht glücklicher als in Italien war er in dem Kampfe mit den Schweizern, die im Frieden zu Basel H99 sich für immer vom Deutschen Reiche lossagten. Um so besser gelangen ihm die sried- lichen Eroberungen für das Haus Habsburg; denn außer der Erheirathung der burgund. Erbschaft, bekam er durch den Tod seines Vetters, Erzhcrzog's Sigismund, dessen östr. Lan- desantheil Tirol; auch erwarb er Göcz, Gradiska, das Pusterthal und nach dem landshuter Erbfolgestreite !595 bedeutende Stücke von Baiern. Durch dieVermählung seines Sohnes Philipp mit der span. Infantin Johanna und seiner Tochter Margaretha mit dem span. Infamen Johann legte er den Grund zur Erwerbung Spaniens, und durch die Wechsel- heirath seiner Enkel, Ferdinand und Maria, mit Anna und Ludwig, den Kindern Königs Wladislaw's von Ungarn und Böhmen, zur Erwerbung dieser-beiden Länder an sein Haus. Erstarb zu Wels in Oberöstreich am 12. Jan. 1519 und wurde in Wienerisch-Ncustadt begraben. Ferdinand 1. errichtete ihm zu Innsbruck ein schönes Denkmal. M. war ein wohlwollender heiterer Charakter, leicht begeistert, thätig und gut unterrichtet. Durch und «onv..Lex. Neunte Aust. IX. 27 418 Maximilian kl, (deutscher Kaiser) Maximilian l- (Kurf. v. Baiern) durch voll echt ritterlicher Gesinnung zeichnere er sich mehr durch Hang zu Abenteuern, z. B. auf der steilen Martin-wand in Tirol, und durch die persönl-che Galanterie und Tapferkeit eines Ritters, wie er denn z. B. den Ritter Claudius de Barre aus Frankreich, der die ganze deutsche Ritterschaft herausfoderte, im Zweikampfe niederwarf, als durch konsequente Staatsklugheit und großartigen Unternehmungsgeist aus. Übrigens war er nicht blos prosaischer Schriftsteller, sondern auch Dichter. Außer mehren Schriften über Kriegskunst, Gärtnerei, Jagd und Baukunst, hatte ec eine umständliche, aber romanhafte Beschreibung seines Lebens in die Feder dictirt. (S. W eißk unig.) Lange Zeit wurde er auch für den Verfasser des Theuerdank(s.d.) gehalten, dessen Held er ist. Sein Nachfolger, nach einer kurzen Zwischcnreihe, war sein Enkel, KarlV. (s. d.). Maximilian ll-, deutscher Kaiser, 1564—76, der Sohn und Nachfolger Ferdinand'-1. (s. d.), geb. am l. Aug. 1527 zu Wien, gewann schon in der Jugend durch seinen LehrerWolfg.Severius eine günstige Meinung für den Protestantismus. Nachdem er aus Spanien zurückgekehrt, wo er drei Jahre Bicekönig gewesen, wirkte er wesentlich mit für das Zustandekommen des passauer Vertrags. Er wurde im Sept. >582 König von Böhmen, zwei Monat« darauf röm. König und im Sept. > 563 König von Ungarn. Letzteres war das einzige Land, welches er bei seinem Regierungsantritte als Kaiser mit den Türken im Kriege fand. Doch wurde der alte Sultan Soliman II. sehr bald dadurch beschwichtigt, daß er ihm alle Eroberungen in Ungarn überließ und einen jährlichen Tribut von 30SVV0 Fl. versprach. Als später Soliman, um des Fürsten von Siebenbürgen, Johann Sigismund's, Ansprüche auf dieses Königreich zu unterstützen, aufs neue seine Heere gegen M. marschiren ließ, endigte der Tod des Sultans vor Sigcth schon >587 den Krieg, indem sein Nachfolger Selim mit M. einen achtjährigen Waffenstillstand schloß, Während Philipp II. von Spanien die Empörung der Niederländer zu bekämpft» hatte und Frankreich von Religion-» und Bürgerkriegen zerrissen wurde, genoß Deutschland, da M. in keinen dieser Kriege sich einmischte, einer behaglichen Ruhe, die nur durch di« Grmu- bach'schen Händel ls. Grumbach) und die Religionsstreitigkeiten auf dem Reichstage unterbrochen wurden. Dem östr.Ritterstande bewilligte er > 568 förmlich und denStadttn unter der Hand freie Religivnsübung; die Protestanten wurden in höher« und niebeoi Staatsämtern «»gestellt und die kirchlichen Angelegenheiten einer ständischen Religions- deputation übertragen, ja man ließ sogar den evangelischen Theologen Chyträus aut Rostock zur Anordnung des evangelischen Gottesdienstes und zur Ausarbeitung einer Agende nach Ostreich kommen. An dem bei seiner großen Neigung für die evangelische Lehre von den Protestanten erwarteten förmlichen Übertritte zur protestantischen Kirche hinderten ihn die politischen Rücksichten auf Spanien und auf die katholischen ReichSsürsten, besonders auf das verwandte Baiern; auch thaten dabei etwas die dringenden Ermahnungen und Bitten, mit denen der Papst erst durch den Nuntius Stanisl. Hosins, dann durch den nach Wien gesendeten Cardinal Commcndonc ihn unablässig bestürmte. Die Jesuiten hielt er in engen Schranken und »erstattete ihnen keinen Einfluß auf sich; doch verbreiteten sie sich, da er nichts Ernstliches gegen sie unternahm, unter seiner Regierung immer mehr und mehr und wußten sich eine nachhaltige Einwirkung auf die Glieder seiner Familie, seine Gemahlin, seine Brüder und seinen Sohn zu sichern, die später verderbliche Früchte trug. Durch diese Halbheit der Maßregeln, die er auch in den ungenügenden ReligionSconcefsivnen an seine Unterthanen bewies, brachte M. bei aller Toleranz, durch die er sich über seine Zeit erhob, unabsichtlich über seine Erbländer die Religionsverfalgungen und Leiden, die dieselben unter seinen Nachfolgern erfuhren. Er starb am 12. Ott. >578- Don den sechs Söhnen, die ihm nebst zwei Töchtern seine Gemahlin Maria, eine Tochter Kaiser KarsiS V., geboren hatte, folgte ihm in der Kaiserwürde und in den östr. Erblanden sein ältester Sohn, Kaiser Rudolf!!, (s. d.), und diesem, der kinderlos starb, der vierte Sohn Matthias (s. d.). Maximilian!., Kurfürst von Baiern, 1597—1651, der Sohn des Herzogs M° helm's V. von Baiern, geb. am l7. Apr. «573 zu Landshut, erhielt eine sehr wissenschaftliche Bildung, erwarb sich namentlich eine große Fertigkeit in freunden Sprachen, studirte m Ingolstadt und machte seit 159 l mehre Reisen. Jm J. 1597 übernahm or die Regierung Maximilian (U., Kurs. v. Baiern) Maximilian (M., Kurf. v. Baiexn) 419 von Ober- und Niederbaiern, die sein Vater, der erst 1 626 starb, niederlegtc, um desto ungestörter frommen Übungen obzuliegen. Er hatte die redliche Absicht, sein Land auf die höchste Stufe der Macht und Blüte zu erheben; allein der Dreißigjährige Krieg brachte Baiern um einen guten Thcil der Früchte, die es von M.'s weiser Regierung erwarten konnte. Im I. 1607 hatte er die vom Kaiser Rudolf 9. über Donauwörth (s. d.) ausgesprochene Acht zu vollziehen, das er hierauf trotz der nachdrücklichen Verwendung der evangelischen Stände im Besitz behielt. Als hierauf in Folge des Falls mit Donauwörth eine Union der evangelischen Stände sich bildete, stellte er sich an die Spitze der dieser gegenüber gebildeten katholischen Ligue. Im Bündnisse mit dem Kaiser Ferdinand II. gegen Friedrich V. von der Pfalz brachte er Oberöstreich zum Gehorsam, siegte am Weißen Berge bei Prag und eroberte die Ober- und UnterpfaU. Zum Lohne dafür erhielt er >623 die der Pfalz genommene Knrwürde und zur Vergütung für die 1 3 Mill. Fl. aufgewendeter Kriegskosten die Erblande Friedrich's von der Pfalz. Nach Tilly's Niederlage bei Leipzig sah er seit >632 und namentlich >63 7 sein Land unendlichen Verwüstungen der Schweden und Franzosen preisgegebcn. Dagegen erhielt er im westfäl. Frieden die Oberpfalz und die Grafschaft Cham und die Bestätigung in der Kurwürde nebst dem Erztruchseßamt. Auch während des Kriegs war er für das Aufblühen seines Landes rastlos besorgt; er verschönerte und erweiterte die Residenz, baute das Zeughaus und das Josephsspital, legte daselbst den Hofgarten an, zog die merkwürdige Sooleleitung von Reichcnhall nach Traunstein, begründete die Jesuitencollegicn zu Amberg, Burghausen, Mindelheim und Heidelberg, und ließ dem Kaiser Ludwig dem Baier in der Frauenkirche zu München ein prächtiges Denkmal errichten. Er starb am 17. Sept. >651 zu Ingolstadt. Merkwürdig ist die von M. für seinen Sohn und Nachfolger Ferdinand Maria (1651—70) aufgesetzte „Anleitung zur Regierungskunst", die lat und deutsch von Aretin (Würzb. >822) heraus- gegebcn wurde. Vgl. Pet.Phil. Wolf, „Geschichte M.'s I. und seiner Zeit", fortgesetzt von Breyer (3 Bde., Münch. > 807— l I). Maximilian (H-) Maria Emanuel, Kurfürst von Baiern, >670—1726, der Enkel des Vorigen und Sohn des Kurfürsten Ferdinand Maria, geb. am 11. Juli >662, folgte seinem Vaterl 670 unterdcrBormundschaft seines Oheims, des Herzogs Maximilian Philipp von Baiern. Nachdem er die Regierung selbst übernommen, zog er >683 der von den Türken belagerten Stadt Wien zu Hülfe und focht dann mit großem Ruhme im Interesse Ostreichs nicht nur in Ungarn, sondern auch am Rhein. Im I. > 685 vermählte er sich mit des Kaisers Lcopold's l. Tochter, Maria Antonia, und 1602 wurde er Gouverneur der Niederlande. Doch noch in demselben Jahre starb seine Gemahlin und mit dem Tode ihres einzigen hinterlassenen Sohnes im I. 1600 erloschen die Ansprüche seines Hauses auf die span. Erbfolge. Da überdies Ostreich ihm viele Ursachen zurMisstimmung gegeben hatte, so verband er sich beim Ausbruche des span. Erbfolgekricgs (s. d.) mit Frankreich, räumte den Franzosen die span. Niederlande ein und bemächtigte sich der Städte Ulm, Memmingen, Neuburg und Regensburg. Doch nach den verlorenen Schlachten am Schel- lenberge und bei Hochstädt (s. d.) im I. 170 t mußte er sein Land verlassen und wurde am 30. Apr. 1706 nebst seinem Bruder, dem Kurfürsten Joseph Clemens von Köln, der ebenfalls auf franz. Seite getreten war, vom Kaiser Joseph l. in die Acht erklärt. DerFür- stenrakh, dessen Einwilligung nicht eingeholt worden war, hrotestirte zwar gegen die Acht; alteindiese wurde erstim badener Frieden von >711 aufgehoben und M. wieder in Besitz seiner sämmtlichen Länder gesetzt. JmJ. >717 schickte er demHauseÖstreich ein Hülfscorps unter dem Kurprinzen wider die Türken. Mit der Pfalz verglich er sich 17 21 wegen der Reichsverwesung, die nun von Beiden gemeinschaftlich geführt wurde. Zum zweiten Male hatte er sich >601 mit einer Tochter König Johann's IN. von Polen vermählt, mit der er zahlreiche Nachkommen zeugte. "Er starb am26. Febr. >726. Sein Nachfolger wurde sein Sohn KarlAlbrecht, >726—15, der als Karl Vll. (s.d.) die deutsche Kaiserwürde erhielt. Maximilian (HI.) Joseph, Kurfürst von Baiern, >715—77, der Sohn Kaiser Karl's V»., geb. am 28. März >727, versuchte zwar nach dem plötzlichen Ableben seines Vaters, der nach des Kaisers Karl's VI. Tode Ansprüche auf die östr. Staaten gemacht 27* 426 Maximilian Joseph (König von Baiern) , hatte, noch einmal gegen die Truppen der Kaiserin Maria Theresia das Glück der Waffe», ! entsagte aber, da der Erfolg kein günstiger war, in dem Frieden zu Füßen am 22. Axr. 17-15 allen Ansprüchen auf Ostreich, wogegen er seine verlorenen Länder zurückerhielt. Seine erste Angelegenheit war nun, durch Einschränkung des Hofstaats, Einziehung eines Theils seiner Truppen und Überlassung eines andern Theils derselben an die Seemächte, überhaupt durch strenge und weise Staatswirthschaft dem erschöpften Lande zu Hülse zu kommen. Die Staatsschulden wurden geordnet und 1758 eine neue Gerichtsordnung ein- geführt. Den Fabriken wurde der nöthige Schutz gewährt und der Ackerbau in.rch zivcä- mäßige Verordnungen, Belohnungen und von >762 an durch Urbarmachung öder Mp , befördert. Auch die Wissenschaften hatten sich seiner Unterstützung zu erfreuen, Schule» - und Universitäten wurden verbessert und 175S die Akademie der Wissenschaften in Hü»- ! chen gestiftet. Bei aller Anhänglichkeit des Kurfürsten für die katholische Kirche vermin- ! derre er doch die Klöster und gestaltete den Protestanten in München die Ausübung ikrrs Gottesdienstes. Auch war er einer der ersten Fürsten, welche dem Aufhebungsbreve der Jesuiten nachkamen. Als man ihm einst eine LiO: sogenannter Freigeister überreichte mit der Bitte, diese gefährlichen Leute zu entfernen, antwortete er: „Gerade die besten Köpfe", und warf das Papier ins Feuer. Vermählt war er mit einer Tochter des Königs Au- - gust's >ll. von Polen. Er starb als Opfer ungeschickter ärztlicher Behandlung an den Km- derblattern am 3». Dec. >777. Mit ihm erlosch die jüngere Hauptlinie des Hauses Mit- l telsbach, und seine Länder fielen an das pfalzgräfliche HauS Sulzbach, aus welchem ihm der Kurfürst von der Pfalz, KarlTheodor (s. d.), 1777—99 in der Negierung folgte. Maximilian Joseph, Kurfürst von Baiern seit 1799 und König 1806 —2), wurde am 27. Mai > 758 zu Schwetzingen geboren. Sein Vater war der Prinz Friedrich l von Zweibrücken-Birkenfeld, östr. Fcldmnrschall, seine Mutter, Maria Franziska, dieToch- s ter des Erbprinzen Jos. Karl Emanuel von Sulzbach. Im sechsten Jahre seines Alters d kam er nach Zweibrücken unter die Aufsicht seines Oheims, des Herzogs Christian'« IV. von Pfalz-Zweibrücken, wurde 1777 als franz. Oberst zu Strasburg seinem Regimeule vorgestellt und 1778 zum Generalmajor erhoben. N§ch mehren Reisen in Frankreich ver- weilte er von 1782 bis zum Ausbruche der Revolution in Strasburg, worauf er nach Manheim ging. Als sein Bruder, der Herzog Karl II. von Zweibrücken, am I.Apr. NS5 > kinderlos starb, folgte er ihm in der Regierung, und nach dem Erlöschen des pfalz-sulzba- z chischen Stammes durch den Tod des Kurfürsten Karl Theodor am 16. Febr. 1799 wurde er Kurfürst von Baiern und, Herzog von Jülich und Berg. In der nächstfolgenden Zeit ! ließ er sich höchst angelegen sein, die Landwirthschaft und den Verkehr durch zweckmäßige > Einrichtungen zu fördern. Das Criminalrecht wurde l 802 verbessert, den Protestanten . und Reformirten 1803 freie Übung des Cultus im ganzen Lande gestattet und die Fonds ! und Gebäude der aufgehobenen Klöster und Stifter wurden zu Schulzwecken verwendet. Um seinem Lande die Verheerungen des Kriegs zu ersparen, schloß er sich 1805 demRhem- Kunde an und nahm hierauf am l. Jan. 1806 den Königstitel an, der ihm im Frieden zu Presburg am 26. Dec. 1805 zugesprochen worden war. Nur um so kräftiger griff er von jetzt an in den Gang der Negierung ein. Die ganze Gerichtsverfassung, besonders das Criminalrecht, wurde umgestaltet; die Verschiedenheit der Verfassungen, das landschaftliche Bündniß und alle Ausnahmen von den allgemeinen Pflichten wurden 1807 vernichtet und die Rcgierungsfreiheit und die Hausrechte >810 gegen Misgriffe durch eine Do- ° minial-, Fideicommiß- und Schuldenpragmatik, und der Staatsdienst durch eine Dienst- j Pragmatik gesichert. Höchst wichtig für den Geschäftsgang waren die Organisation des ! Geh. Rathscollegiums durch das organische Edict von 1808, die Eintbeilung des Landes - in Kreise, die Anordnung von Generalkreiscommissariaten und die Organisation der Sec- tionen in den Ministerien. Außerdem wurden 1808 das Familienschutzgeld und das Post- wesen geordnet, eine Zoll- und Mauthverordnung 1807 festgesetzt und 1811 modificirt, 1809 eine gleichmäßige Vertheilung der Kriegslasten angeordnet und 1811 die Finanzen und Steuern zweckmäßigen Veränderungen unterworfen. Fast noch größere Verdienste aber erwarb sich M. durch Beförderung des öffentlichen Unterrichts, der Wissenschafte" und Künste. Die Universitäten zu Landshut, Erlangen und Würzburg wurden zweckma- j fm, lxr. ick MS -ht-, ^ -zu ^ ein- ! >cL- - ich . ckn ün- ^ iin- ^ neS l der ! mi! ! ft" ! An- i km- l Li!- ihm gie. rieh i, °ch- s leiS s IV. I mle oer- >ach SS bä- ^ irde - Zeit ! ii.e , lim i ndS > det. in- -Y. >°- ' >st- I >es , seS cc- st> ck en st- en ä- Maximilian (Herzog in Baiern) 421 ßig organisirt; die Schullehrerscminarien in den alten Provinzen nach Bedürfniß vertheilt und für die Gebiete Nürnberg und Augsburg 1800 neue errichtet. Ebenso wurde die Akademie der Wissenschaften in München vervollkommnet und ihr jährlicher Etat von 8000V Fl. festgesetzt, 1808 eine Akademie der bildenden Künste gestiftet und für die Leitung der öffentlichen Unterrichts - und Erriehungsanstalten eine eigene Scction beim Ministerium des Innern angcordnet. Obschon Napoleon den bair. Staat ganz für sich zu gewinnen und M. durch die Vermählung von dessen Tochter mit dem Vicekönig Eugen von Italien an sich zu fesseln gesucht hatte, so verkannte M. doch im entscheidenden Augenblicke nicht das wahre Interesse Deutschlands und sein Übertritt zur allgemeinen Sache durch den Vertrag zu Ried vom 8. Oct. 1813 mar von wichtigen Folgen für dasselbe. Um seinem Lande alle dir wohlthätigen Einrichtungen, die eS ihm verdankt, auch für die Zukunft zu sichern, gab er demselben am 26. Mai 1818 eine Constitution, nachdem er zuvor den biS.dahin dirigirenden Minister Montgelas (s. d.), der der Einführung derselben nicht geneigt war, entlassen hatte. (S. Baiern.) Vermählt war er in erster Ehe seit !785 mit Wilhelmine Auguste, der Tochter des Landgrafen Wilhelm von Hessen-Darmstadt, und in zweiter seit 1787 mit Karoline Friederike Wilhelmine, der Tochter des Erbprinzen Karl Ludwig von Baden. Gefällige Herablassung, menschenfreundliche Milde und anspruchslose Einfachheit der Sitten bezeichneten seinen Charakter sowol im öffentlichen als im Privatleben. Rührend war es zu sehen, wie er als Gatte, Vater und Freund im Kreise der Seinen lebte, wie das Volk voll patriotischer Begeisterung überall, wo er sich zeigte, froh und jubelnd sich zu ihm drängte und ihn als Vater liebte und verehrte. Er starb auf dem Schlosse Nymphenburg am 13. Oct. 1825, und ihm folgte in der Regierung sein Sohn Ludwig I. (s.d.). Dgl. Söltl, „Max Joseph, König von Baiern" (Stuttg. 1837). Maximilian (Joseph), Herzog in Baiern, der einzige Sohn des am 3. Aug. > 837 verstorbenen Herzogs PiuS August in Baiern mit seiner Gemahlin, einer Prinzessin von Aremberg, wurde am 4.Dec- >808 in Bamberg geboren. Seine Erziehung leitete sein Großvater, der Herzog Wilhelm. Zm Z. 1817 wurde er der königlichen Erziehungsanstalt für Studirende zu München übergeben, wo er einen nachhaltigen Grund zu seiner wissenschaftlichen Bildung legte. Nachdem ihn 1824 sein Oheim, der König Maximilian Joseph von Baiern, zum Oberst und Inhaber eines Infanterieregiments ernannt hatte, wurde er auf der Maxburg, die ihm zur Wohnung angewiesen worden war, durch Privatunterricht weiter gebildet und besuchte sodann seit 1826 ein Jahr lang naturhistorische, ge- schichtliche und staatswirthschaftliche Vorträge auf der Universität zu München. Im I. 1827 trat er als volljährig in die Kammer der Reichsräthe und wohnte seitdem allen Stän- deversammlungen bei. Im folgenden Jahre machte er eine Reise nach Frankreich, um daselbst die sehr bedeutenden Güter seiner verstorbenen Mutter in Augenschein zu nehmen, und sodann nach England. Wenige Tage nach seiner Rückkehr vermählte er sich am 8. Sept. 1828 zu Tegernsee mit der Prinzessin Ludovica, der jüngsten Tochter des Königs Maximilian Joseph, die ihm am 22. Juni 1831 den Prinzen Ludwig gebar. Im 1.1830 verlieh der König Ludwig ihm das dritte ChevauxlegerSregiment, das gegenwärtig seinen Namen führt. Nachdem er 1831 der Cholera wegen mir seiner Familie eine Reise nach der Schweiz und nach Italien gemacht hatte, bezog er bei seiner Rückkehr das neue Palais in der Ludwigsstraße. In Folge des Entschlusses seines Großvaters, des Herzogs Wilhelm, der den Rest seines Lebens in ruhiger Abgeschiedenheit zu Bamberg verleben wollte, übernahm er 1834, noch bei Lebzeiten seines Vaters, als Haupt der Familie alle Güter. Da er inzwischen bereits seinen gesammten Grundbesitz in Frankreich verkauft harte, erwarb er nun dafür in Obcrbaiern die schön gelegenen Güter am Starembergersee und den Landsitz Possenhofen an de» Ufern desselben,sowie in Franken die ehemalige fuldaische Domaine Holzkirchen und später Wittelsbach. Jm J. 1837 wurde er zum Generalmajor befördert. Zm Jan. des folgenden Jahres brachte er den längst gehegten Plan einer Wanderung nach dem Orient in Ausführung. Er besuchte Griechenland, Konstantinopel, Alexandrien, Kairo, Ober- ägypten, Nubien und drang bis zur zweiten Katarakte des Nils hinauf. In Kairo glücklich wieder angelangt, ging er sodann nach Palästina. Nach achtmonatlicher Abwesenheit traf er im Sept. 1838 in München wieder ein. Er beschrieb diese Reise in der „Wanderung nach 422 Maximilian Heinrich (Kurf, zu Köln) Maximilian (Kurf. v. Köln) dem Orient im Z. > 838, unternommen und skizzirt von dem Herzoge Maximilian in ! Baiern" (Münch. >839; 2 . Ausl., 1846). Zm folgenden Jahre bereiste er Holland und Belgien. Übrigens ist es kein Geheimniß mehr, daß der Herzog der Verfasser mehrer unter dem Namen Phantasus erschienenen dramatischen und novellistischen Arbeiten ist, die, zum Theil aus dem Französischen entlehnt, eine leichte Erzählungsgabe und einen fr»h. lichen Lebenssinn bekunden. Dahin gehören die „Novellen" (2 Bde., Münch. 183 >), das „Skizzenbuch" (Münch. > 83t) und die Novellen „Jakvbina" (Mönch, 1 835) ^und „Der Stiefbruder" (Münch. 1838). Maximilian Heinrich, Kurfürst zu Köln, war der Sohn desHerzogs Albrecht's VI. in Baiern und wurde am 6. Ott. 1621 geboren. Rach dem Tode Ferdinand s, seines Bet- ters, erhielt er 1656 das Kurfürstenthum Köln mit den Bisthümern Lüttich und Hildesheim. Mit dem Kurfirrsten von Mainz gerieth er 1653 über das Recht, die Kaiserkrönnng zu vollziehen, in einen Streit, der dahin geschlichtet wurde, daß sie fortan bei der Krönungs- ceremonie abwechselnd fungiren sollten. In ein langes und hartnäckiges Zerwürsniß kam er später mit der Stadt Köln, deren Privilegien er angetastet. Nicht nur der Kaiser, sin- dern auch die Generalstaaten der Niederlande erklärten sich für die Stadt und b,drehten ihn. Deshalb schloß er unter Vermittelung des Bischofs von Strasburg, Wilhelm Egon von Fürstenberg, eines eifrigen Anhängers des franz. HofS,, > 6M mit Ludwig XlV. «an Frankreich ein Bündniß, nach welchem dieser ihn bei einem Überfälle mit Truppen unterstützen wollte. Nachdem 1672 dieses Trutz- und Schutzbündnis mit Frankreich gegen die Niederlande erneuert worden war, trat auch der kriegerische Bischof von Münster, Christoph Bernhard von Galen (s. d.) hinzu. Vergebens suchten die Generalstaaten den Kurfürsten zufrieden zu stellen, indem sie ihm die 1633 genommene Festung Rheinbergen, um die es sich angeblich handelte, anboten. Der Kurfürst erklärte den Generalstaaten den Krieg, brach mit den Franzosen zugleich in die Niederlande ein und nahm, als.fich der Kaiser ge- , gen Frankreich in Bewegung setzte, franz. Truppen in Kaiserswerth, Neuß und Bou« ein. Zugleich eroberte er Deventer und belagerte mit dem Bischof von Münster Groningen. Als jedoch im Laufe des I. 1673 die Verbündeten der Generalftaaten Bonn belagerten, floh M. nach Köln und leitete sogleich Friedensunterhandlungrn ein. Hierauf kam am 22. Apr. 1674 der Vergleich der Generalstaaten mit Münster, am 1 l. Mai mit Kurköln zu Stande, in welchem die Niederländer Rheinfelden dem Kurfürsten aktraten. Z« 1.1683 wurde er Bischof von Münster; weil jedoch die päpstliche Bestätigung ausblicb, so beschränkte sich feine Verwaltung nur auf die weltlichen Angelegenheiten- Er starb am 3. 8fi,ni 1688. Übrigens war er ein eifriger Alchymist. Maximilian (Franz Laver Joseph), letzter Kurfürst von Köln, 1784—Sä, Bischof zu Münster, Hoch - und Deutschmeister zu Mergentheim, königlicher Prinz von Ungarn und Böhmen und Erzherzog von Ostreich, war der jüngst« unter den Söhnen der Kaisen« Maria Theresia und Kaiser Franz s I., geb. am 8. Dec. 1756. Nachdem er als Jüngling unter der Leitung des Grasen von Rosenberg Deutschland, Frankreich, Holland und Italien durchreist hatte, machte er unter seinem Bruder, dem nachmaligen Kaiser Joseph ll-, den bair. Erbfolgekrieg mit. Für den geistlichen Stand bestimmt, war er schon >769 seine« Oheim, dem Prinzen Karl von Lothringen, als Hoch - und Deutschmeister, und 1 786 dem Kurfürsten und Erzbischof von Köln und Bischof zu Münster, Maximilian Friedrich, als Coadjutor adjungirt worden und erlangte 17 86 di« erster«, 1784 die lctztern Würde». Sei» Bestreben, die Finanzen, Police! und das Justizwesen in seinem Staat« zu ordnen und verbessern, gelang ihm in ausgezeichneter Weise, namentlich unter Mitwirkung seines Mi' nisters von Waldenfels. Als Kenner und Freund der Wissenschaften unterstützte erTaleu! und Verdienst. Die Universität Bonn erweiterte er durch nützliche Anstalten; auch vermehrte er die Hofbibliothek mit den kostbarsten und ausgezeichnetsten Werken. Dagegen lebte er in seinem Hauswesen sehr einfach und haushälterisch. Keinem Unterthan war der Zutritt zu ihm verwehrt; Allen schenkte er gleiche Aufmerksamkeit und gegen Jedermann sprach er sich mit liebenswürdiger Offenheit aus. Seine gute Laune und sein Scherz äußerten sich oft originell und naiv. Er sprach mehre Sprachen sehr fertig, war mit den besten Erzeugnissen der Literatur vertraut, liebte die Musik und spielte selbst einige Instrumente- Maximilian (Prinz von Wied) Maximikianrsche Thürme 423 Seinen Sinn für Natur bezeugten seine Anlagen zu Godesberg, Poppelsdorf und Augu- stusburg. Als der franz. Revolutionskrieg ausbrach, beobachtete er mit weiser Vorsicht für das Beste seines Landes die strengste Neutralität und nahm keinen Theil an der Sache der Emigrirten; sobald aber der Reichskrieg erklärt war, erfüllte er als deutscher Fürst seine Pflicht. Als im Herbst > 7^ die Franz »sen in Bonn einjogen, sah er sich genöthigt, seine Residenz zu verlassen, und ging »ach Münster, von da nach Mergentheim und Ellingen. Zm Frühjahre 1800 begab er sich nach Wien und starb am 27. Juli 1801 zu Hetzendorf. Bgl. Seid», „M. Franz, letzter Kurfürst von Köln" (Rürnb. 1803). .Maximilian (Alex. Phil ), Prinz von Wied, früher von Neuwied, der berühmte Reisende, geb. zu Neuwied am 23. Sept. 1782, der Onkel des jetzigen Fürsten Hermann von Wied, stand früher in preuß. Diensten, aus denen er nach hergestelltem Frieden als Generalmajor seine Entlassung nahm. In der Umgebung seines Stammsitzes hatte er früh die Natur in ihre» wunderbaren Formen und Erzeugungen, die schon dort so groß sich zeigt, liebgewonnen und beschlossen, diejenigen Länder der Erde zu erforschen, die bisher nur durch Sagen gekannt waren. Unter Vorbereitungen zu einer solchen Reise verlebte er die Zeit bis 1813 meist an der Seite seiner Mutter, Luise, einer geborenen Gräfin von Witgenstein- Berleburg, die zu den gebildetsten Frauen Deutschland- gehörte und >823 starb. Hieraus ging er im Mai >815 über London nach Rio Janeiro und trat dann in Begleitung der Naturforscher Freireiß und Sellow die Reise an nach San-Salvador und dem Flusse Es- pirito santo. Dw Feindseligkeiten der kriegerischen Botocuden, über welche er die ersten genauen Nachrichten gab, zwangen ihn, von Morro d'Arara im Sommer 1810 sich nach Villa- Mcoza zu begeben und in Folge neuer Anfälle der Wilden und wegen endemischer Krank- Heiken ging er dann nach CaravalleS, Sta.° Cruz und Billa-Belmonte. Um wenigerbe, suchte Gegenden zu besuchen, nahm er hierauf seinen Weg vom Flusse Belmonte nordwärts, quer durch die Waldungen, wo man erst mit der Axt sich Buhn brechen mußte, bis zu den Grenzen von Minas-Geraes. Doch eine durch das Klima bewirkte Unpäßlichkeit bestimmte ihn, die Rückreise nach Bahia anzutrctcn, die durch einen Überfall und eine dreitägige Gefangenschaft in Nazareth gestört und verzögert wurde. Dieser Unfall, verbunden mit mancherlei Verlusten, trug dazu bei, daß er sich zur Rückkehr in die Heimat entschloß und sich am >o. Mai 1817 nach Lissabon einschiffte. Ein Theil feiner reichen Sammlungen war vor ihm bereit- in Europa eingetroffen. Seine wohlausgestattete „ Reise nach Brasilien in den I. >815—17" (2Bde-, Frankf.1819—20, mit Atlas in Fol.) gibt ein Zeugnis des Muthes und der Umsicht, womit er das Land längs der Ostküste Brasiliens vom >3-23° südl.B. erforscht hat und seines Eifers für die Wissenschaft. Sehr schätzbar und trefflich aus- gestattet sind auch seine „Abbildungen zur Naturgeschichte Brasiliens" fl 5 Lieferungen, Weim-1823—31) und „Beiträge zur Naturgeschichte Brasiliens" (t Bde., Weim. l824 —33). Eine neue Reise unternahm er 1833 in Begleitung von guten Malern und geübten Sammlern nach dem äußersten Westen der Vereinigten Staaten. Er gelangte bis in die Nähe der Felsengebirge und kehrte mit sehr bedeutenden Sammlungen und einem reichen Material an Zeichnungen und Beobachtungen zurück. Seine „Reise durch Nordamerika" (2 Bde., Kobl. >838—43, 4., mit Atlas von 8t Kpfrtfln.) ist ein Prachtwerk, dem Ähnliches in Deutschland nicht vvrauSgegangen ist, und von größtem Werthe für die Ethnographie jener Gegenden, die durch eine Reihe meisterhafter PortraitS die ersten authentischen Belegstücke erhielt. Als Zoolog nimmt er keine geringe Stelle ein; auch besitzt er eine ausgezeichnete zoologische Sammlung, die er Forschern mit Humanität öffnet. Maximiliamsche Thürme, nach ihrem Erfinder, dem Erzherzog von Ostreich, Maximilian in Modena (kaiserlicherGeneral-Feldzeugmeister und Großmeister des Deutschen Ordens in Ostreich, geb. am 14. Juli > 782), benannt und zuerst bei der Befestigung von Linz angewendet, sind gemauerte, zur Vertheidigung eingerichtete, einzeln liegende Werke. Der Thurm besteht aus einem Erdgeschoß, aus welchem zwei Etagen und eine Platteform ruhen, die zusammen eine Höhe von 32 F. haben. Alle Decken sind bombenfest gewölbt. Die Plattefvrm ist mit einer kreisrunden Brustwehr von 80 — 100 F. Durchmesser versehen und die daselbst ausgestellten schweren Geschütze sind so laffetirt, daß man zehn Stücke derselben gleichzeitig auf einen Punkt kann wirken lasibn. Die beiden L> ' - 424 Maximknus (röm Kaiser) Maxirnns Etagen sind ebenfalls zur2lufnahme von Geschützen, die obern namentlich zu Wurfgeschühen, eingerichtet; die untere ist zur Aufnahme der Besatzung von >5» M. bestimmt. Im Erd- geschoß werden Pulver und Proviant aufbewahrt, auch befindet sich der Brunnen daselbst. Der Thurm ist mit einem Graben excentrisch umgeben, die obere Breite desselben beträgt nach vorn 50, in der Kehle > 2 F. Die Brustwehr vor dem Graben reicht beinahe bis zur Höhe der Sohle der Platteform. Die Kosten des Baues eines Thurmes sollen 40000 K. nicht übersteigen. Die Thürme sind in solcher Entfernung voneinander angelegt, daß der Zwischenraum zur Hälfte von jedem Thurme bestrichen werden kann. Ob es bei dem so sehr verbesserten Gebrauche der Wurfgeschühe und bei der Anwendung schwerer Bombenkanonen nicht möglich sein wird, das Feuer der Platteform zum Schweigen zubrin- gen und selbst das Mauerwerk ungeachtet des vorliegenden Erdwalls zu treffen und zu erschüttern, und welchen Einfluß der Fall eines Thurmes auf die ganze Linie haben wird, kann erst dann mit Sicherheit beurtheilt werden, wenn sich die Einrichtung künftig im Kriege selbst bewährt. Dgl. „Lsssi SIN- lä fnrtiticotinn inockerne" (Par. I 845). Maximums ist der Name zweier röm. Kaiser. Der eine, Casus Julius Berus M., nach seiner Abstammung der Thrazier genannt, eines Hirten Sohn, hatte sich schon unter Septimius Severus als Krieger durch ungeheure Stärke und Tapferkeit ausgezeichnet, war von Alexander Severus (s. d.) zum Oberbefehlshaber des Heers ernannt worden und wurde von diesem nach Alexanders Ermordung im I. 235 zum Kaiser ausgerufen. Während er als solcher seine kriegerischen Eigenschaften auf Zügen gegen die Deutschen bewährte, reizte er durch rohe Grausamkeit und durch die Härte, mit der auf seinen Befehl Geld eingetrieben wurde, die Bürger Roms und der Provinzen zur Empörung, die zuerst in Afrika ausbrach, dort aber durch die Besiegung der beiden Gordianus (s. d.) von M.'s Statthalter unterdrückt wurde. Der röm. Senat, der die Erhebung der Gordiam zur Kaiserwürde gebilligt hatte, ernannte den Pupienus und Balbinus zu Kaisern, dm dritten Gordian zum Cäsar. M., gegen den sich nun alle Provinzen erhoben, drang im Anfänge des I. 238 in Italien ein; der Widerstand, den ihm Aquileja bot, erbitterte ihn bei der Belagerung zu maßloser Strenge gegen die Soldaten, und so wurde er mit seinem Sohne im Aufstande von ihnen erschlagen.— Der andere, Casus Galerius Valerius M., Daza genannt, ein Illyrier von niederer Geburt, erhielt durch den Kaiser Galerius im I. 305 die Cäsarwürde und die Verwaltung des Orients, die er mit Willkür und Härte, besonders gegen die Christen, führte, und nahm 307 den Titel eines Augustus an. Als er die Vereinigung Konstantin's des Großen (s.d.) und des Licinius erfuhr, fürchtete er für sich und zog gegen den Letzter«, wurde aber 313 von ihm bei Adrianopel geschlagen und tödtete sich auf der Flucht zu TarsuS. Maximum nennt man denjenigen Werth einer Größe, über welchen hinaus keine Vergrößerung stattfindet oder stattfinden soll. So wurde zur Zeit der franz. Revolution für alle Lebensmittel ein höchster Preis, über den sie nicht verkauft werden durften, bestimmt, und dieser hieß das Maximum. Doch zeigte sich diese Maßregel für Landwirth- schast und Handel so nachtheilig, daß man sie bald wieder abschaffte. —- In der Mathematik, wo von dem Begriffe des Maximums und Minimums, d. h. des Größten und Kleinsten, eine fruchtbare Anwendung gemacht wird, versteht man unter dem größten oder kleinsten Werthe einer veränderlichen Größe denjenigen, welcher größer oder kleiner ist als ein in der Reihe der Werthe dieser Größe vorangehender oder nachfolgender, so nahe auch beide an jenem größten oder kleinsten Werthe genommen werden. Demnach kann eine Function auch mehre Maxima und Minima haben. Die Untersuchung über das Vorhandensein eines Maximums oder Minimums und die nähern Umstände desselben wird am gründlichsten und leichtesten mit Hülfe der Differentialrechnung und bei schwierigen Aufgaben mittels der Variationsrechnung geführt. Ausgebildet wurde diese Lehre, deren Spuren schon in des Apvllonius Werken über die Kegelschnitte zu finden sind, durch die Gebrüder Bernoulli, Newton und Maclaurin; besonders lichtvoll stellten sie dar Euler und später Lagrange. Maximus, aus Tyrns gebürtig, daher Tyrius genannt, ein Lehrer der Beredt- samkeit und Philosophie in der letzten Hälfte des 2. Jahrh. n. Chr., lebte abwechselnd in Griechenland und Nom und hat 4t philosophisch-rhetorische Abhandlungen hinterlaffen, Mayerme Mayseder 42-i IN denen er dem Platonismus huldigt, die aber blos ihres Stoffes wegen Beachtung verdienen und nach der ersten Bekanntmachung durch Stephanus (Par. 1557) von Heinsius (Leyd. 1607), Davis (Cambr. 1703), Ward (Lond. 1740, 4.) und am besten von Reiske (2 Bde., Lpz. >7 74) hcrausgegeben worden sind. Mayerme (lat. Neckuana), ein Fluß im nordwestlichen Frankreich, entspringt im Departement Orne, wird-nach 24 M. langem Laufe bei Chateau Gontier schiffbar und fällt bei Pont de Cö in die Loire. Davon ist das DepartemcntMayenne benannt, ein Theil der alten Provinz Maine, von 95 LUM mit 362000 E , die vielen Acker-, Obstund Weinbau, Bienenzucht, Bergbau, Lein- und Wollcnweberei und ansehnlichen Handel mit ihren Landesprodutten und Fabrikaten treiben. DenTitel Herzog von Mayenne führte Charl. von Lothringen, geb. >554, geh. kinderlos 1601, der Sohn Frans, von Euise's und Bruder Henri's I. von Guise (s. d.). Mayer (Joh. Tob.), ein berühmter Astronom, geb. zu Marbach im Würtember- gischen am > 7.Febr. 1723, wurde zu Eßlingen in Dürftigkeit erzogen und bildete sich ganz allein durch Privatfleiß zum Mathematiker. Er war schon durch mehre schriftstellerische Versuche, z. B. „Allgemeine Methode zur Auflösung geometrischer Probleme" (Eßlingen 1741), bekannt, als er in die Homann'sche Officin nach Nürnberg kam, in der er sich namentlich durch Verbesserung der Landkarten verdient machte. Nebenher versäumte er seine übrigen wissenschaftliche Bildung keineswegs und erwarb sich im lat. Stil eine Eleganz, die ihm, in seinemVerhältnisse, doppelt zur Ehre gereicht. Diese mehrfachen Verdienste bewirk- ten 1750 seine Berufung als Professor der Mathematik nach Göttingen. Um diese Zeit beschäftigte die Mondstheorie, behufs der Erfindung der Länge zur See, die Astronomen. M. überwand alle bisherigen Schwierigkeiten und machte seinen Namen unsterblich durch seine Mondstafeln, nach welchen man den Ort des Mondes für jeden Zeitpunkt bis auf eine Minute genau bestimmen kann. Er starb am 20. Febr. 1762 zu Göttingen und erst seine Erben erhielten, als einen Theil des von dem engl. Parlamente für Erfindung der Länge zur See ausgesetzten Preises, 3000 Pf. St. Anderweitige Verdienste um die Astronomie erwarb er sich durch Verbesserung der Winkelmeßinstrumcnte, Einführung des Multiplicationskreises, Aufstellung einer Theorie der Refraktionen und Finsternisse, durch seine Fixsternverzeichnisse u. s. w. Seine Hauptwerke sind die „Umarm Immejuxta System» Nervtovisiuim" (Lond. 1767,4.) und die „labulae motuum solis et Imme" (Lond. 17 70). Aus seinen hinterlassenen Manuskripten gab Lichtenberg „Opera ioeäita" (Gött. 1774, Fol.) heraus. — Sein Sohn, Joh. Tob. M., geb. zu Göttingen am 5. Mai 1752, der seit 1780 Professor der Mathematik und Physik in Altdorf, seit >786 in Erlangen und seit 1790 in Göttingen war, wo er am 39. Nov. 1839 starb, folgte in des Vaters Fußtapfen und erwarb sich als Schriftsteller einen hochgeachteten Namen insbesondere durch den „Unterricht zur praktischen Geometrie" (Bd. 1—3, 4.Aufl., Gött. >814—18; Bd.4, 4.Aufl., Erl. 1828; Bd. 5, 2. Aufl., Gött. >821), „Anfangsgründe der Naturlehre" (5. Aufl., Gött. > 823) und „Lehrbuch der höher« Analysis" (2 Bde., Gött. 1819). Mayr (Simon), ein berühmter Komponist seiner Zeit, geb. >763 zu Mendorf bei Ingolstadt in Oberbaieni, erhielt durch seinen Vater, welcher Organist daselbst war, den ersten musikalischen Unterricht, bezog dann nach des Vaters Willen die Universität, wurde aber durch Neigung sehr bald ganz der Musik zugcführt. In Bergamo fand er an dem Trafen Pesenti einen Gönner, der ihm die Mittel verschaffte, in Venedig unter Leitung des Kapellmeisters Bertoni das Studium der Musik fortsehen zu können. Nach dem Tode seines Wohlthäters sah er sich genöthigt, die theatralische Laufbahn zu wählen. JmJ. 1802 wurde er Kapellmeister der Kirche Sta.-Maria Maggiore in Bergamo. In der nächstfolgenden Zeit als Operncomponist fast allein stehend und in hohem Ansehen, wurde er nur durch Rossini (s. d.) in den Hintergrund gedrängt, dem doch hauptsächlich er die Bahn geebnethatte. Namentlich verdankt ihm die ital. Oper ein besseres Instrumentale. „Deutschland", sagt G. Weber, „beschenkte England mit einem Händel, Frankreich mit Gluck und Italien mit L. Mayr". Er starb am 2. Dec. 1845. Tie Zahl seiner Opern, Oratorien, »antaten u. s. w. ist sehr groß und am bekanntesten seine Oper „I.oäoi8ca" (1807). Mayseder (Joseph), Direktor der Hofkapclle und Solospieler bei dem Hofopern- r »- 426 Mazarin theater zu Wen, einer der ausgezeichnetsten Violinspieler und Komponisten für dieses Zn- strument, ist am 26. Oct. 1786 in Wien geboren, das er fast nie verlassen hat. Zum Lch- rer hakte er den durch sein Quarkettspiel besonders bekannten Schuppanzigh. Sein Spiel chi, rakterisirt sich durch höchst saubere Fertigkeit und Eleganz. Namentlich sind sein kurz«Bo- genstrich und sein zierliches Staccako bewunderungswürdig. Die reichsten Früchte je« Talents erntete er in den I. 1815 bis ungefähr 1820, wo er mit Hummel, später mir Moscheles Concerte gab, die nach dem Eintrittspreise den Namen der Ducatenconcerte erhielten, nichtsdestoweniger aber so besucht wurden, daß es große Mühe kostete, ein Bille! zu erlangen. Bon seinen zahlreichen, höchst dankbaren Kompositionen für die Violine ge! ten besonders feine Concerte und Bariationen für glänzende, zur öffentlichen Productm geeignete sStücke, mit denen sich namentlich junge Spieler einzuführen pflegen. R. Hz! mehre ausgezeichnete Spieler gezogen, unter ihnen Panofka, und auch als Orchesterdi- rector der Hofkapelle sich große Verdienste um diese Anstalt erworben. Mazarin (Jul.), Cardinal und Minister während der Minderjährigkeit Lud wig's XkV. in Frankreich, geb. am > l. Juli >662 zu Nom, nach Andern zu Piscina in den Abbruzzen, war der Sohn eines steil. Edelmanns. Er studirte in Rom, dann auf span. Universitäten die Rechte, trat aber >622 in päpstliche Militärdienste und stand UM als Hauptmann im Veltlin. Im mantuan. Succefsionsstreite begleitete er die päpstlichen kr- gaten an die Höfe von Savoyen und Frankreich. In dieser untergeordneten Stellung lernt« ihn in Lyon 1636 Richelieu kennen, der in ihm große staatsmännische Talente erblickte und sich seiner fortan zur Aufrechthaltung des sranz. Interesses in Italien bediente. Nachdem er 1632 in Rom den Militairstand mit dem Staatsdienst vertauscht hack, schickte ihn der Papst 163-1 als Vicelegaten nach Avignon und bald darauf als außmr- dentlrchen Nuntius in Angelegenheiten der lothring. Dynastie an den franz. Hof. Nch dem er 1636 nach Rom zurückgekehrt, wirkte er nun offen für die franz. Politik. Zm Z. 1636 trat er völlig in die Dienste Ludwig's Xlll. und erhielt auf Verwenden Richelieu) seines Meisters und Beschützers, am 16. Dec. >611 den Cardinalshnt. Richelieu empfahl ihn sterbend dem Könige als den Mann, der allein sein politisches System fortsetzen keim. Ludwig Xlll. ernannte hierauf M. zum StaatSrath und erhob ihn auch zum Mitgliede des Regentschaftsraths, der unter der Präsidentschaft des Herzogs Gaston von Orleans (s.d.) das Reich während der Minderjährigkeit Ludwig's XIV . verwalten sollte. M. aber mußt nach dem Tode des Königs, am 13. Mai 16-13, alle Biegsamkeit des Italieners aufbiel», um sich den Großen „und Prinzen gegenüber zu erhalten; besonders war ihm die Königin Mutter, Anna von Ostreich, abgeneigt, weil er die Errichtung des Negentschaftsraths an- gerathen hatte. Dieselbe verband sich mit dem Herzoge von Orleans und dem Prinz» Ludwig II. Conds (s. d.) und ließsich am 18. Mai >6-13 vom Parlament zur einzig» Vormünderin und Regentin erklären. Jndeß behielt M. als ein äußerst geschickter Politiker sein Amt als Dtaatsrath und Minister und bald gelang es ihm, sich der Königin-Mutter unentbehrlich zu machen und, wenn auch sanfter, doch ebenso unumschränkt zu herrsch», wie früher Richelieu. Das Parlament, das unter der neuen Regierung aus Wiedererlw- gung seiner politischen Gewalt sann, benutzte bei der fortdauernden UnterdrückungSpolitik des Hofs die Unzufriedenheit der Großen und das Elend deS Staats und Volks und begann den Kampf gegen die Regierungsgewalt, indem es die Einregistrirung drückender Steueredicte verweigerte. M. wagte endlich nach dem Siege der franz. Waffen bei L»§ gegen das Parlament und dessen Anhang einen entscheidenden Schlag zu führen, und lies am Tage der Siegesfeier, am 26. Aug. > 6 - 18 , die Häupter der Opposition verhaft» Schon am folgenden Tage erhob sich die Hauptstadt, womit die sogenannten Unruhen der Fronde (s. d.) ihren Anfang nahmen. Nachdem sich der Hof im Jan- > 6-lS nach Saiirl- Germain zurückgezogen hatte, wurde M. am 8. Jan. vom Parlament geächtet, blieb ab» nach dem Vergleich zu Ruel am 1 >. März stillschweigend Minister. Der Kampf gegen und den Hof entbrannte noch heftiger, als die Königin-Regentin auf seinen Rath im Mi 165» die Prinzen Conds und Conti nebst dem Herzog von Longneville (s. Dunvis) v» hasten ließ. Er begab sich nun selbst an der Spitze der Hostruppen in die aufgestanden» Provinzen und zeigte sich nach dem Siege bei Retel am 15. Dec. so übermüthig, dass die Mazeppa 427 Großen und das Volk der Hauptstadt sich verbanden und nicht nur die Absetzung, sondern sogar den Tod des Ministers und Ausländers verlangten. M. entwich unter diesen Umstanden im Febr. >651 aus Paris und kündigte am 12. zu Havre deGrace den gefangenen Prinzen in Person die Freiheit an, wurde aber mit solcher Verachtung ausgenommen, daß er es für gerathen hielt, sich über die niederländ. Grenze zu retten. Während ihn das Parlament ächtete und die Presse mit zahllosen Schmäh- und Flugschriften (XlsLurilmtlss) verfolgte, ging er von Lüttich nach Köln, wo er seine Verbindung mit der Känigin-Regen» tin herstellte. Die Empörung des Prinzen Conde' gab ihm endlich den Math, Frankreich wieder zu betreten. Er traf im Dec. 165 l mit einer Bedeckung von 20UN Reitern und vier Kanonen zu Poitiers ein und verband sich hier mit der Streitmacht des Hofs. Weil jedoch Paris seine Unterwerfung von der Entfernung des wiederholt geächteten Ministers abhängig machte, so entfernte er sich am 19. Aug. 1652 nach Sedan und von hier nach Rheims. Erst nachdem die Parteien den Frieden geschlossen und Conde nach Spanien entwichen war, hielt er am 3. Febr. l653 einen glänzenden Einzug in die Hauptstadt, wobei ihn das Volk mit tiefem Schweigen empfing. In kurzer Zeit jedoch hatte M. sich die Volksgunst, sowie seine frühere politische Gewalt wieder erworben; das Parlament, di« Großen und die Prinzen beugten sich vor ihm. Unter seiner Leitung stieg der Einfluß Frankreichs nach außen gewaltig, im Innern aber befestigte sich der von Richelieu geschaffene Regierungsdespotismus, auf dessen Grundlage sich bald die Monarchie Ludwig's XIV. erheben sollte. Die Rechtspflege, der Handel, das Seewesen, besonders aber die Finanzen versanken in M.'s Händen in die tiefste Zerrüttung. Auch gab man ihm Schuld, daß er zur Verlängerung seiner.Herrschast die Erziehung des Königs mit Absicht vernachlässigt habe. Die Anstrengung, mit welcher M. die Unterhandlungen des pyrenäischen Friedens betrieb, zog endlich den gänzlichen Verfall seiner durch Gicht undSteinschmerzen geschwächten Natur nach sich. Er starb an der Wassersucht am 9. März 1661 zu Vincennes, wohin er sich einen Monat vorher hatte bringen lassen. Sein ungeheures Vermögen von 200 Mill. Livres, das ihm der König durch einen Schenkungsbrief kurz vor seinem Tode legitimeren mußte, erbte größtentheils der Marquis de la Meilleraie, der eine seiner berühmten Nichten, Hortensia Mancini, heirathete und den Titel eines Herzogs von Mazarin erhielt. M. war von Charakter äußerst sanft, übte seinen Einfluß mehr durch Feinheit und Geduld als durch Stärke und griff nur im äußersten Kalle zur Gewalt. Von ihm erschienen „1-et- tres, oü I'vn voll Iss negoeiativns pc»cr la psix Ues kz-renees" (2 Bde., Par. 1745 und oft ). Vgl. Aubery, „llistoire äu carüinal dl." (4 Bde., Amst. >751); Richard, „kor-ll- löle Uu csräinal Aicbelieo et <1>i euiäiasl dl." (Amst. 1716) und Bazin, „Llistoire 709 nach Bender, wo er noch in demselben Jahre starb. Leid Byron hat ihn zum Helden eines seiner schönsten Gedichte, Bulgarin zum Helden eines Romans gemacht, auch Hvrace Vernct ihn durch zwei Gemälde verherrlicht. Mazowien hießen während des selbständigen Bestehens von Polen die fruchtbare!! Gegenden an der Weichsel, dem Bug und Narew, mit den Hauptorten Warschau, Ploä und Rawa. M. bildete in frühester Zeit einen Theil Polens und wurde erst in Folge der Landestheilungen der poln. Herzoge im I. 1207 ein besonderes Herzogthum unter Kon- rad I., der auch dadurch denkwürdig geworden ist, daß er, um sein Land vor den Verwüstungen der Poruffen zu schützen, die Deutschen Ritter (s. d.) nach Preußen zog. Nachdem 1526 die piustische Linie mit den Herzogen Janusz und Sigismund in M. ausgestorben war, vereinigte der poln. König Sigismund I. (s. d.) das Hcrzogthum M. wieder mit Polen, dessen Loose es von nun an theilte. Die Einwohner heißen M azuren, ihr Nativ- naltanz ist der Masur (s. d.). Mazzmi (Giuseppe), ein politischer Flüchtling, ist der Sohn eines angesehenen Arztes in Genua und widmete sich, nach sorgfältiger Erziehung im väterlichen Hause, den rechtswissenschastlichen Studien und dem Berufe eines Advocalen, womit er zugleich umfassende literarische Studien verband. Nach 18.70 betheiligte er sich an revolutiomnren Versuchen zur Herstellung der Einheit und Unabhängigkeit Italiens. Er mußte deshalb 1831 sein Vaterland verlassen und wurde in contumaciam zum Tode verurtheilt. Mit Ausdauer und Hingebung, aber nicht durchweg mit richtiger Würdigung der thatsächlichen Verhältnisse, arbeitete er nun im Auslande, zunächst in Südfrankreich, dann in der Schweiz, an der Verfolgung seiner demokratischen politisch-socialen Plane. Erst in Verbindung, dann in Opposition mit der Carbonaria (s. d.), war er es hauptsächlich, der die Gründung der Vereine des Jungen Italiens (s.d.) und Jungen Europas (s.d.)betrieb, und den bekannten Savoyerzug (s.d.) veranlaßte. Zu Anfänge des I. >831 mußte er die Schweiz verlassen und lebt seitdem in England, von wo er auch den neueste» revolutionairen Versuchen in Italien, zumal dem Unternehmen der unglücklichen Brüder Bandieraim 1.18-14 nicht fremd geblieben ist. Unter diesen Umständen hielt sich das drit. Ministerium befugt, die Korrespondenz M.'s ausfangen zu lassen, was >843 zu nicht unwichtigen parlamentarischen Verhandlungen führte. Bei dieser Gelegenheit tauchte gegen M. der durch gerichtliche Freisprechung beseitigte Vorwurf wieder auf, daß er während seines Aufenthalts in Frankreich im I. >8.73 die Ermordung zweier der Spionerie verdächtigen Italiener veranlaßt habe, und auch jetzt versäumte der Beschuldigte nicht, diesen Vorwurf als Verleumdung energisch zurückzuweisen. M- setzte den Brüdern Bandiera und ihren Unglücksgefährten durch Herausgabe darauf bezüglicher Aktenstücke ein literarisches Denkmal und ist Verfasser mchrer werthvollcr geschichtlicher, politischer und belletristischer Aufsätze in verschiedenen engl. Zeitschriften, wie namentlich der auch in die „Ilcvuc britiumiyne" (18.79) übergegangcnen interessanten „Briefe über Italiens Gegenwart und Zukunft". In neuester Zeit veranstaltete und bevorwortete er in London die erste vollständige und kritisch geordnete Ausgabe der Werke Ugo Foscol o's (s. d.), seines verstorbenen Landsmanns und politischen Meinungsgenossen. Mazzola (Francesco), genannt Parmegiuno oder Parmegianino, einer der berühmtesten Maler der lombard. Schule, wurde zu Parma 1303 geboren. Sein Talent, Naturgegenstände abzuzeichnen, verschaffte ihm den Unterricht seiner Oheime und seines Lands- ^manns Marmitta. Correggio's Anwesenheit in Parma, um 1521, machte ihn mir dem Stile dieses Meisters bekannt. In Rom, welches er 1523 besuchte, machte der Anblick der Werke Rafael's den tiefsten Eindruck auf ihn. Er bildete sich von nun an eine Manier, die Correggio's Grazie und Rafael's Ausdruck zu vereinigen suchte, weshalb man ihn auch den kleinen Rafael (Rafarllinv) nannte. Bei der Einnahme Roms im I. > 527 erlitt er Mazzolini Mechanik 429 ! ! f bedeutende Verluste und ging hierauf nach Bologna. Zu den ausgezeichnetsten Gemälden, ' welche er hier arbeitete, gehört der heil. Rochus für die Kirche des heil. Petronius, die in der dresdener Galerie befindliche Madonna della rosa, welche er aus einer Venus zur Madonna umocstaltete, und die heil. Margaretha. Später ging er nach Parma zurück, arbeitete den Cupido, welcher Bogen schnitzt, und begann dann die neu erbaute Kirche della Stsccata mit Gemälden auszuschmücken. Doch bei seiner geschwächten Gesundheit wurde ihm das Arbeiten-sehr schwer. Als die Aufseher des Baus seine Nachlässigkeit bemerkten, ließen sie ihn, da er bereits im voraus eine Summe erhalten hatte, ins Ecfängniß setzen. Zwar gaben sie ihn auf die Versicherung, die Arbeit vollenden zu wollen, wieder frei; doch M., über diese Behandlung empört, entfloh nach Casalmaggiore, wo er 1530 starb. Seine Arbeiten, namentlich Staffelbilder von ihm, sind außerordentlich selten. Die Grazie aber, welche schon bei Correggio oft nicht ganz echt ist, erscheint in M.'s Werken meist gesucht und unwahr; die Beweglichkeit, der lebendige Affect, gehen bei ihm fast überall in eine unerträgliche Ziererei und in die nüchternste Coquetterie über. Auch werden die allzulangen Verhältnisse seiner Figuren getadelt. Was ihm zu seinem großen Ruhme verhalf, war wesentlich die Nachahmung des Helldunkels in den Werken Correggio's; auch sind seine Bildnisse, wobei die Üppigkeit seiner Compositionsweije natürlich wegfiel, vorzüglich. Mit Unrecht hat man ihn sonst als Erfinder der Ätzkunst angesehen, die schon von A. Dürer geübt, in Italien jedoch zuerst von M. angewendet wurde, dessen Blätter hohe Auszeichnung verdienen. Mazzolini (Lodovico), der berühmteste Maler der Schule von Ferrara, geb. 1481, gest. >530, war ein Schüler des Lorenzo Costa, welcher seinerseits mit der paduanischen Schule Mantegna's (s. d.) zusammenhing. M. ist in der Auffassung der Gestalten wesentlich Naturalist und in den Bewegungen und Physiognomien nicht selten carrikirt, zeichnet sich aber aus durch eine ungemeine Glut und Zntensivität der Farben. Seine besten Bilder befinden sich gegenwärtig in Deutschland und das Museum von Berlin bewahrt sein Meisterwerk: Christus als Knabe unter den Schristgelehrten im Tempel. Die Reinheit und Naivetät der jugendlichen Gestalt contrastirt in dieser Arbeit auf sehr interessante Weise mit den übrigen Figuren, welche alle Grade der Sophistik und Rabulisterei in sehr vergnüglicher Abstufung darstellen. Mechaill (Pierre Franc. Andre), franz. Astronom, geb. am 1 6. Aug. 173-1 zu Laon, kam 1772 nach Paris, wo Lalandesich seiner annahm. Er machte sich 1781 durch die Entdeckung und Berechnung zweier Kometen bekannt und gehörte zu Denen, welche die ersten vorläufigen Berechnungen der muthmaßlichen Dahn des kurz vorher entdeckten Planeten Uranus entwarfen. Zur Vermehrung seines Rufs trug noch bei, daß er 1782 den von der Akademie in Beziehung auf die Rückkehr des Kometen von 1661 gesetzten Preis gewann. Seitdem entdeckte er elf Kometen, deren Bahnen er auch berechnete, wie denn überhaupt keine wichtige Erscheinung am Himmel ihm entging. Seine Beobachtungen legte er in der „6aunsiss»iice cie» temps" nieder, die er seit 1788—S 1 herausgab. Als die constituirende Versammlung die Einführung eines neuen Maßsystems verordnet hatte, das auf den Erd- Meridian gegründet sein sollte, war M. einer der Astronomen, die den Auftrag erhielten, den Meridianbogen zwischen Dünkirchen und Barcelona zu messen. Er bekam auf seinen Antheil an dieser schwierigen Operation die zwischen Barcelona und Rhode; liegende Gegend, wo noch nie Meridianmrssungen vorgenommen worden waren; dabei hatte er noch mit großen, aus den damaligen politischen Verhältnissen entspringenden Schwierigkeiten zu kämpfen, indem di- span. Regierung nicht nur die Fortsetzung seiner Triangulirung verhinderte, sondern ihn sogar eine Zeit lang seiner Freiheit beraubte. Erst 1803 konnte er zu seinen Arbeiten zurückkehren, um sie bis zu den balkarischen Inseln fortzusetzen. Er starb am I2.Sept. 1803 zu Valencia am Gelben Fieber, ein Opfer seines unermüdlichen Eifers für seine Wissenschaft. Außer seinen Abhandlungen in der „eonimissaiice 6es tewps" und seinen Denkschriften über verschiedene Kometen findet man auch in der von Delambrc herausgegebenen ,,8ase 6u System« metri wendete. Leibnitz und Joh. und. Dan. Beruoulli, Mariotte, L'Höpital und Euler vervoll- ^ kommneten die Wissenschaft durch Anwendung der Rechnung des Unendlichen; aus neuerer Zeit erwähnen wir d'Alembert, Lambert, d'Arcy und Lagrange, dessen „Illecanigue unalxtigue" vielleicht das beste Werk über diesen Gegenstand ist. Auch Kant gewann in seiner Metaphysik der Natur dieser Wissenschaft eine neue Seite ab. Vgl- die Schnurr von Poisson, Bezout, Francoeur, Prony, Robison, Gregory, Playfair, Jamieson, Whe- well, Karsten, Kästner, Eytelwcin, von Bader und Langsdorff. Mecheln (stanz. Llalines), in der belg. Provinz Antwerpen, an der Dyle, früher der Sitz des höchsten Gerichts der östr. Niederlande und noch gegenwärtig der Sitz «in» Erzbischofs, der sonst den Titel eines Primas der Niederlande führte, eine sckönc Statu mit 24KVV E>, zeigt durchgehend das Bild gefallener Größe und ist um hundert Jahre hur ter dem übrigen Belgien zurück. Sie hat ansehnliche öffentliche Plätze, breite und re^t< mäßige Gaffen, große palastartige Gebäude, aber es fehlt au Leben. Das bedeutendste W' bäude ist die Kathedrale des hell. Romuald, aus dem 12.—15. Jahrh,, mit ihrem S Mechel« (Israel von) Meckel 43l hohen Thurme und mit herrlichen Gemälden im Innern, die Johanniskirche und die Lieb- fraucnkirche mit einigen Gemälden von Rubens; das Stadthaus, der Beyard genannt, aus dem > 5. Jahrh. und der erzbischöfliche Palast. Die Stadt hat ein erzbischöfliches Seminar und eine Malerakadcmie, wichtige Manufacturrn in Spitzen, Hüten, Wollwaaren u. s. w. und bedeutende Bierbrauereien. Sie ist der Knotenpunkt des belg. Eisenbahnsystems und da- Hauptlager der katholischen Hierarchie in Belgien. M., oder wie eS im Mittelalter hich Illsiinue kam von den frank. Königen an Lothringen und im Anfänge des 10. Jahrh. an die Bischöfe von Lüttich. Schon im 11. Jahrh. wurde es der Oberhoheit der Herzoge von Brabant untergeben und seit der Mitte des l 4. Jahrh. gehörte eS theils zu Flandern, theils zu Brabant und fiel dann an Burgund und Ostreich, worauf es t -ISO zu einer cdeln und ewigen Grafschaft erhoben wurde. Nach dem Abfall der sieben Vereinigten Provinzen wurde cs wieder zu Brabant gezogen. Mecheln oder Meck c nen (Israe t von) ist der Name eines niederdeutschen Malers und Kupferstechers aus der zweiten Hälfte des I S. Jahrh., wenn nicht etwa zwei verschiedene Personen, Vater und Sohn, damit gemeint sind. Die einzigen festen Data find Monogramme von 1 162 und später, und ein Grabstein vom I. > 566. Der Heimatort ist jedenfalls nicht Mecheln in Brabant, sondern Mcckenen oder Mecheln bei Bocholt oder ein gleichnamigerOrt beiMünster, oder endlich Meckenheim bei Bonn. Die dem Maler Israel beigelegten Gemälde gehören verschiedenen Meistern an; das Leben der Maria in der Münchener Pinakothek einem trefflichen rheinischen Künstler um > 4 St», die Bilder m Nürnberg, Köln und an andern Orten später» Malern; ein beglaubigtes Gemälde Jfrael's «xrstirt nicht, obschon wir aus einer Notiz des 16. Jahrh. wissen, daß es einen Maler dieses Namens gab.— Um so genauer kennen wir den Kupferstecher I. von M., von welchem gegen 300 Blätter vorhanden sind, z. B. eine Passion und ein Leben der Maria, jedes in zwölf Blättern, Christus und die Apostel in 13 und wiederum in l S Blättern, u.s. w. Im Ganzen erweist sich derselbe als dürrer, geistloser Manierist und sehr mittelmäßiger Zeichner; gleichwol haben die Blätter für Sammler «inen bedeutenden Werth. Mechitaristen, eine Kongregation armenischer Christen auf der Insel San-Kazaro bei Venedig, wurde ursprünglich in Konstantinopel von dem Armenier Mekhitar (d. i. Tröster) daPetro, geb. 1676, 4 761 zu dem Zwecke gestiftet, die armen. Nationallitrra- tur zu heben und die Kenntniß der altarmen. Sprache zu verleiten. I« Konstatttinepel dem armen. Patriarchen verdächtig geworden, ließ Mekhitar seine Schüler nach Morea gehen und erhielt >703 von der venctian. Regierung, unter welcher Morea damals stand, die Erlaubniß, zu Modon ein Kloster und eine Kirche zu erbauen. Um diese Zeit trat« zu den mit der katholischen Kirche unirten Armeniern über, worauf > 742 dic-Cvngrogation, die nun eine dem Benedictinerordcn nachgebildete Regel erhielt, von Clemens Xl. bestätigt wurde. Der Krieg zwischen den Venetianern und Türken nöthigte die Glieder derselben > 7 l 5 nach Venedig zu flüchten, wo sie17 l 7, als ihr Kloster und ihre Kirche zu Modon durch die Türken zerstört worden warm, durch den Senat die Insel San-Lazaro geschenkt erhielten. Von allen Seiten floß ihnen Unterstützung zu, sodaß Kirche und Kloster sehr bald «usgeführt werden konnten. Mekhitar aber starb erst am 16. Apr. 4 749. Ihr Hauptziel ist fortwährend, durch den Druck elastischer Werk« der armen. Literatur auf die Bildung ihrer Nation cinzuwirken und sie von den mohammedan. Einflüssen zu befreien. Die Ausgaben der Mechitaristen sind die correctrstcn und besten der armen. Schriftsteller; auch erscheint in San-Lazaro eine Zeitung, die in der Levante viel gelesen wird. Vgl. Bone, „De convent 811 ein Mechitaristen«olle.gium, welches sich nächst literarischen Beschäftigungen der Jugendbildung widmet und den Ver- ^ lag gemeinnütziger Schriften besorgt, und ebenso in München. Vgl.Neumann, „Geschichte i der armen. Literatur, nach den Werken der Mechitaristen bearbeitet" (Apz. 1836). Meckel (Joh. Friede.), der Jüngere, ein ausgezeichneter deutscher Anatom, geb. zu Halle am >7. Oct. >781, der Sohn des am 18. März 1803 als Professor der Chirurgie undEntbiudungskunstverstorbenen Phil. Kriedr. Theod. M.,besucht« die Domschul« zu Magdeburg und studirte, nachdem er zuvor mit seinem Vater eine Reise nach Peters- 432 Mecklenburg bürg gemacht hatte, zu Halle und in Göttingen. Schon durch seine Jnauguraldissertalie-, ,8« coliclitionibiis corolis sbilormibus" (Halle 1802) Aufsehen erregend, ging er hierauf nach Würzburg und Wien, später nach Paris und endlich nach Italien. Nach seiner RüK kehr im I. >806 erhielt er in Halle die Professur der Chirurgie, die er sehr bald mi! der der Anatomie und Physiologie vertauschte. Vorzugsweise widmete er sich dem Studiinn der vergleichenden Anatomie, für welche er in Deutschland unstreitig das Meiste geleistu hat. Zm Z. 18>0 vermählte er sich und fortan war seine Gattin ihm eine stete Begleiterin auf seinen vielfachen Reisen, die er namentlich zur Bereicherung seines vom Großvater überkommenen anatomischen Museums machte. Zn den Hähern Lebensjahren zerfiel er in Folge von Kränklichkeit durch seine stete Reizbarkeit und Leidenschaftlichkeit mit allen seinen Umgebungen. Er starb zu Halle am 31. Oc:. l 833. Unter seinen Schriften zeichnen wir aus die Übersetzung von Cuvier's „Vergleichender Anatomie" (4Bde., Lpz. IM — t 0), welche in den Anmerkungen einen Schatz der seltensten Kenntnisse enthält, der dieselbe weit über das Original stellt; seine „Beiträge zur vergleichenden Anatomie" (2M:., Lpz. >800—>3), reich an eigenthümlichen und scharfsinnigen Ansichten, and das,Erstem der vergleichenden Anatomie" (6Bde., Halle >82>—33); ferner das „Handbuch du pathologischen Anatomie" (3 Bde.,Lpz. >812—>8); „Handbuch der menschlichen Anämie" (4 Bde., Hallt I8>5—20); „'1'abulae so-ttvmioo - patbologstcae " (1 Hefte, kr!. >817— 26, Fol.) und die „Vesoriptio monstrorum nonnulloriim " (Lpz. 1826,4.,mi! Kupf.). Alle seine Arbeiten zeigen von dem unermüdlichsten Fleiße bei den mühsanism Untersuchungen, von seltenem Scharfsinn in Aufstellung von Vergleichungen und Conibi- nationen und tiefer Einsicht in die Bildungsgesetzc des Lebens. Eine von ihm mit Elüä empirisch nachgewiesene Idee war die, daß der menschliche Organismus bei seiner Bildmz stufenweise sich entwickele, und daß diese Stufen bleibenden Bildungen der Thierclasse» entsprechen, wie er auch in den sogenannten Misgeburten nur Hemmungßbildungen odn ein Stehenbleiben auf nieder« Bildungsstufen erkannte. Sein ausgezeichnetes anatomisches Museum wurde nach seinem Tode von der preuß. Regierung für die Universität an- gekauft. — Schon sein Großvater, Zoh. Kriedr. M., geb. zu Wetzlar >714, gesr. zu Berlin >774, hätte sich, wie durch andere Schriften, so durch seine Dissertation „De gumto psre llLrvaium cerobri" (Gott. >748) einen ausgezeichneten Namen als Anatom erworben. Mecklenburg, Großherzogthum im ehemaligen Nicdersächsischen Kreise, ostwärts von Pommern, südwärts von Brandenburg, westwärts vonLüneburg, Lauenburg und Lübeck und nordwärts von der Ostsee begrenzt, zerfällt gegenwärtig in die beiden Großherzog- thümer Mecklenburg-Sch w erin (s. d.) und Mecklenburg-Strelitz(s. d.), die zusammen (ohne Ratzeburg) einen Flächeninhalt von 27 3 LlM. und 583000 E. haben. Vor der Völkerwanderung bewohnten das Land und überhaupt die Küsten der Ostsee Heruler und Vandalen, an deren Stelle, als sie dem Zuge der Völker nach Süden folgten, slawische Stämme von Osten her einwanderten. Die beiden mächtigsten unter ihnen waren dieLbo- triten und Wilzen. Elftere, die zur Zeit Karl's des Großen aus den eigentlichen Obotriten in dem westlichen Theile des heutigen M., den Polaben in Naheburg und Lauenburg und den Wagnern in Holstein bestanden, überwanden um 782 die Witzen im östlichen Theile von M. und es übte nun derObotritenfürst eine Art Oberhoheit über die wilzischen Fürsten der Redarier, Kessincr, Zirzipaner und Tollenser. Schon Karl der Große machte Versuche, die slawischen Bewohner sich tributpflichtig zu machen und sie zum Christenthume zu bekehren. Doch erst nach langwierigen und verheerenden Kriegen gelang es dem Herzoge Heinrich dem Löwen von Sachsen, das Land vollständig zu unterwerfen, der es dergestalt «r- wüstete, daß es den wenigen übrigen Einwohnern wol verging, erneuete Versuche'zur Behauptung der Religion ihrer Väter und der angestammten Freiheit zu machen. Später versöhnte sich Herzog Heinrich mit des im Kampfe erschlagenen slaw. Fürsten Niklot's Sohnk Pribislaw, gab ihm >>67 seine Erbländer, mit Ausnahme von Wagrien, Stargard, Ratzeburg und Schwerin, zurück und vermählte mit dessen Sohne Bure Win seine Tochter Mathilde. Den Namen Mecklenburg erhielt das Land von dem alten obotrit. Hauptorte Meklinborg, jetzt einem Dorfe zwischen Wismar und Brüel. Nach dem Tode Heinrich Burewin'S H. entstanden durch seine Söhne vier Linien zu M., Güstrow oder Werke, M' IN sn- dil- ! drr i als- ! Lxz mit tslk» ^ «bi- ^ ilück ^ i»iz - sse» ! odtk > >mi- M> lato be«. Ätj Li» j°g- dl! Bei uler slh! )b°- itt» UNb heile cste« >che, keh- . >kin- ver- Be- äln >h«e «d, > loch- upl- irieh N°- Mecklenburg-Schwerin 433 stock und Parchim, von denen jedoch die beiden jüngern bald wieder erloschen. Die ältere Linie wurde von Johannes Thcologus gestiftet, den die Universität zn Paris zum DoctordcrTheologie machte. Des Johannes Enkel,Heinrich II., 1302—29,brachte durch seine Gemahlin, des Markgrafen Albrecht zu Brandenburg Tochter, die Herrschaft Star- gard als Hcirathsgut an sein Haus. Hcinrich's II.Söhne, Albrecht und Johann, stifteten die Linien zu M. und zu Stargard, und wurden 1349 vom Kaiser Karl IV. zn Herzogen erhoben. Nachdem sodann die güstrowerLinie mit dem Herzoge Wilhelm >439 und die stargardcr mit dem Herzoge Ulrich II. 1471 im Mannsstamme erloschen waren, wurde Heinrich der Fette, ein Urenkel Albrechts, Herzog von ganz M. Kurbrandenburg bestritt ihm zwar die Erbfolge, doch im Vergleiche zu Wittstock kam man dahin überein, daß der Herzog die ganze Erbschaft behalten, Brandenburg dagegen nach dem Erlöschen des Mecklenburg.Fürstenhauses das ganzeLand erben solle. HerzogJoh.Albert l., 1547 —76, führte die evangelische Lehre in seinem Lande ein. Seine Enkel, Wolf Friedrich!, und Joh. Albert II., stifteten die Linien M.-Schwerin und M.-Güstrow. Beide wurden 1627 durch Kaiser Ferdinand II. wegen ihres Bündnisses mit Dänemark der herzoglichen Würden entsetzt, und Wallenstein (s. d.) zum Herzoge von ganz M. ernannt; allein schon 1632 führte Gustav Adolf die vertriebenen Fürsten wieder in ihre Erblandc zurück. Im westfäl. Frieden mußten sie jedoch an Schweden die Stadt Wismar und die Ämter Pöhl und Neuklostcr abtreten; als Entschädigung erhielten sie die säcularisirtcn Bisthümcr Schwerin und Natzeburg und die Johanniter - Commenthureien Mirow und Nemcrow. Auf Adolf Friedr. I., gest. 1658, folgte in der Hauptlinie Mecklenburg-Schwerin (s.d.) sein Sohn Christian Ludwig, der zur katholischen Kirche zurücktrat und 1692 kinderlosstarb. Seine nachgeborenen Brüder stifteten die Nebenlinien M. - Mirow, die aber bald wiederausstarb, M.-Grabow und Mecklenburg-Strelitz (s. d.). Vgl. Hem- pel, „Geographische Beschreibung von M.-Schw. und M.-Str." (Neustrelitz 1829); Nud- loff, „Handbuch der mecklenb. Geschichte" (3Bde., Rost. 1781—94; Bd, 3, 2. Aust., 1821) und Lützow, „Pragmatische Geschichte von M." (3 Bde., Bcrl. 1827 — 35). Mecklenburg-Schwerin, das Großhcrzogthum, liegt an der nördlichsten Grenze Deutschlands und umfaßt einen Flächcnraum von 228 H>M. größtcnthcils vortrefflichen Bodens. Fast nach allen Seiten von sehr guten natürlichen Grenzen umschlossen, bildet es einen ziemlich ganz in sich abgerundeten Staat. Gegen Norden wird es durch die Ostsee, gegen Osten von Pommern, gegen Süden von Brandenburg und Lüneburg, gegen Westen von Lauenburg und Natzeburg begrenzt. Der Boden ist im Allgemeinen flach und eben, vbschon er von mehren Hügelrcihen durchschnitten wird. Besonders reich ist das Land an Waldungen, welche noch zu Anfänge des 18. Jahrh. fast die Hälfte des ganzen Flächen- raums bedeckten. Seitdem sind zwar die großen Waldungen sehr gelichtet, aber noch immer werden mehre Nachbarstaaten durch M. mit Holz versorgt. Der Boden ist fast durchgehend sowol für den Getreidebau als für die Viehzucht von der vorzüglichsten Beschaffenheit; insbesondere gibt cs auch trefflichen Wicsenwuchs, wenngleich in einigen Gegenden von Sandebenen und Moorgründen unterbrochen. Ausnehmend reich ist das Land an Seen, deren es mehr als 60 von mindestens einerViertclmeile Länge gibt. Der größte darunter ist der Müritzsce, 3'/, M. lang, 1^/4 M. breit; sehr malerische Umgebungen hac der Malchinersce. Das Klima ist im Allgemeinen gemäßigt, jedoch durch die Waldungen, die Landseen und durch die Nähe der Ostsee feucht, thcilwcise rauh und veränderlich, im Ganzen aber gesund. Mehre Flüsse, wie die Warnow und die Elde, durchschncidcn das Land, befördern so den inner» Lande Lvcrkehr und sind wie die Landseen sehr fischreich. Für Wege und Landstraßen ist in neuester Zeit viel gcthan worden und auch eine Eisenbahn projcctirt. Die Zahl der Einwohner beläuft sich auf 4 8800». Sie bekennen sich zur protestantischen Kirche, mit Ausnahme von 3200 Juden und 580 Katholiken. Für den Charakter des Volks im Allgemeinen spricht sehr vorthcilhaft der Umstand, daß grobe Verbrechen nur selten Vorkommen. Ackerbau und Vicbzucht sind der Hauptbetrieb des Landes und die Hauxtgacllen seines Wohlstandes. Schon seit früherer Zeit durch den vorthcilhaftc» Betrieb der Acker- wirthschaft bekannt, hat sich dieser Thcil der LandcSindustrie ganz besonders seit der Mitte Conv.-Lex. Neunte Aufl. IX. 28 434 Mecklenburg-Schwerin des 18. Jahrh. in allen Zweigen ausgebildet und zu einer sehr hohen Stufe der Bell- kommcnheik erhoben. Hauptausfuhrartikel sind Weizen, Erbsen und Rapps. Die Viehzucht anlangend, so beschränkt sich die Nindviehzucht gegenwärtig hauptsächlich auf den Bedarf des Land.es; dagegen werden Schweine gemästet, in bedeutender Anzahl ausgesührk und wegen der ausgezeichnet guten Nace auswärts sehr gesucht. Die beiden Hauptzweige der Viehzucht sind aber Pferde und Schafe. Wenn auch die echt nationale Pferderace in neuern Zeiten fast ganz ausgegangen, so ist dagegen wieder durch die Einführung engl. Vollblutspferde und durch Vermischung derselben mit den einheimischen sehr viel zur Veredelung des Pferdcstammes geschehen. Beiweitem die größte Vervollkommnung hat man > in der neuern Zeit in der Schafzucht erzielt. Was die eigentliche Industrie und Gewerk- s thätigkeit betrifft, so will es damit ungeachtet aller gemachten Anstalten und wiederholt gegebener Unterstützungen keinen rechten Fortgang haben; nur einige Eisengießereien liefern vorzügliche Erzeugnisse und machen sehr gute Geschäfte. Der Handel ist nicht unbedeutend, namentlich durch die Ausfuhr in Getreide, Wolle, Butter und Vieh und durch die Einfuhr von Colonialwaaren und fast allen Arten von Fabrikaten. Für das Schulwesen ist in neuerer Zeit sehr viel gcthan worden; es gibt fünf gelehrte Gymnasien, 50 Bürgerschulen und über 10V0 Landschulen, bei welchen nur im Seminarium zu Ludwigslust gebildete Lehrer angestellt werden dürfen. Auch die Landesuniversität zu Rostock (s. d.) bewährt ihren wohlerworbenen Ruf. Die ausübende Staatsgewalt steht allein dem Landesherr« zu, iß jedoch durch die aus früher« Zeiten, insbesondere vom landesgrundgesehlichen Erbvergleiche von l755 herstammende, mit Mecklenburg-Strelitz gemeinschaftliche ständische Verfassung in der Ausübung bestimmter Rechte an die Mitwirkung der Stände gebunden. Der Fmß übt die vollziehende Gewalt, theilt aber das Recht der Gesetzgebung und Besteuerung mit den Ständen, mit Ausnahme der Gesetzgebung in Beziehung auf die Domainen, die keim Zuziehung der Stände erfodert. Die Stände bestehen, da durch die Säcularisirung der Klöster in Folge der Reformation der Präkatenstand aufgehoben wurde, gegenwärtig aus der Ritter- und aus der Landschaft. Zu dem Stande der Ritterschaft gehören alle Besitzer ritterschaftlicher Güter; den Stand der Landschaft bilden die landtagsfähigen Städte. Jährlich wird zur Verhandlung und Beschlußnahme über die vorher schriftlich mitgekheil- ten Propositionen ein Landtag abgehaiten. Zur Besorgung aller in der Zwischenzeit verkommender Landesangelegenhciten besteht permanent zu Rostock ein engerer Ausschuß der Ritter- und Landschaft, der in dringenden Fällen definitiv entscheiden kann. Gemeinschaftlich mit den Ständen haben beide Herzogthümer das Oberappellationsgerichl zu Parchim. Im enger« Rathe des Deutschen Bundes hat M. zusammen mit Mecklenburg-Strelitz die l s. Stelle, im Plenum aber für sich allein zwei Stimmen. Zum zehnten Armeekorps des deutschen Bundesheers stellt es 3580 M. Infanterie, Cavalerie und Artillerie mit aebt Kanonen. Die Staatseinkünfte werden zu 1,350000 Thlr. angegeben; die Staatsschuld ist sehr bedeutend und zerfällt l) in Schulden, für welche das ganze Land haftet, im Betrage von 1,800000 Thlr.; 2) Schulden, für welche die Domainen haften, ungefähr 5 Mill. Thlr., und 3) Landesschulden, etwa 440000 Thlr. Dem Stifter der regierenden Familie in M.-Schw., Adolf Friedrich!., folg» 1858 sein ältester Sohn, Christian Ludwig, mit dem >602 die ältere streliherLinie erlosch. Wegen der Nachfolge entstanden zwischen der Linie Grabow und der Linie SäM- rin Streitigkeiten, die sich noch mehr verwickelten, als 1605 mit Gustav Adolf auch die Linie Güstrow im Mannsstamme erlosch. Endlich kam durch kaiserliche Commissionen zu Hamburg im I. 1701 ein Vergleich dahin zu Stande, daß Friedrich Wilhelm, aus der älter« Linie Grabow, Schwerin und Güstrow, der Herzog Adolf Friedrich II. zu Stre- litz das Fürstenthum Ratzeburg und die Herrschaft Stargard nebst Mirow und Nemerow erhielt. Gleichzeitig wurde das Recht der Erstgeburt und die Linealsuccefsion eingeführk. Friedrich Wilhelm hatte 1713 seinen Bruder KarlLeopold zum Nachfolger, der wegen Eingriffs in die Rechte der Stände 1.728 durch eine kaiserliche Commission der Regierung entsetzt wurde. Die Administration des Landes erhielt sein Bruder ChristianL u dwi g. Zwar machte Karl Leopold einen Versuch, sich mit Gewalt wieder in den Besitz der Regierung zu setzen, allein vergebens. Als er >747 kinderlos starb, folgte ihm nun der Adminisira- Mecklenburg-Streliß Mcdea 435 kür in der Negierung, der bei seinem Tode im1.1756 seinen Sohn Friedrich zum Nachfolger hatte. Da dieser 1785 kinderlos verstarb, so kam nun seines Bruders Ludwig Sohn, Friedrich Franz zur Negierung, der sehr wohlthätig für sein Land wirkte, >863 die an Schweden im westfäl. Frieden abgetretenen Ämter und die StadtWismarfür l ,20006V Thlr. zurückkaufte, imNeichsdeputationshauptschlusse von 1803 sieben lübeckischeDörfer erhielt, 1807 dem Rheinbunde als Souverain beitrat, dem er 1813 wieder entsagte, 1815 den Titel als Großherzog annahm und 1837 starb. Ihm folgte in der Regierung, da sein Sohn, der Erbprinz Friedrich Ludwig, vor ihm verstorben, sein Enkel, Paul Friedrich, geb. >800, der schon am 7. März >8-12 starb, woraus sein Sohn Friedrich Franz (s. d.) den großherzoglichen Thron bestieg. Mecklenburg-StreliH, das Großherzogthum, besteht aus zwei ganz voneinander abgesonderten, nicht blos durch die Lage, sondern auch durch die Verfassung getrennten Theilen. Die Herrschaft Stargard, 45'/- lüM., ist begrenzt gegen Norden von Pommern, gegen Osten und Süden von Brandenburg und gegen Westen von Mecklenburg-Schwerin ; derandere Theil, das Fürstenthum Natzeburg, 6^lHM., hat im Norden den dossowerBinnen- scc, gegen Osten Mecklenburg-Schwerin, gegen Süden Lauenburg und gegen Westen den Ratzcburgcrsee und das Gebiet der freien Stadt Lübeck zur Grenze. Die Zahl der Einwohner beläuft sich auf 95000. Der Boden ist gleich dem in Mecklenburg-Schwerin, ebenso das Klima, doch ist es wegen weiterer Entfernung von der See etwas gemäßigter. An Produkten erzeugt das Land vorzüglich Pferde, Rindvieh, Schafe und Schweine, viel Wild- pret, Fische, Holz, Getreide aller Art und Obst. Die Industrie beschränkt sich auf Wollenweberei, Lederfabrikation, Taback, Glashütten, Branntweinbrennereien und Papiermühlen. Die Ausfuhr besteht daher größtentheils in rohen Naturprodukten. Jedoch gibt der Handel und Absatz der rohen Naturprodukte des Landes selbst gegen die bedeutende Einfuhr verarbeiteter Erzeugnisse für das Staatsvermögen keine ungünstige Bilanz. Die Staatseinkünfte betragen 3—400000 Thlr., die Staats- und Landesschuldcn, welche zum großen Lheil aus den Zeiten der franz. Invasion herrühren, gegen 800000 Thlr, Der Großherzog hat sehr bedeutende Privateinkünfte; außer den sehr ansehnlichen, in vier Ämtern bestehenden Domaincn besitzt er ein eigenes Cabinetsamt, das aus 15 nach und nach angetansten Gütern gebildet ist. In der deutschen Bundesversammlung nimmt es die 14. Stelle ein, in der weitern Versammlung hat es eine eigene, in der engern aber mit Mecklenburg-Schwerin eine gemeinschaftliche Stimme. Die herrschende Landesreligiön ist die protestantische; neben ungefähr 80 Katholiken und wenigen Reformirten gibt es 700 Juden. Die Staatsverfassung ist, was die Herrschaft Stargard betrifft, dieselbe wie inMeck- lenburg-Schwerin, da die Landsiände beider Großherzogthümer von früher» Zeiten, wo beide unter Einem Fürstenstamme lebten, durch die Landcsunion miteinander verbunden sind und das Bestehen dieser Union bei der Begründung von M.-Str. bedingt war. Das Fürstenthum Natzeburg hat gar keine Landsiände. Gemeinschaftlich mit Mecklenburg- Schwerin hat M.-Str. das Oberappellationsgericht zu Parchim. Für die innere Bildung und Volksaufklärung ist in neuer» Zeiten Vieles geschehen. Es gibt vier Gymnasien und zu Mirow eine eigene Bildungsanstalt für Küster und Landschullehrer. Zum zehnten Armeekorps des Deutschen Bundes stellt es 588 M. Infanterie, Cavalerie und Artillerie mit zwei Kanonen. Jm ÄUgemeinen sind in der Staatsverwaltung Verschwendung und Luxus vermieden und ein System weiser Ökonomie vorherrschend. Der Stifter der Linie M.-Str. wurde 1658 der jüngste Sohn des Herzogs Adolf Friedrich'sI. von Mecklenburg-Schwerin, AdolfFriedrich II-, geb. 1658, gest. 1708. Ihm folgte in der Negierung sein Sohn, AdolfFriedrich lll^ geb. 1686, gest. 1752, und diesem seines Bruders Söhne, Adolf Friedrich IV., geb. 1738, gest. 1794, und Karl Lud w. Friedrich, geb. >741, gest. 1816, der 1807 dem Rheinbunde beitrat, 1813 nach der Schlacht bei Leipzig sich lossagte und auf dem Congreß zu Wien die groß- herzogliibe Würde erhielt. Zum Nachfolger hatte er den Großherzog Georg (s. d.). Medaille, s. Denkmünze. Medea, die Tochter des kolchischen Königs Äetes und der Okeanidc Jdyia oder der Hekate, eine der berüchtigtsten Zauberinnen des Alterthums, verhalf dem Jason (s. d.) 28 * 436 Mediante Mediatisirung zum Goldenen Vließ und entfloh mit ihm in Begleitung ihres Bruders Absyrto-, den sie aber unterwegs, als sie ihr Vater Äetes verfolgte, tödtete und in Stücken zerschnitten ins Meer warf. Äetes hielt sich bei dem Sammeln derselben auf, und so entkamen Beide glücklich nach Jolkos, nachdem sie auf der Jusel der Phäakcn miteinander vermählt worden waren. In der Heimat angekommen, beschloß Jason an Pelias Rache zu nehmen für die Ermordung seiner Altern und seines Bruders. Dies gelang durch der M. List, welche des Pelias Töchter überredete, ihren Vater zu zerstückelt und zu kochen, um ihn zu vcrjün- gen. Hierauf flüchteten sie sich nach Korinth, wo aber Jason nach zehnjähriger glücklicher Ehe die M. verstieß, um sich mit der Glaukc oder Kreusa zu vermählen. M. rief die Götter um Rache an und schickte durch ihre Söhne der Stiefmutter ein vergiftetes Gewand und Diadem zum Geschenke. Als diese die Geschenke anlegte, wurde sie nebst ihrem Vater, dir ihr zur Hülfe kommen wollte, von dem Giftfeuer derselben verzehrt. Hierauf tödtete M. die Kinder, die sie vom Jason hatte, und entfloh auf einem von Helios erhaltcnenDrächen- wagcn nach Athen zum Agens, mit dem sie den Medos zeugte. Aber auch von hier mußte sie fliehen, als man entdeckte, daß sie dem Thcseus nachstellte, und ging in Begleitung ihres Sohnes Medos nach Aria, dessen Einwohner von nun an Meder genannt wurden. Zuletzt unsterblich, genoß sie göttliche Verehrung und wurde in den elysischen Gefilden Gemahlin des Achilleus. M. war sehr oft Gegenstand der tragischen wie der bildenden Kunst. Des Äschylus und Ovid Tragödien dieses Namens sind verloren, ebenso des Sophokles „Kol- chides"; nur des Euripides und Sencca Stücke dieses Namens sind noch vorhanden. Zn neuerer Zeit hat sie Grillparzer wieder auf die Bühne gebracht. Auch ein Melodram von Götter und Benda und eine Oper von Cherubim führen diesen Namen. Die plastische Kunst läßt die M. theils in einfachem griech. Cvstum, theils mit oriental. Gewändern, besonders in dem übergehängten Kandys erscheinen. Mediante, Media oder Mittelton heißt in der Musik dicTerzie desDreiklangs. Mediateur oder Vermittler nennt man im Völkerrechte die Macht, welcbe das gestörte Einverständniß zwischen andern Mächten durch Unterhandlung hcrzustellen und besonders den Frieden zu unterhandeln oder zu stiften sucht. Wesentlich verschieden von der Mediation ist die schiedsrichterliche Entscheidung, bei der sich beide feindliche Mächte dem Ausspruche einer neutralen Macht im voraus unterwerfen. (S. Austrägalgericht.) Bei der Mediation sind beide feindliche Mächte wohl einverstanden, die Vergleichsvorschläge einer dritten oder mehrer vermittelnden Mächte anzuhören, aber darum nicht verbunden, dieselben auch anzunehmen. Gewöhnlich wird die Mediation nachgesucht; oft aber bieten auch benachbarte oder bei dem Kriege fremder Staaten sonst betheiligte Mächte ihre Vermittelung an, damit der Krieg zwischen jenen sie nicht zuletzt selbst in den Kampf verwickele. Dies kann z. B. bei verbündeten Höfen der Fall sein; auch thut es wol ein neutralerStaat, wenn er glaubt, der schwächere möchte überwunden werden, und der siegende Theil dadurch seine Macht, zum Nachtheile des politischen Gleichgewichts, vergrößern. In früher»Zeilen haben namentlich der Papst und Venedig öfters die Rolle des Mediateurs, besonders auf Congressen übernommen, wo dann der Mediateur den Vorsitz führt und die Verhandln»- gen in der Regel in der Form gepflogen werden, daß die Parteien ihre Noten und Eingaben an den Mediateur richten, der sie den Andern mittheilt. In den türk. Angelegenheiten trat früher besonders Frankreich, in den skandinav. Angelegenheiten traten die Seemächte, England und Holland als Vermittler auf. In neuerer Zeit hat die Mediation meist den Charakter der Intervention (s. d.) getragen und nicht blos vermittelt, sondern vorgeschriebe» und erzwungen. Mediatissrunst. Als 1806 das Deutsche Reich auch dem Neunen nach aufhörte und der Rheinbund (s. d.) sich bildete, konnte man unmöglich die ganze Masse kleiner Staaten, die nach der Säkularisation im NeichsdcputationShauptschlusse von >8»Z in Schwaben, Franken, Baiern und am Rhein reichsunmittelbar geblieben waren, als Sou- verainetäten fortbestehcn lassen. Es war ein Werk der Nothwendigkeit und der Pflicht-Segen die Unterthanen, die kleinern Länder mit grüßern zu vereinigen, und in der älter» Geschichte des Deutschen Reichs fehlte cs nicht an Vorgängen, wie kleinere Stände aus unmittelbaren Angehörigen zu mittelbaren, d.h. landsässigen Gutsherren geworden waren. Es hieß Medici (Familie) 437 die- erim'iren, d.i. ans der Steuerrolle des Reichs herausnehmen, wobei man entweder den bisherigen Beitrag an dessen Stelle bezahlte (exemti-i cum nuere) oder nicht, weil er schon in dem eignen Matricularanschlage des Erimircnden enthalten war (exemti« sine nners). Namentlich waren in den östr. Erblanden sehr viele Neichsstände eximirt worden. Was indeß die Sache I8«>6 verhaßt machte, war theils der Mangel eines PrincipS, indem größere Besitzungen, z.B.die fürstenbergischen, leiningischen, hohenlohischcn und schwarzenber- gischen mediatisirt wurden, während viel kleinere zur Souverainctät gelangten, theils aber auch die Art und Weise, wie die rechtlichen Verhältnisse der Mediatisirten gegen ihre neuen Landesherren bestimmt wurden. Nach Napoleon's Sturze hofften die Mediatisirten durch den Eongreß zu Wien wieder in ihre vorigen Rechte eingesetzt zu werden; allein cs wurde nicht darauf cingegangen, vielmehr wurden sogar die Häuser Salm, Isenburg und von der Lcyen mediatisirt. Doch wurde durch den >4. Art. der Deutschen Bundesacte für einen festenNechtszustand der Standeshcrren (s. d.), wie die Mediatisirten seit 1806 genannt wurden, gesorgt. Seit dem wiener Congreß hat keine Mediatisirung wieder stattgefunden, wolaber eine Demediatisirung, indem Hessen-Homburg aus einem abhängigen zn einem souvcrainen Staate erhoben wurde. Medici, eine der berühmtesten und mächtigsten florent. Familien, wird zuerst zu Anfänge des >3. Jahrh. erwähnt. Schon damals erscheint sie als reich und bedeutend, doch als unlängst erst durch Handel zum Wohlstände gelangt. Durch kluges Benehmen wußte sie es sehr bald dahin zu bringen, daß sie sich unter die Familien zählte, aus welchen die Bürgeroligarchie in Florenz bestand. Sie hauptsächlich trug zur Berufung Walkhcr'S von Brienne, Herzogs von Athen, bei, der sich aber seiner Gewalt zur Demüthigung der herrschenden Geschlechter in Florenz bediente und unter Andern Giovanni bei M., weil er Lucca gegen die Pisaner nicht beharrlich genug vertheidigl hatte, >342 enthaupten ließ. Die M. ließen sich deshalb mit einigen andern Geschlechtern in eine Verschwörung gegen ihn ein, die zwar verrathen, aber vom Herzoge, welcher grsßmüthig erscheinen wollte, nicht untersucht wurde. Als endlich die Unzufriedenheit mit ihm in öffentlichen Aufstand ausbrach, waren die M. unter den Hauptanführern desselben und fortan bei allen öffentlichen Angelegenheiten vorzugsweise bctheiligt. Da aber nach der Vertreibung des Herzogs die Altadcligen, nachdem sie seit 5<> Jahren von der Theilnahme an der Staatsverwaltung ausgeschlossen gewesen, Anmaßungen und Frevel sich erlaubten, war es wieder Ala- manno bei M., der Älteste seines Geschlechts, welcher das Volk zu den Waffen rief und den Adel verjagte. In den nächsten Jahrzehenden, wo Florenz durch die Parteien der Ricci und Albizu beunruhigt wurde, hielten es die M. mit der schwächern Partei derNicci. Der eine Sohn Alamanno's, Salvestro dei M., der 1378 Gonfaloniere wurde, stürzte die Partei der Albizzi vollends und gewann, nachdem die Volkspartei die Oberhand gewonnen, das große Ansehen, das zu dem von nun an immer mehr steigenden Einflüsse seines Hauses den Grund legte. Zwar wurden die M. in der nächsten Folgezeit und zuletzt im I. durch die argwöhnische Negierung bis auf wenige Glieder aus Florenz verbannt. Doch diese Wenigen, welche fortfnhren, sich durch glückliche Handelsgeschäfte zu bereichern, wuß- tcn sehr bald den Flor ihres Hauses von neuem dauernder zu begrüuden. Giovanni bei M.war seit l4(>2 wiederholt Mitglied derSignoriaund wurde 1421 Gonfaloniere. Erstarb am 29. Fcbr. 1429. Mit seinem ältesten Sohne Cosimo bei Medici I. (s. d.) beginnt die glänzende Reihe der gefeierten Mediceer; der zweite, Lorenzo bei Medici, wurde der Stammvater der Großherzoge von Toscana. Cosimo's Vetter, der kluge Bern ardo deiM., der sich in den Kriegen gegen Mailand und Neapel so vieles Verdienst erworben hatte, und sein Sohn, Giovanni bei M., waren vor ihm gestorben; sein anderer Sohn, Pietro bei M., aber schien wegen seiner Kränklichkeit wenig zum Staatsoberhaupte geeignet. Er verscherzte gleich im Anfänge die Liebe, welche Florenz gern von seinem Vater auf ihn übertragen haben würde, indem er, auf den boshaften Rath des Diotisalvi Ncroni, die Summen, die sein Vater an Bürger ausgeliehcn, aufkündigte und eintrieb. Die ihm dadurch und durch die Verlobung seines Sohnes Lorenzo mit Claricia Orsini beim Volke erwachsene Ungunst beschlossen Neroni und der herrschsüchtige Luca Pitti, in Verbindung mit dem wahren 438 Medici (Familie) Patrioten Nicolo Soocrmi und dem persönlich gegen die M. erbitterten Agnolo Acciajuoli, ^ zu seinem Sturze zu benutzen. Nach vergeblichen Versuchen gemäßigter Maßregeln zur Veränderung der Regierung beschlossen sie den Pietro zu tödtcn und sich mit Hülfe des ^ Marchese von Ferrara der Herrschaft zu bemächtigen. Doch der Anschlag wurde entdeckt, > wodurch sich aber Pitti nicht abhalten ließ, im Aug. ! 466 mit einer zahlreichen Schär Be- ' waffneter nach Florenz zu ziehen. Doch sehr bald söhnte er sich hier mit Pietro aus, und da das Volk durchaus nichts gegen die M. zu unternehmen geneigt war, so sahen sich die Häupter der unzufriedenen Partei genöthigt, aus Floren; zu flüchten. Von nun an wurden die M. immer mächtiger. Da indeß der stets kranke Pietro die Willkürlichkeilcn aller Art, welche seine Freunde übten, zu hindern nicht im Stande war, ging er damit um, seine ver- s bannten Feinde zurückzurufcn, um durch sic die eignen Freunde zu bändigen, als der Tod > ihn am 2. Dec. > 469 übereilte. Die geheimen Feinde der M. glaubten durch die Jugend und stlnerfahrcnheit seiner Söhne, Lorenzo und Giuliano, einen neuen Versuch zum ^ Sturze des mächtigen Hauses begünstigt. Im Einverständniß mit Papst Sixtus IV . und dem Erzbischof von Pisa, Francesco Salviati, machten die Pazzi, das erste Geschlecht nächst den M., einen Anschlag auf Lorenzo's und Giuliano's Leben, der am 2. Mai >4 78 in der Kirche Sta.-Reparata ausgeführt werden sollte. Aber die Ermordung des Lorenzo schlug fehl; die gelungene des Giuliano mußten alle Verschworene, da das Volk alsbald zu Gunsten der M. sich bewaffnete, mit dem Tode, und das Haus P a zzi (s. d.) mit seinem Sturze büßen. Lorenzo dei Medici (s. d.), das nunmehr alleinige Haupt seines Hauses, hinterließ drei Söhne, Pietro, geb. 1471, mit Alfonsina Orsini vermählt, Giovanni, dennach- hcrigen Papst Leo X. (s. d.), und Giuliano, geb. 1478, gest. 1516. Pietro, dasneue Haupt des Staats, taugte gerade am wenigsten dazu. In zwei Jahren halte er den Herzog von Mailand und den König von Frankreich der Republik verfeindet und durch seine Uii- ! klugheit und Schwäche, besonders aber durch den nachthciligen Frieden mit Frankreich zu Sarzanella im I. 1494 sich den Florentinern verhaßt gemacht. Er wurde deshalb der Re- ) gierung entsetzt und mit seinem ganzen Geschlechte verbannt. Nach mehren Versuchen, durch List und Gewalt zurückzukehren- kam er 1504 in der Schlacht am Garigliano, die er im franz. Heere mitmachte, in diesem Flusse um. Erst 1513 erlangte sein Bruder, Gio- vann i, in Folge eines Aufstandes, der in Florenz ausbrach, die Wiederaufnahme in seine Vaterstadt, und als er kurze Zeit nachher Papst wurde, erhob er seine Familie wieder zu dem alten Glanze. An die Spitze des Staats trat Pietro's Sohn, Lorenzo, geb. >492, ^ den der Papst zum Herzog von Urbino ernannt hatte. Noch behielt der Staat seine republikanische Form; noch mangelte dem Staatshaupte der fürstliche Titel. Als aber nach Lorcnzo's Tode im I. 1519 unter Alessa ndro's, seines Bastards, Verwaltung, >523 abermals ein Mediceer, Giuliano, des 1478 ermordeten Giuliano Bastard (nach Eüü- ! gen Alessandro's Vater), unter dem Namen Clemens XII. den päpstlichen Stuhl bestieg, als 15 3 3 Katharina, Lorcnzo's Tochter, dem Könige Heinrich II. von Frankreich sich »er- i mahlte, da ließ sich das baldige Ende der Scheinfreiheit von Florenz voraussehcn. Zwar schienen die Florentiner noch einen Versuch für ihre alte Freiheit machen zu wollen und verjagten 1527 den lasterhaften Alessandro; allein es war dieses das letzte Aufflammen ^ des republikanischen Geistes. Auf Clemens' XII. Veranlassung belagerte >531 Kaiser , Karl X. Florenz, setzte nach derEinnahmc den Alessandro wieder ein, machte ihn zumHer- zog von Florenz und vermählte ihn mit seiner natürlichen TochterMargaretha. Wegen . i seiner Leutseligkeit wurde er sogar bei der Nation noch beliebt, ergab sich aber zuletzt einer ^ zügellosen Lebensweise. Er war der erste unabhängige Herzog von Florenz und der letzte Abkömmling des großen Cosimo. Nachdem er von Lorenzo dei M., aus der von Cosimo's Bruder Lorenzo stammenden Linie, > 537 ermordet worden war, machten die Florentiner zwar noch einen letzten Versuch, die Republik herzustellen; doch sofort griff auch wieder Karl X. ein, und sein Machtwort beförderte Cosmus I. oder den Großen, aus einem andern Zweige derselben Hauptlinie, zum Herzoge von Florenz. Cosmus I. besaß, wie seine Nachfolger, zwar die Verschlagenheit, aber nicht die Tugenden der großen Mediceer, deren Thaten er seine Größe verdankte. Diese Größe zu sichern , ließ er sich vor Allem angelegen sein, die Erbfeinde seines Hauses, die Medici (Cvsimo bei) Slrozzi, I',5-1 gänzlich zu vertilgen. Zur Beschüßung des levantischcn Handels gegen die Türken stiftete er einen neuen geistlichen Orden, den von St.-Stephan. Er war ein eifriger Sammler von Altcrthümcrn und Gemälden, auch stiftete er die große Sammlung von Bildnissen berühmter Maler und vermehrte fortdauernd die Statucnsammlung im Garten Loreuzo's des Prächtigen. Ihm verdankt man auch die Gründung der florenkin. und der Zeichcnakademie im 1.1562. Sein „Viaggio per 1'altu Itulis, üescritto «lub'il.l'irriclii" gab mit neuen Erläuterungen Moreni (Flor. 1828) heraus. Nachdem er sich mit Hülfe der Spanier 1557 auch zum Herrn von Siena gemacht und durch mehre andere Erwer- bringen das Gebiet von Florenz erweitert hatte, ließ er sich 1569 vom Papst PiuS V. dm Titel als Großherzog von Toscana geben und starb 1575. Erst indeß sein Sohn und Nachfolger Franz erlangte 1575 vom Kaiser Maximilian II., dessen Schwester Johanna er heirathete, für eine große Summe Geldes die Bestätigung des großherzoglichen Titels. Frauz's zweite Gemahlin war die berühmte Vcnetianerin, Bianca Capello (s. d.)z seine Tochter Maria wurde die Gemahlin Heinrich's IV. von Frankreich. Dieser Zweig der M. hatte nicht, wie der ältere, den Handel aufgegcben. Selbst als Fürsten trieben ihn wie Cosinus I. und Franz so auch Ferdinand I., geb. 1559, der früher Cardinal, fencm als Bruder 1587 in der Negierung folgte, und sein Sohn Cosmus II., geb. 1596, Großherzog seit 1668. Unter ihnen standen zu Florenz Künste und Wissenschaften in erfreulicher Blüte, und daran sowol als an der seinen Politik, besonders bei dem bedenklichen Verhältnisse zwischen Spanien und Frankreich, erkannte man noch die Erben der großen Mediceer des 15. Jahrh. Ganz anders aber wurde es unter Ferdinand II., geb. 1616, Cosinus'II. Sohn, der 1621 in einem Alter von elf Jahren zur Regierung kam. Während seiner Minderjährigkeit hatte die Geistlichkeit und durch sie der päpstliche Hof einen höchst verderblichen Einfluß auf die Staatsverwaltung gewonnen und ihn dahin gebracht, die Politik scincrVäter zu verlassen und sich Spanien und Ostreich anzuschließen, eine Freundschaft, die von diesen Höfen benutzt wurde, ungeheure Summen baaren Geldes aus dem für unerschöpflich geachteten Schatze des M. zu ziehen. Ferdinand 11. regierte 59 Jahre und starb 1670; ihm folgte sein mönchisch erzogener, zur Negierung ganz unfähiger Sohn, Cosmus III., geb. 1642, der wieder 55 Jahre regierte und 1723 starb. Unter ihrer Regierung gerieth Toscana durch ungeheure Staatsschulden und durch Versiegen aller Quellen des Nationalwohlstandes in die traurigste Lage. Zum Glück für das Land war Johann Gasto, geb. 1671, der Sohn Cosmus' III., der Letzte seines ohne Hoffnung der Wiedergeburt ausgearteten Stammes. Er starb am 9. Juli 1737 nach einer thatenlosen Regierung und hinterließ, zufolge der eventuellen Bestimmung des wiener Friedens von 1735, sein Großhcrzogthum dem Hause Lothringen. Der Herzog Franz Stephan (s. d.) von Lothringen und Großherzog von Toscana, nachmals Kaiser Franz I., traf mit der Schwester Johann Gasto.'s, der verwitweten Kurfürstin von der Pfalz, Maria Anna, gest. 1743, einen Vergleich, wodurch er sämmtliche Allodialgüter ihres Hauses, also auch alle Kunstschätze und Alterthümcr, die ihre kunstliebenden Ahnen gesammelt, an sich brachte. — Von einem jüngern Zweige der M., der fürstlichen Familie Ottajano, der sich schon im 14. Jahrh. abtrennte, stammte der Staatsminister des Königs beider Sicilien, Don Luigi, gewöhnlich Ritter Medici genannt, geb. 1766, der sich schon als Acron's Nachfolger seit 1865 durch Verbesserung der Finanzverwaltung verdient machte, 1815 Policeiminister, überdies >818 Finanzminister, später auch Minister der auswärtigen Angelegenheiten und Obersthofmeister wurde, und am 25. Jan. > 830 in Madrid starb. Medici (Cosimo bei), geb. 1389, der Sohn Giovanni bei M., wurde schon 1416 Mitglied der Signoria. So wenig er auch gegen die herrschende Partei der Albizzi etwas unternahm, so bildete er doch bald durch die große Freigebigkeit, welche sein ungeheurer Ncichthum ihm gestattete, eine neue zahlreiche Partei um sich, die, auf die Albizzi eifersüchtig, nichts versäumte, diese zu schwächen. Obgleich dies nickst auf Cosimo's Antrieb geschah, und seine Partei sich nicht nach ihm, sondern nach einem gewissen Puccio Pucci nannte, so mußte er doch vom Anfänge an den Albizzi als ihr gefährlichster Feind erscheinen. End- lich im I. 1433 verhaftet, vermochte er nur durch Bestechung des Gonfaloniere Bernardo Guadagni den ihm von Rinaldo Albizzi zugedachten Tod in eine Verbannung nach Patz KW ^ 440 Medici (Lorenzo dei) Medici« dua zu verwandeln. Doch waren seine Freunde so zahlreich, daß ein Jahr nachher die Fj. gnoria ihn zurückrief und Ninaldo und dessen Anhänger verbannte, sodaß nun die Partei der M. die herrschende wurde. Glcichwol verschmähte Cosimo, Gewalt gegen seine Feinde zu brauchen; nur einige Verdächtige ließ er 1442 verbannen. Auch als der verdiente Neri Capxoni sich seiner Politik widersehtc, wußte er denselben durch Gunstbezeigungen für sich zu gewinnen. Immer in anscheinender Gleichgültigkit und Unthätigkeit, liebte er, Andere zu seinem Vorthcil handeln zu lassen. Wie früher Puccio Pucci das Haupt seiner Partei geheißen, so ließ er, immer im Hintergründe bleibend, seit 1458 die Republik durch Luca Pitti regieren. Dabei machte er sich zum Gesetz, sich in seinem häuslichen Leben nie vor Ändern durch Aufwand und Neid erregende Pracht auszuzeichnen; seinen Überfluß verwendete er auf öffentliche Bauten, mit denen er Florenz schmückte, und zu einer glänzenden Freigebigkeit nicht nur gegen seine Anhänger, sondern besonders gegenKünstler und Gelehrte. Namentlich genossen Argyropulos, Marsilius Ficinus u. A. seine Wohlthaten in reichem Maße; denn er selbst war ein gebildeter und kcnntnißreicher Freund der Wissenschaften, ohne darum ein minder thätiger Kaufmann oder minder wachsamer Staatsmann zu sein. Es wäre ihm leicht gewesen, sich mit Fürsten zu verschwägern; aber er verhcirathetc seine Söhne und seine Enkelinnen mit Töchtern und Söhnen florent. Bürger. Mit gleicher Klugheit leitete er auch die äußern Angelegenheiten der Republik in den schwierigen Verhältnissen mit Neapel, Mailand und Venedig, worin seine über die Welt verbreiteten kaufmännischen Verbindungen und sein unermeßlicher Credit ihn kräftig unterstützten. Nach, dem er Alles gcthan, was seines HauscsMacht befestigen konnte, starb er am I7.Nvv. UlU. Medici (Lorcnzo dei), mit dem Beinamen iVlsxnilic», d.i. der Prächtige, gcb. UaS, der Sohn des Pietro dei M., bekleidete nach des Vaters Tode im I. 148S bis zu seines Bruders Giuliano Ermordung im I. >478 gemeinschaftlich mit diesem die Würde eines Staatsoberhauptes von Florenz. Glücklich dem ihm ebenfalls zngedachken Tode entronnen, sah er sich, als nunmehr alleiniges Haupt seines Hauses, in dem Vorsteheramtc der Republik durch die Liebe der Bürger um so mehr befestigt und führte dasselbe würdig seiner Vater, die er an Klugheit und Mäßigung, wie an Großmuth und Freigebigkeit, besonders aber an thäligcm Eifer für Künste und Wissenschaften noch übcrtraf. Durch Bündnisse mit Venedig und Mailand wußte er Florenz zunächst gegen die feindlichen Absichten des Papstes und des Königs von Neapel zu decken; dann gewann er den König von Neapel, der bisher der erbittertste Feind der Florentiner gewesen, sich zum herzlichsten Freunde und zum Bundesgenossen gegen die Angriffe des unversöhnlichen Papstes und der treulosen Venetianer. Überhaupt brachte er durch seine redliche und kluge Politik die Hauptmächte Italiens in ein Gleichgewicht, welches bis zu seinem Tode Allen Sicherheit und Raum zur Ausbreitung und Befestigung ihres Wohlstandes gewährte. Große UnglückSfälle nötkigtcu ihn, den Handel, welche» er noch immer fdrtgeführt hatte, aufzugebcn und beim öffentlichen Schatze große Summen zu borgen; dennoch blieb er, als er sein Vermögen aus den Geschäften zog, reich genug, um bedeutende Herrschaften anzukaufen und nicht nur diese mit prächtigen Palästen, sondern auch Floren; mit herrliche» Gebäuden zu schmücken. Während des langen Friedens, den seine Klugheit der Republik sicherte, ließ er in Floren; glänzende Volksfeste feiern, sich selbst aber umgab er mit den geistreichsten Gelehrten seiner Zeit, wie Demetrius Chalkondylas (s. d.), Angclo Poli ziano (s. d.), Cristoforo Landini (s d.), Pico v on M i ra » do la (s. d.) u. A., die sein Ruhm und seine Einladung nach Florenz zogen und die seine Freigebigkeit belohnte. Er vermehrte die von Cosimo gestiftete, an Handschriften reiche Mcdiccische Bibliothek und eröffncte eine Schule der zeichnenden Künste in einem eigens dazu eingerichteten Gebäude. Geehrt von allen Regenten Europas, geliebt von seinen Mitbürgern, starb er am 8. Apr. I4!>2. Vgl. Fabroni, „Vita ^»»rentii K." (2 Bdc., Pisa 178a, a.) und Roscoe, „Hie lile <>54,nr. U." (deutsch von Sprengel, Derl. 1 l87). Die „Opore ili I^orr-Iir» 82«, auf Kosten des Großhcrzogs Lcoxold's II. in einer Prachtausgabe erschienen, sind die erste vollständige Sammlung der Gedichte dieses berühmten Fürsten. Medici« würde der Etymologie nach die Kunst zu heile» bedeuten, jedoch ist dieser Begriff viel zu eng gefaßt, als daß er Das enthielte, was wir unter diesem Worte verstehen. 441 Medicin Ehe wir nämlich zu der Kunst zu heilen vorschreiten können, müssen wir durch die Wissenschaft, welche uns diese lehrt, dazu vorbereitet werden, che wir Krankheiten annchmen kön- l nen, müssen wir dir Gesundheit kennen, und ehe uns der Begriff der Gesundheit im Gan- j zen klar werden kann, müssen wir das Einzelne im regelmäßigen Zustande erforscht haben. Dieses Einzelne ist aber nicht nur der Mensch in allen seinen körperlichen und geistigen Theilcn, sondern auch Alles, was auf den Menschen irgend einen Einfluß haben kann, also die ganze Natur und das Leben. Daher können wir die Medicin in drei Wissenschaften ab- theilcn, deren jede an und für sich schon einen bedeutenden Umfang hat, nämlich die Natur- künde überhaupt mit der genauen Kcnntniß des menschlichen Körpers und Geistes im regelmäßigen Zustande; ferner die Kenntniß des unregelmäßigen krankhaften Zustands des thierischen und menschlichen Organismus, und endlich die Lehre, den unregelmäßigen Zustand durch die von der Natur gebotenen Mittel wieder zur Regelmäßigkeit zurückzuführen. Die philosophische Verbindung dieser drei in ihrem Wesen abgesonderten Thcile zu einem harmonischen Ganzen bildet erst den vollkommenen Begriff der Medicin. Hieraus ergibt sich zugleich die Reihenfolge, in welcher die Medicin gelehrt und gelernt werden muß, indem nicht nur im Ganzen, sondern auch im Einzelnen ein Fortschrciten von der Theorie zur Praxis sich als nöthig herausstellt. Noch che jedoch die einzelne» DiSciplinen mit Vortheil in Angriff genommen werden können, ist eine nicht geringe Masse von Vorkenntnissen cr- foderlich, ohne welche das Studium der Medicin unmöglich sein würde; dahin gehört die Kenntniß der alten und der gangbarsten neuen Sprachen, der Mathematik, der Philosophie und der allgemeinen Geschichte. Die erste Zeit des Studiums der Medicin wird sonach durch die Naturkunde in Anspruch genommen werden, und in diese gehören zuerst Physik (s. d.) im engcrn Sinne, Chemie (s. d.), Kosmologie (s. Kosmogenie), Geologie und Gcogenic (s. Geognosie), Botanik (s. d.) und Zoologie (s. d.). Ist durch diese Wissenschaften eine Ansicht der Natur im Ganzen gewonnen worden, so folgen nun die den ^ Menschen besonders betreffenden Disciplinen, die Anthropologie (s. d.), Psychologie j (s-d.), Somatologie oder Anatomie (s. d.) und Physiologie (s. d.). Hierauf tritt als zweiter Haupttheil die Pathologie (s. d.) auf, welcher dann sich als dritter die The- ! rapie (s. d.) anschließt. Sowie alle die genannten einzelnen Disciplinen wieder in Unter« abthcilungcn zerfallen, so umfassen namentlich die beiden letzter« eine bedeutende Zahl derselben und zu der Therapie kommt noch die Lehre von den Arzneimitteln (s. Pharma ko- logie) und der Art ihrer Behandlung und Anwendung (s. Pharm aci c) hinzu. In diese letzte Classc gehören eigentlich auch die früher noch mehr als jetzt mit Unrecht von der Medicin als völlig geschieden betrachtete Chirurgie (s. d.), welche nur eine besondere Classe Heilmittel kennen und anwenden lehrt, und die mit ihr verwandte Geburtshülfe (s. d.). Sowie die Medicin in dieser Reihenfolge ihrer einzelnen Unterabthcilungen nach und nach von dem großen Ganzen der Welt und Natur auf das einzelne Individuum übergeht, so breitet sie sich von diesem wieder auf eine größere Menge aus als Staatsarzneikunde (s. d.) und beschließt, wie sie mit allgemeinen Vorkcnntnisscn begann, mit ebenso allgemeinen Wissenschaften, nämlich der Literatur und Geschichte der Medicin, den ihr angchörigeir Kreis. So verschieden voneinander auch alle diese Wissenschaften erscheinen mögen und in ihren Anfangsgründen gelehrt werden können, so stehen sie doch in Inniger Verbindung, so- daß die eine stets durch die andere ergänzt wird, wie ;. B. oft auf pathologische Leran- , derunge» die Anatomie sich stützt und durch therapeutische Beobachtungen erst pathologische ' Entdeckungen gemacht werden. Dieses ist auch der Grund, daß die Medicin kaum in ihrem ersten Theile als eine feststehende, keinem Zweifel Raum gebende Wissenschaft erscheint, und daß bei der Lehre von den Grundstoffen des menschlichen Körpers schon die Verschiedenheit der Ansichten beginnt. Je mehr sich dann die Wissenschaft von der positiven Anschauung aus dem Reiche der Vor- f aussetzungcn und Schlüsse nähert, und in diesem selbst vorschrcitet, um so abweichender , werden die aufgestelltenBehauptungen. Diese Abweichungen der Ansichten und die vcrschie- > denen Wege, welche man zur Erreichung des Hauptzwecks der Medicin cingeschlagc» hat, lassen sich am besten unter drei Gesichtspunkte bringen, welche auch zugleich in geschichtlicher Hiniicht die Entstehung und Fortbildung der Medicin darstcllcn. Die erste und unterste 412 Medicin Stuft ist der Empirismus (s. d.). Die zufällige EntdcMrrg eines Mittels und seiner Heilkräfte gegen eine Krankheit hatte die Anwendung desselben in einem ähnlichen Falle zur Folge und somit war der Grund zur künftigen Mcdicin gelegt. Allein der Empirismus dlicb dabei stehen, hielt sich lediglich an die Erscheinung und handelte nach ihr, unbekümmert um die jedesmaligen Ursachen dieser Erscheinung und um die verschiedenen Individualitäten, die sic boten. Dem Empirismus im schroffsten Gegensätze gegenüber stellte sick der Dogmatismus (s. d.), welcher eine hypothetische Behauptung, die das Wesen des Lebens erklären sollte, aufstcllte, von dieser aus weilerschließend, Gesundheit und Krankheit definirte, und so zu einer festen Regel die Gesundheit zu erhalten und die Krankheit zu hei- s len gelangt zu sein glaubte. So entstanden die Systeme der Mcdicin, welche sämmtlich auf s uncrweisbaren Sätzen beruhen, und sonach in den darauf gebauten Konsequenzen zwar geistreiche Auffassungen der Mcdicin, keineswegs aber sichere Anhaltepunkte für die Ausübung derselben darbieten. Auch sind nur selten die Urheber dieser Systeme in ihrem praktischen Wirken sich selbst treu geblieben. Zwischen beide trat vermittelnd der Rationalismus (s. d.) ein, welcher nicht in der einseitigen Auffassung der Krankheitssymptomr oder den aus einem System herausgesponnenen Krankheitsursachen den Weg zurErkenm- niß des Leidens und des anzuwendcnden Mittels suchte, sondern sich auf treue Naturbeobachtung stützend, dieselbe zu vorsichtigen Schlüssen benutzend und stets die besondere Art des ihm vorliegenden Falles im Auge behaltend, vor Allem die Ursachen der Krankheiten und somit in den meisten Fällen diese zugleich zu heben strebte Freilich muß auch er in nicht seltenen Fällen sich dem Empirismus nähern, wenn die pathologische Kenntnis nicht bis zur Ursache des Leidens dringt, aber er wird in solchen Fällen lieber ein be- ^ währtes Mittel anwenden, auch wenn ihm die Art, wie cs heilen kann, nicht klar ist, als der Natur durch ein Verfahren Zwang anthun wollen, welches sich aus eine Hypothese gründet. Auch ist die Heilkraft der Natur selbst die mächtigste Bundesgenossin des Rationalismus. Da das erste Entstehen der Mcdicin rein auf Empirismus sich gründete, s so war auch ein langer Zeitraum nvthig, um diese Wissenschaft bis zum Rationalismus - hindurchzuführcn, wobei wohl zu bemerken ist, daß sie eigentlich von ihrem Ende aus begann, mit der Therapie den Anfang machte und die ganzen Kenntnisse, aus welche diese sich stützen soll, noch nicht vorhanden waren. Um diese Kenntnisse zu ersetzen, trat der Dogmatismus ' mit seinen hypothetischen Grundlehren auf, welcher, da immer neue Annahmen auftauchten, erst nach und nach durch Fortschritte in der Naturkunde in seinem Ansehen geschwächt werden konnte und auch jetzt noch nicht ganz verdrängt ist, indem noch immer einzelne Lehren und Systeme erschaffen werden, welche trotz ihrer Einseitigkeit Anhänger unter Ärzten und Nichtärzten gewinnen, da hingegen der Rationalismus schon oft und vor langen Zeiten durch einzelne hochbegabte Geister geltend gemacht, aber fast ebenso oft von Andern, welche jene nicht verstanden, verdrängt, nur erst in der neuern Zeit zu einer Allgemeinheit gelangt ist, die er noch nie hatte und die er der außerordentlichen Vervollkommnung der Naturwissenschaften verdankt, welche der Fleiß der letzten Zahrzehende ihm als Stütze gab. So ist das Streben nach einem Universalmittel gegen alle Krankheiten, welches schon vom grauen Alterthume her viele Kräfte, die eines bessern Zieles würdig waren, aufzebrtr, noch immer nicht ganz erloschen, und gibt uns in der neuesten Zeit, in der strengsten Art, der W «sserhei lkundc (s. d.), einen vollgültigen Beweis seines fortdauernden Daseins. Den Gang, den in dieser Hinsicht die Fortbildung der Mcdicin genommen hat, lernen l wir aus der Geschichte kennen, welche zugleich den Bestrebungen des Einzelnen sowol wie ' ganzer wissenschaftlicher Verbindungen und der sogenannten Schulen durch die einfache Thatsache ihres Fortbestehens oder Untergehens das gerechteste Urtheil spricht. Sie zeigt ^ uns eine Menge glänzender Erscheinungen im Reiche der Medicin, aber ihr Verlauf läßt ! uns zugleich erfahren, inwiefern das Ansehen, welches eine, die Geister ergreifende und zuweilen unterjochende Lehre erlangte, in der Persönlichkeit des Urhebers derselben oder in ihr selbst begründet war, und inwiefern die Männer, denen die Medicin sichtbare Fortschritte , verdankt, von ihrem Zeitalter richtig verstanden oder falsch aufgcfaßt wurden. Sie zeigt uns, wie Wahres und Falsches in derselben Zeit entstanden ist und dasselbe Ansehen genossen hat, wie aber die nachfolgende Zeit nach und nach das Wahre vom Falschen sonderte, wil zm Ja der Ne sch. gre He ton wo E» (st PH best fan geh schc Mr MN Na Wi Na IM! den dur die ww Ker den und erst sein hat> lieh 8eh scha ab; nur mei g-b Ae Zei kok her sich die erh der ger ein her Gc des I Mediciu 443 wie große und wichtige Entdeckungen erst von Vorurtheilcu bezweifelt und bekämpft, ja zuweilen fast gänzlich wieder unterdrückt, doch am Ende, und geschah .cs auch erst nach Jahrhunderten, ihre siegende Kraft entfalteten und einem neuen Geschlechte auf der Bahn der Erkenntlich voranleuchteten. Im grauen Alterthume war die Mcdicin innig mit der Neligionslehre verbunden; der Glaube an heilende Gottheiten, welche nicht nur den Menschen die Heilkunst lehrte», sondern auch selbst bei der Wirkung der Mittel auf eine unbegreifliche Art ihren Einfluß geltend machten, bildet die erste Periode der Geschichte der Heilkunde. Hier war noch, wie sich jede andere Art von Bildung in dem Priestcrstande concentrirte, auch die Medicin in den Händen der unmittelbaren Diener der Gottheit, , wobei die theoretische Kcnntniß sich fast nur auf etwas Kräuterkunde beschränkte, und der Empirismus in seiner ganzen Macht herrschte. Besonders waren es dieAsklepiadcn > ss. d.), denen die Pflege der damaligen Mcdicin anvertraut war. Durch die allgemeine ! Philosophie, welche in ihren Systemen den Ideen über Gottheit, Natur und Mensch eine bestimmtere Gestaltung gab, gezwungen, den Schleier desTempelgehcimnisscs abzuwerfcn, fand die Medicin im großen unsterblichen Hippokr ates (s. d.) einen Bildner, der das gesammelte Erfahrungsmaterial und die philosophische Weltanschauung zu einer Wissen- l schaft zusammenfügte, in deren Pflege und Weiterbildung er selbst als unübertroffenes Muster dasteht, indem Zusammenstellung der Erfahrungen und Ableitung von Schlüssen cinen reinen, echten Rationalismus in ihm hervorbrachten. Jedoch der Mangel an positiver Naturerkenntniß und an Beobachtungsgeist, verbunden mit dem Streben, der jungen Wissenschaft eine Festigkeit zu geben, die sie ihrer damals freilich noch nicht erkannten Natur nach nie gewinnen konnte, ließ die Nachfolger des Vaters der Medicin in den Dogmatismus verfallen. Die Ausstellungen, die jeder nach Principien verfahrende Arzt an denen Anderer zu machen hatte, riefen eine Menge verschiedener Systeme ins Leben und durch die dogmatische, empirische, methodische, pneumatische und eklektische Schule wurden die Ansichten wie die Kräfte so cersplittert, daß ein Mann wie Galenus (s. d.) erfodcrt wurde, um diese Verwirrung wieder zu einer Harmonie zu vereinigen. Ausgestattct mit den Kenntnissen im Gebiete derMnatvmie und Physiologie, welche namentlich unter und nach den Ptolemäern in Alexandria in dem vergangenen Zeiträume gewonnen worden waren, und eingewciht in die Philosophie der Vor- und Mitwelt, führte er auf dem Grunde der erster« ein System der Medicin auf, welches nach ihm durch das ganze Mittelalter hindurch seine Festigkeit erhielt. Die politische Umgestaltung von ganz Europa mit ihren Stürmen hatte um diese Zeit die Medicin aus den von german. Stämmen besetzten Ländern gänzlich vertrieben und in die Hände der Araber gegeben, welche jedoch auch die Galcnischen Lehren mit den Ländern, die sie eroberten, als Beute überkommen hatten und die Wissenschaft selbst fast neu erhielten, ohne sie weiter fortzubilden, denen aber das Verdienst nicht abzusprcchen ist, durch Vervollkommnung einzelner Doctrinen zur später« Vervollkommnung des Ganzen beigetragen zu haben. Der wahre wissenschaftliche Geist in seiner Allgemeinheit war in dem immer mehr und mehr sich verkleinernden griech. Kaiserreiche zurückgeblieben und flüchtete, als seine bisherige Heimat endlich ein Schauplatz der wildesten Verheerung wurde, in das nach langen Stürmen ruhende Abendland, wo er von dieser Zeit an eine bleibende Stätte fand. Das erneuerte Studium der alten Schriften über Medicin, namentlich der des Hippokrates, erhob diesen Begründer der Wissenschaft endlich zu seinem verdienten, ihm vor- ^ her »och nicht gespendeten Ansehen und läuterte die auf irrigen Annahmen ruhenden Ansichten durch Zuziehung der unterdeß errungenen Kenntniß der Natur. Jedoch schon ehe die Hippokratische Medicin durch einzelne glänzende Beispiele sich wieder in ihrer Reinheit ^ erhob, mußte das Galenische System den aus ihm selbst genommenen Widerlcgungsgrün- l denamd einer neuern, der Cultur und den Fortschritten der Naturwissenschaften entsprun- genen höhern Anschauung der Medicin weichen, einer Anschauung, die in ihren Lehren sich einem Mysticismus anschloß, der nicht wie früher in die Tempel sich verschloß, sondern offen ! hervortretend umVerbreitung kämpfte. Durch Paracelsus' (s. d.) Feuereifer stürzte des Galenus Gebäude zusammen. Vergebens suchte der Dogmatismus auf den Trümmern ! desselben sich von neuem eine Alleinherrschaft zu gründen; Paracelsus selbst, van Hel« » 7 ^ Medleu mont(s. d.), SylviuS (s. d.) unternahmen es, das iatrochemische System aufzufühküi; nach Harvey's (s. d.) Entdeckung des Blutumlaufts traten die Jatromathemoti- ker (s. d.) auf, und die verschiedenen Systeme von Friedr. Hoffman.» (s. d.), Stahl - (s. d.), B ro w n (s. d.), H a h n e man n (s. d ), Bro u ssa i s (s. d.) und Nasori folgt«. Sowie von jeher die Gestaltung der Philosophie in einem jeden Zeiträume in der Auffas. sung der Meinem reflcctirte, so konnte auch im > 9. Jahrh. der Einfluß des naturxhiloso- phischen Systems von Schelling (s. d.) nicht ansbleiben und erreichte auf der praktisch!!, Seite in Kieser's (s. d.) System der Meinem und aus der theoretischen in K. N. Hofs. ! mann's „Jdealpathologie" (Stuttg. ,83-t) seine höchste Spitze. Aber alle die Genamit« s gewannen nur einen beschränkten Kreis von Anhängern und ihre Systeme konnten de» u». f gleichen Kampf mit der ruhig ihren Gang fortschreitenden Wissenschaft nur eine Zeit lang förtführc». Diese gewann aber durch den einfachen Grundgedanken, daß alles ärztlich! Wirken sich aus eine getreue, unbefangene Naturbcobachtung stützen müsse und durch dm Fleiß, welchen dieser Gedanke hervorrief, fortwährend an Ausbildung in allen ihren einul. neu Zweigen, welches die Ungeheuern Fortschritte der Physik seit E alilei (s. d.), der Kos- mologic seit Kop ernicus (s. d.), der Naturkunde im engem Sinne seit Buffo» (s.d.) und Linne (s.d.), der Anatomie und Physiologie seitHarvey und Haller (s. d.) u.s.ti. genugsam beurkunden. Durch alles Dieses wurden dem Rationalismus hinreichende Mittel gegeben, sich unabhängig vom Empirismus und Dogmatismus zu erhalten, und derselbe berechtigt, in den schon errungenen Triumphen sichere Bürgen für künftige zu erblickm. l Wenn freilich der Gewinn, den die Therapie als höchsten Endzweck der Medicin ans oll« diesen Entdeckungen gezogen hat, noch Bielen, namentlich den Uneingeweihten, nichtklor ist, oder sich nicht als genügend heraussiellt, so muß zwar bemerkt werden, daß allerdings dieser Thcil der Medicin mit den andern in der Vervollkommnung nicht gleichen Schritt gi- halten zu haben scheint, daß aber die Therapie die leidende Menschheit als Object hat und ^ der Experimentation dadurch eine feste, nur vorsichtig zu überschreitende Grenze gesetzt ist, indem die blose Überzeugung von der Heilkraft eines Mittels ohne gegründetere Beobachtungen den Arzt noch nicht berechtigt, cs andern genauer bekannten vorzuzichen. Hat sich nun durch den Mangel an Fortschritten in der Therapie in der neuesten Zeit aus der einen Seite ein oft vom Zweifel in der Wissenschaft bis zur Verzweiflung an derselben steigender Skepticismus geltend gemacht, so hat man auf der andern angefangen, durch Untersuchung der organischen Veränderungen, welche eine Krankheit im Körper hervor- bringt, diese selbst genauer kennen zu lernen, um nach Feststellung der Beschaffenheit einer Abnormität leichter das Mittel zu finden, letztere zu entfernen. Es ist die pathologische Anatomie und Physiologie, welche mit Messer, Retorte und Mikroskop ausgerüstet, dil Krankheit bis in ihre kleinsten Details verfolgt, welche weder allein den Erscheinungen, di! ans der äußern Oberfläche des Körpers den unbewaffneten Sinnen sich darbieten, noch dem Schluffe, der sich ans einer Hypothese über das Wesen des Lebens hcrleiten läßt, die Gründe für ihre Diagnose entnimmt, sondern sorgfältig die Erscheinungen vor dem Tode mit din Ergebnissen der anatomische» Untersuchung nach demselben vergleicht, die gewonnenen Aufklärungen auf ähnliche Fälle überträgt und so die Masse des Positiven vermehrend, der Medici» und namentlich der Therapie eine breitere, festere Basis untcrzulcgcn verspricht- Bei dem Fleiße, der in der neuesten Zeit sich in Hinsicht auf diese Wissenschaft sowol als in ^ allen andern zur Medicin gehörigen überall regt und einen unendlichen Schaß von Matt- z rial aufgehäuft hat, ist cs wohl zu erwarten, daß auch bald ein ordnender Geist prüfend und sichtend cingrcifcn und dem aufgcfundencn Guten die Stelle anwciscn werde, die es . seiner Natur nach ausfüllt. Vgl. Kurt Sprengel, „Versuch einer praamatischen Geschichte der Arzneikunde" (."> Bde., -s.Aufl., Halle 182,-28); Choulant, „Tafeln zur G-M- § der Medicin" (Lpz. 1822, Fol.); Hecker, „Geschichte der Heilkunde" (2 Bde., Verl. >8^ —29) und Friedländer, „Vorlesungen über die Geschichte dcrHcilkunde" lLpz. l Medien hieß im Alterthume der größtcntheils gebirgige nordwestliche Theil von l Iran; es wurde im Norden durch das Kaspische Meer, im Osten durch Parthic», >>" Süden durch Persien, im Westen durch Assyrien begrenzt, und umfaßte die heutigen per- ! Provinzen Aserbcidschan, Ehilan, Masendcran und Irak Adschemi. Die Meder wart» ^ di de ni LI ei! R P de C Pl A sei (s S pe de w. D m E S an S In ai W! S ei< K eil ne su gr ve H U! Li ln L d! st (l 8 >r 8 V! u si si a Medigo Medina 445 rcn> »ti- ahl ßui, ffas- l°s«> chm °ff- nie« lli». ls»g lichi idlN N»!l> ßos- s.d) s.1. cken> illm kl-r inz» !gi. Md >> ä'ß, L-. chm. tauf !lbm ' »mH c»l>I< ein» Mi , di! >,di! dllll IMd! tdlll Ans- , dk! riibl. llsin l!att> !, ifend ' riüS ^ jich" Mt! ! lsrü .ZS), vsn l !, >»> perl. . >art« durch Sprache, Religion und Sitte mit den Sogdianern und Baktriern, am nächsten mit den eigentlichen Persern verbunden und bildeten mit ihnen den arischen Zweig des indoger- man. Stammes. (S. Indogermanische Sprachen.) Nachdem sie, früher als die andern arischen Völker, sich von dem Joch der Assyrer befreit hatten, um 7»«« v. Chr., vereinigten sich, nach Herodot, die einzelnen Stämme und wählten den Dcjoces zu ihrem Züchter und Oberhaupt, dem sie Ekbatana (s. d.) als Hauptstadt erbauten. Sein Sohn Phraortes unterwarf die Perser, fiel aber gegen die Assyrer. Das Reich derselben, mit dem babylon. Nabopolassar verbunden, zerstörte um 600 v. Chr. des Phraortes Sohn Cyaxares (s. Assyrien), der auch die scythischen Horden, die Vorderasicn und Syrien plündernd durchstreift hatten, als sie M. heimsuchten, überwand. Ein Krieg, den er mit Alyattes von Lydien (s.d.) führte, wurde durch die Vcrheirathung von dessen Tochter mit seinem Sohn Astyagcs beendet. Astyages selbst wurde 560 durch seinen Enkel Cyrus (s.d.) derHcrrschaft beraubt. Damit hörte das »irdischeReich auf zu bestehen und an seine Stelle trat das der Perser, denen Cyrus durch seinen Vater angehörte. Die drei edelsten pers. Stämme erhielten durch ihn zwar den Vorrang vor den Medern, übrigens aber wurden diese den Persern völlig gleich behandelt, und die Priesterkaste der Magier bestand fortwährend nur aus Medern; Ekbatana aber wurde die Sommerresiden; der pers. Könige. Diese, pers. Provinz M. eroberte Alexander der Große 330 v. Chr. und gab sie dem Par» mcnio zur Verwaltung; nach dessen Tode erhielt sie Python, der mit Antigonus gegen Eumenes kämpfte. Durch Seleukus l. Nikator wurde M. ein Thcil des syr. Reichs der Seleuciden (s. d.) und einer derselben, Antiochuslll. (s.d.), fügte nach 220 v. Chr. auch das Küstenland zwischen dem Albors und dem Kaspischen Meere, das nach einem Satrapen des Darius, Atropates, bei dessen Nachkomme» cs blieb, Atropatene oder im Gegensatz gegen das übrige M. Klcinmcdien genannt wird und das Alexander auf seinem Zuge nickt berührt hatte, zu seiner Herrschaft, da dessen Fürst Artabazanuö sich willig unterwarf. Durch den Arsaciden Mithridates I. wurde M. dem syr. Könige Demetrius Soker 152 v. Chr. entrissen und gehörte nun zu den Ländernder Parther (s.d.). Einen eignen König hatte cS um 36 v. Chr. an Artavasdes, gegen den der Triumvir Antonius Krieg führte. Im I. 216 n. Chr. machte Caracalla auf seinem Zuge gegen die Parther einen Einfall in M. Medigo (Joseph Salomo del), der Sohn Elia's Ben Elieser, aus einer ausgezeich- neten, aus Deutschland stammenden jüd. Familie, gcb. am 16. Juni >501 in Candia, studirtc in Padua, wo er Galilei hörte und sich in Philosophie, Astronomie und Heilkunde große Kenntnisse erwarb. Nack kurzem Aufenthalte in seiner Heimat, die er >616 wieder verließ, machte er Reisen nach Ägypten, der Türkei und Polen, wo er >621—24 verweilte. Hierauf wurde cr Hausarzt bei dem Fürsten Radziwil. Später wendete er sich nach Hamburg und Glückstadt, und ließ sich um 1628 in Amsterdam nieder, wo er gegen 20 Jahre gewohnt zu haben scheint. Zuletzt ging er nach Prag, wo er am 16. Oct. 1655 starb. Er strebte in allen Fächern nach klarerErkenntniß, und behandelte jeden Gegenstand großartig. Namentlich war er auch ein großer Kenner der Literatur. Leider besitzen wir von ihm nur einzelne Versuche und Bruchstücke, die von seinen Zuhörern und Freunden hcrausgcgcben wurden; dahin gehören „Elim und Maja» Gannim" (Amst. 1620); eine Sammlung von Auf. sähen über Philosophie, Kabbala u. s. w. (Bas. >620); Hippokratcs' „Aphorismen" (hcbr., Prag) und der Brief „Achus" über hcbr. Literatur (Berl. 1840) j„ dem Werke „Melo Chosnajim"(von Geiger). — Elia Ben Moses Abba del M., aus derselben Familie, unter dem Namen Elia Cretcnsis bekannt, lehrte Philosophie in Padua, wo Pico sein Zuhörer war, schrieb MehrcS in hcbr. und lat. Sprache, und starb 1493. Medina, arab. Mcdinat al Nabi, d. h. die Stadt des Propheten, zwischen dürren Bergen gelegen, in der arab. Provinz Hcdsckas, mit einer Bevölkerung, die sehr abweichend von 6 -20000 E. angegeben wird, ist berühmt durch Mohammed's (s.d.) Flucht dghin und dessen Tod daselbst. Der angeblich noch unversehrte Leichnam des Propheten befindet sich in einem mit kostbaren Teppichen bedeckten Sarge von weißem Marmor, welcher zwischen den Särgen dcr Khalifen Abubekr und Omar in der prächtigen Moschee steht, die auf der Stelle des Hauses erbaut ist, in dem Mohammed starb. Die Wache dabei versehen 4t6 Mednyansky Meer 30 schwarze Verschnittene. Die aus den Geschenken frommer Pilger in der Moschee aus. gehäuften bedeutenden Schätze wurden in neuester Zeit von den Wahabitcn geraubt Außerdem ist die von Mohammed selbst bei seiner ersten Ankunft in M. erbaute Mosch» merkwürdig. Die Stadt hat 30 öffentliche Lehranstalten, treibt einigen Handel, insbesondere über die nahe Hafenstadt Jambo am Nöthen Meere, nährt sich aber vorzüglich als heilige Stadt durch die Pilgrime und die dahin fließenden Geschenke und steht unter dem Großfcherif von Mekka (s. d.). Mednyansky (Aloys, Freiherr von), bekannt als deutscher Schriftsteller, geb. aus einer alten Ungar. Familie am 20. Apr. 1783 zu Priekopa in der thuroczer Gcspanschist erhielt seine erste Bildung im Piaristencollegium zu Trencsin und in der Theresianischtu Nitterakademie in Wien. Nach vollendeten Studien bei der ungar. Hofkammer angestellt zeigte sich sein patriotischer Eifer besonders bei den Vorbereitungen zu dem Kampfe Ostreicks im I. 1809. In Folge des unglücklichen Ausgangs desselben zog er sich auf seine Einer zurück. Durch seine Opposition auf dem Landtage von 18 > > gegen das berufene Finam- patent fiel er bei Hofe in Ungnade. Seitdem wirkte er mehr im stillen Privatkreisc und im Vereine mit gleichgesinnten ungar. Patrioten, bis er > 823 von neuem in der Magnatenkammer als Vorkämpfer für die Freiheiten des Vaterlandes auftrat, und zwar in so würdiger Haltung, daß er zum Mitgliede des Ausschusses ernannt wurde, dem die Vorbereitung ber Gesetzentwürfe für den nächsten Landtag oblag. Im folgenden Jahre trat er auch wieder als Statthaltcreirath in den Staatsdienst und wurde >831 Wirklicher Geh. Nach und >8Z!> Präses der neucrrichteten Studiencommission und der damit verbundenen Censursielle für Ungarn. Auch bekleidete er die Obergespanschaft der Comitate Neutra und Trencsin und starb am >3. Juni 1833. Wie überhaupt jedes für Ungarn gemeinnützige Unternehmen sich seiner Mitwirkung zu erfreuen hatte, so war er auch ein eifriger Beförderer der literarischen Bestrebungen seines Vaterlandes, die er durch zahlreiche Arbeiten in Hammers „Fundgrube", im „Hesperus" und in dem „Archiv" von-Hormayr fördern half, mit dem er 1820—29 das „Taschenbuch für vaterländische Geschichte" herausgab. Von seinen selbstständigen Schriften sind zu erwähnen die „Malerische Reise auf dem Waagflussc in Ungarn" (Pesth 1826; 2. verb.Aufl., >833) und „Erzählungen, Sagen und Legenden aus Ungarns Vorzeit" (Pesth >829). Medoc, s. Bordeauxweine. Medon, der Sohn des Kodrus (s. d.), machte, gleich seinem Bruder, nach dem Tode des Vaters Ansprüche auf den Königsthron, wurde aber statt dessen zum Archonten erwählt. — Medon, ein Sohn deSOileus und Bruder desAjax, wanderte nachPhnlake aus, weil er einen Verwandten seiner Stiefmutter Eriopiß erschlagen hatte, und wurde vor Troja von ÄneaS erlegt. Medusa, s. Gorgo. Medusen, s. Akalephen. Meer heißt im Allgemeinen die ganre zusammenhängende Wassermasse, welche das Festland der Erde von allen Seiten umgibt und wahrscheinlich von Pol zu Pol reicht- Es bedeckt von den 9,280000 n>M., welche die Oberfläche des Erdkörpers mißt, 6 , 83600» kM> und nimmt sonach mehr als zwei Drittheile der gesammten Erdoberfläche ein. Die beiweitem größte Wassermasse kommt auf die südliche Hemisphäre; die Hauptmasse des Festlandes aber findet sich um den Nordpol. Um sich auf dieser großen Wasserfläche leichter orientircn und die wechselseitige Lage der Landmassen bequemer bestimmen zu können, haben die Geographen das Meer in gewisse Hauptabtheilungen zerlegt, deren sie fünf annehmen, die bald Oceane, bald Meere genannt werden. Diese Hauptabtheilungen sind das nördliche Eismeer und das südliche Eismeer (s. d.); das Atlantisch e M eer (s. d.); das Stille Meer oder der Große Ocean, der Australocean oder die Süd fee (s.d.), und das Indische Meer. Bon diesen Hauxtmeeren unterscheiden sie wieder die sogenannten Nebenmeere, größere Meerarme, die von den Hauptmeeren aus in die Ländermassen hineinreichen, auch Binnenmeere ' genannt. Kleinere Einbiegungen des Meers in das Land heißen Meerbusen (s. d.) oder Golfe, Buchten, B ai en (s.d.), Rheden (s. d.) und Häfen (s. d.); Meerarme, welche zwischen zwei Ländermassen hindurchgehen und grössere Meere miteinander in Verbindung Meer 447 setzen, Meerengenss. d.), Straßen, Kanäle oder Sunde; die Ränder des Festlandes, welche das allgemeine Gewässer auf der Oberfläche berühren, Küsten. Sie werden hohe oder Steilküsten genannt, wenn hohe Gebirgsmasscn am Wasser endigen, dagegen Gestade oderStrand, wenn große Ebenen gegen das Meer auslanfen. Das höchste bekannte User findet man an der Westseite von Kilda, einer der wefll. schot. Inseln. Die McercS < icse ist noch sehr unvollkommen erforscht, weil die Mittel, deren man sich zur Messung derselben bedient, ihrem Zwecke nicht vollkommen entspreche». In den tiefen Meeren vermag das Senkblei (s. d.) nicht mehr den Grund zu erreichen, weil, wie schwer man auch das Blei nehmen mag, dennoch die Leine endlich verhältnismäßig so lang wird, daß sie das Blei schwimmend erhält. Daß aber die Tiefe an manchen Stellen sehr groß sein müsse, beweisen viele Erfahrungen; so fand in neuerer Zeit Ellis inderHudsonsbai mit89l Faden (zu6F.) und Capitain Roß in der Baffinsbai mit >"50 Faden erst Meeresgrund; und der jüngere Scoresby will in der Mitte zwischen Spitzbergen und Grünland das Bleiloth gar bis zu einer Tiefe von Faden hinabgelaffen haben. Eine sehr schnelle Abwechselung der Mecrestiefe findet namentlich in der Nähe der Küsten statt. Auch ist erwiesen, daß Binnenmeere in der Regel eine weit geringere Tiefe haben als der offene Ocean. Aus den verschiedenen Tiefen, welche das Meer an verschiedenen Orten hat, können wir nun schließen, daß auch der Meeresgrund, ähnlich der Oberfläche der Erde, wie mit Thälern und weiten Ebenen, so mit Anhöhen, einzelnen Bergen und ganzen Gebirgen ausgestattet sein werde. Die Spitzen und Rücken unterseeischerBerge zeigen sich vorragcnd als Inseln (s. d.) und sicherlich sind die unzähligen niedrigen Inseln, mit denen der Große Ocean übcrsäet ist, und die ihr Dasein derThätigkeit der Korallcnthiere verdanken, nichts Anderes als die höchsten Gipfel von weitgestrcckten unterseeischen Hochflächen. Auch die Bänke im Meere sind solche Erhöhungen des Meeresbodens; sie heißen Sandbänke, wenn sie aus Sand bestehen, Korallenbänke, wenn sie mit Korallengewächsen bedeckt sind und Austerbänke, wenn sie diesen Schaalthieren zum Aufenthalte dienen. Riffe heißen die an der Küste sich hinziehenden Reihen von Felsen und Klippen. In der Ostsee führen die einen Theil der schweb. Küste einfassenden Klippen den Namen Schecren. Das Meer nimmt die meisten das Land durchschneidenden Flüsse in sich auf, ohne selbst einen Abfluß zu haben; es würde daher unaufhörlich zunehmen und steigen müssen, wenn nicht durch die fortwährend an seiner Oberfläche statkfindende Wafferverdunstung ebenso viel Wasser, als in dasselbe zufließt, von der Atmosphäre ausgenommen, als Wolken über die ganze Erdfläche getrieben würde und als Nebel und Regen auf dieselbe wieder herabfiele. Dem allgemeinen Gesetze des Wassers, daß es stets strebt, an seiner Oberfläche einen horizontalen Stand einzunehmen, folgt auch das Meer, und da alle Meere untereinander in Verbindung stehen, so ergibt sich hieraus, daß die Oberfläche des Meeres auch überall dieselbe Höhe haben muß. Deshalb wird auch der M c eresspi eg cl als die einzig wahre Grundlage der Messungen, nach der wir die Höhe des Festlandes bestimmen, allgemein angenommen. So richtig dieser Grundsatz im Allgemeinen ist, so machen doch hiervon die Binnenmeere meist eine Ausnahme, indem diese in der Regel einen höher» Wafferstand haben, als der offene Ocean. Die Ursache davon liegt in der verhältnißmäßig größer«, von de» Küsten aus ihnen zuströmenden Wassermenge, deren sie, vom Festlande nach den meisten Seiten hin eingeschlossen und mit der übrigen Wassermasse nur durch enge Kanäle verbunden, nicht so schnell sich entledigen können. Daß das Meer, wie Einige behauptet haben, in einer fortwährenden Abnahme begriffen sei, läßt sich, trotz der dafür angeführten schein- baren Thatsachen, ebenso wenig erweisen, wie die entgegengesetzte Behauptung, daß eine allmälige Erhebung desselben stattfinde. Nächst den Höhenverschiedenheiten einzelner Theile des Meeres bilden einen noch interessanter» Wechsel des Niveaus die Erscheinungen der Gezeiten oder der Ebbe und Flu t (s. d.). Bon den Gewässern des Festlandes unterscheidet sich das Meerwasser ganz besonders durch seinen eigcnthümlichen Geschmack, der außer seiner salzigen Beschaffenheit noch einen Zusatz von widerlicher Bitterkeit hat, übrigens in den verschiedenen Meeren verschieden und bei größerer Entfernung vom Lande am salzigsten ist. Das Salz verhindert die Fäulniß des Seewassers keineswegs, die Erfahrung lehrt vielmehr, daß das Seewaffer, selbst wenn cs in Ruhe steht, und Alles im Seewaffer 448 Mett ! viel leichter fault, als in reinem Wasser. Dagegen gibt der Salzgehalt dem Meerwassn ! einen Zusatz von specifischcr Schwere, der cs geschickt macht, größere Lasten zu tragen und das Schwimmen erleichtert. Die Mecrcsfarbe im Allgemeinen ist schwach grünlich (meergrün); aber in dieser Grundfarbe treten vielfache Änderungen ein, die bald indem I Leuchten der Sonne, bald in der Farbe des Himmels, bald in der Nähe und Farbe des Grundes, bald in andern Einwirkungen ihre Ursachen haben mögen. Wenn die Sonne in schräger Richtung das Meer bescheint, so sieht man häufig auf der Lichtseite einen herrlich j smaragdgrünen Schein, auf der Schattenseite zeigt sich dagegen ein ebenso herrliches ! Pnrpurroth. Bei Stürmen pflegt das Meer grün, und in Gegenden, wo das Senkblei bald den Grund erreicht, oft milchfarbig zu erscheinen; Klippen verursachen einen bräun- ' liehen oder schwärzlichen, Schlammgrund einen graulichen Ton; Kalkküsten geben dem ^ Wasser eine auffallend Helle Farbe, und vom Ufer aus erscheint das Meer zuweilen ganz , dunkelblau. Eine merkwürdige Erscheinung ist auch das oft beobachtete L eu cktcn deS Meers, welches einen herrlichen Anblick gewährt und von Förster aus drei verschiedenen Ursachen erklärt wird. Zuweilen leuchtet nämlich blos die Bahn, welche das Schiff auf der glatten Wasserfläche zurückläßt, was Förster von der ausNcibung des Schiffs am Wasser, bei der schnellen Bewegung, erregten Elektricität herleitet; öfters leuchten aber alle Wellen, die an feste Gegenstände anschlagen, was, besonders zur Zeit der Windstille, Phosphor!- schen, durch Fäulnis; und Verwesung erzeugten Stoffen zuzuschreiben ist; endlich scheint zuweilen das ganze Meer mit funkelnden Sternen übersäek zu sein, wobei nicht nur die Oberfläche, sondern auch die Tiefe wie Feuer glänzt und die Fische wie aus Feuer gebildet scheinen, was, wie genaue Untersuchungen dargethan haben, von leuchtenden Scewürmern herrührt. Eine merkwürdige Eigenthümlichkeit des Meers ist auch noch seine außcrordent- liche Durchsicht! gkeit, die im Allgemeinen weit größer als in dem mit fremden Theil- chen reich geschwängerten Wasser der Flüsse und in den kalten Klimaten auffallender als in den heißen ist. Das Licht dringt, nach den Aussagen der Taucher, 3U—60 F. und noch tiefer unter die Oberfläche des Meers ein und man hat häufig bei 2»0 F. Tiefe noch den Meeresgrund deutlich gesehen, ja Capital» Wood lothete bei seinem Versuche, die nordöstliche Durchfahrt zu entdecken, >676 in derNähe vonNowajaSemljacincTicfevon^SOK., wo nicht allein der Boden, sondern auch die auf dem Grunde liegenden Muscheln deutlich zu erkennen waren. DieTemperaturdesMeerwassers an derOberfläche hängt mit du Temperatur der Luft zusammen, nur ist die Veränderlichkeit derselben beim Wasser nicht so groß als bei der Lust. Es nimmt daher die Temperatur des Meers ebenso wie die der Luft vom Pole gegen den Äquator hi» zu, obwol locale Verhältnisse auch hier mancke Anomalie bewirken. Dagegen verhält es sich mit der Temperatur des Meers in größern Tiefen gerade umgekehrt als mit der Temperatur des Festlandes. Diese nimmt zu, die Wärme des Meers dagegen scheint fortwährend geringer zu werden, je tiefer man cingcdrungcn ist, und sinkt in den ansehnlichsten Tiefen selbst unter den Gefrierpunkt herab. Da in Ruhe stehendes Mcerwasser sehr bald in Fäulniß übergeht, so muß man als eine der weisen Einrichtungen der Natur, um die Reinheit desselben zu erhalten, die Be- wegungcn ansche», die das Meer fortdauernd erfährt. Diese Bewegungen sind thcils regelmäßig, theils unregelmäßig. Zu den regelmäßigen gehört, außer der Ebbe und Flut, vor Allem das großartige Phänomen der Meeresströmungen, unter denen die erste Stelle ohne Zweifel die sogenannte Äquatorialströmung oder der Oststrom, von Einigen auch Rotation des Meeres genannt, einnimmt. Diese Strömung erscheint im Atlantischen Occan unter dem Äquator und hat ihren Grund in den unter den Wendekreisen beständig herrschenden Ostwinden und in der täglich zwei Mal wechselnden Flut, sowie in dem Einflüsse, welcher durch den Umschwung der Erde um ihre Achse auf die Wasscrmasse hervor- gebracht wird. Sie nimmt ihren Anfang den Inseln Samt - Thomas und Annobon im Guineischen Meerbusen gegenüber, hat bis rum Eintritt in die Caraibische See eine Lange von mindestens auon M., fließt gerade aufWestindic» los, spaltet sich aber, sowie sie stch der amcrikan. Küste nähert, in einen nördlichen und einen südlichen Zweig, welcher letztere beim Cap Saint -Noquc wieder in eine südwestliche und westnordwcstliche Abthcilung zerfallt. Jene ist die brasil. Küsienströmung, die jedoch das Gestade nicht selbst zu erreichen, sonder» Meer (Jan van der) Meergötter sich in einer gewissen Entfernung von demselben zu halten scheint, diese dagegen bildet den Hauptarm der Äquatorialströmung, dessen Richtung sich nach den nördlichen Küsten Brasiliens bestimmt und der ebenso durch seine bedeutende Breite wie durch seine große Geschwindigkeit sich auSzeichnet. Außerdem gibt es noch eine Anzahl besonderer Meeres- ströme. Zu den wichtigstengehört der Golfstrom. Derselbe entsteht dadurch, daß die große-Wassermenge des Atlantischen Meeres in ihrer westlichen Richtung durch die ent- gegenstehenden Küsten von Amerika gehemmt, sich nach Norden herumwendet und bei der Nordküste von Mittelamerika und der Südküste der Vereinigten Staaten vorbei um die Südspitze von Florida herum längs der Ostküste der Vereinigten Staaten hinläust, sich dann nach Neufundland und von hier östlich nach Europa zurückwendet. Die Geschwindigkeit seines Laufs auf dem mehr als 420 M. langen Wege beträgt in der Stunde eine Meile und in der Straße von Florida steigt dieselbe bis auf 2 — 4M. in der Stunde. Strömungen ähnlicher Ärt gibt es von St.-Katharina nach Brasilien und dann zum Vorgebirge der guten Hoffnung, ferner in der Sundastraße bei Sumatra, zwischen Malakka und Cochin, die vom Äpr. bis Aug. ostwärts, dann aber mit solcher Heftigkeit nach Westen fließt, daß das Meer braust. Auch gibt es sogenannte Doppelström ungendesMee- reS, die sich kreuzen, d. h. übereinander in direct entgegengesetzter Richtung sich ergießen. So hat man durch unwiderlegliche Erfahrungen nachgewiesen, daß unterhalb des sichtbaren, vom Atlantischen Meere durch die Meerenge von Gibraltar ins Mittelmeer sich ergießenden Stromes ein anderer, entgegengesetzter durch dieselbe Meerenge vom Mittelmcer in das Atlantische gehe, und ähnliche Doppelströmungen kommen im Bosporus bei Konstantinopel, im Bab el Mandeb, am Eingänge des Rothen Meeres und im Sunde vor. Eine andere Art der Bewegung des Meeres, wodurch die Ruhe und das Gleichgewicht seiner Oberfläche gestört wird, ist auch die mittels der Stürme bewirkte Wellenbewegung. Verliert nämlich die Luft ihr Gleichgewicht, so gerärh sie in wellenförmige Bewegung, stößt auf die Wasserfläche und stört dadurch auch auf dieser das Gleichgewicht oder den wagerechten Stand. Dadurch erhebt sich der gestoßene Theil über den Nächstliegenden, dieser wird niedergedrückt, und es entsteht eine Erhöhung an der Stelle, die aber vermöge der Schwere des Wassers sogleich wieder niedersinkt, den nächstfolgenden Theil niederdrückt und zum Steigen zwingt. Demnach ist die Wellenbewegung ein abwechselndes Steigen und Fallen zweier Wasserberge, wobei jedoch das Wasser nicht fortfließt. Mit der Stärke der Bewegung in der Luft nimmt auch die Bewegung des Wassers zu; die Wasserberge wachsen und üben einen großen Druck aus, daher die Wellen immer stärker werden; indeß unterdrückt der heftige Stoß des Windes auch häufig die Wellen, sodaß sie erst ihre größte Höhe erreichen, wenn der Sturm sich plötzlich legt. Diesen Zustand, welchen die Seefahrer h o h l e S e e nennen, ist schrecklicher und gefahrvoller als der Sturm selbst. Noch gehören zu den Bewegungen des Meeres dieStrudel oder Wirbel, welche entstehen, wenn das Wasser an einem Orte mit heftiger Gewalt in kreisförmiger Bewegung herumgctrie- ben wird. Der berühmteste dieser Strudel ist der Malstrom (s. d.). Im Alterthum warm die Skylla (s d.) und Charybdis (s.d.) gefürchtet. Meer (Jan van der), ein berühmter niederländ. Maler, geb. 1650 zu Utrecht, lieferte namentlich vortreffliche Landschaften und Genrestücke. Er starb im I. > 606 . Meerbusen oder Golf (simis, ital. xolko) hxisit ein schmaler Theil des Meeres, der sich tief in das feste Land hinein erstreckt. Von Buchten und Baien (s.d.) unterscheidet sich der Meerbusen blos dadurch, daß er größer als diese ist. Meereiche'ln, s. Balanen. Meerenge (Bosporus) oder Sund, auch Straße oder Kanal, nennt man den schmalen Durchgang des Meeres zwischen Ländern oder Inseln u. s. w. Meergeusen, s. Geusen. Meergötter, göttliche Wesen, welche die Phantasie der Griechen, die Alles belebte, nach den verschiedenen Erscheinungen, die das Meer darbietet, individuell ausbildete, waren msgesammt dem Poseidon oder Neptun untergeordnet. Die wichtigsten sindOkeanos (s- d.), der Beherrscher des äußern Meers, und dessen weibliche Nachkommen (die Okeani- Conv. - Lex. Neunte Aufl. IX. 29 450 Meerkatzen Meerrettig den), die unter dem allgemeinen Namen der Nymphen (s.d.) bekannt sind, sowie Tethyz ^ (s. d.), des Okeanos Gattin; ferner Nereus (s.d.), der Beherrscher des innern Meers, und dessen Gattin, die Okeanide Doris (s. d.) nebst ihren 50 Töchtern, den weissagende» Nereiden, unter welchen Galatea (s d.) und Thetis, die Mutter des Achilles, hervorra- ^ gen, und hauptsächlich Amphitrite (s.d.), des Poseidon Gemahlin; sodann der S°h» Poseidon's,Triton (s.d.),unddieTritonen,und endlich die einzelnenMeerdämvnen Pro- teus(s.d.), Glaukos (s. d.), Leukothea (s.Jno) und Melikertes (s.d.) oderPala- mon, bei den Römern Portumnus genannt, die Skylla (s.d.), die täuschenden Sirenen (s.d.) und die Stromgötter, die männlichen Nachkommen des Okeanos, namentlich Achelous (s. d.). In der Kunst gehen die Dämonen des Meers von der erhabenen Ge- walt des Poseidon, der Schönheit der Amphitrite und Thetis, durch mancherlei Mittelstufen in die phantastisch geformten Ungeheuer der See über. Namentlich bilden einen schönen Contrast die fischgeschwänzten, oft mit Seepflanzen überwachsenen und auf Seemuschel» blasenden Tritonen, und die meist menschlich gebildeten Nereiden, welche in der frühem Kunst als leicht bekleidete, dann gewöhnlich als unbekleidete, sehr anmuthige Madchenge- staltcn dargestcllt werden. Meerkatzen sind eine besondere Abtheilung schlaffschwänziger Affen der alten Mt. Der ursprüngliche Volksname mag wol daher gekommen sein, daß man diese Thiere nur über das Meer, aus Afrika, brachte. Der Arten sind ziemlich viele; die gemeinste ist der iu allen Menagerien anzutreffende Macaco, dessen eigentliches Vaterland man sonderbar genug nicht kennt. Eine andere seit den ältesten Zeiten bekannte Art ist der von den kapverdischen Inseln stammende sogenannte g rü ne Affe oder Callitricha, von2F.Höhe, grünlichgelber Färbung, mit schwarzem Gesicht und gelbem Backenbart. Meermatt (Johann, Reichsfrciherr von), als Mensch, Gelehrter und Staatsmann gleich ausgezeichnet, geb. im Haag am I. Nov. 1753, aus einem alten, angesehenm » Geschlecht-, war der einzige Sohn des als Herausgeber des „Ikesaurns juris civilis et canonici" und der „Origines tz-pograz,bicae" rühmlich bekannten Gerhard R, geb. in Leyden 1722, der in den deutschen Reichsfreiherrnstand erhoben wurde und als Rathspensionair in Rotterdam 177 l starb. Der Sohn erhielt seine erste Bildung im Haag und in Rotterdam. Kaum zehn Jahre alt, übersetzte er Moliere's „lllsmgs korcc" und ließ diese Arbeit ohne des Vaters Wissen drucken. Er studirte hierauf in Leyden, Leipzig und zu Göttingen, wo er sich Heyne's dauernde Freundschaft erwarb, bereiste England, Italien, Frankreich und den grüßten Theil Deutschlands und erwarb sich l77t zu Leyden die juristische Doctorwürde. Im 1. 1787 machte er eine neue Reise nach England, Schottland und Irland, Deutschland, Italien und den nord. Reichen. Unter der franz. Herrschaft wurde er1811 franz. Senator. Nach der Restauration kehrte er in sein Vaterland zurück und starb am IS. Aug. 1816 als der Letzte seines Geschlechts. Neben seinen ^ Reiseberichten und zahlreichen historischen und staatsrechtlichen Schriften erwarb er sich > auch ein großes Verdienst bei der Bearbeitung der „äaarboeken vgll^Vetensciiappen ell l Künsten in bet koningrijk Holland over äe jaren 1806—7" (1809—10). Zuletzt beschäftigte ihn die Herausgabe von Jean Vandenesse's „Histoire «les vo^ages tmts M > I'empereur Obarles V clepuis I'an 1514 susgu'ä sa inort", die er mit Anmerkungen be< ^ gleitete. Auch übersetzte er Klopstock's „Messias" ins Holländische (4 Bde., Haag 1803—15, 4.). Seine Witwe, eine geschätzte Dichterin, beschrieb sein Leben. Seine auserlesen» Bibliothek, deren Katalog eine literarische Merkwürdigkeit ist, wurde 1824 im Haag verauctionirt und gewährte einen Ertrag von 171000 holländ. Fl. Meernesseln, s. Aktinien und Akalephen. Meerrettig (Oocblearia armoracia), eine im wärmern Europa und in Deutschland einheimische sehr artenreiche Pflanze mit großer, starker, ästiger, kriechender Wurzel, zech' net sich durch ein flüchtig scharfes Princip eigenthümlicher Natur in ihrer Wurzel au§, das auch im Samen des Senfs, in den Blättern und Stengeln der Brunnen- und Gartenkresse, ^ des Löffelkrauts und in der Wurzel des Rettigs vorhanden ist. Diese Schärfe verhindert und heilt die unter dem Namen Skorbut (s. d.) bekannte Krankheit. Insbesondere Md« s sie sich im Meerrettig und Senfsamen so concentrirt, daß man beide medicinisch gleichst» ^ Meerschaum Megaris 451 Senfteigen benutzt, denen sie frisch gerieben im Herbste und Winter sogar vorzuziehen ist, weil sie die Haut weit schneller als diese röthet. Meerschaum, ein in Griechenland bei Theben, in Kleinasien, in Spanien und in Frankreich am Montmartre vorkommendes, aber ziemlich seltenes Mineral, besteht aus kie. selsaurerTalkerde und bricht in weißen, dichten, zähen, an derLuft härter werdenden, jedoch immer noch schneidbaren, weißen Massen. Der Meerschaum wird theils im Orient, theils an verschiedenen Orten Deutschlands durch Einpressen in Formen zu Pfeifenköpfen verar- beitet, welche besonders in Deutschland, wo für die oriental. Waare Triest und Wien die Hruptdepots bilden, großen Absah haben und theils völlig roh, theils gefärbt, theils in Ol oder Wachs gesotten, in den Handel kommen. Eine schlechtere Art Meerschaumkäpfe macht man aus Meerschaumabgängen; leicht zu erkennende Verfälschungen endlich aus Gyps und andern Massen. Meerschwein, s. Delphin. Meerschweinchen (cavia), ein kleines Nagethier von gelber, schwarzer und weißer Färbung, stammt ursprünglich aus Südamerika, hat sich aber in Europa sehr heimisch gemacht und wird hier und da wegen seines hübschen Aussehens als Hausthier gepflegt. Meerzwiebel oder Squille (8cilla maritima), eine an den Küsten des Mittelmeers häufig wachsende Pflanze, hat eine sehr große, eiförmige Zwiebelwurzel, welche aus breiten fleischigen Schuppen gebildet, außen mit dünnen, dunkelbraunen Häuten bedeckt ist und oft mehre Pfund schwer wird. Die bei gelinder Wärme getrockneten Zwiebelschuppen werden medicinisch bei Stockungen im Unterleibe, Wassersucht u. s. w. angewendet. Megalopölis, eine im Alterthume blühende und bedeutende Stadt in Arkadien, mit dem größten Theater Griechenlands, wurde bald nach der Schlacht bei Leuktra, 37 l v. Ehr., auf Anrathen des Epaminondas (s. d.) zum Schuhe gegen die um sich greifenden Spartaner gegründet, von Klcomen es lil. (s. d.) aber 222 v. Ehr. erobert und großen- theils zerstört. Daselbst wurden der große und edle Feldherr Philopömen (s. d.) und der Geschichtschreiber Poly bius (s. d.) geboren. Eine genaue Beschreibung der Gegend und der alten Überreste der Stadt, die sich bei dem heutigen Orte Sin an u finden, ist in der „Lxzretiitiyo 8cientikt;u6 cie bloröe" (Bd. I, Par. 1831) enthalten. Megapenthes , der Sohn des Prötos und Vater des Anaxagoras und der Zphia- neira, war Herrscher von Tiryns, welches er später an Perseus gegen Argos vertauschte. Er tödtete den Perseus, um des Vaters Tod zu rächen — Megapenthes, der Sohn des Menelaos und der Sklavin Picris oder Teridae, vertrieb nach einer rhodischen Sage mit seinem Bruder Nikostratos die Helena nach des Menelaos Tode aus Sparta nach Rhodos. Megära, die Tochter des Königs Kreon von Theben, war die Gemahlin des Herakles, mit dem sie den Therimachos, Delkoon, Kreontiades und Deion zeugte, die dieser in seiner Raserei umbrachte. Auch traf nach Einigen die M. dasselbe Schicksal; nach Andern ober verheirathete sie Herakles an den Jolaos. Megära, die Hauptstadt von Megaris (s.d.), gegenwärtig der Sitz einesBlschofs, auf dem Isthmus gelegen, war im Alterthume berühmt durch den sogenannten Muschelmarmor und eine Art von weißem Thon, aus dem man Gefäße verfertigte. Stark befestigt, und während des pers. und Peloponnes. Kriegs groß und mächtig, sank es später in Folge der unerhörten Sittenlosigkeit und Verderbtheit seiner Bewohner ganz herab, sodaß zur Zeit der türk. Herrschaft seine Stätte nur noch ein elendes Dorf einnahm, welches im letzten Freiheitskampfe vollends zerstört wurde, bis man in neuester Zeit das Ganze wieder in eine neue Stadt umzuschaffen begonnen hat. Nach ihr sind dieMegarische Schule (s.d.) und deren Anhänger die Meg ariker benannt. Megära, eine der Furien, s. Eumeniden. Megärens, der Sohn des Hippomenes oder des Poseidon und der Önope und Bruder der Abrote, der Gemahlin des Nisos, zog mit einem böokischen Heere dem Nisos, Könige vvn Megara, als dieses von Minos U. belagert wurde, zu Hülfe, fiel aber im Kampfe und wurde in Megara (s. d.), das von ihm den Namen erhielt, begraben. Megaris, eine kleine gebirgige Landschaft in Hellas oder dem eigentlichen Griechenland, grenzte an Attika, Korinth und das Meer und bildet in dem jetzigen Königreiche die 29* 452 Mssgarische Schule Mehemed Ali Provinz gleiches NanrekisitidemDepartement Attika. Die Hauptstadt war Mcgara (s.d.). Die Megarenser standen schon frühzeitig in dem Rufe der Verstellung und Falschheit, daher MegarensischcThränen, zumal da man dort auch viele Zwiebeln erbaute, von den Alten sprüchwörtlich für erheuchelte gebraucht wurden. Vgl. Neinganum, „Das M M." (Berl. 1825, mit zwei Karten). Megarische Schule heißt die von dem zu Mcgara (s.d.) geborenen Philosophen Euklides (s. d.) um 400 v. Ehr. gestiftete Schule. Die vorzüglichsten Anhänger der- selben, Megariker genannt, waren Eubulides, Diodorus Kronos, Philo und Skilpo ans Mcgara. Namentlich den beiden Erstem schreibt man die Erfindung verschiedener Trug, und Fangschlüssc zu, über deren Zusammenhang mit dem Ganzen ihrer Lehre An ganz sicheres Urtheil möglich ist, während Stilpo mehr die ethische Seite ihrer Lehre ausbildete. Vgl. Spalding, „Viliüiciae pllilasopliorum msFuricorum" (Berl. >703); Ritter, „über die Philosophie der Megarischen Schule" im „Rheinischen Museum für Philologie u.s.w." (Jahrg. 2, Hft. 3) und Deycks, „De Hlcj-aricnrum eloctrina" (Bonn 1827). Megaöpilkon, das größte Kloster im Königreich Griechenland, in der Provinz Achaja im Gebirge oberhalb Vostitza romantisch hoch an einer Felswand gelegen, in die es zum Theil gehauen, ist berühmt durch seine Höhlengänge und durch ein wunderthätigcs Marienbild, das dem Evangelisten Lucas zugeschricben wird und zahlreiche Pilgrime dahin> zieht. Die Gründung des Klosters, das an der Stelle eines Orakels des Hercules stehen soll, fällt in das fünfte Jahrh. Die Mönche, sonst gegen 200 an der Zahl, treiben einen ansehnlichen Handel mit Reliquien. Megerlc (Ulrich), s. Abraham a Sancta-Clara. Mehemed Ali, Vicekönig von Ägypten, geb. 1769 zu Kavala, einer kleinen Stadt in Macedonien, verlor zeitig seinen Vater, der Äga der Straßenwächter war, und wurde dann vom türk. Befehlshaber von Kavala, dem der Knabe seiner geistigen und körperlichen Gewandtheit wegen gefiel, in sein Haus ausgenommen. Die Erziehung, die er hier erhielt, war elend genug, denn erst später als Pascha lernte er lesen und schreiben. Äucheinm Kavala ansässiger franz. Handelsmann Namens Lion nahm sich seiner vielfach an und legte so den Grund zu M.'s Vorliebe für die Franzosen. Schon in seinem l 4. Lebensjahre gab M. einen auffallenden Beweis seiner Geschicklichkeit und Energie, indem er einen in Kavala ausgebrochenen Aufstand durch sein entschiedenes Eingreifen stillte. Eine Anstellung im Militairdienste war die Belohnung dafür, und 1787 verhalf ihm sein türk. Beschützer zu einer vortheilhaftenHeirath. Eine Zeit lang gab er sich nun ausschließend mit Handelsspeculationen in Taback ab; doch die franz. Expedition nach Ägypten machte dieser Beschäftigung ein Ende, indem M. im I. >800 an der Spitze des Truppenkontingents seiner Vaterstadt dahin gesendet wurde. Die glänzenden Beweise von Tapferkeit, die er auf diesem neuen Schauplätze seiner Thätigkeit bei Gelegenheit des Gefechts von Nahmanich entwickelte, vcchalsen ihm zu einer höhern Befehlshaberstelle; stufenweis stiez er nun immer höher bis zum Befehlshaber des Albanesencorps in Ägypten. In dem Streite, der sich nach der Vertreibung der Franzosen aus Ägypten zwischen den Mamluken und den türk. Herrschern erhob, begründete er, mit seinen Albanesen eine eigene ziemlich zweideutige Stellung einnehmend und bald mit den Mamluken sich verbindend, bald sie bekämpfend, immer mehr seinen militairischen Nuf, zugleich aber legte er dabei den Grund zu der tödtlichen Feindschaft zwischen ihm und Khosrew Pascha, dem damaligen Pascha von Ägypten, indem er ihn entsetzen half. Durch seine Klugheit, Mäßigung und Mannszucht bei den durch Türken und Mamluken gleich hart bedrängten Eingeborenen, insbesondere bei den Einwohnern von Kairo, die in ihm einen Erretter von der Tyrannei der Mamluken sahen, machte er sich indeß so beliebt, daß diese ihn 1804 zum Pascha ausrufen ließe». Zwar nahm M., dem es zunächst nur auf die Gründung einer eigenen Partei ankam, diesen Titel nicht an, sondern ließ ihn dem neuernannten Pascha Khurschid; als aber die Erpressungen desselben das ganze Land aufbrachten, erklärte er sich offen gegen ihn, und brachte es mit Hülfe des franz. Consuls Drovetti dahin, daß er von der Pforte 1806 als Pascha von Ägypten bestätigt und zum Pascha von drei Roßschweifen ernannt wurde. Vor Allem hatte er es nun ebenfalls mit den Mamluken zu thun, die ihre alten Ansprüche 453 Mehemed Ali auf die Herrschaft des Landes nicht aufgeben wollten und von den Engländern untcrstüht wurden. Letztere hatten sich 1 807 Alexandrias bemächtigt, allein M. schlug sie mehrmals, zwangsie,sich wieder einzuschiffen, und nöthigte einenMamlukenbei nach dem andern, theils mit gütlichen, theils mit gewaltsamen Mitteln zur Unterwerfung. Kaum hatte er diesen Feind bezwungen, als in den Reihen seiner eigenen Leute der Aufruhr ausbrach. Die Albanesen und Dehlis (kurdische Reiter) griffe» M.'s eigenen Palast an und plünderten ihn; nur durch Eeldaustheilung vermochte er den Aufruht zu stillen. Da die damals herrschende Unordnung in den Finanzen Ägyptens, die es unmöglich machte, den Sold der Truppen ordentlich zu entrichten, die Ursache zu diesen Aufständen war, so suchte M. nun seine Finanzen auf einen bessern Fuß zu bringen. Er that dies durch Vertreibung einer Menge Grundbesitzer aus ihrem Eigenthum und Einziehung der liegenden Gründe aller frommen Stiftungen und begann damit das von ihm später immer mehr ausgebildete Erpressungssystem. (S. Ägypten.) Die scheinbare Unterwerfung der Mamluken dauerte indeß nicht lange, bald fingen sic ihr altes Treiben wieder an, das zwischen ihnen und M. einen Kampf herbeiführte, der nach echt oriental. Weise ebenso durch offene Gewaltthaten, wie durch Ränke aller Art und gegenseitigen Verrath geführt wurde, und dem sein Ausgang die Krone aufsetzte. Als nämlich M. sah, daß er auf die zeitherige Weise mit den Mamluken nicht fertig werden könne, beschloß er sie auf eine andere Weise zu vernichten. Zu dem Ende lud er alle in Kairo befindliche Mamlukenbeis zu einem großen Feste zu Ehren seines Sohnes Tussun auf der Citadelle ein, und ließ sie, nachdem sie bewirkhet worden, beim Fortgehen in einem engen Gange durch seine Albanesen nicderschießen, die Gefangenen aber auf der Stelle enthaupten. Gegen 170 Mamluken, darunter die angesehensten Bcis, kamen bei dieser Gelegenheit um; ihre Häuser wurden geplündert, ihre Weiber geschändet; ebenso wurde in andern ägypt. Orten gegen die Mamluken verfahren, und man berechnet, daß über 1000 ermordet wurden. Der noch übrige Rest derselben warf sich nach Oberägypten, wurde aber 1812 auch hier von den Truppen M.'s geschlagen und vertrieben. Sic flüchteten nach Nubien, allein die Expedition, welche M. 1820 dahin sendete, zerstreute sie vollends. Erst jetzt nach der Vernichtung der Mamluken konnte M. zur ungehinderten Ausführung seiner Pläne schreiten. Mit starker Hand ergriff er die Zügel, und nach vielen Jahrhunderten wilder Unordnung erfreute sich Ägypten endlich einmal einer geordneten Negierung und innerer Ruhe. Doch bald schien die wachsende Macht M.'s der osman. Pforte gefährlich; um sie zu brechen, trug sie ihm die Bekämpfung der immer mehr in Arabien um sich greifenden Wahabiten (s. d.) auf. Der erste Versuch unter Tussun Pascha, M.'s zweiten Sohne, imJ. 1811, mislang; desto glücklicher war M.'s ältester Sohn, I b r a h i m Paschass.d.), derdieWahabiten in denJ.1818—I8mitGlück bekämpfte und ihreMacht brach. So dehnte M. seine Herrschaft auch über einen großeu Theil Arabiens aus, gleichwie er durch die Expedition gegen die Mamluken nach Nubien dieses ganze Land und selbst Kordofcm sich unterwarf und dadurch den Handel mit schwarzen Sklaven in seine Gewalt bekam, den er von nun an auf die empörendste Art betrieb, indem er sich der Schwarzen auf förmlichen Jagden bemächtigte. Diese Expedition, die von 1820—22 dauerte, ist berüchtigt durch die furchtbaren Greuel, welche sich die Truppen M.'s in Folge der Ermordung ihres Anführers Jsmacl Pascha, des jüngsten Sohnes M.'s, durch einen eingeborenen Fürsten des Sennaar, an den Einwohnern dieses Landes erlaubten. Durch diese Kriege waren aber die albanes. Soldtruppen, die bisherigen Werkzeuge zu M.'s Erhebung, zu» sammengeschmolzen; cs galt jetzt, da sie sich durch ihre Unbotmäßigkeit immer untauglicher zu M.'s Zwecken zeigten, sie durch einheimische Truppen zu ersehen. So begann denn M. die Bildung einer eigenen ägypt. Kriegsmacht. Rekruten wurden aus den Fellahs ausgehoben und nach europ. Art eingeübt und organisirt; auch das Seewesen wurde auf europ. Art eingerichtet, Festungen, Werste, Zeughäuser wurden erbaut und Werkstätten zur Verfertigung allcrArtenvonKriegSbedarfund Maschinen errichtet. UmdasGeldzurDurchführung dieser Unternehmungen zu gewinnen, bedurfte es aller der Maßregeln zur Hebung der materiellen Cultur des Landes, sowie zur Policirung und Organisirung desselben, die ihn als Regenerator des Landes erscheinen lassen; doch nur dem Scheine nach, da sie alle ihm nur Mittel zur Befriedigung seiner Herrschsucht waren, wie der greuliche Despotismus, das schrecklichste 454 Mehemed Ali Aussaugungssysiem und die entsetzlichste Menschenschinderei beweisen, die parallel mit jenen Verbesserungen gingen und das Land mehr herunterbrachten als jene je es zu heben vermochten. Dazu wurden jene Verbesserungen auf die äußerlichste und oberflächlichste Art betrieben, und M.'s Eitelkeit und Unwissenheit bewirkte, daß eine Menge Abenteurer und Projectenmachcrsich um ihn sammelten, die das Land ausbeuteten und durch verkehrte Unternehmungen ruinirten. Franzosen, insbesondere Offiziere, waren die treuen Helfer und Lehrer M.'s in allen diesen Bestrebungen, ein Umstand, der mit seiner frühem Vorliebe für diese Nation, viel dazu beitrug, ihn hinsichtlich seiner Politik immer enger mit Frankreich zu verbinden und sich auf dieses zu stützen. Die erste große Unternehmung, die M. mit seiner neugebildeten Land- und Seemacht begann, war der Zug nach Griechenlands, d.), mit dessen Unterwerfung ihn Sultan Mahmud beauftragte. DieZerstörung der ägypt.Flotte bei Navarin trieb ihn zu verdoppelten Anstrengungen, den Verlust zu ersetzen, und damit zu vermehrten Erpressungen. Das Heer, von dessen Unfähigkeit, europ. Truppen gegenüber, er sich überzeugt hatte, wurde neu ergo- nisirt und eine ansehnliche Flotte in kurzer Zeit mit unsäglichem Aufwand wieder herze- stellt. Der Zweck dieser eiligen Rüstungen war die Eroberung Syriens. Schon lange hatte M. auf dieses Bollwerk Ägyptens sein Auge geworfen; deshalb verlangte er für seinen Sohn Ibrahim Pascha das Paschalik von Damaskus. Als er dieses nicht erhielt, suchte er einen Vorwand, mit Gewalt seine Pläne durchzuführen. Die Händel mit dem Pascha von St.-Jean d'Acre'gabcn dazu eine erwünschte Gelegenheit. So vollendete er denn vom Ende Oct. I83l an im Laufe eines Jahres durch seinen Sohn Ibrahim Pascha die Eroberung Syriens, trotz der gegen diesen und ihn ausgesprochenen Amtsenksetzung und Ächtung. Nach dem Siege bei Konieh in Kleinasien am 20. Dec. 1832 hätte erber Herrschaft des Sultans ein Ende machen können, wenn nicht die Landung der Russen im Bosporus dem Vordringen Jbrahim's ein Ende gemacht hätte. (S. OSmanisches Reich.) Unter diesen Umständen konnte M. dem Andringen der europ. Großmächte nicht widerstehen, und willigte in den Frieden, der unter der Vermittelung der letztem am s.Mai 1833 in Konieh zu Stande kam, und durch welchen M. unter Aufhebung des ÄchtungS- fermans in seinen zeitherigen Besitzungen bestätigt wurde und dazu die Statthalterschaft von ganz Syrien und den Bezirk von Adana als Pachtung für seinen Sohn Ibrahim erhielt, nachdem er schon früher nach dem griech. Zuge das Paschalik von Kreta erhalten hatte. Doch M. war hiermit nicht befriedigt, denn was er vor Ällem erstrebte, Unabhängigkeit und Erblichkeit seiner Dynastie, hatte er nicht erreicht; ebenso war die Erbitterung des Sultans Mahmud's II. durch die widerfahrene Demüthigung und den Verlust zweier Provinzen nicht verlöscht, sondern nur um so mehr entflammt worden. Der Friede war nur ein zeitweiliger Waffenstillstand, den beide Theilc dazu benutzten, sich von neuem zu rüsten, um, wenn die passende Gelegenheit gekommen, den Kampf wieder zu beginnen. Unterdeß hatte M. viel mit der Beruhigung des unbotmäßigen Syriens zu thun; ebenso mit dem Aufstand der Städte des Hedschas in Arabien, welche unterworfen wurden. Als er seine Herrschaft bis über die arab. Provinz Jemen ausdehnte, machte er dadurch die Engländer immer argwöhnischer gegen sich. Ändere Umstände kamen hinzu, um die Lage der Dinge noch mehr zu verwickeln. So bezahlte M. seinen jährlichen Tribut von 16Mill. türk. Piastern an die Pforte nur höchst unordentlich; auch leistete er ihren Befehlen, de- sonders in Betreff der vielen Reklamationen der durch seine Monopole beeinträchtigten Seemächte, trotz aller scheinbaren «sichern Ehrfurcht gegen den Sultan unter allerhand Ausflüchten keine Folge,, und widersctztr sich vorzüglich der Ausführung des am 3. Juli >838 von der Pforte mit Ostreich und England abgeschlossenen Handelsvertrags. Länger vermochte Sultan Mahmud nun nichr an sich zu halten; im I. 1839 erklärteer, kurz vor seinem Tode, M. den Krieg, der so unglücklich mit der Schlacht von Nisib am 2^. Juni endigte. Der Verralh des Kapudan Pascha, der mit der türk. Flotte am 5. Juli zu M. überging, schien den Triumph M.'s vollenden zu wollen, der jetzt nichts weniger als die erbliche Herrschaft «über Ägypten sammt seinen Dependenzien, über Syrien mir Adaua, und über Kreta, sowie die Absetzung seines alten Todfeindes Khosrew Pascha, den der junge Sultan Abdulmedschid zu seinem Großvezier erwählt hatte, verlangte. Noch glaubte M.'s 455 Mehl einziger Verbündeter, Frankreich, den Streit in Güte vermitteln zu können, und suchte deshalb, nachdem cs schon nach der Schlacht von Nisib ein weiteres Vorrücken Ibrahim Pascha's gehindert hatte, ihn von seinen hohen Foderungen abzubringen. Allein alle diese Anstrengungen waren vergebens, denn bereits war der Vertrag vom 15. Juli I84»zwi- sehen Ostreich, Preußen, England und Rußland zu London abgeschlossen worden. Die Ereignisse des 1.1840 in Syrien waren die Folge desselben. Als M. sich endlich sogar in Alexandria mit einerBlockade durch die engl.-üstr. Flotte bedroht sah, schloß cram2".Nov. 1840 den provisorischen Vertrag mit dem engl. Commodore Napier ab, in welchem er sich anheischig machte, Syrien zu räumen und die osman. Flotte wieder herauszugeben, wenn man ihm Ägypten lassen wolle. Hierauf erfolgte am 12. Jan. 1841 der großherrliche Hattischerif, durch welchen er, als Vasall der Pforte, mit der erblichen Statthalterschaft über Ägypten beliehen wurde. Da der Hattischerif jedoch eine Menge Beschränkungen für M. enthielt, so kam unterBermittelung der vierMächte derJnvestitur-Ferman vom l.Juni 1841 zu Stande, durch den M. in dem Besitz Ägyptens und Nubiens, der erblich auf seine männliche Nachkommenschaft übergehen sollte, bestätigt, zugleich aber auch verpflichtet wurde, als Vasall der Pforte einen jährlichen Tribut zu bezahlen, sich den allgemeinen Gesetzen des osman. Reichs zu unterwerfen, ohne Erlaubniß des Sultans seine Streitkräfte nicht zu vermehren, und alle obern Offiziere, vom Oberst an, durch diesen bestätigen zu lassen. Später wurde M. noch zum Sadrazan oder Ehreugroßoezier der Pforte ernannt. So hatte denn M. als Ergebniß der ehrgeizigen Bestrebungen seines ganzen Lebens und all der unermeßlichen dafür verschwendeten Mittel nichts als die unsichere Erblichkeit seiner Dynastie errungen; Adana, Syrien und Kreta waren verloren, ebenso waren die mit unendlichem Aufwand an Geld und Menschen erkauften Eroberungen in Arabien während dieses Kampfes mit der Pforte fast sämmtlich wieder draufgegangen; von einem Heer von 130000 M. war nicht die Hälfte übrig, und die Flotte, aus 11 Linienschiffen, 7 Fregatten, 5 Corvetten und mehrern kleinern Schiffen bestehend, mußte er abtakeln und im Hafen von Alexandria ungenutzt verfaulen lassen, denn der Schatz war leer und das Land zu ausgesaugt und durch die unmenschlichen Rekrutirungen zu sehr entvölkert, als daß es eine so ungeheure Kriegsmacht hätte erhalten können. M. erklärte nun künftig nur mit den innern Angelegenheiten desLandes sich beschäftigen und der Verbesserung desselben leben zu wollen. Das erstere Versprechen hat er bis jetzt gehalten und seinen früher» unruhigen, eroberungssüchtigen Geist gebändigt; vom andern hat man aber keine Erfolge gesehen. In der letzten Zeit ist, was sehr zu beklagen, mit dem Abnehmen der geistigen Kräfte M.'s ein Zustand desselben eingetreten, der häufig zwischen launenhafter Aufregung und apathischer Erschlaffung schwankt und, nahe an zeitweiligen Wahnsinn grenzend, zu den thörichtsten Beschlüssen führt, wie im Juli 1844, wo er, aus einmal über die Folgen seines zeitherigen despotischen Systems, welches das Land an den Abgrund des Verderbens geführt, erschreckt, mit seiner ganzen Umgebung und Familie, denen er die Verheimlichung dieses Zustandes kundgab, zerfiel und deshalb abdanken und nach Mekka reisen wollte, ein Beschluß, den er jedoch bald wieder aufgab, um in der alten Weise fortzuregieren. Mehl nennt man den zu Pulver zermalmten und von den Bestandtheilen der Samenhüllen (Kleien) durch das Beuteln (ein Durchsieben durch Gewebe von verschiedener Feinheit der Maschen) getrennten, sowie auch durch denselben Proccß in Sorten verschiedener Feinheit getrennten Inhalt der Getreidekörner und Hülsenfrüchte. Es gibt daher so viele Arten Mehl, als es Arten solcher Körner gibt. Die mechanischen Anstalten zu Gewinnung des Mehls nennt man Mühlen (s. d.), und die Qualität des Mehls hängt nicht blos von der Beschaffenheit des Getreides, sondern auch von Einrichtung der Mühlen ab. Da das Mehl ein kleineres Volumen hat, als das Getreide, aus dem es erzeugt wurde, und doch für die technischen Verwendungen zu Gebäcken und Speisen das Getreide stets erst gemahlen werden muß, so vermahlt man Getreide häufig in großen Quantitäten zur Versendung. Soll sich das Mehl zu langer Aufbewahrung, die stets an trocknen, nicht zu warmen und von Ungeziefer freien Orten geschehen muß, besonders aber zu überseeischem Transport eignen, so muß es auf Mühlen gemahlen sein, welche das Getreide trocken mahlen, ohne es doch durch die Reibung sehr zu erhitzen. Nordamerika, Nordrußland, dir » » ^ ^ Mehlthau Meibom Küstenstädte Englands und Frankreichs und seit der neuern Zeit auch viele Orte Deutsch, lands liefern vorzügliches Mehl für die Versendung. Das Mehl besteht außer dem Kraft, mehl oder Stärkmehl (s. d.) aus einem Gemenge verschiedener stickstoffhaltiger Samen- bestandtheile, dem sogenannten Kleber (s. d.), und seine Eigenschaften lassen sich aus denen dieser beiden Stoffe ableiten. Mehlthau nennt man den anfangs klebrigen, später Weißen, pulverigen Anfluz, der sich an den Blättern und Stengeln sowol angepflanzter als auch wilder Gewächse im Hochsommer, indessen nicht in allen Zähren gleich stark, einfindet, und diese Pflanzentheile zum Verwelken bringt. Im gemeinen Leben als ein Thau oder giftiger Niederschlag aus der Atmosphäre angesehen, besteht diescrAnflug in derThat nur aus mikroskopischen Pilzen, die parasitisch auf dem Blatte leben und je nach ihrer Entwickelungsstufe einen mehr schleimigen oder trockenen Überzug darstellen. Nach Andern sind diese Blattpilze freilich nur krankhafte Gebilde, Pusteln oder Schorfe einer Hautkrankheit der Pflanzen. Nicht zu verwechseln ist damit derHonigthau (s. d.). Me'hul (Etienne Henri), ein bekannter franz. Componist, geb. 1763 zu Eivet in den Ardennen, wurde schon in seinem zehnten Jahre Organist und dann Adjunct in der Abtei Valledieu, wo er bei einem geschickten deutschen Contrapunktisten, Hanser, die Composition studirte. Im 16. Jahre ging er nach Paris, wo er nun auch in das Clavierspiel eingeweihk wurde. Zwei Jahre später verschaffte ihm der Zufall die Freundschaft Gluck's, der ihn besonders in den philosophischen und poetischen Theil der Tonkunst einweihte. Nachdem er seit >791 durch mehre Opern und andere Compositionen sich großen Beifall erworben, wurde er 1795 Professor der Musik am Nationalinstitut und später einer der drei Zn- spectoren des Unterrichts und Professor am Conservatorium. Er starb zu Paris >811. Von seinen Opern, deren geschraubt declamatorischer, den dramatischen Ausdruck überbie- kender Stil nur in dem bizarren Volksgeschmack zur Revolutionszeit einige Rechtfertigung findet, haben besonders „blne tolle" („Die beiden Füchse, oder Je toller je besser"); „l-e, sveugleo cle lolecke" und „llasepke en Lgvpte" auch in Deutschland Glück gemacht. Jndeß hat nur die letztere, in welcher er zu einer kaum minder übertriebenen Einfachhkit übersprang, bis auf die Gegenwart sich erhalten. Zugethan den Grundsätzen der Revolution, componirte er mehre Volksgesänge, unter denen der „(Laut <1u ckchmrt", „elmotde victoire" und „Okant 6e retour" mit Enthusiasmus ausgenommen wurden und seinen Ruf begründen halfen. Im 1.1835 wurde ihm in seiner Vaterstadt ein Denkmal errichtet. Meibom (Heinr.), der Ältere, geb. 1555 zu Lemgo, gest. 1625 als Professbr der Poesie und Geschichte zu Helmstedt, machte sich durch mehre Schriften um die deutsche Geschichte verdient. — Sein Sohn, Jo h. Heinr. M., ein gelehrter Arzt, geb. am 27. Aug. 1590 in Helmstedt, gest. als Leibarzt des Erzbischofs zu Bremen in Lübeck am 16. Mai 1655, gab außer mehren medicinischen Schriften eine „Vita Naecenatis"(Leyd. 1653,1.) heraus. — Größere Berühmtheit, als Beide, erlangte des Letztem Sohn, Heinr. M., geb. in Lübeck 1638. Er studirte in Helmstedt und auf einigen Holland. Universitäten, durchreiste Deutschland, England, Frankreich und Italien, wurde 1661 in Helmstedt Professor der Medicin, 1678 der Geschichte und Dichtkunst und starb daselbst 1700. In der Anatomie erhält sich sein Andenken durch die nach ihm genannten Meibom'schen Drüsen, Schleimdrüsen der Augenlider, welche die sogenannte Augenbutter absondern; ferner durch seine vortrefflichen Untersuchungen der Mutterschlagadern, der Klappen der Gefäße in Betreff des Kreislaufs und des Thränenganges, und durch dir Entdeckung des blinden Lochs in der Zunge (Meibom'sch es Loch) und der benachbarten Warzen. Geschätzter noch, als seine medicinischen Schriften sind die historischen, welche meist Deutschland betreffen, namentlich seine Ausgabe „Uerurlljgermall.scriptores" (3 Bde.,Helmst.1688, Fol.). -M arkus M., ein Verwandter des Vorigen, geb. 1630 inTönningen, beschäftigte sich als Philolog hauptsächlich mit der Musik der Alten und gab namentlich die „XntiHuae musicae scriptores reptem xrsec. et iat."(2 Bde., Amst. 1652,4.), sowie den Vitruv und Diogenes von Laerte heraus. In Folge der Widmung seiner Ausgabe der erwähnten alten Schriftsteller über die Musik wurde er von der Königin Christine von Schweden an deren Hof berufen, und diese schenkte seinen Beschreibungen der alten Musik so viel Beifall, daß sie, um einen re s-> si> N D gi Si'- an na au do m da Z° V- 18 der ach als wa grr Ha den sun tor 18! von Han tioi ricr kurz mal redi ind dm dm rm aus und nisi der ma Sä Bu Sä er i Vci 17! So best bur Meier Meil 457 recht anschaulichen Begriff davon zu erhalten, Instrumente nach Beschreibung der griechi- scheu fertigen ließ und M. bewog, in dem damit veranstalteten Concert eine griech. Arie zu singen, wozu der Professor Naudäus einen griech. Tanz tanzen sollte. Doch kaum hatte M- zu singen begonnen, als die ganze Versammlung in ein Helles Gelächter ausbrach. M. wüthend darüber, sprang auf und gab Bourdelot, dem Leibarzt und Liebling der Königin, den er für den Anstifter hielt, eine Ohrfeige. Gleich darauf verließ er Stockholm und ging nach Kopenhagen, wo er gut ausgenommen und zum königlichen Rath und.Professor am Gymnasium zu Soröe ernannt wurde. Spater kam er als Präsident des Zollamts nach Helsingör. Allein seine Lebhaftigkeit verwickelte ihn in so viele Zwistigkeiten, daß er auch diese Stelle niederlegte und sich nach Amsterdam als Professor der Geschichte an der dortigen Schule begab. Hier veruneinigte er sich indeß wieder mit dem Bürgermeister, wurde entlassen, reiste nun nach Frankreich und England und kehrte endlich nach Amsterdam zurück, wo er1711 starb. Meier (Mor.Herm. Eduard), einer der gründlichsten Alterthumskcnner der neuesten Zeit, geb. am l.Jan. 1796 zuGlogau, wurde seit 1808 theils auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt, theils auf dem zum Grauen Kloster in Berlin vorbereitet, und widmete sich seit 1813 zuerst ein Jahr lang in Breslau, später in Berlin den philologischen Studien, wo der Unterricht Böckh's und der freundschaftliche Umgang mit Gerhard und Otfr. Müller aufseine wissenschaftliche Richtung einen wesentlichen Einfluß hatten. Kaum war er 1820 als Privatdocent in Halle ausgetreten, als ihm eine außerordentliche Professur zu Greifswald übertragen wurde mit der Bestimmung, daselbst eine philologische Gesellschaft zu gründen. Jm J. 1825 kehrte er indeß als ordentlicher Professor der Philologie wieder nach Halle zurück, wo er noch gegenwärtig mit Auszeichnung wirkt. Unter seinen Schriften, in denen er das griech. Altcrthum nach verschiedenen Seiten hin, besonders die Rechtsverfassung desselben, zu erläutern süchte, zeichnen sich die „Listoria fliris -rttici cke bonis ckamns- 1 torum et Lsculium tlebilorum" (Berl. 1819) aus; ferner „Der attische Proceß" (Halle 1824), den er in Verbindung mit Schömann bearbeitete, die noch unvollendete Ausgabe von Demosthenes „Orstio in Lliäigm" (Halle 1832), und unter den vielen trefflichen Abhandlungen, die ihm seine amtliche Stellung zu schreiben gebot, die „vc ^nckocirli» ors- tiouc contra ^Iciliisckem" (6 Abtheil., Hall? 1836 fg.) und „lö'raFmentum Icxici rbeto- rici" (Halle 1844). Im I. 1828 übernahm er die Mitredaction der „Allgemeinen Literaturzeitung", die ihm mehre gediegene Aufsätze, besonders in dem zwischen Böckh und Her- !nann über Behandlung der griech. Inschriften geführten Streite, zu danken hat; auch redigirt er die dritte Section der Ersch - und Gruber'schen „Allgemeinen Encyklopädie". Meiervtto (Joh. Heinr. Ludw.), ein vielseitig gebildeter Schulmann und Pädagog Inder letzten Hälfte des 18. Jahrh., geb. am 22. Aug. 1742 zu Stargard, wurde, nachdem er zu Frankfurt an der Oder seine Studien vollendet hatte, 1771 zum Professor an dem Joachimsthalschen Gymnasium, darauf zum Ephorus desselben und Oberschulrath ernannt und starb am 24. Sept. 1800. Er war es namentlich, der neben den sprachlichen auch den sachlichen Kenntnissen im Hähern Unterrichtswescn eine würdige Stelle anwies und durch das lebendige Wort ebenso sehr wie durch seine Schriften den tädtenden Mechanismus in der Schule zu bekämpfen suchte. Unter letztem erwähnen wir mit Übergehung der vielen in einem eleganten Lattzin geschriebenen Programme besonders seine „Lat. Gram- matik in Beispielen aus den klassischen Schriftstellern" (2 Bde., Berl. 1785); die treffliche 1 Schrift „Über Sitten und Lebensart der Römer" (2 Bde., Berl. 1776; 3.Ausl., von Buttmann vermehrt, 1814); ferner die „Abschnitte aus deutschen und verdeutschten Schriftstellern zu einer Anleitung der Wohlredenheit" (Berl. 1794) und „(iüceronis vit» ex ips'mi scriptis excerpta" (Berl. 1783). über die Erdrevolutionen stellte er geistreiche i Vermuthungen auf in den „ Gedanken über die Entstehung der baltischen Länder" (Berl. 1790); auch sein in mehre neuere Sprachen übersetztes „Exempelbuch für Seefahrer und Strandbewohner" (Berl. 1790) fand vielen Beifall. Vgl. Brunn, „Versuch einer Lebens- deschreik'ung von M." (Berl. 1802 ). Meil (Joh. Wilh.), Zeichner und Kupferstecher, geb. am 23. Oct. 1733 zu Alten »urg, wo sein Vater Hofbildhauer war, widmete sich in Baireuth und in Leipzig den Wis- 458 Meile Meineke senschasten, bis 1752 zu Berlin der Anblick der dortigen Kunstwerke sein Talent für vir bildenden Künste weckte, das er von nun an, ohne einem Meister oder einer Schule zu folgen, selbständig auszubilden suchte. So schuf er sich eine eigne Manier im Radiren, welche ihm unter den berühmten Kupferätzern der neuern Zeit eine ausgezeichnete Stelle erwarb, da er alle seine Ideen mit der vollkommensten Richtigkeit entwarf und mit einer bis dahin nicht gekannten Sauberkeit in kleinen lieblichen Gestalten ausführte. Die Zahl seiner reizenden Vignetten, welche die vorzüglichsten deutschen Schriften zieren, beläuft sich übcr M. Zu den gelungensten gehören seine meisterhaften Blätter zu Engel's „Mimik" und „Sn baldus Nothanker", und zu „Gellert's Fabeln". Er starb als Vicedirector der Akademie bei Künste zu Berlin am 2. Febr. 1805. Meile, ein Längenmaß für weitere Entfernungen, hat seinen Ursprung von dem lat mille, d.h. tausend, weil die röm.Meile 1000 geometrische Schritte, jeden zu5röm.Fnßm, ausmachte. Die Länge der Meile ist in den verschiedenen Ländern sehr verschieden. Die geographische Meile wird zu zwei Stunden oder 23650 rhein.Fuß gerechnet, und lli geogr. M. gehen auf einen Äquatorgrad. Die deutscheMeilcist zwar etwas größer alt die geographische, beide Ausdrücke aber werden gewöhnlich gleichbedeutend genommen. Die engl. Meile zählt 5135 rhein. Fuß, und eine geograph. Meile ä'/r engl. Meilen. Die Seemeilen sind ebenfalls nach den Ländern verschieden, und es gehen z. B. N'/-sxai>. und 20 franz., engl, und niederländ. auf 15 deutsche Meilen; in der Regel aber rechnen die Schiffer der nordischen Gewässer nach Seemeilen, deren 60 einem Äquatorgrade gleich sind und thellen darnach ihre Logleine. (S. L o g.) Meiler, s. Verkohlung. Meina«, eine zum bad. Seekreise gehörige liebliche Insel imUberlingersee, ei« nordwestlichen Ärme des Bodensees, mit einem Schlosse, das früher dem Deutschen Orden gehörte, hängt durch eine 650 F. lange Brücke mit dem Festlande zusammen, hat '/iStnn- den im Umfange und ist mit Weinbergen, Feldern, Baumpflanzungen und Gärten bedeikt Meinberg, ein Badeort in dem Fürstenthum Lippe-Detmold, besitzt sechsMinml- quellen, welche theils zu den kohlensäurehaltigen Eisenwassern, theils zu den kochschhalti- gen Schwefelwaffern, theils zu den Kochsalzquellen gehören. »Sie haben sämmtlich nur geringe Temperatur und werden sowol zum Getränk als zum Baden benutzt, vorzüglich M solchen Kranken, welche die stärker» Eisenquellen nicht vertragen oder eine mehr auflöseude Methode fodcrn. Außerdem sind hier noch ganz vorzügliche Anstalten zu Mineralschlanm-, Dampf-, Gas - und verschiedenen andern Arten von Bädern getroffen. Vgl. Gellhaus, „Über die Mineralquellen zu M." (Lemgo 1820). Meineid (abgeleitet von Mein soviel als Betrug) heißt die eidliche Versicherung einer dem Schwörenden als unwahr bekannten Thatsache, alsch ein falscher assertorischer ^ Eid (s. d.), wogegen Verletzung des provisorischen Eids Eidbruch ist. Das ältere gemeine Recht in Deutschland strafte den sogenannten gelehrten, d. h. mit allen Feierlichkeiten geschworenen Meineid, mit Infamie und Abhauung der beiden vordersten Finger der rechte" Hand. Die spätere Praxis nahm dafür Freiheitsstrafen, welche durch die neuern Gesetzgebungen in verschiedenen Abstufungen festgesetzt wurden, je nachdem cs sich um falsch« Eid in Civilsachcn, oder um falsches Zeugniß und dessen Einfluß auf Bestrafung Unschuldiger inCriminalsachen handelt. Mehre Gesetzgebungen gehen bis zur Todesstrafe, wenn»" Unschuldiger auf ein falsches, wol auch von Mehren verabredetes Zeugniß hin mit dem Tod! ^ bestraft wurde. Daneben ist auch zumeist der leichtsinnige oder culpose, falsche Eid,d-h- die unüberlegte eidliche Versicherung einer unwahren Thatsache, mit Strafe bedroht- Meineke (Joh.Alb. Friedr. A u g.), einer der scharfsinnigsten Philologen und antiker der neuesten Zeit, ebenso geachtet als Schulmann, geb. I7S1 zu Soest, erhieltst' Bildung seit 1805 zu Schulpforta und später auf der Universität zu Leipzig, wo er" ' mentlich durch Hermann's Vorlesungen und Umgang für die classischen Studien begeil wurde. Hierauf folgte er einem Ruf an das damalige Konradinum zu Jenkau mid nachher an das Äthenäum zu Danzig, dessen obersteLeitung er 1821 übernahm. Im 3- vertauschte er diese Stelle mit dem Direktorate des Joachimsthalschen Gymnasiums! Berlin, wo er, wie früher in Danzig, langjährige Übelstände zu beseitigen, einen regen l inm , >rdn ! Sw»- 1 dk«, ^ Ilnl- Haiti- >rgi- »an ftndk mm-, haut, nun- rische memk engt- echtk" Sesktz- ^ ms;u an Ms' Meißen senschaftlichen Sinn zu wecken und die gesunkene Disciplin wiederherzustellen wußte. Als Schriftsteller hat M. für die Kritik und Erklärung der alten, meist nur noch in Bruchstücken vorhandenen, Komiker und einiger alexandrinischer Dichter, sowie der griech. Anthologie, Außerordentliches geleistet und wir erwähnen in dieser Beziehung seine „Curae eriticae in eomicorum krsgmenta ab ^tbenaso servsta" (Berl. 1815); „(tommentstio- nes misceilsneae" (Danz. 1822); „tzuas8tiones «cenicse" (3 Abth., Berl. 1826—30); „kbilologicae exercitatione8 in ^tbenaeum" (Berl. >8-13); die Schrift „De Lupborio- uis Oiialcickensis vitr et scriptis" (Danz. 1823); die treffliche Ausgabe von „Uenanckri et?!,ilemoni8 religllise" (Berl. 1823); vor allen aber die Bearbeitung der „kragm-nts pnetarum eomicorum graee." (5 Bde., Berl. 1839 fg.), die einen reichen Schatz des gediegensten Wissens enthalten, und die „Xnalect» alsxanckrirmss (Berl. 1843), in denen die Fragmente der Dichter Euphorion, Rhianus und Alexander Ätolus gesammelt und erläutert sind. Außerdem verdanken wir ihm eine gute Textrecension der Bukoliker Theokrit, Bion und Moschus (Berl. 1836) und des Horaz (Berl. 1834); auch enthält die „Zeitschrift für die Alterthumswissenschaft " eine große Anzahl gründlicher Aufsätze und Mittheilungen von ihm. Meiners (Christoph), ein um die Geschichte der Philosophie mehr noch, als um die Philosophie selbst, sowie als Historiker und Antiquar verdienter Schriftsteller, geb. zu Otterndorf im Lande Hadeln, brachte fast sein ganzes Leben in Göttingen zu, wo er studirte, >772 außerordentlicher, 1775 ordentlicher Professor der Philosophie wurde und 1810starb. Seiner nicht vollendeten „Revision der Philosophie" (Gott, und Gotha 1772) ließ er eine lange Reihe Schriften folgen, von denen wir nur folgende erwähnen: „Versuch über die Religionsgeschichte der ältesten Völker, besonders der Ägypter" (Gott. 1775); „Geschichte des Ursprungs, Fortgangs und Verfalls der Wissenschaften in Griechenland und Rom" (2 Bde., Lemgo 1781—82), verbunden mit der „Geschichte des Verfalls der Sitten und der Staatsverfassung der Römer" (Lpz. 1782) und der „Geschichte des Verfalls der Sitten, der Wissenschaften und der Sprache der Römer" (Wien und Lpz. >791); „Allgemeine kritische Geschichte aller Religionen" (2 Bde., Hannov. 1806—7); „Geschichte der Ethik" (2 Bde., Hannov. 1800 — 1); „Geschichte der Entstehung und Entwickelung der hohen Schulen" (4 Bde., Gött. 1802 —5); „Geschichte des weiblichen Geschlechts" (4 Bde., Hannov. 1788 —1800); „Lebensbeschreibungen von Männern aus derzeit der Wiederherstellung'der Wissenschaften" (3 Bde., Zur. 1795—97);' „Über die Verfassung und Verwaltung deutscher Universitäten" (2 Bde.,Gött. 1801—2); und „Historische Vergleichung der Sitten des Mittelalters mit denen des 18. Jahrh."(3 Bde., Hannov. 1793—94). Meiningen, die Haupt- und Residenzstadt des Herzogthums Sachsen-Meinin- gen-Hildburghausen (s.d.) und der Sitz der Landescollegien, liegt im sogenannten Unterlands, in einem Thale an der Werra, ist freundlich gebaut und hat 6000 E. In dem Schlosse, das von Herzog Bernhard 1681 angelegt und seiner Gemahlin zu Ehren Elisa- belhenburg genannt wurde, befinden sich die Bibliothek mit 24000 Bänden, verschiedene Kunstsammlungen und in einem besondern Locale das den Negierungen von Preußen, Sachsen-Weimar und Sachsen-Meiningen gemeinschaftliche hennebergische Gesammtar- chiv. Der englische Garten des Herzogs ist einer der schönsten in Deutschland. Die Hof- Haltung bildet den Hauptnahrungszweig der Bewohner; doch beschäftigt man sich auch mit Tuch-, Barchent- und Leinwandweberei. Übrigens hat die Stadt ein Gymnasium (Bern- hardinum), ein Schullehrerseminar, eine Industrieschule und ein neues Theater. Vgl. „M. und seine Umgebungen" (Mein. 1842). Meiösis oder Miösis (griech.), eigentlich Verminderung, heißt eine mit der Lito- t es (s. d.) verwandte rhetorische Figur, nach welcher man sich in der Rede eines scheinbar verringernden Ausdrucks bedient, um denselben dadurch hervorzuheben. Meisenheim, Grafschaft, f. Hessen-Homburg. Nkeißen, im Königreiche Sachsen, ehemals der Sitz der Markgrafen, Burggrafen und Bischöfe von M., und noch gegenwärtig eines Domcapitels, liegt zwischen dem Flüßchen Meiße, von dem es den Namen hat, und dem Triebischbach«, auf und zwischen Hügeln, am linken Ufer der Elbe, über die hier eine Brücke führt, in herrlicher Gegend und hat Meißen ^-1 gegen 8100 E. Das berühmteste Bauwerk ist die Domkirche, ein Meisterstück altdeutscher Baukunst, mit einem merkwürdigen, dem sogenannten höckerigen Thurme, der in eine Vü F. hohe Spitzsäule von durchbrochener Arbeit ausläuft, reich an herrlichen Verzierungen und Denkmalen aus sehr früher Zeit. Ihr erster Erbauer soll Kaiser Otto I. gewesen sein. Zu Anfänge des 13. Jahrh. brannte ste gänzlich ab. Bischof Wittigol., 1266—93, be- gann ste von Grund aus neu zu bauen; doch kam er damit nur bis zum Haupteingange der Südseite. Wittigo H., 1312 —42, sehte das Werk bis auf die beiden westlichen Thürme fort, die zu Anfänge des 14. Jahrh. vollendet wurden, aber schon 1413, vom Blihe entzündet, abbrannten und seitdem nicht wiederhergestellt, wol aber, um die Gewölbe zn schützen, durch den sogenannten Schafstall ersetzt wurden, der erst in neuester Zeit einer gefälligen Plattform gewichen, ist. Den westlichen Haupteingang des Doms verdeckt die Fürstenkapelle, die der Kurfürst Friedrich der Streitbare 1425 als Erbbegräbnis seines Stammes erbaute und die unter Anderm das eherne Grabmal ihres Stifters enthält. Vgl. Ursinus, „Geschichte der Domkirche zu M. und ihrer Grabmäler" (Dresd. 1782, 4.); Ebert, „Der Dom zu M.", herausgegeben von Klemm (Meist. 1835), und Schmechten, „Der Dom zu M. bildlich dargestellt" (Berl. 1826, Fol., mit 22 Abbild.). Das an die Domkirche grenzende Schloß war in frühester Zeit zugleich markgräfliche, burggräfliche und bischöfliche Residenz, wurde seit 1471 durch den Kurfürsten Ernst und den Herzog Albert ganz neu gebaut, unter Kurfürst Johann Georg II. um die Mitte des 17. Jahrh. restaurirt und Albrechtsburg genannt und 1710 der Porzellanmanufactur eingeräumt. Vgl. Puttrich, „Das Schloß und der Dom zu M." (8pz. 1845, Fol., mit Abbild). Nächstdem sind zu erwähnen die Stadt- und Marienkirche, die schon zu Anfänge de§ U. Jahrh. vorkommt, und die Kirche des ehemaligen St.-Afraklostcrs aus dem Anfänge des 14. Jahrh. „Vgl. Urstnus, „Ursprung der Kirche und des Klosters St.-Afra in M." (Lp;. 1780) und Ortel, „Das Münster der Augustiner Chorherren zu St.-Afra in M." (Lxz. 1843). Das Domcapitel, im Besitz bedeutender Grundstücke in der Stadt und zahlreicher Dörfer, besteht aus acht Capitularen, nämlich einem Dompropst, Domdechant, Senior, Cantor, Custos und drei Domherren, worunter die beiden ersten Professoren der Theologie rur der Universität zu Leipzig. Wiederholt schon hat man an die Aufhebung desselben und eine zeitgemäßere Verwendung der Fonds gedacht; es mag aber Solches wol seine besonder» Schwierigkeiten haben. Vgl. Stieglitz, „Das Recht des Hochstifts M. auf ungehindertes Fortbestehen u. s. w." (Lpz. 1834). Die Fürstenschule zu St.-Afra entstand aus der >20ö bei dem gleichnamigen Kloster gestifteten Sing- und Klosterschule, nach der Aufhebung derselben durch den Kurfürsten Moritz, im I. 1543 und liegt auf einem bedeutenden Hügel, den eine im 13. Jahrh. erbaute kühne Brücke mit dem Schloßbcrge verbindet; den Unterricht besorgen sieben Professoren und andere Lehrer und die Zahl der Alumnen ist >20; außerdem finden gegen besonderes Honorar auch Extraner und Penstvnairs Aufnahme. Sie hat bedeutend zur Förderung namentlich der klassischen Bildung beigetragcn und steht in dieser Beziehung, sowie überhaupt in wissenschaftlicher Hinsicht, fortwährend in verdientem Rufe. Ihr erster Rector war Georg Fabricius (s. d.). Nächstdem hat M. eine Stadtschule, die ursprünglich eine Franciscanerschule, 1540 in eine Stadtschule und >8ü» in eine Bürgerschule verwandelt wurde. Die Porzellanfabrik auf der Albrechtsburg wurde als die erste in Europa (s. Porzellan) von Böttg er (s.d.) 1710 begründet und beschäftigt gegenwärtig mehr als 500 Arbeiter. Was die fernerweite Industrie der Stadt anlangt, so besteht dieselbe in ansehnlichem Wein- und Obstbau, Bierbrauerei, Zuckersiederei und Schiffahrt. Durch die Anlegung derLeipzig-dresdner Eisenbahn, die'/- Stunde nordöstlich an der Stadt vvrüberführt, hat dieselbe, als eine ehemalige Hauptstation der Dres- den-leipziger Chaussee, bedeutend verloren. Eine Weinbaugesellschaft wurde daselbst im 1. 1799 gestiftet. In der Nähe von M. sind zu nennen eine 1835 errichtete Eisengießern eine Sicherheitszünderfabrik und das Buschbad, ein Vergnügungsort, mit einer Kaltwasserheilanstalt. Vgl. Lindau, „Beschreibung der Stadt M." (Meiß. 1817). M. ist eine der ältesten Städte Sachsens. Sic wurde von König Heinrich I- 928 als Schutzwehr seiner deutschen Ansiedelungen in hiesiger Gegend gegen die unterjochten Slawen angelegt) doch von den alten Befestigungen sind nur noch wenige Spuren vorhanden. graul der stte tel, 18. den son und terl schi gehl Mü neu. erst! Letzi Egl wel> Vgl Bii gleil bist! Harb Stij an d (s.d Vcr> mäh! 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Wie schon 1547, so wurde die Stadt auch im Dreißigjährigen Kriege 1632 von den Kaiserlichen genommen, >637 aber von den Schweden, die sie nicht nur ausplündertcn, sondern auch zum Theil niederbrannten. Zm I. >745 siel sie den Preußen in die Hände und am 13. März 1813 ließ der sranz. General Davoust, um die Communication zu unterbrechen, die dasige Elbbrücke abbrennen. Vgl. Reinhard, „Die Stadt M., ihre Geschichte, Merkwürdigkeiten u. s. w." (Meiß. 1829). Das Markgrafthum M. wurde 928 vom Könige Heinrich!, begründet und es gehörten dazu, außer der Stadt M., namentlich die Städte Lommahsch, Nossen, Leisnig, Mügeln, Kolditz, Dresden, Bautzen und Kamen;. Der Markgraf hatte die Grenzen der neuerworbenen Eroberungen der Deutschen zu schützen gegen die slaw. Nachbarn. Als der erste Markgraf wird Riddag um 983 genannt; ihm folgte 985 sein Neffe, Ekkard l. Des Letztem Nachfolger gehörten verschiedenen berühmten Dynastengeschlechtcrn an, bis nach Egbert's II. Ermordung im I. >990 die Markgrafschaft an das HauS Wettin kam, in welchem sic seit ! 127 mit Konrad dem Großen (s. d.) erblich wurde. (S. Sachsen.) Vgl. Ritter, „Älteste meiß. Geschichte", herausgegeben von Schrvckh (Lpz. 1789). Das Bisthu m M. verdankt seineBegründung dem Kaiser Otto!, im Z. 965 und war, wie die gleichzeitig gestifteten Bisthümer zu Merseburg und Zeitz, in geistlichen Dingen dem Erz- bisthum Magdeburg unterworfen. Der erste Bischof war des Kaisers Hofkapellan Burkhard. Sein Nachfolger Volkold brachte bereits die Stadt Wurzen und andere Orte an das Stift, und mehr und mehr sich erweiternd reichte nachmals der bischöfliche Sprengel bis an die böhm. Grenze und in die Nähe von Berlin. Unter allen Bischöfen wurde Benno (s. d.) der berühmteste. Nach Einführung der Reformation in der Stadt nahm in Folge Vertrags > 559 auch das Stift die protestantische Kirchenverfassung an; der Bischof aber wählte Wurzen (s. d.) zu seiner Residenz. Endlich trat 1587 der Bischof Johann von Haugwitz selbst zur protestantischen Kirche über und legte sein bischöfliches Amt nieder, worauf zunächst ein Vertrag zwischen dem Kurfürsten von Sachsen und dem Domcapitel dahin zu Stande kam, daß der Administrator desselben stets aus dem Kurhause Sachsen gewählt werden solle. Kurfürst Johann Georg II. erlangte 1663 durch einen anderweitcn Vertrag für das Kurhaus Sachsen das Recht fortwährender Administration des Domca- pitels, das nun völlig dem kursächs. Lande einverlcibt wurde. Vgl. Calles, „Series mis- oeas. episcopornm" (Regensb. >752, 4.). Das Burggrafthum M. gehört zu den wenigen Burggrafenthümern, deren Inhaber von der nieder» Stufe eines Befehlshabers der kaiserlichen Truppen sich zu höherer Macht, Ansehen und Erblichkeit erhoben und die Zeit des allgemeinen Verfalls der burggräflichen Würde im 12. Jahrh. überlebten. Der rrste, IOII vom Kaiser eingesetzte Burggraf war Graf Friedrich von Eilenburg, aus dem Hause Wettin. Die Besitzungen der Burggrafen umfaßten nach und nach die Schlösser Frauenstein, Hartenstein, Rochsburg und eine Menge anderer weit zerstreuter Besitzungen. Der Burggraf Wiprecht von Groitzsch verlegte >117 seine Residenz nach Leisnig; seine später» Nachfolger residirten anfangs in Frauenstein, später in Hartenstein. Zuletzt waren die Grafen Neuß zu Plauen seit 1426 mit der burggräflichen Würde in M. belehnt, die sie aber für den Fall des Erlöschens dieser Linie 1546 an das Kurhaus Sachsen zu überlassen versprachen, was im I. 1572 der Fall war, worauf die Burggrafcnwürde aufgehoben wurde. Vgl. Märcker, „Das Burggrafthum M." (Lpz. > 842 ). Meißner (Aug. Gottlieb), ein sehr fruchtbarer deutscher Schriftsteller, dessen Werke Ae Zeit lang zu den gclescnsten in Deutschland gehörten, war zu Bautzen in der Oberlau- H am 3. Nov. 1753 geboren und studirte von 1773—76 zu Leipzig und Wittenberg die atechte und schönen Wissenschaften. Nachmals wurde er Kanzellist beim Geh. Consil, spä- 462 Meister und Meisterstück Meister (Leonhard) l-.-S 4 ter Geh. Archivsregistrator zu Dresden und gewann ganz besonders die Gunst des damali. gen Ministers von Wurmb. Eine Reise durch einen Theil der östr. und deutschen Staat« verschaffte ihm 1785 den Ruf als Professor der Ästhetik und elastischen Literatur nach Prag. JmJ. 1805 folgte er dem Rufe als Nassau-oranischer Consistorialrath und Directorder hohen Lehranstalten nach Fulda, wo er am 2V. Fcbr. 1807 starb. Die Bekanntschaft M Engel veranlaßte ihn, sich zuerst in Lustspielen und Operetten nach dem Französischen für die Seiler'sche Schauspielergcsellschast zu versuchen. Unter seinen selbständigen Arbci- ten für die Bühne ist sein „Johann von Schwaben" (Lpz. 1780) die vorzüglichste. M Canzlcr war er 1783—85 Herausgeber der Quartalschrift „Für ältere Literatur niii neuere Lecture", und 1793—95 gab er die Monatsschrift „Apollo" heraus. Seine bekannteste Arbeit sind die „Skizzen" (14 Sammlungen, Lpz. 1778—96) mit prosaischen Aufsätzen verschiedenen Inhalts, Anekdoten, Erzählungen, Fabeln u. s. w.; seine historischen Romane, wie „Alcibiades" (4 Bde., Lpz. 1781—88), „Bianca Capello" (2 Bde., Lpz 1785) und „EpaminondaS" (2 Bde., Prag 1798—1801), geben wegen vielfacher moderner Beimischungen kein treues Bild der geschilderten Zeiten. Auch schrieb er das „Leben hes Julius Cäsar" (2 Bde., Berl. 1799-1800; fortgesetzt und vollendet von Haken, L Bde., Frankf.1811—12) und „Bruchstücke zur Biographie J.G.Naumann's" (Me., Prag 1 803 — 8 ). Eine Gesammtausgabe seiner Werke besorgte Kuffner (36 Bde., Wien 1813—14). Sie empfehlen sich im Allgemeinen durch eine blühende Einbildungskraft, leichte Sprache, Anmuth und Witz und eine glänzende Manier mit einem feinen Anstriche von Galanterie, obgleich man ihnen auf der andern Seite auch gezierten Ausdruck, spielenden Witz und leere Deklamation, ja sogar Verstöße wider die Grammatik zum Bomurfe machen muß. Meister und Meisterstück, (.Handwerk. Meister werden in der Kunstgeschichte insbesondere diejenigen den Namen nach unbekannten ersten Formenschneider und Kupferstecher genannt, welche blos durch Mm- gramme oder einzelne wiederkehrende Zeichen kenntlich sind; so z.B. der Meister von, Z. 1423 (der erste Formenschncider, welcher eine Jahrzahl anbrachte); der Meister E.ö-(«i«l- leicht Erhard Schön, einer der ausgezeichnetsten Kupferstecher deS 15. Jahrh., höchst wahr- scheinlich der kolmarer Malerschule angehörend); der Meister F. V. D. (vielleicht Fm; von Bocholt, ein Kupferstecher vom Ende des 15. Jahrh.); der Meister mit dem Anker, mit den Bandrollen, mit dem Antoniuszeichen (1), mit dem Krebs u. s. w. Von manch« früher auf diese Weise bezeichneten Künstlern ist inheß durch neuere Forschungen der Nanu ausgemittelt worden. — Kleine Meister nennt man die Kupferstecher, welche als die Nachfolger Dürer's ihre meist kleinen Kupferstiche bis in die kleinsten Details herab mit der größten Genauigkeit und Sauberkeit ausführten. (S. Kupferstechkunst.) Meister (Leonhard), ein schweizer. Schriftsteller, dessen poetische und historisch« Schriften der Vergessenheit anheimgefallen sind, während seine Arbeiten über die deutsch« Sprache und Literatur noch immer Beachtung verdienen, war zu Ncfftenbach bei Zürich am >2. Nov. 1741 geboren und kam nach seines Vaters Tode, welcher dort Pfarrer war, nach Zürich, wo Breitinger, Steinbrüchel, Ulrich, Hirzel und Bodmer seine Lehrer wurden, und nächst der klassischen Literatur besonders Geschichte und schöne Wissenschaft anzogen. Er wurde 1773 Professor der Geschichte an der Kunstschule zu Zürich, >7S> am Pfarrer an der dasigen St.-Jakobskirche. Durch die politischen Ereignisse des Z. 17 LS "> die Archive des helvet. Vollziehungsdirectoriums geführt, sehnte er sich sehr bald »ach«r gewohnten Ruhe und wurde im 1.1800 wieder Pfarrer zu Lagnau am Fuße des llm«- Einige Jahre später legte er jedoch auch dieses Amt nieder und lebte ausschließend d«n2eü- senschaften und dem Unterrichte der ihm anvertrauten Jünglinge, bis neues Bedürfnis nochmals zur Kanzel führte. Er wurde Pfarrer zu Kappel im Canton Zürich, wo era 18. Oct. 1811 starb. Er arbeitete mit einer Leichtigkeit, die, verbunden mit dem M ' den seine Schriften eine Reihe von Jahren fanden, wol oft der Gründlichkeit Eintrag ly. Doch sind in allen eigenes Urtheil, freies Denken und ein reicher Schatz von Kemmwl i sichtbar. Am bedeutendsten sind seine „Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprach« ! Nationalliteratur" (2 Bde., Heidelb. 17 80), seine „Geschichte der deutschen Sprach« ! iali> all», ug- 'der Mi! ^ >sir ^ rbei- am- Äf- ich!" >der- Äen llklN, Sde., ü-ien Äst, ach, elen- »ich zm- !»»»- 1 n,Z- Zu"! i»!er, »chm >!« j lsdie b mit irisch« ritsch« Zürich cmr, min- rflibn ! aber !KSi» ich der W«.j iM-l riß ih" er am Zeisaü/s glhat. tnisse"! he und he M Meister (Simon) Meistersänger 463 Schriftsteller des 15. und 16. Zahrh." (2 Bde., Bern 1796) und „Zur Geschichte der deutschen Sprache und Nationalliteratur" (Bern 1777). Meister (Simon), einer der bessern neuern Maler, geb. zu Koblenz 1803, studirte in Paris unter Horace Vernet, wo sich seine Borliebe für Pferde- und Schlachtenmalerei zur Virtuosität ausbildete. Später lebte er in Köln, wo er 184-1 starb. Seine namhafte- sten Bilder sind eine Löwenjagd, eine große Darstellung des Kronprinzen (Friedrich Wil- helm's IV.) von Preußen zu Pferde, umgeben-von seinem Stab, mehre Scenen aus dem griech. Freiheitskampfe, die Schlacht bei Ligny u. s. w. Feuer der Darstellung und lebendi- ges Colorit zeichnen seine Werke aus, und lassen die Nachlässigkeit in manchem Einzelnen vergessen- Gemeinschaftlich mit seinem Bruder Nikolaus M. unternahm er 1840 die Verfertigung eines kolossalen Panorama, den Nheinübergang des Generals Hoche bei Neuwied darstellend, welches mit dem größten Beifall ausgenommen wurde und durch Lebendigkeit der Staffage sich auszeichnete. Meistersänger Pflegt man die vorzüglich dem bürgerlichen Stande angehörigen deutschen Dichter zu nennen, die, in Singschulen verbunden, seit der zweiten Hälfte des 14. Zahrh. Gesang in künstlichen Formen, aber ohne sonderlichen poetischen Gehalt übten, und ihnen die M i n n e s ä n g e r (s. d.), als die altern, vorzüglich dem ritterlichen Stande angehörigen deutschen lyrischen Dichter des 12. und 13. Jahrh., entgegenzusetzen, deren Lieder von dem Geiste der Poesie beseelt sind. Man kann diese Namen gelten lassen, um zwei verschiedene Stadien des Entwickelungsgangs der lyrischen Kunstpoesie des deutschen Mittelalters, ihre Blüte und ihren Verfall, zu bezeichnen, obschon die Begrenzung beider gegeneinander ihre Schwierigkeiten hat, und die Zeit des Übergangs' von dem einen zu dem andern dabei übersehen wird; aber man darf sich nicht zu dem Glauben verleiten lassen, als habe man in diesen Namen historisch begründete Benennungen zweier Erscheinungen, die ohne innere Gemeinschaft einander dem Wesen wie der Zeit nach fremd, ja entgegengesetzt gewesen wären. Daß diese eine Zeit lang übliche Ansicht irrig und unbegründet sei, daß im Gegentheil die besten Minnesänger! der schwäb. Zeit, wie man nach Bodmer's Vorgang sich ausdrückte, mit den spätesten handwerksmäßigen sogenannten Meistersängern geschichtlich und durch ein innerliches Band Zusammenhängen, hat Jak. Grimm in seiner Schrift „Über den deut- schenMeistergesang"(Gött. 1811) zuerst nachgewicsen und gezeigt, wie Dasjenige, was den Meistergesang als solchen charakterisirt, in einer bestimmten Grundform des Strophenbaus liege, die mit dem ersten Entstehen lyrischer Kunstpoesie im deutschen Mittelalter zugleich, im 12. Jahrh., sich bildete, sich als ihr Gesetz die Zeit ihrer Blüte hindurch erhielt, und die auch, als diese Blüte nach der Mitte des 13. Jahrh. allmälig verwelkte und endlich im > 4. Jahrh. schwand, noch lange als die Form einer bestimmten Gesangsübung fort- hauerte. Es beruht aber jene Grundform auf der Dreitheiligkeit der Strophe; jede Strophe, wofür die ältern Dichter das Wort Lied, die später» das Wort Gesäß brauchen, besteht aus drei Gliedern, von denen zwei (später Stollen genannt, auch unter dem Namen Aufgesang zusammengefaßt) symmetrisch gemessen und gereimt sind, während das dritte Glied, der später sogenannte Abgesang, gewöhnlich seine eigne Messung und Reimstel- lung hat. Am häufigsten steht der Abgesang am Ende der Strophe, nicht selten aber wird er auch von den beiden Stollen in die Mitte genommen. Die Gleichheit der Stollen zeigt sich in der Zahl der Silben (und für die lyrische Poesie gilt die Regel des ununterbrochenen Wechsels der Hebungen und Senkungen) und Zeilen, sowie in der Stellung der Reime; doch wird der Eindruck der Gleichheit durch den zuweilen vorkommenden Fall nicht verletzt, daß die Reime in dem zweiten Stollen eine andere, namentlich umgekehrte Folge erhalten, wo dann die Silbenzahl sich entweder nach der Zahl oder nach dem Reim der Zeile richtet. Die eigentlichen lyrischen Lieder bestehen gewöhnlich aus mehren Strophen; die sogenannten Sprüche, reflectirendcn besonders und didaktischen Inhalts, aus einer einzigen; findet das Elftere statt, so sind der ersten Strophe in Stellung und Art der Reime die folgenden in der Regel, im Maß der sich entsprechenden Zeilen stets gleich, und diese Gleichheit unterscheidet die Form des Liedes von der des Leiches (s. d.), die, von der mittelhochdeutschen lyrischen Kunstpoesie ausgenommen, die einzige wirkliche Ausnahme von jener ihrer Grundform bildet. Die Mannichfaltigkeit derStrophenarten oder Tön c, wie sie die lyrische Poe- 464 Meistersänger sie ihrer Natur nach nicht nur erlaubt, sondern verlangt, wurde durch das gemeinsame Ee- setz nicht ausgeschlossen; sie entwickelte sich aus der Freiheit, welche der Dichter in der An- Wendung verschiedener Versarten, in der Bestimmung der Zeilenzahl von Stollen und Abgesang, in der Anordnung der Endreime, in der Anwendung von Mittelreimcn und reini- losen Zeilen (Waisen) u. s. w. hatte, und namentlich in den Gedichten der altern Zeit tritt uns, da gewöhnlich der Dichter ein neues Gedicht auch in einem neuen Ton schuf, ei„ unendlicherRcichthum von Tönen entgegen, während in einer später» Zeit die Nachahmung früherer Töne häufiger wurde. Während aber den ältern Dichtern meist einfachere »,id kürzere Töne genügten, suchten die spätern, obwol sie, auch was die Form anlangt, aiur- ' findcrischer Kraft jenen weit nachstehen, sie durch Künsteleien und Neimüberladungen in immer längern Tönen zu übcrbieten; und dies läßt sich schon einzeln in den Liedern du zweiten Hälfte des 13. Jahrh. wahrnehmen, steigert sich aber später noch weit mehr. Dir Lieder, sowie die Leiche und die ihnen gleichförmigen Reien, neben denen auch Tanzliedrr Vorkommen, wahrscheinlich auch, wenigstens in der besten Zeit, die Sprüche, waren für dm Gesang bestimmt, und es war Sache des Dichters, die Melodie oder Weise zu erfinden, unter welcher letztem Benennung bisweilen auch das Maß oder der Ton mitbegriffm wird, während beiden der Text seinem Wortinhalt nach als Wort entgegengestellt wird. Daß nun die Technik, welche bei Abfassung der Lieder und ihrer Weisen, wie beim Vortrag in Ausübung kam, schon in der frühesten Zeit durch mündliche Belehrung von dem erfch renen Dichter dem Jünger, der sich ihm anschloß, überliefert wurde, darf mit GewHrit angenommen werden und wird durch Äußerungen, wie Walther's von der Vogelweide, der Ostreich als das Land nennt, wo er „singen und sagen" lernte, bestätigt. Aber an eine förmliche Stiftung des Meistergesangs ist nicht zu denken, wie spätere Meistersänge! eine solche erdichteten, die sie schon unter Otto dem Großen durch zwölf berühmte Meister geschehe» lassen. Frühzeitig mögen auch schon einzelne Sänger zu freien Eenossdnschaften, an die dann jüngere sich der Belehrung wegen anschlossen, sich vereinigt und in ihnen Wettkampfe angestcllt haben, worauf das Gedicht vom Wartburgkrieg hinweist. Aus solchen Vereinen gingen endlich die eigentlichen Sing- und Meisterschulen hervor mit schulmäßiger auf bestimmten Satzungen und Gebräuchen beruhender Einrichtung, die zuerst im Anfänge des , 14. Jahrh. unter der Genossenschaft, die sich in Mainz um Frauen lob (s. d.) versam- > melte, erscheint und die in der Folge, da sich vornehmlich Handwerker des Meistergesangs befleißigten, eine recht eigentlich zunftmäßige Gestalt annahm. In denSchulen wurde dann auch der Name Meister zur Benennung für Die, welche den höchsten Grad nach den Satzungen ihrer Singschulc erlangt hatten, während er früher theils zur Anerkennung vorzüglicher Kunst, theils vom Schüler gegen den Lehrer, theils zur Bezeichnung des bürgerlichen Laienstandes, dem der Dichter angehörte, im Gegensatz gegen die Benennung „Herr", die den Ritter und Geistlichen auszeichnete, gebraucht wurde. Was nun die Geschichte der lyrischen Kunstpoesie anlangt, die wir unter dem Namen des deutschen Meistergesangs begreifen, so steht sie im engsten Zusammenhang mit der Geschichte der deutschen Poesie des Mittelalters überhaupt, deren Glied sie bildet, und unter dem Einfluß derselben Zeitverhältniffe und Bedingungen. (S. Deutsche Poesie.) Was den Meistergesang insbesondere betrifft, der namentlich das südliche Deutschland zu seinem Sitz hatte und behielt, so entwickelte sich derselbe bald nach der Mitte des 12. Jahrh. soM der Form als dem inner» Gehalt nach ans dem Volksgesang. Der Provencalen Troubadourpoesie hat weder auf seine Entstehung noch auf seine Ausbildung irgend wesentlich eingewirkt und nur von einem der vielen Dichter, Rudolf von Ncuenburg, läßt sich Nachweisen, daß er einen Troubadour, den Folquet von Marseille, nachgeahmt habe. Dem Tone des Volksgesangs gehören noch die ältesten Stücke lyrischen Gesangs an, die namenlos aus der Mitte des 12. Jahrh., ebenso die, welche unter dem Namen des von Kurn- berg um 1170 und des Spcrvogel auf uns gekommen sind. Bald nachher leitete Dietmar von Eist zu der künstlicher« ausgebildeten Form über, als deren eigentliche Begründer Friedrich von Hausen und Heinrich von Veldeke, die Beide noch vor l 190 dichteten, zu betrachten sind, und in den nächsten Jahrzehnden entfaltete sich reich und schön die Blüte des lyrischen Gesangs durch viele Dichter, die zumeist, doch nicht alle, dem ritterlichen Stande, Meistersänger 465 überhaupt dem Pfleger der Poesie in jener Zeit, angehörten und rh« Kunst insbesondere an den Höfen milder, d. h. freigebiger Fürsten, wie des Landgrafen H ermann (s. d.) von Thüringen, übten (daher hofelicher Sang), welche dieselbe belohnten und nicht selten mittriebe». Im Zusammenhänge mit der eigenthümlichen Entwickelung des Frauendienstes, die in jener Zeit unter dem Einfluß des Ritterthums stattfand, steht es, daß die Minne (s.d.) den Hauptinhalt für jene Lyrik gewährte, und insofern wird der Name Minnesänger für die älter» Meistersänger nicht unpassend erscheinen. Nur darf man nicht glauben, daß die Minne und etwa, damit verbunden, die Lust an der Natur, namentlich am Erwachen des Lenzes und den Freuden, die er bringt, die einzige Triebfeder desGesangs gewesen sei; eine nicht geringe Anzahl von Liedern und Sprüchen der ältern Zeit gibt es, in denen daß religiöse Gefühl, die Theilnahme an den Weltbegebenheitcn, die Verehrung milder, der Tadel karger Fürsten, die Feier echt ritterlicher Zucht und Sitte, häufiger noch die Klage über ihr Verschwinden, Rüge und Warnung ob der einbrechenden Verderbniß, Scherz und Spott über Thorheit und Verkehrtheit sich aussprechen. Allerdings aber sind die größere Masse Minnelieder; vieleDichter, besonders ritterliche, haben nur dergleichen gedichtet, und keiner ist an reicher Mannichsaltigkeit mit Walther von der Vogelw eide (s. d.) zu vergleichen, der in dieser wie in jeder andern Hinsicht unter allen lyrischen Dichtern seiner Zeit, deren viele von einer gewissen Eintönigkeit nicht freizusprechen sind, hervorragt. Schon um die Mitte des I3.Zahrh.fing die lyrische Poesie an zu sinken, und Künsteleien und Übertreibungen in der Form begannen Das zu ersetzen, was an dichterischer Kraft und frischer Lebendigkeit gebrach; dies nahm gegen das Ende des 13.Jahrh. und noch mehr im Anfang des l 4. Jahrh. zu, wo dieZahl der ritterlichen Sänger sich mindert, die der bürgerlichen steigt, zumal da einer eignen Lust an grübelnden Betrachtungen, einer Neigung zu gcheimniß- vollen Forschungen und zur Gelehrsamkeit auch begabtere Dichter der letzter« Zeit, wie ^ der Frauenlob, in ihren Gedichten, deren Form sie immer künstlicher zu machen strebten, sich ergaben; doch finden sich auch in der spätem Zeit des beginnenden Verfalls noch immer einzelne Gedichte, in denen Verworrenheit und Überkünstelung glücklich vermieden sind. Von den vielen Dichtern, die vom l 2. bis ins 14. Jahrh. den Meistergesang übten und deren die sogenannte Manessische Sammlung allein 13V aufführt, nennen wir namentlich aus der älternZeit, außer den bereits genannten, Heinrich von Morungen, Hartmann von Aue (s-d.), Neinmar den Alten, Wolfram von Eschenbach(s. d.), der die Tage- oder Wächterlieder in die deutsche Lyrik cinführte, Neidhart (s.d.), den Erfinder der „höfischen Dorfpoesie", Gottfried von Strasburg (s. d.), Graf Otto von Botenlaube (herausgeg. von Bechstein, Lpz. 18-15), Ulrich von Singenberg, denTanhäuser; um die Mitte des >3. Jahrh. Christian von Hameln, Gottfried von Ncifen, Ulrich von Lichtenstein (s.d.), Schenk Ulrich von Winterstettcn, Neinmar von Zweter, Konrad von Würzburg (s. d.), den Marner, den Meißner; aus dem Ende des 13. und aus dem Anfang des 14. Jahrh. Konrad Schenk von Landeck, Herzog Heinrich IV. von Breslau, Markgraf Otto mit dem Pfeil von Brandenburg, Naumsland, Meister Joh. Hadlaub (herausgeg. von Ettmüller, Zür. 1840), Heinrich von Meißen genannt F r a u e n l o b (s. d.), den Schmied Regenbogen. Unter den Handschriften, durch welche uns die Lieder dieser Zeit erhalten worden sind, nimmt den ersten Platz wegen ihres Neichthums die pariser sogenannte Manessische Sammlung (s- d.) ein; andere berühmte Handschriften sind die weingartener, jetzt in Stuttgart befindliche, von welcher Fr. Pfeiffer einen genauen Abdruck (Stuttg. 1843) besorgt hat, die jenacr und mehre Pfälzer oder Heidelberger Handschriften. Aus der pariser Handschrift machte Bodmer zuerst „Proben der alten schwäb. Poesie" (Zür. 1148), dann den größten Theil der in ihr befindlichen Strophen unter dem Titel „Sammlung von Minnesingern aus dem schwäb. Zeitpunkte" (2 Bde-, Zür. 1758— 59) bekannt; wichtige Ergänzungen gab besonders Benecke in seinen „Beiträgen zur Kennt- niß der altdeutschen Sprache und Literatur" (2 Bde., Gött. I81U —32); die vollständigste Sammlung zugleich mit den Lebensbeschreibungen der einzelnen Dichter und vielen Erörterungen besitzen wir in von der Hagen's „Minnesinger" (4 Bde., Lpz. >838); unter den Erneuerungen sind, außer Simrock's Übertragung von Walther's Gedichten, besonders L. Tieck's „Minnelieder aus dem schwäb. Zeitalter" (Berl. 1803) zu erwähnen. Conv.-Lex. Neunte Aufl. IX. 30 .«iL 466 Meistersanger W Rach der Mitte des 14. Jahrh. zieht sich der Meistergesang ganz in die Städte, bl- sonders die Reichsstädte, des südlichen Deutschlands zurück; namentlich Handwerker sind es, die ihn hier in ihren sich immer mehrenden, vor der Berührung mit nicht zunftmäßigen Dichtern sich allmälig ganz abschließenden Singschulen, denen KarlIV. 1387 Freibrief und Wappenrecht bewilligte, zum ehrsamen Zeitvertreib, mit großem Eifer als den vorzugsweise von ihnen als kunstmäßig betrachteten Gesang üben. Von der Behandlung spitzfindiger scholastisch-theologischer Fragen wendete man sich nach und nach ab; auch die Liebe hörte auf, Gegenstand des Meistergesangs zu sein, und in dem l 6. Jahrh. waren es in den protestantischen Städten, wo er, wie in Nürnberg, am meisten blühte, namentlich die Bibel, der Katechismus, Geschichten aus dem Alterthum, welche den Meistersängern den Stoff für ihre Bar, wie jetzt die Lieder genannt wurden, darboten, so wenig für denselben dir lyrische Form sich eignete. Diese blieb zwar in ihrer Dreitheiligkeit die alte, aber dasStre- den nach Schwierigkeiten, das Wohlgefallen an sonderbarer und geschmackloser Künstelei ln den neuen Tönen, die man neben den alten zu erfinden bedacht war, die handwerksmäßige Weise, wie man dabei verfuhr, ertodteten in ihr alle Geschmeidigkeit und Lebendigkeit, und so sehr man über Reinheit der Sprache und des Versbaues zu wachen meinte, drang doch die allgemeine Verwilderung und Roheit in beiden auch hier ein. Poetischer Geist zeigt sich noch hier und da bei Meistern aus dem Ende des l -1. und dem Anfänge des 15. Jahrh., wie bei Heinrich von Mügeln und Muscatblüt, in der Zeit also, wo das Volkslied in neun Frische und Kraft erwachte, und Dichter wie der letztgenannte sowie Hugo von Montfort und Oswald von Wolkenstein einen Übergang vom Meistergesang zum Volkslied bilden. Später entwich er ganz und selbst ein wahrer Dichter wieHansSachs (s. d.) vermochte die reiche poetische Natur, die er in andern Werken so tüchtig bethätigte, in dm -i275 Dar deutschen Meistergesangs nicht zu entwickeln, die er „die Schule zu zieren und zu erhalten" nicht für die Öffentlichkeit gedichtet, und sich in ihnen nicht über die Trockenhkit und Armuth seiner meistersängerischen Zunftgenossen zu erheben. Die Regeln für die Abfassung und Vortragsweise der Meisterlieder und die ganze zunftmäßige Ordnung dm Singschulen, ihrer Einrichtungen und Gebräuche wurden in Schriften verzeichnet, Tabulaturen genannt, die jedoch nicht über das Ende des 15. Jahrh. hinaufgehen. JedeSiug- schule bildete einen geschlossenen Verein, dessen Mitglieder nach dem Grade ihrer Kunstfertigkeit abgestuft und benannt waren. Zur feierlichen Aufnahme war bestandene Lehrzeit bei einem anerkannten Meister und Prüfung nöthig. Zur Erlangung der Meisterschaft wurde in der Regel die Erfindung eines neuen Tones gefedert; die Töne selbst benauute man mit dem Namen des Erfinders und mit allerlei zum Theil sonderbaren Benennungen, die entweder auf ihre Beschaffenheit, namentlich ihre Länge, oder zufällige Veranlassungen sich bezogen; soBenedict's von Watt Riesenweis von 9-t, desselben überlanger Ton von 122, Puschmann'S Adlerweis von I OV Zeilen, so die Beerweis, die spitzige Pfeilweis, die gelbe Lilienwcis, die engl. Zinnweis, die blutglänzende Drahtweis u. dgl. m. Außer den gewöhnlichen Zusammenkünften, welche die Meistersänger wie andere Zünfte auf ihrer Herberge oder Zeche hielten, fanden auch große angesagte Zusammenkünfte statt, bei denen jedes Mitglied der Schule erscheinen mußte, und die z.B. in Nürnberg in derKatha- rinenkirche an Sonn- und Feiertagen Nachmittags öffentlich gehalten wurden. Hier wurde der Anfang mit dem Freisingen genracht, wo in der Wahl der Gegenstände mehr Freiheit gelassen war, bei dem aber weder Beurtheilung durch die Merker, d. h. auserwählte Richter aus der Zahl der Meister, noch Vertheilung von Preisen und Strafen stattfand. Beides erfolgte bei dem danach beginnenden Hauptsingen, für daS nur aus der heiligen Schrift der Gegenstand gewählt werden durfte. Die Merker, die auf einem verdeckten Platze saßen, hatten ebenso auf die Richtigkeit des Inhalts, als der Prosodie, der Reime und der Melodie (denn noch wurden alle Meisterlieder gesungen) zu achten. Nach Verschiedenheit der in den Tabulaturen als solche bezeichneten Fehler wurden die Strafen, die ebenfalls darin bestimmt waren, auferlegt. Der am fehlerfreiesten (glattesten) gesungen hatte, erhielt als Preis das Gehänge, eine Schnur oderKette mit daranhängenden Münzen; der zweite Prus bestand aus einem Kranze künstlicher Blumen. Die Zünfte der Meistersänger, oder wie sie sich aus Bescheidenheit gern nannten, der Liebhaber des deutschen Meistergesangs best»"' Mekka Melampus 467 den bis in das 17., nur wenige, wie die Nürnberger, erhielten sich länger, bis in das 18. Jahrh. In Ulm haben sie sich bis in das 19. Jahrh. erhalten; noch im I. 1830 gab es daselbst zwölf Meistcrsänger, meist alte Männer; im Z. 1839, wo nur noch vier übrig waren, übergaben diese, unter der Benennung das geehrte Gemerke der letzten deutschen, ulmschen Meistersänger, ihr Eigenthum, bestehend in der Schultafcl, Fahne und dazu gehörigen alten Kleinodien, der Lade, den Tabulaturen, Schul- und Liederbüchern, dem Liederkranze zu Ulm mit derBitte, die Fahne bei Festzügen neben der des Liederkranzes tragen zu lassen. Über den später» Meistergesang, aus dessen Liederbüchern nur Weniges hie und da in Druck bekannt gemacht worden ist, handeln namentlich Ad. Puschmann, ein Schüler des Hans Sachs, im „Gründlicher Bericht des deutschen Meistergesangs" (2. Ausg., Brest. > 583) und Wagenscil, „Von der Meistersänger holdseliger Kunst", hinter seinem Buche „Do civitate noriber^eiiL," (Altdorf 1697). Mekka, die heilige Stadt der Mohammedaner, bei den Arabern Om el Kora, d. h. Mutter der Städte, die Wiege der mohammedan. Tradition und der Geburtsort Moham- med's, der cs den Anhängern seiner Lehre zur Pflicht machte, wenigstens einmal in ihrem Leben diese Stadt zu besuchen, liegt in der arab. Provinz Hedschas, sechs Stunden vom Arabischen Meerbusen, in einer unfruchtbaren von Bergen umgebenen Ebene. Sie hat ziemlich regelmäßige Hauptstraßen, und die Häuser, sämmtlich von Stein, nähern sich dem ind. und pers. Stile. Zu ihrem Schüße dienen drei Castelle. Sonst hatte sie über 160090, jetzt kaum toooo E. Früher brachten zahlreiche Karavanen aus allen Theilen des mohammedanischen Morgenlandes reichliche Gaben nach der heiligen Stadt; doch haben diese frommen Spenden mit der Verminderung der Pilger fast ganz aufgehört, obschon noch immer jährlich die gewöhnlichen Pilgerkaravanen daselbst ankommcn. Auch hat der Handel in M. sehr abgenommen, das sonst durch das Zusammenströmen so vieler Pilger ein Hauptmarkt und Stapelplatz zwischen Arabien und dem übrigen Asien, Afrika und Europa war. Als Hafen von M. kann das benachbarte Dschidda am Rothen Meer gelten. Die Stadt besaß sonst angesehene Schulen und viele fromme Stiftungen und Anstalten, die aber insgesammt sehr im Verfall sind. Von einem Gewerbfleiße der Einwohner, die lediglich von den Pilgern leben, kann fast gar nicht die Rede sein; nur die Fabrikation von Rosenkränzen ist von Bedeutung. Unter den vielen Moscheen ist die große mit der Kaaba (s. d.) die wichtigste. Wie in die Nähe von Medina, so dürfen auch in die von M. weder Juden noch Christen kommen. Die Geschichte der Stadt beginnt mit Mohammed, zu dessen Zeit sie im Besitz der Koreischiten war, und nach dessen Tode sie nebst ihrem Gebiet das Erbtheil der Nachkommen Mohammed's wurde. Das Haupt derselben regierte unter dem Titel eines Großscherifs und wußte eine Zeit lang den Khalifen das Gegengewicht zu halten. Später nahmen die osman. Sultane den Titel als Beschützer der heiligen Städte M. und Medina an und ernannten den Großscherif aus der Mitte der Scherifen, jedoch war ihr Einfluß immer nur sehr beschränkt. Im 1.1803 wurde M. von den Wah abiten (s.d.) eingenommen und geplündert. Doch dauerte ihre Herrschaft nur kurze Zeit. Später mußte sie sich dem Pascha von Ägypten Mehemed Ali, der den Großscherif nach Kairo als Gefangenen führen ließ, unterwerfen. Doch 1830 benutzten die Scherife die schlimme Lage des Vicekönigs von Ägypten und entzogen sich wieder seiner Herrschaft, und so wird auch M. gegenwärtig von einem Großscherif, Jbn al Aun, regiert. Mela (Pompvnius), ein röm. Geograph, den Einige für einen Sohn des Rhetors Seneca, Andere für den Enkel des Philosophen Seneca halten, lebte um die Mitte des I .Jahrh. n.Chr. und schrieb unter dem Kaiser Claudius ein geographisches Compendium „De ritu vrlüs", nach des Eratosthenes System gearbeitet, kurz, reichhaltig und in körniger, selten gezierter Sprache. Nach der ersten Ausgabe (Mall. 1371,3.) erwähnen wir als die vorzüglichsten die von Js.Voß (Haag 1658,3.), Jak. Gronov (Leyd. 1685 und 1696),Abr. Gronov (Leyd. > 722 und 1738), Tzschucke (7 Bde., Lpz. 1807) und die guten Handausgaben von Titze(Linz 1803) und Weichert (Lpz. 1816), und unter den deutschen Übersetzungen die ältere von Diehe (Gieß. 1773). Melampus, derSohn desAmythaon und der Jdomene odcrAglaia oder Rhodope, der Bruder des Bias, und Gemahl der Jphianassa oder Jphranerra, war als Seher und A0* 468 Melancholie Melanchthon Arzt außerordentlich berühmt und angeblicher Gründer des Dionysosdienstes in Grieche, land. Ein Paar Schlangen, welche er aufgezogen, sollen sich ihm einst, während erschlich genähert, seine Ohren geleckt und dadurch bewirkt haben, daß er dieSprache derThiere »erstand und mit ihrer Hülfe weissagen konnte. Als sein Bruder Bias die Per», die Tochter des Neleus, Königs von Pylos, nur unter der Bedingung zur Gattin bekommen sollte, daß er die Nindcrheerde des Jphiklos als Brautgabe bringe, so versuchte M. dieselbe zu rauben, obschon er wußte, daß ihm dieses nicht gelingen werde. Als Räuber ins Ge- fängniß geworfen, vernahm er von den Holzwürmern, daß dieses bald einstürzen werde, und bat, daß man ihn herausbringe. Kaum war er heraus, so stürzte es zusammen. W Jphiklos hierbei die Sehergabe des M. kennen gelernt und auf sein Befragen, wie er zu Nachkommenschaft gelangen könne, eine Antwort erhielt, die sich bewahrte, bekam M. die Ninderhcerde und gewann so für seinen Bruder die Tochter des Neleus. Hierauf heirathete er die Tochter des Prötos, Königs von Argos, und erhielt mit ihr ein Drittheil des König- reichs. Zu Ägosthcna, einem Flecken in Megaris, hatte er ein Heiligthum, wo seine Bildsäule aufgestellt war und ihm ein jährliches Fest gefeiert wurde. Melancholie nennt man nicht nur die niedergedrückte Gemüthsstimmung, welche durch einen traurigen Vorfall hcrbeigeführt wird, sondern auch eine Seelenkrankheit, die in dem Verharren in einer derartigen Stimmung mit dem Verluste der Geistesfreiheit besteht. Der Melancholische lebt allein in dem Gedanken an das ihm widerfahrene Unglück, welches auch ein fingirtes sein kann, und nimmt keinen Zuspruch und Trost an; er kann sich in allen übrigen Geistesverrichtungen als gesund zeigen, aber Nichts ist vermögend, den traurigen Gedanken aus seiner Seele zu verbannen. Dieser niedergedrückte Zustand, der gleich anfangs jeder frciern Eeistcsthätigkcit hemmend entgegentritt, übt nach und nach einen lähmenden Einfluß aus den Geist aus, sodaß alle andern Seelenvermögen stumpf« werden und an der Krankheit Theil nehmen. So können sich im Gefolge der Melancholie alle übrigen Geisteskrankheiten einstellen. Die Ursachen dieser Seelenstörung sind cntwed« wirkliches Unglück, welches zu ertragen der Geist keine hinreichende Kraft hat, oder eingebildetes, welche-als noch bevorstehend erwartet oder als schon geschehen angenommen wird. Die häufigsten Ursachen sind unglückliche Liebe, irrige Vorstellungen von Religion, von Gott, von der Ewigkeit u. s. w. Auch körperliche Zustände, besonders Unordnungen in d« Verdauung und dadurch bewirkten fehlerhaften Blutbereitung können Melancholie herbeiführen. Der Verlauf der Krankheit ist verschieden; sie kann von selbst verschwinden, oder durch ärztliche Mittel geheilt werden, oft aber verbindet sie sich mit andern Scelenkrank- Heiken, «der wird die Ursache von tödtlichen Körperkrankheiten, wie Brustwassersucht, Lungensucht, Gehirnwassersucht, Schlagfluß u. s. w. Ebenso verschieden ist die Behandlung; namentlich kann man, da Körperbeschaffenheit und vorherrschendeGeistesrichtung oft schon früh die Anlage zur Melancholie anzeigen, durch eine zweckmäßige Lebensart der Ausbildung dieser Anlage Vorbeugen. Melanchthon (Philipp), eigentlich Melanthon, wie er selbst sich gewöhnlich schrieb, Luther's Mitarbeiter am Neformationswerke, wurde am IK.Febr. >497 zu Brüten in der Pfalz am Rhein, im jetzigen Großherzogthume Baden, geboren und hieß ursprünglich Schwarzerd, wovon Melanchthon die griech. Übersetzung ist. Sein Vater, George Schwarzerd, war Nüstmeister, d. i. Waffenschmied, des Pfalzgrafen und starb >507, seine Mutter, Barbara, war eine Verwandten des Humanisten Reuchlin. Er besuchte die Schule zu Pforzheim und bezog bereits 151» die Universität zu Heidelberg, wo er 1512 Baccalaureus der Philosophie und Jnstructor einiger junger Grafen wurde. Doch noch in demselben Jahre ging er nach Tübingen, widmete sich neben seinen bisherigen Studien besonders der Theologie und hielt I5I-1, nach erlangter Magisterwürde, Vorlesungen über die Aristotelische Philosophie und über die Classiker. Die Gründlichkeit seiner Kenntnisse, die er um diese Zeit durch die Herausgabe einer griech. Grammatik bewies, und sein geistvoller Vortrag als akademischer Lehrer erwarben ihm bald allgemeine Achtung und selbst die Bewunderung eines Erasmus. AufReuchlin's Empfehlung im I. >518 als Professor der griech. Sprache und Literatur nach Wittenberg berufen, entschied er sich bald für die Sache der wiedererweckten evangelischen Wahrheit, und sein durch klassische Bildung Melarrchthon 469 reiftLs Urtheil, sein Scharfsinn als Dialektiker und Exeget, die ungemeine Klarheit, mit der er Alles behandelte, seine Besonnenheit und Mäßigung auch gegen Feinde haben unstreitig ebensoviel zum Fortgang und Gelingen der Reformation gewirkt, als Luther's Thatkrast und Unternehmungsgeist im Anregen, Treiben und Verfechten dieses Werkes leisteten. Schon >519 in den Schriftenwechsel, der in Folge der Leipziger Disputation entstand, war er für die Sache Luther's aufgetreten, zwei Jahre später schrieb er seine „I-oci cnm- oruoes rernm tbeolo^icarum" (Wittenb. 1521, 4.; neueste Ausg. von Detzer, Erl. 1828), rin Werk, das zu einer wissenschaftlichen und faßlichen Darstellung der christlichen Glaubenslehre die Bahn brach und das Vorbild aller protestantischen Bearbeitungen der Dogmatik wurde. Vgl. Strobel's „Versuch einer Literargeschichte von M.'s I-oei tlieologici" (Altd. und Nürnb. >776). Unmittelbar in die Kirchenverfaffung Sachsens griffen seine 1527 auf Befehl des Kurfürsten Johann des Beständigen abgefaßten Visitationsartikel ein, in denen er den Visitatoren der sächs. Kirchen eine Instruction über die dem Volke vorzutragende Lehre und das Wichtigste aus der Kirchen- und Schulordnung an die Hand gab. So sanft er übrigens in dieser Schrift manchen streitigen Punkt berührte, so entschlossen drang er doch 1529 auf die Protestation zu Speier, und bewundernswürdig ist die Sicherheit der religiösen Überzeugung, die er neben einer, jeder Rücksicht Genüge leisten- denKlugheit 1530 bei der Abfassung der Augsburgischen Confession (s-d.) bewies. Dieses Meisterwerk, und die bald daraus entworfene gelehrte „Apologie der Augsburgischen Confession" trugen seinen Ruhm durch ganz Europa und bewirkten, daß er 1535 von König Franz 1. zur Beilegung der Neligionsunruhen nach Frankreich berufen wurde, und bald darauf auch eine Einladung nach England erhielt. Er folgte indeß aus politischen Gründen keiner von beiden Einladungen; dagegen fanden sich andere Veranlassungen für ihn, theils zu seiner Erholung, theils in Angelegenheiten seiner Glaubenspartei Ressen zu machen. Auf einer derselben, die er 15-10 nach Hagenau unternahm, wurde er zu Weimar tödtlich krank, und nur der kräftige Zuspruch Luther's, der ihm nacheilte, rettete ihn. Da das beabsichtigte Religionsgespräch in Hagenau nicht zu Stande kam, ging er >541 nach Worms und bald nachher nach Negensburg, um bei den daselbst angestellten Verglcichsverhand- lungen mit den Katholiken die Sache der Protestanten zu führen. Leider aber konnte er wegen der Gegenwirkung des päpstlichen Legaten den von ihm ersehnten Frieden nicht herbeiführen, und mußte von seiner eignen Partei bittere Vorwürfe über die von ihm bewiesene Nachgiebigkeit hören. Ebenso ging es ihm, da er, vom Kurfürsten Hermann von Köln 1543 nach Bonn berufen, dessen Rcformationsplan mit schonender Rücksicht auf die katholischen Behörden einzuleiten suchte. Indeß hat weder Luther noch sonst einer seiner Freunde an der Reinheit seiner Absichten und an seiner Treue gegen das Evangelium je gezweifclt. Wie viel M. auch bisweilen von Luther's Heftigkeit leiden mußte, die Freundschaft dieser beiden großdenkenden Männer hielt ununterbrochen bis zu Luther's Tode aus, den M. kindlich betrauerte und durch ein biographisches Denkmal noch im Grabe ehrte. Ein großer Theil des Vertrauens, das Luther genossen, fiel nun M. zu. Deutschland nannte ihn schon vorher seinen Lehrer, und Wittenberg ehrte in ihm den Wiederhcrstellcr der Universität nach dem Schmalkaldischen Kriege, in welchem er bald hierhin bald dahin hakte flüchten müssen. Auch der Kurfürst Morih zeichnete ihn aus und that in Neligions« , sachen nichts ohne seinen Rath. Doch gerade daß die Liebe zu Wittenberg ihn bewog, sich ; diesem der protestantischen Kirche verdächtig gewordenen Fürsten zu unterwerfen, und daß " die protestantischen Völker dennoch fortfuhrcn, ihn hochzuachten, konnten ihm einige Thco- ^ logen nicht vergeben und machten deshalb seine Nechtgläubigkcit verdächtig. Allerdings . hatte M. schon auf dem Convente zu Schmalkalden und bei jenen Verhandlungen mit den ! Katholiken gezeigt, daß ihm Manches, und selbst eine bedingte Anerkennung des päpstlichen l Ansehens nicht so gefährlich schien als seinem Freunde Luther; ebenso war die allmälige Annäherung seiner Ansicht von der Gegenwart Christi im Abendmahle an die Calviu's j Wenigen entgangen, und die Veränderung, die der keiner Verstellung fähige Mann des- > halb in dem Artikel der Augsburg. Confession vom Abendmahle gemacht hatte, von Feinden ! K^rügt, von Freunden nicht unbedenklich gefunden worden; auch erklärte er in den spätern 1 Ausgaben seiner „b-ool tbeologici" wie in andern öffentlichen Schriften in der Lehre von 47« Melanippe der Rechtfertigung die menschliche Selbstthätigkcit für nicht ganz ausgeschlossen. Unstreitig hatte sein tieferes Durchdringen der Sache einen noch großem Antheil an dieser Veränderung als die ihm natürliche Schüchternheit und Liebe zum Frieden. Denn daß cr'aus Menschenfurcht oder Gefälligkeit in irgend einem wesentlichen Punkte der evangelischen Wahrheit etwas vergeben hätte, ist nicht zu erweisen. Die Einführung des augsburger Interims (s. d.) in Sachsen, welche er nach langer Berathung >549 unter Bedingungen zugab, schien den Eiferern die beste Veranlassung, ihn offen anzufechten. Die ärgerliche Fehde über dieAdiaphora (s.d.), worein Flacius (s.d.)ihn alsbald verwickelte, dieBeschwer- den, welche Osiand er (s. d.) > 557 wegen der Rechtfertigungslchre wider ihn erhob, und endlich die synergistischen Streitigkeiten über die Mitwirkung des freien Willens bei der Besserung (s. Synergismus) häuften eine so große Menge Kränkungen über den durch vielfache Arbeiten geschwächten, ohnehin empfindlichen Mann, daß er in seinen letzten Jahren wenig froh werden konnte. Zwar hatte er nicht Ursache zu bedauern, daß der Krieg des Kurfürsten Moritz gegen den Kaiser seine Theilnahme am Concilium zu Trident, wohin er im Jan. 1552 schon bis Augsburg gereist war, vereitelte; auch wurde seine Rechtgläu- bigkcit auf dem Theologenconvente zu Naumburg im I. >554 anerkannt; doch mußte er die bleibende Gegenwirkung seiner Feinde in der Fruchtlosigkeit des letzten Versuchs erkennen, den er 1557 auf dem Convent zu WormS im Namen seiner Partei zum Vergleich mit den Katholiken machte. Die Einigkeit der Kirche war daher M.'s letzter Wunsch, als er am l 9. Apr. 156V zu Wittenberg starb. Ihn überlebten von seiner Familie ein Sohn, der nur die Gutmüthigkeit, aber nichts von dem Geiste seines Vaters geerbt hatte, und einein Wittenberg verheirathetc Tochter. Seine ihm am meisten ähnliche, eMeborene Tochter Anna starb schon >547, seine Gattin > 557. Das schwache, ängstliche Gemüth der letztem hatte seine häusliche Zufriedenheit oft getrübt, und doch war er nirgend lieber als unter den Scinigen. Bescheidenheit und Demuth verrieth schon seine körperliche Erscheinung. Niemand, der ihn zum ersten Male sah, Härte in der kleinen Gestalt den großen Reformator gesucht; doch die hochgewölbte, freie Stirn und die Hellen, schönen Augen kündigten bald den lebhaften Geist an, den diese Hülle umschloß, und erheiterten, wenn er sprach, sein ganzes Angesicht. So hat ihn Lukas Kranach in seinen Gemälden aufgefaßt. Heiter in derllnter- haltung, wohlthätig in einem Grade, daß er zuweilen selbst in Verlegenheit kam, offen, arglos und mild gegen Jedermann, erwarb er sich die Liebe Aller, insbesondere auch die seiner Zuhörer. Aus allen Gegenden Europas strömten Studircnde nach Wittenberg, um ihn zu hören, und der wissenschaftliche Geist, den er hier verbreitete, wirkte noch lange nach seinem Tode wohlthätig fort, sowie überhaupt seine Verdienste um die Erziehung unvergeßlich sind. Auch hat er besonders durch seine häufig aufgelegten und wohlgoschriebenen lat. Lehrbücher über Rhetorik und Philosophie, z. B. „Os ckislectica"; „Ds anima"; „Lpitowe pbiloso- pliiav morslis" u. s. w., die wissenschaftliche Bildung der Deutschen gefördert und dm Ehrentitel krseceptor Öermsuiae mit Recht verdient. Wenn daher gewaltigere Kräfte und größere Thaten ihm die erste Stelle unter den berühmten Männern seines Jahrhunderts streitig machen, so wird er doch immer in den Augen der gerechten Nachwelt der liebenswürdigste, reinste und gelehrteste Mann bleiben. Sein Leben beschrieb sein Freund Jeach. Ca- merarius; ein „Verzeichniß der Schriften M.'s" lieferte Rotermund (Brem. l 8 l 4). Seine „Opera" (5 Bde., Bas. >54l) enthalten seine sämmtlichen theologischen, philosophischen und philologischen Schriften, mit Ausnahme seiner Reden; nicht einmal die theologischen vollständig enthält die von seinem Schwiegersöhne Peucer besorgte Ausgabe seiner „Opera" (4 Bde., Wittenb. >562—64, Fol.). Von der neuesten und vollständigsten Ausgabe der Schriften M.'s, die Bretschneider in dem „Oorpus relormstorvm" besorgt, sind bis jetzt >2 Bände (Halle >854—45, Fol.) erschienen. Vgl. Galle, „Versuch einer Charakteristik M.'s als Theologen" (Halle > 840) und Matches, „Phil. M., sein Leben und Wirken au§ den Quellen dargestellt" (Altenb. > 84 >). Melanippe, die Tochter des Cheiron, floh von Äolus geschwängert in das Gebirge des Pelion. Hier bat sie die Götter, um in ihrem Zustande vom Cheiron, der sie suchte, nicht erkannt zu werden, um Verwandlung in ein Pferd. Artemis erhörte ihre Bitte und versetzte sie in dieser Gestalt unter die Gestirne. — Eine andere Melanippe, Tochter Melanippus Melbourne 47t Äolus' II. oder Desmontes', gebar vom Poseidon zwei Söhne, den Böotor und AoluS IN. Deshalb blendete sie Desmontes und sperrte sie in einen Thurm; die Kinder aber ließ er aussetzen. Doch eine Kuh säugte sie und Hirten zogen sie auf. Theano, in Gefahr, als un- fruchtbar von ihrem Gemahl Metapontos, König von Jkarien, verstoßen zu werden, schob sie als die ihrigen unter. Später aber gebar Thcano selbst zwei Söhne, und stellte diese an, jene zu ermorden. Allein die Söhne des Poseidon siegten, und Theano entleibte sich selbst. Hierauf gab sich ihnen Poseidon als Vater zu erkennen und theilte ihnen das Schicksal ihrer Mutter mit. Hierauf tödteten sie den Desmontes, befreiten ihre Mutter, der Poseidon das Gesicht wieder gab, und brachten sie zum Metapontos, der sich mit ihr vermählte. — Eine dritte Melanippe, die Königin der Amazonen, eine Schwester der Hippolyte, wurde von Herakles im Kampfe mit den Amazonen gegen das Wehrgehängt freigclassen. Melanippus, der Sohn des Astakos, erlegte bei der Vertheidigung Thebens den Tydeus und Mckisteus, wurde aber selbst durch Amphiaraos (s. d.) getödtet. Sein Grab zeigte man bei Theben am Wege nach Chalkis. — Melanippus hieß ferner der Sohn des Theseus und der Perigune, der Tockter des Sims, und Vater des Joxus, sowie der Sohn des Ares und der Tritäa, der Erbauer der Stadt Tritäa in Achaja. Melüs ist der Name mehrer Flüsse im Alterthume, unter denen wir den Melas in Böotien erwähnen, jetzt Mauro Nero, der bald nach seinem Ursprünge schiffbar wird und dann thcils in den Kephisos (s. d.), theils in den See Kopa'ts (s. d.) sich ergießt. Melas (Baron von), östr. Feldmarschall, geboren in Mähren, begann seine militai- rische Laufbahn im Siebenjährigen Kriege als Adjutant des Feldmarschalls Daun. ,Er wurde 1793 Generalmajor und stand 1794 als Feldmarschalllieutenant an der Sambre, 1795 am Rhein und 1796 in Italien. Als Commandirender des östr. Corps in Italien focht er 1799 gemeinschaftlich mit Suwarow und siegte bei Caffano, an der Trebia, bei Novi und Genola. Als er im Z. 1899 währendder Einschließung von Genua bis an den Varo gedrungen, wurde seine Verbindung mit Ostreich durch Bonaparte's unerwartetes Übersteigen der Alpen unterbrochen. Er verlor am 14. Juni die schon gewonnene Schlacht bei Marengo und mußte in Folge einer deshalb abgeschlossenen Convention sich bis hinter den Minciv zurückziehen, nachdem er dir von den Östreichern in der Lombardei besetzten Festungen an den Sieger übergeben. Bald nachher wurde er commandirender General in Böhmen und 1896 Präsident des HofkriegSraths, starb aber bereits 1807 zu Prag. Melbourne (Will. La mb, Viscount), brit. Staatsmann und Minister, geb. am 15. März 1779, ist der älteste Sohn des Sir Peniston Lamb. Sein Vater wurde 1779 zum irischen Lord Melbourne, 1815 zum brit. Peer erhoben und starb 1828. Der junge Lamb erhielt seine Bildung zu Eton und studirte zu Oxford. Als er später ins Parlament trat, hielt er sich sogleich zur Whigpartei und zeichnete sich durch gewandte Beredt- samkeit aus. Seine Ernennung zum Staatssecretair von Irland verschaffte ihm zwei Jahre hindurch Gelegenheit, sich GeschästSkenntnisse zu erwerben. Bei der Bildung des Ministeriums Grey (s. d.) im I. 1839 übertrug man ihn» als Wortführer der Whigs im Oberhause dieVerwaltung des Innern. Er fand das Land in großer Aufregung, die öffentliche Ruhe durch Verbindungen und Verbrechen gestört und vermochte nur mit Anstrcn- gung die Ordnung einigermaßen herzustellen. Besonders gelang es ihm, die Arbeiteraffo- eiationcn unschädlich zu machen. Als Grey nach der Durchsetzung der Resormbill im Juli 1834 die Entlassung nahm, bildete M. die neue Verwaltung und trat als erster Lord des Schatzes an die Spitze des Cabincts. Schon am 17. Juli nahm er die irische jZwangsbill zurück. Nachdem er dieselbe in anderer Form eingebracht, wurde sie am 96. Juli von dem Hause der Gemeinen und am 39. von den Lords angenommen. Dagegen verwarf das Ober» Haus am I.Aug. die Bill rücksichtlich der Zulassung der Dissenters zu den akademischen Graden und am 11. auch die irische Zehntbill, sodaß sich die Regierung zur Prorogation des Parlaments entschloß. Die Whigs legten M. Mangel an Energie, und zwar mit Recht zur Last, die Tories aber suchten dem Volke die Verbindung der Minister mitO'Con- nell als gefährlich vorzustellen und brachten es in der That dahin, daß der König am 14. Nov. >834 das Cabinet und am 39. Dec. das Parlament auflöste. Wellington und Peel übernahmen nun mit ihrer Partei das Staatsrudcr, sahen sich jedoch zufolg« der ,> W I'l Melchisedek Melchthal AppropriatkonSclausel (s. d.), die Ruffel im Unterhause durchbrachte, genö- thigt, ihre Ämter am 8. Apr. >835 wieder niedcrzulegen. M. erhielt nun zum zweiten Male den Auftrag, ein Whigministerium zu bilden und wählte zu seinen College» die Lords Lansdowne, Auckland, Ruffel, Palmerston, Spring-Nice, Howick u. s. w. Erst die Wer- einigung dieser großen Talente verschaffte dem Cabinet Muth und Festigkeit. Wiewol von einer nur geringen Majorität unterstützt, begann dasselbe nach innen und außen eine größt glänzende Thätigkcit. (S. Großbritannien.) Durch die Thronbesteigung derKönigin Victoria, die M. in den Geschäften unterwiesen, trat er zu dem Hofe in die freundlichst, Beziehung. Um so mehr aber verlor seine Verwaltung, die sich bald nur auf die jünger« Whigs stützte, die Anerkennung der Parteien. Schon in der Sitzung von 1837 entzogen ihm sichtlich die Nadicalcn ihre Stimme, und dieser Abfall trat noch entschiedener hervor, als die Agitationen der Chartisten und die Discussion der Korngeftße begannen. Als die Minister in der Sitzung von 1839 auf die Dispensation der Verfassung von Jamaica antrugen, erhielten sie nur die Majorität von fünf Stimmen. M. legte deshalb am 7. Mai mit seinen Collcgen die Verwaltung nieder. Weil jedoch die Königin den Tories gegenüber die Whigs nicht aus den Hofämtern entfernen wollte, traten dieselben wieder zurück und M- ergriff mit den Seinigcn nochmals die Zügel der Regierung. Doch die vereinzelte Stellung, in welche er sich versetzt sah, machte ihn im Parlamente völlig ohnmächtig. Dafür zeigte das Ministerium die größte Thätigkeit in den auswärtigen Verhältnissen und verwickelte sich in den Krieg mit den Afghanen und Chinesen. Bei den Verhandlungen über die Kornbill trug endlich Peel in der Sitzung von 1841 beim Unterhause an, dasselbe möge erklären, daß die Minister das Vertrauen des Hauses verloren. M. siegte nur durch die Majorität einer Stimme, löste das Parlament auf und berief zum IS. Aug. ein neues. Allein die Nadicalen entzogen abermals der Regierung ihre Unterstützung, sodaß M. endlich mit seiner Partei am 28. Aug. dem Ministerium Peel (s. d.) Platz machen mußte. Er ist ein gewandter, talentvoller und gebildeter Charakter. Er schrieb das Lustspiel „Ibe tasliionndle üeienüs" („die Freunde nach der Mode"). Die Neigung zur Literatur führt! ihn auch 1805 zur Vermählung mit der als Romanschriftstellerin bekannten Tochter deS Grafen Bcsborough, Caroline La mb (s.d.), die 1828 starb. — Der ältere Bruder M.'s, Frederik James La mb, geb. am 17. Apr. 1782, war erst Gesandter in Frankfurt, dann in Madrid, endlich am Hofe zu Wien. — Ein jüngerer, GeorgeLamb, geb. am 11. Juli 1784, trat in das Unterhaus und später als Unterstaatssecretair in das Ministerium des Innern und starb am 2. Jan. 1833. Melchisedek, d. h. König der Gerechtigkeit, Herrscher von Salem (Jerusalem), darr begründet haben soll, und zugleich Priester, galt schon den Juden als Typus desMesstaS und wird daher im „Briefe an die Hebräer" als Vorbild Jesu, des wahren Hohenpriester-, benutzt. Hierax, ein Anhänger des Origenes im 3. Jahrh., deutete den M. allegorisch vom heiii- genEciste.— Die Melchisedekiten, eine angeblich von einem gewissen Theodvtusii»3. Jahrh. gestiftete Sekte, sollen Christum unter M. gestellt haben, weil jener nur für dieMen- schcn, dieser aber für die Engel gewirkt habe. Vielleicht waren sie in Folge ihrer typvlogi- scheu Auslegung zu deistischcn Ansichten gekommen. Melchthal (Arnold von), einer der Gründer der schweizer. Freiheit, hieß eigentlich von der Halden; Melchthal nannte er sich nach seinem Wohnorte im Canton Unterwalden. Als der östr. Landvogt von Landenberg dem Vater Arnold's, einem reichen Gutsbesitzer, um geringer Ursache willen ein Paar Ochsen vom Pfluge wegnchmen ließ, und der Knecbt des Zwiughcrrn dabei äußerte: „Die Bauern mögen den Pflug selber ziehen, wenn sie Brot haben wollen", konnte der Sohn sich nicht halten und schlug den Knecht. Um der Rache des Landvogts zu entgehen, flüchtete er; doch dieser ließ dem Vater dicAugen ausste- che». Sofort verband sich nun M. mit seinen Freunden Walther Fürst und Werner Stauf- facher, und alle Drei, nebst dreißig Männern, die sie mitgcbracht, beschworen in der Nacht auf die Mittwoch vor Martini des I. 1307 auf dem Rütli am Waldstädtcrsee den Bund zur Rettung des Vaterlandes. Jeder verpflichtete sich, in seinem Canton die Sache des Volkes zu verlhcidigen und dasselbe mit Dcirath der Gemeinden um jeden Preis in den Genuß seiner Freiheit zu setzen. Dabei aber wurde ausdrücklich verabredet, den Grafen von IS. 'en bi er> on >ße ». m en >r, !ik n- ai er id te a< id er st ie >. e. e e !, » S Meleager Melendez Valdes 473 Habsburg in seinen Gütern und Rechten nicht zu schädigen, sich nicht vom Deutschen Reiche zu trennen, und den Äbten und Edeln nicht zu verweigern, was ihnen gebühre. Auch sollte so viel als möglich vermieden werden, das Blut der Landvögte zu vergießen, da die Verbündeten nur das Verlangen hegten, sich selber und ihren Nachkommen die von den Altvordern ererbte Freiheit zu sichern. Der Tag der Freiheit erschien mit dem >. Jan. 1308. Meleager, der Sohn des Öneus, Königs von Kalydon und der Althäa (s. d.) und Gemahl der Kleopatra, nahm in seiner ersten Jugend am Argonautenzuge Theil und war vorzüglich als Jäger berühmt. Seine merkwürdigste That ist die Erlegung jenes kalydoni- schen Ebers. (S. Kalydon.) Öneus nämlich hatte einstmals der Artemis Opfer darzubringen vergessen, während die übrigen Götter sämmtlich deren in reichlichem Maße erhalten hatten. Hierüber erzürnt, sendete die Göttin einen gewaltigen Eber in die kalydonischen Gefilde, der Alles verwüstete. M. erlegte ihn. Nun erregte die Artemis Streit über den Kopf und die Haut des Ebers zwischen den Ätolern, den Inhabern von Kalydon, und den Kureten. So lange M. mit gegen die Kureten auszog, war der Sieg stets auf Seiten der Ätoler; als er aber dieses in Folge der Verwünschungen seiner Mutter unterließ, deren Bruder er im Kampfe erschlagen, wurde Kalydon von den Kureten hart bedrängt. Umsonst baten ihn lange Zeit die Ältesten der Stadt und die Seinigen, wieder am Kampfe Theil zu nehmen. Endlich ließ er sich von seiner Gattin bewegen und vertrieb die Kureten. Weiter erfährt man aus Homer nichts. Spätere bildeten diese Sage mannichfach aus. Nach einem Orakel war dem M. von dem Schicksal so lange zu leben »erstattet, als ein während seiner Geburt auf dem Herde liegendes Scheit von dem Feuer nicht verzehrt würde. Als Althäa . dieses gehört, nahm sie das brennende Scheit vom Herde, löschte es aus und verbarg es in einer Kiste. Nachdem er aber ihren Bruder getödtet, warf sie jenes in die Flamme, und M. starb. Althäa und Kleopatra erhängten sich. Die spätere Sage flicht in die kalydonische Jagd auch dieAtalante (s. d.) mit ein. Von den Künstlern wird M. dargcstellt als ein - schlanker, kräftiger Jüngling mit breiter Brust, gelocktem Haare und einer zurückgeschla- 4 genen und nach Art der Jäger und Ätoler um den linken Arm gewickelten Chlamys; sein Attribut ist der Eberkopf, auf den er sich stützt. Meleäger, ein griech. Epigrammendichter aus Gadara in Palästina oder Syrien, lebte um 60 v. Ehr. noch unter den letzten Ptolemäern und machte sich dadurch namentlich verdient, daß er aus den epigrammatischen und ähnlichen Dichtungen der frühem und spätem Zeit unter dem Titel „Stephanvs", d.i. Kranz, eine reichhaltige Sammlung veranstaltete, welche die Erzeugnisse von 36 zum Theil berühmten Dichtern umfaßte, leider aber untergegangen ist. (S. Anthologie.) Vgl. Passow, „Ile vestij;iis cornnsrumUeleagri et ?bilij,pi in aiitiiologia ^rseca" (Brcsl. 1827). Seine eigenen Poesien, von denen wir noch eine ziemliche Zahl besitzen, sind besonders von Manso (Jena 1708) und am vollständigsten von Gräfe (Lpz. >811) gesammelt und herausgegeben worden. Melendez Valdes (Don Juan), einer der ausgezeichnetsten neuern Dichter Spaniens, geb. am > I. März 1753 in dem Flecken Ribera del Fresno im Bisthum Badagoz, machte seine philosophischen Studien in Madrid und studirte nachher mit Unterstützung des Bischofs von Segovia zu Salamanca die Rechte. Hier hielt sich damals der Dichter Ca - dal so (s-d.) auf und bald war M. der ausgezeichnetste in dem um jenen versammelten Kreise gleichgesinnter junger Leute. Von ihm datirt sich das Wiedererwachen des Nativ- , nalbewußtseins, das Abwcrfen der franz. Fesseln und die Rückkehr zu den heimischen clas- ^ fischen Mustern. Er besang in dieser seiner Jugendpcriode die Freuden des Studenten- und Landlebens mit reizender Anmuth und einfacher Natürlichkeit in den alten National- ^ formen. Selbst die Akademie krönte 17 80 seine berühmte Ekloge „vatilo". Im folgenden Jahre lernte er in Madrid Jov ellanos (s. d.) persönlich k-nnen, durch dessen Einfluß er Professor an der Universität zu Salamanca wurde. Im 1. 1789 erhielt er eine Anstellung bei der Audiencia in Saragossa, «791 in der Justizkanzlei M Valladolid und 1797 als ! Fiscal beim Obercriminalgcrichtshofe zu Madrid, wo er nun auch Gelegenheit fand, sich als ! öffentlicher Redner im glänzendsten Lichte zu zeigen. Er hatte Hoffnung, zumal unter dem Einflüsse des Justizminissers Jovellanos, zu den höchsten richterlichen Würden emporzu- > steigen; doch schon im folgenden Jahre sah er sich in den durch den Friedensfürsten herbei- 474 Meletianer Melikertes geführten Sturz des Zovellanos verwickelt und wurde zunächst nach Medina del Camp» und im I. t 80« nach Zamora verwiesen. Erst 1802 gelang cs seinen Freunden, ihm die Rückkehr auszuwirken, worauf er Salamanca zu seinem Aufenthalte wählte. Nachdem Sturze des Friedensfürsten kehrte er nach Madrid zurück, aber nicht in die Studirstube, wie er sich gewünscht hatte, sondern sehr verwickelt in das Treiben der Parteien. Daß er sich durch Murat bewegen ließ, eine Reise nach Asturien zu machen, um die Gemüther zu bmi> higcn, brachte ihm in Oviedo dem Tode so nahe, daß er von dem gegen ihn als Vaterlands- verräther empörten Volke bereits hinausgeführt wurde, um erschossen zu werden. Fast durch ein Wunder gerettet, kehrte er nach Madrid zurück, wo er anstatt der Patriotenpariei , sich anzuschlicßen, durch Napoleon's persönliche Auffoderung geschmeichelt, sich bewege» , ließ, Fiscal, Staatsrath und Präsident der Junta des öffentlichen Unterrichts zu werden. . Die Folge davon war, daß er bei dem Siege der nationalen Sache mit den Franzosen flüeh- ! ten mußte und als Vaterlandsverräther proscribirt wurde. In Frankreich kaum vor Mangel geschützt, starb er zu Montpellier am 24. Mai 1817 und wurde zu Montserrier begraben, wo ihm der Herzog von Frias später ein Denkmal errichtete. Seine gesammelten Gedichte, die 1785 zuerst in einem Bande erschienen, dann in der zweiten Auflage drei Bände füllen (Valladolid 1797), von denen aber die neu hinzugekommcnen sich durchaus nicht mehr mit jenen seiner ersten Dichtcrperiode vergleichen lassen, erschienen nach seinem Tode in der von ihm selbst vorbereiteten dritten Auflage (4 Bde., Madr. 1820; wiederabgedruckt, Par. 1832; neueste Aufl., Barcelona 1838). Eine Auswahl derselben findet sich in Wolf s „kloresta <1s rimss mocksrnss castelluims" (Par. 1837). Neben den Gedichten sind von M. noch seine „viscursos forenses" (Madr. 1820) zu erwähnen. Aber nicht allein durch seine eigenen Werke, sondern auch durch seinen noch dauernden Einfluß aufdie Entwickelung der span. Poesie, sowie durch seine zahlreichen Schüler und Nachahmer hat er sich den Namen eines Lestuurkulvr äel pnrouso erworben. Meletiäner heißen in der Kirchengeschichte die Anhänger des Bischofs MeletiuS ' zu Lykopolis in Ägypten, der 306 wegen Wiederaufnahme der 4,»;,« i (s. d.) und weg« ! willkürlich verrichteter Ordination mit dem Bischof Peter von Alexandria in Zwiespalt gk- 1 rieth, dessen Metropolitanrechte über Ägypten nicht anerkannte und sich hierauf an die Spitze Gleichgesinnter stellte, die er die Kirche der Märtyrer nannte. Obschon das Comi- lium zu Nicäa ihm die Verwaltung des bischöflichen Amts untersagte, und er selbst 32b > starb, so dauerte doch die Spaltung unter der ägypt. Geistlichkeit bis gegen Ende des 1. Jahrh. fort. — Meletianer heißen auch diejenigen Anhänger des Nicäischen Concils, > welche den 360 zum Bischof von Antiochien durch die Arianer erwählten, aber wegen sti- ^ ner bald sich kundgebenden Orthodoxie wieder abgesetzten MeletiuS als rechtmäßig an« erkannten, während die Eustathianer an seiner Arianischen Einsetzung Anstoß nahmen. Zwar erlosch gleich nach dem Tode des M. im 1.381 der Sektenname, allein die Spaltung dauerte noch lange fort. Melia hieß die Tochter des Okeanos, die durch Inachos (s. d.) Mutter des Pharo« neus und Ägialcus wurde. Auch wird noch eine andere Tochter des Okeanos gleiches Namens erwähnt, welche wn Apollon geraubt wurde und Mutter des Jsmenios und des Sc« Hers Teneros war. In der Mehrzahl heißt ein Nymphengeschlecht so, welches die Erde, von den Blutstropfen bei der Entmannung des Kronos geschwängert, geboren haben soll- ^ Melikertes, der Sohn des Athamas (s. d.) und der In» (s. d.), ist am bekannte« . sten als Meergottheit unter dem Namen Palämon. Als nämlich seine Mutter, .von der , Here verfolgt, von dem Molurischen Felsen in das Meer sprang, wurden Beide in hülsreiche Meergottheiteu verwandelt, sie unter dem Namen der Leukothea, er unter dem des Palamon. Seinen Leichnam trugen die Wellen oder ein Delphin an die korinthische Landenge. Hier fand ihn Sisyphos, ließ ihn nach Korinth bringen und setzte zu Ehren des in eine Meergottheit Verwandelten, auf Geheiß der Nereiden, die isthmischen Spiele ein. Aus dem Isthmus stand auch ein Tempel des Palämon, das Palämonion, mit den Standbil« dcrn des Poseidon, Palämon und der Leukothea. Von den Römern wurde er mit ihrem Hasengott Portunus oder Portumnus identificirt. Die Kunst stellt ihn als einen von Meergöttern oder Delphinen getragenen Knaben dar. Melilotenklee Melk 475 Melilotenklee oder Steinklee heißt eine in feuchten Gebüschen, an Ufern und Wegen häufig wachsende zweijährige Wanze, welche von Sinne zum Klee gerechnet wird. Kraut und Blüten nehmen beim Trocknen einen starken eigenthümlichen Geruch an, weshalb man beides zur Abwehrung von Insekten in Pelzwerk und Kleidungsstücke legt. Au- ßerdem liefert die Blüte den Saft, womit in der Schweiz der Käse grün gefärbt wird. In der Landwirthschaft verdient diese Kleeart keine besondere Berücksichtigung, indem sie sich weder als Mähe- noch als Weidepflanze empfiehlt. In der Medicin wird sie als erweichen- des und schmerzstillendes Mittel in Breiumschlägen und Pflastern angewendet. Melioration nennt man die Verbesserung eines Grundstücks oder einer ganzen ' Wirtschaft. Das Gegentheil heißt Deterioration. Um sich bei der Melioration j vor Mißgriffen möglichst zu schützen, hat man vorher den zur Ausführung nöthigen Auf- ! wand zu berechnen und sich durch Versuche im Kleinen von dem wahren Nutzen der Melioration zu überzeugen. Erweist sich dabei die Verbesserung als nutzbringend, so ist die Ausgabe dafür zu machen, selbst wenn die nöthigen Fonds dazu geliehen werden müßten, weil durch solche Verbesserungen ein bleibender Gewinn, nämlich eine hohe Verzinsung des aufgewandten Capitals, erzielt wird. — Rechtlich kommen die Meliorationen vorzüglich zur Sprache, wenn Jemand ein Grundstück, Landgut, Haus oder Lehen wieder herausgeben muß, welches er als vermeintlicher Eigentümer, als Nutznießer, Vasall, Pachter u. s. w. bisher innehatte. Dabei werden notwendige, nützliche und zum blosen Vergnügen gereichende (iwpensae n«ce 83 sriae, utiles und voluptuariae) unterschieden. Die notwendigen, zur Erhaltung der Sache gereichenden Meliorationen müssen einem Jeden vergütet werden, wenn er auch wußte, daß er kein Recht an der Sache hatte (pos8ss8or mala« 6ü«i); auch die nützlichen müssen Dem, welcher die Sache redlich besaß (posre^or bnnae Lckei), in der Regel ersetzt werden, dagegen Der, welcher wußte, daß er mit Unrecht besitze, nur die gemachten Verbesserungen wieder wegnehmen kann; ebenso können zum Vergnügen ge- > machte Meliorationen rveggcnommen werden, aber nur, so weit dieses ohne Schaden der Substanz möglich ist. Melis, s. Zucker. Melismatisch wird diejenige Art des Gesanges genannt, bei welcher auf eine Silbe des Textes mehre Töne gesungen werden, entgegengesetzt dem syllabischen Gesänge, bei welchem jede Silbe des Textes nur eine einzige Note bekommt. Der syllabische Gesang wird im Recitativ ganz und im Choral meist unvermischt gebraucht; der melismatische hingegen erscheint immer mit dem syllabischen untermischt. Das Mclisma ist eine auf eine einzige Silbe zu singende oder eine geschlossene rhythmische Figur bildende Notengruppe; auch versteht man unter Melismen überhaupt Verzierungen, und unter melismati- schem Gesang in diesem Sinne jeden verzierten Gesang. Melisse ist eine in Süddeutschland, Frankreich, der Schweiz und Italien wildwach- jende, stark aromatisch riechende, ausdauernde Pflanze, welche auch besonders angebaut wird. Die getrockneten Blätter dienen als Arzneimittel; die grünen geben einen guten Thee. Verschieden davon ist die türk. Melisse, welchem der Moldau einheimisch ist. Die Blätter dieser Pflanze, welche häufig in Gärten angebaut wird, werden zum Würzen ! mancher Speisen und die Blüten zu Thee benutzt; auch gewähren letztere den Bienen rei- ! chen Stoff zu Honig. Melisseus, ein König von Kreta, war von der Amalthea (s. d.) Vater der Nym- l phen Adrastea und Zda, denen die Rhea den kleinen Zeus zur Erziehung übergab. Melissus, aus Samos, ein griech. Philosoph, vielleicht Derselbe, der als Staatsmann und Feldherr erwähnt wird, blühte um -140 v. Chr. und war ein Anhänger der elea- tischen Philosophie. (S. Eleatische Schule.) Von Parmenides wich er hauptsächlich dadurch ab, daß er das Sein für unbegrenzt und unendlich erklärte und daraus erst die Einheit Dessen, was ist, ableitete. Übrigens suchte er den Grundgedanken der eleatischen Phi- , losophie vornehmlich aus indirekte Weise zu vertheidigen, indem er nachwies, daß die Erscheinungswelt mit ihren Veränderungen dem Begriffe des Sein« nicht entspreche und man daher zu der entgegengesetzten Annahme eines einigen und unveränderlichen Seins genöthigt sei. Melk oder Molk, eine reiche Benedietincrabtei im Lstr. Kreise ob dem Wienerwalde, 476 Melo Melodie - bei dem Marktflecken gleiches Namens, liegt auf einem hohen Fcisen an der Donau, ist ! prächtig gebaut, von bedeutendem Umfange und enthält ein Gymnasium, ein Priestersemi- nar, einen botanischen Garten nebst Naturaliensammlung und vor Allem eine große Bi- bliothek, die wegen ihrer Handschriften merkwürdig ist. Ursprünglich stand hier ein von den Römern gebautes Castell, welches den Avaren mit Erfolg widerstand; später wurde dieser Ort unter dem Namen Medelikhe, d. i. Eisenburg, einer der festesten Plähe derMa- gyaren, bis ihnen Markgraf Leopold 984 denselben abnahm, zu seiner Residenz wählte und hier ein mit Benedictinern aus Subiaco besetztes Kloster gründete. Leopold IV. vermehrte die Güter dieses Klosters, welches zugleich unmittelbar unter die Gerichtsbarkeit des Pap. > stes gestellt wurde. Als später Unordnung eingeriffen war, sendete Papst Martin V. U2ll > abermals Benedictiner aus Subiaco zur Reformirung der Mönche dahin. Eine große An- zahl deutscher Klöster schloß sich an diese Reform unter dem Namen der Congregation vo n M. an, auch wurde dieselbe 1623 unter den rein östr. Klöstern noch inniger befestigt. Ein Beweis für die natürliche Festigkeit des Orts ist eS, daß derselbe 1612 sogar eine Belagerung aushielt. Melo (Don Francisco Manuel de), eigentlich Mello, einer der klassischen Geschieht- schreibe! in span. Sprache, geb. den 23. Nov. 1611 zu Lissabon, stammte aus einer altade- legen Familie, die mit dem Hause Braganza stets eng verbunden war. Da er früh bedeu- tende Anlagen zeigte, so wurde er dem gelehrten Stande bestimmt. Als er aber mit t? Jahren seinen Vater verlor, trat er, um schneller weiter zu kommen, in Militairdicnsie; ! auch wurde er später zu diplomatischen Sendungen verwendet. Aus Flandern, wo cr als Oberster an der Spitze seines Regiments stand, als die Jnsurrection in Catalonicn gegen Philipp IV. ausbrach, wurde er dahin entsendet und erhielt auch den Auftrag, die Geschichte dieses Kriegs aufzuzeichnen. Als 1646 Portugal von Spanien sich trennte, wurde er, alr ein treuer Anhänger deS nun auf den Thron seines Vaterlands erhobenen Hauses Braganza, dem span. Hofe verdächtig und eingezogen. Nachdem er sich gerechtfertigt, verließ I er auf immer die span. Dienste und begab sich nach Lissabon, um sich ganz seinem Vater- i lande zu weihen. Auch diesem diente er in diplomatischen Verhandlungen, vorzüglich mit England und Holland, und durch seine militairischen Kenntnisse. Endlich aber wurden von seinen Feinden fälschlich des Meuchelmords des Francisco Cardoso angeklagt, einge- , kerkert, seiner Güter verlustig erklärt und trotz seiner Rechtfertigung auf immer nach Brasilien verbannt. Doch erwirkten Ludwig XIII. und der Cardinal Mazarin 1648 seine Zurückberufung, und von nun an beschäftigte er sich fast ausschließend mit der Vollendung und Herausgabe seiner zahlreichen Werke, da an hundert Bände historischen, politischen, moralischen und poetischen Inhalts von ihm in Lissabon, Madrid, Nom, London, Lyon u. s. w. im Druck erschienen. Er starb zu Lissabon den 13. Oct. 1666. Von diesen vielen Werken ist sein berühmtestes, durch das er auf die Nachwelt gekommen, seine „Listoiiu öe los movimientos, separscion ^ Aiierra e Velips IV.", die er zuerst unter dem Namen (ülemeote läbsrtino zu Lissabon 1645 herausgab, und wovon mehre Auflagen erschienen, die beste von Vicente Ferrer (2 Bde., Par. > 826—32), wie- ! der abgedruckt inOchoa's „lesoro <1e distorisclores esp." (Par. 1846) und inJaimeTio s ,,1'esoro treten, wie dies z. B. in der Scene der Wolfsschlucht im „Freischütz" der Fall ist. Endlich wird auch durch das Abwechseln zwischen Instrumentalmusik und Declamation die Ausbildung beider und ein befriedigender Totaleindruck fortwährend verhindert. Der Melo- dramendichter glaubt meist, dem Componisten nicht genug Gelegenheit zur Entwickelung seiner Kunst zu geben, wenn er nicht fleißig die Empfindungen sich untereinander selbst bestreiten läßt. Dadurch entsteht ein solcher Mangel an Einheit in der musikalischen Dar- stellung, daß fast jede musikalische Periode, welche die Declamation unterbricht, einen ver- Medenen Charakter zur Erscheinung bringt. Aus allen diesen Gründen geht hervor, daß 478 Meloue Melusine ^ das sogenannte Melodrama eine Gattung dramatischer Erzeugnisse ist, die immer nur eine untergeordnete Wirkung Hervorbringen wird, und die episodisch eingeflochtenen melodra- matischen Partien in größer» dramatischen Kunstwerken, wie z.B. in Goethe's „Egmonl", erscheinen leicht als störend und fremdartig. Die spätern, von den Boulevards in Paris ausgegangenen Melodramen, z. B. „Die Waise und der Mörder", „Der Galeerensklave" u.s.w., waren rohe Schauspiele, in welchen nur zuweilen das Melodramatische eingemischt ist, um den Effect zu steigern. Melone (6iicumi8 lVIelo), nach der griech. Insel Melos benannt, eine kürbisartige Garten- und Feldfrucht von angenehmem, süßgewürzhaftem Geschmack, ist ursprünglich in Asien heimisch, wächst aber gegenwärtig in allen Ländern des südlichen Europa und kommt ' in heißen, trockenen Sommern auch in Deutschland im Freien zur Reife. Sehr große, j wohlschmeckende Melonen erbaut man in der Gegend um Astrachan. In den deutschen ! Gärten werden besonders zwei Arten gezogen, die Ka ntalup en mit plattrundcn, warzigen, unförmlichen Früchten von schwarzgrüner, gelber oder weißer Farbe, die zwar dicke Schalen ! haben, deren Fleisch aber für das feinste gehalten wird, und die Nehme! one, die mit netz- förmigen Erhöhungen überzogen, dünnschaliger ist und früher reift als jene. Außerdem rechnet man hierher eine Kürbisart, die Wassermelone (Oucurbita citrullnz), welche in vielen im Sommer regenlosen Ländern, z. B. in Persien, Südrußland, Ungarn, Südspanien, Chile und Neuholland, sehr wohl gedeiht und von allen Volksclasscn in Menge s genossen und als kühlende Frucht sehr geschäht wird. Vgl. Jacquin, „Nlonogrspkie cmn- z»Iete ein melou" (Par. 1833). Melöplast ist eine in Frankreich erfundene Methode des Unterrichts in der Ruft, welche Galin und dessen Nachfolger PH. de Geslin in dem „(lours analxtitzue 6« musigue" (Par. 1824) beschrieben haben. Melos, jetzt Milo, eine derCykladen imKönigreichGriechenland, zählt aufZlüM ^ gegen 3000 E., die sich theils zur griech., theils zur katholischen Kirche bekennen. Der ml- ' kanische Boden, reich an mineralischen heißen Quellen und andern vulkanischen Produkten, i wirkt äußerst günstig auf die Vegetation und gibt den Weinen, Feigen und Melonen einen ! vorzüglichen Geschmack, ist aber nachtheilig für die Gesundheit der Menschen. Sonst kommt die Insel, der es auch an gutem Wasser fehlt, hinsichtlich ihres Klimas und ihrer Produkte ^ mit den übrigen Cykladen überein. Ausgeführt werden Alaun, Schwefel, Seesalz, Wollt, - Ziegenkäse, Weizen, Melonen und Wein. Die Hauptstadt Milo, der Sih eines griech. und eines katholischen Bischofs, hat den geräumigsten Hafen im Archipel. In der Röhe derselben finden sich die prächtigen Überreste eines marmornen Amphitheaters. Nicht mit davon fand l 820 ein griech. Landmann die berühmte, nach der Insel benannte und jetzt im Louvre zu Paris befindliche Vcnusstatue nebst drei Hermen. Seit der letzten Pest, welche in der Stadt herrschte, hat sich der größte Thcil der Einwohner in dem benachbarten Kastro niedergelassen, welches jetzt den bedeutendsten Ort der Insel bildet. Melpomene, eigentlich die singende, heißt eine der neun Musen (s. d.), welche br- sonders als Vorsteherin des Trauerspiels angesehen wird. Melusine, eine der Feen (s.d.), die ursprünglich dem keltischen Volksglauben angeboren. Die Sage machte sie zur Gattin des Naimondin, eines Sohnes des Grafen von Foret und Guy Lusignan, dem nachmaligen König von Cypern und Jerusalem, zu ihrem ! Sohn. Mit Schönheit reich begabt, mußte sie, wie die Sage erzählt, an gewissen Tage» ! zur Hälfte Fischgestalt annehmen. So überraschte sie einst ihr Gemahl; da stieß sie einen lauten Schrei aus und verschwand. So oft aber dem Königreich oder ihren Nachkommen, den Grafen von Lusignan, ein großes Unglück bevorstehe, wollte man sie drei Tage vorher aus dem Thurm des Schlosses von Lusignan in Poitou, das von ihrem Gemahl erbau! und ihr zu Ehren benannt worden sei (Lusineem, Anagramm von Melusine), in Traun gesehen und ein schmerzliches Wehgeschrri ausstoßen gehört haben. Als der Thurm >5. abgebrochen wurde, verschwand sie auf immer. Aus den Sagen von ihr, wie sie im HE , Lusignan selbst heimisch waren, bildete Jean d'Arras gegen >390 ein Gedicht, das spater in prosaischer Auflösung zum Volksbuch wurde. Zum deutschen Volksbuch wurde daffelre durch Thüring von Ringoltingen aus Bern, der es >456 übersetzte; gedruckt zuerst!» ^ »>Ik >r«. iriS re" bin > »m> »ßi, > hin M, >le» uh- dlm Mt ^ b>d< ! Ag- 7M- inm »ml uile eilt, ikch. iähe mit lim klche chro kbi- ngc- «e» >«l» -ge» iiim iie», rh-r baut uuu SU ause >ätkr selb- sii» Melville Mernleben 479 Augsburg >474, auch in das von Feierabend, Frankfurt 1587, herausgegebene „Buch der Liebe" ausgenommen. Melville (Henry Dundas, Viscount), brit. Staatsmann undPairvon England, geb- am 28. Apr. >739 zu Edinburg, wo sein Vater Präsident des obersten Gerichtshofes war, widmete sich mit Erfolg dem Rechtsstudium und erlangte seit >703 als Sachwalter eine bedeutende Praxis. Die Regierung ernannte ihn >775 zum Attorneygeneral von Schottland; bald darauf aber wählte ihn seine Vaterstadt ins Unterhaus. Dundas er- öffnete seine politische Laufbahn in den Reihen der Opposition. Weil er sich durch Kenntnisse und klare Bcredtsamkeit auszeichnete, suchte ihn jedoch das Ministerium North zu gewinnen, dessen unselige Politik rücksichtlich der Kolonien er fortan mit großer Geschicklichkeit gegen Männer wie Fox, Burke und Sheridan vcrtheidigte. Auf seine Zukunft bedacht, verschaffte er sich ausgcbreitete Kenntnisse im Verwaltungsfachc, namentlich in den ostind. Angelegenheiten. Nach North's Tode berief ihn der Hof >782 in den Geheimrath, und einige Zeit darauf, unter der Verwaltung Shelburne's, wurde er Schatzmeister der Marine. Als Fox ins Ministerium trat, mußte er letztere Stelle aufgebc»; dafür rächte er sich, indem er aufs Heftigste gegen dessen Jndiabill das Wort ergriff. Unter der Verwaltung William Pitt's, den er unwandelbar und in allen Fällen unterstützte, erhielt er das Schatzmeisteramt zurück und zugleich die Controle der ind. Angelegenheiten. Besonders machte er sich den Hof verbindlich, daß er beim Ausbruche der Geisteskrankheit G eorg's Hl. (s. d.) die Erhebung des Prinzen von Wales zum Regenten zu verhindern suchte. Er wurde dafür l 79 l zum Staatssecrctair für das Innere ernannt, welches Amt er >794 mit dem Staatssecretariat des Kriegs vertauschte. In dieser Stellung theilte er dir feindlichen Gesinnungen seines Kollegen gegen das revolutionäre Frankreich und legte auch zugleich mit Pitt >801 sein Ministerium nieder, als die Unterzeichnung des Friedens von Amiens bevorstand. Er wurde hierauf > 802 zum Baron Dundas und Viscount M. erhoben; mit dem Wiederbeginn des Kriegs aber trat er 1803 als Lord der Admiralität in die Verwaltung. Die Rückkehr Pitt's ans Staatsruder hatte 1804 zur Folge, daß er da- Ministerium des Seewesens erhielt. Schon längst beschuldigte man ihn der Bevorzugung seines Geburtslandes und derBestechung bei den Parlamentswahlen. Jetzt klagte ihn das Unterhaus der Verwendung öffentlicher Gelder zu fremden Zwecken an, sodaß er seine Ämter niederlegen mußte. Trotz der Bemühungen Pitt's rrvffnete das Oberhaus seinen Proceß im Apr. l 806; schon am > 2. Juni erfolgte jedoch die Freisprechung. M. beschränkte sich hinfort auf die Wirksamkeit im Oberhause und war im 1.1807 einer der heftigsten Gegner der Emancipation der Katholiken. Seitdem zog er sich ganz vom politischen Schauplätze zurück. Erstarb am 29. Mai >811. — Sein einziger Sohn, Lord Rob. Saunders Dundas, Viscount von M., geb. am 14. März >77 >, trat nach dem Tode des Vaters >8>2 in die Verwaltung, wurde erster Lord der Admiralität, Lord des Handels und der Kolonien, Konservator der brit. Museen, Lord des Privatsiegels von Schottland und endlich Kanzler der Universität Edinburg. Im I. >816 heirathete er die Nichte und Erbin des Admirals Saunders. Als nach dem Rücktritte Lwerpool's, im Apr. >807, Canning an die Spitze der Verwaltung trat, legte M. seine Ämter nieder und gesellte sich zur torystischen Oppositionspartei. Membran, eigentlich so viel wie Haut (s. d.), dann eine Handschrift auf Pergament. (S. Manuscripte.) Memel, im Regierungsbezirk Königsberg, die nördlichste Stadt in Preußen, an der Mündung der Dange in das Kurische Haff, nicht weit von der russ. Grenze, hat gegen 8000 E., mehre Bernstein-, Seifen-, Branntweinfabriken u. s. w., Schiffbau und bedeutenden Handel, besonders mit England. Die Stadt ist der Sitz einer Hafenpoliceibehörde und einer Navigationsschule. Vortreffliche Arbeiten liefern die dasige Eisengießerei und Kettenschmiedewerkstätte. Der Hafen ist gut, sicher und hat bei der Einfahrt > 3— 1 5 F. Tiefe. Vor demselben steht auf einem Hügel ein Lruchtthurm, der 73 F. hoch ist. Außer Getreide, Hanf und Häuten werden besonders guter Leinsamen und Holz aus Lithauen dAAchgeführt. —. M emel ist auch der deutsche Name des Flusses Niemen (s. d.). Memleben, ein Dorf in Thüringen, an der Unstrut, in der jetzigen preuß. Provinz 480 Memttng Memnon Sachsen, ist für die Geschichte der Baukunst noch gegenwärtig von hohem Interesse Wege» vor Ruine des daselbst im IN. Jahrh. angeblich von Mathilde, der Gemahlin König Hein, rich's I., gestifteten Benedictinerklosters. Dasselbe wurde von Kaiser Otto II. und seiner Gemahlin Theophania in eine Abtei verwandelt und sehr reich ausgestattet, die unterdes Kaisers unmittelbarem Schutze stand, bis er sie wegen der Zügellosigkeit der Mönche an das Stift Hersfeld überließ. Die Klosterkirche war eines der ausgezeichnetsten Bauwerke aus der Übergangsperiode des byzant. in den goth. Baustil; noch sind von ihr bedeutende Ruinen erhalten, auf denen sich auch Wandmalereien befinden; die herrliche Krypta wurde in neuerer Zeit durch die Fürsorge der preuß. Regierung theilweise restaurirt, welche letztere auch sonst dem weitern Verfalle des Ganzen möglichst zu begegnen gesucht hat. M. war der Lieblingsaufenthaltsort der deutschen Kaiser aus dem sächs. Hause, und sowol Heinrich l. wie sein Sohn Otto I. starben daselbst. Vgl. Wilhelm, „Geschichte des KlosterSM." (Abth. I, Naumb. 1827, 4.) und Puttrich, „Die Kirchen zu M., Schraplau und Treben" (Lpz. 1837, Fol.). Memling oder Hemling (Hans), einer der vorzüglichsten Maler der alkflandr. Schule, war an poetischer Erfindungsgabe wol der ausgezeichnetste unter allen Nachfolgern der Gebrüder van Eyck. Die Niederländer schreiben ihn Memling, die Italiener Meine- lino, Andere Hemling, da die Aufschriften seiner Bilder nichtswntscheiden, indem man den Anfangsbuchstaben seines Namens ebenso gut für ein 8 wie für ein LI lesen kann. Das seine Familie aus Konstanz hergestammt, beruht auf Vermuthung. Wahrscheinlich war er Schüler Nogier's von Brügge, der zwischen Joh. van Eyck und M. so ziemlich die Mittelstufe cinnimmt. Er soll 1477 in der Schlacht bei Nancy unter Karl dem Kühnen von Burgund mitgefochten haben und von hier verwundet in das Johannishospital nach Brügge gebracht worden sein, wo er nun wahrscheinlich seinen bleibenden Aufenthalt nahm. Zu seinen letzten Lebensjahren scheint er nach Spanien gegangen zu sein, wenigstens habt» mehre Gemälde in dex Karthause von Miraflores und im Dom zu Palencia aus denZ. 1496—1509 große Ähnlichkeit mit M.'s Arbeiten. Sein Todesjahr ist unbekannt. DaS Eigenthümliche seines Talents besteht in der Gabe, jede Geschichte deutlich und anmuthiz durch Figuren zu erzählen, und in der zartesten und vollendetsten Technik, die mit gewand- ter und edler, wenn auch noch magerer Zeichnung die größte Kraft und Naturwahrheit deS Colorits verbindet. Die Figuren seiner Ölgemälde sind meist klein und miniaturartig. Die schönsten Ölgemälde von ihm sind, im Johannisspital zu Brügge, der Reliquienkasteu der heil. Ursula, die Vermählung der heil. Katharina, die Anbetung der heil, drei Könige und eine heil. Jungfrau; in der Akademie daselbst die Taufe Christi und der heil. Christoph! in der Pinakothek zu München ein Christuskopf, die sieben Frauen der Maria und die Anbetung der Könige mit dem heil. Christoph und Johannes. Unter seinen Miniaturen stnd besonders die in einem Brcviarium auf der St.-Marcusbibliothek zu Venedig merkwürdig. Auch hat er mehre Manuskripte mit Miniaturen in Wasserfarben verziert. Memnon, der Sage nach ein König von Äthiopien, der Sohn deS Tithonus und der Eos oder Aurora, wurde zur Zeit des trojan. Kriegs vom Könige Priamus (s.d.), als Hektar durch Achilles gefallen war, von der bedrängten Stadt Troja zu Hülfe gerufen und kam auch mit einem ansehnlichen Heere dort an, nachdem er alle Völker, deren Gebiet er betrat, besiegt hatte. Allein hier verließ ihn Glück und Ruhm, denn obgleich er den Antilochus (s. d.) erlegte und andere Beweise von Tapferkeit gab, so unterlag er doch i« Kampfe mit dem Achilles. Ein hohes Grabmal, an den Ufern des Asopus errichtet, erhielt den Namen dieses heldenmüthigen äthiop. Jünglings auf der Nordküste von Vorderasten. Bei der Verbrennung seines Leichnams gingen Vögel aus der Asche hervor, die sogenannten Memn onsvögel, die dann jährlich zu seiner Grabstätte zurückkehrten und hier miteinander kämpfend gleichsam Leichenspiele zu seinem Andenken feierten. Doch nichtlM allein wurden die Asche und der Ruhm dieses Helden bewahrt; die Mythe und Dichtung erwähnen nicht nur an andern Punkten Asiens, namentlich zu Susa, dem alten Sitze du Perserkönige, ferner bei Paltos in Syrien, Memnonien, d. h. Städte und Denkmäler, die man zu seiner Verherrlichung errichtete, sondern je näher wir seinem Vaterlande kommen, desto glänzender wird sein Name, und besonders berühmt waren die beiden Memn»' Memoiren 481 men zuAbydos (s. d.) und Theben (s. d.) in Oberägypten. DaS letztere vor allen war ! eines der ausgezeichnetsten Bauwerke der noch in ihren Ruinen wunderbaren Stadt und in der Nähe derselben stehen die gegenwärtig unter den Namen Chama und Tama bekannten beiden seltsamen Kolosse mit den Memnonsstatuen, die ihrer außerordentlichen Höbe wegen schon aus der Ferne in die Augen fallen und durch die Länge der Zeit theilweise sehr verstümmelt, später aber, wahrscheinlich durch Probus zu Ende des 3.Jahrh. n. Ehr., Mieter ausgebessert worden sind. Die Steinmasse selbst besteht nach Plinius aus Basalt, nach Neuern aus Granit, der von der Sonnenglut schwärzlich gefärbt ist. Ihre Stellung ist parallel mit dem Laufe des Nils. Erst als sich der Verkehr der Römer mit Ägypten vermehrte, etwa im Zeitalter des Augustus, verband man mit dem nördlichen dieser Kolosse die Erzählung von einem geheimnißvollen,. dem Schwirren einer Saite ähnlichen Klange, den derselbe von sich gebe, und zwar beim Aufgang der Sonne in fröhlicher, beim Unter- gang in mehr klagender Weise; ja man setzte sogar hinzu, daß er Thränen vergossen und Orakelsprüche in Versen crtheilt habe. Diesen seltsamen Klang nun, den schon im Altcr- thume Pausanias und Strabo, in neuerer und neuester Zeit mehre reisende Engländer und Franzosen deutlich vernahmen, während er Andern, wie dem Deutschen Minutoli bei seinem dortigen Aufenthalte, versagt wurde, entsteht nach den zuverlässigsten Beobachtungen durch die schnelle Erhitzung des Steins von der Sonne und das sich wiederherstellende Gleichgewicht der Temperatur. Andere aber, wie Letronne, bezweifeln überhaupt das Wiederkehren dieses TonS in neuer Zeit und halten die ganze Erscheinung im Älterthume für einen blosen Pricsterbetrug, indem ein Priester, um den Aberglauben des Volks zu benutzen, im Innern des Kolosses sich verborgen und so die geheimnißvollen Töne hcrvorge- bracht habe. Alle diese Muthmaßungen fallen zusammen, wenn die Ansicht Otfr. Müller's im „Handbuche der Archäologie der Kunst" begründet ist, wonach wir in dem sogenannten Memnonskoloß die Statue des ägypt. Königs Amenophis II., sowie in dem danebenstehenden Koloß das Bild Namscs'des Großen erblicken. Schon in frühester Zeit haben Reisende das Wunder des vorher erwähnten Klanges bald in griech., bald in lat. Sprache durch Inschriften bezeugt, die an dem Piedestal und an den Füßen der nördlichen Memnonssäule eingegraben sind und zuerst durch den Engländer Nich. Pococke (s. d.), der 1738 dort verweilte, wol nicht mit gehöriger Sorgfalt abgeschrieben und nachher bekannt gemacht > wurden. Die Erzählungen von M. selbst und die verschiedenen Meinungen der Gelehrten über die beiden Kolosse, nebst Mittheilung und Erklärung der Inschriften, finden sich am besten zusammengestellt in Zacob's trefflicher Abhandlung „Über die Gräber des M." in seinen „Vermischten Schriften" (Bd. -1 und 8). Eine zweite gründliche Untersuchung über diesen Gegenstand lieferte Letronne in der Schrift „I-a «tatue cle Al. eonsickeres ckans ses i rupports svec I'Lgz-pte et la Orece" (Par. 1833). Memoiren oder Denkwürdigkeiten stehen zur eigentlichen Geschichtschreibung in einem ähnlichen Verhältnisse wie die Chroniken, nur daß diese letzter« die Thatsachen einfach und oft mit einer gewissen Dürftigkeit hinsiellen, während das Wesen jener in einer Ausmalung des Details und in einer Darlegung der verstecktesten Motive besteht. Der Memoirenschreiber umfaßt gewöhnlich nur die Erscheinungen, an denen er selbst Theil genommen hat, oder deren Zeitgenosse er wenigstens gewesen ist. Er führt uns in die verborgenen Machinationen der handelnden Personen und zeigt uns das Treiben hinter den Cou- > lissen. So müssen die Produktionen dieses Genres, die seit dem Mittelalter eine höchst er- 1 giebige Fundgrube für den Geschichtsforscher bilden, ihrer ganzen Anlage nach insgesammt ein mehr oder weniger individuelles Gepräge an sich tragen. Das klassische Alterthum hat nur zwei Schriftsteller aufzuweisen, welche als Muster dieser Euttung genannt werden können; dies sind Lenophon und Cäsar. Unter allen modernen Völkern sind die Engländer und besonders die Franzosen bciweitem am reichsten an historischen Denkwürdigkeiten. In England gewinnen dieselben besonders seit der glorreichen Negierung der Kü- , nigin Elisabeth an Bedeutung, und cs sind in Bezug auf diese Zeit vorzüglich die Memoiren von James Melvill zu nennen, welche sich bis auf König Jakob erstrecken. Auch sind i für die Geschichte der Königin Elisabeth die von Th. Birch nicht unerheblich, während die I Conv.-Lex. Neunte Aufl. IX. 31 482 Memoiren von Dav. Crawford of Drumsey besonders für schot. Verhältnisse eine reiche Ausbeute ge. währen. Unter Denen, welche ihre Erinnerungen aus den religiös-politischen Bewegungen des 17. Jahrh. ausgezeichnet haben, erwähnen wir Rushwort, dessen Werk von IK>s —42 geht, Ludlow, Nalson (1639—49), Clarendon (1621—6V), Whitelvck (bisKarll.) und Will. Temple (1672—79). Die bedeutendsten dieser Erscheinungen sind zusammen- gcstcllt in Guizot's „(lollection «Iss mernairss relatits ü In revolution «I ^ngletene" (33 Bde., Par. 1823). Peck gibt in seinen Denkwürdigkeiten eine lebendige Charakteristik Cromwell's, und John Dalrymple sowie Pepys behandeln den Verfall der Stuarts. An sie schließen sich Burnet und Marborough an, dessen Memoiren zum Theil wenigstens aus authentischen Papieren zusammengesetzt sind. Die Denkwürdigkeiten von Bvlingbreke, Walpole und John Ker ofKersland erstrecken sich auf die Negierungszeit von Georg I. Je mehr man sich der Gegenwart nähert, desto üppiger wuchert auch in England die immer mehr sich verflachende Memoirenliteratur. Von den zahllosen Denkwürdigkeiten, welche sich auf die lange Negierung Georg's III. beziehen, heben wir nur hie von Dav. Ramsay (1755 — 63) hervor, die vom militairischen Standpunkte aus besonders wichtig sind. Eine beiweitem bedeutendere Nolle spielen die Memoiren in Frankreich. Wenn überhaupt schon die historische Literatur eine der glänzendsten Seiten der franz. Literatur bildet, so muß man gestehen, daß der Geist der Franzosen für diese leichtere Art der Fr- schichtschreibung, wo cs besonders auf Schärfe der Beobachtung ankommt, ganz vorzüglich geschaffen ist. Hier sind besonders in derjenigenGattung der Memoiren, deren wesentlicher Inhalt die historisch-psychologische Analyse von Hofintriguen und Cabalen ist, unübertreffliche Meisterwerke zu erwähnen. Die ersten Erzeugnisse dieses Genres finden sich im lZ. Jahrh., zu einer Zeit, wo man allmcklig anfing, sich zur Abfassung der anspruchslosen Chroniken der Vulgärsprache zu bedienen. Geoffroy de Villehardouin steht mit seinem naiven Geschichtswerke über das lat. Kaiserthum auf der Grenze der beiden Gattungen, während Joinville's Geschichtserzählung von Ludwig IX. mit Recht lange Zeit als das Musm der historischen Memoiren betrachtet worden ist. Froissart, der franz. Herodot, der ihm vielleicht die Palme streitig machen könnte, hat seinem Geschichtswerke, welches die Zahn von 1322—1409 behandelt, mehr den Charakter der Chronik gegeben, obwol seine lebeus- frische Darstellung nickt selten memoircnartig auseinanderfällt. Christine de Pisan, gesi. «415, welche Memoiren überKarl'sV. Negierung, und Olivier de la Marche, der »ach 1460 unter Ludwig XI. schrieb, nehmen einen viel zu untergeordneten Rang ein, als daß sie mit beiden Historikern verglichen werden könnten, an die sich nur Philippe de Comi- nes als dritter Stern erster Größe anschließt. Seine Erinnerungen aus der Zeit Lud- wig's XI. sind mit Recht zu den Meisterwerken der praktischen Politik gezählt. An diese Schrift schließen sich, aber in bescheidener Stellung, die Memoiren von Claude de Seyffel an, welche der Geschichte Ludwig's XII. gewidmet sind. Martin du Bcllay's durch kraftvolle Darstellung und Nationalsinn merkwürdige Memoiren gehen von 1513—47. Aon ganz vorzüglicher Wichtigkeit sind die Werke dieser Art aus dem 16. Jahrh., weil man aus ihnen die religiösen Spaltungen, sowie die endlosen politischen Conflicte dieser Zeit in viel lebendiger» Zügen kennen lernt, als aus den Schilderungen der ofsiciellen Geschichte. Bor Allem zeichnen sich hier aus Blasse de Montuc, dessen ungekünstelte „(lowinsntsires" (von 1521—72) Heinrich IV. die Soldatenbibel nannte, Gaspard de Saulx-Tavannes (>äsO —73), welcher einen philosophischem Anstrich hat, und Margarethe von Valois, Heiu- rich's IV. erste Gemahlin, aus. Die Denkwürdigkeiten der Letztem beziehen sich ausschlü- ßcnd auf das Hoflcbcn, welches uns mit allen seinen großen Nichtigkeiten auch von Pier« de l Ekoile vorgesührt wird. Wichtig sind noch die „Vlemoriae nastrue libri Vl" von Guil- laume Paradin und das später fallende gleichfalls lat. geschriebene Geschichtswerk von Thou oder Thuanus, welches den Zeitraum zwischen den I. 1544 — 1697 behandelt Durch Kraft der Darstellung und Gediegenheit der Gesinnung ragt Michel de Castclna» hervor, dessen „Mmmres" von 1559—70 reichen. Außerdem erwähnen wir noch von protestantischen Schriftstellern jener Zeit Lanoue, welcher der Catinat des 16 . Jahrh. genannt worden ist, Duplessis-Mornay (1572—1623) und Jean Mergey, der sich über die Verfolgungen der Protestanten mit großer Mäßigung äußert, obgleich er selbst dem Blutbad forc der wig De> ren! schil Ein scho chai Va> sor, will wig Zac Grand En! wer Her Hab Ma euil Lch Zei, Heu wir Nee Ca. Mi unt> ma, arti So 6l0—17), Bassompierre, Mvntre- sor, Aubery, Montglat und Richelieu in seinen wol etwas überarbeiteten Memoiren wichtige Beiträge, wie man zum Verständniß des sogenannten großen Jahrhunderts Ludwig's XIV. die Schriften von Larochefoucauld, vom Cardinal Retz, von Jvly, vom Grafen Zacq. Saulx-Tavannes, Puysegur, Bricnne, Motteville, Rabutin, Talon, Estrades, Grammont, Dangeau, Saint-Simon, deLafare, Luxembourg, Catinat, Noailles und viele andere weniger werthvolle Memoiren nicht ganz entbehren kann. Duclos behandelte das Ende von Ludwig's XIV. übertünchtcr Negierung und die Zeit Ludwig's XV. mit achtungs- werthem Freimuthe. Neben ihm müssen die Memoiren des Abbe Montyon (1725—31), des Herzogs von Choiseul und Chalotais benutzt werden. Eine durchaus verschiedene Richtung haben die„6vllkes8ious" von Rousseau und die Memoiren der Madame Epinay, Suard's, Marmonkel's und Morellet's. Der berühmte Verfasser des „(lontmt social" entwirft uns ein ergreifend treues Bild seiner eigenen Seelcnzustande, während wir in den Schriften der Letztem mehr einen Einblick in die literarischen Verhältnisse und das Cotcriewesen jener Zeit erhalten. Mit dem Beginn der Revolution schwoll die Memoirenliteratur in so unge- heuerm Maße, daß wir uns mit der Angabe solcher Namen begnügen müssen, welche für wirklich stimmgebende Autoritäten gelten können. Es dürften dies etwa folgende sein: Necker, Besenval, Bouille, Fernere, Al-Lameth, Lafayette, Montlosier, Madame de Stack, Campan, Barbaroux, Billaud-Varennes, Dumouriez, Madame Roland, Thibaudeau, Mirabeau, Mounier, Barere, Camillc-Desmoulins und Gregoire. Vieles von Dem, was unter berühmten Namen in Umlauf gesetzt ist, kann keinen Anspruch auf Authenticität machen; wie denn überhaupt in neuerer Zeit die Memoirenfabrikation auf wahrhaft großartigem Fuße organistrt ist. Einer der bedeutendsten Unternehmer in dieser Beziehung war Soulavie, dessen Sammlungen jetzt durch die „Oollection cles mcmoirss relatiks ül'iüstoire (ie la revvlution Irany." (30 Bde., Par. 1822—28) und einige ähnliche Publikationen unbrauchbar geworden sind. Alle erwähnten Schriftsteller behandeln mehr die allgemeinen Ereignisse ihrer Zeit; unter den Denkwürdigkeiten, welche enger begrenzten Episoden gewidmet sind, heben wir nur die unvergleichliche Darstellung der Vende'eunruhen aus der Feder der Marquise Laroche-Jacquelin hervor. Noch mehr müssen wir uns in Bezug auf die Memoiren über Napoleon beschränken, indem fast alle seine bedeutendem Generale, sowie unzählige nichtssagende Personen, welche mit diesem außerordentlichen Manne in Berührung kamen, sich für berechtigt hielten, ihre Beobachtungen und unverdauten Reflexionen der Nachwelt zu überliefern. Zu den wichtigsten Erscheinungen dieser Art gehören die Schriften von Bignon, Las Cafes, O'Meara, Constant, Lavalette, Savary, Fain und von der etwas allzu geschwätzigen Herzogin von Abrantes. Außer den Memoiren mit vorherrschender politischer Färbung gibt es nun auch Werke dieser Gattung, welche sich eine andere Aufgabe als Besprechung der eigentlichen Weltereignisse stellen. UnterDenen, welche mehr ein literarisches oder artistisches Interesse verfolgen, sind die Memoiren von Rivarol, Gre'try, Talma und Charl. Nodier besonders bedeutend. Madame Eenlis, die Fürstin Salm, der Fürst von Ligne und viele Andere beschränkten sich mehr aus eine Beleuchtung der Hähern socialen Beziehungen. Es ist unmöglich, mit wenigen Zügen einen einigermaßen genügenden Überblick über das ganze Gebiet der Memoirenliteratur zu gewähren. Jede Persönlichkeit, jedes Ereigniß, welches der gesinnungslosen Feder der Ta- 31 * 4S4 Memphis Mena gesschriftstellec einige Ausbeute verspricht, wird in diesen Kreis herabgezogen. Die schar», lose Fabrikation, die Betrügerei frecher Speculanten machte es immer schwieriger, de- ! Glaubhafte von der leichtsinnigen Lüge des Tages zu unterscheiden. Das hungrige Publi- rum verschlingt die Denkwürdigkeiten eines Vidocq und Gisquet, die anspruchsvollen Her. - zenscrgießungen anerkannter Missethäter, wie Lacenaire und Madame Lafarge, mitglei- cher Gier. Unter den wahrhaft gehaltreichen Memoiren, welche in Aussicht gestellt sind, werden die „iVlemoiro ll'outre-tomde" von Chateaubriand und die unverfälschten Denkwürdigkeiten von Carnvt besonderes Interesse erregen. ' In Deutschland ist die Gattung der politischen Memoiren noch eine zarte Pflanze, welcher erst, wenn ihr mehr Licht und die freie Luft einer größer» Öffentlichkeit gewährt wird, ein kräftigeres Gedeihen versprochen werden kann. Zwar nahm man zu den Zeiten der Reformation einen kräftigen Anlauf, und einige lat. Folianten jener Tage können sich, wenn auch nicht in Bezug auf Reiz und Anmuth der Form, doch wenigstens ihrem wissen- schaftlichen Gehalte nach, mit ähnlichen Erscheinungen des Auslandes messen; aber bald wurden diese ersten Triebe durch die immer mehr übcrhandnehmende Schwerfälligkeit »nd Gehcimnißthuerei, welche in den damaligen Verhältnissen begründet waren, wieder nieder- gedrückt. Nur in der Sphäre der literarischen Denkwürdigkeiten besitzen wir an Goethes „Wahrheit und Dichtung" und einigen ähnlichen Werken Productionen, deren Werth auch spätere Zeiten nicht antasten werden. Was die Beleuchtung politischer Ereignisse an- betrifft, so haben wir von ältern Erscheinungen dieser Art außer Dohm's freilich etwa- formlosen „Denkwürdigkeiten" wenig von nachhaltiger Wirkung aufzuweisen. Unter den Männern, welche sich mit Talent und würdigem Ernste der Pflege dieses jetzt zum Theil ^ noch dornigen Gebiets zugewendet haben, verdienen Varnhagen von Ense, von Gagern, Arndt, Ritter von Lang und Hormayr genannt zu werden. Memphis , nach der die gleichnamige Stadt Ägyptens benannt sein soll, war dir , Tochter des Neilos, Gattin des Epaphos und Mutter..der Libya; nach Diodor aber me ^ Tochter des Uchoreus und von dem Neilos Mutter des Ägyptos. Memphis, eine altägypt. Stadt in Mittelägypten am linken Nilufer, eine Meile - oberhalb des heutigen Kairo gelegen, wurde der Sage nach von Meneß erbaut, und reich!, obschon sie jünger als Theben in Öberägypten und wahrscheinlich cine .Colonie desselben ist, in ihren Anfängen weit in die mythische Zeit der Geschichte des alten Ägyptens hinein. Zn , der historischen Zeit finden wir sie als Residenz der Pharaonen an Thebens Stelle, dessen l Glanz sie noch überstrahlte. Diodor gibt ihren Umfang auf 150 Stadien an; sic umschloß ^ eine Menge der prachtvollsten Bauten. Die berühmtesten davon waren der kolossale i Tempel des Phtha mit den prächtigen Säulengängen; ihm gegenüber der prächtige Palast ^ dc§ Apis; der Tempel des Serapis, zu dem eine Allee von Sphingen führte, die man noch . im Sande der Wüste begraben sieht; und der ungeheure Palast der Pharaonen. Durch ein Kanalsystem stand M. mit den Seen Möris und Mareotis in Verbindung und wurde dadurch der Mittelpunkt des Handels und des Reichthums Ägyptens. Die Eroberung die- . ses Landes durch Kambyses, der M. 524 v. Chr. theilweise zerstörte, brach die Blüte der Stadt; durch das Emporblühen Alexandrias sank sie immer mehr, bis ihr endlich durch die Sarazenen im 7. Jahrh. vollends ein Ende gemacht wurde. Doch standen noch in> l 2. Jahrh. bedeutende Gebäude. Jetzt bietet M. nur noch ein weites Ruinenfeld, zwifchk" dem die Dörfer Memf, Mit-Rahineh und Bedreschin liegen. . ! Mena (Juan de), der span. Ennius genannt, wurde 1411 zu Cordova geboren. M 25 Jahren begab er sich auf die UniversitätSalamanca und später nach Rom, um sich besondere mit der altclassischen Literatur noch vertrauter zu machen. Hier lernte er auch Dante und Petrarca kennen. Nach seiner Rückkehr ins Vaterland fand er an denrkuust» liebenden Hofe Johann's H. Von Castilicn bald Gelegenheit, seine Kenntnisse und Taleule . geltend zu machen und den sogenannten klassischen Geschmack einzuführen. Ihn unterstütz' , ten hierbei der König und der Marques de Santillan a (s. d.), die Beide selbst - waren. Erstercr ernannte ihn zu seinem lat. Secretair und Historiographen und seine ^ terstadt nahm ihn unter die Zahl der Vierundzwanzig (der Stadtregenten) auf. Er star l 1456 und wurde zu Torrelaguna begraben. Bis zu M.'s Zeiten trat die Dichtkunst auch ^ in V< all N- ein M Pr un fol Ar lar (L sth sär 15 Ge v. i Elin 16 Sl P- da< sar hei Ak we ter an un 8" 8 ° Ni frc D T, ne m sei sp m D m A de re or di 2 . W a»>> di» ! ibli- ?!k> zle>. md, enk- »zi, ährt itm sich, sm- da- he'S an- «>» den heil j ern, ldl! i lim I icile ichk, !>ß, Z" O" Mlh »rde die- !der urch > i« chen ini- auch inst- cu!e iük- ^ chter , Ba- larb Menächmus Menander 485 in Spanien vorzugsweise als Volks- und Hofpoesie auf; M. machte die ersten größer« Versuche, nach lat. und ital. Mustern castilianische Gedichte zu verfassen, und schrieb das allegorisch-didaktische Gedicht „LI Isberint»", das in formeller Hinsicht zu offenbar eine Nachahmung Dantc's und Petrarca's, zu sehr mit Gelehrsamkeit überladen ist, um auf einen bedeutenden, absoluten poetischen Werth Anspruch machen zu können; doch gibt M. in den Partien, welche die Geschichte seines Vaterlandes und seiner Zeit behandeln, Proben von wirklichem Talent. Neben der ältesten Ausgabe dieses Gedichts (Sevilla 1496) und der mit einem Commentar von Hernan Nunez (Sevilla > -199) erwähnen wir von den folgenden Ausgaben nur die mit dem Commentar des Franc. Sanchez (Salamanca '.582). Außerdem schrieb M- ein Gedicht zur Feier der Dichterkrönung des Marques de Santil- lana(1492), ein allegorisch - ascetisches Gedicht „6ontru Ins siete pecackas mnrtnles" (Salamanca l5VO), das er aber unvollendet ließ, und mehre kleinere Minnelieder, Nath- selspiele und Anderes im höfischen Tone, die im „Lancinnern general" stehen. Seine sämmtlichen poetischen Werke erschienen oft zusammengedruckt (Sevilla 1528; Anvers 1552; Madr. 180-1 und Madr. 1840, Fol.) Er ist jedenfalls als epochemachend in der Geschichte der span. Poesie und als der Vorläufer von Boscan und Garcilass anzusehen. Menächmus, ein berühmter gricch. Bildner oder Torcut aus Naupaktos, um 480 v. Chr., erwarb sich besonders durch Verfertigung von Götterbildern, die mit Gold und Elfenbein überzogen oder ausgelegt waren, großen Ruhm und legte die Regeln seiner Kunst in einem leider verloren gegangenen Werke nieder. Menage (Ägid oder Gilles), der Varro des 17. Jahrl). genannt, geb. zu Angers 1613, wurde nach Vollendung seiner Studien königlicher Sachwalter an seines Vaters Stelle, gab aber bald, aus Abneigung gegen die juristische Laufbahn, seinem Vater diesen Posten zurück. Er trat nun in den geistlichen Stand, bekam einige Pfründen und bezog das Kloster Notre-Dame, wo er eine gelehrte Gesellschaft, iUeroiriale-, d.stMitkwochsver- sammlung, stiftete, die gegen 40 Jahre bestand. M. besaß viele Kenntnisse und ein ungeheures Gedächtniß. Seine Gedichte in ital. Sprache verschafften ihm die Mitgliedschaft der Akademie della Crusca. Auch würde er in der franz. Akademie eine Stelle erhalten haben wenn er nicht in seinem „Regnete ' dann von Walz in den „küetvres graeci" (Bd. 9, Stuttg. l 836). ^ e Mencius, s. Meng-tsü. Mencke ist der Name einer sehr verdienten deutschen Gelehrtenfamilie. — Ott» M., geb. am 22. März 1663 zu Oldenburg, wo sein Vater Kaufmann und Bürgermeister war, gest. als Professor der Moral zu Leipzig am 29.Jan. 1797, wurde durch dieHn- ! ausgabe der^etu eruckitorum (s. d.), seit 1682, der Begründer der ersten in Deutsch, ! land erscheinenden gelehrten Zeitschrift. — Sein Sohn, Joh. Burkhard M., geb.m 8. Apr. 1673 zu Leipzig, studirte daselbst Theologie und wurde 1699 Professor der El, schichte, wendete sich aber bald nachher dem Studium der Rechte zu und promovirte i« Halle als Doctor. Im I. 1708 ernannte ihn der Kurfürst von Sachsen und König W Polen, Friedrich August, zu seinem Historiographen und später zum Hosrath. Er starb i« Leipzig am I. Apr. 1732. M. war ein sehr vielseitig und gründlich gebildeter Gelchrlrr. Das bleibendste Verdienst erwarb er sich durch die Herausgabe der „8cripiores rerum gen»,, praecipue suxun." (3 Bde., Lpz. 1728 — 36, Fol.). Das größte Aufsehen in seiner Zeit machte er durch seine satirischen „Orationos ckuo <>e cllarlataneria eruäitormn" (Lp. 1715 und oft.), die sowol ins Deutsche wie in mehre andere fremde Sprachen übersetzt ! wurden. Nach seines Vaters Tode setzte er die „Lcta eruclitorum" fort; auch begnmdele ^ er 1715 die „Neuen Zeitungen von gelehrten Sachen". Zugleich war er unter demNanieii , Philander von der Linde ein beliebter Dichter und Vorsteher derDeutschübcnden poetisch!« § Gesellschaft in Leipzig. Seine Gedichte erschienen in vier Theilen (Lpz. 1705); seinekleinen und akademischen Schriften, meist historischen und literarischen Inhalts, wurden nach seinem Tode von seinem Sohne gesammelt in den „Orstiones acsckewicae" (Lpz. Mt), „Vissertutivnes litersrise" (Lpz. 1733) und „Dissertationum acackeimcunim tleo»" (Lpz. 1733). — Sein Sohn, Friedr. Otto M., geb. am 3. Aug. 1708 zu Leipzig, geil. ) daselbst als Professor der Rechte, Hofrath und Rathsherr am.13. März 1753, Mali ^ gelehrter Literator die von seinem Großvater und Vater begründeten gelehrten Zeitschriften fort und schrieb unter Anderm eine „Uistoria vitae tlmA. kolitiani" (Lpz. >736, 3.).- Ein Vetter des erwähnten Otto M., Lüder M., geb. zu Oldenburg am 23 . Dec. 16öS, gest. als Professor der Rechte und Ordinarius der Juristenfacultät zu Leipzig am 2S.Ju»i 1726, schrieb mehre gelehrte juristische Werke. Mendelssohn (Moses) wurde am 10. Sept. 1729 (nach jüd. Zeitrechnung»»! ^ 12. Elul 5389) zu Dessau geboren. SkinVater Mendel, welcher daselbst eine Elementarschule hielt, gab ihm trotz seiner Armutheine gute Erziehung, unterrichtete ihn in der hebr. Sprache und den Anfangsgründen der jüd. Gelehrsamkeit und ließ ihn auch im Talmud unterrichten. Übrigens bildete er sich geistig aus durch fleißiges Lesen des Alten Testaments und durch eignes Nachdenken. Das Werk des MaimonideS „More Nebochim" regte ihn zuerst zur Untersuchung der Wahrheit und zu freimüthiger Denkungsart an. Doch durch zu anhaltendes Studiren verfiel er in eine Nervenkrankheit, welche eine Rückgrat?- ^ krümmung zur Folge hatte und seine Gesundheit für immer schwächte. Da sein Vater ihn nicht ferner unterstützen konnte, so wunderte er 1735 nach Berlin, wo er mehre Jahre >» ! äußerster Dürftigkeit lebte. Gleiches Schicksal führte ihn mit Israel Moses, einem arme» ^ Schulmeister aus Galizien, zusammen, der ein tiefsinniger Denker und großer Mathewa- i tikcr war, wegen seiner Freimüthigkeit aber allenthalben verfolgt, recht eigentlich ein Mar- l tyrer der Wahrheit wurde. Durch ihn wurde in M. der Trieb zur Mathematik geweckt, deren genaueres Studium seinen Verstand ungemein schärfte und ausbildete. Ein junger jüd. Arzt, Namens Kisch aus Prag, unterrichtete ihn im Lateinischen, und durch de» Dr. Aaron Salomon Gumperz bekam er seit l 738 Gelegenheit, mit der neuesten Literatur, i insbesondere mit Leibnitz's und Wolfs damals herrschender Philosophie sich bekannt zu l machen. So lebte M. .der Wissenschaft ohne irgend eine andere Aufmunterung als die, welche er aus sich selbst schöpfte, und ohne einen bestimmten Lebensunterhalt, bis ein reich" , jüd. Seidenfabrikant zu Berlin, Namens Bernard, ihn zum Erzieher seiner Kinder, spät" zum Aufseher, seit 1750 zum Factor und endlich zum Theilnehmer seiner Fabrik machte- Unter seinen Glaubensgenossen wie unter den Christen gewannen ihm seine Lebensweisheit ^ 7N), Ott« rHw »tsch. b. N r8i> rte ii, ; ««» irbie hrln. «IM,> rZ-it (Hz ersitzt > ndete ame» ischeii !kle>' . >»ch ^ > M!" .M! keck - ifte» ^ )-- 6Z8, Zmi z »in mm- ider Tel- ' .'es)-> j regte ! Doch ^ ratk- ^ rihn licin ! cweii ^ ema> ^ ßkär- I «eckt, ' ngtt i den at»r, . itss l s die, , ich" i g-ker ichtt. öheit Mendelssohn-Vartholdy 487 und sein edler Charakter eine ausgebreitete Achtung. Als ein vortrefflicher Schachspieler wurde er >754 mit Lessing bekannt, was aufseine Bildung und vorzüglich aufseine Dar- stellung den vortheilhaftesten Einfluß hatte. Beide haben die Schrift „Pope, ein Metaphysiker" (Danzig >755) gemeinschaftlich gearbeitet. Seit dieser Zeit wurde die Philosophie M.'s Hauptbeschäftigung. Zunächst ließ er die „Briefe über die Empfindungen" (Berl. >745) erscheinen, die durch Reinheit und Natürlichkeit der Darstellung sich auszeichnen. Ihnen folgte die Übersetzung von Nouffeau's Abhandlung „Bon dem Ursprünge der Ungleichheit unter den Menschen". Hierauf trat er mit Abbt und Sulzer, seit >76l auch mit Nicolai in genauere Verbindung, und die Abbt'scheCorrespondcnz ist ein schönes Denkmal der Freundschaft und Vertraulichkeit dieser trefflichen Männer. Ernahmthätigen An- theil an der „Bibliothek der schönen Wissenschaften", an den „Briefen, die neueste Literatur betreffend", und erhielt den von der berliner Akademie >763 auf die Beantwortung der Frage „Über die Evidenz der metaphysischen Wissenschaften" gesetzten Preis. Dessenungeachtet strich Friedrich der Große M.'s Namen aus der Liste der neu zu erwählenden Mitglieder, aus welche ihn die Akademie einstimmig gesetzt hatte. „Nur dann würde es mich schmerzen", bemerkte M., „wenn die Akademie mich nicht hätte ausnehmen wollen". Sein „Phädon oder über die Unsterblichkeit der Seele" (Berl. >767 und öst.) machte ihn in noch größer« Kreisen bekannt, ja für die damalige Zeit berühmt, und ohne Originalphilosoph zu sein, gehörte er auch wirklich zu den ausgezeichnetsten Denkern seiner Zeit. Die Aufsoderungen und dringenden Vorstellungen Lavater's, der ihn dem Christenthume gewinnen wollte, wußte er mit zarter Feinheit abzulehnen; aber der Verdruß, sich auf eine so unerwartete Weise angegriffen zu sehen, zog ihm eine schwere Krankheit zu, die ihn lange Zeit zu allen gelehrten Arbeiten untüchtig machte. In seinem „Jerusalem oder über religiöse Macht und Judenthum" (Berl. >783) legte er der Welt die trefflichsten Ideen vor, die zum Theil deswegen so schief verstanden wurden, weil sie tief eingewurzelte Vorurtheile seiner Stammesgenossen angriffen. M. zeigte sich stets als freidenkcnden Mann, der mittels einer liberalen Auffassung der Urkunden des Alten Testaments in diesem die Grundsätze der natürlichen Religion, in dieGestalt der ehrwürdigsten Vorzeit gekleidet, zu finden glaubte, und deshalb auch äußerlich dem Ceremonialgesetze seiner Stammcsgenoffen anhing, ohne eine andere Religion zu verachten. Die Ansangsgründe seines philosophischen Systems, besonders die Lehre von Gott, gab er in den „Morgenstunden" (Berl. >785), deren Fortsetzung sein baldiges Ende verhinderte. Als er die an ihn gerichtete Schrift F. H. Jacobi's „Uber die Lehre des Spinoza" erhielt, glaubte er seinen dahingeschiedenen Freund Lcssing gegen die Beschuldigung, ein Anhänger des Spinozismus gewesen zu sein, vertheidigen zu müssen. Ohne Rücksicht auf seine erschöpften Kräfte eilte er, den ersten Eindruck der Ja- cobi'schen Beschuldigung durch die Schrift „Moses Mendelssohn an dieFreundeLessing's" zu vertilgen. Er befand sich aber in einem so gereizten Zustande, daß eine Erkältung hinreichend war, seinem Leben am 4. Jan. >786 ein Ende zu machen. Deutschland hat M. um so williger den ihm gebührenden Ruhm zuerkannt, je größere Hindernisse er zu überwältigen hatte. Die deutsche Sprach« verdankt ihm einen Theil ihrer Bildung und Würde, und die philosophischen Untersuchungen erhielten durch ihn ein gefälliges Gewand. Im Philosophischen Dialoge machte er unter den Deutschen den ersten gelungenen Versuch, indem er denselben Plato und Lenophon nachbildete. Insbesondere hat er vortheilhaft auf die Bildung seiner Glaubensgenossen gewirkt. Außer seinen bereits genannten Schriften führen wir noch an seine „Philosophischen Schriften" (2 Bde., Berl. >76>—7l); „Über die Rettung der Juden" (Berl. >782) und seine Übersetzung der fünf Bücher Mosis und der Psalmen. Jacob! machte M.'s Briefe über den von ihm angeregten Gegenstand bekannt. Eine „Sammlung theils noch ungedruckter, theils in andern Schriften zerstreuter Aufsähe und Briefe von ihm, an und über ihn" gab Heinemann (Lp;. >83>) heraus; die vollständigste Ausgabe seiner „Gesammelten Schriften" besorgte E. B. Mendelssohn (7 Bd^, Lpz. >843—45). Mendelssohn-Bartholdy (Felix), unter den jüngern Tvnkünstlern der Gegenwart einer der ausgezeichnetsten, geb. am 3. Febr. >869 in Berlin, ist der Enkel des Vorigen und der Sohn eines der angesehensten Bankiers, der auch als Stadtrath in Berlin sich 488 Mendelssohn-Bartholdy in den letzten Jahren durch rüstige Theilnahme sehr verdient machte und im Nov. I8Zz starb. Im Schosse des Glücks war es M. gegönnt, das wunderbar früh sich zeigende Ta. lenk unter der trefflichsten Pflege und Ausbildung entwickeln zu können. Zelter, durch dessen Vermittelung später auch ein näheres Verhältniß zu Goethe sich gestaltete, wurde sein Lehrer in der Compositivn, der treffliche Ludw. Berger im Pianosvrtespicl. Im neun, ten Jahre spielte er zuerst öffentlich in Berlin, dann im folgenden Jahre in Paris, wohin er mit seinen Altern gereist war. Compositionen aller Art, selbst in schwierigen Formen, hatte er schon damals in großer Anzahl geschrieben; im 1.1824 erschien die erste derselben, drei Quartette für Pianoforte mit Begleitung der Streichinstrumente, im Druck. Im ^ I. i 825 machte er eine zweite Reise nach Paris, weil sein Vater den Rath der dortigen > Musiker, insbesondere Cherubini's, zuvor noch zu hören wünschte, ehe er es dem Sohne , gestattete, sich ausschließend der Musik zu widmen. Er spielte dort mit Baillot sein Quartett aus Lmoll, und die Frage über seinen Beruf als Musiker war unbedingt mit Ja entschieden. Nach Berlin zurückgckehrt, brachte er 1827 seine erste größereOper „DieHoch. zeit des Gamacho" zur Aufführung. Zum Jüngling allmälig herangereift, trat er nun zum ersten Male selbständig in die Welt, und begann eine dreijährige Reise durch England, Frani- reich und Italien. In Paris gelang cs ihm, im Conservatorium seine Ouvertüre zu Sha- kespeare's „Sommernachtstraum", die er schon in Berlin in seinem 17. Jahre geschrieben hatte, zur Aufführung zu bringen und einen glänzenden Erfolg zu erringen. Auch als Vir- tuos durch den Vortrag klassischer Werke erwarb er sich große Anerkennung. Jetzt kehrte er in seine Heimat zurück und veranstaltete Concerte zu wohlthätigen Zwecken^ worin er sich thcils als Componist, theils als Spieler nach den mannichfachsten Richtungen hin mit größtem Erfolg bewährte. Da er indeß hier wol Anerkennung, aber keinen Wirkungskreis fand, so ging er nach Düsseldorf, wo er mit Jmmermann (s. d.) gemeinschaftlich die Aufgabe unternahm, ein Theater, rein auf Kunstgrundsätze gestützt, ins Leben zu rufen, ein Unter- nehmen, welches jedoch bald zerfiel, da Differenzen unter den Dirigenten nicht ausblie- i ben. Hatte dasselbe unter solchen Umständen nicht so bedeutende Folgen, als man erwart!» § konnte, so war doch der für M. daraus hervorgehende Gewinn insofern ein großer, alserhin ^ ein unbedingtes musikalisches Ansehen erwarb und sich von diesem Zeitpunkte an die großen Erfolge desselben in England, wohin er, wie gleichzeitig in Deutschland, zur Leitung großer Musikfeste berufen wurde, datiren. Nachdem er die Düsseldorfer Verhältnisse gelöst hatte, ! wurde er 1835 als Musikdirektor nach Leipzig berufen, um die Abonnementsconccrte im j Gewandhause zu leiten. Hier, im Mittelpunkte deutschen Musiklebens, gehoben durch enthu- stastische Anerkennung seiner Leistungen von Seiten des Publikums, gelang es ihm, die vorhandenen Kräfte in einer Weise zu steigern, daß die Leistungen des leipziger Orchesters zu den vollendetsten in Deutschland gerechnet werden konnten, und war daher sein Ruf schon vorksrein weitverbreiteter gewesen, so stieg erjcht zurglänzendsten Höhe. Nach einigen Jahren der erfreulichsten Wirksamkeit schied M. von Leipzig, einem Rufe nach Berlin alsGene- - ralmusikdirector folgend. Bald jedoch gab er diese neue Stellung wieder auf und kehrte, nachdem er ein Jahr in Frankfurt am Main privatisirt hatte, im Sommer dcS I. >845 nach i Leipzig in seine frühere Stellung zurück, um aufs neue thätigen Antheil an einer bei seinem frühem Aufenthalt von ihm ins Leben gerufenen Schöpfung, an der Leitung des Conser- vatoriums der Musik, zu nehmen. Was nun die künstlerische Eigenthümlichkeit M.'s anlangt, so bemerken wir vor Allem bei ihm im Gegensatz zu so vielen Künstlern der Gegenwart , welche dem Augenblick und dessen Bedürfnissen dienen, das bewußte Streben nach ; dem Höchsten in der Kunst als das Charakteristische, und zugleich eine wahrhaft ausgezeichnete und nur wenigen Tonkünstlern in diesem Grade eigene, sowol musikalische, als allgemeine Bildung. Früh schon versuchte er sich in den edelsten und schwierigsten Forme» und Gattungen; unverrückt und mit Energie arbeitete er aufErreichung eines hohen Ideals hin, und diesem Streben ist er treu geblieben bis auf die Gegenwart. Früh schon zeichnete er sich aus durch feinsten Geschmack und klares, bewußtes Erkennen der Aufgaben, welche j der Künstler der Gegenwart zu lösen hat Ist die Kritik trotz dieser Vortrefflichkeit deS ! Strebens und dem Vorhandensein aller Bedingungen, deren Erreichung von dem Fleiße ^ und Studium des Künstlers abhängen, genöthigt, M. das Prädikat eines Meisters ersten ^ Mendes Mendizabal 489 Ranges zu versagen, so liegt der Grund in seinem Mangel an Ursprünglichkeit und Fülle der Phantasie, in dem Mangel an Naturkraft und Unmittelbarkeit des Scbaffens, in dem Übergewicht der Reflexion, eine Eigenthümlichkeit, welche er mit seiner Vaterstadt gemein hat, und welche deshalb in dieser Beziehung jedenfalls nicht ohne Einfluß aus ihn gewesen ist. Alles, was die edelste und reichste Bildung zu gewähren vermag, Alles, was derKünst- ler durch eigene Thätigkeit erlangen kann, sehen wir in M. verwirklicht, aber das natürliche Fundament, die andere Seite im künstlerischen Geiste, welche in gleicher Kraft vorhanden sein muß, wenn harmonische Schöpfungen hervorgehen sollen, entspricht jenem Erworbenen nicht ausreichend, und so tritt bei ihm die Thätigkeit des Verstandes auf Kosten der Phantasie hervor; die Abstraktion und Kälte des Nordens ist vorherrschend, nicht das warme, sinnliche und phantasiereiche Leben des Südens. Wäre die Musik eine Wissenschaft, M. würde der größte Tonkünstler sein; in der Kunst aber ist die Naturkraft des Geistes das Primitive, und die Thätigkeit des Verstandes das Secundaire. Was die in seinen Werken ausgeprägte Weltanschauung betrifft, so müssen wir bemerken, daß die glücklichen Verhältnisse, in denen er lebte, ihn fern gehalten haben von den Abgründen des Schmerzes, fern gehalten von den Bewegungen des Tages und dem Schmer; und Kampfe desselben; ungetrübte Heiterkeit, Lächeln des Glücks, Versöhnung, wie sic den Künstlern vor dem I. 1830 Hgen war, sind daher die Erundzüge seines Wesens; zugleich richtete die ihm früh zu Theil gewordene umfassendeBildung seineBlicke vorzugsweise auf die Vergangenheit. Allgemein bekannt wurde er zuerst durch seine Ouvertüre zum „Sommernachtstraum", der dann die zum Märchen „Die schöne Melusine", „Meeresstille und glückliche Fahrt" und die „Hebriden", letztere die vorzüglichste unter den spätern Werken dieser Gattung, folgten; allgemeine Anerkennung als Meister errang er durch sein Oratorium „Paulus", welches er in Düsseldorf schrieb. M. ist zugleich ausgezeichneter Pianofortecomponist; er schuf das „Lied ohne Worte", und diese Compositionen waren es, welche ihm schon früh Eingang im größer» Publicum verschafften. Viele andere Werke von größer,» oder geringcrm Umfange, Symphonien, Concerte für Pianoforte, Trios, Sonaten u. s. w. haben sodann seinenNamen immer mehr verbreitet und der musikalischen Welt reiche Genüsse geboten. Unter seinen zahlreichen Compositionen für Gesang sind einige allgemein verbreitet und beliebt. Charakteristisch ist, daß er seit seinem Eintritt in die Epoche gereifter Kunstthätigkeit sich nicht entschließen konnte, sein Talent der Oper zu widmen. Dagegen umkleidete er den „Sommcrnachts- lraum" und des Sophokles „Antigone" und „König Ödipus" mit Musik, ein Unternehmen, welches wir, was Sophokles betrifft, so trefflich auch die Leistungen in musikalischer Hinsicht sind, und so sehr wir das Verdienst, dem Publicum auf diese Weise wieder Geschmack am Einfachen beigebracht zu haben, ehren, von dem Standpunkte nationaler Kunstentwickelung aus als ein wenig förderndes bezeichnen müssen. Mendes, eine der angesehensten Gottheiten der alten Ägypter, ist eigentlich nichts anders als der vergötterte Ziegenbock, dem man dann eine astronomische Bedeutung als Bild im Thierkreise verlieh und mit dem man die Idee der Zeugung, des wollüstigen Na- tnrtriebs verband, sodaß er das pantheistische Symbol des befruchtenden Princips in der Natur wurde. Daher kommt es auch, daß ihn die Griechen mit ihrem Pan identificirten. Der Ziegenbock war das ihm geheiligte Thier. Sein Cultus, der mit den scheußlichste» or- giastischen Greueln verbunden war, blühte.vorzüglich zu Mendes in Mittel- und zu Chem- mis in Oberägypten. Mendicanten, s. Bett el mönche. Mendizabal (Don Juan Alvarez y), ehemaliger span. Finanzministcr und Con- seilpräsident, soll um 1790 in Cadiz geboren sein, wo sein Vater, der den Namen Mendez führte, noch vor wenigen Jahren als jüd. Handelsmann lebte. Ob der Sohn zum Christenthum übergetreten oder ob er dem Bekenntnisse, seiner Väter treu geblieben sei, ist in Zweifel; gewiß dagegen ist, daß sich schon früh in ihm der speculative Geist, welcher seinem Vater eigen war, entwickelte. Er wurde ebenfalls Handelsmann und nach der Invasion der Franzosen im J. >808 bei der Proviantverwaltung angestellt. Nach dem Kriege kam er auf das Comptoir des reichen Banquiers Don Vicente Beltran de Lis in Madrid, mit dem er sich indeß bald überwarf. In Cadiz im I. 1819 durch Galiano und Jsturiz in die Ver> 490 Mendizabal schwörung eingeweiht, welche die Wiederherstellung der Constitution von 1812 zum Zwecke hatte, wußte er sich dann wieder bei der revolutionairen Armee durch die Beitreibung der nöthigcn Gelder auf summarischem Wege sehr verdient zu machen. Nach der Wiederhcrstel- lung derConstitution leistete erdemFinanzministcrCanga-Arguellesbei Ausführung seiner Pläne von Anleihe», Aufhebung der Klöster und Veräußerung der Nationalgüker bereitwil- lige und hülfreichcHand. Als die konstitutionelle Sache unterlag, flüchtete er nach England, wo er durch engl. Capitalisten, die mittels seiner Dazwischenkunft der constitutionellen Re- gierung in Spanien die letzten Summen vorgeschossen hatten und nunmehr sich an seine Person hielten, in Schuldarrest gebracht, aber sehr bald wieder freigelassen wurde. In London fing er, nachdem ihm ein alter Bekannter einen Vorschuß gemacht hatte, einen Detail- Handel an, der bald sehr einträglich wurde. Seine geschäftlichen Reisen nach Lissabon brachten ihn 1827 mit einem Agenten des Kaisers Dom Pedro in Bekanntschaft, derfür Letzter» eine Anleihe suchte. M. erbot sich zu dem Geschäft, brachte die Anleihe wirklich zu Stande und wurde nun dadurch ein bekannter Name auf der londoner Börse. Das bereits erworbene sehr ansehnliche Vermögen setzte ihn in den Stand, seine Handelsunterneh- mungen unter der Firma des Hauses Namon y Namon Carbonell und Comp, immer weiter auszudehnen. Jetzt wurde der General Alava, der damals span. Gesandter in London war, auf M. aufmerksam und schloß 1833 mehre Lieferungsgeschäfte für die Bedürfnisse der Truppen der Königin von Spanien mit ihm ab. Durch Alava wurde M. auch in Madrid als ein sehr fähiger Mann empfohlen. Als einen Vertrauten der engl. Regierung und einen Mann, auf dessen erprobte Geschicklichkeit in Auftreibung von Geldmitteln man rechnen konnte, ernannte ihn der Graf Toreno am 13. Juni >835 zum Finanzminister. M. zögerte nicht, diese Stelle anzunehmen, bat aber, noch einige Zeit in England verweilen zu dürfen, sowol um seine eigenen Handelsgeschäfte zu ordnen, als auch um die ihm übertragene Ausrüstung der Hülfslegion zu beschleunigen. Schon am 3. Aug. 1838 schloß er i» London mit dem Hause Ricardo (Ardoin) einen Vertrag ab über eine Anleihe vo» 1,150000 Pf. St. Darauf ging er über Paris nach Bordeaux und schiffte sich nach Santander ein Mit Jubel wurde er überall auf seiner Reise nach Madrid empfangen. Binnen einem Monat verhieß er die Auflösung der Junten und die Beendigung des Bürgerkriegs, und so wurde er der Mann des Volks. Toreno mußte ihm weichen und nach einiger Ziererei ließ er es sich gefallen, im Sept. interimistischer Conseilpräsidenl zu werden. Er berief die Cortes, um das Lststuto real zu revidircn und verpflichtete sich in prahlerischer Weise, den Bürgerkrieg binnen sechs Monaten zu Ende zu bringen. Indes glaubte die Nation sich in einen solchen Zustand versunken, daß sie sich cinbildete, nur ein Wmider- thäter könne sie daraus retten; man entsagte dem gesunden Verstände, und jeder laute Zweifel an der Unfehlbarkeit M.'s war damals lebensgefährlich. Nie hat in Spanien ein König die Gewalt besessen, welche M- bei seinem ersten Auftreten ausüben konnte. Dü Cortes gestatteten ihm die Aushebung von l 00000 M. und bewilligten ihm fast einstimmig am 16. Jan. 1836 das von ihm verlangte Vertrauensvotum, durch das er ermächtigt wurde, sich alle Hülssmittel zu verschaffen, welche er für nöthig fände, um den Krieg;» Ende zu bringen, jedoch ohne neue Anleihen abzuschließen und ohne die zur Deckung der Staatsgläubiger dienenden Nationalgüter anzugreifen. Er verfügte nun die Aufhebung aller noch vorhandenen Mönchsklöster, zog das Eigenthum der Nonnen ein, verschleudert! die Staatspapiere durch seine Finanzoperationen mit Ardoin, vermehrte die Lasten de- Staats auf eine unerträgliche Weise und löste endlich am 27. Jan. 1836 die Cortes am Aus Übermuth über die vertrauliche Weise, auf welche der engl. Gesandte mit ihm umging beleidigte er den franz. Botschafter, Grafen Rayneval, der nun zunächst an M.'s Sturze zu arbeiten anfing. Auch war die Zeit abgelaufen, wo er dem Lande den Frieden hatte bringen wollen; durchaus nichts war geschehen, und allmälig fingen auch seine früher» Freunde und Rathgeber an, sich von ihm zurückzuziehen. Auch von den neuen CorteS auf das hü' tigste angegriffen, sah er sich endlich nothgedrungen, seine Entlassung zu nehmen, dieih»- auch am 15. Mai 1836 bewilligt wurde. Bis zur Jnsurrection von Lagranja verhielt er sich in anscheinender Zurückgezogenheit und wurde so vergessen, daß die neuen Gewalthaber sich nicht gleich seiner erinnerten. Erst als Calatrava keinen Finanzminister finden konnte, Mendoza Menelaus (König von Lakedämon) 491 darbte man wieder an M. und übertrug ihm, nachdem der Widerstand der Königin-Ncgen- tin bestegt war, am l I.Sept. 1836 abermals das Finanzministerium. Allein seine politische Bedeutung war dahin und sein neues Auftreten diente nur dazu, ihn immer mehr zum Gegenstände der öffentlichen Verachtung und des Hohns zu machen. Mit dem Ministerium Ca- latrava mußte er zum zweiten Male das Finanzministerium am I». Aug. l837 abgeben. In den drei folgenden Jahren war er Deputirter der Provinz Madrid in den Cortes. Als solcher gehörte er stets zu der heftigsten Opposition. Unter dem Regenten Esparter» über- nahm er 1841 nochmals das Finanzministerium, bis er als ein treuer Anhänger bei dessen Sturze sich genöthigt sah, nach Portugal zu flüchten, von wo er nach England und später nach Frankreich ging, wo er im Besitze eines großen Vermögens noch gegenwärtig sich aufhält. Mendöza (Don Diego Hurtado de), ein span. Classiker, zugleich berühmt als Staatsmann und Feldherr unter Karl V., geb. zu Granada um 1503, hatte kaum die Universität zu Salamanca verlassen, als ihn Karl V. als Gesandten nach Venedig schickte. Später ging er als kaiserlicher Bevollmächtigter auf die tridentin. Kirchenversammlung und 1547 als Botschafter an den päpstlichen Hof. Als Generalcapitain und Statthalter von Siena unterwarf er diese Republik und gab sie Cosimo l. Medici unter span. Oberhoheit zu Lehn. Verhaßt bei Allen, die noch Sinn für Volksrecht und Freiheit hatten, verabscheut vom Papste Paul III., den er in Rom selbst zu demüthigen den Auftrag hatte, herrschte er nur durch Todesstrafen, und obgleich unaushörlick von den Dolchen der Mörder bedroht, die er sowol durch Gewaltmisbrauch als durch seine Liebesabenteuer in Rom gegen sich aufgereizt hatte, behauptete er sich dennoch bis 1554, wo Karl V., ermüdet von den wiederholten Klagen seiner ital. Unterthanen, ihn zurückberief. Mitten unter den Entwürfen einer tyrannischen Gewalt war indessen M. in Italien mit literarischen Nachforschungen, besonders mit dem Sammeln griech. Manuskripte und Alterthümer, eifrig beschäftigt. Er sendete Gelehrte auf den Berg Athos, um in dem dortigen Kloster alteHand- schriften aufzusuchen; auch benutzte er zu diesem Zwecke das Ansehen, in welchem er am Hofe Soliman's stand. Nach Karl's V. Abdankung lebte er an Philipp's II. Hofe, bis ein Streit wegen eines Liebeshandels mit einem Nebenbuhler ihn 1568 ins Gefängniß brachte, worauf er nach Granada verwiesen wurde, wo er Gelegenheit fand, den Gang des Aufstandes der Mauren genau zu beobachten. Er starb zu Valladolid 1575. Seine Bibliothek ist jetzt eine der Zierden des Escorials. In seinen poetischen Episteln gab M. seinem Vaterlande daS erste gute Muster für dieses Fach. Seinen Sonetten fehlen bei edlem Ausdruck Anmuth und Wohllaut, und seine Canzonen sind oft dunkel und gesucht. Seinen Satiren wurde von der Inquisition der Druck versagt. Als Prosaiker machte er Epoche durch seinen komischen Roman „Vicks >!e I.u 2 »rillo cku lormes" (Burgos 1554; beste Ausg., Par. 1827; Tarragona 1536, 12.; fortgesetzt von de Luna, Par. 1620; deutsch von Keil, Gotha 1810), den er als Student schrieb, und sein ausgezeichnetes Geschichtswerk „6»erru cke Ll-anackL eie.", welches erst 1610 in Druck kommen durfte, ««verstümmelt aber zuerst zu Valencia (1776, 4.) erschien. Seine poetischen Werke erschienen nur einmal zusammen- gcdruckt (Madr. 1610,4.). — Sein Bruder, Don Antonio Hurtado de M., war Vicekönig von Ncuspanien und ließ das naturhistorische Werk „De las cosss naturales ^ maravillosss 632, 4.). Mendoza (Jnigo Lope; de), s. Santillana (Marques de). Menedemus, aus Erctria auf Euböa, ein griech. Philosoph, der ungefähr um das I. 3vu y. Ehr. lebte, ist der Stifter der sogenannten Eretrischen Schule, die nur ein unbedeutender Nebenzweig der Megarischen Schule (s. d.) war. Das Wenige, was die Alten von M. sagen, zeigt nur sein Anschließen an die Megariker. Meneläns, König von Lakcdämon, einer der Atriden, ein jüngerer Bruder des Agamemnon (s. d.), Gemahl der Helena (s. d.), und Vater der Hermione und des Me- gapenthes, ist einer der schönsten Charaktere bei Homer und bekannt durch die Entführung seiner Gattin durch Paris. Er selbst führte 60 Schiffe gegen Troja, war daselbst unter 492 Menelaus Mengs dem Schutz der Here und Athene einer der tapfersten Streiter und befand sich auch mit dm andern Helden in jenem hölzernen Pferde. Nach Trojas Fall segelte er sogleich mit der ! Helena ab und war auf seiner Rückkehr schon in die Gegend von Maleia gelangt, als I Zeus einenSturm sendete, der seine Flotte zerstreute und ihn achtJahre lang an denKüstm ' von Kypros, Phönizien, Äthiopien, Ägypten und Libyen umhcrzuirren nöthigte. Auf der Insel Pharos endlich, wo er zwanzig Tage verweilte, gab ihm Eidothea den Rath, ihren Water, Proteus, durch List zu fangen und dann zu zwingen, Das zu verkünden, was er thun müsse, um glücklich nach Hause zurückzukehren. Dieses geschah, und M. kam glück- . lieh mit der Helena in seiner Heimat wieder an, gerade an dem Tage, an welchem Orestes ^ die Klytamnestra und den Ägisthos bestattete. Äls ihn hier Telemachos besuchte, vermählte > er gerade die Hermione (s. d.) an Neoptolemos und den Megapenthes (s. d.) an die ^ Tochter des Alektor. Als des ZeuS Eidam nahm ihn endlich, wie ihm schon von Proteus prophezeiht worden war, Elysium auf. Zu Therapne in Lakonien zeigte man sein und der Helena Grab; auch hatte er hier einen Tempel. Menelaus, ein griech. Mathematiker aus Alexandria, lebte zu den Zcite» Trajan's und schrieb drei Bücher „Splmerica", die sich aber nur noch in einer lat. Übersetzung, her- ausgegeben von MaurolycuS (Messina 1558, Fol.) und Halley und Costard (Orf. 1758), erhalten haben. Menenius Agrippa hieß der Gesandte, welchen die röm. Patrizier bei der ersten Secession der Plebejer auf den heiligen Berg, im Z. 496 v. Chr., an diese abschickten, und der sie durch die Erzählung von den Gliedern, welche dem Magen den Dienst verweigern, zur Eingehung eines Vergleichs überredete, der die Einsetzung der Volkstribunen zur Folgehalte. Menestheus, der Sohn des Peteos, Führer der Athener im trojan. Kriege, soll mit Hülfe der Tyndariden den Theseus vom Throne verdrängt haben, der jedoch wieder an de- Theseus Kinder kam, als M. vor Troja gefallen war. Menestrels, Menetriers, s. Provenzalen und Troubadour. Mengs (Ant. Rafael), einer der ausgezeichnetsten Künstler und.Kunstschriftsteller des 18. Jahrh., geb. zu Äussig in Böhmen am 12. März 1728, wurde von Jugend auf von seinem Vater, Israel M., einem mittelmäßigen Künstler, der, ein geborener Dam, Hofmaler in Dresden war, höchst tyrannisch behandelt. Zum Künstler bestimmt und rem Vater in die ersten Regeln der Kunst eingeweiht, mußte er demselben 1741 nach Rom folgen, wo er unter dessen fortwährend sehr strenger Leitung von den Meisterwerken du alten Sculptur zu den genialen Arbeiten des Michel Angelo und Rafael überging. ZmI. 1744 kehrte er mit seinem Vater nach Dresden zurück und wurde vom König August III. zum Hofmaler ernannt, doch erhielt er zugleich die Erlaubniß, wieder nach Nom zurückkehren zu dürfen, wohin ihn der Vater ebenfalls begleitete. Seit 1748 trat er nun mit eigenen größcrn Compositionen auf, die ungetheilten Beifall erhielten. Besonders trefflich gelang ihm eine heilige Familie, die er dort aufstellte und die noch insbesondere deshalb merkwürdig wurde, weil er sich in das schöne Bauermädchen, welches im Beisein der Mutter ihm zum Modell diente, verliebte, zur katholischen Kirche übertrat und sie heiralhcte. Nachdem er 1749 abermals nach Dresden zurückgekchrt, ernannte ihn der König zum ersten Hofmaler und als 1751 die katholische Kirche eingeweiht werden sollte, erhielt er den Auftrag zur Fertigung des Gemäldes für den Hochaltar und zugleich die Erlaubniß, dasselbe in Rom arbeiten zu dürfen. Hier übernahm er 1754 die Direction der neuerrichteten Malerakademie auf dem Capitol. Im 1.17 57 malte er für die Cölestinermönche die Decke in San-Eusebio, später für den Cardinal Albani in dessen Villa ein Deckengemälde und dann verschiedene Ölgemälde,,;. B. eine Kleopatra, eine heilige Familie und eine Magda- lene. Ein junger Engländer, Webb, dem er seine Ideen über die Kunst mittheilte, gab diese in den „Untersuchungen über die Schönheit" (Zür.1771) für dieseinigen aus und machte sied mittels dieses Plagiats berühmt. Im I. 1761 folgte M. einem Rufe König Karls»!, nach Spanien, wo er seine Himmelfahrt Christi für den Hochaltar in Dresden vollendete und unter Anderm eine Gotterversammlung und eine Kreuzabnahme malte. Jntriguen seiner Gegner veranlaßten ihn, sich 1770 Urlaub zu erbitten, um nach Italien zu gehen, wo er in der vatikanischen Bibliothek ein großes allegorisches Deckengemälde ausführle. Mengtsü MentnSki 493 Erst nach drei Jahren kehrte er nach Madrid zurück und arbeitete den Plafond im Speisesaale des Königs, darstellend die Vergötterung des Trajan und den Tempel des RuhmS, der sein Hauptwerk wurde. Schon 1776 begab er sich indeß wieder nach Nom, wo ec am 29. Juni l77S starb. Von seinen 20 Kindern überlebten ihn sieben. Sein Wohlthätig- keitssinn, die Unterstützung junger Künstler, die sorgfältige Erziehung seiner Kinder, seine Liebe für die Kunst, die ihn bewog, Handzeichnungen berühmter Meister, Vasen, Gyps- abgüsse, von denen er eine Sammlung der königlichen Akademie in Madrid schenkte, eine andere in Dresden sich befindet, Kupferstiche u.s. w. oft für hohe Summen zu erkaufen, ferner seine immerwährenden Reisen, endlich auch seine vornehme Lebensart hatten, als er starb, die großen Summen, die er verdiente, aufgezehrt; doch seiner Familie nahmen sich seine Freunde und Verehrer an. Seine Compositivn und Gruppirung ist einfach, edel und studirt, vielleicht auch zuweilen gesucht; seine Zeichnung immer richtig und gewählt. Sein großes Vorbild, Rafael und die Antike, bewahrte ihn vor aller Manier und seine Bilder sind Werke des vollendeten Geschmacks. Eleichwol lassen sic den Beschauer kalt, weil sie eine gewisse Absichtlichkeit und Mangel an eigener Inspiration verrathen. Das Colorit, worin Tizian sein Muster war, ist kräftig und schön; überhaupt sind seine meisten Werke mit großer Sorgfalt und Liebe vollendet. Im Unterricht war er streng, machte aber seine Schüler mehr auf die begangenen Fehler aufmerksam, als daß er sie auf die noch fehlenden Schönheiten hinwies. In Deutschland sind besonders seine drei Altarblätter in der katholischen Kirche zu Dresden bekannt, wovon das größte schon erwähnt wurde- Höchst belehrend sind auch seine Schriften, die ital. von Azara (2 Bde., Parma 1780, 4.) und deutsch von Prange (3 Bde., Halle 1786) herausgegeben wurden und bei deren Ausarbeitung ihn sein Freund Winckelmann sehr unterstützte. Meng-tsü, von den Jesuiten Mencius genannt, ein berühmter chiues.Sittcnlehrcc und Schriftsteller, lebte, etwas später als Kon-fu-tse, im 4. Jahrh. v.Chr. und wurde mit großer Sorgfalt durch seine Mutter erzogen. Er studirte früh die heiligen Bücher der Chinesen und wurde unter die Schüler des Tsü-sse ausgenommen, welcher des Kon-fu-tse Enkel war. China bestand damals aus mehren kleinen, voneinander unabhängigen Staaten, deren Herrscher im steten Kriege miteinander lebten. Vergebens suchte er bei mehren derselben Aufnahme, um sic für seine bessern Ansichten über Staat und Volkswohlfahrt zu gewinnen. Daher kehrte er in seine Heimat zurück, wo er einen kleinen Kreis von Schülern um sich sammelte und ein moralisch-politisches Werk schrieb, und starb hochbetagt ungefähr 314 v. Ehr. Sein erwähntes Werk steht in hohem Ansehen bei den Chinesen, und wird zu den Sse-schu, d. i. vier Büchern, gerechnet, welche nächst den heiligen Büchern den ersten Rang behaupten. Es enthält theils Aussprüche, theils Unterredungen des M. mit andern Personen über moralische und politische Gegenstände, rügt mit der größten Frei- müthigkeit und Furchtlosigkeit die verderblichen Richtungen des Zeitalters auch an den vornehmsten Ständen, und deckt an ihren verkehrten Grundsätzen deren Verächtlichkeit und Lächerlichkeit auf. Den Originaltext mit lat. Übersetzung gab Julien (2 Bde., Par. 182-i) heraus; andere Übersetzungen finden sich an mehren Übersetzungen der Werke des Kon-fu-tse. ' Meninski (Franz), eigentlich Menin, der vorzüglichste Förderer des Studiums der türk. Sprache unter den übrigen curop. Völkern, war in Lothringen 1623 geboren, studirte in Rom und begleitete in einem Alter von 30 Jahren aus Neigung den poln. Gesandten nach Konstanlinopel. Hier erwarb er sich eine so vollkommene Kenntniß der türk. Sprache, daß er zum ersten Dolmetscher bei der Gesandtschaft und später zum Gesandten ernannt wurde. Nachdem er das poln.Jndigenat erhalten, verwandelte er seinen Familiennamen Menin in Meninski. Indeß schon 1661 trat er in die Dienste des deutschen Kaisers und wurde erster Dolmetscher der orient. Sprachen in Wien. JmJ. 1669 besuchte er Jerusalem. Er starb 1698. An seinen „Hiesaurns linguurum orient. 8ive Il>exieon uraii.- xers.-ture." (3 Bde., Wien >680—87, Fol.) schließen sich seine „länxuarnm orient., turc., srsb., pers. institutiones sive ^raininaticu turc." und das „6oinpleinentuin tüe- ssuri lingmurum orient. 5ive Onomasticuin Igt.-turc.-uraii.-pers." als vierter und fünfter Band (Wien 1680, Fol.) an. Einen Wiederabdruck der Grammatik besorgte 494 Menippe Menoikeus Kollar (Wen >756, 4.) und eine neue Ausgabe des Lexikons Jenisch (lBde.,Wien 1780— 1802 , Fol.). Menippe, die Tochter des Orion, und ihre Schwester Mctioche wurden von Athene in die Kunst zu weben eingeweiht und von Aphrodite mit Schönheit begabt. Als bei einer Pest in Aonien das Orakel des Apollon Gortynios zwei Jungfrauen zur Sühne verlangte, weihten sich Beide freiwillig dem Tode. Persephone und Hades verwandelten sie dafür i» Komet-n, und die Äonen errichteten ihnen zu Orchomenos einen Tempel. Menippus, einer der berüchtigtsten Cyniker und Schüler des Diogenes, aus Gadara in Syrien gebürtig, hatte sich durch schändlichen Wucher ein bedeutendes Vermögen erworben, büßte dasselbe aber wieder ein und soll sich aus Gram über diesen Verlust erdrosselt haben. Mit beißendem Spotte verfolgte er die Verkehrtheiten der Menschen und namentlich der Philosophen, daher der Römer Varro (s. d.) unter dem Namen sutira dlenippea oder c^nic-e eine besondere Art von Satiren verfaßte, die sich in einzelnen Bruchstücke» noch erhalten haben. Über das Leben des M. und das Wesen der nach ihm benannten M e nip pei- schen Satire handelt Oehler in ,M. 1. Vurronis ssturarum Uemppesrum religmas" (Quedlinb. und Lpz. 18-1-1). Mennige nennt man das ziegclrothe Oxyd des Bleis, welches entsteht, wenn »UN gewöhnliche Bleiglattc längere Zeit bei einer nicht bis zum Schmelzen steigenden Temperatur an derLuft erhitzt. DieMennige findet alsMalerfarbe und als Töpferglasur Anwendung; auch bedient man sich ihrer zur Bereitung eines Pflasters. Sie wird mit Ziegelmehl nicht selten verfälscht, dient ihrerseits wieder als Verfälschungsmittel des Zinnobers und unterliegt in der Anwendung denselben Vorstchtsregeln, wie andere Bleiverbindungen, dem, giftige Eigenschaften sie theilt. Menno (Simons), Stifter der Mennoniten (s. Taufgesinntc), wurde zu Witmarsum in Friesland 1-196 geboren. Nach sorgfältiger Vorbildung trat er 1521 in den geistlichen Stand und bekleidete einige Jahre die Stelle eines Priesters, anfangs in dem benachbarten Dorfe Pinjum, nachher in seinem Geburtsorte selbst. Da aber das lene Formelwesen der katholischen Kirche ihn nicht befriedigte, so sagte er sich >536 gänzlich «m der Kirche los. Von der Schriftmäßigkeit der Taufe der Erwachsenen überzeugt, schloß» sich an die Taufgesinnten an, die damals in den Niederlanden unter dem Namen der Wieda- Läufer sich als eine eigne Religionspartei constituirten, und wurde zu Leeuwarden getauft und als Lehrer und Bischof in Gröningen angestellt. Sein eigentlicher Aufenthalt blieb Friesland; doch durchwanderte er verschiedeneTheilevonHolland und Norddeutschland,und kam selbst bis nach Liefland und Gothland. Der Verfolgungen wegen in seinem Dater- lande flüchtete er nach Wismar, wo er das „Oolloyuium vvismariense" hielt, welches Joh. Wigand in seinem Werke „De snabuptismo" (Lpz. 1582, -1.) uns aufbewahrt hat. Zuletzt ließ er sich in der Herrschaft Fresenburg bei Oldeslohe im Holsteinischen nieder, wo er nicht nur Freiheit undSchutzfand, sondern auch die Vergünstigung erhielt, eine Druckerei zur Verbreitung seiner Schriften zu errichten. Nachdem er noch eine Reise nach Köln unternommen hatte, wo er vergebens sich bemühte, die Streitigkeiten mit den hochdeutschen Taufgcsinnten über den kirchlichen Bann beizulegen, starb er 1561. Sein fteimüthiges Auftreten für die Wahrheit bekundete einen unabhängigen Geist; sein Wirken athmcte einen regen Eifer für ein geläutertes praktisches Christenthum und in den mancherlei Spaltungen seiner Anhänger, vorzüglich über den kirchlichen Bann, neigte er sich stets zur Milde, Duldsamkeit und Verträglichkeit hin. Seine zahlreichen Schriften wurden später von seinen Anhängern gesammelt (Amst. 1600 und 1616, -1.; am vollständigsten, Amst. 1681, Fol.). Ihr Inhalt ist meist polemisch und ascetisch; sie ermangeln jeder Miste« schen Zierde, zeichnen sich aber aus durch eindringliche Kraft und Wärme der Rede. Menoikeus, einThebancr, der Enkel des Pcntheus, war Vater des Kreon, der Jokaste und Hipponome. Sein Enkel, der Sohn des. Kreon, weihte sich selbst dem Tode, entweder einer Weissagung des Teirestas oder einem Ausspruche des delphischen Orakels zufolge. Als nämlich Theben von den sieben argivischen Fürsten hart bedrängt wurde, sollte es nicht anders befreit werden können, als wenn sich M. selbst opfere. Cr that es, u d ! 2 rr bi l 2 d« ! ft de T be de ft > th ' Le 2 . de ft sitz- A de i ih ar ra ne al in au V m 1 zu sei ft A ar ft I es de -h dl > (s w ' le st bi ! st Menologium Mensch 495 und Ares, derben Thebancrn wegen des von Kadmos erschlagenen Drachen jürnte, wurde 1 durch das Opfer versöhnt. ^ Menologium ist in der griech. Kirche gleichbedeutend mit dem röm.-katholisch.n Martyrologium. (S. Märtyrer.) Menon (Jacq. Franc., Baron de), franz. General, geb. 1759 zu Boussay in Touraine, stammte aus einem alten Geschlechtc und trat sehr jung in die Armee. Beim Ausbruche der Revolution war er bereits Marechal-de-Camp. Im I. 1789 vom Adel seiner Provinz zum Abgeordneten der Generalstaaten erwählt, vereinigte er sich ohne Zögern mit dem dritten Stande und gab seine Privilegien auf. Als Mitglied des Kricgscomitc be- ^ schästigte er sich eifrig mit Bildung des neuen Heers und unterstützte dann die Bewaffnung der Nationalgarden. Nach der verunglückten Flucht des Königs half er rur Erhaltung des Thrones den Club der Feuillants (s. d.) stiften. Wiewol mit parlamentarischen Arbeiten überhäuft, blieb er stets im activen Dienst und befehligte die Truppen in der Nähe der Hauptstadt. Im 1.1793 kämpfte er in der Vendc'e, wurde von Laroche-Jacguelin entscheidend geschlagen und mußte sich auf Robcspierre's Anklage vor dem Convente ver- theidigen. Barere übernahm in dieser gefährlichen Lage seine Partei und rettete ihm das Leben. Als sich nach dem Sturze der Schreckensherrschaft die Vorstadt St.-Antoine am 2. Prairial (Mai I795)-gegen den Convent erhob, bezwang er die Empörer an der Spitze der Linientruppen, widersetzte sich aber dem Willen der Conventsabgeordncten, die Vorstadt anzuzünden. Der Convent verehrte ihm dafür eine volle Rüstung. Bei dem Aufstande der Section Lcpelletier, am 13. Vendemiaire (Oct. 1795), bewies er als Befehlshaber weniger Energie; er weigerte sich, mit der Linie die Nationalgarde anzugreifen. Während ihm der junge Bonaparte im Commando folgte, wurde er verhaftet, aber auf dessen Verwenden vom Kriegsgerichte freigesprochen. Seitdem lebte M. zurückgezogen, bis j ihn Bonaparte bei der Expedition nach Ägypten als Divisionsgeneral anstellte. Ohne sich ^ auszuzeichnen, kämpfte er während des Feldzuges nicht ohne Tapferkeit. In Rosette hci- rathete er die Tochter eines reichen Mohammedaners, trat selbst zum Islam über und nahm den Namen Abdallah Jakob Menou an. Nach Kleber's Ermordung erhielt er als der älteste Divisionsgeneral den Oberbefehl über die Heerestrümmer. Er machte sich in dieser Stellung durch Anhänglichkeit an den Islam lächerlich und verächtlich, zeigte sich auch schwach und nachlässig in der Landesvcrwaltung und erregte die Erbitterung seiner Vaterlandsgenoffen und Kameraden. Bei der Landung der Engländer unter Abercrvmby machte er am 21. Mai 1891 einen ohnmächtigen Versuch, dem Feinde entgegenzutreten. Er wurde nach Alexandria zurückgeworfen und mußte capitulirey. Als er am 8. Mai 1892 > zu Paris anlangte, vcrtheidigte ihn der erste Consul gegen die Ankläger, besonders gegen seinen heftigsten Gegner, den General Negnier. Acht Tage daraus trat M- ins Tribunat; später schickte ihn Bonaparte als Gouverneur nach Piemont, wo er sich allgemeine Achtung erwarb. In der Folge wurde er Gouverneur von Venedig und starb daselbst am 13. Aug. >819. Mensch (üomu) nennen wir das vollendetste Geschöpf der Erde, welches sich von verschiedenen Gesichtspunkten aus betrachten läßt, besonders aber als einzelnes Wesen oder Individuum und als.Gesammthcit aller dieser Wesen als Menschengeschlecht zu den interessantesten Nachforschungen hinreichendes Material liefert. Als einzelnes Wesen unter- ! scheidet sich der Mensch in Hinsicht auf seinen Körperbau offenbar von allen andern auf der Erde lebenden Geschöpfen und namentlich von dem ihm am nächsten stehenden Geschlecht der Thiere, unter denen er seiner körperlichen Gestaltung nach die erste Gattung derSäuge- thiere, die der Zweihänder, für sich allein bildet, zunächst durch den aufrechten Gang und den dazu eingerichteten Bau seiner Beine, durch die Einrichtung seiner Arme und Hände (s. H and), die Form seines Kopfes (s. d.), durch seine bedeutend langsamere Entwickelung (s. d.) zur vollen Reife und mehre weniger auffallende Merkmale. Unter allen lebenden Geschöpfen ist der Mensch fast das einzige, welches nicht auf einen gewissen Erdstrich, auf ein gewisses Klima beschränkt ist, und selbst da, wo alles übrige Leben erstirbt, bietet er allein am längsten den Elementen Trotz, ehe er ihnen weicht. Nur wenige Land- i striche sind bis jetzt für ihn nicht bewohnbar, sonst ist die ganze Erdoberstäche ihm zum 496 Mensch Wohnplah angewiesen und unter der drückenden Hitze des Äquators, wie auf den Eisfeld«» der Polgegendcn ist er im Stande, sein Leben fortzuführen. Jedoch scheinen allerdings die gemäßigter» Klimate einen wohlthuendern Einfluß auf seine Veredelung und Ans- bildung zu haben als die kalten und das heiße. Ebensowenig ist dem Menschen eine best», dere Nahrung angewiesen, Alles, was nur irgend genießbar ist, findet auch unter den Nah- rungsmitteln (s. d.) des Menschen seine Stelle. Die bezeichnendsten aller Unterschiede sind jedoch die Vernunft und die aus geistigen und körperlichen Elementen zusammengesehtt articulirte Sprache. Die äußere Gestalt des Menschen ist vollkommen nach den Regeln der Symmetrie gebaut; anders verhält es sich mit seiner innern Einrichtung, welche nur im > Innern des Kopfes symmetrisch ist; die Verhältnisse der einzelnen Glieder untereinander berechnet man nach der Länge des Gesichts eines jeden Individuums und zwar so, daß der Rumpf vom KiiEbis an sein unteres Ende 4, die untern Extremitäten von der Hüfte bis zur Spitze der großen Zehe 7'/, und die obern vom Achselgelenk bis zur Spitze des Mittel- fingcrs -l'/i Gesichtslängen enthalten. Außerdem beträgt auch gewöhnlich die Entfernung der Spitze des einen Mittelfingers von der des andern bei horizontal ausgestreckken Armen ebensoviel als die Entfernung des Scheitels von der Ferse, während das Gewicht eines gesunden Menschen von mittler» Dimensionen sich auf l50 Pf. beläuft. Die Gesammtheit aller menschlichen Individuen, deren Anzahl auf der Erde ungefähr lvOO Mill. beträgt, bildet das Menschengeschlecht oder die Menschheit (s. d.). Diese Gattung hat keine Unterabthcilungen und zerfällt nur in zwei große Hälften, diebeiden Geschlechter (s. E eschlecht), welche, anKörperbau und Geisteseigenthümlichkeit verschieden durch vereinigtes Wirken die Fortpflanzung der Menschheit vermitteln. Wol ab« sin- den sich zwischen den Bewohnern einzelner Landstriche in Hinsicht auf äußeres Ansehen und selbst auf den Bau einzelner Körpertheile, namentlich des Schädels, Verschiedenheiten, welche hinreichenden Grund zur Annahme besonderer sogenannter Menschenracen gebe» . konnten, ohne daß man die Ursache, welche diese Verschiedenheiten erzeugte, zu erklär« im Srande war, da Klima und Erblichkeit, welche als Hauptursachen angesprochen wurde», bei aufmerksamerer Beobachtung gar oft die erwarteten Resultate nicht lieferten. Diese Verschiedenheiten sind jedoch nur in ihren Extremen so auffallend, daß sie von Jedem bemerkt werden, während sie durch fast unmerkliche Abstufungen ineinander übergehen und keine genauen Grenzen gestatten. Daher sind auch die Ansichten über die Menschenraci» so sehr voneinander abweichend, daß manche Naturforscher nur drei, andere deren is zu >8 annehmen. Die meiste Verbreitung hat die Eintheilung von Blumcnbach (s d.) gewonnen, welcher fünf verschiedene Racen annimmt, wobei er sich vorzüglich aus die Schädel- formstützt. Diese sind l) die kaukasische Nace. Hierher rechnet man alle Europäer, mit Ausnahme der Lappen und Finnen; ferner die westlichen Asiaten diesseits des ObhdeS Kaspischen Sees, des Ganges, und die Nordafrikaner. Das allgemeine Kennzeichen dies» Race soll sein eine weißere Hautfarbe, mit einem Gemisch von Roth auf den Wange», ein wohlgebildeter Schädel nebst einer schönen Gesichtsform nach europ. Begriffen und dieAb- wesenheit der Kennzeichen anderer Racen. 2) Die mongolische Nace. Sie begreift die übrigen Asiaten mit Ausnahme der Malaien, die finnischen Völker in Europa, die Eskimos im nördlichen Amerika von der Beringsstraße bis Labrador. Die Menschen dieser Nace sehen meist weizengelb aus, haben weniges, straffes schwarzes Haar, ein plattes Ec- i sicht, eng geschlitzte Augenlider und seitwärts hervorragende Backenknochen. 3) Die rthie- . pischeNace mit hervorragenden Kiefern. Hierzu rechnet man die übrigen Afrikaner, de- s sonders die Neger. -1)Die amerikanische Race, welche den Übergang von der kaukasische» zur mongolischen machen soll. Zu ihr gehören, die Eskimos ausgenommen, alle ursprüngliche Bewohner desübrigen Amerika. Hauptunterscheidungszeichen derselben sind die Kupfer- färbe, ein schlichtes, straffes schwarzes Haar und ein breites, aber nicht plattes Gesichts starken Zügen. Den Übergang von der kaukasischen zur äthiopischen macht 5) die malaiische Race. Sie umfaßt die Bewohner der meisten ostind. Inseln und des ganzen fünfte» Welttheils. Sie haben braune Farbe, einen dichten, schwarzlockigen Haarwuchs, eine breite Nase und einen großen Mund. Unter andern Gründen, welche die Verschiedenheit dieser Racen erklären sollten, ist auch der angeführt worden, daß jede derselben von einem des»»- Mensch 497 dem Menschenpaare abstamme, und diese Behauptung führt zu der Frage nach der Ab- stammung, und der frühesten Gestaltung des ganzen Menschengeschlechts. Aus dem Um- stände, daß, obwol sich so viele Überreste längst erloschener vorweltlicherThiergeschlechtersin- den, man noch nirgend Knochen von Menschen oder Kennzeichen der Gegenwart menschlicher Wesen angetroffen hat, außer wohin sie auch durch spätere Zufälle gelangen konnten, läßt sich wol mit Recht schließen, daß der Mensch erst nach vollkommen vollendeter Schöpfung der übrigen organischen Welt und Gestaltung der Erde erschaffen worden sei. Wie aber diese Erschaffung des Menschen selbst vor sich gegangen sei, darüber lassen sich nur Hypothesen ohne vollkommen haltbare Gründe aufstcllen. Nach einer Ansicht, welche wenigstens in der übrigen Natur ihre Analogien findet, ist das Menschengeschlecht durch eine Entwickelung,, eine Fortbildung des Unvollkommenen zum Vollkommenen entstände»; durch weicht Gestaltungen aber diese Entwickelung den entstehenden Menschen geführt habe, läßt sie ungewiß. Diese Ansicht schließt die Möglichkeit keineswegs aus, daß die Entstehung des Menschen an mehren Orten stattgefunden haben könne, und überhaupt ist in neuerer Zeit die aus dem hohen Alterthume stammende Sage, daß das ganze Menschengeschlecht nur von einem Menschenpaare abstamme, vielfältig bezweifelt worden. Allerdings kann schon der Umstand, daß diese Sage fast bei allen Völkern gefunden wird auf die Idee leiten, daß mehre Menschenpaare gewesen seien, von denen dann die ganze Bevölkerung der Erde abstamme, was auch noch dadurch bestätigt zu werden scheint, daß fast überall, wo der Europäer hinkam, Menschen sich schon vorfanden. Da nun diese von demselben Paare abstammenden Menschen vermöge des Klimas und der Erblichkeit sich untereinander mehr gleichen als denen, welche einen andern Ursprung hatten, so mußte eine besondere Race entstehen, welche jedoch durch Vermischung mit Individuen einer andern Race wieder andere Arten hervorbrachte. Die edlern der erwähnten Race sind also wahrscheinlich erst durch Vervollkommnung der unedlem, wozu die geistige Cultur nicht wenig beigetragen haben mag, entstanden. Diese Fähigkeit, sich zu vervollkommnen, welche nicht nur dem einzelnen Menschen inwohnt, sondern dem ganzen Geschlechte eigen ist, macht aber den Menschen erst zum Herrscher über die ganze Schöpfung und stellt ihn in einem unendlichen Abstande über die Masse der andern lebenden Wesen. Nur durch seinen Körper an denBoden gefesselt, auf welchem er wandelt, strebt er stets mit seinem Geiste nach einem höher» Dasein. Mit der moralischen Freiheit ausgerüstet, die ihn jeden Trieb, den das Thier auch hat, fühlen, aber auch denselben nach seinem Willen unterdrücken läßt, gehorcht er nicht allein der Sinnlichkeit, sondern das ihm eingepflanzte Streben, von den Fesseln derselben sich frei zu machen, unterwirft ihn dem innern Richter, dem Gewissen, dem Sittengesetz, welches zu verdrängen noch Keinem gelungen ist. Herr der Welt, aber auch seiner selbst, fühlt er es deutlich, wenn er seine eigene Würde gegen sich selbst nicht behaupten konnte, und verabscheut sehr oft Das, was er im Augenblicke vorher that, ja sogar jeden Augenblick wieder zu thun bereit ist. Durch dieses in jedem Einzelnen waltende Sittengeseh werden auch die menschlichen geselligen Verbindungen zusammengchalten, von denen als die einfachste die Ehe, als die zusammen, gesetzteste der Staat zu betrachten ist. In diesen Verbindungen durch gegenseitige Kraft gestützt und gehoben ersteigt das ganze Menschengeschleckt eine Stufe nach der andern in der Vervollkommnung und je inniger, je geordneter diese Verbindungen sind, um so schneller eilen sie in ihrer Bildung vorwärts, wie die Weltgeschichte im Ganzen, sowie an vielen einzelnen Beispielen lehrt. Endlich im Gefühle der innern Unabhängigkeit, aber der äußern Fesseln erkennt der Mensch nicht die Erde, die er unter sich sieht, sondern ein höheres Wesen über sich als. seinen Herrn an, ordnet sich dem höhern Willen, gleichviel welches Bild er sich davon macht, unter und findet so seine hier möglich höchste Vollendung in der Religion, welche ihn auch durch die Idee eines nach dem Tode anzutretenden höhern Daseins über das irdische erhebt. Vgl.Seiler, „Naturlehre des Menschen mit Bemerkungen aus der vergleichenden Anatomie" (Dresd. >826, mit Kupf., Fol.); Prichard, „Le-seardles ioto tbe xkMcalbistor^okwLlllriuä" (2Bde., Land. 1828); Choulant, „Anthropologie oder Lehre von derNatur des Menschen" (Dresd. >828) und Lacepede's „lÜes ckela nature et bis- toire 6e I'espöc« buiüsiue" (2 Bde., Par. I83V) und „üirtoire naturelle cke Ikonune" (Par. l827). Eonv.-rex. Neunte Aufl. IX. 92 .asb«. 498 Meufchenkenntniß Menschenrechte Menschenkenntniß heißt bald dieKenntniß des Menschen, d. h. der allgemeinen Menschcnnatur und ihrer Gesetzmäßigkeit, bald Kenntniß der einzelnen Individuen, mit denen uns Umgang, Verkehr und Geschäfte zusammenführen. In der erster» Bedeutung ist die Quelle der Menschenkenntniß die Anthropologie, (s. d.) in ihrem Zusammen, hange mit der Physiologie, Psychologie und Geschichte; die Menschenkenntniß in der zwei- len Bedeutung stützt sich in der Regel nicht auf wissenschaftliche Untersuchung, sonder» auf Erfahrung und Beobachtung einzelner Fälle, die als Grundlage für inductive Schlüsse dienen. Eine vollkommene Menschenkenntniß würde da vorhanden sein, wo die bestimm, ten Eigcnthnmlichkeiten des einzelnen Individuums als Ausdruck und Modifikation einer allgemeinen Gesetzmäßigkeit erkannt würden. In der Wirklichkeit kommt es nur sehr selten vor, daß Beides miteinander vereint ist; die größten Kenner der menschlichen Natur sind oft bedeutenden Fehlgriffen in der Beurtheilung einzelner Individuen ausgesctzl, und praktische Köpfe, die Diejenigen, mit welchen sie zu thun haben, leicht durchschauen und sehr richtig behandeln, würden oft nur wenig Geschick zu allgemeinen Untersuchungen haben. Daß das Studium und die Beobachtung des Menschen interessant, wichtig, nützlich, sa unvermeidlich ist, bedarf kaum einer Bemerkung; denn abgesehen von dem wissenschaftlichen Interesse, welches es darbietet, ist schon im gemeinen Leben Das, was wir zu erwarten, zu fürchten und zu hoffen haben, meist an unsere Verhältnisse zu andern Menschen geknüpft, und wer mit Menschen verkehren, sie beherrschen, leiten, bilden und erziehen, sich vor ihnen schützen oder sic benutzen will, muß vor Allem kennen, was der Wahrscheinlichkeit nach von ihnen zu erwarten steht oder nicht, um sein eigenes Handeln darnach einm- richten. Daher nennt man gewöhnlich Den einen Menschenkenner, der in seinem ilr- rheil sich über das Temperaukent, die Gesinnungen, Neigungen und sonstigen psychischen Eigenschaften Anderer nicht täuscht und danach mit mehr oder weniger Sicherheit Schlüffe auf ihr zukünftiges Handeln macht, um sein eigenes Verhalten danach zu regeln. Menschenraub (i-IsFium) kann in der eigentlichen, dem röm. Rechte zu Grunde liegenden Bedeutung nur da Vorkommen, wo es Sklaverei gibt, indem dieses Verbrechen darin besteht, einen freien Menschen widerrechtlich zum Sklaven zu machen, was nach röm. Rechte mit dem Tode bestraft wurde. Diejenigen analogen Verbrechen, welche man gegen- wärkig unter Menschenraub begreift, sind eigentlich Abarten des Verbrechens der Gewalt (crimen vis); hauptsächlich rechnet man hierher diejenige widerrechtliche Handlung, wodurch Jemand mit Beraubung seiner Freiheit in den Zustand einer dauernden Abhängigkeit von fremder Gewalt versetzt oder in entfernte Weltgcgenden geschleppt wird, also da§ Verkaufen in fremden Kriegs- oderSchiffsdicnst, diesogenannteSeelenverkäufereiu.dgl.» ferner den Kindcrdiebstahl und Verkauf von Kindern an Seiltänzer, Bettler u. s. w., wie- wol hier zum Theil noch Verletzung der Familienrechte hinzutritt. Menschenrechte heißen überhaupt die ewigen, unveräußerlichen Rechte, die dem Menschen in Gemeinschaft mit Andern eine freie, sich selbst bestimmende Persönlichkeit sichern, ohne welche Niemand seiner vernünftig-sittlichen Bestimmung nachleben kann. Es bedurfte einer Arbeit von Jahrtausenden, ehe die Völker und Staaten auf die Höhe der Sittlichkeit und Civilisation gelangten, daß dem Einzelnen die allgemeinen Rechte und Güter auch nur in der Theorie zugestanden wurden. Ein Sklave, ein Leibeigener, ein Höriger, selbst ein Bürger, der seiner nichtadeligen Geburt wegen auf gewisse Rechte verzichten muß, kann nicht persönlich frei genannt werden. Die franz. Aufklärnngsphilosophie des i 8. Jahrh. erwarb sich das Verdienst, die Freiheit der Person als rechtsphilosvxhisäws Princip aufzustellen. Mitten in den lastenden, schimpflichen Zuständen des öffentliche Lebens, in dem Zerwürfnisse der Zeitbildnng mit dem Feudalstaatc und dcmHoflxspo- tismus ergriff das franz. Volk diese Grundidee und bildete dieselbe zu seiner Weltanschauung aus. Je näher derBruch mit der geschichtlichen Gegenwart heranrückte, um so entschieden« machten die Wortführer der gebildete» Masse eine Reihe praktischer Federungen gelteiid, welche jener Idee und jencrAnschauung entsprungen waren. Indessen erhielte» diese praktischen Federungen ihre erste positive Anwendung schon in Nordamerika, wo der CongrH der Vereinigten Staaten im J. 177« die Menschenrechte als die leitenden Grundsätze den) zum Decket erhoben und hierauf der Constitution vom 3. Sept. 1791 einverleibt. Als der Nationalconvent nach Proclamation der Republik die Verfassung änderte, brachteNobespierre eine neue, sehr demagogische Erklärung derNechte zu Stande, die als das Seitenstück zur Vcrfassungsurkunde vom 24. Juni 1793 das Ausfallen aller Gemäßigten erregte. Nach dem Sturze der Schreckensherrschaft fügte darum der Convent der Constitutionsacte vom 5. Fructidor des I. III (22. Aug. 1795) eine gereinigte und beiweitcm geordnetere Erklärung der Menschenrechte bei. Die Car- dinalrechte, die hiernach dem Menschen im Staate und in der Gesellschaft zukommcn, sind , das Recht der Freiheit, Gleichheit, Sicherheit und des Eigenthums. Die Freiheit gibt dem Mensche» das Recht zu allen Handlungen, welche die Rechte Anderer nicht verletzen. Die Gleichheit besteht darin, daß Jeder vor dem Gesetze gleichen Schutz und gleiche Strafe zu erwarten hat, daß alle Vorrechte der Geburt und alle erblichen Privilegien aufhörcn. Die Sicherheit beruht in der VereinigungAller zur Aufrechterhaltung derNechte des Einzelnen. Dem Eigenthumsrechte nach kann Jeder über sein Vermögen und die Früchte seines Fleißes frei disponiren. Das Gesetz gründet sich auf den Willen Aller, der von der Majorität der Bürger oder deren Vertreter ausgesprochen wird. Was im Gesetz nicht verboten ist, kann auch nicht gehindert werden. Niemand kann anders vor Gericht gezogen, angeklagt, verhaftet und beunruhigt werden, als in den gesetzlich bestimmten Fällen und Formen. DaS Gesetz darf nur Strafen feststellen, die nothwendig und dem Vergehen angemessen sind. Kein Gesetz hat eine rückwirkende Kraft. Jeder Mensch besitzt das Recht, seine Zeit und seine Fähigkeiten zu verdingen; allein er kann sich nicht verkaufen noch verkauft werden, ! denn seine Persönlichkeit ist ein unveräußerliches Eigenthum. Die Abgaben, welche im l allgemeinen Interesse zu erheben sind, müsse» auf alle Bürger, und zwar mit Berücksich- ! tigung ihrer Erwerbs- und Vcrmögensverhältnisse, verthcilt werden. Die Souverainetät beruht wesentlich in der Gesammtheit der Bürger; kein Individuum und keine Vereinigung Einzelner kann die Souverainetät in Anspruch nehmen. Nur Der, welchem eine Autorität > oder ein öffentliches Amt gesetzlich übertragen ist, darf dasselbe ausübcn. Jeder Bürger , hat das Recht, bei der Gesetzgebung, den Wahlen der Volksvertreter und öffentlicher Be- I amter mittelbar oder unmittelbar Theil zu nehmen. Die öffentlichen Ämter können nie j das Eigcnthum Derer werden, welche sie verwalten. Das Bestehen der öffentlichen Ordnung macht die gesetzliche Trennung und Beschränkung der Gewalten, sowie die Verantwortlichkeit der Beamten nothwendig. Der Erklärung der Rechte war auch eine Erklärung der Pflichten beigegeben, die folgende Punkte enthielt. Thue nur Das, von dem du wünschest, i daß dir es auch Andere thun. Jeder Bürger hat die Pflicht, den Staat zu verlheidigen, der Gesellschaft zu dienen und sich den Gesetzen und deren Vollstreckern zu unterwerfen. Niemand ist ein guter Bürger, der nicht zugleich ein guter Sohn, Vater, Bruder, Freund > und Gatte ist. Nur wer offen und gewissenhaft die Gesetze beobachtet, darf auf den Namen ^ eines rechtschaffenen Menschen Anspruch machen. Wer die Gesetze offen verletzt, hat der ^ Gesellschaft den Krieg erklärt; wer dieselben heimlich umgeht, muß die Achtung und das Wohlwollen seiner Mitbürger verlieren. Die ganze Ökonomie der Gesellschaft ! hängt wesentlich von der Achtung vor dem Eigenthum ab. Wenn das Vaterland die ! Bürger zur Verthcidigung der Freiheit, der Gleichheit und des Eigenthums ruft, hat Jeder . die heilige Pflicht, dem Rufe zu folgen. Die Erklärung der Rechte von 1789 fügte noch ausdrücklich die Freiheit des Gewissens, des Cultus, der Meinungsäußerung und der Presse, ! die von 1793 außerdem das Recht des Bürgers auf Unterricht, auf Unterstützung und, im § Falle einer Gesetzübertretung von Seiten der politischen Autorität, das Jnsurrcctionsrecht i hinzu. Die Verfassung, welche den Ereignissen vom 18. Brumaire folgte, sowie die In» l stitutionen des Kaiserreichs schwiegen von den allgemeinen Rechten und Pflichten. Dagegen erkannte die von Ludwig XVIII. am 4. Juni 1814 verliehene Charte die allge- ! 32* 500 Menschenrechte j meinen Menschenrechte als die Principien des öffentlichen Rechts wieder an. Die Keve- lution von > 83« hat diesen Grundsätzen in der reformirten Charte eine neue Sanktion »er, > liehen. Dem Beispiele Frankreichs folgten auch die jungen südamerikan. Staaten und > stellten ihren Verfassungen allgemeine und leitende Rechtsgrundsätze voran. Der Partei- geist hat die Erklärung der Menschenrechte aus das heftigste angeftindet und herabgesetzt; immer bleibt diese Erklärung der erste denkwürdige und folgenreiche Versuch, die Idee der freien Persönlichkeit, das tiefe Princip, welches seitdem in den politischen Gestaltungen der Gegenwart arbeitet, in die Wirklichkeit zu versetzen. Fast in allen Ländern haben politische Clubs und Vereine die Erklärung der Menschenrechte versucht, oder die Erklärungen der franz. Revolution zum Glaubensbekenntnis und zum Symbol ihrer politischen Bestrebungen gemacht. Unter diesen Vereinen nimmt die sogenannte Gesellschaft der Menschenrechte (Soeiete ckes ckroit« cke I'twmme), die sich nach der Revolution von 183« in Frankreich bildete, rücksichtlich ihrer Ausbreitung und Mittel die erste Stelle ein. Dieselbe trat zu Paris nach den Unruhen vom 3. Zum 1832, bei dem Begräbnisse Lamarque's, aus den Trümmern des republikanisirten Benins ^ide-toi (s. d.) und der von Cavaignac, Raspail und Bastide geleiteten tkmis äu peuple zusammen. Um das Gesetz, das alle periodischen Versammlungen von mehr als 2V Pu- sonen verbot, zu umgehen, theilte sich die Gesellschaft in Sektionen van t0—20Mitgliedern, die sich zu Quartieren und diese wieder zu Arrondissements vereinigten. Dich Einrichtung wurde in den Departements und großen Städten, über welche sich die Ber- bindung rasch verbreitete, ebenfalls festgehalten. Dem Ganzen stand ein erst von Cavaign«, ^ dann von d'Argenson geleiteter Ausschuß vor, der seine Befehle an die Vorsteher der Ab- thcilungen erließ. Die Erklärung der Menschenrechte vom I. 1793 war das politische Glaubensbekenntniß und die Verbreitung politischer Belehrung durch Zusammenkünfte wie durch die Presse der ostensible, der Umsturz des Thrones und die Errichtung der Republik aber der verschwiegene Zweck der Gesellschaft. Hiernach unterstützten die Vereine durch ihre reichlichen Geldmittel die Zeitblättcr, welche in diese Ansichten eingingen. W ihr Hauptblatt galt die „IHbune" und später, als dasselbe zu erscheinen aufhören mußte, der „Uetormateur". Da die Gesellschaft schon ihrer Organisation nach zu keiner Zeit eine wirklich geheime war, so wurde es der Regierung leicht, ihre Agenten einzuschieben, die nicht selten in den Sektionen die Nolle der Häupter spielten. Aus diesem Grunde, auch weil es mehren Häuptern mit der Aufregung nicht rasch genug ging, nahm man im No». 1833 eine Organisation der Gesellschaft vor. Kersausie bildete in der Gesellschaft ei« zweite geheime Verbindung, die ^socistion ck'swtian, deren Mitglieder als die allezeit Schlagfertigen militairischen Gehorsam geloben mußten. Namentlich zu Lyon machte die Gesellschaft zu Ende des 1.1833 reißende Fortschritte. Hier trat die Masse der erregbarer, nicht nur auf politische, sondern auch auf socialeUmwälzungen sinnenden Fabrikbevölkerung hinzu, wodurch dem Ganzen ein noch gefährlicherer Charakter aufgcdrückt wurde. Für die Dauphine und Burgund hatte sich sogar ein eigener Centralausschuß gebildet, der über größere Mittel als der in der Hauptstadt gebot. Die Negierung begann darum schon zu ' Anfänge des I. > 83-1 ihre Gegcnmaßregeln zu ergreifen. Sie brachte ein Gesetz gegen die öffentlichen Ausrufer von Flugschriften zu Stande und leitete ein anderes zur Beschränkung der Associationen ein. Die Gesellschaft dagegen, als sie sich bedroht sah, nahm eine revo- lutionaire Haltung an und bereitete sich, nachdem sie zuvor am 3V. März 183s mit der 2«««M. starken communistischen Verbindung der Mutuellisten zu Lyon sich vereinigt hakte, ziemlich offen zum Kampfe vor. Ein Proceß gegen einen Mutuellistenchefgab am 0. M zu Lyon das Zeichen zum Beginn der Revolution. Zugleich brachen Unruhen zu Samt- Etienne, Marseille, Grenoble, Chalons-sur-Marne, Perpignan und vielen andern Städte" aus; endlich erhob auch die Gesellschaft ihre Waffen am 13. Apr. zu Paris. (S. Frank' reich.) Die Aufstände endeten mit der vollständigsten Niederlage der republikanische» Partei. Die Häupter wurden schon vor dem Ausbruche des Aufstandes verhaftet, oder mußten ins Ausland fliehen. Der riesenhafte Proceß, der gegen die Verschwörer!m 1833 vor der Pairskammer geführt wurde, vollendete die Zerstörung des Vereins, «r zuletzt 6«—70090 Mitglieder gezählt haben soll. Dessenungeachtet bildeten sich schon»» Menschheit Menstruation 501 . Lauft des I. >835 aus den Trümmern der Gesellschaft wieder mehre Associationen, von denen die ^ssoci-tion 839 einen Aufstand in den Straßen von Paris und erst am zweiten Tage gelang es der Negierung, die mit kalter Verzweiflung kämpfende Schar völlig zu überwältigen. Menschheit bezeichnet das menschliche Geschlecht, die menschliche Gattung in ihrer Gesammtheit, namentlich wie sie im Unterschiede von andern Thiergattungen durch die ihr specifisch eigenthümlichen Merkmale charakterisirt ist. Diese Merkmale liegen weniger in dem leiblichen, als in dem geistigen Leben, indem allein die menschliche Gattung einer von Generation zu Generation fortschreitenden Ausbildung und Vervollkommnung ihres inner» geistigen und dadurch auch ihres äußern, namentlich gesellschaftlichen, politischen und religiösen Lebens fähig ist. Die Menschheit allein hat deshalb eine Geschichte (s-d.); zugleich aber liegt in der Mannichfaltigkeit der Gestaltungen und Äußerungen der Menschennatur, daß die Geschichte der Menschheit nur als das Resultat aus eben den Ursachen und Verhältnissen aufgefaßt werden kann, die aus den Gang der menschlichen Entwickelung im Einzelnen wie im Ganzen Einfluß haben. Jeder einseitige Standpunkt, sei es der Culturgeschichtc oder der politischen Geschichte, ist daher der Geschichte der Menschheit unangemessen; vielmehr setzt sie die reifste Ausbildung aller Richtungen des historischen Studiums voraus. Insofern sie aber nicht blos Gemälde, Schilderung und Darstellung, sondern zugleich Untersuchung der Ursachen, Nachmessung der Zusammenhänge, Hinweisung auf die Ziel- und Endpunkte Dessen sein will, was der Menschheit begegnet und was sie aus sich selbst macht, streift sie nothwendig an die Aufgaben der Philosophie der Geschichte, welche noch viel größere Schwierigkeiten zu überwinden hat, als die Philosophie der Natur, schon deshalb, weil es die Untersuchung hier mit einem Stoffe zu thun hat, der auf Überlieferung beruht, während die Natur dem Forscher immer gleich gegenwärtig ist. Unter Denen, welche dic Äufgabe einer philosophischen Geschichte der Menschheit zuerst ins Auge gefaßt haben, wird immer Herder (s. d.) mit Achtung genannt werden müssen; daß die spätern Systeme sowol diese Aufgabe selbst als die Methode ihrer Lösung je nach der Eigenthümlichkcit ihrer Principicn verschieden bestimmt haben, liegt in der Natur der Sache; häufig hat man dabei, namentlich in der Hegelsschen Schule, vergessen, daß alle Mcnschcngeschichtc nur ein Fragment und noch nicht am Ende ist, und daß im Schoose der Zukunft noch ganze Reihen verschiedener Entwickelungen ruhen können, von denen wir nichts ahnen und auf welche wir höchstens mit einiger Wahrscheinlichkeit schließen können. Menstruation oder Monatliche Reinigung, auch die Regeln (menses oder catainenia), nennt man jene den Frauen und auch einigen weiblichen Thieren eigenthüm- licheBlutausschcidung durch dieGeschlechtsorgane, welche mit derEntwickelungderMann- barkeit eintritt und bis zu Ende der zeugungsfähigen Jahre periodisch wicderkehrt. Sie beurkundet am zuverlässigsten die eingetrctcne Empfänglichkeit des Weibes für die Einwirkung der ZcugungSkraft des Mannes, verrät!) gewissermaßen körperlich das Bedürfniß des Weibes nach Schwängerung und ist übrigens so innig mit der ganzen Natur des WeibcS verwebt, daß ihr nicht nur die Frauen aller Mcnschenraccn, Länder und Stände unterworfen sind, sondern überhaupt auch die Gesundheit des mannbaren Weibes bei Unregelmäßigkeiten derselben nicht lange ungestört bleibt. Durch sic entledigt sich der Körper seines überschüssigen Nahrungsstoffes, so lange dieser nicht seiner Bestimmung gemäß zur Ausbildung der Frucht verwendet wird. Ihr erstes Erscheinen, das häufig mit mannichfachen Beschwerden verbunden ist, naturgemäß aber ohne alle krankhafte Zufälle stattfindet, fällt in den gemäßigten Klimaten in das 13.— 20. Lebensjahr; in den heißern um einige Jahre früher und in den kältern später. Der Blutabgang dauert mehr oder weniger stark drei bis vier, oft aber auch acht Tage, hört dann von selchst auf und kehrt hierauf alle vier Wochen, oft mit dem Tage, regelmäßig zurück. Doch gibt es auch Frauen, welche alle drei Wochen, ja alle l 4 Tage menstruiren. Die Menge des in der genannten Zeit tropfenweise auSflicßen- 502 Mensur Mcntschikow den Blutes richtet sich hauptsächlich nach der körperlichen Constitution, Lebensweise in s «. Städterinnen, zumal wenn sic vielleicht eine verweichlichende Erziehung erhalten haben und ein mehr müßiges Leben führen, verlieren in der Regel durch die Menstruation mebr Blut als Mädchen und Frauen auf dem Lande und sind außerdem einer Menge Behlmer, den ausgcsetzt, welche letztere nicht kennen. Insbesondere gesellen sich bei ihnen gern Schlcimausfluß, Schmerzen, Krämpfe, Mattigkeitsgefühl u. s. w. hinzu. Bei eintrctender Schwangerschaft verschwindet die Menstruation entweder sogleich und völlig, was der gc- wähnlichere Fall ist, oder sie kehrt während der ersten Monate nach stattgefundrner Em- pfängniß noch einige Male,- aber schwächer, zurück, hört dann ganz aufrvid stellt sich nicht eher wieder ein als nach Beendigung des Sängens. Abgesehen von solchen Unterbrich»», gen, die auch in Folge von Krankheiten eintreten können, währt der monatliche Blutabgang so lange fort, als die Zeugungsfähigkeit des Weibes dauert, und verschwindet naturgemäß erst mit dieser für immer. Dies geschieht am gewöhnlichsten in den vierziger Lebensjahre». Wie aber Klima, körperliche Constitution, Lebensweise u. s. w. ihren Einfluß auf früheres oder späteres Erscheinen der Menstruation ausüben, so bedingen sie auch zum Thcil das naturgemäße Aufhören derselben. Die Menstruation bietet eine Menge Abweichungen dar, welche stets mehr oder weniger auf das übrige Befinden des Weibes einwirkcn, und kann so die Quelle sehr verschiedenartiger Krankheiten werden. Überhaupt ist bei Beförderung der stockenden oder spärlichen sowol als bei Beschränkung der übermäßigen Men- struation die größte Vorsicht zu beobachten. Mensur gebraucht man in der Musik vorzugsweise vondemmathematischenVerhält- niß der Töne. Die Instrumentmacher verstehen unter Mensur sowol die mathematisch! Eintheilung, nach welcher sie die Länge oder Kürze der Saiten, den Umfang des Steges, überhaupt die Verhältnisse der wesentlichen Thcile des Instruments bestimmen, wie diese Verhältnisse selbst. Beim Orgelbau bezeichnet man mit Mensur das Verhälkniß der Weite der Pfeifen zu ihrer Länge. Zwei Stimmen unterscheiden sich demnach durch enge» und weitere Mensur, wenn die Pfeifen bei gleicher Länge von verschiedener Weite sind. Bei dem Clavier, der Geige u. s. w. redet man von einer guten oder sch lechten, einer langen oder kurzen Mensur. Die kleine Mensur der Instrumente hängt milder erhöhten Stimmung des Orchesters zusammen. In der Bildhauerkunst nennt man Men- sti r das Maß, nach welchem die Theile des Modells auf dem Blocke mit Cirkel und Bleilots, aufgetragcn werden. Mensuralgesang oder Mensuralmusik nannte man in den ältern Zeiten die- jcnige Musik, bei welcher alle Note» nach einem genau bestimmten Zeitmaße vorgetragen wurden, zum Unterschiede von der Choralmusik (s. Canto t'erm»), die in keiner strengen Taktbewegung vorgetrugcn wird. Übrigens pflegt man alten und neuen Mensural- gcsang zu unterscheiden. Der alte, der schon von den Griechen ausgeübt wurde und sich bis in das >3. Jahrh. erhielt, hat nur zwei verschiedene Arten der Zeitdauer der Töne, nämlich eine lange und eine kurze, sodaß jede lange Silbe des Textes einen Ton bekam, der gerade noch einmal so viel Zeitraum einnahm, als der Ton einer kurzen Silbe. Der neue Mensuralgesang, dessen Erfinder man nicht kennt und der besonders seit Franco von Köln (s. d.) vervollkommnet wurde, welcher die Zeichen für das Zeitmaß genauer bestimmte und anwendete, ist nichts Anderes als der gegenwärtige Figur algcsangss.d.), in welchem die Länge und Kürze der Töne nach Noten von ganzen Takten mit Unlerabthei- lungen verändert werden kann. Mentor, der Sohn des AlkimoS, war der vertraute Freund des Odysseus, der ihm bei seiner Abreise nach Troja die Sorge für sein Hauswesen anvertrauke, und der Lehm des Telemachos, den er zur Tugend und Weisheit anleitete. Sein Name wurde später zum Appellativum, welches einen Lehrer und Führer von Jünglingen bezeichnet. Mcntschikow (Alex., Fürst), gewöhnlich Menzikow, Herzog von Jngermanland, russ. Staatsminister und Gencralfeldmarschall, geb. 1670, war der Sohn eines Bauer» aus dem moskanischcn Gouvernement. Nach der gewöhnlichen Annahme entdeckte er als Bäckerbursche in Moskau dem Zar Peter dem Großen eine Verschwörung der Strelißen und cröffnete sich dadurch die Bahn, die ihn zu den höchsten Ehrenstetten führte. Nach Le- Meuu Menuet 503 fo rt'S (s. d.) Tode räumte ihm Peter der Große die Stelle dieses Günstlings ein, und be- ehttc ihn mit einem solchen Vertrauen, daß er nichts ohne seinen Nach unternahm. M. war aber auch unbestreitbar eines der größten Genies seiner Zeit, gleichgroß als Feldherr und Diplomat, wie als Bildner des Volks und als Förderer der Künste und Wissenschaften, des Handels, Bergbaus, der Schiffahrt und aller Gewerbe überhaupt. Ihm verdankt Rußland zumeist sein Ansehen im Auslande, und die Plane Petcr's des Großen gingen zum Theil von ihm aus, der in seiner Jugend weder zu lesen noch zu schreiben verstanden halte. Selbst der Fürst Dolgoruky laßt in seiner „Kotice sur ies jirincijialer l-müllo» «Io la U.is-ie" (Brüss. 1843) dem hohen Geiste M.'s alle Gerechtigkeit widerfahren, was um so erfreulicher ist, da die Ränke der in ihrem Ehrgeiz gekränkten Dolgoruky'schcn Familie eS hauptsächlich waren, die M. den Untergang bereiteten. M.'s Eigennutz und Habsucht, die ihn mehrfach zu Veruntreuungen führten, hatten allerdings schon Peter den Großen oft wider ihn aufgebracht und ihm selbst persönliche Züchtigungen von Seiten desselben zugczogen. Dennoch hatte sich M. unter ihm stets zu behaupten gewußt. Eine noch gewaltigere Nolle spielte er während der Herrschaft Katharina l., welche allein durch seinen Willen und seine» Einfluß regierte. Mit kühner und sicherer Hand ergriff er auch nach ihrem Tode unter Peter II. die Zügel der Negierung, übte die unumschränkteste Gewalt, und stand bereits auf dem Punkte, durch Vermählung seiner Tochter Maria Schwiegervater des Kaisers zu werden, als er, von dem stets wachsenden Einfluß der Dolgvruky's verdrängt, plötzlich nach Sibirien zu ewiger Gefangenschaft verbannt wurde, während sein Vermögen, das außer ansehnlichen Gütern mit mehr denn I OOOOO Seelen, aus 3 Mill. Nudeln an Juwelen, Kostbarkeiten und baarem Gelde bestand, der Krone verfiel. Jm Scpt. 1727 reiste der Mann, den Kaiser Leopold I. >702 zum Grafen, >705 zum deutschen Neichsfürsten erhoben, dem Peter der Große >707 die Würde eines rnss. Fürsten und auf dem Schlachtfelde von Pultawa den Feldmarschallstab verliehen, der die höchsten Ehren, wie Keiner vor ihm, bekleidet hatte, mit seiner Gemahlin, seinem Sohne und seinen beiden Töchtern nach Beresow ab, wo er in die tiefste Schwermuth versank, nichts sprach, nur Brot und Wasser genoß, und sein kummervolles Leben im Nov. >729 beschloß. — Sein Sohn, Fürst Alex. M., wurde ein Jahr nach dem Tode des Vaters aus der Verbannung zurückberufcn, und ein Großenkel des berühmten M-, Fürst Alex. M., ist der gegenwärtige Minister der russ. Marine, einer der trefflichsten und thätigsten Männer, dem Rußland hauptsächlich das Wiederaufblühen seiner unter der Negierung Kaiser Alexander'S 1. in Werfall gerathenen Seemacht und den gegenwärtigen Flor derselben verdankt. " Menu, eigentlick Manu, in der ind. Sage Stammvater des Menschengeschlechts, soll das älteste Gesetzbuch der Inder verfaßt haben, eine Sammlung von Ncchts- sprüchen in Sanskrit-Versen, in >2 Bücher vertheilt. Die Zeit der Abfassung läßt sich nicht genau bestimmen; die Zusammenstellung aber fällt vielleicht schon mehre Jahrh. v. Ehr. Eine engl. Übersetzung gab Jones (Lvnd. >796; deutsch von Hüttner, Wcim. >797) heraus > der Originaltext von dem ind. Commentar des Kulluka Bhatta erschien zu Kal- kutta(4Bde., >813, u. 2Bde., >830); den blosen Text mit Jones' engl Übersetzung lieferte Haughton (Lond. 1825) und denselben mit stanz.Übersetzung Dclongchamps (Par.! 830). Mennet nennt man ein kleines, zum Tanzen eingerichtetes Tonstück im langsamen Dreivierteltakt, bestehend aus zwei Theilcn, deren jeder wieder aus acht Takten besteht. Oslers kommt nock ein Trio, auch llleimetlo sece-ncko genannt, hinzu, ebenfalls aus zwei D. cilen bestehend, welches dieselbe Bewegung und denselben Rhythmus behält, und nach dessen Beendigung der Menuet wiederholt wird. Der musikalische Charakter deö Menuet ist reizender Anstand, mit edler Einfachheit verbunden, daher abgemessene, langsamere Bewegung und Vermeiden aller harten Ausweichungen. Der den Menuet begleitende Tanz, ein stanz.Nationaltanz, soll aus berProvin; Poitou stammen und ursprünglich eine schnellere Bewegung gehabt haben. Der Componist Lully is. d.) soll der Erfinder desselben sein, und Ludwig X>V. >660 die erste Menuet zu Versailles getanzt haben. Nicht unwahrscheinlich ist es, daß sie an Ludwig's Hofe erst den graziösen Charakter annahm. In den Symphonien und Quartetten erschien früher der Menuet gewöhnlich als dritter Satz; gegenwärtig hat ihn dasScherzo (s. d.) verdrängt. Rist Menzel (Ariedr. Wilh.) Menzel (Karl Adolf)' Menzel (Friede. Wilh.), Geh. Secretair und Kanzlist in dem königlichen Cabinek zu Dresden, geb. um > 726, trug durch Verrath viel zu dem beschleunigten Ausbruche des Siebenjährigen Kriegs bei. Friedrich II. hatte nämlich Grund, zu vermuthen, daß zwischen den Höfen von Petersburg, Wien und Dresden Unterhandlungen gegen ihn gepflogen würden, und gab deshalb seinem Gesandten am sächs. Hofe den Auftrag, ihm darüber Licht zu verschaffen. Ein Zufall machte den Gesandten mit M. bekannt, den Sucht zu glänzen und Hang zu einem verschwenderischen Leben in Verlegenheiten gestürzt und sogar eine Kasse anzugreisen verführt hatten. Durch ein größeres Verbrechen hoffte sich der Unglückliche zu retten und lieferte für große Summen dem preuß. Gesandten Abschriften von der geheimen Korrespondenz, welche zwischen Sachsen, Rußland und Ostreich in Bezug auf Preußen geführt wurde. Während einer Reise im Gefolge seines Königs nach Warschau kam man endlich seinem Vergehen auf die Spur. Er suchte sich durch die Flucht zu retten, kam aber nur bis Prag, wo er auf Requisition des sächs. Hofes festgcnommen und nach Brünn, und nach Abschluß des Hubertusburger Friedens nach dem Königstein gebracht wurde. Hier lebte er 33 Jahre lang, namentlich die erste Zeit, in sehr strenger Haft. Er starb im Mai 1706. Menzel (Karl Adolf), Consistorial- und Schulrath in Breslau, geb. am 7.Dec. 1784 zu Grünberg in Niederschlesien, erhielt seine wissenschaftliche Vorbereitung auf dem Elisabethanum zu Breslau und auf der Universität zu Halle und hatte sich anfangs für die Theologie bestimmt, wendete aber sehr bald, da ihn der in dieser Wissenschaft damals herrschende Geist dieses Studium verleidete, seine Neigung aufPhilosophie, Philologie und besonders Geschichte. Nach beendigten Universitätsstudien wurde er, nachdem er seit IM als Privatlehrer auf der schles. Herrschaft Wartenberg, in Breslau und in Liegnitz gelebt hatte, >800 als außerordentlicher Professor und zweiter College am Elisabeth«»!»» zu Breslau, bald nachher erster College und >814 Prorector und zweiter Professor, auch Bibliothekar der Nhediger'schen Bibliothek, welches Amt er auch beibehielt, als 1824 seine Ernennung zum Consistorial - und Schulrath erfolgte. Zwar hörte 1825 seine Thätigkeit beim Consistorium auf in Folge der neubcstimmten Verhältnisse der Behörden, dagegen erhielt er im Provinzialschulcollegium neben der Aufsicht über die evangelischen Gymnasien und Seminare auch noch die über das Bürger- und Elementar-Schulwesen. Von seinen schriftstellerischen Arbeiten aus früherer Zeit sind zu erwähnen „Topographische Chronik von Breslau" (2 Bde., Brest. >805—7); „GeschichteSchlesiens" (3 Bde., Brest. >807—>»); „Die Geschichte der Deutschen" (8 Bde., Brest. 1815—23), die erste in lebendiger, schöner Darstellung geschriebene deutsche Geschichte, übrigens aufgutcs Quellenstudium gestützt und mit patriotischem Geiste aufgefaßt, und die Fortsetzung zu Beckcr's „Weltgeschichte" „Geschichte unserer Zeit seit dem Tode Friedrich'sll." (2Bde., Berl. >824—25). Zn letztem Werke sprach er eine entschiedene Abneigung gegen die Revolution und eine ebenso entschiedene Anhänglichkeit an das monarchische Element aus, ohne jedoch zu verkennen, daß die Monarchie selbst durch ihre Verdorbenheit und Entsittlichung die Revolution gewissermaßen hervorgerufen habe, daß es einen neuen, nicht verwerflichen Weltgeist gebe, mit dem die Monarchie sich in Harmonie setzen müsse und daß diese Vereinbarung beider Elemente, was wenigstens angedeutet wird, noch nicht gefunden sei, sondern die Aufgabe der Zukunft bilde. Das größte und bedeutendste seiner Werke ist die „Neuere Geschichte der Deutschen von der Reformation bis zur Bundesacte" (Bd. I —11, Brest. 1826—44). Aus gründlichen Quellenstudien hervorgegangen, ist dasselbe nicht sowol eine politische Geschichte, sondern vielmehr ein Versuch, in das Innere der bürgerlich-politischen Zustände, in das Provinzielle des Volkslebens tiefer, als dies bisher geschehen, einzudringen. Dieses provinzielle Leben stellt sich aber im >6. und 17. Jahrh. hauptsächlich als theologische Streitigkeit, als Wortgezänk heraus, namentlich als die erste begeisternde Glut der Reformation vorüber war. Diesen Geist jener Jahrhunderte verfolgt nun M. bis in das Speciellste, jedoch so, daß er im Ganzen eine feindliche Stellung gegen die Reformation einnimmt. Man kann nicht glauben, daß seine in dieser Beziehung ausgesprochenen Ansichten aus einer wahren innerlichen Feindschaft gegen die GlaubenSverbefferung hervorgingen; es ist-falsche Unparteilichkeit, die er erstrebt, und die ihn bisher gehindert hat, den tiefen, innern Grund, welcher Menzel (Wolfgang) Mephitisch 505 Katholicismus und Protestantismus trennt, zu fassen, weshalb er auch nicht im Stande ist ihn darzustellen, Menzel (Wolfgang) in Stuttgart, geb. am 21. Juni 1798 zu Waldenburg in Schlesien, verlor frühzeitig seinen Vater, welcher praktisch er Arzt war, und folgte dann sei- ner Mutter auf ihr Gut, wo er indeß in der hinterlassenen Bibliothek seines Vaters reiche Nahrung fand. Erst >814 kam er auf das Elisabethanum nachBreslau, verließ dasselbe aber bald wieder, um 1815 an dem Feldzuge Theil zu nehmen. Nach der Rückkehr, ein leidenschaftlicher Turner, folgte er, als das Turnen untersagt wurde, Jahn nach Berlin. Zm J. 1818 bezog er die Universität zu Jena, wo er Philosophie und Geschichte studirte, und als nach Kotzebue's Ermordung allen Studirenden aus Preußen untersagt wurde, fremde Universitäten zu beziehen, wendete er sich nach Bonn. Im I. 1829 ging er nach der Schweiz und wurde in Aarau erster Lehrer an der Stadtschule, legte aber zwei Jahre nachher seine Stelle freiwillig nieder und privatisirte daselbst, bis er 1824 sich nach Heidelberg begab, um die Bibliothek zu benutzen, worauf er im nächsten Jahre seinen Aufenthalt in Stuttgart nahm und mit Cotta in Verbindung trat. Im I. 1839 als Deputirter des Oberamts Bahlingen in die Ständeversammlung gewählt, schloß er sich an Schott, Uhland und Pfizer an, mit denen er sich, nachdem er den Landtagen von 1833, 1836 und >838 beigewohnt hatte, von der politischen Thätigkeit zurückzog. In der literarischen Welt machte er sich zuerst bekannt durch die „Streckverse" (Heidelb. 1823), welche eine Fülle von originellen Lebens- und Kunstansichten, von Poesie und Witz enthalten, und durch die mit Troxler, List, L. A.Folien und Mönnich begründeten „Europ. Blätter" (Zur. 1824—25), in welchen er zuerst den Vernichtungskampf gegen die hohle Form in der Poesie und gegen gepriesene Nullitäten der deutschen Literatur eröffnet«, zugleich aber durch seine Polemik gegen die Goethe'sche Schule sich zu den Verehrern Goethe's in ein kriegerisches Verhältnis setzte. Hierauf erschien seine „Geschichte der Deutschen" (3Bde.,Zür. >824—25; 2. Aust., in einem Bande, Stuttg. 1834; 4. Aust., 1843), bestimmt für das größere Publicum und die Schulen. Bei Gelegenheit der Streitigkeiten zwischen Voß und Creuzer schrieb er die kleine Schrift „Voß und die Symbolik" (Stuttg. >825), durch welche ersichdcnHaßVoß's und seiner Anhänger zuzog. Durch den polemischen Theil seines Werks „Die deutsche Literatur" (2 Bde., Stuttg. 1828; 2. Aust., 4 Bde., 1836) rief er von vielen Seiten heftige Angriffe hervor. Inzwischen blieb er beharrlich auf seiner Bahn und verschaffte sich durch die planmäßige Umgestaltung des „Literaturblatts", das er seit >825, anfangs ohne sich zu nennen, redigirtr, einen Waffenplatz für seine Ansicht, von welchem aus er sich nicht nur vertheidigte, sondern auch angriff. Ein entschiedener Liberaler trat er nach der Julirevolution immer heftiger dem franz. Einflüsse und der denselben unterstützenden Literatur entgegen, sodaß Börne endlich die Schrift „Menzel der Franzosenfrcsser" (Par. 1837) wider ihn ausgehen ließ. Als Dichter ist M. hauptsächlich in den zwei geist- und phantasie- reichen, auch in der Form meisterhaften Märchen „Rübezahl" (Stuttg. 1829) und „Nar- ciffus" (Stuttg. 1839) ausgetreten. Seine „Reise nach Ostreich" (Stuttg. 1831) schildert wahrhaft und treffend den Nationalcharakter der Östreicher und namentlich der Wiener sowie die dortigen literarischen Verhältnisse. Interessant und verdienstlich ist auch sein „Taschenbuch derneuestenGeschichte" (5 Bde., Stuttg. 1829—35; „NeueFolge", Abth. 1, Stuttg. u. Augsb. 1837, 12.). Von seinen neuern Arbeiten sind noch zu erwähnen „Die Reise nach Italien im Frühjahre >835" (Stuttg. 1835); die kleine Schrift „Geist der Geschichte" (Stuttg. 1835); „Europa im I. 1849" (Stuttg. 1839) und „Mythologische Forschungen und Sammlungen" (Bdchn. >, Stuttg. 1842). M. gehört ohne Zweifel zu den bedeutendsten unter den lebenden Kritikern, doch wird seine Consequenz nicht selten zur Einseitigkeit, und der Eifer, mit dem er Alles verfolgt, was ihm die Schranken der Zucht und Mäßigung zu überschreiten scheint, verführt ihn nicht selten zu unbillig harten Urthei- len und hat ihn in manche unangenehme Streitigkeiten verwickelt. Menzikon, (Alex.), s. M e n t s ch i k o w . Mephistopheles, s. Tjeusel und F aust (Doctor Johann). ' Mephitisch heißt jede Luftart, in welcher kein Licht und Feuer brennt, und welche von Menschen und Thieren nicht geathmet werden kann, ohne tödtlich zu wirken. Die Be- 506 Meran Mercantilsystem nennung kommt von dem lat. -lopbiti», d. h. Schwefelgeruch, her, unter welchem Namen - zu Nom auch eine Göttin als die Schützerin wider schädlicheAusdünstungen verehrt wurde. Meran, eine Stadt an der Mündung des Passeyerthalß in das Etschthal, in der i Grafschaft Tirol, mit 2300 E-, einem Gymnasium und Fräuleinstift, war im Mittelalter der Sitz der mächtigen Grafen von Andechs (s-d.), deren Besitzungen, welche au der Etsch und am Inn in Tirol lagen, durch Kaiser Friedrich l., > > 80, zum deutschen Herzogthum Meran erhoben wurden. Die Herzoge von M. erweiterten sehr bald die Grenzen desstl. den, starben jedoch schon 12-18aus, woraufihreBesitzungenzumeistanden GrafenAtbertl. von Tirol kamen. In der Nähe von M. wächst ein guter Wein, Hochsebütrer genannt. Auch liegt unfern der Stadt das alte Schloß Tirol, gegenwärtig im Besitz des Kaisers, der eS im wohnlichen Zustande erhalten läßt. Mercadante (Saverio), Kapellmeister am Dom in Novara, ein in Italien sehr bekannter Operncomponist, gcb. 1798 in Neapel, studirte die Musik in dem Collegium von San-Sebastian daselbst. Früher für die Violine bestimmt, widmete er sich erst später der Composition. Nachdem er mannichfache Versuche darin gemacht hatte, rieth ihm der Direktor der Anstalt, Zingarclli, sich der Vocalmusik zu widmen. M. folgte dieser Weisung, entzog sich jedoch der Leitung des Meisters früher, als dieser billigen konnte, sodaß derselbe später erklären mußte, daß er selbst ihn noch nicht entlassen habe. M. erhielt Hieraufei»! Anstellung als Componist am großen Theater San-Carlo in Neapel, woselbst seine erste Oper 1819 mit vielem Beifall gegeben wurde. Von jetzt an war er ununterbrochen thätig im Fache der Opcrncomposition und eine sehr große Anzahl seiner Werke wurde in Italien auf verschiedenen Theatern bald mit großem Beifall, bald mit dem entgegengesetzten Erfolg aufgeführt. Im I. 1830 war er beim Hoftheater in Madrid angestcllt. Bald indeß kehrte er wieder in sein Vaterland zurück, wo er 1833 die Capellmcistersielle in Novara erhielt. M. gehört zu den bessern Tonsetzern des gegenwärtigen Italiens. Neben vielfach Entlehntem, geradezu Abgcschricbcncm in seinen Werken und vielen andern Mängeln finden sich hin und wieder doch auch originelle Gedanken. Jedenfalls war es der Verbreitung seine« Nuss nachthcilig, daß seine Thätigkeit in die Epoche Nossini's fiel, während neuere Tonseher diesen Nival nicht zu fürchten hatten, und darum, ohne M. im hohen Grade überlegen zu sein, allgemeinem Eingang auch in Deutschland finden konnten. Als die beste seiner Opern bezeichnet man „LIisa e 6Isn594. Seine Verdienste um die Geographie haben ihm ein bleibendes Andenken geschaffen; insbesondere verbesserte er die Seekarten, weshalb man auch die Manier, in welcher er sie entwarf, Mercakor'sPro- jection genannt hat. (S. Projektion.) Auch stach er selbst einen von ihm entworfen ncn großen Atlas in Kupfer und fertigte mehre Globen, unter denen besonders einer, für Kaiser Karl V., von vorzüglicher Schönheit war. Mercia, das Land der Mercier (Merce), eines Stammes der Angeln, hieß das von diesen bei der Eroberung Britanniens zuletzt, vielleicht erst zu Ende des 6. Jahrh., durch Creoda, einen Abkömmling Wodan's, gestiftete Reich, das sich von dem Meere, wo um Lincoln (Lindum) der verbundene Stamm der Lindisvarcn wohnte, auf beiden Seiten des Trent bis an die Gebirge von Wales erstreckte, im Norden an Northumbrien, im Süden an Ostangeln und die sächs. Staaten an der Themse grenzte. Ein König von M., Pcnda, ein gefürchteter Kriegsheld, den endlich Oswin, der Bretwalda von Bcrnicien (s. An g e l- sachsen), 654 fällte, war der letzte mächtige Anhänger dcsHekdcnthums unter denAngel- sachscn. Im I. 823 suchten die Ostangcln gegen die übermächtigen Mercier, die mit ihren Nachbarn in häufigen Kriegen lebten, Hülfe bei Egbert, dem König der Wcstsachscn; der Sieg bei Ellendounc, den dieser erfocht, und die bald darauf im I. 825 folgende Unterwerfung Wiglaf's, des mercischcn Königs, war der erste Schritt zurVcrcinigung der angcl- sächs. Reiche unter Egbert's Herrschaft. Mercier (Louis Sebasticn), einer der geistreichsten Gcnremaler der franz. Literatur, geb. zu Paris am 7. Juni >74», war vor der Revolution Advocat in Rheims und beim pariser Parlament. Als Schriftsteller trat er zuerst mit einigen Herolden auf, welche aber einen so unbefriedigenden Erfolg hatten, daß er sich später ausschlicßend der Prosa zu- wendcte, indem er die anstößige Behauptung aufstellte: prosstcmrs sont uns vrrüs pvel,:»". Mehre seiner Dramen, z. B. „1-e stösertenr^, „I/tmditunt 770), worin er einen Pariser nach einem 7<>ojährigen Schlafe erwachen und das veränderteParis mit dem ehemaligen vergleichen läßt. GrößcresZntmsse gewährte sein „Tableau de karis" (I2Bde., Amst. 1782—88), welches das Muster zahlloser Schilderungen des pariser Volkslebens geworden ist. Die Fortsetzung „T« ix»,rez„ karis" (S Bde., Par. 1797), welche die Sitten der Pariser während der Revolutionszeit schildert, steht ungeachtet schöner Einzelnheiten an Gehalt tiefer. Mit Interesse werden auch,,och jetztsein „Sonnet de nuit" (4 Bde., Amst. 1778—84) und „Sonnet de inatin" (2 Bde.,Par. 1786) gelesen. Als Kritiker war er sehr absprechend, wie unter Andern sein „Lssai sur I'art drsinatigne" und seine ,,8atire contre Racine et Soilean" (l 808) beweisen. Deshalb wurde er auch in vielfache literarische Fehden verwickelt. Namentlich machte man ihm seine ungehemmten stilistischen Freiheiten und sein Abweichcn vom sanctionirtcn Sprachgebrauchs zum Vorwürfe. Er suchte die Berechtigungen seiner Neuerungen auf theoretischem Wege durch seine „iXeoIogie on Vocabulaire de inots nouveaux ä rennuveier, on z,ris dsns des scceptations nonvelles" (2 Bde., Par. 1801) darzuthun. Man kann M. als einen Vorläufer der stilistischen Emancipation von den Fesseln der akademischen Bestimmungen, die freilich unter den Händen der Romantiker zumTheil in literarischen SanS- culotismus ausgeartct ist, ansehcn. Mercoeur (Elise), eine junge franz. Dichterin, war >809 zu Nantes geboren, lr» sie als Kind schon durch ihr poetisches Talent eine gewisse Berühmtheit erlangte. Nachdem ihr Ruf immer mehr in der Provinz sich verbreitet hatte, rvurde sie durch die aufmunternde» Urtheile eines Chateaubriand, eines Victor Hugo und Lamartine, von denen der Letzten mit Bezugnahme auf ihre 1827 erschienenen „koesies" (neue Aufl., 1829) an einen Freund schrieb: „Dieses kleine Mädchen wird uns Alle überflügeln", veranlaßt, stch naih der Hauptstadt von Frankreich überzusiedeln. Auf Verwendung des Ministers Martignac erhielt sie von Karl X. eine Pension aus seiner Privatkasse, durch welche ihr und ihm Mutter ein dürftiger Unterhalt gesichert wurde. DieJulirevolution raubte ihr diePension; die wenigen Privatstunden, die sie mühsamerlangte, wurden schlecht bezahlt; sie kam immer tiefer ins Elend, aus dem sie > 865 der Tod erlöste. Unter ihren Gedichten finden sich einige reine lyrische Klänge, und es ist wol anzunehmen, daß sie, wenn ihr ein längeres und weniger gedrücktes Leben vergönnt gewesen wäre, bei ihrem heiligen Enthusiasmus und ihrem feinen Gefühl für Formschönhcit Bedeutendes geleistet haben würde. Mercuriales nannte man vor der Revolution in Frankreich die bei verschlossenen Thüren gehaltenen Versammlungen des Parlaments, in welchen sich derGeneralprocurM im Namen des Königs über die disciplinarische Haltung des richterlichen Corps aussprach und Lob und Tadel vertheilte. Weil diese Versammlungen am Mittwoch (dies Kercmii) gehalten wurden, erhielten sie den Namen Mercuriales. Eine Ordonnanz von >496 führte die Abhaltung solcher Sitzungen von zwei zu zwei Wochen, eine andere von >53!> von Monat zu Monat ein. Heinrich III. bestimmte endlich, daß dieselben jährlich zweimal, zu Ostern und zu Martini, abgehaltcn würden , wobei es auch blieb. Im Munde des Volks heißt Mercuriale noch gegenwärtig so viel als eine Strafpredigt. Unter Napoleon er- schien ein Decret vom 6. Juli 1810, welches eine der alten nicht unähnliche Anordnung traf. Nach demselben mußte der Generalprocurator jährlich den Gerichtshof zu einer feiev lichen Versammlung berufen und den Mitgliedern in einer Rede ihre Pflichten Unscharfe» und begangene Fehler rügen. Mercuriälis (Hieronymus), ein vorzüglicher ital. Arzt und Humanist, geb.E 6V. Sept. 1530 zu Forli, gest. daselbst am 9. Nov. > 596, erwarb sich ein nicht geringe Verdienst um die weitere Verbreitung der Schriften des Hippokrates. Seine „Onsuru« Mercurialmittel Merkurius 509 .lispositio operum ttip,,ocr-,tis" (Franks. I 585) enthält allerdings manches Willkürliche; insbesondere machte er sich durch das noch jetzt geschätzte Werk „Ve arte ^mnasticu libri Vl" (Ven. >601, -1. und oft.) bekannt, worin alles auf die Gymnastik der Alten Bezügliche mit außerordentlicher Gelehrsamkeit und Belesenheit zusammengestellt ist, sowie durch seine „Variae lectinne-" (Ben. 1571, "1.), welche sich aus die Kritik und Erklärung der alten Classiker beziehen. Mercurialmittel und Mercurialsalze, s. Quecksilbermittel und Quecksilber. Mercurius, bei den Griechen Hermes, ein Sohn des Zeus und derMaja, geboren in einer Höhle des Berges Kyllene in Arkadien, schlüpfte gleich in den ersten Stunden nach seiner Geburt aus der Wiege, ging nachPiericn und stahl dem Apollon Rinder, die er nach Pylos trieb. Um sich hierbei nicht auf die Spur kommen zu lassen, zwang er die Rinder rückwärts zu gehen, indem er auch selbst so ging, und band ihnen Baumzweige an die Schwänze, um die Fußtapfen zu verwischen. Hierauf begab er sich schnell an seinen Geburtsort zurück, fand daselbst eine Schildkröte, tödtete dieselbe, spannte Saiten über die Schale und erfand so die Lyra (s. d.). Apollon aber entdeckte durch seine Wahrsagergabe den Dieb seiner Rinder, der indeß die Sache leugnete, und brachte ihn vor Zeus. Endlich führte M. den Apollon nach Pylos, wo er die Rinder verborgen hatte; doch überließ sie ihm Apollon gegen Abtretung der Lyra. Nun weidete M. die Rinder und erfand die Syrinx (s. d.), die er ebenfalls an Apollon abtrat, der ihm dafür den goldenen Stab Caduceus (s.d.) gab. Später lehrte ihn Apollon aus Loosen die Kunst der Weissagung; Zeus aber machte ihn zum Götterherold, und in dieser Eigenschaft erscheint er bereits bei Homer. Ursprünglich gehörte M., als ein pelasgischer Naturgott, in den Kreis der chtho- nischen Gottheiten, welche aus der Tiefe Früchte und Segen spenden, und als solchen setzte ihn das alte Griechenland auf alle Straßen und Wege in der Form eines mit einem bärtigen Kopfe und einem Phallus versehenen Pfahles. Spuren dieses seines ursprünglichen Wesens finden sich auch noch bei Homer. Allmälig aber wurde dieser Segcnsgott zu einem ökonomischen und mercantilischen Gotte des Gewinns und Verkehrs; vornehmlich verehrten ihn nun die in der Vorwclt den Verkehr vermittelnden Herolde. In der Gestalt derselben erscheint er schon in der ältern Poesie. Auch die ältern Kunstwerke zeigen ihn in dieser Eigenschaft als einen kräftigen Mann mit spitzem Bart, langen Haarflechten, in einer zurückgeschlagenen Chlamys, mit einem Neisehute, Fußflügeln und dem Caduceus in der Hand. Hier ist er noch nicht jener schlanke, gymnastisch ausgebildete Jüngling. Diese höhere Ausbildung ging von den Gymnasien aus, denen er seit alten Zeiten als Spender leiblichen Wohlgedeihens in phallischen Pfeilerbüsten vorgestanden hatte. Zur Bekleidung hat er auch hier die Chlamys, welche gewöhnlich sehr zusammengezogen ist, und nicht selten den Petasus als Bedeckung des Kopses, dessen Haar kurz abgeschnitten und wenig gelockt ist. Die Züge des Gesichts zeigen einen ruhigen und feinen Verstand und ein freundliches Wohlwollen an. Verehrt wurde M. schon früh durch ganz Griechenland; der älteste Sitz seiner Verehrung aber war Arkadien. Seine Feste hießen Hermäa. Auch in Rom hatte er mehre Tempel, und sein Fest fiel auf den 15. Mai. An diesem brachten ihm vorzüglich die Kaufleute Opfer dar, damit er ihnen im Handel Glück bringen möchte. Der german. und gallische M., welche von Cäsar und Tacitus erwähnt werden, sind einheimische Gottheiten jener Völker, welche nur wegen irgend einer Ähnlichkeit mit dem M. von den Römern so genannt wurden. Unter den Kunstwerken tritt eine Classe besonders hervor, in der das Hermes-Ideal sich am höchsten steigert. Der Gott erscheint als Vorsteher gymnischer Übungen in reifer Jünglingsgestalt voll gediegener Kraft, in fester, ruhiger Stellung und mit der Chlamys, welche zurückgeworfen und um den linken Arm gewickelt ist. Hieran schließen sich ähnliche Statuen, bei denen indeß der erhobene rechte Arm zeigt, daß er hier als Hermes Logios, als Gott der Redegewandtheit, zu fassen sei. Als Bote des Zeus findet er sich abgebildet halb sitzend und halb schon wieder aufspringend, um davon zu eilen, aber auch in ruhender Stellung, wobei er den Arm auf einen Pfeiler stützt. Ein Hauptattribut des Gottes war in der spätern Zeit der Beutel. Als Opferanrichter, Beschützer des Viehes, besonders 510 Mercy Mergel > der Schafherden, Erfinder der Leier, dem als solchem die Schildkröte heilig ist, und alsSee- lenführer und Wiederbelcber der Tobten sieht man ihn meist nur in geriugern Kunstwerke». Mercy (Franz, Freiherr von), ein ausgezeichneter General im Dreißigjährigen Kriege, stammte aus einem alten lothring.Ecschlechke und wurde zu Lougwy in Lothringen geboren. Noch sehr jung nahm er in der kaiserlichen Armee Dienste; im I. 1631 warn unter dem damaligen Oberst Piccolomini Oberstwachtmcister und 1633 Befehlshaber eines Regiments. Als solcher hielt er 1634 Nheinfeld im Oberclsaß besetzt, das er dem Nheingrafen Johann Philipp kurz vor der Schlacht bei Nördlingen auslicfern mußte. In, I. l 635 trat er als Eencralwachtmcister in bair. Dienste. Er eilte dem Herzoge von Lolh- ^ ringen in der Belagerung von Kolmar zu Hülfe und wohnte dann der Entsetzung von , Dole bei, wurde aber 1637 mit dem Herzoge von Lothringen wiederholt geschlagen. Nach- dem er 1638 zum Ecneralfcldzeugmeister aufgestiegen, focht er >646 gegen den Herzog von Longuevillc in der Untcrpfalz und widersetzte sich dem schweb. General Bauer bei Ncgcnsburg. Den General Schlangen aber umzingelte er bei Waldncuburg und nahm denselben mit vier Regimentern gefangen. Im Feldzuge von 1643 überfiel und schlug er den franz. General Ranzau bei Duttlingen in Schwaben, wofür ihn der Kurfürst von Baicrn zum Generallieutenant, der Kaiser zum Feldmarschall erhob. Im folgenden Jahre nahm er Uberlingen und Nottweil und eroberte Frciburg, zog sich aber endlich unter heftigen Gefechten mit dcmHcrzog von Enghien auf Villingen zurück. Im 1.1645 gelang es ihm, Ecrmersheim und Mergentheim zu nehmen, in welchem letztem Treffen am 5.Maier Turenne besiegte. Am 3.Aug. 1645 lieferte crEnghien bei Allersheim ein heftiges Treffen, wobei er seinen Tod fand. — Sein Bruder Kasper von M-, ebenfalls ein ausgezeichneter Krieger und bair. Generalwachtmeister, siel bei Freiburg. — Claudius Florimund, Graf von M., des Vorigen Enkel, geb. in Lothringen 1666, zeichnete sich in kaiserlichen Diensten zuerst im Kriege gegen die Türken aus. Als Oberstlieutenant kämpfte er Nvl in Italien, wo cr bei Borgoforte mit 306 Reitern eine Batterie wcgnahm und ein ganzes ; Cavalerieregiment in die Flucht schlug. Im Feldzuge von 1702 befehligte cr die kaiserliche Reiterei vor Cremona, wurde aber gefangen. In den nächsten Jahren zeigte er sich als , kühner Ncitcrgeneral am Rhein. Er stürmte > 705 die Linien von Pfaffenhofen und zwang 1 die Franzosen zum Rückzüge unter die Mauern von Strasburg. Im I. 1706 deckte er durch geschickte Märsche Landau, welches er verproviantirte, und am 24. Sept. 1707 schlug j er den franz. General Vivans bei Offenburg. Als er jedoch im Feldzuge von 1709 zu tief im Elsaß eindrang, wurde er bei Numcrsheim von dem General Dnbourg am26. Aug. gänzlich geschlagen. Gegen Ende des Krieges zum Feldmarschall ernannt, befehligte er hierauf 1716 in der Armee gegen die Türken und betheiligte sich an den Siegen von Peter- ! Wardein und Belgrad. Im 1.1710 führte er mit Auszeichnung das Commando der kaiser- > lichen Armee in Sicilicn. Nach seiner Rückkehr erhielt er 1720 das Gouvernement von Temcswar und machte sich um die Cultur des Dannats sehr verdient. Als General- ^ feldmarschall übernahm er 1733 den Oberbefehl in Italien, wurde aber während de« Feldzuges vom Schlage gerührt. Im folgenden Jahre besetzte er Parma; gegen den Rath seiner Generale unternahm cr am 29. Juni 1734 in Person den Angriff auf da« j feste Schloß Croisetta, wobei ihn eine Kugel durchbohrte. Man bestattete seine Leiche zu Reggio. Da er keine Kinder hinterließ, erbte das Lehn Mercy mit dem Erafentitel einer seiner Verwandten, Ant. von Argen teau, der gleichfalls in kaiserliche Dienste trat, sich in Ungarn, Baiern, besonders in den Niederlanden anszeichnete und 1767 als General- >. gouvcrncur in Efsck starb. I Mergel nennt man jedes Mineral, welches aus 10—20 Proc. kohlensauern äkalk, I 30—50 Proc. Thon und 30—50 Proc. Sand besteht. Nach den verschiedenen Mengungs- ! Verhältnissen wird der Mergel in Thon-, Kalk- und Sandmergel ei'ngctheilt. Im Allgemeinen ^ zeichnen sich die Mcrgelbodenartcn durch eine große natürliche Fruchtbarkeit aus, weil siebe« , jeder Witterung ein angemessenes Feuchtigkeits- und Wärmcverhältniß zu bewahren vermögen. An der Luft liegend zerfällt dcrMergel leicht. Derselbe wird mit günstigem Erfolg als > Dünger und als mechanisches Verbesserungsmittel des Bodens angewendet. Er wir» lheils durch seinen Kalk-, lhcils durch seinen Thongehalt und gibt deshalb den zu locker» i S w lb iß S er m S hc te de Ä r» S ur A so li« ne m te! w de sck w I>- ft lie g« S la ku Z 1« r» lc T ui al V! L 3 di 2 b »/ d h c d Mergentheim Meridian 511 Bodenarten größer» Zusammenhang und den zu bündigen größere Lockerheit. Außerdem wirkt er mittels des Kalkgehalts auflösend auf die organischen Stoffe und tilgt die schätz- lichen Säuren im Boden. Daher wirkt er auch um so besser, je düngkräftigcr der Boden ist, oder je mehr nnzersetzten Humus derselbe enthält. Doch darf man einen und denselben Acker nicht zu oft mergeln, weil er sonst unfruchtbar wird. (S. Dünger.) Mergentheim oder Mergenthal, ursprünglich Marienthal genannt, ein Städtchen in Schwaben, im jetzigen würtemberg. Jaxtkreisc, an der Tauber, mit 2500 E., einem Gymnasium, Kloster und Schlöffe, war sonst mit seinen Umgebungen (I» OM. mit 32000 E.) die bedeutendste der elfBalleien des Deutschen Ordens und seit 1527 der Sitz der Hochmeister, die sich für gewöhnlich in dem nahe dabei gelegenen Schlosse Neu- Haus, in welchem sich gegenwärtig ein Oberamt befindet, aufhiclten. (S. Deutsche Nit» te r.). In der Nähe von M. wurden am 5. Mai I 645 die Franzosen unter Turenne von den Östreichcrn unter Mercy geschlagen. Merlan ist der Name einer berühmten Künstlerfamilie. — Matth äus M. der Ältere, geb. zu Basel 1593, lernte bei Dictr. Meyer in Zürich und bei Theod. de Bry zu Oppenheim, der nachmals sein Schwiegervater wurde, und lebte längere Zeit in Paris. Später ließ er sich in Frankfurt am Main nieder, wo er einen starken Kunsthandel trieb, und starb zu.Sckwalbach 1651. Er arbeitete sehr sauber und fleißig mit der Nadirnadel. Am berühmtesten wurde er durch seine Abbildungen der wichtigsten Städte Europas, besonders Deutschlands, die er mit Beschreibung unter dem Titel „Topographien" erscheinen ließ und die auch nach seinem Tode fortgesetzt wurden (30 Bde., Franks. 1640—88, Fol., nebst Register, l726). Die von ihm nach der Natur gezeichneten Städteansichten, namentlich die perspektivischen, sind in der That meisterhaft, ebenso seine frühesten Landschaften ; da aber seine Unternehmungen allmälig eine ungeheure Ausdehnung gewannen, so wurde das Meiste von Gehülfen zum Theil nachlässig und schlecht ausgeführt. Nichtsdestoweniger ist seine Topographie ein historisch wichtiges Werk und noch gegenwärtig geschätzt. Unbedeutender sind die unzähligen Geschichten, Schlachten, Cercmonien u. s. w., womit er eine Anzahl von Büchern illustrirte, so z. B. die Bibel, das ,,'LKealriim euro- paeum", Eottfried's „Chronik" u. s. w.; Stich und Composition ist dabei insgemein etwas fabrikmäßig und nur Dasjenige antiquarisch wichtig, was sich auf die Zeitgeschichte, nämlich auf den Dreißigjährigen Krieg, bezieht. — Sein Sohn, MatthäusM. der I ü n - , gere, geb. zu Basel >621, ein guter Portraitmaler, war ein Schüler von Zoach. von > Sandrard und Ant. van Dyk, hielt sich um 16-14 in Nom auf und bereiste nachher Eng- ^ land, die Niederlande und Frankreich. — Ein zweiter Sohn, Kaspar M., übte die Ätzkunst, jedoch nicht mit der Geschicklichkeit des Vaters. — Des jüngern Matth. M. Sohn, Zoh. Matth. M., war ebenfalls ein geschickter Bildnißmaler und starb zu Frankfurt 1716. — DeS ältern Matth. M. Tochter, Maria Sibylla M., verehelichte Graff, geb. zu Frankfurt am Main 1647, gest. zu Amsterdam >717, machte sich gleichfalls als Künstlerin berühmt. Sie lernte bei ihrem Stiefväter Jak. Morrels oder Marrel und bei Abr. Mignon und erlangte einen großen Nuf durch den guten Geschmack, die Geschicklichkeit und Genauigkeit, mit welcher sie Blumen, Schmetterlinge, Raupen, Mücken und Insekten aller Art in Wasserfarben, meist aufPergament, malte. Aus Liebe für dieses Fach ging sie von Holland aus, wohin sie sich aus Neligionseifer begeben hatte, nach Surinam, um die Verwandlungen der einheimischen Insekten zu beobachten. Sie verweilte daselbst zwei > Zahre und zeichnete eine Menge Gewürm«, Pflanzen und Früchte auf Pergament, die in § der That nichts zu wünschen übrig lassen. Unter der großen Zahl ihrer hinterlassenen Werke, zu denen sie die Kupfer selbst gestochen hat, bemerken wir „Der Raupen wunderbare Verwandlung und sonderbare Blunicnnahrung" (2 Bde., Nurnb. 1679—83) und i „hletsinnrybnsis irisectnrnm s»rii,-»iiel>8>iim" (lat. und holländ., Amst., Fol.), j Meridian oder Mittags kreis heißt der Kreis der Himmelskugel, welchen man durch die beiden Pole und durch das Zenith, also auch durch das Nadir eines Orts der > Erde zieht. Er durchschneidct demnach senkrecht den Äquator und den Horizont. Es ist für j ^mn Ort und gleichzeitig für alle diejenigen Orte der Erde, welche unter demselben Meri- l diane liegen, Mittag, wenn der Mittelpunkt der Sonne in denselben tritt. Alle Ort- 512 Meridianmessung Merilhou welche einerlei Meridian haben, haben auch einerlei Länge, und derjenige Meridian, den welchem man die übrigen zu zählen anfängt, heißt der erste Meridian. (S. Länge.) Jeder Meridian wird, wie überhaupt jeder Kreis, in 36« Grade getheilt, und diese dienen zur Bestimmung der geographischen Breite (s. d.). Der Meridian hat ferner die Eigen- ^ schaft, daß die Gestirne, sobald sie in ihn treten, nicht nur ihren halben Tagbogen zurück- gelegt, sondern zugleich ihre größte Höhe erreicht haben. Dieses zu benuhen, stellen die Astronomen Meridiankreise auf, künstliche Kreise, deren Flächen genau in die Fläche des Meridians ihrer Sternwarte fallen. Mit diesem Kreise ist ein Fernrohr verbunden, das sich in der Richtung des Kreises aus- und abbewegen läßt und zur genauen Beobachtung des Augenblicks dient, in welchem ein Gestirn den Meridian passirt, weshalb es Mit- i tagsrohr oder Passageinstrument genannt wird. Als Erfinder derselben kann der dän. Astronom Römer betrachtet werden. Meridianmessung. Die Größe der Erde genau zu kennen, ist nicht nur für die Astronomie und Geographie von großer Wichtigkeit, sondern überhaupt von hohem Interesse. Mt dem Maßstabe und der Meßkette läßt sie sich aber augenscheinlich nicht bestimmen, und nm muß daher zu andern Hülfsmitteln seine Zuflucht nehmen. Glücklicherweise erleichtert die beinahe genau kugelförmige Gestalt der Erde dieses schwierige Geschäft. Um nämlich die Größe einer Kugel zu finden, braucht man nur den Umfang eines größten Kreises derselben zu kennen und auch hierzu ist es nicht nöthig, den ganzen Umfang desselben unmittelbar zu messen, de man durch die Messung eines bestimmten Theils desselben, von welchem man auf das Ganze schließt, zum Ziele gelangt. Angenommen, man hätte gefunden, daß l v Grade von dem Umfange eines Kreises (gerade der 36. Theil desselben) 38 §. lang find, so geht daraus hervor, daß der ganze Umfang 36 Mal so viel oder l368F. beträgt. Um also dieGrößeder Erde zu bestimmen, muß man die Länge eines bestimmten Theils von einem größten Kreist der Erdkugel messen. Ganz vorzüglich hierzu sich eignende größteKreise sind die Meridiane, weshalb man eine solcheMessung eine Meridianmessung, auch eine Gradmessung oder Breitcngradmeffung nennt. Die Meridianmessung zerfällt in einen geodätischen und einen astronomischen Theil. Nachdem der Astronom die Richtung des Meridians, d. i. die Richtung, in welcher gemessen werden soll, genau angegeben, dann aber die Größe des zu mes- senden Bogens nach Graden, Minuten, Secunden, und die Endpunkte desselben ausder Erde auf das genaueste bestimmt hat, muß der Geodät, nachdem er auf der Erde eine hinreichend große Basis unmittelbar ausgemessen hat, die von dem Astronomen bezeichnet! . Richtung durch Verbindung von geeigneten Dreiecken (s. Triangulirung) so verfolgen, daß er aus denselben die Länge des bezeichnten Bogens zu berechnen im Stande ist. Eine ^ solche Messung dient übrigens nicht blos zur Bestimmung der Größe der Erde, sondern > auch zur Bestimmung ihrer Gestalt. Man hat nämlich die Erfahrung gemacht, daß die Erde keine vollkommene, sondern eine an ihren Polen abgeplattete Kugel ((.Abplattung) oder, was noch richtiger, ein elliptisches Sphäroid sei. Ist aber dieses der Fall, s» wird die Länge der Meridiangrade zunehmen müssen, je mehr man sich den Polen nähert, und genaue Messungen einiger Meridiangrade im hohen Norden und in der Gegend des Äquators werden auch das Verhältniß des Äquatorialhalbmessers zum Polarhalbmesser oder die Abplattung der Erde kennen lehren. (S. Gradmessungen.j) Merilhou (Joseph), Pair von Frankreich, ein Vorkämpfer der Julirevolution, wurde ! am 15. Oct. 1788 zu Montignac im alten Guyenne geboren und studirte die Rechte. Be- j reits 1812 trat er als Auditeur beim kaiserlichen Gerichtshöfe ein, welche Stelle er auch während der ersten Restauration behielt. Nach der Rückkehr Napoleon's von Elba wurde er Substitut des Generalprocurators, weshalb er mit der zweiten Restauration den Staats dienst verlassen mußte. Er widmete sich nun der Sachwalterschaft und wurde bald durch sein Auftreten in politischen Processen, die sich zu förmlichen Parteikämpfen gestalteten, eine Hauptstütze der Volkspartei und des Liberalismus. Unter Anderm wählte ihn der General Verton (s. d.) zum Vertheidiger. Der Minister Peyronnet versagte ihm aber die Erlaubniß, sich nach Poitiers zu begeben, wo die Assisen gehalten wurden; auch durfte er den Angeklagten, wie cS herkömmlich ist, nicht als Freund vertheidigen. Ebenso wenig vermochte er die Cassation des Verfahrens, bei welchem er Fälschung nachwies, durchjm Merime'e Merino 513 sehen. Zm I. > 828 kam er als Abgeordneter in die Volkskammer. Wiewol er neben den > vielen ausgezeichneten Rednern der Opposition nicht ganz den Erwartungen seiner Freunde I entsprach, galt er doch immer als einer der bedeutender» Wortführer; besonders betheiligte er sich am Kampfe gegen das Ministerium Polignac und unterschrieb die Adresse der 221. Außer der Kammer hatte er längst schon in den öffentlichen und geheimen Gesellschaften gewirkt. Er gehörte zu den vornehmsten Begründern des Vereins der Freunde der freien Presse, sowie der sogenannten Nationalsubscription. Diese letztere politische Verbindung hatte den ausgesprochenen Zweck, milde Beiträge zur Unterstützung Derer zu sammeln, die durch die Eingriffe des Hofes in die persönliche Freiheit in unverdiente Noth gerathen wa- > ren; insgeheim verfolgte jedoch dieser Bund auch weitere Zwecke. Nach der Julirevolution nahm M. an der Begründung der neuen Ordnung wesentlichen Antheil. Als Laffitte am 2. Nov. 1830 an die Spitze der Verwaltung trat, erhielt er das Portefeuille des öffentlichen Unterrichts und nach Dupont's de l'Eure Ausscheiden das ihm angemessenere Justizministerium. Ein persönlicher Streit mit seinem frühern'Freunde, dem Procurator Comte, und dem Generalprocurator Persil, in welchem sich das Cabinet für Letzter« erklärte, bestimmten ihn indeß sehr bald, wieder seine Entlassung zu nehmen. Er trat zwar in die Reihen der Opposition zurück, zeigte aber fortan gegen die Negierung und den Hof so entschiedene Mäßigung, daß man ihn zurBelohnung zum Rath am Cassationshofe und 1837 zum Pair ernannte. Als solcher war er Berichterstatter im Processe gegen die Theilneh- mer an den Maiunruhen. Unter Anderm schrieb er die Biographie Mirabeau's, die dessen Werken (Par. >825) vorangestellt ist. Merim^e (Prosper), franz. Dichter, geb. 1800 in Paris, wo er auch seine Erziehung und Bildung erhielt, ließ sich nach beendigtem Studium der Rechte als Advocat aufnchmen, ohne jedoch zu plaidiren, indem er es vorzog, sich der politischenJournalistik, der Poesie und dem Studium der bildenden Kunst zuzuwenden. Nach der Julirevolution, als Graf d'Ar- j gout wieder in das Ministerium trat, wurde er zunächst dessen Cabinetssecretair, dann Se- l cretair im Handelsministerium und etwas später Bureauchef im Ministerium des Seewe- ^ sens. Als Vitet die von Guizot geschaffene Generalinspection der historischen Denkmäler I im I. 1835 abgab, übernahm M. diese Stelle, gab sie aber 1837 an Vatout ab und über- > nahm nun wieder die Stelle eines Bureauchefs in einem der Ministerien. Im I. 1844 wurde er an Nodier's Stelle Mitglied der franz. Akademie. Das erste Werk, mit dem er selbständig auftrat, war sein pseudonymes „l'beütre Os (liuru Ourul, comeOienne espu- gnole" (Par. 1825; neue Aufl., 1840), welches als blose Übersetzung geboten wurde, um die klassische Kritik zu verwirren. Auch „Ou 6>urlu, ou clioix Oe poesies il!zri Rang streitig zu machen. I Conv..Lex. Neunte Aufl. IX. 33 514 Merino (Don Geronimo) Merinos Merino (Don Geronimo), bekannt unter dem Namen des Pfarrers Merino, ein berüchtigter span. Parteigänger, geb. um >770 in Villaobiado, einem Dorfe Alkcasii- licns, von armen Altern, bereitete sich in dem Collegium zu Lerma für den geistlichen Stand vor, wurde aber nach vier Jahren von den Altern zurückberufcn, um ihnen beider Bewirthschaftung ihres Gütchens behülflich zu sein. Dessenungeachtet erhielt er nachher ' die Pfarrstelle in seinem Geburtsorte. Beim Ausbruche des Kampfes gegen die Franzosen erschien er schon im Mai > 808, einer der ersten der unter dem Namen Guerrilleros so berühmt gewordenen Parteigänger, an der Spitze eines bewaffneten und berittenen Hansens, mit dem er den Franzosen großen Abbruch that. Durch die Grausamkeiten, die er an den Gefangenen beging, wurde sein bloscr Name sehr bald ein Schreckbild, vor welchem > ganze Haufen der Feinde die Flucht ergriffen. Die Wälder von Burgos und Soria gaben . ihm eine sichere Zufluchtsstätte. Nie suchte er sich zu bereichern; der gemachte Raub wurde stets das Eigenthum seiner Mannschaft. Unterstützt durch eine eisenfeste Gesundheit, setzte er sich den größten Beschwerden und Entbehrungen aus. Er besaß persönliche Tapferkeit und außerordentliches Glück, sodaß es dem Feinde niemals möglich war, seiner habhaftzu werden. Allmälig entwickelte sich während des Unabhängigkeitskriegs die Grausamkeit seines Charakters auf eine furchtbare Weise. Im Mai 181 l nahmen die Franzosen »iw Mitglieder der Provinzialjunta von Burgos gefangen und ließen dieselben erschießen. Um sie zu rächen, ließ M. I l 0 franz. Gefangene, 20 für Einen, und die übrigen in Kauf, nil- dermachen. Nach Beendigung des Kriegs zog er sich in seine Heimat zurück, gefürchtet und gemieden selbst von seiner eigenen Familie. Nach der Wiederherstellung der Constitution im J. 1820 erklärte er sich sogleich als Feind derselben und kehrte zu dem alten Handwerke der Guerrillero zurück. Vertheidigung des absoluten Königs und des Altars, Ausrottung der Liberalen wurden sein Wahlspruch und der Deckmantel, unter welchem erdu , unerhörtesten Grausamkeiten beging. Nach der Wiederherstellung der unumschränktt» l Gewalt belohnte der König die Dienste M.'s, indem er ihn zum Brigadier ernanntem j ihm nachher eine Pension von 30000 Realen anwies. Abermals zog M. sich in seine Heimat zurück, und lange Zeit vernahm man nichts von ihm, bis er am 20. Jan. >M iii z voller Uniform in Madrid erschien, um der Königin Maria Christina auf das feierlichstem versichern, daß er stets die von Ferdinand VIl. bestimmte Thronfolge, als die allein rechtmäßige, aus allen Kräften vertheidigcn werde. Gleichzeitig aber arbeitete er bereits im Stillen an einem Aufstande zu Gunsten des Don Carlos. In Burgos, wo er sich gewöhnlich aufhiclt, hatte sich insgeheim unter dem Vorsitze des Don Gregorio Alvarcz Perez eine Junta gebildet, welche sich zum Zwecke stellte, nach dem Tode Ferdinand's VIl. Don Carlos als König auszurufen. Mit den einzelnen Mitgliedern der Junta nicht im besten Vernehmen, verzögerte ör nach Ferdinand's VII. Tode den Aufstand, bis er für seine eigene Person zu fürchten begann. Am 13. Oct. l 833 entwich er heimlich von Burgos und fest das ganze Bataillon der königlichen Freiwilligen folgte ihm. Er ging zunächst nach San Pedro de Cardena, dann nach Sepulvcda, versetzte die ganze Gegend zwischen Burgos und Aranda in Aufruhr und stand im Nov. bereits an der Spitze von 20000 meist bewaffneten königlichen Freiwilligen. Als hierauf in Folge des Einrückens des Generals Om- sada mit einem Armeecorps in Altcastilicn die Freiwilligen die Waffen nicdcrlcgeii mutzten, flüchtete sich M. in die Wälder von Soria. Sehr bald aber fing er den kleinen Krieg wieder an, den er nun mit mehr oder weniger Erfolg fortführte, bis er 1838 eine so entscheidende Niederlage erlitt, daß er eine Zuflucht in den Nordprovinzen suchen mußte und i nicht wieder auf dem Kriegsschauplätze zum Vorscheine kam. Mit dem Prätendenten fluchtete er nach Frankreich, wo er im Innern des Landes einen Aufenthaltsort angewiesen erhielt Merinos ist der span. Name einer aus der Berbern stammenden, seit dem > 1-Juhr- in Spanien eingeführten und daselbst heimisch gewordenen Schafrace, die sich "°"ndern Schafen durch gedrungenen, kleinern Körperbau und vorzüglich durch Feinheit und V-cch heit der Wolle auszcichnet,(S.Schafzucht.) Die Merinos weiden auf den Gcbngc« fast ganz Spaniens, waren ursprünglich ein ausschlicßcndcs Eigenthum der Krone, gingt" aber später durch Verkauf in Privathände über. Schon in der ersten Hälfte des t8.Jubih. Merinthus Merlin (der Zauberer) ne, isti< che» der !her ««- §'ss au- :ai> den irde !tz!i keit i;U keil »in Um Aliud ian ud- uS- die Heu aud lei- iia :;u -hi' im hu. M iar- !cr< De fast hau g«r aff- aie- ,iß> rieg lnt< und ich- ielt. ,-h. >eru !ich- al« gen nh. wurden sie nach Frankreich und nach Schweden, später nach Sachsen, Preußen und Ostreich und in neuerer Zeit von Sachsen aus nach Rußland verpflanzt. Merinthus und Merinthianer, s. Cerinth us. Merkel (Earlieb), eine Zeit lang durch seine Verbindung mit Kotzebue und als Gegner der Schlegel'schen Schule bekannter Literat, geb. 17 76 in Liefland, widmete sich philosophischen und geschichtlichen Studien und war eine Zeit lang Privatdocent in Frank- furt an der Oder. Jm J. 1803 übernahm er, nachdem er sich schon durch verschiedene Schrift»« bekannt gemacht, gemeinsam mit Kotzebue die Nedaction des „Freimükhigen" in Berlin. Wegen mancher politischer Äußerungen hielt er es aber l 806 bei Annäherung der Franzosen fürgerathen, in seineHeimat zurückzugehen. Erst 1816 kehrteer nach Berlin zurück, wo er es vergebens versuchte, den „Freimüthigen" in der alten Weise neu zu beleben, weshalb er sich bald wieder auf sein Landgut bei Riga zurückzog, wo crseitdem derLandwirth- schaft obliegt. Unter seinen selbständigen Schriften haben die auf die Geschichte seines Vaterlandes sich beziehenden, z. B. „Die Vorzeit Lieflands" (2 Bde., Berl. 1708), wirklichen Werth; doch sind sie jetzt ebenso vergessen als seine tiefer stehenden erzählenden Schriften. Am bekanntesten machte er sich seiner Zeit durch die heftigen Angriffe, die er zu Anfang dieses Jahrhunderts gegen die Häupter der romantischen Schule richtete, und die ihm reichlich vergolten wurden. M. zeigte in diesen Kämpfen große Eitelkeit und Anmaßung bei sehr mangelhafter Sachkenntnis, weshalb sein Auftreten auch nur ein rasch vorübergehendes Aufsehen machte. In der später« Zeit schrieb er „Über Deutschland, wie ich es nach zehnjähriger Entfernung wiederfand" (2 Bde., Riga 1818). Ein neuerer Versuch, durch „Darstellungen und Charakteristiken aus meinem Leben" (2 Bde., Riga 1830) sein Andenken zu erneuern, ist nicht gelungen. Merlin, der Zauberer, ist eine der bedeutendsten Gestalten in den Sagen von Artus (s. d ), die, wie es scheint, durch die Verschmelzung zweier Personen entstand. Die eine ist der Barde Merddhin, der unter Artus gegen die Sachsen stritt und nach dem Verlust der Schlacht beim Walde Celidon in wahnsinnigem Schmerze in diesen floh. Ihm wird ein Gedicht „Stollens»", das jene Kämpfe schildert, zugeschrieben, welches in „Hie Uz'v^rian srcdaiolog^ oktaler" (Bd. 1,Lond. 1801) mit den Liedern anderer Barden gedruckt ist, deren Echtheit Turner in den „Vintlications of tbe gemrineoosr ob tbe siieient britisb poeins vkAneurin, Daliesin, I.>)wsrcb-blen anä blerilübin" (Land. 1803) ver- theidigt hat. Die andere Person ist der wunderbare Knabe Ambrosius, von dem Ncn- nius in seiner wvl dem O.Jahrh.angehörigen „üistona Kriterium" erzählt, daß er vor dem König Vortigern gebracht wurde, als das Kind ohne Vater, welches seine Zauberer ihn suchen heißen, damit auf dem mit seinem Blute besprengten Boden der vergeblich versuchte Bau einer Burg gelänge. Er entdeckte ihm, was die Zauberer nicht vermochten, die Geheimnisse, die an jener Stelle der Boden barg, und als deren letztes bei der Nachgrabung sich ein rother und ein weißer Drache zeigten, von denen jener, nachdem er fast unterlegen, den andern doch zuletzt im Kampfe vertrieb, was der Knabe auf den nach langer Unterdrückung doch endlich erfolgenden Sieg der Briten über die Sachsen deutete. Während aber bei Nennius der Knabe als seinen Vater, den selbst seine Mutter nicht kannte, einen röm. Konsul angibt, ist bei Gottfried von Monmouth (1130—50) in seiner brit. Chronik und in seiner poetischen „Vita Neriini", Merlin, wie hier der streitbare Barde des Artus heißt, auf den nun die geheimnißvolle Geburt, die Weissagungsgabe des Ambrosius und deren erste Kundgebung beim Burgbau übertragen worden, aus der Vermischung eines Dämon mit einem irdischen Weibe entstanden, und der Merlin der franz., dem bretonisch-nor- mand. Sagenkreis angchörigen Romane aus dem Ende des 12. und Anfang des 13.Jahrh. wird von einem Teufel mit einer Jungfrau erzeugt, um durch seine Hülfe Das wieder zu gewinnen, was der Erlöser der Hölle entrissen- Das Abenteuer des Ambrosius beim Burg- bau ist auch in diesen Romanen auf M. übertragen, außerdem die wälsche Sage von der Versetzung eines großen Felsenbaues von Irland nach Salesbury. Er verhilft, lpie auch Gottfried erzählt, dem Uterpendragon zum heimlichen Umgang mit der schönen Jguerne, aus dem Artus entsproß; dann aber find die Sagen von Gr aal (s. d.), von Joseph von 33 * 516 Merlin de Thionville Arimathia und der Tafelrunde (s. d.) hereingezogen, und obwol M. den Artus be- gleitet und ihm durch seine Zauberei meist zum Siege verhilft, so scheint doch hier die Festakt des alten Barden verwischt. Endlich wird M. von der schönen Vivianc, für die er in Liebe entbrennt und die ihm seine Kunst ablernt, im bretagnischen Walde von Brcceliande in einen unsichtbaren Kerker verschlossen. Die nationale Erinnerung an M. erhielt sich durch geheimnißvolle Dichtungen, die schon Gottfried als „krnpketiae Vs^rlii,," seiner Chronik einfügte, und in denen man noch lange nachher Voraussagungen über die Geschichte Englands finden wollte. Vgl. „N.'s lite, bis prnplieties sn<> preiiictiolis"(Lond. I8l3); Friede, von Schlegel, „Geschichte des Zauberers M." (Lpz. >804) und San-Marte, „Die Arthur- sage" (Quedlinb. und Lpz. 1842). Merlin de Thionville (Ant. Christophe), ein merkwürdiger Charakter der stanz Revolution, wurde >762 zu Thionville geboren, wo er beim Ausbruche der Revolution das Amt eines Huissier versah. Er wendete sich mit Enthusiasmus der politischen Bewegung zu, trat 17 9 l als Abgeordneter des Moseldepartements in die Nationalversammlung und gesellte sich sogleich den leidenschaftlichsten Gegnern des Hofes bei. Als eines der Häuxttr im Club der Jakobiner ging er eines Abends zu den FeuillantS, wurde aber von denselben wegen Schimpfreden hinausgeworfen. Am folgenden Tage dennncirte er die Feuillams in der Nationalversammlung, was die Schließung des Clubs zur Folge hatte. Im Verein mit Chabot (s. d.) und Bazire verfolgte er mit besonderer Heftigkeit die Priester, welche den konstitutionellen Eid verweigerten, und schlug deren Deportation in Wassenach Amerika vor. Bei den Unruhen vom 29. Juni 1792 erhielt er als Deputirtcr den Auftrag, die Volksmasse aus den Tuilerien zu entfernen. Der Anblick der mishandclteu Königsfamilie rührte ihn so, daß er Thronen vergoß. „Sie weinen", wendete sich die Königinan ihn, „bei solcher Behandlung eines Fürsten, der sein Volk nur glücklich machen wollte". „Es ist wahr, Madame", erwiderte M., „ich weine beim Anblick einer schönen unglückliche» Frau und Mutter; aber ich hasse die Könige und Königinnen". Während des Aufstandes am 19. Aug. erschien er vollständig bewaffnet im Schlosse zum Schutze des Königs. Sein Anblick hauptsächlich soll den Procureur Roederer veranlaßt haben, Ludwig XVI. zur Flucht in die Nationalversammlung zu drängen. Von der Hauptstadt in den Convent gewählt, nahm er seinen Sitz unter den eifrigsten Mitgliedern des Berges. Auch ließ er sich in die Legion der Tyrannenmörder aufnehmcn und erklärte auf öffentlicher Straße, daß er Den, welcher die Diktatur oder die Herstellung des Thrones zu fodern wagen würde, erdolchen müsse. Im Processe des Königs nannte er denselben infam und wollte ihm dm Vertheidiger entziehen; da er sich bei der Abstimmung auf einer Sendung in Main; befand, so stimmte er schriftlich für den Tod des Königs, doch wurde seine Stimme nicht mitgezählt. Bei derBelagerung von Mainz durch die Preußen entwickelte er mit seinem College» New- bell eine wüthende Tapferkeit. Als die Offiziere der Besatzung nach der Capitulation ange- klagt wurden, übernahm er deren Vcrtheidigung und setzte ein Decret durch, in welchem die Hingebung jener Besatzung Anerkennung erhielt. Der Reichthum, den er seit seiner Rückkehr von Mainz blicken ließ, zog ihm die Anklage zu, daß er dort die kurfürstlichen Schätze geplündert habe. Doch wurde er mit Hülfe seiner Freunde freigesprochen und ging hierauf als Volksrepräsentant in die Vcndee, wo die vom Convent verfolgten Generale Canclaur und Westermann an ihm einen warmen Vertheidiger fanden. Noch vor dem Sturze Robespierre's neigte er sich gemäßigtem Ansichten und Gesinnungen zu, und am 9. Thermidor unterstützte er die Angriffe gegen dessen Partei. Am Abend dieses Tages bemächtigte sichHenriotss.d.) seiner; allein er rief mehre Bürger zu Hülfe und verhaftete den Rebellen. Als einer der zehn Convenkscommissarien stellte er sich an die Spitze der bewaffneten Macht und trug durch seine Entschlossenheit sehr viel zur Vervollständigung des Sieges bei. Die Anerkennung, welche er im Convente für sein Betragen erntete, machte ihn bald zu einem entschiedenen Thermidoristen und Beförderer der politischen Reackion. Wie er früher die Royalisten verfolgt, so verfolgte er jetzt die Jakobiner, deren Club er eine Höhle von Räubern nannte. Zu Ende des I. 1791 erhielt er eine Sendung zur Rhein- armer, wo er sich äußerst mild gegen die gefangenen Emigranten benahm und Hunderten das Leben rettete. Bei Einführung der Constitution vom I. IU trat er in den Rath der Merlin de Donar Merode 5L7 Fünfhundert. Auch hier setzte er seine Mäßigung fort und arbeitete der republikanischen Reaclion vom 18. Fructidor entgegen. Nachdem er 1798 sein Amt als Abgeordneter medergelegt, ging er als Commissar der Regierung zur Armee nach Italien; nach seiner Rückkehr aber wurde er zu Paris bei der Postvcrwaltung angestellt. Weil er gegen das Konsulat auf Lebenszeit stimmte, verlor er auch diese Stelle und zog sich nun auf ein kleines Landgut zurück, das er in der Picardie gekauft hatte. Als die Verbündeten zum zweiten Mal Frankreich überzogen, wirkte er sich ein Patent als Oberst aus und errichtete ein Freicorps, das jedoch nicht zum Kampfe gelangte. Seitdem lebte er in der größten Abgeschiedenheit von dem öffentlichen Leben. Er starb zu Paris am >4. Sept. > 833. Merlin de Douai (Phil. Ant., Graf), Direktor der franz. Republik und Rechtsgelehrter, wurde von wohlhabenden Landleuten am 39. Oct. l 753 zu Arleux in der Nähe von Douai geboren und erhielt seine-Eildung im College zu Douai. Nach vollendeten Studien ließ er sich am Parlament von Flandern (Douai) nieder und erwarb sich bald eine große Praxis. Zn dieser Zeit gründete er seinen wissenschaftlichen Ruf als Mitarbeiter an dem „Repertoire »inverse! cls jiirispruckenee" (63 Bde., 1775 — 1786), sowie in den berühmten Processen Beaumarchais' und des Präsidenten Dupaty. Während der Revolution wurde er als Dcpurirter in die Nationalversammlung gesendet. Wiewol seine Thätigkeit durch den Umstand gelähmt war, daß er durchaus nicht aus dem Stegreife sprechen konnte, erlangte er bald entscheidenden Einfluß in den legislativen Arbeiten. Unter Anderm erstattete er am 3. Febr. 1799 den berühmten Bericht, in welchem er nachwies, daß die Reform mit der einfachen Aufhebung des Feudalwesens noch nicht vollendet sei. Das Direktorium stellte ihm d'> Aufgabe, aus den unzusammenhängenden Gesetzen und Dekreten den neuen Strafcodex vom 3.Brumairc des I. IV zu reöigiren, durch welche Arbeit er sich das größte Verdienst erwarb. Er wurde hierauf Jusiizminister und ersetzte nach der Revolution vom 18. Fructidor Barthelemy im Directorium. Diese Stellung war jedoch weder seinem Charakter noch seinen Erfahrungen angemessen; er unterstützte die streng republikanische Partei und mußte zufolge der Krisis vom 39. Prairial (18. Juni 1799) austreten. Nach der Revolution vom !8.Brumaire gab man ihm das Amt des Generalprocureur beim Cassa- lionshofe- In dieser Eigenschaft erwarb er sich bei der Lückenhaftigkeit jder Gesetzgebung außerordentliche Verdienste, indem ihm die umfassendste Gesctzkenntniß aller Länder und Zeiten und eine scharfe Logik zu Gebote standen. Napoleon, der ihn nicht liebte,-ernannte ihn zwar zum Staatsrathe, hütete sich aber, den alten Republikaner bei der Abfassung seiner Gesetzbücher zu verwenden. Mit der Restauration verlor M. seine Ämter und mußte, weil er dieselben während der Hundert Tage wieder angctreten, 1815 nach Belgien entfliehen. Auch hier von der franz. Regierung verfolgt, schiffte er sich mit seinem Sohne nach Amerika ein, erlitt jedoch noch an der europ. Küste Schiffbruch und rettete sich ans Land. Hierauf erlaubte man ihm, zu Haarlem zu wohnen, wo er sich ganz juristischen Arbeiten widmete. Erst 1832 kehrte er in sein Vaterland zurück. Er starb zu Paris am 26. Dec. 1838. Von seinen gelehrten Werken erwähnen wir noch den „Recuell ckes qiiestions cke «lroit, cp» se präsentem 1e plus trecpismment cisns les tribunaux" (8 Bde., Par. 1893 — 19 und öst.). — Sein Sohn, Ant. Frans. Eugene, GrafM., geb. zu Douai am 27. Dec. 1778, zeichnete sich in den Feldzügen des Kaiserreichs aus und war beim Eintritt der Restaura, tion Brigadcgeneral. Er verließ mit seinem Vater Frankreich, kehrte aber 1818 zurück und lebte bis zur Julircvolution in der Zurückgezogenheit. Im Z. 1832 wurde er zum Ge» nerallieutcnant erhoben, 1835 in die Deputirtenkammer gewählt und am 7. Nov. 1839 mit der Pairswürde bekleidet. Merode (Grafen von), eine der ältesten, angesehensten, populairsten und reichsten belg. Adelsfamilien, die bei den vielen Streitigkeiten zwischen Volk und Regierung in Belgien fast immer auf der Seite des erstem stand und insbesondere in der Revolution von 1839 aus der Seite der hierarchisch-revolutionairen Partei eine große Rolle spielte. Das Haupt derselben ist Hein r. MariaGhislain,Reichsgrafvon M., Marquis von Westerloo, Fürst von Nubempre, Grande von Spanien erster Classe und Senator des Königreichs Belgien, geb. am 15. Aug. 1782. Zn der Revolution von 1839 machten sich besonders die Grafen Friedrich und Felix von M. berühmt. — Ludw. Fried r. Ghis» 518 Meroe Merope lain, GrafvonM., war am 0. Juni 1702 geboren und hielt sich 1830 in Paris auf. Sofort nach dem Ausbruche der Unruhen in Brüssel eilte er nach dieser Stadt, um in dm Reihen des aufgcstandcnen Volks gegen die Holländer zu kämpfen, und trat hier unter da« Corps der Chasteler'schen freiwilligen Jäger, in welchem er an allen Gefechten gegen die weichenden Holländer Theil nahm, bis er am 25. Oct. 1830 im Gefecht auf dem Kirchhofe von Berchem vor Antwerpen so schwer verwundet wurde, daß er am 4. Nov. zu Mecheln starb. Hierdurch einer der gefeiertsten Helden Belgiens, wurde ihm in der Kathedrale zu Brüssel ein großartiges Monument, vonGeess, errichtet. — Phil. Felix Balth. Otto GhiSlain, Graf vonM-, istam 13. Apr. 1701 geboren. Auch er nahm am brüffeler Septemberaufstande sogleich den thätigsten Antheil und machte dabei vorzüglich seinen Einfluß auf die Geistlichkeit und die mittler» und untern Volksclassen geltend. Gleich von vorn herein, als Mitglied der provisorischen Regierung, stellte er sich, den katholisch-hierarchischen Interessen ergeben, der republikanischen Partei entgegen und betrieb besonders die Gründung einer constitutioncllen Monarchie. Nach Ernennung Surlet de Chokier's zum Re- genten Belgiens blieb er Mitglied des Congresses, und wirkte in dieser Stellung für die Annahme des Systems friedlicher Unterhandlungen, sowie später für die Wahl des König- Leopold, als dessen treuen Anhänger er sich seitdem fortwährend gezeigt hat. An der Regierung des Landes nahm er nur kurze Zeit activen Theil, nämlich vom 15. Märzbi« 20. Mai 1832 als interimistischer Kriegsminister, nachdem er schon am 12. No». IM zum Staatsminister ohne Portefeuille ernannt worden war. Seit dieser Zeit beschäftigten ihn die öffentlichen Angelegenheiten nur als Mitglied der Deputirtenkammer, der er seit ihrem ersten Zusammentritt im 1.1831 angehört, und in der er sich stets als entschiedenen Anhänger der katholischen Partei bewiesen hat. Doch zeichnete er sich fortwährend durch eine gemäßigte Haltung aus, die ihn nur l 838 bei denVerhandlungen über den definitiv« Friedensvertrag mit den Mächten der londoner Conferenz und mit Holland verließ, indem er entschieden für die Nichtannahme der vorgcschlagenen Bedingungen war, und deshalb die thörichtsten kriegerischen Maßregeln in Vorschlag brachte. Da jedoch eine Sendung, mit der man ihn zu Anfang des 1.1830 an den König Ludwig Philipp nach Paris beauftragte , ihn von der Unausführbarkeit seiner Vorschläge überzeugte, gab er seine Stellung als Staatsminister ohne Portefeuille auf, um sich seitdem immer mehr von der politisch« Bühne zurückzuziehen. Meröe, ein Priesterstaat im nordöstlichen Afrika, der den fruchtbaren Theil der vom Nil und Astaboras (jetzt Tacazze und Atbara) gebildeten und von äthiop. Negern bewohnten Halbinsel, der gegenwärtigen Landschaft Schendy in Nubien, umfaßte, stand schon im frühesten Alterthume in Beziehung auf Verfassung, Regierung, Gesetze und Religion auf einer hohen Stufe der Ausbildung. Die Negierung war in den Händen einer wahrscho»' lich als Eroberer aus Indien eingedrungenen Priesterkaste, die aus ihrer Mitte den König wählte, der durchaus nach der bestimmten Vorschrift der Gesetze leben und handeln, und, wenn cs die Priester befahlen, sich sogar den Tod geben mußte. M. war berühmt durch sein Orakel des Ammon (s. d.) und Priestercolonien gingen von hier aus nach AgtzM' wie denn z. B. Theben eine solche Colonie war. Nach und nach wurden die Könige vonM> so mächtig, daß sie sogar eine Zeit lang Ägypten beherrschten. Erst dem Könige Ergame- ncs, um 300 v. Chr., gelang es, sich von der drückenden Priesterherrschaft durch Ermordung der damaligen Priester am goldenen Tempel,freizumachen. M. war frühzeitig der Haupt- sitz des großen Karavanenhandels zwischen Äthiopien, Ägypten, Arabien, dem nördlich« Afrika und Indien und blieb es nebst Ä xu m (s. d.) in Abyssinien bis auf die Zeiten der Araber. Die Hauptstadt des Landes, das alte Meroe, lag etwas unterhalb des jetzige» Schendy, in dessen ganzer weiter Umgebung sich noch Trümmer alter Bauwerke befind«- Die Hauptgruppcn liegen bei den jetzigen Orten Assur, Naga und Mesaurat und bestehe» hauptsächlich aus Tempeln und Pyramiden. Meröpe, die Tochter des Kypselos und Gemahlin des KreSphontes, Königs»« Messenien, wurde durch Polyphontcs,.der sich der Herrschaft bemächtigte, 'h^rKmd beraubt. Nur ihren jüngsten Sohn Äpytos hatte sie bei einem Gastfreunde in At° >en verborgen; seiner habhaft zu werden war schließlich ein Hauptbestreben des PolyphM^ Merops Merseburg 519 Er setzte Preise für den Tod desselben aus, welche Äpytos, als er glücklich das Jünglings- alter erreicht hatte, selbst;» erwerben beschloß, indem er sich zugleich mit der Absicht, die Seinen zu rächen, bei Polyphontes als den Mörder des Äpytos darstellte. Als die Mutter, welche, besorgt wegen dieses Wagnisses, Boten entsendet hatte, um über den Ausgang schnelle Mittheilungen,zu erhalten, die Nachricht erhielt, daß ihr Sohn verschwunden sei, entschloß sie sich, in der Überzeugung, daß er von Polyphontes ermordet sei, diesen im Schlafe zu ermorden. Schon war sie im Begriffe, ihren Entschluß auszuführen, als sie ihren Sohn wiederfand, mit dem sie sich nun zu des Polyphontes Untergang verband. Zum Schein bot sie dem Polyphontes Versöhnung an und versprach ihm, seine Liebe zu erwiedcrn. Sogleich ordnete Polyphontes Dankopfer an, doch am Altäre ermordete ihn Äpytos, der sich hierdurch die väterliche Herrschaft wiedercrwarb. EuripideS hatte diese Mythe zu einem Trauerspiele „Kresphontes" benutzt; unter den Neuern haben sie Voltaire, Maffei u. A. bearbeitet. Merops, König der Insel Kos, war der Vater des EumeloS und Gemahl der Nymphe Ethemea, welche von der Artemis getödtet und von der Persephone in die Unterwelt geführt wurde. M. wollte sich aus Sehnsucht nach seiner Gattin ebenfalls tödten, wurde aber von der Here in einen Adler verwandelt und unter die Gestirne verseht. — Merops, König von Nhyndakos, ausPerkote, der Vater derKleite, Arisbe, desAdrastoS und Amphios, war ein berühmter Seher, der deswegen auch seinen Söhnen nicht gestattete, in den Krieg zu ziehen. Sie achteten aber darauf nicht und fanden den Tod. Merovinger, s. Frankreich. Mersch (van der), Anführer der brabantischen Patrioten im Z. >789, geb. zu Meenen oder Menin in Westflandern, stand zuerst in franz., dann in ösir. Diensten, die er als Oberstlieutenant verließ, um sich in seineVaterstadt zurückzuziehen. Hier lebte er ruhig, bis die mit Kaffer Joseph's Verwaltung misvergnügtcn Belgier 1789 sich in Breda versammelten. M. schloß sich sogleich den sogenannten Patrioten an und übernahm das Com- mando eines zusammengerafften Haufens, mit dem er schnell nach Brabant vorrückte und die Ostreicher bei Hoogstraaten unweit Antwerpen besiegte. Non noch größerer Wichtigkeit war das Treffen in und um Turnhout, wo den Patrioten die Artillerie und Bagage der Ostreicher unter General Schröder in die Hände fielen. Nachdem M. auch Gent und Brüssel genommen, wurde er zum General en cliek der sämmtlichen belg. Truppen ernannt. Doch als van der Noot und van Eupen Einfluß erlangten und man anfing, die öffentlichen Gelder zu vergeuden, hatten die Vorstellungen, welche M. bei der Regierung dagegen machte, sehr bald die Folge, daß man ihn verdächtigte. Um ihn im Commando wenigstens zu beschränken, stellte man zunächst den General Schönfeld an die Spitze eines zweiten Corps und als man es wagen zu können sich getraute, wurde M. verhaftet, vor Gericht gestellt und in die Citadelle von Antwerpen gebracht, wo man ihn festhielt, bis die Östrei- cher das Land wieder besetzten. Er starb am > 4. Sept. >792 auf seinem Gute bei Meenen. Merseburg, die Hauptstadt im gleichnamigen Regierungsbezirke (>88^ HiM. mit 715999 E.) der preuß. Provinz Sachsen, mit Magdeburg abwechselnd der Versammlungsort der Provinzialstände des preuß. Herzogthums Sachsen, Sitz der Regierung und eines evangelischen Domcapitels, liegt an der Saale, über welche hier eine steinerne Brücke führt, und zählt mit den drei Vorstädten Altenburg, Neumark und Venenien (eigentlich Klein- Venedig) 19499 E. Sie hat ein alterthümliches Ansehen und ist schlecht und unregel- mäßig gebaut. Ein herrliches Denkmal mittelalterlicher Baukunst ist die Domkirche mit vier schönen Thürmen und einer der größten Orgeln Deutschlands. In derselben befindet sich neben andern Merkwürdigkeiten das metallne Grabmal Rudolfs von Schwaben; auch bewahrte man sonst daselbst gedörrt dessen rechte Hand, die ihm >989 in dem Treffen gegen Heinrich IV. abgehauen wurde. Vgl. Puttrich, „Die Kirche zu M." (Lpz. > 836, Fol.). Ein zweites interessantes Gebäude ist das ehemalige Nesidenzschloß, welches mit der Domkirche einen ansehnlichen viereckigen Hofrauni umschließt. Dasselbe dient gegenwärtig zum Regierungsgebäude und enthält in seinem Garten ein Denkmal des Feldmarschalls Grafen Kleist von Nollendorf und ein altes heidnisches Grabdenkmal, das 1759 bei Göhlitz aus- gegraben wurde. Nächstdem sind von öffentliche» Gebäuden zu erwähnen das Sttftre« 520 Merseburg gierungsgebäude, das Capitclhaus und die Kirche in der Altenburg. Die Stadt hat emr Domschule, ein Hebammeninstitut, mehre wohlthätige Anstalten, eine königliche Stuterei, eine große Obstbaumschule und Fabriken in Pappwaaren und bunten Papieren; ferner Färbereien, Essigsiedereien und Weberei. Weit und breit wurde sonst das Merseburger Bier versendet. M. ist eine der ältesten und berühmtesten Städte Deutschlands, doch sind von ihrem frühern Glanze nur noch geringe Spuren vorhanden. Sie war seit dem 9.Zahrh. der Hauptort der gleichnamigen Grafschaft und dann die Lieblingsresidenz König Hein- rich's I. und seines Sohnes Otto's I. Jener umgab sie 922 mit steinerner Mauer und erbaute 939 eine massive Kirche, dieser erhob sie zur kaiserlichen Pfalz und begründete daselbst >- ein Bisthum. Zahlreiche Neichsversammlungen wurden unter Letzterm und seinen Nach- ' folgern in M. gehalten. Wie sie durch größere Brände in den 1.1323, 1387, 1-1-14,1479 und 1662 heimgesucht wurde, so hatte sie auch im Bauernkriege 1525, namentlich aber im Dreißigjährigen Krieg viel zu leiden, wo sie von den Kaiserlichen, wie von Schweden ge- brandschatzt und geplündert wurde. Seit 1656—1738 war sie wieder Residenz der Herzog- lichen Linie von Sachsen-Merseburg. Am 29. Apr. 1813 wurde sie nach hartem Kampfe von den Franzosen, am 18 . Sept. aber von Thielemann wieder genommen. Die Grafschaft M., welche schon im 9. Jahrh. vorkommt, umfaßte außer der Stadt M. namentlich auch die Städte Memleben, Wurzen, Rochlitz, Leisnigu.s.w. Unter die berühmtesten Grafen von M. zählt Erwin, zu Anfänge des 10.Jahrh., dessen Tochterdie Gemahlin König Heinrich's I. wurde. Der letzte Gras war Esiko, der l 997 zu Leipzig starb. Das BisthumM. wurde 968 vomKaiserOtko I. gestiftet und dem ErzbisthumMagdeburg untergeordnet, von dem Bischof Eiseler, nachdem derselbe Erzbischof von Magdeburg geworden, 982 wieder aufgehoben und in eineAbtei verwandelt, durch Kaiser Heinrich II. aber 1994 wiederhergestellt. Die Schutzgerechtigkeit stand dem Kaiser zu, der in den ersten Zeiten auch die Bischöfe ernannte. Später wurden dieselben vom Capitel erwählt, bis dasselbe ^ mit den Markgrafen von Meißen den Vertrag machte, die Bischöfe stets aus deren Hause zu ' nehmen, womit die Neichsunmittelbarkeit des Bisthums verloren ging. Der erste Bischof war Boso, der sich um die Bekehrung der Slawen in seinem Sprengel große Verdienste erwarb. Am wichtigsten aber wurde Bischof Dietmar (s.d.). Nächstdem sind als Erbauer und Verschönerer des Schlosses und der Kirche zu erwähnen die Bischöfe Heinrich von Wann im 13. Jahrh. und Thilo von Trotta, gest. 1514, Letzterer, ein eitler Mann, der überall sein Wappen niit dem Raben anbrachte und von dem auch noch die Stiftung herrührt, daß fortwährend ei» lebender Rabe gehalten und sorgsam gepflegt wird, an den sich die Sage knüpft, daß der Bischof Trotta seinen Kammerdiener auf den Verdacht hin, einen Ring ihm entwendet zu haben, hinrichtcn ließ, der Ring aber nachher im Neste eines Raben wiedergefunden wurde. Unter dem Bischof Sigismund von Lindenau fand 1543 die Reformation in M. Eingang. Nach seinem Tode wählte 1544 das Capitel den Prinzen August von Sachsen, einen jünger« Bruder des Herzogs Moritz, zum Administrator des Stiftch der zwar nach der Schlacht bei Mühlberg 1547 noch einmal einem katholischen Bischof, Michael Helding, genanntSidonius, weichen mußte, nach welches Letzter» Tode aber die Administration des Stifts wieder an Kursachsen kam, dem sie im westfälischen Frieden mit Einwilligung des Kapitels auf ewige Zeiten zugesprochen wurde. Zufolge des Testaments des Kurfürsten Johann Georg's I. wurde dessen dritter Sohn Christian >656 der Stifter der herzoglichen Linie Sachsen-Merseburg, die aber 1738 wieder erlosch. (S. Sachsen.) Schon im I. >731 hatte das Domcapitel mit Kursachsen den Vergleich abgeschlossen, künftig stets den Kurfürsten von Sachsen selbst als Administrator zu postuliren und dieser dagegen versprochen, das Capitel im Besitze seiner Rechte zu belassen. So blieb es, bis durch den Con- greß zu Wien im 1.1815 das Stift, welches unter der Verwaltung einer besonder« Stists- regierung stand und die Ämter Merseburg, Schkeuditz, Lützen und Lauchstädt umfaßte, zum größten Theil an Preußen kam. Das Domcapitel besteht noch gegenwärtig und zwar aus einem Dompropst, Domdechant, Senior, Cantorund 12 Domherren. Die Gegend von M.ist historisch merkwürdig durch die Schlacht an der Elster bei Mölsen, am ! 5 .Oct. 1989, wo Heinrich IV. seines Gegners, Rudolf s von Schwaben, sich entledigte, und durch hie große Hunnenschlacht beiKeuschberg (s. h.) im I. 933, dir auch oft die Schlacht b«i MeseriH Mesopotamien 521 M. genannt wird. Chroniken von M. lieferten Brotuff (Lp;. 1557, Fol.) und Vulpius (Quedlinb. 1700, 4.). MeseriH, eine Kreisstadt im Großherzogthum Posen an der Odra, mit 6000 E-, worunter viele Juden, hat eine katholische und'eine evangelische Kirche mit einem herrlichen Altargemälde und eine Realschule. Mesmer (Franz, nach Andern Friedr. Ant.), der Begründer der Lehre vom thieri- schen Magnetismus (s-d.), geb. um 25. Mai I733 zuJtzmang am untern Bodensce (nach Andern >735 zu Meersburg in Schwaben oder in einem kleinen schwel;. Orte am Bodensee), besuchte die Schulen zu Dillingen und zu Ingolstadt und begab sich dann nach Wien, wo er studirte und >766 die mcdicinischeDvctvrwürde erlangte. Seit 1772 begann er mit dem Pater Hell die Heilkräfte des Mineralmagnets zu untersuchen und kam dadurch auf den Gedanken an eine der des Magnets ähnliche Kraft, welche diesen gänzlich entbehrlich mache. Er nannte sie thierischen Magnetismus und machte, nachdem er sie medicinisch angewendct, die neue Entdeckung in seinem „Sendschreiben an einen auswärtigen Arzt über die Magnetcur" (Wien 1775) bekannt. Er wurde vom Kurfürsten von Baiern als Mitglied der Akademie nach München gerufen, kehrte aber nachher nach Wien zurück und legte daselbst ein Hospital zur weitern Verbreitung und Vervollkommnung seiner Entdeckungen an. Endlich ging„cr > 778 nach Paris und gewann hier nicht nur unter den Laien, sondern auch unter den Ärzten Anhänger und ein solches Ansehen, daß er das Anerbieten der Negierung, ihm für sein Geheimniß 20000 Livr. jährliche Renke zu bewilligen, nicht annahm, wol aber gegen eine Subscription, die sein Anhänger Vergaste veranstaltete und die ihm über 350000 Livr. einbrachtc, den Subscribenten seine Heilmethode mitzutheilen versprach, was jedoch niemals geschehen ist. Das Aussehen, welches dieseBegebcnheit machte und das Geheimnißvolle des magnetischen Verfahrens veranlaßten die Negierung, eine Untersuchung desselben zu veranstalten, wobei sich beide nicdergesetztc Commissionen, denen die vorzüglichsten Ärzte und Naturforscher Frankreichs beigegebcn waren, nicht zu Gunsten M.'s aussprachen. Auf diese Weise verlor er auch in Paris sein Ansehen, ging nun nach England und von da nach einiger Zeit nach Deutschland zurück, wo er in ziemlicher Vergessenheit am 5. März 1815 zu Meersburg starb. Mesonero y Romanos (Namon de), einer der geistreichsten Sittenschildercr, geb. am 19. Juli >803 zu Madrid, sah sich durch den frühen Tod seines Vaters im I. 1820, trotz seiner Vorliebe für literarische Beschäftigungen, genöthigt, dessen Handelsgeschäft zu übernehmen. Dabei benutzte er jede Mußestunde, um die Geschichte seiner Vaterstadt in den Quellen zu studiren. Ein Ergebnis dieser Studien war der „lAanual cke Nackrick, <1e- rcripeion tle la corte z? ), geb. um 70 v. Chr., erhielt seine Bildung zu Athen. Nach seiner Rückkehr schloß er sich wu jugendlicher Kraft und Begeisterung der republikanischen Partei an und nahm selbst an dem Kampfe gegen Octavianus bei Philippi Theil, trat aber später zuerst zu Antonius, und dann zu Octavianus über. JmJ. 30 v. Chr. zum äonsul erwählt, erkämpfte er sich ein Jahr nachher einen Triumph in Gallien und übernahm bald darauf die Leitung der Angel^enhei- ten in Asien. Zuletzt lebte er zurückgezogen von öffentlichen Geschäften allein den Mist»' Messalianer Messe 523 schoflen. Er starb um 3 n. Ehr. Von seinen Reden, die sich durch eine würdevolle und im- ponirende Sprache auszeichneten, haben sich wenige Bruchstücke erhalten, welche Meyer in „Orstorum rom. trsgmsntu" (2. Aust., Zür. >842) zusammengestellt hat; seine histori- schen Schriften, wie die „Über den Bürgerkrieg", welche Plutarch als Quelle benutzte, und die „De rom. fsmilüs", kennen wir nur dem Namen nach; das früher ihm beigelegte Buch „De prvxenie Liiguüti", welches von Tzschucke (Lp;. 1793), Mecenate (Rom l820) und Egger in „I.stiui sermoniz vetustioris religuias" (Par. 18-13) herausgegeben und von Dubois ins Französische übersetzt wurde (Par. 1844), ist offenbar ein Machwerk des Mittelalters. Vgl. Wiese, „De Val. Messslue Orvini vita et stucküs" (Berl. 1829) und Egger, „Lxamen critigne tle3 bistoriens anciens cls la vis et cln re^oe ll'Vugiists" (Par. 1844). Messalianer oder Eucheten, d. h. Betbrüder, auch Enth usi asten oder Pneu- matiker, hießen die Glieder einer mystischen Sekte, die um 360 zuerst in Mesopotamien entstand und unter Adelphius, einem ihrer Lehrer, noch im 4. Jahrh. sich nach Syrien vcr- breitete. Sie waren Verächter des herrschenden Kirchenthums und hielten das Gebet für eine unablässig fortzusetzende Übung, weil nur dieses, nicht die Taufe und das Abendmahl, von der Herrschaft der Dämonen befreie. Merkwürdig ist, daß Epiphanius gleichzeitig heidnische Eucheten erwähnt. Ungeachtet der Gegenwirkung der Concilien, Kaiser und Bischöfe erhielten sich Messalianer, obwol nicht zahlreich, unter den oriental. Christen bis in das 6. Jahrh. Fälschlich trug man ihren Namen später auf die Bogomil en (s. d.) über. Messalina (Valeria), die Tochter des M. Valerius Meffala Barbatus und erste Gemahlin des röm. Kaisers Claudius, ist berüchtigt wegen ihrer schamlosen Wollust und Üppigkeit. Dieser und einer unersättlichen Habgier opferte sie, die blödsinnige Schwäche des Kaisers benutzend, das Leben vieler Menschen, wie des Appius Silanus, des zweiten Gatten ihrer Mutter, der ihre blutschänderischen Anträge zurückgewiesen hatte, und deS cdeln Valerius Asiaticus, der hingerichtet wurde, damit sie die Gärten des Lucullus, die er besaß, erhielte. Endlich ging sie so weit in ihrer Frechheit, daß sie nicht blos wie die öffentlichen Dirnen ihre Reize feilbot, sondern während einer Abwesenheit ihres Gemahls sich mit ihrem damaligen Liebling Cajus Silius öffentlich vermählte. Dieses Beginnen stellten Pallas und Narcissus, die Freigelassenen des Kaisers, die ihn mit M. beherrschten, jetzt aber ihre Übermacht fürchteten, dem Claudius als aufseinen Sturz und Tod abzielend dar und erlangten von ihm den Befehl zu ihrer Hinrichtung, den sie sogleich ausführen ließen, 48 v. Chr. — Statilia M. hieß die dritte Gemahlin des Kaisers Nero, die er, nachdem er ihren Gatten Atticus Vestinus hatte tödtcn lassen, heirathete. Messe (lat. Missa) hieß in der alten Kirche jeder Theil des öffentlichen Gottesdienstes; vornehmlich aber unterschied man die mehr belehrende Messe der Katechumenen und die in der Communionfeier, an der Jene nicht Theil nehmen durften, bestehende Messe der Gläubigen oder Getauften. Am Schluffe beider rief ein Kirchendiener: lte, miss» est (nämlich concio), d. h. Gehet, die Versammlung ist entlassen. Dieses Wort uns,» trug man nun auf die Theile des Gottesdienstes selbst über und nannte sie Messe. Späterhin erhielt der Ausdruck in der röm.-katholischen Kirche die Bedeutung, daß man darunter das bei der Haltung des Abendmahls gebräuchliche okkeium, d.h. Gebet vor dem Altar (daher der Ausdruck „Messe lesen"), und vor Allem dassogenannte Meßopfer, d.h. die priestcr- liche Handlung, versteht, durch welche Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandelt und so als ein Versöhnungsopfer für die Lebendigen und Tobten Gott geopfert werden sollen. Papst Gregor der Große bildete die Meßgebräuche aus und bereits im 8. Jahrh. kamen die Privatmessen auf, bei denen der Priester allein das Abendmahl feierte. Da die Messe zugleich eine sinnbildliche Wiederholung des Opfertodes Jesu sein sollte, so mußten die Handlungen des Priesters auf die besonder« Umstände der Passion an- spielen, wobei auch die verschiedenen Stellungen und Bewegungen ihre eigenthümliche Bedeutung haben. Die Feierlichkeit derMeffe, wie sie in der röm.-katholischenKirche stattfindet, wird in drei Theile getheilt: I) das Offertorium (s.'d.); 2) die Wandlung oder die Einsegnung der Hostie und des Weins, welche der Geistliche genießen soll; 3) die Sumtion, oder der Genuß des geweihten Brots und Weins. Ist Musik mit der Messe verbunden, so wird sie gewöhnlich Hochamt genannt. Nach den Graden der Feierlichkeit und der Zahl dep 524 Messen dabei mimstrirenden Personen wird sie eingethcilt in hohe oder große und niedrige Messe, zu welcher auch die stille, wo die Gebete still gelesen werden, und die Hand- wessen, welche täglich gelesen werden und wofür der Priester das Geld auf die Hand empfängt, gehören. Die hohe Messe wird von den Chorsängern gesungen und unter dem Beistände eines Diakons und Subdiakons gehalten. Sie wird feierlicher dadurch, daß der Bischof sie hält; die feierlichste Messe aber ist die päpstliche. Auch sind die Messen nach de» Festen verschieden, an welchen sie gehalten werden, z.B. dieMessen der Heiligen, sowie nach den Veranlassungen und Gelegenheiten, bei welchen sie stattfinden,;. B. die Heiligegeistmesse Lei einer feierlichen Wahl oder Versammlung der Geistlichen . Eine besondere Art sind die Seelenmessen und Todtenmessen für die Errettung der Seelen der Gestorbene» ' aus dem Fegefeuer und die Linderung ihrer Qualen. Sic werden theils von den Sterbe», den, theils von ihren Verwandten bestellt und gaben früher eine Hauptveranlassungzu Vermächtnissen an Kirchen und Geistliche. Die Tobte «messe (misss pro üefimctis) hat ihre besonder« Feierlichkeiten. (S. Exequien und Requiem.) Die sogenannte trockene Messe wird auf der See gelesen, weil man bei derselben den Kelch wegläßt, damit nicht durch die Bewegung des Schiffes etwas von dem consecrirten Weine verschüttet werde. Die griech. Kirche weicht, in mehren Mcßgebräuchen von der röm. ab, die evangelische aber verwirft die Messe und vor Allem die Idee des Meßopfers auf das entschiedenste. — Die Musik während des Hochamts in der katholischen Kirche, gewöhnlich ebenfalls Messe oder Misse benannt, besteht nach de» Anfangsworten des zu singenden Textes 1) aus dem L)>rie eleison oder Obriste eleison; 2) aus dem Oloria in excelsis Deo, wozu noch das I^auüamns te etc.; Orstias aj-imus tibi etc.; Dnmine Deus rex coelestis etc.; (chütallü peccata etc. und Oum sancto spiritn kommen; ferner t!) aus dem Orecko oder apostoli- lischen Glaubensbekenntniß; 4) dem 8anc1»s und Hosianna; 5) dem 8ene616 unter kaiserlichem Privilegium herauskam, mit sächs. Privilegium bei Albr. Lambcrg zu Leipzig; hieraus kam er in den Verlag des dasigen Buchhändlers Henning Große, dann an dessen Nachkommen und endlich an die Wcidmann'sche Buchhandlung, die ihn noch gegenwärtig fortsetzt. Die frü- 526 Messenien Messina Here systematische Einrichtung desselben wurde später mit der alphabetischen vertauscht und statt des Quartformats seit 1795 Octav gewählt. In Hinsicht der bessern Einrichtung des. selben ist zwar Vieles erinnert worden, namentlich schon 1797 von Fr. Roch im „Allgemeinen literarischen Anzeiger" (1797), der hier eine neue Bearbeitung des Ostermeßkatalogs dieses Jahres als Muster lieferte; auch ist Einiges geschehen; allein noch entspricht sie keineswegs den Anfoderungen, welche der Literator und Bibliograph und selbst der einsichtsvollere Buchhändler an ein solches Verzeichniß zu machen berechtigt ist. Dem Meßkataloge ähnliche Bücherverzeichnisse erscheinen halbjährig seit 1821 in der HinrichS'schen und seit 1813 in der Klinkhardt'schen Buchhandlung in Leipzig. Messenien, eine überaus fruchtbare und namentlich durch seine Weizenernten bei den Alten berühmte Landschaft im Südwesten des Peloponnes, östlich von Lakonien, nördlich von Arkadien und Elis, südlich und westlich vom Jonischen Meere begrenzt, erhielt bald nach der dorischen Einwanderung Selbständigkeit und eigene Herrscher, gründete mehre wichtige Städte, besonders Messene mit der Bergfestung Jthome (s-d.), Methane und PyloS (s. d.), und gelangte schnell zu Wohlstand und Macht. Doch wurde es schon frühzeitig, der Sage nach wegen des Raubes spartan. Jungfrauen, wahrscheinlich aber in Folge von Grenzstreitigkeiten, mit Sparta in blutige Kämpfe verwickelt. In dem ersten dieser Kriege, von 713 — 721 v. Ehr., siegten anfangs die Messenier, von den Achäern, Arkadien; und Sicyoniern unterstützt, unter ihrem Könige Aristodemus; doch, nachdem sich Letzterer auf dem Grabe seiner Tochter getödtet, wurden sie unterworfen und zinsxfliih- tig. Über die harte und unwürdige Behandlung, die sie von jetzt an zu erfahren halten, erbittert, ergriffen sie nach fast 19 Jahren die Waffen und vertheidigten sich, vonM — 668 v. Ehr., unter Anführung des jugendlichen und heldenmüthigen Aristomeiies und mit Hülfe ihrer frühem Bundesgenossen voll Verzweiflung gegen die Spart« unter Tyrtäus (s. d.), unterlagen jedoch abermals und wanderten zum großen Theik nach Sicilien aus, wo sie Zankle einnahmen, welches von nun an Meffana (das jetzige Messina) hieß, während die Zurückgebliebenen in schimpfliche Sklaverei verfielen. Der flüchtige AristomeneS ging nach Sardes, wo er starb. Nack beinahe 200 jährigerKnechl- schaft benutzten sie in Gemeinschaft mit den spartan. Heloten (s. d.) die allgemeine Verwirrung, die in Sparta 165 v. Chr. bei einem furchtbaren Erdbeben entstand, und machten den letzten Versuch, ihre Freiheit wiederzugewinnen, wurden aber nach zehnjähriger tapferer Gegenwehr, von 165—155 v. Ehr., unterjocht und aus dem Peloponnes nach Nau- paktos (s. d.) und an andere Orte verwiesen. Später von dem edeln Epaminondas ans politischen Gründen wieder zurückberufen, bauten sie Messene 369 v. Chr. wieder aufmb behaupteten ihre Unabhängigkeit, bis 116 v. Chr. der Peloponnes mit Hellas zur röm- Provinz vereinigt wurde. Ihr Schicksal hat Delavigne (s. d.) in schönen Elegien besungen. Jene Kämpfe, in der Geschichte unter dem Namen der m essenischcn Kriege bekannt, von denen die beiden ersten mit epischer Ausschmückung durch die Alken überliefert worden sind, kosteten den Spartanern thcils wegen ihrer langen Dauer, theils wegen des heldenmüthigen Widerstandes der Messenier unglaubliche Anstrengungen und Opfer. Eine genaue Beschreibung des alten M. und seiner Alterthümer nebst einer Karte findet sich in Leake's „Travels in tbeZIorea" (Bd. 1, Lond. 1836) und in der „Txpeäitiao scien- titigue cke lVlore'e" (Bd. 1, Par. 1831). Messias, ein hebr. Wort, bedeutet der Gesalbte, entsprechend dem griech. tLmtos. Über den Messias nachjüd. und christlichen Vorstellungen s. Christus, Christologie > und Chiliasmus. Messina, eine sehr alte Stadt auf Sicilien, dem Range nach die zweite des Lackes, im Val Demona, die Hauptstadt der gleichnamigen Intendanz und der Sitz eines Erzbischofs, hat eine reizende Lage an der Meerenge von Messina, einen vortrefflichen Hafen, der 1090 Schiffe aufnehmen kann, mit zwei Leuchtthürmen und wird durch eine starke Cikadelle und sechs Forts vertheidigt. Der Corso theilt sie in die See- und Hügelstck» längs des Meeresufers führt die eine Meile lange Straße Marina. Sie hat mehre schone i Plätze, mit Lava gepflasterte Straßen, einen alterthümlichen Dom, viele andere, auch gneH- > Kirchen und Paläste, unter welchen letztem sich der königliche, der des Senats und dec m Messing Messis 527 5 u ü z- rr t- eii sc- »< liS nd in. rege ert >ei er. det !ks, Ä, ake idU ine ech- der Udienza auszeichnen, mehre Bibliotheken und das große Hospital Loggia. Bon dem Kloster San-Gregorio hak man die schönste Aussicht auf die Meerenge. Die Zahl der Einwohner wird bald zu 25000, bald zu 30000 angegeben. Der Handel hat gegen früher sehr abge- nommen; jährlich findet im Aug. eine Messe statt; die Industrie, namentlich die Seidenweberei, ist noch immer sehr bedeutend. M. hieß im frühesten Alterthume Zankle und wurde im 7. Jahrh. v. Ehr. durch die nach dem zweiten messenischen Kriege auswandernden Messenier genommen und nun Mcssana genannt. Zn neuerer Zeit erfuhr die Stadt I7a:; durch die Pest eine große Abminderung ihrer Bewohnerzahl; 1783 wurde ein großer Theil derselben durch ein Erdbeben zerstört, und l 823 wieder durch eine Überschwemmung furchtbar verwüstet. Messing, ist cine Legirung aus Kupfer und Zink, welche gegenwärtig in den Messing- Hütten meist unmittelbar gemacht wird, früher aber, wie auch noch jetzt, an vielen Orten durch Zusammcnschmelzen aus Kupfer und Galmei (kieselsaurem oder kohlensaurem Zink) erzeugt wurde. Das Messing enthält gewöhnlich 70 Thcile Kupfer und 30 Theile Zink, doch wird das Verhältniß für die verschiedene Anwendung des Messings vielfach geändert. Das Messing ist hochgelb und desto Heller, je mehr Zink es enthält; es nimmt eine schöne Politur an und ist hart, wird aber durch wiederholtes Glühen und Hämmern sehr dehnbar und elastisch. Seine Verwendung ist vielfach und es gibt fast keinen Zweig der Technik und des Haushaltes, in welchem es nicht unter irgend einer seiner Gestalten erschiene. Seine rohe Erzeugung geschieht auf den Messinghütten, und man bedient sich dazu entweder des reinen Rosettekupfers oder alten Bruchkupfcrs, dem man den gehörigen Zuschlag gibt. Das geschmolzene reine und brauchbare Metall wird schließlich zu Platten von 100 Psd. Schwere und '/«—Z. Dicke geformt. Das Bruchknpfcr, welches meist unrein, verzinnt oder mit Eisen versetzt ist, und nach der ersten Schmelzung in eine Grube gegossen wird, heißt dann Arco t oderStückmctall, und muß mit einem Zusatze von neuem Kupfer umgeschmolzen werden. Zu Uhren, Flittergold und Leonischem Draht wird das Kupfer nur cämen- tirt, d. h. den Galmeidämpfcn ausgesetzt ohne zu schmelzen. Aus der Hütte kommen die Platten unter den Latunhammcr, wo sie zu Blechen gewalzt oder zu Kesseln u. s. w. ausge- rrieben werden. Die verschiedenen Arten des in den Handel kommenden Messings sind das Noltenblech, die dünnste Art, das Klcmpnerblech in l7Nummern,daS Schlosserbleck, zu Beschlägen, das Trommeiblech von verschiedenen Nummern, das Drahtband, für den Drahtzug in schmale Zaine geschnitten und das Tafelblech in schwarzen dicken Tafeln von '/>»—/'-Z. Dicke. Flittergold ist das dünnste Rollenblech. Deutschland hat am Harze, in Baiern, am Rhein, in Sachsen, in Schlesien, Tirol und Steiermark vortreffliche Messingwerke, England in Birmingham, Schweden in Bjusors und auch Norwegen und Frankreich haben viele Messinghütten. Messis oder Metsys (Quentin), genannt der Hufschmied von Antwerpen, einer der größten Maler der niederländ. Schule, geb. zu Antwerpen um 1350, trieb bis in sein 20. Jahr daselbst das Schmiedehandwerk und verfertigte, wie man glaubt, die eleganten eisernen Zicrathen, welche dem Ziehbrunnen vor dem dasigcn Dome zur Bedachung dienen. Zur zeichnenden Kunst trieb ihn zuerst die Noch, indem er während einer Krankheit mit Fer- tigung von Holzschnitten für Kinder sich zu beschäftigen anfing, dann die Liebe zu einem Mädchen, welches einen Maler zum Manne zu haben wünschte, und hierauf bezieht sich die Jnschrift unter seinem Bildniß in Basrelief an der Facade des Domes: Oouuubmlis amor metrie oder die Geodäsie zu nennen Pflegt. Das Vermessungsgeschäft erfodert eine tüchtige Kenntniß der rcinmathematischen Lehren, besonders der Geometrie und Trigonometrie, sowie Fertigkeit im Gebrauch der Hülfsmittel, d. h. der Meßinstrumente, und in Anwendung der mathematischen Formeln und Sätze. Das Feld messen oder das Ausmcffen eines Feldes oder einer Fläche von geringerm Umfang ist einfach und geschieht nach geometrischen Sätzen mit Hülfe einer Meßkette oder derMeßstäbe, auf denen eine gewisse Anzahl in Fuße abgetheilter Ruthen bezeichnet ist. Hat das zu vermessende Stück mehr als drei Seiten, so lehrt die Geometrie es in Dreiecke zu zerlegen, diese auszumessen und ihren Inhalt zu berechnen. Auch bedient man sich beim Feldmessen gewöhnlich derBous- sole (s. d.), um die Winkel zu bestimmen. Da, wo es nicht auf Schärfe, sondern nur auf ungefähre Bestimmung der Größe und Gestalt abgesehen ist, schreitet man die Linien aus und schätzt die Entfernungen und Winkel nach dem Augenmaße, was bei einiger Übung oft ziemlich genaue Resultate gibt. Allein das beim Feldmeffen übliche Verfahren würde bei größer» Fluren oder Districten für das Ganze keine Genauigkeit ergeben, wenn es in den einzelnen Thcilen auch noch so richtig ausfällt. Hier muß in der zu vermessenden Gegend eine möglichst lange, gerade Linie, die Standlinie, äußerst genau gemessen und als Basis für ein System von Dreiecken angenommen werden, deren Scheitelpunkte ausgezeichnete, leicht erkennbare Gegenstände, wie Thurmspitzen, Schornsteine, Bäumeu.sw., und in deren Ermangelung besonders aufgerichtete Signalstangen oder Jalons abgeben, und deren Lagen sodann entweder durch Winkelmeßinstrumente und trigonometrische Berechnungen bestimmt oder durch Operationen auf dem Meßtisch gefunden werden. Alle diese Dreiecke bilden gewissermaßen ein Netz, und es ist das durch Construction erhaltene dem in der Natur vorhandenen im mathematischen Sinne ähnlich, aber verjüngt, d.h.die gleichliegenden Winkel der Dreiecke sind in der Construction und in der Gegend einander gleich, die gleichliegenden Seiten hingegen stehen in einem bestimmten Verhältniß und zwar in demjenigen, welches der angenommene verjüngte Maßstab bestimmt. Durch dieses Der- fahren erhält man nicht allein ein vollkommen ähnliches Bild der Gegend im Grundriß, sondern es läßt sich auch der Flächeninhalt derselben auf das genaueste berechnen, und man nennt dieses Geschäft gewöhnlich das Aufnehmen einer Gegend. Je weiter und umfassen- der aber der zu vermessende Raum wird, desto verwickelter und zusammengesetzter wird das Dreiecksysicm oder das Netz, und man bezeichnet dann die ganze Operation mit dem Namen Trianguliren. Bei Landesvermcssu ngen, wo schon die sphäroidische Gestalt der Erde in Betracht kommt, werden astronomische Vorarbeiten nöthig, auch genauere Winkelmeß- instrumente, z. B. Astrolabien, Theodolite, Spiegelsextanten und Theilungskreise, der Re- flector u. s. w., sowie mancherlei Anstalten, besonders die Errichtung von Signalstangen. Es müssen mehre Orte, wenigstens 20—30 M. voneinander entfernt, astronomisch »ach ihrer Länge und Breite genau bestimmt und ihre Mittagslinien auf dem Boden bemerkt werden. Diese Punkte bilden das Hauptnetz, welches sich auf eine große Basis stützt, die sowol durch genaue Messung als auch aus trigonometrischen Berechnungen oder durch sorgfältiges Trianguliren entstanden, wo möglich, in Einem Meridian gelegen und astw- nomisch orientirt und geprüft ist. In jedes große Dreieck des Hauptnctzcs wird dann cm System von kleinern Dreiecken gelegt und das Ganze in Quadratsectionen getheilt, stdaj in jede etliche der trigonometrischen Nehpunkte fallen, um der Special- oder Detanver- Messung als Nicht-, Anhalt- oder Prüfungspunkte zu dienen. Zur Specialvermessung dient der Meßtisch (s. d.). Zu Messungen ganz kleiner oder ihrer Entfernung Kegen nur als klein erscheinender Gegenstände bedient man sich des Mikrometers Mestizen Metalle 529 Die astronomischen Messungen der Größen, Entfernungen und Bahnen der Weltkörper lehrt die praktische Astronomie; zur Bestimmung der Gestalt und Größe der Erde dienen die geographischen Gradmessungen (s. d.) und zur genauen Kenntniß der Unebenheiten der Erdoberfläche die Höhe «Messungen (s. d.). Mestizen (span-Nestir»«), wahrscheinlich von dem lat. mixtus, d. i. gemischt, nennt man in Südamerika und Westindien Diejenigen, welche von einem europ. Vater und einer amerikan. oder hinduischen Mutter, oder auch umgekehrt abstammen. Sie haben gewöhnlich eine röthere Gesichtsfarbe als die Europäer und wenig Barthaare, wurden früher von den Spaniern sehr zurückgesetzt und machten die dritte Classe der Bewohner des span. Amerika aus. — In der Landwirthschaft nennt man diejenigen Schafe Mestizen, die aus einer Paarung zwar noch nicht constanter Raren hervorgegangen oder das Product von Altern sind, von denen nur der eine Theil Racethier ist. Meßtisch oder Mensel heißt das sehr einfache, für den Feldmesser unentbehrliche Instrument, welches der Professor Joh. Prätorius zu Altdorf, gest. >6l6, erfunden haben soll, von welchem es lateinisch mensula krütorirum genannt wurde. Dasselbe besteht aus einem kleinen mit drei beweglichen Füßen versehenen Tischchen, dessen quadratförmige Platte, die zugleich als Zeichenbret dient und deshalb mit Papier überzogen wird, mittels dreier Schrauben horizontal gestellt werden kann. Um von dem Nutzen und Gebrauch desselben eine Idee zu geben, nehmen wir an, es sei ein Feld, das die Form eines Dreiecks hat, zu vermessen. Dieses zu bewerkstelligen, muß der Geometer zuerst in die Ecken des Feldes Pfähle oder Stangen einschlagen, die ihm als Signalzeichen dienen. Den Meßtisch stellt er horizontal ungefähr in der Mitte des Feldes, steckt in das Reiß - oder Zeichenbret eine Nadel ein und bezeichnet überdies den Punkt auf dem Felde, über welchem diese Nadel steht. Ist dieser geschehen, so legt er an die Nadel sein Diopterlineal (s. d.) an, und visirt damit auf eines der Signalzeichen an den Ecken des Feldes. Hierauf zieht er an der der Nadel zugekehrten Seite des Diopterlineals eine Linie, läßt die Entfernung des genannten Zeichens von dem Punkte, über welchem die Nadel sich befindet, mit der Kette messen und trägt sie mit Hülfe eines Kirkels, nach einem verjüngten Maßstabe, auf die Linie auf. Ebenso verführt er mit den andern Ecken des Feldes, und verbindet dann, wenn sie alle aufgetragen sind, die verzeichneten Endpunkte durch gerade Linien, wodurch er eine Zeichnung erhält, vie dem Felde vollkommen ähnlich und zu jeder Berechnung desselben geschickt ist. Metabäsis (griech.), eigentlich das übergehen, bezeichnet als rhetorische Figur theils die Wiederaufnahme des Gegenstandes, über den man spricht, nachdem man unvermuthet davon abgekommen ist, theils den schnellen und effectvollen Übergang auf eine Person oder Sache in der Rede, die man dann gleichsam als gegenwärtig anredet, wie wenn Jemand in der Schilderung eines unglücklichen Menschen an das Schicksal selbst fragend sich wen- det. In der philosophischen Sprache versteht man darunter die Abschweifung oder fehlerhafte Einmischung des Ünwesentlichen und Fremdartigen im Begriffe. Metaböle (griech.), eigentlich das Umsehen oder die Veränderung, nennt man in der Grammatik die Versetzung von Buchstaben, wie sie in einigen Wörtern des Wohlklanges, bisweilen wol auch des Versmaßes wegen vorgenommen wird, in der Rhetorik aber das Zusammenstellen von Gegensätzen in umgekehrter Ordnung. (S. Metathesis.) Metachronismus heißt im Gegensätze zum Anachronismus (s. d.) der Fehler in einer geschichtlichen Angabe, wenn man Etwas in eine spätere Zeit verseht, wo eS nicht stattfinden konnte. Metalepfis (griech.), eigentlich Vertauschung oder Verwechslung, heißt eine zur Metonymie (s. d.) gehörige rhetorische Figur, nach welcher man das Folgende für das Vorhergehende setzt, z. B. „Ähren" statt „Sommer", oder „Grab" statt „Tod". Metalle nennt man alle chemisch einfache, undurchsichtige, den sogenannten Metall- glanz besitzende, oder unter dem Polirstahl annehmende, die Elektricität und Wärme, we- nigstens in zusammenhängenden Massen, gut leitende, an und für sich in Wasser unlösliche Körper. Sonst fügte man noch eine gewisse specifische Schwere und andere Eigenschaften hmzu; seit Entdeckung derjn den Alkalien und Erden enthaltenen Metalle durch Davy ist Conv.'Lex. Neunte Aufl. IX. 34 53» Metalle jedoch der Begriff des Metalls mehr cm chemischer, als ein physikalischer geworden, und man kennt jetzt Metalle, an denen auch die oben angeführten Eigenschaften nur sehr wenig hervortreten, während eS nichtmetallische Körper gibt, die unter gewissen Umständen gro- ßen Glanz annehmen und selbst die Elektricität leiten, z. B. die Kohle. Alle Metalle sind übrigens bei gewöhnlicher Temperatur nicht gasförmig und verbinden sich ohne Ausnahme mit Sauerstoff zuOxyden von theils basischen, theils säuern Eigenschaften, sowie mit Chlor, Brom, Zod und Schwefel. Man unterscheidet leichte Metalle, nachJohnMetalloide, ^ und schwereMetalle. Zu den leichten Metallen gehören alle Metalle von einem specifischm Gewicht nicht über 5,0, die sich mit Sauerstoff sehr lebhaft zu Oxyden verbinden, die sämnu- > lich basisch und durch Wasserstoffgas nicht reducirbar sind, nämlich a) die Metalle der Alkalien, leichter als Wasser, dasselbe unter Feuererscheinung zersetzend und mit Sauerstoff die bekannten in Wasser löslichen Alkalien gebend (Kalium, Natrium und Lithium); b) die Metalle der alkalischen Erden, schwerer als Wasser und Schwefelsäure, das Wasser rasch zersetzend, die Oxyde ebenfalls mit alkalischer Reaction in Wasser löslich, aber weit schwerer als die vorigen (Baryum, Strontium und Calcium), und c) die Metalle der Erden, schwerer als Wasser, dasselbe bei gewöhnlicher Temperatur nur langsam zersetzend, die Oxyde starke Basen, aber in Wasser unlöslich (Aluminium, Zirkonium, Beryllium oder Glycium, Magnesium, Cerium, Attrium und die noch wenig bekannten Thorium, Lanthan, Erbium, Trobium und Didym). Die schweren Metalle, die eigentlichen Metalle der altern, von einem specifischen Gewicht über 5,0, und sämmtlich mit deutlichem Metallglanz, die die Elektricität unzweifelhaft leiten und deren Oxyde, mit Ausnahme des Mangans, durch Was- serstoffgas reducirbar sind, sind s) strengflüssige, welche Masse im Rothglühen für sich, mit Säuren bei gewöhnlicher Temperatur (mit Ausnahme der drei letzten) zersetzen, an derLust sich ganz von selbst allmälig oxydiren und mit Sauerstoffeine ganze Reihe voiffVerbindungen geben, deren höchste saure Eigenschaften haben, während die niedrigem kräftige Basen sind (Mangan, Eisen, Kobalt, Nickel, Chrom, Uran, Molybdän, Vanadium und Wolfram); I K) leichter schmelzbare, die Wasser im Glühen, aber nicht durch Säuren zersetzen, zwei basische Oxyde bilden, deren höheres sich auch als Säure verhält (Zinn und Kupfer); c) leicht schmelzbare, zum Thcil flüchtige, die Wasser zersetzen und nur ein basisches Oxyd bilden (Wismuth, Blei, Zink und Cadmium); <1) sogenannte edle Metalle, welche Wasser bei keiner Temperatur zersetzen, sich an der Luft nicht von selbst oxydiren und deren Oxyde schon durch blose Erhitzung zersetzbar sind (Quecksilber, Silber, Gold, Platin, Palladium , Rhodium und Iridium). Endlich gibt es noch einige Körper, die sich im Äußern wie Me- ^ talle verhalten, deren Stellung unter den Metallen aber zweifelhaft ist (die Metalloide Lie- big's und einiger Anderer). Sie bilden sämmtlich saure Oxyde mit Sauerstoff und verbinden sich zum Theil mit Metallen auf ähnliche Art wie der Schwefel; dahin gehören Titan und Tantal, das neuentdeckte Niobium, Antimon, Arsenik und Osmium. Manche rechnen selbst Selen, Tellur und Silicium noch zu den Metallen. I An den eigentlichen Metallen sind technisch bemerkenswerthe Eigenschaften: ' ») die Fähigkeit, eine hohe Politur anzunehmen, welche aber nur bei den edlen Metallen an der Luft beständig ist, daher sich nur diese zu Metallspiegeln eignen, und nächst ihnen Kupfer und seine Legirungen (Bronze und Messing), wenn sie gehörig rein gehalten werden; I>) die Schmelzbarkeit, wovon die Möglichkeit abhängt, Metalle durch den Guß j» formen, ! in welcher Beziehung die Metalle so folgen: Zinn, Wismuth, Blei, Zink, Kupfer, Silber, > Gold, Eisen und Platin (letzteres selbst vor der Esse nicht, sondern nur im Knallgasgebläse > schmelzbar); c) die Schweißbarkeit, d. h. die Eigenschaft, sich in Weißglühhiße so zu erwei- . chen, daß man getrennte Theile unmittelbar vereinigen kann, welche nur dem Eisen und dem Platin zukommt. Destillirbar sind das Quecksilber, Zink und Cadmium. Die Farbe der Metalle ist sehr verschiede», und die Eigenschaft derselben, Legirungen zu go den, d. h. sich untereinander in verschiedenen Verhältnissen zusammenschmelzen zu lasi sen (s. Legiren), gestattet eine große Mannichfaltigkeit, wie die verschiedenen Farben des mit Kupfer und Silber legirten verarbeiteten Goldes, das Messing und die andern Legirungen aus Kupfer und Zink (Tombak, Semilor, Chrysokall u. s. w.), die Bronzen (aus Kupfer, Zinn und Zink) und das Argentan oder Neusilber (Kupfer, 3wk und Metallquß Nickel) beweisen. Manche Metalle nehmen beim Erkalten eine krystallinische Structur an, wovon z. B. das Metallmohr (s. d.) der verzinnten Blechwaaren abhängt. Hart sind die Metalle, mit Ausnahme der kohlehaltigen Verbindungen des Eisens (des Stahls), nur in geringem Grade; damit hängt zum Theil ihre Elasticität und Biegsamkeit zusammen, sowie die Fähigkeit, zu klingen. Auch hierin lassen sich durch Lcgirungen besonders technisch anwendbare Zwischenstufen erzeugen. Die meisten technisch nicht anwendbaren Metalle sind spröde; hämmerbar sind Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Platin, Blei, Zink und Eisen, letzteres besonders in der Hitze, was jedoch nach dem Grade der Reinheit manche Abänderung erleidet. Zu Drähten und Blechen dehnbar sind dieselben Metalle, doch in etwas anderer Ordnung, nämlich Gold, Silber, Platin, Eisen, Kupfer, Zink, Zinn und Blei. Metallguß oder Erzguß. Schon die alte Welt kannte und übte die plastische Darstellung in Metall, meist in Erz, in größter Ausdehnung. Abgesehen von der künstlerischen Veredlung des gewöhnlichsten metallenen Hausgeräths, besonders der Waffen, Leuchter, Wagen u. s. w., worin die Griechen, ja zum Theil auch Halbbarbaren, wie die Kelten, so geschickt waren, galt auch in südlichen Himmelsstrichen das Metall als das einzige Material für Monumente, welche im Freien stehend, Jahrhunderte überdauern sollten. Die Statuen der Sieger im Hain zu Olympia waren von Erz; ja es gab Sculptoren, welche nur in Erz arbeiteten, wiez.B. Lysipp us(s. d.) zur Zeit Alexander's. Die antiken Güsse sind technisch meist von größter Vollkommenheit, sodaß man der Meinung sich zugeneigt hat, die damalige Zeit habe Kunstgriffe in diesem Fache besessen, welche man gegenwärtig nicht mehr kennt. Die röm. Güsse sind zum Theil schon roher, und mit der Völkerwanderung werden die Erzgüsse vollends selten und unvollkommen. Damals beschränkte sich besonders die konstanlinopolitanische Sculptur fast ganz auf edle Metalle, was die natürliche Folge gehabt hat, daß fast nichts von ihren Werken auf unsere Zeit gekommen ist. Erst mit dem 9. Jahrh. lebte der Erzguß wieder auf, hauptsächlich wol deshalb, weil für das gesteigerte Bedürfniß nach Bildwerken im Abcndlande die edeln Metalle nicht ausrcichten. Sehr schön sind die um 800 gegossenen ehernen Geländer und Thüren des Doms zu Aachen; aus den folgenden Jahrhunderten besitzt namentlich Deutschland eine ausgezeichnete Reihe von Gußarbeiten; so die Figuren am sogenannten Krodoaltar in Goslar aus dein-lv. Jahrh., den Leuchter der Abtei Essen, gefertigt um 1000; die eine Thür des Doms zu Augsburg, die Grabplatte König Rudolfs zu Merseburg und die Thür des Doms zu Hildesheim aus dem l t. Jahrh.; das Taufbecken in Hildesheim aus dem 12. Jahrh. In der Folge wurden besonders Grabdenkmäler, Lesepulte, Kirchthüren, Glocken, Taufbecken, später sogar Kanonen u. s. w. mit reichen Zierathen in Erz gegossen, und bis ans Ende des Mittelalters dauerten wenigstens theilweise reine und schöne Güsse fort. (S. Deutsche Kunst, Italienische Kunst, Ghiberti, P. Bischer und B. Cellini.) Allerdings wurde noch sehr Vieles gelöthet, und manche Ungleichheiten des Gusses sind unleugbar nachzuweisen; allein im Ganzen ist derselbe sauber, ohne bedeutendes Nachfeilen und von schöner Legirung. An große freistehende Erzstatuen wagte sich zuerst wieder das l k. Jahrh.; wir nennen nur die Statuen am Grabe Kaiser Maximilians zu Innsbruck, die Brunnenfiguren in Augsburg, meist aus dem Ende des l6. Jahrh., Ammanati's figurenreicher Brunnen auf dem Signorenplahe zu Florenz, die zahlreichen Werke des Giov. da Bologna u.s. w. Fürstliche Prachtliebe wies damals den Erzguß auf das Massenhafte hin, worunter das rein künstlerische Element leiden mußte. Doch hatten die zum Theil äußerst Prachtvollen Erzmonumente des >7. Jahrh. das Verdienst, die Technik weiter zu fördern. Dies gilt besonders von den Reiterstatuen, welche man seit dieser Zeit für einen unentbehrlichen Schmuck großer Residenzstädte betrachtete. Vielleicht die vorzüglichste derselben ist A. Schlüter's Statue des großen Churfürsten in Berlin (1700), welche außer ihrer technischen Vollendung auch als Kunstwerk von außerordentlicher Wirkung ist. Auch die beiden Reiterstatuen Ludwig's XlV., nach Girardon's Modell von J.B. Keller aus Zürich im I. >692 gegossen, und zwar in einem Guß vollendet, erregten die höchste Bewunderung der Zeitgenossen. Das Geheimniß solcher Kolossalgüsse aus einem Stücke ging jedoch wieder verloren und mußte beim Gusse der Reiterstatue Ludwig's XV., von Gor nach Bou- 34 * 7 n 532 Metalliqnes Metallmohr chardon, neu entdeckt Werden; eine umständliche Beschreibung stellte damals zuerst das technische Verfahren nach allen Seiten fest. Zunächst folgten Falconet's (s.d.) berühmte Statue Peter's des Großen (l 775) und die Friedrich's V. von Dänemark (von Saly gegossen >772), sowie auch die des Kurfürsten Wilhelm von der Pfalz in Düsseldorf. Das Verfahren, wie es sich im Laufe des 18. Jahrh. gestaltete, bestand darin: man boffirte die Statue über einem feuerfesten Kern aus Wachs, legte darüber eine Form von Thon und ließ dann das Wachs wieder ausschmelzen, um dem hineinzugießenden flüssigen Erze Platz zu machen; oder man machte die thönerne Form unmittelbar über das Modell, garnirteße mit Wachs, goß den Kern in den leer gebliebenen Mittelraum, schmolz dann daß Wachs wieder heraus und goß das Erz hinein, wie dies schon bei der Statue Ludwig's XV. gi. schah; oder, und dies ist die jüngste Methode, die Entleerung der Form geschieht ohne das Herausschmelzen des Wachses, mittels eines weichen Thones, der aus der zerlegbaren Form wieder hcrausgenommen werden kann. Von neuern Kolossalwerken sind besonders Scha- dow's Quadriga auf dem Brandenburger Thore in Berlin (zum Theil in getriebenem Kupfer) und das gewaltigste Bronzewerk dieses Jahrhunderts, die Vendömesäule in Paris zu nennen ; ebenfalls riesig ist der Siegeswagen und die reitenden Friedensgöttinnen auf dem Arco della pace in Mailand von Manfredini. Unter den neuern Reiterstatuen sind zu erwähnen: Heinrich IV., von Lemot, auf dem Pont neuf in Paris; Philibert von Savoyen, in Turin, und der Herzog von Orleans, im Hofe des Louvre, beide von Marochetti, gegos- sen von Soyer und Inge; JosephII. von Zaunerin Wien; Maximilian vonBaiern, aufdem WittelsbacherPlatz in München, von Stiglmaiergegoffen; GeorgIII.,von Wyatt; GeorgIV., von Chantrey; Karl III. und Ferdinand von Neapel, von Righetti nach Canova. In neuerer Zeit hat der Erzguß eine ganz plötzliche Ausdehnung gewonnen durch die gegenwärtig aufih- rem Gipfelpunkt stehende Liebe zu Monumenten berühmter Männer. Thorwaldsen, Schwanthaler, David von Angers haben bereits wol über hundert Denkstatuen für den Guß mo- dellirt. Die hauptsächlichsten Gießstätten sind gegenwärtig folgende. In Paris: Crozatkr, ^ Soyer und Inge, Carbonneaux, Richard, Cortos,Dumoulin,St.-Denis,Quesnel,Triguech Deniere u. A.; überhaupt wird vielleicht in Paris am meisten gegossen, weil von da aus der Ton angegeben wird für die zahllosen Modegeräthschaften aus Bronze, welche nach allen I Gegenden der Erde versendet werden; ja es wohnen in Paris über 50« Gießer, die allerdings auch viel in Blei und Zink arbeiten. In Berlin: Fischer, Le'quine, Hopfgarten, Kalick, Krebs u. A.; für kleinere Geräthe Werner und Steffen; für den Eisenguß die ko- ^ nigliche Eisengießerei unter der Leitung von Erüttner, Müller, Vollgold u. A., deren Werk : z. B. das kolossale Monument aufdem Kreuzberge ist; für den in größter Ausdehnung auch für architektonische Ornamente angewendeten Zinkguß M. Geiß. In München: die § königliche Erzgießerei, jetzt die thätigste aller Erzgießereien, bisher unter Leitung des großen j Technikers I. B. Stiglmaier (s.d.), in der namentlich das Denkmal Max Josephs, j der eherne Obelisk, die Schillerstatue, das große Reiterbild des Kurfürsten Maximilian, die Wittelsbachischen Fürsten (für den Thronsaal), die Goethestatue in Frankfurt am Main ^ und endlich die bis jetzt vollendeten Stücke der riesigen Bavaria gegossen wurden. Zn Dres- ^ den: Schröttel; in Nürnberg: Burgschmiet, der die Statuen Dürer's und Beethovens goß; in London besonders Wyatt, Westmacott, Dean». A. In Mailand: Manfredini; in Neapel: Righetti u. s. w. Für das Ausland arbeitet unstreitig die königliche Erzgießer« in München das Meiste. Seit den Zeiten des Alterthums hat im Allgemeinen kein Zahl- zehend eine solche Masse von Gußproductionen hervorgebracht als das gegenwärtige. - Metallistues oder Rescriptions wätalliyues, d. i. Scheine für klingende Münze, l wurden in Frankreich die von dem Direktorium 17 97 ausgegebenen und dieM andate (s. d ) ersehenden Staatspapiere genannt. Später erhielten diesen Namen die östr. Staatsobli- gationen, welche aufConventionsmünze ausgestellt und darin verzinset wurden, im Gegensatz der in Papiergeld verzinsten und realisieren, und ebenso die ruff. Staatspapiere, welche ^ auf Silberrubcl lauten und in Silbermünze verzinset werden, im Gegensatz der Papiere, die auf Banco-Assignationen gestellt sind und in solchen verzinset werden. Metallmahr kommt in zweierlei Bedeutungen vor. In derPharmaceutik bezeichnet rS, gleichbedeutend mit Äthiops, mehre schwarze pulverartige Präparate, in denen alle», Metalloide Metapher 533 mit Ausnahme des Eisenmohrs, des Platinamohrs und des vegetabilischen Mahrs, mehr oder weniger das Quecksilber als Agens mit eintritt. — Dann aber ist Metallmohr die deutsche Übersetzung für None metnlli^ne, eine in Holland erfundene und von Allard in Paris >818 verbesserte Methode, das verzinnte Eisenblech zu verzieren. Aus dem Me- tallmohr werden allerlei Gegenstände »erfcrrigt; doch sind diescÄrbeiten jetzt aus der Mode. Metalloide nannte man sonst die Metalle der Alkalien und Erden. BerzeliuS braucht den Namen für alle nichtmetallischen Elemente; Liebig u. A. nur für Phosphor, Arsenik, Antimon, Bor, Silicium, Titan und Tantal. Metalloxyde, s. Calciniren. Metallurgie ist die Lehre von der Verarbeitung der Metalle; sie umfaßt demnach die Darstellung der Metalle aus ihren Erzen oder die Hütten kund e (s. d.) und deren weitere mechanische Verarbeitung zu rohen Formen, die Gießerei, Blechfabrikation, Drahtzieherei u. s. w. Metamorphose (griech.) heißt eigentlich jede Verwandlung in eine andere Gestalt oder eine Umgestaltung; doch bezeichnet man mit Metamorphosen vorzugsweise in der Mythologie der alten Welt die zahlreichen Sagen und Fabeln über die Verwandlungen von Menschen in Thiere, Steine, Bäume, selbst in Feuer oder Wasser u. s. w., deren Ursprung und Deutung sich meist nicht mehr sicher Nachweisen läßt. Viele derselben mögen in der frühesten Beobachtung der Erscheinungen und Veränderungen der Natur, andere in den symbolischen und allegorischen Darstellungen auf Kunstwerken oder in der Bildersprache der Dichter, die man eigentlich auslegte,,die meisten aber wol in dem Aberglauben und dem Streben, eine einfache Begebenheit ins Übernatürliche und Abenteuerliche zu ziehen, ihren Grund haben, während in der spätem Zeit mehre solcher Erzählungen zum Zwecke mora- lischcrBelehrung erfunden wurden. Die kühne und lebhafte Einbildungskraft derMorgen- länder hat eine lange Reihe von Dichtungen dieser Art geschaffen; ihnen zunächst stehen die Griechen und Römer, von denen die Erzählungen dieser Art in gebundener und ungebundener Sprache mit Vorliebe zusammengestellt und bearbeitet wurden. Unter den Griechen geschah dies besonders von den Dichtern, Sophisten, Rhetoren und Grammatikern des alexandrin. Zeitalters, namentlich von Kallisthenes, Antigonus, Nikander, PartheniuS n. A., aus deren Werken uns Antoninus LiberaliS (s.d.) in seinen „Nstrunorpkooes" noch Bruchstücke erhalten hat; unter den Römern vor Allen von Ovidius (s.d.) in dem unter demselben Titel bekannten Gedichte. Ebenso geben in der deutschen Literatur die Feen-, Zauber- und Volksmärchen eine reiche Ausbeute, und welche Anmuth und Gefälligkeit diesen Verwandlungen sich geben läßt, hat in späterer Zeit Wieland, und noch mehr Herder in seinen „Paramylhicn" bewiesen. Vgl. Mellmann, „Oe cenn-is et suctoribus narrstiouiim 2Bde., >78v—82) und zu Mantua (20Bde,, 1816—20). Metathksis (griech.) nennt man in der Grammatik die Umstellung von Buchstaben, die man häufig bei Verpflanzung von Wörtern in eine andere Sprache wahrnimmt, z.B. bei den aus der griech. Sprache in die lateinische übergegangenen Eigennamen „Herakles" und „Hercules", „Karchedon" und „Karthago". (S. Metabole.) Metelmo, s. Lesbos. Metellus ist der Name einer Familie des plebej. Geschlechts der Cäcilier, die zu dm Angesehensten der röm. Nobilität gehörten, seitdem Lu cius Cäcilius M., der im ersten Pun. Kriege zweimal (250 und 247 v. Chr.) Consul war und 243 als Pontifex MaximS das Palladium aus dem Tempel der Vesta bei einem Brande rettete, die Größe seines-haii- ses begründet hatte. Am bekanntesten sind Quintus Cäcilius M., Makedoniens benannt, weil er als Prätor im 1.148 v. Chr. den Andriscus besiegte, der sich unter dem Ra- . men Philippus zum König von Macedonien aufgeworfen hatte. Nach seinem Consulat im I 1.143 kämpfte er >42 gegen Viriathus (s.d.) und im I. >31 bekleidete er mitOuinliiS > Pompejus die Censur. Von den Alten wurde sein Glück gepriesen, das sich theils in seimr ! Abkunft, seinen körperlichen und geistigen Kräften, dem Ruhm und den Ehrenstellen, die s er erlangt, und in dem Besitz einer tugendhaften und fruchtbaren Gattin, theils darin bewährt habe, daß, als er I >5 starb, schon der dritte seiner Söhne Consul war, einer von , ihnen, Quintus, der von der Unterwerfung der Balkarischen Inseln im I. >23 und 122 den Beinamen Balearicus erhielt, triumphirt hatte, und der vierte sich um das Consulat bewarb. — Sein Neffe Quin tus Cäcilius M. Numidicus wurde >»9 v-Chr. Consul, kämpfte siegreich gegen Jugurtha in Numidien, bis ihm 107 der Oberbefehl durch Mari us (s. d.) entzogen wurde. Im I. >02 bekleidete er die Censur, wurde im I. >W wegen seiner Weigerung, das Ackergesetz des Volkstribun Saturnin us (s. d.) als Senator zu beschwören, verbannt und starb bald, nachdem er im I. 99 aus Asien zurückberu- fen worden. Er war einer der reinsten und festesten Männer seiner Zeit. — Sein Sohn ^ Quintus Cäcilius M. erhielt wegen des zärtlichen Eifers, den er bei dem Volke für ! die Rückrufung seines Vaters bittend dargelegt hatte, den Beinamen Pius. Er focht als Prätor 89 und 88 ».Chr. im Bundesgenosscnkriege und entfloh nach desMariusRückkehr im I. 87 nach Afrika. Im I. 83 schloß er sich an Sulla, da dieser nach Italien zurück- s kehrte, an und siegte für ihn bei Faventia über Papirius Carbo und Norbanus. Mit l Sulla, den er in den Proscriptionen zu mäßigen gestrebt hatte, bekleidete er im I. 8» das ^ Consulat; dann erhielt er im I. 7 9 das jenseitige Spanien zur Provinz und gegen Ser- torius (s. d.) den Oberbefehl, den er 76—72 mit Cnejus Pompejus theilte. Er starb 6-t als Pontifex Maximus. — QuintusCäciliusM. Creticus erhielt diesen Bünamen von seinen Kriegen in Kreta, das von ihm, nachdem er 69 v. Chr. mit Hortensius Konsul gewesen, im 1.68 und 6 7 unterworfen und zur Provinz gemacht wurde. Dem EnejuS , Pompejus, der ihm den Ruhm dieser Unternehmung hatte entziehen wollen und seinen , Triumph bis zum I. 62 hinzuhalten wußte, war er verfeindet. — Quintus Cäcilius M. Celer focht 66 v. Chr. unter Pompejus in Asien und besetzte im I. 63 gegen die Ca- tilinarier als Prätor die Pässe, die über den Apennin nach dem cisalpinischen Gallien sich- . Metempsychose Meteorologie 537 reu, bas er 62 unter dem Titel Proconsul verwaltete. Im I. 6« trat er als Consul gegen die Anmaßungen des Pompejus, im Z. 59 gegen Cäsar's Ackergesetz auf und starb, vielleicht durch seine Gattin Clodra (s. d.) vergiftet. — Sein jüngerer Bruder, Quintus Cäcilius M. Nepos, hatte unter Pompejus im Seeräuberkrieg und in Asien gefochtcn. Als Vvlkstribun trat er im I. 63 v. Chr. gegen Cicero beim Schluß von dessen Consulat und 62 für Pompejus auf; sein Vorschlag, daß dieser mit dem Heere zur Herstellung der Ruhe nach Rom berufen werde, scheiterte an dem Widerstande des Senats und namentlich des Cato Uticensis (s. d.). Er floh zu Pompejus, kehrte mit ihm zurück und wurde im I. 69 Prätor und 57 Consul. — Quintus Cäcilius M. Pius Scipio, bald Quintus Scipio, bald Scipio Metellus genannt, der Sohn des Pnblius Cornelius Scipio Nasica und der Licinia, wurde vom oben erwähnten Metellus Pius im Testament adoptirt und durch seine Tochter Cornelia im I. 52 v. Chr. Schwiegervater des Pompejus. Zm Aug. desselben Jahres von Pompejus zu seinem College« im Consulat ernannt, war er für ihn bis zu Anfänge desJ. 49 gegenCäsar im Senat einer derThätigsten. Namentlich betrieb er den Beschluß, durch den dieser für einen Feind des Staats erklärt wurde. Beim Ausbruch des Kriegs ging er nach Syrien, stieß im I. 48 zu Pompejus, unter dem er in der Schlacht bei Pharsalus befehligte, und floh dann nach Afrika zu Juba, wo er, obschon verhaßt wegen seiner Üppigkeit und Grausamkeit, durch Cato's Vermittelung den Oberbefehl über das Heer der Pompejaner erhielt. Nach dem Verlust der Schlacht bei Thapsus im I. 46 tydtcte er sich selbst auf der Flucht nach Spanien, nachdem seine Schiffe durch das Geschwader des Cäsarianers Publius Sittius überwältigt waren. Metempsychose und Metensomatosis, s. Seclenwanderung. Meteore oder Lufterscheinungen heißen im weitern und wissenschaftlichen Sinne alle Erscheinungen, welche vorübergehenden Veränderungen in der Atmosphäre ihren Ursprung verdanken, z. B. Wolken, Nebel, Schnee, Regen, Regenbogen, Morgen- und Abendröthe, Höfe um Sonne und Mond, Sternschnuppen und Feuerkugeln; im engem Sinne aber blos die seltenem Erscheinungen letzterer Art. Man unterscheidet ge- wohnlich vier Classen von Meteoren: >) lustige, wohin die Winde gehören; 2) wässerige oder Hydrometeore, z. B. Thau, Reif, Nebel, Wolken, Regen und Hagel; 3) feurige, z. B. Blitz, Wetterleuchten, Nordlicht und Sternschnuppen, und 4) glänzende und optische, wie die Regenbogen, Höfe, Nebensonnen und Nebenmonde. Meteorologie heißt derjenige Theil der Physik, welcher sich mit denMeteorcn (s. d.) beschäftigt. Da aber die Reihenfolge, in welcher sich die meisten der Meteore an einem Orte zeigen, die Witterung bestimmt, so wird dieser Ausdruck auch gleichbedeutend mit Witterungskunde genommen. Unstreitig war dieser Theil der Physik derjenige, auf welchen die Menschen zuerst ihren Scharfsinn wendeten, da die hierhergehörigen Erscheinungen viel zu auffallend und einflußreich sind, als daß sie hätten lange unbeachtet bleiben sollen. Die ältesten Völker schrieben dieselben mächtigen Gottheiten zu. Schon die Griechen und Römer bemühten sich, die Meteorologie wissenschaftlich zu bearbeiten; sie machten manche scharfsinnige Bemerkungen und wichtige Beobachtungen, allein ein bedeutendes Resultat ihrer Forschungen vermochtcnsie nicht zu erzielen, weil es ihnen an gehörigen Instrumenten, und vorzüglich an den nöthigen Vorkenntnissen der Physik mangelte. Nach dem Wiederaufleben der Wissenschaften wurde auch an der Meteorologie von neuem gearbeitet, jedoch mit keinem günstigen Erfolge, da die verkehrte Richtung und Sucht der meisten Gelehrten aus ihr eine Lehre der Voraussagung des Wetters machte. Eine neue Epoche erblühte der Geschichte dieser Wissenschaft in Folge der Erfindung des Barometers (s. d.) und Thermometers (s. d.), welche noch immer die vorzüglichsten Instrumente der Meteorologen ausmachen. Noch immer aber herrschte jener Vorhersagungstrieb, es fehlte noch an über die ganze Erde sich erstreckenden und guten Beobachtungen in hinreichender Zahl, und hauptsächlich an Männern, die Scharfsinn genug besaßen, um sich in der Combination so mannichfacher Erscheinungen zu versuchen. Endlich erklärte Franklinss.d.) die elektrische Natur des Blitzes (s.d.), S aussure (s. d.) und De lu c (s. d.) erfanden neue Jnstru- mente, verfolgten die wechselnden Erscheinungen in den Alpen, und der Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz entschloß sich zur Stiftung einer meteorologischen Societät in 538 Meteorsteine Manheim. Instrumente wurden von letzterer nach allen Punkten in Deutschland, Frankreich, Rußland und Italien versendet, die Beobachtungen genau verzeichnet und gedruckt, , und noch lange werden die „Ephemeriden" dieser Societät wahre Fundgruben für die Meteorologie bleiben. Doch alle oder wenigstens die meisten der damals gemachten metev- rologischen Forschungen bezogen sich nur auf die wcstlicheHalbkugel, von dem Witterungsverhalten der übrigen Weltgcgenden, namentlich der Aquinoctialgegenden, war wenig bekannt. Alex, von Humboldt (s. d.) war der Erste, der innig vertraut mit den Phänomenen deS Westens wie des Ostens mit kräftigen Zügen das Gemälde der Tropen entwarf; er zeigte die Verschiedenheit in dem Witterungsverhalten in niedern und höhern Breiten, auf Inseln und im Innern der Länder, und durch scharfsinnige Combinationen verband er eine Menge paradox scheinender Phänomene zu einem harmonischen Ganzen. Demnächst entwarf Leop. Bu ch (s. d.), welcher die Erscheinungen des hohen Nordens, des südlichen Europas und der Canarischen Inseln sorgfältig beobachtet hatte, eine meisterhafte Übersicht der wichtigsten Erscheinungen, welche das Barometer zeigt. Er wies nach, daß das Steigen und Fallen des Barometers hauptsächlich von der Temperaturändermig benachbarter Gegenden verursacht wird, und nur insofern als Witterungsprophet dienen kann, als jene Änderung Störungen der Atmosphäre nach sich zieht. Hieraus ging aber hervor, daß das Vorhersagen der Witterung zur Zeit noch etwas Unmögliches sei, und daß man nur dann über den allgemeinen Charakter ganzer Jahreszeiten und Landstrecken etwas mit einiger Wahrscheinlichkeit bestimmen könnte, wenn man gleichzeitig die Beschaffenheit der ganzen Atmosphäre zu überblicken im Stande wäre. Insbesondere verdankt die Meteorologie den beiden zuletzt genannten Gelehrten vortreffliche Aufklärungen über die Entstehung und Richtung der Winde, die auf Klima und Witterung so große» Einfluß haben. Vgl. Kämtz, „Lehrbuch der Meteorologie" (2 Bde., Halle > 83 I —32). Meteorsteine, auch Mondsteine, Meteorolithen, Aerolithcn oderUra- nolithen nennt man vom Himmel herabgefallene steinartige Massen, die beim Zerplatzen von Feuerkugeln auf die Erde geschleudert werden. Die letzter», auch Boliden genannt, erscheinen plötzlich in der Atmosphäre, bewegen sich in der Regel mit reißender Geschwindigkeit, die zuweilen der der Erde in ihrerBahn gleichkommt, und zerplatzen nach kurzer Sichtbarkeit mit heftigem Knalle meist in großer Höhe in mehre Stücke, welche noch heiß und mit einer dünnen schwarzen Rinde überzogen, mit solcher Gewalt herabfallen, daß sie oft mehre Fuß in die Erde eindringen. Diese Steinfälle und somit auch die von den alten Schriftstellern oft erwähnten Steinregen sind erst in neuern Zeiten seit Chladni durch zahlreiche Beobachtungen außer allen Zweifel gesetzt. Die Bestandtheile der Meteorsteine sind in der Hauptsache immer dieselben, vorzüglich Eisen, Kieselerde, Nickel, in geringer Menge Chrom- und Manganoryd, Schwefel, Kalk, Talkerde, Thon, zuweilen auch Natron, Kali, Wasser, Kohle, Salzsäure, Kupfer und Zinn. Die Größe und Menge der herabgefallenen Steine ist sehr verschieden. Bei Aigle fielen im I. 1803 gegen 2000 Stück von 2 Ouentch. bis 17'/, Pf.; die Steine von Ensisheim und Verona wogen 2 — 300 Pf. Außer den eigentlichen Meteorsteinen fallen zuweilen große Massen gediegenes Eisen, sogenanntes Meteoreisen, herab, deren Herabfallen aber in der Regel nur auf Vermuthung beruht und aus ihrer isolirten Lage, Zusammensetzung u. s. w. geschlossen wird. Oft sind diese Massen von ungeheurer Größe; das bei Hradschina in Kroatien 175l vor Augenzeugen gefallene Meteorstück wiegt aber nur 7 l Pf. Über den Ursprung der Meteorsteine hat man nur Hypothesen aufgestellt, nach denen sie tellurischer, atmosphärischer, lunarischer oder kosmischer Natur sind. Einige Physiker, namentlich die Gebrüder Deluc, hielten sie fürAuswürflinge von Erdvulkanen, was thcils ihrer großenVerschiedenheit von vulkanischenProducten, theils der zum Emporschleudern solcher Massen in solche Weiten ungenügenden Wurftraft derVul- kane wegen unstatthaft ist. Mayer, Diruf, Freygang, Wrede u. A., in der neuesten Zeit namentlich Egen, hielten sie für Gebilde, die sich in der Atmosphäre, durch unbekannte chemische Processe, aus den von der Erde aufgestiegenen mineralischen Dämpfen erzeugen. Dagegen spricht aber namentlich die große Höhe, in der wir die Feuerkugeln erblicken und vln I"°"lreine suchen müssen. Olbers sprach 1795 die Idee aus, daj uswurssinge von Mondvulkanen auf die Erde gelangen könnten, und wies die Möglich ! I » ! s Meth Methode 539 keit, wiewol nur unter der Bedingung nach, daß beide Körper sich in Ruhe befänden. Ihm stimmte Laplace im I. 18»2 bei und mehre andere Geometer zeigten gleichfalls durch Rechnung die Möglichkeit jenes Ereignisses. Die Rechnung wies nach, daß eine vom Monde mit einer anfänglichen Geschwindigkeit von etwa 8»»» F. nach der Erde zu geschleuderte schwere Masse nicht wieder zum Monde zurückkehren, sondern in Folge der starken Anziehung der Erde möglicherweise in einem Zeiträume von 60—7» Stunden auf dieselbe gelangen könne und mit einer Geschwindigkeit von etwa 1 '/-M. in der Secunde ankommen werde. Hierauf gestützt nehmen Bauquelin, Prechtl, Fourcroy, Bcnzenberg und Berzelius den lunarischen Ursprung der Meteorsteine an, Letzterer besonders deshalb, weil dieselben metallisches Eisen enthalten, das sich als solches nicht an einem Orte erhalten könnte, wo es Wasser gibt, und daher sehr wahrscheinlich aus dem Monde komme, wo es keins gibt. Jn- deß ist die lunarische Hypothese schon darum unhaltbar, weil nur durch das ohne Zweifel höchst seltene Zusammentreffen günstiger Bedingungen ein vom Monde ausgeworfener Körper in den Bereich der Anziehung der Erde gelangen und dieselbe nicht nur umkreisen, sondern erreichen könnte, was mit der verhältnißmäßigen Häufigkeit der Meteorsteinfälle unvereinbar ist, abgesehen davon, daß man den Mondvulkanen, deren Dasein ohnehin gar nicht erwiesen ist, wegen der Größe vieler Meteorsteinmassen und der reißenden Geschwindigkeit vieler Feuerkugeln ganz ungeheure Wurfkräfte zutrauen müßte. Demnach bleibt als wahrscheinlich nur die zuerst I8IS von Chladni ausgesprochene, neuerdings außer vielen Andern auch von von Humboldt vertheidigte Annahme übrig, nach welcher die Meteorsteine kosmischen Ursprungs sind, nämlich Massen, die sich, sei es nun als Bruchstücke eines größer» Weltkörpers oder als selbständige kleine planetarische Körper, im Welträume bewegen und auf die Erde fallen, wenn sie der Erde zu nahe kommen und von dieser angezogen werden. Das Hauptwerk über Meteorsteine ist noch immer das von Chladni, „Über Sonnenmeteore und die mit denselben herabgefallenen Massen" (Wien 1819). Des Verfassers große Sammlung von Meteorsteinen befindet sich jetzt in Berlin, eine andere vorzüglich reichhaltige im Mineraliencabinet zu Wien. Meth oder Meht ein weinartiges hauptsächlich in Polen und Rußland beliebtes Getränk, wird aus Honig und Wasser durch Kochen und Gährung gewonnen und zwar in desto besserer Qualität, je besser der Honig ist. Auch gibt man dem Meth durch Zusatz von allerhand Obst, z. B. von Johannisbeeren, Kirschen, Himbeeren u. s. w., durch Gewürz und Kräuter größere Annehmlichkeit. Füllt man ihn mit gutem alten Franzwein auf, nachdem er seine Weinfarbe erhalten hat, so wird er dem Weine täuschend ähnlich. Die passendste Zeit zur Bereitung des Meth sind die Hundstage. Je älter er wird, desto mehr gewinnt er an Stärke und Lieblichkeit. Als Handelsartikel ist er für Ungarn von Bedeutung. Methfeßel (Albert), Hofkapellmeister zu Braunschweig, wurde 1786 zu Stadtilm im Fürstenthume Schwarzburg-Rudolstadt geboren, wo sein Vater Cantor und Musik- director war. Sein älterer Bruder, Friedr.M., geb. 1771,der gleichfalls als Sänger und Liedercomponist sich einen Namen erwarb, starb bereits 1867. Bei seinem Vater lernte M. Pianoforte, Violine und Guitarre; zugleich besaß er eine wohlklingende Tenorstimme, deren fleißige Ausbildung er früh sich angelegen sein ließ. Später lebte er in Rudolstadt, bis die Fürstin von Schwarzburg-Rudolstadt zu seiner weitern Ausbildung als Musiker und Sänger ihn nach Leipzig und Dresden sendete. Nach dreijähriger Abwesenheit erhielt erl 810 ein Engagement als Kammersänger in Rudolstadt. Im I. 1824 ging er nach Hamburg, wo er als Gesanglehrer und durch Stiftung einer Liedertafel nach Zelter schem Vorbilde sich verdient machte. Im I. 1831 folgte er dem Rufe nach Braunschweig. Er stand eine Zeit lang als Liedercomponist in bedeutendem Rufe, wußte dankbar für den Gesang zu schreiben und war nicht ohne gefälligen melodischen Reiz. Doch Mangel an Tiefe ließ ihn nicht zu einer nachhaltigen Wirksamkeit kommen, sodaß seine Geltung nur eine ephemere genannt werden kann. Ganz vortrefflich ist das von ihm herausgegebene „Commersbuch", eine Sammlung beliebter Gesänge, worin sich auch viele von ihm selbst finden. Gelungene Lieder für Männerstimmen schrieb er vorzugsweise zur Zeit seines Aufenthalts inHamburg. Method, s. Cyrill. Methode bezeichnet im Allgemeinen die Regelmäßigkeit eines Verfahrens, welches 54st Methode angcwenbet wird, um einen bestimmten Zweck zu erreichen. Der Begriff der Methode ist daher keineswegs auf die Erziehung oder die Wissenschaft beschränkt, sondern er gilt ebenso gut für die gewöhnlichen Geschäfte und Arbeiten des täglichen Lebens, für das Verfahren der Agricultur, der Gewerbe u. s. w. Entgegengesetzt ist dem methodischen Verfahren das fragmentarische, tumultuarische, rhapsodisch abspringende, planlose und blos von subjectwen Einfällen und Launen abhängige. Die Angemessenheit der Methoden hängt überall «on der Natur des Gegenstandes, mit dem man zu thun hat, von den ihn beherrschenden Ersetzen, und dem dadurch bedingten Verhältniß zwischen Mittel und Zweck ab, und es wird deshalb für die verschiedenen Gebiete, in welchen ein methodisches Verfahren möglich ist, eine unbestimmbare Mannichfaltigkeit von Methoden geben. Eine besondere Wichtigkeit hat der Begriff der Methode theils für die Zwecke der Erziehung, theils zur Bestimmung des wissenschaftlichen Verfahrens überhaupt. In der ersten Beziehung unterscheidet man je nach der Form des Vortrags die akroamatische Mc tho d e, d. h. die Lehrart, wo der Lehrer ununterbrochen allein spricht und dem Lernenden die Auffassung des Gesprochenen überläßt, von der erotematischen oder dialogischen, d. h. der abfragenden, welibe auf einem gegenseitigen Gedankenaustausch des Lehrenden und Lernenden beruht, daher dii Selbstthätigkeit des Letztem unmittelbar in Anspruch nimmt und dem Lehrer ebenso Gelegenheit gibt, die Art, wie der Lehrstoff aufgefaßt wird, zu controliren, als auch der eigenen Gedankenentwickelunz des Lernenden zu Hülfe zu kommen. Dadurch geht die erotematische Methode in die ka technische über, welche man häufig auch die sokratisch e nennt, weil Sokrates vorzüglich die Kunst geübt hat, den Lehrstoff im Gespräche mit den Schülern durch geschickt aneinander gereihte Fragen entstehen zu lassen; eine Kunst, die er als geistige Mäeutik (Hebammenkunst) bczeichncte. Einen ähnlichen äußern Unterschied bietet die Methode des gewöhnlichen einseitigen und des gegenseitigen Unterrichts dar. (S. Bell-Lan- raster'schesUnterrichtssystem.) Wichtiger als diese Unterschiede ist es geltend zu machen, daß jede rechte pädagogische Methode auf das Ziel hinarbeitcn muß, Das, was gelernt werden soll, auf die leichteste, sicherste und natürlichste Weise zum geistigen Eigen- thume des Lernenden zu machen. Die Factoren, von welchen die Bestimmungen der pädagogischen Methoden abhängen, sind daher die Natur des Unterrichtsgegenstandes selbst, die allgemeinen psychologischen Bedingungen seiner Aneignung, der Standpunkt, auf welchem der Unterricht den Schüler findet, endlich die Individualität des letztem. Je nachdem dich Factoren in dem einzelnen Falle so oder anders Zusammentreffen, werden sich die pädagogischen Methoden höchst mannichfaltig modificiren. Da jedoch aller Unterricht den Zweck hat, entweder den schon vorhandenen Gedankenkreis des Schülers demselben zum vollen Bewußtsein zu bringen, oder ihn zu berichtigen, zu erweitern und zu bereichern, so werden sich die verschiedenen Unterrichtsmethoden unter die Begriffe des blos darstellenden, dci analytischen und des synthetischen Unterrichts subsumiren lassen. Zu dem analytischen Unterricht gehört der allergrößte Theil Dessen, was seit P estalozzi (s. d.) als Anschauungsübung (s. d.) so vielfach angcwenbet worden ist und so wohlthätig gewirkt hat. In der Praxis sind diese Arten des Unterrichts nicht voneinander zu trennen, sondern die pädagogische Kunst beruht auf der zweckmäßigen Verknüpfung derselben, für welche jedoch die verschiedenen Unterrichtsgegenstände nicht durchaus die gleichen Bedingungen darbieten; daher die zweckmäßigste Art des Unterrichts in den Sprachen, in der Geschichte, der Mathematik, der Religion u. s. w. immer noch ein besonderer Gegenstand des pädagogischen Nachdenkens bleibt. Unabhängig von solchen pädagogischen Rücksichten sind die eigentlich wissenschaftlichen Methoden, welche ausschließend durch die Natur der wissen- schaftlichen Probleme und den inner« Zusammenhang der wissenschaftlichen Erkenntniß bedingt sind. Für solche Wissenschaften, die sich damit begnügen können, aus einer Vielheit beobachteter Fälle allgemeine Gesetze abzuleiten, sind vorzüglich die Methoden der Jnduction (s. d.) wichtig; wo es sich um einen innern Zusammenhang der Begriffe handelt, wird sich die Methode zu einer speculativen arrszubilden suchen. Insofern in diesem letztem Falle das wissenschaftliche Erkennen durch einen Fortschritt von den Gründen (Principien) zu den Folgen, oder durch einen Rückgang von den Folgen zu den Gründen erzeugt wird, unterscheidet man progressiv e und regressive Methoden, Methodik Methodiker 541 die man bisweilen auch als synthetis che und analytische bezeichnet. In nahem Zu- sammenhangc damit steht ein anderer Unterschied des methodischen Verfahrens, indem man entweder ein Ganzes der Erkenntniß schon als gesunden betrachtet und unabhängig von der Art seiner Entstehung darstellk, oder in der Art der Entstehung selbst die Gründe der einzelnen Säße darlegt. Die letztere Methode ist die eigentlich heuristische oder g e - »etische, deren Anwendbarkeit sich nach der Beschaffenheit des Erkenntnißgegenstandcs modificirt. Mit dem größten Erfolge ist sie in neuerer Zeit, namentlich von Steiner, auf die Geometrie angewendet worden. Für die methodischen Hülfsmittel, deren jede Wissenschaft je nach der Beschaffenheit der Probleme mannichfaltige bedarf, bietet die Logik mit ihrer Lehre von den Definitionen, Eintheilungen und Beweisen nur die allgemeinste Grund- läge dar und es war eine zu enge Ansicht, wenn man die sogenannte mathematische oder Euklidische Methode, die eben von Erklärungen und Axiomen zu Lehrsätzen fortschreitet, für den alleinigen Ausdruck einer strengen wissenschaftlichen Methode hielt und, wie Spinoza und Wolf thaten, in dieser äußerlich erkennbaren Sonderung von Definitionen, Axiomen, Theoremen, Corollarien, Scholien, Lehnsätzen u. s. w. das Wesen der mathematischen Methode suchte. In der Philosophie würde die Methode den willkürloscn Gang eines nothwen- dig fortschreitenden Denkens bezeichnen. (S. Dialektik.) Das Verfahren der Philosophie rücksichtlich der Wahl ihrer Methoden ist zum größtenTheil sehr unsicher. Zu der Zeit, als man das philosophische Wissen, statt aus Begriffe, auf intellektuelle Anschauungen gründen zu können meinte, wurden alle Methoden, die auf der Reflexion beruhten, sehr geringgeschätzt. Die Behauptung, daß cs für die ganze Philosophie nur eine einzige Methode gebe, hat Hegel (s. d.) am entschiedensten ausgesprochen. Hegel's dialektische Methode trat mit dem Anspruch auf, in der Entwickelung der Gedanken und Begriffe zugleich die Natur der Dinge vor Augen zu legen; sie machte Anspruch, die wahrhaft genetische, das Wesen der Sache selbst evolvirende Methode zu sein; gerade über diesen Punkt jedoch, ob sie nur einen Proceß des Denkens oder zugleich den objektiven Proceß des Geschehens bezeichne, sind die Ansichten der Schüler Hegel's getheilt. Andere Denker, wie namentlich Herbart (s. d.), gestatten nicht nur, sondern sodern für die Auflösung der verschiedenen philosophischen Probleme verschiedene Methoden, weil jede Methode ihrem Gegenstand immanent sei und die Verschiedenheit der Gegenstände auch verschiedene Methoden verlange. Methodik oder Methodologie heißt die Anweisung zur methodischen und zweckmäßigen Behandlung irgend einer Aufgabe, z. B. zur Erlernung oder zum Vortrag einer Wissenschaft, zur Ausführung eines Geschäfts u. s. w. So spricht man von einer Methodologie des akademischen Studiums, der Medicin u. s. w. (S. Hodegctik.) Eine allgemeine wissenschaftliche Methodologie ist noch eine ungelöste Aufgabe, die nur durch ein sehr sperielles Eingehen in den Geist der einzelnen Wissenschaften würde gelöst werden können, man müßte denn die logische Lehre von der Methode so nennen, die aber deshalb sehr dürftig ist, weil sie nur diejenigen methodischen Gesetze berührt, die allen Wissenschaften gemein sind. Zn der Kant'schen Schule nannte man denjenigen Theil einer Untersuchung Methodenlehre im Gegensätze zu der Elementarlehre, der sich mit der Anwendung der Elementarbegriffe auf das durch sie beherrschte Erkenntnißgebiet beschäftigte. Methodiker nannten sich die Anhänger einer vonThemison aus Laodieea im letzten Jahrh.v.Chr. gestifteten medicinischen Schule, welche auf dem Mittelwege zwischen Dogmatismus (s. d.) und Empirismus (s. d.) eine feste Regel für die Therapie zu geben versuchte. Das sehr einfache System leitete alle Krankheiten aus einer mit Trockenheit verbundenen Zusammenziehung, oder einer durch vermehrte Aussonderungen sich aussprechenden Erschlaffung der die Säfte enthaltenden Kanäle oder endlich von einem aus diesen beiden gemischten Zustande her. Die Zusammenziehung wurde nun mit erschlaffenden, die Erschlaffung mit zusammenziehenden, der gemischte Zustand aber mit solchen Mitteln be- handelt, welche dem in ihm vorherrschenden Krankhestsprincip nach derselben Regel entsprachen. Ein besonderes sogenanntes prophylaktisches Verfahren jedoch machten die Ver- giftungen nöthig. Allerdings war dieses System aus Empirie und Dogmatismus zusammengesetzt, hielt aber keineswegs die richtige Mitte zwischen beiden, indem es höchst einseitig nur von jedem dieser beiden Extreme einen Theil seiner Lehre entlehnte und so weniger 542 Methodisten die Vorzüge als die Fehler derselben in sich vereinigte. Das Hauptverdienst derMekhodikei ist die erste Anregung des Gedankens an allgemeine Jndicationen (s. Heilanzeige) und somit an eine allgemeine Th erapie (s. d.). Der Leichtigkeit wegen, welche dieses System in seiner praktischen Anwendung bot, fand es viele Anhänger, von denen aber die bedeu- tendsten fast jammtlich Veränderungen damit Vornahmen; die ausgezeichnetsten unter ihnen sind Soranus aus Ephesus, welcher unter Trajan und Hadrian lebte und von dessen Werken noch einige in der lat. Bearbeitung von LäliuS Aurelianus übrig sind, Letzterer selbst und Moschion. Vgl. Clarus, „De metiiockicae scüolae ;,ril,ci;>il)iis" (Lpz. I 799, 1.). Methodisten heißen die Mitglieder einer Religionsgesellschast, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrh. im Schoose der engl. Kirche entstand. Einige junge Theologen zu Oxford hatten sich um 1720 zu frommen Übungen und strenger«Sitten vereinigt, namentlich beabsichtigten sie eine genauere Beobachtung der Vorschriften des N. T., als damals in der engl. Kirche gebräuchlich war, und widmeten sich Werken der Liebe. Andersgesinnte nannten sie wegen ihrer methodischen Frömmigkeit Methodisten, ein Name, der später von ihnen selbst angenommen wurde. In dem Bunde zeichneten sich John W e s l e y (s. d.j, der eigentliche Stifter desselben, sein Bruder Karl Wesley und der 1732 beigetretene Georg Whitefield (s. d.) durch Talent, Eifer und Ansehen aus. JohnWesley ging >735 nach Georgien in Nordamerika, wo er als Heidenbekehrer zwei Jahre arbeitete. Durch seine Verbindung mit den dortigen Herrnhutern angeregt, beschloß er, den frühern Bund bei seiner Rückkehr nach England nach Art der Brüdergemeinde zu erweitern und einzurichten. Durch Whitefield's Predigten unterstützt, sammelte er zu London sehr bald eine kleine Gemeinde. Als die Geistlichkeit der bischöflichen Kirche den methodistischen Predigern dieKan- gel verbot, predigten sie im Freien. Der eigne Charakter dieser Feldpredigten vermehrte sehr bald den Anhang der Methodisten; auch trug hierzu bei, daß man wichtige, aber durch Lauigkeit und Skeptizismus der brit. Geistlichkeit von den Kanzeln verdrängte Glaubenssätze in den methodistischen Versammlungen behandelte und das natürliche Verderbe» des Menschen, die Versöhnung durch den Tod Christi, die Buße und Wiedergeburt wieder zur Sprache brachte. Sic bauten sich nun eigene Bethäuser, die sie Tabernakel nannten, und da die Negierung ihr Unternehmen nicht hinderte, schritten sie zur Errichtung einer Kirchenverfaffung, die, obgleich das gute Vernehmen mit den Herrnhutern schon >738 aufgehört hakte, doch zum Theil nach dem Muster der Brüdergemeinde zu Stande kam. Innerer Streit über die Gnadenwahl verursachte >731 eine Trennung der Whitefiel- dianer, die sich zu dem calvinistischen Particularismus bekennen, von den Wesleyanern, die, wie die Arminianer oder Nemonstranten, eine allgemeine Vorherbestimmung zur Seligkeit annehmen. Die Zahl der 38 Artikel der bischöflichen Kirche haben sie auf25 herabgesetzt. Ihre Liturgie ist das Rituale der bischöflichen Kirche, nur beobachten sie es mit mehr Wärme und Innigkeit. An den Wochentagen versammeln sie sich früh vor und Abends nach 6 Uhr zum Gottesdienste; die Sonntagsfeier beobachten sie sehr genau. Monatlich ein Mal hält jede Gemeinde eine Wachnacht, welche vom Abend bis zum Morgen mit Lehren, Beten und Singen zugebracht wird, und am Neujahrstage kommen alle Wesleyaner im Tabernakel zu Moorfields bei London zur Feier des Stiftungsfestes zusammen. Zur Erhaltung der Kirchenzucht sind die Gemeinden in Classen von >0—28 Mitgliedern, und diese wieder nach den Geschlechtern in kleinere Gesellschaften oder Bands getheilt, deren jede unter ihrem eigenen mit der Seelsorge und einer strengen Sittencensur beauftragten Vorsteher wöchentlich zusammenkommt. Alle Bands und Classen einer Gemeinde feiern vierteljährlich ein gemeinschaftliches Liebesmahl. Geleitet werden die Gemeinden von den Bischöfen, Predigern und Laienpredigern, die oft nieder« Ständen angehören, undungeachtet der Besoldung, die sie erhalten, ihr Gewerbe fortsetzen dürfen, auch keine besondere geistliche Tracht haben. Den Predigern stehen in jeder Gemeinde sieben Älteste zur Besorgung der bürgerlichen und ökonomischen Angelegenheiten zur Seite; außerdem die Vorsteher der Classen und Bands und die Krankenbesucher. Die Conferenz, aus einer gewissen Anzahl Prediger bestehend, die sich jährlich versammeln, berathet die gemeinsamen Angelegenheiten der Gesellschaft. Die Gemeinden haben eigene Schullehrer, und zu Kingswood bei Bristol besteht eine von Wesley gegründete Bildungsanstalt für methodistische Predl- Methuenvertrag 543 ger. Alle diese Diener der Gesellschaft wurden ehedem allein von den Predigern durch das Loos gewählt. Als aber nach Wesley's Tode im I. >79l unter seinen Anhängern die Frage entstand, ob man nicht das Abendmahl, das sie bisher nach Wesley's Willen in den Versammlungen der bischöflichen Kirche genossen hatten, in den eigenen Tabernakeln halten und sich gänzlich von dieser Kirche lossagen wolle, und die Prediger hierüber zwar bejahend, aber nicht durch Abstimmung, sondern wieder durchs Loos entschieden, bildete sich unter dem Namen derneuen Methodisten eine besondere Partei unter den Wesleyanern, die 1796 ein aus Predigern und Laien zusammengesetztes Kirchendirectorium bildete und jetzt zahlreicher ist als die alten Wesleyaner und Whitefieldianer. Die Methodisten sind in Großbritannien sehr zahlreich und wirken theils durch Missionen unter den Sklaven in Westindien und unter den Wilden auf den Südseeinseln, theils dadurch heilsam, daß sie die niedern Volksclassen zur Arbeitsamkeit, Sittsamkeit und Gottesfurcht gewöhnen. Die Methodisten in Nordamerika sind zwar Wesleyaner, unterscheiden sich aber von den brit. Gemeinden auf mehrfache Weise. Schon l 766 gründeten methodistische Prediger aus Irland eine Gemeinde in Neuyork, für die zwei Jahre später ein Bethaus angelegt wurde. Die erste Conferenz der amerikan. Methodisten wurde >773 zu Philadelphia unter dem Vorsitze Thom. Rankin's gehalten, dem WeSley die Oberaufsicht über die Gemeinden in den Colonicn übergeben hatte. Nach der Revolution sendete Wesley >784 einen seiner Jünger nach Amerika, welcher in einer Versammlung zu Baltimore einen Oberaufseher oder Bischof der amerikan. Gemeinde einsetzte und zugleich zwölfPrediger zu Ältesten ernannte. Seitdem ist die bischöfliche Verfassung in Amerika eingeführt, und die Methodisten heißen diemethodistischeEpiskopalkirche. Sie besteht aus Diakonen, Ältesten und Bischöfen. Jeder, der sich vom heiligen Geiste ergriffen glaubt, wendet sich an seinen Prediger und erhält von ihm, wenn er für befähigt gehalten wird, die Erlaubniß, zu ermahnen. Hat er seine Befähigung auf diese Weise einige Zeit bewährt, so ertheilt ihm die örtliche Predigerconferenz die Erlaubniß, in einer Gemeinde aufzutreten, oder es ernennt ihn die jährliche Conferenz zum reisenden Prediger. Wenn er zwei Jahre lang gereist ist, wird er Diakon und zwei Jahre später Ältester. Die Prediger in den Gemeinden sind, wie in England, Laien, die nur Sonntags predigen. Die jährliche Conferenz besteht aus allen reisenden Predigern; die Generalconferenz bilden die Abgeordneten der jährlichen Konferenzen; sie wird von vier zu vier Jahren gehalten und hat alle Anordnungen für die Gemeinden zu machen. Die Bands bestehen aus drei bis vier Mitgliedern, entweder Männern oder Frauen, Verheiratheten oder Unverheiratheten, die besonderes Vertrauen zueinander zieht. Im I. >842 zählte man 3 Mill. Methodisten in Ämerika in 3306 Gemeinden; ein methodistisches Seminar wurde >83l zuMiddletown in Connecticut eröffnet. Vgl. Southey, „I. Wesley's Leben, die Entstehung und Verbreitung des Methodismus" (nach dem Englischen von Krummacher, 2 Bde., Hamb. >828) und ,/1'de Ule ot6. WUiteüelä" (nach dem Englischen von Tholuck, Lpz. >834). Methuenvertrag heißt der von dem brit. Gesandten Methuen in Lissabon >793 mit der portug. Regierung abgeschlossene Handelsvertrag, welcher festsetzte, daß wollene Tuche und andere Wollenwaaren brit. Ursprungs, die seit >684 nicht mehr hatten eingeführt werden dürfen, wieder zu dem frühen, Eingangszolle von 23 Procent vom Werkhe in Portugal zugelassen werden sollten, wogegen Großbritannien sich verpflichtete, die portug. Weine bei der Einfuhr stets um ein Drittel niedriger als die französischen zu besteuern. Dieser Vertrag galt lange Zeit als ein höchst vortheilhafter für Großbritannien, wie ihn denn die Schule des nationalen Systems der politischen Ökonomie auch noch gegenwärtig für sich als einen solchen erkennt. Mein ein nur geringes Nachdenken lehrt, daß Großbritannien wol selten einen ihm gleich nachtheiligen Vertrag abgeschlossen haben möge. Denn da der Vertrag sich nur auf Portugal, nicht auf dessen Kolonien bezieht, so wixd durch ihn den portug. Weinen ein zehnmal größerer Verbrauch der Seelenzahl nach in Großbritan- uien, als den brit. Wolleriwaaren in Portugal zugewiesen; sodann hat Großbritannien doch sicher ein größeres Bedürfniß und Vermögen für portug. Weine, als Portugal für brit. Tuche, und endlich verringerte Großbritannien noch dadurch seinen Verkehr mit 544 Methymna Metrik Frankreich, daß es einen der Hauptausfuhrartikel desselben, den Wein, von seinem Markte ausschloß und Frankreich zu Vergeltungsmaßregeln veranlaßte. Methymna, jetzt Molivo, eine ehemals bedeutende Stadt auf der Ostküste von Lesbos (st d.), berühmt durch seinen Weinbau und als Geburtsort des Avion(s.d.), blieb im Peloponnes. Kriege allein den Athenern treu, als alle übrigen Städte der Jnstl die Bundesgenossenschafk mit denselben aufgegeben hatten. (S. Mitylene.) Metis, die Klugheit, eine Tochter des Okeanos und der Tethys, war die erste Ge- mahlin des Zeus, welche auf Bitten desselben dem Kronos ein Brechmittel eingab, wonach er seine verschlungenen Kinder wieder von sich geben mußte. Als dem Zeus Gäa und Uranos verkündeten, daß sie zuerst ein Mädchen, dann einen Knaben gebären werde, der einst die Herrschaft erhalten werde, verschlang er sie, als sie noch mit der Athene schwanger war, und gebar dann diese selbst. (S. Minerva.) Metonymie (griech.) nennt man in der Rhetorik die Vertauschung des eigentlich«! oder allgemeinen Begriffs mit solchen, die nothwendig oder zufällig mit ihm verbunden sind, um dadurch beim Leser oder Hörer eine bestimmtere und anschaulichere Vorstellung zu erwecken. Dahin gehört namentlich die Vertauschung I) von Ursache und Wirkung, wie „kalt" statt „todt"; 2) von Vorhergehendemund Nachfolgendem, wie bei Herder: „Nimm den Kern des Heers und zieh tapfer wider die Kroaten" statt „kämpfe"; 3)desSlof- fes und des daraus Gebildeten, wie bei Schiller: „Jenem Gotte, den sein Marmor preist», oder „Kränze pflücken" statt „Blumen"; 4) der Eigenschaft und ihres Subjects oder des Abstractum und Concrctum, wie „Tugend" statt „Tugendhafte", „Laster" statt „Lasterhafte"; 5) des Werkzeugs mit dem Gebrauche desselben, wie bei Engel: „Die Zunge und der Griffel machten den Menschen endlich zu Dem, was er werden sollte"; 6) des Orts und der Zeit mit den darin enthaltenen Personen und Begebenheiten, wie „Markt" statt „Menschen", „Griechenland" statt „die Griechen", „Gegenwart" statt „die Zeitgenossen»! 7) des Zeichens mit der Sache selbst, z. B. „sie treten unter die Fahnen". (S. Tropen) Metöpen oder Zwischen selber nennt man in der Baukunst diejenigen Theile des dorischen Frieses, welche sich zwischen den mit den Triglyphen versehenen Balkenköpfen befinden. Sie bilden den Übergang der Holzconstruction in die Steincönstruction, indem die letztere noch die Formen der erster« darstcllt, welche die spätere Baukunst immer mehr und mehr verwischte. Über die Säulen hin ist der Länge nach ein Tragebalkcn, der Archi- trav, gelegt, auf welchem die Querbalken, die die Decke bilden, ruhen. Ihre Enden, die Balkenköpfe, sind zum bessern Wasserabschuß mit kleinen Kanälen, den Triglyphen, versehen, und die Felder zwischen den Balken, die Metopen, sind offen. Diese Verbindung bildet den Fries. Später wurden die Metopen ebenfalls geschlossen, standen aber immer etwas hinter den Balkenköpfen zurück; nachmals brachte man auch Sculpturen, z. B. am Tempel des Theseus u. s. w., in den Metopen an. Da dieselben fast quadratisch waren, machte ihre Eintheilung später, als man größere Säulcnweiten annahm, Schwierigkeiten! sie erschienen zu lastend, und die ionische, schon weiter ausgebildetere Säulenordnung zeigt nur noch den glatten Fries. Auch sie hat eine Art Metopen, aber an einer andern Stelle, nämlich am Kranzgesims. Metre, s. Maß und Gewicht. Metrik (griech.) ist die Wissenschaft der allgemeinen Gesetze des Rhyth mus (s-d.) als Grundlage aller Versmessung, verbunden mit der Darstellung der verschiedenen, von den Dichtern gebrauchten Versmaße, sofern dieselben durch jene allgemeinen Gesetze bedingt sind, obgleich man gewöhnlich nur die Theorie der Verskunst darunter versteht. Sie erhielt bei den Griechen, die sich schon frühzeitig durch Gesang und Tanz an eine feste Wahrnehmung der rhythmischen Ordnung gewöhnt hatten und deren Dichter zugleich Tonkünstler und Gesetzgeber der Musik waren, durch vielseitigen Reichthum und Wohlklang der Verketten die vollendetste Ausbildung, während die Römer sich einen weit beschränktem und mehr praktischen Kreis derselben schufen und sich auch hierin meist sklavisch an ihre Vorgänger, die Griechen, Hielten. Als Wissenschaft aber wurde sie von den alten griech. Mustkern, Grammatikern, Rhetoren und Scholiasten, namentlich von AristoxenuS (s. d.), Hs' phästion (s- d.) u. A. sehr mangelhaft behandelt, ebenso von den lat. Grammatikern, w>e V0! sch Sl mi (s- der Bc seii die (Li nm zu> stre der Ka wic Di son schc nia »v wa gen rich spr, ? me: uiic auf ! me! > Gr 15- j suu chei erh tri Na i das ! Si Übl ! »ü> I uni ^ gel nä hei Ki tef we i Metrometer Metternich (Geschlecht) 545 von Priscian (s.d.) und Terentianus Maurus (s. d.), da man lediglich dieprakti- sche Nothdurft berücksichtigte und mit einer oberflächlichen Silbenzählung oder mit blosen Schematismen sich begnügte. So lag das Studium der Metrik fast ganz in Vergessenheit, mit Ausnahme der nokhwendigstenRegeln für das heroische Versmaß, bisNich. Bentlcy (s.d.) mit Hintansetzung der Theorie der Grammatiker und der rein mechanischen Messung der Verse das Wesen der Metrik in dem rhythmischen Elemente erfaßte und so eine neue Bahn zeigte. Doch blieb seine Reform nur eine partielle und ohne kiefern Einfluß, da sich seine feinen Beobachtungen ausschließend auf die rvm. Komiker beschränken. Die Verdienste Bentley's hat Hermann in der Schrift „Ile Lsntleio eiuz^no eckitimie 'lüreuti!" (Lpz. 1 819, 4.; auch im 2. Bde. der „Opnscila") trefflich gewürdigt. Zwar stellten auch nach Bentley mehre Gelehrte, besonders Brunck (s. d.) und Reiz (s. d.), recht gute und zum Theil scharfsinnige Bemerkungen über die antike Metrik auf; ein eigentlich und streng wissenschaftliches System derselben aber begründete zuerst Gottfr. Hermann (s.d.), der auf dem Wege, welchen ihm die kritische Philosophie vvrzeichnete, zunächst nach den Kant'schen Principien aus dem Begriffe des Rhythmus selbst die neue Wissenschaft entwickelte und die vorher ungeordneten Massen unter allgemeine und besondere Gesetze reihte. Diese gänzliche Umgestaltung blieb nicht ohne Widerspruch und Tadel, indem Einige, besonders Apel in seiner „Metrik" (2 Bde., Lpz. > 814—16), den Mangel aller musikalischen Grundlage rügten, Andere, wie B ockh (s. d.), nur in der Theorie der alten Grammatiker als der einzig sichern historischen Basis das Wahre zu finden meinten. Vgl. Freese, „11k läermsimi metrica rstwiie" (Halle 1 829). Nach Hermann's Grundsätzen unterwarfen Friedemann, Spitzner und Seidler einzelne Versarten mit glücklichem Erfolge einer genauern Untersuchung, Andere dagegen, wie Lange, hatten dessen Ansicht nicht einmal richtig verstanden, und so bietet gerade diese Wissenschaft bis jetzt noch die meisten Widersprüche und Verkehrtheiten dar. Theils jene schwankenden Principien selbst, theils der im- ' mer mehr überhandnehmende Wahn, daß die Kenntniß der antiken Metrik zu abstract und ungenießbar sei und zu wenig praktischen Gewinn verheißö, haben dieser Wissenschaft selbst auf Schulen und Universitäten nur geringen Eingang verschafft, obschon die neueste Zeit c mehre brauchbare Handbücher darbietet, unter denen wir das von Munk „Die Metrik der ^ Griechen und Römer" (Glogau 1834) und von Freese „Griech.-röm- Metrik" (Dresd. 1542) hervorheben. Die Metrik der deutschen Sprache hat I- H. Voß in seiner „Zeitmessung der deutschen Sprache" (2. Aust., Königsb. 1831) zuerst begründet. ! Metrometer oder Metronom, s. Taktmesser. Metropölis, eigentlich Mutterstadt, im Gegensätze der Colonialstädte, hieß in Grie- l chenland die Hauptstadt einer Provinz und in Asien überhaupt jede größere Stadt. Daher erhielten auch die Erzbischöfe, welche in großen Städten ihre Sitze hatten, den Titel Metropolit oder Metropolitan, und die erzbischöfliche Haupt- oder Mutterkirche den ! Namen Metropolitankirche. ! Metrum (griech.), eigentlich Maß überhaupt, wird vorzugsweise in der Dichtkunst das Silben- oder Versmaß genannt, welches aus einer rhythmischen Aufeinanderfolge der Silben besteht und die bestimmte Form der Dichkersprache bildet. (S. Rhythmus.) Über das Wesen und den Werth des Metrums, worüber schon Aristoteles seine Ansichten i mittheilte, hat in neuerer Zeit namentlich Klopstock in seinen „Grammatischen Gesprächen" und in der Schrift „Über Sprache und Dichtkunst" sich verbreitet. ^ Mette, vom lat. mrctiitins, heißt der Frühgottesdienst, welcher vor Tagesanbruch gehalten wird, besonders der einem großen Feste in der katholischen Kirche vorhergehende nächtliche Gottesdienst, z. B. die Christmette. Andere leiten den Ursprung des Worts daher, daß Karl der Große zu Metz die erste frank. Sängerschule gründete und deshalb der Kirchengesang csatilena Äetensis (Mette) genannt wurde. Übrigens sind auch in der protestantischen Kirche noch hier und da dergleichen Metten üblich. > Metternich ist ein sehr altes rheinländ., ursprünglich jülichscbes Dynastengeschlecht, 1 welches schon im Freiherrnstande, noch vor der Erhebung zur rcichsgräslichcn Würde, das Sitz- und Stimmrecht auf dem Reichstage übte. Don den einstmaligen zwölf Linien der Conv.-Lex. Neunte Ausl. IX. 35 546 Metternich (Fürst von) Familie ist nur noch eine einzige vorhanden, die l079 die rcichsgräfliche, 1803 die reicht- fürstliche Würde für den jedesmaligen Senior und durch Kaiser Franz I. > 813 die fiirM Würde für alle Nachkommen erhielt. Als nach dem Erlöschen der Linien Winneburg mid Beilstcin deren Besitzungen, die Reichsgrafschaften Winncburg und Beilstein, die zwischen der Mosel und dem Hundsrück lagen, dem Kurfürstenthum Trier anheimsielen, belehnte mit ihnen der Kurfürst und Erzbischof Lothar von M., ! '>00—1023, seine Vetter», Karl Heinr. vonM., der 1079 Kurfürst von Mainz wurde, und Phil. Emmerich vonM., der durch Kaiser Leopold l. die Ncichsgrafcnwürde erhielt. Als die erwähnt« und andere unmittelbare reichSritterschaftliche Herrschaften und Güter jenseit des Nhei» 1801 an Frankreich kamen, erhielt die Familie M. >803 die Neichsabtci Ochsenhausen >>, Schwaben zur Entschädigung, die dann als Landcshcrrschaft den Namen Fürstenthn,» Winneburg erhielt, >800 mediatisirt und an Würtcmberg abgetreten und 182 z Könige von Würtcmberg angckauft wurde, zu dessen unmittelbaren Domainen sie seitdem gehört. Den fürstlichen Titel erhielt zuerst Franz Karl Georg von M., geb.z» Koblenz 17-10, der seit 1773 kaiserlicheraußcrordentlicherGesandter und bevollmächtigter Minister an den Kurhöfen von Mainz, Trier und Köln und am Westfälischen Kreise, >79« Wahlbotschafter bei der Wahl und Krönung Leopold s l>., >791—94 dirigirenderMinister in den Niederlanden war, bei dem rastädter Kongresse als östr. PrincipalcommiffariuS fungirte, 1810 in Abwesenheit seines Sohnes provisorisch das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten verwaltete und am i i. Aug. 1818 starb. Gegenwärtig besitzt du Familie M. die Herrschaften Königswart (s. d.) und Plaß in Böhmen, die Herrschaft Kojctein in Mahren und die übrigen Kaunitz'schen Allodialgüter; am Rhein die Euter Gramme, Bronbach, Oberehc und Reiichardsstein; am Bodensee das Gut Hersberg und endlich das Schloß und Gut Johannisberg (s. d.) unter nassauischcr Landeshoheit. Die jährlichen Einkünfte betragen 2 - 300090 Fl. Der gegenwärtige Standesherr ist der Fürst Clemens Wenzel Nepomuk Lothar von Metternich (s. d.). ^ Metternich (Clemens Wenzel Nepomuk Lothar, Fürst von), Herzog von Porlellr, östr. Haus-, Hof- und Staatskanzler, geb. am l 7. Mai 1 773 zu Koblenz, bezog >788die i Universität zu Strasburg und versah bei der Krönung des Kaisers Leopold's II. >790 da- Amt einesCeremonienmeisters. Nachdem erhieraufnvch bis >794 diesttechte zuMainzstn- ^ dirt und sodann eine Reise nach England gemacht hatte, wurde er kaiserlicher Gesandter im Haag und vermählte sich 1797 mit der Gräfin Eleonore von Kaunitz, der Enkelin und Allodialerbin des berühmten Ministers Kaunitz. Seine diplomatische Laufbahn eröffnst er bei dem rastädter Fricdenscongrcffc als Gesandter des westfäl. Grafencollcgiums. Er ^ wurde 1801 östr. Gesandter in Dresden, war im Winter 1 803—4 in Berlin, wo er, als der dritte Coalitionskrieg auSbrach, den Allianzverkrag zwischen Ostreich, Preußen und NO land zu Stande brachte, und ging, 1800 als Botschafter nach Paris. Als solcher schloß er ^ 1807 zu Fontainebleau die für Astreich vortheilhafte Übereinkunft, durch welche Braunen zurückgegebcn und der Jsonzo als Grenze gegen das Königreich Italien bestimmt wurde. 1 Bei dem Ausbruche des Kriegs zwischen Ostreich und Frankreich im 1.1809 wurden ihmdie Pässe verweigert, die er erst kurz vor der Schlacht bei Wagram erhielt. Als Grafvoii Stadion am 9. Juli seine Stelle als Minister der auswärtigen Angelegenheiten niederlegte, erhielt - M. erst provisorisch, dann am 8. Oct. definitiv die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten. Er brachte die Friedensvcrhandlungen zu Ungarisch-Ältenburg mit dem franz. Minister ^ Champagne zu Ende und begleitete dann die Kaiserin Marie Luise nach Paris. Seine ^ Bemühungen, als ep Napoleon >812 in Dresden sah, den Ausbruch eines neuen Kriegs im Norden zu verhindern, scheiterte» an dessen stolzen Entwürfen. Die große Aufgabe war nun, unter Schonung aller Verträge und Verpflichtungen, sowie der Rücksichten, welche die Familienverbindung erfodertc, in dem rechten Augenblicke und mit der gehörigen Macht dazustehen, wo Europa Ostreichs Hülfe erwartete. In Prag führte er nun das Ee- schäft der bewaffneten Vermittelung Ostreichs, welche nach einer Zusammenkunft W.s mit dem Kaiser.Alexander zu Opotschna an der böhm.-schlcs. Grenze im Juni 1813 von t Rußland und Preußen, und zufolge des mit Napoleon zu Dresden am 30. Juni Unterzeichneten Vertrags auch von Frankreich anerkannt wurde. Als aber mit dem peremiori- sch in sch Hi pel am ertl für Th Ha Na ber gin Ge Co, Er bur zw« um B- zu. der Ha ge, crh 18 , Äa Ei, zur Au Frc der in j ver t»r die Ar mu sch der öst im -riech un I. Ni D ur de vo dr er Ei chj. lich und chrn )»t! Mi, sich lim hei» ui» M »i» dt»> Mi- UM nu§ irti- dik ,afl itlr und >eit. dir !ll-, di! > d»Z ft- > lim und mle j Er der ßer uau , rdr. j ldir ^ itt- ! «lt l!N. ftr link s egS ade len, ^ ge" > Ze. > fts j ssn 1 ttr> SN- i Metternich (Fürst von) 547 schen Termine, am IO. Aug., das Friedcnsgeschäft noch nicht begonnen hatte, verfaßte M. in der Nacht vom I 0. zum 11. Aug. die Kriegserklärung Ostreichs gegen Frankreich, und schon am Morgen des > >. überschritten die ruff.-preuß. Heere die böhm.-schles. Grenze. Hierauf brachte M. in Neichenbach und in Teplitz, wo er am !». Sept. >813 die Quadru- pelallianz Unterzeichnete, jene feste Verbindung mit den Allürten zu Stande; auch schloß er am 8. Oct. zu Nied den Vertrag mit Baiern. Am Abend der Völkerschlacht von Leipzig ertheilte Kaiser Franz ihm die östr. Fürstenwürde für sich und seine Nachkommen. Frankfurt, Freiburg, Basel, Langres und Chaumont waren sodann Zeugen der diplomatischen Thätigkeit M.'s. Während des Kongresses zu Chatillon leitete er die Verhandlungen im Hauptquartiere des Kaisers und von Dijon aus die mit dem Grafen von Artois, der in Nancy eingetroffeu war. Dann begab er sich nach Paris, Unterzeichnete die mit Napoleon bereits geschlossene Übereinkunft von Fontainebleau, sowie den Frieden vom 3V. Mai und ging dann nach England, um den neuen Quadrupelallianztractat abzuschließen, bei welcher Gelegenheit ihm die Universität zu Oxford die Doktorwürde verlieh. Bei Eröffnung des Kongresses in Wien übertrugen ihm die versammelten Minister einstimmig den Vorsitz. Er unterhandelte nebst Talleyrand und Wellington mit deni Könige von Sachsen in Pres- bürg den Frieden zwischen Sachsen und Preußen und schloß als östr. Bevollmächtigter den zweiten pariser Frieden am 2». Nov. 1815 und im folgenden Jahre zu Mailand den Vertrag mit Baiern. Im I. 1817 verhandelte er mit dem röm. Stuhle; er war 1818 östr. Bevollmächtigter auf dem Congresse zu Aachen, führte > 8 l!) den Vorsitz bei dem Congresse zu Karlsbad, leitete zu Wien H'3 die Mmisterialvcrhandlunge» zur Vervollständigung der deutschen Bundcsacke und hierauf die zu Troppau und Laibach. Im I. 1821 zum Haus-, Hof- und Skaatskanzler ernannt, war er sodann mit der Leitung der Verhandlungen zu Wien und auf dem Congresse zu Verona vom Oct. bis Dec. 1822 l < auftragt und erhielt nach dem Tode des Staats- und Confecenzministers, Grafen Karl Zichy, im Oct. 1826 das Präsidium der Ministerialconfercnzen für die inner» Angelegenheiten. Nach Kaiser Franz's !. Tode im I. > 835 blieb er im Besitze aller seiner Ämter und seines vollen Einflusses; er begleitete den Kaiser Ferdinand I. im Sept. 1835 nach Teplitz und Prag zur Zusammenkunft mit den Monarchen von Preußen und Rußland, war fortdauernd für Aufrechthaltung des Friedens, namentlich bei Gelegenheit des Conflictes über die oriental. Frage i 830 und 1841, thätig, zog Frankreich durch den Tractat vom 13. Juli 1831 wieder iii den Bund der Großmächte und wußte bei den mehrmals hervorbrechenden Unruhen in Italien und in der Schwei; stets den Principien seiner conservativen Politik Geltung zu verschaffen. So glänzt M.'s Name in allen Staatsverhandlungen, welche die neue Gestaltung Europas und die Herstellung der alten Ordnung betrafen, und M.'s Ministerium ist die Epoche der glänzendsten Machtbegründung Ostreichs- Auch nahm er an den inner» Angelegenheiten des Landes den wirksamsten Antheil. Er stand umfaffendcii Unternehmungen zu Gunsten der Nothleidendcn thätig vor und beförderte vaterländische Wissenschaft und Kunst. Wie Kaunitz der Stifter, so war er der Wiederhersteller der Akademie der bildenden Künste in Wien. Im Anerkenntnisse seiner ungemeinen Verdienste um den östr. Staat beschenkte ihn, sowie den Fürsten Karl von Schwarzenberg, der Kaiser Franzi, im Mai 1813 in Paris mit dem Rechte, das östr. und lothring. Wappenzeichen in das erste Feld seines Familienwappens aufzunehmen. Der König beider Sicilien, Ferdinand IV., erhob ihn im Kebr. 1816 zum Herzog, mit einer Dotation von 60000 neapolit. Ducati und gab ihm am i. Aug. 1818 den Titel eines Herzogs von Portella. Auch erhielt er am >. Aug. 1816 von dem Kaiser Franz l. das,Erbci.genthum des Schlosses und Gutes Johannisberg mit Vorbehalt des Rückfalls an Ostreich im Falle des Aussierbens der Familie. Der König von Spanien verlieh ihm die Grandezza erster Claffe mit dem Herzogstitel, und mit Ausnahme des engl. Kniebandordens ist er Ritter aller ersten europ. Orden. Nach dem Tode seiner ersten Gemahlin, gesi. 1819, vermählte er sich 1827 mit der schönen Freiin von Leykam, die zur Gräfin von Beilstein erhoben wurde und 1829 starb, und 1831 zum dritten Male mit der Gräfin Melanie Zicky-Ferraris, geb. 1805. Neben drei Töchtern hat er einen Sohn, Richard, geb. 1829, aus der zweiten, und zwei andere aus der dritten Ehe,nämlich Paul, geb. >833, und Lothar, geb. 1837. 35 * 548 Metz Meulen Metz, eine sehr starke Festung mit Citadelle und mehren Forts, die Hauptstadt bei franz. Moseldepartements, am Einflüsse der Seille in die hier schiffbare Mosel, hat i»> Ganzen ein altmodisches Ansehen, doch fehlt es nicht an graden und gut gepflastert», Straßen, schonen Hausern und mehren öffentlichen Plätzen. Sehenswerth sind der schöne Dom, das Zeughaus, eines der wichtigsten in Frankreich, die Ruinen einer röm. Wasserleitung und die Ruinen des Grabmals Kaiser Ludwig's des Frommen. Sic ist der Sitz eines Bischofs und hat ein Lyceum, eine vereinigte Artillerie- und Ingenieurschule und eine Gesellschaft der Wissenschaften und Künste. Außer wichtigen Wollen- und Baumwolle»- fabriken findet man daselbst viele Gerbereien und Färbereien. Auch treiben die Einwohner einen beträchtlichen Handel mit Landeserzeugnissen und bauen viel Obst. Jährlich wird im Mai eine Messe gehalten. M. ist das Divodurum der Gallier und das Mediamatrica der Römer. Unter der Herrschaft der Franken erlangte es große Wichtigkeit und wurde die Hauptstadt Austraflens. In dcr Theilung der karolingischen Länder kam es an das Deutsch! Reich, dem es als freie Reichsstadt unmittelbar unterworfen blieb, bis 1552 die Franzose!, sich seiner bemächtigten, denen es erst im westfälischen Frieden förmlich abgetreten wurde. MetzU oder Metsu (Gabr.), einer der vorzüglichsten niederländ. Eenremaler, ged. zu Leyden 1615, lebte meist zu Amsterdam und starb daselbst, von übermäßiger AM erschöpft, im I. 1658. Seine Gemälde gehören meist dem seiner», gemüthlichern Emu an; seine Auffassung ist ungezwungen und einfach, die Ausführung höchst vollendet, sodH er mit Tcrburg und Dow, nach deren Werken er sich bildete, in eine Linie gestellt werden kann. Sein „Laboratorium", seine „Frau mit Früchten", vor Allem die mehrfach vorhandene „Kranke mit dem Arzt" gehören zu den Geistreichsten, was das niederländ. Eenre geschaffen. Seines langsamen Arbcitens und seines frühen Todes wegen sind verhältnismäßig nicht viele Werke seiner Hand vorhanden, weshalb dieselben außer allein Preise stehen. Er genoß schon bei Lebzeiten hohe Achtung, und sein Umgang war sehr gesucht. Seine besten Schüler waren I. van Gcel und van der Meer von Delft. ^ Meudon, ein sehr altes königl. Lustschloß im gleichnamigen Flecken in der Nahe«»» Paris, unfern der Seine, gehörte im 16. Jahrh. der Geliebten König Franz's, A»m s de Pisseleu, der nachherigen Herzogin von Etampcs, und im 17. Jahrh. dem Minister Louvois, der den Park erweiterte und das Schloß der Akademie der Inschriften und ' schönen Wissenschaften zu ihren Sitzungen einräumte. Nach Louvois' Tode kaufte et Ludwig XIV. und schenkte es dem Dauphin (Ludwig XV.), welcher neben dem alte» von Philibert Delorme erbauten Gebäude einen neuen Palast aufführcn und durch Le- notre (s. d.) den Garten verschönern ließ. Nachdem es unter Ludwig XV I. der Marie Antoinette und dem junge» Herzog von der Normandie, nachhcrigem Dauphin (Ludwig XVIl.), zum Wohnorte gedient hatte, erhielt es während der Revolution durchBeschluß des Wohlfahrtsausschusses vom 2». Oct. 1793 die Bestimmung, dem Nationalinstitut zur Vorbereitung nützlicher, besonders militairischcr Erfindungen zu dienen. So fertigt! man daselbst unter Andern, die in der Schlacht von Fleurus 1793 angewendetcn Luft- ^ ballons und^väter wurde es der Sitz einer ac'ronaulischen Schule. Zur Zeit des Kaiserreichs wurde das Schloß prächtig wieder erneuert, und hierauf dem König von Rom, so lange er noch die Brust erhielt, und währenddes russ. Feldzugs auch Napvleon's Gemahlin als Auftill' haltsort angewiesen. Den Bewohnern des Fleckens M. gibt der Weinbau und die Arbeit in den Krcidcbrüchen vollkommen Arbeit. Bekannt ist imHandel dieKreide unter dem Namen blonc E be b< r> b L st n l i ! I < t < Meurslus Meusel 549 hören der Einzug Ludwig's XlV. in eine eroberte Stadt, dessen Einzug in Arras und die Belagerung von Maastricht; ferner ein Ritter, welcher, ei» Glas in der Hand, mit einem jungen FrancnzimMer spricht, die ihre Guitarre stimmt; ein Jäger, gleichfalls das Glas in der Hand, und eine Federviehhändlerin inmitten ihres Krams. Außerdem hat man von ihm viele trefflich gearbeitete Ansichten der königlichen Schlösser in Frankreich und mehre Arbeiten, die er zum Behuf der Eobelinmanufactur lieferte. Seine große Gewandtbeit in der Pferdemalerei bewog seinen Freund Lebrun, dessen Nichte er heirathcke, ihm die Ausführung der Pferde in dessen Gemälden der Schlachten von Alexander zu übertragen. Er wurde 1673 Mitglied der Akademie und starb 1690. Unter seinen Schülern ist Jean van Hugtenburgh (s. d.) der berühmteste. Meurslus (Johannes), der Ältere, eigentlich de Meurs, einer der thätigsten ! Philologen und Altcrthumsforscher, geb. 1579 zu Loosduinen beim Haag, studirte zu Leyden Philologie und bereiste nach Vollendung seiner akademischen Studien einen großen j Theil Europas. Bei seiner Rückkehr im I. 1610 erhielt er die Professur der Geschichte und ein Jahr darauf die der griech. Sprache in Leyden. Später nahm er, als in den Generalstaaten die politischen Parteiungen überhand nahmen und auch ihn, den zurückgezogenen und friedliebenden Gelehrten, unangenehm berührten, eine vom Könige von Dänemark ihm angetragene Lebrerstelle an der Akademie Soroe an, die er auch bis an seinen im I. 1639 erfolgten Tod bekleidete. Außer den Ausgaben von mehren griech. Schriftstellern der spätem Zeit, insbesondere des Lykophron (Leyd. 1597), der „Wundergeschichten" des Antigonus Karystius (Leyd. 1619, -1.), dcS Apollonius Dysrolos (Leyd. 16-30, 3.) und Phlegon Trallianus (Leyd. 1620, 3.), und des „6Ios«sriu,n Ai-soco-ll-irbgruin" (Leyd. 1613, 3.), sowie der Schrift „^tlionue butavae" (Leyd. 1625, 3.), bearbeitete er namentlich in einer großen Anzahl von Monographien einen fast cncyklopädischen Kreis der griech. > Alterthümer, die in dem „Umrauriis antignitstum Ai-uec." von Jak. Gronov (13 Bde., Leyd. >697—1702, Fol.) und in der von Lami besorgten GesammtauSgabe der Werke . des M. (12 Bde., Flor. 1731—63, Fol.) enthalten sind, freilich aber ganz im Geiste jener ^ Zeit mehr Sammelfleiß und Belesenheit als Kritik und Geschmack verrathen. — Sein Sohn Joha nnes M., der Jüngere, geb. >613 zu Leyden, welcher seinem Vater nach Dänemark gefolgt war und zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, aber schon 1653 starb, hat die Alterthumswissenschaft ebenfalls durch einige gründliche Abhandlungen bereichert, während er an den unter seinem Namen erschienenen schmuzigen „Llegantius linguue lut." (beste Ausg., Leyd. 1757), die den Franzosen Choricr aus Grenoble zum Verfasser haben, auch nicht den entferntesten Antheil hatte. Meurthe, ein in dem ehemaligen Lothringen gelegenes Departement des nordöstlichen Frankreichs, das seinen Namen von der auf den Vogesen entspringenden Meurthe, einem Nebenflüsse der Mosel, hat, mit 333000 E. auf 1 > 8 IHM., ist nach den Vogeserz hin ! sehr gebirgig und waldig, reich an Flüssen und ergiebig an Feld- und Gartenfrüchten, Eisen, Salzquellen, Fischen, Bienen und Wild. Die meist katholischen, arbeitsamen Bewohner beschäftigen sich vorzugsweise mit Verfertigung von Glas, irdenen Waaren und mit Weberei. Die Hauptstadt des Departements istNancy (s. d ). Meusel (Joh. Georg), ein äußerst fleißiger Kunst- und Literarhistoriker, geb. 1733 zu Eyrichshof bei Bamberg, wo sein Vater Cantor war, erhielt seine akademische Vorbildung in Koburg und studirte >763—66 zu Göttingen. Hierauf wendete er sich nach ' Halle, wo er sich habilitirte, wurde 1769 Professor der Geschichte in Erfurt und >780 in Erlangen, wo er am 19. Sept. 1820 starb. Die Menge seiner Schriften ist ein Beweis des ernsten Fleißes und der Vielseitigkeit seiner gelehrten Thätigkeit. Sein „Gelehrtes Deutschland" (fortgesetzt von Ersetz und von Lindner, 23 Bde., Lemgo 1796— 1833), das „Lexikon der von 17 50—1800 verstorbenen deutschen Schriftsteller" (> 5 Bde-, ^ Lpz. 1802—16) und seine nicht beendigte Bearbeitung von B. G. Struve's „Ziblintkrecu iiistorics" (Bd. 1—11, Lpz. 1782—1803) sind in Rücksicht des Sammlerfleißes, der Genauigkeit und Vollständigkeit einzig in ihrer Art. Zur Beförderung der Kunstgeschichte trug er dadurch viel bei, daß er zu einer Zeit, wo man in Deutschland kaum einzelne Partien derselben bearbeitet hatte, größere Sammlungen unternahm. Dahin gehören sein 55tt Meuterei Mexico „Deutsches Künstlerlexikon" (2Bde„ Lemgo 1778; neue Aust., 3Bde„ 1808—ly; „M. cellaneen artistischen Inhalts" (30 Hefte, Erk. >779—87); „Museum für Künstler und Kunstliebhaber" (18 Stück, Manh. «7!-,7—o2); „Neues Museum u. s. w." (3 St>, Lp,. 1793—95); „Neue Misccllancen artist. Inhalts" (14 St., Lp-. 1795—1803) und „Archiv für Künstler und Kunstliebhaber" (3 St., Dresd. 1803—8). Um die Statistik endlich, über welche er in Erlangen zuerst Vorlesungen hielt, machte er sich durch die „An- leitung zur Kcnntniß der curop. Staatenhistorie" (5. Aust., Lpz. 1810), die „Literatur der Statistik" (2 Bde., Lpz. > 806 —7) und das „Lehrbuch der Statistik" (3. Aust., Lxz. 1817) verdient, und ebenso um die allgemeine Geschichte durch mehre Journale und Sammlungen. Weniger glücklich war er mit seiner „Geschichte von Frankreich", die dm 36.—39. Theil der „Allgemeinen Welthistorie" bildet, und mit seinem „Leitfaden zur Geschichte der Gelehrsamkeit" (3 Abth., Lpz. >799), indem besonders in dem letzten Weck der große Neichthum an Materialien ihn nicht hat Meister seines Stoffes werden lassen. Meuterei heißt das meist geheime Aufregen Anderer zu einer Empörung, indem man seine Unzufriedenheit gegen sie ausspricht und sie verleitet, sich gegen die bestehende Ordnung und ihre Obrigkeit aufzulehnen. (S. Aufruhr.) Das Verbrechen derMeuterei ist vor dem Gesetze stets strafbar und wird an den Meuterern im Kriege und auf der See jedesmal auf der Stelle mit dem Lode bestraft. Mexico oder Mejico, eine Republik Nordamerikas, wird im Norden vom Oregon- gebiet und den Vereinigten Staaten, im Osten von den letztem und dem Mexikanischen Meerbusen, im Süden von den Staaten Mietelamerikas und dem Stillen Ocean und imWesien von diesem Meer allein begrenzt und hat einen Flächenraum von 33000 IHM. Die Bo- ! dengestaltung M.s wird von den das Land durchziehenden Kordilleren bestimmt, die hier einen eigenthümlichen Charakter haben, indem sie durchaus als ein Plateau auftreten, dessen südlicher Theil ein völliges Tafelland, das von Anahuac, bildet, auf dessen Scheitel- > fläche sich nur eine Reihe isolirccr vulkanischer Schneegipfel erhebt, während im nördlichen Theil wieder Kettengebirge sich erheben, die das Plateau von Neumerico, sowie die Hochflächen von Durango und Sonora und das Tafelland von Ncucalifornicn bilden. (S. Cor- ! dillcr as.) Das Tafelland von Anahuac oder dem eigentlichen M. liegt zwar inner- ) halb der Wendekreise; doch besitzen in Folge der Höhe dieses Plateaus (7000 F.) nur die Küstentcrraffen zu beiden Seiten desselben ein tropisches Klima, das von der furchtbarsten > Hitze am Küstensaumc durch alle Nuancen des Klimas hindurch bis zum ewigen Schnee auf den Gipfeln der riesigen Vulkane sich abstuft. So unterscheidet man denn hauptsächlich drei klimatische Abstufungen, die heiße, die gemäßigte und die kalte Region. Die nördlichen Plateaulandschaften M.s außerhalb der Wendekreise haben natürlich ein um so weniger heißes Klima als das Plateau von Anahuac, je mehr sie nach Norden liegen. Eine Landplage sind die Erdbeben und die Orkane an den Küsten. Sämmtliche Plateaus M.s, besonders die m cklichern, leiden an großer Trockenheit, da die Tropcnregen nur im südlichen ^ M. während der Monate Juni—Sept. herrschen. Daher kommt es auch, daß M. weder viele noch große Flüsse aufzuweisen hat; die bedeutendsten sind der Rio del Norte, der ini Hochlande von Neumexico entspringt und in den Mexikanischen Meerbusen mündet, und der Colorado de Occidentc, der ebenfalls im Hochlande von Neumexico entspringt und in den Meerbusen von Califoruien mündet. In Folge seiner klimatischen und der Bodenbeschaffenheit ist M. im Ganzen nicht überall gleich fruchtbar. Das eigentliche M. oder das Plateau von Anahuac gehört wegen seiner ungemeinen Fruchtbarkeit zu den gesegnetsten Gegenden der Erde; doch finden sich schon hier neben der üppigsten Tropenvegetation dürre, jandigeStriche, und auf dem Plateau neben den herrlichsten Hochthälern viele wasser- lose, öde Gegenden; noch mehr ist dies in den nördlicher» Gegenden der Fall, in denen des eigentlich anbaufähigen Bodens verhältnißmäßig nicht viel ist, indem der größere Theil von Savannen, die in der heißen Jahreszeit fast ganz verbrannt und nur in der nassen mit schönem Graswuchs bedeckt sind, oder von völligen Einöden und kahlen Fclsgebirgen eingenommen wird. Die terrassenförmige Gestaltung des Landes verleiht ihm in Folge der damit verbundenen klimatischen Abstufungen gleichzeitig die Nahrungspflanzen der Tropenwelt und die Culturgewächse des Nordens. Es gedeihen die Banane, der Brotfruchtbaum, die §o- Mexico cospalme und der Cacaobaum; aber ebenso Kaffee, Zucker, Baumwolle, Indigo, Mais und Weizen in der größten Üppigkeit, sowie Gerste und Kartoffeln. Der Landbau ist daher die wichtigste und ergiebigste Nahrungsqnelle M.s. Er wurde, wie schon vorher von den Eingeborenen, so zur Zeit der span. Herrschaft auf den Meiereien (üaciendus) der Crcolen mit großem Fleiß und Eifer betriebe»; doch die unaufhörlichen inner» Unruhen haben demselben Hände und Capitalien entzogen, die Felder verwüstet, die Dörfer verödet, die künstlichen Bewässcrungsanstaltcn, die in einem so trockenen Lande wie M. die erste Bedingung eines gedeihlichen Anbaus sind, verdorben, und bei der Unsicherheit der Existenz den Anbau auf das Nöthigste beschränkt. Auch die Viehzucht ist allgemein und erstreckt sich auf alle europ. Hausthierc, leidet aber ebenfalls unter dem gegenwärtigen traurigen politischen Zustande des Landes. Hinsichtlich des Mineralreichthums steht Nt. noch immer unter allen edle Metalle ausbeutenden Ländern auf erster Linie; denn wenn cs auch nicht mehr die Ungeheuern Massen Gold und Silber wie zur Zeit der span. Herrschaft, die den Bergbau als Hauptquelle ihres Einkommens vor Allem schützte und förderte, liefert, und die inner» Kriege auch diesen Gewerbszweig in Verfall gebracht haben, so schlägt man die jährliche Ausbeute doch noch immer auf 4000 Mk. Gold und >,056000 Mk. Silber an. Neuerdings hat sich der Bergbau in Folge der Bemühungen und Capitalien auswärtiger, besonders engl.Bergwcrksgcscllschaftcn wieder mehr gehoben; doch werden unedle Metalle, obschon sie ebenfalls in großer Menge vorhanden sind, verhälknißmäßig nur wenig zu Tage gefördert. Noch nachtheiliger als auf die Erzeugung der Naturproducte haben die gegenwärtige politische Zerrüttung des Landes auf die Gewerbe, die sich übrigens auch unter der span. Herrschaft in fortwährender Kindheit befanden, und auf den Handel cingewirkt, der außerdem durch den Mangel an Straßen, an Credit und öffentlicher Sicherheit, an guten Häfen auf der östlichen Küste, sowie durch die Widrigkeit der im Mexikanischen Meerbusen ^ herrschenden Winde und Strömungen so benachthciligt wird/daß die reichen Naturproducte des Landes, seine kostbarenMahagony- und Campechc- und andereHölzer, seine Baumwolle und Colonialwaaren, sein Taback, Cacao und Getreide, seine Vanille, Cochenille u.s.w. > aus Mangel an Vertrieb keinen Absatz finden. So kommt es denn, daß von den 21 Mill. Lhlr., welche die Ausfuhr M.s beträgt, l 0 Mill. in edlen Metallen bestehen, während die ' Einfuhr fast nur aus Gewerbserzcugniffen besteht und auf 22 Mill. Thlr. sich beläuft. Die Einwohnerzahl M.s beläuft sich auf mehr als 7 Mill., deren größerer Theil § auf dem Plateau von Auahuac couceutrirt ist, während die nördlichem Provinzen schwächer und Neumexico und Californien am schwächsten bevölkert sind. Die gesammte Bevölkerung zerfällt ihrer Abstammung und Sprache nach, seitdem alle geborene Spanier, in M. Cha- j petones genannt, im I. 182!) aus dem Gebiet der Republik verbannt worden sind, in vier Haupttheile: I) Crcolen oder Weiße span. Abkunft, deren Zahl man auf l Mill. schätzt, und j deren Sprache, die spanische, da sic bis auf die neueste Zeit die Herrschenden waren, die ! allgemein verbreitete und auch der Mehrzahl der ursprünglichen Einwohner bekannt und geläufig ist, ohne jedoch die verschiedenen Sprachen derselben verdrängt zu haben; 2) Indianer oder Ureinwohner, etwa 3 Mill., am zahlreichsten die aztekischen Völker auf dem Plateau von Anahuac, wogegen die neumexican., californ. und nichtaztekischen Jndianer- stämmc meist nur schwache und größtenthcils hcrumschweifendeJägerhorden sind; 3) Neger, deren Zahl jedoch kaum 60000 beträgt und in Folge der Aufhebung der Sklaverei täglich mehr abnimmt; 3) die aus der Vermischung der drei vorgenannten Racen entstandene Ba- s stardbcvölkerung, Mestizen, Mulatten, Zambos, Chinos u. s. w. in ihre» verschiedenen Abstufungen (Terccroncs, Quartcroncs u. s. w.) und Übergängen, die auf 2 Mill. Seelen sich beläuft und seit der Freierklärung aller Racen in dem Volks- und Staatsleben M.s ein höchst bedeutsames Element bildet. Dabei ist zu bemerken, daß die farbigen Racen an Zahl gewinnen, während die Creolen, thcils durch die immerwährenden Bürgerkriege, theils durch ihre häufigen Verbindungen mir Mischlingen, theils in Folge des Mangels an Einwanderung aus Europa, fortwährend sich mindern. Mit Ausnahme von ungefähr 200000 > wilden Indianern, die im Gegensatz zu den luckws licisie--, den gläubigen, d. i. christlichen Indianern, Indios llruvos genannt werden und in den nördlichen Provinzen herumschwci- sen, bekennt sich die ganze eigentliche Bevölkerung zur röm.-katholischen Kirche; denn die 552 ' Mexico wenigen Protestanten, die in den großem Städte» des Handele oder der Gewerbe Wege» sich angesiedelt haben, sowie die Abenteurer, die seit der Revolution nach M. cingewanderk, sind mehr als Ausländer denn als mexican. Staatsangehörige zu betrachten. Die kacho- lische Kirche, die durch einen Erzbischof und acht Bischöfe, abgesehen von dem zu Unrats», verwaltet wird, hat durch kluges Nachgeben und thätigcs Eingreifen bei der Lossagung von Spanien, noch den größten Theil ihres alten Ansehens, ihren Pomp und ihre Einkünfte, ihre Klöster und einen zahlreichen Klerus gerettet, welcher letztere jedoch keineswegs auf der sittlichen und intellektuellen Höhe steht, um einen wahrhaft heilsamen und bildend!» Einfluß auf die meist sehr rohe, ohne allen Unterricht aufwachsende Menge ausüben zu können. Daher kommt es auch, daß der Gottesdienst in M. lediglich in äußern Zeremonien, in Bilderdienst, Prvcessionen und Schaustellungen besteht und um so weniger die alten heidnischen Traditionen und götzendienerischen Gebräuche bei einem großen Theil der Urbevölkerung auszurotten gewußt hat, als er einestheils selbst noch den Charakter halben Heidenthums tragt, anderntheils aber unter dem gebildeten oder halbgebildeten Theik der Bevölkerung eine religiöse Gleichgültigkeit erzeugt hat, die täglich weiter um sich greift. Das gegenwärtige M. begreift das ehemalige Vicekönigreich Neuspanien, das in das eigentliche M. oder Altmexico, den Mittlern und südlichen, in Nenmexico, den nordöstlichen, und in Californien, den nordwestlichen Theil des Landes umfassend, zerfiel. Unter den Namen der Vereinigten mexican. Staaten (Lstsäos »ni-los mexicsnos) bildet M. eine Republik, die auf der Verfassung vom 4. Oct. 1824 beruht, welche, größtenthcils der dcr Vereinigten Staaten nachgebildet, wie diese eine föderative, demokratische und repräsentative ist. Die Souvcrainetät steht dem Volke zu, die gesetzgebende Gewalt aber wird den dem aus einer Abgeordnetenkammer und einem Senat bestehenden Congrcß auszeübl. Jede Provinz wählt zwei Senatoren, und auf je 40000 E. einen Deputirtcn. Ein Präsident und ein Vicepräsident, auf vier Jahre gewählt, stehen an der Spitze der ausführende» Gewalt. Die Freiheit der Presse ist garantirt, dagegen ist der katholische Cultus dieStaats- religion und keine andere darf neben ihr bestehen. Alle Mexicaner ohne Unterschied genießen gleiche Rechte und sind mit l 8 Jahren vollkommen selbständig. Die Richter sind unabhängig; Güterconfiscationen, Tortur und Einkerkerungen auf blose Verdachtsgründe find aufgehoben. Neben dem Cokigreß bestehen in jeder Provinz noch Provinzialversammlungen, um die Verwaltung derselben zu leiten. Doch hiervon ist zur Zeit wenig in der Wirklichkeit ins Leben getreten. Alle Theile der Verwaltung liegen danieder; die Eerech- tigkeitspflege verdient diese» Namen nicht; die Finanzen sind in der größten Unordnung, die Ausgaben übersteigen bedeutend die Einnahmen, die man auf 30 Mill. Thlr. berechnet, und die Staatsschulden belaufen sich auf 4-1 (nach einer andern Angabe auf 8l>) Mill. Thlr.; das Heer besteht aus einer ebenso feigen, als zuchtlosen Soldatesca, welche jedem Abenteurer feil ist und seit 20 Jahren nach Art der Prätorianer durch Militair- revolutionen das Land regiert; die Marine zählt nur wenige kleine Schiffe, die sich nie vor einem Feinde zu zeigen wagen und im Hafen von Vera-Cruz verfaulen; an Straßen-, Wohlfahrts- und Sicherheitspolicei fehlt es so gut wie ganz und das Unterrichtswesen ist im höchsten Grad vernachlässigt. Die Verfassung ist durch die vielen Revolutionen fortwährend verändert worden, bald im Sinne des föderalistischen oder demokratischen Princips, bald im Sinne des centralistischcn oder aristokratisch-hierarchischen, je nachdem das eine oder das andere siegte. Im Ganzen war in den letzten Jahren bas centralistische vorherrschend, dem gemäß die Föderativrepublik der souverainen Staaten in eine einzige untheilbare Republik, welcher allein die Souvcrainetät zukommt, verwandelt wurde. Die ganze Republik besteht, wenn man Uucakan (s. d.), das jedoch factisch unabhängig ist, dazu rechnet, aus 20 Departements und fünf Gebieten, worunter die beiden Californien (s.d.). Die wichtigsten Städte sind Mexico (s. d.), Guadalaxarafs. d.), Guanaxuato (s.d.), Valladolid, San Luis Potosi, Puebla de los Angelos oderTlascala, Queretaro, Guaxaco, Vera-Cruz(s. d.), Tampico und Acapulco (s.d.). Die Eci chichte M.s vor der Ankunft der Spanier liegt in großem Dunkel; doch gehl mit Gewißheit hervor, daß das Plateau von Anahuac in den ältesten Zeiten schon von verschiedenen Völkerschaften, von denen einige einen gewissen Grad von Civilisation sich tt' Mexico 553 worben hatten, bewohnt wurde. Um die Mitte des 7. Jahrh. n. Chr. wanderten die Tolte- ken ein, ein gebildeter Volksstc^mm, dem die meisten Trümmer von Städten, Befestigungen, Tempeln und Palästen, die man noch in M. findet, zugeschrieben werden, die in Gold und Silber arbeiteten, Mais und Baumwolle bauten, Hieroglyphenschrift besaßen und ein Sonnenjahr hatten. Sie kamen von Norden her, weshalb die Hypothese sich geltend gemacht hat, daß sie aus Ostasien stammen und die Nachkommen eines voll den Hiognu im -l. Jahrh. n. Chr. vertriebenen civilisirten ostasiat. Volks seien, das über die Äleutischen Inseln nach Nordamerika gewandert und dann daselbst immer mehr nach Süden vorgerückt, bis cs die Völker auf dem Plateau von Anahuac erreicht, sie unterworfen und ein Reich gegründet habe, das durch einen hohen Grad von Civilisation, sowie ihre Religion durch Milde und sittlichen Charakter sich auszeichnete. Spätere Einwanderer, die sich mit den Tolteken vereinigten und ihre Gesittung annahmen, waren die Chcchemeken und die Acolhuer, von welchen letztem das von denTolteken gegründete Reich den NamenAcolhna- ! can erhielt. Doch dieses Reich wurde im 15. Jahrh. von den Azteken oder eigentlichen Mexikanern gestürzt, wilden Stämmen, die im ? 2. Jahrh. ebenfalls von Norden eingewandect waren, sich anfangs in gedrückten Verhältnissen niedergelassen hatten, aber nach und nach immer mehr auf Kosten der Acolhuer um sich griffen, kleine Reiche bildeten, bis endlich das 1 von Tenochtitlan oder Mexico die Suprematie erlangte und die meisten toltekischen und übrigen attekischen Staaten unterwarf. Es ist dies das Reich, welches die Spanier vorfanden und stürzten. Der sociale und sittliche Zustand, in dem sich dasselbe um diese Zeit befand, läßt sich folgendermaßen charakterisircn. Der aztckische Staat von Tenochtitlan bildete ein Feudalreich, das von einem Könige regiert wurde, dem eine doppelte Aristokratie ' von Adeligen und Priestern zur Seite stand. Zahlreiche seßhafte Völkerschaften, die in einem 2 vollständig geordneten gesellschaftlichen Zustande sich befanden, trieben eifrig den Ackerbau, > waren geschickte Weber und Färber, wußten die härtesten Steine kunstvoll zu bearbeiten, Gold und Silber zu gießen und zu forme» und besaßen Werkzeuge von Bronze. Sie lebten in großen wohlgebauten Städten mit gigantischen Tempeln, weiten Palästen und prächtigen Gärten, und waren in der Astronomie so weit, daß sie ein vollkommeneres Sonnenjahr j als die Griechen und Römer hatten. Sie besaßen in Hieroglyphen abgefaßte Jahrbücher und der König hatte seine Police!, seine Diplomaten u. s. w. Die aztekischen Häuptlinge bildeten eine compacte Aristokratie. Das Schicksal der untern Classen und der überwundenen Völker war höchst elend. Der Götterdienst bestand hauptsächlich in Menschenopfern, die in unzählbarer Menge und auf die scheußlichste und furchtbarste Weise dargebracht wurden, denn die Pricsteraristokratie glaubte nur durch den blutigen Schrecken, welchen sie verbreitete, herrschen und das Volk in Unterwürfigkeit halten zu können. Im I. ! 508 entdeckten die span. Seefahrer Solis und Pinzon zuerst Aucatan; doch erst ! 5 l 8 wurde die Ostküste von Anahuac von Erijalva aufgefunden. Das Jahr darauf landete Corte.z (s. d.) daselbst und eroberte das ganze Reich von M., da§ nun unter dem > Namen eines Königreichs Neuspanien unter span. Herrschaft kam und von Vicekönigen re- ^ giert wurde, die aller fünf Jahre wechselten. Zwar versuchten die Eingeborenen häufig l durch Aufstände das Joch der Spanier abzuschüttcln; aber nie gelang es ihnen. Das Land > vcgetirte wie die übrigen span. Colonien, bis die Vertreibung der bourbon. Dynastie aus Spanien auch hier einen Umschwung der Dinge herbeiführke. Schon im I. 1809 hatte in ! Folge davon, da die Mexikaner sich nicht unter das Joch Napoleon's beugen wollte», in M. ' eine Negierung im Namen Ferdinands VII. sich gebildet, die aber gegen die hohe Junta in ^ Spanien sich erklärte, da sie die Abschaffung der alten Misbräuche und Beschränkungen, wie sie auf den span. Colonien lasteten, verlangte, welche die letztere nicht gewähren wollte. Denn bereits damals hatten sich zwei Parteien gebildet, die altspan, und die der Crcolen, welche letztere, die reichsten und einflußreichsten Grundbesitzer des Landes in ihrer Mitte zählend, nach größerer Unabhängigkeit und Betheiligung an der Negierung des Landes streb- > ten. Der Vicekönig Venegas suchte M. im Gehorsam gegen die Regentschaft und die Cor- ! tes in Cadiz zu halten, reizte aber durch seineVerfolgungcn der Freisinnigen nur umsomehr ! zur Revolution, die denn auch mit dem Aufstande des Pfarrers Hidalgo, eines talentvollen i und bei den Indianern beliebten Mannes, im Sept. l 81 o begann. Mächtig von den Jndia 554 Mexico ner» unterstützt, marschirte er mit 80990 M.vordieHauptstadt, wurde aber, da er mitseinen undisciplinirten Banden dieselbe nicht anzugrcifcn wagte, .von den Truppen des Vicekö- nigs in mehren Gefechten geschlagen, von den Seinen dann vcrrathcn und den Spanien, ausgeliefert, die ihn am 27. Juli >811 hinrichten ließen. Der Parteigängerkrieg dauerten, den Provinzen zwar noch fort; aber die Ausschweifungen derJnsurgcntenbandcn waren den Creolcn ebenso lästig wie den Spaniern. Die Revolution würde nach und nach aus Mangel an Unterstützung von Seiten der mächtigsten Volksclasse erloschen sein, wenn nicht die Grausamkeiten des neuen Vicekönigs Colleja von neuem den Aufstand angefacht hatten. Zwar suchte der Nachfolger desselben, Admiral Apodaca, durch Güte den Aufruhr zu beschwichtigen, aber schon war es zu spät. Weder die Unterwerfung mehrer Insurgenten- Häuptlinge, noch die Gefangennehmung Nicholas Bravo's, noch die Versagung Vittoria'h noch die Erschießung des aus Europa zur Verfechtung der Sache der Freiheit gekommenen ch'aver Mi na (s. d.) vermochten den Gang der Revolution aufzuhalten. Immer kräftiger und bewußter entwickelte sich das Streben nach Unabhängigkeit; aus den Provinzialnii- lizen wurden Provinzialjunten, aus diesen Provinzialregicrungcn und Congresse und 182c war das Wort Unabhängigkeit die allgemeine Losung. Die Hauptstütze des Aufstandes um diese Zeit war Guerrero, der sich allein fortwährend aufrecht gegen die Spanier erhielt. Mit ihm vereinigte sichIturbide (s. d.), uni als Kaiser von M. eine kurze Nolle zu spielen. Doch erst nach des Letzter» Sturz vollendete der Congreß das Werk der Constitution vom 19. Dec. 1823, welche am 1. Oct. 1823 in Wirksamkeit trat. Zum ersten Präsidenten wurde vom Congreß der General Fernande; Vittoria erwählt und der Sklavenhandel vom 13. Jan. 1825 an durch ein Gesetz abgeschafft. Am 29. Dec. > 823 erklärte der Kongreß seine Sitzung für geschloffen. Von diesem Tage an erst datirt eigentlich das Bestehender Republik M., die zuerst von den Vereinigten Staaten und am >. Jan. 1825 von Großbritannien, hierauf von Portugal, Brasilien, den Niederlanden, Schweden, Dänemark und Preußen anerkannt wurde. Erst später trat Frankreich in Handelsverbindungen mitM. und ernannte Handclscommiffarien. Auch der Papst Leo XII. hatte am 29. Juni >825 ein Schreiben an den Präsidenten Vittoria, worin er die kirchlichen Angelegenheiten des neuen Bundesstaats unter seine Obhut nahm, erlassen. Spanien widerstand den Vorstellungen Englands und dem Nathe Frankreichs, die Unabhängigkeit M.s unter vorkhcilhch tcn Bedingungen anzuerkennen. Endlich verlor cs den letzten Punkt, den es noch in diesem Reiche besaß, die FestcSan-Juan de Ulloa, die am >9.Nov. 1825 capituliren mußte. Alles schien in Eintracht und Ruhe, als ein encyklisches Schreiben des Papstes Leo, das dieMcxiu- ner ermahnte, sich wieder dem Mutterland,: zu unterwerfen, unruhige Bewegungen vem- laßle. Die Partei der aristokratischen Jndevcndenten, die Escosesos, wünschten einenPrmftn desHausesSpanien aufdemThrone vonM-zu sehen; an diePartei der demokratischen^- dependpnten, die Uorkinos, schloffen sich die europ. Spanier und die Centralisien oder Aristokraten an, welche statt der demokratischen Föderation eine aristokratische Centralregie- rung vorzogen. Erstere gewannen unter dem Vicepräsidenlen General Bravo eine Zeit lang die Oberhand; allein im Jan. >828 siegten die Aorkinos unter dem General Euer- rero. Hierauf mußten die einflußreichsten der Altspanicr das Gebiet der Republik raumem Die Wahl des neuen Präsidenten am >. Sept. siel auf den verdienstvollen Kriegöminisier Pedrazza, der bei den Aorkinos für einen Aristokraten galt. Erbittert griffen sie zu dm Waffen, und Santa na (s. d.) trat an ihre Spitze. Am 2. Dec. 1828 wurden die Parteien in der Hauptstadt handgemein; am 3. blieb der Sieg den Vorkinos und der Pöbel plünderte drei Tage lang die Häuser der Escosesos und Spanier. Pedrazza hatte sich geflüchtet, legte die Präsidentenstelle nieder und begab sich im Febr. 1829 nach Europa. Die Wahl seines Nachfolgers siel auf Guerrero; Bustamcnte wurde Vicepräsident, Gene« Santana Kriegsminister und dieUorkinos kamen in die Verwaltungsstellen. Der Congreß bestätigte am I. Jan. 1829 Guerrero's Wahl und promulgirte am 29. Mär; ein Gesetz, das alle Spanier ohne Ausnahme und für immer verbannte. Gegen 22909 Spanien» - len damals M. verlassen und ihr Vermögen mitgenommen haben. Inzwischen hatte Spanien eine Expedition zur Wiedereroberung M.s in Havgna ausgerüstet und dem Genera Barradas den Oberbefehl über die Truppen gegeben. Die Expeditionstr uppen, ungefähr 555 Mexico 340Ü0M-, landete» am 2 t.-27. Juli bei Punta de ckeres, vier Meilen von Tampico, und bemächtigten sich dieser Stadt am 7. Aug., wurden aber von Santana eingeschloffen, sodaß Barradas sich genökhigt sah, am l >. Sept. 1829 zu capituliren, Waffen, Fahnen und Kriegsvorräthe auszulicfern, Tampico zu räumen und sich nach Havana wieder einzu- schiffen. Kaum zwei Monate später brach gegen den unwissenden und als Mestize verhaßten Präsidenten Guerrero eine Verschwörung aus, an deren Spitze der Vicepräsident Bu- stamente stand. Guerrero dankte ab und am l. Jan. 183« wurde nun Bustamente zum Präsidenten gewählt. Zwar versuchte Guerrero im Juli 1839 sich wieder an die Spitze der Republik zu stellen; allein mehrmals geschlagen und zuletzt durch Verrath gefangen, wurde cr nach kriegsgerichtlichem Urtheil am > 7. Febr. > 83 l zu Oaxaca erschossen. Bustamente stellte die Ordnung wieder her; allein auch er beleidigte die Patrioten durch aristokratisches Regiment und hauptsächlich durch Aufhebung des DecretS, welches die Spanier verbannte. Daher stellte sich im Jan. 1832 Santana an die Spitze einer Jnsurreckion und proclamirte Pedrazza als den rechtmäßigen Präsidenten, für den sich auch die Mehrheit der Staaten erklärte. Nach mehren Gefechten entschied Santana's Sieg über Bustamente beiPuebla am I. und 2.Oct. 1832 den Kampf. Bustamente schloß mitPedrazza und Santana eine Übereinkunft, nach welcher Pedrazza bis zum I. Apr. > 833 Präsident bleiben und für alle Ereignisse seit 1828 eine allgemeine Amnestie eintreten sollte. Am 2. Jan. 1833 rückte Santana's Heer in M- ein, und Pedrazza bezog den Nationalpalast. Im März >833 wurde nun Santana zum Präsidenten und der Arzt Valentin Gomez Farias zum ViceLräsidcnteu gewählt. Die liberale Partei schien nach vierjährigem Kampfe obgestegt zu haben; allein die Geistlichkeit und die wenigen in M. trotz der beiden Vcrbannungsdecrete noch ansässigen Spanier setzten Alles in Bewegung, um die durch den Kongreß beschlossene Reform des geistlichen und Militairstandes rückgängig zu machen, die besonders in der Einziehung der geistlichen Güter und Beschränkung des die Einkünfte des Staats verzehrenden Militair- budgets bestehen sollte. Santana erschien dabei in einem zweideutigen Lichte; er begünstigte im Geheimen die Ansprüche desKlerus und des Militairs. AufAnregung des Generals Bravo und des aus der Verbannung zurückgekehrtcn Bischofs von Pucbla entstanden in mehren Provinzen zu Anfänge des 1.1833 neue aufrührerische Bewegungen; doch General Bravo wurde vom General Viktoria geschlagen. Santana trat im Mai wieder an die Spitze der Regierung; allein am 2. Febr. >837, reichte cr dem versammelten Congresse seine Resignation ein, woraus der General Don Miguel Baragan ru seinem Nachfolger erwählt wurde. Doch die Umtriebe der Geistlichkeit, welche die Indianer und die nieder« Claffen fanatisirtc, erzeugte eine neue Militairrevolution, an deren Spitze sich Santana stellte, der, plötzlich die Maske abnehmend, nun auf einmal aus einem Föderalisten zum entschiedenen Ccntralistcn geworden war. Er löste vor Allem den Kongreß auf, rief einen neuen zusammen und erblickte durch blutige Maßregeln jeden Widerstand. Nachdem er so einen GegcnaOfstand unterdrückt, erließ er das Edict vom 23. Oct. > 835, welches die Unabhängigkeit der einzelnen Staaten aushob und überhaupt die ganze Republik aus.einer föderativen zu einer ccn- tralistischen machte. Diese Ereignisse beschleunigten den Aufstand und den Abfall von Texas tzs. d.), das am 2. März >839 sich für unabhängig erklärte, nachdem Santana von den Texanern in einem Treffen geschlagen und gefangen worden war. Gegen Ende der I. >830 erfolgte nach langen Unterhandlungen die-Anerkennung der Republik M. auch von Seiten Spaniens. Durch die Gefangenschaft Santana's ging die Präsidentschaft an Bu- stamente über, der die Politik seines Vorgängers forksetzte. Um diese Zeit begannen in Folge der Beeinträchtigung, welche franz. Bürger in ihren Rechten in M. erfuhren, die Zwistigkeiten mit Frankreich, die am Ende zum Kriege mit diesem Staat führten, der mit der Beschießung und Kapitulation des Forts von San-Juan de Ulloa am 27. Nov. 1838 und der Einnahme von Vera-Cruz durch die Franzosen am 5. Dcc. >838 endigte und zuletzt zum Abschluß eines Friedens am 9. März 1839 führte, in welchem M. Genug- thuung und eine Entschädigung von 609999 Dollars an Frankreich leisten mußte. San- tana war während dessen aus der Gefangenschaft zurückgekehrt, und in Folge davon begannen gleich nach dem Friedensschlüsse von neuem wieder die innern Kämpfe zwischen Centralisten und Föderalisten, welche letztere in dem Kriege mit Frankreich durch die Ge- 556 Mexico (Stadt) Mexikanischer Meerbusen Walt der Umstände für eine kurze Zeit die Oberhand erhalten hatten, jedoch schon im Sept. r >841 wieder völlig den Gegenbestrebungen Santana's erlagen, der ganz als Dictator d schaltete und nach Bustamentc's Abgänge die Präsidentenstelle übernahm. DiesevKampf zwischen beiden Parteien hatte die Ablösung und Unabhängigkeitserklärung von Aucatan, h wo die Föderalisten die Oberhand behielten, zur Folge. Von nun an bis zum I. 1845 f herrschte Santana so gut wie unbeschränkt, mit dem nur zu sichtlichen Bestreben, förmlich v sich zum Dictator zu machen, und mit einer Anmaßung gegen die auswärtigen Mächte, tz die zu einer Menge Differenzen mit den Vereinigten Staaten, England und Frankreich ^ führte. Dabei wuchs die innere Zerrüttung immer mehr, sodaß cs Santana, trotz seiner h Willkürherrschaft, nichts weniger als möglich war, seine Herrschaft zu consolidiren. So si lag eS denn ganz in der Natur der Dinge, daß durch seine willkürliche Veränderung der d Verfassung im Dec. > 842 und seine übrigen Gewaltmaßregeln die Opposition gegen ihn ll so zunahm, daß sie ihn im Anfänge des I. 1845 völlig zu stürzen und aus dem Lande zu i verbannen vermochte. Er floh nach Havana, und Herrera wurde an seiner Stelle Praß- n dent. Die Versuche, welche M., besonders unter Santana, zur Unterwerfung AucatanS v und Texas gemacht, sind bis jetzt völlig erfolglos gewesen und haben nur dazu gedient, eine I neue Seite des Verfalls zu enthüllen, nämlich die Gefahren, welche ihm von außen durch 8 das immer weitere Umsichgreifen der Vereinigten Staaten von Nordamerika drohen, im si im Laufe des I. > 845 nicht nur ganz Texas incorporirt haben, sondern auch noch mit du tz Besetzung Californiens und in der Ferne mit der Unterwerfung ganz M.s unter die anglo- L amerikan. Macht drohen. a Mexico, die Hauptstadt der Republik gleiches Namens, der Sitz der Regierung, der 2 Congresses und eines Erzbischofs, die prächtigste Stadt Amerikas, die mit ihrem Gebiet, n gleich Washington in den Vereinigten Staaten, einen eigenen District bildet, wurde in der L ersten Hälfte des 14. Iahrh. von den Azteken gegründet und Tenochtitlan genannt. Sie 2 liegt 7IVV F. hoch an zwei Seen, die gegen 50 Stunden im Umkreise und schwimmende e Gärten (6llin»mpas) haben, in einem von schneebedeckten Vulkanen umgebenen Thale, wo ein ewiger Frühling herrscht, bildet ein Viereck und hat schnurgerade Straßen, fest ' d durchgehends niedrige Häuser, da sie durch Erdbeben ebenso häufig leidet wie durch Uber- ! n schwemmungen, und keine Thore und keine Wälle. Zwei große Wasserleitungen führen 3 ihr gesundes Wasser zu. Die Zahl der Einwohner beläuft sich auf 179099. Daselbst be- d stehen eine Universität, eine Akademie der schönen Künste, eine Bergwerksschule, ein bete- v nischer Garten und andere Anstalten, freilich gegenwärtig im höchsten Verfalle. Unter den d vielen Kirchen, die sich sämmtlich durch Überladung mit Schmuck aller Art, besonders an e edeln Metallen, auszeichnen, ist die große Domkirche zu erwähnen, erbaut auf den Trum- s mein eines alten Tempels. Unter span. Regierung war die Stadt der Mittelpunkt eines I bedeutWden inner» Handels und der Sitz einer Bildung, durch die sie sich im ganzen span. r Amerika auszeichnete; allein in beider Rücksicht ist sie seit der Unabhängigkeitserklärung t in Folge der inner» Kriege unendlich zurückgekommen, und nur Überreste des alten Reich- thums und der alten Civilisation und Bildung sind noch zu finden. Die alte Geschichte s M.s haben Antonio de Solis (s. d.) und Ant. Herrera (s. d.) geschrieben. Vgl- strmr > „^ntiguities vk lVl.", gemessen und beschrieben von Dupaix und erklärt von Aglio (4 Ml>, < Lond. 1829 fg., Fol.); Humboldt's verschiedene Werke, besonders sein „Lss»> palwgue l 8»r le rn^uuine Us ls pßmivelle Lspagus" (2. Aust., 4 Vde., Par. > 827), und von neuem > Werken die von Mühlenpfordt, Stephens, Löwenstern, von Koppe, Latrobe, Mora, iWard, ^ Dumartray und Rouhaud, Montgomery, Chevalier, Thompson, Haesken, Beltrami, Nebel, ! Catherwood und Duflot de Mofras. Mexikanischer Meerbusen wird der Theil des Atlantischen Oceans genannt, der, im Süden der Vereinigten Staaten von Nordamerika liegend, im Norden von den sudu- chen Provinzen dieser Republik, im Westen und Süden von Mexico, im Osten aber von ^ den Halbinseln Florida und Ducatan eingeschlosscn wird, zwischen deren äußersten Spitzen > er in einer Breite von mehr als 1 99 M. dem Ocean offen steht, vor welchem Eingänge d^ Insel Cub a (s. d.) liegt. Im Meerbusen selbst finden sich nur wenige kleine Inseln; doch hat er keine bedeutende Tiefe. Seine seichten Ufer bestehen sämmtlich aus angeschwemm- Meyendorff Meyer (Joh. Friedr. von) 557 tem Land und bieten nur wenige unbedeutende Häfen. Außer den kleinern Flüssen des mcrican. Plateaus und des Nordamerika«. Tieflandes münden blos zwei größere Flüsse in denselben, der Mississippi und der Rio del Norte. Meyendorss (Georg, Freiherr von), aus einer altadeligen liefländischen Familie, ist besonders durch seine Reise von Orenburg nach Buchara wichtig, die er im I. > 82ü ausführte, wobei er seinen Weg mitten durch jene öde, unwirthliche und vor ihm nur selten von einem Europäer betretene Steppe nahm, die sich westwärts vom Aralsee bis zu den Ufern des Kaspischen Meeres hin ausbreitct. Ihn begleiteten auf dieser Reise die Natur- fbrscher E. Eversmanu und Pander, und alle drei um Rußland so hochverdiente Gelehrte haben ihre wissenschaftlichen Forschungen und Entdeckungen in jenem Steppenlande, wo sie eine große Strecke entlang (von Kuugrad bis Khiwa) dem Laufe des Amiu Darja folgten, der Mitwelt durch gelehrte Schriften mitgetheilt. Vgl. „Vo^sgs ck'.Orenbmirg ü 8o»k- bara lsit en >820 etc.; recki^e >iur leLaron 6eorAtlelVl. st revu par^. äuubeit" (Par. I 1826; deutsch von Scheidler, Jena l826) und E. Eversmann's „Reise von Orenburg nach Buchara u. s. w." (Berl. 1823.). — Sein jüngerer Bruder, Alex., Freiherr von M., seit >839 russ. wirklicher Staatsrath und gegenwärtiger Handelspräsident in Moskau, war früher viel auf Reisen in Frankreich, Italien, Deutschland und im Innern Rußlands, und ist Besitzer des schönen liefländischen Guts Roop, das an der großen Heerstraße von Tauroggen nach Petersburg liegt. Durch seine Bemühungen, den Handel und Gewerbfleiß Rußlands zu heben, hat er sich große Verdienste um sein Vaterland erworben. Er war es auch, der die erste Anregung zu den großen russ. Fabrikschulen gab) deren jetzt allein schon in Moskau mehr als 20 bestehen, und der überhaupt auf alle Weise für die Ausbildung des Volks, dessen gesunden Sinn und Bildungsfähigkeit er wohl zu schätzen weiß, Bedacht nimmt. In neuester Zeit hat er sich durch die Anfertigung einer mit Paul Sinowjew gemeinsam unternommenen industriellen Karte des russ. Reichs, welche >8-12 zu ' Petersburg in russ. Sprache, und 1831 zu Berlin auch in einer deutschen Übersetzung erschien, eine ehrende Anerkennung auch von Seiten der deutschen Gelehrten erworben. Meyer (Friedr. Joh. Lorenz), Präses des ehemaligen Domcapitels zu Hamburg, l der Freund Klopstock's, geb. zu Hamburg am 22. Jan. >760, studirke in Göttingen und ! machte seit 1782 Reisen in der Schweiz, Italien und Frankreich. Er )var Mitglied der Deputation von Lübeck und Hamburg, welche 1796 an das franz. Directorium, sowie der, die >801 an den ersten Consul gesendet wurde. ^Außerdem machte er sich ganz besonders verdient um seine Vaterstadt als Mitglied der patriotischen Gesellschaft zur Beförderung der Künste und Gewerbe. Er starb am 21. Oct. 1814. Als Schriftsteller erwarb er sich einen geachteten Namen hauptsächlich im Fache der Länder- und Völkerkunde und der Kunstgeschichte. Seine „Skizzen zu einem Gemälde von Hamburg" (6 Hfte., Hamb. 1800 — 4), die „Darstellungen aus Italien" (Berl. 1792) und die „Fragmente aus Paris" (2 Bde., Hamb. >798) stehen noch immer in gutem Andenken. Seine „Briefe aus der Hauptstadt und dem Innern Frankreichs" (2 Bde., Tüb. 1803) enthalten interessante Beiträge zur Geschichte aus Bonaparte's ersten Regentcnjahren. Wie in ihnen, so hat er sich auch in seinen „Darstellungen aus Norddeutschland" (Hamb. 1816), den „Bricffrag- menten vom Taunus, Rhein, Neckar und Main" (Hamb. 1822) und den „Darstellungen aus Rußlands Kaiserstadt und-ihrer Umgegend" (Hamb. 1829) als Welt- und Menschenkenner, als geistreichen Beobachter und Darsteller bewährt. ' > Meyer (Joh. Friedr. von), Schöff, SyndicuS und Gerichtsschultheiß der freien Stadt Frankfurt am Main und deren Gesandter am Bundestage, bekannt auch als Verfasser mehrer religiöser Schriften, geb. zu Frankfurt am 12. Sept. >772, ist der Sohn eines käsigen Großhändlers, dessen FamilieKaiserJoseph ll. in den Adelstand erhob. Er besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, studirte seit 1790 in Göttingen und Leipzig die Rechte, Philologie und Geschichte und ging 1794 nach Wetzlar, um hier mit dem Reichsproceß sich vertraut zu machen. Im folgenden Jahre wurde er fürstlich salm - kyrburgischer Kammer- director, in Folge der Territorialveränderungen in Deutschland kehrte er aber 1802 nach Frankfurt zurück, wo er anfangs in diplomatischen und andern Geschäften verwendet, >807 unter dem Fürsten Primas als Rath und Beisitzer in das Stadtgericht kam. Im 558 Meyer (Joh. Heinr.) Meyer von Kuonau 1.1816 wurde er Senator und zum evangelisch -lutherischen Consistorium deputirt, und nachdem er 1821 auf die Schöffcnbank vorgerückt, Syndicus und 1837 Gcrichlsschulthei?. Er war seit >826 wiederholt Präsident des Gesetzgebenden Körpers und bekleidete 1825, >869 und >816 die Würde eines ersten Bürgermeisters. Als Thcilnehmer und Präsident .der frankfurter Bibelgesellschaft wirkte er eifrig mit zur Beförderung des geoffenbarten christlichen Glaubens. Mit gleicher Tendenz hat er seit 1819 bis aufdie neueste Zeit herab eine Menge religiöser Schriften herausgegeben. Sein Hauptwerk ist ,,Die heilige Schrift in berichtigter Übersetzung, mit kurzen Anmerkungen" (3Bde., Hamb. 1819; 3.Aust., >8-12). Auch sind zu erwähnen sein episches Gedicht „Tobias" (2. Aust., Kempten 1831, ,»>t Zeichnungen von J.Scknorr), seine „Blätter für höhere Wahrheit" (11 Samml., Franks 1829—32), „Die Wahrnehmungen einer Seherin" (Franks. 1827), „Das Buch Jecha" (hebr. und deutsch, Lp;. 1839), „Kritische Kränze" (Berl. 1839) und „Inbegriff der christ. , liehen Glaubenslehre" (Kempten 1832). Neben dem Titel eines Doctors der Rechte, den er i sich früher erworben, erhielt er1821 von Erlangen aus auch den eines Doctors der Theologie. ! Meyer (Joh. Heinr.), ein verdienter Altcrthumsforscher und Kenner der Kunst. Goethe's vertrauter Freund, gcb. zu Stäfa am Zürichersce am >6. März 17 39, widmete - sich der Malere! und hielt sich >783—88 zu seiner weitern Ausbildung in Italien aus Hier schloß er den Freundschaftsbund mit Goethe, dem bald auch Tischbein angehörte, und in Neapel, wo sich damals die Herzogin Amalie von Sachsen-Weimar aufhielt, lernten Herder und andere Weimaraner kennen. Nach seiner Rückkehr lebte er in der Schweiz, bis ihn Goethe 1792 nach Weimar zog, wo er an der neueingerichtcten Zeichenakademie eine Professur erhielt. Im I. >793 reiste er wieder nach Italien, doch der Einmarsch derFran- zose» nöthigte ihn >797 zur Rückkehr nach der Schweiz, wo er mit Goethe zusammcntris mit dem er damals den Plan zu den „Propyläen" entwarf. Hierauf ging er wieder mch Weimar und vermählte sich hier mit Amalie, der Tochter des Kanzlers von KoppciM Der Umstand, daß ihm in den Kriegsunruhcn im I. 1896 seine Mappe, in welcher crscine I vorzüglichsten Studien bewahrt hatte, entwendet wurde, gab seinen Studien eine ganz > andere Richtung und ununterbrochen beschäftigte ihn nun die Geschichte der alttu Kunst. Im I. 1897 wurde er Direktor der Zeichenakademie in Weimar, der er bis zu sä- ' nem Tode am 13. Ock. >832 verstand. In seinem Testamente bestimmte er 33999 Mr. > für eine Armenstiftung in Weimar, die zu seinem und seiner am 21. Apr. > 823 verstorbenen Gattin Gedächtnis de» Namen Meyer-Amalienstiftung erhielt. Mit Fernem verband er sich zur Herausgabe von Winckclmann's „Werken", die er nach dessen Tode mit Joh. Schulze (8 Bde., Dresd. >898—17) herausgab. Resultate eigener Forschung eut- hält seine „Geschichte der bildenden Künste bei den Griechen", fortgesetzt von Niemer (3 Bde., Dresd. 1823—36). Auch ein großer Theil der kritischen Beurthcilungen in den „Pro- i pyläen", „Horen" und in Goethe's Journal „Kunst und Alterthum" rühren von ihm her. , Meyer (Jonas David), einer der berühmtesten niederländ. Nechtsgclehrten mosai- > schen Glaubens, geb. zu Arnheim in Geldern am 13. Sept. >789, studirte in Amsterdam ! und Leyden und prakticirte dann als Advocat am Gerichtshöfe erster Instanz zu Amster- j dam. Seit 1 8 11 bekleidete er mehre wichtige Stellen in der Rechtspflege und bei der neuen l Staatseinrichtung. Er war 1813 Mitglied der provisorischen Regierung, nahm aber >81 - ! seine Entlassung und lebre wieder als Advocat in Amsterdam, wo er die Sache des örko- ! nigs Ludwig Napoleon gegen den König der Niederlande führte. Später wurde er Präsi- j dent der zweiten Elaste des niederländ. Instituts und Mitglied des israelit. Consistoriums. ^ Er starb am 3. Dec. 1831. In der Literatur erwarb er sich eine ausgezeichnete Stelle, be- sonders durch mehre gelehrte Abhandlungsn in den Denkschriften dcs Instituts und durch sein schätzbares Werk „binzirit, oriAine et propres iiwtilnt. juclicisires etc." (6 Bde., Haag 1819—23). Meyer von Knoiiau hLudw.), ein Enkel des gleichnamigen von Klopsiöck und Wie- ! land hochgeschätzten Fabeldichters, geb. zu Zürich am 12. Sept. 1769, widmete sich w / Halle, wo er ein eifriger Schüler Wolfs war, philologischen und historischen sowie juristischen Studien, bereiste mehre Länder Europas, und erwarb sich nach der Rückkehr in du Heimar mannichfache Verdienste in diplomatischen Geschäften, in richterlichen und admim- Meyerbeer Me'^ray 559 strativen Ämtem, sowie im höher» Lchrfachc. Im I. l 820 in den Staatsrath gewählt, trat er nach der Staatsvcränderung von 1830 an die Spitze der züricher Tagsatzungs- qesandtschaft, lehnte aber 1832 die von vielen Mitgliedern des Großraths ihm zugedachte Bürgermeisterstclle ab. Bei der Berufung des l)r. Strauß (s. d.) stimmte er mit der Mehrheit des ErziehungSraths. Nach der Umwälzung vom 6. Sept. 1830 zog er sich von allen öffentlichen Stellen zurück und starb am 2 i. Sept. 1821. Unter seinen Schriften ist hauptsächlich sein „Handbuch der Geschichte der schweiz. Eidgenossenschaft" (2 Bde., Zur. 1826—20) zu erwähnen. — Sein Sohn, Gerold M. von Knonau, Staatsarchivar im Canton Zürich, geb. am 2. März 1802, setzte auf der Hochschule zu Berlin, wo ihm unter seinen Lehrern der berühmte Geograph Ritter am nächsten stand, seine kame- ralistischen und historischen Studien fort, nachdem er schon in seinem 10. Jahre einen sehr verbreiteten „Abriß der Erdbeschreibung und Staatskunde der Schweiz" (Zür. 1822; 2. Aust., 1831) herausgegeben hatte. Er lernte einen großen Theil Europas auf Reisen kennen und arbeitete nach seiner Rückkehr im 1.1827 mehre Jahre ini Finanrfache. Seine wichtigsten schriftstellerischen Arbeiten find die unter seiner Leitung erschienenen und zum Theil von ihm bearbeiteten „Historisch-statistischen Gemälde der Schweiz", sowie die „Erdkunde der schweiz. Eidgenossenschaft" (2 Bde.; 2. Aust., Zür. 1838—30). Meyerbeer, s. Bee r (Meyer). Meyern (Will). Fric-dr.) der Verfasser des Romans „Dya-na-Sore", wurde >762 in oder bei Ansbach geboren. Nachdem er eine eigenthümliche Erziehung bei einem Landgeistlichen genossen, der er außer vielem Andern seine innige Liebe zur Natur, aber auch manche später hervortretende Eigenheit verdankte, studirte er in Altdorf die Rechte, jedoch so, daß er Mathematik, Geschichte, Sprachen und Naturkunde mit in seinen Kreis zog. Eine gewaltige Reiselust zog ihn dann nach England, wo er vergebens Sccdicnste zu nehmen wünschte. Nachdem er sodann kurze Zeit als östr. Artillerielieutenant gedient hatte, unternahm er mit zwei jungen Adeligen eine Reise durch Italien, Griechenland und Kleinasien ; später durchreiste er große Theile von Europa. Ans seinen Reisen verband er in seltener Weise das Studium der Natur mit Erkenntniß der Menschen und Staaten. Um 1807 hielt er sich lange mit der östr. Gesandtschaft in Sicilie» auf und entwarf hier großartige Colonisationsplänc, die aber nicht verwirklicht wurden. Im I. l 800 trat er wieder als Hauptmann in die östr. Artillerie, war bei Organisirung der Landesbewaffnung thätig und arbeitete eine große Anzahl der wichtigsten Vorschläge aus, deren Werth aber meist zu spät erkannt wurde. Er wurde 1813 zum Generalstab verseht und leitete 1815 in Paris die Rückgabe der ital. Kunstwerke. Nachher lebte er bei den östr. Gesandtschaften in Nom und Madrid, wurde dann der Militaircommission bei dem Bundestage in Frankfurt am Main beigegeben und starb daselbst am l 3. Ma! 1820. M. war durch Geist und Kenntnisse in seltenem Grade zum Staatsmann befähigt, aber die Abgeschlossenheit seines edeln, im höchsten Grade anspruchslosen Charakters und die Unfähigkeit, auf Äußerlichkeiten des Lebens einen.Werth zu legen, verhinderten ihn, eine entsprechende Lebensstellung einzuneh- men. Als Schriftsteller trat er anonym zuerst auf mit dem geistvollen, aber in wunderliche Form gehüllten, politischen Roman „Dya-na-Sore oder die Wanderer" (5 Bde., Wien 1787—01; 3. Aust., 1820—21), der seiner Zeit einen seltenen Beifall fand. Von seinen übrigen zahlreichen Arbeiten, die er selbst zu gering achtete, scheint Vieles verloren gegangen zu sein; das Erhaltene gab E. von Feuchtersleben heraus unter dem Titel „M/s hin- terlassene kleine Schriften" (3 Bde., Wien 1822 ). Mezeray (Franc. Eudes de), stanz. Historiker, geb. 1610 zu Ry bei Falaise in der Normandie, entlehnte den Namen de Mezeray von einem bei Ny gelegenen Dorfe, als er in Paris anfing, von der Schriftstellerei zu leben. Zuerst widmete er sich der Dichtkunst, die er aber auf Anrathen des damals sehr einflußreichen Uvetaux mit dem Studium der Geschichte und Politik vertauschte. Später erhielt er die Stelle eines Richtoffiziers bei der Artillerie, die er während zweier Feldzüge in Flandern mit großem Widerwillen bekleidete, worauf er de»Abschied nahm und im College Sainte-Barbe in Paris mit solchem Eifer den Studien oblag, daß er in eine schwere Krankheit verfiel. Der Cardinal Richelieu, weicher aus ihn aufmerksam geworden war, verschaffte ihm, nachdem der erste Theil seiner 56» Me'ziöres Miako „Ilistoire 6 Livres. Er wurde 1618 Mitglied der Akademie und 1676 deren beständiger Secretair, in welcher Eigenschaft er an derN»- daction des „victionnuire eie I'ucallemi«" Theil nahm. Der Auszug aus seinem grvft» Geschichtswerke „^.breFö cbronologigue cls I'bistnire 0. Juli >683 zu Paris. — Sein altem ! Bruder Jean war Stifter der Ongregutinn <1es Lixlites. , Mezieres, franz. Festung zweiten Ranges und Hauptstadt des Departements der Ardennen, auf einer Einbiegung der Maas, mit einer Citadelle auf der Ostseite der Stadt und von dem gegenüberliegenden Charleville, einer Stadt von 85 n» E., mir durch den Fluß getrennt, galt im Mittelalter für einen der festesten Plätze Frankreichs und beherrscht noch gegenwärtig die Maas. Sie hat gegen 1166 E., eine Militairschule, Ackerbau- gesellschast und mehre Leinwand-und Gewehrfabriken. Durch den Ritter B a yard ss.d.) j wurde die Stadt auf das tapferste gegen Kaiser Karl V. vertheidigt. AkLLä, vvee, abgekürzt m. v., d. h. mit halber Stimme, ist bei dem Gesänge die Andeutung eines gedämpften Vortrags. Mezzvfantl (Giuseppe), röm. Cardinalpricster, einer der berühmtesten Gelehrte» Italiens, wurde zu Bologna am I S.Sept. >771 geboren, wo er auch seine Bildung erhielt. Wahrhaft eminent ist sein Talent, sich fremde Sprachen anzueignen; er spricht über klebende Sprachen und zwar nicht nur die des röm. Sprachstammes, sondern auch Walachisch ^ und die Sprache der Zigeuner; insbesondere spricht er auch Deutsch mit so vieler Gewandtheit, daß ein geübtes Ohr dazu gehört, den Ausländer in ihm zu erkennen. Merkwürdig ist es übrigens, daß er sich seine Sprachkenntnisse zum großen Theil nur gelegentlich i» ^ seiner Vaterstadt durch die fremden Besatzungen erwarb. Die Italiener betrachten ihn wegen seiner Sprachkenntniß geradezu als ein Wunder; allein es ist dabei wohl zu bedenke», daß er blos große Sprachfertigkeit besitzt, aber kein gründlicher Sprachkenner ist. Früher als Bibliothekar zu Bologna angestellt, wurde er >831 in die Bewegungen verwickelt, welche die Besetzung Anconas durch die Franzosen herbeiführten. Er gehörte damals z» der Deputation, die sich nach Rom begab, bei demPapsteVorstcllungen zu thun. JnRoi» wurde er zum Monsignore befördert und 1833 an Ang. Mai's Stelle erster Custos derva- ticanischen Bibliothek. Seine Ernennung zum Cardinalpriester erfolgte am >3. Febr. 1838. Obschon er als Bibliothekar nicht wegen Liberalität gepriesen werden konnte, so ist er doch ein äußerst bescheidener und freundlicher Mann. Mezzotinto nennt man in der Malerei die Mittelfarben, d.i. diejenigen, welche aus dem Übergange zweier Farben ineinander entstehen und die man auch bisweilen halbe Farben oder gebrochene Farben im Gegensatz zu denen, aus welchen sie gemischt sind, oder überhaupt Tinten nennt. In der Kupferstechkunst ist die Mezzotinto-Manier gleichbedeutend mit derjenigen, welche Schwarzkunst genannt wird. (S. Kupferstechkunst.) Miako, die heilige Stadt der Japaner, die Residenz des Dairi oder geistlichen Ober- i Hauptes, auf der InselNipon, hat lange, gerade, aber sehr enge Straßen, viele schöne und großartige Gebäude, namentlich in den zahlreichen Palästen des weltlichen Oberhauptes und der Vasallenfürsten, und ist der Hauptsitz der Gelehrsamkeit, Künste und Gewerbe in Japan. Daselbst werden auch alle japan. Münzen geprägt und die meisten Bücher gedruckt. Die Zahl der Bewohner soll sich auf 506060 belaufen. Der Palast des Dairi bildet einen eignen Stadttheil, der 2'/- M. im Umfange hat und mit Mauern und Gräben umgebe» ist; neben demselben erhebt sich ein ungeheurer Thurm. Unter den Buddhatempeln zeichnet sich der Fokozitempel aus mit der kolossalen Statue des Buddha aus vergoldetem Hotz, Miasma Miaulis 56L 3Z333 Idolen und mit der größten Glocke der Erde. Das Innere ist mit farbigen Marmorplatten gepflastert und das Schiff wird von W Säulen aus Cedernholz getragen.- Miasma (griech.), eigentlich Verunreinigung und in der Lehre von den ansteckenden und epidemischen Krankheiten in sehr verschiedenen Bedeutungen gebraucht, wird jetzt fast allgemein dem Contagium (s. d.) entgegengesetzt und zur Bezeichnung eines aus faulenden organischen Körpern sich erzeugenden, die atmosphärische Luft verunreinigenden und so auf den Gesundheitszustand Vieler nachtheilig einwirkenden Krankheitsgiftes gebraucht. Miasmen entstehen um so leichter, wenn der Zustand der Atmosphäre die Fäulniß befördert, also bei Wärme und Feuchtigkeit. Was aber eigentlich aus dieser Fäulniß sich entwickelt und das Miasma bildet, ist unbekannt, da unsere Sinne, von denen nur der Geruch zuweilen ein Miasma wahrnimmt, darüber keine Auskunft geben, und die Chemie noch nicht so weit ausgebildet ist, um ein Miasma aus der Luft abzuscheiden und seiner Natur nach kennen zu lehren. Fast ebenso ungewiß und unerklärt ist die Art der Einwirkung, durch welche Miasmen Krankheiten Hervorbringen, da nur einige derselben, deren Entstehung genauere Untersuchung leidet, auch erfahrungsgemäß fast immer dieselben, wie- wol auch meist an sich räthselhafte und schwer zu ergründende Krankheitsformen entstehen lassen. Letzteres gilt namentlich von der Sumpfluft, dem S u mpfmiasma, welches man auch häufig mitdemital. Namen Malari a und Aria cattiva (s. d.) bezeichnet. Andere Miasmen werden durch Kloaken, durch Orte, wo viel Fleisch fault, Begräbnißpläße u.s.w. erzeugt, wenn man die nöthigen Vorsichtsmaßregeln verabsäumt, ebenso an eingeschlossenen Orten, wo viel gesunde oder kranke Menschen zusammengedrängt sind. Werden von einer miasmatischen Krankheit viele Menschen auf einmal ergriffen, so verändert sich dann häufig die Natur derselben und sie geht in eine contagiöse über, sodaß dem in der Luft befind- liehen sich auch noch ein materiellerer, durch Berührung sich fortpflanzender Krankheitsstoff beigesellt. Da die Luft der alleinige Träger der Miasmen ist, so sind auch die Winde in dieser Beziehung theils schädlich, indem sie die Miasmen verbreiten, thcils nützlich, indem sie dieselben durch Verdünnung unschädlich machen. Die fast durchgängige Unmöglichkeit, ein einmal erzeugtes Miasma zu zerstören, legt der medicinischen Police! die Verpflichtung auf, die Entstehung eines solchen so viel möglich zu verhindern und bei Anlegung von Be- gräbnißplätzen, anatomischen Theatern, großen Versammlungshäuscrn,'Scharfrichtereien, Schlachthäusern, gewissen Fabriken u. s. w. die gehörige Rücksicht darauf zu nehmen, und Gegenden, in denen sich Miasmen aus dem Boden erzeugen, für die Bewohner unschädlicher zu machen, was, je nach dem besondern Falle, ebensowol durch Trockenlegung wie durch Bewässerung, durch,Ausrodung wie Anpflanzung von Wäldern geschehen kann. Miaulis (Andreas Vokas), Admiral der griech. Flotte während des Freiheitskampfes, gcb. zu Negroponte 1772 von Altern niedern Standes, begann seine Laufbahn als gemeiner Schiffer und erhielt den Namen Miaulis von dem türk. Miaul, was eine Felucke bezeichnet. Allmälig hatte er sich ein kleines Vermögen erworben, das er jedoch dadurch verlor, daß er sich dem Geschwader des Lambros Kanzonis anschloß, welches seit den Zeiten der Kaiserin Katharina II. den Kampf für die Unabhängigkeit allein fortsetzte, endlich aber der türk. Übermacht unterlag. In der franz. Revolution machte er, ungeachtet der engl. Blockade, von Odessa aus in franz. und span. Häfen mit Eetreideladungen bedeutende Geschäfte. Später ließ er sich auf Hydra nieder und erbaute ein größeres Fahrzeug, das er im Schiffbruch an der portugies. Küste verlor. Nichtsdestoweniger erholte er sich auch von diesem Schlage, wurde unter die Primaten von Hydra ausgenommen und erhielt einen bedeutenden Einfluß auf die gemeinsamen Angelegenheiten dieser Insel. Obschon er beim Aufstande im I. 1821 zögerte, sich anzuschließen, so that er dies doch mit um so mehr Enthusiasmus , sobald er über Zweck und Art des Aufstandes im Klare^war. Er schloß sich der schnell ausgerüsteten hydriotischen Flotte an, erhielt 1822 den Oberbefehl über dieselbe und errang den Sieg bei Patras über die feindliche Flotte. ZmJ. 1823 wurde er zum Befehlshaber der gesammten Flotte erwählt. Er vollbrachte 1825 die kühne That, die türk. Flotte im Hafen von Modon zu verbrennen und bewies sich überaus thätig, bis die Mis- stimmung zwischen ihm und dem Lord Cochrane ihn 1827 veranlaßt, das Kommando der Conv.-Lex. Neunte Anfl. IX. 36 5>62 Micali Michael (Koni;; von Polen) Flotte niederzulcgcn. Hierauf lebte er theils zu Poros, theils zu Hydra ohne weitere Theil- nähme an den öffentlichen Angelegenheiten, bis er nach der Ankunft des Präsidenten Kapodistrias von neuem den Oberbefehl über die Flotte übernahm. Um ihn für die Regierung zu gewinnen, ernannte ihn Aapodistrias gegen Ende des I. 1829 zum Chef und Oberaufseher des Kriegshafens von Poros. Dessenungeachtet trat er auf die Seile der Opposition, in der er ebenso große Redlichkeit als Charakterstärke zeigte. Er war Mitglied der Commission, welche die Negierung der Insel Hydra übernahm, und >831 auch beider Deputation, welche mit dem Präsidenten einen versöhnenden Vergleich versuchte. Als die- ser nicht zu Stande kam, verbrannte er am t3. Aug. die im Hafen von Poros liegende» griech. Kriegsschiffe. Noch war der Proceß deshalb gegen ihn nicht eingeleitet, als die Ermordung des Präsidenten den Dingen eine unerwartete Wendung gab. Hydra erklärte , sich zu jeder Ausgleichung bereit und M. wurde >832 zum Obcradmiral ernannt. Nach ! der Wahl des Prinzen Otto zum Könige von Griechenland und der Flucht Augustin Ko- 1 podistrias' gehörte er mit zu den Abgeordneten, die dem neuen Könige die Huldigung dir Nation überbrachten. Mit der Leitung der Seemacht beauftragt, gehörte er nun zu de» kräftigsten Stützen des neuerrichteten Königsthrons und wurde l 835 zunrViceadmiral ernannt, starb aber noch in demselben Jahre in Athen, wo er neben dem Denkmal des The- mistokles begraben wurde, während sein Herz in silberner Urne in Hydra beigesetzt ist. j Micali (Giuseppe), ital. Archäolog, geb. zu Livorno, und einer begüterten Familie aus dem Handelsstande angehörend, machte schon früh größere Äcisen durch Italic», Frankreich und Deutschland, und widmete sich, nach der Heimat zurückgekehrt, gänzlich drn archäologischen Studien. Als eine Frucht derselben erschien zunächst sein großes, bereits in ! einer zweiten Auflage herausgegebenes und von Raoul Rochette ins Französische übersetztes Werk „R'ltalia svanti il cloininio tlei Romani" (4 Bde., Flor. 181 v), dem nach sehr langem Zwischenräume die „Ltarirr clegli anticbi zio^vli italiani" (3 Bde., Flor. 1832), ^ eine völlige Umarbeitung des früher» Werks und die Frucht Jahre langer Arbeiten und f Reisen folgte und zu dem die Kupsersammlung der, Monument! anticlü" auf 120 Folio- tafeln eine höchst schätzbare Beilage bilden. So wenig man veranlaßt sein mag, viele von des Verfassers Ansichten anzunehmen oder überhaupt im Allgemeinen sein System hinsichtlich der Abstammung ital. Völkerschaften, wie in der Erklärung der Kunstwerke gutzuhei- ßen, so bleibt seinem Werke immer das Verdienst, beim ersten Erscheinen das Studium dieses Zweiges der Alterthumswisscnschaften in Italien mächtig angeregt und in der züchten Bearbeitung eine Menge Monumente vereint zu haben, die man nirgend anders zu- sammengetragen findet. Micha, einer der zwölf kleinen Propheten des Alten Testaments, war gebürtig aus der Stadt Morescheth Gath im Stamme Juda und weissagte in den I. 740—72V unter den Königen Ahas und Hiskias. Sein im Kanon vorhandenes Buch enthält drei Straf- rcden, anJsrael undJuda gerichtet, worin er in einer schönenSprache wider dieAbgötterei und Sittenlosigkeit eifert und die später eintretenden Katastrophen androht, aber auch auf , eine glücklichere Zukunft hinweist. Eine poetische Übersetzung des M. gab. F. Rückert. Micha hieß auch der Israelit zur Zcil> der Richter, der Veranlassung wurde, daß die Ei»- ^ wohner zu Dan einen separaten Jehovaculkus einrichtetcn. Michael ist der Name eines der drei im Alten Testamente erwähnten Erzengel. Er galt als Schutzengel des jüd. Volks und sollte unter Anderm über den Leichnam des Moses, dessen Bestattung ihm übertragen war, mit dem Satan gekämpft haben. Auch dieZohan- neische Apokalypse stellt ihn als Sieger über den Drachen oder Satan dar- Da er später bei den Christen als Beschützer der Kirche angesehen wurde, so widmete man ihm, zugleich aber allen übrigen Engeln, im 9. Jahrh. das Fest, welches noch gegenwärtig am 29. Sept. von der katholischen «irche gefeiert wird. Michael, König von Polen, geb. 1638, war der Sohn des als Krieger berühmten, von den Jagellonen abstammenden Woywodcn von Reußen Jeremias Wisniowiecki und mütterlicher Seils ein Urenkel Johann Zamojski' s (s. d.). Sein Vater hatte seine großen Besitzungen in der Ukraine in Folge der unglückliche» Kriege zwischen Polen und Rußland an den russ Zar verloren, daher befand sich M. in den ärmlichsten Verhältnissen, als er 563 Michaelis (Joh. Benj.) Michaelis (Joh. Dav.) 1669 nach der Thronentsagung Johann Kasimir's(s.d.) von dem nieder,, Adel, der den Magnaten gegenüber hier seine Allgewalt zeigen wollte, plötzlich zum Könige von Polen ansgerufen wurde. Bei der Nachricht von seiner Wahl rief er unter Thränen aus: „Es gehe dieser Kelch an mir vorüber!" Er entfloh vom Wahlfelde, wurde aber eingeholt, mußte sich dem Willen der Nation fügen und vermählte sich darauf mit Eleonore, der Schwester deS Kaisers Leopold. Seine kurze Negierung brachte Polen an den Rand des Verderbens, indem er in keiner Weise den Verhältnissen gewachsen war. Er wußte weder dem gegen ihn eingenommenen Adel, noch den auswärtigen Feinden zu widerstehen. Sultan Mahomed IV. zwang ihn durch einen Einfall in Polen Podolien und die Ukraine abzu- tretcn und einen jährlichen Tribut zu zahlen. Joh ann Sobieski (s. d.), sein Gegner und Nachfolger, hatte den großen Sieg über die Türken beiChoczim davongetragen, als M., fast allgemein verachtet, am 10. Nov. >673 zu Lemberg starb. Michaelis (Joh. Benj.), ein früh verstorbener deutscher Dichter, war am 31. Dec. 1746 zu Zittau in ärmlichen Verhältnissen geboren. Ein Lehrer am dasigen Gymnasium regte in ihm zuerst das poetische Talent an, welches sich schon früh in deutschen, dann in lat. Gedichten aussprach. Im I. 1764 ging er nach Leipzig, um Medicin zu studircn; doch trotz einiger Unterstützung, die er von Gottsched erhielt, gerieth er bald in die größte Noth, die ihn umsomehr drückte, je weniger Geschmack er an dem erwählten Studium fand. Eine kleine Gedichtsammlung und häufige Gelegenheitsgedichte gewährten nur augcnblicklicheHülfe; ebensowenig Bestand hatte seit 1770 sein Anthcil an der Redaction des „Hamburger Correspondcnten". Endlich nahmen sich Gleim und G. Jacobi seiner an, und in enger Verbindung mit dem Erster» lebte er in Halberstadt bis an seinen Tod am 30. Sept. >772. Seine Hauptarbeiten sind Fabeln, Lieder und Satiren, darunter die letztem die bedeutendsten; doch tritt überall weder entschiedene Eigcnthümlichkcit noch vollständige Durchbildung hervor. Vieles noch Ungedruckte findet sich in Gleim'S Nachlasse zu Hajberstadt. Gesammelt wurden seine „Poetischen Werke" von Schmidt (2 Bde., Gieß. 1780); seine „Sämmtlichen Werke" erschienen in Wien (4 Bde., I7SI). Michaelis (Joh. Dav.), einer der gelehrtesten und angesehensten Theologen des 18. Jahrh-, wurde am 27. Febr. >717 zu Halle geboren, wo sein Vater, ChristianBe- nedict M., der sich ebenfalls als Theolog und Orientalist einen Namen erwarb, Professor war. Er bildete sich auf der Schule des Waisenhauses und auf der Universität zu Halle und machte dann Reisen in England und Holland. Nach der Rückkehr setzte er seine Studien eifrig fort und verfaßte unter Andcrm einen wissenschaftlich geordneten Katalog der Universitätsbibliothek zu Halle. Im I. 1745 erhielt er den Nus als Professor der Philosophie nach Göttingen, wo er 1751 mit Haller die Grundgesetze der damals errichteten So- cietät der Wissenschaften ausarbeitete, deren Secretair und nachheriger Direktor er eine Zeit lang war, bis er wegen Mishelligkeiten mit einem seiner Collegen aus der Gesellschaft trat. Von 1753—70 versah er die Direktion und Mitredaclion der „Göttinger gelehrten Anzeigen", sowie auch von >761->-63 die Function eines Bibliothekars bei der Universität. Zugleich leitete er von 1761 an ohne Vergütung das philologische Seminarium. Während des Siebenjährigen Kriegs beschäftigte er sich mit den Vorarbeiten zu einer Entdeckungs- reise in Arabien, die nachher von Niebuhr(s. d.) unternommen wurde. In der letzten Zeit seines Lebens sah man ihn fast nur auf dem Katheder oder am Schreibtisch. Er starb am 22.Aug. 1701 und hintcrlicß den Ruhm eines ebenso rechtschaffenen als gelehrten Mannes. Sein Wirken für biblische Grammatik, Geschichte und sachliche Exegese war bedeutend; seine „Einleitung in die göttlichen Schriften des Neuen Bundes" (2 Bde., Gott. 1750, 4.; neue Ausl., 1787—88); das „Mosaische Recht" (6 Bde., Franks. 1770 —75; 2. Ausl., 5 Bde., 1776—80) und seine „Moral", hcrausgegeben von Stäudlin (3 Bde., Gött. >792—1823) sichern ihm eine bleibende Stelle unter den ausgezeichnetsten Gelehrten seinerZeit. Er war Mitglied der Akademien von London und Paris, kaiserlicher Rath und hannov. Geh. Rath. Vgl. seine „Lebensbeschreibung von ihm selbst abgcfaßt" (Rinteln und Lpz. >793). — Sein Sohn, Christian Friede. M., starb als Professor der Medicin zu Marburg 1814. 36 * 5)64 Michaud Michaux Michaud (Jos), franz. Historiker undPublicist mit royalistischen Grundsätzen, geb. in einem Dorfe an der Grenze von Savoyen im J. >769, erhielt seine Bildung inBvurg-en- Breffe und kam >791 nachParis,woer sich durch eine vielseitige literarischeThätigkeikbald bekannt machte. Sein erstes selbständiges Werk war die „Vo^sFe littermro suit en 178, s,i Lloiit-VIctnc". Durch seine einschneidenden Journalartikel machte er sich den republikanischen Machthabern so unbequem, daß auf Befehl des Conventsmitgliedes Bourdon de l'Oise über ihn das Todesurthcil gesprochen wurde. Zwar wirkten seine Freunde die Cas- sation dieses Urtheils aus; aber nichtsdestoweniger war er auch noch für die Folge wegen seiner politischen Ansichten vielfachen Verfolgungen ausgeseht. Dessenungeachtet be- hauptete er sich in Paris in seiner Stellung als Journalist. Im I. >797, wo er Redackeur der royalistischen „(Luoticlienne^ war, wurde er mit mehren andern Journalisten wie > Fontanes, Bcrtin, Fie've'e, Lacretelle zur Deportation nach Cayenne verurtheilt. Es gelang ! ihm, sich nach dem Jura zu flüchten, wo er sein berühmtes descriptives Gedicht „l.e prin- temps cl'un proscrit" (Par. 1804, vermehrt >827) schrieb. Nach dem l 8. Brumaire kehrte er nach Paris zurück, wo er sich mit historischen Forschungen und nur nebenbei mit Jour- nalistik beschäftigte. Seine vorzüglichsten Werke sind seine „Uistnirc e '>'i;>j>on-8üd"(2Bde., Par.I89I); „Hisioire cle» croisucles" (3 Bde., Par. >812—>7; 0.Aust., 6 Bde,Par. ! 1840; deutsch von Ungewitter und Förster, 6 Bde-, Quedlinb. 1827—32), welche, ringe- achtet vieler Mängel und Unrichtigkeiten, vorzüglich wegen der plastischen Darstellung zu den bedeutendern historischen Erscheinungen der neuern Zeit gehört; und die mit letztem . in Verbindung stehende „Libliotlreque cles croisuckes" (4 Bde., Par. >830), welche Auszüge aus den Quellenschriftstellern der Kreuzzüge gibt. Im I. >802 erschien ausM?S Feder eine „Liograplüe mockerne" (4 Bde.), welche von der Police! mit Beschlag belegt wurde. Um diese Zeit hatte M. mit seinem Bruder Louis Gabr. M., geb. um >772, ) und Giguet eine Buchdruckerei und ein Verlagsgeschäft angelegt. Zu ihren vorzüglichsten ^ Unternehmungen gehört die „Liogrspliis universelle" (Bd. I —7 3, Par. 1811 fg.), deren eigentliche Leitung M.'s Bruder übernahm. Er selbst blieb stets ein Anhänger der Bourbons, wenn er auch hin und wieder wol dem Kaiser und dem Könige von Rom in Er- ^ dichten huldigte. Dafür ließ erseinemHasse gegcnNapoleon freien Lauf in seiner „Uistvire cles l 5 sewaines vu le Oernier rögne cleLvnspsrte" (Par. 18>6), ein Pamphlet, welches hintereinander 27 Auflagen erlebte. Er war im I. >813 Mitglied der franz. Akademie geworden; >8>5 wurde er Deputirter in der Clrambre introuvsble. Seiner Stellen als Censor und Vorleser des Königs, welche ihm kurz nach der Rückkehr der Bourbons erkhcilt waren, ging er wegen seiner Sympathie für eine freiere Regung der Presse verlustig. Während der I. >820—24 betheiligte er sich vorzüglich an der Nedaction der vielgclesenen „Cettres ckampenoises". Die „CorresponOunce O'Orient" (7 Bde., Par. >830—38), ein Ergebniß seiner Reise nach Afrika und Kleinasien, und die „Collection Oe memnücs xour servir ü I'iüistoire Oe lLrsnce Oepuis le Xlll siecle^t (20 Bde.) hat er in Verbindung mit seinem jüngern Freunde Poujoulat herausgegeben. Außerdem verdankt man ihm noch die Besorgung vieler bedeutender Werke, z. B. einer neuen Ausgabe des „Xbrege cl>rom>- logigue Oe I'Iiistoirs Oe Trance" von Henault, die Veröffentlichung der ersten Abtheilung der wichtigen „CorresponOsnce littöraire OeOrimm"u.s.w. Körperliche Leiden nöthigten ^ ihn, sich nach Passy zurückzuziehen, wo er am 30. Sept. >839 starb. Michaup (Andre), ein berühmter franz. Reisender und Naturforscher, geb. am 7. März >746 auf dem Pachthofe Sartory bei Versailles, widmete sich gleich seinem Baker der Landwirthschaft, bis der frühe Tod seiner jungen Gattin ihn veranlaßte, nachParissichz» wenden, wo er sehr bald ein eifriger Botaniker wurde und B.de Jnssieu hörte. MitLamarck und Thouin machteer >780 eine wissenschaftliche.Rrise durch die Auvergne, in die Pyrenäen und nach Spanien und auf Lemonnicr's Verwendung erhielt er >782 die Erlaubniß, den an den pers. Hof gesendeten Consul Rousseau zu begleiten. Mit schätzbaren Sammlungen von Pflanzen und Samen kehrte er nach drei Jahren nach Frankreich zurück, und erhielt hier denAuftrag, in Nordamerika in der Nähe von Neuyork eine Art von Entrepot zur Cultur junger Bäume anzulegrn, die dann nach Frankreich in die Baumschule von Ram- Michel Michelet 565 bouillet verpflanzt werden sollten. Er ging im Herbste l 785 nach Nordamerika ab, untersuchte Neujersey, Pennsylvanien, Maryland u. s. w. und gründete wie in Neuyork so in Charles- town Anlagen zu dem angegebenen Zwecke; auch durchforschte er die Floridas und die Ufer des St.-Georg- und St.-Jamesflusses. Als die Revolution in seinem Vaterlandc ihn aller Unterstützung beraubte, »egocirte er bei amerikan. Handelshäusern die nöthigcn Fonds, um seine Untersuchungen wo möglich bis an die Gestade der Hudsonsbai ausdehnen zu können; doch in Folge der Widerspenstigkeit seiner Führer in jenen rauhen Gegenden sah er sich nothgcdrungcn, unfern des Zieles umzukehrcn. Später erhielt er wieder von seiner Negierung den Auftrag, Luisiana zu untersuchen, und er besuchte nun die Allcghanygebirge und die Ufer des Ohio biö Louisville, und später auch Virginien, die Gestade des Mississippi und das Land Illinois. Bei der Rückkehr im I. >796 verlor er an der holländ. Allste durch Schiffbruch einen großen Thcil seiner Sammlungen. Die Zcrstörungswuth derRevolution hatte seine aus Amerika nach Frankreich verpflanzten Baumstämme vernichtet und in Rambouillet waren von <>0000 Stämmen nur noch wenige übrig. Sein rückständiger Gehalt wurde ihm nicht ausgczahlt und sein eignes Vermögen war fast ganz verloren gegangen. Dennoch fuhr er fort, mit Eifer seinem Fache zu leben und die zerstörten Anlagen von Rambouillet möglichst wicdcrhcrzustellcn. Als 1800 die Expedition unter Baudin nach Ncuholland ausgerüstet wurde, erhielt er den Auftrag, sich ihr anzuschließen und untersuchte die Pflanzenwelt aufTeneriffa undJsle de France. Von Baudin sich trennend, ging er nach Madagaskar, wo er, dem Einflüsse des Klima unterliegend, im Nov. 1802 starb. Seine „btistoire dos ebenes de lUVmerigue sezitentrionsle" (Par. ILOI, Fol.) und seine „b'Ioru bore-dis-umericcmu" (2 Bdc., Par. l 803; neue Ausl., 1 820) sind Werke von ausgezeichnetem Werthc. — Sein Sohn, Franc. Andre M., geb. um >770, derben Vater auf mehren seiner Reisen begleitete und ganz in dessen Fußtapfen trat, ist besonders durch seine „Voz-UAC ü I'ouest des monts ^Ilegbrcn^s, «Inns les etsts de I'Obio etc." (Par. 180 t) und die „Oescription des urbres lorestiers des kitats-Onis" (4 Bdc., Par. 1817 —l 8) bekannt. Michel, das abgekürzte Michael, bedeutet im Altdeutschen ein starken Mann. Dem deutschen Michel hat man eine reiche Dosis Schwerfälligkeit und gutmüthigcr Unklug- hcit bcigclegt, um in ihm die Thorhciten und Verkehrtheiten der deutschen Nation in ähnlicher Weise zu personificiren, wie dies die Engländer in ihrem John Bull(s. d.), die Nordamerikaner in ihrem Jonathan u. s. w. thun. Da seit >813 nicht alle Hoffnungen, die sich das deutsche Volk gemacht hatte, und nicht alle Verheißungen, die ihm gemacht wurden, in Erfüllung gegangen sind, so ist zumal seit den sogenannten Befreiungskriegen der de utsche Michel in der humoristisch-politischen Literatur, in Caricaturen unddgl. eine fast nothwcndige Person geworden. Michel Angelo, s. Buonarotti. Michelet (Jules), franz. Historiker, geb. am 21. Aug. I7S8 zu Paris, widmete sich von Jugend an ernsten historischen Studien und trat frühzeitig als öffentlicher Lehrer auf. Vom J. 1821 an behandelte er an verschiedenen Unterrichtsanstalten, besonders am College Rollin, abwechselnd die historiscken, philologischen und philosophischen Disciplinen. Im I. 1830 wurde er Euizol's Suppleant, 1838 Mitglied der Akademie und Professor der Geschichte am College de France sowie an der Normalschule. Außerdem wurde ihm die Leitung der historischen Scction im Reichsarchiv übertragen. Als Geschichtschreiber strebt er einen philosophischen Standpunkt an. Seine Ansichten gründen sich auf die Philosophie der Geschichte, wie sie sich in Deutschland gebildet hat, mehr aber noch auf die Lehre Vico's, der er in dessen „Oeuvres ckoisies" (2 Bde., Par. 1835) eine besondere Berücksichtigung zuwendet. Sein „U'ableaucbronoloAicjuede I'bistoire moderne" (Par. 1825); die ,,'I'sblecmx szncbronitzues de I'iiistoire moderne" (Par. 1826, 4.) und sein „krecis de I'bistoire moderne" (Par. 1828; 6. Ausl., 1840) sind geistreiche Skizzen, während die „lntroduction ü I'bistoire universelle, suivie du discnurs d'ouverture prononce ü In taculte des lettres" (Par. 1831; 2. Aufl., 1834) für das erste Manifest seiner geschichtsphilosophischen Ansichten gelten kann. Seine „Ori^iues du droit truuh." (Par. >837) sind zum größten Theil aus Grimm's „Deutschen Nechtsalterthümcrn" geschöpft. Zwei 566 Michigan Werke sind eS vorzüglich, welche M. als die Aufgabe seines Lebens ansieht, die „Uistnire roin."(Par. 1831; 2. Ausl., 1833), von der bis jetzt nur zwei Bände, und die „Ilistuirs ,ie Trance" (Par. >833), von der acht Bände erschienen sind. Beide Werke bieten bei höchst auffallenden Mängeln ganz vorzügliche Schönheiten; besonders ist ihre ganze künst. lerische Gestaltung ausgezeichnet. Sehr werthvoll ist der Abriß der franz. Geschichte, wel> chcn er in dem „krecis »r lui-ineme, trailuits et mir eil or«1re" (2 Bde., Par. 1835) travestirte er zum Theil dasWesen der Reformation. Es erklärt sich dies auS seiner Borliebe für die formelle Einheit des Katholicismus. Da ihm derselbe aber mehr von seiner künstlerischen Seite zugänglich ist, war e§ auch um s» leichttr möglich, daß er mit den ultramontanen Bestrebungen des franz. Klerus in Widerspruch treten konnte. Dies that er aber neuerdings offen und unverholen in seinen Vorträgen, von denen er einen Theil in der mit Quinet gemeinschaftlich hcrausgegebenen Schrift „I^Läesiiiteü" veröffentlichte, sowie in besonder« Werken, z. B. in seinem „Du pretre, 81« auf 4762 Seelen, 183« war sie auf 31696 gestiegen und 184» auf 24««««; freie Schwarze gab es etwa 7«üv, Indianer 57««. Während bis 1834 vorzugsweise nur die südöstlichen Gegenden angebaut waren und nur der äußere Norden noch einige Niederlassungen halte, ist man seitdem dem Laufe der Flüsse nachgegangen und hat die fruchtbare Westküste erreicht. Die Thäler haben sich mit fleißigen Bewohnern gefüllt, die Wälder sind zum Theil gelichtet und das Klima zeigt sich durchgängig viel milder, als unter gleichen Breitegraden in den atlantischen Staaten der Union. Die katholische Kirche vrganisirt sich schneller als die protestantische. Eine Staatsuniversität wurde 1837 begründet, auch seit jener Zeit sehr viel für Errichtung von Schulen gethan. Die Justiz, bisher sehr autonomisch, ist seit 1837 im Fortschreiten begriffen und ein humaner Sinn der Verwaltung zu bemerken. Die militairische Verfassung ist fast in keinem Staate der Union besser bestellt als in M. Für Communicativn durch Straßen und Eisenbahnen hat die Negierung die größten Anstrengungen gemacht. Handel und Industrie steigen in jedem Jahre, besonders hat crstercr schon einen bedeutenden Umfang gewonnen. Die Hauptstadt Detroit, am Flusse gleiches Namens, ist gut gelegen, schön gebaut und Hut 25«« E. An der Nordspitzc der Halbinsel liegt die Insel Michilimakinak, d. h. die große Schildkröte, mit einem Fort, kleinem Hafen und bedeutendem Pelzhandcl. Ursprünglich war das Land der Wohnsitz der Huronen, die von dem Bunde der sechs Nationen daraus verdrängt wurden. Die Franzosen predigten hier den Erstem schon 1648 mit Erfolg das Christenthum, be- haupteten aber nach Vertreibung der Huronen und ihrer Priester nur einige Forts zur Be- schützung des Pclzhandels, die sie dann mit Canada den Engländern überlassen mußten. Hier und an den benachbarten Küsten und Seen kämpfte bereits um 1771 der größte bekannte indianische Häuptling gegen die Engländer mit solchem Erfolge, daß ihre Herrschaft in Nordamerika in Gefahr kam, und zu seinem Andenken wurde die Stadt Pontiac in M. gebaut. Im Frieden von 1783 kam die ganze Halbinsel an die Union, doch wurde das Fort Detroit erst 1796 ausgeliefert. DerCongrcß errichtete hier rin Gouvernement, das anfangs den Namen Waine führte, 1805 aber nach dem See den Namen Michigan erhielt. Die sehr freie Verfassung des Staats, die im Entwürfe dem Congreß vorgelegt wurde, machte Mickicwicz MicylluL 567 dessen Aufnahme in die Union zweifelhaft, die erst nach sehr langen Debatten im Juni >836 durchging. Die Verfassung gibt nämlich in M. jedem Weißen nach zurückgelegtem 21. Jahre bei allen Wahlen Stimmrecht. Nichtnaturalisirte Einwanderer, welche erweisen können, daß sie zwei Jahre in der Union und ein Jahr in M. ansässig waren, oder dort sich so lange aufgehalten haben, werden zum Stimmen bei allen Wahlen, selbst zu derbes Unionspräsidenten gelassen. Mickiewicz (Adam), einer der vorzüglichsten unter den neuern poln. Dichter», geb. >798 in Lithauc» von armen adelige» Alkern, erhielt seine erste Bildung zu Nowog rode? und auf dem Gymnasium zu Minsk. Er studirte seit l 815 in Wilna und erhielt einige Jahre nachher eine Lehrerstclle an der Schule zu Kowno. Bei glänzenden Talenten und angestrengtem Fleiße hatte er sich einen schönen Schatz von Kenntnissen erworben; derKeim des schlummernden poetischen Talents aber war in ihm durch die Liebe zu der Schwester eines seiner Freunde in Wilna erweckt worden. Als diese, da ungleiche Verhältnisse die Liebenden trennten, einem Andern ihre Hand reichte, schilderte M. seine unglückliche Liebe in dem Gedichte „vnimh" (die Todtenfeier). Die erste Sammlung seiner zerstreuten Gedichte gab er in Wilna 1822 heraus. In Folge der 1823 über die Universität Wilna verhangenen Proscriptionsmaßregeln wurde auch M. längere Zeit festgehalten, und als man keine Beweise einer Verschwörung aufsinden konnte, auf den blosen Verdacht in das Innere Rußlands verwiesen. In der Verbannung machte er eine Reise nach der Krim. Am User des Schwarzen Meeres dichtete er die trefflichen Sonette, durch die er sich die Gunst des Militairgouverncurs von Moskau, Fürsten Galizin, erwarb, der ihn 1826 in sein Gefolge nahm und unter dessen Patronat M.'s Sonette gedruckt wurden (deutsch von Schwab im „Deutschen Musenalmanach" 1833). In Petersburg ließ er 1828 sein episches Gedicht „Konrad Wallenrod" (deutsch von Kannegießer, Lpz. 1834) erscheinen, das ungemein kräftig zur Weckung des Nationalgcfühls unter der poln. Jugend gewirkt hat. Das widrige Geschick des Dichters erhöhte die Theilnahme an seinen Gesängen. Endlich gelang es seinen Verehrern, für ihn die Erlaubniß zu einer Reise ins Ausland zu erlangen. Er durchreiste nun Deutschland und Frankreich, und war in Italien, als > 830 die poln. Revolution ausbrach. Damals wurde seine „Ode an die Jugend" dadurch berühmt, daß die letzten Worte derselben am 30. Nov. > 830 an das Nathhaus zu Warschau geschrieben und als ein glückliches Vorzeichen von der begeisterten Volksmasse tausendstimmig wiederholt wurden. Im I. >831 lebte er in Dresden und im Sommer 1832 ging er nach Paris, wo er der hier erschienenen Sammlung seiner Dichtungen (3Bde., 1828) einen vierten Theil hinzufügte (1832), der seine neuesten Dichtungen enthält. Das Schicksal seines Va- terlands veranlaßte ihn zu der Schrift „Ksiygi nuroclu ziolskiego i piel^rrzmstcvu zx>I- slciegn" (Par. >832), welche in einer der biblischen Sprache nachgebildeten Prosa Polens Bestimmung in der Vergangenheit und Zukunft schildert (deutsch unter dem Titel „Die Bücher des poln. Volks und der poln. Pilgerschaft", Par. 1833). Sein episches Gedicht „Lun 'Lacisnsr" (2 Bde., Par. >834, deutsch von Spazier, Lpz. 1836), ein durchaus nationales Werk, enthält die treueste Darstellung poln. Volkslebens. Nachdem er 1839 Professor der lat. Literatur in Lausanne geworden, übertrug ihm bald nachher die sranz. Regierung den am College de France neucreirten Lehrstuhl der slaw. Literatur und hier trug M. >840—43 in einem vierjährigen Cursus feine „Vorlesungen über slaw. Literatur" (deutsch, 3 Bde., Lpz. 1843—44) vor, die freilich mehr auf einer für katholische Interessen gänzlich eingenommenen Phantasie, als auf gründlichem Studium der^Qucllcn beruhen, daher wol Interesse erwecken, aber keine wahre Belehrung gewähren können, auch unter seinen Landsleuten nur sehr getheiltcn Beifall gefunden haben. Die Theilnahme M.'s an dem mystischen Treiben Towianski's (s. d.) nöthigte endlich die franz. Regierung, M. auf unbestimmte Zeit von seiner Lehrthätigkeit zu dispensiren. Eine Sammlung seiner Werke erschien zu Paris in acht Bänden 1838. Micyllus (Jak.), eigentlich Moltzer, einer der ersten Beförderer der alten Literatur in Deutschland, geb. 1503 zu Strasburg, wurde, nachdem er in seiner Vaterstadt einen guten Grund zu den humanistischen Studien gelegt hatte, Rector in Frankfurt am Main, und hierauf Professor zu Heidelberg, wo er amW.Jan. 1558starb. Außer mehren griech. 568 Midas Middleto» ! und lat. Gedichte» und Übersetzungen alter Klassiker besitzen wir von ihm Ausgaben de: Werke des Ovid (2 Bde., Bas. >549, Fol.) und anderer Schriftsteller. Midas ist der Name der meisten altern phrygischen Könige; besonders aber bekamt ist Midas, der Sohn des Gordios und der Kybele, ein Schüler des Orpheus. Asm wurde der Sage nach von Dionysos der Wunsch gewährt, Alles, was er berühre, in Gold zu verwandeln. Von dieser lästigen Wohlthat konnte er sich nur dadurch befreien, daß ir ' sich aufBcfchl des Gottes im Paktolus badete, der seitdem Gold führte. Nach einer andern Sage erkannte er bei einem Wettstreite des Pan und Apollon, der Syrinx und derKithara, dem Pan den Preis zu, wofür er vom Apollo Eselsohren bekam. Obgleich M. dieselben unter seiner phrygischen Mütze zu verbergen wußte, entdeckte sie doch sein Diener. Düsen drückte das Geheimniß so, daß er cs wenigstens in eine Grube hineinflüstcrte, über welcher aber bald Schilfrohr emporwuchs, durch welches die Sache verrathen wurde. Alle Fabeln über M. haben ihren Ursprung den satirischen Dramen der Athener zu danken. Middelburg, Hauptstadt und Sitz des Gouverneurs der niederländ. Provinz Akt- land, mitten auf der Insel Walchcrcn, steht durch einen Kanal, der die schwersten Kauf, fahrteischiffe trägt und bei der Schanze Nammekens an der Südostseite der Insel endet, wo der eigentliche Hafen der Stadt sich befindet, mit der Westerschelde in Verbindung. Die Stadt ist einigermaßen befestigt, im Ganzen gut gebaut und hat gegen >6«0« E. Unter den öffentlichen Gebäuden zeichnen sich aus das prachtvolle, von Karl dem Kühnen von Burgund >468 erbaute Nathhaus im goth. Stile, mit 25 Steinbildern der alten Grafen von Zeeland, die Peterskirche mit den Erabmälern Cornelius und Jan Evensen und die Abteikirche mit einem Denkmale des deutschen Königs Wilhelm von Holland und seines Bruders Florenz. Die Stadt besitzt eine Börse, ein Gymnasium, Museum und Gesellschaften für Wissenschaft, Kunst und Naturforschung. Handel und Industrie sind unbedeutend. > Midd/esep, eine der zwölf Mittlern Grafschaften Englands mit derHauptstadt L on- s don (s. d.), die aber auch zum Theil zur Grafschaft Surrey gehört, wird von der Themse und > mehren Kanälen, namentlich dem Grand Junction durchschnitten und bildet, mit Ausnahme des Hügels Hanger Hill eine fast ganz ebene, meist sandige Landschaft von > 3lüM. Das Klima ist feucht und außerordentlich veränderlich; im Winter liegen zuweilen mehre Tage lüilg dicke Nebel auf der Gegend und im Frühjahre und Herbste gibt es nicht selten heftige Stürme. Die Einwohner außer London finden ihren Unterhalt hauptsächlich in Wehwirth- schaft und Gartencultur, deren Produete sie der Hauptstadt zuführen, an welche sie sich übrigens auch in Bezug auf Fabriken und Manufacturindustrie anschließen. Die vorzüglichsten Orte nächst London sind Chelse a (s. d.), Fulham mit dem Palastc des Bischofs von London, Hamptoncourt (s. d), Ken sington (s. d.) und Cheswick »üt dem Schlosse des Herzogs von Devonshire. Mit der Grafschaft Essex (s. d.) bildete es das angelsächs. Königreich Essex. (S. Angelsachsen.) Middleton (Conyers), ein freisinniger engl. Theolog und geistreicher Geschichtschreiber, geb. am >2. Dec. >683 zuRichmond in der Grafschaft Jork, erhielt seine gelehrte Bildung zu Cambridge, wo er >7 >5 Professor und erster Universitätsbibliothekar wurde. Er war sehr wohlhabend, doch der Aufwand, den er auf einer Reise nach Italien im Z. >724 in Rom machte, zerrüttete seine Vermögensumstände gänzlich. Er starb z» Cambridge am 28. Juli >76«. Sein Eifer verwickelte ihn in ein Netz von literarischen Fehden, namentlich auch mit Rich. B en t ley (s. d.), der ihn wegen seiner Vorliebe zur Musikspottweise den Fiedler nannte, aber dennoch in Folge der „Lemarks paragrapk bzr parkiArspIi npou tke propo5al latel^ publiskerlkick. Lentle^ etc." (Lond. >721) sich veranlaßt fand, seine projectirte kritische Ausgabe des Neuen Testaments wieder aufzugeben. Das meiste Aufsehen erregte sein noch jetzt geschätztes Werk „Hw Kistor/ oktke lilevk Cicero" (2 Bde., Lond. >74>, 4; 4 Bde., Bas. >79«; 3Bde., Lond. 180t; deutsch von Seidel, 4 Bde., Danz. > 79 l—93). Allein auch diese Schrift, die uns ein lebhaftes, obwol zuweilen zu vortheilhaftes Bild von Cicero's Charakter und dessen Zeitalter gibt, wurde wegen mancher schiefen Urtheile und historischen Ungenauigkeiten bald nach ihrem Erscheinen von Tunstall, Markland, Warburton und andern Gegnern heftig angegriffen- Midianiter Mittcvelt 560 Außerdem sind seine „^ntihuitutes Miickletonirume" (Lond. 175 4) und „Wscellsaeous w<»Ls" (4 Bde., Lond. 1752—57, 4.), welche Gegenstände aus der Theologie undAlter- lhumskunde behandeln, noch immer nicht ohne Werth. Midianiter, ein arab. Volksstamm, hatten Midi an, einen Sohn Abrahams von der Ketura, zum Stanimvatcr und bewohnten der Mehrzahl nach den Landstrich zwischen der Nordseite des Arabischen Meerbusens und dem glücklichen Arabien bis zu den Ebenen Moabs, während ein Thcil derselben in der Arabischen Wüste nomadisirtc. Sietrieben Handel, insbesondere nach Ägypten, und belästigten die Israeliten durch wiederholte Einfälle, bisGideon (s. d.) sie demüthigte- Ihr Nationalgott hieß Baal Peor. Midshipmeu, d. i. Mitschiffmänner, heißen bei der engl. Marine die Kadetten der Kriegsschiffe, meist junge Leute von Bildung, die, nachdem sie den praktischen Secdienst erlernt, Schiffslieutenants werden. Auf einem Linienschiffe ersten Ranges oder von >26 Kanonen gibt es 24 Midshipmcn. Mieczyslaw ist der Name dreier poln. Herzoge und Könige. — M. I-, der von '962—992 regierte, nahm, nachdem er sich mit Dombrowka oder Dubrawka, einer Tochter des Herzogs Boleslaw's I. von Böhmen, verheirathet hatte, 965 das Christenthum an. Er führte dasselbe auch in Polen ein, ließ die Gründung des ersten poln. Bisthums in Posen zu und begänn die Ausrottung des Heidenthums. Mit den Deutschen und Böhmen hatte er mehre Kämpfe zu bestehen. Im I. 97 3 wohnte er dem Hoftage zu Quedlinburg bei als Mitglied des Deutschen Reichs und Herr der Länder zwischen der Oder und Warthe. Seine Bildsäule, von Rauch gefertigt, steht neben der seines Sohnes, Boleslaw Chrobry, des Besiegers der Russen, im Dome zu Posen. — M. II. oder der Träge, von >925—34, der Sohn Boleslaw Chrobry's, verlor fast alle von seinem Vater gemachten Eroberungen, Nothreußen an den Herzog Jaroslaw von Kiew, die Slowakei und Mähren > an Ungarn, die slawisch-deutschen Landschaften an den deutschen Kaiser, dessen Oberhoheit s er auf dem Hoftage zu Merseburg im I. 1932 von neuem persönlich anerkannte. ^Sein Sohn war Kasimir I. (s. d.). — M. III. oder der Alte erhielt bei der Thcilung des poln. Reichs durch seinen Vater Boleslaw III. 1139 Großpolen und gelangte nach mehren Zwistigkeiten mit seinen Brüdern zur Oberherrschaft über Polen und in den Besitz von Krakau. Seine Bedrückungen veranlaßten aber > l77 seine Vertreibung nach Schlesien, woraufKasimir ll. (s.d.) ihm folgte. Nach manchen vergeblichen Versuchen, die Oberherrschaft über Polen von neuem zu erlangen, erreichte er dieses Ziel erst gegen das Ende seines Lebens aus kurze Zeit. Er starb l 292. Miene nennt man die individuelle Gestaltung des menschlichen Antlitzes, wie sie sich nicht blos unbewegt, sondern namentlich wie sie sich bewegt zeigt und insofern als Zeichen und Ausdruck innerer Gemüthszustände sich darstcllt. Das Mienen spiel ist daher ein Spiegel der Seele, und wenn auch die Physiognomik (s. d.) zu viel behauptete, wenn sie aus der Bildung und den feststehenden Zügen des Antlitzes sichere Schlüsse auf Cha- rakter und Eeiüüthseigenschaften machen zu können glaubte, so gibt es doch eine Sprache der Mienen, die um so deutlicher ist, je weniger die Civilisation den Menschen dahin gebracht hat, sein Gesicht zu beherrschen oder zu verstellen. Vorzugsweise bezeichnend sind j die Veränderungen des Äuges, des Mundes und der Stirn, in denen sich Zorn, Schmerz, ! Liebe, Spott, Nachdenken, Schreck u. s. w. in deutlich erkennbaren Zügen darstcllen. Jn- ^ sofern jedoch der noch unerforschte Zusammenhang zwischen dem geistigen Leben nnd den , äußern Veränderungen des Körpers sich noch weiter erstreckt als auf das Antlitz, verknüpft sich mit dem Mienen spiel die Geb er de, erkennbar theils in der Haltung und Stellung des ganzen Körpers, theils namentlich in den Bewegungen der Arme. Das Miencn- und Gcberdenspiel ist zunächst etwas Unabsichtliches und Unwillkürliches; wird es absichtlich benutzt, so wird es oft ein Hülfsmittel der Heuchelei und Verstellung; als natürliches Symbol innerer Zustände ist es aber auch einer wahrhaft künstlerischen Ausbildung und ^ Benutzung fähig. (S. Attitud e, Mimik und P anto mime.) ' Mierevelt (Mich. Janson), ein berühmter Portraitmaler, geb. zu Delft 1598, der Sohn eines Goldschmieds, hatte Ant. von Montfort, genannt Blocklandt, zum Lehrer. Seine Arbeiten ließ er sich sehr theuer bezahlen. Er war Mcnnonit, von sehr liebenswür- 570 Mieris Mignard digem Charakter, und starb zu Delft >6-11. Die vorzüglichsten altern Holland. Stecher haben Blätter nach ihm geliefert. — Auch sein Sohn, Pieter M., geb. 1596, gest. l6Z>, ist als Portraitmaler geschätzt- Mieris (Frans van), der Ältere, das Haupt einer berühmten holländ. Künstlerfamilie und einer der ausgezeichnetsten Genremalcr, geb. zu Delft 1635, wurde schon früh Schüler Gerard Dow's, dessen Richtung er sich in jeder Beziehung aneignete. Es war dies ! das feinere gcmüthliche Genre, durchgängig in kleinem Maßstabe und mit der höchsten ! Sorgfalt im Einzelnen ausgeführt; Farbe und Helldunkel sind von derselben Wahrheit und Schönheit wie bei Dow selbst, nur ist M. etwas bewußter und absichtlicher als sein Lehrer. Seine Bilder, meist Darstellungen aus dem geselligen und häuslichen Lebe» der Vornehmer», wurden schon bei Lebzeiten des Künstlers zu sehr hohen Preisen bezahlt, und ihr Werth hat sich im Lause der Zeit nur «höht. Das Beste besitzen nächst den Holland. ! Sammlungen die Galerien in München, Dresden und Florenz. M. schätzte jede Stunde > seiner Zeit einen Ducatcn, kannte aber nur wenig den Werth des Geldes, verschwendete es ! mit seinem Freunde, dem berühmten Jan van Steen, in Trinkgelagen und war wie dieser sielr ! arm und in Schulden. Dabei war er äußerst gutmüthig. In Folge eines Falles bei dunkler Nacht in der Trunkenheit in eine Grube starb er zu Leyden >681. Die besten Stiche nach U hat I. G. Wille geliefert. — Sein Sohn und Schüler, Wilh. van M., geb. zu Leyden 1662, war weniger erfinderisch als der Vater und malte auch nicht mit solcher Leichtigkeit um dieser, ersetzte aber diese Mängel durch fleißige, fast ängstliche Vollendung seiner Gemälde. > Wie mehre gleichzeitige holländ. Meister lieferte er auch Darstellungen aus der heil. Ge- ^ schichte. Er starb, als Mensch und Künstler hochgeachtet, >737. — Ein-zweiter Sohn von Frans van M., Jan van M., geb. zu Leyden 1660, ebenfalls ein ausgezeichneter ! Künstler, ging nach Florenz, wo er schon > 690 starb. Seine Gemälde bestehen in Bildnis- ! sen von bedeutender Größe. — Fransvan M., der Jüngere, geb. 1689, ein Sohn« ^ Wilh. van M-, war ein oft glücklicher Nachahmer der Werke seines Vaters und Eroßva- s ters; mehr aber ist er als Historiker durch seine „Historie cker neckerlaackscbe vorsten" ^ (3Bde., Haag 1732—35, Fol.) und das „6root cüsrterboeü cker graaven vkmLollaml, l van Aeelauck en kierreu van Vriesiaock" (1 Bde., Lpz. 1753 — 56, Fol.), in welchen Wer- ^ ken die Münzen nach seinen Zeichnungen gestochen wurden, bekannt. Auch radirte er einige kleine Blätter. Erstarb 1763. Seiner unvollendeten Geschichte von Leyden fügte Dan. van.Alphen einen zweiten Band hinzu. Miethvertrag heißt im Allgemeinen jeder Vertrag, durch welchen man Jemandem den Gebrauch einer nicht verzehrbaren Sache oder gewisse Dienste gegen Entrichtung eines ^ gewissen Lohns verspricht, und es schließt der Miethvertrag im erster» Falle (locntio con- «iuotio rerum) auch den Pacht oder dasjenige Verhältniß ein, vermöge dessen Jemand Gebrauch und Nutzung eines Landguts oder einer gewissen Art Wirthschaft für einen bestimmten Zins erhält. Der Mieth mann oder Abmiether (conckuctor) ist berechtigt, die ihm übergebene Sache auf die bestimmte Art zu gebrauchen, kann aber auch, wenn keine besondere Übereinkunft es hindert, deren Gebrauch Andern in Aftermiethe (sublocstio) überlassen. Der Vermi ether oder Verpachter darf vor beendigter Miethzeit dem Miekh- mann die Sache nicht entziehen. Der Miethmann ist zu Entrichtung des MiethzinscS (locarium) auch dann verpflichtet, wenn er durch persönliche Verhältnisse verhindert worden ist, die Sache zu gebrauchen. Der Lohnvertrag oder Miethvertrag über Dienste (loeatio coackuctio operarnm) heißt Verdingungsvertrag (locslio conckuctio vpe- . ris), wenn man sich zur Verfertigung eines Werks, einer Arbeit Jemandem verbindlich macht, und Dienstvcrtrag, wenn Dienste bestimmter Art, z. B. häusliche Dienste, auf gewisse Zeit gegen einen Lohn (merces) versprochen werden. Der Miethende oder Dingende kann die versprochenen Dienste in Person fodern, der Gemiethete aber auch den Lohn, selbst wenn der Dingende seiner Dienste nicht mehr bedarf. Mignard (Pierre), ein bekannter franz. Historien - und Bildnißmaler, geb. 1610 zu Troyes, war anfangs für die Medicin bestimmt, ging aber schon frühzeitig zur Malerei über und lernte dieselbe zuerst bei Jean Boucher in Bourges, dann bei Simon Vouet, wo Lesueur und Lebrun seine Mitschüler waren. Wegen seines längern Aufenthalts in Rom Mignet Mignon 571 erhielt er den Beinamen Mignard le Romain; dort, und in Venedig malte er viele Po» traits; auch studirte er die großen Italiener, besonders Tizian, so genau, daß er Einzelne derselben bis zur Täuschung nachahmte und z. B. selbst seinen frühem Freund und nun- mehrigc» Feind Lebrun mit einer in Guido's Geschmack gemalten Magdalena zu täuschen vermochte. Im I. 1658 durch Colbert in die Dienste Ludwig's XIV. berufen, wurde er das Haupt der Akademie San-Luca und nach dem Tode Lebrun's au dessen Stelle erster königlicher Hofmaler. Er führte eine der größten FreScoarbeiten, welche Frankreich besitzt, aus, nämlich die Kuppel von Val de Grace; schmückte den großen Saal zu St.-Cloud mit Vorstellungen aus der Mythologie, malte Mehres in Versailles und lieferte eine große Anzahl Portraits, besonders des Königs und der übrigen Glieder des königlichen Hauses. Auch war ihm die Direktion der königlichen Kunstsammlungen, der Malcrakademic und der Manufactur der Gobelins übertragen. Er starb 1 695. M. theilt die meisten Mängel seiner Schule, ihre Kälte und ihr conventionelles Wesen; dagegen ist sein Colorit, von seinen venetian. Studien her, wärmer und harmonischer, und ebenso sind seine Gestalten, zu- mal die Madonnen, naiver und weltlich anmuthiger als die seiner franz. Zeitgenossen; seine Bildnisse sind wol die besten dieser ältern franz. Schule. Mignet (Franc. Aug. Alexis), franz. Geschichtschreiber, gcb. am 6. Mai 1796 zu Aix in der Provence, erhielt seine erste Bildung in Avignon und widmete sich dann zu gleicher Zeit mit Thiers in seiner Vaterstadt den Nechtsstudicn. Ein akademischer Triumphs I der ihm für seine Preisschrift „I)s In teockalitä Ues institiitnnis 821 nach ! Paris, wo sich ihnen die Journalistik als dankbares Feld crüffnete. M. stritt im Lager des ^ „Lmirrier jrkmy.", dem er bis >830 treu blieb, wo er bei dem von Thiers gegründeten „National" eintrat. Vorlesungen über neuere Geschichte, welche er am Athener mit gro- f ßem Beifall gehalten hatte, vcranlaßten ihn zur Abfassung seiner „llistoire üo la revolu- tion trsny." (2 Bde., Par. 1824; 10 . Aust., 1840; deutsch von Burckhardt, 2 Bdc., Lpz. 1 842). In diesem Werke steht M. auf dem Standpunkte der fatalistischen Schule, l d. h. er sucht den nothwendigen Jdeengang der franz. Revolution nicht blos in seinen allgemeinen Umrissen, sondern selbst in den äußersten Consequenzcn nacbzuwcisen. Nach der ! Julirevolution, an der er durch Theilnahme an der Protestation der liberalen Journalisten ^ mitwirkte, wurde er Staatsrath und Archivar im Ministerium der auswärtigen Angele- ! gcnheiten. Als Mitglied der Kammer in den I. 1832—35 sprach er mehrfach im Interesse der Negierung. Bei Gründung der fünften Classe des Instituts der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften im I. 1832 wurde er Mitglied derselben und nach A. Comte's Tode Secretair; auch kam er > 837 in die franz. Akademie. Als Mitglied des von Guizot gegründeten historischen Comites hat er die „Ne^ociations relatives ü I» sue- cessio» O'Ls,,agile" (4 Bde., Par. 1835) herausgcgeben, deren Einleitungsschrift ein historisches Meisterstück genannt werden kann. Die geistreichen Gedächtnißreden, welche er als Secretair der Akademie der moralischen Wissenschaften gehalten hat, sowie einige kürzere Aufsätze sind in den „Notices et m^moires tlistoricjues" (2 Bde., Par. I 843 ; deutsch von Stolz, 2 Bde., Lpz. 1843) zusammengestellt. Namentlich diese Elegien sind geeignet, die glänzenden Eigenschaften seines Stils im rechten Lichte erscheinen zu lassen. Mignon (Abraham), einer der berühmtesten Blumen-, Früchte- und Stillleben- ^ malcr, geb. um 1640 zu Frankfurt am Main, wo sein Vater Kaufmann war, kam, als dieser 1647 fallirte, in das Haus des Blumenmalers Jak. Moreel von Utrecht und von da zu dem berühmten I. D. van Heem in Utrecht, dessen Stil er sich bald völlig aneignete; doch blieb ihm Heem in der Freiheit und Keckheit der Behandlung überlegen. Äußerst geschmackvoll in der Wahl der Blumen, wußte er sie auch wohl zu ordnen und mit überaus natürlichen Insekten zu zieren. Seine Fliegen und Schmetterlinge scheinen zu fliegen, der Thau auf seinen Blumen und die dadurch hervorgebrachten Perlen sind der Natur so getreu, daß man versucht wird, sie hinwegzuwischen. Seine Gemälde, die in den meisten Ga- lenen sich vorfinden, stehen wie bei seinen Lebzeiten, so noch gegenwärtig, in hohen Preisen. Aus Liebe zu seiner Mutter, die in Wetzlar lebte, verließ er Holland und hielt sich bei ihr 572 Migräne Miguel bis zu deren Tode auf. Er starb daselbst 167 9. Neben der berühmten Maria Sibylla Me- rian (s. d.) waren seine beiden Töchter seine vorzüglichsten Schülerinnen. Migräne (bemicrimm) oder halbseitiges Kochfweh, ist eine besondere Ar! Kopfschmerz, welche gewöhnlich nur eine Seite des Kopfes cinnimmt, heftiger ist als du gewöhnliche Kopfschmerz und periodisch wiederkchrt, oft ohne daß eine veranlassende Ursache gefunden werden kann. Der Schmerz selbst ist nach Stärke und Sitz verschieden. Die Anfälle kommen in sehr verschicdenen Zwischenräumen von einer Woche bis zu mehren Monaten, beginnen meist mit übler Laune und Verdauungsbeschwerdcn,' oft auch mit einer Fieberanwandlung, dauern acht bis zwölf Stunden und endigen sich mit einem sanften Schlafe. Die Migräne ist erblich und kann schon bei Kindern von sieben bis acht Jahren auftreten, verschwindet aber meist im Alter. Meist ist sie gichtischen oder rheumati- sehen Ursprungs und Hat wegen der sie begleitenden Verdauungsstörungen und der periodischen Wiederkehr viel Ähnlichkeit mit dem Podagra (s. d.). Wegen ihrer offenbar kritischen Bedeutung, indem nach ihrem Außenbleiben sich häufig andere gewöhnlich viel gefährlichere Übel einstellen, ist bei der Behandlung mehr auf Linderung der Schmerzen und Entfernung der veranlassenden Schädlichkeiten als auf Unterdrückung der Krankheit hin- zuarbcitcn, welche letztere ohnedies große Schwierigkeiten darbicten würde. Steigt der Schmerz bis zu einem sehr hohen Grade, so kann die Migräne alle die Folgen nach sichzie- hcn, welche heftige Nervenerschütterungen überhaupt haben. Miguel (Dom Maria Evarist), der Usurpator Portugals, geb. zu Lissabon am 28. Oct. 1802, der dritte Sohn des Königs Johann's VI. von Portugal und der span. Infantin Charlotte Joachime, wuchs in Brasilien als Liebling seiner Mutter ohne alle Zucht und Bildung zum Jüngling heran. Nachdem er l 821 mit seiner Familie nach Portugal zu- rückgekehrt, machte ihn seine Mutter zum Werkzeug ihrer hcrrschsüchtigcn Plane und stellte ihn an die Spitze der absolutistisch-theokratischen Partei. Eifrig von dieser unterstützt, beabsichtigte er, die Constitution umzustürzcn und seinen schwachen Vater wo nicht abzusehe», wenigstens zu beherrschen. Nachdem am I. März >821 der treue Diener des Letzter», der alte Marquis von Loule (s.d.), ermordet worden war, ließ Dom M. am OO.Apr. alsJn- fant-Generalissimus die Minister verhaften, den Vater aber streng im Palaste bewachen. Doch dieser wurde noch zeitig genug von den Plänen seines Sohnes durch den franz. Gesandten Hyde de Neuville unterrichtet, und Dom M. sah sich gcnöthigt, um Gnade zu bitten. Gleich seiner Mutter am 12. Mai Landes verwiesen, ging er über Paris nach Wien, wo er seine frühere ungezügelte Lebensweise fortschte. Nach dem Tode seines Vaters im I. >828 sah die Partei der Königin in ihm den legitimen Erben der Krone Portugals, welche sein älterer Bruder Dom Pedro (s. d.) als Kaiser von Brasilien nicht tragen könne. Doch Letzterer betrachtete sich als den von seinem Vater in dessen Testamente bezeichneten rechtmäßigen Nachfolger, gab Portugal am 26. Apr. 1826 eine Constitution, entsagte aber am 2. Mai der Krone zu Gunsten seiner ältesten Tochter Donna Maria da Gloria (s.d.) und bestimmte derselben Dom M. zum Gemahl, der bis zu ihrer Volljährigkeit auch Regent sein sollte. Dom M., genehmigte Alles, beschwor die Constitution, verlobte sich mit seiner Nichte und wurde am 3. Juli 1827 von Dom Pedro zum Regenten ernannt. I« Febr. i 828 langte er in Lissabon an und übernahm die Regentschaft aus den Händen sti- ner Schwester Jsabella. Doch die Partei der Königin hatte Alles zur Herstellung der absoluten Gewalt und zur Erhebung des Jnfanten auf den Thron vorbereitet. Dom M. löste daher schon am 13. März die versammelten cockstitutioncllen Cortes auf, berief am 3. Mai die alten Cortes und ließ sich von ihnen am 25. Juni zum legitimen König von Portugal erklären. Zwar erklärte Dom Pedro seinen Bruder aller Rechte für verlustig und hob dessen Verlobung mit seiner Tochter auf; allein Dom M.'s Waffen siegten und die Getreuen der Königin Donna Maria mußten sich von Porto aus über London nach Terceira und Rio Janeiro zurückziehen. Der Usurpator folgte nun ganz der Leitung seiner Parten Durch ein Schreckenssystem unterdrückte er den Liberalismus mit wilder Lust und Tyrannenlaune. Er mißhandelte selbst seine Schwestern, ließ sich durch kein gerichtliches Urtheu bestimmen und beging die grobsinnlichsten Ausschweifungen. Jagd und Stiergefechte, Maitresscn, Hunde und Pferde waren seine Kurzweil. Endlich gelang es Dom Pedro, von Tl zu 18 sp> MI an A, ge ,J> du , V str fe> ge wl ar au ge st- m lo B ^ wl wl de ei> - S st- en 1< m ei! (s al m rc A dl si g äi > st L » l si P i r n 'b f ie- !ltt du llr- cn. eh- »i! Nf. -h- lti- io- üi- ze> nd in- >« ie- S. >i< ht g> lie - >er »> !N. >l- !!!. er I M che ne. -er d.) ic- nit ft eist. ft !ai - stl es- len nd ! lei. m- eil lte, on Mikrokosmus Mikroskop 573 Tercelra aus > 832 Porto zu erobern, 1833 Lissabon zu besehen und Donna Maria dahin zurückzuführen. England und Spanien erklärten sich für die Letztere, und am 26. Mai 1831 mußte Dom M. zu Evora die Capitulation unterzeichnen, nach welcher er allen Ansprüchen aus den Thron von Portugal entsagte, die Ruhe des Landes nie wieder zu stören und dasselbe nie wieder zu betreten versprach. Auf einem engl. Kriegsschiffe schiffte er sich am >. Juni nach Genua ein, wo er nicht unterließ, gegen die von ihm in Evora Unterzeichnete Acte zu protestiren- Die Folge davon war, daß er das ihm in Portugal zugcsicherke Jahr- geld verlor und daß sein ihm vorbehaltenes Privatvermögen mit Beschlag belegt wurde. Im I. 1834 ging er nach Nom, wo er, von der röm. Curie als König anerkannt, seitdem die meiste Zeit sich aufhielt. Durch kirchliche Andachten beschäftigt er hier die Augen des Volks, während er, in andern Kreisen verhaßt, in Jagd und andern Vergnügungen Zerstreuung über sein verfehltes Leben sucht. Mikrokosmos (griech.), d. h. die kleine Welt, nennt man oft den Menschen, inso- fern er die Elemente des Weltalls in sich trägt, und dieselben Gegensätze und Erscheinungen an ihm wahrgenommen werden, wie in dem Universum. Mikrölog (griech.), d. h. Kleinigkeitskrämer oder Silbenstechcr, nennt man vorzugsweise einen solchen Gelehrten, derbeiseinen wissenschaftlichen Untersuchungen auf ganz außerwcsentliche Dinge einen hohen Werth legt und von diesem beschränkten Standpunkte aus auch die Leistungen Anderer beurtheilt, wie dies namentlich in den zunächst vorhergehenden Jahrhunderten bei der grammatischen und kritischen Erklärung der alten Schriftsteller dcrFall war, daher die Grammatiker und Kritiker aus dieser Zeit noch seht zum Thcil mit diesem Namen belegt werden. Dieses verkehrte Streben des Mikrologen, die Mikro - logie, hat daher mit der erfoderlichen und lobenswerthen Genauigkeit und Sorgfalt bei Behandlung eines Gegenstandes nichts gemein. Mikrometer nennt man das Instrument zur Abmessung sehr kleiner Größen, welches gewöhnlich an Fernrohren und Vergrößerungsgläsern angebracht ist. Erfunden wurde es um 1640 von Gascoigne, der zu dem angegebenen Zwecke in dem Brennpunkte des Fernrohrs feine Fäden befestigte, während nachher mehre Physiker dazu sehr voneinander abweichende Vorschläge gemacht haben. Kirch zu Berlin erfand >679 ein Schraub enmikro Nieter, bei dem die Fäden, zwischen welche der zu messende Gegenstand gebracht wird, mittels zweier sehr seiner Schrauben einander genähert und wieder entfernt werden können. Ein ähnliches Mikrometer mit einer Schraube brauchten schon 1666 die franz. Astronomen Auzout und Picard. Noch gegenwärtig werden Schraubenmikrometer vorzugsweise häufig angewendct, namentlich bei Vergrößerungsgläsern. Das einfachste aller astronomischen Mikrometer ist die das Gesichtsfeld begrenzende Blendung (s.d.) selbst, wenn sie genau kreisförmig abgedreht ist; bequemer für die Beobachtungen aber das Kreismikrometer, bestehend in einem an beiden Seiten genau kreisförmig abgedrehtcn Ringe, der nur etwas kleiner als die Öffnung der Blendung des Fernrohrs ist und an der Blendung entweder mittels Mctallplättchen befestigt, oder in ein in die Blendung cingespanntcs ebenes Glas eingelassen wird. Dasselbe dient zur Bestimmung der Differenz in Nectascension und Declination zweier einander naher Gestirne und läßt sich an jedem Fernrohr anbringen. Auch kann man damit ohne Beleuchtung Beobachtungen anstellen, weshalb es sich ganz besonders zur Beobachtung der so schwach beleuchteten Kometen eignet. Dechales und Zahn empfahlen Mikrometer aus Gittern von Linien auf Glas, mit dem Diamant geschnitten, und zwar in solcher Feinheit, daß sie kaum '/>°o einer Linie breit werden und daß ihre Abstände V,°— '/-»einer Linie betragen. Ähnliche Mikrometer wie letztere werden auch gegenwärtig noch in Verbindung mit Mikroskopen zur Messung sebr kleiner linearer Ausdehnungen, z. B. der Dicke eines Mepschenhaars, gebraucht. Mikroskop oder Vergrößerungsglas nennt man im Allgemeinen jeden Apparat, mittels dessen kleine Gegenstände dem Auge vergrößert erscheinen; im gewöhnlichen Leben aber versteht man darunter eine Zusammensetzung mehrer Gläser, mittels deren , man eine sehr bedeutende, bis 3000 und mehrfache Vergrößerung der Fläche Hervorbringen kann- Die einfachen Vergrößerungsgläser bestehen aus einer in Horn u. dcrgl. gefaßten Glaslinse, Je kürzer die Brennweite oder der Halbmesser ihrer Krümmung, desto 574 Milben stärker ist die Vergrößerung. Gray's Wassermikroskop besteht aus einem Tropfen reinen Wassers, welchen man mit der Spitze einer Nadel ausnimmt und in das sehr kleine Loch einer dünnen Metallplatte fallen läßt. Die eigentlichen Mikroskope, welche um li>lg von Zach. Jansen in Middelburg erfunden wurden, haben zwei Glaslinsen, die Objectiv- und die Ocularlinse, mitunter auch noch zwischen beiden eine dritte, die Collectivlinse, welche das Sehfeld vergrößert und das Ocularglas achromatisch macht. Die Linsen sind in zw« ineinander verschiebbaren Röhren befestigt, sodaß man sie nach dem Grade der Vergrößerung und nach der Beschaffenheit des Auges stellen kann. Übrigens hat die Vergrößerung ihre Grenzen, weil, wenn sie zu bedeutend ist, die Farbenzerstreuung und die Abweichungen, welche aus der Gestalt der Gläser entstehen, eine Undeutlichkeit herbeiführen, zu welcher der Mangel an Helligkeit noch mit beiträgt. Nicht in der übertriebenen Vergrößerung lieg! der Werth eines guten Mikroskops, denn der Forscher wendet nie eine größere als eine höchstens 800fache Vergrößerung an, sondern in der Genauigkeit, womit alle störenden Lichtstrahlen beseitigt, jeder Verzerrung des Objectivbildes und jeder Verdunkelung entge- gengearbcitet ist. Unter solchen Mikroskopen erkennt man jede Linie, jeden kleinen Rand, jede Färbung wieder; auch sind Vorrichtungen angebracht, um kleine Objecte bis auf'/,«««, Linie genau zu messen. Um eine größere Erleuchtung des Objects zu erzielen, hat Lieberkühn hinter demselben einen metallenen Hohlspiegel angebracht, dessen hohle Seite nach dem Mikroskop hin gerichtet ist und die Lichtstrahlen nach dorthin reflcctirt. Dem übel» Umstand, daß die hier beobachteten Objecte durchsichtig sein mußten, hat Amici abgehHn, indem er ein System von Spiegeln anbrachte, welche das von oben her durch restectirtes Licht erhellte Object im Bilde einander zuwarfen und vor das Sehfeld des Mikroskops brachten. Je nach der Lichtquelle, deren man sich zur Erleuchtung bedient, hat man Sennenmikroskope uitd Lampcnmikroskope. Unter den Sonnen Mikroskop en sind die Chk- valier'schen die besten. Vor der Röhre liegt ein planer Spiegel, welcher so gestellt«- den kann, daß er die aufgefangenen Sonnenstrahlen parallel mit der Achse des NohreS auf eins Sammellinse in demselben wirft, welche dann von einer zweiten Linse so stark convergirt werden, daß sie in einen Punkt zusammenlausen, welcher dicht am Objecte liegt, zu welchem Zwecke diese zweite Linse gestellt werden kann. Außerdem enthält das Instrument noch eine Vorrichtung, um das Object genau zu ajustiren, indem man es nach allen Richtungen hin verschieben kann. Die eigentliche Objectivlinse ist achromatisch',»»!) ebenfalls verschiebbar und wird so lange vor - und rückwärts gestellt, bis man auf einer Wand oder einem Papierschirm auf einer Weite von IN—20 F. vom Objecte ein deutliches und klares Bild des letzter« erhält. Das Lampe «Mikroskop ist im Allgemeinen ebenso con- struirt, nur bedient man sich bei demselben des Lichts einer intensiven Lampe oderdesDnun- mvnd'schen Lichts. (S. Hydrooxygengas-Mikroskop.) DieMikroskope für Naturforscher, die eigentlich zusammengesetzten Mikroskope, werden am besten von Oberhäuser in Paris, von Ploßl in Wien und von Schieck in Berlin gemacht. Ein Schieck'sches Mikroskop besteht aus einer dreifüßigen Säule, welche hohl ist und in welcher der Mikroskopträgermittels einer Zahnstange hoch und tief gestellt werden kann. Das Mikroskop selbst enthält die mit größter Sorgfalt geschliffenen achromatischen Objectiv- und Oculargläser, welche ebenfalls in verschiedenen Entfernungen voneinander festgestellt werden können. An der Säule selbst ist dcr Objectentisch und unter demselben ein stellbarer Spiegel befestigt. DerObjectenM ist durchbohrt, um das von dem Spiegel reflectirte Licht zum Objecte gelangen zu laste». Unterhalb ist eine Blendung, welche dazu dient, das Sehfeld mehr oder weniger zu verkleinern- An der Seite des Fußes befindet sich der Träger einer Collectivlinse, welche nach allen Richtungen hin so gestellt werden kann, daß sie die Sonnenstrahlen auffängt und dem Spiegel zuführt, welcher sie auf das Object reflcctirt. Eine Mikroinetcrvorrichtung zum Messen der Objecte ist ebenfalls angebracht. Plößl hat noch eine Vorrichtung angebracht, um das Mikroskop auch in horizontaler Richtung zu brauchen, und der Objectencisch ist so ««geordnet, daß das Object genau centrirt werden kann. Milben sind kleine, zum Theil fast mikroskopische Thierchen, welche sonst zu den Insekten gezählt wurden, von diesen aber schon dadurch sich unterscheiden, daß bei ihnen .stopf, Brust und Leib meist in ein Stück verwachsen'sind, und daß sie nur im Jugendzustand ft E a> in L R ai in m m m in ui E A ui ist dc m in w e> ei re in UI 1 de ve ui ai in L K d, öl E A F 2 a L Z Z st si 1 n d 2 ti r 57ö Milch sechs, erwachsen aber acht Füße haben. Sie pflanzen sich, und zwar in großer Menge, durch Eier fort und scheinen im Allgemeinen von verdorbenen Substanzen vegetabilischen und animalischen Ursprungs zu leben. Eine der bekanntesten Arten ist die Käsemilbe, welche im alten trockenen Käse lebt. Ihr ähnlich ist eine andere Art, welche im Mehl und alten Brote vorkommt. Auch halten sich viele Milben parasitisch auf andern Thieren auf, wie die Roßmilbe. Am merkwürdigsten ist in dieser Beziehung die schon im >2. Jahrh. den arab. Ärzten bekannt gewesene, nach >82» in Paris zuerst von den jungen Ärzten Ra- nacci und Albin Gras wiedergefundene, seitdem auch in Deutschland beobachtete Krätzmilbe (acarns Inimaniis), die bisweilen, aber nicht immer in den Krätzpusteln vorkommt und ebenso gut Ursache als Folge dieser Hautkrankheit sein kann, von Käscmilbe und Roßmilbe aber sich sehr unterscheidet. Ferner gibt es eine Ärt Milben, die in Gewächshäusern manchen Schaden anrichten, indem sie mit einem ganz feinen Netze die Gewächse überziehen und dabei die Blätter anfressen, in Folge dessen diese nach und nach absterben. Eine der größten Milbcnarten, von schöner, sammetrvther Farbe, findet sich im Sommer auf der Erde in Gärten herumlaufend. Auch der sogenannte Holzbock (s. d.) oder Zecke ist eine Milbe. Endlich gibt es viele Milben im Wasser. Milch wird von den Weibchen aller Säugkhicre in besondern Organen abgesondert und dient zur ersten Nahrung für ihre Zungen. Von großer Wichtigkeit für den Menschen ist hauptsächlich die Milch der Kuh, weshalb auch die Chemiker sich mit Untersuchung derselben am meisten beschäftigt habe». Die Milch läßt sich inButter (s. d.)-, Käse (ftd.) und Molken (s. d.) zerlegen. Die Butter sammelt sich anfangs in der Gestalt des Rahmes und, noch mit Käse und Molken vermischt, als eine dicke Flüssigkeit auf der Oberfläche, wenn die Milch eine Zeit lang ruhig steht. Die käsigen Theilc sondern sich ab, wenn die entrahmte Milch gerinnt, und nur die Molken bleiben zurück. Die Milch ist beinahe die einzige thierische Flüssigkeit, welche in die weinige Gährung übergeht. Die Kalmücken be- reiten deshalb aus der Stutenmilch nicht blos ein angenehm säuerliches Getränk, Ku- m i ß(s. d.) genannt, sondern auch eine Art Branntwein. Übrigens bietet die Milch ein und derselben Thierart, unter verschiedenen Umständen, namentlich aber bei verschiedenen Individuen, mancherlei Modificationen dar. Sie ist verschieden nach den Zeitperioden von der Geburt des Jungen an, verschieden nach den Tageszeiten, in welchen sie gemolken wird, verschieden aber namentlich nach dem Genüsse der Nahrungsmittel. Äuch Krankheiten uud Eemüthsbewcgungcn der Thiere wirken aus die Eigenschaften der Milch ein. Die erste aus dem Euter kommende Milch ist die dünnste, die letzte die dickste, weshalb das reine Aus- niclken von Wichtigkeit ist. Mit der Kuhmilch kommt die Milch der übrigen Thiere in ihren Bestandtheilcn mehr oder weniger überein. Die Milch des Weibes enthält weniger Käse, aber mehr Milchzucker (s. d.) als Kuhmilch, und ihr butteriger Bestandthcil ist mit dem käsigen so verbunden, daß sie keine Butter liefert. Der Säuregehalt der Milch nimmt zu bei vieler vegetabilischen Nahrung, das Kali aber bei vieler animalischen Kost. Auf den Geruch, Geschmack und auf die Färbung der Milch wirken mehre Pflanrcn. Mit dem Alter der Jungen nehmen der Käse- und Butterreichthum der Milch zu. Das elektrische Fluidum befördert das Gerinnen der Milch; Alkalien dagegen verhindern in der frischen Milch als Zusatz ihr Gerinnen, ja sie lösen sogar den gefällten käsigen Niederschlag wieder auf. Eselsmilch hat mehr Rahm, weniger käsige Bestandthcile und mehr Milchzucker als Kuhmilch. Ziegenmilch und vorzüglich Schafmilch kommen der letzter« am nächsten. Zur Bestimmung des Gehalts der Milch nach Grade» dient der Galaktometer (s. d). Die Milch ist verschiedenen Krankheiten unterworfen; dahin gehören das Blau- und Gelbwerden, Zähigkeit, Schleimigkeit, Wässerigkeit, Bitterkeit u. s. w. Die Ursachen dieser krankhaften Erscheinungen sind theils gestörte Gesundheit der Thiere, theils fehlerhafte Aufbewahrung der Milch, theils unpassendes Futter. Bei Vermeidung dieser Ursachen wird auch die Milch wieder gesund. Die Gewinnung und Aufbewahrung der Milch und die Bereitung von Butter und Käse aus derselben nennt man Milchwirthschaft oder Molkerei. Reinlichkeit ist dabei die Hauptsache. Die Milch wird in verschieden geformten und aus verschiedenen Stoffen bestehenden Gefäßen entweder im Keller oder in besonders dazu eingerichteten Behältnissen, den Milchschwcmmcn, aufbewahrt. Letztere, au- 576 Milchsaft Milchzucker großen Trögen bestehend, in welche Röhrwasser einfließt, auf welchem die Milchäsche schwimmen, dienen dazu, die Milch im Sommer vor zu schneller Säuerung zu bewahren. Durch eine von Trommer ausgegangene Erfindung werden aber nicht nur die Milch- schwemmen, sondern auch die kleinern Milchgefäße überflüssig; ja selbst die Reinlichkeit bei dem Milchwesen braucht nicht mehr so ängstlich gehandhabt zu werden. Dieses Mittel besieht nämlich in der Soda, von welcher man der frischgemolkenen Milch etwas zufügt. Der Säuerungsproceß der Milch erfolgt nun um so langsamer und es seht sich mehr Rahm ab. Vgl. Trommer, „Das Molkenweseir" (Berl. 1845). Milchsafts. CH ylus. Milchschorf, Milchborke oder An sprung (Ougts Iscte» oder tine» laciei)ist ! eine sehr häufige chronische Hautkrankheit, welche meist das Gesicht noch säugender Kinder I befällt, aber auch an andern Körperteilen und bei ältern Individuen Vorkommen kann. ! Es bilden sich kleine gelblichweiße, gruppenweise zusammenstehende, auch ineinanderflie- ßende Pusteln, welche sehr bald sich öffnen und eine gelbgrünliche oder braune Borke bil- den, die mit über Feuer getrockneter Milch einige Ähnlichkeit hat. Vollsaftigkcit und zu reichliche Ernährung der Kinder kann ebenso wie unpassende Nahrung und Verdauungs- Unordnungen mit Magensäurc verbunden die Ursache des Übels sein, welches gewöhnlich einige Wochen dauert, aber auch je nach den begleitenden Umständen Monate und Jahre lang sich fortsetzen kann. Bei richtiger Behandlung, welche namentlich die hier gewöhnlich leicht auszufindendcn Ursachen berücksichtigt, ist die Krankheit ohne Gefahr, während eine besonders durch Anwendung äußerer Mittel herbeigesührtc schnelle Unterdrückung derselben eine Versetzung des Krankheitsstoffs von der Haut aus edlere Organe und somit sehr gefährliche Zufälle, selbst den Tod durch Gehirnwaffersucht, zur Folge haben kann. Milchstraße nennt man den Hellen, weißlichen Streifen, der sich fast in der Gestalt eines größten Kreises um die ganze Himmelskugcl erstreckt. Er schneidet die Ekliptik bei den Füßen der Zwillinge, geht hierauf durch den Perseus, die Kassiopeia, den Kopf des Kepheus und den Schwan, dann, in zwei Arme getheilt, durch den Fuchs, den Adler, dm Sobieski'schen Schild, den Schützen, den Poniatowski'schen Stier und den Schlangenträger. Bei dem Sternbilde des Kreuzes ist sie dem Südpole am nächsten; dann geht sie durch das Schiff und das Einhorn nach den Füßen der Zwillinge. Ihre Breite ist sehr verschü- den und wechselt zwischen 5 und 22°; die Trennung in zwei Arme geht durch 22 ", vom Schwane bis zum Schützen. Schon Demokrit soll von der Milchstraße die richtige Ansicht gehabt und dieselbe aus dem vereinigten Glanze unzähliger Fixsterne erklärt haben; dieselbe Behauptung sprach Galilei bald nach Erfindung der Fcrnröhre mit Bestimmtheit aus, aber erst Herschel vermochte durch seine trefflichen Instrumente die Milchstraße wirklich in einzelne Sterne aufzulösen. Kant machte bereits in der Mitte des 18. Jahrh. darauf aufmerksam, daß die Milchstraße, wenn anders Galilei Recht habe, auf eine ungleiche Austheilung der Sterne schließen^lafse; diese Ansicht wurde durch Herschel's Beobachtungen vollkommen bestätigt, und gegenwärtig sind die Astronomen der Mehrzahl nach der Meinung zugethan, daß die Milchstraße nichts anderes als eine linsen- oder vielleicht auch ringförmige, an einer Stelle in zwei Theile gespaltene Sternschicht sei, in deren Mitte oder nahe bei derselben das Sonnensystem sich befinde. So erklärt sich ganz ungezwungen, warum die Sterne immer dünner gesät zu sein scheinen, je weiter sich unser Auge von der Milchstraße entfernt. Milchzucker (Sacdmrum lactis) ist ein Bestandtheil der Milch derSäugthiere Mid wird im Großen besonders in der Schweiz entweder durch Verdampfen der Molken (sd) oder gewöhnlicher durch Krystallisation erhalten, worauf er durch wiederholtes Auflösen in heißem Wasser und Krystallisiren gereinigt wird. Im Handel trifft man ihn gewöhnlich in der Form von Cylindern an. Er kst in Alkohol und Äther gar nicht und in Wasser schwerer als der Rohrzucker löslich; auch tst er härter und enthält mehr Kohlen-und weniger Sauerstoff als dieser. Zn der Medicin benutzt man ihn als schwaches, die Verdauung beförderndes Mittel, meist jedoch nur, um kleine Gaben stärkerer Mittel, welche man ihm beimischt, in fein vertheiltcm Zustande zu geben- Auch wird er zu sogenannten künstlichen Milet Militair §- en. ^ch. bki itel gt- hm isi dtt in. lit- ,il- zu ich ,re ich ne el- he >lt ei es m ä- 'ch ie- >m cht ie< eit rk- ir> che n- >er 4 lN !N, >er »d in ^ in -e> ! ! ic- i eien Molkenpulvern verwendet, indem man ihn mit Mimosengummi zusammenreibt und in warmem Wasser auflöst. Milet, am Mäander, war im Altcrthume eine der größten und blühendsten Städte von Karlen in Kleinasien, berühmt durch treffliche Wollenfabrikation und ausgebreitcten Handel nach Norden. Schon frühzeitig gründete es eine bedeutende Anzahl von Colonien am Schwarzen Meere und in der heutigen Krimm, und im Besitz einer Flotte, führte es lange und kostspielige Kriege mit den lydischen Königen. Nach der Eroberung Lydiens durch den ältern Cyrus (s. d.) wurde es, gleich ganz Jonien, unterworfen. Unter der pcrs. Oberherrschaft mit vieler Milde behandelt, obgleich durch innere Unruhen öfters zerrüttet, blieb es in Wohlstand bis zu dem unglücklichen ionischen Kriege, in welchem es, von seinem damaligen Statthalter Aristagoras zum Widerstande gegen die Perser aufgereizt und von den europ. Griechen nur sehr schwach unterstützt, im I. 494 v. Ehr. von Grund aus zerstört wurde. Die Einwohner bauten die verödete Stadt zwar wieder auf, sodaß sie sogar gegen das siegreiche Heer Alexander'-des Großen sich eine Zeit lang hielt; aber ihr altes Ansehen vermochte sie nicht wieder zu erlangen, und die jetzt noch wenigen Überreste, die unter dem Namen Palat, d. h. Paläste, ein elendes Dorf bilden, lassen die ehemalige Größe kaum ahnen. Die früher so mächtigen Milesier dienten daher den Alten zur sprüch- wörtlichen Bezeichnung verfallener Glückskinder. Vgl. Nambach, „De lilileto eiuscjiie coloilüs" (Halle 1790); Schröder, „De rebiis Nilesioruin" (Strals. 1827) und Sol- dan, „Les inilesine" (Darmst. 1829). — Nach M. nannten die Griechen eine besondere Art von Erzählungen, die ein Gemisch von Wahrheit und Dichtung enthielten und von einem gewissen Aristides zuerst verfaßt worden sein sollen, milefische Geschichten oder Märchen. (S.Roman.) Militair ist die Collectivbcnennung für alle zum Soldatenstande gehörende und vom Landesherrn besoldete Personen. Die Stärke des Militairs eines Staats bestimmt sich nach Maßgabe der Bevölkerung, der Beschaffenheit des Landes, der Eigenthümlichkeit seiner Bewohner und der besondern Verhältnisse gegen die Nachbarstaaten; doch .hängt sie nicht selten auch von den disponiblen Geld- und andern Mitteln ab. Sie ist im Frieden geringer und beschränkt sich auf die Truppenzahl, welche zum Garnison- und Arbeitsdienst, sowie zur Ausbildung der jungen Mannschaft erfoderlich ist. Großbritannien hat bei 26' ? Mill. E. ungefähr 122600 M. Militair; Frankreich bei 3 - 1/2 Mill. E. 344000 M.; Ostreich bei 37,700000 E. 401900 M.; Preußen bei lö'/z Mill. E. 124000 M.; Rußland bei 63'/r Mill. E. 770000 M. Es kommen also auf >000 E. IN England beinahe fünf, in Frankreich gegen zehn, in Ostreich zehn bis elf, in Preußen acht bis neun und in Rußland zwölf Manu Militair. Das Verhältniß der Truppengattungen richtet sich nach der Beschaffenheit des Landes, nach der Eigenthümlichkeit der Nation und nach dem Bedarfs in besondern Fällen. Gebirgiges Terrain macht mehr Infanterie als Cavalcrie nöthig und die Orientalen haben verhältnißmäßig ungleich mehr Reiterei als andere Völker. Im Allgemeinen kann man jedoch annehmen, daß die Zahl der Infanterie fünf- bis sechsmal größer ist als die der Cavalcrie. Auf >000 M. Infanterie rechnet man 2 / 2 —3 Geschütze der Fuß- und auf 1000 M. Cavalcrie fünf bis sechs Geschütze der Reitenden Artillerie. Die Eintheilung oder Gliederung der Armee anlangend, so wird bei der Infanterie das Bataillon (s. d.), bei der Cavalerie-die Escadron (s. d.) und bei der Artillerie die B at - terie (s. d.) als Einheit angenommen. Durch die Vereinigung mehrerEinheiten zu einem Ganzen bilden sich die Regimenter, Brigaden, Divisionen und Armeecorps; doch gibt cs für diese Heerestheile bei den einzelnen Armeen sehr verschiedene Benennungen. Als Grundsatz ist anzunehmen, daß jeder selbständige Trupp sich leicht in zwei, vier oder acht Theile zerlegen lasse. Noch bis 1806 fand beinahe überall das Werbesystem statt, nach welchem Leute, die sich zum Dienst meldeten, Handgeld bekamen und auf Kapitulation, d.h. auf eine gewisse Anzahl Jahre, angeworben wurden. Man nannte sie Ausländer und rechnete zu ihnen auch diejenigen Eingeborenen, welche sich freiwillig zum Dienst stellten. Außerdem hätte jedes Regiment seinen Canton, d.h. eine Airzahl Ortschaften, aus denen es seine Rekruten aushob. Gegenwärtig kommt das Werbesystem in dem angegebenen Sinne Cvnv.-Lcx. Neunte Aust. IX. 67 578 Militair nur noch in England vor. Zwar gibt cs fast in allen Armeen Ausländer; sie sind abn entweder in besondere Corps vereinigt (s. Fremdenlegion) oder dienen auf Befinde, ' rung. Außer England erfolgt der Ersatz des Heers gegenwärtig überall durch die zuerst in Frankreich eingeführte Conscription (s. d.). Zeder gesunde junge Mann ist verpflich. tet, zu dienen, und nur ganz besondere häusliche Verhältnisse können ihn davon befreien; ^ doch darf in einigen Ländern, z. B Frankreich, Hessen, Sachsen, Würtembcrg u. s. w., der zum Dienst Aufgerufene einen Stellvertreter für sich besorgen. Gewiß ist es ein großer Vortheil, die Dienstzeit des Soldaten nicht zu weit auszudehnen; denn wenn jährlich ei» Drittheil oder die Hälfte des stehenden Heers in der Fricdcnszcit entlassen wird und ebenst viel Rekruten rintreten, so ist in wenigen Jahren der größte Theil der waffenfähigen Mae- ner ausexercirt. Die entlassenen Leute kehren im preuß. Staate und anderwärts zu ihren bürgerlichen Geschäften oder zum Landbau zurück und bilden die Kriegsreserve, d. h. dis ! jcnige Mannschaft, die bei ausbrechendem Kriege zuerst eingezogcn wird, um das stehende Heer zu vervollständigen. Nach zwei bis drei Jahren gehen sic zum ersten Aufgebot n»d nach vollendetem 32. Lebensjahre oder nach etwa siebenjähriger Dienstzeit beim ersten Aufgebot zum zweiten Aufgebot über, in welchem sie abermals sieben Jahre verbleiben. (S. Volksbewaffnung.) Auch ist es in Preußen jungen Leuten, die sich selbst kleide« und nähren können, gestattet, ihre Dienstpflicht durch einjährige Dienstzeit abzuleiste» und sodann in die Landwehr cinzutreten. Dagegen ist auch wieder Soldaten, die sich durch musitt- haftes Betragen ausgezeichnet haben und zu Unteroffizieren geeignet sind, gestattet, übcrihre Dienstzeit zu dienen. Die Beförderung oder das Avancement erfolgt beim Militair fast durchgängig nur in Folge einer abgelegten Prüfung, in welcher, nächst vortheilhafkn Dicnsi- zeugniffen, die für die nächst höhere Stufe erfodcrlichen Kenntnisse nachgewiesen werde« müssen. Die Ernennung der Offiziere jeden Grades erfolgt durch den Landesherr». Zn England sind noch gegenwärtig die Offizierstellen unter gewissen Bedingungen käuflich. In Frankreich wird ein Drittheil der erledigten Offizierstellen durch die Wahl derCame- raden (ü l'election), ein Drittheil durch den König (au ciroix) und ein Drittheil nach du» Dienstalter (a I'aucienuete) besetzt. Nur bei Stabsoffizieren hat sich der König die Wahl Vorbehalten, doch darf er keinen Offizier, der über Jahre alt ist, dazu rrnpnnen. Das Ausscheiden aus dem Dienst erfolgt, abgesehen von Todesfällen und von denjenigen Mili- tairs, welche in andere Verhältnisse übergehen, zunächst durch den Eintritt der Invaliden (s. d.) in eine Jnvalidencompagnie, oder durch die Entlassung in die Heimat mit einer kleinen Pension und einem Beitrage an Kleidungsstücken u. s. w., oder endlich durch die Aufnahme im Jnvalidenhause bei gänzlicher Unfähigkeit, sich selbst noch fortzuhelfcn; auch werden die Nbgegangenen häufig in Civilstcllcn angestellt. Für schwere, entehrende Verbrechen erfolgt die Ausstoßung aus deni Soldatenstande. Offiziere, deren Invalidität durch besondere Zeugnisse nachgewiesen sein muß, erhalten eine dem Einkommen ihres Grades und ihrer Dienstzeit angemessene Pension, und unter Umständen ebensallS Anstellung in Civilstellen. Die ehemals häufige Cassation derselben kommt gegenwärtig nur »och in seltenen Fallen vor. Die Dislocirung der Truppen im Frieden wird nothwendig wegen gleichmäßiger Vcrtheilung in die einzelnen Provinzen, wegen des mehren Garnison-, Wacht- und Arbeitsdienstes in Festungen und größern Städten, wegen Unterbringung der Pferde und wegen ökonomischer Verhältnisse. Das Militair hat nicht allein den Landes- gesehen zu gehorchen, sondern auch den besonder,;, auf die Verhältnisse seines Standes Bezug nehmenden Kriegsartikeln. Vergehungen werden in Verhören untersucht, die ein Auditeur leitet und ein Offizier überwacht, und die Strafe wird von Standgerichten, bei größern Verbrechen von Kriegsgerichten (s. d.) den Acten und Gesetzen gemäß bestimmt. (S. Kriegsgesetze.) Im Kriege, wo die Zeit drängt, ist das Verfahre» meist sehr kurz, und der überwiesene Verbrecher erleidet sofort die ihm gebührende Strafe. 3m Allgemeinen muß die Art der Strafen und ihrer Ausübung stets das Ehrgefühl berücksichtigen, um die>cn so mächtigen Hebel der Disciplin und den den Truppen nöthigen Geist du Ehre in allen Beziehungen aufrecht zu erhalten. Das Medicinalwesen wird von Militärärzten verwaltet. (S. Militairheilkunde.) Leichte Krankheiten werden im Ouartier behandelt, schwerer Erkrankte kommen in das Lazareth oder Hospital (s. d.). Ebenso schwierig als M zie, pr ma hör few bar risi die ! ttch l hal b-s stäi Tr mi> Fel ger Ee erf der für dor Gr zu sen , s°g s best ! »>ü zclr , ein ' Acl r»u ! Zu ! en i mi mi S, . err l de, ! die t ba thi K, jed ne bei un die M Militairakademien Militaircolonien 579 äbn ^ ördl! ^ cstm flich- ciluj , dlk roßer hm >e>is« >!än< hrcn .du- ^ >endt und rsim ib«r !ldk» Il»d itt» ihlk stst -nsi. il!I Sn lich. me< dem khl ^li- den klei- liif- uich !>cr- >mh ides !>" sägt" on-, der >es- ldeS ein hei he- leisi Zm ich- der irz- an- Tig als wichtig ist im Kriege die Einrichtung der Feldlazarethc (s-d.). Die Behandlung der Mannschaften und Chargirtcn erfolgt unentgeltlich, auch erhalten sic frcicMcdicin; dieOffi- ziere dagegen müssen denArzt befahlen. Die kirchlichen Angelegenheiten besorgen die F el d- Prediger (s. d.). Alles das Erwähnte und vieles Andere zusämmengenommcn begreift man unter dem Namen der Militairvcrfassu ng, wohin auch die Bedingungen ge- hören würden, unter welchen dieMilitairS die Erlaubniß zur Verhcirathung bekommen; ferner die Herbeiziehung der Truppen zu größer» Arbeiten, z. B. zum Weg- und Kanal- bau, und die Anordnungen zur Ausbildung des Soldaten im Allgemeinen und der militai- rischen Übungen insbesondere. Einen besonder» Zweig der Militairverfassung bildet die Militairökonomic, die es mit der Ausrüstung und Verpflegung der Truppen zu thun hat. Die hierzu erfoder- lichen Behörden stehen unter dem Kriegsministerium. Sie haben die Anschaffung und Erhaltung der Waffen und des Pulvers im Einverständnisse mit dem Chef der Artillerie zu besorgen. Die Nemonten werden durch besonders dazu bestimmte Commissionen sachverständiger Offiziere theils in den Gestüten ausgcwählt, theils im Lande gekauft und an die Truppen nach Maßgabe ihrer Erfodernisse vertheilt. Die Bekleidung und Verpflegung mit Lebensmitteln und Fourage ist der Jntcndanturbehörde übergeben, welche auch im Felde durch Einrichtung von Bäckereien und mittels der Traincolonncn für Beides zu sorgen hat; nächstdem beaufsichtigt diese Behörde das Rechnungswesen der Truppen. Die Geldverpflegung und dieBezahlung aller zur Liquidation geeigneten Bedürfnisse der Armee erfolgt durch die General-Militair - oder Kriegskasse. Endlich gehören auch zum Ressort der Behörden für die Militairökonomic die Feststellung und Auszahlung der Pensionen für verabschiedete Soldaten, Offiziere und für Ofsizierwitwen. Militairakademien, s. Mil it airschulen. Militaircolonien bestanden schon zur Zeit Alexanders des Großen von Makedonien und unter den Römern. In neuerer Zeit fanden sie eine Nachahmung in dem Erenzinstitute des östr. Kaiserthums (s. Militairgrenze), in derZndelta in Schweden zu Ende des 17. Jahrh. und seit >820 in den Militaircolonien Rußlands, die freilich wesentlich von den früher erwähnten Kricgsinstituten verschieden sind. Die Einrichtung der sogenannten Jndelta oder der eingetheilten Truppen in Schweden, die noch gegenwärtig besteht, rührt von Karl Xl. her, der sie zu dem Zwicke machte, eine größere Kriegsmacht »>ü geringer»! Kostenaufwande bereit zu halten. Sie besteht darin, daß die Besitzer einzelner Grundstücke für die Befreiung von gewissen Abgaben die Verpflichtung haben, einen oder mehre Soldaten zu stellen, von denen jeder den zu seiner Ernährung erfvdcrlichen Acker und Viehstand erhält. Seine Arbeiten während der Einberufung zu den Übungen und im Kriege haben die Zurückgebliebenen zu besorgen; nur im Kriege erhält er Sold. Zu den russ. Militaircolonien entwarf auf Kaiser Alexanders I. Anregung der General en diel der Artillerie, Graf Araktschejew, den ersten Plan, dem die Idee zum Grunde lag, mittels Ansiedelung ganzer Regimenter in bestimmten Bezirken, unter einer besonder» mililairisch-bürgerlich-policeilichen Verwaltung den Stand der Kranbauern mit dem Stande der besoldeten Krieger so zu verschmelzen, daß dadurch verschiedene Zwecke zugleich erreicht würden, nämlich eine Verminderung derKostenfür das stehende Heer, Erleichterung der Rekrutirung, die Bildung einer Reserve für das Heer, die Gründung eines Asyls für die ausgedienten Krieger und deren Familien, und eine gleichzeitige Beförderung des An- baus und der Bevölkerung culturfähigsr Landstriche, wo cs bisher nur an der Hand eines thätigen Anbauerß gefehlt hatte. Araktschejew rieth zu dem Ende, die Soldaten bei den Kronbaucrn einzuquartircn, militairischc Dörfer nach einem bestimmten Plane zu erbauen, jedem Hause eine gewisse Zahl Morgen Landes anzuweisen, und ein Gesetzbuch für dieses neue Institut zu entwerfen. Der Soldat sollte als Soldat durch Feldbauzu seinem Unterhalte beitragen, die ganze männliche Bevölkerung der Colonistendörfer aber in den Waffen geübt und als Reserve zum Felddicnst genommen werden. Auf diese Weise bezweckte Araktschejew die ganzen Streitkräfte Rußlands längs der Grenzen Polens, der Türkei und Kaukasiens in Militaircolonien zusammenzudrängen, durch welche, außer den erwähnten Aortheilen einer 37 * 580 Militairgrenze wachsenden Landescultur und Bevölkerung und der Versorgung der Familien der ins Feld ziehenden Soldaten, auch der Krieger selbst in Friedcnszcitcn, im Umgänge mit Weib und I Kind und in der Bekanntschaft mit dem eigenen Herde, Anhänglichkeit an das Vaterland gewänne. DicseJdee, so zweckmäßig sic im Ganzen schien, verlor dcnnochViclcs von ihm» beabsichtigten Nutzen durch jene unerbittliche und rücksichtslose Strenge, mit der Araktschcjm den vomKaiser gebilligten Plan durchzuführen bestrebt war. Ganze Dörfer empörten sich, und Sibirien verdankte zu jener Zeit, besonders zwischen den I. >8-2»—2b, einen große» Theil seiner Bevölkerung dem strcngausgcführtcn System jener Militaircolonicn, in die Araktschejcw 1 825 bereits äOOOOO männliche Bewohner, darunter-10000 M. zu Pferde, untergebracht hatte. In Folge der Revolte eines Theils der Garden im 1.1825 gab jedoch der Kaiser Nikolaus das System, die ganze Armee zu colonisiren, auf. Araktschejcw,,der von den Soldaten fast verabscheut wurde, erhielt seinen Abschied und zog sich auf sein Ent i Grusino amWolchowfluffe zurück, wo er am 2I.Apr. > 854 starb. Die bereits vorhandene» ! Militaircolonien in den Gouvernements Nowgorod-Weliki, Cherson, Charkow und Jekate- rinoslaw wurden zwar erhalten und bestehen noch gegenwärtig, haben aber im Laufeder Zeit wesentliche Veränderungen erfahren. Militairgrenze heißt der Landstrich der östr. Monarchie, von 7 l 5 OM. mit 1 ,22vm E., welcher sich 227 M- längs der Ungar, und siebenbürg. Grenzen, so weit sie das türk. Gebiet berühren, erstreckt und seine eigne militairisch-administrative Verfassung hat, indm die Bewohner desselben Bauern sind, welche Militairdienste verrichten, also gewissermaßen colonisirte Soldaten. Grund und Boden der Militairgrenze ist nämlich Staatseigenthmn, i aber zu erblichem Nießbrauch unter völliger Abgabenfreiheit an Bauernfamilien verliehe», ! gegen die Verpflichtung, dafür Kriegsdienst zu leisten. Im Frieden erhalt der Grenzsoldat ^ keinen Sold, für den ihn der Nießbrauch des ihm verliehenen Besitzes entschädigt, der, ähnlich einem Majorat, in seiner Familie forterbt. Gesetz und Herkommen entscheiden über ^ denjenigen Sohn der Familie, welcher die Sorge für das Hauswesen und die Erbfolge übernehmen soll. Aus dieser abgeschlossenen Anzahl der Familien entspringt auf der eine» Seite die große Wichtigkeit und eigenthümliche Ausbildung des FamilienverbandcS in dei Militairgrenze, andcrntheils aber die Fruchtbarkeit und Größe der Familien in derselben. Der Staat hat durch diese Einrichtung ein stets bereites Kricgsheer, das ihm im Friede» nichts kostet. Der gewöhnliche Etat des Grenzmilitairs beträgt 50000 M., kann jedoch im Fall eines Kriegs auf 7V—100000 M. gebracht werden. Dasselbe ist gut eingcübt und wohldisciplinirt, und beschützt in einem ununterbrochenen Gpenzcordon gegen die Türkei nicht nur das eigne Land gegen feindliche Angriffe und das Eindringen der Pest, sondern dient auch fürSold dem Staate im Kriege gegen andere Länder. Wichtige Dienste leisteten die Grenzer im östr. Erbfolgekriege und im Siebenjährigen Kriege, noch wichtigere in allen Türkenkriegen. Die Militairgrenze bildet staatsrechtlich zwar einen Theil des ungar. Reichs und des Großfürstenthums Siebenbürgen, hat aber eine ihrem Zwecke gemäße eigenthümliche militairische Einrichtung, durch die sie in den Ungar. Erbstaaten nach Per- ! fassung und Verwaltung gänzlich von denselben getrennt, in Siebenbürgen aber, wo die , Grenzsoldaten keine geschlossenen Bezirke bewohnen, sondern im Provinzialgebiet zerstreut > leben, nur militair.-administrativ, nicht politisch gesondert ist. Eingetheilt ist dieselbe in vier voneinander unabhängige, unter dem Hofkriegsrath stehende Generalcommandos oder Genecalate als höchste Behörden, unter denen hinwiederum die Negimentscommandos stehen, welche die Bezirksbehörden vorstellen und nicht nur alle rein militairischcn Verlieh- t tungcn, sondern auch alle politisch-ökonomischen und Justizgeschäftc besorgen. Die vier Gencralate sind das kroatische, das slawonische, das banater oder ungarische, und das siebcn- bürger. In dem kroatischen Generalate sind die vorzüglichsten Orte: Carlopago, Zcngg, Bellowar, Petrinia und Kostainicza; in dem slawonischen: Alt- und Neugradiska fs Grad iska), Brod, Mitrowicz, Peterwardein (s. d.), Karlowitz (s. d.) und Se»>- lin (s. d.), wohin auch der Distrikt der Tschaikisten (s. d.) gehört; in dem ungar.-bana- , tischen: Pancsowa, Weißkjrchen, Mehadia und Karanscbes. In Bezug auf ihre natürliche Beschaffenheit kommt die Militairgrenze ganz mit den Ländern überein, zu denen sie staa^ rechtlich gehört. Was die Bevölkerung betrifft, so besteht sie der Mehrzahl nach aus sla- wer wor aus unii es 8 tari Pai die deh> l6. Kro Sä kroc woi »er aus der ist« dies wie als bef Mi die un! V° Zei des au; den dat letz No In sei! me ich P im de M be de dr Li Li N bi S' w h a > Militairheilkunde 581 wen, nämlich im ganzen kroatischen und slawonischen Gcneralat aus Kroaten und Slawonien:, im banaler aus Ungarn, Deutschen, Serbien: nnd Walachen, in: siebcubürgischei: aus Ungarn(Szeklern), Deutschen und Walachen. Die Mehrzahl bekennt sich zu der nicht- unirten griechischen, ein anderer großer Theil zur röm.-katholischen Kirche; außerdem gibt es Bekenner der griech.-katholischen, der reformirten und protestantischen Kirche und Unitarier. In der Nömerzeit gehörten die Länder der Militairgrenze theils zu Jllyrien und PannoniaSavia,theilszum dacischen Reiche. König Sigismund von Ungarn machte durch die Errichtung des zengger Capitanats den Anfang der Militairgrenze. Eine weitere Ausdehnung gewann diese Einrichtung, als der König Ludwig U. von Ungarn in der Mitte des I 6. Jahrh. seinem Schwager, dem Erzherzoge Ferdinand von Ostreich, die festesten Plätze Kroatiens, um sie auf eigne Kosten gegen die Türken zu vertheidigen, übergeben hatte, i Schon damals scheint die Grenze in zwei Hauptdistricte getheilt gewesen zu sein. Die ! kroatische Grenzprovinz war die erste, welche entstand; die übrigen Grenzländcr in Slawonien, Ungarn und Siebenbürgen sind viel später entstanden und das siebenbürg. Ge- ueralat war das letzte. Die gegenwärtige Einrichtung für das siebenbürg. Gencralat datirt aus den I- >776—77, und die für das Ungar, vom I. 1807. Vgl. Hietzinger, „Statistik der Militairgrenze des östr. Kaiserthums" (Wien 1823) und Bcnigni von Mildenberg, „Statistik der siebenbürg. Militairgrenze" (Hermannst. 1837). Militairheilkunde oder Kriegs heilk und e (metiicinu milituri5 oder csstrensis) ist eigentlich von der Heilkunde in: Allgemeinen nicht verschieden, sondern bezeichnet nur diese Wissenschaft in ihrer Anwendung auf den besonder:: Stand der Soldaten, unter denen, ! wie in jedem streng abgeschlossenen Stande, eine Anzahl Krankheiten häufiger verkommt ! als bei andern Menschen. Es ist aber, da diese Krankheiten ebenso gut jeden andern Menschen befallen können, nicht sowol die Kenntniß derselben und der gegen sie anzüwendenden Mittel, welche den Militairarzt von dem gewöhnlichen praktischen Arzte unterscheidet, als ' die derjenigen Anordnungen und Veranstaltungen erfodcrlich, welche die aus dem Berufe und der Lebensart desSoldaten hervorgehendenKrankhciten sowie die dagegen zu ergreifenden Vorkehrungen nöthig machen. Die Militairheilkunde ist durchaus eine Schöpfung der neuern Zeit, in der die Regierungen einsahen, daß es nicht nur die Pflicht, sondern auch der Nutzen des Staats sei, Denjenigen, welche im Dienste desselben ihre Gesundheit und ihr Leben der augenscheinlichsten Gefahr anssetzen, auf eine zweckmäßige Art zu Hülfe zu kommen. In den ältesten Zeiten waren Einrichtungen zur Verpflegung verwundeter und kranker Soldaten gänzlich unbekannt. Erst in den rüm. vollkommener organisirten Kriegsheeren in den letzten Zeiten der Republik und unter den Kaisern finden wir Militärärzte unter dem ! Namen meckici vulnorarii. Mit dem Untergange des röm. Reichs verschwand aber dieses Institut wieder spurlos. Erst von Ludwig IX. von Frankreich wird berichtet, daß er neben j seinem Leibarzt eine Anzahl junger, den: geistlichen Stande angehörigcr Ärzte (mxrss oder msitres-m^res), die sich der verwundeten Soldaten annehmen sollten, auf seinen Kreuzzügen mit sich nahm. Allein auch diese Einrichtung hatte keinen Bestand, und wenn später Pare(s. d.) und sein Schüler Pigray mit dem Heere in das Feld zogen, so waren sie immer noch keine vom Staate besoldeten Militairärztc. Den Grund zu einer Organisation des Militairmedicinalwesens legte Heinrich IV. von Frankreich durch Errichtung von zwei Miiitairhospitälcrn bei der Belagerung von Amiens im I. >507. Ludwig XIII. errichtete bereits stehende Hospitäler für die Soldaten; auch wurde durcheil):: das nützliche Institut 1 der Ambulanten (s. d.) ins Leben gerufen. Mehr noch wurde die Militairheilkunde durch Ludwig XIV. ausgebildet. Den festesten Grund zu ihrer Vervollkommnung legte Ludwig XV. durch Errichtung von Unterrichtsanstalten für Militairärztc zu Besancon, Lille, Nancy, Strasburg u. s. w. Die Revolution erhielt wenigstens das Bestehende und Napoleon trug auf jede Art dazu bei, die Militairheilkunde auf den hohen Grad der Ausbildung zu stellen, welchen sie gegenwärtig einnimmt. Die vollkommen militairische Organisation des franz. Militairmedicinalwesens hat fast allen übrigen Staaten mehr oder ' weniger zum Muster gedient. In Deutschland wurde unter den: Kurfürsten Georg Wilhelm von Brandenburg (>6>9—40) zuerst ein Negimentsfeldscheerer bei der Leibgarde angesiellt und dann jeden: Generalstabe ein Medieus beigegeben. Seine Nachfolger Militairheilknnde ich vermehrten die Zahl der Militärärzte und der König Friedrich Wilhelm I. von Prenßm gründete 1713 ein anatomisches Theater zu Berlin für dieselbe», welches >724 zu dem Ollegium ciiiriirgico-meilicum erweitert wurde. Insbesondere aber war Friedrich», bemüht, auf jede Art die Ausbildung junger Leute zu tüchtigen Feldarzten zu fördern, und sein Beispiel blieb in andern Staaten nicht ohne Nachahmung. Im I. >784 wurde die chirurgische Militärakademie, die nachmalige medicinisch-chirurgische Josephinische Akademie zu Wien, 1785 die chirurgische Akademie für das Heer und die Flotte zu Kopenhagen und die medicinisch-chirurgische Militairschule zu Petersburg und 1798 das 6«I!e- tzinili mellico-diirurgioim in Dresden gestiftet, während in Preußen schon 1793 die Am- bulancen eingeführt wurden und die Militairchirurgen in der 1795 gegründeten Pepimm eine vollständige Anleitung für ihren künftigen Beruf fanden. Am weitesten war in der Militairheilkunde England zurückgeblieben, dafür machte cS nachmals um so schnellere Fortschritte, sodaß gegenwärtig in allen höher civilisirtcn Staaten Europas der Soldat im Kriege wie im Frieden einer guten Verpflegung gewiß sein kann und die Militairärztc das ihnen gebührende Ansehen genießen. Von den Männern, welche sich um die Militairheilkunde besonders verdient machten, sind anzuführen Petit, Lapeyronnie, Sabatier, Pellekan, Percy (s. d.), Thomassin und vor Allen Larrey (s. d.) in Frankreich; Holzcndors, Schmucker, Bilguer, Cothenius, Theben (s.d ), Voitus, Mursinua, Görcke und Gräfe (s. d.) in Preußen; Brambilla in Ostreich; Pringle, Brocklesby, Don. Monro (s. d.) und Z. Hunter (s. d.) in England; doch haben letztere mehr durch ihr ärztliches Wirke» sich einen Namen erworben als durch Verbesserung der Einrichtungen, wozu am meisten N. Hamilton durch sein berühmtes Werk ,,'1'iie llnties ok a regiinental surgenn etc." (2. Aufl., Lond. 1795; deutsch von Hunczovsky, Wien 1790) beitrug. Gegenwärtig findet man in allen gut organisirten Heeren ein ziemlich zahlreiches Personal von Ärzten, welche thcils großem theils kleinern Heeresabtheilungcn beigegeben sind und untereinander ein ebenso geordnetes Ganze bilden wie die Soldaten selbst, indem sie vom obersten Arzte an bis zum untersten hinab einen ihrer Stellung entsprechenden militairischen Rang einnehmen und nach diesem Range voneinander beaufsichtigt werden und Befehle erhalten. Die oberste Behörde des Militairmedicinalwesens, welche entweder aus einem Collegium gebildet wird oder aus einem Einzigen besteht, ist unmittelbar dem Kriegsministerium untergeordnet und die obersten Ärzte, welche in Frankreich Generals-, in Preußen Oberstenrang bekleiden, haben nun die für gut befundenen Anordnungen im Großen zu leiten, während die unmittelbare Behandlung der Kranken den Ärzten und Chirurgen niederer Gpade überlassen bleibt. Ist auch im Allgemeinen eine Eintheilung der Ärzte in innere Ärzte und Chirurgen und die Ausübung der Chirurgie durch nicht wissenschaftlich gebildete Männer unstatthaft, so möchte sie vielleicht bei dem Militairmcdicinal- personen, wenigstens im Kriege, noch am ersten zu rechtfertigen sein, da hier die Mehrzahl der kranken Soldaten aus Verwundeten besteht, derenHeilung in den meisten Fällen einem weniger wissenschaftlich als durch Erfahrung gebildeten Chirurgen überlassen werden kann, zumal wenn der über ihm stehende Militairarzt eine gehörige Aufsicht führt. Zm Frieden, nie wenige äußere Verletzungen als innere Krankheiten unter den Soldaten Vorkommen, ist die Wirksamkeit des Militairarztes, ausgenommen die durch das Dieustverhältniß gebotenen Leistungen, von der eines andern praktischen Arztes, der eine öffentliche Stellung einnimmt, nicht verschieden, anders jedoch gestaltet sie sich im Kriege, wo Märsche, Lager, BivouacS, Belagerungen und Schlachten dem sbern wie dem untern Militairarzte Pflichten und Beschwerden auflcgen, welche im gewöhnlichen Leben vollkommen unbekannt sind. Besonders wichtig sind die Anordnungen bei Schlachten, wo der dirigirende Arzt zuvor für einen außerhalb der Schußweite liegenden Verbandplatz zu sorgen hat, um sich daselbst mit seinem ganzen Personal aufhaltcn zu können. Die Verwundeten werden durch eigens dazu bestimmte und unter die fechtenden Truppen vertheiltc Leute, die Brancardiers, welche eine leicht zu Tragbahren zusammenzufügende Bewaffnung haben, nach diesen Plätzen gebracht, um die ersten Verbände anzulegen und die nökhigsten Operationen auszuführen. Da es indeß nicht fehlen kann, daß im Laufe der Schlacht oft eine Verlegung des Verbandplatzes nöthig wird, so verwandelte Larrey diese festen Verbandplätze in die ämbulsoc« vni W die au un die ein Ar u. wc sin S> fw rci üg Ur ^ ist E LN u> l re de Le r N ch s de k de w ri st A lc c> 4 l, u ä > / Militairkarten 583 vnl-mtes, bei denen sännntliche Mcdicinalpersonen beritten und zweckmäßig eingerichtete Wagen zum Transport der Verwundeten bereit sind, um mit der größtmöglichen Schnelligkeit die ganze Anstalt auf einen andern Ort versetzen zu können. Von den Verbandplätzen und aus den ^mbul-mces voisntes kommen die Verwundeten in die eigentlichen Ambulanten und dann in die weiter entfernten Hauptfcldlazarethe. (S. Feldlazarcthe.) Um sogleich die gehörige Anzahl tüchtiger Krankenwärter zu haben, werden während des Friedens eine Anzahl Soldaten im Krankenwärterdicnste theoretisch und praktisch unterrichtet. Die Anschaffung und Beaufsichtigung der nöthigcn Wirthschaftsgegenstände, Nahrungsmittel u. s. w. haben besondere zum Medicinalwcscn gehörige Ökonomicbcamtcn zu besorgen, welche im Frieden in den Garnisonen wie im Kriege einen umfangreichen Wirkungskreis finden. Wie aber die Einrichtungen der gesammten Militairheilanstalte» in den einzelnen Staaten sehr verschieden sind, so treten auch öfters im Kriege, weniger im Frieden, durch die Gewalt der Umstände mannichfaltige Modifikationen dieser Anstalten ein. Der Krieg macht eine Vermehrung der Mcdicinalpersonen, der Hospitäler, der Apparate u.s. w. nöthig, für welche zwar schon im Frieden gesorgt sein muß, die aber doch oft sich als unzureichend hcrausstellt, da sich viele Kriegsbegcbrnhcite» und besonders die sehr zu berücksichtigenden Witterungsverhältnisse nicht im voraus berechnen lassen. Beim Eintritt solcher Umstände, auf welche keine Vorbereitungen getroffen wurden oder getroffen werden konnten, ist es nun die Aufgabe des bei der betreffenden Heeresabtheilung sungirenden Arztes, mit Geistesgegenwart und Umsicht alle möglichen Mittel aufzusuchen, welche die Lage der ihm anvertrauten Kranken zu erleichtern und die Gesundheit der Andern zu bewahren vermögen, und die detailline Beschreibung eines jede» längern Feldzuges der neuern Zeit bietet zahl- reiche Punkte dar, bei denen von dem Verfahren eines Militairarztes das Wohl und Wehe der ihm übergebenen kranken Soldaten undHceresabtheilungen nicht nur,sondern auch ganzer Landstriche und ihrer Einwohnerschaft abhing und wo es sich zeigte, welchen Einfluß die Militairheilkunde durch ihr physisches Eingreifen und durch den moralischen Einfluß, welchen das Vertraue» auf die Tüchtigkeit eines Mannes bervvrbringt, auf Länder, in denen der Krieg wüthet, ausübt. Vgl. Kühn, „I)s mciiciime militaris »piist veiero, 6rsecos koinsiiosgim eoritlitione" (11 Programme, Lpz. l 82a—27, a.) und Joseph!, „Grundriß der Militairstaatsarzneikunde" (Berl. > 82»). Militairkarten. Nicht jede Landkarte ist für militairische Zwecke geeignet, denn wenn sie auch demHaupterfoderniß genügt und die Lage und die Entfernungen der Punkte richtig angibt, so enthält sie doch selten Das, was der Militair sucht und nöthig hat, oder stellt es nicht mit der nöthigen Klarheit dar. Die Militairkarte muß zuvörderst in einem Maßstabe gezeichnet sein, welche vollkommen deutliche Angaben aller der Gegenstände erlaubt, die für „militairische Operationen von Wichtigkeit sind. Ein übergroßer Maßstab erschwert die Übersicht größerer Terrainthcile; ist er aber zu klein, so müssen einzelne Punkte weggelassen werden, die Schrift fällt unleserlich aus, und das Auge verwirrt sich leicht. Der angenommene Maßstab muß ferner ein aliquoter Thcil der natürlichen Größe, und nicht nur mit seinen Unterabthcilungen auf einer Linie, sondern auch in Zahlen auf der Karte angegeben sein. Ein den gewöhnlichen Anfoderungen ganz entsprechender ist der von d. h. die Längeneinheit der Karte, z. B. die Meile, ist der hunderttausendstc Theil der wirklichen Meile, und beträgt also zwei Decimalzoll. Auch für die Höhe der Schrift müssen bestimmte Größen angenommen werden, um nicht allein durch die Form der Buchstaben, sondern auch durch das mehr oder weniger Hcrvorstechen derselben größere und kleinere Orte, die Namen der Flüsse u-s.w zu unterscheiden. Die Militairkarte soll orientirt sein, d. h. wenn man die Schrift gerade vor sich liegen hat, so muß Norden oben sein. Auf ihrem Rande muß auch die Gradeintheilung bemerkt werden, obgleich die Meridian- und Parallclkreise selten ausgezogcn sind. Unter den aufzunehmenden Gegenständen darf keiner fehlen, der irgend eine militairische Wichtigkeit erhalten kann; es ist daher nöthig, zuweilen selbst einzelne unbedeutende Häuser, hervorragende Bäume, hochstehende Windmühlen, ja selbst Wegweiser u. s. w. anzugeben, weil sie zur spätern Orientirung auf dem Terrain unentbehrlich sind. Die Bezeichnungen, ob eine Brücke gemauert sei oder nicht, wo Fürthen vorhanden sind, wie viel Feuerstellcn sich an einem Orte befinden u.s. w-, sind nicht zu ver» 584 Militairmusik Militairschulen nachlässigen. Auch ist oft eine Cottirung nothwendig, d. h. die Bezeichnung einzelner Punkte mit Zahlen, welche durch ein -j- oder — Zeichen apgcbcn, um wie viel der Punkt höher oder tiefer als der angenommene Horizont liegt. Übrigens ist man nach und nach über gewisse Zeichen oder Signaturen übercingckommen, mit denen man gewisse Gegen- stände darstellt, um eine leichte Übersicht zu gewinnen, ohne Verwechselungen befürchten zu müssen. Besondere Schwierigkeit macht die Zeichnung des Terrains, d. h. der Höhen und Thäler. Nachdem die unpassende Form der Berge in Gestalt von Heuschobern zuerst durch den preuß. Jngenieurhauptmann Ludw. Müller (s. d.) dadurch verbessert, daß der Grad der Böschung durch schwächere und stärkere Striche bezeichnet wurde, später aber durch den sächs. Hauptmann Joh. Georg Lehmann (s. d.) >799 ganz verdrängt war, gab Letzterer die Methode an, durch das Verhältniß des weißen Raumes zwischen de» Strichen zur Breite der letztem alle Gradationen von ,7 zu 5" bis zu 45" auszudrücken. Da die Möglichkeit, ein Terrain mit den verschiedenenTruppenarten zu passiven, so sehr von dm Neigungswinkeln der Berge abhängig ist, so würde die Kartenzeichnung seit Lehmann du bedeutendsten Fortschritte gemacht haben, wenn die richtige Ausführung seiner Man!« nicht mit eigenthümlichen Schwierigkeiten verknüpft gewesen wäre. Diese suchte der preuß. General von Müffling (s. d.) dadurch zu beseitigen, daß er nächst den geraden geschlängelte Bergstriche einführte. Sehr geübte Zeichner geben das Terrain auch mittels des Pinsels an, wobei die stärkern Gradationen mit dunklerer Tusche oder Sepia angedeutet werden; doch ist dies nur bei einzelnen Karten und nicht bei der Fertigung vieler Exemplare anwendbar. Zu den Miiitairkarten gehören auch die Situationspläne, die gewöhnlich im Maßstabe, auch wol noch größer gezeichnet sind, um alles Detail eines kleinen Terraintheiles noch genauer aufnehmen zu können. (S.Situationszeichenkunsi.) So unentbehrlich aber ante Karten, namentlich im Kriege sind, so kann man sich doch nie aus sie allein verlassen, sondern muß zu Recognoscirungen seine Zuflucht nehmen, theils um die seit dem Erscheinen der Karte vorgekommenen Veränderungen der Erdoberfläche kenne» zu lernen, theils um die Beschaffenheit des Bodens zu untersuchen, die auf der Karte nicht ausgedrückt sein kann und selbst von Witterungsverhältnissen abhängig bleibt. Die beste,» Militairkarten sind das westliche Rußland in »ooo vom Generalstab; die Karlen vo» Ostreich, meist in M-M vom General-Quartiermeisterstabe; Sachsen in '/r?-»» vom Generalstabe; Norddeutschland von Reiman in '/rsoooo; Hannover von Pazen in Baden, Baiern, Hessen und Würtcmberg in '/raosoo von Wörl; Dänemark in />-.»»»» von Manza; England in s/szss» vom Generalstabc; Frankreich in Vs°oo° vom Genecalstabc; Belgien in '/»Wo» von Marten; Holland in /,ib«oo von Krayenhoff; Neapel in /nb.« vo» Zanoni, und Ungarn in von Lipsky. Militairmusik war schon in den frühesten Zeiten gebräuchlich und von allen trügerischen Völkern gepflegt. Selbst die Wilden haben mindestens Lärminstrumcnte u»d Kriegsgesang. Die Veränderungen im Wesen der Taktik und der Tonkunst veränderte» nothwendig auch die Militairmusik. Stets aber diente sie zur Belebung des Muthes, keineswegs allein zur Erleichterung des Marschirens. Der Marsch selbst ist zwar jetzt ein wichtiger Theil der Militairmusik, aber erst gegen die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs ringe- führt worden. Namentlich hob sich die Militairmusik in der neuern Zeit sehr bedeutend i» Folge der Verbesserungen und der Vermehrung der musikalischen Instrumente. Eine» Theil derselben bildet die Jan itsch aren mu sik (s. d). Ausgezeichnete Componisien für Militairmusik sind F. Ulrich, K. F. Müller, Hinkel, A. Neithardt, Fr. Weller, I. Küffner, I. H. Walch. K. Meyer und der preuß. Director der Musikchöre des Eardecorps W- Wie- precht in Berlin, der sich außerordentliche Verdienste um das Militairmusikwescn erwarb. Militairschulen bezwecken theils Ergänzung Dessen, was früher versäumt wurde, theils und vorzüglich die Vorbereitung junger Leute zum Offizier, und die Ausbildung vorzugsweise befähigter Offiziere zu besonder« Dienstleistungen. Daher gibt cs zunächst Compagnie- und Regimentsschulen, in denen die Gemeinen lesen, schreiben und rechnen lernen, oder sich darin vervollkommnen und über den Dienst und die Einrichtung ihrer Waffe angemessen belehrt werden. In Rußland hat man versucht, hierbei die Bell-Lancastersche Methode rinzuführen, doch, wie es scheint, nicht niit dem gewünschten Erfolge. Wie für die Geniei- Militairstrafen Milizen 585 neu, gibt es auch Unterrichtsanstalten für die Unteroffiziere. Die zur Ausbildung für den Offizierstand bestimmten Schulen find entweder allgemeine, wie die polytechnischen Schulen (s. Polytechnik) und dieCadcltenschulen (s. Cadets), oder besondere, wie die Ar- tillerieschulen (s. d.) und Ingenieurschulen (s. Ingenieure) und die Schulen für Infanterie und Cavalerie. Die Polytechnische Schule (s. d.) in Frankreich hat nicht allein die Ausbildung für die Artillerie und Ingenieure, sondern auch für viele Verhältnisse im Civil zum Zwecke. Die Schulen für Infanterie und Cavalerie, in Preußen Divisionsschulen genannt, bilden ihre Zöglinge ebenfalls zum Offizier und berücksichtigen deshalb vorzüglich die allgemeine Waffenlehre. Eine höhere Bildung erhalten befähigte Offiziere in bcsondern Anstalten, z. B. in Preußen in der allgemeinen Kriegsschule. Zum Eintritt in die letztere sind eine vorhergegangene dreijährige untadelhafte Dienstleistung und die Nachweisung guter Vorkenntnisse nöthig; die vorgetragcnen Disciplincn bezwecken die höhere wissenschaftliche Ausbildung namentlich in der Mathematik, den Kriegswissenschaften und Sprachen. Im Allgemeinen muß zu den Militairschulen auch noch der Unterricht gerechnet werden, welchen die jungen Ärzte in ihrem Fach erhalten. So entschieden aber auch der Nutzen der Militairschulen ist, da sie eine Wohlthat für so viele Familien sind, die so wichtige Verbreitung der Intelligenz fördern und die Schüler schon früh an militairischc Ordnung und Disciplin gewöhnen, so macht man ihnen doch oft den Vorwurf, daß sie zwar das Wissen, aber nicht das Können befördern, und den jungen Leuten eine theoretische Richtung geben, die ihnen bei der später» Ausführung des praktischen Dienstes nachtheilig ist. Allerdings sind die praktischen Übungen, die auf jeder guten Schule mit dem theoretischen Unterricht verbunden werden, nicht hinreichend, um die Anwendung des Erlernten genügend ins Leben zu rufen; auch kann man mit Recht sagen, daß keineswegs alle Offiziere einer Armee einer hochgesteigcrten wissenschaftlichen Ausbildung bedürfen. Da jedoch eine solche zuweilen unbedingt gefodert werden muß, so darf auch dieGelegenheit, sie zu erlangen, nicht fehlen, und wenn eine Schule gut geleitet ist, so wird auch jener Nachtheil hinlänglich vermieden werden. Militairstrafen, s. Kriegsgesctze. Militairstraßen nennt man im engem Sinne die Wege, welche für die Marschrichtung der Truppen besonders ausgewählt und zugerichtek sind. Der Grad der Beweglichkeit der letzter» und die in den einzelnen Zeiten herrschenden verschiedenen taktischen Ansichten machen den Begriff einer Militairstraße relativ; was in einem Falle für unmöglich gehalten wurde, kan» in andern vielleicht mit großem Vortheile benutzt werden. Die allgemeinen Erfodcrnisse einer Militairstraße sind keine andern als die, welche überall das gute Fortkommen bedingen. Da aber oft die gewöhnlichen Wege verdorben, oder absichtlich gesperrt sind, oder in einer nicht günstigen Richtung laufen, und da größere Heeresmassen sich nicht auf einem Wege allein bewegen können, so werden sehr oft die Colonnenwcge (s. Colonne) zu Militairstraßen benutzt. Auch kann man die Etapenstraßcn hierher rechnen, d. h. die Wege, welche den nach einer gewissen Richtung marschirenden Truppcn- theilen vorgeschriebe« sind. Sie führen über die Etapen (s. d.) und werden im Kriege namentlich für alle der Armee folgenden Transporte benutzt; kommen aber auch im Frieden vor, um die für die Etape nöthigcn Einrichtungen an bestimmten Orten vereinigen zu können. Ob sich die Eisenbahnen als Militairstraßen werden benutzen lassen, unterliegt noch manchem Bedenken, da es stets an den nöthigen Transportwagen für mehre Tausend Mann fehlen wird, daß die Pferde in zu große Unruhe verseht werden rmd für die genügsame Sicherheit der Munition und des Pulvers auch sich fürchten läßt. Daß übrigens die unwegsamsten Gegenden zur Militairstraße gemacht werden können, zeigen die ZügeHan- nibal's und Napoleon's über die Alpen und die Übersteigung des Balkan durch Diebitsch. Militairwiffenschasten, s. Kriegswisscnschaften. Milizen nennt man diejenigen Soldaten, welche außer dem stehenden Heere und der Landwehr im Kriege Dienste leisten, und nach dessen Beendigung in ihre früher» Verhältnisse wieder eintretem Hierher gehört z. B. der Landsturm, welcher zu Kriegszeiten aufgeboten wird, um Ordnung zu erhalten, Gefangene zu transportiren und zu be- S86 Miller Millin wachen n. s. w. Zn den Nordamerika«. Freistaaten gibt eS außer den Milizen nur kleine Abthellungen stehender Truppen als stehende Bejahungen, Artilleristen und Ingenieure. Miller (Joh. Mart.), ein IM Fache des Romans wie als Liederdichter'thätiger Schriftsteller, geb. zu Ulm am S.Dcc. >756, erhielt durch seinen Vater, welcher daselbst Pre- diger am Münster und Professor der oriental. Sprachen am Gymnasium war, eine gründliche Vorbildung für die Universität. In Göttingen, wo er seit >770 Theologie studirte, gehörte er zu dem von Boje gegründeten Hainbünde (s. d.). Nachdem er dann kurze Zeit Leipzig besucht hatte, kehrte er 1773 nach Ulm zurück und wurde Vicar am Gymnasium, 178» Pfarrer zu Jungingen bei Ulm und im folgenden, Jahre Professor am Gymnasium zu > Ulm, wo er nun fortan in verschiedenen geistlichen Ämtern lebte und als Deka» und gcisi- ' licher Rath am 21. Juni 1813 starb. Großes Aufsehen machte gleich sein erster Roman „Siegwart, eine Klsstergeschichte" (2 Bdc, Ulm 1776 u. oft.), der durch Goethe's „Weither" veranlaßt, fast nur in der Schilderung weicher und schwärmerischer Gefühle besteht. So gelungen diese aber auch ist, so ganz fehlt es dagegen an wahrer Darstellung der Welt ! und an ffcharf gezeichneten Charakteren. Übrigens wurde die „Siegwart'sche Sentimen- talität" bald sprüchwörklich. M. selbst schrieb noch zahlreiche Romane in derselben Weise; doch beiweitem größer noch war die Zahl meist unberufener Nachahmer. Die Wirkung dieser Romane war namentlich im Bürgcrstande sehr bedeutend und andauernd. M.'s lyrische „Gedichte" (Ulm >783), darunter mehre geistliche Lieder, tragen bei großem Wohl- > laut denselben Charakter der Milde und Weiche wie seine Romane an sich. Seine „Pre- ! digten" (3 Bde., Lpz. 1776—83) athmen den Geist und das Gefühl echter Religiosität und Sittlichkeit, und zeichnen sich durch eine einfach-würdige und herzliche Form aus. Vgl. Prutz, „Der Göttinger Dichterbund" (Lpz. >831). Milleschauer, s. Donnersberg. MilleslMV, eine Stadt von > 360 E. im Herzogthum Montferrat in Sardinien, ist geschichtlich denkwürdig durch die Gefechte vom 13.—15. Apr. 1796, in welchen Vom- ^ parte die östr.-sardin. Armee unter Beaulieu vollständig besiegte. > Millevoye (Charl. Hubert), einer der anmuthigstcn franz. Dichter, geb. zu Abbe- l ville am 23. Dec. 1782, zeigte schon früh die entschiedensten Anlagen zur Poesie. Er studirte die Rechte, wendete sich aber dann dem Buchhandel zu. Alle seine Mußestunden waren der Poesie gewidmet. Ein leichtes Leben untergrub seine Gesundheit; er starb am 26. A»g. l >816. Von seinen Werken sind zu erwähnen seine „Ulsisirs cl'un peM«" (Par.' >8»l), ! sein schönes Lehrgedicht „I/amonr maternel", das beschreibende Gedicht „Uvlrimce <»> K pestk-. 813—16); später wurde dieselbe vervollständigt (3 Bde., Par. >827). Milliarde heißt die Summe von >066 Millionen, und Milliassedie von > »ov Milliarden. Millin (Aubin Louis), einer der gelehrtesten und geschmackvollsten Archäologen Frankreichs, geb. zu Paris am 19. Juli 1759, stammte aus der angesehenen Familie Millin de Erandmaison, machte seine Studien auf dem College Duplessis und war ursprünglich dem geistlichen Stande bestimmt. Er erhielt frühzeitig die Erlaubnis, als Volon- ; tair bei der königlichen Bibliothek einzutreten, und seine erste schriftstellerische Leistung waren die ,Melange» «io litteratnre etrangere" (6 Bde., Par. 1785—86), Übersetzung aus dem Deutschen und Englischen. Ein eifriger Anhänger der republikanischen Grundsätze, schrieb er den „eAmarmc repulilicain" für 1793 und mehre andere republikanische Schriften, die er jedoch nachmals nicht in das Verzeichniß seiner Schriften ausgenommen wissen wollte. Während der Schreckensrcgierung war er einige Zeit eingekcrkert und unter dem Direktorium verlor er durch Neduction der Renten sein Vermögen, sodaß er sich genöthigt sah, eine Stelle im Bureau des öffentlichen Unterrichts anzunehmen. Nachher wurde er Professor an der Centralschule des Departements der Seine, dann Professor der Alterkhü- r s r 8 3 1 e Z t ( ii <1 N g u ( 5 8 f h n 2 si st E n st ir ä v 8 3 ii 6 I -I d b o h d c k s 5 r ( r l Mikingen Millot 587 mer zu Paris, Mitglied der Akademie der Inschriften und nach dem Tode Barthelemy'S Conservateur des Antiken - und Medaillcncabinets der Rationalbibliothek. Unter der Kai- serrcgierung machte er zwei archäologische Reisen; die eine 1807 in das südliche Frankreich, die andere 1811 nach Italien. In lehterer Abwesenheit verbrannten ihm durch die Bosheit eines Dieners fast alle seine Sammlungen. Er starb zu Paris am >3.Aug. 18 l8. Durch das von ihm gegründete „iUug-rsii, mic^clnpecli^ne" (122 Bde., Par. 1792— 1816) und die „Lnnales enczciapöcki^ues" (12 Bde., Par. 1817 —18), durch das „lNctiommir« kies I)«-u»x arts" (3 Bde-, Par. 1806) und die „IHonumens sntiquos in- eüits" (2 Bde., Par. 1802—3, 3.) sehte er die Franzosen in Kenntttiß von den gründlichen Arbeiten der Deutsche»; um dicArchäologic aber machte er sich verdient durch seine „?ein- tures lies Vkises unlipnes" (Par. >808 — 10, Fol.) und die „Oslsrie m^lknlngicpie" (2 Bde., Par. 1811), und um die Kunstgeschichte durch seine „Voxsgs ilans los ckepurte- inens llu midi 807—1 1) und die „Listoire mötsllicpio lle I» revolution frun^." (Par. >806, 3.), die von Jam. Milling en (s. d.) fortgesetzt wurde. Seine Lehrbücher über Archäologie, Münzkunde, Gcmmenkunde und Mythologie geben, wenn sie auch nichts Neues enthalten, eine gute Übersicht dieser Zweige der Kunst und Wissenschaft. Interessant ist auch seine „Ooscription des tomliesux de <7»nosa" (Par. 1816, Fol.). Seine letzte Arbeit war die „Leseription d'une niosuicpie snticzue cln Aliisee ?io-6I«mentin ü Lome" (Par. 1819, Fol.). In den letzten Jahren ließ er seine Werke auf eigene Kosten drucken und besorgte selbst den Absatz derselben. Mit großer Gefälligkeit war er bereit, Fremden die ihm anvertrauten Schätze zu zeigen. Er war nie ver- hcirathet, und da er wenig Ursache hatte, mit seinen Verwandten zufrieden zu sein, sso vermachte -er den größten Theil seines Vermögens seiner Freundin, der Gräfin de Lassolais. Millingen (James), Archäolog, gcb. zu London 1775 aus einer Familie holländ. Abkunft, erhielt seine Bildung in der Schule zu Westminster und in Paris und gewann schon früh Neigung für die Denkmäler des Alterthums, weshalb er alle Staatsämter aus» schlug, zu welchen ihn sein Talentwolhätte bcrufenkönnen. Hauptsächlichseine schwächliche Gesundheit bestimmte ihn vorzugsweise, die südlichen Länder Europas zum Aufenthalt zu wählen und abwechselnd lebte er bald in Italien, bald in Frankreich oder in England. Er starb zu Florenz am l. Oct. 1835. Seine Forschungen galten dem klassischen Alterthume in seinem weitesten Umfange. Die Reihe seiner Schriften cröffnete ein „Recueil de me- didlles gree^nes ineditss" (Nom 1812, 3.), dem die „keintures nnticjnes inedites «io Vase» grecs" (Rom 1813, Fol., mit 63 Kpfrn.) und die „keintnres unticpies de vuses grecs de 1a collection öle Sir äobn <7og!iiII" (Rom 1817, Fol., mit 52 Kpfrn.) folgten. Von seinen nachfolgenden nicht minder wichtigen Schriften erwähnen wir die „Lncient inedited momimeuts ok greciun art, srom vsricnis collections principsil)- in 6reut Lri- tain" (2 Bde., Lond. 1623, 3); die „Lneient coins nk greelc cities und Icings" (Lond. 1831) und die Fortsetzung der von A. L. Millin (s. d.) begonnenen „Listoire metslliijue 6eIarevoIutionkrany."(Lond. 1818; Supplementband >822). — Sein Sohn, Jam. M., der als Sergeant in der Brigade des Lord Byron den griech. Freiheitskampf mitmachtc, bei der Einnahme von Navarin in die Hände Ibrahim Pascha'S fiel und erst nach einem Jahre durch Vermittelung des brit. Gesandten zu Konstantinopel seine Freiheit wieder erhielt, ist der Verfasser des interessanten „lllemnir nn tke uüuirs of <7reece" (Lond. 1831). Millot (Claude Franc. Lavier), ein franz. Historiker, aber von untergeordneter Bedeutung, gcb. am 5. März 1726 zuOrnans in der Frauche-Comtch trat nach beendeten Studien in den Orden der Jesuiten und wurde hierauf Professor der Rhetorik am Collegium dieser Congregation zu Lyon. Eine Rede zu Ehren Montesquieu's zog ihm den Haß seiner Obern zu, was ihn veranlaßte, seine Stelle aufzugeben, worauf ihn der Erzbischof Monkazet in Lyon zu seinem Vicar ernannte. Als Verfasser vielverbreitetcr historischer Lehrbücher auch dem Minister Felino in Parma bekan.pt geworden, erhielt er 1768 die Professur der Geschichte an einem Collegium für junge Adelige in Parma. Nachdem sein Gönner sich genöthigt gesehen hatte, zurückzutreten, kehrte auch er nach Frankreich zurück, wo er vom Hofe eine Pension von 3000 Livr. und 1777 in der Akademie eine Stelle erhielt und später Erzieher des Herzogs von Enghien wurde. Er starb am 21. März 1785. 588 Milman Milo von Kroton Als Historiker verdankt er seinen Ruhm dem einseitigen Urtheile seiner Zeit. Unter seinen Werken, denen ungeachtet ihrer großen Verbreitung jeder wissenschaftliche Gehalt abzusprechen ist, nennen wir die „lklemsns orcl ok tke brigtit cit^" erscheinen. Nicht unwichtig sind endlich seine geschichtlichen Werke „üistor^ ok tbeäews" und „Uistur^ok ckristisnit)- krom Ille birtü ok Olirist t» tbe abo- lition ok paguiiism in tbe roman empire". Milner (John), ein gelehrter und einflußreicher katholischer Theolog, geb. >752 in London, erhielt seine Bildung in dem Seminar zu Douai und wurde >779 als Pfarrer der Kapelle zu Winchester angestellt. Seine ersten literarischen Beschäftigungen waren besonders der kirchlichen Architektur zugewendet, und eine schätzbare Frucht dieser Studien war seine >798 erschienene Abhandlung über den modernen Stil in der Veränderung der Domkirchen. Gleichzeitig erschienen seine „Histor)- civil ancl ecclesiastical, nnöl survex ok tüe sntiyuities ok VVmclrestcr" (2 Bde., Lond. I79Z, 4.), der bald eine Abhandlung über die kirchliche Baukunst in England während des Mittelalters folgte. Später trat er mit Eifer in die polemische Laufbahn als Verfechter der Ansprüche der brik. Katholiken auf Rechtsgleichheit, zuerst in „Oase ok eonscience solvecl, vr tlie cstliolic claims proveä to be cnmpatible witb tke coronation oalü" (Lond. >801). Im I >803 wurde er apostolischer Vicar für den sogenannten mittelländ. District und Titularbischof von Castabala. In den I. 1807 und 1808 bereiste er Irland, um die gegen die irischen Katholiken vorgebrachten Beschuldigungen zu untersuchen. Das Ergebniß seiner Beobachtungen gab er in dem interessanten „lilHuir)- inio certsio vulgär opinions conceliiing tlie catkolic inbabitants, anck tüe aoticjuities ok Irelsnck" (Lond. 1808). Um diese Zeit wählte ihn die irische katholische Geistlichkeit zu ihrem Geschäftsführer und im I. 1814 bewog ihn sein Eifer für die Interessen seiner Kirche in den brit. Inseln eine Reise nach Rom zu machen. In seiner Schrift „DIis enkreligiös cnntrovers^" (Lond. 1818) suchteer diejenigen Satzungen des katholischen Glaubens, die den Protestanten besonders anstößig sind, in ein günstiges Licht zu stellen. Er starb > 826. Milo, s. Melos. Milo Von Kroton» ein durch seine beispiellose Körperstärke berühmter Athlet, lebte nach Herodot um 520 v. Ehr. zur Zeit des Darius Hystaspis. Er gab viele Beweise seiner fast übermenschlichen Kraft, von denen das Alterthum, wol mit einiger Übertreibung, namentlich zwei hervorhebt, indem er einmal einen lebendigen Stier zu Olympia auf den Schultern durch die Rennbahn trug und an demselben Tage auch noch allein verzehrte, ein Milo (Titus Auilius) Milosch Obrenowitsch 58ü andermal den Einsturz des Gebäudes, in welchem Pythagoras mit seinen Schülern versammelt war, dadurch verhinderte, daß er die Hauptsäule ergriff und das Ganze so lange zusammenhielt, bis sich Alle gerettet hatten. In Folge des allzu großen Vertrauens auf seine Stärke fand er aber auch sein Ende, als er einst beim Spaziergange in einem Walde einen starken Baumstamm, den man mit Keilen zu spalten vergebens versucht hatte, auseinan- derreißcn wollte, dabei aber die Hände sich einklcmmte und so im hülfloscn Zustande eine Beute wilder Thiere wurde. Diese Todesart ist später in das Märchen vom undankbaren Zwerge übergegangen. Milo (Titus Annius), der leibliche Sohn des Casus Papius Celsus und der Annia und von deren Vater Titus Annius Luscus adoptirt, war in der kleinen lat. Stadt Lanu- vium geboren, wo er nachmals die Würde eines Diktators bekleidete. Seine Feindschaft mit Clodius (s. d.), die Rom zum Schauplatz wilder Kämpfe der Fcchterbanden machte, die Beide unterhielten, begann im I. 87 v. Chr,, wo M. als Volkstribun für Pompcjus und für Cicers's Zurückberufung auftrat. Nach des Clodius Ermordung im I. 52 verur- theilt, ging M., den Cicero vergebens vertheidigt hatte, ins Exil nach Massilien, und Cäsar vergönnte ihm im I. 49 nicht, wie andern Verbannten, die Rückkehr. Dadurch erbittert, folgte er im Z. 48 dem Rufe des Marcus Cälius, der von dem Senate, weil er die Schuld- gcsetze Cäsar's während dessen Abwesenheit umgestürzt hatte, der Prätur entsetzt worden war. Mit einer Schar, die er in Campanien gebildet, belagerte er ein Castell Caffanum bei Thurii in Lucanien und wurde dabei getödtet, wie bald nachher Cälius selbst vorThurii. Miloradowitsch (Michail Andrejewitsch, Graf), russ. General der Infanterie, gcb. 1770, stammte aus einer altruss. adeligen Familie und fand frühzeitig Gelegenheit, unter Suworow's Fahnen, den er auf seinen Feldzügen in Italien und der Schweiz begleitete, sein militairisches Talent auszubilden. Schon damals legte er die glänzendsten Beweise seiner Unerschrockenheit und Tapferkeit ab. In dem Feldzuge von >805 zeichnete er sich bei Ems, Krems und Austerlitz aus; >806 und 1807 focht er bei Bukarest und Schur- sha und im türk. Feldzuge von >809 bei Nassewat. Im russ.-franz. Kriege von 1812 nahm er Theil an der blutigen Schlacht von Borodino. Als Befehlshaber dcr Arrieregarde behauptete er sich während des Rückzugs der Armee mit glänzendem Erfolge gegen die feindlichen Überfälle. Gemeinschaftlich mit dem General Bcnningsen schlug er die Franzosen am 18. Oct. 1812 bei Tarutino und am 24. Oct. unter Kutusow's Oberbefehl bei Malojaroslawez. Ebenso schlug er als Befehlshaber der Avantgarde der Armee des Fcld- marschalls Kutusow die Franzosen auf ihrem Rückzüge bei Wjäsma, Dorogobush und Krasnoi. Am 8. Febr. >813 besetzte er Warschau. Im I. 1813 führte er das Commando einer russ. Heeresabtheilung, mit der er während der Schlacht bei Lützen die linke Flanke der Verbündeten deckte. Als Commandant der russ Arrieregardc hatte er sodann die Gefechte bei Rochlitz, Dresden, Fischbach, Bischofswerda und am Kapellenberge zu bestehen. Hierauf zum Grafen erhoben, führte er in der Schlacht bei Bautzen die Avantgarde. Nach dem Waffenstillstände erhielt er unter dem Großfürsten Konstantin das Commando der russ- prenß. Garden und Reserven, mit denen er an den Schlachten bei Kulm und Leipzig wesentlichen Anthcil nahm und die er auch nach Paris führte. Nach dem Frieden wurde er vom Kaiser Alexander, der ihn seiner militairischen Verdienste, seiner Kenntnisse und seines Charakters wegen sehr hoch schätzte, auf mehrfache Weise ausgezeichnet und 1818 zum Militairgou- verncur von Petersburg erhoben. Als solcher fiel er in dem Aufstande am 20. Dec. 1825 als ein Opfer des Muthes, mit welchem er den Empörern entgegentrat. Sein Grab auf dem Friedhofe des Alexandcr-Newskischen Klosters ziert ein Denkmal. Milosch Obrenowitsch, ehemaliger Fürst von Serbien, ist um 1780 in dem Dorfe Dobrinje in Serbien geboren, wo sein Vater Tescho als Tagelöhner lebte. Seine Mutter hieß Wischinja und war vorher an einen gewissen Obren verheirathet gewesen. Nach dem ebenfalls frühzeitigen Tode seines Vaters mußte er mit seinen beiden Brüdern, Jowan und Jefrem, durch Viehhüten seinen Unterhalt gewinnen. Später diente er als Knecht bei seinem Stiefbruder Milan Obrenowitsch, einem wohlhabenden Viehhändler, der bei dem ersten Aufstande der Serben im I. 1801 in mehren Bezirken zum Befehlshaber gewählt wurde. Da M. schon in diesem Ausstande große Tapferkeit und Entschlossenheit entwickelte, 590 Milosch Obreuowitsch übertrug ihm sein Stiefbruder, der weniger Fähigkeit zur Kriegführung fühlte, statt seiner das Commando. An der Spitze eines Hcerhaufcns that sich M. nun unter dem Oberbefehle Georg Czerny's (s. d.), der ihn zum Woywoden ernannt hatte, in allen Gefechten hervor. Als sein Stiefbruder Milan, der eine wichtige Stelle unter den Häuptern des Volks einnahm, als Unterhändler 1810 in das russ. Hauptquartier geschickt wurde, vertrat M. seine Stelle, und als Jener, vielleicht durch Czerny vergiftet, nicht wieder zurückkehrte, behielt M. die Stelle und nahm nun den Namen Obrenvwitsch an. Wegen einer Zurücksetzung, die er 18 ll von Czerny erfuhr, kam er mit diesem in offenes Zerwürfniß, das m» deshalb nicht schlimmere Folgen für ihn hatte, weil er schon in zu großem Ansehen stand, ! als daß man ihm hätte Gewalt anthun können. Als in Folge der Niederlagen, die die Ser- bier 1813 erlitten, allgemeine Entmuthigung sich Aller bemächtigte und selbst Czerny, an jedem Erfolg verzweifelnd, nach Ostreich sich flüchtete, war es M-, der, durch kein MiSge- schick cntmuthigt, am längsten unermüdlich thätigen Widerstand leistete, unter Anderm I? Tage lang den Flecken Rawani tapfer vertheidigte und, als endlich jeder Widerstand frucht- I los zu sein schien, nicht sein Vaterland verließ, sondern durch Unterhandlungen eine ehrenvolle Stellung sich und seinen Anhängern zu sichern wußte. Er erlangte eine allgemeine Amnestie und wurde zum Oberknees der Bezirke Poschega, Kragujevah und Nudmk ernannt. Anfangs wirkte er dahin, die Ruhe im Lande zu erhalten, allein als die Türken die alten Ecwaltthatcn und Bedrückungen mit verdoppeltem Übermuthe wieder begannen und § sogar M. nicht mehr sicher war, stellteer sich selbst 1815 an die Spitze des Aufstandes. Anfangs zwar nicht überall glücklich, gelang es ihm doch endlich, die Türken aus dem Innern des Landes zu vertreiben, sodaß sie sich zu Unterhandlungen verstehen mußten, die de» l Abschluß des Friedens mit seinen günstigen Folgen für Serbien (s. d.) im I. 18l« zur ! Folge hatten. M. wurde darin von den Türken als Oberhaupt der Serben factisch aner- , kannt und am 6. Nov. 1817 von den Knesen und der hohen Geistlichkeit seines Volks zum ^ erblichen Fürsten Serbiens erwählt. Lange hatte er in seiner neuen Stellung mit Aufstau- ' den, Umtrieben und Verschwörungen aller Art, die seine Feinde, besonders unter den Km- . sen, gegen ihn anzettclten, zu kämpfen, wobei ihm sein Bestreben, sich sowol von Rußland als von der Pforte unabhängig zu erhalten und den Frieden zu wahren, um den Zustand des ausgesogcnen und zerrütteten Landes zu verbessern, vielfache Schwierigkeiten erzeugte. Erst durch die Bestimmungen des Vertrags von Akjerman im 1.1826 hinsichtlich Ser- f biens und durch die neue Wahl zum erblichen Fürsten durch die Volksversammlung zu Kra- i gujevatz im 1.1827 wurde seine Macht in Serbien völlig consolidirt. In Folge derBestim- mungcn im Frieden zu Adrianopcl im I. 182V verbürgte der Sultan > 830 die Unabhängigkeit Serbiens und bestätigte zugleich M. als erblichen Fürsten. M. ließ bereits am 3-Fcbr. 1830 die Vorsteher der Districte, die Richter und Geistlichen zu einer Nationalversammlung nach Kragujevaß berufen und eine Commission ernennen, welche unter stimm Vorsitze eine Verfassung für Serbien entwerfen sollte; allein es schien nicht, als sollte ein Ergebniß daraus hervorgehen. Während nun M. auf der einen Seite die Häuptlinge des Volks dadurch gegen sich aufbrachte, daß er ihren eigennützigen aristokratischen Bestrebungen entgcgcntrar, machte er sich auf der andern Seite auch beim eigentlichen Volke viele Feinde, indem er, bei dem Mangel an aller höhern Bildung des Charakters und des Geistes, durch das Glück übcrmüthig geworden, eine drückende Tyrannei und rohe Härte entwickelte, welche durch den Luxus und die monarchischen Formen, mit denen er sich umgab, sowie durch seine mannichfaltigen Maßregeln zur Hebung der Cultur des Landes nicht ver- f deckt werden konnte. So konnten Wuksitsch, Petroniewitsch, Protitsch und Simirsch und andere Häuptlinge im I. 1835 es wagen, die Fahne des Aufruhrs zu erheben. Das Mis- ^ vergnügen unter dem Volke war so groß, daß M., obgleich der Aufstand unterdrückt wurde, es doch nicht wagen durfte, die Empörer zu bestrafen, vielmehr versprechen mußte, dem Lande eine Verfassung zu geben, was nun auch auf der am 10. Fcbr. > 835 zusammenbe- rufencn Volksversammlung geschah. Zu liberal wurde sic auf Anregung Rußlands und ^ Ostreichs von der Pforte verworfen und von dieser dem Lande eine andere politische Einrichtung in Aussicht gestellt. Zwar ging M. gegen Ende des I. i 835 nach Konstantinopel, doch eine Änderung vermochte er nicht hervorzubringen. Als endlich 1838 der Hatlischerif Milreis Miltitz 501 mit den versprochenen politische» Einrichtungen erschien und von M. angenommen und ansgeführt wurde, war dadurch sein Unheil gesprochen; denn die Einrichtung eines aristokratischen Senats gab alle Macht so sehr in die Hände der M. feindseligen Häuptlinge, daß er sich ihm gegenüber nicht zu halten vermochte, um so weniger, als er durch sein sinnliches Leben zum Theil mit seiner eigenen Familie, insbesondere mit seiner Frau, zerfallen war, und durch sein fortgesetztes despotisches Wesen und seine habsüchtigen Bedrückungen die Gemüther des Volks sich entfremdet hatte. So kam cs denn, daß er der 1839 gegen ihn ausbrechendcn Bewegung nicht widerstehen konnte. Er wurde gezwungen, die Regierung, die auf seinen Sohn Michael Obrenowitsch überging, niederzulegen undaus Serbien verbannt. Seitdem lebte er anfangs eine Zeit lang auf seinen Gütern in der Walachei, später in Wien, das er zu seinem bleibenden Wohnort auscrschen zu haben scheint, und auf Reisen. Die Versuche, die er seit seiner Entsetzung und besonders nach derVertrei- bung seines Sohnes im I. 1843 machte, um seine Wiedereinsetzung in Serbien zu bewirken, hatten, obschon sie ihm große Summen kosteten, keine andern Erfolge, als partielle Aufstände, die fehlschlugen und viel Unglück über ihre Thcilnehmer brachten. (S. Serbien.) Milreis, ursprünglich eine portug. Ncchnungsmünze, ist in Folge des Gesetzes vom 2 t. Apr. 1835 auch eine Münzeinheit geworden durch Prägung der Coröa oder Krone zu 1000 Reis, von denen-7,89352 Stück auf die kölner Mark Brutto Münzsilber gehen ,.nd das Stück I Thlr. >9 Ngr. Courant wcrch ist. — Ein Conto Rei'S sind eine Million Reis oder 1000 Milreis, ungefähr 1028 Thlr. Courant. Miltiädcs, ein ausgezeichneter athen. Feldherr um 500 v. Chr., erwarb sich namentlich bei dem zweiten feindlichen Einfall, den die Perser unter Anführung des Datis und Artaphernes nach Griechenland machten, einen bleibenden Ruhm, indem er mit einer kleinen Schar tapferer Athener und unterstützt von >000 Platäensern am 29. Sept. 390 v. Chr. in den Ebenen von Marathon (s. d.) über die weit überlegene Macht der Perser den glänzenden Sieg erfocht, der die Griechen für die heldenmüthige Vertheidigung ihres Vaterlandes und ihrer Freiheit in den bald darauf folgenden Kämpfen begeisterte. Doch ließen ihn der Neid und die Verfolgung seiner Gegner die Ehre dieses Siegs nicht lange genießen; denn als er bald nach jenem Unternehmen auch die zu den Persern abgc- sallenen Inseln des Ägeischcn Meeres bestrafen und wieder unterwerfen wollte und für diesen Zweck eine Flotte von 70 Segeln von den Athenern erhalten hatte, seine Belagerung von Parvs aber völlig mislungcn war, so ergriff die Gegenpartei diese Gelegenheit, ihn bei seiner Rückkehr zu einer bedeutenden Geldstrafe als Ersatz der Kosten zu verurtheilcn, die, da er selbst an den Wunden im Gefängnisse starb, sein ebenso berühmter Sohn Ci- mo n(s. d.) nach des Vaters Tode entrichten mußte. Nach seinem Lode leiteten Themi- stokles (s. d.) und Aristides (s. d.) vorzugsweise das Schicksal Athens. Einen Abriß seines Lebens verdanken wir dem Cornelius Ncpos. Miltitz (KarlBorromäus Alex. Stephan von), Componist und Dichter, geb. am 9. Nov. 1781 zu Dresden, zeigte früh eine hcrvortretcnde Neigung für Musik und Poesie, die so sorgfältig gepflegt wurde, daß er schon im elftenJahrc nicht nur fertig Clavier spielte, sondern auch zu componiren und zu dichten begann. JmJ. 1798 trat er in die sächs. Armee, kam dann zur Garde du Corps in Dresden und wurde später Hauptmann bei der Schwci- zergarde. Die reichliche Muße, die ihm sein Dicnstvcrhältniß gewährte, benutzte er thcils zum Studium der franz. und ital. Literatur, theils zu geschichtlichen und poetischen Arbeiten, hauptsächlich aber zu musikalischen Beschäftigungen. Tiefere Einsicht in letztere Kunst und Anleitung bei den eigenen Compositionen gewährten ihm besonders Weinlig in Dresden und Rochlih in Leipzig. Im Z. 18l 1 nahm er seinen Abschied und zog mit seiner Gattin auf das Gut Scharfenberg bei Meißen, welches seinem Verwandten, dem preuß. Generallieuteuant Dietrich von Miltitz auf Sicbeneichcn, gehört. Den Freiheitskrieg machte er als Offizier in östr. Diensten mit. Im I. 1820 unternahm er hauptsächlich aus Liebe zur Musik eine längere Reise nach Italien. Nachdem 1823 seine Gemahlin Ober- hofnieisterin der Prinzessin Johann geworden, erhielt auch er 1824 die Oberhofmeistcr- stelle bei dem Prinzen Johann. Seitdem lebte er mit wenigen Unterbrechungen in Dres- den, fortwährend den schönen Künsten mit Liebe und lhätiger Theilnahme zugewendet. Er Hs 592 Milton ftarb daselbst am 19. Jan. 1845. Von seinen Compositionen wurden bekannt eine Messe in 6moII, eine Ouvertüre (1830), die den Geist der Ossian'schen Gesänge in Tönen wieder- zugeben sucht, die Opern „Saul" (1833) und „Georg Czerny" (1839), welche letztere rein recitativisch und fast nur mit Begleitung des Pianoforte, der Bässe und Celli geschrieben ist. Als Dichter trat er zuerst selbständig auf mit einer Sammlung von Enrh- lungen, „Ausstellungen" (2 Bdchen., Erf. >819-20), denen als Frucht seiner ital, Reise die „Orangenblüten" (3 Bde-, Lpz. 1822—25), dann seine „Gesammelten Erzählungen" (4 Bde., Lpz. 1825—28) und zahlreiche Novellen in Zeitschriften und Taschenbüchern folgten. — Sein Bruder, Alex, vonM., preuß. Kammerherr und früher Gesandter in Konstantinopel, geb. 1785 in Dessau, trat 1798 auf kurze Zeit in östr. Kriegsdienste und machte dann, bis 1807, große Reisen durch Europa und Amerika. Durch seine Schrift zur Zeit des wiener Congresses „Was darf von seinen Fürsten und Völkern Deutschland jetzt hoffen, Europa erwarten?" eröffnete er sich die diplomatische Laufbahn, von der er jedoch wegen seines Verhaltens bei den Verhandlungen über die griech. Frage 1828 abbe- rufen wurde. Als ein gediegen-praktisches Werk gilt sein „lVlunuel des consuls" (2 Bde., Par. und Lond. 1837—38). Miltoil (John), einer der größten engl. Dichter, wurde in London am 9. Dec. MS geboren. Durch seinen Vater, einen Notar, der wegen seines Übertrittes zur protcstantischrii Kirche von seinen katholischen Altern enterbt worden, und ein ernster, strenger Mann war, erhielt er eine ausgezeichnete Erziehung. Er besuchte die Universität zu Cambridge, wo er von 1625—32 verweilte. Obgleich für die Kirche bestimmt, konnte er sich doch nicht entschliefe», den von den Geistlichen verlangten Neligionseid zu leisten und kehrte daher zu seinem Rater zurück, aus dessen Landgutc in Buckinghamshire er nun fünf Jahre verlebte. Schon OM hatte er eine „v^mn on tbsnntivit>" geschrieben, die große Talente verrieth; um dieselbe Zeit entstanden wahrscheinlich auch schon seine beschreibenden Gedichte „v'-dlegro" (der Fröhliche) und „II pensoroso" (der Schwermüthige), die aber erst > 6-15 in den „äuvemle pnems" in Druck erschienen. In des Vaters Hause schrieb er die Masken ,,-^rcsde-" und „dloinus" (1637) und das Gedicht „I^cidas", eine Klage über den Tod eines Freundet. In den I. 1638 und 1639 bereiste er Frankreich und Italien; er sah Florenz, Ronnmd Neapel pnd wurde überall ehrenvoll ausgenommen. Nach seiner Rückkehr gründete er in London eine Erziehungsanstalt; gleichzeitig begann er sich in alle religiösen und politischen Streitfragen einzumischen und erlangte bald ein bedeutendes Ansehen. Er schrieb Abhandlungen über Kirchenverwaltung, über Ehe und Ehescheidung (veranlaßt durch seine >615 geschloffene unglückliche erste Ehe), über Erziehung (1644) und über Preßfreiheit („--lreo- pagitica", 1644), vertheidigte dieHinrichtung Karl's I. (,,'1'ke teniireok Kings rmdmsgi- strntes, 1649), widerlegte die Karl I. zugeschriebene Schrift „Ikon basilike" in dem „Ica- noclsstes", und bekämpfte des Salmasius „vetensio regis" in der berühmten „velenü» pro pnpuio snglicano" (1651), der er 1654 noch eine „vetensio seciinda" und >655 eine „vetensio pro se" folgen ließ. Zur Belohnung ernannte ihn Cromwell 16 19 znm Geheimschreiben des Staatsraths für die lat. Ausfertigungen; auch erkannte ihm das Parlament für seine „vetensio" eine Belohnung von >000 Pfd. Sterl. zu. Obwol seit >652 unheilbar erblindet, ließ er doch seine Feder nicht ruhen und bekämpfte nach Cromwell's Tode die ermuthigten Anhänger des Königthums in den Schriften „vpon tke model ot coinmonvvealtli" und „Read)- and es»)- rv»)- to estsblisü a free coinmonrvesltli". Bei der Wiederherstellung des Königthums wurden zwar seine „vekensio" und sein „Iconocla- sles" von Henkershand verbrannt, er selbst aber blieb ungekränkt und wendete sich nun wieder der Dichtung zu. Bereits 57 Jahre alt vollendete er 1665 sein berühmtes Gedicht „He parsdise lost", für welches er erst nach zwei Jahren einen Verleger fand, der ihm 10 Pfd. Sterl. zahlte! (erste Ausg., Lond. 1667, 4.; deutsch vonBodmer, Zur. >732; von Bürde, Braunschw. 1793 und Bresl. 182.3; und von Kottenkamp, 2. Aust-, Pftrzh- 1842). Unwahr ist die Angabe, daß dieses Gedicht lange Zeit vernachlässigt worden sei, ehe cs sich habe Bahn brechen können, denn bereits in den ersten elf Jahren waren über 3000 Abdrücke verkauft. Dasselbe ist mehr dramatisch als episch angelegt und empfiehlt sich durch Schönheit, Kraft und Adel der Sprache und herrliche Schilderungen, unter denen s 593 Milutinowltsch Milz die des Satans und der gefallenen Engel einerseits, und die von Adam und Eva andererseits obenan stehen. Im I. >671 ließ M. das ,,?»rinlis« rs^inecl" folgen, das bei großen Schönheiten doch dem „karullise I»st" nachsteht. Sein Trauerspiel „8»msoi> uFoniste;", das zu gleicher Zeit erschien, ist als Trauerspiel verfehlt. Auch einige prosaische Schriften erschienen noch von ihm, die aber nicht von Bedeutung sind. Er starb am 8. Nov. >674. Freundlich und wohlwollend im geselligen Verkehr, war er um so heftiger im Streite. Seine Werke sind wiederholt gesammelt; die dichterischen von Th. Newton (4 Bde., Lond. 4 761), Hawkins (4 Bde., Lond. 1824) und Todd (neueste Aust-, 4 Bde., Lond. 1842); die prosaische» vonFletcher (Lond. 1833) und die sämmtlichen Werke ebenfalls von Fletcher (Lond. 1834 und 1838). Eine Lebensbeschreibung von ihm lieferten Hayley (Lond. 179«;) und Jvimcy (Lond. 1833). Eine deutsche Übersetzung der „Sämmtlichen dichterischen Werke" begann A. Böttger (Lief. 1 und 2, Lpz. 1843). Die Echtheit von M.'s 1825 in der Handschrift aufgefundenem Werke „ve äoctrins cbristiana" (herausgegeben von Sumncr, Lond. 1826; abgedruckt Lpz. 1827) ist vielfach in Zweifel gezogen worden. Milutinowitfch (Simeon), serbischer Dichter, wurde am 3. Oct. 1791 alten Stils zu Sarajewo in Bosnien geboren, wo sein Vater Kaufmann war. Nur mühsam und unter vielen Beschwerden erwarb er sich in Belgrad, wohin seine Altern vor der Pest geflohen waren, und auf dem Gymnasium zu Karlowicz einige Bildung. Von der letzten Anstalt verwiesen, erhielt er 1866 eine Schreiberstelle bei der Staatskanzlei zu Belgrad, die er bis 1813 versah. Während des darauf eintretendcn Aufstandes der Serbier irrte er meist unstät umher; bald war er Schreiber des serb. Bischofs, bald unter versprengten Scharen, endlich wurde er sogar Gärtnergehülfe bei einem Türken in Widdin. Nach Belgrad zurückgekehrt, übernahm er eine Zeit lang eine Stelle bei dem Bruder des Fürsten Milosch; dann reiste er nach Bessarabien, um seine Altern wiederzusehen. Die walachisch - griech. Unruhen, die indessen ausgebrochen waren, verhinderten seine Rück-, kehr nach Serbien; er mußte bleiben und im Genüsse einer Unterstützung von Seiten des russ. Kaiser- widmete er sich nun den Musen. Damals dichtete er seine „8erki Unzen; die Farbe ist gewöhnlich dunkelroth. Aula,,- gend die Bestimmung der Milz, so gibt es viele Meinungen darüber, aber durchaus noch keine hinreichenden Beweise für die Nichtigkeit einer derselben. Mit Sicherheit kann man nur annehmen, daß die Milz einen Einfluß auf die Verdauung ausübe. Unter den rätselhaften und noch nicht erforschten Krankheiten der Milz ist dieMilzentzündung (liemtü) fast die einzige, welche feste Stützpunkte für die Behandlung darbietet. Die Meinung, daß die Verrichtung der Milz eine sehr untergeordnete, zum Leben nicht durchaus nokhwen- dige sei, scheint allerdings dadurch ihre Bestätigung zu finden, daß dieses Organ beim Embryo sich erst ziemlich spät entwickelt, daß es nur bei den Wirbelthieren gefunden wird und daß man eS oft schon bei Thiercn gänzlich exstirpirt hat, ohne daß bedeutendere Störungen in den Functionen der Unterleibseingewcide darauf folgten. Vgl. Heusinger, .,Über den Bau und die Verrichtung der Milz" (Eisenach >817), und Giesker, „Anatomisch-phy- siologische Untersuchungen über die Milz des Menschen" (Zür. 18.35). Milzbrand oder Milzseuche ist eine höchst gefährliche Krankheit, besonders des Rindviehs. Sie charakterisiert sich durch eine eigenthümliche Veränderung der Blutmasse mit auffallender Neigung zum Brande einzelner Gebilde, außerdem aber durch eine große Veränderlichkeit ihrer Symptome und kommt vorzugsweise in der heißen Jahreszeit und in sumpfigen Gegenden vor, weshalb sie auch den Namen Sommerseuche und Sumpf- fieber erhalten hat. Sie befällt vorzugsweise die am besten genährten und kräftigsten Thiere und tödtet in der Regel schnell. Durch innige Berührung wird sie für alle Thiere ohne Ausnahme ansteckend und unter gewissen Umständen selbst dem Menschen gefährlich. Die Erscheinungen, unter denen sich der Milzbrand darstellt, sind sehr mannichfaltig; doch unterscheidet man bciNindern hauptsächlich drei Formen desselben: densehr schnellver- lanfenden Milzbrand, bei welchem die Thiere meist plötzlich todt zu Boden stürzen; den langsamer verlaufenden Milzbrand, der gewöhnlich 24 Stunden, oft aber auch acht Tage und länger dauert, ehe der Tod erfolgt; und den Brand, bei welchem sich Knoten und Beulen bilden, und der deshalb auch Knotenkrankheit, Karbunkelkran kheit, Beulensucht genannt wird. Ein der letzten Krankheitsform nahe ver- wandtesLeidcn ist derZungenkrebs oder die milzbrandigeMaulseuche der Rinder. Bei Pferden, Schafen und andern Thieren ist der Milzbrand in den Erscheinungen anders gestaltet als bei den Rindern. Pferde beginnen gleich im Anfänge der Krankheit heftig zu fiebern und fallen gewöhnlich binnen acht Tagen. Schafe, bei denen der Milzbrand unter der Benennung Blutsenche, Blutstaupe oder Blutkrankheit vorkommt, bleiben plötz- > lieh wie erstarrt stehen, verfallen in Zuckungen und sterben unter typhösen Erscheinungen. Wesentlich kragen zur Entstehung des Milzbrandes bei anhaltende Dürre mit abwechselnd ^ schwülen und kalten Tagen, das Weiden auf überschwemmt gewesenen Triften, der Genuß , verschlämmten und verdorbenen, mit Mehs.» oder Honigthau verunreinigten Futters, sowie gährenden, faulenden Wassers, plötzliche Änderung der Fütterung und Mangel an reinem Wasser. Ist die Krankheit ausgebrochen, so müssen die erkrankten Thiere von den gesunden getrennt, abgesondert von eigenen Wärtern gepflegt und, wenn sie gefallen sind, nebst Allem, waS etwa mit ihren Auswurfsstsffen beschmuzt ist, sorgfältig vergraben werden. Die gesunden Thiere aber müssen gesundes Futter, reines und gesalzenes Wasser erhalten, auf andere Weiden, auch ein - oder zweimal täglich ins Wasser gebracht werden. In neuester Zeit heilt man den Milzbrand bei Rindvieh und Schafen mitBrechweinstein, dem man gepsllvertc Althcewurzel undTerpcnthjnöl zufügt, auch durch Anthracin in homöopathischer , Weise. DcrGenuß desFleisches des am Milzbrände gefallenen Viehes hat tödtliche Folgen. j Menschen, welche mit milzbrandigen Thieren umzugehen haben, müssen sehr vorsichtig sein, um nicht angesteckt zu werden. Milzen oder Milzene n heißen die in dem gleichnamigen Gaue der Oberlausitz bis ^ nach Görlitz hin seßhaften slaw. Bewohner, die 92S vom Könige Heinrich l. unterworfen , und tributpflichtig gemacht wurden. Schon 1002 wurde die Gegend wieder von dem Mimen Mimnernurs 595 Herzoge Doleslaw erobert, und Polen behauptete sich nun im Besitze derselben, bis Kaiser Ksnrad II. im I. I «32 sie auf immer mit Deutschland verband. Mimen nannten die Alten im Allgemeinen kleine Dramen oder dramatische Spiele, die, ohne kunstgomäße Ausbildung, zunächst den Zweck hatten, eine poetische Schilderung der Wirklichkeit zu geben, oft nur aus einzelnen, namentlich komischen Scenen, zuweilen mit improvisirtem Dialog, bestanden und vorzugsweise bei heitern Gastmählern vorgestellt wurden. Besonders aber versteht man darunter eine vom Syrakusaner Sophron, um 420 v. Ehr., und dessen Sohn Lenarchvs ausgebildete dramatische Dichtungsart, welche dialo- gisirte Lebensgemälde oder Darstellungen menschlicher Sitten und Leidenschaften bald in ernster bald in komischer Weise enthielt und zwar nur in dorischer Prosa, aber mit gewissen rhythmischen Abschnitten verfaßt war. Diese Mimen des Sophron, die der Philosoph Platon eifrig studirte, blieben nicht ohne Einfluß auf den Sokratischcn Dialog und fanden bei Theokrit (s. d.) Nachahmung, namentlich in dessen „Adoniazuscn". Bei den Römern waren die Mimen ursprünglich planlose Possensm'ele, welche durch Ausgelassenheit und schonungslosen Scherz dasVolk belustigten; erst nach und nach wurden sie kunstgerecht bearbeitet und durch Monologe und Dialoge ergänzt In der Verfertigung solcher Mimen zeichneten sich bei den Römern vorzüglich aus Decimus Labcri u^ (s. d.) und sein Zeitgenosse Publius Syrus (s.d.). Nicht nur die Künstler, welche solche Mimen aufführten, sondern auch die Schauspieler überhaupt, die besonders niedrig-komische Charaktere durch Declamation und Gebcrden darstellten, hießen ebenfalls Mimen und unterschieden sich von den P anto- mimen ss. d.) dadurch, daß diese die Gedanken, Empfindungen und Handlungen nur durch Geberdenspiel ausdrückten. Die Verfasser oder Dichter der Mimen aber nannte man Mimographen. Vgl. Ziegler, „De mimls Rom-mornm" (Gött. I78N). Mimik ist die Kunst, durch Mienen (s. d.) und Geberden die Zustände des Ge- müths zusammenhängend und mannichfaltig auszudrücken. Sie ist in gewissem Umfange s dem Redner wichtig und unentbehrlich (s. Declamation); ihren größten Wirkungskreis aber erhält sie bei der Darstellung der dramatischen Poesie. Hier macht sie einen Haupt- bestandtheil der Schauspielkunst im engern Sinne aus, sowie sie im weitern Sinne oft auch ! Schauspielkunst deshalb genannt worden ist, weil sie das Auge zunächst beschäftigt und sich meist auf der Schaubühne zeigt. (S. A ction.) Eine selbständige, aber in Hinsicht ihres Inhalts beschränktere Art der Mimik ist die Pantomimik. (S. Pantomime.) Die Mimik der Griechen war im eigentlichen Sinne plastisch, die der Neuern ist mehr malerisch. Ihre Mimik diente nämlich, wie die der Römer, zur Veranschaulichung der abgeschlossenen, selbständigen Gestalt, wobei die Individualität des Darstellers, namentlich auch durch den Gebrauch der Masken, möglichst unterdrückt wurde. Übrigens war dieselbe mit Declamation und Musik auf der einen und mit Tanzkunst auf der andern Seite eng verbunden. Die Römer hatten die ausgezeichnetsten Mimen; vor Allen war Noseins (s. d.) berühmt. , Selbst noch gegenwärtig haben die Italiener ein ausgezeichnetes mimisches Talent, welches sich hauptsächlich in der Buffonerie ihrer theatralischen Komiker zeigt. In der neuern Zeit war überhaupt das Ziel der Mimik, die sich als Kunst größtentheils auf die Bühne beschränkte, die möglichst ausgeführte subjective Charakteristik, welche einige Zeit lang durch die bürgerlichen Familiengemälde sehr unterstützt wurde. Vgl. Engel, „Ideen zu einer Mimik" (2 Bde-, Berl. 1785) und über die Mimik des Redners insbesondere Cludius, „Grundriß der körperlichen Bcredtsamkeil" (Hamb. 1702). Mimnermus, ein berühmter griech. lyrischer Dichter, lebte um 63« v.Chr., als der ältere Zeitgenosse Solon's. Im Flötenspiele sehr erfahren, liebte er die darin ebenfalls ! ausgezeichnete scköne Nanno, jedoch ohne günstigen Erfolg, daher er seinen tiefen Schmerz darüber in einer Reihe von Elegien auszudrücken suchte, die eine schwcrmüthigeBetrachtung des menschlichen Lebens enthalten, dabei aber nicht frei sind von üppiger Weichheit. Die noch vorhandenen nicht unbedeutenden Bruchstücke dieser erotischen Elegien, die in zwei 1 Bücher gethcilt den Namen der Nanno selbst als Aufschrift führten, sind in den Samm- > lungen von Brunck, GaiSford und Boissonade, zuletzt von Schncidewin im „velectus >,««- tarum eleFiacorum grsec." (Gött. 1838) zusammengestellt und erläutert, von N. Bach 38 " 5M Mimosa sensitiv« Mina (Don Francisco ESpoz y) (Lp;. 1826) besonders herausgegeben und von Herder indessen „Zerstreuten Blättern", sowiewon Weber in den „Elegischen Dichtern der Hellenen" (Franks. > 820) trefflich über- setzt worden. Vgl. Schönemann, „De vita et csrminibaz Nimnermi" (Gott. 1 823). Mimösa sensitiv«, s. Sinnpflanze. Mina (Don Francisco Espoz y), span. Guerrillaführer und General, geb. >782 in einem kleinen Dorfe bei Pampelona und aus einer wohlhabenden Familie stammend, lebte in gänzlicher Zurückgezogenheit, bis er nach seines Neffen Don Laverio M i n a 's (s. d.) Gefangenschaft durch die Franzosen im I. >8il die Führung des von diesem geworbenen Guerrillahaufens übernahm. Tapfer, unermüdlich, mit bewundernswürdiger Geistesgegenwart ausgerüstet, wußte er im kleinen Kriege die Streitkräfte der Feinde auf alle Weise zu schwächen und bald sich zum Schrecken der Franzosen und ihrer Anhänger zu machen. Die Centraljunta ernannte ihn noch im I. 181l zum Obersten und die Regentschaft zu Cadiz zum Brigadier und >813 zum Marechal del Campo. Erstand I8l3 an der Spitze von 11000 M. Fußvolk und 250V Reitern, wovon der eine Theil Pampelona einschließen, der andereSaragossa,Monzon und andereOrte erobern half. Nach derNückkehrFerdinand'sV». bemühte er sich vergebens, den König zur Berufung der Cortes zu bewegen, und wurde außer Ackivität gesetzt. Mit seinem Neffen machte er im Sept. 1814 den Versuch, die Constitution von 1812 wiederherzustellen, sah sich aber wegen der Muthlosigkeit seiner Guerrillas genöthigt, nach Frankreich zu flüchten, wo sich Ludwig XVIIl. seiner Auslieferung widersetzte und ihm ein Jahrgeld gewährte. Napoleon's Anträge nach dessen Rückkehr von Elba lehnte er ab und ging nach Genf. Nach der zweiten Restauration lebte er ruhig in Frankreich. Als aber 1820 das span. Heer in Cadiz die Fahne des Aufstandes erhob, eilte er nach Navarra, sammelte seine Guerrillas und zog gegen Pampelona, wo bereits die Constitution angenommen war. Hierauf wurde er 1821 Generalcapitain von Navarra, machte sich aber hier durch seine strenge nnlitairischc Verwaltung viele Feinde und erhielt deshalb den Oberbefehl in Galicien. Da er auch hier mit gleicher Strenge verfuhr, so wurde er im Dec. l 821 nach Siguenza verwiesen. Doch nach dem Siege der Liberalen über die Ab- solutisten im Juli > 822 erhielt er als Generalcapitain von Catalonien den Oberbefehl gegen die sogenannte Glaubensarmee, die bereits eine Regentschaft in Seu d'Urgel eingesetzt hatte. Furcht und Schrecken vor sich verbreitend durch die grausame Strenge, mit der er gegen die Anhänger des Absolutismus verfuhr, erfocht er am 29. Nov. 1822 über die Glaubensarmec einen vollständigen Sieg. Im I. 1823 zum Generallieutenant ernannt, führte er nach dem Einrücken der Franzosen in Catalonien den kleinen Krieg gegen diese in der meisterhaftesten Weise, bis er, überzeugt daß ein längerer Widerstand vergeblich sei, die Stadt Barcelona auf günstige Bedingungen im Nov. 1823 dem Marschall Momey übergab und am Bord eines franz. Schiffes sich nach England einschiffte. Abwechselnd lebte er nun in England und Frankreich, bis er nach der franz. Julirevolution sich an die Spitze span. Flüchtlinge stellte und mit ihnen im Oct. 1830 die Pyrenäen überschritt. Doch die Zwietracht unter der constitutionellcn Partei schwächte seinen Einfluß so sehr, daß es ihm nicht möglich war, Einheit in sein Unternehmen zu bringen. Mit seinen Anhängern geschlagen, erreichte er als ein Hauptgegenstand der Verfolgung nur unter Beschwerden und Gefahren der furchtbarsten Art die franz. Grenze, wo er entwaffnet und in das Innere des Landes gebracht wurde. Nach dem Ausbruche des Bürgerkriegs in den baskischen Provinzen begab er sich wieder in die Nähe des Kriegsschauplatzes nach Bayonne. Die Königin Christine amnestirte ihn, setzte ihn in seinen alten Rang wieder ein und ernannte ihn am 23. Sept. 1834 zum Oberbefehlshaber der span. Nordarmee und zum Generalcapitain von Navarra. Wegen Kränklichkeit konnte er jedoch erst am 30. Oct. in Pampelona eintreffen, wo er am 4.Nov.das Commando übernahm und eine Proclamatio» erließ, die aber keine Begeisterung für ihn hervorrief. Unfähig, den Befehl im Felde selbst zu führen, konnte er gegen den karlistischen General Zumala-Carreguy so wenig, wie sein Vorgänger im Commando etwas ausrichten; wohl aber fachte er durch die strengsten Maßregeln gegen die Anhänger der Insurrektion und durch grausame Tagesbefehle den Bürgerkrieg immer heftiger an. So sah er sich genöthigt, am I8.Apr. 1835 das Commando niederzulegcn, das nun an seiner Stelle der Kriegsminister General Valdez übernahm. Zur Mina (Don L'aver) Minano y Beöoya 597 Wcderherstellung seiner zerrütteten Gesundheit ging er zunächst nach dem franz. Gesund- brunnen Cambo und dann nach Montpellier. Unter Mendizabal wurde er im Oct. 1835 wieder Generalcapitain in Catalonien und starb zu Barcelona am 26. Dec. 1836. Mina (Don -kaverio), span. Guerrillaführer, geb. >789 in Obernavarra,,der Neffe des Vorigen, studirte in Saragossa Theologie, als der crsteEinbruch der Franzosen in Spanien im 1.1868 erfolgte. Liebe zum Vaterlande bewog ihn, einen Guerrillahaufen zu sammeln, an dessen Spitze er mehre kühne Unternehmungen gegen die Franzosen ausgeführt, aber auch durch die Grausamkeiten, welche seine Leute verübten, allgemeines Schrecken verübt hatte, als er l8II von den Franzosen gefangen und nach Frankreich transportirt wuicke. Erst nach Napoleon's Sturze durfte er nach Spanien zurückkehren, wo er mit seinem Onkel den Versuch machte, die Verfassung von >812 wiederherzustellen, und nach demMiSlingen desselben nach Frankreich flüchtete. , Hier verhaftet, bald aber wieder in Freiheit gesetzt, schiffte er sich dann nach England ein, wo er von der Regierung einen Jahrgehalt erhielt und durch Unterstützung anderer Gleichgesinnter in den Stand gesetzt wurde, sich nach Mexico einzuschiffen, um dort gegen Spanien zu kämpfen. Im Nov. 1816 angelangt, begann er im Apr. 1817 an der Spitze eines kleinen Haufens den Kampf. Zwar mehrte - sich die Zahl seiner Anhänger sehr bald durch Creolen und Indianer; doch an Zucht und Ausdauer waren sie nicht zu gewöhnen. Nur unter großen Beschwerden gelang es ihm, durch Überfälle kleine Vorthcile zu erringen. Endlich durch einen treulosen Freund ver- rathen, fiel er in die Gewalt der Spanier und wurde am 13. Nov. >817 erschossen. v . Minano y Bedoya (Sebastian de), span. Politiker, Historiker und Geograph, geb. >776 zu Bezerril de Campos, in der Provinz Palencia, wurde von seinen Altern nach Salamanca gesendet, um die Rechtswissenschaften zu studiren, widmete sich aber auS großer Neigung gegen den Willen derselben ganz insgeheim medicinischen Studien, und wurde, als diese solches erfuhren, in dem Hause des Cardinal-ErzbischofS von Toledo untergebracht. Dieser bestimmte ihn >793 zum Erzieher und Begleiter des zum geistlichen Stande bestimmten SohneS des Infamen Louis de Bourbon, den er, nachdem er inzwischen auch seine juridischen Studien vollendet und den Doctorgrad erhalten hatte, als Secrctair nach Sevilla begleitete, wo dieser Erzbischof geworden war. Hier und später in Madrid trat er in enge Verbindung mit mehren ausgezeichneten Gelehrten und Dichtern und bildete sich dadurch zum Schriftsteller. Für seine wichtigen Dienste beim Ausbruche des Gelben Fiebers in Sevilla im I. >869 erhielt er eine Präbende an dem Domcapitel von Sevilla, das ihn bald darauf zu seinem Geschäftsträger in der Residenz ernannte. Im I. > 80-1 kehrte er nach Sevilla zurück, wo er nun bis >812 blieb. Als >810 das Domcapitel dem neuen Monarchen den Eid der Treue leisten sollte, legte er seine Stelle nieder. Deshalb verdächtig, wurde er unter dem Vorwände, mit dem damaligen Regenten von Cadiz, dem General Castanos, in geheimer Verbindung zu stehen, verhaftet und erst nach sechs Wochen, in Folge der einflußreichen Verwendung seines Freundes Morales, wieder freigclassen. Trotzdem sah M. in der franz. Invasion und Administration gar kein Unglück für sein Vaterland, das dadurch von so vielen Misbräuchen sich befreien konnte, und wurde deshalb sogar für einen Afrancesado gehalten. Doch war seine Auswanderung nach Frankreich im I. 1811 eine freiwillige, ebenso wie seine Rückkehr im 1.1816 nachMadrid, um auf seine Präbende in Sevilla zu verzichten und eine gerichtliche Untersuchung seines Betragens zu verlangen, die ganz zu seinen Gunsten ausfiel. Er sollte wieder seine Stelle in Sevilla einnehmen, lehnte dies jedoch ab und zog es vor, in Madrid zu bleiben, um sich ganz literarischen Beschäftigungen zu widmen. Bei dem Ausbruche der Contrcrevolution in den I. 1826 und >823 trat er als Verfechter der Cortesverfassung und der konstitutionellen Einrichtungen auf, und schrieb die satirischen „Oartss >ü> > ^ 593 Mincio Minden 7^1 mit seiner franz. geschriebenen „llistvire Oe la rövolutivn espsgnole, peuOsnt ie, »nr>««r 1820 et 1823, psr un temain oculaire" (Par. 1825) auftrat, worin er dieselbe Sache, die er selbst so warm vertheidigl, ebenso leidenschaftlich angriff, und auch in seinem „LxLinei, critico Oe las revoliiciones en Lspana Ourunte los ano» 814. Außer Katzen und Bären zeichnete ersuch Gruppen spielender Knaben und Bellü- jungcn wahrhaft geistreich und ergötzlich. Er zeichnete selten nach der Natur oder er lhat es nur mit wenigen Strichen; seine Einbildungskraft war so stark, daß, wenn er etwas genau betrachtet hatte, dieses seinem Gedächtniß sich so fest einprägte, daß er es zu Haust und oft gcrgume Zeit nachher auf das genaueste wicderzugeben vermochte. Nach seinem Tode wurden seine Zeichnungen zu hohen Preisen, besonders nach England, verkauft. Viele der- selben sind täuschend copirt. Zehn Blätter Katzengruppen nach M. lithographirt erschienen 1827 in Leipzig; auch Brodtmann lithographirte sechs Blätter Katzengruppen und zehn Blätter Kinderspiele nach M., und Joh. F. Hegi radirte vier Blätter Katzen. Mindelheim, eine ehemalige Herrschaft im Schwäbischen Kreise Deutschlands, umfaßte 7 OM. mit gegenwärtig 2000« E. und der gleichnamigen Stadt von 2600 E. Sic gehörte in früherer Zeit den Herzogen von Teck, kam dann durch Aussterben en die Rechberge und Freundsberge und 1012 an Baicrn. In Folge der AchtSerklärung desKur- fürsten von Baiern wurde sie >706 dem zum deutschen Neichsfürsten erhobenen Mari- Kar o u g h (s. d.) in Lehn gegeben, der sie im rastadter Frieden von >714 wieder an Baiern zurückgeben mußte. Nach dem Ableben des letzten Kurfürsten von Baiern wurde sie >776 zwar von Ostreich in Besitz genommen, im folgenden Jahre aber an die Pfalz abgetreten. Minden, auch unter dem Namen Preußisch-Minden, zum Unterschiede von dem hannov. Münden (s. d.), bekannt, die befestigte Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks der preuß. Provinz Westfalen, liegt in einer angenehmen Gegend an der Weser, theils auf einer Ebene, thcils am Abhange einer Bergkette, welche hier durch die Weser getrennt und wodurch die sogenannte korts Westpbslic» gebildet wird. Uber die Weser führt eine 600 F. lange und 24 F. breite steinerne Brücke. Die Stadt ist swar Minderherrschaften Mine 599 größtcntheils massiv gebaut, hat aber sehr altmodische Häuser und enge unregelmäßige Straßen; einen schönen öffentlichen Platz bildet der mit Bäumen bepflanzte Domhof. Von den sechs Kirchen, worunter drei katholische und drei evangelische, zeichnet sich die schöne goch. Domkirche aus, unter den übrigen Gebäuden die neue Cascrne. Die Zahl der Einwohner beläuft sich auf 0066. Das Domcapitel begreift sowol katholische als evangelische Mitglieder. Ferner gibt es daselbst ein Gymnasium seit I 530 und ein Schullchrer- seminarium, ein frciwcltliches protestantisches Fräuleinstift, eine Gesellschaft zur Förderung vaterländischer Cultur, gegründet 1825, und mehre wohlthätige Vereine. Neben Leder-, Labacks- und Tnchfabrikalion ist besonders die Zuckersiederei beträchtlich; auch hat die Stadt lebhafte Schiffahrt und bedeutenden Speditionöhandcl auf der Weser. Die Festungswerke wurden seit >816 wiederhergestcllt und verstärkt. Schon zur Zeit Karl's des Großen war M. eine nicht unbedeutende Stadt. Mehre deutsche Kaiser hielten daselbst Residenz, auch wurden daselbst mehre Reichstage, wie t<>26 vom Kaiser Konrad II., gehalten. Wegen Einführung der Reformation im I. >529 wurde die Stadt >538 geächtet und >547 vom Kaiser Karl V. erobert. Ein Gleiches geschah im Dreißigjährigen Kriege 1626 durch Lilly und 1634 durch den Herzog Georg von Lüneburg. Im Z. >757 von den Franzosen besetzt, wurde sie im nächsten Jahre von den hannov. Truppen, im Juni 175!» aber wieder von dem Marschall Broglie eingenommen. Kurz darauf, am >. Aug., fand hier die Schlacht zwischen den Franzosen unter dem Marschall Contadcs und den verbündeten Engländern und Braunschwcigern unter dem Herzog Ferdinand von Braunschweig statt. Ans seiner vortheilhaften Stellung am linke» Ufer hcrausmanoeuvrirt, hatte Contades westlich von M. bei dem Dorfe Todtenhausen sein 856"» M. starkes Heer zum Kampfe aufgestellt, die Cavalcrie in der Mitte, die Infanterie an beiden Seiten, wahrend die Schlachtordnung des Herzogs die umgekehrte war. Als nun nach viermaligem heftigen Angriff die franz. Cavalcrie die Flucht ergriff, kam auch die Infanterie in Unordnung und mußte, um nicht im Rücken angegriffen zu werden, den Rückzug über die Barthe antrcten. Sie khat cs, von Broglie gedeckt, in ziemlicher Ordnung, »veil der en;!. Lord Sackville den ihn» zweimal gegebenen Befehl des Herzogs, mit der Reiterei anzugrcifen, nicht befolgte. Dessenungeachtet verloren die Franzosen 8060 M., mit Einschluß von 366" Gefangenen, und 25 Geschütze und mußten in Folge dieser Niederlage alle den Verbündeten gihörige Länder räumen. Letztem kostete dieser Sieg nur 200» M. — M. gehörte mit unter die acht von Karl dein Großen gestifteten Bisthümer in» Sachsenlandc. Bischof Ludwig erlangte l332 durch Kaiser Ludwig das Recht, das Stift und dessen Besitzungen als freies Herzogthum zu besitzen und darin ein Freigericht nach Art der Feh»»» zu errichten. Dasselbe umfaßte 24 IHM. und etwa 70006 E. In dem westfäl. Friede» wurde das Stift >648 säcularisirt und als Entschädigung für die abgetretenen pommerschcn Lande als Fürstenthum an Kurbrandenburg gegeben, das es 1807 an das ncuerrichtete Königreich Westfalen abtreten mußte. Nach der Auflösung dieses Königreichs kam es 1814 wieder au Preußen und bildet gegenwärtig nebst den Fürstcnthümern Paderborn und Korvei, den Grafschaften Ravensberg und Nictberg und der Herrschaft Rheda den Regierungsbezirk M., der auf »574 OM. gegen 466006 E. zählt. Minderherrschasteu hießen sonst in Schlesien diejenigen Mediatherrschaftcn, deren Besitzer alle Rechte des Standeshcrrn thcilten, aber nicht auf den Fürstentagen erscheinen dursten. Jetzt ist die Sache ohne Bedeutung, da Fürstcntage nicht mehr abgchalten werden, an den Provinziallandtagen aber alle Herrschaftsbesiher Theil haben. Mine, eine griech. Münze, s. Münzen. Mine nennt man im Allgemeinen jede Vorrichtung, um den Einsturz von Mauer» »vcrk oder Zerklüftung von Gestein durch Untergraben oder Sprengen mit Pulver zu be- wirken, sowie auch um durch die Ge»v-alt des Pulvers eine Vertiefung in der Erde, den Trichter, zu erhalten und als Deckung gegen feindliches Feuer zu benutzen. Die Mine besteht gewöhnlich in einem Stollen, dem Min eng an ge, an dessen Ende in früher« Zeiten die einzustürzende Mauer untergraben und mit Holzwerk unterstützt wurde, welches man sodann verbrannte; seit der Anwendung des Pulvers wird aber am Ende des Minengangs die Kammer angelegt, mit Pulver gefüllt und verdammt, damit die Mine nicht ausblase, 600 MineM Mineralien d. h. ohne Wirkung bleibe. Die Entzündung der Ladung erfolgt entweder durch .eine bis zum Minenherde rückwärts geleitete Zündwurst oder durch galvanische Leitung mittels des elektrischen Funkens Die Größe der Ladung muß mit der kürzesten Widerstandslinie, d. h. mit der Entfernung der Kammer von der Erdoberfläche, zunrhmen und vermehr! werden, wenn man einen größer« Durchmesser des Trichters haben will; auch zeigt die Erfahrung, daß die Verdämmung wegfallen kann, wenn die Ladung hinreichend verstärk! wird. Erlauben es die Verhältnisse, so kann man auch einen senkrechten Schacht abteufen und neben seinem untern Ende die Kammer anlegen, und so entsteht die Schachtmine Die Minen werden sowol zur Sprengung von Erzen, Steinen u. s. w. in Bergwerken, als zur Demolirung von eroberten Festungswerken, Brücken und Magazinen gebraucht, finden aber ihre vorzüglichste Anwendung im Festungskriege. Dem belagernden Mineur geht der Belagerte mit Contreminen entgegen, wozu gewöhnlich ^chon gemauerte Minengänge oder Galerien vorhanden sind. Die Seitengänge, welche nothwendig werden, nm sich den feindlichen Gängen zu nähern, heißen Zweige (r-nneaux). Stößt ein solcher auf einen feindlichen Gang, so entsteht ein Kampf unter den Mineuren; der sich zurückziehende Theil bewirkt durch Stinkkugeln (Schwefel mit Hornspähnen vermischt) einen Damvf, der ihn vor weiterer Verfolgung schützt. Wo möglich aber vermeidet map dieses Zusammentreffen. Der Belagerte sucht neben den Gang des Angreifcnden zu kommen, ladet schnell seine Mine mit wenig Pulver, sodaß nur der feindliche Gang eingedrückt oder gequetscht wird, und daher der Name Quetsch minen (cumoiillet,?). Eine stärkere Ladung würde einen Trichter hervorbringen, den der Belagerer sogleich mit Schanzkörben krönen und sich da- selbst decken könnte. Der Minen krieg ist einer der gefährlichsten TheilcdesBelagcrmigS- kriegS; zur Gewinnung von Zeit können die Minengänge nur sehr schmal und niedrig gemacht und müssen mit Holz ausgeseht werden, eincArbeit, welche so anstrengend ist, daßdir Leute wenigstens alle sechs Stunden einer Ablösung bedürfen. Nicht selten fallen auch Verschüttungen vor. Der Pulverdampf hält sich in der Erde einer gesprengten Mine mehre Stunden lang und es ist lebensgefährlich, daselbst die Arbeit sogleich wieder zu beginnen. Fladderminen werden vor Feldverschanzungen angelegt, oft zwei, auch drei übereinander, s°- daß der Feind, welcher den Platz betritt, mehr als einmal ihrer Wirkung ausgesetzt ist. Sie werden nur mit wenig Pulver geladen; oft gräbt man auch nur große Bomben auf geringe Tiefe ein und entzündet die Fladderminen durch eine Zündwurst. Die erste Anwendung der Minen soll 1-187 in Italien gemacht worden sein. Besonders berühmt ist der Minenkrieg bei Schweidnitz im I. >762; außerdem haben ihn die Russen gegen türk. Festungen und die Östreicher gegen Valenciynnes imI. l 7 93 und an andern Orten angewendet. Minelli oder Min-Elli (Joh.), gcb. 1625 zu Rotterdam, gest. >683 als Rector der Schule daselbst, besorgte, von einer großen Anzahl röm. Classiker, namentlich von denen, die man damals ans den Schulen zu lesen pflegte, Ausgaben mit kurzen, meist sehr oberflächlichen Anmerkungen, die bald auch bei bequemen Lesern im Auslande so großen Beifall fanden, daß in der Folgezeit von Andern sehr viele ähnliche Ausgaben erschienen, die auf dem Titel die Worte „ack moüum NioeUii", d. h. nach der Art und Weise M's, als Aushängeschild führten. Namentlich geschah dies in Deutschland durch den pseudonymen Germanicus Sincerus und einen gewissen Juncker. Da diese letzter» Ausgaben in ihren Anmerkungen fast nichts als Umschreibungen oder wörtliche Übersetzungen des Textes darboten und deshalb bei den Schülern großen Eingang fanden, so wurde der Ausdruck r>6 Ikwckum »linellii sprüchwörtlich und erhielt gleiche Bedeutung mit Eselsbrücke (s. d.). Mineralien nennt man alle als Bestandtheile der Erdrinde natürlich vorkommenden Körper. Obgleich man in der Regel die eigentliche Erdschicht, welche sich durch Zersetzung der Gesteine und durch die Einwirkungen der Vegetation bildet, nicht unter den Mineralien zu begreifen Pflegt, so läßt sich doch nzcht behaupten, daß jedes Mineral durchaus unorganischen Ursprungs sein müsse, da man die fossilen Kohlen, den Bernstein, das Erdharz und andere Reste früherer organischer Körper unzweifelhaft zu den Mineralien rechnet. Die Mineralien können aus sehr verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet werden und fallen daher sehr verschiedenen Disciplinen anheim. Zuerst nämlich kann es sich handeln um das Vorkommen derselben, d. h. theil« um die Größe der Massen, in welchen sich Mineralien 6vl die Mineralien finden, die Vertheilung und Lagerung derselben und ihre gegenseitige räumliche Verbindung untereinander. Dieses ist der Hauptsache nach Gegenstand der Geognosic (s. d.). Da sich diese aber nicht auf die Darstellung der Schichtungs- und Altersverhältnisse, die Lehre von der Bildung der Gebirge, der Entstehung un-d Veränderung der Gänge und sonstigen Lagerstätten jener Mineralien, die keine größer» Gebirgs- massen zusammensetzen, beschränken kann, sondern sich auch mit den Eigenschaften wenigstens derjenigen Mineralien beschäftigen muß, welche größere Massen zusammensetzen, so streift sie hier in das Gebiet der Mineralogie hinüber. Der Unterschied zwischen einfachen und zusammengesetzten Mineralien gehört lediglich hierher. Nur im Sinne der Geognosie, welche blos größere Massen betrachtet, kann es sich fragen, ob diese durchaus gleichartig sind oder Gcmengtheile darbietcn, die, sofern sie sinnlich unterscheidbar sind, jeder für sich eine besondere mineralogische Species bilden und im mineralogischen Sinne einfach sind. Über diese sogenannte pctrographische Einthcilung der Felsarten s. Geognosic. Die Veränderungen, welche die Felsarten durch Verwittern allein erleiden, betrachtet die Geognosie, insofern sicchie Erdoberfläche verändern; zur Bodenkunde (s. d.) aber gehören sie, insofern sie im Verein mit der Einwirkung der Vegetation die fruchttragende obere Schicht der Erde, die A ckerkrume (s. d.), bilden. Die technisch-mechanische Benutzung der Mineralien fällt der Lithurgik (s. d.), die chemische Benutzung her Hüttenkunde (s. d.) und andern Zweigen der chemischen Technologie anheim. Die vollständige Beschreibung und Kennzeichenlehre der dem Auge als ungemcngt oder einfach erscheinenden Mineralien nach ihrer Gestalt, ihren physikalischen und chemischen Eigenschaften ist Sache der Mineralogie (s. d.), die sonach in Verbindung mit dem petrographischen Theile der Geognosie den dritten Haupttheil der beschreibenden Naturgeschichte bildet. Die Mineralien lassen sich, wie andere Naturkörper, nach der Übereinstimmung der Eigenschaften in Gattungen und Arten ordnen. Die Eigenschaften selbst sind aber dreierlei Art. Die morphologischen Eigenschaften beziehen sich auf die Gestalt und zwar sowol auf die äußere Begrenzung durch Flächen als auf die damit meist im Zusammenhänge stehende innere Structur. Der äußern Gestalt nach zerfallen die Mineralien in deutlich krystallisirte, d. h. solche, welche aus deutlich unterscheidbaren einzelnen oder nach bestimmten Gesetzen verwachsenen, durch regelmäßig vertheilte Flächen begrenzten Individuen bestehen, und in un krystallisirte. Von den eigentlichen Kry stallen (s. d.), welche allein als bestimmte mineralogische Kennzeichen und als die werthvollsten anzusehen sind,hat man zu unterscheiden die Aste rkrystalle ebenso wol wie die Petrefacten. Letztere haben als mineralogische Formen gar keinen Werth, wol aber in der Geologie. Die unkrystallisirten Mineralien sind entweder krystallinisch, d. h. sie lassen sich als Aggregate vieler kleiner, aber nicht zur völligen Entwickelung gekommener Krystalle erkennen, oder sic sind derb und dicht. Im letzter« Falle können sie vollkommen amorph oder gestaltlos, oder erdig sein, aber auch beim Zerbrechen und Zerschlagen noch als Analogon des Kry- stallinischen eine blätterige, schieferige, faserige, stängliche, körnige Textur oder Structur zeigen. Der Bruch ist insofern ein sehr wichtiges mineralogisches Kennzeichen. Auch die Krystalle zeigen meist in bestimmten Richtungen eine größere Theilbarkeit oder Spaltbar- keit als in andern, und diese Spaltungsflächen oder Blätterdurchgänge sind krystallogra- phisch für Bestimmung der Grundgestalt von großer Wichtigkeit. Unter die Physika li- scheu Kennzeichen der Mineralien gehören die Farbe, eine sehr veränderliche und nur mit Vorsicht zu brauchende Eigenschaft, ferner die Erscheinungen der Lichtbrechung, der Durchsichtigkeit, des Jrisirens,und Schillerns, endlich der Glanz, eines der wichtigsten Kennzeichen, da der metallische, halbmetallische Glanz, der Perlmutterglanz, Glasglanz und Fettglanz ziemlich constante Erscheinungen sind. Die magnetische Eigenschaft, die Fähigkeit, beim Reiben oder Erwärmen elektrisch zu werden und die Elektricität zu leiten, die Leitungsfähigkeit für Wärme und Ausdehnung durch dieselbe sind sämmtlich physikalische Kennzeichen. Besonders wichtig aber sind noch das specifische Gewicht (s. Schwere) und dieHärtc (s. d.). Die Fortschritte der Physik haben die Mineralogen jetzt mit einer Menge sinnreicher Instrumente und Methoden zu Prüfung der Mineralien beschenkt. Ein vollständiger Apparat dieser Art muß bestehen aus einem Anlegegoniometer, d. h. einem 6<>2 Mineralogie Instrument zum Messen der Krystallwinkel durch Anlegen zweier kleiner Lineale, einem Reflexionsgoniomercr, welches die Krystallwinkel auf optischem Wege mißt, einem cinfa< j chen Mikroskop, einem Hammer und Ambos zum Zerschlagen der Mineralien, einem Ap- parat zu Bestimmung des spccifischen Gewichts, einer Feile sammt Härtescalc, einer Da- vy'schen elektrischen Wage und einer Magnetnadel. So oft man auch versucht hat, üoS auf morphologische und physikalische Kennzeichen und namentlich nur auf Krystallform, > Harte und specifisch-es Gewicht Systeme der Mineralien zu gründen, so ist doch gewiß, daß zu vollständiger Charaktcrisirung eines Minerals noch die chemischen Kennzeichen hinzukommen müssen, die zu schneller Erkennung und Bestimmung oft die brauchbarste» sind. Man muß also wissen, wie ein Mineral chemisch zusammengesetzt sei, woraus sich sein Verhalten gegen chemische Einwirkung ergibt. Handelt cS sich um Erkennung der Mineralien, so ist allerdings eine vollständige chemische Analyse dann unerläßlich, wenn ! man es mit einem ganz neuen Mineral zu thun hat; bei schon bestimmten Mineralien genügen wenige einfache Versuche. Neben der Anwendung der Mineralsäuren, um die Auflöslichkeit, die Gegenwart von Kohlensäure u. s. w. zu prüfen, ist hier die Probe auf trecke- ncm Wege unentbehrlich, und Bcrzelius (s. d.) hat durch Ausbildung dieser Methode die Mineralogie unendlich gefördert. Diese Probe ans trockenem Wege besteht aber wesentlich aus zwei Theilen, einmal nämlich in der Erhitzung einer kleinen Probe des Minerals in einem Glasröhre über der Lampenflamme und dann in der Erforschung ,des Verhaltens vor dem Löthrohre, wobei man das Material entweder für sich auf einer Unterlage von ^ Kohle, oder in Verbindung mit sogenannten Flüssen, d. h. Substanzen, die mit den Mineralien zu Gläsern verschiedener Farbe zusammenschmelzen, oder einigen andern chemischen Reagcnticn auf einer Unterlage von Platin erhitzt. Vgl. Bcizclius, „Die Anwendung des Läthrohrs" (3. Ausl., Nürnb. 1837); Kobell, „Tafeln zur Bestimmung der Mineralien" (3. Ausl., Münch. 1838) und H. Mayer, „Clavis snulxticu zu Bestimmung der Mineralien" (Prag 183!»). * Mineralogie nennt man den Theil der Naturgeschichte, welcher sich mit der systematischen Beschreibung der Mineralien beschäftigt. Die wissenschaftliche Behandlung derselben ist schon darum sehr neuen Ursprungs, weil sowol Chemie als Krystallographie erst in neuerer Zeit jenen Grad der Ausbildung gewonnen haben, der für conscquente Durchführung genauer Charakteristiken und auf Gestalt und chemische Constitution gebauter Systeme nüihig ist. Die Alten, z. B. Plinius, kannten nur wenige Mineralien und de- l schrieben sie unvollständig. Die ersten Versuche wissenschaftlicher Behandlung mochte Georg Agrico la (s. d.) im l ü.Jahrh. Jndeß sind die Systeme der Schweden WallerinS (17 72) und Cronstedt (>7.78) die ersten, welche diesen Namen verdienen; während der Erste« rein chemisch classificirte, räumte der Zweite auch den äußern Kennzeichen ihr Recht ! ein. Die Bearbeitung dieser letzter» ist das besondere Verdienst Abr. Gottlob W ern er'S (s. d.), dem wir die sogenannte empirische Methode der Mineralbcschreibung verdanken, die von bestimmten theoretischen Ansickten ganz unabhängig und darum noch gegenwärtig neben der streng wissenschaftlichen in Gebrauch ist. Sein System war weder chemisch noch physikalisch konsequent; man findet es am ausführlichsten inHoffmann's „Handbuch der Mineralogie" (t Bde., Freib. >811 — >8). Allerdings gewannen aber auch erst nach Werner sowol die Chemie als die Krystallographie die gegenwärtige wissenschaftliche Form, und H a uy (s. d.) war der Erste, der seine mathematischen Untersuchungen über Krystall- formen zu Aufstellung eines Systems anzuwcnden versuchte. Seitdem haben die Minera- s logen in der Systematisirung zwei wesentlich verschiedene Wege verfolgt. Die einen stellen die morphologischen und physikalischen, die andern die chemischen Kennzeichen ((.Mineralien) an die Spitze. Die erste, sogenannte naturhistorische Methode hat vor Allem Mohs (s. d.) mit seinen Anhängern Iameson (s. d.), Allan, Hcidinger u. A. cultivirt und dadurch außerordentlich viel zu Föderung der Lehre von den äußern Kennzeichen beigetragen. Auch das System von Breithaupt (s.d.) ist ein naturhistorisches. Diesen gegen- . über steht mit rein chemischer Classification Berzelius (s. d-), dem von Kobell und Blum sich anschließen. Jndeß haben die wichtigen Entdeckungen über den Zusammenhang zwischen Gestalt und Mischung ((.Isomorphismus) nur zu Befestigung der schon längst Mineralwasser 603 von vielen Mineralogen gehegten Ansicht, daß völlige Einseitigkeit verwerflich und eine ge- nügcnde Classisicatwn nur unter gleichzeitiger Berücksichtigung beider Classen von Kenn- zeichen «i erreichen sei, bcigetragen. Die Systeme von Leonhard (s. d.), Beudant (s. d.), Weiß (si d.), Naumann (s. d.) u. A. verfolgen sämmtlich diesen Weg mit mehr oder weniger Glück. Mineralwasser nennt man solche Wasser, in denen eine bedeutendere in denselben aufgelöst enthaltene Menge mineralischer Substanzen sich durch Geschmack, Geruch, Farbe, Gcwicht und eigenthümliche Wirkungen auf den menschlichen Organismus kundgibt. Auch haben sie sehr häufig eine höhere Temperatur als gewöhnliches Quell- und Flußwasser. Die meisten Mineralquellen finden sich in Gebirgsgegenden, dagegen haben die ausgedehnten Steppen und Sandwüsten Asiens und Afrikas fast gar keine. Die Entstehung der mineralischen Quellen hat man theils dem Auslaugen unterirdischer Gebirgslagen, thcils der Bildung neuer chemischer Verbindungen der durch das Wasser auf diese Art aufgelösten Mineralien, theils den Wirkungen eigenthümlicher lcllurischer Kräfte, besonders der elektromagnetischen, zugeschricben, allein keine dieser Ansichten kann ausschließend als die richtige gelten, vielmehr hat man wol ein Zusammenwirken dieser drei aufgestellten Ursachen an- zunchmen. Allerdings entsprechen die Bestandtheile der Mineralwasser meist den Bestand- thcilcn des Bodens, welchem sie entspringen, und wenn auch Quellen sehr verschiedener Art nahe beieinander zu Tage kommen, so kann dieser scheinbare Widerspruch darin seine Erledigung finden, daß die eine Quelle tiesern, die andere Hähern Ursprungs ist. Überhaupt übt die verschiedene Tiefe des Ursprungs einen bedeutenden Einfluß auf die Mischung und Temperatur einer Quelle auS, indem die von oberflächlichem Ursprünge leichter durch atmo- sphärische Verhältnisse Veränderungen erleiden, während die ticfern Ursprungs eine innigere Mischung, eine größere Gleichmäßigkeit der Temperatur und der Wassermenge und einen reichern Gehalt an flüchtigen Stoffen, namentlich an freier Kohlensäure haben. Von den heißen Mineralquellen nimmt man an, daß sie vulkanischen Ursprungs sind, weil sie meist in Gegenden Vorkommen, wo Vulkane entweder noch thätig sind oder früher thätig waren; wo dieses nicht der Fall ist, dürste wol, da die Temperatur nach dem Mittelpunkte der Erde zu steigt, dieTiefe des Ursprungs cinerQuellc auch den Lemperaturgrad derselben bedingen. Wenige Quellen haben eine Temperatur unter 8'' N. und von diesem Punkte steigt dieselbe durch alle Grade bis zu 8»", welchen z. B. der Geiser aufJsland besitzt. Bei den meisten der heißesten Quellen ist die Verbindung mit Vulkanen nachweisbar, von denen, wo dies nicht möglich, ist in Europa die von Chaudes-Aigues in Frankreich von 6-1" und in Amerika die von Las Trinchcras in Venezuela von 77" die heißeste. Das spccifischc Gewicht, welches bei der chemischen Untersuchung einen vorläufigen Schluß auf die Größe des Gehaltes an mineralischen Stoffen ziehen läßt, ist sehr verschieden und die beiden Extreme der dabei stattfindendcn Scala sind das Wasser von Nocera im Kirchenstaate, das leichter als destillirtes Wasser ist, und das Wasser des Tobten Meeres. Folgende anorganische Stoffe hat man bis jetzt in den Mineralwassern gefunden: von gasförmigen Körpern in freiem Zustande Kohlensäure, Stickstoff, Sauerstoffund Schwefelwasserstoff; bon festen Kalk, Natron, Magnesia, Eisen, Alaun,Mangan, Kali, Strontian, Lithion, Beryt, Kupfer Blei und Zink, welche mit Kohlen-, Salz-, Schwefel-, Schwefelwasserstoff-, Kiesel-, Jodwasserstoff-, Bromwasserstoff-, Phosphor-, Fluorwasserstoff-, Borax- und Salpetersäure zu Salzen sich vereinigt haben; auch findet man in einigen Ammoniaksalze. Das Verhält- niß, in welchem die festen Bestandtheile zu dem sie enthaltenden Wasser stehen, ist sehr verschieden; die meisten Mineralquellen enthalten in >6 Unzen Wasser >6—40 Gran fester Substanzen, während die Quantität der gasförmigen Körper oft viel bedeutender ist, indem z. B. in >00 Kubikzoll der pyrmonker Trinkquellc >87 Kubikzoll Kohlensäure befindlich sind. Ziemlich allgemein hat man die von Hnfeland gegebene Einthcilung der Mineralwasser angenommen, welche nicht nach dem vorherrschenden quantitativen Verhältnisse einer Mineralsubstanz in einer Mineralquelle, sondern nach dem hauptsächlich wirkenden Bestandtheile Eisenwasser, Schwefelwasser, alkalische Mineralquellen, Dittersalzwaffer, Elaubersalzwasser, Kochsalzwasser und Säuerlinge unterscheidet. Der Einfluß, den ein länger fortgesetzter Gebrauch eines Mineralwassers auf den Organismus ausübt, ist be- 604 Mineralwasser deutend; im Allgemeinen läßt sich jedoch über die Art desselben nichts angeben, da hier jeder einzelne Krankheitsfall einer genauer» Prüfung bedarf und oft sehr ähnlich scheinend! j Krankheiten doch die Anwendung sehr verschiedener Mineralwasser erfodern und m»ge> kehrt. Die gewissenhafte Befolgung einer fast bei allen gleichen geistigen und körperlichen Diät ist die allgemeine und unerläßliche Bedingung zum Gelingen einer Brunnencur. Von den Gebrauchsweisen ist das Trinken die häufigste und nach diesem das allgemeine > B ad (s. d.), dem sich dann die verschiedenen Badearten anschließcn. Mineralbädcr, wenn auch nur sehr empirisch angewendet, gab cs schon bei den Em- chcn, Hebräern und Römern. Während Erstere mehre Tempel zu Ehren der durch die Quellen heilende» Gottheiten errichteten, erbauten die Letztem viele prächtige Badehäuser, deren Ruinen noch gegenwärtig Bewunderung erregen. Die Völkerwanderung zerstört! diese Bauten. Neue Badehäuser errichteten die Araber in den von ihnen eroberten Ländern; ! im Occident dagegen waren die meisten Mineralquellen nur den nächsten Umwohner» d>. kannt, sodaß die Bäder zu Aachen, die Karl der Große gebrauchte und besonders begünstigte, bis gegen das I 3. Jahrh. fast als einziges Beispiel verstehen. Nur in Italien, N sich z. B. eine Badcordnuug für die pisauischcn Bäder vom J. > U>U vorsindct, scheint der Gebrauch der Mineralbädcr allgemeiner gewesen zu sein. Erst als die politischen Verhältnisse sich mehr ordneten, begannen einzelne Fürsten den Mineralquelle» ihrer Länder mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden, während gleichzeitig die Ärzte die Heilkräfte derselben genauer zu prüfen anfingen, worauf dann der Besuch der Bäder nach und nach immer zahlreicher > wurde. Als Begründer einer wissenschaftlichen Heilquellenlehre ist Friedr.H o ffmannss.d.) anzusehen, der viele Quellen selbst besuchte, ihre Bcstandlhcilc und ihre Wirkungen mit i allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln erforschte und zum Theil durch glänzende Erfolge ! seine Bemühungen belohnt fand. Seit seiner Zeit wurden die Mineralquellen immer mehr und mehr Gegenstand der eifrigsten Untersuchungen, und welchen Nutzen dieselben, verbunden mit dem in neuerer Zeit erfolgten Umschwünge der Chemie und Physiologie, geschaffen ^ haben, geht aus der großen Zahl Kranker hervor, welche jährlich in den Bädern ihre Heilung finden. Vgl. Vetter, „Handbuch der Heilquellenlehrc" (2 Bde., Berl. I8Z8)und Schwartze, „Allgemeine und specielle Heilquellenlehrc" (Lpz. 1839, Fol.). Der Gedanke, die natürlichen Mineralwasser künstlich nachzubilden und so ihren Nutzen ausgebreiteter zu machen, mußte entstehen, sobald die Heilkraft derselben erkannt wurde, und schon bei Plinius findet sich eine Angabe, künstliches Meerwasser zu bereitem s Im >6. Jahrh. machte Thurneyssen, im >8. machten Friedr. Hoffman» (s.d.) und > Bergman (s. d.) Versuche, auf künstlichem Wege Mineralwasser zu gewinnen. Doü alle diese Bestrebungen konnten nur sehr mangelhafte Erfolge haben, so lange die Chemie ; noch nicht weiter, als damals, ausgcbildet war und so lange diese Nachahmungen in der ; Voraussetzung gemacht wurden, daß einige der in den Mineralwassern gefundenen Substanzen als bei der Wirkung nicht wesentlich bctheiligt weggclasscn werden könnten. Noch der großen Reformation der Chemie durch Lavoisicr (s. d.) entstanden mehre Etablissements, namentlich in Paris, Stockholm und in Obcritalien, wo Mineralwasser mit mehr oder weniger Glück nachgebildet wurden; der Ruhm aber, ein solches Unternehmen müder größten Umsicht begonnen und der ausdauerndsten Beharrlichkeit der Vollendung am nach- ^ stcn geführt zu habe», gebührt allein Struve (s. d.), welcher sich die Aufgabe gestellt hatte, Flüssigkeiten darzustcllen, die nicht nur bei der chemischen Analyse ir?Hinsicht auf die quantitativen und qualitativen Verhältnisse ihrer Bestandtheile, sondern auch in Geruch, Es- » schmack, Ansehen, in der Art, wie die Gasarten sich entfernen, in dem Verhältnisse der Zeit und der Reihe, in der sich die verschiedenen chemischen Verbindungen zersetzen, den Originalen vollkommen gleich seien. Auch gehörten noch sehr verschiedene Vorrichtungen dazu, diese Flüssigkeiten bis zu dem Zeitpunkte, wo sie genossen werden, in ihrem Zustande zu erhalten. Die glücklichen Erfolge der ersten Anwendung von Struve's künstlichen Mineralwassern in Dresden imI. 1818 hatten 182 V die Errichtung einer förmlichen Trinkan- stakt daselbst zur Folge, deren günstiger Fortgang nach und nach die Errichtung von ahn- ' Uchen Trinkanstalten zu Leipzig, Berlin, Königsberg, Hamburg, Petersburg, Moskau, Odessa, Brighton u. s. w. veranlaßt«. Sind auch die Meinungen über den medicinischeu Minerva 605 Werth der künstlichen Mineralwasser noch sehr getheilt, so sprechen doch viele glückliche Erfolge ihrer Anwendung bedeutend zu ihrem Bortheil, während sie noch außerdem den Vorzug haben, in Fällen angewendet werden zu können, wo eine Reise nach der Originalquelle durch mancherlei Verhältnisse unthunlich gemacht wird. Vgl. Struve, „Über, die Nackbildung der natürlichen Heilquellen" (2 Hfte., Dresd. 1824 —26); Kreysig, „Über den Gebrauch der natürlichen und künstlichen Mineralwasser vdn Karlsbad, Ems, Eger, Maricnbad, Pyrmont und Spaa" (2. Aust., Lpz. > 828 ) und Vetter, „Über den Gebrauch und die Wirkungen künstlicher Mineralbrunnen" (Bert, ! 8 « 5 ). Minerva, bei den Griechen Athene oder Palias Athene, ist unter den Gottheiten des Olymp eine der vorzüglichsten. In allen den mannichfaltigen Vorstellungen ihres'Mythus scheint unverkennbar, daß sie in den ältesten attischen Religionsbegriffen als ein dem höchsten Äther verwandtes, Licht und Wärme verbreitendes, alles feindselige Grauen vernichtendes Wesen, als eine Jungfrau aus himmlischer Höhe aufgefaßt wurde. Geistreich hat dies Otfr. Müller in der Schrift „ Hs Zliuerv» knliailis euer!« st uecle in srce ^tüenarum" (Gött. 182«) erwiesen. Die Fabel erzählt von ihr Folgendes. Als Zeus nach dem Siege über die Titanen zur Oberherrschaft gelangt war, erkor er sich zur ersten Gemahlin die Metis (s-d.). Ein Orakelspruch aber hatte ihm geweissagt, daßMetis zuerst eine Tochter, dann aber einen Sohn gebären würde, welcher ihm die Herrschaft zu entreißen bestimmt sei. Diesem Schicksale zu entgehen, verschlang er die Metis mit der noch ungeborenen Athene. Als nun die Zeit der Geburt herankam, empfand Zeus einen gewaltigen Schmerz im Kopfe, daher er sich vom Hephäsios den Kopf spalten ließ, worauf die Göttin, nach der spätem Sage sogleich bewaffnet, hcraussprang. Als weise Kriegerin, im Gegensatz des wilden, blutdürstigen Ares, die den Krieg nicht um des Krieges willen führt, trat sie zuerst in den Götterkämpfcn auf. In den Gigantenschlachten besiegte sie den Pallas und Enkelados. In den Kriegen der Sterblichen ist sie die stete Lenkerin und Schützerin der Hcldenkraft. Auch erscheint sic als Beschützerin der Künste des Friedens und zeigt sich da als Jungfrau in allen Gesckäften einer Fürstentochter des heroischen Zeitalters. Den Webestuhl, die Spindel und die malerische Nadel finden wir in ihrer Hand, und wie die Heldensrauen die Gewänder für ihr Haus selbst bereiten, so arbeitet sie die Gewänder der Göttinnen, weshalb sie den Beinamen Ergane erhielt. Von den blos weiblichen Kunstfertigkeiten trug man ihren Schutz auf alle friedliche Beschäftigungen der Menschen über, bei welchen der thätige und erfinderische Geist sich zeigte. Jeder Künstler, der mechanische wie verbildende, stand unter ihrer Obhut, und ihres Schutzes erfreute sich der Philosoph wie der Redner und Dichter. Sie gehört selbst mit unter die heilenden Götter und wird als solche Päonia genannt. In allen diesen Beziehungen ist sie das Symbol des aus dem Haupte entspringenden Gedankens, die Göttin der Weisheit selbst, der Wissenschaft und Kunst, letzterer jedoch nur, insofern Erfindung und Denkkraft dabei in Anspruch genommen werden. Auch wird sie als die Erfinderin der Flöte genannt; als sie aber in einer Quelle wahrnahm, wie sehr das Spiel auf derselben ihr Gesicht entstellte, so warf sie die Flöte von sich und belegte Den mit dem härtesten Fluche, der sie aufyehmen würde. Die Liebe verschmähend, weihte sie sich ewiger Jungfrauschaft, und wer den Blick der kühnen Begier zu ihr erhob, den traf furchtbare Rache. TiresiaS, der sie im Bade belauschte, erblindete. Mit diesem Charakter des reinen, besonnenen Verstandes erscheint die Göttin auch in den Darstellungen der Kunst. Ihre älteste Darstellung, welche die Palladien zeigten, von denen auf Vasen, Gemmen und Münzen Wiederholungen erhalten sind, ging durch des Phidias Schule zu Athen in jenes Ideal reiner und thatkräftiger Jungfräulichkeit, welche über alle weibliche Schwäche erhaben ist, über. Schon die ältesten Bildner gaben ihr häufig neben den Waffen Rocken und Spindel. Helm, Schild, Lanze und Ägide (s. d.) find ihre Attribute. Manche Seiten ihres Mythus hat nur die ältere Kunst, manche vorzugsweise die spätere aufgefaßt, so z. B. der Cultus des Ercchtheus (s. d.). Am Parthenon (s. d.) in Athen hatte Phidias in den Giebelfeldern östlich der Göttin Geburt, westlich ihren Streit mit Poseidon um Athens Schutzherrschaft angebracht, und hiermit das Vorbild für die reichsten Auffassungen ihres Mythus gegeben. Durch Phidias wurde auch das Kauz- chen, die Mitbewohnerin der Burg, der Göttin stete Begleiterin. Der älteste Sitz ihres C.N6 Mingotti Miniaturmalerei Cultus war am Kopaischen See in Böotien, da, wo die alte pelaSgische Stadt Akhenä nebst Eleusts stand. Von da verbreitete sich ihr Dienst besonders nach Attika, welches ihr geheiligt war. Ihre glänzendsten Feste in Athen, dessen Schutzgottheit sie war, waren die Panathenäen, von denen die großen alle vier Jahre, die kleinen jährlich oder alle drei Jahre gefeiert wurden. Nach Rom kam ihre Verehrung von Falerii, jedoch ohne daß die Göttin mit einer lateinischen wäre verschmolzen worden. Ihr war mit Jupiter und Juno der Haupttempel ans dem Capitol geweiht. Als ihr Fest beging man daselbst die großen und die kleinen Quinquatrus, von denen die ersten im März, die andern im Juni gefeiert wurden. Mitzgotti (Katharina), eine ausgezeichnete Sängerin, geb. 1728 zu Neapel von deutschen Altern, kam nach dem Tode ihres Vaters, der in östr. Militärdiensten stand, in ein Ursulinerinncnkloster, wo ihr die Äbtissin auf ihr inständiges Bitten musikalischen Un- terricht geben ließ. Vierzehn Jahre alt kehrte sie zu ihrer Mutter zurück und verheiratete sich einige Jahre darauf gegen ihre Neigung, um sich einer noch verhaßter» Lage zu entreißen, mit dem schon bejahrten Venctianer Mingotti, welcher Unternehmer der Oper zu Dresden war. Sie trat nun in Dresden auf, erregte gleich bei ihrem ersten Auftreten das allgemeinste Aufsehen und wurde sofort angestellt. Ihr schnell durch ganz Europa verbreiteter Ruf brachte ihr zunächst eine Einladung nach Neapel, und auch hier fand sie den uu- getheiltesten Beifall. Bei ihrer Rückkehr nach Dresden im I. 17-18 fand sie bei Hasse (s. d.), dem neuen Director der Kapelle, keine günstige Aufnahme; doch gelang es ihr durch die Trefflichkeit ihres Gesanges, auch ihn und seine Gattin Faustina mit sich zu versöhnen. Unter der Direktion Farinelli's ging sie 1751 nach Spanien, wo sie der größten Auszeichnung am Hofe genoß, später nach Paris, London und Italien; doch betrachtete siefortwährend Dresden als ihre Heimat. Erst nach dem Tode des Königs August im I. >783 ließ sie sich in München nieder, wo sie als Hofsängerin eine Pension genoß, und starb 1887 z» Neuburg an der Donau. Mingrelien, d. i. das Land der tausend Quellen, eine etwa 100 mM. große, sehr gebirgige und wasserreiche Provinz, welche seit dem Frieden zwischen Persien und Rußland im I. >813 dem letzter» Staate zugehört, grenzt gegen Westen an das Schwarze Meer, gegen Norden an Abchasien, gegen Süden an Jnierethien, mit dem es gegenwärtig einen Theil des grusinisch-imercthischen Gouvernements, dessen Hauptstadt TifliS (s. d.)ist, bildet, und gegen Osten an die Hochkämme des Kaukasus. Durchflossen wird es theiliveise von dem Elbrus. Die Zahl der Einwohner belief sich im I. 183-1 auf 61600, die sich zur griech. Kirche bekennen. Der frühere Zar von M-, Dadian, der gegenwärtig in russ. Diensten steht, nannte sich „Fürst des Schwarzen Meeres" und herrschte ganz uneingeschränkt. Er bewohnte die kleine, aber ziemlich gut gebaute Hauptstadt des Landes, Jsgaur oder Mullah (unstreitig das alte Dioskurias oder Sebastopolis) am Schwarzen Meere, die zugleich das Haupthandelscmporium in M. ist, wo besonders mit Salz, Waffen und Sklavenein nicht unbedeutender Handel getrieben wird. Die stärksten Festungen sind Poti und Redoute Kale, am Schwarzen Meere gelegen; bei den Umwohnern stand die Feste Jordi sehr in Ansehen. Das griech. Kloster Martwili ist zugleich Bischofssitz. Die Einwohner, welche sich selbst Kadzariai nennen und die ehedem wegen Sklavenjugd, Mord und Straßenraub in sehr üblem Rufe standen, gelten noch immer für sehr roh und uncultivirt. Minho, einer der Hauptflüsse Spaniens, entspringt aus einem See beiFueute- Minho auf dem galicischen Gebirge in der span. Provinz Lugo, fließt anfangs in südlicher, dann in südwestlicher Richtung, macht eine lange Strecke die Grenze zwischen Portugal und Spanien und mündet, nachdem er rechts die Narla und Ferreyra und links den Sil und Sarria ausgenommen, nach einem Laufe von 28 M. ins Atlantische Meer. Er wird erst fünf Meilen vor seiner Ausmündung bei Salvatierra schiffbar und berührt die Städte Orense und Tuyo. Miniaturmalerei heißt im weitern Sinne jede Art Malerei in sehr kleinem Maßstabe und von sehr feiner und sorgfältiger Ausführung, dann aber insbesondere diejenige Art Her Wassermalerei, bei welcher man die Gummifarben blos mit der Pinselspihe aufträgt, was man punktiren (pointiller) nennt. Die geeignetsten Farben zurMiniakurmalerei sind die, welche am wenigsten Körper haben, z. B. Karmin, Ultramarin, Lacke u. s. w., die man, um Minimen Minister 6l)7 sie ganz fein zu erhalten, in vielem Wasser auflöst und, nachdem man dasselbe abgegossen, wieder trocknet. Da die feinen Punkte, aus denen die Miniaturmalereien bestehen, so reinlich nebeneinander gesetzt werden müssen, daß sie verrieben und gleichsam miteinander vereinigt scheinen, so nimmt diese Arbeit Viele Zeit in Anspruch. Übrigens wird dabei der Grund des Pergaments u. s. w. sehr oft zu den höchsten Lichtern ausgespart. Miniatur- artige Behandlung findet sich am frühesten in den Gemälden der Manuskripte des frühen Mittelalters und zwar zunächst der byzantinischen. Äußerst feine und sorgfältige Miniaturen kommen schon im 9. und 19. Jahrh. in abendländ. Handschriften, insbesondere in Meßbüchern oder Missalen (s. d.) und Evangeliarien vor. Vgl. Rivr, „Lssai sur I'art ictura miimts, d. i. Kleinmalerei, ab. Die Glanzzeit der Miniaturmalerei war unstreitig das l5. Jahrh., wo die besten flandr. und treffliche ital. Maler sie auSübten; nach der Erfindung der Buchdruckerkunst und deS Lumpenpapiers, wo der Holzschnitt und der Kupferstich an die Stelle der Gemälde in Handschriften traten, kam die Miniaturmalerei in Verfall. Erst im 18. Jahrh. wendete sich dieselbe vorzugsweise dem Portrait zu. Ausgezeichnete Miniaturmaler der neuern und neuesten Zeit sind Mengs, Chodowiecki, Füger, Westermann und Shelly, Sir W. Newton, W.Booth, W.C.Noß und hauptsächlich Lizinska de Mirbel, geb. 1799, Kammermgle- rin des Königs der Franzosen. Vgl.Violet, „Anweisung zur Miniaturmalerei" (Par. 1782; deutsch, Hof >793) und Melignan, „'1'raits sur Ispeinture en miniature" (Par. 1818).« Minimen, Mindeste Brüder oder Eremiten des heil. Franz von Paula, und nach diesem auch Pauliner oder Paulaner genannt, ein 1457 gestifteter und >474 von Sixtus IV. bestätigter Mönchsorden, siedelten sich seit dem Ende des 15. Jahrh. in fast allen Ländern an und hatten später, namentlich inFrankrcich, auch Frauenklöstcr. Aus der strenger» Partei der Franciscaner herorgtgangen, überbieten die Minimen diese noch im strengen Fasten, da sie nichts als Brot, Früchte und Wasser genießen. Ihre Kleidung ist schwarz, auch führen sie, wie die Franciscaner, Leibriemen und Geißeln; ihr Leben ist ganz der stillen Andacht gewidmet. Ihr Stammkloster im Neapolitanischen erhielten sie, nachdem es unter der Fremdherrschaft eingezogen worden war, durch Ferdinand IV. 1815 wieder zurück. Minister, wofür in einigen Staaten auch andere Ausdrücke, z.B. Staatssecretaire, Staatsräthe, Wirkliche geh.Räthe, Vorkommen, heißen diejenigen obersten Staatsbeamten, welche unmittelbar die Beschlüsse des Staatsoberhauptes, des Monarchen oder der höchsten Ncgierungsautorität vorbereiten, einholen, den Nachgeordneten Behörden zur Vollziehung zufcrtigen und ühgrhaupt, unter dem Regenten, die Verwaltung in ihren einzelnen Zweigen leiten und überwachen. Sie sind die unmittelbaren Organe des Regenten, aus der Unmöglichkeit, daß der Monarch allein den aus der höchsten Staatsstelle gewaltig anwachsendcn Skaaksgeschäften gewachsen sein könne, und geschichtlich zunächst aus der persönlichen Be- dienstung bei dem Regenten entstanden. Noch eine andere Bedeutung erhielten sie in Folge des Aufkommens der konstitutionellen Verantwortlichkeit (s. d.). Seitdem hat man angefangcn, sie mehr von dem Regenten zu trennen; sie sind eS, welche zunächst die laufenden Geschäfte leiten und den volksvertretenden Gewalten gegenüberstehen, während der Regent in einer gewissen Unparteilichkeit über dem Allen stehen soll. Um ihrerVerantwort- lichkeit willen glaubt man ihnen aber auch eine immer höhere Machtvollkommenheit geben zu müssen, die sich am sichtbarsten im Verhältniß zu ihren Untergebenen zeigt, die sich aber, sobald die Minister an ständische Majoritäten gebunden sind, auch gegen den Regenten indirect zwingend wendet. Nun schreiben zwar alle Verfassungen dem Regenten die freie Wahl seiner Minister zu; aber Thatsache ist es, daß der Regent in vielen außerdeutscheu konstitutionellen Staaten solche Minister entlassen muß, welche die ständische Mehrheit entschieden wider sich haben. In England bilden die Minister geradezu einen vollziehenden Ausschuß des Parlaments, womit denk allerdings der Schwerpunkt der Negierungsgewalt in die Mitte des lehtern versetzt, den Ministern aber ein starker Beweggrund gegeben wird, 608 Ministerialen Minorat sich eine niiiiisterielle Partei nöthigenfalls auch durch künstliche Mittel zu bilden. Letzteres ist jedoch in neuern Zeiten in England seltner, desto häufiger aber in Frankreich geschehen. Die früher, besonders in Preußen gebräuchlichen Provinzialminister sind jetzt verschwunden und Fach- oder Dcpartementsminister an deren Stelle getreten. Als solche Departements bieten sich Justiz, Inneres, Cultus und Unterricht, Finanzen, Krieg und Äußeres naturgemäß dar, wozu in Seestaaten noch die Marine kommt. BesondereHandelS- ministcrien haben ebensowol ihre Bedenken, wie besondere Policeiministerien. In kleinern Staaten können Justiz, Cultus und Inneres und dann wieder Finanzen, Krieg und Äußeres vereinigt werden. Doch schadet Zersplitterung weniger, als unpassende Vereinigung des Ungleichartigen und bei jeder Vereinigung mehrer Departements wird in der Regel Eines über Gebühr zurückgesctzt. Übrigens kommen auch Minister ohne Portefeuille vor. Vgl. Malchus, „Politik der innern Staatsverwaltung" (3 Bde-, Heidelb. 1823 ) und Bülau, „Die Behörden in Staat und Gemeinde" (Lpz. 1836 ). Ministerialen, d.i.Dienstleute, hießen die schon in den frühesten Zeiten des Mittelalters an den Höfen der Könige und ihrer Statthalter, wie der Bischöfe sich vorfindenden Hausbeamten, die anfangs wirkliche Dienste leisteten, später aber nur ^zum Glanze des Hofstaats ihrer Herren dienten. Die vier ältesten und vornehmsten dieser Ämter waren die des Marschalls, des Kämmerers, des Schenken und des Truchsesses, denen sich so viele andere anschlossen, als die Verrichtungen im Hofdienste nur foderten. Zum Lohn für ihre Dienste erhielten die Ministerialen Hoflehen, die gleich denKriegslehen, jedoch etwas spater , und namentlich unter Kaiser Friedrich I. erblich wurden. Ihrer zu leistenden Dienste wegen nicht für vollkommen frei gehalten, gehörten sie auch nicht zu dem hohen Adel, den Fürsten, ^ Grafen und Herren, sondern bildeten zusammen mit den zu Kriegsdiensten Verpflichteten die Ritterschaft. Später fingen die Ministerialen an, unter Genehmigung ihrer Herren ihre Dienste durch Andere verrichten zu lassen, die sie nun ebenfalls durch Übertragung von Lehen dafür entschädigten, und so entstanden zuerst neben den Erzämtern (s.d.) die von ihnen ^ zu Lehn herrührenden Erbämter (s. d.). Vgl. Fürth, „Die Ministerialen" (Köln > 836 ). Minne, ein altdeutsches Wort, bezeichnte Das, was wir Liebe nennen, während ! dieses Wort, dem Leide entgegengesetzt, gewöhnlich in seinem ursprünglichen Sinne von Freude, Lust gebraucht wurde. Der Verehrung gemäß, welche das Weib von ältester Zeit her bei den german.Völkern genoß, wurde auch die Minne von den Deutschen in einem edlern, geistiger« Sinne aufgefaßt, als dies bei Griechen und Römern mit der Geschlechtsliebe im Ällgemeinen der Fall war, und durch den Einfluß des Ritterthums steigerte sich jene Auffassung noch mehr in das Schwärmerische. Daß aber neben dieser idealischen Richtung und mit ihr verbunden auch die Sinnlichkeit ihr Recht behauptete, dafür zeugen viele der Lieder der deutschen mittelalterlichen Lyriker, für deren Poesie die Minne, die bei ihnen auch häufig personificirt als Frau Minne erscheint, ein Hauptgegcnstand ist, dakffr sie selbst häufig durch den Namen Minnesinger bezeichnet werden.(S.Meistersänger.) DieGrund- bedeutung des Wortes ist übrigens „Andenken", sowie das Verbum „minnen" ursprünglich „gedenken" bedeutet und mit „meinen", d. h. im Sinne haben, seine Gedanken auf etwas richten, und „manen", d. h. erinnern, zusammenhängt, und diese Grundbedeutung ist iw Altnordischen dem Substantiv minni und dem Verbum minus geblieben, ohne daß sich die Bedeutung Liebe, lieben daraus entwickelte. Daher wurde der Trunk, den man nach germau. Sitte zum Andenken eines Abwesenden oder Verstorbenen bei festlichem Mahle, oder zuEhren eines Gottes beim Opfer that, selbst Minne genannt. Im deutschen Mittelalter waren eS » vorzüglich zwei Heilige, denen zu Ehren, besonders von Scheidenden und Reisenden, Minne getrunken wurde, nämlich Johannes der Evangelist, der vergifteten Wein ohne Schaden getrunken haben sollte, daher der ihm geheiligte Trunk die Gefahr der Vergiftung abwende, und Gertrud, die man mit Johannes verband, weil sie selbst ihn über alle Heiligen verehrt hatte; daher „St.-Johannes und St.-Gertruden Minne trinken". Minnegerichte, s. Liebes Höfe. ' Minnesänger, s. Meistersänger. Minörat heißt im Gegensätze des Majorats das hier und da gebräuchlich« Vorrecht des Miuorca Minorennität 609 Jüngsten in der Erbfolge; bei Bauergütern namentlich das Vorrecht, vermöge dessen der jüngste Sohn das väterliche Gut annehmen und seine Geschwister mit Geld absinden kann. Minorca oder Menorca (Luleuris minor), die kleinere der Balearen (s. d.), zählt auf 12 mM. gegen 50000 E. Sie hat, wie Majorca, fast durchgehends gebirgigen Boden, viele Buchten und Baien, sowie mehre Vorgebirge, ist weniger fruchtbar als jene Insel und liefert auch die nämlichen Producte wie diese, namentlich Wein, Honig, Kapern, Fische, Maulthiere, Schafe und Schweine. Der Handel war unter brit. Herrschaft bedeutender als unter der gegenwärtig spanischen, der Ackerbau ist sehr vernachlässigt. Die be- > festigte Hauptstadt Puerto-Mahon (kortus lUsgonis) mit i7000 E-, auf der Südostseite, > hat einen guten, durch drei Forts verthcidigten Hafen, eine sehenswcrthe Domkirche, ein Arsenal, ein Quarantainehaus und bedeutende Austernfischerci. Die ursprüngliche Hauptstadt war Ciudadela, noch gegenwärtig der Sitz eines Bischofs. Der Besitz dieser Insel ist namentlich wegen des Handels im Mittelländischen Meere wichtig; daher nahmen sie im span. Erbsolgekriege I? 08 , angeblich für Karl III., die Engländer in Besitz, denen sie auch l im utrechter Frieden verblieb. Im I. 1756 wurde sie durch die Franzosen erobert und der engl. Admiral Byng (s. d.), der zu ihrer Entsetzung abgesendet wurde, sich aber vor einen: schwächer» Feinde zurückzog, deshalb zum Tode verurtheilt. Im Frieden von > 763 kam sic indeß wieder an England. Im I. ! 782 wurde sie von den vereinigten franz.-span. Truppen in drei Tagen erobert und 1783 förmlich an Spanien abgetreten; >708 wieder ^ von den Engländern besetzt, im Frieden von Amiens 1802 aber an Spanien zurückgegeben. Minorennität oder Mindcrjähri g keit (minor sstss) heißt die der Majoren- . nität, Großjährigkeit oder Vollj ährigkeit (omjor oder legitim» sotus), dem Al- ^ ter der vollen Reife, vorangehende Lcbensperiode. Letztere tritt nach röm. Mechke mit dem zurückgelegtcn 25. Jahre ein; in Preußen, Ostreich und Oldenburg mit dem 23.; in Sachsen, Baiern, Würtemderg, Hannover, Baden, Frankfurt, England und Frankreich t mit dem 21.; bei regierenden Fürsten und hohen Adeligen mit dem 18.; auch kann das i Recht der Majorennität auf Verlangen einzelnen Minorennen von der obervormundschaft- > lichen Behörde im Wege der Dispensation ertheilt werden. Die Minderjährigkeit begreift nach röm. Rechte, das der Hauptsache nach jetzt in Geltung ist, folgende Perioden: i) die Kindheit (inkuitiu) bis zum siebenten Jahre; 2) die körperliche Unreifheit, Jmpubertät ^ oder Unmündigkeit, welche bei Knaben mit dem 13., bei Mädchen mit dem 12. Jahre cn- ! digk, und 3) die Pubertät oder Mündigkeit. Das Kind kann sich durch seinen Willen gar ^ nicht verpflichten, obwol Verpflichtungen, die von selbst aus einer rechtlichen Ursache entstehen (ex re), auch bei dem Kinde eintreten. Es muß, wenn es nicht in väterlicher Gewalt steht, durch einen Vormund (tutor) vertreten werden. Das Kind ist nicht zurechnungsfä- j hig; es kann gezüchtigt, nicht aber bürgerlich gestraft werden. Der Unmündige steht schon etwas selbständiger; er kann Rechte erwerben, aber sich zu nichts verbindlich machen. Er macht sich durch Unvorsichtigkeit (cusim) und verbrecherischen Vorsatz (dolus) verant- worhlich, und wenn die Bosheit groß ist, tritt auch wol eine bürgerliche Bestrafung ein. Aber auch er muß noch einen Vormund haben, der für ihn handelt. Der Mund ige dagegen kann gültige Willenshandlungen vornehmen, kann insbesondere seinen Consens zu einer Ehe geben und sein Testament machen. Er ist zurechnungsfähig und wegen unerlaubter Handlungen der gesetzlichen Strafe unterworfen. Allein seiner Unerfahrenheit kommt das röm. Recht noch immer.dadurch zu Hülfe, daß es ihm einenBeistand (curutor) » zuordnet,-welcher vornehmlich sein Vermögen verwaltet und ohne den er in Vermögens- j fachen nichts thun kann. Auch gibt es ihm das Recht, alle Geschäfte, wodurch er währrnd seiner Minderjährigkeit in Schaden gekommen ist, in den ersten vier Jahren nach erlangter Großjährigkeit wieder rückgängig zu machen oder Restitution in integrum zu suchen. Das neuere Recht hat fast allgemein den Unterschied zwischen Tutel und Curatel oder zwischen Unmündigkeit und Minderjährigkeit aufgehoben. Zur Lehnsmündigkeit gehört das Alter von >3 Jahren, 6 Wochen und 3 Tagen, indem man zu dem Alter der Großjährigkeit, welches nach dem ältesten deutschen Rechte mit dem zurückgelegten zwölften Jahre eingetreten zu sein scheint, noch das deutsche Jahr und Tag hinzufügte. Die Eides- Lonv.-Lex. Neunte Aufl. IX. 39 610 Minoriten Mintnrna münd igkeit trat nach röm. Rechte mit dem 20. Jahre ein, nach neuern Gesetzgebung!» aber tritt sie meist mit dem l8. Jahre ein; dagegen wird zur Landtagsfähigkeit und zur Übernahme höherer Staatsstellen meist ein höheres Alter als das der Großjährigkeit verlang!. Minoriten, s.Franciscaner. Minos ist der Name zweier Gesetzgeber. Was von den Sagen über dieselben du Geschichte oder dem Mythus angehört, läßt sich kaum bestimmen. — M. I., König m Kreta, war der Sohn des Zeus und der Europa, Vater der Ariadne, Bruder des Rhadi- manthys und Sarpedon, und wurde nach seinem Tode mit Aakos und Rhadamankhys . Richter der Unterwelt. — M. II-, ebenfalls König von Kreta, der Enkel des Vorige», Sohn des Lykastes und der Jda, Gemahl der Pasiphae, nach Andern der Krcte, und Later deS AndrogeoS, Deukalion's II-, des Glaukos, Katreus, der Akalle, Ariadne, Phädra und äcenodike. Seinen Tod soll er bei Verfolgung des Dädalos in Sicilien durch den König Kokalos gefunden haben. Er herrschte nach der Sage neun Jahre über Kreta, und ei wird ihm jene berühmte Minoische Gesetzgebung, in der ihn Zeus unterrichtet ha- § ben soll, zugeschrieben. Auch soll er die erste bedeutende Macht zur See geschaffen habe». Erst die spätere alexandrin. Sage'macht ihn zum grausamen Tyrannen. Homer undHesiod kennen nur Einen M., den Herrscher zu Knosos, den Sohn und Freund des Zeus. Minotaurus, d. i. Stier des Minos, soll nach der Sage ein Sohn der Pasiphae und eines Stiers, halb Mensch, halb Stier, oder Mensch mit einem Stierkopfe gewesen sein. Ihn fütterte Minos im knossischen Labyrinth, in das er ihn gesperrt, mit den Jünglingen und Jungfrauen, welche Athen jährlich als Tribut liefern mußte, bis endlich These us (s. d.) mit Hülfe der Ariadne (s. d.) das Ungeheuer tödtete und Athen vom Tribut befreite. Über die Deutung der Fabel sind verschiedene Meinungen aufgestellt worden, die darauf hinauslaufen, daß M. als Symbol des phöniz. Sonnengottes anzusehen sei. Minsk, ein Gouvernement des westlichen Rußlands, von 1628 IHM. mit 935990 E., worunter 187800 Katholiken, 750 Evangelische, 96480 Juden und 2660 Mohammede- 1 ner, wurde 1795 aus der vormaligen lithauischen Woiwodschaft gleiches Namens und aus ! Theilen der Woiwodschaften Polozk, Wilna, Nowogrodek und Brzesc-Litewski zusammengesetzt. Es ist morastig, flach, mit Ungeheuern Urwaldungen und Steppen bedeckt, hat noch Auerochsen, Elennthiere, Wölfe, Bären, Luchse und wilde Katzen in seinen Wälder» und nur im Westen einige Gegenden, die für den Getreidebau geeignet sind. Die beiden Haupt- , Nebenflüsse des Dniepr sind der Pripet und die Bereszina und die ausgedehntestenMoräsu , die von Pinsk und Rokitno, wahre Einöden, aus Bruch - und Schilfgegenden bestehend. Im Frühjahr ist fast das ganze Land eine weite endlose Wasserfläche, wo der Verkehr oft viele Tage lang gänzlich gehemmt ist. Ein besonderes Product ist die hier häufig gesammelte ss- ^ genannte poln. Cochenille. Biber kamen sonst häufig vor, sind aber jetzt nur auf die Gegend Lei Pinsk, wo sie in der Pina leben, beschränkt. Das Klima ist im Sommer glühend heiß, im Winter rauh und kalt. Die Bevölkerung, aus Großrussen, Lithauern, Polen, Juden und Tataren gemischt, nährt sich kümmerlich von Jagd, Fischfang, Handel mit kleinen, wilden, muthigen Pferden und einigen Arbeiten in Wolle und Leder. Minsk, die Hauptstadt des Gouvernements, am Flusse Swislocz, einem Nebenfluß der Bereszina, ist der Sitz eines griech. Archimandriten und eines katholischen Bischofs, hat ein 1715 gestiftetes Gymnasium, eine berühmte Messe im März (die sogenannten Josephscontracte), eine Herr- ^ liche Kathedrale, 13 andere Kirchen, zehn Schulen, zehn Fabriken und gegen 2259» E., , die einen zum Theil nicht unbedeutenden Handel unterhalten. Durch Siege der Lithauer über die Tataren sind in diesem Gouvernement denkwürdig die OrteKoidanow (> 22 >) und Klehk (1506); durch Siege der Polen über die Russen Lachowice (1660), und durch Kämpfe der Russen mit den Franzosen Bobruisk und vor allen Borissow, in, deren Nähe bei den Dörfern Studzianka und Zaniwki am 27. und 28. Nov. 1812 der Übergang der franz. Armee über die Bereszina (s. d.) unter Napoleon erfolgte. Minstrels, s. Troubadour. Minturna, eine im Altcrthume nicht unbedeutende Stadt in Latium, an der Grenze von Campanien, nicht weit von der Mündung des Flusses LiriS, aus deren Trümmern das spätere Traj ett» erstand, wurde berühmt durch das Abenteuer des Marius (s. d.), der, Miuucius Felix Minyas 611 um der Rache Sulla's zu entgehen, eine Zeit lang in einem Sumpfe in der Nähe dieser Stadt sich versteckt hielt, dann entdeckt, von der Behörde in M. aber wieder freigelassen wurde und so glücklich nach Afrika entkam. MinucmS Felix, einer der christlichen Apologeten zu Anfänge des 3. Jahrh., war Sachwalter in Nom. Seine Apologie, die den Titel „Octavius" führt und lange Zeit dem altern A rnobiu s(s.d.) aus Sicca beigelegt wurde, ist in Form eines Dialogs abgefaßt und hat in der Sprache manche Vorzüge vor den andern Apologien. Sie wurde zuerst mit dem Arnobius (Nom 15a3, Fol.), dann öfter, unter Anderm von Lindner (Langensalza «760; 2. Aust., 1773) und Muralko (Zür. 1836), herausgegeben und von Lübkert ins Deutsche übersetzt (Lpz. 1836). Vgl-Meier, „Oe Nlnutio k'elice" (Zür. 1823). M>U8 ist ein Kunstwort der Mathematik, welches anzeigt, daß die Größe, der es vorgesetzt wird, von einer andern, voranstehenden, hinweggenommen werden soll. Das Zeichen dafür ist ein liegender Strich (—). Bei der Lehre von den entgegengesetzten Größen bezeichnet man durch Minuszeichen die negativen Größen, während man den positiven Größen Pluszeichen (-s-) oder auch gar kein Zeichen vorsetzt. Minuskel, s. Mönchsschrift. Minute heißt der 60. Theil eines Grades oder einer Stunde. — In der Malerei und Zeichenkunst versteht man unter Minutendie kleinern Theile, wonach man die Verhältnisse des menschlichen Körpers bestimmt, und es gehen deren 48 aus eine Kopflänge. — Zn der Baukunst ist die Minute der 30. Theil eines Modells. — Mi nuten glas nennt man eine kleine Sanduhr, welche nur eine Minute läuft und besonders.auf den Schiffen beim Lootsen gebraucht wird. MittUtöli (Hcinr., Freiherr Menu von), geb.zu Genf am 12. Mai 1772, aus einer savoyischen Familie, trat frühzeitig in preuß. Kriegsdienste. In dem Feldzuge am Rhein bei Bitsch im I. 1703 am Arme schwer verwundet, wurde er nach seiner Genesung.zu dem Cadettencorps in Berlin versetzt, wo er durch seine Thätigkcit und seine Kenntnisse die Aufmerksamkeit des Königs Friedrich Wilhelm's HI. erregte, der ihn zum Gouverneur des Prinzen Karl erhob und zum Generalmajor ernannte. Da M. gleichzeitig mit vielem Erfolg das Fach der Alterthumswissenschaftcn cultivirte, so erhielt er 1820 die Leitung der von der preuß. Regierung nach Ägypten ausgesendeten wissenschaftlichen Expedition. Kurz zuvor verheirathete er sich noch mit einer Frau von Watzdorf, geborenen Gräfin von Schulenburg, die die Reise mikmachte. Außerdem begleiteten ihn der Architekt Professor Lima«, die Naturforscher Hemprich und Ehrenberg, der Orientalist Scholz, zwei ital. Jnge- nieurofsiziere und einige Andere. Zuerst sollte der Zug von Alexandria aus nach den Ruinen von Kyre ne (s. d.) gehen. Doch der begleitenden Araber Treulosigkeit zwang ihn, in der Wüste umzukehren. Über Siwah ging er nun nach Kairo, von da nach Theben und dann bis Assuan. Von dort nahm er seinen Nücknreg über Damiette nach Alexandrien und langte im Aug. 1822 in Berlin wieder an. Lima« und Hemprich (s. d.) und sieben andere seiner Begleiter waren auf der Reise gestorben. Ein großer Theil seiner Sammlungen ging an den Küsten des deutschen Meeres im Schiffbruche verloren; ein anderer noch immer sehr bedeutender Theil wurde nebst M.'s übrigen Sammlungen vom Könige von Preußen für 22000 Thlr. angekauft. Nach seiner Rückkehr wurde M. Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Später nahm er seine Entlassung aus preuß. Diensten und erhielt dabei den Charakter als Generallieutenant. Gegenwärtig lebt er in Lausanne. Seine „Reise zu dem Tempel des Jupiter Ammon und nach Oberägypten" gab Tölken (Berl. 1824, 4 ., mit Kpfrn.; nebst „Nachtrag u.s. w.", Berl. 1827) und der Frau von M. „Souvenirs ci'L^pte" Naoul-Nochette (2 Bdc., Par. 1826 ; deutsch von W. von Gersdorf, Lpz. I82S) heraus. Außerdem schrieb M. „Betrachtungen über die Kriegskunst" (3. Aust., Berl. 1816) und „Beiträge zu einer Biographie Friedrich Wilhelm's III." (Berl. 1843); neuerdings gab er heraus „Militairische Erinnerungen" (Berl. 1845). Minyas, Köyig von Orchomenos in Böotien, war der Sohn des Chryses,.. nach Andern des Orchomenos oder Poseidon, Gemahl der Tritogeneia, der Tochter des Aolos, und Vater des AthamaS, Diochlhondas, Orchomenos, Presbon, der Alkithoe, Arfinoe, Eteoklymene, Leukippe und Periklymene; doch ist seine Genealogie sehr unsicher. 39 * 012 Minder Mirabeau Minyer werden die Argonauten (s. d.) genannt, weil die meisten derselben von den Töchtern des Minyas (s. d.), oder weil sie aus der Landschaft der Minyer stamm, l ten, die ihre Wohnsitze von Jolkos bis Orchomenos hatten. Minze (Sleotka) ist der Name einer Gattung aus der Familie der lippenblütigm Pflanzen. Die meisten Arten dieser Gattung enthalten ein aromatisch riechendes, ätheri- schrs Öl, wodurch sie arzneikräftig werden. Die vorzüglichsten sind die Pfefferminze ! (s. d.), die Krauseminze (s.d.).und der Pole! (ülentka pulegium), der äußerst stark- riechend und reich an ätherischem Öle ist, aber wegen häufiger Verwechselung mit nnwirk- samen Arten selten arzneilich angewendet wird. Mionnet (Theodore Edme), Mitglied der Akademie der Inschriften und erster Con- servator der Münzen auf der königlichen Bibliothek zu Paris, einer der ausgezeichnetste» franz. Archäologen, geb. am 2. Sept. 1770 zu Paris, beschäftigte sich zwar schon auf dem College Lemoine viel mit Numismatik, machte aber dessenungeachtet seinen juristischcnCm- sus und wurde 1789 Parlamcntsadvocat. Bei der Massenaushebung im I. 1792 mußte er Soldat werden; doch blieb er nicht lange bei der Armee, kehrte nach Paris zurück und widmete sich nun ganz, von dem Abbe Barthe'lemy dazu aufgemuntert, dem Studium der Alterthums. - Durch Barthe'lemy erhielt er auch zuerst eine Anstellung an der National- bibliothek. Zur Zeit des Kaiserreichs wurde er nach Wien berufen, um das dortige Medoil- lencabinet zu ordnen- Unter der Restauration sah er sich in seiner amtlichen Laufbahn durch jüngere Leute überflügelt und in Schatten gestellt, und als die Julirevolution aus- brach, war er schon zu bejahrt, als daß man ihn hätte für frühere Zurücksetzung entschädigen können. Durch seine gründlichen und umfassenden Studien der alten Numismatik hat er sich um diese Wissenschaft ein bleibendes Verdienst erworben, indem er nicht nur das von Eckhel begonnene System der geographischen Anordnung weiter ausbildete, sondern auch eine Menge früherer Fehler und Jrrthümer aufklärte und verbesserte. Seine „I)s- scriplion de medailles grecq. et row." (7 Bde., Par. 1806—13; nebst Supplement»! I— 8, Par. 1814—35) ist das unentbehrliche Handbuch aller Sammler. Mag dieselbe auch nicht frei von allen Fehlern und vielleicht der spätem Zeit manche Verbesserung und Ergänzung Vorbehalten sein, so steht sie doch gegenwärtig unerreicht da. Von seinen andern Werken sind zu erwähnen „De la rarste et du ;> rix der mädsilles row." (2 Bde., Pan 1815; 2. Aufl., 1827); der „^tlas <1e geogrupkie unmismatique" (Par. 1838) und „?oids de mädsiiles grecq. ci'or et d'si-gent du cakinet rdvsl de b'rsnce" (Par. 1838). Miösis, s. M-iosis. Miquelets heißen die kriegerischen und räuberischen Bergbewohner der südlichen Pyrenäen, in Catalonien und in den franz. Departements der ober» und der Ostpyrenäen, auf den Höhen des GebirgskammeS, der die Grenze zwischen Frankreich und Spanien bildet. Sie sind im Kriege gefährliche Parteigänger und machten sich namentlich den Heeren Napoleon's in Catalonien durch ihre Überfälle furchtbar. Im Frieden machen sie die Führer der Fremden auf den Gebirgen, lassen sich aber ihre Dienstleistungen theuer bezahlen. Miraveau (Honore Gabriel Ri q u etti, Graf), berühmt durch seinen Einfluß auf die franz. Revolution, wurde am 0. März 1749 zu Bignon bei Nemours geboren- Sein Vater, der Marquis de M., stammte aus einer im 13. Jahrh. aus Florenz nach Frank- «ich eingewanderten Familie, die später das Marquisat Mirabeau in der Provence erwarb. Derselbe war ein wüster Geist und eitler Charakter, hing zum Nachtheile seiner Güter dem » - » Systeme an und schrieb in diesem Sinne eine Menge Werke, von denen allein der ,,-ämi den komme»" (5 Bde., Par. 1755) Anerkennung fand. Ungeachtet seiner philanthropischen Bestrebungen übte der Marquis in seiner Familie den greulichsten Des- potlsmus und wirkte unter Anderm gegen seine Frau, die er verstieß, und gegen.seine zahl- reichen Kinder nach und nach 54 T-ettre» 6s cacket aus. Der junge Honore M., der älteste Sohn des Marquis, besaß von Natur einen athletischen Körper, außerordentliche GeisteS- Mig eiten, dabei ein feuriges, zu Ausschweifungen geneigtes Temperament. In frühester fugend wurde sein Gesicht durch die Blattern entstellt. Die schnelle Entwickelung seiner Einlagen unter einem Hauslehrer erweckten zwar den Stolz, die Ausbrüche zügelloser Leidenschaften, aber auch den Haß und die Verfolgung des tyrannischen Vaters. Schon >764 MirabeaU 613 kam M. nach Paris in ein strenges Militairpenstonat, wo er besonders grosse Fortschritte in ' der Mathematik machte. Im Alter von 17 Jahren trat er als Lieutenant in das Cavalerie- regiment Berri. Seine wilden Ausschweifungen hatten indessen zur Folge, dass ihn der Vater 1768 auf die Insel Ne gefangen setzen ließ; erst nach sechs Monaten erhielt er die Erlaubnis, nach Corsica zur franz. Legion abzugehen. Hier gewann M. durch sein ausgezeichnetes Verhalten das volle Vertrauen der Vorgesetzten, widmete sich mit Eifer aller? möglichen Studien und las besonders die Schriften über Kriegskunst. Auch schrieb er unter dem Beifall der Corsicaner eine zwar lückenhafte, aber beredte Geschichte der Insel, deren Druck jedoch sein Vater aus Eigensinn verhinderte. Da ihm der Vater den Ankauf einer Compagnie verweigerte, so verließ er endlich mit dem Grade eines Hauptmanns den Dienst und ging auf ein Familiengut in Limousin, wo er das physiokratische System ausüben sollte. Dieser Beschäftigung und seiner abhängigen Stellung müde, heirathete er im Juni 1772 die Tochter des reichen Marquis von Marignan. Sein Schwiegervater ver- ^ stand sich aber nur zu einem geringen Jahrgeld, und M. sah sich bald durch übertriebenen Aufwand zu Grunde gerichtet, durch seinen Vater zum Verschwender erklärt und im Mai 1774 durch einen Haftsbrief in die kleine Stadt Manosque verwiesen. Weil er eines Tages sein Exil verlassen hatte, um einen Edelmann, der seine Schwester beleidigt, zur Rechenschaft zu ziehen, ließ ihn der erzürnte Vater auf das Schloß Jf und von da im Mai 17 75 auf das Fort Jour bei Pontarlier in der Franche Comte bringen. Hier trat M., von - seiner Gemahlin verachtet und verlassen, mit der schonen Sophie de Ruffey, der neunzehn» , jährigen Gattin des beinahe 8V Jahre alten Marquis von Monnier, in ein Liebesverhält- I niß, das bald entdeckt wurde und die Rücksendung Sophie's zu ihren Eltern nach Dijon ' zur Folge hatte. Auch M., den der abtretende Minister Malcsherbes benachrichtigte, daß man strenge Maßregeln gegen ihn vorbcreite, entrann seiner Hast und floh mit Sophie in die Schweiz und von da nach Holland, wo er sich im Oct. 1776 zu Amsterdam niederließ. ' Um sich und seiner Geliebten das Leben zu fristen, fing er hier an zu schriftstellern und gab unter Andern: den „Lsssi sur Is clespotisme" heraus, der durch kühne Freiheitsgcdanken und kräftige Sprache großes Glück machte. Inzwischen sprach das Gericht zu Pontarlier das Todesurtheil über den Entführer aus und das Parlament zu Besannen ließ dasselbe am Bildnisse vollziehen; der Vater aber betrieb durch die franz. Minister die Auslieferung ! des Sohnes. M. wurde am 14. Mai 1777 zu Amsterdam mit Sophie in der That verhaftet und auf den Donjon zu Vincennes, seine schwangere Geliebte aber in ein Kloster zu Eien gebracht. In einer harten Gefangenschaft, die 42 Monate dauerte, und während welcher er oft des Nöthigsten entbehrte, widmete er sich mit großem Fleiße den Wissen- > schäften und literarischen Productionen. Er schrieb seinen durch gewaltigen Stil ausgezeichneten „Lisssi sur ies lettres cle cseket et Ies prisons cl'etut" (2 Bde-, Hamb. 1782), verfaßte aber auch aus Noch und langer Weile eine Reihe obscönerRomane, die seinem Talent zur Unchre gereichten. Der Gencrallieutenant der Police!, Lenoir, begünstigte seinen Briefwechsel mit Sophie unter der Bedingung, daß die Papiere in das Policeiarchiv zu Paris zu- rückgeliefert würden. Daselbst fand Manuel diese durch schwärmerische Begeisterung und schwunghafte Leidenschaft ausgezeichneten Briefe aus und veröffentlichte dieselben unter dem Titel „lettres oriKmales <1ebl., ecrites <>u äoujon cle Vincennes" (4 Bde., 1792; neue Aufl-, Par. 1820). Obschon M. gegen seinen Vater eine meisterhafte Vertheidigung schrieb, die öffentliche Meinung für sich gewann und sich mehrmals persönlich an den Hof wendete, so vermochte er doch nicht seine Befreiung durchzusetzen. Endlich, nachdem sein fünfjähriger, mit der rechtmäßigen Gattin erzeugter Sohn gestorben, und die directe Nachkommenschaft der Familie auf dem Spiele stand, ließ sich der von allen Seiten bestürmte Vater zur Versöhnung bewegen, und M. erhielt am 13. Dec. 1780 die Freiheit. Am Körper gebrochen, ging er sogleich nach Pontarlier und bewirkte durch seine Geistesgewandtheit die Aushebung des gegen ihn und Sophie ergangenen Urtheils, obfchon er sich mit Letzterer bereits entzweit hatte. Hierauf versuchte er auch die Annäherung an seine Gattin, die aber am Widerstande des Schwiegervaters scheiterte. Er machte deshalb einen für beide Theile wenig ehrenhaften Proceß anhängig, den er verlor, wiewol er durch seine Bevedtsamkeit Erstaunen erregte und den Ruf seines Talents vergrößerte. Da das gute Vernehmen mit 614 Mirabeau dem Vater nur kurze Zeit dauerte, so faßte er den Entschluß, sich fortan durch schriftstelle, rische Thätigkeit eine unabhängige Existenz zu erringen. Zu dem Zwecke trat er zu Pari- mit dem Akademiker Chamfort in eine Art literarischer Genossenschaft, die ihm viel Geld einbrachte. In Gesellschaft einer jungen Holländerin, Namens Nehra, von der er sich nicht mehr trennte, ging er gegen Ende des I. >784 nach England, wo er die durch Franklin und Chamfort veranlaßten „Onsidörations sur l'srdre de Lincmimtuz" herausgab, die in Nordamerika große Wirkung thaten. Zu London schrieb er auch die gegen die Politik Kaiser Zoseph's II. gerichteten „vontes sur la likerts de t'Lscout", wozu ihn Wahlschein- lich Holland. Gold bewogen hatte. Nach Paris zurückgekehrt, begann er, von den großen Bankiers unterstützt, vielleicht auch bestochen, die heftigsten Angriffe gegen die Finanz- Verwaltung Calonne's. Eine Flugschrift gegen die Waffercompagnie zu Paris verwickelt! ihn in einen vernichtenden Kampf mit Beaumarchais, in welchem er zur gemeinsten Pole- mik Herabstieg, während ihn sein Gegner mit Würde bloßstellte. Vergennes suchte nun den gefürchteten Publicisten auf Calonne's Betrieb zum Schweigen zu bringen, indem man ihm eine geheime Sendung an den Hof Friedrich's II. nach Berlin gab. Hier, wo er bei dem bevorstehenden Tode des Königs die Absichten des Thronfolgers beobachten und über- Haupt die preuß. Verwaltung studiren sollte, zog er die Aufmerksamkeit durch mehre Denkschriften auf sich und erweckte schon nach sechs Monaten vor seinem kühnen und durchdringenden Wesen eine solche Besorgniß, daß er die preuß. Staaten verlassen mußte. Ec hatte besonders durch jden Umgang mit dem Major Mauvillon eine Menge wichtiger Materialien zusammengebracht, die er zur Abfassung seines größern Werks „De I» monsrdiis prussienue sous Krederic Is 6raud" (-1 Bde., Par.; 8Bde., Lond. 1788; deutschivon Mauvillon und Blankenburg, 4 Bde., Braunschw. und Lpz. >794—96) benutzte, in welchem er, bei aller Mangelhaftigkeit der Thatsachen, den Regierungsmechanismus Friedrich's II. einer scharfsinnigen, aber ungünstigen Beurtheilung unterwarf. In seinen Erwartungen getäuscht, immer in Geldverlegenheit, erhob er nach seiner Rückkehr zu Anfänge des 1. 1787 aufs neue seine Stimme gegen Calonne's Verwaltung. Unter seinen Flugschriften brachte hauptsächlich die „Venonciation de I'aßiotage au roi et ä l'assemblee lies notables" eine schlagende Wirkung hervor. Auch Necker erlitt durch ein ähnliches Pamphlet, „Suite de I» denoncistion", einen empfindlichen Angriff. Mehre dieser Schriften, die sich insgesammt durch Sachkenntniß, Scharfsinn und Gewandtheit auszeichneten, ließ der Hof durch den Henker verbrennen, und ein Haftsbrief verurtheilte endlich den Verfasser zur Einsperrung ins Schloß zu Saumur, der er sich jedoch diesmal zu entziehen wußte. M. galt durch seine literarische Wirksamkeit bereits als ein Hauptvertreler der Volksinteressen, als die Zusammenberufung der Generalstaaten vorbereitet wurde. Sein Blick erkannte sogleich die Wichtigkeit dieses Ereignisses und errieth, welche Laufbahn sich hiermit für ihn eröffnen könnte. Um seine Reise nach derProvence zu bestreiten, wo er vom Adel gewählt zu werden hoffte, verkaufte er aus feinen diplomatischen Papieren eine „llistoire se- cret« de Ire cour de Berlin", die aber der Hof verbrennen ließ, weil besonders der Prinz Heinrich'von Preußen darin bloßgestellt war. DerMdel derProvence wies M. unter demVor- wände zurück, daß er kein Lehngut besitze. M. schied mit der kühnen Drohung, daß er gleich Marius die Aristokratie zertrümmern werde, und entäußerte sich factisch seines Standes, '"dem er einen Tuchladen kaufte und bei dem dritten Stande als Wahlcandidat auftrat. Man nahm ihn als das Opfer des Hofdespotismus und den Verfechter der Freiheit mit Enthusiasmus auf und wählte ihn zugleich zu Aix und zu Marseille. Er entschied sich für Mar- stille und hob sich daselbst durch kluges, energisches Einschreiten bei einem durch Hungcrs- noth veranlaßten Aufruhr auf den Gipfel der Popularität. Bei Eröffnung der Eeneral- der Adel mit Murren empfing, verhielt er sich beobachtend; er ver- Wwieg sich nicht, daß Frankreich für die Freiheitsentwürfe einzelner Köpfe noch unreif sei. Der Mermuth der Aristokratie, sein Haß gegen die Despotie!, die ihn selbst in Elend und Patriotismus und stolzes Vertrauen auf seine Kräfte lösten ihm jedoch alsbald die Zunge. Er bestieg die Rednerbühne und beherrschte die Verhandlungen durch me schärfste Dialektik, und die Gemüther durch eine gewaltige, naturkräftige, ebenso zum Verstände wie zum Herzen sprechende Rednergabe. So sehr er aber auch anfangs den Hof Mirabeau 615 durch die Kühnheit seiner Sprache und Vorschläge einschüchterte und zur Anerkennung der i Nationalversammlung zwang, so verfolgte er doch seiner Überzeugung nach nie den Um- stürz der Monarchie, sondern nur die Vernichtung des Despotismus und der Privilegien und die Herstellung eines> konstitutionellen Throns. Um die Jnsurrection zu unterdrücken, setzte er am 8. Juli 1789 die Errichtung de? Nationalgarde durch. Die stürmische Ver- ^ nichtung der Privilegien in der Nacht vom -i. Aug-, wobei er selbst nichts zu verlieren hatte, misbilligte er als eine Übereilung. Als die Verhandlungen über die königliche Sanction und das Veto begannen, setzte er seine Popularität ein, um der Krone soviel als möglich zu erhalten. Bei der Unfähigkeit und persönlichen Feindseligkeit Ludwig's XVI. unterstützte er einen Augenblick die Absichten des Herzogs von Orleans und wurde deshalb auch als einer der Anstifter der Unruhen des 5. und 6. Oct. bezeichnet; doch sprach ihn der Chatelet frei. Je schneller sich die Anarchie und die Leidenschaften entwickelten, um so mehr mußte M. mit seinen politischen Ansichten und als vereinzelter Redner in Conflict gerathen , und an Einfluß verlieren; die Revolution, die er mit hervorgerufen, wuchs ihm über den Kopf. In der Kammer unterstützten ihn stets nur einzelne tiefere Geister, wie Chapelier und Sieyes; die Häupter der Rechten, wie der Linken, waren seine heftigen Gegner. Die sogenannten Monarchisten, zu denen Mounier, Lally-Tolendal und Malouet gehörten, stießen ihn seines befleckten Wandels wegen zurück. Auch Necker wies ihn von sich; dessenungeachtet trat er demselben in den Planen zur Herstellung des Crediks bei. Ebenso weigerte sich der König, mit dem berüchtigten Charakter in persönliche Verbindung zu treten. ^ Trotz dieser Verleugnung setzte M. das Martialgesetz durch, vertheidigte die vollziehende ! Gewalt und strebte, den Ministern eine berathende Stimme in der Versammlung zu sichern. ! Unter den drohendsten Ereignissen warf endlich der Hof ernstlich seine Augen auf M., und der König war entschlossen, den gewaltigen Mann zum Minister zu erheben. Kaum wurde das Project bekannt, als sich in der Versammlung die Anhänger mit den Gegnern der f Revolution zum Widerstande vereinigten; ein Decret vom 7. Nov. 1789 verhinderte, daß ein Deputirter Minister werden konnte. Dieser blinde Partcieifer entschied vielleicht über den Sturz der Monarchie; M. sah seine Popularität im Volke und seine politische Wirksamkeit für die Zukunft gelähmt. Vergebens vertheidigte er die Prärogativen der Krone hinsichtlich der Ernennung der Beamten, das Gnadenrecht und das ausschließliche Recht, den Krieg zu erklären. Nach den Verhandlungen über letztere Frage wurde er sogar auf der Straße von dem wüthenden Pöbel verfolgt. „Ich weiß", eröffnete er am folgenden Tage seine Rede, „daß vom Capitol zum tarpejischen Felsen nur ein Schritt ist". Einen Thcil seiner Popularität erlangte er durch sein entschiedenes Auftreten zurück, womit er die i Civilconstitution des Klerus, den Verkauf der Kirchengüter und die Creation der Assigna- . ten unterstützte. Die Königin, die ihn für die letzte Zuflucht der wankenden Monarchie hielt, veranlaßte ihn ans Vermittelung des Fürsten August von Arenberg, unter Mitwirkung des Grafen Mercy -Argenteau, des östr. Botschafters am franz. Hofe, im Mai 1799 zu einer geheimen Zusammenkunft in den Gärten zu St.-Cloud. „Madame", rief er beim Abschiede der Fürstin zu, die Monarchie ist gerettet"; allein, wie groß auch das Vertrauen auf seine Kraft war, er hatte doch zu viel versprochen. Die bedeutenden Geldsummen, die ersetzt vom Hofe erhielt, gaben seinen Feinden Gelegenheit, ihn als Verräther zu brandmarken. In der That legte er hiermit seine politischen Principien nicht ab; vielmehrssuchte er den Hof mit der Revolution auszusöhnen. Durch die Geschicklichkeit seiner Manoeuvres . erhielt er im Dec. > 799 die Präsidentschaft im Club der Jakobiner, im Febr. 1791 sogar I in der Nationalversammlung. Bei den Jakobinern rief er Nobespierre mit seiner furcht- , baren Stimme zur Ordnung, und in der Versammlung wagte er unter großem Tumulte ! die Maßregeln gegen die Emigranten als eine Drakonische Gesetzgebung zu bezeichnen. Schon gegen Ende Februar verrieth er indessen eine tiefe geistige und körperliche Abspannung in Folge der heftigen Kämpfe und fortgesetzter Ausschweifungen. Am 27. März, wo er bei Verhandlungen über die Minen fünfMal das Wort ergriffen, stieg er zusammen- sinkcnd von der Rednerbühne. Seine Krankheit, die in den Eingeweide« wüthete, dauerte nur wenige Lage; er starb ohne Agonie am 2. Apr. 1791. Man vermuthete eine Vergiftung ; allein selbst sein Freund und Arzt Cabanis erklärte sich dagegen. Sein Körper wurde 616 Miranda mit groß« Pracht, unter Begleitung aller Autoritäten und einer zahllosen Volksmenge, in der zum Begräbniß großer Männer bestimmten Kirche St.-Genevieve beigesetzt, mußte t aber später der Leiche Marat's Platz machen. Ganz Frankreich empfand den Verlust die- ses bedeutenden Mannes, der ungeachtet seiner Fehltritte und Laster ein vortreffliches Herz besaß. Viele seiner politischen Entwürfe sind von seinen Secretairen Comps, Pellenc, . Klaviere und Dumont, weshalb seine Gegner das Gerücht verbreiteten, er glänze durch die ^ Mittel Anderer. In Barthe's Ausgabe der „Orateurs fron;." bilden die „viscours et oss,- nions 6s Al." (Par. 1820) die drei ersten Bände, und Etienne Me'jean veröffentlichte ein« „(lollsetion complete 6ss truvanx 6e Al. I'aine ä I'assemblee nationale" (5 Bde., Par. 1792). Die erste vollständige, mit einer Biographie begleitete Ausgabe sämmtlichn Schriften M.'s veranstaltete Me'rilhou (9 Bde., Par. 1825—27). Die zuverlässigsten Nachrichten über M.'s Leben und Wirksamkeit theilt sein natürlicher Sohn Lucas Mon- tigny mit in den „Alemcüres bivAraptiigues, littersires et politi^ues 6e Al." (2. Aust, 8 Bde., Par. 18-11). — Andre Bo nisace Louis Riquetti, Vicomte de M., der jüngere Bruder des Vorigen, geb. am 30. Nov. 1754 zu Bignon, wurde schon in der Wiege Malteserritter und machte sich in der Zugend ebenfalls durch Ausschweifungen berüchtigt. Nach der Rückkehr aus dem nordamerik. Freiheitskriege erhielt er vom Hofe ein Dragonerregiment. Der Adel von Limoges schickte ihn zu den Generalstaaten, wo er als ungeschickter und heftiger Aristokrat asiftrat und oft von seinem Bruder vertheidigt werbe» mußte. Auf die Nachricht, daß sich sein Regiment zu Perpignan empört habe, eilte er zu Anfänge des 1.1790 dahin und nahm den Dragonern sämmtliche Halsbinden weg. Vor der Nationalversammlung angeklagt, verließ er Frankreich und errichtete am Rhein die unter dem Namen llussarcks 6s la mort bekannte Emigrantenlegion, mit der er >792 eine» blutigen Parteigängerkrieg unterhielt. Die Anstrengungen, welche ihm die Führung dieses 3000 M. starken Corps verursachte, veranlaßten seinen Tod am 15. Sept. >792 zu Freiburg im Breisgau. Miranda (Franc.), General der franz. Republik, stammte aus einer angesehenen Familie in den span. Kolonien Südamerikas und war in seinen jünger» Jahren Offner bei den Truppen derProvinz Guatemala. In eine Verschwörung verwickelt, welche dieVe- sreiung seines Vaterlandes von der span.Herrschaft bezweckte, mußte er die Colonien verlassen. Im Alter von -12 Jahren hatte er die Hälfte der Erdkugel gesehen, sich auf seinen Reise» ausgebreitete Kenntnisse erworben und viele fremde Sprachen angeeignet. Immer mit der Entfesselung Südamerikas vom span. Joche beschäftigt, reichte er sowol der Kaiserin von Rußland wie dem brit. Cabinet Befreiungspläne ein, die sehr gut ausgenommen wurden. Bei dem Ausbruche der franz. Revolution trat er mit der Nationalversammlung in Verbindung, welche sich ebenfalls geneigt zeigte, die Jnsurrection in Südamerika zu unterstützen. Bei dem Einbrüche der Preußen in die Champagne wurde er insbesondere durch den Einfluß der Gi'rondistenpartei zum franz. Divisionsgeneral ernannt. In dieser Eigenschaft wohnte er dem Feldzuge von 1792 bei und begleitete im folgenden Jahre Dumouriez »ach Belgien. Namentlich durch fein militairisches Verhalten ging die Schlacht vonNeerwinden, in welcher er den linken Flügel befehligte, verloren. Nach dem Sturze der Girondisten beschuldigte man ihn deshalb der Theilnahme am Vercath Dumouriez's und stellte ihn vor das Revolutionstribunal. Dasselbe behandelte diese Angelegenheit mit Gründlichkeit, so- daß M. Gelegenheit erhielt, sich vollkommen zu rechtfertigen. In der That war er ein Mann von tiefen strategetischen Kenntnissen; allein ihn mangelte die militairische Erfahrung. Weil er sich unverhohlen über den Gang der Revolution aussprach, wurde er nach einiger Zeit wieder festgenommen und zur Verbannung aus Frankreich verurthcilt. Ec wußte sich indcß dieser Maßregel zu entziehen und entfloh erst nach der Revolution vom 18. Fructidor, wo man ihn abermals verfolgte, nach England. Von hier aus kehrte er >803 nach Frankreich zurück, wurde aber vom ersten Consul aufs neue verwiesen. Er ging nach Südamerika, trat hier im I. 1811 an die Spitze von Jnsurgcnlcnbanden und versuchte die Republik Carracas zu gründen. Von Großbritannien und den Vereinigten Staaten unterstützt, vermochte er sich im Laufe des I. !8I2 gegen die Spanier aufrecht zu erhalten. Indessen hatte er das Unglück, in die Hände des Feindes zu fallen. Als Gefangener nach Mirandola Mißgeburt 617 Cadix gebracht, starb er daselbst im Kerker im I. !8l 6. Er besaß einen reichen, gebildeten Geist und seltene Festigkeit und Energie des Charakters. Mirandola, eine Stadt im Herzogthum Modena, mit 5500 E. und 16 Kirchen, der Sitz eines Bischofs, war früher die Hauptstadt der gleichnamigen Grafschaft, die 1619 zum Herzogthum erhoben wurde und erst >710 an Modena kam. Mirandöla (Joh. Pico von), s. Pico (Joh.) von Mirandola. - Misanthröpie oder Menschen haß und Menschenscheu schließen verschiedene Begriffe in sich ein. Die Menschenscheu, welche man mit Unrecht Misanthröpie nennt, kann lediglich auf einer Abnormität des Gefühls beruhen, welche in dem daran Leidenden den natürlichen Geselligkeitstrieb erstickt, ihm den Umgang mit andern Menschen als etwas Unangenehmes erscheinen läßt, dabei aber die Menschen ganz indifferent betrachtet. Der Menschenhaß, die eigentliche Misanthröpie, ist die Folge einer falschen Beurtheilung der Menschen, meist eines falschen Schlusses von einem oder mehrenJndividuen auf das ganze Geschlecht und geht als Haß über den Jndifferentismus hinaus, indem er dem verhaßten Geschleckte Böses anwünscht. Der Menschcnhaß entspringt mehr aus dem Verstände als aus dem Gefühl, doch wird meist der erste Anlaß dazu durch das Gefühl gegeben, wenn wirkliche oder vermeinte Kränkungen vorhergegangen sind. Insofern also die Misanthröpie ein von der Regelmäßigkeit abweichender Zustand ist, kann sie auch eine Krankheit genannt werden, zumal wenn sic, wie es bei so vielen Geisteskrankheiten derFall ist, von körperlichen Unregelmäßigkeiten, namentlich Unterlcibsbesckwerdcn begleitet wird, wo auch durch Arznei- kräfte zur Heilung mitgewirkt werden kann. Übrigens ist Misanthröpie nicht mit Melancholie (s.d.)-zu verwechseln; denn obgleich der Melancholische der Natur seiner Krankheit nach den Umgang mit Menschen vermeidet, so kann er doch gegen dieselben freundlich gesinnt sein; oft aber sind beide Krankheiten miteinander verbunden. Misecllanöen (lat. Ni8ee1Im>ea) nennt man Aufsätze, Abhandlungen und Schriften vermischten Inhalts, wofür man später auch den Ausdruck Miscellen gebrauchte. So besitzen wir namentlich unter dem Titel „lUiscellaneir plrilologicu" oder „oritica" eine große Reihe trefflicher Erörterungen über Gegenstände der Alterthumswiffenschaft, über Kritik und Erklärung der alten Classiker von brit., Holland, und deutschen Gelehrten. (S. Adversarien und Collect an een.) Misch na, s. Talmud. Miserere, d. h. erbarme dich, heißt ein berühmter Krrchengesang, eigentlich der 57. Psalm, nach dem Anfangsworte in der Vulgata: illisorers mei Nomine. Besonders berühmt ist die Composition des Miserere von Allegri (s. d.), welche seit ihrer Entstehung im I7.Iahrh. alljährlich in der Charwoche von den Sängern der päpstlichen Kapelle in Rom ausgesührt wird. Außer dieser Composition sind vorzüglich noch die von Leon. Leo und Tom. Baj zu nennen. Miserere oder Darmgicht (ilens oder passio iliaoa, auch cilorclnpsus) ist eine acute Unterleibskrankhcit, in welcher eine hartnäckige Stuhlvcrstopfung Schmerzen im Unterleibe und heftiges Erbrechen selbst der schon aus dem Magen in die Gedärme übcrgeführtcn Stoffe erzeugt und gewöhnlich den Tod hcrbeiführt. Veranlassung dazu können alle Umstände geben, welche den Durchgang der verdauten Speisen durch den Darmkanal verhindern, z. B. Darmverschlingungen, zusammengeballte Würmer, verhärteter Darmkoth, fremde den Darmkanal verstopfende Körper u. s. w. Der lat. Name rührt von dem Gebete „>1iserere mei", d. i. erbarme dich meiner, her, weil durch bald eintretende Entzündung und schnell darauf folgenden Brand des afficirten Darmstückes in den meisten Fällen der Tod sehr schnell eintritt. Misericordias domini, s. Sonntag. Mises, s. Fechner (Eust. Theod.). Misgeimrt (monstrum) nennt man eine menschliche Frucht, deren Gestaltung von der Regelmäßigkeit abwcickt. Solche Abweichungen, auch Misbildungen oder Monstro- sitäten genannt, kommen sehr häufig vor und sind als fehlerhafte Äußerungen der bildenden Thätigkeit im Weibe anzusehen, welche auf dreierlei Art zu Stande kommen können. Wenn der Bildungstrieb dem Fetus (s. d.) mehr anbildet, als diesem gebührt, so ent» 618 Misheirath stehen Geschöpfe, bei denen sich eine die Norm übersteigende Größe mancher Gliedmaße» oder auch ganz neue überzählige Gebilde finden, z. B. Hände mit sechs Fingern u. fi v. I (moii^trositates per exces-uim); bringt hingegen die bildende Thätigkeit die Frucht nicht > bis zu dem Grade von Ausbildung, den diese erreichen soll, so fehlen ihr mehr oder weniger wichtige Theile, B. das Gelfirn, der Kopf oder ein Theil desselben, Eingeweide, Arme, j Beine, Fillger u- s. w. (monstrositutes per cielectuin). Die Früchte der zweiten Elaste hat man auch Hemmungsbildungen genannt, indem sich bei ihnen meist Nachweisen läßt, daß das vermißte Organ zwar ursprünglich vorhanden gewesen sei, auch eine gewisse Stufe der Ausbildung erreicht habe, auf dieser aber stehen geblieben sei. Die dritte Elasse von Mißgeburten endlich ist die, wo die genannte Kraft am Unrechten Orte thätig gewesen ist und den Organen eine falsche Lage gegeben hat, z. B. wo man das Herz in der rechten Seite der Brust findet u. s. w.. (monstrnsitates por situm partium mutatum). Eine Ordnung sen Mißgeburten, welche theils zur ersten, theils zur zweiten Elasse gerechnet werden kam, ! bilden diejenigen Früchte, wo offenbar zwei ursprüngliche Embryonen zu einem Körper ! verwachsen und von jedem nur gewisse Organe, die gewöhnlich dann in dem andern «er- ^ kümmern, ausgebildct worden sind, z. B. Körper mit zwei Köpfen, drei oder vier Hände» oder Beinen u. s. w. Überhaupt find die Verschiedenheiten so vielfältig, daß mancher M für sich allein eineOrdnung bildet, wie die beiden zusammengewachscnen Siamesen, welche streng genommen zu den Mißgeburten zu zählen sind. Über die Gelegenheitsursachen der Bildungsabweichungen ist man noch wenig unterrichtet; als öftere ausgemachte Ursache» möchten wol Schwächlichkeit der Altern, Druck oderStöße auf den Leib einer Schwanger» und ähnliche Beeinträchtigungen anzunehmen sein, während andere, wie das sogenannte Versehen (s. d.), noch sehr problematisch sind, und die frühere Annahme einer Ee- schlechtsvermischung mit bösen Geistern oder Thieren vor dem Lichte einer aufgeklärten Zeit geschwunden ist. Ist die Naturkunde in Auffindung der Gesetze, denen die Bildung M Mißgeburten unterworfen ist, bis jetzt nur zu unbedeutenden Resultaten gelangt, ft hat sich die Jurisprudenz um so entschiedener dieser Geschöpfe angenommen und über alle die Punkte, welche dabei von Wichtigkeit sind, ziemlich bestimmte Regeln aufgestellt. Wen» bei geringer» Verunstaltungen, welche die Lebensfähigkeit nicht beeinträchtigen und die menschliche Gestalt noch deutlich erkennen lassen, über die Ansprüche auf Menschenrechte kein Zweifel erhoben werden kann, so wird bei zweifelhaften Fällen das Endurtheil darüber aufgcschobcn, weil man nicht wissen kann, ob die Gestalt nicht später noch der menschliche» ähnlicher werde; auf keinen Fall aber ist es erlaubt, ein lebendes, von einem Menschen geborenes Wesen, welche Gestalt es auch habe, zu tödten. Misheirath (uiessllisnee, klispgrsgium). Schon im alten Rom gab es eine» > solchen Unterschied der Stände, daß Heirathen zwischen ihnen gesetzwidrig wuren. Bei den german. Völkern finden wir das im Anfänge nur zwischen Freien und Unfreien, und erst allmälig bildete sich der Nechtssatz: das Kind folgt der ärgern Hand, sodaß die Kinder eines unfreien Ehegatten unfrei wurden, wenn auch der andere Theil frei war. Später trug man diese Ansicht auch auf das Verhältniß des hohen Adels zu den übrigen Ständen des Volks über und suchte sie, wenigstens in Deutschland, auch unter den cineel- nen Classen des erstem geltend zu machen, was jedoch mehr zu unaufhörlichen Streitigkeiten und Zweifeln, als zu festen Grundsätzen darüber führte. Dem niedern Adel wurde derselbe Standpunkt nur im Verhältniß zu Unfreien zugeschrieben, und seine mit Freien, wenn aiieh , Nichtadeligcn, erzeugten Kinder blieben adelig und lchnsfähig, wiewol er es später dahin f brachte, daß wenigstens für gewisse Verhältnisse die allseitig adelige Abkunft erftdeit wurde, z. B. bei Stiftern, Hofämtern und auf Landtagen. Doch das Alles hat sich neuerdings vielfach wieder geändert. In England kennt man den Begriff der Misheirath auch beim hohen Adel nicht. In Deutschland dispcnsirte sehr häufig bei Misheirathen der Ka>- ser, der überhaupt den Bemühungen widerstrebte, den Begriff standesmäßiger Ehen enger zu ziehen, als herkömmlich war. Gegenwärtig hat der ganze Begriff auch in Deutschland nur bei den regierenden Häusern, denen übrigens der hohe Adel des ehemaligen Deutschen Reichs zufolge der Bundcsacte (Art. 14) ebenbürtig ist, eine rechtliche Bedeutung. M Misogynie Missionen 619 Putter, „Über Misheirathen deutscher Fürsten und Grafen" (Gott. 1796) und Heffter, „Beiträge zum deutschen Staats - und Fürstenrechte" (Bonn 1829). Misogynie, Weiberhaß oder Wei berschen schließt dieselben Begriffe wie Misan thr opie (s. d.) ein, nur mit dom Unterschiede, daß sich diese auf das ganze menschliche, jene nur auf das weibliche Geschlecht bezieht. Die Ursachen des Weiberhasses liegen im Verstände oder im Gefühl; auch können körperliche Gründe zu seiner Entstehung mit- wirken, besonders wenn durch zügellose und unnatürliche Ausschweifungen das Geschlechtssystem zerrüttet oder auf eine andere Art beeinträchtigt ist. Deshalb sind auch Eunuchen, Onanisten, Päderasten und Sodomiten meist Weiberfeinde, während in seltenen Fällen die körperliche Constitution mit Neigung zur Melancholie, oder geistige Einwirkungen von außen, Lehren und Erziehung den Weiberhaß allein hcrvorbringen. Er unterliegt sonach einer halb psychischen, halb physischen Behandlung, welche aber selten ein befriedigendes Resultat gewähren dürfte. Den Weiberhasser nennt man gewöhnlich Misogyn. Misolögie, d. i. Vernunfthaß, nennt man die Abneigung, die Entscheidung über gewisse Fragen, namentlich über religiöse, von dem Gebrauche der Vernunft, also von wissenschaftlichen Gründen abhängig zu machen. Mispel (Nespilua Fermanica), ein in Süddeutschland wildwachsender, aber in Gärten vielcultivirter Strauch, dessen Früchte bei der Reife sehr herbe, erst durch Liegen und Teigigwerdcn einen weinartigen Geschmack erhalten. Nach Länge des Stiels, unterscheidet man Birn- und Apfelmispeln. Das zähe Holz des Stammes ist zu Drechslerarbeiten sehr brauchbar. Missalen oderMeßbüchcr heißen in der röm.-katholischen Kirche diejenigen liturgischen oder gottesdienstlichen Bücher, welche die von der Kirche geordneten Messen für alle Sonn- undFesttage, für besondere Gelegenheiten, z.B. fürdieTodtenfeier, die evangelischen und cpistolischen Perikopen, Gebete und den Meßkanon enthalten. Der Name entstand im 7. oder 8. Jahrh. Ein in der ganzen röm.-katholischen Kirche gültiges Meßbuch gibt es zufolge der Beschlüsse der tridentin. Kirchenversammlung erst seit dem I. 1579, und es mußte dieses röm. Missal, das auf Befehl des Papstes Pius'V. durch röm. Theologen abgefaßt wurde, vom Tage seiner Publikation (am 1-1. Juli) an gerechnet, von den Priestern in Nom nach einem Monate, von denen diesseit der Alpen binnen drei und jenseit derselben binnen sechs Monaten eingeführt werden. Nur diejenigen Kirchen, welche ihr bisheriges Meßbuch ununterbrochen seit ihrer Stiftung oder wenigstens 209 Jahre lang gebraucht hatten, durften es mit der Einführung des röm. Missals nach Belieben halten, und so haben denn z. B. in Deutschland Mainz, Köln, Münster und andere Diöcesen ihre eigenen Meßbücher. Solche Particularmeßbücher, deren erstes sich schon unter Kaiser Ludwig dem Frommen gebildet haben soll, gab es vor der Publikation des röm. Missals sehr viele, und es weichen dieselben von dem römischen bedeutender ab, als die jeht nachgelassenen. Zweimal wurde das röm. Missal, weil in die an unzähligen Orten veranstalteten Ausgaben sich Jrrthümer eingcschlichcn hatten, revidirt, nämlich auf Befehl Clemens' VIII im I. I6V4 und Urban's VIII. im I. und so besteht das heutige röm. Meßbuch. — Die alten Missalen vor Erfindung der Buchdruckerkunst wurden oft auf das prächtigste geschrieben, mit den schönsten Initialen und Miniaturen geschmückt und mir den kostbarsten Einbänden versehen; Reiche ließen sie «bschreiben und machten damit Geschenke an Kirchen. Ungefähr zwei Jahrhunderte vor Erfindung der Buchdruckerkunst entstand eine Art grö- ßerer goth. Buchstaben (s. Mönchsschrift), mit welchen man die Missalen schrieb; sie wurden, als die Buchdruckerkunst erfunden war, nachgeschnitten und zum Drucke von Meßbüchern gebraucht, woher eine gewisse Art größerer Typen den Namen Missal- buch staben führt. Misse, s. Messe. Missionen werden vorzugsweise die zur Verpflanzung des Christenthums unter nichtchristliche Völker unternommenen Sendungen christlicher Lehrer genannt. Schon in den ersten^eiten des Christenthums gingen Christen, entweder aus eigenem Antriebe oder im Aufträge ihrer Gemeinden, in nahe und ferne Länder, ^as Evangelium zu predigen, und, abgesehen von wenigen einzelnen Fällen, ist das Christenthum stets nicht durch die 620 Missionen Waffen, sondern durch die sanfte Gewalt der Rede ausgebreitet worden. Solche Glau- , bensboten, die man später Missionare nannte, waren Palladius in Irland, Columba- nus in Schottland, ein anderer C o l u m b a n u s (s. d.) in Britannien und Frankreich, Augustinus (s.d.) in England, Gallus und Emmeran in Alemannien, Kilian (s.d.) in Baiern, Willibrord in Franken, Swidvert inFriesland, Siegfried in Schweden, Bonifaz (s.d.) in ! Thüringen und Sachsen, Adalbert (s. d.) in Preußen, Cyrillss.d.) und sein Bruder Method unter den Slawen. Sehr viel geschah seit dem 16. Jahrh. für das Missionswerk von Seiten der katholischen Kirche, welche nun auch solche Unternehmungen, die den Zweck hatten, Mitglieder der von ihr getrennten christlichen Parteien zu ihrer Gemeinschaft zu- ! rückzuführen, Missionen nannte. Besonders thätig zeigten sich in dieser Beziehung die ^ Benedictiner und Cisterzienser, dann die Prämonstratenser, die Bettelorden und die Jesui- ten. Zu gleichem Zwecke wurden in Nom durch Gregor XV. 1622 die 6ongregstio 8. Jahrh. mächtig erwacht. Schon im 17. Jahrh., im I. 1617, bestätigte in England eine Parlaments- acte die Gesellschaft zur Ausbreitung des Christenthums in fremden Ländern. Ihr folgte 1698 die Gesellschaft zur Beförderung christlicher Erkenntniß. Dann entstand 1701 unter Franck's Mitwirkung die von Friedrich IV., König von Dänemark, reich ausgesiattete dan.- hallische Missionsgesellschast, die bald nach ihren. Entstehen einen der bedeutendsten Missionarien, Ziegenbalg (s. d.), nach Ostindien aussendete und seitdem immer, sowol in der . Präsidentschaft Madras als auf dem Sundainseln, thätig gewirkt hat. Die Brüdergemeinde (s. d.), welche ihr Entstehen überhaupt einem der ausgezeichnetsten Schüler von Francke, dem Grafen Zinzendorf, verdankte, erwies sich auch in ihrer unmittelbaren Betheiligung an dem Missionswerke als einen Sprößling der Francke'schen Schule; nur ging sie dabei von ganz andern Grundsätzen aus. Denn während sie ihre Missionarien nicht allein, sondern in Gesellschaft von Brüdern aussendete, die an dem Orte ihrer Bestimmung sofort eine Niederlassung gründeten, um den Eingeborenen die Vortheile einer geordnete christlichen Gemeinschaft recht anschaulich zu machen, während sie ihre Missionarien in- struirte, die Heiden nicht gleich in Masse anzutreten,-sondern eine stille Wirksamkeit zu ent- - wickeln und dabei nur auf die einfachsten biblischen Anschauungen und Lehren zu halten, 7 verfuhren die hallischen Missionarien, die der heidnischen Bevölkerung eines ganzen Landes allein gegenübertreten mußten, ganz anders. Sie wollten nicht die einfache Lehre der Bibel, sondern ihre Dogmatik geltend machen. Und diesem Beispiele folgen mehr oder weniger Alle, die neuerdings von Berlin, Basel, Barmen und Dresden, sowie von dem norddeutschen Missionsvereine, der seinen Hauptsitz in Hamburg hat, ausgesendet werden. Andere Vereine in Deutschland haben keine selbständigen überseeischen Verbindungen, ftn- , der» schließen sich an einen der genannten Hauptvereine an. Doch kann sich auch keiner von diesen, was die Erfolge der Wirksamkeit und die Mittel, welche ihm jährlich zu Ge- b l, S si ä st i> L d d d st g 721); die Missions- gesellschast für das feste Land (seit ISIS); die londoner Gesellschaft zur Verbreitung des Christenthums unter den Juden und die Damengesellschaft in der bischöflichen Judenkapelle, und den Missionar-Predigerverein, der 1823 aus Edinburg nach London verpflanzt wurde. Die Summen, welche jährlich für die Zwecke dieser Anstalten verwendet werden, sind ungeheuer. Sie betragen nach einem ungefähren Überschläge gegen 2 Mill. Pf. St. Was die Großartigkeit der Mittel anlangt, so kann gegenwärtig nur Nordamerika mit England in die Schranken treten. Zu den bedeutendsten MissionSgesellschaftcn in den Vereinigten Staaten gehören die Amerik. Anstalt für Missionen im Auslande, gestiftet 1 810; die Missionsanstalt der Baptisten für das Ausland, gestiftet >814; die Missionsanstalt der Generalversammlung (der Presbyterianer), gestiftet 1818; die Methodistische Missionsanstalt, gestiftet 1819, und die Amerik.-inländ. Missionsgcsellsckaft, gestiftet 1830. Ihr Einkommen beträgt jährlich bereits über eine Mill. Dollars, und es ist ebendeshalb natürlich, daß auch die Erfolge ihrer Wirksamkeit bedeutender sind als die, deren sich die deutschen Missionsvereine rühmen können. Mississippi, der größte und wichtigste Strom der Vereinigten Staaten von Nordamerika, deren Westgrenze er zum Lheil bildet, entspringt unter 47° 3iV nördl. Br. aus dem kleinen Jtascasee und andern Seen. Er nimmt den Missuri (s. d.), St.-FranciS, White, Arkansas, den Rothen Fluß und den Ohio (s d.) auf und ergießt sich unterhalb Neuorleans, große Seen bildend, durch drei Mündungen in den Mexican. Meerbusen. Sein Lauf beträgt ohne den Missuri gegen 400 M.; von der Missuriquelle an hat er zwar eine Entwickelung von 730 OM., aber doch nur ein Stromgebiet von S4000 OM., sodaß er in dieser Beziehung beiweitem von dem Maranon, La Plata und Lorenzstrom übertroffen wird. Er ist von der Vereinigung mit dem Missuri an schiffbar; doch wird die Schiffahrt durch einige Wasserfälle unterbrochen, unter denen der bei St.-Antoni der größte und merkwürdigste ist. Seine Ufer sind fast durchgehend fruchtbar und durch den Handel und die Dampfschiffahrt belebt. Nach ihm ist der Staat Mississippi (s. d.) benannt und an ihm liegt auch L uisi an a (s. d.), auf das die im Anfänge des IS.Jahrh. von Law (s.d.) aufActien gegründete Mississippi-Gesellschaft ihre Speculationen richtete. Mississippi, einer der Vereinigten Staaten von Nordamerika, an der Südküste, wird von Alabama, Tennessee, Arkansas, Luisiana und dem Meerbusen von Mexico begrenzt und hat einen Flächeninhalt von 2000 OM. Der Boden ist fruchtbar, das Klima im Allgemeinen mild und gesund und nur an der westlichen Grenze gegen Tennessee wegen der Überschwemmungen des Mississippi (s.d.) ungesund. Die Zahl der Bewohner ist fortwährend im Steigen; sie belief sich 1820 auf 144000, 1830 auf 200000 und 1840 bereits auf 370000. M. gehört zu den noch vorhandenen Sklavenstaaten und die Zahl der Sklaven beträgt etwa 196000. Die Indianer, die früher ein eigenes Gebiet innehatten, wurden seit 1832 gegen gewährte Entschädigung zur Übersiedelung auf das jenseitige Ufer des Mississippi vermocht. Plantagenbau ist die Hauptbeschäftigung, nur in den nördlicher« Gegenden beschäftigt man sich mit Viehzucht. Der Handel findet seine größte Miffolunghi Missuri Unterstützung in dem Mississippi, auf dem sich die gewonnene Baumwolle mit leichter Mühe noch allen Himmelsgegenden hin versenden läßt. Der Staat wurde 1817 in die Union ausgenommen und sendet zwei Repräsentanten in den Nationalcongreß; die Gesetzgebende Versammlung tritt aller zwei Jahre zum Neujahr zusammen. Die Hauptstadt ist Jackson; der wichtigste Ort aber Nätchez mit 3000 E. Missoluughi, eine im griech.Freiheitskampse berühmt gewordene, jetzt zu der griech Nomarchie Akarnanicn und Ätolicn gehörige Stadt, der Hauptwaffenplaß und das sira- tegisth wichtige Bollwerk der Hellenen in Westhellas und von diesen auch Klein-Venedig genannt, liegt höchst ungesund auf einer Landzunge in der seichten Bai am Golf von Pa- tras, und nicht weit davon, in einer andern Bucht des Golfs, auf einer Insel das ebenfalls befestigte Anatoliko, sodaß man beiden Plätzen nur mit Fischerkähnen sich nähern kam. M. ist durchaus neuern Ursprungs. Von Fischern gegründet, wurde es bald durch seine strategisch und commerciell wichtige Lage von Bedeutung und hob sich schnell durch den Handel. Obgleich 1715 von den Türken verwüstet und 1770 beim Aufstande gegen die Türken betheiligt, zählte es >804 doch schon wieder -1000 E. Es regierte sich damals nach eigenen Gesetzen und entrichtete an die Türken nur den gewöhnlichen Kopfzins. Beim Ausbruche des griech. Freiheitskampfes erhob es sich nebst Anatoliko schon am 7. Juni 1821 für die Sache der Freiheit. Am 5. Nov. warf sich der Fürst Maurokordatos mit seiner geringen Mannschaft in das fast entvölkerte M., das er, nebst Anatoliko, gegen die Türken vertheidigte, bis am 23. Nov. griech. Schiffe den Platz von der Seeseite entsetzten und ihn mit Truppen verstärkten, worauf er die Türken zwang, am 0. Jan. 1823 die Belagerung aufzuheben. Seitdem besser befestigt, gehören nun beide Orte zu den festesten Plätzen des freien Griechenlands. Eine zweite Belagerung von 50 Tagen hatte M. in den letzten Monaten des I. 1823 zu bestehen, als Mustae Pascha und Omer Vrione zu Lande und algier. Schiffe zur See es einschlossen; doch Konstantin Bozzaris behauptete sich, bis Maurokordatos, der mit hydriotischen Schiffen herbeieilte, und die Pest, die imLagerder Feinde wüthete, letztere abzuziehen nöthigten. Hierauf legte sich 1825 derScraskierNiW Pascha mit 35000 M. vor M., das jetzt der tapfere Noto Bozzaris vertheidigte. Alle Angriffe waren vergeblich und auch der am 2. Aug. 1825 und an den folgenden Tagen von der Flotte des Kapudan Pascha unterstützte Sturm des Seraskiers auf die durch ein lOii- giges Bombardement sehr beschädigten Wälle des Platzes wurde abgeschlagen. Selbst als nunmehr Ibrahim Pascha mit dem ägypt.-europ. Heere an der Belagerung sich betheiligtt, vermochte man nichts gegen M. auszurichten. Doch der äußerste Mangel an Lebens- und Kriegsbedarf nöthigte am Ende die Besatzung, am 22. Apr. 1826 Abends nach 8 bist einen Versuch zu machen, sich durch die Belagerer durchzuschlagen; allein nur einemTheile gelang dies, die in die Stadt Zurstckgedrängten zündeten daher die Minen an und sprengten sich nebst den eingedrungenen Ägyptern und Türken in die Lust. Vgl. Fabre, „Uistoire elu siege 6e Ll." (Par. >826). Erst am 18. Mai 1829 wurden M. und Anatoliko von den Griechen mit Capitulation wieder eingenommen. Seit der Errichtung des Königreichs Griechenland hat sich M. schnell wieder gehoben, sodaß es gegenwärtig 5000 E. zählt, °b- schon es nicht von den Unruhen, die das Land zerrütteten, verschont geblieben ist, wie es dem 1836 eine Belagerung von den Empörern in Ätolicn und Akarnanicn aushalten mußte. I» M. sind die Gräber des Mainotten Kyriako Jatranis, des Suliotcn Markos Bozzaris und des Grasen Normann, sowie das Mausoleum, welches das Herz des Lord Byron einschlich. Missüri, einer der mächtigsten Ströme der Vereinigten Staaten von Nordamerika, entspringt unter dem 44" nördl. Br. aus den drei Quellenflüssen Jefferson, Madison und Galatin. Er ist tief und reißend, dem Mississippi (s. d.), mir dem er sich nach «mem Laufe von 600 M. vereinigt, an Wassermasse bei weitem überlegen. Vor seiner Bereinigung nimmt er den Aellowstone, den kleinen Missuri, den Platte-, Osage- und Ja- mesfluß, sowie mehre andereHlüsse auf, von denen mehre gleich ihm schon schiffbar find. Sein Stromgebiet umfaßt fast das ganze Gebiet des Staats Missuri (s. d.). Missuri, einer der Vereinigten Staaten von Nordamerika, von 2850 mM., ist E dein Osage- und Sioux-Gebiet, von Illinois, Kentucky und Arkansas begrenzt und gchvr zu den achtBinnenstaaten. Das Land ist im Süden gebirgig, im Norden flach und hügelig. Mistbeete Mitau 623 die Niederungen an den Flüssen sehr fruchtbar, die Höhen im Norden schöne von Wäldern unterbrochene Prämien, auf welchen Büffclheerden bis zu >0000 Stück weiden. Der Sommer ist sehr heiß, der Winter nur selten so strenge, daß die Flüsse zufrieren, und das Klima in den Niederungen ungesund. M. hat unermeßliche Kohlenlager und vieles Steinsalz. Die Zahl der Bewohner ist fortwährend im Steigen begriffen und belief sich > 840 auf 384000, während sie 1830 nur etwa 143000 betrug. Der Staat gehört zu den vier Sklavenstaaten und zählt ungefähr 20000 Sklaven. Fast nur die Ufer am Miffuri und Mississippi sind zur Zeit angcbaut. In die Union wurde der Staat erst 1821 ausgenommen und zum Nationalcongreß sendet er zwei Repräsentanten. Die Hauptstadt ist der unbedeutende Ort Jefferson, am rechten Ufer des Miffuri, die volkreichste und älteste Stadt St.-Louis, am Mississippi, mit angeblich 18000 E-, die bedeutenden Handel, namentlich mit Pelzwcrk treiben. Von Deutschen wurden die freundlichen Städte Franklin und Columbia am Miffuri gegründet. M. war früher einTheil von Luisiana und erhielt um 1763 seine ersten Bewohner. Durch Canadier, welche die span. Regierung herbeirief, wurde St.-Louis angelegt. Seit 1812 siedelten sich sehr viele Amerikaner und noch mehr Deutsche daselbst an, sodaß der Staat hinsichtlich der Zahl seiner Bevölkerung schon 1819 hätte in die Union ausgenommen werden können, was sich indeß, weil es sich um die Aufnahme eines Sklavcnstaats handelte, bis 1821 hinzog. Mistbeete nennt man die künstlich angelegten, mit Pferdemist oder Lohe angefüllten, mit Fenstern bedeckten Beete, in welchen theils frühzeitiges Gemüse, theils ausländische, ein rauhes Klima nicht vertragende Pflanzen gezogen werden. Je nach der Menge Mist, die man anwendet, unterscheidet man warme, temperirte und kalte Mistbeete. Die geeignetste Lage für Mistbeete ist die, wo sie den ganzen Tag Sonne haben und gegen Luftzug und auf der Mitternachtseite geschützt sind. Bei kalterWitterung werden die Fenster der Mistbeete noch mitStrohdecken belegt; bei gelinder Witterung wird ihnen Luft gegeben, und bei Wärme und sanftem Regen werden die Fenster ganz abgenommen. Mistel (Viscum album) ist ein Strauch von ein bis zwei FußHöhe, welcher parasitisch auf verschiedenen Bäumen, namentlich auch auf Eichen, wächst und mit seiner Wurzel tief in das Holz derselben dringt. Sein Stamm hat gabelartig-zweitheilige Aste mit zwei einander gegenüberstehenden, ungestielten, immergrünen Blättern an der Spitze. Die Blüten stehen an der Spitze in denTheilungen der Äste und hinterlaffen weiße, mit klebrigem Safte erfüllte Beeren. Besonders diese Beeren, aber auch die übrigen Theile des Strauchs werden zur Bereitung des Vogelleims benutzt. Nach der Lehre der Druiden (s. d.) war die Mistel der Eiche das Heiligste in der Natur. Sie wurden von den Priestern in einen Trank umgewandelt, der bei den Kelten für ein Universalmittel galt. Mitau, im Russischen Mitawa, im Lettischen Jelgawa, die Hauptstadt des ehemaligen selbständigen Herzogthums Kurland und Semgallen, welches gegenwärtig das russ. Gouvernement Kurland oder Mitau, eine der Ostseeprovinzen, bildet, liegt an der großen preuß.-russ. Heerstraße, in einer flachen, sandigen Gegend an der Drixe, die unfern der Stadt in die kurische Aa fällt. Die Stadt ist gut gebaut und macht einen angenehmen Eindruck, besonders von der wilnaer Seite her. Sie liegt unter dem SN/- nördl. Br., hat aber doch im Ganzen ein mildes Klima. Ihre erste Begründung verdankt sie Konrad von Medem gegen Ende des 13. Jahrh. Sie war ursprünglich befestigt und mit hohen Wällen versehen, die aber jetzt meist abgetragen sind. Historisch merkwürdig ist siealsAufenthalts- f ort Ludwig's XVIIl., der zur Zeit seiner Verbannung in dem nahe der Stadt stehenden großen Ncsidenzschloß, dem jetzigen Gouvernementsgebäude, wohnte. Sehr lebhaft ist sie besonders zur Zeit des vier Wochen währenden Jahrmarkts, der sogenannten Johannis- contracte, wo sich der ganze kurländ. Landadel daselbst versammelt. Sie hat ein gutes Gymnasium, gestiftet 1773, mit einem physikalischen und naturhistorischen Cabinet, eine Sternwarte, eine Bibliothek, sechs Kirchen, 31 Schulen, mehre Fabriken und I39VV E., worunter etwa 7000 Deutsche und 3000 Juden sich befinden. Auch besteht daselbst die ' Kurländische Gesellschaft für Literatur und Künste. In der Nähe von M. liegen die drei Lustschlösser und Vergnugungsorte Schwerthof, Friedrichslust und Ruhethal, welches letztere der fürstlich Subow'schen Familie gehört. 624 Mitbelehtlung Mithridates Mitbelehnung, s. Belehnung. Mitesser oder Zehrwürmer (comeclones) nennt man die in Gestalt kleiner Würmer durch Druck aus den Poren der Haut hervorzudrängenden fcstgewordenen Aussonderungsstoffe der in der Haut befindlichen kleinen Talgdrüsen, welche im gesundheitsgemäßen. Zustande in tropfbarflüssiger oder gasiger Form ausgeschieden werden, zuweilen aber ins Stocken gerathen, eine abnorme Consistenz und dann die erwähnte Gestalt annehmen. Ehemals hielt man dieMirefser für wirkliche, unter der Haut lebende Würmer, die Jucken, Schlaflosigkeit und endlich eineArtAbzehrung veranlassen sollten, genauere Untersuchungen aber haben diese Annahme nicht bestätigt. Sie zeigen sich hauptsächlich im Gesicht und entstehen in der Regel unterBegünstigung einer mangelhaften Hautpflege durch Störungen der gesundheitsgemäßen Hautausdünstung. Am sichersten hindert man ihre Entwickelung durch sorgfältiges Reinhalten der Haut und durch öfteres Waschen und Baden. Mitford (Miß Maria Russell), engl. Dichterin, geb. 1788 zu Alresford in Hampshire, die Tochter eines Arztes, trat frühzeitig als Schriftstellerin auf, zuerst mit einem -Bande vermischter Gedichte, dann mit einer dichterischen Erzählung in Walter Scott s Weise, „(Kristine vr tbe insiil of tbe soutü", die beide wenig Aufsehen erregten. Im I. 1 823 erschien ihr Trauerspiel „ckulmn", dem sie noch zwei andere „Rienri" und „Hw vcs- pers ok Palermo" folgen ließ, von denen „kieurü" mit vielem Beifall ausgenommen wurde. Dauernderer Ruhm aber, als durch ihre Trauerspiele, wird ihr'durch ihre prosaischen Erzählungen zu Theil werden, in welchen sie engl. Natur und engl. Sitten mit ebensooiel Anmuth und Zartheit als Treue schilderte. Ihr wichtigstes Werk in dieser Gattung ist „Our villsxe, skstelies of rural cliaructer an 59999 an der Zahl, im I. 88, ermordet. Auch der Inseln des Ägcischcn Meeres bemächtigte er sich, bis auf Nhodus, das seiner Belagerung widerstand, durch seinen Fcldherrn Archclaus, den er, während er selbst in Pergamum verweilte, nach Griechenland sendete, um den Römern zuvorzukommen. (Erster mithridatischer Krieg.) Archelaus wurde von den Athenern nach dem Rath des Sophisten Aristion in die Stadt ausgenommen, und als die Freiheit Griechenlands erklärt war, schlossen sich die Böotier, Achäer und Spartaner an M. an. Da erschien Sulla (s. d.) im Z. 87 mit Flotte und Heer vor Athen und nahm im I. 86 die Stadt sammt dem PiräuS, trotz der vortrefflichen Verthcidigung des Archelaus, beim sechsten Sturme. Archclaus zog sich nach Böotien zurück. Durch seine Mitfeldhcrren wurde er bei Chäronea zu einer Schlacht gedrängt, in der er mit ungeheurem Menschcnvcrlust unterlag; ebenso im I. 85, nachdem Dorylaus, von M. gesendet, mit einem neuen Heere zu ihm gestoßen war, in einer zweiten bei Orchomenos. Nun entschied sich M., der von dem Ma- riancr FlaviuS (s. d.) Fimbria aus Pergamum vertrieben worden war, und in Pikanc in Mysicn gefangen worden wäre, wenn nicht Lucullus (s. d.) ihm die Flucht zur See frcigelaffen hätte, für den Frieden, der, nachdem Sulla selbst nach Asien übcrgesctzt war, zu Dardanus im I. 84 zu Stande kam. Alle in Asien gemachten Eroberungen mußte er aufgeben und an Sulla 2990 Talente zahlen und 79 Kriegsschiffe ihm überlassen. Der Legat Licinius Murena, den Sulla mit den Legionen des Flavius zurückließ, begann im I. 85, wegen eines von M. nicht hcrausgegebenen Theils von Kappadocicn, den Krieg von neuem, wurde aber, als er bis Sinope vorgcdrungcn, zurückgeschlagen, worauf ein anderer Legat, den Sulla schickte, im I. 81 den Frieden wicderherstellte. (Zw eitcr mith rida- tischrr Krieg.) Nach Sulla's Tode rüstete sich M- wieder zum Kriege, im Bunde mit Ti- granes, dessen Macht durch die Eroberung der nördlichen Thcile des syr. Reichs gewachsen war. Dieser brach im 1.76 in Kappadocicn ein, M. im I. 75 in Bithy ni en (s. d.), daS die Römer nach dem Tode Nicomcdes' »I. in Anspruch nahmen. Er hatte sich mit Seiko rius (s. d.) in Verbindung gesetzt und von ihm gegen-Unterstützung an Geld und Schiffen röm. Offiziere, von der Partei des Marius, erhalten, die sein Heer nach röm. Weise einübten. Zur Führung dieses dritten mithridatischen Kriegs wurden von Nom im I. 74 die Consuln M. Aurclius Cotta und L. Licinius Lucullus (s. d.) abgescndet; der Letztere rettete nicht nur seinen Amtsgenossen aus der Bedrängnis, in die ihn M. gleich zu Anfang des Kriegs gebracht hatte, sondern trieb den König im J.73 und 72 nachPon- tus zurück und nothigte ihn imI. 71 zur Flucht zu Tigranes. Auch schlug er, nachdem er im I. 79 PontuS erobert hatte, den Tigranes im I. 69 bei Tigranoccrta und beide vereinigte Könige im I. 68 am Fluß Arsanias; doch konnte er, da seine Legionen ihm den Gehorsam verweigerten, den M. an der Wicdereroberung von Pontus im I. 67 nicht verhindern. Marius AciliuS Elabrio, der zum Nachfolger des Lucullus von Nom geschickt worden war, blieb unthätig; En. Pompejus (s. d.) aber, durch daS Gesetz des Mani- lius (s. d.) mit unbegrenzter Vollmacht ausgerüstet, vollendete im I. 66 das Werk des Lucullus. M. wurde von ihm am Euphrat besiegt und flüchtete, während Pompejus am Orte des Siegs die Stadt Nikopolis gründete und den Tigranes Unterwarf, in sein Bos» poranisches Reich; den Zug dahin gab Pompejus, nachdem er bis zum Phasis gedrungen war, auf. Gegen M., der, ungebeugt, ein neues Unternehmen gegen Nom vorrüstcte, indem er mit scyth. und andern nord. Völkern vereint zu den Galliern zu ziehen und mit ihnen verbunden über die Alpen in Italien einzufallen beabsichtigte, kämpfte nun der Verrath der Seiuigen. Zwei seiner Söhne ließ er tödten, ein dritter, Machares, dem er das Bosporanische Reich anvcrtraut, tödtete sich selbst, als er seine Verbindung mit den Römern entdeckt sah; anchfcin Lieblingssöhn Pharnaces spann Verrath gegen ihn, doch ihm verzieh er. Csnv.»Lex. Neunte Aust. IX. 40 626 Mitlaut Mitscherlich (Eilard) Allein Pharnaces lehnte sich von neuem gegen ihn auf und belagerte ihn in Panticapäuni; M. tödtete sich, da er sich überwältigt sah, selbst im 1.63. Seine Leiche lieferte der Sohn an Ponrpejus aus und wurde als bosporan. König unerkannt. M. herrschte nach oriental. Despoten Weise und scheute zur Erreichung seiner Zwecke sich vor keinem Mittel. Doch besaß, er neben körperlicher Stärke und Gewandtheit wirklich große geistige Eigenschaften, Kraft, Klugheit, Festigkeit, politischen Blick und unerschütterliche Ausdauer. In ber griech. Bildung, die schon seit lange an den Höfen der Vorderasiat. Könige eingebürgert war, auf- crzogen, war er ein Freund der Künste und Wissenschaften; seine kostbare Eemmensamm- lung wurde von Pompejus auf dem Capitol aufgestellt, die Bücher, die er über Mediän hatte zusammentragen lassen, ließ Pompejus durch seinen Freigelassenen Lcnäus übersehen, > e. und der Bau von Wasser- und Windmühlen, den M. zuerst veranstaltet hatte, kam nun auch nach Italien. Die Sprachen der 22 Völkerschaften, die ihm unterworfen waren, verstand und sprach er; gegen die Wirkung von Giften hatte er sich durch Gewöhnung und durch die Anwendung von Gegengiften, von denen eins nach ihm Mithridat benannt wurde, gesichert. — Auch andere asiat. Könige führten den Namen M., namentlich ist unter den parthischen Arsacidcn Mithridatesl. >74—>36 v.Ehr. als Verbreiter dcr par- thischen Macht berühmt. (S. Arsaciden und Parther.) Mitlaut, s. Consonant. Mitra, d. i. Binde, hieß bei den alten asiat. Völkern die Kopfbedeckung. Bekannt ist namentlich die mäonischs oder phrygische Mitra, die von denverweichlichten Mäoniern oder Lydiern und Phrygiern getragen und nach ihnen benannt, eine Art ^ Backen hatte, die unter dem Kinn zusammengebunden wurden. Homer bezeichnet mit Mi- ! tra auch den Gurt von Blech, welcher über das kurze Unterkleid, den Chiton, getragen ^ wurde. In der christlichen Kirche wurde die Mitra zur Bischofsmütze oder Jnfulss. d.), die auch diesen Namen führt. Mitscherlich (Christoph Wilh.), ein geschmackvollerKenner des Alterthums, geb.ain ! 2V. Sept. 176V zu Weißensee in Thüringen, legte in Schulpforte den Grund zu den c!as- ^ fischen Studien, die er auf den Universitäten zu Leipzig und Eöttingen dann weiter verfolgte. Er erhielt 1785 eine außerordentliche, 1794 eine ordentliche Professur der Philosophie in Göttingen, und 1866 an Heyne's Stelle die Professur der Beredsamkeit, die er bis zum I. 1833 bekleidete, in welchem er seiner Amtsgeschäfte auf sein Ansuchen entbunden wurde. Er feierte am l 2. Juni 1835 sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum, hielt abu noch immer einige Vorlesungen. Die vorzüglichste unter seinen schriftstellerischen Arbeiten ist die Ausgabe der „Oden" und „Epoden" des Horaz (2 Bdc., Lpz. 1866 —1861), die durch eine reiche und gewählte Erläuterung der Sachen, sowie durch zweckmäßige Vergleichung griech. Parallelstellen vortheilhaft sich auszeichnet, während auf der andern Seite in dem Nachweis der Grundgedanken und des Jdeenzusammenhanges das Ganze durch eim zu breite Darstellung und durch leeres Phrasenspiel häufig verwässert wird und die Erörterung des kritischen und eigentlich grammatischen Elements nach den neuern Forschungen nicht mehr genügen kann. Denselben relativen Werth haben auch seine später» „Ha- cematioues reniisinae" (SStück, Gott. 1827 — 33, Fol.). Außerdem erwähne» wir stink Bearbeitung des Homerischen „U)-mnu8 in Lererem" (Lpz. 1787), die Sammlung du „Scriplores erotiei graeci" (3 Bde., Strasb. 1792—93), welche den Achilles TatiuS- Heliodor, Longus und strenophon von Ephesus enthält, und unter seinen kleinern Schrift!» die „Lpistols critic» in ^pollottorum" (Gött. I 782) und die „Leetiones in (Ät>il!»m et ^ 1?rvpertiuin" (Gött. 1786). Mitscherlich (Eilard), Geh. Rath und ordentlicher Professor der Chemie an der > Universität zu Berlin, geb. am 7. Jan. 1794 zu Neurede bei Jever, wo sein Vater Prediger war, besuchte das Gymnasium zu Jever und studirte seit 1811 in Heidelberg Geschichte- Philologie und oriental. Sprachen. Dieselbe Richtung beschäftigte ihn >813 in Paris > und > 814 in Göttingen. Nebenbei trieb er Geologie, Mineralogie, Physik, Chemie und ^ selbst Medicin. Erst 1818, wo er nach Berlin ging, machte er die Chemie zu seinem alleinigen Studium. Durch seine Entdeckung der Jsomerie lenkte er >81!» die Aufmerksamkeit des in Berlin anwesenden Berzelius auf sich, dem er nach Stockholm folgte. Hier blieb er, Mittag Mittelalter 627 bis er 1821 auf Berzelius' Vorschlag die Professur der Chemie an der Universität zu Berlin erhielt, wo er nachmals Mitglied der Akademie und Geh. Rath wurde. Sein einziges selbständiges Werk ist das „Lehrbuch der Chemie" (Bd. l—2, Abth. l, Berl. I82S—33; Bd. l, -t. Aust., > 833). Seine ausgezeichnetsten Arbeiten fallen in den mehr physikalischen und mathematischen Theil der Chemie; doch verdanken auch andere Theile der Chemie ihm wichtige Bereicherungen. Er ist ein sehr scharfsinniger Gelehrter und von großer Eigen- thiimlichkeit. Am treffendsten ist er wol charakterisirt, wenn man ihm den ersten Platz unter den Schülern der Berzelius'schen Schule im engern Sinne anweist. Mittag oder Süden heißt diejenige der vier Weltgegenden, wo die Sonne und die übrigen Gestirne, von unserer nördlichen Halbkugel aus betrachtet, bei ihrer scheinbaren täglichen Bewegung die größte Höhe am Himmel haben. — Mittag oder Mit tagszeitnennt man den Augenblick, in welchem der Mittelpunkt der Sonne in den Meridian (s. d.) oder Mittagskreis eines Orts tritt. Von dem wahren ist der mittlere Mittag verschieden; der letztere tritt dann ein, wenn eine gedachte, sich nicht in der Ekliptik, sondern im Äquator und zwar vollkommen gleichmäßig bewegende Sonne durch den Meridian gehen würde; jener erfolgt bald früher, bald später als dieser, und fällt nur viermal im Jahre mit dem Mittlern Mittage zusammen. — Mittagsfläche heißt die Ebene, welche man sich durch den Meridian, die Scheitellinie und durch die Weltachse gezogen denkt und die sowol auf der Ebene des Horizonts, als auf der des Äquators senkrecht steht. — Mittags!) öhe nennt man dicHöhe eines Sterns, die er dann hat, wenn er bei seiner täglichen Bewegung in den Mittagskrcis gekommen ist. — Mittagslinie ist die Durchschnittslinie der Mittagsfläche, d. h. der Ebene des Meridians mit dem Horizontes, d.). Sie wird zu astronomischen Beobachtungen und im bürgerlichen Leben sehr häufig gebraucht. Ohne sie kann man die Zeit nicht richtig bestimmen, keine Sonnenuhr richtig zeichnen, die Grade auf der Erdkugel nicht genau abmessen u. s. w. Zu astronomischem und geographischem Gebrauche hat man die Mittagslinie gewisser Orter durch ganze Länder fortgezogen. — Mittagspunkt oder Süd Punkt ist der Durchschnittspunkt des Mittagskreises mit dem Horizonte nach der Mittagsgegend hin. Von ihm wird die ganze umliegende Gegend des Himmels Mittag oder Mittagsgegend genannt. — Mittagsrohr oder Passageninstrumeut, s. Meridian. Mittel, in der Mathcma tik. Dasarithmetische Mittel zweier oder mehrer Zahlen wird gefunden, wenn man dieselben addirt und die Summe durch ihre Anzahl divi- dirt. Das geometrische Mittel zweier Zahlen findet man, wenn man dieselben multi- plicirt und aus dem Producte die Quadratwurzel zieht. Endlich das harmonische M ittcl zweier Zahlen wird erhalten, wenn man das doppelte Product beider Zahlen durch ihre Summe dividirt. Z. B. von den Zahlen 3 und !) ist 6"/- das arithmetische, 6 das geometrische und 5'/,z das harmonische Mittel. Das arithmetische Mittel zweier Zahlen ist immer größer als das geometrische, und zwar in demselben Verhältnisse, in welchem dieses größer ist als das harmonische. Mittelalter nennt man den großen historischen Zeitraum, der zwischen dem Alter, thume und der neuern Zeit mitten inne liegt. Dieser Ausdruck wird theils durch die Stellung dieses Zeitraums zur vorhergehenden und zur folgenden Zeit, theils durch den eigenthüm- lichen Charakter gerechtfertigt, den derselbe, mit dem Lebensalter des Menschen verglichen, in Beziehung zu den beiden andern ihn begrenzenden Zeiträumen offenbart. Denn wenn das Alterthum, als die Zeit vorherrschender sinnlicher Empfänglichkeit, die Kindheit, die neuere Zeit dagegen wegen ihrer überwiegenden Neigung zur Reflexion und ihrer höhern sittlichen Reife das Mannesaltcr der Menschheit genannt werden kann, so trägt das dazwischen liegende Mittelalter, wenigstens bei den meisten europ. Völkern, in dem Vorwalten der rohen persönlichen Kraft, des Gefühls, der Abenteuerlichkeit, Schwärmerei und einer gewissen gesteigerten -und vergeistigten Sinnlichkeit einen Charakter, wie ihn die Jugend in den einzelnen Individuen des Menschengeschlechts darstellt. Der Grenzpunkt, wo das Mittelalter beginnt und wo e« aufhört, ist von den einzelnen Historikern verschieden bestimmt worden. So beginnen Einige das Mittelalter mit der Schlacht bei Soiffons im 40* 628 Mittelalter I. 486, Andere mit dem Regierungsantritt Karl's des Großen, während die Meisten den Anfang desselben in das Jahr des Unterganges des wesiröm. Reichs, 4'6n. Chr., setzen. Ebenso schließen einige den Zeitraum des Mittelalters mit der Entdeckung von Amerika,Andere mit Erfindung derBuchdruckerkunst, die Meisten mit dem Beginn dcr Nefor. mation, während Andere denselben sogar bis zum westfäl. Frieden ausgedehnt wissen wollen. Diese Verschiedenheit der Annahmen hat ihren Grund in dem Umstande, daß das Mittel- alter mit den cigenthümlichcn Erscheinungen, die es charakterisiren, nicht mit einem Male, mittels eines einzigen Ereignisses, sondern allmälig mittels einer Reihe von Entwickelungen und Begebenheiten ins Leben trat und sich zu einem Ganzen gestaltete. Von einem so langen Zeitalter, in welchem die verschiedensten Völker auf dem Schauplätze der Geschichte erschienen und die meisten jünger» europ. Reiche und Staatsformen gestiftet wurden, einen vorherrschenden gemeinschaftliche» Charakter anzugeben, ist allerdings schwierig; doch tritt soviel als allgemeines geschichtliches Resultat über das Mittelalter deutlich hervor, daß in diesem Zeiträume in Europa Alles im Werden war, daß auf den Trümmern der röm. Macht die neue politische Welt der Germanen in Europa und der Araber in Asien und Afrika sich erhob, daß zwei neue Religionen, das Christ enth um (s. d.) im Abendlande, der Mohammed anismus (s. d.) im Morgenlande, in vielen Grundsätzen sich verwandt und doch ihre Bekenner zum Haß und zur Feindseligkeit gegeneinander erregend, an die Stelle des untergehenden Heidcnthums traten; endlich, daß nach vielen Erschütterungen, Bewegungen und Veränderungen der Orient unter religiös-kriegerischem Despotismus erlag, während sich im Occident Nationalitäten und Verfassungen entfalteten und das politische und kirchliche Leben unter den cigenthümlichcn Gestaltungen des Lehnsystems und der Hierarchie in die Erscheinung traten. Unter den Völkern, die in diesem Zeiträume auf den Schauplatz der Geschichte treten, sind ohne Zweifel die Germanen (s. d.) das wichtigste; alle andern Nationen, wie die Slawen, Araber, Mongolen u. s. w. haben nur in soweit Anspruch auf Berücksichtigung, als sie mit den Germanen in Berührung kamen und entweder auf sie cinwirkten oder durch sie eine Umgestaltung erfuhren. Während nun nach außen die Staatsvcrfassung und politische Eigenthümlichkeit der german. Völker durch gegenseitiges Verhältnis der Eroberer zu den eroberten Ländern, durch innere Lage und äußereUmgebungen bestimmt wurden, bildete» sich gleichzeitig im Innern mitgebrachte Sitte und Herkommen mit den Vorgefundenen Formcn'dcs Lebens und der Cultur bei ihnen zu einem neuen selbständigen Ganzen aus. Die den Getmanen eigcnthümliche Achtung für das Weib wurde die Grundlage eines in rcinern und zarter» Verhältnissen sich offenbarenden Familienlebens; Nittcrgeist und Bürgersinn erzeugten fromme Kraft und biedere Männlichkeit und der schwärmerische auf das Unendliche mit Sehnsucht gerichtete Sinn jener Zeit sprach sich nicht blos in dem Hange zu abenteuerlichen kriegerischen Unternehmungen, sondern auch in den Denkmälern großartiger Baukunst und kraftvoller Malerei, sowie in den unsterblichen Werken der phantastisch-gewaltigen Dichtkunst aus. Trotz dieses allgemeinen Charakters des Mittelalters treten in den einzelnen Perioden desselben wieder verschiedene cigenthümliche Richtungen hervor. Am zweckmäßigsten nimmt man deren drei an. Die erste, von dem durch die Völkerwanderung erfolgten Umstürze des weström. Reichs bis auf Karl den Großen und die Wiederauflöfung der großen karolingischen Monarchie unter seinen nächsten Nachfolgern, zeigt uns den gewaltigen Kampf zwischen den alten röm. und den neuen german. Elementen des Lebens noch in seiner Fortdauer begriffen. Im Staate bildete sich das Kaiserthum und das damit zusammenhängende sogenannte Feudal- oder Lehnswesen (s. Lehen), mit welchem sich eine stolze und trotzige Aristokratie erhob, deren Kampf nach oben wider das Königthum und die centrale Staatsgewalt, nach unten wider die Freiheit des Volks gerichtet war und dieselbe thcils zu vernichten strebte, theils wirklich vernichtete. (S. Nitterwesen.) In der Kirche zeigen sich die Anfänge der Hierarchie (s. d.) nebst dem Streben des apostolischen Stuhls, an die Spitze dieser Hierarchie und dadurch zur Herrschaft über die Welt zu gelangen. In der zweiten Periode, von dem Untergange des Reichs der Karolinger bis gegen Ende des 13. Jahrh., stellt sich im Innern des Skaatenlebens durch das Hervortreten der Städte (s. d.) ein bedeutendes Element neben die feudalistische Aristokratie, wodurch Mittelamerika Mittelfarben 629 es der königlichen und fürstlichen Gewalt möglich wurde, hier mehr dort weniger eine centrale Staatsgewalt zu gründen. Die Stände, welche unter sehr verschiedenen Namen erscheinen, datiren aus dieser Zeit. Es trat ein gewisses Gleichgewicht der Gewalt und Macht zwischen Königthum, Aristokratie und Volk ein, welches letztere indeß fast ausschließend durch die Städte revräsentirt wurde. Das Schwankende aber in de» Berechtigungen dieser verschiedenen Gewalten und ihrer Verhältnisse unter sich erzeugte Erscheinungen, welche in wohlgeordneten Staaten sonst nickt gefunden werden, wie Städtebündnisse, Landfrieden (s. d.) und Femgerichte (s. d.). In der Kirche ist diese Zeit die Epoche der Höhe und des Glanzes der Hierarchie, die indeß vergeblich sich der höchsten Staatsgewalt in der europ. Welt zu bemcistern stickt und ihre Macht vorzüglich dazu benutzt, nicht blos das menschliche Geschlecht zu Aberglauben und wildem Fanatismus zu erziehen, sondern auch alle freier» Regungen, die ihr auf dem Gebiete des Glaubens cntgegen- getreten, gewaltsam niederzudrücken. (S.Jnquisitio n.) Mit der fortschreitenden Bildung des Zeitalters sing auch die feudalistische Aristokratie an, sich zu veredeln und sich der Poesie und dem Gesang in den Natronalsprachen zuzuweudeu, wclcke Neigung sehr bald auch auf den Bürgerstand überging, dessen Dichtungen aber weniger sinnig und poetisch erscheinen. (S.Troubadour und Meistersängcr.) Zugleich fiel in diese Epoche das Erwachen einer neuen bildenden Kunst. (S. Italienische Kunst und Deutsche Kunst.) Auch begann die Historiographie in dgn Nationalsprachen. Am meisten stand die Philosophie zurück, die in der Form, in welcher sie auftrat, als Scholastik nur erst in unangemessenen und verworrenen Formen sich bewegte. In der dritte n Epoche, vom Ende des 13. bis zu Ende des >5. oder zu Anfang des >».Jahrh„ bildeten sich constitutionelle Staatsformen weiter zu höherer und allgemeiner Freiheit aus, und es begann, wie in Frankreich, über den Gegensatz zwischen Aristokratie und Städten hinweg das aukokratische Königthum. Im Allgemeinen sank der Einfluß der feudalistischen Aristokratie und die Wichtigkeit des Lebens ging auf den Bütgerstand über. Die Entdeckung und die immer allgemeiner sich verbreitende Anwendung des Schießpulvers, die Auffindung des Seewegs nach Ostindien, die Erfindung der Buchdruckcrkunst und die Entdeckung von Amerika trugen wesentlich zu diesen Umwandlungen bei. In der Kirche riefen die schreienden Misbräuche, welche Päpste und Hierarchie mit der früher errungenen Macht und Gewalt trieben, eine immer mächtigere Opposition hervor, welche bald von der Kirche selbst, z.B. auf den Synode» zu Basel (s-d.), Konstanz (s. d.), bald von den sogenannten Ketzern, wie Wicliff.e (s. d.), Huß (s. d.), bald auch von den Mystikern, die das Christeuthum wieder wesentlich zu etwas Innerlichem machen wollen, ausging. So schwanden am Ende dieser Epoche die charakteristischen Merkmale des Mittelalters immer mehr; die Hierarchie sank, das Ansehen der kaiserlichen Macht erlosch immer mehr, das Feudalweseu hatte dem überall sich erhebenden Mittelstände mit seinem kräftigen Volksgeiste, seiner Betriebsamkeit und seiner gereifte» Einsicht Platz machen müssen, und die neue Zeit begann. Was das Morgenland betrifft, so hatte dasselbe in dem Sinne wie Europa kein Mittelalter, doch machten daselbst der Mohammedanismus und die Arabische Literatur (s.d.) Epoche. Ebenso kennt das gricch. Kaiserthum, die schwache langweilige Fortsetzung des römischen, kein Mittelalter. Vgl. Nütze, „Handbuch der Geschichte des Mittelalters" (Berl. >818); Nehm, „Handbuch der Geschichte des Mittelalters" (3 Bdc., Mark. >82»—33) und dessen „Geschichte des Mittelalters seit den Kreuzzügen" (Kass. 1831); Leo, „Lehrbuch der Geschichte des Mittelalters" (2 Bde., Halle 183») und dessen „Geschichte des Mittelalters" (Halle 183»; 2. Ausl., 1839); Hallam, „Geschichtliche Darstellung des ZustapdeS von Europa im Mittelalter" (deutsch von Halem, 2 Bde., Lp;. 182»); Tillicr, „Geschichte der europ. Menschheit im Mittelalter" (Franks. 182»; 2. Ausl., 1833); „banales 837 zum größten Theile aus dem früher« Rezatkreise, umfaßt auf I > 3üM. gegen üONOOOE. und besteht aus dem Fürstenthume Ansbach, Theilen des Fürstenthums Baireuth und des Bisthums Würzburg, dem Fürstenthume Eichstädt, den ehemaligen freien Reichsstädten Nürnberg, Rothenburg an der Tauber, Dinkelsbühl, Windsheim, Weissenburg und mehren Standesherrschasten. Mittelländisches Meer oder Mittelm ecr,,so genannt von seiner Lage zwischen Europa, Asten und Afrika, ein mit dem Adriatischen, Ägeischen und dem Meere von Mar- mara 37500 OM. großes Becken, hängt im Westen mit dem Atlantischen Ocean durch die Meerenge von Gibraltar zusammen, in deren Mitte man einen starken Strom aus dem Ocean in das Mittelländische Meer bemerkt, eine Erscheinung, die sich dadurch erklärt, daß der Verlust an Wasser, den dieses Meer durch seine starke Verdunstung erleidet, nicht durch die Wassermenge der ihm zuströmendcn Flüsse ersetzt wird, wie denn aus Afrika, außer dem Nil, kein einziger einigermaßen ansehnlicher Fluß ihm zufließt, ebensowenig aus Asien und der griech.-türk. Halbinsel. So bleiben denn, außer den kleinern Flüssen Italiens und Ost- spaniens, nur Etsch, Po, Rhone und Ebro als bedeutendere Zuflüsse im westlichen Europa übrig, von denen noch dazu der letztere im Sommer am Wassermangel leidet. Auch stcht jenes Zuströmen durch die Meerenge von Gibraltar nickt vereinzelt da, sondern wiederholt sich in der starken Strömung, die aus dem durch verhältnißmäßig viele und großeStröme gespeisten Schwarzen Meere durch den Bosporus und die Dardanellen in das Mittelländische Meer geht. Theile des Mittelländischen Meeres sind die Golfe von Valencia, du Lion und von Genua, das Tyrrhenische Meer, der Meerbusen von Tarent, das Adriakische Meer, das Jonische Meer, bas Ägeische oder Griechische Meer, die Meerenge der Dardanellen oder der Hellespont, das Meer von Marmara oder die Propontis, die Meerbusen von Adalia und Skandernn und die große und kleine Syrte. Da das Mittelländische Meer die längste Küstencrstreckung an seiner Nordseile und dort auch die meisten Busen, Häfen und Inseln hak, so bietet es den Bewohnern Europas mehr Gelegenheit zum Verkehr und mehr Vortheile als den Bewohnern Afrikas dar. Es ist sehr tief, besonders in seinem westlichen Theile, und hat an manchen Stellen 3000, ja sogar gegen 5000 F. Tiefe. Kaum einem Zweifel kann es unterworfen sein, daß Europa und Afrika bei Gibraltar und Sicilien zusammenhingen. Diesen Zusammenhang scheint die Untiefe dieses Meeres bei Sicilien, wo es an einigen Stellen nur 18», ja sogar nur 30 F. tief ist, noch wahrscheinlicher zu machen. Vermöge seiner natürlichen Lage hat cs veränderliche Winde und eine schwache Ebbe und Flut, die im Euripus, der Meerenge zwischen Euböa und dem griech. Festlandc, besondere Eigenthümlichkeiten zeigt. Mittelmark hieß derjenige Theil der ehemaligen Kurmark Brandenburg, welcher, von der Vormark oder Priegnitz, dem Hcrzogthum Magdeburg, dem sächs. Kurkreise, der Niederlausitz, Neumark, Uckermark und von Mecklenburg-Strelih begrenzt wurde und auf 227 IHM. 560000 E. zählte. Sie war früher in sieben, seil 18<>6 in zehn Kreise geteilt und hatte Brandenburg zur Hauptstadt. Als l 807 die beiden, nach Abtretung des Herzogthums Magdeburg, Preußen noch verbliebenen Kreise desselben: Jerichow und Ziesar, mit der Mittelmark vereinigt wurden, stieg ihre Einwohnerzahl, bei einem Flächenraum von 271 OM., auf 620000 E. Bei Gelegenheit der neuen Eintheilung des preuß. Staats wurde die Mittclmark mit Ausnahme des Lebuscr Kreises, der an Frankfurt kam, dem Regierungsbezirk Potsdam zugetheilt, die Kreise Jerichow und Ziesar aber an den Regierungsbezirk Magdeburg zurückgegeben. Mittelpunkt heißt in der Geometrie derjenige Punkt einer Figur oder eines Körpers, welcher alle durch denselben gehenden geradlinigen Sehnen in zwei gleiche TloM shcilt. (S. Centru m.) In der Mechanik kommt dieses Wort in sehr verschiedener Bedeutung vor; hier giebt es einen Mittelpunkt derAnziehung, in welchem der Sitz der anziehenden Kraft ist, z.B. für das Planetensystem die Sonne; einen Mittelpunkt des Gleichg ew ichts, welcher unterstützt oder befestigt werden muß, um ein System von Körpern, ans welche Kräfte wirken, ungeachtet der Wirkung derselben im Gleichgewicht zu erhalten; einen MittelpunktderKräfte, gewöhnlich in gleicher Bedeutung mildem Mittelrheinkreis Mittermaier 631 vorigen; einen Mittelpunkt der Masse, Trägheit oder Schwere, auch Schwerpunkt (s. d.) genannt; einen Mittelpunkt des Schwungs, wie man denjenigen Punkt eines zusammengesetzten Pendels nennt, in welchen die ganze schwere Masse des Pendels vereinigt gedacht werden kann, weil dann, wenn dies der Fall wäre, das Pendel um denselben Aufhängepunkt ebenso schnelle Schwingungen machen würde, als es wirklich macht; einen Mittelpunkt des Stoßes, wo man sich die ganze Wirkung des Stoßes, den ein . Körper von einem andern Körper erhält, vereinigt vorstellen kann; endlich einen Mittel- j Punkt der Umdrehung, welches derjenige Punkt eines in Folge eines cxcentrischen Stoßes rotirenden Körpers ist, der in Ruhe bleibt, weil er durch die progressive Bewegung i des Körpers ebensoweit vorwärts als durch die rotirende rückwärts getrieben wird. Außerdem kommt in der Physik noch ein phonischer Mittelpunkt vor, worunter man bei einem mehrsilbigen Echo den Ort versteht, an den sich die redende Person stellen mrrß, wenn das Echo am besten gehört werden soll. Mittelrheinkreis, einer der Kreise des Großherzogthums Baden, bildete bis > 832 den Murg-, Pfinz- und Kinzigkreis und zählt auf 77'/, OM. gegen -ilUMüll E. Er umfaßt den grüßten Theil der alten Markgrafschaft Baden, Theile dcs Bisthums Speier, der Pfalz, desHcrzogthumsWürtembcrg und dcr Ortenau, dieHerrschaftLahr, mehre ehemalige freie Reichsstädte, wie Offenburg, und einige Standesherrschaften. Mittelsalze, s. Neutralsalze. Mittelstimmen heißen in der Tonkunst diejenigen Stimmen, welche zwischen dem Grundbaß und der mclodieführenden Stimme liegen und so die Harmonie glcicksam aus- I füllen; beim mehrstimmigen Gesänge sind es gewöhnlich der Alt oder zweite Sopran und der Tenor, in der Instrumentalmusik die zweite Violine und die Viola. Mittelwald oder CompositionS betrieb nennt man forstlich eine solche Wald- wirthschaft, wo in den Niederwaldungen viele starke und geringere Bäume erzogen werden, * oder wo zwischen den lichten Baumholzbeständen zugleich auch Niederwald erzogen wird. Mittermaier (Karl Jos. Ant.), bad. Geh. Rath und ordentlicher Professor der ^ Rechte zu Heidelberg, gcb. am 5. Aug 1787, studirte zu Landshut und Heidelberg und ttat 1809 als Privatdoccnt zu Landshut auf, wo er > 8 lI Professor wurde. Im I. 1819 folgte er einem Rufe nach Bonn, von wo er > 821 nach Heidelberg ging. Seine Wahl zum Abgeordneten der Ständeversammlung in der Stadt Bruchsal im I. 183 > cröffnete ihm eine einflußreiche Wirksamkeit für Gesetzgebung und constitutionelles Staatsleben. Zu seinen Motionen gehören die Anträge auf Aushebung der sogenannten Administrativjustiz, auf Abschaffung der Stockschläge als Erfvrschungsmittel der Wahrheit und auf einen von allen Staatsangehörigen zu leistenden und mit dem Huldigungseide zu verbindenden Vcr- fassungseid. Besondere Verdienste erwarb er sich auch um die Gemeindeordnnng als Mitglied und Berichterstatter der betreffenden Commissionen, sowie als Vermittler in Betreff der zwischen beiden Kammern streitigen Punkte. Zu der neuen Civilproccßordnung mit Öffentlichkeit und Mündlichkeit des Verfahrens hatte er schon vor den varlamentarischen Verhandlungen wesentlich mitgewirkt, da er als Mitglied in der zu deren Entwerfung berufenen Gesetzgebungscommission saß. Als Präsident einer der funfAbtheilungen der Kammer nahm er Theil an der im Sept. 1831 gegebenen Erklärung derselben an die Negierung: ohne Preßfreiheit kein Budget. Im Allgemeinen galt er jedoch damals mit Duttlinger mehr für das Organ der Gemäßigten, während Notteck und Zhstein die äußerste Linke repräsen« » tirtcn und Welckcr das deutsch-nationale Element vertrat. Als Redner zeichnete er sich aus durch schönen Vortrag, Einfachheit und Klarheit des Gedankens und fließende Leichtigkeit. Auf den folgenden Landtagen von 1833,1835 und 1837 war erPräsident der zweiten Kammer. Seitdem erschien erKränklichkeit halber nicht wieder in der Ständeversammlung. Dagegen wirkte er wesentlich mit ein aus die neuerliche Umgestaltung der bad. Strafgesetzgebung. Wie als Volksvertreter, so erwarb er sich auch als akademischer Lehrer ' und als Schriftsteller großen Ruf. Seine Werke betreffen das deutsche Privatrccht, die Theorie des ProcesseS und das Strafrecht nach seinem ganzen Umfange. In ersterer Beziehung erwähnen wir sein „Lehrbuch des deutschen Privatrechts" (Landsh. > 821), das später durch die „Grundsätze deS gemeinen deutschen Privatrechts" ersetzt wurde, welche in 632 Mitternacht Mitylene der fünften umgearbeitctcn Ausgabe (2 Bde., Negensb. >837—38; 6. Anfl., 1832—33) auch das Handelsrecht, Wechsel - und Secrccht umfassen und zu den vorzüglichsten Darstellungen dieser juristischen Disciplin gehören. Über die Theorie des Protestes verbreitet sich als Hauptwerk „Der gemeine deutsche bürgerliche Proceß, in Vergleichung mit dem prcuß. und franz. Civilverfahrcn und mit den neuesten Fortschritten der Civilgcschgebunz" (>.—3. Beitrag, >82»—20; Beitrag 1,3. Ausl., 1838; Beitrag 2—3,2. Aust., 1825 —30). Im Strafrechte war M. zunächst für die proccssualische Seite thätig in seinem „Handbuch des peinlichen Proccsscs" (2 Bdc., Heidelb. >810—12), das er dann ganz umgearbeitet unter dem Titel „Das deutsche Strafverfahren in der Fortbildung durch Ee- richtsgebrauch und Particulargcsctzgcbung" (2 Bde., Heidclb. 1832; 3. gänzlich ningear- beitete Auf!., >839—30) erscheinen ließ; ferner in den Schriften „Theorie des Beweises im peinlichen Proteste" (2 Bde., Darmst. 1821) und „Die Lehre vom Beweisen» deutschen Strafproccsse, nach der Fortbildung durch Gerichtsgebrauch und deutsche Gesetzbücher in Vergleichung mit den Ansichten des engl, und franz. Strafverfahrens" (Darmst. 1833), sowie in der „Anleitung zur Verthcidigungskunst im dreifachen Criminalprocesse" (Landsh. >813; 4. Anfl., NegcnSb. 1833). Nächstdem verfolgte er die particularrecht- liche Fortbildung des Criminalrechts in den..Schriften „Über den neuesten Zustand der Criminalgesctzgcbung" (Heidelb. 1825), „Über die Grundfehler der Behandlung des Criminalrechts in Lehr- und Strafgesetzbüchern" (Bonn 1819); sodann in fortlaufenden Übersichten in dem „Neuen Archiv dc§ Criminalrechts" und dessen „Neuer Folge", sowie neuerlich in dem Werke „Die Strafgesetzgebung in ihrer Fortbildung geprüft" (2 Beiträge, Heidclb. >831 —33). Erst in neuerer Zeit erschien von ihm, in der Umarbeitung deS Feuerbach'schc», ein vollständiges „Lehrbuch des Criminalproccsses" (12. Aufl., Gieß. 1837; 13. Aust., 1830). Seine beiden neuesten Werke sind die „Jtal. Zustände" (Heidclb. 1833), in welchen er die moralische, rechtliche nnd>politische Lage der ital. Staaten, die M. siebenmal besucht hat, auf Grund von dctaillirtcn statistischen Nachrichten schildert, und „Die Mündlichkeit, das Anklagcprincip, die Öffentlichkeit und das Geschworenengericht" (Stuttg. >835), worin er die neuesten wissenschaftlichen und legislativen Bestrebungen auf diesem Gebiete prüft. Übrigens ist M. Mitherausgeber des „Civilistischen Archivs", des „Archivs des Criminalrechts, Neue Folge" und der „Kritischen Zeitschrift für Rechtswissenschaft und Gesetzgebung des Auslandes", in welchen alle» zahlreiche einzelne Aufsätze, besonders aber wcrkhvollc Übersichten der Fortschritte der Gesetzgebung in den einzelnen Branchen des Rechts von ihm niedcrgclcgt sind. Mitternacht heißt der dem Mittage gerade entgegengesetzte Zeitpunkt, an welchem die Sonne bei ihrem scheinbaren Umlaufe den tiefsten Stand unter dem Horizont eines Orts erreicht, indem sie zum zweiten Mal in den Meridian tritt. Von diesem Augenblick an nimmt der Tag nach der bürgerlichen Zeitrechnung seinen Anfang. — Mitternachtsgegend, in der Schiffersprache Norden genannt, ist die dem Mittag oder Süden gerade entgegengesetzte Himmelsgegend. — Mitternachtspunkt oder Nor dp unkt ist der Durchschnittspunkt des Meridians mit dem Horizonte nach der Mitternachtsgegend hin. Mitylene oder Mytilcnc, wie man jetzt nach alten Münzen und Handschriften fast ausschlicßcnd schreibt, die ehemals reiche und mächtige, von den Äolern gegründete Hauptstadt der Insel Lesbos (s.d.), berühmt durch die daselbst veranstalteten dichterischen Wettkämpfe, wurde während des Peloponnes. Kriegs im I. 327 v. Chr., nachdem die ganze Insel mit Ausnabme von Mcthymna ein Jahr vorher von der Bundesgcnosscnschaft Athens sich losgcsagt hatte, von den Athenern erobert, worauf die Bewohner auf Kleon's (s. d.) Betrieb eine schonungslose Strenge und Züchtigung erfuhren. Zur Zeit der maccdon. Herrschaft, als Lesbos eine republikanische Verfassung erhielt, kam es an die Spitze der übrigen Städte und behauptete seinen Einfluß und sein Ansehen, bis es im Kriege gegen Mithridatcs, in welchem dieMitylcner feindselig gegen dicNömer auftratcn, Sulla (s.d.) gänzlich zerstören und die Einwohner als Sklaven verkaufen ließ. Zwar erhob sich nach dieser Katastrophe die Stadt wieder aus ihren Trümmern und wurde auch von Pompe- jus (s. d.) begünstigt; allein sic konnte ihren früher« Glan; nie wieder erlangen und nur noch wenige Überbleibsel bei dem heutigen Castro bezeichnen ihre ehemalige Stätte. Mixtur Mnemonik 633 Mixtnr nennt man eine Arzn-iform, welche aus flüssigen und festen, in der Flüssig, keit sich nicht auflöscndcn Bcstandthcilcn zusammengesetzt >st Sind die Flüssigkeiten nicht konsistent genug, um die festen Thcilc schwebend zu erhalten, so muß die Mixtur vor dem Einnekmen umgeschüttclt werden, was man eine Schüttelmixtur nennt. Mnemonik oder Mnemotechnik, d. I. Ecdächtnißkunst, nennt man die Kunst, durch eine besondere Methode die Kraft des Gedächtnisses zu ungewöhnlichen Leistungen zu bringen. Solcher Methoden sind im Laufe der Zeit sehr verschiedene versucht worden. Doch ließ die Unzulänglichkeit derselben in neuerer Zeit die ganze Sache als unfruchtbare Künstelei erscheinen, als in den letzten Jahren durch Ncventlow eine, allem Anscheine nach sehr glückliche neue Bahn hierin gebrochen wurde. Schon die Alten kannten eine Gedacht- nißkunst, als deren Erfinder der grieck. Dichter Simonides (s. d.) betrachtet wurde und von welcher mehre Stellen der rhetorischen Bücher an den HerenniuS, des Cicero in seinem Buche vom Redner und des Quinctilian handeln. Die Methode der alten Mnemoniker war darnach folgende. Sie nahmen irgend einen begrenzten Raum, z. B. ein Zimmer, und merkten sich eine Reihe von 50 oder loo Gegenständen an bestimmten Plätzen in diesem Raume; mit diesen Plätzen verbanden sie dann die einzelnen Bilder der Namen u. s. w., die sie sich in einer bestimmten Reihenfolge merken wollten. Für größere Operationen die- ser Art war es nöthig, diese Plätze nach dem dekadischen Systeme zu steigern, sodaß sie sich z. B. eine imaginaire Stadt mit je zehn Quartieren von je zehn Häusern mit je zehn Zim- mcrn bildeten, was andererseits wieder dadurch vereinfacht wurde, daß man das mnemo- nisch eingetheilte Zimmer in zehn verschiedenen Lagen des Hauses, dieses Haus wieder an zehn verschiedene» Orten u. s. w. dachte. Die Schwierigkeit hierbei lag aber darin, nicht blos für jeden zu merkenden Begriff oder Gegenstand ein paffendes Bild zu finden, sondern auch dieses Bild so zu behalten, daß man sich seiner Verbindung mit einem bestimmten, ohnehin voraus einzuprägenden und genau zu behaltenden Platz stets wieder erinnerte. Eleichwol ist diese Methode der Verbindungen im Wesentlichen dieselbe gewesen, welche bis auf die neueste Zeit den mnemonischcn Systemen zum Grunde gelegen hat. Seit dem 15. Jahrh. finden wir wieder vielfache Lehren der Mnemonik; zum Theil wurde diese Kunst als eine Art kabbalistischer Gchcimlchrc behandelt, wie von Giordano Bruno (s.d.), dem Vervollkommne! der sogenannten Lulli'schen Kunst, und noch später, am Ende des 10. Jahrh., von dem Deutschen Lambcrtus Schenkel, der als umherrcisender Lehrer derselben großes Aufsehen erregte; zum Theil widmeten aber auch tüchtige Köpfe ihr ernstes Nachdenken dieser Kunst, wie der bekannte Konr. Celtes im 15. Jahrh. und später Leibnitz. Mchrentheils waren diese Methoden nur Mvdisicationen der Alten; doch substituirtcn auch Einige, z. B. Winkelmann, Leibnitz, der Engländer Grey (1756) u. A. da, wo es Zahlen zu merken gab, den Ziffern Buchstaben, die sie in verschiedener Weise mit dem zu merkenden Worte verbanden, z. B. durch Umänderung der Endsilbe in diese Buchstaben. In dem ersten Decennium des gegenwärtigen Jahrhunderts regten die Schriften von Kästner, einem kursächs. Landgcistlichen („Mnemonik oder System der Eedächtnißkunst der Alten", Lpz. 18» i) und vom Freiherrn von Arelin, Bibliothekar zu München („Systematische Anleitung zur Theorie und Praxis dcrMncmonik", Sulzb. 1810) das Interesse an dieser Wissenschaft von neuem an. Jener erneuerte die Methode der Alten und suchte sie in mehren Schriften, namentlich auf die Erlernung von Sprachen, anzuwenden; dieser stellte ein zum Theil neues System auf, indem er zwar die Ordnungsbilder der Alten beibehielt, nicht aber ihre Gcdächtnißplätzc, sondern den Zahlen z. B. Buchstaben substituirte, an deren alphabetische Ordnung sich weitere Combinationen knüpften, die mit dem Bilde des zu Merkenden verbunden werden mußten. Beide gaben öffentliche Proben ihrer Methoden; Kästner selbst, Arctin durch seinen Schüler, den Licentiaten Duchet. Um dieselbe Zeit trat auch ei» vormaliger Ordensgeistlichcr, Gregor von Frinaigle, mit einem aus älter» und neuern Methoden componirlen Systeme auf und durchreiste mehre Länder als Lehrer desselben. Originell ist die neuerlich von Aime Paris („Uiäncstws et rljijilwirtinns »liversss el bewerkstelligt, welche Zahlen entsprechen und auschenen in Verbindung mit dem zu Merkenden eine Formel construirt wird. Etwas modisicirt erscheint dieses complicirke System in dem der Brüder Jos. Felieiano und Alexander de Castilho (s.d.) wieder, welche, portng.Nefugics auS den Zeiten der Miguelisiischen Unruhen, in dem I. 1832 in Frankreich und Belgien mit vielem Erfolge öffentliche Proben davon ablegten (,,'IHtö eie nmcmolecluliL", 8.Anfl., Bordeaux 183!), und „»ictioiinuieo innöliuiui- gue"). Eine eigcnthümliche Methode bildete der Pole Jazwinski ans, indem er mncmoni- sche Quadrate construirtc und diese, sowie ihre Combinationcn, mit Bildern belegen ließ. Es trat eine besondere Gesellschaft zur Ausbreitung seiner Methode zusammen und sie wurde mehrfach auf den Unterricht mit Glück angewendct, später auch vom poln. General Bem (s. d.) vervollkommnet. In Deutschland, wo nur noch Graf M ailath (s. d.) mit einem nennenswcrthen, jedoch keineswegs neuen Systeme (Wien I S t2) neuerlich ausgetreten war, erhob seit > 81» der dän. Candidat der Philologie, Karl Otto Nevcntlow, die Mnemotechnik aus die Stufe, von wo aus ihr unmittelbarer Übergang in das UntcrrichtS- undLehrsystem möglich ist. Er verwirft in seinem „Lehrbuche dcrMnemotechnik" (Stnttg. > 8-13) alle sinnliche Symbolik für diese Zwecke, reducirt vielmehr alle Gedächlnißoperalio- nen aufVerstandesoperationcn und stützt seine Methode auf den Grundsatz, daß man Das am leichtesten und dauerndsten behalte, was zum Gedanken geworden und ins Bewußtsein übergegangen ist. Alle Nichtbegriffe, d.h. hier alle Zahlen und Laute, von denen man keine andern als ihre numerischen und Lautbeziehungcn kennt, werden nach einer bestimmten all- gemeinen Regel in Begriffe verwandelt. Sein Schema der Substitutionen für Zahlen ist in der Hauptsache folgendes: 0 1 2 3 1 8 6 7 8 s I t n IN r s b f k 8 2 u V >v u »ck l' 1'k i k SL I'k ck Durch diese Substitution, die übrigens auf gewissen rationellen Gründen beruht, werden mittels hinzugenommener Vocale sogenannte numerische Worte gebildet, in denen die ersten Cvnsonanten, und zwar höchstens die drei ersten, eine Bedeutung als Substitutionen haben, ;. B. >28 ----- ironisch (r — t, n 2, s ----- 5). Die Zahl der möglichen Combi- nationen ist ebenso groß, als die Verbindung leicht. Bei Verwandlung unbekannter Namen und Begriffe substituirt Nevcntlow phonische Analogien. Die Anwendung auf die Chronologie ergibt sich hiernach von selbst; will man sich z. B. das erste Vorkommen der Censur im I. 1 188 merken, so braucht man nur das Wort Rhabarber in irgend eine Beziehung mit dem Begriffe der Censur zu setzen (r — i, ü — 8, h --- 6; die Substitution für die Tausend fällt weg, weil hierin kaum ein Jrrthum möglich ist). Auf Grund dieser Methode können unter Wahrnehmung einiger sich leicht ergebenden weitern Regeln,selbst sehr große Zahlen und Zahlenreihen leicht und sicher cingeprägt werden. Die Hauptaufgabe ist, nach Einprägnng des Schemas sich darin eine Fertigkeit zu erwerben, einen gegebenen Begriff in seiner Mannichfaltigkeit, in allen seinen Beziehungen schnell zu überblicken, um daraus einen Anhaltepunkt für die Verbindung mit einem zweiten gegebenen z Begriffe, dem numerischen Worte, herauszufindcn. Weit entfernt von Sterilität und trockenem Mechanismus, beschäftigt daher diese Methode auch die Phantasie in hohem Grade. Nevcntlow hat die Wirksamkeit derselben nicht blos durch vielfache öffentliche Proben auf seinen Reisen durch Deutschland, wobei er Staunenswerthes leistete, sondern auch dadurch bewiesen, daß von dieser leicht anzueignenden Methode vielfach im Unterricht glücklicher Gebrauch gemacht worden ist, wie denn schon mehre Schriften von Pädagogen ^ dieselbe z. B. auf die Erlernung geschichtlicher Daten angewendet haben. Sehr erleichtert werden Studium und Praxis derselben durch Reventlow's „Wörterbuch der Mnemotechnik" (Stuttg. 1 8 - 11 ), worin mehr als >2000» Substitutionen für die Zahlen »»0, 00,0 Mnemosyne Mobile Colonnen 635 und l -990 enthalten sind. Einer bestimmtem Ausbildung ist dieses System noch fähig in seiner Anwendung auf Erlernung von Sprachen und auf Einprägen zusammeuhän. gender Sätze. Mnemosyne, die Tochter des Uranos und der Gäa, eine Titanin, die Göttin des Gedächtnisses, war von Zeus Mutter der neun Musen (s. d.), indem sie in Pierien nenn Nächte in seinen Armen ruhte. Eleutherä in Böotien war der Hauptsitz ihrer Verehrung. Mnioch (Joh. Jak.), ein bekannter Dichter und origineller Kopf, geb. zu Elbing in Preußen am 13. Oct. >763, studirte in Jena, »Var dann einige Zeit in Halle Hauslehrer und wurde >790 Rector zu Neusahrwasser bei Danzig. Als er sich von hier wegen einer genialen Pasquinade entfernen mußte, fand ek >796 in Warschau eine Anstellung, wo er als erster Directionsrath der preuß. Lottcriedircction am 22. Febr. > 804 starb. Schon als Knabe hatte er den drolligen Einfall, als er seinen Vater gedrückt und zurückgesetzt sah, sich in einem Schreiben unmittelbar an den König Friedrich ll. zu wenden, worin er denselben mit Du anredete. Dem Könige gesiel die Bittschrift, und M.'S Vater wurde geholfen. Als Student in Jena ließ er seine Hymne auf'Friedrich ». drucken und sendete sie an denselben. Der König bankte schriftlich, machte ihm aber bemerklich, wenn er wieder schriebe, seine Briefe zu frankiren. Sogleich packte M. den Betrag des Portos, ein Achtgroschenstück, ein und sendete dasselbe an den König mit der Zuschrift: „Sire, hier ist das Porto" Schon in Halle dichtete er manches originelle Lied. Bekannt ist durch eigenthümlichc Mischung von Heiterkeit und Ernst besonders sein Lied vom Grabe „Wir werden Alle Platz und Raum" u. s.w., sowie sein Maürerlied am JohanniSfeste l 7 98. Das vorherrschende und am meisten entwickelte Element seiner Individualität war das Gefühl, dessen Übergewicht ihn aber weder umfangreiche,jnoch allseitig durchgearbeitete Werke vollenden ließ. Seine bessern Arbeiten sind vereinigt in „Sämmtliche auserlesene Werke" (3 Bde. Görl. 17 98 fg.) und „Analekten" (2 Bde., Görl. 1804). Viele Gewandtheit im Ausdruck und große Regsamkeit seines Geistes und Gefühls befähigten ihn zum Improvisator. — Seine Gattin, Maria M., geb. Schmidt, geb. zu Neufahrwasser bei Danzig 1777 , eine namentlich durch ihn geistig hochgebildete Frau, starb zu Warschau 1799. Ihre geistvollen Aufsätze wurden von M. unter dem Titel „Zerstreute Blätter u. s. w." (Görl. 1800; 2. Aust., 1821) herausgegeben und sind ein wahres Kleinod weiblichen Zartgefühls. Moabiter ist der Name eines Volks, das östlich vom Tobten Meere und Jordan wohnte und theils durch seinen unsittlichen Cultüs, der sogar Menschenopfer einschlvß, thcils durch feindliche Angriffe den Israeliten gefährlich wurde. In der Periode der Richter hatten die Moabiter das israelit. Volk auf 18 Jahre unterjocht, später wurden sie zwar von David zinsbar gemacht, doch wußten sie sich dem Tribute um das I. 900 v. Ehr. wieder zu entziehen. Später nach dem Einfalle der Assyrcr rissen sie Stücke des israelit. Gebiets an sich und verbanden sich mit den Chaldäern gegen Juda. Daher sind auch die Schriften der Propheten reich an Verwünschungen und Drohungen gegen sie. Der Name des Volks verlor sich endlich in dem der Araber. Mvalläkät, d. i. die Aufgehangenen, nennt man sieben arab. Gedichte aus der Zeit zunächst vor Mohammed, welche Ihrer Bortrefflichkeit wegen zu Mekka öffentlich ausgc- hangen worden sein sollen. Sie schildern das Leben in der Wüste, die Fehden der arab. Stamme, Liebesabenteuer und geben ausführliche Beschreibungen der Kameele und Rosse. Den Text nebst engl. Übersetzung gab zuerstJones (Lond. 1783) heraus. Nach dem Englischen wurden sie von Hartmann unter dem Titel „Die hellstrahlenden Plejaden am arab. poetischen Himmel" (Münst. > 802) ins Deutsche übertragen. Eine vollständige Ausgabe mit Scholien erschien zu Kalkutta 1823 . Einzelne der Gedichte wurden von verschiedenen Gelehrten herausgegeben, z. B. die „Moallaka" des Tarafa von Vullers (Bonn 1827), des Amr den Kulthum von Kosegarten (Jena > 829), des Amr ul kais von Hengsten- lcrg(Bvnn, >822), des Zohair von Rosenmüller (Lpz. 1828), des Lebid von Peiper (Brest. > 828), des Antar (s. d.) von Willmet (Leyd. 1816) und deS Hareth von Vullers (Bonn, l 827). Mobile Colonneu nennt man im engern Sinne die Truppencolonnen, welche zu bestimmten Zwecken seitwärts des Heeres abgesendet werden. Dazu gehören sowol die 636 Mobiliarsteuer Möbius FreicvrpS (s. Freibataillonc) und Streifcorps, wie die vom Heere selbst entsendete« Truppen. Jedoch erhalten sic diese Namen nur, wenn sie in stärkerer Anzahl und aus den verschiedenen Waffen zusammengesetzt, auftreten. Sie werden vorzugsweise zum Kleinen Kriege gebraucht, um den Feind in großem Entfernungen zu beunruhigen, ihm Transporte und Magazine zu nehmen, Maroden rs (s. d.) aufzuheben u. s. w., überhaupt um die Streitkräfke auf mehren Punkten zu vervielfältigen, ohne die Masse auf nachteilige Weise zu schwächen. Mobiliarsteuer heißt die Abgabe, welche von dem beweglichen Vermögen erhoben wird. Sie gehört zu den direkten und zu den Vermögenssteuern, und den Hauptgegen- stand der Mobiliarsteuer bilden die Activeapitaiien der Staatsbürger; doch werden auch andere Bestandteile des beweglichen Vermögens darunter begriffen. Sie kann sehr unpolitisch sein, wenn durch die Art ihrer Anlegung solche Gegenstände getroffen werden, deren Vermehrung großen Nutzen für den Staat hätte, wie z. B. der Viehbestand der Landwirthe. Auch streift sie in das Gebiet der Consumtions - und Luxussteuern hinüber, wenn sie hauptsächlich gewisse Gattungen beweglicher Sachen trifft, jderen man sich leicht entäußern kann, wie z. B. den Besitz von verarbeitetem Gold und Silber, Equipagen, Singvögel u. s. w. Mobilien, d.i. bewegliche Güter, auch Fahrende Habe oder Fahrniß. Alle äußern Gegenstände, woran ein Besitz und Ausübung von Eigentumsrechten möglich ist, theilen sich in bewegliche und unbewegliche. Blose Federungen und Rechte (Obligationen und Activcapitalicn) fallen zwar an sich eigentlich gar nicht in diese Einteilung, werden aber von den neuern Gesetzen und Ortsstakuten bald zu den bewegliche», bald zu den unbeweglichen Gütern gerechnet. Auch rechnet man manche an sich bewegliche Sachen zu den unbeweglichen, wie Sckuffe, große Waarenlagcr, Bibliotheken, wenigstens in einer oder der andern Beziehung. Zu den unbeweglichen Gegenständen gehören nicht blos die an sich beweglichen Theile und Zubchörungen von Gebäuden und Grundstücken, z.B. Fenster, Thü- reu, kurz Alles, was niet- und nagelfest im Hause ist, u.s. w., sondern auch die Rechte, welche an einer unbeweglichen Sache stattfinden, wie Zehnten, Hutungsrcchte, Jagden, Reallastcn, Zinsen und Gülten u. s. w. Auch Staatscapitalien können immobilisirt werden, wenn sie als unveräußerlich im Staatsschuldbuche bemerkt oder unablöslich aufJm- mobilicn hypothecirt werden, wie Lehnsstämme. Der Unterschied zwischen Mobilien und Immobilien ist besonders im Erbrechte wichtig; Mobilien werden nach dem Rechte vererbt, welchem der Erblasser für seine Person unterworfen war; die Immobilien nach dem Rechte des Landes, wo sie liegen. Möbius (Aug. Ferd.), ordentlicher Professor der Astronomie an der Universität zu Leipzig, einer der scharfsinnigsten jetzt lebenden Mathematiker, gcb. am 17. Nov. >79» zu Schulpforte, wo sein Vater Lehrer der Tanzkunst war, zeigte schon in sehr jugendlichem Alter große Neigung zurMathematik und wurde in seinen dahin einschlagendcn autodidakti- schcn Studien von dem nachher auf einem ganz andern Felde berühmt gewordenen Thiersch, der damals Schüler in Schulpforte war, nicht wenig unterstützt. Von Schulpforke ging er 1809 auf die Universität zu Leipzig, wo er anfangs die Rechte, dann Mathematik studirke, hierauf 1813 nach Eöttingen und 1814 nach Halle. Nachdem er sich 18 l 5 in Leipzig »IS Privatdocent habilitirt hatte, erhielt er schon im Jan. 1816 die außerordentliche Professur der Astronomie daselbst. Im Spmmer desselben Jahres machte er mit Unterstützung der Negierung eine wissenschaftliche Reise, um die damals vorzüglichsten Sternwarten Deutschlands kennen zu lernen und nach de» gesammelten Erfahrungen einen Plan über die Umgestaltung der leipziger Sternwarte einzureichen. Der von ihm entworfene Plan wurde 1818—21 auSgcführt. Im 1.184 4 wurde er nach Ablehnung eines Rufs nach Jena zum ordentlichen Professor der höhern Mechanik und Astronomie ernannt. Schon seine Dissertation „Oe comjnituiitlis oceiiltatinnidii!! Uxariim per planet»»" (Lpz. 1815) machte Aussehen und fand allgemeinen Beifall. Die ersten Früchte seiner praktischen astronomischen Thätigkcit veröffentlichte er in der kleinen Schrift „Beobachtungen auf der Sternwarte zu Leipzig" (Lpz. 1823). Unter seinen später» Schriften ist namentlich sein „Baryccutrischer Ealcul, ein neues Hülfsmittel zur analytischen Behandlung der Geometrie" (Lpz-1327) Mochnacki Modalität 637 als in der Geschichte der Geometrie Epoche machend anzuschcn; einen Haupttheil dieses Werks, welches von dem großen Scharfsinn des Verfassers Zeugnis gibt, bildet die neue Lehre von den Verwandtschaften der Figuren. Nicht minder cigcnthümlich und werthvoll sind sein „Lehrbuch der Statik" (2 Bde., Lpz. 1837), worin der innige Zusammenhang zwischen der Statik und Geometrie gründlicher als bisher geschehen war,nachgcwicsen wird, und „Die Elemente der-Mechanik des Himmels" (Lpz. >813), ein Versuch, die Theorie der für die Astronomie so wichtigen Störungsrechnungcn ohne Anwendung höherer Lehren der mathematischen Analysis zu entwickeln. Außerdem hat er seit l828 in Crelle's „Journal für Mathematik" viele Abhandlungen geliefert, unter denen die Darstellung derHaupt- cigenschaften eines Systems von Linsengläsern und der damit zusammenhängenden Lehre von den Kettenbrücken hervorzuheben ist. Mochnacki (Maurycy), poln. Schriftsteller, geb. 1804 auf dem Gute Bojanicc in Galizien, widmete sich seit 1823 auf der Universität zu Warschau dem Studium der Rechte, wurde aber, als er die Staatsprüfung abzulegen im Begriff war, geheimer Verbindungen verdächtig, auf Befehl des Großfürsten Konstantin aus der Liste der Scudirenden gestrichen, zur Übernahme jedes öffentlichen Amtes für unfähig erklärt und gefänglich eingezogen, worauf er in Gemeinschaft der schwersten Verbrecher im Garten zu Belvedere bei Warschau öffentlich arbeiten mußte. Doch weder diese Schmach noch wiederholte Einkerkerungen konnten ein Geständniß von ihm entlocken. Wieder freigelassen, nahm er an der Redackion mehrer Zeitschriften Theil, und erließ mehre sehr heftige Schriften, um, wie er selbst sagte, seine Landsleute fortwährend im Zustande der Jnsurrcction zu erhalten. Wenige Tage vor der Revolution gab er seine Schrift „O litcraturre iinlsliiej ^ evieku ckris- niytnastz'm" („über die poln. Literatur des lO.Jahrh.", Bd. I, Marsch. 1830) heraus, durch welche er wesentlich zur Anerkennung der neuern poln.Dichtcrschule beigctragen hat. Der 29. Nov. 1830 fand ihn, nachdem er mit seinem Bruder, Camill M., an allen geheimen Verbindungen der poln. Jugend Theil genommen hatte, mit den Waffen in der Hand in den Straßen zu Warschau. Er trat als einer der feurigsten Demagogen auf; doch sein Einfluß wurde sehr bald, besonders durch ein unter den Papieren des Großfürsten Kon- stantin aufgefundenes und im russ. Sinne verfaßtes Memoire über das poln. Erziehungswesen gelähmt, das M., um einer langen Untersuchung zu entgehen, im Gefängnisse geschrieben hatte. Er galt nun für ein niedriges Werkzeug Rußlands. Seine glühende Vaterlandsliebe trieb ihn ins poln. Heer; er focht als Gemeiner, obgleich ihm der Generalissimus Nadziwill dasOfsizierspatent zuschicktc, mit größter Auszeichnung bei Grochow, dann als Offizier bci Okuniew, Wawre und zuletzt bei Ostrolcnka, wo er schwer verwundet wurde. Während seiner Heilung trat er wieder als Journalist auf und zeigte sich als der gewandteste Publicist Polens. Nach dem Falle von Warschau begab er sich nach Frankreich, wo er, um seine Landsleute für eine bessere Zeit vorzubcreiten, seine „?»rv8tanie n»ro<1„ z>»I- skie^o" („Geschichte des poln. Aufstandes", 2 Bde., Par. 183 t) schrieb, in der er zeigte, wie die Parteien durch ihre Jntriguen das schmähliche Ende des Aufstandes herbeigeführt hätten. Er starb am 20 . Dec. 1834 zu Auxerres, wo ihm ein schönes Denkmal errichtet ist. Seine nach der Revolution verfaßten Aufsätze erschienen gesammelt als „Uisma ror- maite" (Par. 1836). Möckern, eine kleine Stadt im preuß. Regierungsbezirk Magdeburg, ist durch das Gefecht denkwürdig, in welchem am 5. Apr. 1813 die Preußen unter Aork über die Franzosen unter Eugen den Sieg davon trugen. Damit ist nicht zu verwechseln das Dorf Möckern bei Leipzig, welches der Schlacht bei Leipzig (s. d.) seinen weltgeschichtlichen Namen verdankt, wo am 16. Oct. die Preußen unter Blücher die Franzosen unter Marmont warfen. Modalität, vom lat. Nockus, bezeichnet die Art und Weise, wie Etwas existirt, ge- schieht oder gedacht wird, sodaß man damit gewöhnlich die zufälligen Bestimmungen vorzugsweise bezeichnet. So spricht man von der Modalität eines Geschäfts, einer Handlung u. s. w. Im Sprachgebrauch! der Philosophie ist Modalität eine Bestimmung der Ur- thcile, durch welche ihr Verhältnis zu dem urtheilcnden Subjecte bezeichnet wird, je nach- oem ein Urtheil entweder bloS für möglich, oder für wirklich gültig, oder für nothwendig 6W Mode Modell erklärt wird, also für den Urtheilendcn entweder problematisch, oder assertorisch oder apo. diktisch ist. Möglichkeit, Wirklichkeit und Nothwcndigkcit heißen daher Modalität?, begriffe. Bei Kant traten diese logischen Bestimmungen desUrthcils als besondere Functionen des Verstandes im Urtheilen auf, und die Unterschiede der Modalität sind bei ihm die drei letzten unter den zwölf Kategorien, die er für Stammbegriffe deS menschlichen Geistes erklärte; es ist aber durchaus nicht nöthig, zur Ableitung dieser Unterschiede sich auf eine besondere Organisation des menschliche» Geistes zu berufen. Jedes Urtheil als solches ist eine blose Versicherung (assertorisch); erst wenn man cs mit seinem Eegentheil vergleicht, wird es entweder problematisch oder apodiktisch. Die Unmöglichkeit oder Undenkbarkeit des Gegentheils macht es zu einem nothwendigcn; die gleicke Denkbarkeit, logische Möglich, teil oder Widersvruchslosigkeit des Gegentheils läßt ihm nur den Charakter des proble- matischen. Möglich ist niemals ein Urtheil allein, sondern eben die beiden verglichenen; nothwendig sind niemals zwei entgegengesetzte, sondern allemal eins von beiden. Die alte logische Regel: „von der Nvthwcndigkeit gelte der Schluß auf die Wirklichkeit, von der Wirklichkeit auf die Möglichkeit, aber nicht umgekehrt", versteht sich so von selbst. Mode bezeichnet im Allgemeinen den Begriff von Dem, was an einem Orte Sitte und Gewohnheit, sowol im Handeln als Benehmen, in der Art sich zu kleiden und zu wohnen, kurz, zu leben ist, im enger« Sinne aber die gerade herrschende Art sich zu kleiden, so jedoch, daß durch dieses Wort mehr das Veränderliche, rasch Wechselnde in den äußer» Formen des Lebens, als das Bleibende und Stabile bezeichnet wird. Der Wechsel und die Mannichfaltigkeit der Moden hängen daher von dem größer» oder geringer« Grade der Civilisation, des Verkehrs, der Industrie und des Reichthums eines Volks, sowie von der geographischen Lage und der politischen Einrichtung eines Landes ab. Je ärmer, unculti- virter, der Zahl nach beschränkter oder auch abgeschnittener von dem Weltverkehr ein Volk ist, je weniger wird bei ihm die Mode dem Wechsel unterworfen sein. Derselbe Fall wird auch cintreten, wo Despotie die freie Beweglichkeit hemmt, wie z. B. in den meisten asiat. Ländern, oder wo starres Festhalten an alten Gewohnheiten und Einrichtungen und feindliches Abschließen gegen alles Fremde, wie z. B. in China, de» Geist einseitig macht und sesibannt. Wo hingegen die individuelle Freiheit und Laune Spielraum hak, wo der immer- währende Verkehr mit andern Nationen den Blick erweitert, wo endlich in Folge einheimischer Industrie der nationale Wohlstand blüht, da muß die Art und Weise der Einzelnen zu leben, sich einzurichtcn, zu kleiden, zu schmücken u. s. w. den vielfachsten Wechsel haben, und eS gehört daher große Befangenheit und Schwerfälligkeit dazu, um unbedingt das Anathema über die Mode zu sprechen. Sie belebt die Industrie und ist nur dann zu tadeln, wenn sie bis zur stutzerhaften Narrheit und so weit getrieben wird, daß.darüber Wichtigeres ver>äumt, der Verfall des häuslichen Wohlstandes herbeigeführt und die Nebensache zur Hauptsache im Leben gemacht wird. Als Geburtsland der Moden wurde früher immer Frankreich betrachtet; doch macht England nicht weniger Anspruch auf diese Ehre, und man muß gestehen, daß in der Bizarrerie und Verschrobenheit der Art, sich zu kleiden, die brir. Petitmaitres cs den franz. oft zuvorgcthan haben. Die der Mode ganz oder zum Thcil gewidmeten Zeitschriften sind deutschen Ursprungs. Die erste Zeitschrift dieser Art war die „Diode- und Galanteriezeitung, oder unentbehrliches Handbuch" (Erfurt l löti); unter den später« zeichneten sich vorzüglich aus die wiener „Zeitschrift für Literatur, Kunst, Theater und Diode", das frankfurter „äournal ckes clameo", die leipziger „Modenzeitung" und das pariser Wochenblatt „Albuin ckes sslons, ou Revue ckes Morles ot g-uerle «leim, e»rs". Die Geschichte der Moden bildet übrigens, so unbedeutend und geringfügig auch ihre Abwandlungen im Einzelnen erscheinen, namentlich für das moderne Europa einen nicht unbedeutenden Theil der Cultur^ und Sittengeschichte; denn die Denkart und Sinnes- wcise eines Zeitalters sprechen sich oft sehr charakteristisch in den Äußerlichkeiten der Lebens- formen aus. Sehr geistreiche Erörterungen und Zusammenstellungen enthält in dieser Beziehung das Werk von H. Hauff, „Moden und Trachten. Fragmente zur Geschickte des Cosiums" (Stuttg. und Tüb. > 84V). Modell, Vorbild oder Musterbild nennt man in der Malerei diejenigen piännlichen oder weiblichen Individuen, die nackt dem Künstler zum Gegenstände seines Modena (Herzogthum) 639 Studiums dienen; auch reckmet man dazu den zu gleichem Zwecke angewendeten Glieder- m a ii n (s. d.). Eine Nachbildung aber nach einem solchen Modell heißt ein Act (s. d.) oder eine Akademie. JnderBildhauerkunst und Bildgießerei versteht man unter Modell den von dem Künstler selbst aus Thon, Gyps oder Wachs geformten Körper, der zum Borbilde für denjenigen Körper dient, welchen er aus einem härter» Stoffe zu bilden beabsichtigt. In derBauku n st dient das im verjüngten Maßstabe aus Holz, Kork, Papier- maffe ii. s. w. gefertigte architektonische Modell dazu, um das wechselseitige Verhältniß der einzelnen Theile gegeneinander besser prüfen und leichter übersehen zu können. Endlich bedürfen der Modelle ganz besonders die Mechaniker und Maschinisten für neue Erfindungen. Eine der reichhaltigsten Sammlungen in letzterer Beziehung ist die in München. Modöna, ein souveraines ital. Herzogthum in der Lombardei, umfaßt die fruchtbare Ebene, welche derPanaro bewässert, schließt sich im Westen an Parma an und steht mit dem dazu gehörigen Herzogthum Massa-Carrara (s. d.) nur durch einen schmalen Landstrich in Verbindung. Es hat einen Flächenraum von NO UM. und 48500» E., worunter I OOO Juden. Im Süden wird es von den Apennincn durchzogen, die im Monte Cimone bis zu 6500 F. aufsteigen. Die Flüsse sind, abgesehen von dem Po, der im Norden nur auf eine kurze Strecke die Grenze bildet, unbedeutend, und nur der Tassonikanal ist schiffbar. Der Boden ist im Norden eben und fruchtbar, das Klima gut, doch nicht so schön wie in Italien. Neben Ackerbau treibt man starken Weinbau, Obst und Ol-, sowie bedeu- tenden Seidenbau, sehr ansehnliche Viehzucht und Bergbau, namentlich auf Marmor. Die Industrie ist unbedeutend, der Handel und Verkehr ziemlich lebhaft. Die Staatsver- faffung ist absolut monarchisch, und der Herzog gehört einer Seitenlinie des Hauses Ostreich an. Politisch ist das Land in fünf Provinzen, Modena, Reggio, Garfagnana, Massa- Carrara und Lunigiana eingethcilt. Im Allgemeinen gelten die östr. Gesetze, die aber in einem eignen Gesetzbuche zusammengestellt sind; Vermögensconfiscationeii sind eingeführt, Fideicommisseverboten. DasUntcrrichtswescn istganz vernachlässigt. Das Milikair, ganz nach östr. Weise organisirt, besteht aus ungefähr 1500 M. Die Staatseinkünfte betragen ungefähr 1,500000 Fl. M. gehörte in frühester Zeit zu dem Exarchat, dann zu Toscana und nachher nebst Ferrara den Torcllis, welchen seit > 200 die Familie Este (s.d.) in der Herrschaft folgte. -Clemens Vlll. zog I .82 das Herzogthum Ferrara als cröffnetes Lehen ein und zu M. gehörten nun nur noch das Herzogthum Reggio (s. d.) und das Fürstenthum Carpi. Der Herzog Franz I. erwarb 1655 das Fürstenthum Correggio, Franz ll- >710 das Herzogthum Mirandola (s. d.), I7t>7 das Herzogthum No- vellara und 17-11 durch Heirath das Herzogthum Massa-Carrara (s. d.). Der letzte Herzog von M. aus demHause Este warHercules lll., welcher beim Einrücken der Franzosen in Italien im I. >706 die Flucht ergriff und im Frieden zu Campo Formio seines Landes beraubt, im luneviller Frieden mit dem Breisgau entschädigt wurde, den er an den mit seiner einzigen Tochter und Erbin, Maria Beatrix, vcrhcirathetcn Erzherzog Karl Ank. Jos. Ferdinand überließ und 1805 starb. Letzterer, der sich nun Herzog von Modena- Breisgau nannte, verlor den Breisgau durch den prcsburgcr Frieden I 805, und starb am 2-i.Dec. >806. Sein Sohn, der Herzog Frau z iV. (s. d.), gelangte erst 1814 wieder in den Besitz der großväterlichen Stqatcn, wo gleichzeitig auch seine Mutter die Regierung des Herzogthums Massa-Carrara, deni der Congrcß zu Wien die kaiserlichen Lehne in der Lunigiana hinzufügte, von neuem anlrat. Wie dieses Herzogthum bei dem Tode der Mutter, am 14.Nov. >820, ihrem Sohne zufiel und mit dem Hauptstaat vereinigt wurde, so werden demselben nach dem Tode der Kaiserin Marie Luise, Herzogin von Parma, Piaccnza und Suastalla, wo diese an Lucca, das Herzogthum Lucca an Toscana fällt, zufolge der Bestimmungen der wiener Congreßactc noch einige Gebictsthcile dem Herzogthume M. zu- fallen, das nach Aussterben der regierenden Linie an Ostreich kommt. Die furchtbare Reaction, welche sofort nach der Rückkehr Franz's IV. in seine Erbstaaken einlrat, konnte demselben unmöglich die Liebe seines Volks erwerben. Jesuiten und geheime Policei hielten jede freiere Regung nieder und durch Unterdrückung und überstrenge Überwachung aller Bildungsanstalten glaubte man für die Ruhe des Landes vollständig gesorgt zu haben, als i>>c fra„z. Julirevolution, die denHerzog zu um so schärfer» Maßregeln gegen die Mitglieder 610 Modena (Stadt) Moder dev damals in Italien verbreiteten geheimen Gesellschaften vcranlaßte, auf die Stimmung in M. einen so gewaltigen Einfluß übte, daß cs am 3. Fcbr. 1831 zum offenen Aufstande kam. An der Spitze stand merkwürdigerweise der Chef der geheimen Police!, Ciro Menotli. Der Herzog mußte flüchten und ging nach Wien. Erst nachdem es den östr. Truppen gelungen, die Nutze hcrzustcllcn, konnte er am ü. Mär; nach Modena zurückkchren, wo er am 6. Apr. ein außerordentliches Gericht niedcrschte, welches den Ciro Mcnolti und Andere zum Tode, und > 07 zu den Galeeren vcrurthciltc, welche letztere Strafe aber in Einfperrung bei den unter der provisorischen Negierung vertriebenen, vom Herzoge aber schnell wieder- hergerufenen Jesuiten verwandelt wurde. Auch die Juden verloren damals ihre seit 17!>5 erlangten Berechtigungen und mußten bedeutende Geldsummen erlegen. Gleichzeitig suchte der Herzog durch ein Journal „Voce eleila voritü", das er selbst leitete, sich der öffentlichen Meinung zu versichern. Nichtsdestoweniger kam man schon 1832 wieder einer Verschwörung auf die Spur, in Folge deren der Nitter Gins. Ricci, ein vertrauter Freund des Her- zogs, gleich wie Menotti, erschossen wurde. Aus gleichem Grunde wurde in de» I. I83Z und 1833 und später Mehre, darunter sehr angesehene Leute des Landes, zum Tode, zu den Galeeren und zur Gütcrconsiscation verurthcilt. Modena, die Haupt- und Residenzstadt des gleichnamigen Herzogthums, an einem Kanäle, der die Sccchia mit dem Panaro verbindet, ist eine sehr schön gebaute Stadt und der Sitz eines Bischofs, einer Universität, einer Nittcrakadcmic, einer Kunstschule und eines Jcsuitcncollegiums, das 1815 wicdcrhcrgestcllt wurde. Die Gassen bestehen meist aus bedeckten Gängen. Das herzogliche Schloß ist im Innern sehr prachtvoll eingerichtet und enthält noch immer eine Anzahl schöner Gemälde und Antiquitäten, obschon die berühmte modencsische Bildcrgallcrie >736 nach Dresden verkauft wurde. Die Zahl der Einwohner beläuft sich auf 28U00; die Stadt hat 34 Kirchen, zwei Dominicaner- und ein Bene- dictincrklostcr. Modena (Gustavo), einer der ausgezeichnetsten ital. Schauspieler, geb. >803 zu Venedig, wurde von seinem Vater, der Schauspieler war und zur Wiedererhebung des ital. Dramas nicht wenig beitrug, ungeachtet seiner entschiedenen Vorliebe für die Bühne, bewogen, die Rechte zu studircn, was er in Padua und in Bologna that. Seit 182 > prakti- cirte er als Advocat in Nom, daun in Bologna. Doch allmälig sing er an, sich auf der gewissermaßen erzwungenen Laufbahn mehr und mehr zu misfallen, sodaß er endlich Ib-.'S zu dem Entschlüsse kam, auf die Bühne zu gehen. Er that dies, trat zuerst in Nom auf und schnell entwickelte sich nun seine natürliche Anlage zum Bühnenkünstler. Doch die freien Regungen im I. 1831 blieben auch auf ihn nicht ohne Einfluß; er ergriff die Waffen und wurde verbannt. Frankreich, Belgien und die Schwei; waren abwechselnd die Aufenthaltsorte, wo er in der größten Dürftigkeit sieben Jahre verlebte. Nichtsdestoweniger hatte er sich verhcirathet, als die Amnestie, welche der Kaiser Ferdinand >838 für die ital. Ver- bannten erließ, auch ihm zu Gute kam. Er verweilte damals in London; Deklamationen aus Dante'S „Oommeclia clivinu" im Kingsthcatcr, die großen Beifall fanden, gewährten ihm die Mittel zur Rückkehr in daS Vaterland, wo er von neuem seinen Ruf als Schau- spicler gründete und zugleich der Lehrer einer dramatischen Schule wurde, die durch seine vorzüglichen Leistungen angeregt, auch Unterstützung fand. Die Schauspielcrtruppe, der er angehört, ist gegenwärtig eine der besten in Italien, jedoch nach ital. Weise einewan- dernde. M.'s unermüdliche Thätigkcit für die Reform des ital. Dramas geht auch dahin, ein stehendes Nationaltheater zu Stande zu bringen. Moder heißt die in nassen Gründen vorkommende, in trockenem Zustande leicht verbrennliche, schwarze oder schwarzbraunc, erdige Substanz, welche sich aus wildwachsenden Pflanzen bildet. Die Modcrlagcr bilden die sogenannten Brüche und Moore. Der beste Moder ist derjenige, der, aus Wasserpflanzen und Sumpfgewächsen entstanden, an Abhängen von Lehm - und Mcrgelhügcln vorkommt. Wachsen an den Rändern der Brüche süße Gräser, Kleearten und Disteln, so ist der Moder gut, wachsen aber daselbst Riedgräser und Moose, so ist der Moder schlecht. Will man den Moder zum Düngen benutzen, so muß man allen Zufluß des Wassers von ihm ableiten, weil der längere Zeit unter Wasser stehende Moder viel von seiner guten Beschaffenheit verliert. Die beste Wirkung bringt der Moderato Noäulus 641 Moder auf leichten Bodenarten. Zu viel Moder, wenn besonders der Acker sandig ist, kann man nicht leicht anwenden. Am besten gedeihen nach gutem Moder Kartoffeln, Erbsen, Raps und Klee. Moderboden nennt man einen Boden, welcher bis 35 Procent Humus enthält und deshalb zur Cultur untauglich ist. Moderato, d. h. gemäßigt, dient in der Musik zur Bezeichnung des Tempos. Modern nennt man gewöhnlich, was der Mode (s. d.), dem Geschmacke und Charakter der gegenwärtigen Zeit gemäß ist, in einer Hähern Bedeutung aber, vorzüglich im Gebiete der Kunst und Poesie, was im Gegensätze des Antiken (s. d.) dem cigenthüm- lichen Charakter der neuern, d. i. christlichen Zeit angehört, der sich in der romantischen Ritterzeit und der ihr nachfolgenden Kunst vom 12. Jahrh. an am lebendigsten äußert, daher man auch das Romantische (s. d.) als den Geist der modernen Kunst angesehen hat. Da aber mit der Zeit der Reformation eine neue Epoche beginnt, in welcher wiederum der romantische Charakter dem Hellern Lichte des Verstandes und der Wissenschaft weicht, so wird diese Epoche im Gegensätze der romantischen die moderne genannt. Modestmus (Herennius), ein röm. Jurist des 3. Jahrh., war ein Schüler des Ulpian und der Lehrer des Kaisers Maximinus in der Rechtswissenschaft. Die Fragmente seiner Schriften finden sich in Hugo's „äus civile sntejustinisnsum" (Berl. 1815). Modlin, von den Russen Neugeorgiewsk genannt, in der poln. Woiwodschaft Plock, am Einflüsse des Bug und der Narew in die Weichsel, drei Stunden von Warschau, ist jetzt eine der stärksten russ. Festungen und besteht nur aus Garnisonsgebäuden. Schon im 17. Jahrh. wurde daselbst von den Schweden ein verschanztes Lager angelegt. Nachdem Napoleon die Wichtigkeit des Platzes erkannt, ließ er 1807—>2 die Festung erbauen. Im I. > 813 wurde sie von den Russen blockirt, aber erst, nachdem Alles verloren, und der größte Mangel an Lebensmitteln eingetreten war, am 25. Nov. von dem Commandanten, dem General Daendels, übergeben. Ebenso heldenmüthig vertheidigte sie während der Revolution im I. >831 der poln. General Ledochowski, bis er nach dem Falle von Warschau, da sein Plan, die Festung in die Luft zu sprengen, an der Schwäche der im Kriegsrathe befragten Generale scheiterte, sich nebst der Besatzung kriegsgefangen ergeben mußte. Nach dem Untergange Polens wurde sie zu ihrer jetzigen Bedeutung erhoben. Modon oder Mo tun, das Meth one derAlten, eine Stadt auf einem Vorgebirge der südwestlichen Halbinsel Morea, in der griech. Provinz Messenien, hat einen guten Hafen, aber kein Trinkwasser, und zählte vor dem griech. Befreiungskriege, in welchem es fast gänzlich zerstört wurde, 7000 E., während es jetzt nur ungefähr 1000 hat. In der Nähe von M. landete am 25. Febr. 1825 das ägypt. Heer unter Ibrahim Pascha. Im 1.1827 nahmen die Stadt die Franzosen, die sie stark befestigten. Modulation bezeichnet zunächst die besondere Art und Weise der Betonung, Verbindung und Abschattirung der Tonphrasen, die geschickte oder ungeschickte Behandlung der Melodie und ihres Zusammenhanges. Dahin gehören vorzugsweise die rhythmischen Verhältnisse, die größern oder kleinern Einschnitte oder Gliederungen einer Melodie, welche von größtem Einfluß auf die Wirkung eines Tonsatzes sind. So versteht man unter Modulation im Allgemeinen die Anordnung und Abgemessenheit des ganzen Tongewebes eines Musikstückes nach Melodie und Harmonie. Diese Abgemessenheit kann aber nur bestehen in einer schicklichen Anordnung der unter sich nach allen Seiten hin verschiedenen Töne, aus welchen ein Musikstück besteht, und so begreift man denn unter Modulation im engern Sinne diejenige Tonführung, bei welcher ein musikalisches Stück sich aus einer Tonart in die andere bewegt, und zuletzt doch wieder in die erste Grundtonart zurückkehrt. Um der Wichtigkeit dieser harmonischen Bewegung willen hat man aber nur vorzugsweise den Ausdruck Modulation besonders auf den Zusammenhang der accordlichen Verhältnisse bezogen. Hier wird demnach dadurch die Kunst bezeichnet, die Harmonie aus der Haupttonart, welche dem Ganzen zu Grunde liegt, durch andere Tonarten mittels schicklicher Ausweichungen durchzuführen, und dann wieder in den ersten oder Hauptton zurückzuleiten. (S. Ausweichung.) Aoäülu« oder Maß stab nennt man in der mathematischen Lehre von den Logarith- Conv. - «ex. Neunte Ausl. IX. 41 642 Möe» Mohammed (Abul Kasem) men diejenige Zahl, welche das Verhältniß der Logarithmen eines Systems zu denen der natürlichen Systems bei gleichen zugehörigen Zahlen angibt. Sie ist immer gleich der Ein- ' heit, dividirt durch den natürlichen Logarithmus der Grundzahl des betreffenden Systems oder, was dasselbe ist, gleich dem Logarithmus der Grundzahl des natürlichen Systems in dem betreffenden künstlichen Systeme. Für das Brigg'sche oder gemeine System ist der Modulus 9,43429448,9. Möen, eine zunl dän. Stift Seeland gehörige Insel in der Ostsee, südöstlich von der Insel Seeland, von der sie durch den Ulfssund und nordöstlich von der Insel Falster gch. gen, von der sie durch den Grönsund getrennt ist, hat einen Flächcnraum von 4>/, OK und >3909 E. dän. Stammes, die nächst Ackerbau hauptsächlich Fischerei und Schiffahrt treiben. Sie zeichnet sich durch ihre hügelige Gestaltung des Bodens, der sich bis 4^vx. erhebt, und ihre steilen Kreideufer (Möcnsklint) aus, die eine Höhe von 290 F. erreich,,,, ist aber sonst fruchtbar. Die Hauptstadt Stege, mit Hafen, am Ulfssund, hat >3lw»E. Mogädor, s. Marokko. Möglich ist Das, was sich ohne Widerspruch in einem Begriffe vereinigen läßt, da« Denkbare, und dieser Nichtwiderspruch ist die formale, logische Möglichkeit, dießch nach dem logischen Gesetze der Identität richtet. (S. Modalität.) Möglichkeit und Un- Möglichkeit sind daher Bezeichnungen für die Verhältnisse der Begriffe und Gedankt», nicht der Dinge und Ereignisse. Wenn nichtsdestoweniger von einer realen Möglichkeit und Unmöglichkeit gesprochen wird, so ist das nicht unzulässig, indem man damit meint, daß unserer Kenntniß der Naturgesetze und den von ihnen abhängenden Bedingungen gewisser Ereignisse gemäß angenommen werden müssen, daß ein Ercigniß eiiitretm werde oder nicht. Dadurch, daß der Urtheilende den Begriff des real Möglichen oder Unmöglichen onwendet, tritt er immer noch nicht aus dem Kreise seiner Gedanken über den Zusammenhang der Natur heraus. Würde aber das Seiende oder Geschehende selbst für ein nur Mögliches erklärt, sodaß die Möglichkeit ein Merkmal der Dinge und Ereignisse * selbst sei und sie als mögliche schon existircn und doch auch nicht existiren, so würde daS ein Fehler sein. Eleichwol hat dieser Fehler, das Seiende als aus seiner Möglichkeit und dir Existenz zusammengesetzt zu betrachten, seit Aristoteles, der zuerst die Unterscheidung Wischen dem esse uctii und dem enss potent!» zur Grundlage derMetaphysik machte, bis auf Wolf herab den größten Einfluß auf die philosophischen Systeme gehabt. In der Natur ist Alles, was ist und geschieht, wirklich; das Reich der Möglichkeit und die reflcctiwite Unterscheidung zwischen dem Möglichen und Unmöglichen gehört dem Gedanken an. Möglin, ein Dorf in der Nähe von Küstrin, ist bekannt wegen der käsigen Akademie des Landbaus, die >804 von Th ae r (s. d.) gestiftet und dann zurköniglichen Akademie erhe- ben wurde. Zu der Lehranstalt gehören ein abgesondert gelegenes Gut, ein Laboratorium, eine Bibliothek, physikalische und technologische Sammlungen und ein ökonomisch-botanisch« Garten, Brauerei, Brennerei, Zucker- und Syrupsiederei und Ziegelei. Bon vorzüglichem Nus ist die dasige Schäferei. Zweck der Lehranstalt ist, tüchtige Wirthschaftsdirigenke» t„ bilden. Die Lehrvorträge bestehen in Ackerbau, Viehzucht, Buchführung, Mathematik, Physik, Chemie, landwirthschaftlicher Technologie, Anatomie, Physiologie und Diätetik der Hausthiere. Den Unterricht ertheilen drei Lehrer. Gegen früher hat die Anstalt viel von ihrer Blüte verloren. Vgl. Thaer, „Geschichte meiner Wirthfchaft zu M." (Berk. >815) und dessen „Möglinsche Annalen". Mogul, s. Großmogul. f Mohacz, s. Mo hatsch. Mohammed (Abnl Kasem) oder Mahomed, Religionsstifter, gehörte dem arat. Stamme Koreish und der Familie Haschem an, welche der heiligen Stadt Mekka und du K aab a (s. d.) Vorstand, und wurde zu Mekka 569 oder 579 n. Chr. geboren. Sein Vater hieß Abdallah und seine Mutter Amina. Da jener frühzeitig starb und wenig Vermöge» hintcrließ, so ward M. erst von seinem Großvater, Abdul Motallib, und nach dessen Tode von seinem ältesten Oheim, Abu Taleb, erzogen. Dieser, ein Kaufmann, bestimmte ihn für denselben Stand und nahm ihn auf einer Handelsreise nach Syrien mit sich. Die mo- hammedan. Schriftsteller berichten zwar viel von den bewundernswürdigen Geistes- und Köi leut woi gnn 35. der Elben zue, sein er st Bei me> Fre wie! reckt Als war tisch übel erkl. er si Gef dien aber zehr genl Pis St! Hin Wi> 2-tl auil muf ans. bekr sein Kar st'g« weit sog ten doch run gebl der die spät Zai den und En d-r rin- - eins > in drr der M. >hit !>», E. d»r ß-h ün- ch. mil un- !lm luden für iss- ' -in dir Willis üir nit uil ill! bn «u Ul ük, l!ik »i-l -rl. »i. der ütt geu ode ihn ' no- ind Mohammed (Abul Äasem) 643 Körpereigenschaften, die M. auszeichneten; doch theilte er die Unwissenheit seiner Landsleute. In seinem 25. Jahre heirathete er die reiche Witwe Chadidscha, deren Factor er geworden war, und lebte mit ihr in glücklicher Ehe. Jndeß hatte er von Jugend auf eine Nei- gung zu religiöser Beschaulichkeit; er brachte den Monat Namadan, besonders von seinem 35. Jahre an, in einer Höhle deS Berges Hara bei Mekka in Einsamkeit zu. Da nun scheint der Entschluß in ihm gereift zu sein, den im Judenthume und Christenthume getrübten Glauben Abraham's als die einzige und wahre Religion der Ergebung (d. h. Islam) in den allmächtigen Willen des Herrn der Welten wiederherzustellen. Diese Idee äußerte er zuerst, als er 609 in seinem 40. Lebensjahre seine vorgebliche Sendung mit der Bekehrung seiner Gattin Chadidscha begann, der er eine Offenbarung des Engels Gabriel, von dem er für einen Apostel Gottes erklärt worden, mitthcilte. Durch sie wurde ihr Vetter, Werka Ben Naufil, gewonnen, der ein christlicher Priester war und das Alte und Neue Testament in das Arabische übersetzt hatte. Auf diese folgten M.'s Diener Zeid, dem er die Freiheit schenkte, und sein junger Neffe, der feurige Ali ben Abu Taleb (s. d.). Sehr wichtig war der Beitritt Abubekr's (s. d.), eines Mannes von achrungswerthem Charakter, der in großem Ansehen stand und zehn der vornehmsten Bürger von Mekka nachzog. Als drei Jahre unter stillen Fortschritten verflossen waren, versammelte M. seine Verwandten vom Geschlechte Haschem zu einem Eastmahle, verkündigte ihnen seine prophetische Sendung und fragte, wer von ihnen das Amt seines Veziers oder ersten Ministers übernehmen wolle. Alles verstummte, bis der jugendliche Ali seine Bereitwilligkeit dazu erklärte. Umsonst mahnte Abu Taleb, der Vater Ali's, von dem Beginnen ab, der, wiewol er selbst unbekehrt blieb, der neuen Lehre dadurch förderlich wurde, daß er M. in Zeiten der Gefahr eine Anflucht gewahrte. Mehrmals wurde M. von den Anhängern des Götzendienstes mit offener Gewalt angegriffen und gezwungen, seine Wohnung zu verändern; aber oft hatte er auch die Genugkhuung, seine erbittertsten Feinde zu bekehren. Als ihm im zehnten Jahre seines Prophetenamts Abu Taleb und die treue Chadidscha starben, war er genöthigt, sich auf einige Zeit nach der Stadt Tayef zu begeben. Dagegen fand er bei den Pilgrimen, welche die Kaaba besuchten, vielen Eingang und gewann unter den benachbarten Stämmen zahlreiche Anhänger. In diese Zeit fällt M.'s berühmte nächtliche Reise in den Himmel auf dem ThiereBorgk, unter Gabriel's Leitung, worübcrder Koran (s.d.) dunkle Winke enthält. Im zwölften Jahre breitete sich der Islam auch unter den Einwohnern von Jethreb (nachmals Medina) aus, deren mehre dem Propheten ihren Beistand anboten und auch gewährten, als er, um den Mordplanen seiner Feinde zu entgehen, von Mekka fliehen mußte. Diese Flucht, am l 5. Juli 622, von welcher die Mohammedaner ihre Zeitrechnung anfangen, ist unter dem Namen derHegira (s. d.) oder Hedschra bekannt. M. nahm nun hie fürstliche und priesterliche Würde an, vermählte sich mit Abubekr's Tochter, Aidscha, und erklärte, da die Zahl der Gläubigen immer mehr zunahm, seinen Entschluß, mit dem Schwerte seine Lehre zu verbreiten. Zuerst nahm er eine reiche Karavane, geführt von Abu sofjän, dem Oberhaupte der Koreischiten, weg und andere günstige Unternehmungen folgten. Doch im I. 3 der Hegira griff Abu sofjän mit einer M. weit überlegenen Streiterzahl diesen am Berge Ohud unfern Medina an und schlug ihn so gänzlich, daß M. nur mit Mühe das gesunkene Vertrauen der Scinigen wieder aufrichten konnte. Schon im folgenden Jahre erschien Abu sofjän mit I VOOO M. vor Medina; doch M. beschränkte sich klüglich auf die Vcrtheidigung. Als aber nach 2vtägiger Belagerung die unter sich uneins gewordenen Feinde abgezogen waren, führte er unter dem Vor- geben eines göttlichen Befehls die Seinen zunächst gegen den jüd. Stamm von Koreidha, der mit seinen Feinden gemeinschaftliche Sache gemacht hatte. Nach 25 Tagen mußten die Juden ihre Hauptfestung M. übergeben, der die blutigste Rache nähm. Einige Jahre später eroberte er auch Khaibar, den Hauptsitz der jüd. Macht in Arabien, wo ihm die Jüdin Zainab ei» langsam zehrendes Gift beibrachte, an welchem er nachmals starb. Zu derselben Zeit breitete sich seine Lehre und sein Ansehen unter den benachbarten Stämmen aus, und immer mehr erweiterten sich auch seine Ansichten. Im I. 7 der Hegira sendete er eine Einladung zur Annahme der neuen Religion an den König Khosru Parviz von Persien, an 41 * 1 - 644 Mohammed (türk. Kaiser) Mohammed H. (türk. Kaiser) den Kaiser Heraklius von Konstantinopel, an den König von Ägypten, von Äthiopien und an die Fürsten verschiedener Landschaften Arabiens. Vorzüglich wichtig aber war es für ihn, nicht länger ein Verbannter von Mekka, der heiligen Stadt der Araber, zu sein. An der Spitze von 1400 M. erschien er in der angeblichen Absicht, den Tempel von Mekka;n besuchen. Die Koreischiten widersetzten sich aber seinem Einzug und ließen ihn nur drei Tage unbewaffnet in der Kaaba seine Andacht verrichten. Dennoch gelang es ihm, in die. ser Zeit drei Personen von großem Ansehen unter den Koreischiten und von noch großem Ruhm unter den Moslemin, den Kaled, Amru und Othman, zu bekehren. Im Z. 8 der Hegira rückte ein Heerhaufen M.'s unter Zeid's Anführung gegen die Stadt Muta in Palästina vor, wo der Statthalter des Kaisers Heraklius einen der moslemischen Abge- sandten ermordet hakte. Zeid blieb, und nur der Muth Kaled's, der sich hier den Beinamen Schwert Gottes,'erwarb, hinderte die Niederlage. Ein unbesonnener Treubruch der Kore,, schiten gab M. noch in demselben Jahre die erwünschte Gelegenheit, mit l 0000 wohlbewaff- neten und begeisterten Kriegern gegen Mekka zu ziehen. Die erschrockenen Koreischiten lei- steten geringen Widerstand und erhielten nur unter der Bedingung, den Islam anzuneh- men, Leben und Freiheit. Die Götzenbilder der Kaaba wurden zerstört, der schwarze Stein aber wurde durch des Propheten andächtige Berührung aufs neue Gegenstand der tiefsten Verehrung. M. erklärte den Tempel für das größte Heiligthum seiner Religion, und nur den Bekennern derselben wurde der Eintritt in die heilige Stadt Mekka verstärket. Dar I. 9 nennen die Mohammedaner das Jahr der Gesandtschaften, weil eine Menge arid. Stämme durch Abgeordnete ihre Unterwerfung und Bekehrung ankündigte. M. beschloß jetzt an der Spitze von 90000 M., worunter l0000 Reiter, den feindlichen Planen des Kaisers Heraklius zuvorzukommen, begnügte sich jedoch, nachdem er bis Tabuk in Syrien vorgerückt wanden Kaiser schriftlich zur Annahme seiner Lehre aufzufodern. Er konnte als Herr von ganz Arabien angesehen werden, obgleich nicht alle Bewohner seine Religion angenommen hatten; vielmehr verstattete er den Christen die freie Ausübung ihres Gottes- dienstes gegen eine Kopfsteuer (Dschizja). Im I. >0 unternahm er die Abschiedswallfahrt nach Mekka, umgeben von dem höchsten Glanz und begleitet von 90000, nach Andern m 150000 Anhängern. Er starb bald nach der Rückkehr nach Medina in den Armen seiner Gemahlin Aidscha,'im I. l l der Hegira. Von allen seinen Weibern hatte ihm nur die erste Kinder geboren, und von diesen überlebte ihn nur seine Tochter Fatima, die Gemh< lin Ali's. Vgl. Gagnier, „I.a vie äe 51." (Amst. 1732; deutsch von Vetterlein, 2 § KLth. 1802—4) und Ölsner, „Mohammed" (Franks. 1810). Mohammed ist der Name von vier türk. Kaisern oder Padischahs. — M. I., gei. 137 4, mußte sich nach seines Vaters Bajazet's I. Tode, gest. 1403, den Thron gegen sme Brüder Soliman I., gest. 1409, und Musa, gest. <413, erkämpfen und starb 1421. - Mohammed ll. (s. d.) regierte 1451—81. — M. III., 1595 — 1603 , geb. >568,der Sohn und Nachfolger seines Vaters Murad's III., war ein furchtbarer Wütherich gegen seine Familie und grausam im Kriege gegen die Christen, die im Anfänge seiner Negierung siegreich gegen ihn fochten. — M. IV. war ein unbedeutender Regent, der 1618 als siebenjähriger Knabe den Thron bestieg, in Folge seiner Weichlichkeit und Trägheit über, der man die Niederlagen gegen die Polen und Deutschen zuschrieb, 1687 des Thrones entsetzt wurde und 1691 imGefängniß starb. Seine Regierung ist nur durch die beiden Groß- Veziere Mehemed und Achmed Köprili (s. d.) berühmt. Mohammed n., türk. Kaiser 1451—81, mit dem Beinamen Bujuk, d.h.der ^ Große, der Sohn und Nachfdlger Murad's II., war zu Adrianopel 1430 geboren. Durch die Geschichte Alexander's des Großen zum Wetteifer angestammt, machte er die vollständige Eroberung des griech. Reichs zum Ziel seines Strebens. Schon am 6. Apr. l 453 begann M. mit 300000 M. Landtruppen, 300 Galeeren und 200 kleinen Fahrzeugen die Belagerung Konstantinopels, das sich,obschon es kaum lOOOOwaffenfähigeMannschaften mt> gegenstellen konnte, tapfer vertheidigte, am Ende aber doch unterlag und nach 53 tägigerBe> lagerung, am 29. Mai, mit Sturm genommen und nun der Plünderung und Verwüstung preisgegeben wurde. Nachdem aber M. Konstantinopel zum Hauptsitz seines Reichs bestimmt hatte, gewährte er den Griechen, um neue Einwohner herbeizuziehen, völlige Religio Ein tino! erst Vor läge wur die» Ven Kaf öftei weit Han seg< Zug als ihm Tre schei -eich Mo der sein keit in d nur dar An gen eher als hal die sich sin! got stre i» mi na voi El Ei die 78 an T Mohammed Ali Mohär 645 ligionsfreiheit und erlaubte ihnen, sich wieder einen Patriarchen zu wählen. So wurde die Stadt bald wieder blühend, die er nun von neuem befestigen ließ, zu welchem Zwecke auch am Eingänge des Hellespont die Dardanellen angelegt wurden. Nach dem Falle Konstantinopels wendete er sich mit seinen Eroberungsplanen zuerst gegen Albanien, das er indeß erst nach Skand erb eg's (s. d.) Tode >467 zu unterwerfen vermochte. Sein weiteres Vordringen in Üngarn hielt Joh. Hunyad (s. d.) aus, der ihn >456 nöthigte, die Belagerung von Belgrad aufzuheben, bei welcher er 2500» M. verlor und schwer verwundet wurde. Dagegen eroberte er in kurzer Zeit Serbien, Griechenland und den Peloponnes, die meisten Inseln im Archipel und das griech. Kaiserthum von Trapezunt. Der Republik Venedig entriß er unter Andern: 1470 Negroponte und Lemnos und den Genuesörn 1474 Kaffa, nachdem er 1473 den Khan der krimischen Tataren zu seinem Vasallen gemacht. Die östern Kriege mit Persien hinderten ihn, sein Kriegsglück gegen die christlichen Mächte weiter zu verfolgen. Zwar griff er 1480 die Insel Rhodus an, wurde aber von den Jo- hanniterrittern mit großem Verluste zurückgetrieben. Hierauf wendete er seine Waffen gegen Italien und schon hatten seine Truppen Otranto eingenommen, als er 1481 auf einem Zuge gegen Persien starb. M. hatte während seiner Regierung zwölf Reiche und mehr als 200 Städte erobert. Glänzende Eigenschaften des Geistes und glückliche Erfolge hätten ihm Ansprüche aus den Namen eines großen Fürsten gegeben, wenn nicht Grausamkeit, Treulosigkeit, niedrige Ausschweifungen, stetes Hohnsprechen aller Gesetze ihn als Unmenschen charakterisirten. Er sprach Griechisch, Arabisch und Persisch, verstand Lateinisch, zeichnete und malte, hatte Kenntniß in der Geographie und Mathematik und kannte die Geschichte des Alterthums, ohne doch wahre Bildung zu besitzen. Mohammed Ali, siMehemed Ali. Mohammedanismus, ZslamoderIslamismus heißt die Neligionslehre der Mohammedaner. Sie besteht in folgenden Hauptpunkten: Es ist nur ein einziger Gott, der das Universum beherrscht und von den Menschen verehrt sein will durch Ergebung in seinen Willen, andächtiges Gebet, Wohlthätigkeit gegen Arme und Fremde, Redlichkeit, Keuschheit, Nüchternheit und Reinlichkeit, tapfere Vertheidigung seiner Sache bis in den Tod. Wer diese Pflichten erfüllt, gehört zu den Gläubigen (Muslimin oder Muni- min) und empfängt als Lohn das ewige Leben. Die Freude des ewigen Lebens besteht darin, daß die Gläubigen das Antlitz Gottes schauen; daher der Ausdruck „Etwas um des Antlitzes Gottes willen thun". An andern Stellen schildert der Koran die Freude des ewigen Lebens unter dem Bilde eines ewig grünenden Gartens mit rieselnden Quellen, in welchem himmlische Jungfrauen mit blitzenden Augen weilen. Moses, David, Jesus werden als göttliche Boten anerkannt, aber ihre Anhänger haben deren Lehren entstellt; die Juden halten nicht mehr ihr Gesetz; die Christen sind Götzendiener geworden, denn sie lehren, daß die Gottheit aus „Vater, Mutter und Sohn" bestehe. Darum mußte Mahommed, „das Siegel der Propheten", gesendet werden. Die Plagiate des Koran aus der Bibel erklären sich aus dem langen Umgänge Mohammed's mit dem christlichen Priester Werk«. Übrigens sind zugleich rabbinische und apokryphische Märchen ausgenommen. Die vorgeschriebenen gottesdienstlichen Übungen sind einfach, aber beschwerlich, daher sie auch nur mit Widerstreben angenommen wurden. Täglich hat der Gläubige fünf Mal, und auch des Nachts zu beten; er hat wiederholte Abwaschungen vorzunehmen und zwar, wo das Wasser fehlt, mit Sand; den Monat Ramadan täglich bis Sonnenuntergang zu fasten; die Wallfahrt nach Mekka unter sehr beschwerlichen Gebräuchen zu vollziehen; milde Gaben und Zehnten von seinen besten Gütern abzugeben. Die Polygamie, von der äußerst wenige Moslemen Gebrauch machen, stand bereits den heidnischen Arabern frei und ist nichts dem Islam Eigenthümliches. Der K ora n (s. d.), welcher unter Abubekr gesammelt wurde, enthält die größern Vorträge Mohammed's; die Sunna oder der Hadith, d. i. Überlieferung, über 7000 grvßentheils unechte kürzere Aussprüche desselben und Nachrichten über deren Veranlassung. Vgl. Taylor, „Histor^ ok lVloiismmetlsnism" (Lond. 1834) und Gerock, „Darstellung der Christologie des Koran" (Hamb. 1830). Mohär (kanicuw germanicum) ist eine im südlichen Europa, in Ungarn, auch in Deutschland wildwachsende Pflanze, die man in Frankreich, Ungarn und in der Lombardei 646 Mohatsch Mohl theils als Futter, theils zur Samcngcwinnung cultivirt. Pferde sowol als Rinder fressen den Mohär in grünem und getrocknetem Zustande sehr gern und werden davon fett. Die Samen des Mohärs kommen hinsichtlich ihres Geschmacks mit denen des Hirse fast überein. Da aber der Mohär sehr häufig vom Staubbrande befallen wird, so baut man ihn häufiger als Futterpflanze denn als Mehlfrucht an. Mohatsch oder Mohacz, Marktflecken in Ungarn an der Donau, in der baranyn Gespanschaft, mit 8566 E. magyar., deutscher und scrb. Nationalität und katholischer, reformirter und griech. Confessio», mit einem festen Schlosse und einem katholischen Gymnasium, ist namentlich auch durch zwei Schlachten merkwürdig. Die erste fiel daselbst an, 28. Aug. 1526 zwischen den Türken unter Soliman >l. und den Ungarn unter Ludwig II. vor, welcher Letztere völlig geschlagen wurde und bei dem Dorfe Ezelje auf der Flucht in einem Sumpf umkam. In der andern am > 2. Aug. l 687 brachte der Herzog Karl von Lothringen den Türken unter dem Großvezier Soliman eine entscheidende Niederlage bei. Mohawker oder Mohawks, s. Irokesen. Mohilew, ein Gouvernement des westlichen Rußland von 11 52 OM. mit 859980 E., dessen Grenzen die Gouvernements Wrtcbsk, Smolensk, Tschernigow und Minsk bilde», gehörte in ältester Zeit zum russ. Fürstenthum Smolensk und nach der Eroberung durch die Lithauer und unter poln. Oberherrschaft zu den Woiwodschaften Mcislaw und WikebSk. Als es 1772 wieder an Rußland gekommen war, erhielt cs 17 78 eine eigne Gouvernements- Verfassung, wurde dann >796 unter dem Namen Weißrußland mit Witebsk vereinigt, 1862 aber wieder ein besonderes Gouvernement. Es ist eine ebene, von nur wenigen unbedeutenden Hügeln durchzogene, sehr fruchtbare, eines milden Klimas genießende Provinz, die zum Flußgebiet des Dniepr gehört, der mit seinen ansehnlichen Nebenflüssen Sosha und Druez das Land bewässert. Die Bewohner sind sehr thätig, kunstfertig und indusiriös. Ackerbau und Obstzucht stehen auf einer hohen Stufe der Ausbildung, und besonders aus- , gezeichnet ist das hiesige Gemüse; auch Viehzucht und Jagd, bei den herrlichen Viehweiden und den ausgedehnten Wäldern, und die Waldbicnenzuchk werden in großem Umfang« getrieben. Endlich bietet der Dniepr mit seinen Nebenströmen Gelegenheit zu einer ausgt- dehnkeu Flußschiffahrt und zu einem sehr umfangreichen, durch den Productcnreichthm» besonders gehobenen Handel dar, den die Einwohner, meist Rußniake», aber auch Eroß- russen, Deutsche und Juden, ja sogar Zigeuner, mit den umliegenden Gouvernements unterhalten. So vereinigt sich Alles, das Land zu einem der wohlhabendstenDistrict« Rußlands zu machen. — Die gleichnamige Hauptstadtdes Gouvernements, am Dniepr, in einer schönen, fruchHaren Gegend, ist eine der freundlichsten Städte Rußlands. Sie ist der Sitz zweier Erzbischöfe, eines griech. und eines katholischen, und hat breite, gerade, schonge- pfiastcrte Straßen, in der Mitte einen achteckigen, von schönen Gebäuden umgebenen Platz und eine schattenreiche, um die ganze Stadt führende Promenade, die eine herrliche Aussicht in das Dnieprlhal gewährt. In den Vorstädten gibt es viele Obstgärten; aus einer Anhöh« liegt das alte Schloß. Sie hat 27 Kirchen, worunter sich die prächtige Josephskirche a»S- zeichnet, vier Klöster, früher auch ein Jesuitencollcgium, 14 Schulen und Lehranstalt«», 125 Fabriken, und im I. 1839 schon 23160 E., die sehr gewerbfleißig, einen lebhaften, durch drei Wochenmärkte gehobenen Handel unterhalten. Auch bestehen daselbst ein geistliches Seminar und eine Bibelgesellschaft. Am 23. Juli 1812 kam es hier zwischen den Franzosen und Russen, unter Bagration's Befehle, zur Schlacht. Etwa eine Stund« von der Stadt, in sehr romantischer Gegend, liegt der geschmackvolle mit einem Rilterschloß i versehene JanlschinsschePark, wo 1786 die Kaiserin Katharina II. mit demKaiserJofephll- ! eine Zusammenkunft hielt. Mohl (Julius von), Mitglied der Akademie der Inschriften in Paris, geb. zuStutt- gart am 25. Oct. 1866, der Sohn des früher» Oberconsistorialpräsidenten und noch gegenwärtig thätigen Mitglieds der würtemberg. ersten Kammer, Ferdinand's von M-, genoß von Jugend auf eine höchst sorgfältige Erziehung. Er studirte auf der Universität und im ^ theologischen Seminar zu Tübingen. Zur Fortsetzung seiner orient. Studien ging er >823 nach Paris, wo er besonders Sylvestre de Sacy und Nemufat hörte. Im I. > 826 wurde er außerordentlicher Professor der orient. Literatur zu Tübingen; zugleich erhielt er zur F°' I8l trie har best I^iN libe gici ori- bin wä (P ins die gen Tü thu aut gen unl ma Se Wl nac Na mä Ki; seii diel Gr >8 uni Gr Lei zur ort der zw R« P- wn ihr M rai del in ab no kr> ur vd Möhler Mohn 647 Fortsetzung seiner Studien einen unbestimmte» Urlaub, der ihm erlaubte, die 1.1826 und 1827 und 1836 und I83l in London und Oxford zuzubringen. Mit besonderer Vorliebe trieb er das Persische. Als Beweis seiner desfallsigen Studien gab er anonym mit Ols- hailsen die „Fragments relstits ü I« religio« deXoroustre" (Par. 1829) heraus. Darauf besorgte er die Herausgabe von „<7onf>icü Oki-king sive liker curminuni, ex Istinak. I^nekulme interprststivne" (Stuttg. 1839), und von „Hing, sntic>»issiinu8 8innrinn liker, ex inter;>retntione k. Rsgis" (2 Bde., Stuttg. >83-1—39). Von dersranz. Negierung beauftragt, die Bearbeitung des „8aksk nsniel!" von Firdusi für die „(Collection orientale" zu übernehmen, hatte er inzwischen 1832 seine Entlassung als Professor in Tübingengenommen und war nachParis gegangen, das er nun zu seinem blcibendcn Aufenthalte wählte. Die ihm gestellte Aufgabe hat er in den beiden bis jetzt erschienenen ersten Banden (Par. 1833—4V, Fol.) würdig gelöst. Seine Thätigkeit als Mitglied der Asiat.Gesellschaft in Paris ist eine höchst verdienstvolle, und ihm verdankt namentlich das „.lournal nsi.rtici>ie" die interessantesten Beiträge. Im I. 1844 wurde er in die Akademie der Inschriften ausgenommen. — Brüder von ihm sind Nob. von M., ordentlicher Professor der Rechte in Tübingen, ein ausgezeichneter StaatSwissenschastslehrer, der, als er in Folge seiner freimu- thigcn Ansichten 1845 als Negierungsrath nach Ulm versetzt werden sollte, seine Entlassung aus dem Staatsdienst nahm. — Hugov. M., ordentlicher Professor der Botanik in Tübingen, der durch seine gründlichen Schriften eines bedeutenden Rufes sich zu erfreuen hat; — und M o r. v. M., Obcrsteuerrath in Suttgart, der ebenfalls als Schriftsteller ausgetreten ist. Möhler (J»h. Adam), katholischer Theolog, geb. am 6. Mai 1786 zu Jgcrshcim, machte seine Studien zu Mergentheim, Ellwangcn, Tübingen und in dem bischöflichen Seminar zu Notkenburg und wurde, I8> 9 zum Priester geweiht, zuerst Hülfspriestcr in Weil, dann in Riedlingen. Im I. 1829 ging er als Präparand zum Eymnasiallehramte nach Tübingen zurück, wurde bald darauf Repetent und l822Privatdocent der Theologie. ' Nach einer wissenschaftlichen Reise begann er zunächst über Kirchenrecht und später regelmäßig über Kirchengcschichte und Patrvlogie zu lesen. Seine Schrift „Die Einheit in der Kirche oder das Princip des Katholicismus" (Tüb. 1825; 2. Aufl., 1843) begründete seinen auswärtigen Ruf und veranlaß« seine Berufung nach Freiburg. Da er weder dieser noch dem Rufe nach Breslau, den er nach dem Erscheinen seines „Athanasius der Große und die Kirche seiner Zeit im Kampfe mit dem Arianismus"(Mainz 1827; 2. Aust., >844) erhielt, folgte, so wurde er zum ordentlichen Professor derThcologic an der Landes- umvcrsität befördert und mit der theologischen Doctorwürde beehrt. , Dieselbe orthodoxe Grundansicht wie in den erstem beiden Schriften, gepaart mit dem Streben, Geist und Leben in den verknöcherten Zustand katholischer Wissenschaft und in kirchliche Formen über- zutragen, trat unfeiner „Symbolik" (Mainz 1832; 6. Aufl., 1844) hervor, welche außerordentliches Aufsehen erregte und viele Gegenschriften der Protestanten hervorrief. Eine derselben von Baur erwiderte M. mit seinen „Neuen Untersuchungen der Lehrgcgensätze zwischen den Katholiken und Protestanten" (Main; 1834; 2. Aufl-, 1835). Durch ein Rescript des würtemberg. Ministeriums, welches ihm die Erneuerung längst verjährter Polemik Schuld gab, und durch das gespannte Verhältniß zur evangelischen Facultät wurde ihm der Aufenthalt in Tübingen verleidet. Um so willkommener war cs ihm, als ihm 1834 von der preuß. Regierung die Wahl einer Professur zu Bonn, Breslau oder Münster frcigestcllt wurde. Indessen machten dogmatische und klimatische Hindernisse es rathsam, das Anerbieten in Bezug auf Bonn und Münster abzulehnen und zu Anfänge des I. 1835 einen inzwischen erhaltenen Ruf nach München anzunehmen. Hier lebte M. in glücklichen Verhältnissen, mehr als Lehrer, weniger als Schriftsteller thätig. Auch eine abermalige Einladung nach Bonn lehnte er ab. Er starb am 12. Apr. 1838, nachdem er noch kurz vor seinem Tode zum Domdekan in .Würzburg ernannt worden war. Seine „Nachgelassenen Schriften" hat Döllinger (2 Bde., Negensb. 1839—49) und seine „Pa- krologie oder christlicheLiterargeschichte" Reithmayr(Dd. >, Negensb. 1839) veröffentlicht. ' .Mohn oder M ohnsame n heißen die kleinen Samenkörner des aus dem Orient und Ägypten stammenden, in Gärten und Feldern verwildert vorkommenden Garten- oder Feldmohns (Lspaver vslicin-de oder K. somniferum), die derselbe in seinen gro- 648 Mohn (Sigism.) Mohnike ßen, anfänglich fleischigen, bei dem Reifen aber hart und holzig werdenden Samenbehält- nijsen, den Mohnköpfen, verschließt. Gewöhnlich ist derMohnsame von blaugrauer oder weißer, seltener von bräunlicher, schwärzlicher oder gelblicher Farbe; der weiße Mohn- same von dem großköpfigen hohen Mohn mit weißer Blüte ist der beste, ihm am nächsten steht der blaugraue von Pflanzen derselben Größe. Er hat einen angenehmen süßlichen Geschmack, ist fett, ölig und nahrhaft und wird daher zu Suppen und Backwerk, sowie auch arzneilich bei heftigen Brustbeschwerden gebraucht; hauptsächlich aber bereitet man Öl daraus, das, kalt und mit Vorsicht gepreßt, dem besten Olivenöl ziemlich gleichkommt und beim Malen vor allen andern Ölen den Vorzug hat, daß es gut trocknet und den Farben nickt schadet. Aus dem in den noch grünen Köpfen enthaltenen widerlich schmeckenden Milchsaft der Mohnpflanze wird Opium (s. d.) gewonnen. Mohn (Sigism.), einer der ersten unter den neuern deutschen Glasmalern, geb. zu Weißenfels 176V, lernte als Tischler und wurde dann Soldat. Nachdem er seinen Abschied erhalten, beschäftigte er sich mit Silhouettiren und Glasmalerei. Seine Versuche in letzterer Kunst stellte er zum ersten Male im I. l 809 in Leipzig aus. Hierauf ging er nach Dresden, wo er 1813 starb. — Ihn unterstützte bei seine» Arbeiten sein ältester Sohn, Gottlob Sam. M., der sich als Glasmaler einen noch größern Ruf als sein Vater erwarb. Geboren zu Weißenfels im J. 1789, hatte er eine gute Gymnasialbildung genossen und unter der väterlichen Leitung zugleich mit den Elementen der Kunst sich vertraut gemacht. Mit seinem Vater malte er die Glasfenster in der Kapelle zu Ludwigslust in Mecklenburg, dann besuchte er zu seiner weitern Ausbildung Berlin, Leipzig und Wie», wo er den Unterricht in der Kunstakademie benutzte und an dem Herzog Albert von Sachsen-Teschen und dem Erzherzoge Johann Gönner fand. Seine schönsten Arbeiten sind die Malereien der Glasfenster der kaiserlichen Kapelle zu Laxenburg bei Wien. Er starb zu Laxenburg am 2.Nov. >825. Mohnike (Gottlieb Christian Friedr.), geb. am 6. Jan. 1781 zu Grimmen in Neu- Vorpommern, besuchte das Gymnasium zu Stralsund und studirte seit 1799 in Greifswold und seit 18»l in Jena Theologie. Von > 803—I V lebte er als Hauslehrer auf der Insel Rügen, dann wurde er Conrector und 1811 Rector an der Stadtschule zu Greifswald. Im I. 1813 kam er als Pastor an der Jakobikirche nach Stralsund und 1819 wurde er, nachdem die Provinz inzwischen an Preußen abgetreten worden war, zugleich Consistorial- und Schulrath bei ver Regierung von Neuvorpommern und Rügen. Mit königlicher Unterstützung machte er 1827 zur Wiederherstellung seiner durch eine zweijährige Krankheit zerrütteten Gesundheit eine Reise durch Schlesien, Böhmen, Baiern, Franken und Sachsen. In dieser Zeit wurde er durch den damaligen schweb. GeneralconsulLundblad zu Greifswald mit den Dichtungen Tegner's bekannt, und dieser zufällige Umstand gab ihm Veranlassung, sich der skandinav. Literatur zuzuwendcn. Er erlernte zuerst die schweb., später auch die dän. und isländ. Sprache, und eine Reise durch das südliche Schweden und »ach Seeland, die er im Herbst 1829 machte, befreundete ihn nur um so mehr mit der Literatur des Nordens. Er starb zu Greifswald am 6. Juli 1831. Unter seinen zahlreichen Schriften war die unvollendet gebliebene „Geschichte der Literatur der Griechen und Römer' (Bd. I, Greifsw. 1813) eine der ersten. Sein „Ulrich Hutten's Jugendleben" (Greifsw. 1816) ist ein interessanter Beitrag zur Literaturgeschichte des 16. Jahrh. Seine „Urkundliche Geschichte der sogenannten zirotessio ückei trickentinse und einiger andern röm. Glaubensbekenntnisse" (Greifsw. 1822) und der Nachtrag zu dieser Schrift „Zur Geschichte des Ungar. Fluchformulars" (Greifsw. 1823) erläutern gründlich einen damals vielbesprochenen Gegenstand. Durch die Herausgabe und Erläuterung von „Bartholomäi Sa- strowen Herkommen, Geburt und Laufs seines ganzen Lebens" (3 Bde., Greifsw. >823 —24) erwarb er sich ein anerkanntes Verdienst um die Geschichte des 16. Jahrh. Werthvolle Beiträge zu der Geschichte des Kirchenliedes legte er in seinen „Hymnologischcn Forschungen" (2 Bde., Strals. 1831—3 2) nieder, durch welche auch die Geschichte der Reformation in Pommern mannichfache Aufklärungen erhielt. Außerdem aber geben von seiner Thätigkeit für die Geschichte, besonders die Kirchen- und Literargeschichte Pommerns noch Zeugniß theils die von ihm in Verbindung mit E. H. Zober aus Handschriften besorgte Herausgabe von Johann Berckmann'S „Stralsundischer Chronik u.s.w." (Strals. 1833), 649 Mohr Mohs theils die kleinern Schriften, z. B. „Die Feier des Jubelfestes der augsburgischen Confes- sion in Neuvorpommern in den J. 1630, 1730 und 1830" (Strals. 1830), „Die Krö» nung Christian's III-, Königs von Dänemark, und seiner Gemahlin Dorothea durch Bu- genhagen" (Strals. 1832), „Geschichte der Buchdruckereien in Stralsund u.s.w." (Strals. 1833), „Geschichte der Buchdruckerkunst in Pommern" (Stett. 1 8 - 10 ); auch seine kirchenhistorische Monographie „Johannes Frederus" in drei Abtheilungen (Strals. 1837—-10) gehört zum Theil hierher. Durch seine Übersetzungen von Esaias Tegne'r's „Frithjofs Sage" (Strals. 1826; 5. Ausl., Lpz. 1812), dessen „Auerhahn" (Strals. 1828 ) und „Sämmtliche Gedichte" (3 Bde., Lpz. 1510), sowie von Nicander's „Runen" (Stuttg. 1829) hat er namentlich die Aufmerksamkeit der Deutschen auf die neuere poetische Literatur der Schweden gelenkt und die Bekanntschaft mit ihr vermittelt. Auch von Tegner's Schrift „Die Kirche und Schule Schwedens in den beiden letzten Jahrzehnden" (Strals. 1837) und von Delprat, „Die Brüderschaft des gemeinsamen Lebens" (Lpz. 1810) haben wir durch ihn Übersetzungen erhalten. Verdeutschungen von Reden und Gedichten schweb, und dän. Schriftsteller enthält die von ihm und Schütt unter dem Titel „Skandinavisches" (Strals. 1832) herausgegebene Sammlung. Nicht minder verdienstlich waren seine Bemühungen für die Erleichterung und Verbreitung der Kenntniß der altern skandinav. Literatur. Durch seine „Volkslieder der Schweden" (Bd. I, Berl. 1830) und „Altschwed. Balladen, Märchen und Schwänke" (Stuttg. und Tüb. 1836) ist die reiche Sammlung von Geiser und Afzelius, „Sveusku kolk-visar", beinahe vollständig auf deutschen Boden verpflanzt worden. Von seiner Übertragung des Hauptwerks für die nord. mythische Geschichte, „Heimskringla oder Sagen der Könige von Norwegen von Snorre, dem Sohne Sturlas", ist nur der erste Band in zwei Abtheilungen (Strals. 1835—37) erschienen; schon früher hatte er aus dem Isländischen „Die Saga von Frithjof dem Starken" (Strals. 1830) übersetzt und in Verbindung mit Nafn die im isländ. Grundtext mit faröischer, dän. und deutscher Übersetzung" (Kopenh. 1833) herausgegeben; auch seine Übersetzung von Nask, „Die Verslehre der Isländer" (Berl. 1830), und von Rafn, „Die Entdeckung Amerikas im io. Jahrh." (Strals. 1838) sind hier zu erwähnen. Vgl. Zober, „Zur Erinnerung an vr. Gottl. M." (Strals. 1812). Mohr ist entstanden aus Maure (s Mauren), wird aber auch gleichbedeutend mit Äthiopier (s. d.) und mit Neger (s.d.) gebraucht, obschon mit Unrecht, da der Mohr stets von tiefbrauner, der Neger von schwarzer Farbe ist. Möhre (vaucus csrotts) ist eine in Deutschland fast überall wild wachsende, durch Cultur aber veredelte Gemüse- und Futterpflanze, die sowol in den Gärten als in dem freien Felde angebaut wird. In den Gärten cultivirt man zwei Unterarten, die eigentliche Möhre und die Carotten, welche letzter« im Allgemeinen seiner und zartfleischiger als die Möhren sind. Außer der allgemeinen Nutzung dienen die Möhren auch zu Kaffeesurrogat, zur Bereitung von Möhrensaft, Syrup und Branntwein. Mohs (Friede.), der Begründer der naturhistorischen Methode in der Mineralogie (s. d.), wurde ums I. >771 zu Eernrode am Harz geboren. Nach dem frühen Tode seines Vaters, der Kaufmann war, sollte er dessen Geschäft fortführen; allein eine cntschie- bene Neigung für eine höhere wissenschaftliche Bildung, namentlich für Mathematik, drängte ihn, eine andere Laufbahn zu verfolgen. Er studirte 1796—98 in Halle, besuchte die Bergakademie zu Freiberg und fand sehr bald eine Anstellung in Anhalt-Bernburg, die er aber aufgab, um sich an der Gründung einer wissenschaftlichen Anstalt in Dublin zu betheiligen. Als dieselbe nicht zu Stande kam, ging er wieder nach Freiberg und dann 1802 nach Wien, wo er die Beschreibung der Mineraliensammlung des Bankiers van der Null übernahm und herausgab, in der er (Wien 1801; 2. Aufl., 1806) zuerst seine natur- historischen Ansichten niederlegte, welche er nachher weiter entwickelte. Hierauf bereiste er in geognostischer und bergmännischer Hinsicht Steiermark, Salzburg, Kärnten, Krain, Ungarn, Siebenbürgen u. s. w. und 1810 im Auftrageider östr. Regierung die Gegenden im Passauischen, in Ostreich und in Böhmen, wo Porzellanerde sich findet. Im I. 1811, wo er auf Anregung des Erzherzogs Johann eine neue Reise nach Steiermark unternommen hatte, ernannten ihn die dasigen Stände zum Professor der Mineralogie am Johanneum 650 Moira Mokka zu Grätz. Mit dem Grafen von Brenner aus Wien, der in Grätz sein Schüler gewesen, machte er 1817 eine Reise nach England. In Edinburg erhielt er den Nus als Professor der Mineralogie in Frcibcrg an Werner's Stelle, den er auch annahm; 1826 aber ging er in gleicher Eigenschaft nach Wien, wo er > 838 Bergrath wurde. Er starb zu Agordo bei Belluno am 28. Sept. 1838. Seine vorzüglichsten Schriften sind der „Versuch einer Elementarmethode zur naturhistorischen Bestimmung und Erkenntniß der Fossilien" (Bd. l, Wien 1813), die „Charaktere der Elasten, Ordnungen, Geschlechter und Arten oder Cba- rakteristik des naturhistorischen Mineralsystems" (Dresd. l 820), der „Grundriß der Mineralogie" (2 Bde., Dresd. 1822—24; 2. Aust., > 838), den sein Schüler Haidinger mit vielen Zusätzen ins Englische übersetzte (3 Bde., Edinb. > 825), und „Änfangßgründe der Naturgeschichte des Mineralreichs" (Wien 1832; 2. Aust., fortgesetzt von Zippe, 2 Bde., Wien > 836 — 38). Moira (Grafvon), s. Hastings (Francis Nawdon, Marquis von). Moiriren oder Wässern nennt man das Verfahren, mittels dessen man gewebten Stoffen und in neuerer Zeit auch dem verzinnten Eisenblech (s. Metallmohr) auf der Oberfläche ein flammige« oder wolkiges, wellen- oder perlmutterartiges Ansehen gibt. Bei den Geweben erlangt man dieses gewässerte Ansehen dadurch, daß man dieselben auf der zu wässernden Fläche mit einer wässerigen Auflösung von Gummi arabicum und Flöhsamen mittels eines Schwammes befeuchtet, die rechten Seiten gegeneinander legt und den Stoff dann in noch feuchtem Zustande durch die heiße Moirirprcsse gehen läßt. Diese Presse besteht aus einem Gestelle, in welchem ein hohler Cylinder von Metall sich befindet, der durch Dampf oder glühende Kohlen von innen geheizt wird. Dieser Cylinder erhält seine Umdrehung zwischen zwei spiegelblank polirten Metallplatten, und zwischen ihnen und dem Cylinder wird der zu moirirende Stoff durchgewunden. Bänder werden behufs des Moirirens auf einen Rahmen gewickelt und zwischen erhitzten Metallplatten gepreßt. Moitte (Jean Guill.), franz. Bildhauer, geb. zu Paris 1747, entwickelte früh ein ausgezeichnetes Kunsttalent und hatte zuerst Pigalle, dann Lemoine zum Lehrer, worauf» 1768 nach Nom ging. Wegen geschwächterGesundheik kehrte er >773 nach Frankreich zurück, wo er eine günstige Aufnahme fand und sehr bald einen europ. Ruf gewann. Mit ihm wie mit dem Maler David tritt eine gereinigte, wenn auch kalte Classicikät in die franz. Kunst ein, welche im Ganzen frei von Manier ist, und dies war cs, was wesentlich seinen Erfolg begründete. Seine Statue eines Opfernden verschaffte ihm >783 die Aufnahme in die Akademie. Eine von Ludwig XVI. ihm aufgctragenc Statue Cassini's, die im Modell wegen der Bekleidung Anstoß erregte, führte er später vortrefflich aus. Zn der Revolution schmückre er >782 das Pantheon in dem Fronton mit einem kolossalen Relief (das Vaterland, welches Bürgertugend und Talent mit Kronen lohnt), das bei der Wieder- einrichtung des Pantheons als Genovefenkirche abgenvmmen werden mußte. Das vollen- detste seiner Werke dürfte ein Basrelief des Louvre sein, die Muse der Geschichte darstellend, wie sie die Worte I'un VI et lXapnleon le gruncl cingräbt. Vortrefflich ist sein Basrelief, das Vaterland darstellend, wie es seine Söhne zur Vertheidigung ruft, das aber nicht in Marmor ausgeführt wurde und sich jetzt im Luxembourg befindet. Noch gedenken wir seines Grabdenkmals des Generals Leckere in der Genovefenkirche in Paris, der Statue Custine's und einer kleinen Reiterstatue Bonaparte's in Bronze. Er starb als Professor an der Maler- und Bildhauerschule und als Mitglied des Instituts am 2. Mai > 812 . Mokka oder Mokha, eine Stadt am Arabischen Meerbusen in der arab. Provinz Jemen, mit einem geräumigen, von zwei Kastellen vertheidigten Hafen und 5000 E.< darunter 1500 Juden, war ein unbedeutendes Dorf, bis im 16. Jahrh. der Beherrscher von Jemen den Handel von Aden, welchen die Portugiesen störten, dahinzog. Seitdem aber hob es sich durch seine günstige Lage in der Nähe der kaffeebauenden Bezirke so schnell, daß es Zeiten gegeben haben soll, wo es 18-20000 E. zählte. Wie die meisten vorder- asiat. Städte ist es in Folge der Zerrüttung aller möhammedan. Reiche in neuerer Zeit bedeutend gefunken. Zwar hob sich sein Handel wieder vorübergehend unter der Herrschaft Mehemed Ali's von Ägypten, aber mit dem Sturze der Herrschaft desselben in Arabien sanksderselbe von neuem in Folge der irmern Kriege in diesen Gegenden und der daraus Mokronvwski Mola (Pietro Francesco) 651 hervorgehenden Anarchie und Unsicherheit. Der Hauptartikel des Handels von M. ist der Kaffee (Mo kkakaffce), der für den feinsten gehalten wird. Mokronvwski (Stanisl.KostkaBogorja), einer der eifrigsten poln. Patrioten, geb. am 10. Nov. 1761 in.dem zum dobrzyner Kreise gehörigen Dorfe Bogucice, verlor in früher Kindheit seine Altern und erhielt seinen Oheim Andr. Mokronowski, einen äußerst gebildeten und aufgeklärten Mann, zum Erzieher. Er genoß den Unterricht in der Jesuitenschule zu Warschau und im Cadettencorps daselbst, und vollendete dann seine Studien i» Paris. Nach der Rückkehr ins Vaterland nahm er Dienste bei der reitenden Krougarde. Zwei Jahre später ging er wieder nach Frankreich, wo er zehn Jahre in dem Regiment Noyal-Alle- mand diente und zum Escadronschef avancirte. Während dieser Zeit, im I. 178U, begleitete er den Herzog von Nassau auf einer Reise nach Konstantinopel. Als 1798 das Regiment Royal-Allemand Frankreich verließ, kehrte er nach Polen zurück, wo er sogleich vom wyszozroder Kreise zum Landbotcn erwählt wurde. Nachher zum Vicebrigadicr unter M. Wielhorski ernannt, organistrte er in der Ukraine eine Brigade, über die er 1792 den Befehl erhielt. Mit ihr sprengte er in der darauf folgenden Campagne bei Zielence eine ihm bedeutend überlegene feindliche Abtheilung und wurde dafür auf dem Schlachtfeld! mit dem ncugestifteten poln. Militair-Verdienstorden als erster Ritter geschmückt. Nach Abschluß des Waffenstillstandes zog auch er sich auf seine Güter zurück, wo er sich mit der Fürstin Maria Sanguszko vermählte. Die Ereignisse des J. 179a trafen ihn in Warschau, wo er sogleich an die Spitze eines großen Theils der Bürgerschaft trat und nicht wenig zur Vertreibung der Russen aus Warschau beitrug. Bald darauf zum Commandanten der Hauptstadt erwählt, verfiel er in eine schwere Krankheit, die ihn für längere Zeit zu allen Verrichtungen unfähig machte. Unruhen drohten in der Hauptstadt auszubrechcn. Da ermannte sich M. Auf die Frage an seine Ärzte, ob es kein Mittel gäbe, ihn schnell herzu- ' stellen, hatten dieselben eineuMderlaß bezeichnet, der aber darum nicht angewender werden k könne, weil er spater eine gänzliche Lähmung zur Folge haben würde. Sofort ließ M. einen solchen ausführen und genas insoweit, daß er das Commando wieder übernehmen konnte. Ec beruhigte die Exalkirten, bezähmte die Ruhestörer und unterdrückte alte Anschläge der auswärtigen Partei. So erhielt er die Hauptstadt sowol von außen als im Innern gesichert, bis zur Ankunft Kosciuszko's. Dieser schickte ihn zunächst mit einem Corps gegen die Preußen, über die er am 6. Juli bci Blonie große Vortheile errang; dann übernahm er das Commando in Lithauen, wo er aber Alles so zerrüttet fand, daß er ungeachtet der > größten Anstrengungen keinen erwünschten Erfolg erlangen konnte. Er mußte sich auf die Defensive beschränken, bewies aber auch hierbei so viel Einsicht und Scharfsinn, daß ihn Kosciuszko mit einem Ringe, mit der Inschrift: das dankbare Vaterland seinen Verthci- digern, beschenkte. Nach der dritten Thcilung Polens, als sich bei M. schon Symptome der ihm vorhergcsagtcn Krankheit einstclltcn, suchte er aus einer Reise durch Italien die gestörte Gesundheit wiederherzustcllen; aber vergebens. Seit 1796 von der Lähmung bcfal- ! len, hatte er seitdem die qualvollsten Schmerzen zu erdulden. Im I. l 899 ging er mit den ^ poln. Truppen nach Krakau. Erst nachdem das Königreich Polen proclamirt war, lehne er nach Warschau zurück, wo er vom Kaiser Alexander sehr ehrenvoll empfangen wurde. Sein Haus war seitdem wieder der Sammelplatz aller Patrioten. Er starb am 18. Oct. 1821. ' Mola und Molcnbildu ng, s. Mondkalb. , Mola (Pietro Francesco), gewöhnlich Mola ck! Roina genannt, ein ital. Maler der ^ bolognes. Schule, geb. zu Coldre im Canton Tessin 1621, genoß den Unterricht Gins. Cesari'S in Nom und Albani's in Bologna, worauf er nach Venedig ging. Durch Gnercino'S Neid sah er sich indcß genöthigt, nach Nom zurückzukehrcn, wo ihn Alexander VIl. die Geschichte Joseph's in der Galerie von Monte Cavallo malen ließ. Er stand im Begriff, einer Einladung Ludwig's XIV. an dessen Hof zu folgen, als er aus Verdruß über einen Streit mit dem Prinzen Pamfili zu Nom 1666 starb. Viele Frescobilder von ihm finden sich noch jetzt in Rom; auch malte er mehre treffliche Bilder im Louvre zu Paris, unter Andern, den i heil. Johannes in der Wüste predigend, den heil. Bruno in einer schönen Landschaft, Hagar und Jsmael, ArchimedeS mit dem Cirkel und den Soldaten, der ihn verwundet, die Ruhe aufder Flucht in Ägypten und Tancrcd. Er arbeitete viel, zeichnete richtig und überkraf seinen 652 Molay Molbech Lehrer Albani in der Farbengebung, obgleich seine Schatten ein wenig schwarz sind, sowie in der Mannichfaltigkeit der Erfindung, nicht aber in der Grazie. — Der gleichzeitige, vielleicht mitihm verwandte Giov. Battista M., geb. 162» oder 1622 , wahrscheinlich in Frankreich, ein Schüler Albani's, bildete sich hauptsächlich zum Landschaftmalcr aus und arbeitete in manchen Bildern seines Lehrers die Landschaften. Seine Coniposition ist meist tüchtig und großartig, während er in der Farbe seine Zeitgenossen Claude Lorrain und RuySdael beiweitem nicht erreicht. -- Gasparo M., von Lugano, geb. zu Ende des 16. Iahrh., war einer der besten Medailleurs in Diensten der Päpste; seine Köpfe sind weich und dabei doch kräftig gearbeitet, die Rückseiten hier und da mit antiker Einfachheit rompvnirt und trefflich ausgeführt. Molay (Jak. Bcrnh. von), der letzte Großmeister der Templer, stammte aus dem Geschlechts von Longwy und Naon in Burgund. Erwürbe sehr jung, um 1265, in den Orden der Templer ausgenommen und 1298 seiner Tapferkeit, die er in den Kämpfen gegen die Ungläubigen bewiesen, Rechtschaffenheit und Klugheit wegen einstimmig zum Oberhaupte des Ordens erwählt. Im 1.1306, als er in Cypern beschäftigt war, eine neue Ausrüstung gegen die Sarazenen zu betreiben, traf ihn die Einladung des Papstes Clemens' V. und des Königs Philipp's des Schönen von Frankreich, nach diesem Lande zu kommen. Er folgte ihr und sah sich dadurch mit in das schreckliche Schicksal seines Ordens hineingerissen. Anfangs von Philipp dem Schönen mit der größten Freundlichkeit ausgenommen und sogar von ihm zur Übernahme einer Pathenstelle bei einem Prinzen vom Ge° blüte eingeladen, wurde er am > 3.Oct. 1305 mit allen in Frankreich lebenden Rittern plötzlich verhaftet, vor ein gedungenes Gericht gestellt und, nach jahrelangem Leiden im Kerker und den grausamsten Mishandlungen durch Tortur, am 18. März 131-1 in Paris nebst dem Großprior Guido von der Normandie, einem 80jährigen Greise, bei langsamem Feuer verbrannt. (S. Tempelherren.) Molbech (Christian), einer der ausgezeichnetsten Sprach-, Geschichtsforscherund Literatoren Dänemarks, geb. zu Sorve 1783, verließ die I8V3 angetretene Universitätslaufbahn im folgenden Jahre, um sich unter der Leitung des Oberbibliothckars Molden- hawer für das bibliothekarische Fach auszubilden. Schon 1806 wurde er Mitredacteur des von der königlichen dän. Gesellschaft der Wissenschaften veranstalteten kritischen „Wörterbuchs der dän. Sprache". Später unternahm er verschiedene theils allgemeinen wissenschaftlichen Zwecken, theils der Erforschung des Alterthums und der Kunst gewidmete Reisen, namentlich 1812 in Schweden, 1811 und 1813 in Dänemark und 1819 und 1830 in Deutschland, Frankreich, England und Italien, die er in den „Briefen aus Schweden" (3 Bde., Kopenh. 1814—17; deutsch, 3 Bde., Altona 1818—20), in den„Jugendwan- derungen in meinem Vaterlande" (2 Bde., Kopenh. 1811 — 13) und in den „Reisen durch Deutschland, Frankreich u. s. w." (3 Bde., Kopenh. 1821—22) beschrieb. Hierauf erhielt er 1823 die Professur der Literargeschichte und gleichzeitig die erste Secretairstclle an der königlichen Bibliothek. Auch nahm er 1830—42 Theil an der Direction der königlichen Schauspiele, wobei sein Hauptzweck, als dramaturgischer und ästhetischer Censor, darauf gerichtet war, daß ein Nationaltheater ein höheres und edleres Kunstspiel verfolgen müsse, als die blos für den Erwerb einer Privatgesellschaft arbeitende Schaubühne. Seine schriftstellerische Thätigkeit war vorzugsweise auf vaterländische und nord. Geschichte, ans kritisches und vergleichendes Sprachstudium, auf ästhetische und Kunstkritik sowie auf Bibliothekswissenschaft und Bibliographie gerichtet. In elfterer Beziehung-sind, abgesehen von einigen Jugendversuchen, z. B. „Über die Regierung und das Schicksal der Stuarte" (Kopenh. l« 05 ), vor Allem zu nennen seine „Geschichte des dithmarsischen Kriegs" (Ko- peich. 1813), „Geschichte ErikPlogpenning's" (Kopenh. 1821), „Auszüge aus Jens Bir- cherod's historisch-biographischen Tagebüchern" (Hst. I, Kopenh. 1838) und die mitN.M. Petersen herausgegebene „Auswahl bisher ungedruckter dän. Diplome und Briefschaften aus dem 14.—16. Jahrh."(Bd. I, Kopenh. 1842—43). Auch lieferte er eine große Anzahl historischer Monographien und Beiträge zur Geschichtskunde überhaupt in den von ihm herausgegebenen Zeitschriften „Nordist Tidsskrift for Historie, Literatur og Konst" (4 Bde. Kopenh. 1827—36) und „Historist Tidsskrift af den danste historiske Forennig" Molch Moldau (Landschaft) 653 s5 Bde. , Kopenh. 1846— 44). Als Sprachforscher hat er die entschiedensten Verdienste nicht nur durch sein auf umfassenden Studien beruhendes und zum ersten Male den ganzen gegenwärtigen Sprachvorrath vorführcndes „Danfk Ordbog" (2 Bde., Kopenh. 1833) und sein mit dem mühsamsten Fleiße zusammengetragenes, recht eigentlich bahnbrechendes Werk „DanskDialect-Lexicon", das er >841 vollendete, sondern durch eine Reihe kriti- scher, mit Glossaren versehener Ausgaben der ältesten dän. Sprachdenkmale, z. B. „Danske Nimkrönike" (Kopenh. 1825), Henrik Harpestreng's „Danske Lägebog" (Kopenh. > 82«), Prüften Michael's „Danfte Rimvorker" (Kopenh. 1836) und „Alteste dän. Bibelübersetzung" (Kopenh. 1828), sowie durch Erläuterung des reichen ältern dän. Wörtcrschatzes, namentlich in der „Sprachschilderung der dän. Bibelübersetzungen aus dem 16. Jahrh." (Kopenh. 1846). Vorzugsweise ästhetischer Kritik war die von ihm herausgegebene Monatsschrift „Athene" (9 Bde., Kopenh. >814—17) gewidmet, wie er denn auch später diese Bahn verfolgte, namentlich in der einen interessanten Überblick gewährenden „Dän. poetischen Anthologie" (Bd. 1—2 und 4, Kopenh. 1836—46^, in den „Vorlesungen über die dän. Poesie, vorzüglich über Ewald's, Baggesen's und Ohlenschläger's Werke" (2 Bde., Kopenh. 1831—3 2) und in „Joh. Ewald's Leben nebst Beiträgen zur Geschichte und Charakteristik seiner Dichterwexke" (Kopenh. 1831). Seine bibliothekarischen Grundsätze entwickelte er in der Schrift „Über Bibliothekwissenschaft" (deutsch von Ratjen, Lpz. 1832). Endlich ist noch seiner Theilnahme an der Stiftung der „Holbcrg'schen Gesellschaft" und der von ihm angefangenen ersten kritischen Textrecension von Holberg's „Comedier" (Bd. I, Kopenh. 1 844) zu gedenken. Molch, (.Salamander. Moldau, der Hauptfluß Böhmens, entspringt aufdemBöhmerwaldgebtrge zwischen dem Bretterwalde, dem schwarzen Berge und dem Vogelsteine, an der bairi Grenze im pra- chiner Kreise Böhmens und fließt anfangs längs der Grenze von Nordwest nach Südost, biegt sich aber bei Hohenfurth und strömt dann fortwährend nordwärts. Sie nimmt die Malsch, Luschnitz, Wottawa, Sazawa, Beraun und andere kleinere Flüsse auf, wird bei Hohenfurth flößbar, von Budweis aus, wo der Verkehr auf ihr durch eine Eisenbahn mit Linz an der Donau und dem Salzkammergut in Oberöstreich in Verbindung steht, für Kähne von 2—366 Ctr. Last schijstar und fällt, nachdem sie Rosenberg, Krumau, Bub- weis, Moldauteyn, Prag und Weldrus berührt hat, Melnik gegenüber in die Elbe (s. d.). Moldau, eine Landschaft an der untern Donau, ist nördlich und westlich von Ostreich (den Provinzen Bukowina und Siebenbürgen), östlich von der russ. Provinz Bessa- rabien, von der sic durch den Pruth geschieden wird, und südlich von der Walachei und an einer kleinen Strecke, wo die Donau die Grenze bildet, von der türk. Dobrudscha begrenzt. Mit der heutigen Walachei (s. d.), mit der sie überhaupt fast gleiche Schicksale gehabt, bildete sie einen Hauptbestandtheil des alten D aci en (s. d.). Zur Zeit der Völkerwanderung und in den folgenden Jahrhunderten war das Land der Tummelplatz der Gothen, Hunnen, Bulgaren und slawischer Stämme, der Avaren, Chazaren, Petschencgen, Uzen und Magyaren, die abwechselnd in demselben herrschten und sich wechselseitig vertrieben. Sie alle ließen mehr oder weniger Spuren in der romanisirten dacischen Bevölkerung, den ursprünglichen Machen, zurück und halfen so das Volk der heutigen Machen, das auch die Bevölkerung der Moldau ausmacht, bilden, das im > l. Jahrh. das Christenthum der griech. Kirche annahm. Durch die Völkerwanderung erfuhr das Land eine um so größere Verwüstung, weil dieselbe hier länger dauerte als in dem westlichen Europa, und sich gewissermaßen bis zu den Einfällen der Türken verlängerte. Denn im I >. Jahrh. bildeten die K u - manen (s. d.) hier ein eigenes Reich; dann traf es im I 3. Jahrh. der Sturm der Mongolen und hieraus herrschten hier die nogaiischen Tataren, nach deren Auswanderung das Platte Land ganz verödet war, und nur noch in den Gebirgen und Wäldern walach. Bevölkerung vorgefunden wurde, sodaß es im Anfänge des 14. Jahrh. einer neuen walach. Einwanderung aus der ungar. Marmarosch bedurfte, um das platte Land wieder zu bevölkern. Der Anführer dieser Einwanderer, Bogdan I., bemächtigte sich der Herrschaft des Landes, das nun vom Flusse Moldova den Namen Moldau erhielt, und gründete eine eigene Dynastie (dieDragoschiten), die anfänglich von Ungarn abhängig war, später aber sich unab- r »->s 654 Mole (Mathieu) hängig machte. In unaufhörliche Händel mit den benachbarten Staaten und Völkern verwickelt, durch innere Zwistigkeiten zerrüttet, kam die Moldau auch unter diesen Fürsten die den Titel Woiwodcn führten, zu keinem gedeihlichen Zustande, um so weniger, als bereits I 3 > v die Einfälle der Türken begannen, die immer gefährlicher wurden und endlich dahin führten, daß der Woiwode Bogdan III. im Anfänge des 16. Zahrh. sich der Pforte als Lehnsmann unterwarf, und unter dem Woiwoden Peter VI., beim Zug« Sultan Soll- man's gegen Wien, das Land zur tributairen Lehnprovinz des türk. Reichs wurde. Nach Aussterbender Dragoschiten sing die Pforte an, die moldauischen Fürsten immer Willkür- lichcr zu behandeln, sie nach Gefallen ein- und abzusetzen und endlich fanariotische Griechen dazu zu ernennen, die den Titel Hospodar führten. Die Geschichte der Moldau unter den Türken bildet ein unerquickliches Gewebe innerer Jntriguen und daraus hervorgehender Thronwechsel, verbunden mit oriental. Barbareien aller Art, die das Land fortwährend auf der niedrigsten Stufe der Cultur hielten. Nachdem schon frühzeitig ein Theil der untern Moldau oder Bessarabiens mit der Pforte vereinigt worden war, wurde 1777 auch ein Theil der obern Moldau, die Bukowina (s. d.), an Ostreich abgetreten, und im Frieden zu Bukarescht von 1812 erhielt Rußland das ganze Bessarabien (s. d.). Der Ausbruch des Griechenausstandes im 1.1821 brachte auch über die Moldau unsägliches Elend; mir Willkür herrschten in derselben die türk. Truppen, bis 1826 der Vertrag von Akj erman (s. d.) einige Verbesserungen in der Lage des Landes bewirkte. Bei dem Ausbruche des russ.-türk. Kriegs im I. 1828 wurde die Moldau von Rußland besetzt und blieb ! unter der Verwaltung des russ. Generals Kisselew bis zum 11. Mai > ^34. In Folge des Friedens zu Adrianvpel von 182!» bekam sie, als moldauisches Fürstenthum, nebst der Wa- ^ lachet ihre gegenwärtige Verfassung, die, unter Rußlands Schutz und Garantie gestellt, ! das Land mehr zu einem von Rußland als von der Türkei abhängigen tributairen Wahl- ! fürstenlhum machte, in welchem sich keine Türken aufhalten dürfen. Hierauf wurde im ^ Apr. l 834 durch die Bojaren Michael Stourdza zum lebenslänglichen Hospodar gewählt. l Die Moldau hat gegenwärtig einen Flächeninhalt von .725 iüM. und 70909V 8. ^ Das Land wird voin Sereth, der Donau und dein Pruth durchströmt und ist zum Theil i überaus fruchtbar, doch in Folg« des Kriegs und des Drucks zum Theil noch unangebaut. Auf einer vorzüglich hohen Stufe steht in Folge der guten Weiden die Viehzucht jeder Ar!. Schweine werden in Menge ausgeführt. Auch die Schafzucht ist bedeutend, noch weit mehr aber die Bienenzucht wegen der vielen Lindenwälder. Eine Landplage sind mitunter ^ die Heuschrecken und die Erdbeben. Der Neichthum des Landes an Mineralien und edeln Metallen wird nicht benutzt; blos einige Salzgruben, besonders in der Gegend bei Okna, ! an der Grenze Siebenbürgens, werden bearbeitet. Wie in Hinsicht ans Producte und natürliche Beschaffenheit kommt die Moldau auch ln Betreff ihrer Bewohner, deren Sprache und Cultnrstufe, sowie hinsichtlich ihrer Verfassung, politischen Lage, gesellschaftlichen und gewerblichen Zustände fast ganz mit der Walachei überein. Der Handel ist fast ausschlie- ßcnd in den Händen der vielen Armenier, Griechen, Juden und Russen, die sich im Lande aushatten. Haupt- und Residenzstadt ist Jassy (s. d.), Haupthandclsstadt Ealatsch (s. d.). Vgl. Wilkinson, ,,^u sceount ok liie priiicip-ttities os Vulucliie vnll Uoldnvie" (Land. 1820 ; franz. von de Laroquctte; 2. Aufl., Par. 1824); Anagnosti, ,,I.» Vslsckie et Ik ülolilLvie" (Par. 1837) und Colsvn, „I7etut present etc. cke lu l>loI6a>ie et äe Valsckie" (Par. t 839). Mole (Mathieu), einer der ausgezeichnetsten Magistrate Frankreichs, stammte ans k einer alten Parlamentsfamilie und wurde 1584 geboren. Er war Generalprocurator, als ihn Richelieu > 641 zum ersten Präsidenten des Parlaments von Paris ernannte, obschon er sich demselben kurz vorher in der Streitsache des Marschalls Marilläc widersetzt hatte. In den Unruhen der Frond e (s. d.) vertheidigte er ebensosehr das Interesse des Volks und der Freiheit, wie die Rechte der Krone und mußte deshalb gegen beide Parteien aukämpfen. Besonders zeigte er großen Muth und Festigkeit in den Aufständen des pariser Pöbels. ^ Der Ränke müde, durch welche ihn die Großen verfolgten, legte er mit Abweisung jeder Entschädigung endlich sein Amt nieder, wurde aber 1651 Siegelbewahrer. Auch in dieser Stellung war er dem Hofe und den Großen oft sehr unbequem; doch hielt er sich durch das 655 Mole (Mathieu Louis) Ansehen, welche« seine Gesinnung und Rechtschaffenheit selbst seinen politischen Feinden » einflößten. Er starb am 3. Jan. 1665.— Sein Urenkel, Edouard Frans. Mathieu M.de Champlatreux, geb. am 5. März 1760, wurde 1788 Parlamentspräsident. Er hciralhete eine Tochter Malesherbes', wanderte 1789 aus, kehrte aber nachher zurück, und starb am 29. Apr. >794 als Opfer der Revolution unter der Guillotine. Mole (Mathieu Louis, Graf), ehemaliger franz. Ministerpräsident, des Zuletztge- nanntcn Sohn, geb. zu Paris am 24. Jan. 1781, folgte in der Revolution seinem Vater ins Ausland. Er lebte theils in der Schweiz, theils in England, bis er im Alter von 16 Jahren nach Frankreich zurückkehrte, wo er nun seine vernachlässigte Bildung durch eifriges Selbststudium auszugleichen suchte. Jm J. 1806 veröffentlichte er seine „Losais äe worals et Oe pulitique" (2. Ausl., Par. 1809), in denen er die Herrschaft Napoleon's als eine Nothwendigkeit darstellte. Der Kaiser wurde hierdurch aufmerksam auf ihn und übertrug ihm die Berichterstattung über den Zustand der Juden in Frankreich, welche Aufgabe M. zu großer Zufriedenheit löste. Noch im I. 1800 wurde er Requetcnmeister, 1807 Präfect des Departements Cöte d'Or, 1809 Staatsrath und einige Monate später Generaldirector der Brücken und Chausseen. Als Napoleon von Elba zurückkehrte, ließ ec sich nur mit Mühe bewegen, in dieses Amt wiedereinzutreten, das er auch mit der zweiten Restauration behielt, weil er im Staatsrathe wider die Maßregeln gegen die Bourbons gestimmt hatte. Bereits am 17. Aug. 1815 erhob ihn Ludwig XVIll. zum Pair. Durch seine Verbindung mit dem Minister Richelieu, dessen gemäßigtere Politik er zu stützen suchte, gewann M. von nun an einen bedeutenden Einfluß auf den Gang der Negierung. Selbst die Doctri- ! naires, denen er sich näherte, begünstigten seinen Eintritt ins Marineministerium, das er am > 2. Sept. 1817 übernahm. Indessen entsprach er den von den Liberalen gehegten Erwartungen nicht, sondern legte zugleich mit Richelieu am 28. Dec. 1318 sein Portefeuille ^ nieder. Fortan entfaltete er in der Pairskammer ein großes Nednertalent und zwar bald 1830 dem Herzoge von Broglie weichen. Als sich das Ministerium Thiers am 25. Aug. 1836 zurückzog, erhielt M., der sich besonders der Intervention in Spanien feindlich gezeigt hatte, vom Könige den Auftrag zur Bildung einer neuen Verwaltung. Nach einer mehrwöchentlichen Krisis kam endlich in Verbindung mit den Doctrinaires ein Cabinet zu Stande, in welchem er selbst die Präsidentschaft und das Auswärtige übernahm. Doch die harten, dem constitutionrllen Princip zuwiderlaufenden Maßregeln, welche dieses Ministerium nach dem Attentate des Prinzen Ludwig Napoleon und dem Mordversuche Meu- nier'S den Kammern vorschlug, führte schon im März 1837 dessen Auflösung herbei. Die Doctrinaires schieden aus; aber M., der allerdings weniger Angriffe erlitten, sich auch der Auflösung der Kammer widersetzt hatte, blieb nach dem Wunsche des Hofes und brachte endlich nach langen Bemühungen das Cabinet vom 15. Apr. 1837 zusammen, in welches Montalivet, Salvandy, Lacave-Laplace und Barthe eintraten. Eine solche Combination ^ entsprach aber den Wünschen der parlamentarischen Majorität und der öffentlichen Meinung noch weniger als die frühere. Ungeachtet der Siege in Algier und des kriegerischen Auf- ! tretens gegen das wehrlose Mexico, rief die politische Neackion der ganz dem Hofe ergebenen Minister nicht nur die Erbitterung der Liberalen, sondern selbst der Doctrinaires hervor. Die Adresse derKammer, die am 4.Jan. I839zur Berathung kam, war eine offene Kriegserklärung an dieNegierung und enthielt «ine Anspielung auf die Abhängigkeit desCabinets vom Willen des Königs. M. dankte unter heftigen Angriffen am 22.Jan. 1839 ab, mußte i aber bei den Schwierigkeiten, die Soult erhob, auf den Wunsch Ludwig Philipp's die Zügel der Negierung nochmals ergreifen. Die Kammer wurde nun aufgelöst; allein die Wahlen 656 Mole (Rene Frans.) Moliöre sielen so ungünstig aus, daß er mit seinen College« am S.März I83S definitiv den Rückzug nahm. Seitdem betheiligte er sich nur selten an den politischen Discussionen. l Mole (Rene Franc.), einer der berühmtesten franz. Schauspieler, geb. zu Paris am 25. Nov. >734, sollte anfangs die Rechte studiren, wurde aber durch seine Neigung dem Theater zugeführt. Nach sorgfältigen Vorstudien trat er >754 zum ersten Male auf dem Hieütre frsn^ais in der Nolle desBritannicus auf und wurde günstig ausgenommen. Da er indeß nicht angestellt wurde, so begann er seine Studien von neuem und erst 17 60 erschien er in derNolle des Andronicus wieder auf derBühne und erhielt >76 > eine feste Anstellung. Allein die Tragödie war es nicht, in der er seinen eigentlichen Ruhm finden sollte. Daher ging er zu den feinkomischen Rollen, und in diesen leistete er das Beste, was vielleicht je auf dem franz. Theater geleistet worden ist. Während der Schreckensherrschaft wurde er eine Zeit lang eingekerkert; später zum Mitglied des Instituts und zur Zeit des Kaiserreichs zum Lehrer der Declamation an der Schule bei der Oper und zum Direktor der Schule beim 1'keätr« trsnysi« ernannt, starb er in Paris >8t>5. Außer mehren Abhandlungen über seine Kunst hat man einige Lobreden von ihm, unter denen sich das „Lloge ,le MI«, ä'^ngeville" (Par. >795) auszeichnet. Seine „Llömoires" wurden von Etienne (Par. >825) herausgegeben. Molekülen nennen die der atomistischen Ansicht anhängenden Physiker die kleinsten Theilchen der Materie, entweder mit den Atomen (s. d.) gleichbedeutend, oder, wiez. B. Ampere, Gruppen solcher Atome. Die im Innern derKörper wirkenden Kräfte, welche die Form, den Zusammenhang derKörper u.s.w. bewirken, also Cohäsion, Adhäsion, Krystalli- , sationskraft u. s. w., lassen sich auf Anziehungen und Abstoßungen dieser Molecule zurückführen und werden deshalb nicht selten Molecularkräfte genannt. Moliere (Jean Bapt. Poquelin, genannt de), der ausgezeichnetste aller franz. Lustspieldichter, wurde am >5. Jan. 1620 zu Paris geboren und von seinem Vater, wel- ^ cher Tapezierer und Kammerdiener in des Königs Diensten und zugleich Trödler war, für ' dieselbe Lebensweise bestimmt und deshalb in seiner Bildung ziemlich vernachlässigt. Erst in seinem >4. Jahre verdankte er es der Verwendung seines Großvatc-rs von mütterlicher Seite, daß er das Jesuitencollegium Clermont (jetzt Louis-le-Grand) in Paris besuchen konnte, wo er fünf Jahre Externus war und unter Andern Eassendi's Unterricht genoß. Doch 1641 mußte er seine Studien abbrechen; sein Vater konnte hohen Alters wegen den Hof, der um diese Zeit nach Narbonne ging, nicht begleiten und trug dem Sohne seinen Dienst auf. Dieser, der zwischen dem Wunsche, die juristische Laufbahn zu ergreifen, und seiner leidenschaftlichen Neigung für das Theater schwankte, blieb nur für diese Reise in dem ihm nicht zusagenden Verhältnisse; nach Paris zurückgekehrt, verband er sich, ungeachtet aller Ermahnungen seines Vaters, >642 mit einer Schauspielertruppe, welche unter dem Namen Illnstre Hiäütro im Faubourg-Saint-Germain eine Bühne anfgeschlagen hatte, und nahm nun den Namen Moliere an. Während der I. > 646—53 scheint er in verschiedenen Provinzialstädten als Mitglied wandernder Theaterbanden ein abenteuerliches Leben geführt zu haben. Indem er sich praktisch ausbildete und seine literarischen Kenntnisse durch fortgesetztes Studium ital. und span. Komiker, sowie des Plautus, Terenz und Rabelais erweiterte, führte ihn die Lage seiner Gesellschaft, der es an passenden Stücken fehlte, auf die Idee, diesem Mangel abzuhelfen. So schrieb er denn mehre Stücke, die in den Städten, wo er sie zur Aufführung brachte, gefielen und ihm einen Namen machten. Der ungünstige Erfolg seiner „Hebs'üle", von der wir nur noch den Namen haben, ver- t anlaßte ihn, das tragische Genre gänzlich aufzugeben und sich ausschließend dem Lustspiele ^ zu widmen. Das erste bedeutende Stück, welches er auf diesem Gebiete lieferte und durch das er eigentlich seine literarische Laufbahn eröffnete, war der „Ltourcki", den er >653 zu Lyon aufführte. Das Stück hat zwar seine Mängel; allein die Wahrheit des Dialogs, der bei M. überhaupt in der Regel unübertrefflich ist, dabei die ergötzlichen Scenen, die aus der unerschöpflichen Gewandtheit eines Kammerdieners entstehen, der die Unbesonnenheiten seines Herrn unaufhörlich gut zu machen hat, rechtfertigen den entschiedenen Beifall, den das Stück beim Publicum fand. Mit gleichem Erfolge gab M-, der mit seiner Truppe unkei> deß in Avignon und Montpellier gewesen war, > 6S4 zu Be'ziers den „väpit -»noureux^ Moliöre 657 und „l-.es prs'cieuse!; rillicnles", welche letztere Komödie das literarische Cliquenwesen der Hauptstadt dem Gelachter der Menge preisgab. Nachdem er »och eine Zeit lang in den Provinzen umhergezogcn war, auch in Toulouse und Grenoble gespielt hatte, wendete er sich von Rouen endlich im I. l 658 nach Paris, indem sein alter Schulfreund, der Prinz de Conti, der ihm vergebens eine Stelle als Secretair in seinen Diensten eingetragen hatte, ihm die Erlaubnis, daselbst zu spielen, auswirkte. M. dcbutirte am 18. Nov. >656 mit den „pi-eciauses rielioiles", eine Keckheit, von deren Größe man sich nur bei vollkommener Kcnntniß der damaligen Zustände einen richtigen Begriff machen kann. Er hatte sich indcß nicht verrechnet; was Viele über die pedantische Schöngeisterei des Lui eun (l'espiii. im Hotel Rambouillet gedacht hatten, sprach er aus; er brachte eine Coteric gegen sich auf, gewann aber den größten Theil des Publicums, und Ludwig XIV. war mit M. so zufrieden, daß er dessen Gesellschaft in seine Dienste nahm und ihr anfangs den Namen 'Vronps «Is ÄZnnsieur, dann den der königlichen Truppe beilegte. M. wurde bald der beneidete Liebling des Königs, der ihn nicht selten vor den Angriffen der verletzten Eitelkeit schützen mußte. Auch mit dem großen Conde, Larochefoucauld und andern Großen lebte M. in jener anständigen Vertraulichkeit, die ebenso sehr den Rang als das Verdienst ehrt. Im Ganzen stellen M-'s Stücke ihn an die Spitze aller neuern komischen Dichter. Es offenbart sich in ihnen eine reiche Kcnntniß des gesammten Menschenlebens, besonders des Thuns und Treibens der untern Volksclasscn, welche er zu studiren nicht verschmähte. Nach den ersten Erfolgen, welche er mit seinen Productioncn feierte, rief er sich selbst zu: „I^sissans Planta et'Verenas, se nV, plus gu'ü etlicher le moucle", und diesem Grundsätze ist er auch treu geblieben. Daher aber leben auch alle seine Charaktere; einige sind Typen geworden, die Jeder kennt, und die Namen Tartufe und Harpagon scheinen bezeichnender als Heuchler und Geizhals. Seine Sprache ist cigcnthümlich plastisch, der Dialog unnachahmlich leicht und rasch, seine Versisication trefflich und selbst wo seine Charakterschilderung in Caricatur übergeht, bleibt sie noch wahr und meisterhaft. Was aber M. selbst über Racine stellt, ist, daß kein franz. Dichter sich so frei von den Vorurthcilen seiner Zeit und Nation und dabei doch so echt französisch gezeigt hat. Den größten noch jetzt dauernden Ruhm unter seinen Stücken, von denen allerdings wol einige mehr vom augenblicklichen Bedürfnisse eingegebcn sind, erhielten „Vsanls cles semmes" (1662), „I/ecole »les maris", „Ve lUisanttirops", der anfangs lau ausgenommen, später aber nach seinem hohen Werthe geschätzt wurde, und vor Allem sein „T'-n-tuke" (166-1), der >669 ans die Bühne kam. Die Schwierigkeiten, welche man der Aufführung dieser beißendsten aller Satiren auf die heuchlerische Devotion entgegcnstellte, vermochte am Ende nur ein Machtwort des Königs zu heben, und selbst noch im 19. Jahrh. verbot >825 die geistliche Behörde zu Nonen die Aufführung des ,,'Vvrtufe". Die Jntrigucn, durch weiche man M. zu verdächtigen suchte, sind ihrerseits wieder dramatisch behandelt worden in dem „Urbild des Tar- tufe" von K. Gutzkow. Von den in Prosa geschriebenen Stücken M.'s zeichnen '.chaus„I.e IittlirFenis-Fentilknmme" und „Vnvcire", und als Ausgeburten der üppigsten Laune seine herrlichen Possen „Vs mslcicle imuf-inaire", „blnns'ieiir lle psinrcennj-iuic" und „I-e I»u- lacle inalf-re Ini". Trotz aller Auffoderungen, das Theater zu verlassen und dann in die Akademie zu treten, blieb M. Schauspieler. Seine häuslichen Verhältnisse wurden besonders durch die Eifersucht, zu welcher seine Frau, Armand Bejard, gcb. 16-15, nur allzu häufig Veranlassung gab, nicht selten getrübt. Desto rührender war die Treue seiner alten Haushälterin Laforest, deren Urthcil er so sehr schätzte, daß er ihr alle seine Dichtungen vorlas. Sein letztes Stück, in welchem er, obschon unpäßlich, austrat, war „Ve mulude ini-iginuire"; er spielte darin den Argan; während er das „ll»r<>" in dem burlesken Promotionsacte auS- sprach, befiel ihn ein Blutsturz, der nach wenigen Stunden, am 17. Febr. > 67:1, den Tod nach sich zog. Der Erzbischof von Paris verweigerte M. das kirchliche Begräbniß; allein durch des Königs Vermittelung wurde er in der Stille in St.-Joscph, beerdigt. Die Akademie ehrte sich 1778 dadurch, daß sie seine Büste mit dem Verse ven Saurin: „Kien na nia„«i»v ü Sil Kloire, il mangnait ü In nütre" in ihrem Sitzungssaal«: aufstcllen ließ und eine Lobrede auf M. als Preis ausschrieb, welchen Chamfort davontrug. Am 6. Juli Loiiv.-Ler. Neunte Ausl. IX. 658 Molina Molitor 1792 wurde seine Asche in das Museum der franz. Denkmäler gebracht, von wo aus man sie am 6. März 1817 nach dem Pere Lachaise brachte und neben Lafontaine beisetzte. Das DbeLtre sronyais feiert seinen Geburtstag jährlich durch Aufführung eines seiner Stücke. Auch wurde ihm 1815 in der Rue Richelieu ein öffentliches Denkmal errichtet. Von den unzähligen Ausgaben seiner Werke erwähnen wir nur unter den Lltcrn die amsterdamn (5 Bde., 1975) und unter den neuern die von Anger commentirkc (9 B'oe., Par. I8>!>), die von Nodicr und die von Didot. Den bedeutendsten Werth dürfte durch Genauigkeit der Variantensammlung und durch Mitthcilung neuaufgefundcncr Stücke die 1815 ln- gonnene neue Ausgabe von Anne Martin erhalten. Vgl. Cailhava, „Kindes surK.» (Par. 1802) und I. Taschercau, „Ilistnire de ln via et des cnivr.agc-s de >l." (Par. >825; neue Aust., >828). Ein treues Bild von M.'s Gesichtszügen verdankt man seine«, Freunde, dem Maler Mignard. Molina (Ludw.), Jesuit und Lehrer der Theologie an der portug. Universität z>, Evora, geb. 1510, ist durch seine vermittelnde Theorie über Gnade (s. d.) und Prädestination bekannt geworden. In der Absicht, Augustinismus und Semipclagianismus miteinander zu vereinigen, gab er das Werk „Inder, nrbitrii cum ffrirtiss donis, divins pme- scientia, Providentia, znaedeslinatione et reprolmtione concordia" (Lisiab. 1588,1.) heraus und lehrte darin, daß die Gnade Gottes zwar die Bedingung der Seligkeit sei, aber Jedem zu Theil werde, der mit den noch übrigen Kräften des freien Willens das Seiuize thue, daß also die Erlangung oder der Verlust der Seligkeit doch von der menschliche» Selbstbestimmung abhänge. Diese offenbar pclagianisirende Ansicht wurde von den Dominicanern heftig bekämpft, dagegen von den Jesuiten, die deshalb Molin isten genamit wurden, vertreten, und vcranlaßte so einen Streit, zu dessen Schlichtung Papst Clemens VIII. die (lonffrogatio de ruixilns niedersetzte, und der nachmals, nach dem im I l 000 erfolgten Tode M.'s, in dem Kampfe über die Lehre des Jansen (s. d.) sich fortsehte. Mvlinos (Michael), span. Mystiker, geb. 1610 in Saragossa, hatte zu Pampclona und Coimbra studirt und war vielleicht mit der um >575 entstandenen Sekte der Alom- brados oder Erleuchteten in Berührung gekommen. Seit 1669 als Doctor der Theologie und Priester in Nom lebend, gewann er mehre, selbst hochgestellte Freunde und gab für diese seine Schrift „6»ida spirituale" (Nom 1675; lat. von A. H. Francke, Lpz. U>8l; deutsch von G. Arnold, Franks. 1699) heraus, worin er im Gegensätze zu dem kirchlich!» Äcchanismus die wahre Religiosität als süße Seelenruhe, als reine Gottesliebe und als unmittelbare Anschauung Gottes darstellte. Eben deshalb nannte man sein System Quie- tismus (s. d.) und seine Anhänger Quietisten. Auf Betrieb des Jesuiten Lachaise fand die Inquisition in jener Schrift und in Vorträgen des M. 68 ketzerische Sätze, die Papst Jnnoccnz XI. 1687 als solche verdammte. M. selbst mußte in demselben Jahre seine Zw thümer abschwören und unter harten Bußübungcn in einem Dominicancrklosicr sein Leben beschließen. Er starb 1696. Vgl. „liocneil des diverses piöces conceriisnt I« tchdöti-me, ou Alolinos, ses sentimens et ses disciples" (Amst. 1688). Moliöne, die Gemahlin des Aktor, des Bruders des Epcierkonigs Augeas, wurde durch ihn, nach Späterer aber durch Poseidon, Mutter des Eurytos und Kteatos, welche nach ihrMoli onidcn heißen. Diesen übertrug Augeas, als Herakles wegen des verweigerten Lohnes gegen ihn zog, die Führung des Kriegs, in welchem Herakles den größten Theil seines Heers verlor. Aber bald vergalt er es den Molioniden. Als sie nämlich;» den isthmischen Spielen zogen, paßte er ihnen in den Klippen bei Kleonä, an den Grenze» von Argalis, auf und erschlug sie. Molitor (Gabriel Jean Jos., Graf), Marschall von Frankreicb, geb. am 7. Mär; 1770 zu Hayange im Moseldepartement, erhielt von seinem Vater, einem alten Mililaü, eine sorgfältige Erziehung und trat in der Revolution als Haupkmann in ein Frciwilligen- bataillon. In dieser Eigenschaft wohnte er dem Feldzüge von >792 in der Nordarmcc bei und ging dann als Gcneraladjutant zur Ardennen-, >799 aber zur Mosclarmec, wo ihn Hoche (s. d.) seiner Tüchtigkeit wegen oft an die Spitze einer Brigade stellte. Nachdem er mit gleicher Auszeichnung in den Armeen am Rhein und au der Donau gekämpft, wurde er 1799 Brigadegeneral und nach der Schweiz gesendet. Massen« detachirle ih>> Molken 659 hier mit einer schwachen Brigade in die kleinen Cantons, die er gegen die östr. und russ. Armee mit erstaunenswerther Kühnheit und selbst mit Ersolg vertheidigte. Im Feldzuge von 1800 befehligte er unter Moreau in der Nheinarmee. Er überschritt bei Stein den Fluß, warf mit wenigen Grenadieren den Feind, zersprengte am folgenden Tage, am 3. Mai, dessen rechten Flügel bci Stockach, wendete sich dann zurück gegen den linken und half die Schlacht bei Möskirch gewinnen. Man vertraute ihm hierauf ein Corps von 500» M., mit dem er unter anhaltenden Gefechten 25000 Östreicher in Tirol aufhielt. Noch vor dem Friedensschluß ertheilte ihm der erste Consul auf Moreau's Empfehlung den Grad eines Divisionsgenerals, später aber den Befehl über die siebente Militairdivision zu Grenoble, wo er glücklich zur Besänftigung der politischen Parteien wirkte. Als der Krieg von 1805 begann, folgte M. dem Marschall Massen» nach Italien und zeichnete sich an der Spitze der Avantgarde bei Vago, besonders aber bei Saldiere aus. Nach dem Frieden von Pres- burg wurde er vom Kaiser als Gencralgouvcrneur nach Dalmatien geschickt. Er erwarb > sich daselbst mancherlei Verdienste um die Organisation des Landes und wußte auch mit Klugheit und Festigkeit gegen die Diplomatie des östr. Cabinets anzukämpfen. Nachdem er mittels einiger zusammcngeraffter Fahrzeuge die Russen von der Küste vertrieben, eilte er mit 1700 M. dem von 13000 Russen und Montenegrinern zu Nagusa eingeschlossenen Lauriston zu Hülfe und nöthigte den Feind durch mehre kaltblütige Angriffe zur Einschiffung. Im I. 1807 erhielt er den Befehl, seine Streickräfte nach den Küsten des Baltischen Meeres gegen die Schweden zu führen. Ergriff den Feind bei Damgarten an, erzwang de» Übergang über die Ncgnitz und verfolgte den König Gustav IV. Adolf von Schweden bis nach Stralsund. Bei der Belagerung dieses Platzes führte er den linken Flügel und trug sehr viel zur Eroberung bei. Napoleon belohnte seine Dienste mit dem Oberbefehl über das Observationshccr, dem Generalgouvernement von Schwedisch - Pommern, dem Erafentitel und einer reichen Dotation. Im Feldzüge von 1800 führte M. eine Division unter Massen« und nach der Schlacht von Eckmühl dctachirte ihn der Kaiser nach Neumarkt, wo er 25000 Östreicher siegreich aufhiclt und die hartbedrängten Baiern freimachte. Am 10. Mai trieb er die Östreicher von der Insel Lobau; in der Schlacht von Eßling aber setzte er sich zu Aspern fest, das er mit seiner geschwächten Division fünf Stunden gegen die furchtbaren Angriffe der östr. Armee vertheidigte. Eine gleiche kalte Beharrlichkeit entfaltete er auch in der Schlacht bei Wagram. Nachdem er 1810 den Befehl in den Hansestädten geführt, ging er 1811 mit seiner Division nach Holland, das er erst gegen Ende des I. 1813 verließ. In dem Feldzuge von 1814 dem Corps Macdonald's zugekheilt, machte er bis zur Abdankung Napolcon's die verzweifeltsten Anstrengungen, unterwarf sich dann aber den Bourbons und wurde als Generalinspecteur eingestellt. Weil er sich jedoch während der Hundert Tage vom Kaiser zur Organisation der Nationalgarden im Elsaß bewegen ließ, verlor er mit der zweiten Restauration seine öffentliche Stellung, bis ihm der Minister Gouvion Saint-Cyr >818 das Amt eines GeneralinspecteurS wieder verlieh. Um den Krieg gegen die span. Cortes populair zu machen, trug der Hof auch ihm in dem Feldzuge von 1823 ein Commando an, das er nur annahm, nachdem ihm Ludwig XVIII. politische Mäßigung gelobt. Er vpcrirtc hierauf an der Spitze des zweiten ArmeecorpS im östlichen Spanien und führte durch die Raschheit seines Verfahrens und die Entschiedenheit seiner Angriffe die schnelle Beendigung des Kriegs herbei. Nach der Rückkehr erhob ihn der König am 0. Oct. 1823 zum Marschall und Pair von Frankreich, welche Würden er auch nach der Revolution von 1830 behielt. Seine Muße wendet er literarischen Beschäftigungen zu, namentlich hat ec gediegene Arbeiten in den „8;>Lctu1e»r iriilituire" geliefert. Molken (8or,»l> lactis) nennt man die Flüssigkeit, welche zurückbleibt, wenn man aus der Milch die fetten und käsigen Bcstandtheilc abscheidet. Dieses kann auf verschiedene Art geschehen, je nachdem man die Milch durch Zusatz von Kälberlabmagcn (s. Magen), mehren Pflanzensäften und mineralischen Säuren und Salzen zersetzt. Daher hat man süße Molken, wo die Zersetzung durch einen nicht säuern Stoff bewirkt oder die dazu gebrauchte Säure durch nachmaligen Zusatz alkalischer Stoffe wieder gebunden wird; saure Molken, welche mit Säure bereitet werde», ohne daß man diese wieder bindet; ferner Alaun-, 42» 660 Moll Möllendorf Tamarinden-, Essig-, Senf- und Kräutermolkcn. Sie enthalten den Zucker und dieSalze, die in der Milch befindlich sind, haben einen süßlichen Geschmack und, wenn die Zersetzung der Milch nicht in der Siedehitze vorgcnommen wurde, auch den Geruch der Milch. Ihr Ansehen ist trübe wegen der seinzcrtheilten Käsetheilchcn, die sich aber durch Kochen mit Eiweiß entfernen lassen. Man gebraucht die Molken hauptsächlich als Arzneimittel, indem sie erweichende, auflöscndc und gelind abführende Kräfte haben, besonders bei Reizznstän- dcn der Athmungsorgane, in der Art, daß man sie theils allein, thcils mit Mineralwasser oder Kräutersäfken und mit andern Arzneien vermischt, genießt; auch setzt man sie Badern zu. Anstalten, Molken im Großen zu bereiten und zu Heilzwecken zu benutzen, findet man vorzüglich in Gegenden, wo gutes Weideland ist, also meist in Gebirgen. Am berühmtesten ist die Molkentrinkanstalt zu Kreuth (s. d.) in Baiern. Wo die Milch selten ist, bereitet man die Molken auch künstlich aus dem Molkenpulver, dessen Hauptbcstandtheil Milchzuckers, d.) ist. Moll (iliulli,?), d. h. weich, bezeichnet in der Musik theils die Tonarten, die von ihren Erundtöncn durch die kleine oder weiche Terz aufwärts steigen und daher Molltonarten genannt werden, theils auch die Dreiklänge mit der kleinen Terz, die man weiche Drci- klängc, zuweilen auch Mollaccorde nennt. (S. Ton und Tonarten.) Molla ist bei den Türken und Persern der Titel des Oberrichters, der in den Städten und ganzen Distrikten die bürgerliche und peinliche Gerichtsbarkeit zu verwalten hak. Der Molla wird zur Hähern Geistlichkeit gerechnet; unter ihm steht der Kadi, über ihm in der Türkei die Kadiasker und in Persien der Sadr oder das Haupt der Mollas. In den Staaten Turkestans liegt den MollaS die ganze Ortsvcrwaltung ob. Mollbret heißt ein landwirthschaftlichcS, einem Schubkarren ähnliches Instrument zu Erdarbcitcn, ;. B. zum Ebenen der Wiesen u. s. w. Je nach ihrer Größe crfodern die Mollbrctcr eine Ansvannung von zwei bis vier Zugthieren. Möllendorf (Nich. Joach. Hcinr. von), preuß.Generalfcldmarschall, gcb. 1725 auf seinem väterlichen Gute Lindcnberg in der Pricgnih, erhielt seine Bildung in dcr Mler- ahadcmic zu Brandenburg und wurde 1740 Page bei Friedrich >>., den er auf dem ersten fehles.Feldzüge begleitete, in welchem er den Schlachten bei Molwitz und Chotusitz beiwohnte. Als Fähnrich im ersten Bataillon Leibgarde machte er die Schlachten bei Hvhenfriedbcrg und Sorr mit, in welcher letzter» er zum ersten Male verwundet wurde. Bald darauf erfolgte wegen seines ausgezeichneten Benehmens bei Vertheidigung eines Provianttrans- portS gegen eine beiwcitcm überlegene Anzahl Feinde, mit Übergehung der dazwischen liegenden Chargen, seine Ernennung zum Haupkmann und Flügeladjutanten des Königs. Zm Siebenjährigen Kriege zeichnete er sich zunächst in den Schlachten bei Roßbach und bciLeu- then aus, in welcher letztem er durch Wegnahme des Dorfs Leuthen wesentlich zur Entscheidung beitrug. Sein Benehmen bei der Belagerung von Breslau belohnte derKönig >758 durch seine Ernennung zum Major und Commandeur des dritten Bataillons der Leibgarde. Sehr tapfer bewies er sich bei dem Überfall von Hochkirch und erhielt nun >760 das Com- mando des Gardcregiments. Mit demselben focht er in der Schlacht bei Liegnitz, nach welcher ihn der König zum Obcrstlieutenant erhob. In der Schlacht bei Torgau am 8. Nov. 17 60 ricth er zu einem Manoeuvre, welches den Sieg entschied; doch wurde er dabei gefangen, aber im Anfänge des1.176 l ausgewechselt und darauf zum Obersten ernannt. Im Z. 1762, kurz nach der Belagerung von Schweidnitz, eroberte er mit seiner Brigade den wichtigen verschanzten Posten bei Burkersdorf und wurde nun Generalmajor. AlsGenerallicn- tenant, seit 1 774, befehligte er im bair. Erbfolgekriege unter dem Prinzen Heinrich in Sachsen und Böhmen ein Corps, mit dem er 1779 mitten im Winter eine glückliche Unternehmung bei Bautzen ausführte. Im I. 1787 wurde er Gouverneur von Berlin, in welcher Stellung er hauptsächlich auf eine mildere Behandlung des gemeinen Soldaten hinwirkte, die damals namentlich unter den Preußen noch ganz vermißt wurde. In den letzten Lebensjahren Friedrichs des Großen war er oft dessen alleiniger Gesellschafter. Unter Friedrich Wilhelm II. wurde M. >787 General der Infanterie und 1796 Fcldmarschall, auch erhielt er eine Domherrnstelle in Havelbcrg. Er war nicht für den Krieg mit Frankreich und fiel deshalb gewissermaßen bei dem Hofe in Ungnade. Dennoch erhielt er >794 Möller Möller 661 den Oberbefehl der prcuß. Heere am Rhein, nachdem ihn der Herzog von Braunschwcig niedergelcgt hatte. Zwar eroberte M. am 2:;. Mai die franz. Verschanzungen bei Kaiserslautern; doch vermochte er für die Länge der republikanischen Übermacht Frankreichs nicht zu widerstehen. Obwol über 86 Jahre alt, folgte M. in dem Kriege von > 806 gegen seine Ansicht dem Rufe seines Königs zu den Waffen. Nach der Schlacht bei Jena gerietst er zu Erfurt in franz. Gefangenschaft; doch wurde er mit großer Achtung behandelt und ihm auf sein Ehrenwort gestattet, nach Berlin zurückzukchrcn. Napoleon ertheilte ihm nachmals noch das Großkrcu; der Ehrenlegion und M. starb erst 1816 zu Havelbcrg. Möller (Georg), Hofbaudirectsr und Oberbaurath in Darmstadt, geb. 1736 zu Diepholz im Hannoverschen, bildete sich theils in Karlsruhe unter Weinbrenncr, thcils in Italien, >867—16, und wurde nach seiner Rückkehr sogleich grsßhcrzoglich Hess. Hofbau- mcistcr. Damals lenkte die romantische Schule -die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Bauten des Mittelalters. M., der denselben ein eifriges und begeistertes Studium gewidmet hatte, wirkte hierbei sehr anregend. Er begann die Herausgabe der „Denkmäler deutscher Kunst" (Bd. 1 —. 6 , Darmsi. 181 5 — 4-7) und ließ >816 das Facsimilc des von ihm in Darmsiadt auf einem Dachboden entdeckten Originalrisscs des Doms in Köln erscheinen. Insbesondere hatte das crstere Werk eine große Wirkung, indem es die erste architektonisch genaue Sammlung dieser Art war. Ziemlich gleichzeitig machte er sich auch als praktischer Baumeister einen Namen; erbaute das Casino (> 817), das Opernhaus (1819), die katholische Kirche (1821) und die neue Kanzlei i» Darmsiadt (> 826), ferner die katholische Kirche in Benshcim (1827), die östliche Domkuppel (1828), das Theater in Mainz (1866)». s.w., und cs gehören diese Bauten zu den besten neuern Bauwerken Deutschlands, namentlich in consiructivcr Hinsicht. M. zeigt sich in ihnen weit entfernt von dem unpraktischen Bestreben, die mittelalterlichen Vauformen wieder anwcnden zu wollen; er huldigt vielmehr dem Princip, daß auch die Gegenwart einen ihr angemessenen neuen Stil zu schaffen berufen sei und zwar mit möglichstem Anschluß an den Charakter und an die Con- sirucrion der einzelnen Bauten; was er aber aus dem Mittelalter bcibchaltcn wissen will, sind die von ihm zuerst wieder entdeckten consiructiven Grundgesetze der damaligen Architektur, deren wesentlichstes Princip er unter dem Namen des Netz- oder Knotensystems an mehren seiner Bauten angcwendct hat. Namentlich gilt M. für die Dachconstruction als der erste unter den lebenden Meistern; so ist ;. B. die aus Eisen und Zink zusammcnge- setzke Domkuppel zu Mainz ein ausgezeichnetes Werk sinnreicher Einfachheit, ebenso die Bedachung des dortigen Theaters, welches auch noch dadurch merkwürdig ist, daß M. hier zuerst das durch die innere Form gegebene Halbrund auch im Äußern hervortrctcn ließ, ein Motiv, welches später vom Professor Semper am Theater in Dresden mit ungleich größerer Pracht durchgeführt wurde. Die katholische Kirche zu Darmstadt, welche wegen ihrer runden Gestalt und ihres Echos vielem Tadel unterlegen hat, erhielt nur deshalb die Notundcnform, weil mit möglichst geringen Mitteln ein sehr großes Gebäude errichtet werden sollte, während M. sonst die Basilikcnform verzieht. Das neueste große Bauwerk M/s ist der zierliche, leider nicht ganz nach dem ursprünglichen Plane ausgcführte herzogliche Palast in Wiesbaden (1837—-16). M. bildet das Haupt einer zahlreichen Schule, aus welcher unter Andern Lerch, Hcsscmcr und Andrä hervorgcgangcn sind. Seine con- structiven Grundsätze sind besonders in den „Beiträgen zur Lehre von den Constructionen" (Heft I—6, Darmst. 1835—33) niedergelcgt. . Möller (Jens), dän. Theolog und Historiker, geb. 1779 zu Kopenhagen, wo er auch seine theologischen Studien machte, wurde, nachdem er einige Jahre Adjunct an der Schule zmSlagclse gewesen, 1868 als außerordentlicher Professor der Theologie nach Kopenhagen zurückgcruscn, wo er > 833 starb. Er hat sich als Schriftsteller, als Sammler und Literator, sowie als Herausgeber von Zeitschriften um'die Theologie und die vaterländische Geschichte in Dänemark große Verdienste erworben. Seine theologische Richtung war ein gemäßigter Supernaturalismus. Als theologischer Schriftsteller wirkte er besonders durch die „Theologisk Bibliothek" und die sich anschließende „Tidsskrift for Kirke og Theologie" (zusammen 33 Ddc-, Kopenh. 1811—33); worin die meisten Aufsätze von ihm selbst herrühren. Von seinen übrigen thcologijchen Schriften sind noch die Abhandlung „0« llclo 662 Molluske» Mollweide Lusedii in rebus cliristiunis ennrrsntlis" (Kopenh. 1813) und seine Übersetzung der poetischen Bücher des Alten Testaments mit Anmerkungen anzuführcn, welche letztere eine» ) Theil der Übersetzung des ganzen Alten Testaments bildet, die er mit dem Bischof I)r. R. Möller hcrausgab. Von seinen historischen Arbeiten find anzuführcn die Sammlung von Aufsätzen, welche er mit Engelstost unter dem Titel „Historist Kalender" (3 Bde., Ko- pcnh. 1814— 17) herauSgab und die Aufsätze in der „Mncmosyne" (-1 Bde., Kopenh. 1830—34), in der er unter Anderm die Geschichte König Christian's VI. nach unbenutzten Briefen desselben und eine interessante -Darstellung des Zustandes von Dänemark unter dem Könige Friedrich VI. lieferte. Auch an der dän. Literaturzeitung, welche er seit I8K1 rcdigirtc, war er ein fleißiger Mitarbeiter. Mollusken oder Wcichthiere bilden eine sehr große, durch ihren Bau von andern deutlich geschiedene Thierclassc. Sie entbehren das innere Skelett ganz, sind daher asymr- irisch und formlos, oder doch, je nachdem sie sich zusammenziehen, von sehr veränderlicher Gestalt. Sie sind häufig von gallertartiger Konsistenz, meist sehr schleimig, mit einer muskel- reichen Hülle (Mantel)'umgeben, ohne deutliche Körpergliederungen, zum Theil ohne eigentlichen Kopf, niemals mit freien Bewegungswerkzeugcn versehen. Daher kriechen sie, wie Schnecken, auf dem Bauche, oder haben flossenartige Anhänge, oder sie sind auch fest angewachsen anFelsen u.s.w., wie die Austern (s.d.). Ein eigentliches Hirn und Rückenmark fehlt allen Mollusken; Augen haben nur diejenigen der höhern Ordnungen; sehr viele sind eigentliche Zwitter. Mit Ausnahme der Schnecken im strengen Sinne sind sie alle Wafferthiere, besonders aber Bewohner des Meeres. Ihre Bewegungen sind langsam und ihre Nahrung ist selten pflanzlich, gewöhnlich animalisch. Manche, wie die Sepien oder Tintenfische (s. Sepien), verhalten sich den schwächern Meeresgeschöpfcn gegenüber wie Raubthiere; die kleinsten sind fast mikroskopisch, die größten, z. B. die Niesenmuschcl, wiegen einige Ccntner. Viele sind eßbar und machen die Hauptnahrung roher Völker aus, oder sind, wie die Austern und Pcrlenmuscheln, ein wichtiger Gegenstand des Handels in « civilisirtcn Ländern. Nach der Gestalt ihrer Bcwegungswerkzeuge thcilt man die mit Kopf versehenen Mollusken in mehre Ordnungen; ebenso zerfällt die zweite Abthcilnng, die Akcphala oder kopflosen Mollusken, in mehre Ordnungen nach Gestalt des Mantels u.s. w. Die Mollusken der ersten Abtheilung sind gemeiniglich mit kalkigen einfachen Gehäusen (Conch ylien), die der zweiten mit zwciklappigen Schalen (Muscheln) versehen. Diese sehr vielartig gestalteten, oft sehr zierlichen und nicht selten sehr glänzend>gefärbten Kalkbedeckungcn entstehen durch Ausschwitzung auf der Oberfläche des Thicres, dem Mantel, sind in derselben Gattung der Hauptsache nach von derselben Form, und schon von den Römern für Sammlungen gesucht worden. Conchyliens ammlungen sind auch gegenwärtig noch sehr beliebt, obgleich der Stand der Wissenschaft sich geändert hat und Berücksichtigung des eigentlichen Weichthieres und seiner Anatomie crfodert. Zumal im 18. Jahrh. wurde mit Conchylien viel Luxus getrieben und ausschweifende Preise für die seltenem bezahlt. Es gibt viele Werke mit Abbildungen derselben; zu den altern gehört Martini's und Chemnitz's „Neues systematisches Conchyiiencabinet" (12 Bde., Nürnb. 1760—05, 4.), zu den neuesten die Werke von Ncevcs, Kiener, Ferussac und Noßmaßler, „Ikonographie der europ.Land- und Süßwassermollusken"(Lpz. 1836 fg., 4., mitKpfrn.). In den frühem Erdperioden scheinen die Mollusken noch weit häufiger gewesen zu sein als gegenwärtig, heim man findet ganze Berge, die der Hauptsache nach aus versteinerten Conchylien und Muscheln bestehen. Mollwerde (Karl Brandau), Mathematiker, wurde am 3. Febr. 1774 zu Wolfcn- büttel geboren, wo sein Vater Unteroffizier in der Artillerie war. Auch er trat in diese ein, da es ihm an Mitteln fehlte, seiner Neigung gemäß sich den Wissenschaften zu widmen, bis der Herzog, der durch Zufall von seinen seltenen Fähigkeiten, namentlich für die mathematischen Wissenschaften, Kenntniß erhalten hatte, ihn in den Stand setzte, die unterbrochenen Studien erst auf der gelehrten Schule in Wolfenbüttcl, dann seit 1706 auf der Universität zu Helmstedt fortzuseßen. Hier wurde er nach dreijährigem Aufenthalte an der > gelehrten Schule und im Jahre darauf, 1800, auf Empfehlung des Herzogs, Lehrer der Mathematik und Physik am Pädagogium zu Halle. Letztere Stelle bekleidete er bis 1811, MollwiH Moltke 663 wo er dem Rufe als außerordentlicher Professor der Mathematik undObservator der Sternwarte nach Leipzig folgte. Als ordentlicher Professor der Mathematik starb er daselbst am >6. Marz >825. M. war ebenso gelehrt und gründlich, als bescheiden und anspruchlos. Ohne gerade neue Entdeckungen in seiner Wissenschaft zu machen, hat er sich als Lehrer wie als Schriftsteller unbestreitbare große Verdienste erworben. Von seinen Schriften sind hauptsächlich folgende zu nennen: „Prüfung der Farbenlehre Eoethe's" (Halle 181 »), „Darstellung der optischen Jrrthümcr in Gocthc's Farbenlehre" (Halle 1811) und „De ^nuilrutis maj-icis" (Lpj. 1816). Außerdem hat er den viertenTheil vonFlügel's „Mathematischem Wörterbuch" bearbeitet (Lpz. >823) und zahlreiche gelehrte Abhandlungen in Zach's „Monatliche Corrcspondenz" und Gilbert's „Annalen der Physik" geliefert. Mollwitz, ein Dorf im Regierungsbezirk BreSlau der preuß. Provinz Schlesien, ist durch die Schlacht im ersten schlcs. Kriege am I». Apr. 1741 denkwürdig, in welcher die Preußen die Östrcichcr unter Neipperg schlugen. Molo heißt der die Mündungen oder den Einfluß eines Hafens abschließende, aus großen Steinen errichtete Damm, der unter Umständen, wie z. B. in der Havana, auch noch durch Ketten verschlossen werden kann. Der Molo oder die Mole hindert den durch die Küsienströmung mitgeführten Sand, die AuSmündung zu verschlammen und sichert die Schiffe vor Wellenschlag und feindlichen Angriffen. Moloch oder Mole eh, d.i. König, heißt ein im Alten Testament mehrfach erwähntes Götzenbild morgcnländ. Völker, unter welchem man den, wie cs scheint,' für unheilbringend geltenden Planeten Saturn verehrte und dem man Menschenopfer darbrachtc. Es bestand aus dem metallenen Bildniß eines Menschen mit einem Ochsenkopfe. Nachdem dasselbe mittels eines starken Feuers, das in einer unten befindlichen Öffnung unterhalten wurde, glühend gemacht worden, legte man die zum Opfer bestimmte» Kinder in die ausgestreckten Arme des Götzen, wobei die Priester mit geräuschvollenTonwerkzcugcn das Angstgcschrci derselben übcrtäubtcn. Moltke, eine berühmte dän. Familie, die eine Menge Staatsmänner und andere ausgezeichnete und verdiente Glieder aufzuwciscn hat. Sie ist seit dem 13. Jahrh. in Schweden,Dänemark undMecklcnburg ansäßig und thcilt sich in die ältere und jüngere Linie. Jene, gestiftet von Friedrich Grasen von M., wurde 174V in den deutschen NcichSgrasenstand erhoben; diese, gestiftet von Adam Gottlob Grafen von M-, gcb. 17 VV, gest. 1792, dem vertrauten MinistcrKönig Friedrich'sV. von Dänemark undKlopstock's Freund, erhielt 175» den Grafentitcl. — Von den übrigen Gliedern erwähnen wir hauptsächlich Joachim Godske Grafen von M., der sich nicht nur als einen ausgezeichneten Staatsmann, sondern auch als Beschützer der Wissenschaften bewährte. Anfangs in Mili- tairdiensten, nahm er nachher seine Entlassung und studirte die Rechte. In Leipzig war er - während seiner Studien Gellert'S Hausgenosse und Ernesti's Liebling. Allmalig stieg er durch die niedren Stufen des Staatsdienstes 1775 zum Geh. Staatsminister auf, zog sich aber 1784 aufseine Güter zurück, wo er ganz der Landwirthschaft lebte. Erst 1813 kehrte er in den Staatsdienst zurück, in einer Zeit, die schlimmer für Dänemark war als je eine vorhergehende. Er wußte den Credit des Staats und des Papiergeldes wiederherzustcllen, that sehr viel zur Unterstützung armer Gelehrter und der Wissenschaften, wie er denn auch zur Zeit seines ersten Ministeriums für die königliche Bibliothek viel gcthan hatte. Er opferte einen großen Theil, selbst seines Privatvermögcns, zur Unterstützung der Staats- dicncr, die bei der Verschlechterung des Geldwesens einer schnellem Hülfe bedurften, als der Staat ihnen gewähren konnte. Sein Tod erfolgte am 5.Öct. 1818. Allein für Wissenschaften und Schulen hatte er 3VVV00 Reichsbankthalcr an Legaten ausgesetzt. — Der Sohn des Letzter», Adam Will). Grafvon M., gcb. 1785, ist gegenwärtig dän. Geh. Staats- und Finanzministcr und Präsident der Rcntcnkammer. — Adam Gottfr. Detlev Grafvon M., gcb. 1765, gcss. 184», nahm als Besitzer eines adeligen Gutes in Holstein den lebhaftesten Antheil an den Schritten, welche die schlesw.-holstein. Ritterschaft unter Dahlmann's Leitung l 815—23 für Erlangung einer Verfassung that, und trat auch in dieser Beziehung als Schriftsteller auf. — Der jüngere Bruder des Vorigen, Magnus Gras von M., geb. am20. Aug. 1783, dän. Obergcrichtsrath in Schleswig, 664 Molukken Mottners besuchte daS Gymnasium zu Gotha und studirte in Kiel und Köttingen. Bereits I8IZ wurde er Rath beim schlesw. Obergericht. Auf seine staatswissenschaftlichen Studien war Hallcr's Nestauration der Staatswissenschaftcn nicht ohne Einfluß. Seine damalige Geistes- richtuug zeigt sich besonders in scincr Schrift „Über den Adel und dessen Verhältnis zmi, Bnrgerstandest (Hamb. I83il), welche die treffliche von Heine herausgegcbene Gegenschrift Kahldors's „Über den Adel an den Grasen Magnus von M." (Hamb. 1881) veranlaßt!. Eine Reise durch Italien, die Schwei; und mehre deutsche constitutionclle Staaten, die er >831 machte', gab ihm eine immer entschiedenere Richtung zum Liberalismus. Damals ließ er neben seiner Reise durch das obere und mittlere Italien (Hamb. 1833) auch die Schrift „Über das Wahlgesetz- und die Kammer mit Rücksicht auf Schleswig undHolstein" (Hamb. 1834) erscheinen. Im Sommer 183-1 als Deputirtcr der Stadt Schleswig in die Versammlung der Provinzialstände gesendet, wurde er von derselben zum Präsidenten gewählt. Wie bei dieser ersten, so brachte er auch als Mitglied der zweiten Versammlung der Provinzialstände eine Menge der wichtigsten Gegenstände zur Sprache. Molukken, s. 'E ew ü r z insel n. Molybdän, s. Masserbler. Molyn (Peter), s. Tcmpesta. Moment ist im Allgemeinen mit Augenblick oder Zeitpunkt gleichbedeutend, sofern von Etwas die Rede ist, das sich geschichtlich darstcllt; daher momentan soviel als vorübergehend. In der bildenden Kunst versteht man nnterMoment denAugenblick der Handlung oder Begebenheit, welchen diejenigen Künste hervorhcbcn müssen, die nur Das, was gleichzeitig geschieht, darstellen, das Vorher und Nachher aber, oder die Ursachen und Wirkungen, nur andcutcn können. Von dem Moment in der bildenden Kunst wird daher er- fodert, daß er der bedeutendste und für die Anschauung angemessenste Punkt der Handlung sei. Andere Anfodcrungcn als die Plastik macht dabei die Malerei an den Moment; jene fodert einen durch Licht und Farbe ausgezeichneten, diese einen mehr in der Form und Gestaltung bedeutenden Moment. In der Mechanik unterscheidet man hauptsächlich daS statische Moment und das Moment der Trägheit. Das statische Moment einer Kraft ist das Product derselben in de» senkrechten Abstand ihrer Richtung von einem Punkte oder einer geraden Linie oder einer Ebene. Das Moment der Trägheit eines Körpers oder körperlichen Punktes in Beziehung auf einen Punkt oder eine gerade Linie nennt man das Product der Masse dieses Körpers in daS Quadrat seiner Entfernung von dem gegebenen Punkte oder der gegebenen Linie. Verwandt damit ist die tropische Bedeutung des Wortes, nach der es Das bedeutet, was für die Überlegung einen Grund der Entscheidung nach dieser oder jener Seite hin darbictct. In einem besonders prägnanten Sinne gebraucht Hegel dieses Wort, indem er Momente die einzelnen Begriffsbestimmungen nennt, welche der dialektische Proceß durchläuft. Jeder Begriff ist Moment, aber auch nur Moment, d. h. eine Gedankcnbestimmung, die aus den frühcrn hervorgeht, aber auch in die nachfolgende» übergeht, daher an sich keine selbständige Bedeutung hat. Momiers, d. h. Mummerei Treibende, .Heuchler, ist ursprünglich der Name einer Methodistenpartci in der Schweiz, welche von der großen Contiuentalgescllschaft zu Edm- burg begünstigt und gepflegt, seit 1817 entschiedener hervortrat. Das Wesen derselben hatte sich schon seit 1813 in Genf kundgegcben, wo ein junger Geistlicher, Empaytaz, ange- steckt von der Schwärmerei der Frau von Krüdcn cr(s. d.), diesem trüben Geiste huldigte. Von den Methodisten Drumond und Haldanc unterstützt, klagte er in einer Schrift die genfer Geistlichkeit an, daß sie die Gottheit Christi leugne und überhaupt nicht rein calvi- nisch denke, lim die dadurch erregten Streitigkeiten-u dämpfen, stellte die Geistlichkeit am 3. Mai 1817 ein Reglement auf, nach welchem jeder Ordinand und Geistliche verpflichtet wurde, die von den Gegnern gerügten Theorien in öffentlichen Vorträgen nicht vorzubringcn und so viel möglich nur in Ausdrücken der Schrift über die streitigen Dogmen zu reden. Dies schärfte den Gegensatz und gab dem Streite neuen Stoff. Die Prediger Empaycaz, Malan, Eauffen, Bost und Galland bezüchtigtcn die genfer Geistlichkeit des Abfalles von der evangelischen Wahrheit und begannen eigene Versammlungen zu halten. Jndcß gestattete ihnen die Regierung die Bildung besonderer Gemeinden, und so gelangten Mömpelgard ' Monadologie 665 sie nach mancherlei Anfeindungen des gegen sie erbitterten Volks bald zu einer ruhiger» e Existenz. Nicht so glücklich waren sie anfangs im Waadtlande. Hier wurden sie >818 mit dem Spottnamen Momicrs belegt und vom Volke sogar thätlich gemishandelt. Die Negierung, welche entschieden gegen das Convcntikelwesen war, vertrieb die Emissaics und erließ endlich unter dem 2». Mai 182-1 ein strenges Gesetz gegen die Momicrs, in Folge dessen die Pfarrer Scbelcr, Olivier, Chavannes, Professor Molard und Andere des Landes verwiesen wurden. Da aber diese Strenge die Momicrs mit dem Glanze des Märtyrer- "thums umgab, so wurde man allmälig milder und hob nach der Julircvolution das Gesetz ganz auf. Auch in andern Cantonen wirkten methodistische Missionare, selbst in Bern, wo der würtembcrgcr Möhrli und der weimarische Arzt Valenli thätig waren, doch trat hier die Negierung gleich anfangs entschieden auf und wußte den verketzerten Geistlichen die Achtung zu wahren. Ebensowenig gelang cs den Momicrs >834 eine theologische Lehranstalt zu gründen oder durch ihr Organ, die „Oa-ette «rnnAeliczue", nachhaltig zu wirken. — Im weitern Sinne wird der Name Momicrs allen frommen Heuchlern bcigclegt. > Mömpelgard, s. Mo ntbeillard. Mömns, der Gott des Sportes und des Tadels, nach Hesiod ein Sohn der Nacht, kommt erst öfter in der später» Zeit vor. Vci Lucian ist er der liberale unter den aristokratischen Göttern, der Alles verspottet, was nur historischen und keinen natürlichen Werth hat. ! ' Als Minerva ein Haus gebaut, Neptun einen Ochsen erschaffen und Vulcan einen Menschen gebildet hatte, tadelte er an dem ersten, man könne es bei den Belästigungen durch eine» bösen Nachbar nicht hcrumdrehcn, bei dem zweiten, er habe die Hörner nicht auf der Brust, wo er besser würde stoßen können, bei dem dritten, er habe keinFcnster, durch das man sehen könne, was er im Herzen trüge. In der Kunst wird er als entkräfteter Greis dargestellt. Monaco, ein kleines ital. Fürstenthum, liegt von der sardin. Grafschaft Nizza umgeben, an der franz. Grenze und am Mittelländischen Meere. Es hat ein Areal von 2'/r OM. k und zählt gegen 7 4 0v E. Die Haupterzeugnisse des Ländchcns sind Öl, das jährlich im Betrage von mehr als 30000 Thlr. ausgeführt wird, und Citroncn. Der Hauptort M o - n a co ist befestigt und hat gegen 1200 E., ein Schloß und einen Hafen. Im Besitze dieses Ländchcns war seit den Zeiten Kaiser Otto's II. die Familie Grimaldi (s. d.). Jm J. 1450 kam es unter span-, im Frieden zu Pcronne von 1641 unter franz. Oberhoheit. Als dcs- ^ halb der König von Spanien die mailänd. und neapolitan. Lchngüter des Hauses Grimaldi cinzog, entschädigte Ludwig XIV. von Frankreich dasselbe dafür durch Verleihung des neu- crrichtetcn Herzogthums Valcntinois nebst der Pairswürde. Beim Erlöschen des Hauses Grimaldi im Mannsstamme im I. 1731 erbte das Fürstenthum Jaccsi Franc. Leonard de Goyon-Matignon, der sich >715 mit der Tochter und Erbin des letzten Grimaldi vermählt, dabei das Hcrzogthum Valcntinois nebst der Pairswürde erhalten und den Namen Grimaldi angenommen hatte. Unter dem Enkel desselben, Honorat ns I V., wurde das Für- stcnthum M. am >4. Fcbr. >703 mit der Republik Frankreich vereinigt. Im Frieden zu Paris von >814 wurde cs, unter den früher» Verhältnissen zu Frankreich, an Honoratus IV. zurückgcgebcn, ini pariser Frieden von >815 aber das Schutzvcrhältniß aus Sardinien übertragen. Letzteres erkannte durch die Declaration vom 8. Nov. 1817 die Souvcrainctät des Fürstenlhums an, behielt sich aber das Neckt der militairischen Besetzung und der Ernennung des Plaßcommandanten in der Stadt Monaco vor. Der Fürst Hono r atus V., , der 181 !> seinem Vater Honoratus IV. in der Regierung folgte und am 2. Oct. > 8 1 l starb, t ist der Verfasser der 1830 in Paris erschienenen Schrift „Über den Pauperismus in Frank- ^ reich und die Mittel gegen denselben". Der gegenwärtige Regent ist Florcstan Roger Louis de Grimaldi, Fürst v. M., gcb. 17 85, ein Bruder Honoratus' V. Sein Sohn, Eharl. Honore deGrimaldi, gcb. 1818, führe den Titel -Herzog von Valcntinois. Monadologie nennt man diejenige svcculative Naturansicht, welche die letzten Gründe der Erscheinungen in einfachen, »»körperlichen Wesen (M onadcn) sucht. Die Monadologie hat mit dem Atomismus Das gemein, daß sic eine Vielheit des Realen an- 1 nimmt; die Monaden unterscheide» sich aber von den Atomen (s.d.) dadurch, daß die letzter» schon als körperlich ausgedehnt und als gegenseitig undurchdringlich aufgefaßt wcr- > den, daher der Atomismus nur zu einer mechanischen Naturcrklärung führt, während die 660 Monaldeschi Monarchie Monadologie einen dynamischen Charakter hat. Die beiden wichtigsten Vertreter derMona- dologie sind Leibnitz (s. d.) nnd H c r b a r t (s. d.). Monas heißt übrigens Einheit und kommt schon in der pythagoreischen Philosophie zur Bezeichnung des Urprincips derZahlm und der Dinge vor. Monaldeschi (Giovanni, Margucsc), aus einer ital. Adclsfamilie von Ascoli htt- staiittncnd, ging, um sein Glück zu machen, nach Schweden nnd wurde 1652 durch die Protection des Grafen de la Gardic Stallmeister der Königin Christine. Im nächsten Jahre erhielt er Sendungen nach Polen und an mehre kleinere ital. Höfe. Nach der Abdankung der Königin Christine, deren erklärter Günstling er inzwischen geworden war und die ihn zu ihrem Obcrstallmcistcr ernannt hatte, begleitete er dieselbe auf ihren Reist» und nach Paris. Hier wurde er auf ihren Befehl in der Hirschgalerie im Schlosse z» Fontainebleau am >0. Nov. l657 hingcrichtct. (S. Christine.) Die Ursache dieses Mordes, wie man die Hinrichtung trotz des angeblichen förmlichen Gerichts, welches die Königin hielt, nennen muß, ist nicht ganz aufgeklärt; das Wahrscheinlichste ist, daß die Entdeckung einer flagranten Untreue ihr die Veranlassung seiner Hinrichtung gab, die sie durch dasVorgcben von Hochverrat!) auf M.'s Seite zu beschönigen suchte. Nach der Hinrichtung, bei der die Königin sich ebenso grausam als starrsinnig und herzlos gezeigt hatte, ließ sie Messen für den Hingerichteten Geliebten lesen. Monarchie bezeichnet dem Wortlaute nach die Herrschaft, oder doch Leitung eincS Einzigen. Daß ein Einzelner an der Spitze steht, ist die älteste und verbreitetste Form dri Staaten, aus der Familie entstanden, durch den Krieg gefördert, aber auch später durch entschiedene Zwcckmäßigkeitsgründe empfohlen. Das neueste Beispiel der Schädlichkeit einer Einrichtung, wo Mehre auf der obersten Stelle stehen, hat das franz. Direktorium geliefert. Aber der ganze Umstand ist keineswegs das charakteristische Moment derjenige» Negierungsform, die wir eigentlich unter jener Benennung meinen. Denn es hat auch i» Staaten, die man allseitig als monarchisch anerkannte, Mitregenten, Doppelregiernngen gegeben und an der Spitze der Nordamerika!!. Union, die Niemand eine Monarchie nennt, steht ein Einzelner. Das charakteristische Moment, um das cs sich hier handelt, ist die Erblichkeit der obersten Würde, und bei dem Ausdruck Monarchie denkt man jetzt übereil an bas Erbkönigthum. Auch dies ist eine uralte, vielleicht die älteste und diejenige Ncgie- rungsform, unter welcher noch immer die Mehrzahl der Menschen steht. Sie mag gleichfalls ihren Ursprung aus der Familie genommen haben, ist alsdann durch das natürlich! Streben der Menschen, ihre Vortheile auch ihren Erben zu überliefern, ein Streben, für dessen Befriedigung der Besitz der Macht sehr förderlich war, unterstützt worden und hü sich in Geschichte, Volksthum und Nechtsstand vieler Nationen tief eingewurzelt. Es treten aber auch wichtige politische Vortbeile dieses Instituts besonders im Gegensätze zu dem Wahlstaate zurScite, sobald man im Übrigen gleiche Verhältnisse, namentlich gleichen Umfang des Gebiets, gleiche Entwickelung der Staatsgewalt in Macht und Befugnissen, hauptsächlich gleiche Dichtigkeit der Bevölkerung annimmt. Abgesehen von den Übelständcn, dik in dem Wahlakte selbst liegen, und abgesehen von den bei zunehmender Wichtigkeit der Staatsgewalt stärker hervorkrctendcn Umtrieben des Ehrgeizes, der zu dieser Gewalt streben, sich in ihr behaupten, sic befreundeten Nachfolgern überliefern will, gegen das Alles die Erblichkeit gewissermaßen als Ablcitcr dient, so ist auch in vorgerückten Staatsverhält- nissen das Erwähltsein schon an sich ein Übclstand, weil cs leicht abhängig macht von den Wählern, falsche Gesichtspunkte hcreinzieht, Neid und MiSgunst erregt, den Gehorsam weniger willig, die nöthigc Ehrfurcht vor Autorität weniger natürlich macht, durch die Verflechtung mit den Privatverhältnissen, aus denen man emporgestiegen und in die man wieder zurücktrctcn soll, schadet; auch macht die Zcitwahl gleichgültiger gegen die Zukunft des Staats und befördert vielmehr das Streben, der kurzen Zeit des Wirkens diese Zukunft zu opfern, das Gegemheil von dem Verfahren des Vorgängers zu thun und dem Nachfolger möglichst wenig zu thun zu lassen, wol gar ihm Verlegenheiten zu bereiten; sie gefährdet die ruhige Cvntinuität der Entwickelung, und bei der Wahl begangene Misgriffc sind weit gefährlicher, als die sogenannten Zufälligkeiten der Geburt, weil in Wahlrcichen well mehr auf ausgezeichnete Persönlichkeiten gerechnet wir-d, der zum Regenten erhobene Pn- Monas Monat 667 vatmann weit mehr mit dem Staatswohle collidirende Interessen hat und sich weit schwerer bcschcidct, nicht mehr zu thun, als wozu er befähigt und wozu er durch die Verfassung bestimmt ist. Je bedeutungsvoller die Aufgaben des Staats, je mehr alle einzelnen Functionen, in Folge der zunehmenden Dichtigkeit und Eultur, verwickelter und wichtiger werden, desto nochwendiger wird es, Negierung und Verwaltung zu trennen und einen solchen Organismus des Staats zu gewinnen, wo der Träger der obersten Würde, je nach seiner Befähigung, mehr oder weniger cingreifen kann, auch bei gänzlicher Unthätigkcit schon durch das blose Bcsetzthalten des obersten Platzes nützlich wird, in seinen ganzen Verhältnissen aber den Antrieb findet, als ein weise überwachendes, mäßigendes, vermittelndes und erhaltendes Princip zu wirke». Und je höher man die Würde des Volks und den Beruf des Staats hält, desto höher wird der Gedanke, cs gebe gar keinen Menschen, der durch sein eigenes Verdienst berufen wäre, ein Volk zu regieren, einen Staat zu lenken, sondern die oberste Würde müsse ein von allem Einstuß menschlicherWillkür ausgeschlossenes, durch die Gnade Gottes verliehenes Gut sein. Nimmt man das Negieren übrigens im Sinne eines Alles bestimmenden, leitenden Eingreifens der absoluten Staatssecle, so gibt cs gar keinen Beste» zum Negieren und keine Wahl kann ihn finden; das Erwähltsein schwächt an sich die Befähigung; der Beste zum Negieren ist der Organismus, durch welchen aller Geist und alle Tugend, die da im Volke ist, zur rechten Wirksamkeit in mannichfaltigen Bahnen, ans vielartige Weise gesammelt und verbunden und, unter umsichtiger Benutzung des Einflusses der Verhältnisse auf die Gesichtspunkte und Nichtungen, den so unendlich mannichfaltigen-Aufgabcn zugcwendct wird. Dieser Organismus kann aber in-den gegenwärtigen zusammengesetzten Verhältnissen kein einfacher-sein und kann es immer weniger, je dichter die Bevölkerung wird, je höher die Entwickelung steigt, je mehr die Interessen sich verflechten und vervielfachen. An seine Spitze gehört die Erblichkeit der obersten Würde, ein Damm gegen die Strebungen des Ehrgeizes, die Geschicke des Staats mit einem, den Verflechtungen der gewöhnlichen Interessen entrückten Geschlechtc verbindend, das Prin- cip der dauernden Bestimmung des Staats verbürgend, inniger, als irgend ein anderes Institut cs könnte, das Interesse des Regenten an alle Zukunft des Staats knüpfend, cnt- gegcnstehende Versuchungen abwehrcnd und die für die besondere Aufgabe der p-nestu»! regia et ni-ockerutrix geeignetste Stellung bereitend. Auch kann es nur wohlchätig wirken, wenn in dem Volke die Überzeugung erhalten wird, daß die Quelle der öffentlichen Autoritäten etwas Höheres sei, als die Laune des Tages, wenn die Wurzeln der obersten Staatswürde in die Vergangenheit hinüberreicken, ihre Geschichte mit den alten Erinnerungen des Volks, ihre Entstehung mit den dunkeln Anfängen des Staats zusammenfällt. Dieselben Gründe aber, die für die Erblichkeit der oberstcnMürde sprechen» sprechen auch dafür, daß der Staat so organisirt sei, daß auch dcrMonarch nur das Gute, nicht aber das Schlechte durchsetzen könne, daß auch unter ihm der Staat ein freies Gemeinwesen, eine Republik sei, daß das Umschlagen zur Despotie (s. d.) verhütet werde und daß der mit manchen Auslegungen des sogenannten monarchischen PrincipS verbundene Wahn nicht aufkommc, als liege es in dessen Wesen, daß der Monarch unumschränkt, oder daß jedes aristokratische und demokratische Element im Staate verdrängt sei. MoNüS, s. Monadologie. Monat heißt im Allgemeinen die Umlaufszeit des Mondes (s. d.) um die Erde. Da der Umlauf des Mondes aus mehren Gesichtspunkten betrachtet werden kann, so unterscheidet man auch mehre Arten Monate. Betrachtet man nämlich die Zeit, binnen welcher der Mond wieder vor demselben Fixsterne erscheint, so ist dies sein siderischcr Umlauf, und die Periode desselben wird der sid erische M onat genannt. Die Umlaufszeit des Mondes aber vom FrühlingSpunktc (s. Frühlings» acht gleiche) an gerechnet bis wieder zu dem nämlichen Punkte, gibt den tropischen oder periodischen Monat, der wegen des Vorrückcns der Nachtglcichen kürzer als der siderischc ist. Die Zeit, binnen welcher der Mondwechsel erfolgt, d. h. von einem Neumonde bis zum andern, heißt dersyno- dijcheMonat* welcher wegen des Vorrückens der Erde in ihrer Bahn der längste sein muß, der Umlauf von dem aufstcigcndcn Knoten bis wieder zu demselben der Drachen - oder Knotenmvnat, und endlich der Umlauf von der Erdnahe bis wieder dahin der Moncada Monatliches ano malistische Monat. Kein einziger dieser verschiedenen Monate bleibt sich gleich sondern jeder dauert bald langer, bald kürzer- Dic-Länge eines jede» laßt sich daher nur in einer Mittlern Zeitdauer oder im Durchschnitt aus allen wirklich verkommenden Längen angcbcn. Die Astronomen bestimmen auf diese Weise den sibirischen Monat auf 27 Tage 7 St. 33 den tropischen — — 27 — 7 — -13 den synodischen — — 29 — 12 — 33 den Drachcnmonat — — 27 - 5 — 5 den anomalistischen — — 27 — 13 — 21 — 29 — — 9 — Da zwölfMondwechsel fast ein Sonnenjahr ausmachen, so nennt man auch wol den zwölf- ten Theil eines solchen (—30 Tage 10 St. 29 Min. 9 Sec.) einen Sonncnmonac. Endlich bedienen sich einige morgcnländ. Völker, aus Unbckanntschaft mit der wahre» Dauer des synodischen Monats, noch des sogenannten Erl euch tun gsin on ats, welche» sie von dem ersten Wicdersichtbarwerden des Mondes nach dem Neumonde bis wieder dahin rechnen. Von den bisher erklärten astronomischen Monaten sind die bürgerlichen zu unterscheiden, die zur Unterabtheilung des Jahres dienen und eine gewisse, aber nicht immer gleiche Anzahl von vollen Tagen (meist 30 und 3 l) enthalten. Da nämlich nach dem Wechsel von Tag und Nacht der Mondwechsel die auffallendste Himmelscrschcinung iß und die regelmäßige Wiederkehr desselben sich sehr bald bemerklich machte, so gab er scheu in den ältesten Zeiten eine leichte und natürliche Zeitbestimmung ab. Die yoch jetzt üblichen Namen der bürgerlichen Monate stammen aus den ältesten Zeiten. Abgesehen von dem April (s. d.), haben Januar (s. d.), Februar (s. d.), März, Mai und Juni ihre Namen von Janus, Februus, Mars, Maja und Juno erhalten, denen zu dieser Zeit von den Römern geopfert wurde. September, Oktober, November und Dcccmbcr aber sind »ach de» Stellen des Jahres benannt, welche sic bei den ältesten Römern cinnahmcn, die das Jahr mit dem März ansingcn, sodaß die genannten Monate der siebente, achte, nennte und zehnte Monat waren. Deshalb hießen auch früher bei ihnen die Monate Juli und August Hilinctilis und 8extilis, d. h. der fünfte und sechste. Erst durch einen Scnats- beschluß wurde der Huiuctilis dem Julius Cäsar zu Ehren Julius, der 8oxtiliz zu Ehren des Octavian Augustus genannt. Überhaupt war es unter den ersten röm. Kaisern Titlc, ihre Namen durch den Kalender zu verewigen. So erhielt nach einem Senatsbcschluß dcr April den Namen des Nero, der Mai den des Claudius; bei Todesstrafe gebot Domitian, den Octobcr künftig Domitianus zu nennen; der August bekam den Namen Coinmodus u. s. w.; doch sind alle diese Kaiscrnamcn mit einziger Ausnahme des August sehr bald aus dem K alender (s. d.) verschwunden. Karl der Große schlug sehr angemessene deutsch! Namen vor, und die Franzosen wollten während der Republik ein Ähnliches in ihrer Sprache thun (s. Kalender); allein alle Bemühungen blieben vergebens, die durch so längen Gebrauch geheiligten Benennungen zu ändern. Monatliches, s. Menstruation. Moncäda (Don Francisco de), Condc de Osona, ein klassischer Geschichtschreiber der Spanier, stammte aus einem der angesehensten Häuser Catalonicns, dessen Zweige in Frankreich die Viccgrafc» von Bear», in Sicilien die Herzoge von Montalto waren. Kr wurde am 29. Dcc. 1580 zu Valencia geboren, wo sein väterlicher Großvater als Vicc- könig residirte. Schnell schwang er sich zu den ersten Stellen im Staate empor; so war« Staats-und Kriegsrath, Gesandter am Hofe zu Wien, Obcrsihofmcistcr der Infantin Clara Eugenia, Gouverneur in den Niederlanden und Oberbefehlshaber der dortigen span. Truppen bis zuin J. 1033, wo er sich als Politiker und Militair großen Ruhm erwarb. Aber inmitten seiner ruhmwürdigcn Laufbahn erreichte ihn der Tod; er fiel bei der Belagerung von Eock, einer Festung im Herzogthum Kleve, im I. 1635. Auch M. besaß, wie so viele Staatsmänner seiner Zeit, gelehrte Bildung, und wußte ebenso gut die Feder wie den Degen zu führen. Auch er wollte den Ruhm seiner Nation nicht nur durch seine Tha- tcn, sondern auch durch seine Schriften vermehren. Seine „kkistorin cle In exz>ec!on >Ie Ott.llones V ^rngonesvs eontrs 1'urcos 6riegns" (Barcelona >023, -1.; neu aufgelegt Madr. 1777 und 1805; auch in Ochoa's,,'sesoro cle lustoriuclores Par. 18-10, und Moncey Mönchslatein 669 in Jaime Tio's ,,1'e5orn <1e lar antnres ilnstres", Barcel. 181 l) hat durch Lebendigkeit der Darstellung und Musterhaftigkeit des Stils klassisches Ansehen. Auch hatte er sich, wie Mendoza (s. d.), nach Sallust und Tacitus gebildet; aber seine Sprache ist viel natürlicher, einfacher und freier von falschem Pathos. Außerdem schrieb er noch eine „Villa 751 zuBesancon geboren,wo sein VaterParlaments- advocat war. Für die juristische Laufbahn bestimmt, trat er doch im Alter von > 5 Jahren aus Neigung für den Soldatcnstand heimlich in das Infanterieregiment Conti. Seine Familie kaufte ihn-zwar nach sechs Monaten los; allein sehr bald nahm er wieder im Regiment Champagne Dienste. Im I. 17 76 kehrte er nochmals nach Bcsaiftvn zurück und begann das Studium dc.r Rechte, doch schon am 22. Apr. 1771 ließ er sich abermals unter die Gendarmen der Garde aufnehmen. Als Lieutenant kam er 1778 in die Legion der freiwilligen Dragoner von Nassau-Siegen. Erst durch die Revolution cröffnete sich ihm eine Laufbahn; zunächst erhielt er >763 den Befehl über das unter dem Namen der cantabrischcn Jäger bekannte leichte Jnfantericbataillon. Sein ausgezeichnetes Betragen in der Armee der Pyrenäen verschaffte ihm 1791 den Grad eines Brigadegenerals; einige Monate nachher stieg er zum Divisionsgeneral. Nach einer Reihe siegreicher Gefechte erhielt er vom Convent am 17. Aug. 1793 in den Pyrenäen den Oberbefehl. Er schlug die Spanier bei Villanova, Villarcal und Bilbao, unterwarf sich das ganze Biscaya und schloß endlich den Waffenstillstand von Sau-Sebastian, welchem der Friede zu Basel folgte. Im Sept. 1796 erhielt er das Commando der elften und später vom ersten Consul, den er in der Revolution vom I8.Brumaire unterstützte, das der l b.Militairdivision, Im Feldzuge von 1800 führte er ein Corps von 20000 M. über die Alpen, an dessen Spitze er sich bei Marengo und bei vielen andern Gelegenheiten auszeichnete. Nach dem Frieden zu Lune- ville übernahm er das Comniando in den Departements Oglio und Adda, und am i. Dcc. 1801 wurde er zum Jnspccteur der Nationalgcndarmeric ernannt, in welcher Eigenschaft er Bonaparte in Beziehung auf das Policeiwescn die wichtigsten Dienste leistete. Bei der Errichtung des Kaiserthrons erhielt er den Marschallsstab und bald darauf die Würde eines Herzogs von Cone'gliano. Im I. > 808 befehligte er ein BeobachtungScorps an der Küste des Oceans, das er dann nach Spanien führte, wo er die Insurgenten in der Provinz Valencia schlug. Unter Murat übernahm er am 31. Juli den Befehl über den linken Flügel und bethciligtc sich hierauf bei den Gefechten am Ebro und unter den Mauern von Saragossa. Weil er der Kriegspolitik des Kaisers entgcgentrat, so übertrug ihm derselbe in den Feldzügen von >812 und >813 nur die Inspektion über die Ncservccadres. Erst am 8. Jan. >811 wurde er zum Generalmajoound zweiten Befehlshaber der pariser Nationalgarde ernannt. Als solcher benahm er sich fest und tapfer am 31. Mai in der Schlacht vor Paris. Nach der Abdankung des Kaisers wendete er sich den Bourbons zu, die ihm die Pairswürde verliehen. Weil er dieselbe während der Hundert Tage behalten, sich auch weigerte, an der Verurkheilung Ney's Thcil zu nehmen, verlor er seine Rechte und Ämter mit der zweiten Restauration und wurde 1815 mehre Monate auf Schloß Ham gefangen gehalten. Doch >819 gab ihm der König die Pairswürde zurück und ernannte ihn am 3. Apr. 1820 zum Commandantcn der neunten Milikairdivision. Im span. Feldzuge von 1823 bediente man sich seines populairen Namens und gab ihm den Befehl über das vierte Armeecorps. Er nahm Puyccrda, Rosas und Figueras; am 2. Nov. aber schloß er mit Mina(s. d.) eine Kapitulation, der zufolge ihm Barcelona, Tarragona und Hostalric ausgeliefert wurden. Nach seiner Rückkehr aus Spanien zeigte er sich bis zur Julircvolution in der Pairskamnicr als gemäßigter Gegner des Hofes. Im I. 1833 folgte er dem Marschall Jourdan als Gouverneur des Jnvalidenhauses. Er starb am 2». Apr. >812 und hintcrließ das Andenken eines edlen, gemäßigten und rechtschaffenen Charakters. — Sein einziger Sohn, welcher Dragoncrobcrst war, kam 1817 auf der Jagd um. Mönchölatein oder Mittel lat ein nennt man zunächst das Latein der Geistlichen und Mönche im Mittelalter, dessen Gebrauch nicht nur in der Kirche und in kirchlichen Angelegenheiten allgemein war, sondern auch auf Geschichtschreibung und politische Vcr. r - ' ^ ?>- 670 Mönchsschrift Handlungen sich erstreckte, so lange die neuer» Sprachen noch nicht über den Verkehr de- alltäglichen Lebens sich ausgebildet hatten und das eng begrenzte Gebiet der Gelehrsamkeit das ausschließliche Eigenthum des geistlichen Standes zu sein schien. Schon seit de», 3. Jahrh. n. Chr. wurde die alte röm. Sprache besonders durch Ausländer verdorben, die als röm. Schriftsteller zu glänzen versuchten; fremde Denkweise und verschrobener, schwülstiger Ausdruck bezeichnen vor Allem die afrikanische Latinität, in welcher die Kirchenväter Cyprian (s. d.) und Tertullian (s. d.) vorleuchtende Muster wurden. Das Eindringen östlicher und nördlicher Völker in das röm. Reich im 5. Jahrh. verbreitete unter diese das Christenthum und zugleich die Sprache der Kirche, die, durch eine fehlerhafte lat. Übersetzung der heiligen Schrift bereits entstellt, in ihrem Munde einen völlig barbarische» Charakter annahm. Selbst die scharfsinnigsten und gelehrtesten Männer der folgenden Zeit, die man mit dem allgemeine» Namen der Scholastiker (s. d.) bezeichnet, nicht gebildet durch das Studium der Muster des schönen und gewählten Ausdrucks, trugen durch Behandlung philosophischer und theologischer Gegenstände, die den Alten fremd waren, in einer zu ihrem Zwecke umgeschaffencn lat. Sprache zu der größer» Entstellung derselbe» bei. Nicht anders behandelten dieselbe die Geschichtschreiber jener Zeit, die eine Menge Wörter der lombard., sächs. und fränk. Mundarten dem lat. Idiom einverlcibten und selbst in den Formen und Wortfügungen sich die gröbsten Verstöße gegen die Gesetze der Gram- matik vcrstatteten. Im 7. Jahrh. war das Latein gottesdienstliche Sprache geworden, und der Fanatismus verbot jetzt das Lesen der röm. Schriftsteller der klassischen Periode, soda§ nun ein jedes Land, namentlich Italien, England und Deutschland, sein eigenes bis auf die Aussprache verschiedenes Latein besaß. Unter Karl dem Großen lebte die gründliche Behandlung der lat. Sprache in'Frankreich wieder auf und Eginhard oder Einhard (sd.) und Paulus Dia conuS (s. d.) können als glückliche Nachahmer der antiken Klarheit, Einfachheit und Concinnität gelten. Mehr noch erhielt man in Deutschland das Studium der Alten aufrecht, und namentlich versuchten sich die Scholastiker des 11. Jahrh. nicht ohne Geschick in mannichfachen Nachbildungen, während wir in dem darauffolgenden 14. und l 3. Jahrh. nur wenige gute Stilisten, wie Roger Baco (s.d.), finden. Erst seitdem I 3. Jahrh. erwachten in Italien wieder ein allgemeiner Sinn für die echte röm. Literatur und Sprache und das Streben, sie auch in Form und Darstellung nachzuahmcn. Es folgte die Zeit der sogenannten Ciceronianer, die bald auch in Frankreich und England Bewunderer und Nachfolger fanden und in Muret (s. d.) ihren Glanzpunkt erreichten. Die zu Ende des 15. Jahrh. in den Niederlanden und in Deutschland begründeten Schule» trugen zur Erweiterung und Vollendung des Begonnenen wesentlich bei. Männer, wie Neuchlin (s.d.) und Erasmus (s-d.), wurden selbstMuster eines gewählten Ausdrucke; Ulr. von H utten (s. d.) geißelte die Unwissenheit und den Dünkel der Mönche, die sich der siegenden Bildung in blindem Wahne widersetzten (s. Lpistolue o llscurorn», vir« rum); die Reformation begründete sich durch das Studium der alten Sprachen, und die Zöglinge des Melanchthon (s. d.) und Camerarius (s. d.) ließen in den neu au§- gestatteten Schulen des protestantischen Deutschlands und der Nachbarländer dieses Studium, so sehr ihm die theologischen Zänkereien feindlich waren, nie wieder untcrgchen. Da§ Hauptwerk über das Latein des Mittelalters ist das „Elos-mrim,," von Dufresne (s.d.). (S. N ö mische S prach e und N omanis ch e Sprach en.) Mönchsschrift ist die im gemeinen Leben übliche deutsche Benennung derjenigen Schriftgattung, mit welcher die Urkunden und Handschriften des Mittelalters vom >3. — 16. Jahrh. geschrieben sind. In der diplomatischen Kunstsprache heißt sie eckige Minuskel, gothische oder weil sie durch Verzierung der gothischen entstanden ist, ncugothische Schrift- Sie ist der früher üblichen röm. oder runden Schrift entgegengesetzt, wurde zu den ErstlingS- drucken im engsten Sinne ausschließlich, dann aber neben der Uncialschrift noch über anderthalbhundert Jahre häufig im Druck gebraucht, wo sie am reinsten und schönste» in der sogenannten Missaltype (s. Missa len) erscheint und z. B.sehr schön in dem ersten datirtcn Drucke, dem Fust und Schöffer'schen Psaltern»» von 1357, gegeben wird, bis sie in ausländischen Sprachen durch die röm. und in der deutschen durch die noch jetzt übliche Drnck- und Schreibschrift verdrängt wurde, welche letztere sich im Laufe des l «r. Jahrh. aus ihr Mönchswescn Moncrif 671 bildete. In neuerer Zeit fingen die Engländer wieder an, sich ihrer, unter dem Namen black letter bei Verzierungen undPrachtdrucken zu bedienen, was auch in andern Ländern Nachahmung fand. Mönchswesen. Die Anfänge desselben findet man schon in der vorchristlichen Zeit, da die Neigung zum einsamen Leben mit den Verderbnissen des gesellschaftlichen entstand und Bessergcsinnte, die sich dem Kampfe gegen diese Verderbnisse nicht gewachsen fühlten, in der Einsamkeit einen Schutz gegen das Böse suchten- Ob Hcnoch, weil er ein göttliches Leben führte, der erste Einsiedler gewesen sei, konnten nur Mönche fragen; aber gewiß lag in dem zur Unthätigkcit und stillen Anschauung geneigten Sinne, den man noch jetzt bei denHindus bemerkt, schon unter den frühesten Bewohnern des südlichenAsiens der Keim jener ältesten oriental. Philosophie, deren Richtung zum beschaulichen, aus den Fesseln des Körpers und der Sinnlichkeit zum Idealen aufstrebenden Leben dem Zurückziehen von der Welt den Reiz einer besondern Weihe und Heiligkeit gab. Dazu kam die Meinung, daß man für frühere Vergehungen am besten durch Entbehrung aller Lebensfreuden und alles Umgangs mit Menschen büßen und, nach einer alten im ganzen Orient verbreiteten Idee, die Gottheit versöhnen könne. Anachoreten (s. d.) und Eremiten, büßende Heilige und Mönche (s. Gymnosophisten) zeigen sich daher schon im vorchristlichen asiat. Älterthume, und noch jetzt sind die Länder, die sich zu den Religionen des Brahma, Fo, Lama und Mohammed bekennen, voll Fakirs (s. d.) und SantonS, Tanirs oder Songcssen, Talapoinen (s. d.), Bonzen (s.d.) und Derwische (s. d.). Auch das hebr. Volk hatte solche Goktgcweihte in seinen Nasiräern (s. d.), denen Moses besondere Rechte zugestand, und das Leben der Essäer (s. d.) und Therapeuten, die um die Zeit Jesu in Palästina und Ägypten blühten, war ganz nach der Idee von Absonderung aus der Welt und von klösterlicher Zucht und Frömmigkeit geformt, die später in der bessern Periode des christlichen Münchswesens obwaltete. Unter den Christen, deren Religion an sich schon die Gegensätze des Körperlichen und Geistigen scharf bestimmte und die überdies seit dem 3. Jahrh. mit gnosiischen und neuplatonischcn Ideen von Entkörperung und Erhebung über die Sinnenwelt geschwängert wurde, sing das einsame Leben schon im-1. Jahrh. an, Beifall zu finden und wurde durch die Verfolgungen wesentlich gefördert. Seit dem 5. Jahrh. tritt das Mönchswesen als ein kirchliches Institut hervor, das sich in mannich- faltigen Verzweigungen ausbildete und bis ins > 7. Jahrh. an Einfluß auf Bildung und Sitten und an politischer Geltung wuchs. (S. Klöster.) Vgl. (K. I. Weber) „Die Müncherei, oder geschichtliche Darstellung der Klvsterwelt" (3 Bde., Stuttg. 1819—20; ! 2. Aust., 1833) und Döring, „Geschichte der Mönchsorden"(2 Bdchn., Dresd. > 828). Moncontonr, eine Stadt von l800E. im Bezirke Brieux des franz.DepartcmcnrS der Nordküste, ist geschichtlich merkwürdig durch die Schlacht am 3. Oct. 1509, in welcher die Hugenotten unter Coligny durch den Herzog von Anjou vollständig geschlagen wurden. Moncrif (Franc. Augustin Paradis de), stanz. Dichter, ein Günstling Lud- wig's XV., geb. zu Paris 1087, der Sohn des Rechtsgelehrten ParadiS, erhielt den Zunamen de Moncrif von seinem Großvater mütterlicher Seils, der ein Engländer war. Durch Geist und liebenswürdigen Charakter ausgezeichnet, erwarb sich M. die Gunst der Großen des Hofes. Durch Maurepas in die vornehmsten Cirkcl eingeführt, machte er sich bald durch seine vielfache» Talente in Poesie, Musik und mimischer Kunst zur Seele der geselligen Unterhaltung. Die Freundschaft des Hauses d'Argcnson vollendete sein Glück. Erwürbe erst geheimer Secretair bei dem Grafen d'Argcnson, hierauf bei dem Grafen Clermont, einem Prinzen vom Gcblüte, und dann von Ludwig XV. erwählt, der Venheiler seiner Geschenke zu sein, auch 1733 in die Akademie ausgenommen. Im I. 1733 erhielt er, als Lcctvr der Königin Maria Lcsczynska auch Zutritt bei Hofe und in der Folge wurde ihm sogar eine Wohnung im königlichen Schlosse angewiesen. Als d'Argcnson Kricgs- minisier geworden, ernannte er M. zum Gcneralsecretair bei seinem Bureau. Ebenso vielfach wie seine Verbindungen mit Hof- und Staatsmännern, waren auch die mit den Gelehrten seiner Zeit ; Marmontel, Grimm und besonders Voltaire schätzten ihn. Dankbare Anhänglichkeit zeigte er gegen den Gründer seines Glücks, den Grafen d'Argcnson, als dieser in Ungnade fiel und aus der Hauptstadt verwiesen wurde. Er begleitete ihn nicht allein auf »».» 672 Mond seinen Landsitz d'Ormes, sondern besuchte ihn auch alle Jahre selbst, auf die Gefahr hin, dem Monarchen und der damals allmächtigen Pompadour zu mißfallen. Von seinem bedeutenden Einkommen unterstützte er nicht allein seine Verwandten aufs großmüthigssi, sondern erwies auch vielen Unglücklichen bedeutende Wohlthaten. Er starb am 13. No». 177«). Am bekanntesten ist unter seinen Schriften sein „Lsssi s»r In neeossite et s„r lez mo^ens cke j>I»>re"(Par. 1730), in welchem er die Kunst zu entwickeln sucht, die ihm angeboren war und sein Glück machte; seinem kleinen Romane „I.es muss rivales" hak er den ind. Mythus dcr Metempsychose als Grundidee cingewebt. Unter seinen „?oesie« ,1, verses" zeichnen sich die Romanzen aus, die er allein in Frankreich zu seiner Zeit mit Glück bear- beitete. Seine „Oeuvres" erschienen in zwei Bänden (Par. 1786). Mond, der Nebenplanct oder Trabant der Erde, bewegt sich um dieselbe in einem Monat (s. d.) von Westen nach Osten und gemeinschaftlich mit ihr um die Sonne. Da er in einem Tage durchschnittlich über >3" nach Osten rückt, weshalb er auch mit jedem Tage später auf - und untergeht, was von einem Tag zum andern etwa 5» Minuten be-, trägt, so ist sein Fortrücken unter den Sternen viel auffallender, als das der Sonne, die täglich nicht ganz einen Grad in derselben Richtung zurücklegt. Nach der Sonne ist der Mond für uns das wichtigste Gestirn des Himmels, schon darum, weil er zu gewissen Zeiten unsere Nächte erleuchtet. Die Zeit der Sichtbarkeit des Mondes hängt aber genau mit den Mon d pH äsen oder Lichtgestalten desselben zusammen und beruht wie diese auf der Stellung des Mondes gegen die Sonne, welche immer die ihr zugckehrte Hälfte des an sich dunkeln Mondes beleuchtet. Steht der Mond gerade zwischen der Erde und Sonne, so findet Neumond stakt und der Mond steht dann nur bei Tage am Himmel und ist uns unsichtbar, da er uns seine dunkle Seite zukchrt. Hat er sich um 90° von der Sonne nach Osten entfernt, was wir das erste Viertel nennen, so erscheint er uns als halb erleuchtete Scheibe; er geht um Mittag auf und erleuchtet die erste Hälfte der Nacht. Steht die Erde in gerader Linie zwischen Mond und Sonne oder jener der Sonne gerade gegenüber, so ist Vollmond eingckreten, d. h. der Mond zeigt uns eine ganz erleuchtete kreisrunde Scheibe und scheint die ganze Nacht hindurch. Ist endlich der Mond von der letzten Stellung an wieder so weit fortgcrückt, daß er sich der Sonne von Westen her bis auf 90" genähert hat, so erscheint er abermals halb erleuchtet und steht im letzten Viertel; er geht dann um Mitternacht auf und erleuchtet nur die letzte Hälfte der Nacht. Vom Neumond bis zum Vollmond ist zunehmender, vom Vollmond bis zum Neumond abnehmender Mond. Die bc> zeichneten vier Erscheinungen heißen die Mondviertel und bilden zusammen einen Mondwechsel, dessen Dauer ein synodischer Monat heißt und ungefähr 20'/, Tag beträgt, svdaß von einem Mondviertel zum nächsten wenig über eine Woche vergeht. Vor und nach dem Neumonde, also zwischen diesem und den beiden Vierteln, erscheint dcrMond nur als glänzende, mehr oder weniger schmale Sichel, doch sieht man dann zu gewissen Zeiten auch den dunkeln Theil der Mondscheibe schwach erleuchtet, eine Erscheinung, die das aschgraue Licht des MvndeS genannt wird und von dem Reflexe des Lichtes der Erde herrührt, welche dem Monde zur Zeit des Neumondes ihre erleuchtete, zur Zeit des Vollmondes aber ihre dunkle Seite zukehrt. Zwischen dem Vollmonde und beiden Vierteln ist mehr als die Hälfte der Mondscheibe erleuchtet und sichtbar. Der Vollmond wird zuweilen durch den auf ihn fallenden Schatten der Erde verfinstert, was man eine Mondfinsternis; nennt. Dieselbe kann nur dann cintreten, wenn der Mond zur Zeit des Vollmondes nicht über 12'/,° von einem der Knoten seiner Bahn entfernt ist, und ist entweder total oder partiell, je nachdem der ganze Mond oder nur ein Theil seiner Oberfläche verfinstert wird. Allen denjenigen Gegenden der Erde, welche den Mond sehemkönnen, erscheint er dann zu gleicher Zeit und auf gleiche Weise verfinstert, was bci einer Sonnensinsterniß nicht der Fall ist. Übrigens wird der Mond durch seine totale Verfinsterung sehr selten völlig unsichtbar; in der Regel erscheint er in einem vollen kupfcrrolhen Lichte, während bci partieller Verfinsterung der volle Erdschatten dunkelgrau erscheint. Die Bahn des Mondes ist eine Ellipse, deren Ebene mit der Ebene der Ekliptik einen Winkel von 5" 9^ bildet; sowol die große Achse jener Ellipse, .als die Durch» schnittslinie (Knokenlinic) beider Ebenen sind veränderlich und die erstere dreht sich in 8'/« Mond 673 Jahren nach Osten, die letztere in 18'/, Jahren nach Westen einmal um die Erde, wovon die Folge ist, daß der Mond bei seinen Umläufen am Himmel durch sehr verschiedene Stern- bilder und Gegenden desselben läuft. Da er zur Zeit des Vollmondes immer der Sonne gegenübersteht, so steht er dann ungefähr in derjenigen Gegend des Himmels, in welcher die Sonne sechs Monate früher oder spater steht. Hieraus folgt, daß der Vollmond im Sommer am niedrigsten steht und die kürzeste Zeit sichtbar ist, im Winter aber am höchsten steht und am längsten scheint, wobei aber noch berücksichtigt werden muß, daß der Vollmond wegen der Neigung der Mondbahn möglicherweise eine um 5" 9' größere oder kleinere Höhe erreichen kann, als die Sonne in der entgegengesetzten Zeit des Jahres. Die mittlere Entfernung des Mondes von der Erde beträgt 51500, die größte 54400, die kleinste -1870» M. An Größe steht der Mond der Erde weit nach; sein Durchmesser beträgt nur etwa -170 M. oderdes Durchmessers der Erde, wonach sein körperlicher Inhalt ungefähr 49 Mal kleiner als der der Erde ist. Wegen der großen Nähe des Mondes kennen wir die Oberfläche desselben genauer als die eines andern Himmelskörpers. In Bezug auf dieselbe beobachtet man sehr bald einen bemerkenswerthen Umstand, den nämlich, daß der Mond uns immer dieselbe Seite zukehrt, sodaß wir die andere Seite gar nicht kennen lernen. Man kann dies nur daraus erklären, daß sich der Mond in derselben Zeit, in welcher er um die Erde läuft, einmal um seine Achse dreht, einVerhältniß, das sich bei sämmtlicheu Ncbenplaneten wiederfindet. Übrigens ist jene Angabe nicht so zu nehmen, als ob der sichtbare und der unsichtbare Theil des Mondes.Hurch eine unverrückbare, unveränderliche Grenzlinie getrennt wäre, vielmehr verändert dieje Grenzlinie.Ihre. Lage beständig, was man das Wanken oder die Libration des Mondes nennt, sodaß man das eine Mal an dieser, das andere Mal an jener Stelle des Mondrandes ein Stück der sonst unsichtbaren . Mondseite ,u sehen bekommt. Man kann rechnen, daß der Mondoberfläche uns immer sichtbar,immer unsichtbar sind; das letzte Siebentel ist stets zur Hälfte sichtbar und un- l sichtbar. D-e Ursache dieser Erscheinung liegt theils in der gleichförmigen Achsendrehung und ungleichiöenügen fortrückenden Bewegung des Mondes, theils in der Verschiedenheit des Orts auf cer Erde, an welchem der Mond beobachtet wird. Die Oberfläche deS Mon- ! des zeigt schon dem blosen Auge, am deutlichsten zur Zeit des Vollmondes, viele größere j und kleinere graue Flecke, die aber unmöglich Schatten höherer Gegenstände sein können. Man hat diesen Gegenden den Namen von Meeren, Seen u. s. w. beigelegt, obgleich es § jetzt für ausgemacht gilt, daß der Mond kein Wasser, wenigstens keine größern Gewässer enthält. Die Hellern Landschaften des Mondes enthalten fast ohne Ausnahme zahlreiche Gebirge; diese zeichnen sich theils durch ihre verhältnißmäßig größere Höhe, die bei manchen über eine Meile beträgt, theils durch ihre Gestalt vor den irdischen aus. Die meisten sind Ringgebirge, bestehend aus einem ringförmigen Wall, der eine Vertiefung oder Ebene einschließt, aus deren Mitte gewöhnlich ein isolirter kegelförmiger Centralberg emporsteigt. Die sogenannten Wallebenen sind von den Ninggebirgen nur durch ihre größere Ausdehnung verschieden, die 30 und mehre Meilen im Durchmesser beträgt. Außerdem enthält die Oberfläche 4>es Mondes Krater, Kettengebirge, Bergkegel, Rillen oder Bergadern, Schluchten oder Löcher. I Ob der Mond Vulcane besitze, wie man aus der Gestalt vieler Berge schließen will, ist unentschieden, gewiß jedoch, daß von neuern Eruptionen derselben keine Spur zu bemerken. Die Namen der Berge hat man seit Niccioli größtentheils von berühmten Mathematikern und Astronomen entlehnt. Eine Atmosphäre scheint der Mond ebenso wenig zu besitzen als i Wasser, wenigstens muß die erstere, wenn es eine gibt, wie Schröter annimmt, ausneh- * mend fein sein. Die ctwanigen Bewohner des Mondes, von denen nur Gruithuisen in i München Spuren entdeckt haben will, müssen daher ganz anders als die der Erde organi- sirt sein. Die beste Mondkarte oderbildliche Darstellung der Mondoberfläche haben in der neuesten Zeit Mäkler und Beer in Berlin (4 Blatt, Berl. l 834—36, 4.) gelieret, auch ihr eine „Allgemeine vergleichende Selenographie" (2 Bde., Berl. 1837, 4.) zur Erläuterung beigegeben. Die Karte von Lohrmann (1824), ebenfalls sehr borzüglich, ist nicht vollendet worden. Unter den ältern Arbeiten sind namentlich die Karten von Hevel (1640), Riccioli (1651), Cassini (1680), Mayer (1775) und Lambert (177^5), sowie Schröter's „Seleno- topographische Fragmente" (2 Bde., Gött. 1791) mit Auszeichnung zu nennen. ! Cvnv.-Lex. Neunte Aust. IX. 43 674 Mond Da der Mond von allen Weltkörpcrn derjenige ist, welcher der Erde am nächsten sich so läßt sich schon aus diesem Grunde ein Einfluß desselben auf die Erde vermuthen, und ' lange noch, che eine erklärende Theorie über diesen Gegenstand gegeben werden komm, wurden Thatsachen beobachtet, welche man diesem Einflüsse zuschrieb. Das am meiste» i« die Augen springende Symptom dieser Einwirkung ist die auf den Gesetzen der Aktractior beruhende Erscheinung der Ebbe und Flut (s.d.), und nachdem sich diese als ein Produel des Mondcinflusses ausgewiesen hatte, war auch der Weg zu einer Theorie gebahnt, welch, die Annahme einer ursächlichen Beziehung des Mondes zu den organischen Vorgängen des Lebens rechtfertigte, wenn sie auch die Art dieser Beziehung bis in ihre Einzelnheiren »ich, mit Sicherheit verfolgen konnte. Wenn nämlich der Mond schon auf das Wasser eines» bedeutende Anziehungskraft ausübt, so muß dasselbe in Hinsicht auf die Lust auch siatt- finden und ebenso wie im Wasser in der Luft eine Ebbe und Flut cintretcn, welche sich durch Strömungen der Luft, durch Windbewegungen kundgibt. Daher entstehen die Winde, welche zur Zeit des Neu- und Vollmondes und der Tag- und Nachtgleiche zu we> hen Pflegen. Der Einfluß aber, den die Winde auf die organische Natur ausüben, ist in, > Allgemeinen bekannt, während er sich anderer, mit ihm verbundener Ursachen wegen n» Einzelnen so mannichfaltig zeigt, daß er genauerer Bestimmungen noch ermangelt. Ans diesem Grunde möchten die Regeln beruhen, welche sich bei den Landbebaucrn aller Erd striche in Hinsicht auf Pflanzen, Säen, Pfropfen u. s. w., so weit sie sich auf den Mond beziehen, durch die Erfahrung vieler Generationen Geltung verschafft haben, obwohl bei den meisten dieser Leute, die Beobachtungen richtiger sind als die oft unklaren odn durch den gröbsten Aberglauben entstellten Erklärungen derselben. Kann sonach ein Einfluß des Mondes auf das Leben der Pflanzen nicht abgelcugnet werden, so ist wol auch ein solcher auf den thierischen Körper hauptsächlich durch Vermittelung des siii dergleichen Reize empfänglichem Blut- und Nervensystems kaum zu bestreiten, besonders wenn Auctoritäten Wie Mead („De imzisrio soiis ae lunae in corpora human e et ' marliis inöie oriunclis", Lond. >70t>), Fr. Hoffman« („De sillerum in carporr Iimnam inlluxu msllico", Halle I7V6) u. A. uns Beobachtungen, die sie selbst gemacht, mitthei- , len, obwol hierbei in Betracht zu ziehen ist, daß die meisten dieser Beobachter, als derSchnle derIatromathematiker (s- d.) gehörig, nicht ganz unbefangen genannt werden kön- , neu. Durch die angegebene, von Mead aufgestellte und weiter ausgeführte Erklärung ! rechtfertigt derselbe nun seine Ansichten über die während gewisser Mondphasen beobachtete ^ Entstehung, Verschlimmerung und Verbesserung gewiffcrKrankheiten, gesteht jedoch selbst, bei Gesimsen den Einfluß des Mondes auf die Lebensäußerungen weniger bemerkt zu haben. Die gegen diese Theorie angebrachten Einwürfc sind theils von ihm selbst, theils nach ihm von andern Beobachtern ziemlich befriedigend erledigt worden. Besonders war es die . dem Mondlaufc ähnliche und mit siebentägigem oder in seiner Quadruplication viermal siebentägigem Typus durch einen großen Theil der pathologischen Erscheinungen unverkennbar sich hindurchziehende Periodivität, welche eine solche Erklärung hervorbrachte, der in vielen Fällen nichts entgegengesetzt werden kann. Eine weit schwächere Einwirkung dürfte der Mond durch seine Lichtstrahlen auf den Erdkörper ausüben, obgleich durch Versucht der neuern Zeit erwiesen ist, daß im Mondlichte gewisse Silberpräparate geschwirrt und manche Farben, besonders Chamois, ebenso gebleicht werden, wie im Sonnenlichte, daß das Mondlicht die chemischeZersetzung todtcr organischer Körper im Verhältnis zur Dunkelheit befördert und daß die im Hohlspiegel gesammelten Mondstrahlen das Thermometer steigen , lassen. Auf diese Erscheinungen möchte vielleicht die Erklärung anmwenden sein, welche der jüngere Herschel ganz neuerdings abgegeben.hat. Nach seiner Meinung nämlich könne möglicherweile die Erhitzung der Mondoberfläche auf der einen Seite, welche fast volle l-t Tage der ununterbrochenen Einwirkung der Sonnenstrahlen ausgesetzt sei, eine weit über den Siedepunkt steigende Höhe erreichen und daher beim Vollmonde eine Wärmequelle für j die Erde sein. Diese Wärme dringe jedoch nicht bis zur Erdoberfläche, da sie von der Atmosphäre aufgehalten, vielleicht nur die schnelle Zerstreuung und Verwandlung der sichtba- » ren Wolken in unsichtbaren Dunst beim Aufgang des Vollmondes zur Folge habe. Im > Ganzen muß man wol, so lange noch keine umfänglichem und in ihrer Anstellung wie in ^ ich und Mil, »i« tivi du« lchl dkj licht >ts» At- fich dl! >re- , lim ^ i»i Alls rrd- °nd loh! ldk! kill mol fiii on- et ' ws hü- »ili - ön- ! mg z klt! i bß, h-> ^ loch di! . sie- MI- in l rfte ich! nid das Hut gc" . lche nne i-t ber für ! At- ba- > Zm :in , Mondsinsterniß Mone 675 ihren Resultaten consequentern Beobachtungen vorliegen, sich an A.von Humboldt's Worte halten, „wie in dem zarten Bau der Pflanze, bringt das Licht des Mondes, ja das der entferntesten Weltkörper, gewiß auch im Menschen Veränderungen hervor. Aber wenn tausend stärkere Kräfte gleichzeitig auf uns einwirken, verschwindet die Wirkung der schwächcrn". Mondsinsterniß, s. Mond. Mondfahr nennt man einen Zeitraum, welcher zwölf Mondwechsel oder synodische Monate umfaßt. Die Juden und Türken legen dasselbe ihrer Zeitrechnung zum Grunde; die crstern setzen es aber mit dem Sonnenjahre in Verbindung. (S. Jahr und Monat.) Mondkalb (mnli,) oder falsche Frucht nennt man ein fehlerhaftes Product der Zeugung, welches sich von Misgeburt (s. d.) dadurch unterscheidet, daß es im Vergleich zur menschlichen Frucht völlig gestaltlos genannt werden kann und gar keine Spur menschlicher Organisation zeigt, indem es eine zusammengeballte, aus Blasen, welche Luft oder Wasser enthalten, Blut-, Fleisch- oder Fettklumpen, auch zum Theil erdigen, knochenarti- gen Concrementen und Häuten bestehende unförmliche Masse darstellt, welche zuweilen noch deutliche Überbleibsel einer früher vorhandenen regelmäßigen Frucht zeigt. Je nach diesen vielen Verschiedenheiten hat man diese Producte in viele Classen getheiit. Die Ursachen der Entstehung sind dunkel, ebenso kann die Behandlung einer sogenannten M o- lenschwangerschaft, welche schwer zu erkennen und meist mit mehr Beschwerden als eine gewöhnliche verbunden ist, sich nur auf die Milderung dieser Beschwerden beziehen. Das Mondkalb, als des selbständigen Lebens ermangelnd, wird selten zu derselben Zeit wie eine regelmäßige Frucht ausgestoßen, gewöhnlich iss cim^folche Schwangerschaft mit dem dritten oder vierten Monat geendigt, während sie in andersi, aber viel seltenern Fällen mehre Jahre hindurch dauert. Mondövi, Stadt und Festung in dem zu Sardinien gehörigen Fürstenthum Pie- mont, am Elero, der Sitz eines Bischofs und eines bischöflichen Seminars, mit Schloß, Kathedrale, 16566 E-, Fabriken in Seide und Tuch und ansehnlichem Handel, war früher frei, unterwarf sich aber gegen Ende des l t.Jahrh. den Grafen von Savoyen. In neuerer Zeit wurde es merkwürdig durch die Schlacht zwischen den Franzosen unter Massena und Augereau und den Östreichern unter Beaulicu am 21. Apr. 1786. Mondphasen, s. Mond. Mondsüchtig nenntman solcheMenschen, welche, gewöhnlich in der Zeit des Mondwechsels, im Schlafe aufstehen und entweder allerhand Dinge verrichten, die sie wachend zu thun gewohnt sind, oder Wagestücke unternehmen, von denen sie die mit der größten Gefahr verbundene Zwecklosigkeit im wachen Zustande zurückhalten würde und wobei sie die größte Sicherheit zeigen. Wenn auch, wie es gewöhnlich der Fall nicht ist, ihre Augen offen sind, so ist doch das Sehvermögen bei ihnen unthätig. Die Ursache dieses seltsamen Zustandes scheint in einer krankhaften Beschaffenheit des Nervensystems zu liegen, welche den Beobachtungen nach mit den atmosphärischen durch den Mond bewirkten Veränderungen in einem freilich noch unbekannten Zusammenhänge steht. Mondsüchtige in gefahrvollen Lagen durch Anrufen bei ihrem Namen zu wecken, ist nicht rathsam, weil ihnen beim Erwachen in der Bestürzung leicht ein Unfall zustoßen kann. Als Vorsichtsmaßregel umlegt man das Bett der Mondsüchtigen mit nassen Tüchern, damit sie, wenn sie darauf treten, durch das Gefühl der Kälte an den Füßen erwachen und zur Besinnung kommen. (S. Somnambulismus.) Mondtaseln nennt man Tafeln, welche den Ort des Mondes am Himmel für jeden Tag im Jahre genau angeben. Sie sind hauptsächlich für die Bestimmung der geographischen Länge (s. d.) zur See von Wichtigkeit. Mondwechsel, s. Mond. Mone (Franz Jos), Geh. Archivrath und Director des Generallandesarchivs zu Karlsruhe, ist am > 2. Mai 1782 zu Mingolsheim bei Heidelberg geboren, wo seine ursprünglich niederländ. Familie, die sich Moonen schrieb, durch seinen Großvater einheimisch geworden war. Er besuchte das Gymnasium zu Bruchsal, das Lyceum zu Rastadt und bezog 18 >4 die Universität zu Heidelberg, wo er sich vorzugsweise dem Studium der 43* 676 Monge Philologie und Geschichte widmete und 1817 als Privatdocent sich habilitirte. Daselbst wurde er1818 Secretair an der Universitätsbibliothek, 1819 außerordentlicher und 1822 ordentlicher Professor der Geschichte, auch 1825 mit der Leitung der Universitätsbibliothek beauftragt. Im I. >827 folgte er dem Rufe als Professor der Statistik und der Politik an die Universität zu Löwen. Nach dem Ausbruche der belg. Revolution gleich den meisten übrigen deutschen Professoren außer Thätigkeit gesetzt, kehrte er 1831 nach Heidelberg zurück, wo er nun als Privatmann mit literarischen Arbeiten sich beschäftigte. Zur Apr. 1832 übernahm er die Nedaction der „Karlsruher Zeitung", die er jedoch bald wieder nie- Verlegte. Im Z. >835 wurde er in seine gegenwärtige Stellung berufen; zugleich erhielt er den Auftrag, eine kritische Fürsten- und Landesgeschichte von Baden zu bearbeiten, der jedoch auf seinen Antrag dahin modificirt wurde, daß dieser Geschichte eine vollständige, diplomatisch genaue und kritische Herausgabe sämmtlicher Quellen zur bad. Geschichte vorangehen solle. Ein ganz besonderes Verdienst erwarb er sich auch um die bad. Versorgungsanstalt, zu deren Gründung er viel beigetragen und deren erster Director er war. Von dem „Anzeiger für Kunde des deutschen Mittelalters", den Freiherr von Aufseß 1832 gegründet hatte, redigirte er mit diesem den dritten Jahrgang, den vierten bis achten allein (Nürnb. 1832—3-t und Karlsr. 1835—39, -l.). Von seinen übrigen Schriften nennen wir die „Einleitung in das Nibelungenlied" (Heidelb. 1818); „Geschichte des Heidenthums im nördlichen Europa" (2 Bde., Heidelb. 1822—23), die den fünften und sechsten Theil von Creuzer's „Symbolik und Mythologie der alten Völker" bildet; „Quellen und Forschungen zur Geschichte der deutsche» Literatur und Sprache" (Bd. I, Aachen und Lpz. 1830); die Ausgabe des lat. „keioarclns vusiies" (Stuttg. 1832); „Untersuchungen zur deutschen Heldensage" (Quedlinb. 1836); „Übersicht der niederländ. Volksliteratur älterer Zeit" (Tüb. 1838); „Altdeutsche Schauspiele" (Quedlinb. und Lpz. >841), und „Urgeschichte des bad. Landes bis zum Ende des 7. Jahrh." (Bd. I und 2, Karlsr. 1845). Monge (Gaspard), ein ausgezeichneter franz. Mathematiker und Physiker, war der Sohn eines armen Handelsmanns und wurde am I v. Mai 1746 zu Beaune geboren. Schon auf der Schule seiner Vaterstadt machte er in den exacten Wissenschaften außerordentliche Fortschritte, besuchte dann das College zu Lyon und erhielt daselbst im Alter von 16 Jahren ein Lehramt in der Physik. Ein Oberst vom Geniccorps brachte ihn an die Artillerieschule zu Me'zieres, wo man ihn aber nur als Zeichner und Conducteur verwendete, weil er von niederer Herkunft war. M. erhob sich aus dieser untergeordneten Stellung durch mehre Erfindungen, die das Geniewesen förderten, und wurde im Alter von 19 Jahren Professor der Mathematik und dann auch der Physik. Nachdem er durch seine Verbindung mit Cvndorcct, Lavoisier und d'Alembert 1789 in die Akademie der Wissenschaften gekommen, berief man ihn als Professor der Hydrodynamik nach Paris. Als Feind des geistigen Druckes, den auch er erfahren, wendete er sich der Revolution zu und übernahm nach der Katastrophe vom >9. Aug. 1792 das Ministerium der Marine. In der Eigenschaft als Minister mußte er im Aufträge des Convents das Todesurtheil an Ludwig XVI. vollstrecken lassen. Einige Monate später legte er sein Amt nieder, trat aber hierauf an die Spitze sämmtlicher Eewehrfabriken, Geschühgießereien und Pulvermühlen der Republik. Seine Unentbehrlichkeit allein bewahrte ihn vor der Guillotine. Nachdem er unter dem Directorium die polytechnische Schule begründet und an derselben das Lehr- amt der Mathematik übernommen, schickte ihn die Regierung nach Italien, wo er den Transport der eroberten Kunstschätze leiten mußte. Bonaparte, der ihn hochschätzte, übersendete durch ihn und Berthier dem Directorium das Friedensinstrument von Campo - Formio. Obschon den Verhältnissen fremd, schlug man M. mehrmals zum Director vor und schickte ihn endlich mit Daunou nach Rom, um daselbst die Republik zu organisircn. Bonaparte rief ihn von dort nach Ägypten. Hier übernahm M. das Directorium des ägypt. Instituts z auch leitete er die Untersuchung der Alterthümer und entdeckte unter Anderm die Theorie der Luftspiegelung. Während der Expedition nach Syrien leistete er der zu Alexandria niedergesetzten Regierung durch That und Rath die größten Dienste. Mit Bonaparte kehrte er nach Frankreich zurück, wo er wieder in seine Professur an der polytechnischen Schule eintrat und sich nachmals sehr eifrig den aristokratischen Planen wider» MongibeVo Mongolen 677 setzte, die Napoleon nach seiner Thronbesteigung mit der Anstalt ausführen wollte. Nichts« destoweniger gab ihm Napoleon in Anerkenntniß seiner Verdienste die Senatorei von Lüttich und ein Majorat in Westfalen, und unterstützte ihn auch außerdem mit Geld, das M. für die Bildung.armer Zöglinge verwendete. Der Sturz Napoleon's und die Verstümme- lung der Schule gingen M. sehr zu Herzen. Nach der zweiten Restauration verlor er seine Ämter und wurde aus der Liste des Instituts gestrichen. Mehrmals vom Schlage getroffen, verfiel er in tiefe Melancholie und starb am 18. Juli 18 l 8. In der Wissenschaft hak er sich, außer vielen wichtigen physikalischen Entdeckungen, als Erfinderder deskriptiven Geometrie ein bleibendes Verdienst erworben. Unter Anderm veröffentlichte er den „Trsite elementsire lie ststique" (7. von Hachette durchgesehene Aust., Par. 183-1; deutsch von Hahn, Berl. 1806); im Verein mit Vandermonde und Berthollet die „vescrsswion 6e I'arttielabriyucr les cunons, et un svis uux ouvriers en ter sur In lubrication eyons 237 , aufs neue in Rußland ein, eroberte Moskau und verwüstete einen großen Theil Rußlands. * Nachdem dieses unterworfen war, drangen sie 1240 furchtbar hausend in Polen ein, ver- ' brannten Krakau und gingen nach Schlesien, wo sie am O.Apr. 1241 über das vereinigte Heer * der deutschen Ritter, der Polen und der Schlesier in der Schlacht aufder Wahlstatt (s. d.) ' zwar siegten, aber dabei solchen Verlust erlitten, daß sie ein weiteres Vordringen nach ^ Deutschland nicht räthlich fanden. Sie wendeten sich südlich nach Mähren, das sie schreck- > I Moniteur 679 lich verwüsteten, bis sie am 21. Juni 1241 durch Jaroslaw von Sternberg am Berge Ho- stein vor Olmütz eine Niederlage erlitten. Aus Mangel an Unterhalt in dem verheerten Lande mußten sie Mähren verlassen und begaben sich nun nach Ungarn, das sie ebenfalls verheerten. In Deutschland und Frankreich war die Furcht vor ihnen bereits so groß, daß man Fasten und Gebete anordncte und Anstalten zu einem Heerszuge gegen sie traf. Innere Streitigkeiten, die nach Oktai's Tode (1243) ausbrachen, veranlaßten sie, von ihrer Un- ternehmung gegen Westeuropa abzustehcn und sich zurückzuzichen. Diese Streitigkeiten wurden indeß beseitigt und das Reich der Mongolen stand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrh. auf dem höchsten Gipfel der Macht. Es erstreckte sich damals vom chines. Meere bis an die Grenze Polens, und von Indien bis tief nach Sibirien hinein. Der Hauptsitz des Großkhans war China, die andern Länder wurden von den Unterkhans, die von Dschingis-Khan abstammten und mehr oder weniger vom Großkhan abhängig waren, beherrscht. Die mächtigsten dieser Unterkhans waren die des Reichs Kaptschak an der Wolga und die von Dschaggatai oder Turkestan. Allein das Verschwinden von Dschingis- Khans Geist aus seiner Dynastie sowie die Vertheilung des Reichs unter mehre Herrscher veranlaßten den Verfall des Mongolenreichs. Die innern Streitigkeiten, die immer mehr überhand nahmen, und die wachsende Macht der Statthalter, die sich immer unabhängiger machten, sowie der Mohammedanismus, der die Religion der unterworfenen Völker in der westlichen Hälfte des Reichs war und von diesen nach und nach auf die Sieger selbst überging, bewirkten, daß schon zu Ende des 13. Jahrh. unter dem Großkhan Kublai das Reich in mehre unabhängige Staaten verfiel. Die bedeutendsten dieser neuen mongol. Reiche waren die in China (s. d.), in Turkestan (s. d.), im östlichen und südlichen Rußland (s. d.), am Ural, der Wolga, dem Kaspischen und Schwarzen Meere und in Persien (s. d.) gegründeten. Durch diese Spaltung und Losreißung von ihrem Mittelpunkte, ihrer alten Urheimat, verfiel die Macht der Mongolen im 14. Jahrh. immer mehr, sodaß schon 1368 ihr Reich in China vernichtet wurde und im 13. Jahrh. ihre Herrschaft in Rußland zu Ende ging. Auch in Mittel - und Vorderasien wäre die mongol. Herrschaft zu Grunde gegangen, wenn nicht ein neuer Eroberer mongol. Stammes, Ta- mcrlan oder Timur (s. d.), um 130!» daselbst aufgestanden wäre und von neuem ein mongol. Reich, das ganz Mittelasien, Hindosta», Vorderasien und insbesondere ganz Iran umfaßte, gegründet hätte. Nach Limur's Tode zerfiel sein Reich so schnell, daß es schon mit der Ermordung von Abu Seid, Limur's Urenkel, im I. 1468 ein Ende nahm. Nur in Dschaggatai erhielt sich die Dynastie Limur's, und von hier aus war es, wo Babur (s. d.), ein Nachkomme Limur's, in Hindostan 13 l 9 ein neues Reich gründete, das des mongol. Ursprungs seines Herrschers wegen ein mongolisches genannt wurde, und diesem und den folgenden Herrschern den Namen des Großmoguls (s. d.) verschaffte, sowie die mit ihm in Indien eingedrungenen Krieger pers. oder türk. Ursprungs den Hamen Mongolen in Indien erhielten. So verloren die Mongolen seit dem Anfänge des 16. Jahrh. alle welthistorische Wichtigkeit, zerfielen wieder in eine Menge einzelner Khanate und Stamme und wurden zum größten Theile den benachbarten Völkern, den Russen, den osman. Türken, den Persern und den Chinesen mehr oder weniger unterthan. Nur in Dschaggatai (s. Turkeitan) hielten sich die mongol. Herrscher unabhängig, und dort herrschen noch Khane, die ihre Abstammung von Dschingis-Khan und Timur ableiten. Vgl. des Mongolenfürsten Ssanang-SsetscnKhungkaidschi (um 1660) „Geschichte der Ostmongclen" iw Original und deutsch vonJ. I. Schmidt, Petersb. >82», 4.); Babur's sehr anziehende, von ihm selbst verfaßte „Denkwürdigkeiten u.s.w." (deutsch nach dem Englischen von Kaiser, Lpz. 1828); Hüllmann, „Geschichte der Mongolen bis 1206" (Berl. 1796); „Uistoire lies iVlongoIs clspnis D-idmiAuir-LImn sus643 mit den Ausrührern Friede schloß, um den König gegen das Parlament zu unterstützen. Im Bürgerkriege wurde M. schon >644 von Fairfax gefangen und als Königlicher in den Tower gesetzt. Erst nach zwei Jahren erlangte er die Freiheit, indem er den Convenant beschwor. Hierauf übernahm er den Befehl im nördlichen Irland und entriß den Royalisten mehre Hauptplähe, zog aber durch seine geringen Erfolge den Verdacht der Treulosigkeit auf sich und entging nur mit Mühe der Anklage vor dem Parlamente. Nach völliger Vertilgung der Royalisten ernannte ihn Cromwcll zum Gc- nerallieutenant und Commandanten der Artillerie. In dieser Eigenschaft leistete er in der Schlacht von Dunbar große Dienste, sodaß ihm Cromwcll den Oberbefehl in Schottland an- vertraute. Im 1.1652 kehrte er nach England zurück, wo er sich an den Commissionen bethci- ligte, die eine Vereinigung Schottlands mit England vorbereiten sollten. Im nächstfolgenden Jahre wurde er dem Admiral Blake im Kriegszuge gegen die Holländer beigegeben. Er schlug mit einer >60 Schiffe starken Flottenabtheilung den gleich starken Admiral Tromp am 2. Aug. auf der Höhe von Nieuwpoort und lieferte am 8. ein zweites Treffen auf der Höhe von Katwijk, wobei der Sieg zweifelhaft blieb, Tromp aber getödtet wurde. Zu Anfänge des I. >654 schickte ihn Cromwcll als Gouv-erneur nach Schottland, und hier wußte er dessen Herrschaft unter de» größten Schwierigkeiten gegen die Presbyterianer aufrecht zu erhalten. Die Noyalistenpartei setzte schon damals ihre Hoffnung in ihn und >656 schickte ihm Karl II. (s. d.) in diesem Sinne sogar einen Brief, den M. Cromwcll auslie- fertc. „Man hat mir gesagt", schrieb ihm der scharfsichtige Protector zurück, „daß es in Schottland unter dem Namen Monk einen verschlagenen Gesellen gebe, der die Stuarts zurückführcn will; ich bitte Euch, nehmt ihn gefangen und schickt ihn mir". Jndeß erklärte sich M. nach Cromwell's Tode auch für dessen Sohn, sowie nach des Letzter« Sturze für das sogenannte Rumpfparlament. (S. Großbritannien.) Erst als sich unter dem General Lambert der MilitairdespotismuS zu begründen schien, ergriff er, vielleicht zur eigenen Sicherstellung, die Rolle eines Verthcidigers der öffentlichen Ordnung. Bei den Schotten und der Armee seiner Mäßigung und Rechtschaffenheit wegen beliebt, rückte er am I. Jan. >666 mit 6000 M. über die engl. Grenze, vereinigte sich zu Jork mit Fairsax, der für Karl II. ein Corps zusammengebracht hatte, und zog am 3. Febr. ohne Schwertstreich in London ein. Noch ließ er alle Parteien über seine Absichten in Ungewißheit. Am 21. Febr. setzte er jedoch die im Dec. >648 vertriebenen presbyterianischen Parlamentsglieder wieder ein, und hiermit erhielten die Anhänger des Königs das vollste Übergewicht. Jetzt trat M. auch mit Karl II. in Unterhandlung, den das bereitwillige Parlament schon am 8. Mai zum Könige ausrufen ließ. Der neue Monarch, der allerdings dem festen und klugen Betragen des Generals seine Krone zu danken hatte, überhäufte ihn mit Gunst und erhob ihn zum Mitglieds des Geh. Raths, zum Kammerherrn, Oberstallmeister, Schatzmeister,'endlich zum Herzog von Albemarlc und Gouverneur der Grafschaften Devon und Middlesex. M., welcher sonst wenig politisches Geschick besaß, zog sich zurück und beschränkte sich daraus, die Restauration in den inner» Aufständen mit seinem Degen zu vertheidigen. Im I. >666 befehligte er unter dem Herzoge von Uork die Flotte gegen die holländ. Seemacht. Er wurde von Ruyter im Juni in einer dreitägigen Seeschlacht auf der Höhe von Dünkirchen geschlagen, errang aber am 25. Juni über denselben einen blutigen Sieg bei North-Foreland. Er starb am 3. Jan. 1670; mit großer Feierlichkeit ließ ihn der König zu Westminster bestatten. Sein unermeßliches Vermögen kam auf seinen einzigen Sohn, der durch die Niederlage bekannt ist, welche unter ihm die brit.-niederländ. Armee >7 >2 bei Denain erlitt. Monk (Jak. Heinr.), Professor der griech. Sprache aufder Universität zu Cambridge, geb. >782, erhielt seine Bildung in Cambridge, wo er >808 des berühmten Porson's (s. d.) Nachfolger wurde. Er gab des Euripides „Hipxol^tus" (Cambr. >8> >; 3. Aust., 182>) und „srlcestis" (Cambr. >8>6) mit gelehrten Anmerkungen heraus und ordnete mit Blomfield (s. d.) den kritischen Nachlaß seines Vorgängers, der unter dem Titel „L.ävers»ria" (Cambr. >8>2) erschien. Mit Blomfield u. A. besorgte er das geschätzte 682 Monmouth Monochord ,Museum criticum, or (lumliriclge classical resesrckss", das 1831 den Titel „Ille züri- lologicsl Nuseum" erhielt. Monmouth, eine engl.Grafschaft von 23'/-OM. mit S80NN E. und mit der gleichnamigen Hauptstadt an der Wye, umfaßt einen sehr fruchtbaren Strich Landes und hat bedeutenden Ackerbau, Viehzucht, Industrie und Handel mit Natur- und Kunstproducken. Höchst merkwürdig sind die Ruinen der Kirche der Tintern-Abbey an der Wye, in einem Felsthale, die zu den schönsten Überbleibseln goth. Baukunst gehören. Monmouth (Jam., Herzog von), der natürliche Sohn Karl's II. von England, oder auch, wie behauptet wird, des Obersten Rob. Sidney mit der Lucy Walters, wurde 1649 zu Rotterdam geboren. Ungeachtet der wenig rühmlichen Aufführung ; seiner Mutter ließ ihn Karl II. sorgfältig in Frankreich und zwar in der katholischen ' Religion erziehen und ernannte ihn nach der Restauration zum Grafen von Orkney, Herzog vvn Monmouth und Hauptmann der Garde. Nachdem er -enter dem Prinzen von Oranien in den Niederlanden gefochten, wurde er als Gouverneur nach dem unruhigen Schottland entsendet. Mit einer Tochter aus dem angesehenen schot. Geschlecht- der Scotts von Buccleugh verhcirathet, gelang es ihm in der Thal, durch mildes Betragen die widerspenstigen Presbyterianer zu besänftigen. Als es dennoch am 21. Juni 1679 an der Brücke von Bothwell am Clydefluß zu einem blutigen Austritte kam, wirkte er den Empörern bei Hofe eine Amnestie aus. Jndeß mußte er doch den Befehl an den Herzog von Jork (s. I a ko b II.), den Bruder des Königs, abtreten, dessen Persönlichkeit und religiöse und politische Richtung er haßte. Als dieser an den Hof zurückgekehrt, ging M- nach den Niederlanden und suchte hier, um seinem Gegner die Thronansprüche zu verkümmern, den Beweis zu führen, daß Karl II. mit Lucy Walters wirklich ehelich verbunden gewesen sei. Wiewol der König darüber sehr unwillig war, durfte M. doch nach England zurückkehren, wo er der Mittelpunkt aller Umtriebe und Verschwörungen wurde, welche die Entfernung des Herzogs von Jork vom Throne bezweckten. Bei der Entdeckung ^ des L^e-llouse-ploi (s. Großbritannien) beschuldigte man ihn sogar, daß er Karl II. selbst nach Krone und Leben getrachtet habe. Der König verwies deshalb M., den er außerordentlich liebte, nach den Niederlanden, unterstützte ihn aber reichlich mit Geld. Hier sammelte M. nach der Thronbesteigung Jakob's II. die misvergnügten Emigranten um sich und traf Vorbereitungen, bei der allgemeinen Unzufriedenheit in England seine vermeintlichen Thronrechte mit den Waffen in der Hand geltend zu machen. Während sein Genosse, der Graf von Argyle (s. d.), nach Schottland abging, landete er am 1 >. Juni 1685 zu Lyme in der Grafschaft Dorset mit 80 M. und klagte den König in einer Procla- mation der Vergiftung Karl's II. und der Anstiftung des großen Brandes zu London an. An der Spitze von 3000 Protestanten, die ihm sogleich beitraten, wendete er sich nach Ax- minster und von da nach Taunton, wo er mit offenen Armen ausgenommen wurde. Nachdem sein Corps auf 6000 M. angewachsen, nahm er am 20. Juni den königlichen Titel an und rückte nach Bridgewater vor. Allein das Parlament hatte sich gegen ihn erklärt und der Hof brachte ein regelmäßiges Corps von 3000 M. zusammen, an dessen Spitze der Graf von Feversham die Empörer am 5. Juli angriff. 'Hätte der feige, verrätherische Lord Erey, der die Reiterei befehligte, seine Pflicht gcthan, so würde M. unfehlbar gesiegt haben. Allein während des verzweifelten Kampfes zerstreuten sich seine Truppen. M. suchte sich durch die schleunigste Flucht zu retten; allein es stürzte sein Pferd. Am andern Tage entdeckte man ihn in einem Graben und brachte ihn nach London. Hier warf er sich zwar dem Könige zu Füßen und bat für sein Leben; aber Jakob II. blieb unerbittlich, zumal da der Schuldige seine Mitverschworenen nickt augeben mochte. Am >5. Juli >635 wurde er ohne Proceß auf Tower-Hill, und zwar auf eine martervolle Art, enthauptet. Die grausame Wuth, mit welcher der Hof seinen Sieg verfolgte (s. Jeffrey s), empörte das Volk und stimmte die öffentliche Meinung für die nächste Revolution. Monöchord ist ein mit einer Saite bezogenes, hohles Instrument, ungefähr I'/-. Elle lang und '/» Elle breit, worauf mittels des Cirkels und eines beweglichen Stegs die * Höhe oder Tiefe der Töne nach Verhältniß der ab- und zunehmenden Länge der Saite gesunden und ausgemeffen werden kann. Man bedient sich desselben hauptsächlich bei akusti- Monochromen Monokotyledonen 683 scheu Untersuchungen, insbesondere um Intervalle, deren Abstand weniger als einen Hai- - den Ton beträgt und die unsere musikalischen Instrumente ihrer Einrichtung zufolge nicht anzugeben vermögen, zur Darstellung zu bringen. Monochromen oder Mono chromatische Bilder nennt man einfarbige Bilder. Die monochromatische Malerei war die einfachste und älteste Art der Malerei. Man bediente sich dazu in der frühesten Zeit besonders der rothen Farbe auf schwarzem Grunde, oder der schwarzen auf rothem Grunde. Zeugnisse derselben aus dem Alterthume geben die ältesten Vasenbildcr und die Wandgemälde in den etrusk. Gräbern. Neuerdings ist sie in einigen Zimmern des Königsbaues in München in Anwendung gekommen, i Monodrama, s. Melodrama Monogamie bezeichnet im Gegensätze zur Polygamie (s. d.) die geschlechtliche Verbindung Eines Mannes mit Einer Frau, folglich die einfache Ehe. Auch spricht man bei den Thieren von Monogamie und in der Botanik führt eine besondere Ordnung des Linnesschen Systems den Namen Monogamen. Monogramm (gricch.) oder Handzeichen (lat. 5ignum, franz. cliiüre) nennt man eine Figur, in welcher durch Einen, oder auch mehre in Einen verschlungene Buchstaben, durch ein Zeichen u. s. w. der Name und Titel einer Person ausgedrückt werden. Solche Monogramme finden sich schon im hohen Alterthume und namentlich bieten die griech. Münzen eine reichhaltige Sammlung derselben dar. Immer häufiger kamen sie in Gebrauch unter den fränk. Königen. Durch Kaiser Karl den Großen, der ihnen eine bessere Gestalt gab, wurden sie ein allgemeiner Gebrauch in allen zu dem großen Frankenreiche gehörigen Ländern, sowol auf Münzen, wie in Urkunden. Geistlich? und weltliche Regenten wählten sich nach Willkür bei ihrem Regierungsantritte Monogramme ihres Namens. Erst im 12. Jahrh. wurden sie des veränderten Geschäftsganges wegen allmälig wieder außer Brauch gesetzt. Am längsten hielten sie sich in Deutschland, wo sie erst t 495 ^ auf dem Reichstage zu Worms abgeschafft wurden. Die Lehre von den mittelalterlichen Monogrammen ist für die Erklärung und Kritik der Denkmäler und Urkunden dieser Zeit von großer Wichtigkeit und bildet einen besonder» Theil der Diplomatik oder Urkunden- lehre (s.d.). In der später» Zeit hat man das Wort auf alle Namenschiffren, Züge und sonstige Zeichen der Maler, Kupferstecher und andererKünstler übergetragen, womit dieselben ihre Arbeiten als die ihrigen zu bezeichnen pflegten. Vgl. I. F. Christ, „Anzeige und Auslegung der Monogrammatum" (Lpz. 1747); Heller, „Monogrammenlexikon" (Bamb. 1831) und Bruillot, „Oictionuaire tles Mvnogramwes" (neue Aufl., 3 Bde., Stuttg. >832—34). Übrigens bezeichnet Monogramm, und zwar schon bei den Alten, jede einfache blos durch Linien gegebene Zeichnung. Monographie nennt man eine Schrift, welche einen einzelnen Gegenstand einer Wissenschaft als ein abgesondertes Ganze abhandelt. Die Monographien sind ein Er- zeugniß der neuern Zeit, und haben zur Förderung der Wissenschaft wesentlich beigetragen. Moilokotyledönen oder Monokotyledonische Pflanzen heiße» im Gegensätze zu den Dikotyledonen (s.d.) die Gewächse, deren Keim nur einen Samenlappen vder Kotyledo (s. Kotyledonarpflanzen) hat. Von den übrigen Gewachsen unterscheiden sie sich sowol in ihrem äußern Ansehen und in der Form wie durch ihre innere Structur und Bildung. Sie haben eine feine faserige, oder knollige, selten eine holzige, verästete Wurzel. Ihr Stamm ist gewöhnlich einfach, seltener ästig und zeigt weder Rinde, ^ noch Holz und Mark, sondern besteht vielmehr durchgehend aus gleichem Zellgewebe und unregelmäßig dazwischen liegenden Gefäßbündeln, und verdickt sich, wenn neue Gefäßbündel in der Mitte herabsteigen. Die Blätter sind am Grunde meist scheidig und umfassen die Stengel; sie haben einfache, gleichlaufende Adern, welche durch zarte Queradern verbunden werden. Die Zahl der Blütentheile ist 3, 6, 9 oder 12, mit seltenen Ausnahmen. Eine Blumenkrone ist nie vorhanden, und die häufig prächtigen Ümhüllungen der Ge- schlechtstheile, z. B. bei der Tulpe, sind Kelche; oft aber fehlt auch der Kelch. Die Früchte * sind meist ein- oder drei- oder sechsfächerig. Überhaupt waltet die Zahl drei und deren Vervielfältigung in den Blumen und Fruchttheilen vor. Die vorzüglichsten Gewächsfamilien dieser Abtheilung sind die Gräser, zu denen unsere Getreidearten gehören, die Scheingräser, 681 Monolog Monophysiten Pfeffergewächse, Kolbengewächse, Nympheen und andere Wassergewächse, die Palmen Graslilixn, Schwertlilien und lilienartige Gewächse, die Orchideen und Bananen. Von den fossiler. Überresten des Pflanzenreichs aus der Vorwelt gehört die beiweitem größere Zahl zu den Monokotyledonen. Monölog, d. i. Selbstgespräch, heißt im Schauspiel im Gegensätze des Dialogs (s. d.) diejenige Scene oder Rede, in welcher eine einzelne Person für sich selbst spricht. Der Monolog dient dazu, die handelnden Hauptpersonen nach Innen genauer zu schildern, die Triebfedern ihrer Handlungen darzustellen und so den Zusammenhang der Handlung anschaulich zu machen; doch darf er nur da eintreten, wo der Dramatiker durch den Dialog seinen Zweck gar nicht oder doch nicht vollkommen erreichen würde. Er darf nie ein bloscr Lückenbüßer sein, sondern muß die dialogischen Scenen verbinden und eine bedeutende Veränderung in dem innern Zustande der Person bezeichnen, die als Ursache für das Folgende von Bedeutung ist, oder als Wirkung des Vorhergehenden angesehen werden kann. Ebenso muß erber Lage der sprechenden Person angemessen sein. Monomanie, ein griech. Wort, welches zuerst von Esq u irol (s. d.) in die Lehre von den Seelenkrankheiten ausgenommen wurde, bedeutet eigentlich eine Art Wahnsinn, welche ohne Störung der übrigen Geistesvermögcn sich durch Festhalten einer bestimmten widersinnigen Idee, oder durch fortdauernden Trieb, eine und dieselbe verkehrte Handlung zu begehen, ausspricht. Bei beiden Arten ist jedoch zu bemerken, daß zur wissenschaftlichen Annahme von Monomanie deutliche Zeichen einer wirklichen psychischen Krankheit vorhanden sein müssen, weil diese sonst mehr eine intellectuelle oder moralische, ein Jrrthum oder eine Leidenschaft, sein würde, in welchem Sinne das Wort Monomanie auch oft im gewöhnlichen Leben gebraucht wird. Monophyfiten hießen die Anhänger einer vielfach verzweigten christlichen Partei, die nach dem seit Athanasius aufgekommenen und besonders in Ägypten geltenden Sprachgebrauchs nur Eine (Mensch gewordene göttliche) Natur in der Person Christi annahm und ihre Ansicht namentlich im Streite gegen Ncsto rius (s.d.) durchbildete. Hatte schon Cyrillus (s. d.) behauptet, daß das Fleisch des Logos wesentlich zu sciner Persönlichkeit gehöre, so sprach der Archimandrit Eutyches (s.d.) von einer Vergottung des Fleisches Christi und setzte mit Hülfe des Bischofs Dioskurus von Alexandria die Bestätigung der Lehre von Einer Natur auf der sogenannten Näubersynode zu Ephesus im I. 4-19 durch. Zwar wurde nun Eutyches nebst allen seinen Anhängern auf der Kirchenversammlung zu Chal- cedon 4öl als Ketzer verurthcilt, doch konnte der Streit durch die Bestimmung dieses Eon- ciliums, daß in Christo zwei Naturen ohne Vermischung, Verwandlung und Trennung zu Einer Person und Hypostase'vereinigt seien, nicht ausgemacht werden. Die asiat. und die ägypt. Geistlichkeit, welche in jenem Beschlüsse Annäherung an Nestorius erblickte, waren meist monophysitisch gesinnt und wurden darin durch den KaiserBasiliscus bestärkt. Auch dcsKaisers Zeno im 1.482 erlassenes Hen otiko n(s. d.) war wegen seiner Zweideutigkeit nicht geeignet, sie zu versöhnen, und nach langen, oft blutigen Kämpfen sonderten sich die Monophysiten von der orthodoxen Kirche förmlich ab. DieseTrennung erfolgte in der ersten Hälfte des V.Jahrh., als der Schutz, den die Monophysiten bisher gefunden hatten, seit der festen Vereinigung der Kaiser Justinus und Justinian mit der röm. Kirche aufhören mußte. Auch unter sich selbst blieben sie nicht einig. Schon 483 hatten sich die Akeph all (s. d.) abgesondert und bildeten den eigentlichen Kern des Monophysitismus. Neue Streitigkeiten erhoben sich unter ihnen 519 über die Frage: Ob der Leib Christi verweslich sei oder nicht? Die Severianer, Anhänger eines abgesehten Patriarchen Severus von Antiochia, der sich zu den Akephalen hielt,bejahrten sie; die Julianisten oder Gajan iten, Anhänger der Bischöfe Julianus und Gajanus, verneinten sie. Jene wurden deshalb Phtharto- latrer, Corrupticolä oder Verweslichkeitsdiener, diese Aph thartodoketen oder U n v e r w e s l i ch k e i t s l e h r e r und, weil ein unverweslicher Leib nur ein scheinbarer sein könne, auch Phantasiasten genannt. Letztere zerfielen wieder über die Frage: Ob der Leib Christi erschaffen gewesen? in Akt iste ten, die ihn für »»erschaffen, undKtisto l atrer, die ihn für erschaffen hielten. Die Severianer, nach einem ihrer Bischöfe auch Theodo- si an er genannt, behielten endlich die Oberhand und belegten auch die unter ihnen ent- 4 Monopol Monotheleten 685 standenen Agn orten, die Christo als Menschen die Allwissenheit absprachen, mit dem ' Banne. Um 560 kam der Monophysit Askusnages und nach ihm der christliche Philosoph Philoponus auf den Einfall, die drei Personen in der Gottheit drei Götter zu nennen. Doch dieses erschien selbst den Monophysiten ketzerisch und gab Veranlassung, daß viele Monophysiten sich den Katholischen wieder zuwendeten. Am stärksten blieben die monophy- sitischen Gemeinden in Ägypten, Syrien und Mesopotamien, wo sie durch ihre besondern Patriarchen zu Alexandria und zu Antiochia eine kirchliche Ordnung erhielten und, nachdem der Syrer Jakob Baradäus (AlBaradai), gest. um 578, ihre Religionsverfassung befestigt hatte, die selbständigen Kirchen der Jakobiten (s. d.) und Armenier (s. Armenische Kirche) bildeten. Zu den monophysitischen Kirchen gehört auch die abyssinische und die koptische. (S. Abyssinien und Kopten.) Mvnöpol oder Alleinhandel bezeichnet die Macht oder Befugniß, irgend einen Handel oder Gewerbe ausschließend undallein zu treiben. Es gibt natürliche und künstliche, vom Staate verliehene Monopole; ebenso directe und allgemeine, und indirecte und relative. Letztere werden durch mittelbar auf Beschränkung der Concurrenz wirkende Umstände hervorgebracht. Alle Monopole vertheuern den Preis und halten in der Regel den Vorschritt . aus. Von den directen und allgemeinen lassen sich nur die auf bestimmte, kürzere Zeit verliehenen Monopole, unter Umstanden, wie z. B. die Erfindungspatente, vertheidigen. Monotheismus (griech.) heißt die Anerkennung und Verehrung eines einzigen Gottes, oder der Glaube, daß das göttliche Wesen nur Eins der Zahl nach (uuus uumern) sei, das ist, daß die Idee unserer Vernunft von dem vollkommensten Wesen ihre Realität habe in einem einzigen Subjecte, das alle Vollkommenheiten in Einem Selbstbewußtsein ! besitze. Dem Monotheismus entgegen steht der Polytheismus (s. d.). Da alle Ideen der Vernunft nur durch den Anstoß, den die Erfahrung unserer Vernunft gibt, zur Ent- Wickelung kommen, so war es natürlich, daß in der Urzeit das menschliche Geschlecht mit 7 dem Polytheismus anfing, indem die Erfahrung zuerst die Vorstellung einzelner Vollkommenheiten weckte, welche die Phantasie personificirte. Bei weiterm Fortschritte der Ver- nunftbildung mußte man aber nothwendig zu der Erkenntniß kommen, daß alle Vollkom- , menheit, wenn sie vollkommen sein solle, in einer Einheit des Bewußtseins befaßt sein müsse, daß also Gott nur Einer sein könne. Darum geschah es, daß auch unter polytheistischen Völkern sich immer einzelne Weise fanden^ welche die Falschheit des Polytheismus und die Einheit Gottes erkannten, wie unter den Ägyptern Psammon, unter den Griechen Sokrates und Plato. Als Volksglaube aber oder als öffentliche Religion finden wir den Monotheismus bei Juden, Christen und Mohammedanern. Als Volksreligion wurde er von dem Stammvater des israelit. Volks, Abraham, begründet; Moses erhob ihn zur Staats- religion und die Propheten reinigten ihn von falschen Vorstellungen. Der herrschende Grundbegriff war: Gott ist der allmächtige Schöpfer, Erhalter und Regierer der Welt und der Schutzgott des israelit.Volks. Erfühlte den Namen Jehova (s.d.). Durch Chri- stus wurde Gott dargestellt als der vollkommenste Geist, der absolut und allein Gute und Weise, aber auch als der Gott aller Menschen und Völker- Der christliche Monotheismus bekam daher auch die Bestimmung, die Religion aller Völker, der Menschheit, zu werden. Dadurch wurde ein neues und wirksames Band der Humanität zwiscken den Völkern geknüpft, welche der Polytheismus getrennt und durch den Wahn, von Göttern erzeugt, oder doch von den Göttern besonders geliebt zu sein, in feindselige Parteien zerrissen und Unterjochung der Schwachen und Sklaverei der Besiegten befördert hatte. Weil aber die Chri- ^ sten die Lehre von der Drei einig keit (s. d.) angenommen hatten, und auch die Heiligen anruften und vor ihren Bildern knieten, so hielt sie Mohammed für Götzendiener und glaubte sich berufen, den alten reinen Monotheismus wiederherzustellen, den er aber mehr in alttestamentlichcm als in christlichem Sinne auffaßte. Monotheleten hießen die Anhänger einer christlichen, den Monophysiten (s.d.) verwandten Partei, welche zwar die Zweiheit der Naturen in Christo anerkannte, aber die ^ Einheit des Wollens und Wirkens in ihm lehrte und behauptete, daß sein menschliches Wollen und Thun im göttlichen untergegangen, von diesem gleichsam verschlungen gewesen sei. Dies schien ihr aus der Einheit der Person zu folgen und für die Kraft des ErlösungS- 686 Monotonie Monro Werks nothwendig. Die Partei und der Streit über sie entstand in Folge des Versuchs, den Kaiser Heraklius auf den Rath der Bischöfe Cyrns von Alexandrien und Sergius von Konstantinopel im I. 633 machte, die Monophysiten mit der orthodoxen Kirche durch die Formel wieder zu vereinigen, daß Christus seine Werke durch Eine gottmenschliche Wirkungsweise vollbracht habe. Gegen diese Formel traten Sophronius, Bischof von Jerusalem, und Andere, welche Dyotheletcn genannt wurden, heftig auf, und nun entspann sich ein Kampf, den weder das kaiserliche Edict „Ekthesis" von 638, noch der „Typos" desKaisers Konstans' II. von 648 zu schlichten vermochte. Erst dkm sechsten ökumenischen Concile zu Konstantinopel im I. 68« gelang es, der Lehre von zwei in Christo ohne Gegensatz und Vermischung vorhandenen Willen und Wirkungsweisen ein Übergewicht zu sichern, welches der monotheletisch gesinnte Kaiser Philippicus Bardanes nur vorübergehend bedrohte. Indes bildete sich doch aus den Überresten der Monotheleten die Sekte derMaroniten (s.d.). Monotönie oder Eintönigkeit nennt man den Mangel an Modulation in der menschlichen Stimme beim Sprechen oder Singen. In den schönen Künsten bezeichnet man damit eine gewisse Einförmigkeit der Manier, die sich in der Behandlung und Darstellung der Gegenstände offenbart, überhaupt den Mangel an Abwechslung und Mannichfaltig- keit, der in allzugroßer Einfachheit des Gegenstandes seinen Grund hat. Auch wird dieser Ausdruck auf Gegenstände.der Natur, z. B. Gegenden, angewendet. Monreäle, eine Stadt in Sicilien, in einer herrlichen Gegend, eine Meile von Palermo, ist mit diesem durch eine schöne Straße verbunden, der Sitz eines Erzbischofs, und hat etwa 14««« E. Besonders merkwürdig sind die reich ausgestattete Benedictincrabtei, mit einer Bibliothek, und die alte Kathedrale mit Bronzcthüren, schönem Säulenwerk und den irdischen Überresten mehrer normänn. Könige aus dem 12. Jahrh. Mit dem Glöcklein auf dem dasigen Schlosse wurde zur Sicilischen Vesper geläutet. Monro ist der Name mehrer berühmten engl. Anatomen und Chirurgen. — Alex. ^ M., geb. am 8. Sept. 1697 in London, studirte in Edinburg und London unter Cheselden, in Paris und in Leyden unter Boerhaave. Nach seiner Rückkehr im I. 17 l 9 fing er an, in Edinburg anatomische und chirurgische Vorlesungen zu halten und erhielt daselbst 1721 ! die Professur der Anatomie und Chirurgie. Er bewirkte auch daselbst die Errichtung eines > akademischen Krankenhauses, an dem er den klinischen Unterricht leitete. Im I. 1758 lra! ! er seine Professur an seinen jünger» Sohn ab und behielt nur die Klinik bei. Er starb am > l«. Juli 1767. Von seinen Schriften sind besonders zu erwähnen „Elision,)' »kkiimaii ! boues Slick nerven" (Edinb. 1726 und öft. ; deutsch von Krause, Lpz. 1761) und VN c<»»i>si- 1782). — DonaldM., der Sohn des Vorigen, geb. zu Edinburg 1729, stieg im Mili- tairdienste bis zum Oberfeldärzte und starb zu Edinburg am 9. Juni I 8 « 2 . Neben der , Herausgabe der gesammelten Werke seines Vaters machte er sich noch durch folgende Schriften bekannt: „On tlle ckr»;,8)-snck its ckitkerent 8pecie8" (Lond. 1755; deutsch von Krause, Lpz. >761 und Altenb. >777), „seeeonnt oktlle ck>8es8e8 in tlle Knti5ll militsr^ llnspitul» inOermsn^ krom 1761 1» 1763"(Lond. 1764; deutsch von Wichmann, 3 Bde., j Altenb. >766; 2. Aust., 1771), „On tlle miixersl Esters" (2 Bde., Lond. 177«), „On s Ille mesns vk pre8ervinF Ille llesltll ok solt1ier8 suck ok conckucting militari llospitsls" (2 Bde„ Edinb. 178«; deutsch, Altenb. 1784) und „llleckicsl snck pllsrmscenticsi cll)' ^ inistrx sn<1 msteris meckics" (4 Bde., Lond. 1788; deutsch von Hahnemann, 2 Bde-, Lpz. 1791).— A l e x. M., der jüngere Bruder des Vorigen, geb. 17 32 zu Edinburg, folgte ! seinem Vater 1759 in der Professur der Anatomie und Chirurgie nach und starb am 2. Oct. 1817. Als Anatom nicht minder ausgezeichnet als sein Vater, hat er hauptsäch- , lich folgende Schriften herausgegeben: „Ob8ervstions on tlle otructure sock kunctiona °l tlle nerv»u8 sMem" (Edinb. 1783, Fol,; deutsch von Sömmering, Lpz. 1787, 4.), §8tructure snck ^llxsiolog^ vk tolles explsineck sock conipsreck lvitll tllose ok msn Monroe Mons 687 and otlier animal«" (Edinb. 1785, Fol.; deutsch von Schneider, Lpz. 1787, 4.) und „Ilo- scription okalltlic: dursse mucpsse «k tbe imman bnd)'" (Lond. 1788, Fol.; lat. und deutsch von Nosenmüllcr, Lpz. >799, Fol.). — Auch Alex. M., der Sohn des Vorigen, gcb. >76», der 1797 in Edinburg die medicinische Doctorwürde erlangte und nachmals Professor der Anatomie und Chirurgie in Edinburg war, bereicherte die Literatur der Me- dicin durch folgende Wichtige Werke: „Oi-sarvations VN crural üernia" (Edinb. 1893), ,,'1'be morbid snatom)- ok tbe üuman gullet, stomacli and intestinss" (Edinb. 1811, Fol.), „Outline« oktbe snatom> oktbe bnman bod^ in it« sonnd state" (I Bde., Lond. 1813 sg.), „Observation« on tbe diüerent bind« ok smsU-pox" (Edinb. 1818), „Moments ok tbe anatomze oktbe bnman bod^ in it« sound state" (2 Bde., Edinb. > 825), ,,'Lke snatomzr ok tbe pelvis ok tbe male" (2. Ausl., Edinb. > 827) und „"tbe morbid anstowv ok tbe brsin" (Lond. 1827). Monroe (James), Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika, 1817—25, geb- am 28. Apr. 1758 in der Grafschaft Westmoreland in Virginien, studirte die Rechte, als der Unabhängigkeitskrieg seines Vaterlandes ausbrach und ihn unter die Waffen rief. Er zeichnete sich bei mehren Gelegenheiten durch Tapferkeit aus und rückte zum Obersten auf; dann kehrte er >778 wieder zu seinen Studien zurück. Er wurde >782 Mitglied der Gesetzgebenden Versammlung und >783 des Congresses in Virginien, 1790 aber des Na- tionalcongrcsses, in welchem er bis >794 saß, wo er als Gesandter nach Frankreich ging. Als er >796 durch den Präsidenten Washington zurückgerufen wurde, rechtfertigte er sein Benehmen durch die Veröffentlichung seines diplomatischen Briefwechsels. Hierauf war ec von 1799—1802 Gouverneur von Virginien gewesen. Im I. 1803 ging er abermals als Gesandter nach Paris, um die Unterhandlung über die Abtretung von Luisiana abzuschließen und erhielt dann Sendungen nach London und 1804 nach Madrid. Mit der Aussicht, Jefferson's Nachfolger in der Präsidentenwürde zu werden, kehrte er 1808 nach Amerika zurück; doch gab er hier die Bewerbung auf, wurde 1810 wieder Gouverneur von Virginien und >811 unter Madison's Verwaltung Staatssecretair. Zugleich übernahm er das vernachlässigte Kriegsministerium, wo er die eifrigsten Anstrengungen machte, die Vcrtheidigungsmittel des Staats zu verstärken. Als die Engländer 1814 Washington erobert und verbrannt hatten, erhielt M. den Oberbefehl über die Streitkräfte. Nach dem Frieden widmete er sich wieder ausschließend den Geschäften des Staatssecretariats, bis er 1817 Präsident wurde. Einstimmig wurde er 1821 wieder erwählt. Wie während seiner Verwaltung die Kräfte des Staats sich entwickelt, ist in seinen meisterhaften Berichten an den Congreß mit Würde und Offenheit ausgesprochen. Er ging weiter als seine nächsten Vorgänger in der Verstärkung der Unionsregierung und namentlich verdankt das Seewesen ihm seine Ausbildung. Während seiner Verwaltung ward Florida erworben, die Unabhängigkeit der span, und portug. Colonien anerkannt und der Entschluß der Regierung der Vereinigten Staaten ausgesprochen, keine Einmischung europ. Mächte in die innern Angelegenheiten der südamcrik. Staaten zu dulden. Er nahm die kräftigsten Maßregeln zur Unterdrückung des Sklavenhandels und begünstigte den Handelsverkehr mit allen Völkern -uf der Grundlage freier und vollkommener Gegenseitigkeit. Als er seine Würde niedergelegt hatte, verband er sich mit Jcfferson und Madison, die neue Universität in Virginien zu gründen. Er führte den Vorsitz in der Urversammlung bei den Berathungen über das neue Grundgesetz dieses Staats und verwaltete an seinem Wohnorte das Amt eines Friedensrichters. Auch er starb, wie Adams und Jcfferson, am Jahrestage der amerik. Unabhängigkeit zu Neuyork am 4. Juli 1831. M. besaß einen kräftigen Geist, ein starkes Gemükh und einen lebendigen Thätigkeitstrieb. Als Präsident und als Bürger schlicht, Jedem zugänglich, im Denken sicher, im Handeln redlich, der demokratischen Partei ergeben, staub er in hoher Achtung bei seinen Mitbürgern, die sich auch dadurch bethätigte, daß ihm, als er nach Niedcrlcgung seiner Würde in bedrängten Umständen war, der Congreß freigebige Bewilligungen machte, um die Ansprüche zu befriedigen, die aus der Zeit seiner Verwaltung herrührten. Mons, flämisch Bergen, die stark befestigte Hauptstadt der belg. Provinz Hennegau, auf einer Anhöhe, am Flusse Trouille, hat etwa 24000 E. Das merkwürdigste Gebäude Mons en Puelle Monstranz ist die Waltrudiskirche (catbedrale de 8t.-Wundru), erbaut 1460—1588, ein Meisterstück namentlich in Hinsicht der Zicrlichkeit und Kühnheit im Innern. Das ehemalige Schloß dient jetzt als Irrenanstalt; auf dem dazu gehörigen Elockenthurme (Leliroi) befindet sich ein Glockenspiel. Das, Rathhaus, aus der Mitte des >5. Jahrh., ist ein schwerfälliges, gedrücktes Gebäude. Übrigens hat die Stadt eine Börse, ein Handelsgericht, ein Collegium und eine Akademie für Kunst und Wissenschaft. Von Wichtigkeit sind'die Baumwollenfabrikation und der Handel mit Getreide und Steinkohlen. Ein Kanal verbindet die Stadt mit der Schelde und eine Eisenbahn mit Brüssel. In der Umgegend von M. gibt cs die bedeutendsten Steinkohlenbergwerke, deren l 15 Flöhe his 500 F. unter dem Meeresspiegel reichen, und einen großen Flintensteinbruch. M. verdankt seinen Ursprung einem Castrum, das Cäsar im Kriege gegen die Gallier hier anlcgen ließ. Schon im Mittelalter war es ein bedeutender Ort. Im großen niederländ. Kriege wurde es >572 unter dem Beistände der Franzosen von Ludwig von Nassau genommen, noch in demselben Jahre aber von den Spaniern unter Friedrich von Toledo und Chiappone Vitellio wiedergenommcn, die sich in dessen Besitze sowol gegen Coligny, wie gegen den Prinzen von Oranicn behaupteten. In dem Kriege Ludwig's XIV. wurde die Stadt am 8. Apr. 1691 durch Vcrrath an Vauban übergeben, im Frieden zu Ryswijk von 1697 aber wieder an Spanien abgetreten. Im span. Erbfolgekriege geriekh sie 1709 wieder in die Hände derFranzosen; im utrechterFrie- den von 1713 wurde sie an die Holländer, im Frieden z» Baden von 1714 an Ostreich gegeben. Von neuem eroberten sie die Franzosen am >0. Juli 1746 unter dem Prinzen Conti, doch kam sie nachher abermals an Ostreich zurück. Nach ihrer Eroberung durch ius republikanische Frankreich imI. l 792 wurden die Festungswerke geschleift, zu deren Wiederherstellung man seit 1818 die franz. Contributionsgelder und engl.Subsidien verwendete. Mons en Puelle, ein Dorf in Flandern, an der Lys, ist durch die Schlacht merkwürdig, welche hier am 18. Aug. 1304 der König Philipp IV. von Frankreich über die empörten Flanderer erfocht. Monsieur, in der Mehrzahl M essieurs, ist im Französischen bei mündlicher und schriftlicher Anrede der Titel, welchen man aus Höflichkeit jeder Mannsperson gibt. Der Titel entspricht in Bedeutung und Anwendung dem deutschen Herr oder Mein (mon) Herr (sieur). Ehedem führte in Frankreich der ältere Bruder des Königs, wenn man von ihm sprach, den Titel Monsieur; redete man ihn jedoch selbst an,so hieß er Monseigneur. .(S. Seigneur.) Monsigny (Pierre Alex.), ein beliebter Komponist, der Begründer der komiscbcn Oper derFranzosen, geb. zu Fauquembery im Artois am 17.Oct. 1729, war bereits in Paris in einem Subalternposten angestellt, als auf einmal in Folge der Vorstellung der „8ei-va pa<1rona"vvn Pergolesi, der er beiwohnte, in ihm der Gedanke erwachte, sich au<- schließend der Musik zu widmen. Er studrrte nun die Composition unter Giannotti, den er nach vollendetem Unterricht beim Abschied mit der Oper „Ves sveux incliscrsts" überraschte. Erst drei Jahre später, im I. 1759, brachte er dieselbe gänzlich umgearbeitet auft Theater. Durch den Beifall, welchen sie fand, aufgemuntert, schrieb er im folgenden Jahre die Oper „ Ve msltre en droit" und „Ve <7adi duz>s". Durch die niedliche Oper „On ne s'svise jamsis de tont" vollendete er >761 die musikalische Revolution auf dem Vbeätre de la foire, welches damals den Namen der ital. Oper annahm. Am 22. Sept. 1798, dem Neujahrstage der franz. Republik, wurde er nebst Cherubim, Lesueur und Martini auf dem Marsfelde als ausgezeichneter Komponist vom Direktorium und dann von Herolden ausgerufcn. Gleichzeitig erhielt er eine Pension auf Lebenszeit. Nach Piccini's Tode wurde er 1800 dessen Nachfolger als Direktor am Konservatorium und >813 an Gretry's Stelle in das Institut ausgenommen. Er starb am 15. Jan. 1817. Nächst den erwähnten gehören zu seinen vorzüglichsten Opern „Vs roi et Io kermier", „Rose et <7olas", „Xlive reine de öolcoude" „Visls sonnante", „Ve döserteur", „Vs Isucon", „Völix ou Leoiemt trouvs" und „Vs belle Xrsene". Monsoons, s- Moussons. Monstranz .oderAllerheiligstes heißt bei den Katholiken das in dem Tabernakel des Hochaltars verschlossene, aus Gold, Silber oder anderm edeln Metall gearbeitete, wol Monstrum MonLague 689 auch mit Edelsteinen beschte Gefäß, in welchem die geweihte Hostie anfbewahrt und dem Nolle gezeigt wird. Nur ein geweihter Priester darf sie anrührcn, und jeder Katholik muß sic mit Knicbeugung verehren. Die Foderung einiger katholischer Regenten in gemischten Staaten, daß auch der nicht katholische Soldat im Dienste vor der Monstranz die Knicbeugung zu vollziehen habe, erregte in neuester Zeit in Baicrn vielfache Verhandlungen und Unzufriedenheit unter den protestantischen Bewohnern, die hierin einen nicht zu billigenden Gewissenszwang erblickten, während man andererseits die Sache rein militairisch und die Knicbeugung als eine Ehrenbezeigung betrachtete, die der protestantische Soldat vollziehen könne, ohne sich dabei etwas zu denken. Monstrum- nennt man überhaupt jeden Gegenstand, der in seiner Gestaltung von Gegenständen derselben Art in auffallender, der Zweckmäßigkeit und dem Geschmack wider- svrechcnder Weise abweicht. Es wird daher dieses Wort cbensowol leblosen als lebenden Gegenständen beigelegt; bei letzten, für Misgeburt, Misbildung, Ungeheuer u. s. w. in physischem und beim Menschen auch für Bösewicht, Wüthrich u.s. w. in moralischem Sinuc gebraucht. Das davon abgeleitete Adjectivum monströs wird nur selten in der letzter» Art angewendet. Zu den Anomalien des Geschmacks gehört das Bestreben der Blumisten, durch allerhand Mittel die Production monströser Blumen zu erzielen, während monströse Menschen- und Thierbildungen fast nur Gegenstände des Ekels und Abscheus, wenigstens des Mitleids sind und allein anatomisches Interesse bieten. Montagua (Bartolomco), ein für seine Zeit sehr bedeutender Künstler, aus Vicenza gebürtig,' soll um 1-189 geboren, 1522 gestorben und ein Schüler Andr. Mantcgna's gewesen sein. Er ist in seiner Auffassungsweise schlicht und ernst, in der Färbung monoton. Eine Madonna auf dem Thron mit den Heiligen und eine Krone der Maria besitzt von ihm das Museuni zu Berlin, andere Gemälde von ihm finden sich in Vicenza und Verona. — BenedettoM., ebenfalls Maler und Kupferstecher, geb. um >158, gest. 1550, war wahrscheinlich des Vorige» älterer Bruder. Gemälde von ihm find sehr selten; eine Dreieinigkeit und eine Madonna mit Johannes findet sich im Dom zu Vicenza. Er fertigte Zeichnungen zum Schnitte für Druckwerke und scheint selbst in Holz geschnitten zu haben, was namentlich von der seltenen „U^inerotoinsclliu LolPlüIi" (2. Ausg., Vcn. 15 15, -1.) gilt. Von seinen Kupferstichen kennt man -17 Blatt. Montague (Mary Picrrepont, Lady Wortlcy), eine durch ihre Schriften, wie durch ihre Bemühungen um die Einführung der Schuhpockenimpfung berühmte Engländerin, war die Tochter des Herzogs Evelyn Pierrepont von Kingston und wurde 169» zu Thoresby in der Grafschaft Nottingham geboren. Sie erhielt mit ihren Brüdern eine sehr sorgfältige Erziehung und brachte ihre Jugend in Zurückgezogenheit zu. Durch Schönheit, Geist und Bildung ausgezeichnet, heirathete sie 1712 den Lord Edward Wortlcy Montague, einen gebildeten talentvollen Mann, den sie für die politische Laufbahn bestimmte. Als derselbe 1716 den Ecsandtschaftspostcn bei der Pforte erhielt, reiste sie ihm durch Holland, Deutschland und Ungarn nach. Zu Konstantinopel erlernte sie die türk. Sprache und erhielt vom Sultan Achmed die Erlaubniß, den Harem zu besuchen, wo sie Freundschaft mit Fatima, der Sultanin-Valide, schloß. Ihr Verkehr mit dem Sultan selbst verursachte üble Gerüchte, die wahrscheinlich ganz «»gegründet waren. In der Nähe von Konstantinopel lernte sie auch die in der Türkei längst gebräuchliche Schuhpockenimpfung kennen. Sie unterrichtete sich über das Verfahren, unterwarf ihren eigenen Sohn zuerst der Probe und führte die Impfung unter hartem Widerstande später in England ein. Als ihr Gemahl >719 abgerufen wurde, bereiste sie mit demselben die Küsten des Mittelmecrs und kehrte über Italien und Frankreich nach London zurück. Hier sammelte sie einen Kreis von geistreichen Schriftstellern um sich, unter denen sich Addison, Steele, Aoung und Pope befanden. Letzterer indessen zerfiel mir ihr und rächte sich an ihr durch vernichtende Satiren. Dies, die Niederlage der Whigs, deren Grundsätze sie eifrig vertrat, so wie Zerwürfnisse mit ihrem Gemahl bestimmten sie, nach Italien zu gehen, wo sie 22 Jahre den Wissenschaften und ländlichen Beschäftigungen lebte. Erst 1761, nach dem Tode ihres Gemahls, kehrte sie nach England zurück, wo sie indeß schon am 21. Aug. 17 62 starb. Sie hinterließ Conv.-Lex. Neunte Aust. IX. 44 69 tt Montaigne poetische Fragmente und Briefe über ihre Reise nach der Türkei, die sie sichtlich für de» Druck geschrieben hatte und einem Holland. Geistlichen anvertraute. Wecket veröffentlichte l die erste Ausgabe ihrer Werke (3 Bdc., Lond. 1763), die aber unvollständig und wahrscheinlich auch unrechtmäßig war. Cleveland veranstaltete 1767 eine zweite Ausgabe in vier Bänden, deren letzter dieNeiscbricf: vervollständigen sollte, aber den Herausgeber selbst zum Verfasser hatte. Endlich erschien unter dem Titel ,,'cküe letters mul stirer rvork8 <>f Ille I^rlMsrx VVsrtlex N." (6 Bde., Lond. 1863; franz., 4 Bde., Par. 1864) die erste rechtmäßige, von ihrem Schwiegersohn, Graf Wüte, besorgte Ausgabe. Später gab Whaancliff ihre Briefe und Werke heraus (3 Bde., 2. Aust., Lond. 1837). Als Dichterin ist sie unbedeutend. Ihre Briefe dagegen offenbaren klassische Bildung, kühnen, männlichen Geist und seltene Energie des Stils. Ihr Charakter neigte zur Unzufriedenheit, Satire und Bizarrerie. — Edward Wo rtlcy M., der Vorigen Sohn, geb. I7>',, besaß viel Hang zum Sonderling und Abenteurer und wurde durch die Erziehung seiner Mutter vollends verdorben. Seit der frühesten Zugend entlief er wiederholt dem ältcrlichcn ^ Hause und trieb sich in den niedrigsten Beschäftigungen herum. Endlich schickte ihn die Mutter unter der Aufsicht eines gewissen Förster nach Westindicn. Ungeachtet seines hcrnm- schweifenden Lebens eignete sich M. doch ansgebreitete Kenntnisse an und zeigte viel Sinn für Alterthumsforschung. Nach seiner Rückkehr nach London mußte er in den Staatsdienst treten; allein er verfiel sehr bald wieder in ein wüstes Leben und begab sich Schulden halber 17 51nach Paris. Hier ging er mit Spielern und Gaunern um und verwickelte sich in einen i schimpflichen Criminalproceß, nach dessen Beendigung er nach London zurückkehrte. Er ! schien jetzt von seinen Jugendverirrungen geheilt und lebte mehre Jahre in Zurückgezogenheit der wissenschaftlichen Muse. Im I. 1754 trat er ins Parlament. Dann veröffentlichteer das treffliche Werk „RoliexionZ nn U»e rirs an<1 tlis lull nk tbe sncient repul-Iics" (Lond. 1759; franz., Par. 1769 und 1793). Nach dem Tode seiner Ältcrn, die ihn fast enterbten, überließ er sich ganz seinen abenteuerlichen Neigungen. Er durchstreifte alle Länder En- ' ropas, besonders aber den Orient. Nach feiner eigenen Aussage spielte er in Deutschland den Stallknecht, in Holland den Postillon, in der Schweiz den Bauer, in Paris den Stutzer, in Hamburg den eifrigsten Lutheraner, in Nom den Abt und in der Türkei den Muselmann. Endlich entschied er sich ganz für die oriental. Sitten. Er unterhielt neben seiner rechtmäßigen Frau einen Harem, kleidete sich und lebte als Türke, erfüllte auch gewissenhaft alle Gebräuche des Islam. Mit seinem Diener, einem fast schwarzen Knaben, ! den er für seinen Sohn ausgab, sprach er nur arabisch. Im I. >773 kehrte er aus dem Orient nach Venedig zurück. Daselbst starb er am 2. Mai 1776 unter den Vorbereitungen ' zur Wallfahrt nach Mekka. Seine zahlreichen antiguarischen Forschungen erschienen in den Schriften der königlichen Akademie. Eine interessante Beschreibung seines Lebens befindet sich in Nichols' „lüberc»-)- rinocilotosol'tlio eipchtoentl, centurz-" (Bd. 4, Lond. 1812, 4.). Montaigne (Michel Eyqucm de), ein berühmter franz. Moralphilosoph, wurde am ^ 28.Febr. 1533 aus dem Schlosse Montaigne imPerigord geboren. Sein Vater, der eigen- > thümliche Ansichten über Erziehung besaß, gab ihm schon in frühester Kindheit einen deutschen Hofmeister, der mit ihm nur lateinisch sprechen durfte. So erlernte der Knabe mit ! der Muttermilch, zwanglos, ohne Stock und Thränen, zuerst die lat., später auch in der- ! selben Weise die franz. und griech. Sprache. In seinem zehnten Jahre kam er auf das j College zu Bordeaux, wo Grouchi, Vuchanan und Muret seine Lehrer wurden. Schon j damals besaß er eine solche Fertigkeit im lateinisch Sprechen, daß sich Muret gefürchtet z haben soll, ihn anzuredcn. Nachdem er im Aster von 13 Jahren seine Schulstudien beendet, widmete er sich nach dem Wunsche des Vaters dem Rechtssache und erhielt 1554 die Stelle eines Raths am Parlament zu Bordeaux. An ein zwangloses Leben gewöhnt und den Geschäften abgeneigt, überdies den Scholasticismus seiner Zeit verachtend, versenkte er sich in das Studium der röm. und griech. Philosophen und trat in Verbindung mit Pasguier, Pibrac, Paul de Foix und andern ausgezeichneten Geistern. Zu Bordeaux lernte er auch zufällig in einer Gesellschaft Etienne de Laboetie kennen, und beide Männer schlossen beim s ersten Begegnen eine innige Freundschaft, die an die schönsten Beispiele des Alterthums ! erinnerte. In dieser Zeit schon galt M. als einer der besten Köpfe Frankreichs; auch war Montalembert 691 er bei Hofe sehr angesehen. Obschon er die Ehe als ein Joch ansah, vermählte er sich doch >566 mit Francoise de Lachassaigne. Ans den Wunsch seines Vaters verfaßte er einige Jahre später eine vortreffliche Übersetzung der natürlichen Theologie des Naymnndus Sc- bondns (Par. >566). Als sein Vater >569 gestorben, legte er sein Amt nieder und zog sich ans sein Erbschloß Montaigne zurück, wo er mitten in den Stürmen des Bürgerkriegs in beschaulicher Muße lebte. Hier gab er die hintcrlassenen Schriften seines 1563 gestorbenen Freundes Labo'e'tie heraus (Bordeaux >571); auch schrieb er damals die ersten zwei Bücher seines berühmten Werks „I-o4 essais cle,n68-äre!>l>cli«l, Seigneur 53i wählten ihn die Bürger von Bordeaux zu ihrem Maire, welches Amt er mehre Jahre zu großer Zufriedenheit verwaltete. Der Bürgerkrieg und die Pest trieben ihn 1586 von seinem Schlosse. In den Zcitwirren suchte er zwischen den Parteien als unbefangener Vermittler aufzutreten, aber gerade weil er in seinen Ansichten weder Katholik »och Protestant war, mußte er die Verfolgung beider erdulden. In dieser bewegten Zeit ließ er das dritte Buch seiner „silsrais" (Par. >588) erscheinen. Wiewol ihm seine freien Ansichten viele Gegner erweckten, so fand er doch bei allen tiefer» Geistern Anerkennung und Bewunderung; selbst der Theolog Pierre Charron suchte seine Bekanntschaft, und Justus Lipsius setzte ihn über die sieben Weisen. Er starb am >3. Sept. >562 auf seinem Schlosse in den Gebräuchen der röm. Kirche und hintcrlicß eine Tochter, NamensLc'onore. Seine kille cl'nlliuncs oder Adoptivtochter , von der daS lI. Capitcl des zweiten Buches seiner „bl»sai8" handelt, war Mademoiselle de Gournay. M. eröffnete in der Geschichte des franz. Geistes die Reihe origineller Denker und brach dem Descartcs die Bahn. Mit den großen Männern des Alter- thnms innig vertraut, zugleich der erfahrenste und scharfsinnigste Beobachter seines Zeitalters, erhob er sich über das politische, kirchliche Treiben und den Scholasticismus seiner Umgebung und kehrte in daS eigne Innere zurück. An Zwanglosigkeit gewohnt, vielleicht auch durch physische Schwäche verhindert, verschmähte er, seinen Reflexionen Methode oder irgend ein systematisches Gewand zu geben. Was er dachte und empfand, wollte er nach Zufall und Laune aufzeichnen, und so entstand gleichsam ein psychologisches Gemälde, in welchem seine eigene Persönlichkeit den Mittelpunkt bildet und das einen Schatz von praktischer Lebensweisheit enthält. Nach diesem Standpunkte ist ihm sein SkepticismuS, nach dieser Methode eine naive Eitelkeit nicht zur Last zu legen. In seinem Stile zeigt er sich, je »ach der Stimmung und dem Gegenstände, bald fahrlässig und holprichk, bald entwickelt er unnachahmliche Grazie, gewaltige Energie und einen Rcichthum und eine Fülle des Ausdrucks und der Sprache, die seine Werke zu einer Schatzkammer der franz. Sprach- bildung machen. Von seinem Tode an bis zum I. >837 erschienen von seinen „blssals" 75 vollständige Ausgaben, von denen wir nur die von Costc (5 Bde., Haag >727), Jo- hanncau (5 Bde., Par.,i8>8) und Victor Lcclcrc (5 Bde., Par. >826—26)'erwähncn. Die lesbarste deutsche Übersetzung lieferte Bode in „M.'s Gedanken und Meinungen" (6Bde., Berl. 1763). Sein später zufällig aufgcfundcnes „äomnal ein cieMcbol dl. e„ Itslie pur I» 8»isse et I'dülsm-ij-"?" wurde durch Eucrlon (Par. > 77 4) veröffentlicht. Montalembert (Marc Nene, Marquis de), ein ausgezeichneter Ingenieur, gcb. zu Angouleme am >5. Juli >714, trat mit seinem >7. Jahre in die Armee,-machte den Feldzug von >738 mit, zeichnete sich bei den Belagerungen von Kehl und Philippsburg aus und erhielt dafür eine Compagnie der Garde» des Prinzen von Conti. Nachher wohnte cr den Feldzügen in Italien, Flandern u. s. w. und >74 > dem östr. Erbfolgckriege bei- Nach dcnr Frieden widmete cr seine Muße de» Wissenschaften und wurde >747 in die Akademie ausgenommen, deren Memoiren cr mit vielen Aufsätzen bereicherte, die sich ebenso durch neue Ideen wie durch einen reinen und zierlichen Stil auszeichnen. Auch legte er Munitionsgicßereien in Psrigord und Angoninois an. Während des Siebenjährigen Kriegs war er bei den ruff. und schweb. Heeren als Commissair von Frankreich angestcllc; er befestigte Anklam und verstärkte Stralsund durch Feldwerkc. Nachher wurde er nach 692 Montalivet (I. P. B ) Montalivet (M. C. B.) den Inseln Aix und Oleron geschickt, welche letztere er nach seinem Systeme (s. Fest» ngs- bau) befestigte, das er la 16rtilic»ti«n psrpenäiciiluire nannte, weil die eingehenden Winkel bei der gewählten Tenaillenform insgesammt »0" erhalten konnten. Die von ihm, viel- leicht nach Holland. Muster, angegebenen runden gemauerten Thürme (die Montalem- bert' schen Thürme) haben in neuerer Zeit wahrscheinlich wieder den Marimilia - nischen Thürmen (s. d.) zum Muster gedient. Auch in der Fesiungsartillerie sind die von ihm erfundenen niedern Rahmcnlaffeten als sehr zweckmäßig zu nennen. Als ein Anhänger der Revolution überließ er 1780 der Nationalversammlung die Pension, die ihm für den Verlust eines Auges war bewilligt worden. Bedeutende Ausgaben für die Gießereien, und wol auch Aufwand, erschöpften sein Vermögen; er mußte sein Gut in Angvu- mois verkaufen und ging mit seiner Gattin nach England, kehrte aber in der Zeit der Schreckensherrschaft nach Paris zurück, wo er sich in seinem hohen Alter scheiden ließ und bald '- arauf wieder heirathete. Seine literarischen Arbeiten hatte er schon 1761 dem Minister Choiseul angeboten; als sie im Druck erschienen, erregten sie von Seiten der Anhänger Vauban's vielfache sehr heftige Streitschriften; namentlich trat d'Arcon gegen ihn auf, den aber M. vollständig widerlegte. Sowol der Convent im I. 1795 wie der Rath der Fünfhundert im I. 1796 erwähnten seine Schriften auf eine ehrenvolle Weise, auch wurde ihm eine Unterstützung bewilligt. Er starb am 26. März 1800. Sein Hauptwerk ist ,,l.» lortiliciitwn psrpenrliciilairs ou I'srt ckelansif snperieur » I'oüenris" (Par. 1776 fg.; neue Aufl., 11 Bde., >796; deutsch bearbeitet von Hsyer unter dem Titel „Die Verthei- digung stärker als der Angriff", -i Bde., Berl. 1818—20). Außerdem ist noch zu erwähnen seine „ tlvi rospviiclance avec Iss gvnsruux et Iss ministres clepuis >761 jusgu'a 1791". Auch hinterließ er mehre kleine Komödien, wie „H statue", „l.s Kerkere äe Hiislite", „I^a Lolismienns" u. s. w., Erzählungen und Chansons. Montalivet (Jean Pierre Bachasson, Graf), franz. Minister unter Napoleon, geb. am 5.Juli >766 zu Saargemünd, nahm frühzeitig Miütairdienstc, studirte aber dann die Rechte und erhielt schon im Alker von 19 Jahren die Stelle eines Raths am Parlament zu Grenoble. Während des Streits der Parlamente mit dem Minister Lomenie de Bri en n e (s. d.) zog er sich nach Dalence ins Privatleben zurück. In den Stürmen der Revolution gerieth er als constitutioneller Royalist mehrmals mit den Schreckensmännern in persönlichen Conflict, sodaß er > 79s in die Armee von Italien flüchten mußte. Ein Jahr später verschaffte ihm ein Commissar des Dircctoriums die Präfcctenstelle zu Valeuce, und in der ersten Zeit des Consulats wurde er Präfcct im Departement Lamanche. Sein kluges und gemäßigtes Betragen, das hier zur Beilegung des Bürgerkriegs viel beitrug, brachte ihm die Gunst des ersten Consuls und die Präfectur vom Departement Seine und Oise ein. So erhielt er nun volle Gelegenheit, sich das Vertrauen und die Freundschaft Bonaparte's zu erwerben. Am 6. Mai l 866 wurde er Director der Brücken und Chausseen, am I. Oct 1809 Minister des Innern. In letzterer Eigenschaft führte er die großartigen Pläne Napoleon's rücksichtlich der öffentlichen Bauten, der Industrie und des Handels mit Eifer und Geschicklichkeit aus, zog sich aber auch den Vorwurf zu, daß er nicht nur der Minister, sondern der Sklave des Kaisers sei. Nach der ersten Abdankung Napoleon's suchte er, wiewol vergebens, im Interesse der gestürzten Familie zu wirken. Nachdem er während der Hundert Tage die Verwaltung der Krongüter geführt, zog er sich mit der zweiten Nesiauration auf sein Landgut Duberri zurück und widmete sich der Erziehung seiner Kinder. Der Minister DecazeS veranlaßte 1819 seinen Eintritt in die Pairskammer, wo er entschieden das constitutionelle System vertheidigte. Das Schicksal und der Tod Napoleon's, dem er das treueste Andenken bewahrte, gingen ihm sehr zu Herzen. Er starb am 23. Jan. >823 auf dem Landgute Lagrange im Departement Nievre. Montalivet (Marthe Camille Bachasson, Graf), franz. Minister und eifriger Vertreter der Dynastie Orleans, der zweite Sohn des Vorigen, wurde zu Valence am 25. Apr. >801 geboren. Er besuchte die Polytechnische Schule und wurde dann bei der Verwaltung der Brücken und Chausseen augesicllt. Im I. 1826 gelangte er jedoch durch den Einfluß des Publicisten Bertin de Vaux zur Pairswürde. Als gewandter Schriftsteller, aber ziemlich mittelmäßiger Redner, vertrat er fortan einen gemäßigten Liberalismus. In Moutalva» 693 der letzten Zeit der Restauration wurde er Secretair der politischen Gesellschaft „Xi>le-1oi" und gelangte dadurch zur Bekanntschaft mit den Häuptern der liberalen Partei. Diesen Verbindungen zufolge erhielt er nach der Julirevvlution im Ministerium Laffittc (s. d.) das Portefeuille für das Innere. Bei der schwierigen Lage, in welche sich die neue Negierung unter den politischen Gährungen und Parteiausbrüchen versetzt sah, entwickelte er große Entschlossenheit. So entriß er der pariser Bevölkerung noch vor Fällung des Ur- thcils die angeklagten Minister Karl s X. und führte dieselben nach Vincenncs. Sein enges Anschließcn an die Politik und die Interessen des Hofs (s. lluste milie») und seine Feindseligkeiten gegen die Volkspartei, namentlich bei den Unruhen im Fcbr. >831, zogen ihm jedoch den Unwillen der liberalen Häupter zu. Als mit Auflösung der Verwaltung Laffitte's im März l83l Per! er (s. d.) das Ministerium des Innern und die Präsidentschaft übernahm, blieb M. dessenungeachtet im Cabinct und erhielt das Ministerium des Unterrichts. I» dieser Stellung zeigte er nun rücksichtsloser seine blinde Ergebenheit für den Hof und reactionaire Tendenzen. Besonders erhob sich der allgemeine Unwille, als er in einem geschriebenen Memoire von „Unterthancn (snset,) des Königs" sprach, welcher Ausdruck den Grundsätzen der Charte völlig unangemessen war. Nach dem Tode Perier'S übernahm er am 27. Apr. >832 wieder das Ministerium des Innern. Die blutige Unterdrückung der Unruhen im Juni 1832 (s. Lamarqu e) und die Erklärung der Hauptstadt in Belagerungszustand machten seine Verwaltung so verhaßt, daß er endlich abtrat, als Thiers und Guizot das Cabinet vom I l. Oct. 1832 bildeten. Obscho» M. keine glänzenden Verwaltungstalcnte entfaltet hakte, so verlor doch der Hof seine Unterstützung höchst ungern. Der König ernannte ihn nun zum Intendanten der Civilliste. Als Thiers das liberale Ministerium vom Febr. >836 zusammenbrachte, mußteer nach dem Wunsche des Königs das Portefeuille des Innern dem warmen Freunde des Hofs wieder zugestchcu. Bei der Auflösung dieses Cabinets wegen Meinungsverschiedenheiten zwischen dem König und Thiers, zu Anfänge dcS Sept. 1836, legte diesmal auch M. sein Amt nieder und kehrte zur Intendanz der Civilliste zurück. Nachträglich übernahm er indcß in der Kammer noch die ganze Verantwortlichkeit in der Angelegenheit des frain. Spions Conseil, den der Hof insgeheim zur Beobachtung der politischen Flüchtlinge in die Schweiz gesendet hatte. Der König wußte diese Aufopferung zu würdigen, und schon im März >837 wurde M., nach Rücktritt der Doctrinaires, an GaSparin's Stelle wieder zum Minister des Innern ernannt. Im Verein mit dem Präsidenten des Cabinets, dem Grafen Mole, erregte er aber durch die erneuerte Anwendung der sogenannten Seplembcrgesetze und andere inconstitu- tionelle Maßregeln die höchste Erbitterung der Volksxartei. DieKammcrsitzung von 1838 begann unter den heftigsten Stürmen, sodaß am 22. Jan. 1836 sämmtliche Minister ihre Entlassung einreichken. Weil aber So ult (s. d.) keine neueVerwaltung zu Stande brachte, so nahm M. mit seinen College« daS Portefeuille zurück und die Kammer wurde aufgelöst. In dem Kampfe bei den neuen Wahlen suchte M. der Negierung selbst durch unschickliche Mittel den Sieg zu verschaffen. Dessenungeachtet fielen die Wahlen ungünstig aus, sodaß die Minister sämmtlich abtrctcn mußten. Seitdem verwaltet M. ununterbrochen seinen Posten als Intendant der Civilliste. Montalvan (Don Juan Perez de), ein berühmter span, dramatischer Dichter, der Sohn des Hofbuchhändlers Alonso Perez de M., wurde 1602 zu Madrid geboren. Er trat mit 23 Jahren in den geistlichen Stand, wurde apostolischer Notar der Inquisition und starb am 25. Juni 1638. Schon in seinem 17. Jahre schrieb er seine erste Komödie; auch muß er sehr frühzeitig mit Lope de Vcgr bekannt geworden sein, dessen Hausgenosse und Lieblingsschülcr er wurde. Gleich seine ersten Versuche fanden solchen Beifall, daß er sich mit allen Kräften der dramatischen Dichtkunst widmete und in Schnelligkeit des Com- ponirens und Fruchtbarkeit mit seinem Meister wetteiferte. Ein Theil seiner Komödien erschien in zwei Quartbänden (Bd- 1,Alcala >638; Bd. 2, Madr. 1638; 2. Aufl., Valencia 1652); andere füllen einen ganzen Band der „(7uinerl>as escogickas <1e los mchore» ingeniös cke Lsnssts". Die meisten wurden mit großem Beifall gegeben, so z.B. „Ko kiav vikii» cama la üonra" und „l.a 'l'oquern vircainn", die sich bis auf den heutigen Tag auf der Bühne erhalten hat. M. wurde von seiner Zeit als dramatischer Dichter überschätzt; 694 Montanisten Montanster denn es fehlte ihm zu sehr an Genialität und Individualität, um ein Dichter ersten Ranges zu sein, und ohne seines großen Meisters Lope de Vcga's Geist zu besitzen, ahmte er mehr dessen Manier und Fehler nach; aber er ist, wie sein Meister, ganz Spanier, seine Nach- ahmung ist mehr eine instinctmäßige als pedantische und seine Stücke haben, wenn auch keinen individuellen Charakter, doch eine sehr lebendige nationale Färbung, und selbst die im Ganzen misrathencn enthalten gelungene Scencn und einzelne glückliche Züge. Außerdem hat man von ihm noch „8uces»L jwocligios »Io uiuor cm ncüo Iinvelus chemzüciees" (Madr. 1624), „Para toclos" (HucSca 16.33; Madr. 1635), eine Sammlung von Novellen, Komödien und moralische» Betrachtungen, und „Orscm" (Madr. 162-1), ein Gedicht in Octaven, das von Manchen fälschlich dem Lope de Acga beigclcgt worden ist. Montanisten ist der Name einer Sekte von sanatisch-ascetischer Richtung, die nicht ohne Einfluß aufMoral und Disciplin der orthodoxen Kirche blieb. Ihr Stifter, Montanus, der ums J. >60 zuArdaban in Mysien und nachher zu Pcpuza in Phrygicn als Pro-, phct auftrat, wollte die Religion Jesu keineswegs theoretisch, sondern durch ihre Einführung in das innere und äußere Leben der Christen vervollkommnen; in Bezug auf Sitte und Wandel wollte er die Kirche aus dem Jünglingsalter in das der männlichen Reife hinüberlciten. Mit diesem Zwecke hing zusammen, daß er eine fortdauernde außerordentliche Einwirkung des ParakletoS, die sich durch prophetische Ekstasen und Visionen äußere, behauptete, daß er ferner allem Äußerlichen, dem Dogma und Ritus, eine nur untergeordnete Bedeutung zugcstand, aber zugleich die Kundgebung der innernRcinheit durch die strengste Ascese zur Pflicht machte. In letzterer Beziehung schrieb er außer den gewöhnlichen noch andere jährliche und wöchentliche Fasten (s. d.) vor, erklärte die zweite Ehe und die Flucht bei Verfolgungen für Sünde und verbot die Wiederaufnahme mancher Gefallenen gänzlich. Der Chiliasmus des Montanus unterschied sich von dem vieler damaligen Kirchen- letzter nur dadurch, daß er den Eintritt des looojäbrigeu Reichs als nahe bevorstehend und Pcpuza als Mittelpunkt desselben dachte. Seine Anhänger, auch Kataphryges und Pepu- ziani genannt, die in Tertullian (s. d.) einen warmen Vcrtheidigcr fanden und in ihren Reihen auch Prophetinnen, z. B. die Maximilla und Priscilla, zählten, bczcichneten die Glieder der herrschender Kirche als Psychikcr, während sie sich selbst den Namen Pncuma- tiker, d. h. Geisterfülltc, beilegten. Obgleich sie aber, schon wegen ihrer Verachtung der Wissenschaft, von den Alexandrinern bekämpft und durch Prövinzialsynodcn verdammt wurden, so erhielten sic sich doch bis in das 6. Jahrh. Neuerdings hat Schwegler in seiner Schrift „Der Montanismps und die christliche Kirche des 2. Jahrh." 680 wurde er zu dessen erstem Kammcrhcrrn ernannt. Er starb am 17. Mai 1600. Vgl. Pugct de Saint-Pierrc, „Ilistoiro ein 5. N V di F dc F tr S ei bi ir d> n u A la I si >r d I ti ! S ? g b r c i < Moirtbeillard Moutecuculi 605- Nvv. >67l. Ihr berühmtes Album „Onirlnnclo cko llnlio", in welches fast alle berühmten Maler ibrer Zeit Blumen cingezeichnct hatten, die von den berühmtesten Dichter» eigenhän- big mitGedichten versehen waren, erschien 17 8-1 im Druck und I8l8in einem neuen Drucke. Montbeiüard oder Mömpelgard, eine der gcwcrbthäklgsten kleinern Städte Frankreichs, an der Alaine im Departement des Doubs, war früher der Hauptort einer dem Hause Württemberg unter franz. Oberhoheit gehörigen Grafschaft, die 1792 von den Franzosen in Beschlag genommen und im Frieden zu Luncville 1891 an Frankreich abgetreten wurde. Sie hat.759«! E., die sich meist zur protestantischen Kirche bekennen, ein Schloß auf einem hohen Felsen, das jetzt als Eefängniß benutzt wird, ein Gymnasium und eine Bibliothek mit seltenen Handschriften. Der bedeutendste Fabrikzweig ist die Uhrenfa- brikakion. Es ist der Geburtsort Cuvier'S, dem man hier ein Denkmal errichtet hat. In und bei de" Stadt werden häufig röm. Altcrthümer aufgcfundcn. Montblanc, der höchste eurvp. Verg, 1-1761 F. über der Fläche des Mittelländischen Meers, gehört zu den Grafischen Alpen, einer Kette der Pcnninischcn, und liegt mit seinen drei von ewigem Schnee bedeckten Gipfeln, von denen 16 größere und kleinere Gletscher nach Norden, 29 nach Süden hinabstcigcn, in Savoyen zwischen den Thälcrn Chamouny und EntrcvcS. Sein höchster, mit einem festen Schneelager bedeckter Gipfel, wo man den Anblick von 979 Gletschern hat, ist ein schmaler Rücken (Do« cl« clrommluie), 159 F. lang und 59 F. breit, »ach Norden steil ahgcschnitten, nach Süden aber weniger. Seit 1769, wo Saussurc einen Preis darauf gesetzt hatte, einen Weg nach dem Montblanc zu finden, ist er häufig, in neuestes Zeit sogar von unternehmenden Frauen, wie von einer Bewohnerin des Chaniounythals und von Mademoiselle d'Angcvillc ans den, Departement de l'Ain, bestiegen worden. Als erster Besteiget (am 8. Aug. 1786) wird gewöhnlich Dr. Pacard aus Chamouny angenommen; doch hatte schon Horcher im Juni 1786 dessen Führer, Jacq. Balmat, den rechten Pfad gefunden und den höchsten Punkt erstiegen. Saussure selbst erstieg ihn, ebenfalls von Balmat geführt, am 9. Aug. 1787. Gegenwärtig legt man die Reise auf den Montblanc binnen 59— 69 Stunden zurück. Mont-Ccnit' heißt der 1 9752 F. hohe, zwischen Turin und Chambcry in Savoyen gelegene Berg der Grafischen Alpen, mit einem 695-1 F. hohen Vcrapassc. Nach Einiger Forschungen soll Hannibal über den Mont-Cenis gezogen sein, über welchen damals ein gewöhnlicher Weg von Italien nach Savoyen geführt habe. Im Mittelalter allerdings bediente inan sich dieses Weges, doch konnte er nur mit Saumthieren passirt werden, bis Napoleon seit > 895, zur Verbindung Italiens mit Frankreich, eine nunmehr stark befahrene Landstraße bauen ließ, die auf der westlichen Seite des Mont-Cenis längs der Are und Jscrc nach Grenoble zieht. Auf der Höhe des Passes befindet sich ein Hospiz- Morrteüello, ein Flecken IN der lombard.-vcnctian. Delegation Vicenza mit 3990 E., erhielt einen geschichtliche» Namen besonders durch die Schlacht am 9. Juni 1899, in welcher der General Lau» es (s. d.) den Sieg über die Östrcichcr davontrug und deshalb 189-1 vom Kaiser zum Hcrzogvon Montcbello ernannt wurde. Auch wird diese Schlacht zuweilen nach dem nahgelcgcncn Orte Casteggio benannt. Im I. 1796 am > 2. Nov. hatte» bei M- die Östreicher unter Alvinzi die Franzosen geschlagen; im I. 1895 fand hier wieder ein für die Franzosen günstiges Gefecht mit den Ostreichcrn statt. Monte-Casiiro , s. Casino. 7 Moutecuculi (Raimund Graf von), deutscher Neichssürst und Herzog von Melfi, 7° einer der ausgezeichnetsten östr. Feldherren, geb. im Modenesischcn 1698, begann als Volon- tair 1627 bei der östr.Artillerie unter seinem Oheim, Ernst Grafen von M., seine kriegerische Laufbahn und fand sogleich im Laufe des Dreißigjährigen Kriegs vielfache Gelegenheit sich hcrvorzulhun. Als Rittmeister focht er in der Schlacht bei Brcitcnfcld am 7. Sepk. >691, wo er stark verwundet und beim Rückzuge gefangen wurde. Wieder freigcgebcn, trat er im folgenden Jahre als Major von neuem in kaiserliche Dienste. Ein entscheidendes kühnes Vordringen beim Sturme auf Kaiserslautern, am 17. Juli 1635, brachte ihm die Ernennung zum Oberst. In Schlesien, wohin er >639 gesendet wurde, um den Schweden unter Bauer den Elbübergang bei Melnick streitig zu machen, wurde er geschlagen und beim Rückzüge abermals gefangen. Die Muße seiner mehr als zweijährigen Gefangen- 636 Moutecuculr. schast benutzte er, aus den gemachten Erfahrungen Grundsätze der Kriegsführung abzu- leiten. Nach seiner Auswechselung im I. > 612 trat er sogleich wieder bei der kaiserlichen Armee in Schlesien ein, wo er bei Lroppau ein feindliches Corps schlug und Brieg nahm. Obschon dafür vom Kaiser zum Ecucralfcldwachtmcistcr ernannt, ging er doch > «i ui, als der Krieg in Italic» auszubrechcn drohte, nach Modena, um hier dem Herzoge seine Dienste anznlietc», der ihn auch als General der Cavalcrie anstcllte und den Titel eines Feldinar- schalls verlieh. Sehr bald kehrte er indcß nach Ostreich zurück und wurde > 6-tl vom Kaiser zum Feldmarschalllicutcnant und HofkricgSrath ernannt. Im I. 1615 unterstützte er mit seinem Corps den Erzherzog Lcopolv auf seinem Zuge gegen den Fürsten Rakoczy von Siebenbürgen, dann opccirtc er gegen den dem Rhein zuziehendcn Marschall Turcnne. I», folgenden Jahre führte er einen lebhaften Kleinen Krieg mit den Schweden in Schlesien und Böhmen. In Verbindung mit Johann von Werth brachte er ihnen bei Triebe! in Schlesien eine entscheidende Niederlage bei und wurde dafür zum General der Cavalcrie ernannt. Nach dem wcstfäl. Frieden nahm er seit >651 wieder Theil an der Versammlung des Hofkriegsraths. In, I. I 656 besuchte er seine Eltern in Modena, wo er das Unglück hatte, bei einem zur Feier der Vermählung des Herzogs gegebenen Carrouscl seinen Freund, den Grafen Man;!»!, durch einen Lanzcnstoß zu tödten. Nach der Rückkehr bereiste er in wifsenschafllichcr Beziehung Deutschland und im folgenden Jahre wurde er zu mehren diplomatischen Sendungen, unter Andern, auch nach Schweden, verwendet. Im I. l N57, als dcrKaiser dem poln. Könige Johann Kasimir gegen Nakoczy und dicSclnrc- den unter Hatzfeld ein Corps zu Hülfe sendete, bekam M. nach Hatzfeld's Entfernung das Comiuando über dasselbe und zwang Rakoczy zum Frieden mit Polen und zur Aufhebung dcS Bündnisses mit Schweden. Im folgenden Jahre zum Fcldmarschall ernannt und den Dänen zu Hülfe gegen die Schweden gesendet, befreite er Kopenhagen von der Landseitt, che die Holländer zur Sec Verstärkungen herbeiführcn konnten, und vertrieb die Schweden ans Jütland und Fünen. Nach dem Frieden zu Oliva im I. l6lil>, der diesen Krieg en- s detc, wurde nun M. Geh. Rath und Gouverneur von Naab. Noch in demselben Jahre mußte er das Comiuando über das Armeccorps übernehmen, das dcrKaiser gegen die l in Siebenbürgen eingefallenen Türken entsendete. Er zwang dieselben, Siebenbürgen zu verlassen und vereitelte durch kluges Zögern alle Unternehmungen des feindlichen Heers bis zur Ankunft der Francoscn, die ihm den großen Sieg bei St.-Gotthard am I.Äug. 166-1 erfechten halsen. Durch'dicscn Sieg wurde zum ersten Male die lange Überlegenheit des osman. Angriffssturms von der europ. Kriegskunst gebrochen. Nach dem Frieden übernahm M. i «:«>!-, das Präsidium des Hofkricgsraths, nachher auch die Direktion der Artillerie. Beim Ausbruche des Kriegs zwischen Frankreich und Holland, an dem dcrKaiser und das Reich als Bundesgenossen dcS letzten, sich bctheiligtcryäibernahm M. >672 wieder das Comiuando der kaiserlichen Armee. Er eroberte Bonn, bewirkte trotz der Wachsamkeit Turenne'e die Vereinigung seines Heers mit dem des Prinzen von Oranicn, und hemmte auf diese Weise mit einem Male Ludwig's XIV. Fortschritte. Zwar legte er nach Ernennung des Kurfürsten ron Brandenburg zum General der kaiserlichen Armee 167-1 sei» Cvminandv nieder; doch schon > 67 - wurde er wieder zu demselben berufen, um am Rhein Turcnne die Spitze zu bieten. Beide, gleich groß als Feldherren, thatcn nun vier Monate nichts, als in Scheinangriffen und Schcinmärschcn gegeneinander so meisterhaft zu ma- nocuvrircn, daß keiner von beiden Feldherren den andern zu täuschen vermochte, da Jeder den Andern danach bcurtheilte, was er an dessen Stelle thun würde. Als endlich eine - Schlacht entscheiden sollte, köttcte am 27. Juli 1675 eine Kanonenkugel im Einlcitungs- gcfcchlc den franz. Feldherr», dessen Tod M. in scinci» Berichte an den Kaiser mit ehrenden Worten beklagte. Nach Turenne's Tode verfolgte M. die sich zurückziehenden Französin bis nach den, Elsaß und belagerte Hagenau und Zabcrn; doch durch Co»de"s Erscheinen sah er sich gcnöthigt, den Elsaß wieder zu verlassen, und belagerte nun Philippsburg. Mit diesem Feldzüge, den er als den glorreichsten seines Lebens betrachtete, nicht weil er Sieger gewesen, sondern weil er nicht besiegt worden, schloß M. seine Laufbahn. Den Rest ' seiner Tage verlebte er am kaiserlichen Hofe im Umgänge mit Gelehrten; er schätzte die Wissenschaften sehr hoch und trug namentlich zur Stiftung der Akademie für die Natur- - Montesiascone Montenegro 697 forscbung bei. Kaiser Leopold erhob ihn >679 zum deutschen Ncichsfürstcn und der König von Neapel verlieh ihm bald nachher das Hcrzogthum Mclsi. Als er wegen der Pest den Kaiser von Wien nach Lin; begleitete, wurde er bei», Einreiten in das dassge Schloß durch einen hcrabfallendcn Balken verwundet und starb zu Linz in Folge dieser Verwundung. Seine Mitthcilungen über die Kriegskunst, über den Türkenkrieg und den Krieg von l«><>-1 sind gelehrt, gründlich, kurz und deutlich. Sie wurden zuerst.von Huyssen (Köln >79-1), dann stau;. (Par. 17 12 und oft.; mit einem Commentar von Turvin de Criste, 3 Bde., Par. 1769, -1.), und endlich im ital. Original von Ugo Foscolo (2 Bde., Mail. I8»7, Fol.) und Grafst (2 Bdc.,Tur. 1821) hcrausgegeben. Auch hat man von M. Sonette, wie denn überhaupt Manches von seinen Schriften noch ungcdruckt sein soll. Montcsiascöne, eine Stadt in der päpstlichen Delegation Vitcrbo und der Sitz einesBischofs, liegt höchst malerisch amScevonBolseiia auf einem vereinzelten Hügel. Besonders sehenswert!) sind die Kathedrale und die Kirche San-Flavian mit Krypten. Die Zahl der Einwohner beträgt über 3709. Der hier erbaute angenehmeMnscatcllcrwein, welcher zu den berühmtesten Weinen Italiens gehört, ist unter dem Namen Lst, est, est bekannt, der sich auf folgende Sage gründet. Ein deutscher Prälat, Johannes Fugger, ließ seinen Diener vorausreiscn und an jedes WirthshauS, wo er guten Wein fand, das Wort klst anschreiben. Um die Güte des WcinS in M- besonders bemerklich zu machen, schrieb dieser an das dastge Thor: Kst, est, est. Sem Herr blieb daselbst, trank sich zu Tode und wurde in der San - Flavianskircbc begraben, wo ihm sein Diener ein Denkmal errichten ließ, das noch vorhanden ist, mit der Inschrift Kst, est, est, z,rnj,ter nimium est dominus mens inortuus est. Montemayor (Jorge de), ein berühmter portug. Dichter, gcb. um l 329 zu Montc- Mayor oder Montemor, wovon er den Namen führt, wurde in seiner Erziehung und Bildung sehr vernachlässigt und trat frühzeitig in Militairdicnste, obschon seine Neigung ihn zur Musik und Poesie hinzog. Später begab er sich nach Castilien und ließ sich, von andern Erwerbsmitteln entblößt, als Sänger in die königliche Kapelle anfnehmcn. Er begleitete Philipp I I. auf seinen Reisen in Deutschland, Italien und den Niederlanden und für die verabsäumten Studien entschädigte ihn ein glänzendes Talent, namentlich für Sprachen. Später wurde er von der Königin Katharina, der Gemahlin König Johann's i l l. von Portugal und Schwester Kaiser Karl's V., an ihren Hof berufen und starb vor 1562. Durch seine berühmte, aber unvollendet gelassene „Ilianu" (erste Ausg. 1535; neueste AuSg., Madr. >795 und 1892) wurde er Erfinder des span. Schäferromans. Die beste Fortsetzung desselben lieferte Eil Polo (s. d.). Außerdem besitzen wir von ihm eine Gedichtsammlung „Oiliicinnern" (erste Ausg unter dem Titel „Obras", Antw. 155-1; dann „Oanciouero", Saragossa 1561 und öft.) und eine Übersetzung der Werke des Troubadours AnsiaS March (Saragossa 1562). Montenegro (ital.), d. i. schwarzes Gebirge, bei den Türken Kara - dagh, bei den Albanesen Mal Iris, bei den slaw. Eingeborenen Tscherna Gora, heißt die kleine 69O M. große Gebirgslandschaft, die, zwischen dem östr. Dalmatien, der Herzogewina und Albanien, auf dem dalmatinischen Küstcngcbirge, am Adriatischen Meere gelegen, eine in sich abgeschlossene, schwer zugängliche Fclsenbastci am Südostendc dieses EcbirgS bildet. Das Land ist mehr durch seine Bewohner und ihre cigcnthümlichcn Verhältnisse, als durch seine, wenn auch interessante Gcbirgsnatur berühmt; cs ist im Gancen wegen seines felsigen Bodens wenig ergiebig und nur in dcn Thälcrn fruchtbarer. Die Bewohner (abgesehen von den Auswanderern, die in Bosnien und dem östr. Dalmatien sich angcsiedclt haben), ungefähr 19799» an der Zahl, der slaw.Völkcrfanüüe nnd insbesondere dem scrb. Stamme ungehörig, sind von schöner und kräftiger Gestalt, init edcln uud stolzen, wenn auch wilden Ecsichtschgen, gewandt und sicher in ihren Bewegungen und abgehärtet zu allen Straparcn Sic bilde» eine der merkwürdigsten Völkerschaften Europas, sowvl in Betreff ihrer »och ziemlich auf dem Standpunkte des Naturzustandes sichenden Sitten nnd gesellschaftlichen Zustände, als hinsichtlich ihrer Schicksale nnd Kämpfe. Mehr hcrum- schwcifcnderHirtc und abenteuernder Jäger als stetiger Ackerbauer, hat derMontencgrincr noch die ganze Ursprünglichkeit seines Charakters bewahrt, die sich in ungczähmter Wildheit und Leidcnschastlichkcit, in Schlauheit und Hinterlist, in grausamer Rachsucht und Selbst, -' «SM 698 Montenegro hülfe, in Streit- und Kriegslast, über auch in hochherziger Tapferkeit, uugcbäudigter Freiheitsliebe, frugalster Mäßigkeit, Genügsamkeit, einfachen reinen Sitten undungezwungener, wenn auch rauher und roher Natürlichkeit ansspricbt. Von ungeschwächter Stärke sind die Familien, und Stammesbandc, was sich cinesthcils in dem patriarchalischen Leben, das jede Familie inmitten ihres Grundeigenthnms vereinzelt, in besonderer Wohnung unter gemeinschaftlichem Familicnobcrhaupte zusammcuhält, andcrntheils in der noch herrschenden Blutrache und den Stammcsfeindschaftcn ausspricht, die Familie gegen Familie und Stamm gegen Stamm solidarisch anftrekeu lassen. Bei diesem Volkscharaktcr und der verhältnißmäfiig zu starken Bevölkerung des Landes, der weder der kärgliche Boden überflüssigen Unterhalt, noch irgend eine Industrie, die sich über die niedrigste Hausindusine erhöbe, einen Ersatz für die Kargheit des Bodens gäbe, ist cs natürlich, daß die ohnehin zu abenteuerlichen Unternehmungen von Natur aus geneigten Montenegriner einigermaßen das Gcpräg eines Näubervolks tragen, das, wenn nationale und religiöse Interessen mit ins Spiel kommen, zum streitbarsten Kricgcrvolk werden kann, wie es die Kämvfc zwiftben den Montenegrinern und Türken gezeigt haben. Die Verfassung des Landes ist eine hierarchisch-republikanische. An der Spitze eines vom Volke gewählten Nathcs der Familien- ältestcn (Senat) steht ein Oberhaupt, das die Würde eines Wladikas oder AnfnhrcrS mit der eines Erzbischofs vereint und so weltliche Macht auf geistlichen Einfluß stützt. Ihm liegt die oberste Verwaltung und GcrcchtigkeitSpflcge ob, welche beide bei dem Mangel einer ausgebildeten Staatsgewalt auf patriarchalische Weise, jedoch nicht nach bloscr Willkür auSgenbt werden dürfen; denn wenn auch geschriebene Gesetze fast unbekannt sind, so ist doch die Macht des Herkommens und der Sitte um so stärker. In Folge dicscs Mangels an Policirung ist den Leidenschaften der Einzelnen noch großer Spielraum gegeben und der Zustand des Landes daher noch ziemlich unsicher und ungeordnet. M. rer- fällt in vier Najas oder Bezirke, deren jeder unter einem Haupkmann steht und wieder eine bestimmte Anzahl Gemeinden in sich faßt, die zusammen mit den benachbarten aus Mou- teucgrincrn bestehenden Gemeinden, die nicht zum eigentlichen unabhängigen M. gehören und deshalb zu häufigem Streit mit den Türken Veranlassring geben, auf 2U0ÜÜ Waffenfähige ins Feld stellen können. Hauptort des Landes und Sitz des Wladika ist Cettignc. M. gehörte im Mittelalter zum großen Scrbcnrcick, von dem cs sich Ii!8ü losriß und unter eigenen Fürsten einen eigenen Staat bildete, bis >516 der letzte abdankte. Seitdem wurde es von einem Wladika und einem Erzbischof regiert, welche Würden in gewissen Familien erblich waren, und in neuester Zeit in Einer Person, aus der Familie Pckrowitsch, vereinigt wurden. Während dieser Zeit lagen die Montenegriner, eng verbündet mit den Venetianern, in fast ununterbrochenem Streit mit den Türken, der mit abwechselndem Glück geführt wurde, bis sic gegen Ende des 18. Jahrh. faktische Unabhängigkeit errangen, die sie bis jetzt bewahrt haben, wen» auch ihre selbständige staatliche Existenz noch nicht für eine völkerrechtlich anerkannte gelten kann. Mit dem Umsichgreifen der Macht Rußlands machte sich schon im 18. Jahrh. dessen Einfluß in M. geltend, und in fortwährend steigendem Maße entwickelte sich derselbe in der neuesten Zeit, svdaß M. gegenwärtig sackisch als im Schutze Rußlands stehend betrachtet werden kann, von dem der Wladika durch Geld und andere Unterstützungen abhängig ist. Der gegenwärtige Wladika, Petro Petrowilsch >>., ist vor Allem bestrebt, sein Volk einigermaßen zu civilisiren, was ihm auch in vielen Beziehungen gelungen ist. Er hat einen Senat von sechs und einen Gerichtshof von I 5b Mit- ' gliedern eingerichtet, hat besonders auf Abschaffung der Blutrache und der Sclbsthülfc und Einführung eines gesicherten RechtszustandcS »ach Kräften hingearbcitet und hat sogar die Herausgabe eines Staatskalcnders und eines monatlich erscheinenden Blattes bewerkstelligt. Im Sommer >358 besuchte der König Friedrich August von Sachsen das Land und den Wladika, was dieser sehr hoch aufnahm. Auch erschien eine Beschreibung derRcise des Königs in M. in montcnegriniseherTprachc. In den letzten Jahren waren die Montenegriner in Folge von Nanbzügen und wegen Grcnzstrcitigkeitcn in blutige Conflictc mit den östr. Militairbehördcn und den Türken gcrathcn, welche letztere >844 die Montenegriner völlig bekriegte» und ihnen mehre Jnsclchen im Sec von Skutari nahmen. Mit den Ostreichern wurde der Streit unter russ. Vermittelung gütlich beigelegt. > ^ - - !., -7 .77 Montrnotte Montespan 609 Montenotte, ein Dorf in Piemont, auf dcn Apcnninen, ist bekannt durch das Gefecht am 12.Apr. 1766, in welchem Bonaparte dic Östrcichcr unter dem General Argentcau zurückwarf, die hier einen Verlust von mehr als 2606 M. an Tobten und Gefangenen erlitten. Monte Pulcurno, eine kleine Stadt in Toscana, im Chianathale, von 2666 E., der Sitz eines Bischofs, mit einem bischöfliche» Seminar und einem Gymnasium, einer Kathedrale und mehren andern ansehnlichen Kirchen und Palästen, ist besonders seines Weines wegen berühmt, der zu de» vorzüglichsten Weine» Italiens gehört. Moutcreau, eine Stadl im sranz. Departement der Seine und Marne, am Zusammenfluß der Avnne und Seine, mit 6566 E-, wurde ! 626 von den Engländern als der letzte Punkt ihrer Eroberungen in Frankreich genommen, > >67 aber nach der hartnäckigsten Belagerung wieder von den Franzosen erobert, in deren Besitz cs von nun an war. Am 18. Febr 1816 kam es hier zu einem Tressen zwischen den Franzosen und Verbündeten, in welchem die erster» einige Vortheile über die letzrern davon trugen. Monte-Noscr, bei den Alken Zinns 8vlvinr genannt, nächst dem Montblanc (s. d.) der höchste Gebirgsstock der Mittclalpen, bildet die Spitze des rechten Winkels, worin das östliche Ende der Peuninischen Alpen au die hier nordwärts bis zum St.-Gotihard hinlaufenden Lepontischen Alpen stößt. Er trennt den Canto» Wallis von Italien und das Gebiet von Novara von Piemont. Von ihm laufen aus das Mattcrthal, das wilde Thal derAnza, das Thal der Scsia uno das Lysthal. Der südliche Theil desselben, im Norden des Ercssonrythalcs, bildet einen breiten eisigen Felscnkanu», der in seiner Mitte, dem Lyskamm, die größte Höhe erreicht. Eine Menge Felscnkanten, und Schluchten fallen von ihm südwärts und vereinigen sich im LySgletscher, aus dem der Lysbach entspringt, der das Thal von Grcssouay bewässert. Der westliche Kamm ist der kleine Montcervin. Den eisigen Felsenkamm im Norden bilden neun Spitzen, von denen fünf trigonometrisch gemessen sind. Die niedrigste Spitze ist die Vinccntpyramidc, benannt nach Vincent, der sie 1819 zuerst bestieg; die ParrotSspißc erhielt ihren Nanwn nach dem Naturforscher Parrot, der 1817 einen Theil des Monke-Nosa untersuchte; die Signalkuppc befindet sich im Mittelpunkte des Eebirgs, und die Zumsteinsspitze, 16925 F. hoch, wurde nach Jos. Zumstcin so genannt, der >819—22 fünfmal nach den Spitzen des Monte-Nosa aufstieg und zuerst den höchsten ersteigbaren Gipfel erreichte, was weit schwieriger ist als die Besteigung des Montblanc. Die höchste nicht ersteigbare Spitze ist ein jäher Fels mit zwei kleinen Hörnern, 276 F. höher als die ZumsteinSspitzc und 16226 F. über dem Meere. Der Gebirgsstock scheint, besonders in seiner ober» Halste, aus Glimmerschiefer zu bestehen, der hin und wieder mit Gneis abwechselt, und enthält Gold-, Silber-, Kupfer-und Eisenminen. Die letzte Erzhüttc liegt 16686 F. hoch auf dem ewigen Schnee. Granit findet man in größer» Massen nur am Fuße des Bergs. Wüuer- und Sommerroggen reist noch bei einer Hohe von 5506—6666 F.; der Wcinstock im Scsiathale bis zu einer Höhe von 6696 F. Zwischen der Nord- und der Südseite sinket sich ein Unterschied der verschiedenen Vcgetations- grenzcn von beinahe 1666 F. Die Schneegrenze auf der Südseite ist 9566 F., die Grcnre des Hochwaldes 7660 F. Fünf südlich und südöstlich vomMonlc-Nosir auslaufende Thälcr bewohnen acht deutsch redende Gemeinden, die mit ihren Sprachgenosscn in Wallis und im ÜchLlande in derSchwciz dem Stamme dcrVurgundcr angchörcn. Die Westseite ist unbewohnt. Vgl. Weiden, „Der Monte Rosa, eine topographische und naturhistorischc Skizze" (Wien 1826) und A. Schott, „Die Deutschen am Montc-Nosa" (Zur. 1866). Monte-Sauto, s. Athos. Montcspau (Francoisc Athenars, Marquise von), die Geliebte Ludwig's XIV. von Frankreich, war die Tochter Rochechouart's, Herzogs von Mortcmart, und führte in ihrer Jugend von einem Familicngutc den Namen Mademoiselle de Tonnay-Charente. Sie wurde 1661 geboren und 1663 an den Marquis von Montespan vcrhcirathct. Ihr Gemahl brachte sie als Ehrendame an den Hof, wo sic weniger durch ihre Schönheit, wie durch ihr aumuthiges und geistreiches Wesen die Aufmerksamkeit Ludwig's XIV. mit Vorbedacht auf sich zog. Derselbe verließ ihretwegen die ci»facheundsanfkcLavallicre(s.d.)und wendete sich ihr gegen das I. 1667 gänzlich zu. Der Marquis von Montespan, der dieses Verhältnis nicht in der gewöhnlichen Hofmanicr betrachtete, wurde in die Bastillc gebracht, 700 Montesquieu dann nach Euyennc verwiesen und endlich 1676 durch ein Urtheil des Chätelct geschieden. Indessen genoß die Marquise nur ungefähr drei Jahre ihren Triumph und die volle Herr- schast über den König. Sie war mehr ehrgeizig als zärtlich und liebte den König wenige! als den Glanz. Zur Erzieherin ihrer Kinder hatte sie die Frau von Maintenon (s. d.) angenommen, und diese gewann allmälig das Herz des Königs, ohne daß es die Gebieterin atmete. Schon gegen Ostern 1675 fand eine Trennung zwischen dem Könige und der M. statt, der jedoch eine Aussöhnung folgte. Allein die stolze Geliebte vermochte seitdem wenig mehr über den Monarchen, und das Verhältnis; wurde allmälig nur durch die Gewohnheit festgehalten. Nachdem endlich der König mit ihr im I. l 686 völlig gebrochen, erschien sie nur selten bei Hofe; 169 l aber mußte sie sich aus Paris entfernen. Sie lebte nun an ver> schiedcnen Orten und trat zuletzt in den Orden der Töchter des heil. Jakob. Wiewol sie großen Aufwand vermied, machte sie doch bis an ihr Ende die Ansprüche einer Königin. Im Mai 1767 starb sie bei dem Gebrauch der Bäder zu Bourbon-l'Archambault. Von ihrem rechtmäßigen Gemahl hinterließ sie den Herzog von Antin; aus dem Umgänge mit Ludwig XIV. entsprangen: der Herzog von Maine (s.d.); der Graf von Vcxin, gest. 1683; Mademoiselle de Nantes, verheirathet an den Herzog von Bourbon; Mademoiselle de TourS, gest. 1681, und de Blois, verheirathet an den Herzog von Orleans; und den Graf von Toulouse. Außerdem starben mehreKinder, die sämmtlich legitimirt wurden, frühzeitig. Vgl. „51emoires de iUadame In 51arcjiiiss de 51." (2 Bde., Par. > 829). Montesquieu (Charl. de Se'condat, Baron de la Brede et de), einer der berühmte- sten philosophisch-politischen Schriftsteller der Franzosen, stammte aus einer vornehmen Familie in Guycnne und war am 18. Jan. 1689 auf dem Schlosse seines Vaters Brede bei Bordeaux geboren. Sehr früh entwickelten sich durch sorgfältige Erziehung seine ausgezeichneten Geistesgaben. Ec wurde 1714 Nath beim Parlament zu Bordeaux und zwei Jahre später Präsident desselben. Obgleich er so früh in das Gcschäftslcbcn eintrat, blieb er doch immer literarischen Bestrebungen vorzugsweise zugewendet. Diese Vorliebe bewies ^ er besonders durch seine rege Theilnahme für die Akademie zu Bordeaux, welche er in Ge- ^ mcinschaft mit dem Herzoge Laforce gestiftet hatte. Sein erstes Werk waren die berühm- ' ten „I^ettres porssiios" (Par. 1721; deutsch von Michaelis, Landsh. 1866). Mit launigem Spotte bcurtheilt darin ein Naturmensch, unter der Maske eines Persers, das damalige politische, gesellschaftliche und literarische Leben der Franzosen. Ein geistreicheres Gemälde der franz. Sitten mit ihren Lächerlichkeiten und Thorheiken war noch nicht dagewc- scn; überdies vermehrte die sinnreiche Einkleidung den Reiz des Buchs, das auch durch Sprache und Darstellung ausgezeichnet war. Einen ausführlichen Commentar zu diesen Briefen lieferte Meyer (Par. 1841). Obgleich M. die Akademie in seinen „Iwttres" keineswegs geschont hatte, so wurde er doch 1728 zum Mitglied derselben erwählt, und winde noch früher ausgenommen worden sein, wenn nicht der Cardinal Flcury wegen der Spöttereien über die christliche Religion in dem genannten Werke gegen ihn eingenommen gewesen wäre. Um die Gesetzgebung und das Verfassungswesen fremder Nationen, die M. in seinem „Lsjwit dos lois" darzustellen beabsichtigte, genauer kennen zu« lernen, legteer 1726 seine Stelle nieder. Einige Jahre später machte er ^ine Reise durch Deutschland, Ungarn, Italien, die Schweiz, Holland und England. In letzter»! Lande, wo ihn besonders der vertraute Umgang mit dem geistreichen Chesterfield fesselte, verweilte er zwei Jahre; auch wurde er in die Königliche Socictät der Wissenschaften ausgenommen. Nach seiner Rückkehr auf sein Schloß Brede ließ er die „Oousidörativns sur los cnnses de I» gruudeur et ^ de Irr decadeuce des Unimdns" (Par. 1734; deutsch von Hacke, Lpz. 1828) erscheinen, di« vielleicht sein vollendetstes Merk sind und nicht mit Unrecht eine röm. Geschichte für Philosophen und Staatsmänner genannt werden. Ein Meisterstück waren auch die „Um- lognes ds 8)dlir et de I^-iinagiis" (Par. >748), die er Pseudonym als Charles d'Outrc- poüt herausgab. Nie hat ein Psycholog, den Tacitus ausgenommen, so die Seele eines Despoten erforschend zergliedert und ihre leisesten Regungen erlauscht, als eS in diese» Dialogen geschehen ist. Nach langen Vorbereitungen erschien endlich Mrs Hauptwerk „Lsi»it des lois" (2 Bde., Genf 1748, 4.; deutsch von Hauswald, 3 Bde., Halle 1829) Es war daS erste Werk, welches die Entwickelung gesetzlicher Einrichtungen und ihr Na- Montesqmou-Ke'zensac 701 turverhältniß zu örtlichen und gesellschaftlichen Bedingungen in den verschiedenen Ländern in einem großartigen Überblicke darzustellcn versuchte. Begeistert für Wahrheit und Recht, wenn auch Beides oft einseitig auffassend, erhob M. durch dieses Werk die Staatswissen' schast zur Lieblingsbeschäftigung des gebildeten Publikums- Indem er aber in den wesentlichsten Dingen sich nicht über sein Jahrhundert erhob, die Bedeutsamkeit des religiösen Moments im Leben der Menschen, weil er Religion und Moral von Boden und Klima ab- hängig machte, verkannte, und besonders das Christcnthum gering schätzte, indem er ferner dem Rechts- und Pflichtgefühl in der Staatsmaschine eine untergeordnete Stellung an- wies und es bei vollkommenen Institutionen, welche zu ersinnen Sache des Verstandes ist, für fast entbehrlich hielt, indem er endlich die absolute Nechtsidee für den verwerflichen Satz, daß des Volkes Wohl das höchste Gesetz sei, aufgab, wurde sein System ein Gebäude, das, auf einem schiefen Fundamente stehend, in allen seinen Theilen verschoben ist. Abgesehen aber von diesem Hauptfehler ist es in den Einzelnheiten nicht hoch genug zu schätzen. Einen geistreichen „kommeiitaire sur I'Lsjirit ckes lois" lieferte Destutt de Tracy (Par. >819). Von M.'s übrigen Werken sind seine „1>ettreri tamili-ckres" zu nennen; der „'lemple: cke Knicke", eine Art Gedicht in Prosa, ist ein von ihm der Frivolität der damaligen Zeit dargcbrachtes Opfer. Er starb zu Paris am 10. Febr. l 755. Wenige Stunden vor seinem Tode suchte die Geistlichkeit von ihm Veränderungen in den „I^ettres zierss- nes" zu erpressen. In Bezug hierauf sagte er: „äe veux tont sscrilier ü In religion, mnis rien rwx jesuit«;«". Er war äußerst liebenswürdig; seine Sanftmuth, Heiterkeit und Artigkeit blieben sich stets gleich. Wie sehr man auch seine Unterhaltung von allen Seiten suchte, so verbrachte er doch die meiste Zeit seines Lebens auf seinen Gütern; auch legte er nie den gasconischcn Dialekt ganz ab. Obgleich von Natur ökonomisch, verstand er doch auch großmüthig zu sein. Die Wohlthat, die er zu Marseille einem jungen Schiffer erzeigte, dessen in Sklaverei gefallenen Vater er auslöste, gab zu dem Schauspiele „I.e bi'entuit m,»- ' n)',ne" Veranlassung und Stoff. Die Ausgaben seiner sännntlichen Werke sind überaus > zahlreich; als die besten sind zu erwähnen die londoner (3 Bde., >759, V), die baseler (8 Bde., 1899), und unter den neuern die von Auger besorgte (8 Bde., Par. 1819), die von Destutt de Tracy und Villemain (8 Bde., Par. 1827) und die von Lefebvre (2 Bde., Par. 1839). Vgl. M.'s „Lloge" von Villemain, das1816 von der Akademie gekrönt wurde. Montesquieu-Fezensac (Fran;. Lavier Marc Antoine, Herzog von), sranz. Mi- nister unter Ludwig XVIII., stammte aus einer uralten Adelsfamilie und wurde 1757 auf dem Schlosse Marfan bei Auch geboren. Er trat in den geistlichen Stand und war Abbe und Generalagent des Klerus, als ihn die Geistlichkeit 1789 zur Versammlung der Ecne- ralstaatcn abordnctc. Obwol ein Verthcidiger des alten Zustandes, zeigte er doch sogleich sehr gemäßigte Grundsätze und große Schmiegsamkeit. Am 1V. Huli mußte er im Namen des Klerus dessen Beitritt zur allgemeinen Nationalversammlung erklären, und die Rede, welche er dabei hielt, verschaffte ihm bei allen Parteien große Popularität. Bei der Verhandlung über die geistlichen Güter sprach er zwar heftig gegen deren Verwandlung in Nakionalgüter, ließ sich aber dann doch bewegen, bei der Veräußerung jener Güter als Commissair zu fungiren. Im Laufe des I. >799 wurde er zweimal zum Präsidenten der Versammlung erwählt. In dieser Eigenschaft erhob er sich sehr energisch gegen den Präsidenten des Parlaments der Bretagne, de Lahoussaye, der die Dccrete der Versammlung misachkcte, und entfremdete sich dadurch den Hof und die Aristokratie. Er gewann indcß r, der letzter« Gunst wieder, indem er eifrig der völligen Aufhebung religiöser Orden und der Einführung der Civilconstitution hes Klerus widerstand, obschon er insgeheim der Maßregel anhing. Mit Eröffnung der Gesetzgebenden Versammlung zog sich M. ins Privatleben zurück und trat mit dem Hofe gegen die Fortschritte der Revolution in Verbindring. Erwanderte nach dem Ereigniß vom >9. Aug. >792 aus, und das Ncvolutionstribunal vcrurtheilte ihn zum Tode. Unter dem Direktorium kehrte er jedoch nach Frankreich zurück, um das royalistische Interesse zu unterstützen. Unter Anderm richtete er auch jenen berühmten Brief an den Consul Bonaparte, in welchem derselbe angegangen wurde, den Thron für die Bourbons wiederherzustellen. Nach der ersten Restauration wurde er Mitglied der provisorischen Regierung und wirkte als solches bei dem Entwürfe der konstitutionellen 7tt2 Monteverde Monteznmo II. Charte. Nachdem er am II. Mai >811 zum Minister des Innern ernannt worden, bot er den Ultraroyalistm die Hand zu dem ausschweifendste» Beginnen. Nach der zweiten Ne- sianrakion wurde er nicht wieder angestellt, jedoch am II. Aug. >818 mit der Pairs- und Herzogswürde bekleidet. Vom Alter gebeugt, nahm er indcß in der Kammer nur selten das Wort. Noch mußte er zu seinem Leidwesen den Stur; der alten Dynastie erleben. Er starb am 2. Fcbr. 18.12 auf dem Schlosse Cirey. — Seines altern Bruders einziger Soh», A nato le, G rafv on Mont e sqniou -Fezen sac, gcb. am 8. Aug. 1788, Marechal- de-Camp und seit 1811 Pair von Frankreich, machte eine sehr schnelle militairische Laufbahn in Folge des Umstandes, daß seine Mutter, gcst. am 10. Mai 1835, die erste Erste- hung des jungen Königs von Rom leitete, den sie 1815 aus Ostreich nach Frankreich zu entführen versuchte. — Derselben Familie gehört an Anne Pierre, Marqnis von Mo ntesquiou-Fezen sac, General der franz. Republik, gcb. zu Paris 17-11, dkr beim Ausbruche der Revolution Oberstallmcistcr bei Monsieur und Marcchal-de Camp war. Der Adel von Paris schickte ihn zur Nationalversammlung, wo er bei den Verhandlungen über die Finanzen große Talente entfaltete. Gegen das Ende der Sitzung ernannte mau ihn zum Oberbefehlshaber der Armee des Südens. In dieser Eigenschaft fiel er am 22. Sept. 1792 in Savoyen ein und besetzte das Land ohne Blutvergießen. Die Jakobiner konnten jedoch seine adelige Herkunft nicht vergessen und setzten ihn in Anklagestand. Er floh deshalb im Nov. von seiner Armee in die Schweiz und lebte daselbst längere Zcit in Gemeinschaft mit dem Herzoge von Orleans. Im I. 1795 strich ihn der Convent von der Emigrankenliste und bewilligte seine Rückkehr und Vertheidigung. Er starb zu Pani am 3» Dec. 1798 und hinterließ mehre, jetzt vergessene poetische Werke. Monteverde (Claudio), ital. Operncvmponist, gcb. zu Cremona um 1570, macht! seine contrapunklistischen Studien unter dem Kapellmeister Jngegneri zu Mantua, wurdk >013 Kapellmeister an der Marcuskirche zu Venedig und starb um 1650. Er hat mchn sehr schulgerechte Kirchcnstücke und geschätzte Madrigale geschrieben, am höchsten aber stand er als Operncvmponist. Jndeß nimmt er auch in letzterer Eigenschaft weniger durch Das, was er wirklich leistete, als vielmehr durch die Anregungen, welche ergab, eine sehr würdige Stelle in der Geschichte der Musik ein. Indem er sich mancher damals hart verpönter Freiheiten bediente, insbesondere einen häusigern und frei.ern Gebrauch von den Dissonanzen machte, mußte er allerdings Anfeindungen erfahren; die Folgezeit aber hat seine» Neuerungen thatsächliche Gerechtigkeit widerfahren lassen. Zugleich war er einer der Ersten, welche für Instrumente schrieben, und damit dem aus dem Stegreife Spielen, wir cs vor ihm üblich war, ein Ende machte. Montevideo, die wichtigste Stadt der südamerik. Republik Uruguay, am nördlichen Ufer des Laplata und stark befestigt, hat einen sichern, aber zu seichten Hafen und gr- gen 16009 E., die ansehnlichen Handel treiben. Früher viel bedeutender als jetzt, zählt! sie über 39000 E. M. nebst der Umgegend gehörte zur Zcit der span. Herrschaft ncbß Uuiiclu oriental, unter welchem Namen es auch oft mitbegriffen wurde, zu BucnoS'Ahttt und war während des Unabhängigkeitskriegs ein Hauptschauplatz der Kriegsbegcbcnhci- ten. Seit >825 ein freier Staat unter dem Namen Montevideo, nahm dann bei Land 1828 den Namen Uruguay an. Montezüma II-, der letzte Herrscher in Mexico vor der Unterjochung dieses Reicht durch die Spanier, folgte > 502 seinem Vater in der Regierung. Unter ihm landete i ö>9 Corte; in Mexico mit seinem kleinen Heere. Erschreckt durch eine alte Weissagung und geblendet durch das Ungewöhnliche der Erscheinung dieser Fremdlinge, empfing ihn M. alt seinen Gebieter. Als er jedoch nach und nach erkannte, daß die Ankömmlinge keine übu- menschlichcn Wesen seien, sann er heimlich auf deren Vernichtung. Kaum hatte dies Corüj in Erfahrung gebracht, so ließ er M. fesseln und zwang ihn, die Oberherrlichkeit Spanieiii anzuerkennen. Die Mexikaner, darüber empört, einen Sklaven der Fremdlinge zum Herrscher zu haben, griffen zu den Waffen, und als M. durch seine Gegenwart den Aufruhr stillen wollte, wurde er durch einen Stcinwurf verwundet. Zwar wurde,er von den Spaniern in Schutz genommen und verbunden, doch untröstlich über die von seinen Untcrtha- nen erlittene Beschimpfung, riß er immer von neuem den Verband ab. Er starb bald nach- Moirtfaueori Montgelas 7V3 her, im I. 1526. Seine hinterlassenen Kinder nahmen die christliche Religion an. Der älteste Sohn erhielt von Karl V. den Titel eines Era fcn von Mo ntezu m a. Der letzte Nachkomme seines Geschlechts, Don Marsilio de Teruel, Graf vonM., span. Grande erster Claffe, wurde seiner liberalen Gesinnungen wegen von Ferdinand VII. aus Spanien, und als er hierauf nach Mexico ging, auch von hier verbannt, und starb zu Neu- orleans am 22. Oct. 1836. Mvlltfaucon (Bernard de), lat. gewöhnlich ^lontefulca oder l>!ontstuIcynuis genannt, ein namhafter Alterthumsforscher, geb. am 16. Jan. > 655 auf dem Schlosse Svu- lage in Languedoc, widmete sich anfangs dem Kriegsdienste, ließ sich aber > 675 in die Con- gregakion der Benedictiner von Saint-Maur aufnchmen, und umfaßte nun mit gleichem Eifer die Philosophie, Theologie, biblische und Profangeschichte, alte und neue Literatur, todte und lebende Sprachen. Seiner gelehrten Arbeiten wegen machte er 1698 eine Reise nach Italien, wo er vom Papst Jnnocenz XII. mit großer Auszeichnung ausgenommen wurde. Nach seiner Rückkehr im I. 1761 lebte er ununterbrochen in Paris, wo er am 19. Dcc. 1731 starb. Er schrieb zu viel, um seinem Stil immer die gehörige Reinheit und Eleganz zu geben, doch erwarb er sich als Sammler das größte Verdienst. Als seine Hauptwerke erwähnen wir die bis jetzt unübertroffene „kalacogrgpliia giseca" (Par. 1768, Fol.), sowie „IVanticzilite explicpieo «t rez,rs5entee en llgures" nebst Supplementen (franz. und lat., > 5 Bde., Par. 1719—23, Fol.; deutsch im Auszuge von Schatz mit Anmerkungen von Semler, 2 Bde., Nürnb. 1757, Fol.; umgearbeitet von Roth, Nürnb. 1867, Fol.), die, wenn sie auch Spuren der Flüchtigkeit an sich trägt, doch für den Altcr- thumsforschcr eine unentbehrliche Materialiensammlung ist; ferner „l.ea mn,»imen8 cke I» momirdn«; lrany." (franz. und lat., 5 Bde., Par. 1729—33, Fol.), und das „Diaimiri italioim" (Par. 1702, 3.), das die Beschreibung alter Denkmäler und Nachrichten von vielen noch unbekannten griech. und lat. Handschriften gibt; endlich die „Oollectio nnva palrmn et scrchtoruin Arnec." (2 Bde., Par. I 766, Fol.), die „Ci6Iivtliec-> Onislinülna, »lim 8eguerisna" (Par. 1715, Fol.) und die „Lidliotlcsca bidliotlieesrnin insnuscrchto- r»ln nova" (2 Bde., Par. 1739, Fol.). Montferrat, ein ehemals selbständiges Herzogthum, begrenzt von Piemont, Mailand und Genua, jetzt ein integrircndcr Theil des Königreichs Sardinien, liegt in zwei getrennten Thcilen zwischen den Seealpen und dem Po, und zählt auf 56 m>M. 186660 E. Die ehemalige Hauptstadt ist Casale (s. d.); in der Nähe liegt das alte Schloß Cuccaro, wo nach früherer Annahme Christoforo Colombo geboren sein sollte. M. war in frühcrn Zeiten ein Theil des röm., dann des longobard. und später des frank. Reichs, und hatte bis zu Anfänge des 13. Jahrh. eigene Markgrafen. Durch Erbschaft kam cs hierauf an einen Seitenzwcig des byzantin. Kaiserhauses und 1536 an Mantua. Erst nach der Achtung des Herzogs Karl's IV. von Mantua im 1.1763 machte Savoyen seine Ansprüche aufM. geltend', die auch von Kaiser Leopold 1. anerkannt wurden. Montgelas (Maximil. Jos., Graf von), bair. Minister, geb. zu München am >2. Scpt. >759, aus einem aus Savoyen stammenden, in Baiern eingebürgerten Ge- schlcchte. Er studirte in Nancy und in Strasburg, wurde 1777 kurbair. Hofrath und >779, nachdem der Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz Baiern ererbt hatte, Kammerhcrr und Büchercensurrath. Wegen Verfolgung von Seiten der JlluNünaten trat er 1787 als Lc- gationsrath in pfalzzweibrückische Dienste und wurde hier I795Negicrungsrath und 1796 Wirklicher Geh. Rath. Als 1799 nach dem Tode Karl Thcodor's von der Pfalz der Herzog Maximilian Joseph von Zwcibrücken Kurfürst von Baiern wurde, ernannte er M. sofort zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten. Von jetzt an der stete Rakhgcber seines Fürsten in allen wichtigen Angelegenheiten des Staats und gewissermaßen dessen Premierminister erwarb er sich die unbestreitbarsten Verdienste um die politische, administrative und geistige Hebung des zuvor verdampften und verwahrlosten Baierns, obschon nicht zu leugnen ist, daß er dabei nicht von einem nationalen sittlichen, sondern von einem beschränkten, bureaukratisch-policeilichen Standpunkt ausging und durch Rücksichtslosigkeit und Willkür mitunter die heiligsten Interessen verletzte. Im I. 1863 war er mit der Fi- nanzverwaltung beauftragt; 1806 erhielt er bas Ministerium des Innern; 1869 das der Mont-GeiiemP Montgomcrv (Gabr.) Finanzen und 1810 wurde cr in dc» Trafeniland crbobcn. Für Einführung cincr Consii- tuiion durchaus nicht geneigt. erbielk er 1817, als der -heilig Marimiliaii Joseph cinc solche ^ seinem Volke zu geben sicb entschlossen hatte, haurisächlich auf Andringen des Kronprinzen, seine Entlassung mit einer Pension von nuiuu» Fl. In, I. 1819 ernannte ihn der König zum erblichen Mitglicdc der Kammer der Rcichsräihc, in welcher cr bei der Versammlung von 1827— 28 als uveiter Präsident fungirrc. Er starb zu Alünchcn am IN.Juni >83!-. Mont-Genevrc heißt eine der höchsten Spitzen dcr Eotlischcn Alpen, vier Stunde» von Brianeon, im franz. Departement der Haukes ° Alpes, an der Grenze von Piemont, > 1058 F. hoch. Montgolflcr (Jacq. Eticnne), der Erstndcr des Acrostats (s. d.), gcb. am 5.Jan. >7-15 zu Vidalon-lcs-Annonai im Departement Ardcche, wo sein Vater cinePapicrinanu- sactur besaß, widmete sich nebst seinem altern Bruder, Ios. Mich. M., wider den Willen seines Vaters den Studien der Mathematik, Mechanik und Physik. Beide übernahmen, nachdem sic manche jugendliche Verirrungen bestanden, die väterliche Papierfabrik. Lurch die Lccture der Priestlcy'schcn Schrift über die Luftartcn und durch eigene Beobachtungen wurde Etienne in Gemeinschaft mit seinem Bruder auf die Erfindung cincr Art von Luftschiffen geführt, welche nach ihm Montgolfiercs genannt wurden. Den ersten Versuch machten sie damit 1783 zuAnnonai, und da dieser gelang, begab sich Eticnne noch in demselben Jahre nach Paris, wo er, sowie in Versailles, vor dem Hofe das Experiment wiederholte. Beide Brüder wurden hierauf in die Akademie ausgenommen und außerdem erhicl- z ten sic noch verschiedene Belohnungen. Etienne starb am 2. Aug. 179!« zu Servicres, wo er zuerst den Gedanken seiner Erfindung gefaßt hatte. — Sein Bruder, Jos. Mi ch. M., geb. 1739, machte sich noch außerdem durch mehre eigene Erfindungen, besonders die dir Wasserschraube (belier bz-llrauliciiie) und des Calorimetre berühmt. Als die Revolution-- , stürme sein Gewerbe störten, begab cr sich nach Paris, wo cr nach Wiederherstellung dir . Ordnung beim Bureau der Künste und Manufakturen, dann als Administrator am Kunst- und Eewerbsconservatorium angestcllt und 1807 zum Mitglied des Instituts ernannt wurde. Er gab 1807 die erste Idee zu Errichtung einer Gesellschaft zur Ermunterung du ^ Industrie und starb am 26. Juni 1810. Von den verschiedenen Werken, welche die Brüder Herausgaben, nennen wir den „vlscoms sur I'aerost-tt" (Par. 1783). Moiltsiomery (Eabr. de), ein durch Tapferkeit und Schicksal berühmter fraiu. Ritter, stammte aus einer aus Schottland nach Frankreich eingewandcrtcn Familie und war, gleich seinem Vater, Offizier in der schot. Leibgarde. Bei einem Turnier, das Heinrich II. (s. d.) von Frankreich am 30. Juni 1359 zur Vermählung seiner Tochter Elisabeth mit Philipp von Spanien veranstaltete, soderte der König, nachdem derselbe bereits mehrt Lanzen gebrochen, den jungen M. auf, einen Gang mit ihm zu machen. M. folgte nur zögernd in die Schranken und erfuhr das Unglück, den König mit dem Schafte seiner auf dm ersten Anlauf zersplitterten Lanze unter das Visir durch das rechte Auge in den Kops .» treffen. Heinrich II. starb an dieser Verwundung, nachdem cr noch elf Tage, aber »hm , Bewußtsein, gelebt hatte. Wicwol ganz schuldlos, entfernte sich M. doch aus Frankreich und ging nach England, wo er zum Protestantismus übertrat. Im I. 1562, bei Beginn . der Religionskriege, könnt» er sich indessen nicht enthalten, in sein Vaterland zurückzukeh- I rcn und für die protestantische Partei die Waffen zu ergreifen. Er vcrthcidigte noch in dem- j selben Jahre Rouen mit großem Muthe, mußte jedoch, als er sich nicht zu halten vermocht!, in die Normandie zurückkehren. Auch bei Erneuerung des Kampfes im I. 1565 trat» t für seine Glaubensgenossen auf und kämpfte in der Schlacht von Saint - Denis. In dem dritten Religionskriege war er eines der Häupter des Protestantismus und erlangte über die Königlichen in Languedoc und Bearn mancherlei Vortheile. Obschon vom Hofe mit Eoligny zum Tode vcrurtheilt, kam er doch nach dem Frieden von Saint-Germain nach Paris. Gleichsam durch ein Wunder entkam er bei den Metzeleien in der Bartholomäusnacht und floh nach England. Im Apr. l 573 erschien er vor Larochelle mit einer kleinen Flotte, ^ deren er sich besonders zur Verheerung der bretagnischcn Küste bediente. Nachdem er durch ^ eine Landung in der Normandie ein ziemlich starkes Corps Hugenotten zusammengebracht, h begann er auf seine Hand den Krieg. Von dem Marschall Matignon zu Saint-Lö harr bc- Montgomsry (Jam.) Montholon 705 drangt, wendete er sich nach dem Schlosse Domfront, wo er sich am 27. Mai l 573 ergeben mußte. Matignon hatte ihm das Leben verbürgt, allein Katharina von Medici erzwang seine Auslieferung. Nach längerer Einkerkerung wurde er am 27. Mai > 57 4 auf dem Greveplatz enthauptet. Er starb heldenmüthig und hinterließ neun Söhne, die insgesammt tapfere Krieger waren. Mont.qomery (Zam.), engl. Dichter, geb. zu Jrvine in Ayrshire am 4. Nov. l77I als der älteste Sohn eines Predigers der Mährischen Brüder, wurde in der Pflanzschule derselben zu Fulneck bei Leeds seit seinem sechsten Jahre erzogen. Dem geistlichen Stande, für den er bestimmt war, abgeneigt, ging er zu einem Kaufmann in die Lehre. Später wurde er Theilnehmer an einer in Sheffield erscheinenden Zeitung, die er nachher allein übernahm. Wegen Preßvergehen kam er >794 auf drei und >795 auf sechs Monate ins Ge- fängniß. Sein erstes dichterisches Werk war der „Wsnelerer in Srritrerlsoä" (1896), der, obwol vom„L828 durch mehre Gedichte, wie „Düs omnipotence of tbe veitz-" (1828), „8-ttan" (1830), „Dlie l^essieb" (1832), „Imtber" u. s. W., bekannt gemacht hat, die in ähnlichem Geiste wie die des altern M., aber ohne dessen Selbständigkeit irfder > Erfindung und ohne dessen Reinheit in der Sprache geschrieben sind. ' Montgomery-Martin (Rob.), engl. Statistiker, geb. 1803 in der irischen Grafschaft Tyrone, studirte in Dublin Arzncikunde und besuchte 1820—30, zum Theil als Schiffsarzt, mehre außereurop. Länder, namentlich die Ostküste Afrikas, Arabien und Ost- ! indien. Seit seiner Rückkehr nach England hat er als Schriftsteller eine außerordentliche ' Thätigkeit entwickelt und fast keine Frage von einiger Wichtigkeit ist vorgekommen, bei welcher er nicht seine Stimme erhoben hätte. Am wichtigsten sind indeß seine Werke über die brit. Colonien. Seine „Histor^ oftbe britisb eolonies" (5 Bde., Lond. 1834—35) hat bereits mehre Auflagen erlebt und erschien zuletzt unter dem Titel „Dke britisb colonial librar)-" (10 Bde., Lond. 1838—43); auch hat er die Geschichte, Geographie und Statistik der brit. Colonien in den „Lritisb colonies, a siatisticah bistorical aiul AsoZra- pbicsl Account of all tbe colonies of tüe britisb emjlire" bearbeitet, bei welchem Werke ihm die Regierung bedeutende Unterstützung angedeihen ließ. Außerdem hat er Ostindien ausführlich in „Listor) topoFrapü^-inck ststistics nfeastern Inckia" (3 Bde.)behandelt. Sind dieseWerke auch in künstlerischer Beziehung nicht ausgezeichnet, so enthalten sie doch ein über- ! aus reichhaltiges und sorgfältiges Material. Unter seinen übrigen Werken sind die wichtigsten „Düs colonial ;>olit^ of tlie britisb enipire" und „Düs Statistical kistorx ol ! Lnßlancl", die noch unvollendet ist. Auch hat »„vispatckesof tüe Alar^nis ofWellesIe)'" ! (5 Bde.) herausgegeben. Im I. >843 wurde er Kaffenbeamter auf Hong-kong. ^ Monthölon (Charl. Tristan de), Grasvon Lee, ein treuer Anhänger des Kaisers , Napoleon, wurde >782 zu Paris geboren. Schon als Knabe trat er in die franz. Marine, 1797 aber in das Landhcer. Als Escadronchef zeigte er in der Revolution vom 18. Bru- maire für den ersten Consul großen Eifer, sodaß ihm derselbe einen Ehrensäbel verlieh. In der Folge wohnte er den Feldzügen in Italien, Ostreich, Preußen und Polen bei und wurde in der Schlacht von Wagram als Adjutant Berthier's fünf Mal verwundet. Nachdem ihn der Kaiser 1809 zum Kammerherrn ernannt und in seine Nähe gezogen hatte, schickte ihn derselbe 1811 an den Hof des Erzherzogs Ferdinand nach Würzburg. M- richtete von hier aus l an Napoleon eine sehr merkwürdigeDenkschrift über die Lage der deutschenHöfe und deren t feindliche Gesinnungen gegen Frankreich. Bei seiner Rückkehr stieg er zum Brigadegene- ' Conv.-Lex. Neunte Aufl. IX. 45 706 Monthyon Montt ral und 1813 erhielt er das Commando im Departement Loire. Als Napoleon abdankte, dr begab er sich nach Fontainebleau und bot demselben seine Dienste an, wurde aber abge- m wiesen. Während der Hundert Tage erinnerte sich Napoleon des Umstands und erhob M. w zum Generaladjutanten. Nach der Schlacht von Waterloo, an welcher er Theil nahm, m durfte er den Kaiser nach Saint-Helena begleiten, wohin ihm auch seine Frau und Kind« de folgten. Seine Ergebenheit und Treue gegen den Gefangenen blieb dieselbe bis zu dessen bi letztem Athemzuge. Napoleon hatte ihn zum Testamentsvollstrecker ernannt, und als sol- P eher scheute er nach seiner Rückkehr weder Mühe noch Opfer, um die übernommene Pflicht - al zu erfüllen. Während der Abwesenheit in seinen Vermögensverhältnisscn zurückgekomme», N ließ er sich in mehrfache industrielle Unternehmungen ein, die im Juli 1829 seinen Ban- ft kerott herbciführten. Durch angestrengte Thätigkeit gelang es ihm jedoch, das Deficit bis jh -zum I. 1838 zu tilgen. Als der Prinz Ludwig Napoleon am 6. Aug. 1839 bei Boulogne- sch sur-Mer landete, um den franz. Thron zu erobern, streute derselbe Proclamationen aus, ei> unter welchen sich der Name M.'s in der Eigenschaft eines Generalstabschefs des Prinzen lic befand. M. wurde sogleich verhaftet und am 6. Oct. vor den Pairshof gestellt. Der An- de geklagte gestand zwar, daß ihn der Prinz bei einer Zusammenkunft in London im Afr, „( 1839 zur Theilnahme an dem Projecte aufgefodert; dagegen aber suchte er auch zu bewei- ar sen, daß er von der Ausführung des Attentats erst zehn Minuten vor der Landung des 3l Prinzen Kcnntniß erhalten habe. Ungeachtet der geschickten Verthcidigung des Advoca- ten Berryer wurde er zu zwanzigjähriger Einspcrrung verurtheilt. Nach der Rückkehr ! de von Saint-Helena hatte M. mit dem General Gourgaud die in seinen Händen befind- I, lichen Manuscripte des Kaisers unter dem Titel ,Mei,,oire8 pour servir a i'kistoire Rrsuce, 8vu8 Napoleon, ecrits a 8aiute-Relene, 80 U 8 8S clictee" (8 Bde.', Par. 1823j überarbeitet, 9 Bde., > 839) veröffentlicht. tu Monthyon oder Montyon (Jean Bapt. Rob. Äuget, Baron de), bekannt durch , A seine wohlthätigen Stiftungen, geb. zu Paris am 23. oder 26. Dec. >733, gehörte ein« ff reichen Familie an, welche ihn für die Magistratur bestimmte. Im I. 1766 wurde er 3) Mitglied des königlichen Raths, zeigte aber hier eine so große Unabhängigkeit derEe- ve sinnung, daß ihn Maupeou seiner Stellung entsetzte. Erst >775 trat er wieder in der tu Staatsdienst und erhielt der Reihe nach die Intendanz der Provence, der Auvergne und ai von Larochelle. Im I. 1789 erhielt er die Stelle als Kanzler des Grafen von Artois, mit m dem er in der Revolution nach England auswanderte. Hier veröffentlichte er 1796 seine» gc „Rapport ä 8a Uaj. lftoui8 XVI>1 8>ir Ie8 principes 829 zu Paris erfolgte, in seinem ganzen Umfangt F Sein Testament bestimmte den größten Theil seines höchst bedeutenden Vermögens zu le Stiftungen, welche theils wohlthätigen Zwecken, theils der Beförderung von künstlerischen C oder wissenschaftlichen Bestrebungen gewidmet sind. Am bekanntesten ist der nach ihm de- N nannte Tugendpreis (prix cle vertu), den er zum Theil schon 1782 gestiftet hatte. Ben A seinen literarischen Leistungen nennen wir noch die „Reclierci>e5 et con8icieratioii8 sur L la Population 8t2) und das „kxpooe 8tati8ti9. Fcbr. >753, erhielt seine erste Bildung in Faenza und g studirte dann zu Ferrara. Im I. 1778 ging er nach Rom, wo Luigi Braschi, ein Neffe li des Papstes, ihn zu seinem Secretair machte. Durch Alfieri zum Wetteifer angefeuert, g dichtete er die Tragödien „Ksieotto lUansrecli" und „Xridoclemn". Die Ermordung des z franz. Gesandten Basseville gab ihm Veranlassung zu dem durch glänzende Stellen ausge- z zeichneten Gedichte „Va8v!lliana", worin er sich als Nachahmer Dante's zeigte. Zwei 1 andere Gedichte, „lllusogonia" und „keroniacle", sind in ihrer ursprünglichen Gestal / h weniger bekannt geworden; denn da bald darauf die Franzosm nach Rom kamen, unter Montjoie Montlosier 707 drückte M. die erste Auflage und besorgte eine zweite, in der die früher gegen Bonaparte und dessen Heer gerichteten Schmähungen auf die verbündeten Fürsten übergingen. Er wurde Secretair des Direktoriums der Cisalpinischen Republik in Mailand, und obschon man ihn wegen seines Benehmens auf einer Sendung nach der Romagna anklagte, blieb er doch, da er in Gedichten den Machthabern gewandt zu schmeicheln wußte, in seinem Amte, bis der Feldzug Suworow's in Italien ihn nöthigte, nach Frankreich zu flüchten. In Paris schrieb er die Tragödie „<7»jo 6r»cco" und ein Gedicht auf Mascheroni's Tod, das ' aber auf den Wunsch seiner Freunde nur sehr gemäßigt dem Publicum übergeben wurde. Nach der Schlacht von Marengo nach Italien zurückgekehrt, erhielt er einen Ruf als Professor der Beredtsamkeit nach Pavia. Bald indeß rief man ihn nach Mailand zurück, wo ihn Napoleon zum Beisitzer im Ministerium des Innern, zum Hofpoeten und Geschichtschreiber des Königreichs ernannte. Im1.1815 dichtete er im Auftrag derStadt Mailand eine Cantate für den Kaiser Kranz, der dem greisen Dichter den Genuß seines Einkommens ließ. Unterstützt von seinem Freunde Giulio Perticari unternahm er durch seine „krn;io8tu" den Kampf gegen dir Ousc» und bewährte seine Liebe zu Dante durch die Ausgabe des „6»nvito". Nachdem ihn im Apr. 1826 eine Lähmung getroffen, starb er zu Mailand am 13.Oct. 1828. Seine „Opere inetlite et rare" erschienen zu Mailand (5 Bde., 1832— 33) und die „Oj>ere varie"(8Bde.) in den „(7Iu8sici itsliani" (Mail. 1825 — 27). Montjoie, eine Stadt im Regierungsbezirk Aachen der preuß. Nheinprovinz, an der Roer auf der Hohen Veen, mit einem alten Schlosse, gehörte früher zum Hcrzogihum Jülich und zählt 3«w<> E-, die sehr bedeutende Tuch- und Kasiniirfabrikation, sowie andere Industriezweige betreiben. Montlosier (Franc. Dominique Neynaud, Graf), Pair von Frankreich, bekannt durch seine Enthüllung der Jesuitenumtriebe, wurde am 16. Apr. 1 755 zu Clermont in Auvergne geboren. Der Adel zu Niom ordnete ihn 1786 zur Versammlung der Eeneral- staaten ab, wo er das Interesse des Hofes und der Aristokratie auf das eifrigste vertrat. Mit gleicher Hitze erhob er sich aber auch gegen die Anmaßungen der Pviesterschaft und verscherzte sich dadurch die Geneigtheit seiner Slandesgcnossen. Nach Auflösung der consti- tuirenden Versammlung wanderte er nach Koblenz aus, wurde jedoch daselbst ziemlich übel ausgenommen. Er übernahm deshalb 1794 eine Sendung nach Holland und ging von da nach London, wo er ein der Revolution feindliches Blatt, den „Courier cks Lionäres", herausgab. Jm J. 1806 erhielt er den Auftrag, Bonaparte um die Herstellung der Bourbons anzugehen und demselben ein kleines Fürstenthum in Italien für diesen Dienst in Aussicht zu stellen. Als er zu Calais ans Land stieg, ließ ihn Fouchc sogleich verhaften. Die Agenten des ersten Consuls stimmten ihn sodann so glücklich um, daß der „Courier äelwinlre»" seine Feindseligkeiten cinstellte, aber auch die Unterstützung der brit. Regierung verlor. M. verlegte nun sein Blatt nach Paris und gab dasselbe ganz auf, als er eine einträgliche Stelle, oder vielmehr Pension, im Ministerium des Auswärtigen erhielt. Später trug ihm Napoleon eine Arbeit auf über die alte Monarchie, die Ursachen ihres Verfalls und die Mittel, wodurch dieselbe hätte gerettet werden können. Endlich nach vier Jahren reichte M. diese Denkschrift ein, die von einer Commission geprüft, gelobt, vöm Kaiser aber verworfen wurde. Dagegen erhielt er den Befehl, in die Schweiz zu gehen, um dem Kaiser über die politischen Verhältnisse regelmäßigen Bericht zu erstatten. Schon nach fünf Monaten, gegen Ende des 1.1812, suchte er sich dieser Stellung zu entäußern, indem er sich auf eine Reise nach Italien begab. Nach der ersten Restauration kehrte er nach Frankreich zurück und gab nun sein Werk „Do la moosrcbie tranysise ckepuis son etukliss erneut jus- volution wurde die reiche Abtei ebenfalls aufgehoben. Am Fuße des M. liegt der Kirchhof, auf den sechs Arrondissements von Paris ihrc Todten bestatten. Der Berg enthält überdies reiche Kalk- und Gypslager, aus denen Paris seinen Bedarf zieht. Als 1814 die Ver> kündeten in Frankreich eindrangen, ließ Napoleon den M. befestigen und übertrug dir Vertheidigung seinem Bruder Joseph. Nach der Schlacht am 30. März 1814 wurde in der darauf folgenden Nacht dieCapitulation vonParis abgeschlossen. JmJ. >815 wurden die Werke zumSchutze derHauptstadt noch vermehrt, nach der Schlacht von Waterloo aber nach einer tapfer» Vertheidigung den Engländern übergeben. Montmedy, eine kleine Festung im franz. Maasdepartement, am Chiers, in den Ardennen, besteht aus der Oberstadt, die auf einem Felsen liegt und am stärksten befestigt ist, und aus der Unterstadt Medy bas, und hat ungefähr 2400E. Sie wurde in den Kriegen Frankreichs mit Kaiser Karl V. und Philipp II. von Spanien, als Herren der Niederlande, bald von dieser bald von jener Partei erobert und wieder aufgegeben, bis endlich Ludwig XIV. nach einer regelmäßigen Belagerung von 47 Tagen sie am 7.Aug. 1057 eroberte, worauf sie im Frieden von >659 für immer an Frankreich abgetreten und nun durch de Ville und Vauban von neuem befestigt wurde. Im I. 1815 von den Preußen und norddeutschen Bundestruppen belagert, capitulirte nach Erstürmung der Niederstadt die Besatzung unter der Bedingung freien Abzugs. Montmirail, ein Städtchen im franz. Departement der Marne mit 2200 E. und berühmten Mühlstrinbrüchen, ist durch die Schlacht am II. Febr. 1814 geschichtlich denk- würdig, in welcher Napoleon den Sieg über bie fehles. Armee davontrug und noch einmal aufs glänzendste seine Kühnheit und sein kriegerisches Talent bekundete. Montmorency, ein Städtchen im franz. Departement der Seine und Oise, auf einer steilen Anhöhe, die das reizende Thal gleiches Namens beherrscht, vier Stunden von Paris, mit 2000 E., Schwefelquellen und Bädern, welche den Namen d'Enghien führen, und vielen Landhäusern, ist in der literarischen Welt dadurch bekannt, daß Rousseau sich einige Zeit in dem Thale aufhielt und in dem Landhause Eremitage seinen „Lmile" und seine „Kouvelle Heloise" schrieb, weshqlb die Stadt während der Revolutionszeit Emile genannt wurde. Eine Merkwürdigkeit istauch das Schild des dasigen Gasthofs zum weißen Roß, welches der berühmte Gerald auf Bitten des Wirths, der den Künstler nicht kannte, gemalt hat. Das Schloß Montmorenpy, aus welchem das berühmte Geschlecht gleiches Namens abstammt, wurde von der Lsncke noire abgetragen. : - -» Montmorency (Geschlecht) 709 Montmorency, ein uraltes, weitverzweigtes, durch Verbindung und große und verdiente Männer ausgezeichnetes Geschlecht in Frankreich. Sein Ursprung ist in Dunkel gehüllt; allein schon mit Bouch ard, Herr des Fleckens und Schlosses Montmorency, der in der Mitte des 10. Jahrh. lebte und mehr als 60 » Lehngüter besaß, wird die Geschichte der Familie gewisser. Jean I>. wurde zu Anfang des >5. Jahrh. der Stammvater der drei Hauptzweige. Derselbe setzte seinen Sohn, Guillaume, der einer zweiten Ehe entsprossen war, zum Haupterben ein, und aus dessen Nachkommenschaft gingen die Barone und spätem Herzoge von M. hervor, die 1632 in der Person Henri's >1. de Montmorency (s. d.) erloschen. Zwei andere, in erster Ehe mit der Erbin von Nivelle und Fosseur in Brabant erzeugte Söhue Jean's U., Jean und Louis, stifteten, der erste die Linie Nivelle, die 157» erlosch, der zweite dieLiniederMarquisvonFosseux, welche gegenwärtig die herzogliche Würde führt. Das jetzt lebende Haupt dieses letzten Zweigs istAnneCharl.Fran;.,HerzogvonM.-Fosseux, geb. am 28. Juli 1768. Er wanderte während der Revolution mit seiner Familie aus, diente in der Armee Conde's, kehrte aber unter Napoleon zurück und lebte im Dunkel bis 1813, wo er im Jan. Generalmajor der pariser Nationalgarde wurde. Ludwig XVIII. ertheilte ihm nach der ersten Restauration diePairswürde, die er auch 1830 behielt. — Sein ältester Sohn, Anne Louis Victor Naoul, Baron von M., geb. am 13. Dec. 17 90, diente in den Armeen des Kaiserreichs und war Kammerherr Napoleon's. Nachdem er nach der Rückkehr der Bourbons einige Jahre Adjutant des Herzogs von Orleans gewesen, trat er 1820 ins Privatleben zurück. — Die Nebenzweige der Marquis von Fosseux sind sehr zahlreich. Darunter gehören vornehmlich die Familie derWastin es, Prinzen von Robecque und Morbecque, gestiftet 1390 von Ogier von M-, erloschen 1813 in der Person des Anne Louis Alex, von M. ; die Familie der Herren von Hallot und Bouteville, dann der Herzoge von Beaufort - M. und von Pinei- Luxembourg, 1536— 1761, welcher der Marschall von Luxembourg (s. d.) angehört; die Familie der Herzoge von Chatillon-Boute- ville, vonOlonnc, und die von dem dritten Sohne des Marschalls gegründete jüngere Linie Pin ei-Luxe mb ourg, welche noch fortdauert in der Person des Generallieutenants Charl. Emanuel Sigismond von M., Herzogs von Luxembourg, geb. am 27. Juni 1773, der 1830 die Pairswürde verlor, weil er den Eid verweigerte; endlich die Familie der Prinzen von Tingri, die Christian Louis, ein vierter Sohn des Marschalls, stiftete, und deren jetziges Haupt Anne Edouard Louis von M., Herzog von Beaumont, geb. 1802, ist. — Außer den drei Hauptstämmen mit ihren Nebenzweigen zählt das Geschlecht auch noch viele ältere Nebenäste, wie die Herren von Marly, 1160 —1356, die Herren von Bouqueval und Goussainville, >306 —1361, die Herren von Croisilles und von Courrieres, welche >599 mit ihren Seitenzweigen erloschen. Der wichtigste der alten Nebenäste ist jedoch die 123» von Gui von M. gestiftete Familie Montmoren cy-Lava l. Aus derselben entsprangen die Herren von Aktichi, 1267—1308, die Herren von Chalouyou und Naiz, 1333 — 1373, die Herren von Lezai. Letz- term, > 528 von Gui de Laval gestifteten Zweige gehörte Matthieu Jean Fe'licite von La- val-Montmorency (s. d.) an. — Ihr gehörte ferner an Anne Pierre Adrien, Herzog von Laval-M-, geb. am 29. Oct. 1768, Pair von Frankreich und span. Grande. Derselbe war >813 franz. Gesandter zu Madrid, 1822 zu Nom, 1828 zu Wien und 1829 zu London. Unter dem Minister Polignac trug man ihm das Portefeuille des Auswärtigen an, das er jedoch ausschlug; 1830 verlor er die Pairswürde wegen Verweigerung des Eides. Erstarb am 8.Juni >837. — Gegenwärtig ist der Generallieutcnant Engine Alex, d e M-, Herzog von Laval, geb. am 2 ». Juli >773, das Haupt der Familie Laval-Lezai. — Aus der Familie Laval sind außerdem hervorgegangen dieHrrren von BoiS-Dauphin, 1333—1672, ferner die >383 gestifteteLinie Laval-Tartigni, deren letzter Nachkomme Louis Adelaide Anne Jos., franz. Eenerallieutenant, geb. am 18. Oct. 1752, war. Derselbe wohnte in der Armee Conde"s den Feldzügen von 1796 und 1797 bei und starb im März 1828. — Nach der Erhebung der Baronie Bourbon zur Paine und zum Herzogthum im J. 1327, sollen die Montmorencys mit Bewilligung des Königs und der Nation den Atel der „ersten Barone von Frankreich" angenommen haben, Bis zu Ende des i s.Jahch. 710 Mo«tmoreucy (Anne de) Montmorency (Herzog von) zählte das Geschlecht unter seinen Gliedern sechs ConnetableS, elf Marschälle und vier Ad- mirale. Vgl.„I^es5l(,ntmnrenc)' ckok'raoce etlesintmoreiic)r«l'lrl-»n»1e" (Par. 1828). Montmorency (Anne de), Pair, Marschall und Connrtable von Frankreich, einer der größten Feldherren des > 6. Jahrh., war der Sohn Guillaume's und der Enkel Jean's II. de M., und wurde im März 1493 geboren. Er zeichnete sich in den Kriegen König Franz's k. gegen Kaiser Karl V. durch Muth und Geschick aus, gewann in der Schlacht von Bicoque den Marschallsstab und folgte dem Könige nach Italien, wo er 1525 in der gegen seinen Rath gelieferten Schlacht bei Pavia ebenfalls in Gefangenschaft gerieth. Nachdem er durch den Frieden von Madrid die Freiheit erhalten, wurde er als geschickter Finanzmann, Diplomat und Rechtskenner die Seele der Verwaltung, und 1538 ernannte ihn der König zum Connetable. Indessen zog er sich durch Rauhheit seines Wesens und die Strenge seiner Sitten viele Feinde zu. Weil er dem Dauphin sehr zugethan war, wurde er auch dem Könige verdächtig, der zugleich seine Politik rücksichtlich des Kaisers miebilligte. M. mußte sich deshalb 1541 plötzlich vom Hofe auf seine Güter zurückzichen, wo er zehn Jahre in voller Ungnade zubrachte. Erst als der Dauphin als Heinrich il. den Thron bestieg, trat er wieder an die Spitze der Geschäfte. Im I. 1557erlitt er als Oberbefehlshaber die furchtbare Niederlage bei St.-Quentin und wurde dabei verwundet und mit einem seinerSöhne gefangen. Seine Freiheit erkaufte er durch den unvortheilhaften Frieden von Chateau- Cambre'sis, in welchem Frankreich alle Früchte seiner blutigen Kriege verlor. Er stand im Begriff, die Zügel der Verwaltung wieder zu ergreifen, als der Tod Heinrich's ll. dazwischentrat. Nach der kurzen Negierung Franz's ll. gelang es ihm jedoch, während der Minderjährigkeit Karl's IX., ungeachtet des Widerstrebens der Katharina von Medici, seinen Einfluß zurückzuerhalten. Er bildete mit dem Herzog von Guise und dem Marschall Samt- Andre das berühmte Triumvirat. Im 1. 1562 gewann er als General des königlichen Heers gegen die von Conde befehligten Hugenotten die Schlacht von Dreux, in welcher merkwürdigerweise beide Anführer die Freiheit verloren. Nach Erneuerung des Bürgerkriegs bezwang er 1567 die protestantischen Streitkräfte unter dem Prinzen Conde nochmals in der Ebene von Saint - Denis. In dieser Schlacht empfing er jedoch eine tödtliche Wunde, an welcher er den folgenden Tag, am 11. Nov. 1567, zu Paris starb. M. zeugte fünf ihm an Kühnheit und Thatkraft ähnliche Söhne: Francois, Herzog von M. und Marschall, gest. 1579; Henri, Pair, Marschall und Connetable, gest. 1614; Charles, Herzog von Damville, Pair und Admiral von Frankreich, gest. 1612; Gabriel, Baron von Montbervn, getödtel in der Schlacht bei Dreux, und Guillau me, Herr von Thore, gest. 1593. Montmorency (HenriII., Herzog von), der Enkel des Vorigen und der Sohn Henri's l-, wurde am 30. Apr. > 595 zu Chantilly geboren. König Heinrich IV. war sein Pathe und nannte ihn nur seinen Sohn. Im Alter von 1 7 Jahren erhob ihn Ludwig XIII. zum Admiral. Er rechtfertigte dieses Vertrauen, indem er die Hugenotten in Languedoc besiegte und dann den Rochellern die Insel Re wegnahm. Im Z. 1628 gewann er bedeutende Vortheile über den Herzog von Rohan, der die protestantische Streitmacht führte. Der Hof gab ihm dafür 1630, während des mantuanischen Successionskrieges, den Oberbefehl in Piemont, wo er die Spanier unter Doria schlug und Letzterm eigenhändig zwei Wunden beibrachte. Nach diesem Siege, dem die Aushebung der Belagerung von Casale folgte, erhielt er den Marschallsstab. Von Glück trunken, glaubt« er jetzt sogar dem Minister Richelieu (s. d.) entgegentreten zu können. Er nahm den aus dem Reiche vertriebenen Herzog Gaston von Orleans (s. d.) mit einer Schar span. Reiter in seinem Gouvernement Languedoc auf, wobei er weniger ein politisches Parteiinteresse verfolgte, sondern gleichsam als erbetener Secundant auftrat. Am 23. Aug. 1632 wurde er dagegen vom Hofe zum Majestätsverbrecher erklärt und seiner Würden und Güter beraubt, welches Verfahren sein kühnes Gemüth nur reizte. Der Marschall Schömberg erschien hierauf an der Spitze königlicher Truppen und lieferte den Aufrührern am I. Sept. 1632 bei Castel- naudary ein sehr kurzes Treffen, in welchem M., nach verzweifelter Anstrengung, auf de» Tod verwundet wurde. Man fand ihn so auf dem Schlachtfelde und führte ihn gefangen nach Toulouse, wo das Parlament über ihn das Todesurthril fällte. Obschon er tiefe Reu« Montmorency (Herzog v. Laval) Montpensier (Herzogin von) 711 zeigte und zahllose Fürsprecher hatte, so war doch Ludwig XIII. zur Begnadigung nicht zu bewegen. Am 30. Oct. >632 wurde er auf dem Stadthause zu Toulouse enthauptet. Keiner seiner Zeitgenossen soll ihn an Schönheit, Anmuth und Kühnheit übcrtroffen haben. Da er keine Kinder hinterließ, so fielen die Güter dieser Linie an seine Schwester Charlotte, die Gemahlin Heinrich's II. von Bsurbon-Conde; durch den Tod des letzten Conde gingen dieselben in neuerer Zeit an das Haus Orleans über. Montmorency (Mathieu Jean Felicitc, Herzog von Laval-), franz. Minister während der Restauration und Pair, wurde zu Paris am lo.Juli 1767 geboren. Er kämpfte im Nordamerika». Freiheitskriege und trat beim Ausbruche der Revolution als Abgeordneter seines Standes in der Nationalversammlung für die politische Bewegung auf. Als der Krieg gegen das Ausland begann, bot er sogar seinen Degen an und stellte sich unter den Befehl des Marschalls Luckner. Allein die reißenden Fortschritte der Revolution bewogen ihn, aus Frankreich in die Schweiz zu fliehen, wo ihm Frau von Stack zu Coppet ein Asyl eröffnete. Nach dem Sturze der Schreckensherrschaft kehrte er nach Frankreich zurück; doch sein inniges Verhältniß zur Stael machte ihn später Bonaparte verdächtig, sodaß er mehrfache Verfolgungen erdulden mußte. Nach der Restauration wurde er deshalb der eifrigste Vertreter des bourbonischen Interesses. Er erhielt im Apr. 1814 beim Grafen Artois die Stelle eines Adjutanten, begleitete >815 die Herzogin von An- goulcme nach Bordeaux und London und ging dann nach Gent zu Ludwig XVIII. Der König, der in ihn großes Vertrauen setzte, ernannte ihn am 17. Aug. >815 zum Pair und, nach Entlassung der Minister PaSquier und Simeon, am 24. Dec. >821 zum Minister des Auswärtigen und bald darauf zum Präsidenten des Cabinets. Als solcher ging er 1822 zum Kongresse nach Verona und beförderte >823 den Krieg gegen die span. Cortes. Weil er mit Villele zerfiel, mußte er jedoch sein Portefeuille an seinen Freund Chateaubriand abgeben. Karl X., der ihn besonders liebte, weil er die Jesuiten begünstigte, ernannte ihn zum Erzieher des jungen Herzogs von Bordeaux. M. starb am 24. März 1826 m der Kirche während des Gebets. Ohne daß er je etwas geschrieben, hatte ihn die Akademie zu ihrem Mitgliede erwählt. Montpellier, die Hauptstadt des franz. Departements Herault, liegt in einer reizenden, durch ihr mildes Klima berühmten und deshalb Kranken zur Heilung empfohlenen Gegend zwei Stunden vom Mittelländischen Meere auf einer Anhöhe, welche ein angenehmes Thal umgibt. Sie ist der Sitz eines Bischofs, hat eine Citadelle, 21 Kirchen und 37000 E., worunter über 5000 Reformirte. Die Vorstädte find regelmäßig und schön gebaut, desto unschöner aber ist die innere Stadt mit ihren engen, steilen, winkeligen und schmuzigen Gassen. Eine Zierde der Stadt zst der mit schönen Anlagen versehene öffentliche Platz Peyrou auf einem Hügel, von wo aus man die Pyrenäen, das Meer und die Cevennen erblickt. Unter den Gebäuden zeichnen sich aus die Peterskirche, das Theater, der Concertsaal und das Gouvernementshaus; merkwürdig ist auch die 1'/- Stunde lange Wasserleitung, welche die Stadt mit Wasser versorgt. Die daselbst I l 06 gestiftete Universität hat drei Facultäten: die medicinische, von jeher berühmt und im Besitze eines trefflichen botanischen Gartens, des ältesten (seit > 508) in Frankreich; die der exacten und die der schönen Wissenschaften. Außerdem hat die Stadt eine öffentliche Bibliothek, ein Museum , ein Lyceum und mehre gelehrte Vereine. Die Fabriken liefern besonders chemische Producte, Liqueurs und wohlriechende Wasser; fernerWoll-, Baumwoll- und feineLeder- waaren. Den bedeutenden Handel mit diesen Fabrikaten, sowie mit Wein und Sämereien unterstützt der bis ans Meer führende Kanal Grave. M. ist der Klons xessulus oder Alons puellarum der Römer. Im Mittelalter wurden daselbst fünfConcilien von 1162— 1258 gehalten. Nach dem Aussterben seiner eigenen Herren kam es gegen Ende des 13. Jahrh. durch Erbschaft an die Könige von Aragonien und von diesen an die von Majorca, denen es 1350 Philipp VI. von Frankreich abkauste. Unter Heinrich III. wurde eS ein Hauptsitz der Hugenotten, der sich erst nach vielen Kriegen und einer langen Belagerung im J. >622 der Regierung unterwarf. Montpensier (Anne Marie Louise von Orleans, bekannt unter dem Namen Mademoiselle, Herzogin von), geb. zu Paris am 29. Mai 1627, war die Tochter des . ^ ^ ^ ^ - L«ili l.>W4^L I 712 Montreal Montrose Herzogs Gaston von Orleans (s. d.), des Bruders Ludwigs XIII. von Frankreich, und der Maria von Bourbon, der Erbin des Hauses Montpenster. Den größten Theil ihres Lebens beschäftigte sie sich mit Heirathsentwürfen, die meist daran scheiterten, weil der Hof ihr außerordentliches Vermögen nicht in fremde Hände übergehen lassen wollte. Gleich ihrem Vater war sie stolz, heftig, eitel und unternehmend; doch theilte sie nicht dessen Feigheit und Wankelmüthigkeit, sondern war kühn und festen Charakters. Als die Unruhen der Fronde (s. d.) ausbrachen, suchten sich die Parteien ihrer zu bemächtigen. Wiewol sie Ursache hatte, sich über die Verlegenheit des Ministers Mazarin und der Königin Anna zu freuen, unternahm sie doch in den ersten Jahren nichts Feindseliges gegen den Hof. Als sich aber endlich ihr Vater mit dem Prinzen von Conde verband, ergriff nun auch sie aus Liebe für den Erstem entschieden die Sache der Frondeurs. Im März >652 schickte der Herzog seine Tochter nach Orleans, um die Stadt seiner Partei zu erhalten. Die Prinzessin brachte es durch ihr kühnes Betragen in der That dahin, daß die Bürger ihre Thore den Truppen des Hofs verschlossen. Noch wichtiger war der Dienst, den sie der Fronde am 2. Juli desselben Jahres während des Treffens in der Vorstadt St.-Antoine zu Paris leistete. Die Bürger der„Hauptstadt, des Kriegs müde, verweigerten dem von Turenne hart bedrängten Conde die Öffnung der Thore. Nur durch die eifrigsten Bemühungen gelang es der Prinzessin, den Einlaß der Insurgenten durchzusehen. Als aber auch Turenne mii eindrang, begab sie sich in die Bastille und ließ hier, auf einen ihrem Vater abgedrungenen ^ Befehl, die Kanonen aus die königlichen Truppen abfeuern, was dieselben zum Rückzüge zwang. Die Aussöhnung ihres feigen Vaters mit dem Hofe brachte sie in große Gefahr. Sie verbarg sich anfangs bei ihren Freunden und ging dann auf ihr Landgut St.-Fargean, wo sie Verbindungen mit dem nach Spanien übergetretenen Conde unterhielt und eine ' Menge geistreicher Männer um sich sammelte. Erst nach vier Jahren, 16',7, durfte sie an > den Hof zurückkehren. Im Alter von 40 Jahren verliebte sie sich leidenschaftlich in den jun- ! gen und schönen Grafen von Lauzun, der diese Neigung wol kaum im Ernste erwiderte. s Sie besaß 2«» Mill. Francs, vier Herzogthümer, die Herrschaft Dombes, die Grafschaft En ! und den Palast Luxembourg und gefiel sich in der Idee, dieses unermeßliche Vermögen ihrem Geliebten ohne Vorbehalt zuzubringen. Der König Ludwig XIV. willigte auch im Nov. >670 aus Freundschaft für Lauzun in die Vermählung und der Ehecontract wurde geschlossen. Allein die Montespan, die Feindin. Lauzums, stellte dem Könige das Nachtheilige dieser Verbindung rücksichtlich der Interessen des königlichen Hauses vor, sodaß Lud- ! wig sein Wort zurücknahm. Lauzun wurde bald darauf eingekcrkert, und dies geschah > » wahrscheinlich, weil er sich heimlich mit der Prinzessin vermählt hatte. Vergebens setzte jetzt i die fast närrisch verliebte Fürstin Bitten, Thränen und Drohungen daran, ihrem Gelicb- ^ ten die Freiheit zu verschaffen. Erst als sie dem Herzoge von Maine, dem Sohne der Man- ! tespan, die Herrschaft DombeS und die Grafschaft Eu abgetreten, wurde Lauzun, nach ! zehnjähriger Gefangenschaft, freigelassen. Lauzun vergalt jedoch seiner großmüthigen Ec- ! liebten das Opfer schlecht; er stellte dieselbe bloß und mishandelte sie, sodaß sie sich > 68ö > von ihm trennte. In ihren letzten Jahren widmete sich die Prinzessin ganz der Religion und frommen Werken. Sie starb am 5. März «603. Ihre „»lmnaires" (beste Ausg., 8 Bde., Amst. 1746) sind für die Hofgeschichte sehr wichtig, obschon dieselben nicht selten Kleinigkeiten mit großer Breite erzählen. Ihr Universalerbe war der Herzog von Orleans, > der Bruder Ludwig's XIV. I Montreal, eine der wichtigsten Städte in Untercanada im brit. Nordamerika, liegt § auf der gleichnamigen, sehr fruchtbaren Insel in dem vom Lorenzstrom gebildeten See St.- Louis und ist sehr schön gebaut. Auf dem Markte steht die 30 F. hohe Statue Nelson's. Die Zahl der Einwohner beläuft sich auf 30000, meist franz. Abkunft, wie denn auch das Französische die allgemeine Umgangssprache ist. Es gibt mehre Fabriken; doch am wichtigsten ist die Stadt als Handelsstadt, namentlich als Hauptstapclplaß für den Pelzhan- dcl. Sie wurde um 1640 angelegt und 1760 von den Briten erobert. Montrose (Jam. Graham, Graf von), stammte aus dem schot. Königsgeschlechte der Stuarts und wurde >612 zu Edinburg geboren. In seiner Jugend machte er große Reisen durch Europa und bot dann Karl I. von England seine Dienste an. Auf Betrieb 713 Mont Saint-Zean Monza, des Herzogs von Hamilton wies man ihn jedoch schnöde zurück, sodaß ec nach Schottland ging und in der Armee der Presbyterianer einen Befehl übernahm. Von den presbyteria- nischen Häuptern beleidigt und zurückgesctzt, ließ er sich nach einiger Zeit bewegen, erst heimlich, dann offen das königliche Interesse in Schottland zu vertreten. Er sammelte die Royalisten des Landes und eröffnete nach Ankunft eines Corps von l 100 Irländern 1644 gegen die Covenanter (s. Schottland) den förmlichen Krieg. Obschon er wol kaum großes Feldherrntalent besaß, entwickelte er doch außerordentliche Kühnheit, Geschick und Beharrlichkeit. Nachdem er im Dec. den Grafen Argyle bei Jnverlochy aufgerieben, wurde ihm der General Baillie entgegengeschickt, den er an der Spitze seiner Hochländer am l 5. Aug. 1645 in einer blutigen Schlacht bei Kilsitt vernichtete. Hierauf rief er zu Glasgow ein königlich gesinntes Parlament zusammen, das Subsidien bewilligen mußte. Der bedrängte Covenant zog unterdeß die presbyterianische Armee unter Lesly aus England zurück, und von dieser überlegenen Macht wurde er am 1,3. Sept. 1645 bei Selkirk vollständig geschlagen. Er floh mit wenigen Begleitern über den Tweed und führte einen nutzlosen Parteigängerkrieg, bis ihm der im schot. Lager gefangen gehaltene König gebot, den Kampf cin- zustellen und ins Ausland zu gehen. Er wendete sich nach Frankreich und von da, weil ihn Mazarin sehr kalt behandelte, nach Deutschland, wo er in den letzten Feldzügen des Dreißigjährigen Kriegs zum kaiserlichen General emporstieg. Nach dem TodeKarl's I. begab er sich in den Haag und bot Karl ll. zur Wiedereroberung der Krone seinen Degen an. Erwarb durch die Unterstützung Dänemarks und Schwedens ein kleines Corps, brachte dasselbe auf ^ niederländ. Schiffen nach den Orcaden und landete endlich im Apr. 1650 an den Küsten ! der Grafschaft Caithneß. Allein die Bevölkerung, des Kriegs müde, floh bei seinem Erscheinen, und Lesly schickte den Oberst Strawghan ab, der die royalistischen Truppen beim ersten Angriff zerstreute. M. selbst floh als Bauer verkleidet in die Berge und mußte sich I nach einigen Tagen, von Hunger und Kälte aufgerieben, einem seiner früher» Offiziere l Namens Aston, entdecken. Derselbe versprach ihn zu retten, lieferte ihn aber, von den I 2000 Pf. St. angelockt, die das Parlament auf seinen Kopf gesetzt hatte, an Lesly aus. Man schaffte ihn nach Edinburg, wo ihn das Parlament verurtheilte, an einen 30 F. hohen Galgen gehangen zu werden. Er erlitt diese Strafe am 2 l. Mai 1650 und starb mit großer Standhaftigkeit. Sein Kaplan Wishart hat sein Leben beschrieben; auch erschien neuerdings eine Schrift unter dem Titel „Nontrose suck covenanters". Mont Saint-Jean, ein Dorf eine Viertelmeile von Belle Alliance in dem Bezirke ! , Nivelles der belg. Provinz Südbrabant, nach welchem die Franzosen die Schlacht bei Belle Alliance oder Waterloo (s. d.) benennen. Montserrat, eine uralte, berühmte, jetzt zum Theil zerstörte Benedictinerabtei in i der span. Provinz Catalonien, erhielt ihren Namen von den vielen, den Zacken einer Säge 1 (ssrre) ähnlichen Spitzen des Bergs, an und auf welchem sie erbaut wurde. Derselbe hat ! eine Höhe von 3800 F., und nicht Jeder dürfte im Stande sein, die gefährlichen, in den ^ schroffen Fels gehauenen Stufen zu den ehemaligen 13 Einsiedeleien, welche einen Theil des Klosters ausmachten, zu erklimmen. Die jüngsten Mönche wohnten am höchsten und hor- ^ steten wie die Adler auf den höchsten Bergspitzen. Vom Kloster aus wurden sie durch ab- > gerichtete Maulesel mit Lebensmitteln versorgt, und nur an Festtagen versammelten sie sich zum gemeinschaftlichen Gottesdienst in der Klosterkirche. Manche dieser Einsiedeleien hatten nicht mehr Raum, als die kümmerliche Hütte einnahm, manche aber noch ein Gärt- § chen daneben; einige schienen in der Luft zu hängen, und nur mittels Leitern und Brücken über schauerliche Abgründe konnte man zu ihnen gelangen. Immer weiter rückten die Bewohner derselben mit den Jahren herab in die dem Kloster näher liegenden Einsiedeleien, sowie deren Inhaber abstarben, bis sie endlich in das Kloster selbst gelangten. Zum Theil schon am 28. Juli 1812 von den Franzosen zerstört, litt das Kloster noch mehr im 1.1827, wo es der Hauprherd des karlistischen Aufstandes in Catalonien war. Montur, s. Uniform. Monumente, s. Denkmale. Monza, im Alterthume Hlockitia, in der Lombardei, in der jetzigen Delegation Mailand des lombard.-venet. Königreichs, am Lambro, ist eine sehr alte Stadt und zählt gegen 7L4 Moor Moore (Sir John) 6000 E. Das dasige Schloß ist ein sehr elegantes, großes Gebäude, am merkwürdigsten aber durch den dasselbe umgebenden, in mehre Abtheilungen zerfallenden Park, der der größte in ganz Italien ist. Der alte Zustizpalast war ehemals die Wohnung der lombard. Könige. In der schönen ehrwürdigen Domkirche zu St.-Zohannes wird die Eiserne Kro n e (s. d.) aufbewahrt. In der Umgegend gibt es eine Menge prachtvoller Landhäuser. Moor nennt man sumpfiges, morastiges Land von meist schwarzer Beschaffenheit in Folge der vegetabilischen Beimischungen. Dem Moor steht entgegen der Sumpf (s.d.) und zwischen beiden der Bruch (s.d.). Man unterscheidet Grünmoore, welche auf ihrer Oberfläche mit Nasen und hohen Gräsern überzogen sind; Hochmoore, wenn das Moor sehr hoch liegt, und Schwarz- und Haidemoore, auf denen blos Haidepflanzen wachsen. Sowol zum Hcugewinn, wie zur Weide sind die Moore nur von geringem Werth; letzterer ist vielmehr dadurch bedingt, daß sie sich zum Torfstich eignen. (S. Torf.) Die größten Moore findet man in Amerika und Westindien, auch im nördlichen Europa, sowie in Ungarn und Polen. Zn Deutschland sind als die bedeutendsten Moore zu bemerken die in Ostfriesland, in der Lüneburger Haide, das Teufelsmoor bei Bremen, das Bourtanger- moor in der Provinz Eröningen und das trocken gelegte Donaumoos (s. d.) in Baiern. Das in den genannten und andern deutschen Gegenden übliche Moorbrennen veranlaßt mit den Höhenrauch (s. d.). Moore (Sir John), ein tapferer brit. General, der Sohn des als Arzt und Schriftsteller bekannten vr. Moore, wurde zu Glasgow 1701 geboren und erhielt seine Erziehung auf dem Festlande, wo sich sein Water als Gesellschafter des Herzogs von Hamilton aufisielt. Durch die Vermittelung des Letztem trat er 1776 in die brit. Armee und wohnte dem amerik. Kriege bei, 1793 dem Zuge nach Gibraltar und im folgenden Jahre der Expedition gegen Corsica. Unter Andcrm zeichnete er sich bei der Belagerung von Calvi aus und erhielt dafür, als er im Nov. 1795 mit dem General Stewart zurückkehrte, den Grad eines Brigadegenerals. Als solcher folgte er im Febr. 1796 dem Sir Ralph Abercrombie mit einer Brigade nach Westindien, der ihm nach der Eroberung von St.-Lucie im Mai 1786 das Gouvernement dieser Insel anvertraute. M. reinigte die Insel von den Neger- banden, mußte aber im Ang. 1797 seiner Gesundheit wegen nach England zurückkehren. Unter Abercrombie, der ihm im Sept. folgte, übernahm er nun ein Commando der brit. Streitkräfte in Irland und leistete derRegierung in dem Aufstande von 1798 (s. Irland) außerordentliche Dienste, sodaß er zum Generalmajor emporstieg. Im Juni 1799 begleitete er den Herzog von Pork auf der Expedition nach Holland, mußte jedoch, schwer verwun- » det, nach England zurückkehren. Kaum genesen, übernahm er wieder ein Commando in der zur Expedition nach Ägypten bestimmten Armee unter Abercrombie. An der Spitze der Reserve wurde er bei Abukir wieder verwundet, vermochte jedoch an der Belagerung von Kairo Theil zu nehmen. Nach der Einnahme von Alexandrien kehrte er nach England zurück und erhielt ein Commando im Innern. Im Mai 1808 wurde er zum Obergcneral des l 0000 M. starken Corps ernannt, welches Schweden gegen die Russen, Dänen und Franzosen unterstützen sollte. Der König Gustav IV. Adolf übcrwarf sich bei der Landung zu Gothenburg mit ihm und ließ ihn einen Augenblick festnehmen, weshalb M. die Expedition zurückführte. Hierauf erhielt er den Befehl, nach Portugal abzugchen, wo er kurz nach Abschluß der Kapitulation von Cintra anlangte. Hier übernahm er den Oberbefehl, vereinigte sich mit dem 15000 M. starken Corps unter General Bairo und drang nach Spanien gegen Burgos vor, in der Hoffnung, däß die zahlreichen span. Insurgenten sich ihm anschließen würden. Obschon er zu Salamanca wahrnehmen mußte, daß eine schnelle Vereinigung sämmtlicher Streitkräste unmöglich sei, wagte er doch, dem General Hope auf Madrid nachzuzichen. Soult stellte sich ihm bei Saldanha entgegen, und Napoleon selbst setzte sich in Bewegung, um die Briten vom M eere abzuschneiden. M. entschloß sich in dieser Lage, den Rückzug nach Coruna zu nehmen und dort seine sämmtlichen Streitkräfte cinzuschif- fen. Er gewann einen bedeutenden Vorsprung, indem er die Franzosen durch angezündete Feuer täuschte, und gelangte am l l. Jan. 1809 vor Coruna an. Jndeß ereilten ihn die Franzosen doch und zwangen ihn am 16. Jan. zu einer blutigen Schlacht, in welcher er tödtlich verwundet wurde. Er starb nach einigen Stunden mit der Gewißheit, daß sein Heer 715 Moore (Thom.) Moose gerettet sei. Sein Bruder gab eine Geschichte dieses Feldzugs (Lond. 1809) und das Leben M.'s (Land. 180-1) heraus; gründlicher bcurthcilt ihn Napicr in der „Ili-torz, ok tl,e war in tke Peninsula" (0 Bde., Land. 1802). Moore (Thom.), einer der berühmtesten unter den neuern engl. Dichtern, gcb. am 28. Mai 1780 zu Dublin, der Sohn eines dortigen katholischen Kaufmanns, erhielt durch Sam.Whyte, den Jugendlehrcr des berühmten Sheridan, den ersten Unterricht und machte solche Fortschritte, daß er bereits im >0. Jahre die Universität zu Dublin beziehen konnte. JmJ. >"99 ging.er nach London, um im Middle Templc die Rechte zu studiren. Hier gab er seine treffliche Übersetzung des Anakreon, die er schon in früher Jugend begonnen haben soll, heraus. Im I. 1800 erhielt er die Stelle eines Schreibers beim Admiralitälsgerichtc auf der Jnsil Bermuda, die er durch einen Stellvertreter verwalten ließ, während er selbst die Vereinigten Staaten bereiste, die aber seine Erwartungen nicht befriedigte», daher er sie in seinen „Ortes aml epistles" (2 Bde., 1806) scharf mitnahm. Zwei Jahre später gab er unter dem Namen Thomas Little eine Sammlung Liebesgedichte heraus, die häufig unanständig sind, aber sich durch Anmuth und Wärme ungewöhnlichen Beifall erwarben. Hierauf wendete er sich zur Satire und schrieb mehre Flugschriften in Versen und in Prosa, in denen er mit beißendem Witz und Spott die Torypartei und selbst den Prinzregenten verfolgte, z.B. „Korruption uittl intoleranco" (1808), „Hie sceptic" (1809), letter to tbs roinan cskliolics okOublin" (1 810) und „Ille trvopenn) postdo^" (I 810), denen sich später „U'Iie kmlge ksmitx in Paris" (1818) und „kuOles kor lbe llo!)' ulliance" (1820) anschloffen. Mit seinen wichtigsten Werken trat M. aber erst seit 1810 hervor. Seine „lrisb mslockies", Texte zu Stevenson's irischen Nationalmelodien, gehören zu den trefflichsten Erzeugnissen der engl. Lyrik. Ein Seitenstück dazu bilden die „SacreU sonAs, tluets unä trios"(l 816), mit Musik von M. und Stevenson. Sein größtes und gefeiltestes Werk, die morgcnland. Dichtung „I^aliaRoollti" erschien 1817. M. bereiste nun Frankreich und Italien und war 1822 auch genöthigt, längere Zeit seinen Wohnsitz in Paris zu nehmen, da in England ein Verhaftsbefehl gegen ihn erlassen war, indem sein Stellvertreter in Bermuda Gelder veruntreut hatte. M. deckte indeß die fehlenden Summen mit dem Ertrage seiner Schriften, kehrte 1820 wieder nach England zurück und nahm seinen Wohnsitz in einer Hütte bei Devizcs in Wiltshirc. Von dichterischen Werken erschienen von ihm nur noch ,,'klle toves ok tlle 820), eine Art Seitenstück zu ,ch>aIlL Roollli", und seine Erzählung ,,'ktie Lpicuresn" (l 827). Neuerdings erschien eine vollständige Sammlung seiner Gedichte (>0 Bde., Lond. 1800—02). Seitdem scheint er das Gebiet der Dichtung verlassen und sich dem Studium der Geschichte seines Vaterlands zugewendet zu haben. Schon 1820 hatte er in seinen „lllemoirs ok tlre like ok captai» Rock." eine Schilderung von dem Zustande Irlands gegeben, die trotz der vorherrschenden Partrifarbe das von der engl. Regierung gegen die Irländer seit Jahrhunderten befolgte System wahr darstellt. Seine „Alemoirs ok p,or<1 Lckrvarcl pik^geralci" (2 Bde., Lond. 1801) sind ein schätzbarer Beitrag zur irischen Geschichte. Dagegen fand die glänzende Sophistik, die er in seinen ,'kravels ok an irisb goutieman in searcü ok retißinn" (2 Bde., Lond. I 800) zeigte, mehre tüchtige Gegner. Eine „Historx oklrelanck" lieferte er in Lardner's „O^clopeckia". Auch gab er 1821 Sheridan's Werke heraus und schrieb >825 dessen Biographie, die interessant, doch nicht ohne Mängel ist. Die von ihm herausgegebenen „Rektors ancksonrniUs ok s.ord IHrou wild notice« ok dis like" (1800) sind kein Ersatz dafür, daß er die von Byron ihm übergebenen handschriftlichen Denkwürdigkeiten auf Andringen von dessen Verwandten vernichtete. M.'s Eigenheit als Dichter sind Anmuth des Ausdrucks und reiche Bildersprache; aber er hat mehr Witz als Phantasie, und ist mehr sinnreich als innig. Moorhirse ist eine im südlichen Europa, bei den nogaiischen Tataren und in Kau- kasien häufig cultivirte Pflanze, welche die Stelle des Hirse vertritt. Da aber das Mehl der Körner gering und wenig schmackhaft ist, so wird der Moorhirse mehr zum Viehfutter als zum Brotbacken verwendet. Von besserer Beschaffenheit ist der Zuckermoorhirse, welcher in Ungarn, in der Bucharei, in Astrachan und an der Wolga gebaut wird. In der Bucharei ist der Zuckermvorhirse das einzige Brotkorn. In Deutschland gedeiht er nicht. Moose, eine große Familie von Pflanzen aus der Abtheilung der Kryptoga- kill Mopsu-s Moradite» men (s. d.). Ihrer Kleinheit, Häufigkeit und verhältnißmäßig geringen Nutzbarkeit wegc>, von der Menge wenig beachtet, lassen sie dennoch bei mikroskopischer Untersuchung eine sehr mannichfaltige Gestalt und Einrichtung gewahren, weshalb viele Botaniker sie vorzugsweise zum Studium erwählt haben. Sie bestehen, ebenso wie Pflanzen der höher» Classen, aus Wurzeln, Stengel, Blättern und Befruchtungswerkzeugen. Die letzlern, durch Hed- wig's Bemühungen zuerst genauer bekannt, bestehen aus geschlossenen becherförmigen Kapseln, über welche ein konisches Hütchen gestülpt ist. Sie enthalten mikroskopische Samenkörner, auf welche mittels des kleinen Hutes der männliche Befruchtungsstoß übertragen wird, der sich in gewissen sternförmigen Gebilden, die knospenartig in den Blattwinkeln hrrvorwachsen, erzeugt. Solches ist die gewöhnliche Ansicht über die Fortpflanzung der Moose, doch nicht die ausschließend geltende. Die Moose zerfallen in viele Gattungen und Arten, lieben den Schatten und gemäßigte Klimate, finden in der Medicin kaum eine Anwendung, sind aber zu manchen ökonomischen und technischen Zwecken sehr nützlich. Mopsus, der Sohn des Ampyx und der Nymphe Chloris, aus Thessalien, war ein berühmter Seher bei den Argonauten und bekannt als kalydonischer Jäger. Er starb in Libyen an einem Schlangenbisse, wurde dort von den Argonauten bestattet und erhielt Heroendienst und Orakelstätte. — Mopsus, der Sohn des Apollon oder des Kreters Rhakios und der Manto (s. d.), war der Gründer von Mallos in Kleinasien und des Orakels daselbst. Mora, ein schon im Alterthume bekanntes und noch jetzt in Italien sehr gewöhnliches Spiel, besteht darin, daß Jemand die Hand oder auch beide Hände mit mehr oder weniger eingeschlagenen Fingern schnell ausstreckt, und ein Anderer in demselben Augenblicke angibt, wie viel Finger jener nicht eingeschlagen hat. Etwas Ähnliches ist das deutsche Gerade oder Ungerade. j Mora (Don Jose Joaquin de), einer der vorzüglichem unter den neuern span. Dich- ! tcrn, aus Cadix gebürtig, hatte in Granada seine Studien vollendet, als die franz. Invasion 1 im I. 1808 auch ihn unter die Waffen rief. Später von den Franzosen gefangen genommen, wurde er nach Frankreich gebracht. Nach seiner Rückkehr ins Baterland im Z. 1814 übernahm er die Redaction der „Lroniea lilerarlacieutillca'h die bald unter die gelesensten und geschätztesten Journale gehörte. Nach der Wiedereinführung der Constitution im I. 1820 redigirte er'die Blätter „LI constitucional" und „La Z-lluerva" Auch erschien von ihm aus dem Englischen übersetzt „Los eonsejos (jue dmigiö a lasOortss x al pueblo espailol 3er. Lentbam" (Madr. 1820). Als 1823 die absolute Monarchie wiederhergestellt wurde, sah er sich genöthigt, auszuwandern. Er flüchtete sich nach London, wo er das Taschenbuch ,,^'o me olvides, rscuerdos de la amistad" (Lond. 1824—21), „Oiwnastlca del uello sexo" (Lond. 1824; 2. Aufl., I 827), „Ouadro oetic»s" (Lond. <826, 4.) her ausgab. Überdies hat er zu mehren von den span. Flüchtlingen zu London herausgegebenen Journalen reichlich beigetragen. Jm J. >827 folgte er Ribadavia nach Buenos- AyreS; später ließ er sich in Santiago de Chile nieder. Eine reichliche Auswahl seiner lyrischen Gedichte findet sich in Wols's „Lloresta de rimas modsrnas castellanas"; auch erschienen „Le^sndas en verso ^ jirnsa algunas poesias sueltas casi todas Inedita« üasta adora" (Lond. 1840). M. hat sich in den meisten lyrischen Dichtarten versucht, unl meist mit Glück; alle seine Gedichte zeichnen sich aus durch Das, was man Poesie der > Sprache nennt, durch Anmuth, Gefälligkeit und einen überaus fließenden Versbau; doch sind die scherzhaften und satirischen seine eigentliche Stärke. — Nicht zu verwechseln ist M. mit einem andern gleichnamigen span. Schriftsteller in Amerika, Jose Maria Luis M., der „Alejlco y s»8 revolnciouss" (8 Bde., Par. 1836) und „Obras sueltas" (2 Bde,., Par. 1838) erscheinen ließ. Morabiten, d.h. Grenzenbeschützer, beiden Spaniern ^Iworavldes genannt, ist der Name eines besonder» arab. Stammes, der schon in den ersten Zeiten der Hedschra bis an die äußerstenGrenzen Afrikas vordrang, sich in dem jetzigen Gebiete von Marokko nicderließ, un!»gegen 1075 n. Chr. eine Dynastie gründete, welche in Nordafrika und in Spanien einige Zeit sich behauptete. Gestiftet wurde dieselbe durch Abubekr den Omar, nach der Moral Moralprincip 717 Eroberung der Stadt Scgelmessa im I. l»75n.Chr. Sein Nachfolger Jussuf ben Taschfin erbaute die Stadt Marokko und unterwarf sich >106 die arab. Provinzen Spaniens. Es endete die Dynastie l >63 mit Jshak den Ali, welchem Marokko durch die Dynastie der Almohaden entrissen wurde. Die Nachkommen der Morabiten, unter dem Namen Uoro- but bekannt, genießen wegen ihrer großem Bildung noch gegenwärtig eines großen An- sehens unter den nordafrikan. Arabern in der Berberei, und werden fast als Heilige ange- sehen, wie in neuerer Zeit z.B.Abd el Kader. Auch nennt man die Grabstätte eines solchen Heiligen ein iVlarobul. Moral, s- Ethik, Moralphilosophie und Moralprincip. MoräleS (Christofero de), einer der ausgezeichnetsten Komponisten seiner Zeit, der Vorläufer Palesirina's, war aus Sevilla gebürtig und unter Paul l». Sänger in der päpstlichen Kapelle. Seit > 3 >3 finden sich Messen, Motetten und Magnificats von ihm in vermischten Sammlungen, die in Venedig erschienen. Seine Motette „I^mentsdotnr äacob" wurde sonst jährlich am ersten Sonntage der Fasten in der päpstlichen Kapelle aufgeführt. Moräleö (Luis, nicht, wie gewöhnlich angegeben wird, Christobal Perez), einer der berühmtesten span. Maler, geb. zu Badajoz >56», erhielt den Beinamen des Göttlichen (ei tlivin»), entweder wegen seiner trefflichen Arbeiten, oder weil er nur religiöse Gegenstände zur Bearbeitung erwählte; auch wurde die Straße, wo er wohnte, nach ihm benannt. Dieses Ruhmes ungeachtet lebte er, zumal in frühererZeit, in großerBedrängtheit, weil er seine Gemälde so fleißig ausführtc, daß er nur wenige Arbeiten zu liefern im Stande war. Nachdem er längere Zeit in Sevilla und Madrid gemalt, lebte er in seinem Alter von Philipp's II. Unterstützungen, und starb 1586 in Badajoz. Charakteristisch sind sein strenger Stil und seine oft harte Zeichnung, bei fleißigster Ausführung und weich verschmolzenen Farben. Gemälde von ihm finden sich in Toledo, Valladolid, Burgos und Granada. Moralische Person oder Personengemeinheit (uriiversitss) ist eine Vereinigung mehrer Personen zu gewissen Zwecken, welche zusammen in Beziehung auf diese Vereinigung ein einziges Rechtssubject bilden. Dieses letztere Recht kann nur durch Sanction derRegierung erlangt werden. Inhaber derRechte einer solchen univer^itassind nicht die einzelnen Mitglieder, sondern die universit!>8 selbst, d. h. der Complex aller Mitglieder als ein Ganzes, sodaß also das einzelne Mitglied derselben für sich allein keinen selbständigen Antheil an den Rechten der „niveisitos ansprechen kann, aber auch nicht für die Schulden derselben antheilig haftet, wie dies im Gegensätze hierzu bei der blosen com- numio oder soeietas(s.Gesellschaftsvertrag) derFall ist. Städte,Dörfer,Gemeinden u.s.w. sind Beispiele von moralischen Personen. Moralphilosophie bezeichnet im engern Sinne so viel wie Ethik (s. d.) und umschließt alle Untersuchungen, die sich auf das Sittliche und Unsittliche beziehen, mögen sie nun ganz allgemeiner Natur sein, oder sich speciell auf die Sittenlehre (Moral) oder das sogenannte Naturrecht (s. d.) beziehen. Insofern eine solche Untersuchung die letzten Grundbestimmungen über den Werth des Wollend und Handelns darlegen soll, nannte sie Kant auch MctaphysikderSitten; insofern sie dabei noch keine Rücksicht auf die besonder« Verhältnisse des menschlichen Lebens nimmt, ist sie reine Moralphilosophie; angewandte Moral, eigentlich praktische Philosophie, wird sie, indem sie das Letztere thut. — Das Wort moralischhat jedoch auch noch eine weitere Bedeutung, wo es Alles bezeichnet, was im Unterschiede von dem Physischen aus Bewußtsein und Wollen hinweift, und in diesem Sinne nennt man, besonders im Auslande, namentlich in Frankreich, moralische Wisse n schäften im Gegensätze zu den exacten Wissenschaften (sciences exacte») alle diejenigen, welche es mit der Ergründung des geistigen Lebens des Menschen und seinen mannichfaltigen Äußerungen und Produkten zu thun haben. In diesem Sinne gehört z.B. die Psychologie, die Culturgcschichte u. s. w. mit zu den moralischen Wissenschaften. Moralprincip ist ein Begriff oder Satz, der als höchster Maßstab des ethischen , Werths aufgestellt wird, und als der die einzelnen Bestimmungen der Ethik beherrschende der letztem die Form des Systems gibt. In diesen obersten Grundsätzen der Ethik stellt ! sich natürlich die Verschiedenheit ihrer systematischen Ausbildung selbst dar; einen lehrreichen Versuch, die Verschiedenheit der Moralprincipe auf allgemeine Gesichtspunkte 7i3 Moräste Moralin (Leandro Fernandez de) zurückzuführcn, hat namentlich Schleiermacher in seiner „Kritik aller bisherigen Sittenlehren" gemacht. Ein besonderes Gewicht legte man in der Periode der Kant'schen Philo- sophie auf den Unterschied materialer und formaler Moralprincipien. Jene erklärte Kant für solche, welche die Regel für das Wollen aus seinem Verhalten zu irgend welchen Gegenständen ableiten, und sie führen sämmtlich zum Eudämonismus; diese seien solche, welche durch ihre blose Form ein Gesetz für den Willen werden, und zwar nach Kant durch die blose Form der Allgemeinheit. Eine Aufzählung der Formeln, in welchen man seit Sokrates und Platon das Mvralprincip ausgesprochen hat, z. B. strebe nach Ähnlichkeit mit Gott; lebe naturgemäß; strebe nach Glückseligkeit, nach Vollkommenheit, nach Übereinstimmung mit dir selbst; handle so, daß die Maxime deines Willens mit einem allgemeinen Gesetze für vernünftige Wesen übereinstimmt; handle so, wie ein unparteiische! Zuschauer an deiner Stelle handeln würde u. s. w., eine solche Aufzählung hat ohne ein Eingehen in den Geist der ethischen Systeme wenig Interesse; wichtiger ist die Frage, ob überhaupt ein einziger Begriff oder Satz den ganzen Inhalt der ethischen Beurtheilung auszudrücken im Stande sei oder ob die verschiedenen sittlichen Grundverhältnisse auf mehre voneinander unabhängige Principien führen, eine Frage, welche namentlich die Ethik Hrrbart's auf das entschiedenste bejaht. Moräste nennt man größere Strecken versumpften, unwirthsamen und unzugäng- liehen Landes, die je nach ihrem Hauptbestandtheile in Moore(s. d.), Sümpfe (s.d.) und Brüche (s. d.) zerfallen. Moräta (Fulvia Olympia), eine der gelehrtesten Frauen des 16. Jahrh., geb. 152k zu Ferrara, die Tochter des geachteten Dichters Fulvius Peregrinus Moratus, wurde früh mit dem classischen Alterthum bekannt und hielt schon in ihrem 16. Jahre öffentliche Lehrvorträge in ihrer Vaterstadt. Sie verheirathete sich später mit dem deutschen Arzte Andr. Gundler und zog mit ihm nach Schweinfurt, wo sie zur protestantischen Kirche übertrak. Bei der Plünderung der Stadt durch den Markgrafen Albrecht von Brandenburg verlor sie ihre Bücher und ihr ganzes Vermögen und sah sich genöthigt, nach Hammelburg zu flüchten. Nachmals lebte sie zu Heidelberg, wo sie am 26. Oct. l 556 starb. Eine Ausgabe ihrer zahlreichen Gedichte in griech. und lat. Sprache besorgte nach ihrem Tode Cölius Secun- dus Curiv (Bas. 15L8 und öft.). Über ihr Leben schrieben Nolten (Franks, 1731 und 1775), Kartzschke (Zittau 1808, 6.) und anonym ein Engländer (Land. 1836). Moralin (Leandro Fernandez de), der Spanische Moliere genannt, der Sohn des Nachfolgenden, geb. zu Madrid am IO. März >760, mußte nach des Vaters Willen als Juwelier lernen. Gedrängt von seinen natürlichen Anlagen widmete er sich indeß ganz heimlich mit allem Eifer der Poesie und erhielt in seinem 10. Jahre für seine heroische Romanze „La l'oma cle Orsnsr!»" bei derAkademie das Accessit. Doch mußte er, zumal da im folgenden Jahre sein Vater starb, um seinen und seiner Mutter Unterhalt zu sichern, als Juwelier fortarbeitcn, bis ihn endlich der Graf von Cabarrüs 17 86 als Secretair mit nach Paris nahm, wo im Umgänge mit Goldoni sich seine Neigung und sein Talent für dramatische Poesie entwickelten. Bald nach seiner Rückkehr ins Vaterland im I. >789 erhielt er eme Präbende im Erzbisthum von Burgos. Später erwarb er sich in dem Fricdensfürsten einen Gönner, durch dessen Vermittelung er den Genuß von mehren bedeutende!; Beneficien und eine Pension erhielt, sodaß er nun eine ganz unabhängige Stellung und Muße hatte, seinen Neigungen ganz zu leben. Bereits hatte er die Lustspiele „LlViejoz-Iu mim" (1796) und „Lu comellmnuev»" (1792) erscheinen lassen, die großen Beifall fanden. Zur weitern Ausbildung machte er nun eine Reise durch Frankreich, Deutschland, die Schweiz und Italien. Nach seiner Rückkehr im I. 1796 wurde er Translator im Ministerium des Auswärtigen, Mitglied der Theaterdirection und endlich alleiniger Director des Theaters, welche letztere Stelle er aber bald wieder niederlegte. In dieser Zeit schrieb er rasch nacheinander die Lustspiele „Li Lsron", „Im LlvAiAsts" und „LI 8l «>e las niüss", welche mit immer steigendem Beifall ausgenommen wurden. Als Günstling des gestürzten Friedcnsfürsten mußte auch er 1808 flüchten; doch kehrte er mit den Franzosen nach Madrid zurück und wurde 1811 Oberbibliothekar der königlichen Bibliothek. Nach der Räumung Madrids von den Franzosen schon im folgenden Jahre wieder flüchtig, gerieth er nun in die äußerste Moratin (Nicol. Fernande; de) Moratorium 719 Noch, bis 1816 ihm seine früher« Einkünfte zurückgegebcn wurden. Die Kraft zum poetischen Schaffen war bei ihm gebrochen. Neue Verfolgungen in Barcelona nöthigten ihn, sich 1817—2« in Paris aufzuhalten, und nachdem er nach Barcelona zurückgekehrt, trieben ihn zwei Jahre später die politischen Unruhen abermals nach Frankreich, wo er zuerst in Bordeaux und seit 1827 in Paris sich niederließ. Hier starb er am 21. Juni >828. In den letzten Jahren seines Lebens beschäftigte er sich mit einer Auswahl seiner poetischen Werke (3 Bde., Par. 1825; 2. Aust., 1826) und mit einer Geschichte der Ursprünge des span. Theaters, welche die beiden ersten Bände der von der Akademie veranstalteten Aus- ; gäbe seiner sämmtlichcn Werke (6 Bde., Madr. 1830—31) bildet. Seine Lustspiele und l lyrischen Gedichte sind in unzähligen Ausgaben erschienen und die erster« in viele Sprachen übersetzt. M. ist nicht nur unter den Neuern der berühmteste dramatische Dichter der Spanier, sondern er übte auch durch seine musterhafte Correctheit, Einfachheit und Natürlichkeit der Composition und treffliche Sitten- und Charakterschilderung einen sehr bedeutenden Einfluß auf die Regeneration der span. Bühne. Doch ist nicht zu leugnen, daß er ein zu furchtsamer Nachahmer der Franzosen war, seine ohnehin nicht üppige Phantasie zu sehr durch Streben nach schulmäßiger Regelrichtigkeit beschränkte und überhaupt an Genialität undOriginalität den großen Dramatikern seiner Nation beiweitem nachsteht. Auch als lyrischer Dichter zeichnet er sich mehr durch Präcision und Eleganz aus, als durch Tiefe des Gefühls und Neuheit der Gedanken; am gelungensten sind seine satirischen Gedichte. Eine Auswahl aus seinen lyrischen Gedichten gibt F. I. Wolfs „klorestu rimas wa- tieruss castellanus". Moratin (Nicolas Fernande; de), span. Dichter, der Vater des Vorigen, geb. am 20. Juli 1737 zu Madrid, machte seine Studien auf der Universität zu Valladolid, wo er sich neben der Rechtsgelehrsamkeit besonders den schönen Wissenschaften und der Dichtkunst widmete. Nach erhaltenem Doctorgrade kehrte er nach San-Jldefonso, wo sein Vater erster , Kronjuwelenverwahrer der Witwe Philipp's V. war, zurück und wurde dessen Gehülfe. ! Als er später mit der Königin-Witwe nach Madrid kam, trat er bald in engere Verbindung § mit den ausgezeichnetsten Dichtern und Künstlern. Seine literarische Thätigkeit war zunächst auf die Reform des Nationaltheaters gerichtet, dem er durch regelmäßigere, im franz. Stile gearbeitete Stücke aufzuhelsen suchte. Für die Anfeindungen, die er deshalb im Vaterlande von den Gegnern der Reformen zu erleiden hatte, entschädigte ihn die Anerkennung, die er selbst im Auslande fand. In dieser Zeit ließ er auch sein Lehrgedicht über die Jagd „O visn», ü arte äe la Ea" (Madr. 1765) erscheinen. Durch den Einfluß des Ministers Aranda kam 1770 seine Tragödie „Hormesimla" zur Aufführung, nach deren Muster bald mehre span. Originaltragödien im franz. Geschmack verfaßt und gegeben wurden. Da er es aber verschmähte, sich durch die Künste der Schmeichelei und des Hofi- rens ein sorgenfreies Auskommen zu verschaffen, so sah er sich gcnöthigt, 1 772 als praktischer Advocat aufzutreten. Doch wenig zufrieden in diesem Wirkungskreise, nahm er bald nachher mit Freuden die ihm angebotene Professur der Poetik an, welcher er bis zu seinem Tode Vorstand, der zu Madrid am 11. Mai 1780 erfolgte. Noch in den letzten Jahren seines Lebens schrieb er die Tragödie „Ou-M»,, ei Lueno" und das heroische Gedicht „Onto epica üe las Kaves cie Orte» äestruiclas", das erst nach seinem Tode von seinem Sohne herausgegeben wurde (Madr. 1785), und das als eins der besten epischen Gedichte aner- l kannt ist, welche die span. Literatur aufzuweisen hak. Eine von ihm selbst besorgte Aus- ' wähl aus seinen poetischen Werken gab ebenfalls erst spät sein Sohn heraus (Barcel. 1821; Lond. 1825). M. ist am ausgezeichnetsten als lyrischer und lyrisch-epischer Dichter, vorzüglich in Schilderungen natixnaler Sitten und Großthaten, wozu ihm seine ungemeine Kenntniß der vaterländischen Geschichte und Sprache und sein Studium der altspan. Clas- siker befähigten; auch verstand er sehr glücklich die volksmäßige Form, besonders die der Romanze zu gebrauchen. Überhaupt nimmt er eine bedeutende Stellung in der Geschichte der neuern span. Poesie ein, indem er, geregelter« Geschmack mit nationeller Gesinnung verbindend, recht eigentlich als das Mittelglied zwischen Luzan (s. d.) und Melendez > (s. d.) zu betrachten ist. Moratorium oder Anstandsbrief, auch Indult (literas Huiuyuennüles), Morawa Morbihan nennt man eine landesherrliche oder richterliche Verwilligung für einen Schuldner, daß er auf eine bestimmte Zeit von seinen Gläubigern nicht zur Bezahlung seiner Schuld gezwun- gen werden dürfe. Der Schuldner muß zu dem Ende Nachweisen, daß sein Unvermögen zu zahlen nur vorübergehend ist, indem ungünstige Zcitumstände, deren Besserung sich Hof- sen läßt, oder die Schwierigkeit, bedeutende Waareiworräthe schnell zu Geld zu machen, u. s. w., eS herbeigeführt haben, sodaß ein gezwungener und schleuniger Verkauf des Ver- mögens dem Schuldner beiweitem mehr schaden als dem Gläubiger nützen würde. Zugleich muß aber auch der Gläubiger gesichert werden, daß er nicht durch die ertheilte Nachsicht in noch größere Gefahr kommen werde, und es müssen die laufenden Zinsen pünktlich entrichtet werden. Unter diesen und ähnlichen Bedingungen werden zuweilen ganzen blassen von Schuldnern, z. B. den Gutsbesitzern einer durch Krieg oder andere allgemeine Ca- lamitäten zerrütteten Provinz, allgem eine oder Generalmoratorien gegeben; einzelne Personen erhalten Spccialmoratorien gegen ihre Gläubiger. In manchen Ländern werden die Moratorien als landesherrliche Dispensationen und Gnadensachen behandelt, in andern sind sie den Gerichten zugewicsen, in noch andern, wie z. B. im König- reich Sachsen, sind sie durch die Verfassungsurkunden untersagt. Morawa ist der slaw.Name zweierFlüsse: >) der March oder Moraw a in Mähren, welche am Südfuße des Glatzer Schneebergs entspringt, südwärts fließt, bei Olmüh schiffbar wird, in ihrem untern Laufe die Grenze zwischen Deutschland und Ungarn bildet ! und oberhalb Presburg nach einem 37 M. langen Laufe in die Donau mündet; und 2) ! der Morawa in Serbien, die aus dem Zusammenflüsse der östlichen und der westlichen ! Morawa bei Kruschewaz entsteht und nach einem von Süden nach Norden gerichteten Laufe unweit Semendria in die Donau fällt. Morawski (Theodor), Minister der auswärtigen Angelegenheiten während bei poln. Revolution von 1830, geb. I7S7 in Eroßpolen, studirte zu Warschau und trat I8li ^ in die Kanzlei des Ministeriums des Innern. Wegen seiner journalistischen Thätigkeit, besonders als Mitredacteur des „Weißen Adlers' , wurde er l 820 aus dem Staatsdienst ent- ! lassen und zugleich für unfähig erklärt, wieder ein Amt zu bekleiden, worauf er sich aufs j Land begab. Als er 1825 der Eröffnung des Reichstags in Warschau beiwohnen wollte, wurde er, der Theilnahme an der von Lukasinski gestifteten geheimen Verbindung verdächtig, verhaftet, doch da cs an Beweisen gegen ihn fehlte, wieder entlassen. Einer neuen Verhaftung entging er durch die Flucht nach dem Großherzogthum Posen, worauf er sich nach ^ Frankreich und England begab. In Paris schrieb er mehre Artikel für die „Levus 6e Morcheln Mordant 721 aber die Festung l'Oricnt mit 2NNN0 E. Ferner sind noch zu bemerken Quiberon (s. d.) und Carnac, in dessen Nähe sich merkwürdige Druidcndcnkmälcr finden. Morcheln nennt man Pilze mit hohlem Strunke und einem hohlen, außen zellen« artig gefalteten, gelben oder braunen Hute. Sie wachsen nur am Boden, werden oft sehr , groß, dauern längere Zeit und verbreiten keinen unangenehmen Geruch; wohlschmeckend und , nicht unverdaulich, geben sic in Deutschland, Italien und Frankreich ein gewöhnliches Ge« , müse ab. Sie erscheinen im ersten Frühjahre aufNasenplätzen, zwischen dem tobten Baum- , laub etwas sandiger Wälder, auf Kalk- und Thonboden wie an Gräben u. s. w. Man kennt § viele Arten, in Deutschland allein vier bis fünf eßbare, die botanisch wol unterschieden, im . gemeinen Leben vermengt werden, mit andern giftigen Schwämmen aber bei der geringsten . Aufmerksamkeit sich nicht verwechseln lassen. Die gewöhnlichste Art ist die bald braun, bald - gelb oder auch schwarz gefärbte ge meine Morchel (lVlorcliella escnlsnta). i Mord heißt die mit überlegtem Vorsatz unternommene und wirklich ausgeführte, . gesetzwidrige Tödtung eines Menschen. An Misgeburten ohne menschliche Gestalt und . Anlage, an unreifen, des Lebens unfähigen Geburten, an Tobten und an Thieren kann kein Mord begangen werden. Auch ist eine Tödtung aus Pflicht und in gerechter Nothwehr . kein Mord und überhaupt nicht strafbar. Zwischen der Tödtung aus reinem, unverschulde- h tem Zufall (domicilliuin knrtuitum), wobei keine Zurechnung stattfindet, und der Tödtung j mit kaltem, überlegtem Vorsatz (komioitlmm llcstosum xraeinessitatiim) liegt aber eine ) Reihe von Abstufungen, die von einem geringen Grade der Strafbarkeit bis zum höchsten n fortschreiten. Schon der nicht beabsichtigte Todtschlag, aus bloser Unvorsichtigkeit z mit Verletzung gemeiner oder vorgeschriebener Vorsichtsregeln, aber ohne alle Absicht zu tödten oder überhaupt zu schaden, hat mehre Grade der geringen oder groben Unvorsichtig- r keit. Ein Todtschlag, welcher bei einer Handlung erfolgt, die an sich mit der Absicht zu scha- - den, zu verletzen und wehe zu thun, verknüpft ist, wobei aber der Beschädigende den be- 1 stimmten Zweck nicht gehabt hat, das Leben zu nehmen, ist, obschon weit strafbarer als ein >. I Todtschlag aus Unvorsichtigkeit, doch immer noch eine blos verschuldete Tödtung (Komi- z cillium culpasuw). Dem vorsätzlichen Todtschlage kommt es aber sehr nahe, wenn der , , Thäter vorsätzlich solche Handlungen unternahm, wobei er sich zwar der Absicht zu tödten ^ nicht bestimmt bewußt war, welche aber nach dem gewöhnlichen Laufe der Dinge den Tod hcrbciführen konnten, und wo auch dieser Erfolg der Absicht des Thäters nicht entgegen h war. Dies ist der sogenannte indirekte Vorsatz, ein Handeln mit undeutlicher Vorstel- x lung des Zwecks, doch mit dem Bewußtsein, daß der Tod wol eine Folge dieses Handelns >, ^ sein könne. Der vorsätzliche Todtschlag, begangen in Zorn und Jachhcit des Ge- § > müths, in leidenschaftlicher Hitze und in der ersten Aufwallung des Asfects (Komiciäinm ex ,, iracunllia et cslore aiiimi) wird nach gemeinem deutschen Criminalrechte zwar auch mit dem Tode, aber doch gelinder als der eigentliche Mord, nämlich mit dem Schwerte, bestraft, während auf den mit Überlegung ausgeführten Mord das Rad steht. Mord aus particl- ^ ^ lem Wahnsinn wird nicht als eigentlicher Mord behandelt, indem die Zurechnungsfähig- ^ , keit fehlt, die aber durch blosen politischen oder religiösen Fanatismus und eine irrige An- ; sicht von Recht und Pflicht nicht aufgehoben wird. Manche Arten des Mordes werden § , durch die Art der Ausübung (gedungener Mord oder Banditenmord, Gift - und Meuchel- mord), durch den Zweck (Raubmord und Hochverrath) und durch den Gegenstand (Kindes-, Verwandten, und besonders Ältcrnmord) ausgezeichnet und härter bestraft. Vor ; dem weltlichen Gericht entschuldigt kein Zweck den Mord, wenn nicht die Vcrtheidigung ^ seiner selbst oder eines Andern in gesetzmäßigen Schranken erwiesen werden kann- Der ^ Moralist mag darüber zuweilen eine andere Ansicht fassen, z. B. bei einer Corday, einem „ Virginius und Brutus, allein der Richter darf es nicht. Eine Sammlung der interessante- sten Criminalfälle enthält „Der neue Pitaval", herausgegcben von Hitzig und Häring ,x (Bd. 1.-1, Lpz. 1842-45). ^ Mordant oder Mordent (franz. pince) nennt man eine zur Verzierung der Me- t. ^ lodie dienende Spiel« oder Singmanier, welche darin besteht, daß man mit dem Tone, der >t , als Mordant bezeichnet ist, >md dem unter demselben liegenden schnell, aber so abwechselt, Conv.-Lex. Neunte Aufl. IX, 46 722 Mordbrenner Morea daß man mit dem ersten schließt. Der Mordant ist entweder ein einfacher, wo der untere Ton nur einmal angegeben wird, oder ein doppelter, der aber nur bei längern Noten statt- i finden kann, wenn jene Abwechselung mehrmals geschieht. (S. auch Doppelschlag.) Mordbrenner nennt man den vorsätzlichen Anstifter einer Feucrsbrunst mit naheliegender Gefahr für das Leben eines Menschen. Sonst wurde die Mordbrennerei mit dem Feuertode bestraft. Mordschläge nennt man drei bis vier Zoll lange Stücken Flintenlauf, an einem Ende zugeschmiedet und mit einem Zündloch versehen. Sie wurden mit Pulver oder einer oder mehren Äugeln geladen, in die noch warme Masse gesteckt, mit welcher man dicBrand- und Leuchtkugeln füllt, und hatten den Zweck, den Feind abzuhaltcn, diese Geschosse zu löschen. Allein ihre Wirkung war nicht blos unsicher, sondern nachtheilig, denn sie zerrissen das Geschoß und verhinderten dadurch die Erreichung seines Zwecks. Seit der Verbesserung dieser Art der Ernstfeuer sind daher auch die Mordschläge außer Gebrauch gekommen. Mordwinen, s. Finnen. More (Miß Hannah), geb. 17-15, war die Tochter eines Schulmeisters zu Staple- ton in der Grafschaft Gloucester. Seit ihrem zwölften Jahre lebte sie in Bristol bei ihren Schwestern, die dort einer Schule vorstanden. Bereits im l7. Jahre trat sie als Schriftstellerin auf mit einem Schäferschauspiel „Ille searcll utter llappiness", das in kurzer Zeit drei Auflagen erlebte und dem im nächsten Jahre das Trauerspiel „Ille iollexible eujitive" folgte. Im I. 1771 ging sie nach London, wo sie in Garrick einen treuen Freund fand, der ihr zugleich die Bekanntschaft von Reynolds, Burke, Johnson und andern berühmten Männern verschaffte. Ihr Trauerspiel „Uerc)-" wurde 1777 in Drurylane mit großem Beifall aufgeführt und trug ihr 7 50 Pf. St. ein; zwei Jahre später schrieb sie ihr drittes und letztes Trauerspiel „Ille tat»I llllselloock", das wenig Beifall fand. Da um diese Zeit auch Garrick starb, so zog sie sich ganz von der Bühne zurück, die sie später als eine unsittliche Anstalt verabscheute. Nachdem sie noch mehre dichterische Werke heraus- > gegeben, die viel Beifall fanden, obwol sie jetzt vergessen sind, wendete sie sich völlig der Prosa zu, indem sie sich zugleich nach Cowslip Green bei Bristol zurückzog, wo ihre Schwe- ^ stern eine blühende Erziehungsanstalt hatten. Hier entwickelte sie eine ungemeine Fruchtbarkeit in Schriften über Religion, Sittlichkeit und Erziehung, die sie zum Theil in das Gewand des Romans kleidete. Als die besten verdienen genannt zu werden „Illmigllts vn Ille imporlaoce ok tlle msauers ok Ille great to general soc'iet^" (1788), ,,'llle clleap repositorz-" (1791), „Oaelells in searcll ofa vvite" (I 809) und „Hints toivarcks farming tlle cllaracter ofa xvuug princess", geschrieben in Bezug auf die Prinzessin Charlotte, über deren Erziehung man ihren Rath verlangt hatte. Eine Sammlung ihrer Werke erschien in elf Bänden. Auch durch die Thal wirkte sie für die Erziehung der nieder« Volks- classen. Ihre letzten Jahre verbitterte sie sich durch übergroße Frömmelei und einen unglücklichen Eifer gegen alles Weltliche. Nach dem Tode ihrer Schwestern zog sie nach Clifton, wo sie am 7. Sept. 1833 starb. Vgl. Will. Roberts, ,Memvirs ok tlle lile s»ä correspolitlence oklllrs. Lannall Hl." (1 Bde., Lond. 1831). Morea war seit derZeit des Mittelalters und wahrscheinlich schon seit dem I.Jahrh. der gangbare Name des alten Peloponnes (s. d.). Gewöhnlich leitet man ihn wegen der Ähnlichkeit der Gestalt dieser Halbinsel mit dem Blatte eines Maulbeerbaums von worum, d. i. Maulbeere, Andere dagegen, wie Fallmerayer, der die heutigen Griechen für Nachkommen der cingewandcrten Slawen hält, führen ihn auf das slaw. Wort mors, d. i. Meer, zurück. M. ist der südlichste Theil Griechenlands und umfaßt im heutigen Königreiche dieses Namens die Nomarchicn Argolis und Korinth, Lakonien, Messenien, Arkadien, Achaja und Elis. Im byzant. Reiche bildete cs ein eigenes von Strategen regiertes Thema. Nachdem es scho n in der Völkerwanderung von Gothen und Vandalen durchzogen und verheert worden, wurde es in der zweiten Hälfte des 8. Jahrh. eine Beute einwandernder Slawenhaufen, die sich das größtentheils durch Kriege und Pest verödete Land unterwarfen und es besetzten, nach und nach aber von den byzant. Griechen wieder unterworfen und gräcisirt > wurden. Noch immer liefern Orts-, Fluß- und andere Namen slaw. Ursprungs in M. den Beweis, wie sehr verbreitet die slaw. Herrschaft daselbst war, und daß die Moreoten nichts Moreau 723 weniger als vorwaltend rein griech. Blutes sind. Im I. 1207 wurde M. eine Beute der frank. Ritter und nun zum Fürstenthum Ackaja mit zwölf Pairien, Lehnen, Assisen und allen Feudalcinrichtungen des Abendlandes gemacht. Der >201 nach Konstantinopel wieder zurückgekehrte griech. Kaiser Michael VIII., der Paläologe, eroberte zwar bald einen Theil M.s zurück, der ein eigenes Despotat bildete. Das Fürstenthum Achaja blieb dagegen in der Familie Billehardouin bis >3-16, wo es durch Aussterben des Mannsstammes und durch eine Menge auftretender Prätendenten in eine Verwirrung versetzt wurde, die nicht eher endigte, als bis es 1100 zum größten Theil in die Hände der Türken gefallen war, die es zu einem Sandschak, mit Tripolizza als Hauptstadt, machten, und denen es auch, mit Ausnahme der kurzen Zeit von 1087—1715, in der es in dem Besitze der Venetianer war, bis auf die Zeit der Bildung des gegenwärtigen Königreichs Griechenland verblieb. Durch die Barbarei der Türken und deren Kriege mit den Vcnetianern war M. so heruntergekommen, daß es 1719 nur ungefähr 200000 E. zählte, welche während der Pest von 1758 und 1782 bis auf die Hälfte herabsanken. Doch die kurze Zeit der Ruhe, welche cs während der franz. Revolution und der nächstfolgenden Zeit genoß, halfen ihm nebst den indirekten Folgen des franz. Continentalsystems bald wieder so in die Höhe, daß es kurz vor Ausbruch des griech. Freiheitskampfes bereits wieder 300000 E. zählte, wovon nur ein Sechstel aus Türken bestand. Vgl. „Recderclies et msterianx ponr ssrvir ü une lii- stoirs cle lu clominstion trrmy. sux XIll., XIV. «t XV. siecles clsns le« proviace8 Oe I'em- pire xrec" (2 Bdc., Par. 18-10) und Fallmeraher, „Geschichte der Halbinsel M." (2 Bde., Stuttg. 1830—30). Moreau (Jean Victor), nach Bonaparte der größte General der franz. Republik, wurde am II. Aug. 1701 zu Morlaix in der Bretagne geboren. Obschon er viel Neigung zum Kriegcrstande vcrrieth, so schickte ihn doch sein Vater, ein Advocat, im Alter von >7 Jahren auf die Ncchtsschulc nach Rennes. Hier trat er 1787, während des Streits zwischen dem Parlamente und dem Hofe, an die Spitze der jungen Bürger, welche sich für das ersten interessirten; als aber im folgenden Jahre das Parlament sich der Berufung der Generalstaaten widersetzte, wendete er seine Macht gegen dasselbe. Von den Bürgern seiner Entschlossenheit und Gesinnung wegen geachtet, wählte ihn in der Revolution dasFreiwil- ligen-Bataillon von Rennes zum Anführer. Als solcher wohnte er dem Feldzüge von I7SZ unter Dumourie; bei. Er entfaltete sehr bald so seltcneTalente und Tapferkeit, daß er rasch von Stufe zu Stufe stieg und 179-1 bereits Divisionsgeneral war. Während er im Winter den rechten Flügel der Nordarmee über den gefrorenen Waal führte, mußte sein von den Schreckensmännern verfolgter Vater zu Paris das Blutgerüst besteigen. M. schwankte einen Augenblick, ob er fortdienen sollte, beschloß aber mit der Entsagung eines Römers, seinen Degen dem Vaterlande nicht zu entziehen. Das Directoriugi verlieh ihm an Piche- gru's Stelle, der sich verdächtig gemacht, im Frühjahre >798 den Oberbefehl über die 70000 M.starke Rhein-und Moselarmee,während Jou rd anss.d.) dieMaas-und Sambre- armee befehligte. Obschon M. diese Theilung, der I-10000 M. starken, vom Erzherzoge Karl geführten östr. Armee gegenüber, nicht billigte, überschritt er doch im Juni 1796 bei Kehl kühn den Rhein, stürzte sich auf die sehr zerstreuten feindlichen Corps, schlug den General Latour am 5. Juli bei Nastadt, den Erzherzog am 9. bei Ettlingen und drängte die Östrei- cher auf die Donau zurück. Der Erzherzog ließ ihn hier Latour gegenüber und wendete sich mit dem andern Theile seines Heers gegen Jourdan,der in Baiern operirte. M. blieb dieses kühne Manoeuvre nicht lange verborgen; allein er wagte nicht, den Plan des Direktoriums zu ändern, und statt dem Erzherzoge zu folgen, beschränkte er sich auf Gefechte mit Latour. Als er aber die rückgängige Bewegung Jourdan's vernahm und befürchten mußte, der Erzherzog werde sich nach dem Neckar wenden, um ihm den Rückweg über den Rhein abzuschneiden, faßte er den Entschluß, mit seinem Heer unter allen Umständen den Fluß zu gewinnen. Er ging durch das Donauthal zurück, drang unter maßlosen Schwierigkeiten, von Feinden umringt und kämpfend, durch die Pässe des Schwarzwaldes und gelangte nach -10 Tagen in der Gegend von Hüningen an, wo er endlich in der Nacht vom 2-1. Ott. den Rhein passirte. Nach diesem berühmten Rückzüge, bei welchem er das größte * 724 Moreau Talent, Kaltblütigkeit und Festigkeit des Charakters bewies, blieb er längere Zeit unthätig, weil dem Directorium die Mittel fehlten. Am 20. Apr. 1707 überschritt er jedoch im Angesichte des Feindes wieder den Rhein und nahm Kehl und Offenbach; allein der Waffenstillstand von Leoben machte dem Kampfe ein schnelles Ende. M- war durch eine in diesem Feldzüge aufgefangene Korrespondenz zufällig Mitwisser der verrätherischcn Plane seines Freundes und Lehrers Pichegru (s. d.) geworden. Aus Rücksicht für denselben bewahrte er anfangs das Geheimniß; erst am >7. Fructidor, als der entscheidende Parteikampf ausbrechen sollte, theilte er seine Entdeckung dem Directorium mit. Wiewol es in jener Korrespondenz ausdrücklich hieß, daß man auf die Untersiühung M/s nicht rechnen dürfe, blieb er doch fortan den Machthabern verdächtig und verlor nach dem Staatsstreiche vom 18. Fructidor (s. d.) sein Commando. Erst als im folgenden Jahre der Krieg mit Ostreich wieder begann, stellte man ihn in der Armee in Italien, unter Scherer, als Gene- ralinspecteur an. M. suchte in diesem untergeordneten Verhältnisse seinem unfähigen Feld- Herrn durch Rath und That bcizustehen, sah sich aber aus das hochmüthigste abgewiesen. Als indeß die Armee nach der Niederlage bei Magnono über den Mincio und den Oglio bis an die Adda zurückweichen mußte, bot ihm Scherer freiwillig den Oberbefehl an. Di. stellte sich aus Liebe zum Vaterlande an die Spitze des cntmuthigten, ungefähr 25000 M. starke» Corps, während die Östreicher und Russen 80000 M. zählten. Nachdem er gegen Suwo- row das blutige Treffen bei Cassano bestanden, zog er sich ins Genuesische zurück, drang jedoch im Rücken und gegen den rechten Flügel des Feindes wieder vor und schlug die Generale Bellcgarde und Seckendorf am 10., 20. und 21. Juni 1798 in der Ebene von Ma- rcngo. Durch diese kühnen Manoeuvres hielt er Suworow von der völligen Vernichtung des franz. Heers, welches Unteritalien räumte, ab und gab dem an dcr Trebia geschlagenen Macdonald (s. d.) Gelegenheit, sich mit ihm zu vereinigen. Ungeachtet der großen Dienste, welche M- unter den schwierigsten Verhältnissen geleistet halte, entzog ihm doch das Directorium den Oberbefehl und gab denselben Joubert (s. d.). Indessen blicb M. ' auf die Bitten des jungen Feldherrn beim Heere und übernahm nach der unglücklichen Schlacht bei Novi, in welcher Joubert fiel, nochmals den Oberbefehl, aber nur um die geschlagenen Truppen nach Frankreich zurückzuführen. Die unverdiente Zurücksetzung, welche M. erfuhr, sein großes Kriegstalent, seine politischeMäßigung, seine Uneigcnnützig- keit und sein wahrhaft antiker Charakteradel bewogen endlich die Partei, welche mit dem Sturze des Dircctori ums (s. d.) umging, ihm die Dictatur anzubietcn. M. schlug den Antrag aus, weil er sich zum Staatslenker nicht fähig hielt, und bot vielmehr dem aus Ägypten zurückkehrenden Bonaparte, der ihn durch Schmeichelei zu gewinnen wußte, zur beabsichtigten Umwälzung seine Dienste an. In der Thal ließ sich M. bei dem Staatsstreiche am l 8. Brumaire dazu benutzen, mit 5»0 M. die widerspenstigen Direktoren im Luxembourg zu bewachen, während Bonaparte zu St.-Cloud die Näthe auseinander sprengte. Der erste Consul belohnte den Dienst mit dem Oberbefehl über die Nhcinarnice, wobei sich jedoch schon zwischen beiden Männern eine verhaltene Eifersucht zeigte. Nachdem M. am 25. Apr. I80V mit 120000 M. den Rhein überschritten, eröffnet«; er den Feldzug durch eine ununterbrochene Reihe von Siegen. Er schlug die 1-10000 M. starken Östreicher unter dem General Kray bei Engen, Möskirch, Bibrach und Memmingen, warf dieselben aus der festen Stellung bei Ulm und ging dann über die Donau. Nach den Siegen bei Hoch- städt, Nördlingen und Neuburg drang er bis Negensburg vor, besetzte München und trat endlich in Verbindung mit dem Heere Bonaparte's in Italien. Als nach der Aufküudi- s gung des Waffenstillstands von Parsdorf die Feindseligkeiten wieder begannen, faßte M. > den Plan, die feindliche Armee durch einen Schlag zu vernichten. Die Östreicher, unter dem Erzherzoge Karl, griffen am I. Dcc. einen Theil des franz. Heers mit großer Heftigkeit an, und M. befahl plötzlich den Rückzug auf seiner ganzen Linie. Er lockte damit den Erzherzog in eine Art Defile'e zwischen der Isar und dem Inn und schlug hierauf denselben am 3. Dec. bei H o h c n l i n d c n (s. d.). Nach diesem glänzenden Sieg, der über den Feld- zug entschied, setzte er über den Inn, die Salza und die Traun, drang bis io Meilen von Wien vor und schloß am 25. Dec. mit dem Erzherzog Karl den Waffenstillstand zu Slcyer, l dem der Friede zu Lnneville folgte. M. erhielt nach seiner Rückkehr von Bonaparts den Morella Morellet 725 schmeichelhaftesten Empfang und schien auch mit feiner Stellung zufrieden. Allein die absolute Gemalt, welche Bonaparte rasch entfaltete, andern Thcils die Einflüsterungen von M.'s junger ehrgeiziger Gattin, einer geborenen Hulot, die ihren Gemahl gern als den ersten Mann im Staate gesehen hatte, erregten allmälig seine Unzufriedenheit, Eifersucht und seinen Ehrgeiz. Er ergriff gegen Bonaparte die Opposition, tadelte die Ncgierungs- maßreqeln heftig und wies sogar das Kreuz der Ehrenlegion zurück. Vergeblich suchte ihn der erste Consulzu gewinnen; die Erbitterung stieg, und der Landsitz Grosbois, wohin sich M. zurückzog, wurde der Sammelplatz aller Mißvergnügten. Bonaparte umstellte nun seinen Nebenbuhler mit Spionen und wartete nur auf den Augenblick, sich seiner zu entledigen. In der Untersuchung über das angeblich von Georges Cadoudal (s. d.) und Pichegru gegen das Leben des ersten Consuls gestiftete Complot machten mehre Mitschuldige und Zeugen auch Aussagen gegen M., und einige Briefe schienen das zu bestätigen. Man er-- griff sogleich die Gelegenheit und ließ M. am 15. Febr. 1801 verhaften. Er leugnete in den ersten Verhören, daß er Pichegru auch nur gesehen, gestand aber alsbald in einem einfachen und edcln Briefe an Vonaparte, daß ihm Pichcgru zwei Mal Eröffnungen gemacht, daß er aber um das Complot selbst nichts wisse. Dessenungeachtet wurde er mit den übrigen Angcschrrtdigten vor eine Specialcommission gestellt und des Hochverraths angeklagt. Die Verhandlungen begannen am 26. Mai 186-t. Von den 146 Zeugen hatten vorher sechs gegen ihn ausgesagt, die jedoch vor den Richtern ihre Aussagen bedeutend modificir- tcn; nur ein gewisser Roland, ein Armeelieferant, der überhaupt einen sehr verdächtigen Zeugen abgab, blieb bei der dircctcn Beschuldigung, M. fei in das Complot verwickelt. Nur mit Mühe gelang cs den schamlosen Kunstgriffen des Geueralprocurators Thuriot, von den Richtern am 16. Juni das Schuldig zu erpressen. Bei der Aufregung der Gcmüthcr und der großen Popularität seines Nebenbuhlers wagte jedoch Bonaparte nicht, dasTodcs- urthcil über M. aussprechcn zu lassen. M. wurde zu zweijähriger Einspcrrung verurthcilt und begab sich freiwillig in den Temple. Schon nach einigen Tagen verwandelte man die Strafe in Verbannung, und Savary brachte den Gefangenen nach Cadix. Hier schiffte sich M. im Laufe des 1.1865 nach Nordamerika ein, wohin ihm auch seine Familie folgte. Nachdem er in den Vereinigte» Staaten mehre Reisen gemacht, kaufte er sich zu Moris- ville bei Trenton in Neujersey an. Im Dec. 1811 erfuhr er das Unglück, sein Haus und seine Bibliothek durch eine Feuersbrunst und bald darauf seinen Sohn durch den Tod zu verlieren. Nachdem er so viele Jahre mit Schmer; den Gang der Ereignisse aus der Ferne betrachtet, glaubte er es Frankreich schuldig zu sein, auch sein Talent zum Sturze Napo- lcon's zu verwenden. In Gesellschaft eines russ Agenten verließ er heimlich die Vereinigten Staaten, landete am 26. Juli >813 zu Gothenburg, hatte am 7. Aug. in Stralsund eine Zusammenkunft mit Bernadotte, dem Kronprinzen von Schweden, und ging dann über Berlin nach Prag zum Kaiser Alexander von Rußland, der ihn mit Auszeichnung empfing, und mit dem er den Plan zum Feldzüge bericth. In der Uniform eines russ. Generals begleitete er hierauf den Kaiser auf dem Marsche gegen Dresden. Hier zerschnitt- tcrte ihm am 27. Aug. >813 auf der Höhe bei Necknitz eine franz. Kanonenkugel an dec Seite Alexander's beide Beine. Man amputirte ihn und schaffte ihn über das Gebirge nach Böhme», wo er zu Laun am 2. Sept. 1813 starb. Der russ Fürst Repnin errichtete ihm auf der Stelle, wo er gefallen, ein Denkmal, unter welchem mau die Beine beisetzte; seine Leiche wurde »ach Petersburg geschafft und dort unter großen Feierlichkeiten begraben. Auch Ludwig XV11I. errichtete ihm zu Paris eine Bildsäule und verlieh der Witwe den Titel einer Marschallin. Vgl. Haffe, „Victor M. und seine Todtenfeicr" (Dresd. 1815). Morella (Graf von), s. Cabrera (DonRamon). Morellet (Andre), Abbe, geb. am 7. März 1 727 zu Lyon, der Sohn eines Papicrhänd- lerS, ging, nachdem er den ersten Unterricht bei den Jesuiten seiner Vaterstadt genossen hatte, nach Paris, wo er scineStudicn fcrtsetzte, bis er nach Italien reiste. In Nom machte er aus Nicol. Eymeric's „virectorimn iiig;uisitoruin" einen Auszug, den er nachher unter dem Titel „Älannol ckes ingnisiteurs" (Par. 1762) erscheinen ließ. Nach Paris zurückgekehrt, trat er mit den Häuptern der encyklopädistisch-philosophiscken Schule in Verbindung. Er war in den gesuchtesten Salons der höhcrn Gesellschaft gern gesehen, und in angcneh- 726 Morelli Moreno men Verhältnissen lebend, schrieb er vor der Revolution nur Kleinigkeiten. Vieles Aufs«, hen erregte seine Vertheidigung der Encyklopädisten gegen Palissot (s. d.), in der er sei- nen Gegner geradezu als Dieb und Betrüger bezeichnete, was ihn auf ein halbes Jahr in die Bastille brachte. Auf Maleshcrbes' Veranlassung gab er >766 eine Übersetzung von Bcccaria's Werk „vei delitti e clelle pene" heraus; auch arbeitete er lange Jahre an einem „victionnsire de commerce". Diesen Plan gab er zwar in der Folge auf; aber seine Papiere wurden von Peuchet bei der Herausgabe seines „victionnuire universel de gco- Zrapliie commercisle" benutzt. Im I. > 783 erhielt er eine Pension und die Mitgliedschaft in der Akademie. Obgleich er die im Staatsleben nothwendigen Reformen in verschiedenen Flugschriften, z. B. in seinen „ObservLtions sur >-r forme des etsts de >013" (Par. 1788), herbeigewünscht hatte, überraschte ihn der Gang der Revolution doch so sehr, daß er bald zu ihren Gegnern gehörte. In einigen seiner Broschüren, z. B. in seinem „Oii des lumilles", wo er für das Recht der Kinder der Hingerichteten auf das Erbtheil ihrer Altern sprach, sowie in seiner „Omise des peres", worin er sich der Sache der Emigrirten annahin, trat er den herrschendenJdeen entgegen. Daß die Archive der Akademie bei der Aufhebung dieser Anstalten nicht untergingen, ist ihni größtentheils zu danken. Dessenungeachtet wurde er bei der ersten Organisation des Instituts übergangen und erst >803 in dasselbe ausgenommen. Im I. >807 kam er in den Gesetzgebenden Körper. Noch im hohen Alter ließ er seine ,MeIsiiFes de litteruture et de pliilosopliis du XVlll. siecle" (3 Bde., Par. >8>8) erscheinen. Er starb zu Paris am >2. Jan. >810. Für die literarische und sociale Geschichte des >8. Jahrh. geben die von Lcmontey herausgegebcnen , Memoires inedits de l>l., snivis de ss, correspondsnce nvec iVl. le comte R(öderer)" (2 Bde., Par. >821) «ine reiche Ausbeute. Morelli (Giacomo), der erste Bibliothekar im umfassendsten Sinne des Worts, geb. zu Venedig am >3. Apr. >735, war das Kind armer Älter», gegen deren Willen er den geistlichen Stand erwählte, so treu er auch sonst alle Sohnespflichtcn erfüllte. Den mangelhaften Schulunterricht, welchen er genossen, ergänzte er durch eigenes Studium, und spät erst erlernte er die griech. und franz. Sprache. Durch sein anhaltendes Arbeiten auf der Zeniani'schcn Bibliothek lenkte er die Aufmerksamkeit des Bibliothekars, Pct.de Rubeis, auffich,der ihm ein rächender Freund wurde. Aus Liebe zur Unabhängigkeit lehnte er mehre vortheilhaste Anträge reicher Bibliophilen in Venedig ab; nur mit dem Patrizier Farsetti trat er in ein näheres Verhältniß. Er lieferte den Katalog der Manu- scriptensammlung desselben (2 Bde., Ven. >771—80, mit Nachträgen) und arbeitete gleichzeitig seine „Oissertsüioiie storica intorno all» publdica libreriu di 8.-5larco" (Ven. >773), in der er eine Menge literargcschichtlicher Fragen und Zweifel beantwortete und löste, sowie den Katalog der lat. Handschriften der Nani'schcn Bibliothek (Ven. 1776, 3.), dem später der der ital. Handschriften dieser Bibliothek folgte. Jm J. >778 wurde erBibliothekar an derSt.-Marcusbibliothek, um die er sich große Verdienste erwarb und deren Schätze, von ihm nach allen Kräften gepflegt und vermehrt, er nur ungern auf Befehl der franz. Behörden in ein neues, obgleich durch Pracht ausgezeichnetes und be- quemes, Local übersiedeln sah. Seinen kritischen Scharfsinn und sein Alles umfassendes Wissen bekundet am meisten seine „Ribliotiieca insmiscriptornm Araec. et lat.", von der aber nur ein Band(Bassan»> 802) erschienen ist. Seine letzte Schrift waren die „Lpistolas septem vsriae eruditioms" (Padua >3>S). Er starb am 5. Mai >8>9. Nach seinem Tode erschienen seine kleinen Schriften, „Operette", gesammelt (3 Bde., Ben. >820). Moreno (Vincente Gonzalez), span. General, geb. >778 zu Cadix, machte in span. Kriegsdiensten schon den Feldzug in Catalsnien mit. Nach der Invasion der Franzosen in Spanien im I. 1808 half er die Junta in Valencia mit begründen und gelangte in dem Kriege gegen Napoleon zu den höchsten militairischen Würden. ImI. > 8 > 3 bekleidete er die Würde eines Vicekönigs von Granada. Später erwarb er sich großen Ruhm in dem Kampfe Spaniens gegen die Insurgenten in Südamerika. Nach dem Tode Fcrdinand'S V». ging er, ein Anhänger des Don Carlos, nachEngland, und als er dann zu diesem nach Spanien zurückkehren wollte, wurde er in Frankreich festgcnommcn. Nach sechs Monaten gelang cs ihm indeß doch zu Don Carlos zu gelangen, der ihn >835 zu seinem Obcrgeneral und Chef Moreske» Morgan 727 des Seneralstabes ernannte. Nachdem er seit Ende des I. >838 mit der Camarilla und mehren andern Generalen des Don Carlos sich mehr und mehr verfeindet hatte, konnte ihm nichts willkommener sein, als der Vertrag zu Vergara, im I. >839, in welchem er sich der gesetzmäßigen Regierung unterwarf. Seitdem lebte er in großer Zurückgezogenheit. Moreskcn, s. Grotesken. Morkto y Cavanna (Don Augustin), span, dramatischer Dichter, stammte aus einer Valencianischen Familie und war zuletzt Rector des Hospitals del Refugio in Toledo, nachdem er in frommem Eifer allem weltlichen Treiben und auch der Dichtkunst entsagt hatte. In demHause desCardinals Moscoso war er mitLope dcVega, Caldcron,O.uevedo und andern ausgezeichneten Dichtern in Verbindung gekommen. Er starb zu Toledo am 28. Oct. >669. In seinen jungem Jahren hatte er thcils allein, theils mit Andern eine Menge Komödien geschrieben, die großen Beifall fanden und durch ingeniöse Erfindung, komische Kraft und treffliche Charakteristik sich auszeichnen, nur bisweilen arten sie in gesuchte Spitzfindigkeit und Caricatur aus. Mehre seiner Stücke wurden von Scarron, Mo- liere u. A. für die franz. Bühne bearbeitet, und sein Lustspiel „KI 6ss6en con ei clesäeu", das man unter die vier klassischen Stücke des altspan. Theaters zählt, wurde nicht nur von Moliere in seiner „Kriucesse 6'KIi6s", sondern auch von Carlo Gozzi in seiner „Krincipessa klosoüt o il contraveleno", und von Schrcivogel (West) unter dem Titel „Donna Diana" trefflich für die deutsche Bühne bearbeitet. Daß es ihm auch zum ernsten Drama nicht an Talent fehlte, beweisen z. B. seine Stücke „KI Valients justiciero" und „Ka suerrs 6s la sanxre", welches letztere Aloys Jcitteles für die deutsche Bühne bearbeitete. Seine „Komeäias" erschienen zuerst in Madrid 1 654, und nach seinem Tode in einer vervollständigten Ausgabe (3 Bde., Valencia >676 — 1703, 4.). Morgagni (GiovanniVattista),dcrBcgründcrderpathologifchen Anatomie, wurde am 25.Febr. > 682 zuForli im Kirchenstaate geboren, widmete sich zü Bologna dem Studium der Heilkunde und erhielt daselbst 17vl die Doctorwürde. Hierauf ging er nach Venedig und Padua, wo er seinen ganzen Fleiß der vergleichenden Anatomie zuwendete. Nachdem er sich einige Zeit in seiner Vaterstadt als praktischer Arzt aufgehalten hatte, wurde er>7> > als Professor der Anatomie nach Padua berufen und erwarb sich in dieser Stellung, die er bis an seinen Tod, am 5.N»v. >771, bekleidete, einen großen Namen. Neben seinem Lehrsache und der pathologischen Anatomie, zu deren weiterer Ausbildung er durch sein Hauptwerk „Vs sellibus et cansis morbormn per nnatomen in6aAat>8" (2 Bde., Ven. >761, Fol.; neueste Ausg., 6 Bde., Lpz. >827—29; deutsch von Königsdörfer und Herrmann, 5 Bde., Altenb. I77>—76, 8.) den Grund legte, beschäftigte er sich gründlich mit Philologie und Archäologie, über welche Gegenstände seine „Opera omnia" (5 Bde., Ven. >765 fg., Fol.) manche werthvolle Abhandlung enthalten. Von seinen übrigen einzeln gedruckten zahlreichen Schriften sind noch besonders anzuführen ,H763, Fol.). Sein handschriftlicher Nachlaß wird in Parma aufbewahrt. In der Anatomie ist sein Name durch mehre von ihm zuerst beschriebene und nach ihm benannte Theile des menschlichen Körpers verewigt. Morgan (Lady), eine der ausgezeichnetsten brit. Schriftstellerinnen, wurde >789 zu Dublin geboren, w» ihr Vater Owcnson Schauspieler war. Als Schriftstellerin machte sie sich zuerst bekannt durch die Romane „8Lint823 kehrte sie nach Dublin zurück. Außer einigen Romanen, wie ,,'KKe Missionar^" und den irischen Sittengemälden „O'Donnel" und „Klorenco N'KartK^" (18 >8), erhöhte sie ihren literarischen Ruhm vorzüglich durch die beiden Werke „Kranes" (2 Bde., Lond. >8>7), eine geistreiche, scharfe, aber oft einseitige und fehlerhafte Schilderung franz. Zustände, und „ltal^" (2 Bde., Lond. 1821), welches letztere von Byron als treu und vortrefflich bezeichnet wurde. Ihnen folgten „Düs lifs »nck tim«8 ob 8a!vator Rosa" (>824), eine ihrer schwächsten Leistungen, 728 Morgaua Morgerrgabe und der Roman „1!>e O'Lriens a»(I O'L'ieekertzs" (1827). Im I. 1829 besuchte sie Frankreich, wo sie ihr „öooll ok Ille lloulloir" herausgab, das anziehende Anekdoten über sie selbst und ansprechcndeEinzelnheiten enthält, und 1833 Belgien. Die Zustände Frankreichs schilderte sie in „Trance in 1829" (Lcmd. 1830), und Belgiens in dem Roman „Hie princess or llls llegnins" (Lond. 1835). Ihre neuesten Werke sind „VVoinan aixi iier master", eine philosophische Geschichte des Weibes, und ,,'Llle boolc >vitllout s nsme" (1831), eine Sammlung von Aufsätzen und Skizzen aus ihrer eigenen Feder und der ihres Mannes, der 1833 starb. Morgan«, s. Fata Morgana. Morganatische Ehe (umtrimoiiiiim a<1 morASNstieam oder mstrimonium aä legem saiicam), abgeleitet von dem goth. Worte morgjan, d. i. abkürzen oder beschränken, auch Ehe zurlinkcn Hand, heißt diejenige Ehe, bei welcher durch die Ehepacteubestimmt ist, daß die nicht ebenbürtige Frau und ihre Kinder von den Standesvorrechten und der Erbfolge des Gatten und Vaters ausgeschlossen sein sollen. Auch Frauen können eine morganatische Ehe cingehcn. Sie ist nach dem gemeinen Rechte nur den regierenden Häusern und dem hohen Adel, nach dem preuß. Landrechtc aber auch dem nieder» Adel und könig- lichen Rächen gestattet. Morgarten, ein Vcrgabhang an der Ostseite des Sees Egcri im schweiz. Canto» Zug, wo gegenwärtig die Kapelle an der Haselmatt steht, wurde zum weltgeschichtlichen Namen durch den Sieg der Waldstädte Schwyz, Uri und Unterwalden über die Ostreichcr am 0. Dec. 1315. Die erwähnten Cantonc hatten nämlich aus Haß gegen Ostreich sich für den Kaiser Ludwig von Baicrn erklärt, auf dessen Seite auch der Kurfürst von Mainz war. Friedrich von Ostreich, Ludwig's Gcgenkönig, sprach daher über sie die Acht aus, und der Bischof vonKonstanz belegte sie mit dem Bann. Als nun Friedrich ein Heer von 20000M. unter dem Oberbefehl seines Bruders Leopold gegen die Waldstädte vorrücken ließ, besetzten die Waldstädtcr, im Ganzen etwa I VOO M. stark, den schmalen Weg, der sich zwischen dem Berge Morgarten und dem Sec Egeri hinschlängelt, mit ihrem Haupttrupp, während der überbleibende Theil an der Seite des steilen Berges sich aufstelltc. Kaum war Leopold's Heer in den engen Paß eingedrungen, so ließen die am Berge ausgestellten Schweizer die hier aufgehäuften Steinmassen hcrabrollen, brachten dadurch die Reiterei in Unordnung und richteten solche Verheerung unter dem Feinde an, daß es dem unten stehenden Häuflein möglich wurde, den vordringenden Theil des feindlichen Heers größtentheils zu vernichten. Nur Wenige, unter ihnen der Erzherzog Leopold, entrannen dem Tode. Hierauf verbanden sich die drei Cantone zu Brunnen am 8. Dec. >315 auf immer und ihnen schloffen sich bis zum 1.1513 nach und nach noch zehn Cantone an. Morgen, Morgengegend oder Osten heißt diejenige Himmelsgegend, in welcher die Gestirne aufgehen. Auch gebraucht man Morgen für gleichbedeutend mit Morgcnzeit.— Morg enpunkt, bei den Schiffern Ostpunkt oder Osten, heißt der Durchschnittspunkt des Äquators mit dem Horizonte in derjenigen Gegend des Himmels, wo die Sterne aufgchen. Er ist einer von den vier Cardinalpunkten, welche die Lage der vier Welt- oder Himmelsgegenden bestimmen. An den Tagen der Nachtgleichen, also um den 21 .März und)23.Sept.,geht die Sonne in dem Morgenpunkte auf, sowie sie in diesen Tagen genau in dem dem Morgenpunkte gerade entgegengesetzten Abcndpunkte untergeht. An allen übrigen Tagen des Jahres geht sie im Sommer jcnseit des Morgenpunktes nach Norden hin, und im Winter diesseit desselben nach Süden hin auf. Die jedesmalige Entfernung eines ausgehenden Gestirns vom Morgenpunkte nennt man die Morgen weite. Morgen und Morgen Landes, s.Maß und Gewicht. Morgengabe nannte man ursprünglich das Geschenk, welches der ncue^Zhemann der Frau am Morgen nach der Hochzeit machte. Spuren dieser Einrichtung finden sich schon in den ältesten deutschen Gesetzen. Die Morgengabe war früher ziemlich allgemein und ihre Größe wurde im Ehevertrage bestimmt; später fand sie nur beim Adel statt. Bei den sogenannten unstandesmäßigen Ehen vertrat sie die Stelle eines vollkommenen Abfindens und von ihr hatte die Frau alle Ausgaben für sich und ihre Kinder zu bestreiten. — Etwas Anderes ist die gesetzliche oder sächsische Morgen gäbe, worunter man diejenige» Morgenstern beweglichen Sachen verstand, welche eine adelige Witwe nach dem Tode ihres Mannes aus dessen Gütern bekommen mußte. Dahin gehörten alles feldgängige Vieh weiblichen Geschlechts, Schafe und Gänse, zugclegtes Bauholz, nicht eingefügte Zaunstöcke u. s. w. Selten indeß wurde die sächs. Morgengabe in Natur gegeben, sondern es verglichen sich gewöhnlich die Erben desMannes mit der Frau über eine gewisseEeldsumme, die sie erhielt. Durch das Mandat vom 31. Jan. 1829 wurde die Morgengabe im Königreiche Sachsen aufgehoben. — In der Bibelübersetzung Luthcr's wird durch Morgen gäbe die Summe bezeichnet, welche der Vater des Bräutigams an die Familie der Braut, als Kaufpreis der lchtern, zahlt. Morgenstern, s. Luciser. Morghen (Naffaello), einer der ausgezeichnetsten Kupferstecher der neuern Zeit, geb. zu Florenz am >9. Juni >758, stammte aus einer niederländ. Familie, die sich zuerst in Frankreich, dann in Florenz niederließ. Den ersten Unterricht in der Zeichen - und Kupfersteckkunst erhielt er durch seinen Vater, Filippo M., geb. 1730, und dessen Bruder, Giovanni Elia M., geb. 1721, welche Beide zu Neapel an dem Prachtwerke über die hcrculanischen Alterthümer arbeiteten. Um sich mehr noch zu vervollkommnen, ging er 1778 nach Rom zu Volpato, bildete sich in dessen Schule zum vollkommenen Künstler und verband sich dann mit ihm zu gemeinschaftlichen Arbeiten. Einem vortheilhaften Nus nach Neapel, den er 1792 erhielt, zog er >793 auf den Nus des Großherzogs Ferdinands Hl. von Toscana die Anstellung als Professor der Kupfcrstechkunst an der Akademie der Künste zu Florenz vor. Von stiller, freundlicher EemüthSart, lebte er fast nur der Kunst und seinem häuslichen Glück und starb zu Florenz am8. Apr. 1833. Wir besitzen von ihm eine Menge vortrefflicher Stiche, meist nach berühmten Bildern gearbeitet. Zu seinen vorzüglichsten Arbeiten gehören die Madonna dclla Seggiola und die Verklärung nach Rafael, die Madonna del Sacco nach Andrea dcl Sarto, Aurora nach Guido, die Jagd der Diana nach Domenichino, der Tanz der Jahreszeiten nach Poussin, das Grabmal Clemens' XIII. nach Eanova und vor Allem das Abendmahl nach Leonardo da Vinci (1800), dessen erste Abdrücke mit der Schrift, aber ohne das Komma nach dem Worte Vobis, ungemein thcuer bezahlt werden. Andere ausgezeichnete Arbeiten von ihm sind die Bildnisse Dante's, Pctrar- ca's, Ariosto's, Tasso's u. s. w. Ein vollständiges Verzeichniß seiner Blätter, deren Zahl sich auf 25-1 beläuft, gab sein Schüler Palmerini heraus (Flor. >810; 3. Aust., 1823). — Seine Brüder, Antonio M. und Guglielmo M., waren ebenfalls Kupferstecher, wurden aber von ihm verdunkelt; ein Sohn von ihm ist als Landschaftsmaler bekannt. Morhof (Dan. Georg), ein berühmter Literator, geb. am 6. Febr. 1639 zu Wismar, besuchte die Schule seiner Vaterstadt und das Pädagogium zu Stettin und studirte seit 1657 zu Rostock die Rechte und humanistischen Wissenschaften. Ein lat. Scherzgedicht auf den Tod eines Storchs erwarb ihm 1660 die Professur der Dichtkunst zu Rostock, die er >666 mit der der Rede- und Dichtkunst auf der neugestifteten Universität-zu Kiel vertauschte, wo er >673 zugleich Professor der Geschichte und 1680 Bibliothekar wurde. Er starb auf der Rückreise aus dem Bade Pyrmont zu Lübeck am 30. Juni >691. M. war ein Mann von großer Gelehrsamkeit und gesundem Urthcile. Durch seinen an literarischen Notizen sehr reichen „kol>lüst»r" (Lübeck 1688; 3. Ausg., 2 Bde., 1737, 3.) regte er in Deutschland zuerst ein planmäßigeres Studium der Literaturgeschichte an, für welche sein Werk lange Zeit die Hauptquclle war. Sein „Unterricht von der deutschen Sprache und Poesie" (Kiel 1682; 3. Auf!., Lübeck und Lpz. 171 8) ist besonders als erster Versuch, die veutsche Grammatik historisch zu begründen, von Wichtigkeit. Dagegen sind seine „Deutschen und lat. Gedichte" (Lübeck 1697) von geringem Belang. Eine Auswahl der erster» findet sich in W.Müller's „Bibliothek deutscher Dichter des I7.Jahrh." (Bd. 8, Lpz. > 826). Morier (Jam.), engl. Romanschriftsteller, geb. um 1780, aus einer nach England übergesiedelten Familie der franz. Schweiz, genoß eine sorgfältige Erziehung und widmete sich namentlich den morgenländ. Sprachen. Als Geheimschreibcr bei der engl. Gesandtschaft in Persien hatte er Gelegenheit, sich mit der pers. Sprache und den pers. Sitten vertraut zu machen. Bei seiner Rückkehr legte er die gemachten Beobachtungen und Erfahrungen theils in seinen Reiseschildcrungen, den „Travels inl?ersia, Vimeniu and Xsiu mi- X. 730 Mörike Morillo nor to Oonstantinople" (Lond. I8l2, 4.) und seconcl sourne^ Ikroiigb kergia, ^r- wenia sncl^Lia Minor" (Lond. 1818, 4.), theils in Nomanen nieder. In den letztem, „I'ke ackventures ok Hasst Laba" (5 Bde., Lond. 1824 — 28), „Xobrab or tbe bosts^^ (3 Bde., Lond. 1832), „^esliii, tbe maiti ok Xars" (3 Bde., Lond. 1834) und ,,'1'b« Uirra" (3 Bde., Lond. 1841), weiß er sich ebenso geschickt in den Charakter des Persers zu versetzen, als denselben durchzuführen; ihm glückte es im „Hast! Labs", was Viele vor ihm vergebens versucht hatten, den Perser als Beobachter und handelnde Person ins curop. Volksleben zu stellen. Dagegen fand sein Roman „He bani5be<1, a sualnan instoricrl isla" (Lond. 1838) keinen Beifall. Mörike (Eduard), einer der Dichter der neuen schwäb. Schule, geb. am 8. Sept. 1804 zu Ludwigsburg, besuchte das Seminar zu Urach, wo er sich für das Studium der protestantischen Theologie vorbereitete und wurde 1822 in das Stift zu Tübingen ausgenommen, wo er indeß mehr mit Goethe und den griech. Dichtern, als mit der Theologie sich beschäftigte. Hier dichtete er seinen „Letzten König von Oplid", den er nachmals als phantasmagorisches Zwischenspiel seinem Roman „Maler Nolten" einverleibte. Nachdem er 1827 Tübingen verlassen hatte, lebte er, da sich keine Stellung, die seinem Talente angemessen gewesen wäre, finden wollte, als Pfarrgehülfe in verschiedenen Gegenden Wür- tembergs, bis er 1834 Pfarrer in Kleber-Sulzbach bei Weinsberg wurde. Sein Roman „Maler Nolten" (Stuttg. 1832) war das Erste, womit er öffentlich auftrat. Ihm folgten eine Sammlung seiner „Gedichte" (Stuttg. 1838) und unter dem Titel „Iris" (Stuttg. 1830) eine Reihe Novellen und Märchen, zum Theil in dramatischer Form. Seine Oper „Die Ncgenbrüder" wurde von Lachner in Musik gesetzt. M. ist unter den Dichtern der neuen schwäb. Schule einer der tiefsten und reichsten. Er dringt tief in das innerste Geheimleben der Natur und des menschlichen Gemüths ein, ohne dabei jemals die volle Herrschaft über seinen Stoff zu verlieren. Die größte Tiefe und die durchsichtigste Klarheit und Vollendung der Form vereinigen sich in seinen Produktionen, unter denen besonders „Maler Nolten" hervorzuhcben ist, in welchem er alle seine poetischen Kräfte concentrirt hat. Dauernde Kränklichkeit hat ihn seitdem abgehalten, etwas Größeres zu schaffen. Morillo (Don Pablo), Graf von Carthagena und Marquis de la Puerta, span. General, geb. 1777 zu Fuente in der Provinz Toro, von niederer Herkunft, diente anfangs in der Marine und machte sich zuerst in dem Kriege gegen Napoleon seit 1808 als Anführer einer Guerrilla in Murcia bekannt. Er stieg in den folgenden Jahren bis zum General und erkämpfte namentlich 1813 mehre Vorthcile über die franz. Heere. Im Anfänge des I. 1815 führte er eine Expedition von I OOOO M. nach Neugranada, um Südamerika wieder dem Mutterlande zu unterwerfen. Er eroberte Carthagena am 5. Dec. >815 und Santa Fe de Bogota im Juni 1816, wo er eine grausame Strenge gegen die Republikaner übte; doch seit Anfang des I. >817 mußte er vor Bo li v a r (s. d.) in den festen Plätzen eine Zuflucht suchen. Da seine allgemeine Amnestieerklärung zu Caraccas am 17. Sept. 1817 kein Vertrauen fand, so setzte er den Kampf bei ungleichen Mitteln mit großer Geschicklichkeit fort, bis er sich endlich zu Unterhandlungen mit Bolivar genöthigt sah, die den Waffenstillstand zu Truxillo am 26. Nov. 1820 zur Folge hatten, worauf er nach Spanien zurückkehrte. Hier war sein Benehmen während der Cortesverfassung ein sehr zweideutiges ; doch that er bei mehren Gelegenheiten den Ausschweifungen des revolutionairen Pöbels kräftig Einhalt. Er unterstützte das Unternehmen der absoluten Partei, mit Hülfe der Garden im Juli 1822 die Constitution zu stürzen. Als dasselbe gescheitert, schloß er sich den Constitutionellen an und wurde Eeneralcapitain von Asturien und Galicien; doch machte er sich durch seine Unthätigkeit sehr bald wieder verdächtig. Nachdem die Cortes in Sevilla die Suspension der königlichen Macht ausgesprochen, erklärte er sich am 26. Juni 1823 gegen dieselben und schien eine vermittelnde Nolle spielen zu wollen. Von dem franz. Generallieutenant Bourck gedrängt, schloß er indeß schon zu Anfänge des Juli mit diesem einen Waffenstillstand, unterwarf sich der Regentschaft in Madrid und überlieferte den Franzosen Galicien, ohne auch nur den Versuch einer Verthcidigung zu machen, unter der Bedingung, daß ihm und seinen Anhängern vollkommene Sicherheit der Personen, Rechte und Güter versprochen wurde. Die Willkürherrschaft in Folge der Restauration des abso- Möris Moritz (Kurfürst von Sachsen) 731 luten Königthums nöthigte auch ihn zur Flucht nach Frankreich; seine in Spanien ange- . kauften Nationalgüter wurden eingezogen. Unter Zea-Bermudez's Ministerium wurde er 1832 zurückbcrufcn und als Generalcapitain von Galicien wieder eingesetzt. Nach dem Tode Ferdinands Vll. befehligte er eine Zeit lang die Christinos gegen Don Carlos, wurde aber dann abberufen und starb zu Madrid 1838. Seine ,Memoire5" fPar. > 826) enthalten schätzbare Beiträge zur Geschichte seines Lebens und der Vorfälle in Amerika. Möris, ein See zwischen Arsinoc und Memphis, der im Alterthume mittels eines breiten Kanals mit dem Nil zusammenhing. Er war künstlich angelegt, um in der Zeit der Trockenheit zur Schiffahrt und zur Bewässerung der Umgegend zu dienen, und füllte sich zur Zeit der Nilübcrschwcmmung. In seiner Nähe lagen das Labyrinth, mehre Pyramiden und andere große Bauten. Er soll 16 Meilen im Umfange gehabt haben und der jetzige Birket-el-Kcrun sein, den aber neuere Forscher, wie LepstuS, nicht für den alten See halten wollen. Möris (Älius), mit dem Beinamen Atticista, ein bekannter griech. Grammatiker, lebte im 2. Jahrh. n. Chr. unter Hadrian und verfaßte unter dem Titel „Mexico» atti- cum" ein kleines Wörterbuch, worin ganz im Geiste jener Zeit die Ausdrücke und Redensarten der früher» attischen Gräcität durch Ausdrücke des spätern oder gemeinen Dialekts erklärt werden. Nach der ersten Bekanntmachung durch Hudson (Orf. 1712) wurde dasselbe von Fischer (Lpz. 1756), am besten von Pierson (Leyd. I75S) und Koch (2 Bde., Lpz. 1830—3i) bearbeitet und der blose Text zuletzt von Bekker zugleich mit dem Harpo- kration sBcrl. 1833) herausgegebcn. Moriscos, s. Mauren. Moritz, Herzog und Kurfürst von Sachsen, unstreitig der größte Regent Sachsens, gcb. zu Freiberg am 21. März 1521, der erstgeborene Sohn Herzog Heinrich's des Frommen mit seiner Gemahlin, einer Tochter des Herzogs Magnus von Mecklenburg, zeigte - schon früh große Talente, verbunden mit rastloser Thätigkeit und einem feurigen Charakter, und erhielt eine sorgsame Erziehung. Sein aufstrebender Geist wurde noch mehr geweckt, als er zu seiner weitern Ausbildung, namentlich in den ritterlichen Übungen, mehre andere deutsche Höfe besuchte, die den einfachen Hof des Vaters an Glanz beiwcitem übertrafen. Nachdem er 1539 in Torgau zur protestantischen Kirche übergetretcn war, vermählte er sich zu Anfänge des 1.153 l mit Agnes, dcrTochter des Landgrafen Philipp von Hessen. Noch in demselben Jahre, am 18. Aug., folgte er seinem verstorbenen Vater in der Negierung des Herzogthums Sachsen al-bertinischer Linie. Obschon ein eifriger Anhänger der Reformation und Schwiegersohn eines der Häupter des Schmalkaldischen Bundes, war er doch nicht zu bewegen, dem Bunde beizutrcten, sondern verharrte in einer selbständigen Stellung, vielleicht schon damals befangen in Planen nach höherer Würde und größerer Macht. Er stand mit seinem Vetter, dem Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen crnestinischer Linie, in scheinbar gutem Vernehmen, bis eine ziemlich geringfügige Sache im Frühjahre 1532 einen Bruch hcrbeiführte. Johann Friedrich hatte nämlich in der bei der Thei- lung Sachsens den beiden Linien gemeinschaftlich verbliebenen Stadt Wurzen einseitig die damals ausgeschriebene Türkensteuer gefodcrt und, da man solche zu geben weigerte, die Stadt besetzt. Sofort rüstete sich der Herzog zum Kriege gegen ihn, und schon standen Beider Heere im Apr. 1532 kampfgcrüstet in der Gegend zwischen Grimma und Wurzen einander gegenüber, als noch zur guten Stunde der Landgraf von Hessen ohne Blutvergie- ^ ßen den Frieden vermittelte. (S. Fladenkrieg.) Hierauf zog der Herzog noch in demselben Jahre dem Kaiser mit einem Corps gegen die Türken in Ungarn und im folgenden Jahre gegen die Franzosen zu Hülfe, wodurch er mehr und mehr dessen Gunst erwarb. Doch hielt ihn dieses offen zu Tage sich legende Bestreben nicht ab, im I. 1535 die beiden Häupter des Schmalkaldischen Bundes im Kampfe gegen den Herzog Heinrich von Braunschweig zu unterstützen und den gefangen genommenen Herzog an den Landgrafen von Hessen auszulicfern. Als es aber 1536 zum offenen Kampfe zwischen dem Kaiser und > dem Schmalkaldischen Bunde gekommen, schien ihm dies der günstigste Zeitpunkt zur Ausführung seiner längst gehegten Plane in Beziehung aus das Kurhaus Sachsen. Er entschied sich nun ganz für den Kaiser, der ihm in einem geheimen Vertrage zu Regensburg 732 Moritz (Kurfürst von Sachsen) am 19. Juni 15-16, unter der Bedingung kräftigen Beistandes, die Kurwürde und du Erbländcr des Kurfürsten zusicherte. Auf Befehl des Kaisers bemächtigte er sich in knr- zcr Zeit fast des ganzen Kurfürstenthums, doch mußte er dasselbe fast ebenso schnell dem ihm mit einer überlegenen Macht cntgcgentrctendcn Kurfürsten wieder einräumen. Ei» Waffenstillstand, den der Kurfürst einging, war dessen Verderben. Hierdurch gewann der Kaiser Zeit, mit erprobten Truppen dem bedrängten Herzoge zu Hülfe zu eilen. Dü Schlacht bei Mühlberg, die Gefangennehmung des inzwischen geächteten Kurfürsten und die Kapitulation von Wittenberg führten den Herzog an das Ziel seiner Wünsche. Am l.Juli 15-17 crtheilte ihm der Kaiser die Kurwürde und belehnte ihn mit einem großen Thcile der crnestinischcn Erblande. Allein bei allen diesen Gunstbezeigungen erkannte der neue Kurfürst sehr wohl, wie der Kaiser jetzt um so sicherer seinen Plan verfolgen zu tön- uen meine, der dahin ziele, mit Unterdrückung der Rechte und Freiheiten der deutschcnFür- sten, sich zum unbeschränkten Herrscher Deutschlands zu erheben. Wie künstlich auch der Kaiser unter dem Scheine, der katholischen Kirche nur Schutz zu schaffen, seine egoistische» Absichten verbarg, dem Scharfblick des Kurfürsten vermochten alle die Schlangenwindun- gcn der Politik das endliche Ziel des hcrrschsüchtigen Kaisers nicht zu verdecken. Da er einsah, daß nur durch offene Gewalt Deutschland gerettet und der Macht des Kaisers die »öthige Schranke gesetzt werden könne, so sing er seit 1559 unter dem Scheine, die ihm vom Kaiser übertragene Vollziehung der Reichsacht gegen die Stadt Magdeburg auszuführc», an, sich zu rüsten, auch schloß er ganz insgeheim am 5.Oct. 1551 mit dem König Hei», rieh II. von Frankreich ein Bündniß gegen den Kaiser. Noch einmal ließ er Karl V. durch eine feierliche Gesandtschaft um die Freilassung seines Schwiegervaters, des Landgrafen vo» Hessen, bitten; doch der sorglose Kaiser benahm sich hochmüthig und lehnte die Bitte ad. Jetzt warf M. die Maske ab und eröffnete den Feldzug. In einem Manifest erklärte er die Sicherheit der protestantischen Lehre, die Ausrcchthaltung der Neichsverfassung und die Befreiung des Landgrafen als einzige Beweggründe zu diesem Kriege. Überall freudig empfangen, kam er in Eilmärschen so schnell nach Innsbruck, daß er den hier am Podagra dar- nicderlicgcnden Kaiser beinahe gefangen genommen hätte. Der Kaiser gab nicht nur de» Landgrafen und den Kurfürsten von Sachsen sogleich frei, sondern sah auch im Gefühl seiner Hülflosigkcit sich sehr bald gcnöthigt, durch seinen Bruder Ferdinand mit M. in Unterhandlungen zu treten, die zum Frieden führten und den Vertrag zu Passau am 22. A»g. 1552 zur Folge hatten. (S. Religionsfriede.) So zerstörte M. mit einem Schlage die lange Jahre genährten, feindlichen Plane des Kaisers gegen Deutschland, während er zugleich die Protestanten wieder mit sich versöhnte, die erst ihm die sichere Begründung ihrer Kirche zu verdanken haben. Um indeß auch wieder dem Kaiser einen Beweis seiner Anhänglichkeit zu geben und namentlich aus Freundschaft für den König Ferdinand, den M. sehr hoch hatte schätzen lernen, wohnte er nach hcrgcstclltcm Frieden einem Feldzuge gegen die Türken in Ungarn bei, die er zwar in verschiedenen Gefechten schlug, gegen die er aber doch in Folge des schlechten Geistes des kaiserlichen Heers keine bedeutenden Vortheilr zu erringen vermochte. Misgestimmt kehrte er nach Sachsen zurück, wo er nun dem Bünd- nisse gegen den Markgrafen Albrecht von Brandenburg beitrat, der, den passauer Vertrag nicht anerkennend, den Krieg auf eigene Faust fortschte. In der Schlacht bei Sievershau- sen anr 9. Juli 1553 wurde der Markgraf zwar gänzlich geschlagen, dieser Sieg aber sehr theuer erkauft. Der Kurfürst war durch einen Schuß in den Unterleib verwundet worden; am 11. Juli starb er in Folge dieser Verwundung im Feldlager. M. besaß außer jener Klugheit, vermöge welcher er schlau die Umstände zu benutzen wußte, große Regenten- und Feldherrntalcnte, die ihn zu einem der größten deutschen Fürsten machen. Er begann sofort nach seinem Regierungsantritte gewaltige Reformen in Sachsen und würde unstreitig noch viel Größeres ausgeführt haben, wenn ihm ein längeres Leben beschicken gewesen wäre. Er befestigte Dresden, Leipzig und Pirna, gab dem Militair eine vollständigere Organisation, unterstützte den Bergbau und das Hüttenwesen und erwarb sich namentlich um die gelehrte Bildung große Verdienste durch die Begründung der drei Fürstenschulcn und die Stiftung mehrcr sehr nützlicher Institute bei der Universität zu Leipzig. In der Regierung folgte ihm sein Bruder August (s. d.), Seine Witwe heirathete >555 den Herzog Johann Moritz (Prinz von Ornnien) Moritz (Graf von Sachsen) 733 Friedrich den Mittlern, starb aber wenige Monate nachher; seine einzige ihn überlebende Tochter, Anna, wurde die Gemahlin Wilhclm's 1. (s.d.), Prinzen von Oranien. Vgl. Langen», „M-, Herzog und Kurfürst von Sachsen" (2 Bde., Lpz. 1841). Moritz, Prinz von Oranien, Graf von Nassau, einer der ausgezeichnetsten Jnfanteriegcnerale, war der Sohn aus der zweiten Ehe dcS Prinzen W i l h cl m's 1. (s. d.) von Oranien mit Anna, des Kurfürsten Moritz von Sachsen Tochter. Er wurde zu Dillenburg am I4.Nov. 1587 geboren und studirte zu Leyden, als sein Vater 1584 meuchelmörderisch erschossen wurde, worauf ihn die Provinzen Holland und Seeland, nachher auch Utrecht, zu ihrem Statthalter erwählten. Mit außerordentlichen Talenten ausgerüstet, übertraf er als Feldherr bald alle Erwartungen. Er nahm >500 durch Überfall Breda, befreite darauf Geldern, Obcryssel, Friesland und Groningen von den Spaniern und erhielt nun, nebst dem Oberbefehl über die Land - und Seemacht aller vereinigten Provinzen, zugleich die Statthalterschaft von Geldern und Obcryssel, während die von Friesland und Groningen seinem Vetter, dem Grafen Wilhelm von Nassau, zu Theil wurde. Überhaupt nahm M. den Spaniern, bis zu dem >60!) geschlossenen Waffenstillstände, gegen 40 Städte und mehre Festungen und schlug sie in drei Feldschlachtcn, ungerechnet die Siege zur See, welche die republikanischen Viceadmirale an den span, und flandr. Küsten erfochten. So wurde M. der Gegenstand der allgemeinen Liebe und Achtung des Volks, und auf diese baute sein feuriger Ehrgeiz den Plan der Oberherrschaft. Zugleich benutzte er dazu mit die theologischen Streitigkeiten der Nemonstranten (s. d.) und Gomaristen (s.d.), welche Letztere er mit großem Eifer, ja sogar mit Gcwaltthätigkeit (s. Oldenbarneveldt) unterstützte. Allein seine Bemühungen, die Freiheit des Staats durch Partcisucht zu untergraben, scheiterten und so sah er sich endlich genöthigt, von der Ausführung seiner Entwürfe abzustchen. Er starb im Haag am 23. Apr. 1625 und hatte seinen Bruder Friedrich Heinrich zum Nachfolger. Mit Ausnahme des Waffenstillstands von >600—21 war er fast ununterbrochen im Kriege begriffen. Den Krieg verstand er meisterhaft und führte ihn als Held. Sein Heer galt für die erste Schule der Kriegskunst, und die von ihm gebildeten Krieger haben nicht wenig zu seinem Ruhme beigetragcn. Er hatte die Kricgskunst von den Alten gelernt und erweiterte sie durch Anwendung eigener und fremder Erfindungen. Moritz, Grafvon Sachsen, bekannt unter dem Namen des Marschalls von Sachsen, ein ausgezeichneter Feldherr, war der natürliche Sohn des Königs von Polen und Kurfürsten von Sachsen, August's II. oder des Starken, und der Gräfin Maria Aurora von K önig s mark (s. d.). Er wurde zu Goslar am 28. Oct. 1606 ganz insgeheim geboren, sofort nach seiner Geburt einer Erzieherin übergeben und sodann au verschiedenen Orten durch Privatlehrer gebildet; doch fehlte cs ihm sehr an der nöthigcn Lust, etwas zu lernen. Dagegen zeigte er früh einen feurigen Geist und eine ungewöhnliche, von seinem Vater geerbte Stärke, der ihm als Reichsvicar den Titel eines Grafen von Sachsen crtheilte und ihn bald darauf zum Obersten eines Kürassierregiments machte. Die ersten Waffen trug er >700 in Flandern unterEugen undMarlborough, deren Lob er sich in dem Feldzuge von 1710 erwarb. Als im folgenden Jahre sein Vater Stralsund belagerte, durchschwamm er hier im Angesichte des Feindes die Meerenge Gellen. Nach diesem Feldzüge verhcirathete ihn seine Mutter mit der reichen und liebenswürdigen Gräfin Löben; doch die Ehe war nicht glücklich, da M. zu sehr das Vergnügen und den Wechsel liebte. Unter allen Ausschweifungen widmete er sich cifrigst dem Studium der Kriegskunst. Im I. 1717 nahm er in Ungarn unter Eugen an dem Kampfe gegen die Türken Theil und war bei der Belagerung von Belgrad. Nach dem Frieden ging er 1720 nach Frankreich, da er das gesellige Leben der Franzosen liebte. Hier studirte er Mathematik, Kriegs - und Befestigungskunst und Mechanik, für welche er ein ausgezeichnctesTalent hatte. Nachdem er 1722 in Frankreich ein Regiment erhalten, bildete und exereirte er cs selbst nach der von ihm schon in seinem 16. Jahre erfundenen Methode. Im 1.1726 wählten die Stände von Kurland ihn zu ihrem Fürsten, und die verwitwete Herzogin von Kurland, Anna Jwa- nowna, die Tochter des Zars Iwan Alexiewitsch, soll ihm damals Hoffnung auf ihre Hand gemacht haben. Doch Mentschikow, der nach dem Herzogthume strebte, schickte 800 M. Russen nach Mitau und ließ den neuen Herzog in seinem Paläste belagern. Dieser, obgleich 734 Moritz (Karl Phil.) er nur 60 M. hatte, verthcidigte sich mit so großem Muthe, daß die Belagerung aufgehoben werden mußte, und die Russen sich entfernten. In jener Zeit ging M. Frankreich um Unterstützung an Geld und Menschen an und erhielt damals durch seine Geliebte, die berühmte Schauspielerin Adrienne Lecouvreur in Paris, die Summe von 40000 Livres, die sie durch Versehen aller ihrer Kostbarkeiten zusammengebracht hatte. Nach seiner Zurückkunft nach Frankreich beschäftigte er sich wieder mit der Mathematik, und auch, als nach dem Tode seines Vaters sein Halbbruder, der Kurfürst August III. von Sachsen, ihm 1733 den Oberbefehl aller seiner Truppen anbot, zog er es vor, als Mare'chal de Camp in dem franz. Heere zu dienen. In der Armee des Marschalls von Bcrwick entschied er 1734 j„ der Schlacht von Ettlingen, an der Spitze einer Grenadicrabthcilung, den Sieg. Mit gleicher Unerschrockenheit führte er bei der Belagerung von Philippsburg mehre Angriffe aus und wurde hierauf Eenerallieutenant. Im östr. Erbfolgekriege nahm er am 26. No». 1741 Prag mit Sturm, und nachdem Eger einige Tage nach Eröffnung der Laufgräben ebenfalls erobert worden war, führte er die Armee des Marschalls von Broglio an den Rhein zurück, wo er sich der Linien von Lauterburg bemächtigte. Im März >744 wurde er Mar- schall von Frankreich; doch konnte er als Protestant nicht in dem Marschallstribunal seinen Sitz nehmen. Sein Feldzug in Flandern im I. 1 744, ein Meisterstück der Kriegskunst, stellt ihn an die Seite Turenne's, indem er den an Zahl überlegenen Feind in Unthätigkeit zu halten wußte; doch noch größer» Ruhm brachte ihm das 1.1745, wo er in den mit Öst- streich und England verbündeten Niederlanden, trotz einer schweren Krankheit den Oberbefehl der franz. Armee führte und am l I. Mai 1745 den wichtigen Sieg bei Fontenay ^ davontrug, der schließlich selbst Brüssel in franz. Gewalt brachte. Der König von Frankreich ertheilte ihm dafür das Naturalisationspatent, beschenkte ihn nach dem Siege von Raucour, am 11. Oct. 1746, mit sechs Kanonen und ernannte ihn 1747 zum Marschall aller seiner Armeen und nach der Einnahme vonBergcn-op-Zoom am 16. Sept. zum Ober- , befehlshaber in den eroberten Niederlanden. In Folge der Belagerung der Festung Maastricht im Apr. 1748, deren Fall die Eroberung der gesammten Niederlande zur Folge gehabt haben würde, bot die Republik den früher von ihr verweigerten Frieden an, der zu Aachen am 18. Oct. > 748 geschlossen wurde. M. zog sich nunmehr auf das Schloß Chambord zurück, das der König ihm zum Gebrauch überlassen halte. Sodann machte er eine Reise nach Berlin zu Friedrich dem Großen, der ihn mit der ehrenvollsten Auszeichnung behandelte. Nach seiner Rückkehr lebte er in der Gesellschaft von Gelehrten, Künstlern und Philosophen wieder zu Chambord, wo er an einem Blutsturze am 30. Nov. 1750 starb. Sein Leichnam wurde mit großer Pracht zu Strasburg in der protestantischen Kirche St.-Tho- mas beigesetzt. Ein großartiges Denkmal ließ ihm daselbst Ludwig XV. durch Pigalle errichten, der dasselbe 1765 begann, aber erst unter der folgenden Negierung 1776 vollendete. Zum Erben hatte M. den sächs. Grafen Friese eingesetzt. Viel weiß die Sage von chimärischen Planen zu erzählen, die M. beschäftigten. So soll er die Absicht gehabt haben, ! die Juden wieder zu einem Volke zu vereinigen, sich zum Könige von Corsica zu machen und ^ ein Königreich in Amerika, namentlich in Brasilien, zu gründen. Seine „keveries" (beste Ausg., 2 Bde., Par. 1757, 4.) sind voll kühner und neuer Ansichten in der Kriegswisscn- schaft, deren Gültigkeit die spätere Zeit bewährte. Auch hinterließ er „Iwttrss «t mßmoires etioisis purmi Iss pspier« originaiix clii msreclml clo 8uxe" (Par. 1784). Moritz (Karl Phil.), ein genialer Schriftsteller, wurde am >5. Sept. 1757 zu Hameln von armen Altern geboren. Er lernte bei einem Hutmachei, hielt aber nicht lange aus, da sein unruhiger Geist und seine Neigung zum Sonderbaren und Außerordentlichen ihn aus seiner Heimat trieben. Nach mancherlei Schicksalen fand er endlich so viel Unterstützung, um zwei Jahr? in Wittenberg studiren zu können. Doch betrieb er seine Studien sehr unregelmäßig und folgte dann einem Rufe Basedow's nach Dessau, wo er indeß sich nur kurze Zeit gefiel. Seine Bemühungen, in Potsdam eine Predigcrstelle zu erhalten, schlugen fehl; er war der Verzweiflung und dem Wahnsinne nahe, als er durch Teller und > Büsching eine Lehrerstelle an dem Grauen Kloster zu Berlin erhielt. Aber auch dieser Lage I bald überdrüssig, unternahm er >782 eine Reise nach England, zu der er sich auf einem Spaziergange entschloß und die er ganz unvorbereitet antrat. Nach seiner Rückkehr verfiel er in MorrtzLurg Mornay 735 immer größer« Unmuth. In manchen Hoffnungen getäuscht, glaubte er tödtlich krank zu sein; indeß genas er wieder und erhielt 1781 eine außerordentliche Professur am berliner Eymna- sium. Die Nedaction der Voß'schen Zeitung führte er nur kurze Zeit, da er sich in die dazu nöthige Ordnung nicht fügen konnte; auch eine Reife in die Schweiz, die er mit einigen Freunden unternahm, wurde nur halb ausgeführt. Nach seiner Rückkehr faßte er eine schwärmerische Liebe für eine verheirathetc Frau, die ihn zu seltsamen Verirrungen und zu der Nolle eines zweiten Werthcr verleitete. Er wäre vielleicht im Stande gewesen, wie sein Vorbild zu enden, wenn nicht die längst ersehnte Reise nach Italien seinem Geiste eine andere Richtung gegeben hätte. Er trat dieselbe 17 86 an und verweilte zwei Jahre in Rom. Ungeachtet seiner Thätigkcit blieb indeß dieser Aufenthalt ohne tiefer« Gewinn für ihn, da er zu unvorbereitet und in seinen Studien-zu unstät und phantastisch war. Goethe, der ihn hier kennen lernte, nahm sich seiner dort und auch später immer freundlich an und machte ihn mit dem Herzog von Weimar bekannt, auf dessen Verwendung ec Mitglied der berliner Akademie wurde. Nach seiner Rückkehr erhielt er die Professur der Alterthumskunde und der Theorie der schönen Künste bei der Akademie der bildenden und mechanischen Künste; zugleich aber schloß er eine Ehe, die sehr unglücklich aussiel. Er starb am 26. Juni 1793. Ohne Einheit, festen Lebensplan und gründliche, obschon vielseitige Bildung kam M. trotz eines reich begabten Geistes eigentlich nie zu einer klaren Anschauung seiner selbst und der Welt; sein ganzes Leben war eine Reihe von Inkonsequenzen; ja man darf sagen, er lebte in einer steten Selbsttäuschung und machte fast immer den Schauspieler eines fremden Lebens. Seine zahlreichen Schriften, mythologischen, antiquarischen, psychologischen und grammatischen Inhalts, unter welchen der „Versuch einer Prosodie" (Berl. 1786; neue Aust., >815) den meisten Einfluß hatte und noch jetzt von Werth ist; ferner Reiscbcschreibun- gen durch England und Italien u. s. w. sind zum Thcil sehr anziehend und im Einzelnen belehrend. In den Romanen „Anton Reiser" (1 Bde., Berl. >785—9»; Bd. 5 vonKlisch- nig, >794) und „Andreas Hartknops" (Berl. 1786) hat er sein Leben theilweise zu beschreiben versucht. Nicht unbemerkt darf bleiben, daß er der Erste war, der Jean Paul's Werth erkannte und den damals jungen Dichter auf seiner Laufbahn ermuthigte. Moritzburg, ein königliches Jagd- und Lustschloß, drei Stunden von Dresden, im Friedwalde, im 18. Jahrh. häufig die D ianenburg genannt, wurde bereits vom Kurfürsten Moritz im I. 1542 zu bauen begonnen, aber erst unter Kurfürst Christian I. 1589 vollendet. Später wurde es erweitert und unter August dem Starken sehr verschönert, der, sowie sein Nachfolger, daselbst häufig glänzende Jagden und prachtvolle Feste und Bälle mit Götter- und Türkcnaufzügen hielt. Große Teiche, perspektivisch ausgehauene Waldungen, ein Fasanengarten mit dem neuen Schlosse, eine Menagerie, mehre schöne Privatgebäude und ein Park zur Hegung des Wildes bilden die Umgebungen des Schlosses, welches wie eine Insel aus dem Wasserspiegel des breiten, tiefen Schloßgrabcns sich erhebt. Außer sieben großen Sälen, einer Kapelle und mehren Gewölben enthält dasselbe über 209 Zimmer mit Geräthen und Wandbekleidung im altfranz. Geschmack. Der große Tanzsaal ist mit 72 vergoldeten Hirschköpfen mit seltenen Geweihen von 24—59 Enden verziert. Überhaupt bezieht sich fast aller Schmuck auf die königlichen Jagdfreuden des 17. und 18. Jahrh. Das neue Schloß, welches 1769 erbaut wurde, liegt in der Nähe des Parks auf einem Hügel am Ufer des großen Teichs, der über eine Stunde im Umfange hat. An dem Hafendamme und Leuchtthurme lag sonst das Modell einer Fregatte. Mvrlacken oder Morlachen, s. Dalmatien. Mornay (Philippe de), Seigneur du Plessis-Marly, geb. auf dem Schlosse Buhy in der Normandie, wurde zu Paris erzogen und machte schnelle Fortschritte in den schönen Wissenschaften, den Sprachen, namentlich in der Theologie. Als ein jüngerer Sohn, war er für die Kirche bestimmt; allein seine Mutter, eine heimliche Protestantin, wußte ihn von der geistlichen Laufbahn zurückzuhalten. Nachdem 1560 sein eifrig katholischer Vater gestorben, bekannte er sich ebenfalls zur Reformation und begab sick auf weite Reisen nach Italien, Deutschland,Holland und England, wo er allenthalben die politischen Verhältnisse studirte und seine Kenntnisse vervollständigte. Nach seiner Rückkehr wäre er bald in der Bartholomäusnacht als Opfer gefallen; er verbarg sich einige Tage zu Paris und entfloh 736 Morpeth Morphologie dann nach England. Doch schon nach einem Jahre betrat er wieder den vaterländische» er Boden und lebte nun in Zurückgezogenheit, bis er 1575 in die Dienste des Königs von T Navarra, des spätern Hcinrich's IV., trat, der sich seiner bei allen diplomatischen Unter- si< Handlungen bediente. Als der Krieg mit der Ligue ausbrach, wurde er ganz die rechteHand P des Königs. Er entwarf Kriegsplane, leitete die Verhandlungen, vertheidigte die Sache P seines Herrn durch Schriften und.suchte demselben nach allen Seiten hin Anhänger und di Unterstützung zu verschaffen. Der Übertritt Hcinrich's IV. zum Katholicismus verletzte ihn de indessen so, daß er dem Könige durch seinen Frcimuth und Vorwürfe oft lästig wurde. th Dessenungeachtet erhob ihn Heinrich nach dem Frieden, zu dem er ganz besonders beige- K tragen, zum Staatsrath und später zum Gouverneur von Saumur, wo er für seine Glau- F bensgenossen eine Akademie errichtete. Als er sich wegen einer Schrift über den Misbrauch N der Messe vor der katholischen Geistlichkeit verantworten sollte, erklärte er, daß er dies nur in einer öffentlichen Disputation thun würde. Dieselbe fand im I. > 600 zwischen ihm und vc dem Bischof Duperron von Evreux zu Fontainebleau statt; doch unterlag er der Geschick- er lichkeit und den Kenntnissen seines Gegners und hatte der protestantischen Sache nur ge- 4. schadet. Bei der Erhebung der Hugenotten im J. 1620 suchte er zwischen den Parteien tl Frieden zu stiften, weshalb er sein Gouvernement verlor. Er zog sich hierauf auf seine ka Baronie Lasoret-sur-Sevre in Poitou zurück und starb daselbst am l >. Nov. l 623. Unter E seinen Schriften sind zu erwähnen „Verite Opposition gegen die Torypolitik aus. Seine Anstrengungen errangen einen bedeutenden 6 Sieg, als zu Ende des I. 1833 die Tories unter Peel auf kurze Zeit das Ruder ergriffen. 6 Bei Eröffnung des neuen Parlaments im Febr. >833 wurde er von der Ncformpartei v dazu ersehen, ein Amendement zur Antwort auf die Thronrede in Vorschlag zu bringen, E welches eine wahre Kriegserklärung des Hauses gegen die Toryvcrwaltung war und dem cn Ministerium einen harten Stoß versetzte- Lord Melbourne, der im Apr. 1835 mit seinen 3 früher» College» die Verwaltung wieder übernahm, ernannte hierauf M. zum Staats- d> secretair für Irland und verlieh ihm auch, ungewöhnlicher Weise, Sitz im Cabinet. M. b> rechtfertigte dieses Vertrauen, indem er, trotz der fanatischen Angriffe von Seiten der Tories, F durch eine umsichtige und milde Verwaltung die Gemüther der Irländer wenigstens zu tl versöhnen suchte. Als die Whigs am 28. Aug. l 831 vom Staatsrudcr traten, legte auch u M. sein Amt nieder. O'Connell widmete dem Scheidenden eine warme Dankadresse. L' Morpheus , der Sohn des Schlafes und der Gott der Träume, eigentlich der Ec- 3 stalter, wegen der Gestalten oder Bilder, die durch ihn in der Seele des Schlafenden ent- l 3 stehen, kommt zuerst bei Ovid vor. Übrigens kann er nur in menschlicher Gestalt er- a scheinen; um Thiere nachzubildcn, habe» die Götter den Jkelos oder Phobetor, und für b leblose Gegenstände den Phantasos. Dargestellt wird er als Greis und geflügelt, aus einem Horn schlafbringenden Duft ausgießcnd. ^ Morphin ist ein in dem Opium enthaltenes Pflanzcnalkaloid, welches einen der t Hauptbestandtheile desselben bildet. < Morphologie nennt man die Lehre von der Bildung und Umbildung der organischen k Körper. Dem Worte wie der Sache nach ist die Morphologie zuerst von Goethe in die Reihe der technischen Ausdrücke in der Naturgeschichte ausgenommen worden, der darauf i aufmerksam machte, wie alle und besonders die organischen Körper ihre Gestalt immerfort t umbilden, wie sie in einer steten Bewegung sind, wie sie auch da, wo sie als ein Individuum Morrison Mörser 737 erscheinen, doch nur aus mehren lebendigen Wesen bestehen, die für sich selbständig sind Diese Wesen sind nach seiner Meinung entweder ursprünglich vorhanden, oder sie finden sich zu einander; sie trennen sich und suchen sich wieder und bewirken so eine unendliche Production nach allen Seiten und auf alle Weise. Den Beweis führte Goethe bei den Pflanzen durch die Fortpflanzung mittels der Absenker und Augen, wie ihm denn auch die Fortpflanzung durch den Samen nur eine Entwickelung vieler gleicher Individuen aus dem Schoose der Mutterpflanze war. Bei den Thieren führte er als Beispiel dieJnfusions- thierchen an, wie sie bei Mangel an Feuchtigkeit vertrocknen, zerplatzen und eine Menge Körner ausschütten, in die sie wahrscheinlich bei dem naturgemäßen Gange sich auch in der Feuchtigkeit zerlegt und auf solche Weise fortgepflanzt hätten. Vgl. Goethe's „Beiträge zur Naturwissenschaft überhaupt und zur Morphologie insbesondere" (Stuttg.u.Tüb. 1817) Morrison (Rob.), ein protestantischer Missionar, geb. am 5. Jan. 1782, wurde von der brit. Bibelgesellschaft nach Macao und Kanton gesendet, um das Chinesische zu erlernen und dann die heilige Schrift in diese Sprache zu übersetzen. Nachdem er am 4. Sept. 18»7 in Macao angelangt, hatte er mit vielen Mühseligkeiten zu kämpfen, bis er 1809 eine Stelle in den Factoreien daselbst erhielt. Als 1816 Lord Amherst nach China kam, begleitete er denselben als Dolmetscher und gab die Beschreibung dieser verunglückten Gesandtschaft heraus. Im I. 1818 errichtete er zu Malakka ein ^n^Io-cllinLSL College ' für engl, und chines. Literatur und zu r Ver breitung des Christenthums. Nach 17jährigem > Aufenthalte in China kehrte er I82F nach England zurück und hrachte eine Sammlung ! von 10000 Büchern in chines. Sprache mit sich dahin. Bereits im Js > 826 aber ging er wieder im Aufträge der Ostindischen Compagnie nach China, wo er später bei den eintretenden Streitigkeiten der Engländer mit der chines. Regierung als Vermittler gebraucht wurde. Im Juli 1834 begleitete er als Dolmetscher den brit. Gesandten, Lord Napier, nach Kanton und starb daselbst am >. Aug. 1834. Seine Kenntniß des Chinesischen hat ^ er durch die „Horae sinicae" (Lond. >812), die „Chines. Grammatik" (Serampore 1815, 4.) und das „Chines.-engl. Wörterbuch" (6 Bde-, Macao 1815 — 19, 4.) bekundet, l Mors, auch Meurs oder Moeurs, ein ehemaliges zum Westfälischen Kreise gehöriges deutsches Fürstenthum am linken Rheinufer, das von den Herzogthümern Kleve, Geldern und Berg und ehemaligen kurköln. Landesthcilen umgrenzt wurde und auf etwa , 6 OM. 28000 meist reformirte E. enthielt, stand im Mittelalter unter den Grafen von Mörs, die bei Kleve zu Lehn gingen. Durch die Verheirathung der Tochter des letzten Grafen Friedrich von Mörs mit dem Grafen Wilhelm III. zu Wied und Isenburg gingM. an diesen über und sodann wieder an dessen Schwiegersohn, den Grafen von Nuenar oder Nuevenar. Nach dem Aussterben des letzter» Geschlechts vermachte die letzte Gräfin, trotz der vertragsmäßigen Ansprüche Kleves, die Grafschaft dem Prinzen Moritz von Oranien, bei dessen Hause sie verblieb, bis nach dem Tode Wilhelm's III. von Oranien der König Friedrich I. von Preußen als Herzog von Kleve dieselbe einziehen und 1707 zum Fürstenthum erheben ließ. Im luneviller Frieden von >801 wurde M. an Frankreich abgetreten und dem Roerdepartement einverlcibt. Durch den pariser Frieden kam es an Preußen zurück und gehört gegenwärtig, unter die Kreise Geldern und Krefeld vertheilt, dem preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf an. Vgl. Altgelt, „Geschichte der Grafen und Herren von ! M."(Düsseld. >846). Die ehemalige gleichnamige Hauptstadt, mit etwa 2500 E-und einem alten Schlosse, hat eine kathol. und eine evangel. Kirche, ein Progymnasium, ein Schul- ' lehrerseminar, und treibt vorzüglich Seiden-, Baumwoll-, Flanell- und Barchentweberei. Mörser, früher Morti er, nennt man diejenige Geschützart, welche ihre Geschosse in sehr hohen Bogen, meist unter Richtungswinkeln von 30—60°, wirft, nicht blos um jede Deckung vor dem Ziele zu übersteigen, sondern vorzüglich um den Geschossen durch den Fall aus größerer Höhe mehr Percusstonskraft zu geben. Die Einrichtung des Mörsers kommt mit der der Haubitze(s.d.) überein; nur stehen die Schildzapfen gewöhnlich am Boden und die Traube fällt weg; die Kammer aber ist häufiger konisch als cylindrisch, i und die ältern Arten der birnförmigen und sphärischen Kammern kommen, weil sie un- ! zweckmäßig sind, nicht mehr vor. Die gewöhnlichen Arten sind 7-, > v-, 16-, 25-, 30-, 48-, Tonv.-Lex. Neunte Aufl. IX. ^7 733 Mortalität Mortier 50., 60pfündige. Außerdem hat man besondere Mörser mit weiter Mündung, um Stein«, Spiegelgranaten und Kartätschen zu werfen, die sogenannten Steinmörser; ferner klei- nere als die siebenpfündigen, die Handmörser, auch Coehörner genannt; und Schaft- ni ö r se r, zum Werfen einzelner Spiegelgranaten auf kurze Entfernungen bestimmt. In Frankreich und England wird zur Bezeichnung des Mörsers nicht das Gewicht der (fiel, nernen) Bombe, sondern das Zollmaß des Mündungsdurchmessers gebraucht. Übrigens unterscheidet man die hängenden Mörser, bei denen die Schildzapfcn am Miktelsiück sitzen, von den stehenden, deren Schildzapfen am Boden angebracht sind; bei den Fnßmörsern fallen die Schildzapfen ganz weg, das Rohr ist an eine Platte angegos- sen und bildet mit ihrer untern Fläche einen Winkel von 45°. Die Mörser werden theils von Eisen, theils von Bronze gegossen; die schweren gewöhnlich vom erstgenannten, die kleinern vom letztem Material. Der größte Mörser neuerer Zeit war in Lüttich von Eisen gegossen, der 1832 von den Franzosen bei der Belagerung der Ciladelle von Antwerpen gebraucht wurde; er selbst wog 14000 Pf., seine Bombe 1000 Pf. (S. Artillerie, Geschütz und Kanone.) Mortalität und Mortalitätslisten, s. Sterblichkeits listen. Mörtel, s. Kalk. Mortier (Edouard Adolphe Kasimir Jos.), Herzog von Treviso, Malschall und Pair von Frankreich, wurde 1708 zu Chateau-Cambre'sis im Norddepartemcnt geboren und erhielt eine sehr sorgfältige wissenschaftliche Bildung. Im I. 1791 trat er in ein Ca- valerieregiment, kurze Zeit nachher aber als Hauptmann in ein Freiwilligenbataillon. Mit großer Auszeichnung kämpfte er im Feldzuge von 1792. Nachdem er nach der Schlacht bei Hondschooten, im Sept. 1793, zum Generaladjutante» emporgestiegen, betheiligte er sich an den Operationen in Belgien, an der Noer und am Rhein. Hierauf, kam er zur Maas- und Sambrearmee. Er umging am 4. Juni 1796 die Stellung der Ostreicher bei Altenkirchen, verhandelte am 13. Juli die Capitulation des Feindes zu Frankfurt am Main und trieb denselben, nach Wiederaufnahme der Feindseligkeiten, über den Main. Am 30. Dec. 1796 trat er mit dem Kurfürsten von Mainz wegen Übergabe der Stabt Mainz in Unterhandlung und wurde bald nachher seiner Verdienste wegen Regimentscom- mandeur. Im I. 1799 zum Brigadegencral ernannt, erhielt er den Befehl über die Bor- postcnbei der Armee anderDonau und warfdieÖstreichcr am25.März beiLiptingen. Im Sept. wurde er als Divisionsgeneral nach der Schweiz gesendet, wo er sich an allen Ereignissen vor und nach der Schlacht bei Zürich lebhaft betheiligte und besonders in Verfolgung der Russen auszeichnete. Massena detachirte ihn später gegen die Östreicher in Tirol, Borarlberg und Graubündten; allein noch im März 1800 erhielt er zu Paris den Befehl über die >5. und 16. Militairdivision, in welcher Stellung er für Bonapartc große Anhänglichkeit zeigte. Als >803 die Feindseligkeiten zwischen Frankreich und England ausbrachen, mußte er das Kurfürstenthum Hannover besetzen. Alsbald zurückberufen, vertraute ihm der erste Consul den Befehl über die Artillerie der Consulargarde und bei Errichtung des Kaiserthrons erhielt er die Marschallswürde. Im I. 1805 stellte ihn der Kaiser an die Spitze eines Corps der großen Armee in Deutschland, mit dem Aufträge, in der Gegend von Linz den Übergang des Feindes über die Donau zu hindern. Er wurde mit seinen 4000 M. am ll. Nov. von den Russen überrascht, eingeschlossen und von dem 30000 M. starken Kutusow bei Dürnstein hart bedrängt. Jndeß wußte er sich doch mit Geschick und fast siegreich aus seiner Übeln Lage zu retten und empfing gegen Ende des Feldzugs den Auftrag, Wien zu decken, das er auch besetzte. Jm J. 1806 operirte er mit dem achten Corps der großen Armee zugleich in Hessen und Hannover; er besetzte Kassel am l. Oct. und im Sept. Hamburg und die übrigen Hansestädte. Nach dem Waffenstillstände von Charlottenburg drang er in Schwedisch-Pommern vor, versuchte vom Ende Febr. bis zum 16. Apr. die Einnahme von Stralsund und schloß nach dem Gefechte bei Anklam am >8. den Waffenstillstand zu Schlaskow. Nach der Schlacht von Friedland, am 13. Juni, verlieh ihm der Kaiser den Titel eines Herzogs von Treviso und reiche Dotationen im Hannoverschen. Im 1.1808 führte M. das fünfte Armeecorps in Spanien. Er unterstützte im folgenden Jahre die Belagerung von Saragossa und schlug gn der Spitze von 30000 M. Mortificatio« Mortimer 739 dm »och einmal stärker» Feind bei Ocana. Hierauf begann er die Belagerung von Cadix und besiegte endlich die Spanier am 19. Febr. 1811 zu Gebora. Im ruff. Feldzuge von 1812 befehligte er die junge Garde. Als Gouverneur von Moskau erhielt er am 21. Nov. den Auftrag, den Kreml in die Luft zu sprengen. Nur mit Mühe vermochte er der Armee nachzukommcn, und nächst Ney trug er wol am meisten bei, die Trümmer derselben zu retten. Der Kaiser beauftragte ihn nach dem Rückzüge mit der Reorganisation der jungen Garde zu Frankfurt am Main. Im Feldzüge von 1813 befehligte M. bei Lützen, Bautzen, Dresden, Leipzig und endlich bei Hanau. Nachdem er am II. Febr. 1814 die franz. Grenze überschritten, verständigte er sich mit dem Herzoge von Ragusa über die Rettung der Hauptstadt. Er lieferte den Verbündeten am 39. März die Schlacht bei Paris und concentrirte nach der Capitulation vom 31. seine Streitkräfte zu Plessis-lcs-ChcvreS, von wo aus er erst am 8. Apr. seine Unterwerfung der neuen Negierung einscndete. Ludwig XVIil. verlieh ihm die Pairswürde und das Kommando zu Lille. Bei der Rückkehr Napoleon's sicherte er den Abzug des Königs nach Belgien, der ihn auch dankbar seiner Eide entband. Der Kaiser bestätigte ihn hierauf in der Pairswürde und übertrug ihm die Inspektion über die Festungen an den östlichen und nördlichen Grenzen. Mit der zweiten Restauration wurde M. aus der Pairskammer gestoßen; doch erhielt er am 19. Jan. 1816 den Befehl über die 15. Militairdivision zu Rouen. Auch wählte ihn das Departement du Nord zum Deputaten der Kammer, und am 5. März 1819 gab ihm der König die Pairswürde zurück; doch nahm M. bis zur Julirevolution wenig Theil an den politischen Ereignissen. Als Ludwig Philipp 1833 das doctrinaire Ministerium (s. Guizot) vom 1 >. Oct. Herstellen wollte, übernahm M. am > 8. Nov. das Kriegsministcrium'und die Präsidentschaft im Cabinet. Dieser schwierigen Stellung wenig gewachsen, trat er jedoch schon am 12. März 1835 die Präsidentschaft an den Herzog von Broglie, am 39. Apr. sein Portefeuille an den Marschall Maison ab. Am 28. Juli 1835 begleitete er den König zu einer großen Revue der Nationalgarde von Paris. Bei dieser Gelegenheit wurde er auf dem Boulevard du Temple durch die Höllenmaschine Fieschi's tüdtlich verwundet und gab einige Stunden darauf in dem benachbarten Caffe Turc den Geist auf. Mit den übrigen Opfern erhielt er seine Ruhestätte im Dome der Invaliden und auf der Place du Cbateau ein Denkmal mit der Büste von Bra. Seiner Witwe und seinen vier Kindern bewilligten die Kammern eine jährliche Pension von 29909 Francs. Mortificatio« heißt in der Gerichtssprache eine Ungültigkeitserklärung (s. Amor- tisation); die Kirche versteht darunter die Ertödtung des Fleisches durch Kasteien, Gei- ßeln, Fasten u. s. w. Mortimer (Roger, Graf von), der Mörder Eduard's II. von England, wurde 1287 an den Grenzen von Wales geboren. Nachdem er 1306 von Eduard 1. zum Ritter geschlagen worden, begleitete er den König auf einem Zuge nach Schottland, verließ aber eigenmächtig das Heer und verlor darum als Felon seine zahlreichen Lehngüter. Auf Fürsprache der Königin Margarethe in den vorigen Stand gesetzt, machte er hierauf unter Eduard II. die Kriege in Schottland, Irland und Frankreich mit und erhielt auf einige Zeit die Statthalterschaft von Irland. In seinen häufigen Zwisten mit den Herrschern von Wales und den benachbarten Baronen zeigte er sich als gewaltigen Charakter; auch führte er stets nur seine Vasallen ins Feld. Im 1.1329 verband er sich mit den Grafen von Lancaster, Hercford und andern Baronen zu einer gewaltsamen Reichsreform, wobei es jedoch nur auf die Erweiterung der Adelshcrrschaft und den Sturz der vom Könige unmäßig begünstigten Familie Spencer abgesehen war. Als indeß die Empörung wenig Fortgang gewann, ließ sich M. durch den Grafen von Pembroke zur Unterwerfung bewegen, wurde aber sogleich in den Tower gesetzt. Ein Todesurtheil fürchtend, entfloh er durch List dem Gefängnisse und ging nach Frankreich, wo sich bereits die über die Günstlingherrschaft ebenfalls erbitterte Königin Isabelle mit dem jungen Prinzen von Wales, dem spätern Eduard III., befand. Dieselbe war von ihrem schwachen Gemahl an den Hof ihres Bruders, Philipp's V., als Friedensvermittlerin geschickt worden, wendete jedoch ihren Einfluß an, um von Frankreich aus durch Drohungen die Spencer zu stürzen. M- bemächtigte sich der Königin, flößte derselben durch sei» glänzendes Äußere eine verbrecherische Leidenschaft 47 * 740 Mortuarmm Morus (Sam. Friede. Nathanaey ein, sammelte die misvergnügken Engländer und stiftete Verschwörungen an, welche die gewaffnete Rückkehr nack England und wol gar eine Thronrevolution zum Zwecke hatten. Weil Philipp V. diese Umtriebe wenigstens scheinbar verwerfen mußte, so ging M. mit der Königin 1326 zu dem Grafen von Hennegau, dessen Tochter man mit dem Prinzen von Wales vermählte. M. rüstete nun durch die Unterstützung des Grafen und des ftanz. Hofs ein Corps von 3000 M. und landete mit demselben am 2-1. Sept. an der Küste von Suffolk, wo ihm die zahlreichen Feinde des jungen Lord Spencer ungesäumt zusielen. Der König floh aus London nach Wales, von da nach Irland, siel aber unterwegs in die Hände der Empörer und wurde alsbald auf dem Schlosse Berkeley von einigen Vertrauten M.'s insgeheim und auf die scheußlichste Weise ermordet. Durch Unterstützung des Parlaments, welches sogar eine Jndemnitätsbill bewilligte, richtete M. einen Negentschaftsrath ein, an dessen Spitze die Brüder des Ermordeten, die Grasen von Lancaster, Kent und Norfolk, standen. Jndeß riß M. in kurzer Zeit alle Gewalt an sich, bereicherte sich durch die Güter der Günstlinge Gaveston und Spencer, lebte in närrischer Verschwendung und wendete der Königin Isabelle fast sämmtliche Einkünfte der Krone zu. Ein für England schimpflicher Vertrag mit Schottland, gegen welches der junge Eduard lli. die Waffen nicht führen durfte, brachte endlich den Haß und die Unzufriedenheit der Prinzen, der Großen und selbst des Volks aufs höchste. Um seine Hauptfeinde zu treffen, ließ M. im I. 132!) dem einfältigen Grafen von Kent (s. Edmund) einreddn, daß Eduard II. noch lebe und in geheimer Gefangenschaft schmachte Dieser stiftete hierauf ein Complot zur Befreiung des vermeintlich Lebenden, wurde jedoch mit seinen Genossen durch M. verhaftet und nach einem Spruche des unfreien Parlaments sogleich enthauptet. Die Güter des Unglücklichen erhielt Gvdefroi, der Sohn des Verbrechers. Obschon M. alle nur möglichen Vorkehrungen traf, um den jungen König, über den er sich nun die Vormundschaft ancignete, in Unterwerfung zu halten, gelang es demselben doch, diese schmählichen Fesseln im I. I33Ü unter Mitwirkung des Lord Mountacute und einiger Vertrauten zu brechen. Die Verbündeten drangen durch List in das von M. und Isabelle bewohnte und stark befestigte Schloß Nottingham und nahmen den Usurpator gefangen. Hierauf wurde M. vom Parlament als notorischer Hochverräthet proclamirt und am 29. Nov. 1330 ohne Procedur bei Smith- field öffentlich aufgeknüpft. Mormarium, s. Todte Hand. Morus (Sam. Friedr. Nathanael), ein hochachtbarer Theolog, geb. am 30. Nov. 1736 zu Lauban in der Oberlausiß, besuchte die dasige Stadtschule und studirte seit 1751 in Leipzig Theologie, wo er sich 1760 habilitirte, 1768 eine außerordentliche Professur der Philosophie und 1771 die ordentliche Professur der griech. und lat. Sprache, >782 aber, beim Tode Ernesti's, als ordentlicher Professor in die theologische Facultät einrückte, und am 11. Nov. 1792 starb. Seine gründlichen Kenntnisse in den philosophischen und theologischen Wissenschaften waren die Fruchteines langen Fleißes und planmäßigen Studiums. In dogmatischer Beziehung zeichnete er sich durch vorsichtige Prüfung und mildes Urtheil aus. Außer seinen Ausgaben des Jsokrates, Lenophon, Plukarch, Antonin, Lcngin und Julius Cäsar sind besonders seine Übersetzung des „Briefes Pauli an die Römer" (Lpz. 17 75), des „Briefes an die Hebräer" (Lpz. 1776; 3. Aufl., 1786), sowie seine „Lpitome tüeologine ciiristisnne" (Lpz. 1789; 2.Aufl., 1790; deutsch von Schneider, 1795), wozu Hempe» einen „Lommentarius exegetieo-Iiistoricus" (2 Bde., Lpz. 1797 — 98) lieferte, und die Sammlung seiner „Dissertationes tbeoioAicse et pInIolvAicae" (2 Bde., Lpj. 1787—94; 2. Aufl., 1798; deutsch von Reichel, 2 Bde., Lpz. 1793—94) zu erwähnen. Nach seinem Tode wurden von Voigt seine „Vorlesungen über die christliche Moral" (2 Bde., Lpz. 1794 — 95); von Donat seine „üraeiectiones in äueobi et ketri epistolss" (Lpz. 1794) und „krselectiones in evnnAelimn I^ucse" (Lpz. 1794); von Dindvrf seine „Versio et explicstio actuniu ajiostolicorum" (Lpz. 1794) und „kecensiones in evaogeliuoi lloüannis" (2 Bde., Lpz. 1795); vonHempel seine „krnelectiones sxegeticse in tres äollannis ejiistolas" (Lpz. 1796); von Eichstädt seine „lleriveusutica" (2 Bde., Lpz. 1797—1802); von Holzapfel seine „Erklärung der Briefe an die Korinther" (Lpz. 1794); ferner seine „Erklärung des Briefs an die Römer und des Briefs Judä"(Lpz. Morus (Thonr.) Morusi 741 >794)und die „Zernage? in epistnlur ?aulinasati (Halatas et Lpiiesias" (Lpz. I 795), und von Keil seine „Nachgelassenen Predigten" (3 Bde.,Lpz. >794 — 97) herausgcgeben. Morus (Thom.), eigentlich More, der berühmte Kanzler Heinrich's VNI. von England, war der Sohn eines Richters der Kingsbench und wurde 1489 zu London geboren. In seiner Jugend lebte er einige Zeit als Page im Hause des Kardinals Morton, Bischofs von Canterbury, und später ging er auf die Universität nach Oxford, wo er sich mehre Jahre mit großem Erfolge allen Zweigen der Wissenschaft, besonders aber der Jurisprudenz, widmete. Bei der Thronbesteigung Heinrich's VUl. galt er bereits zu London als einer der ausgezeichnetsten Sachwalter und bekleidete auch das Amt eines Untersheriffs. Der Cardinal Wolsey führte ihn bei dem jungen Könige ein, der ihn liebgewann, ihn zum Mitglied des Geh. Raths ernannte und ihm mehre diplomatische Geschäfte in Frankreich und den Niederlanden anvertraute. Ungeachtet der königlichen Gunst beobachtete M. Zurückhaltung und täuschte sich nicht über die Willkür und Veränderlichkeit seines Herrn. Nachdem er >529 die Friedensverhandlungen zu Cambray mit großem Geschick geleitet, erhob ihn der König an Wolsey's Stelle zum Großkanzler und übergab ihm die StaatSsie- gel. M. verwaltete sein hohes Amt mit seltenem Geschäftseifer, Gerechtigkeitssinn und übergroßer Uneigennützigkeit. Er wollte zwar die Reformation unterdrücken; allein er verfolgte deren Anhänger nicht des Dogmas wegen, sondern aus politischen Grundsätzen. Als Heinrich VIll., seine Ehe scheidun g durckzu setzen, mit dem röm. Stuhle völlig brach, suchte er vergebens durch Bitten, VefeylsUno Drohungen die Mitwirkung seines populai- ren Kanzlers zu gewinnen. M. hielt die Sache wie das Verfahren gegen Recht und Gewissen, legte 1532 seine Ämter nieder und zog sich in Armuty mit seinerFamilie nach Chel- sea zurück. Als er >534 das neue Successionsstatut, welches zugleich die erste Ehe des Königs für nichtig erklärte, beschwören sollte, war er bereit, die Erbfolge zu beschwören; doch die übrigen Punkte wies er zurück, weil sie sein Gewissen beschwerten. Der König ließ ihi. deshalb mit dem Bischof Fisher in den Tower bringen und sehr hart behandeln. M. widerstand >3 Monate allen den vielfachen Versuchen, seine Festigkeit zu brechen; da ließ ihm der König, seines Widerstandes müde und um ihn vollends zu verderben, den Supremateid vorlegen. M. erklärte sich dahin, daß er als Christ keinen weltlichen Oberherrn der Kirche anzucrkcnncn vermöge, und selbst die Bitten seiner in Elend schmachtenden Familie waren nicht im Stande, ihn zu einer Sinnesänderung zu bewegen. Nach einer formlosen, schmählichen Procedur wurde er am 6. Mai >535 zum Galgen verurtheilt, welche Strafe der König in Enthauptung verwandelte. Mit großer Fassung und christlicher Ergebung erlitt er am 6. Juli auf der Plattform des Tower den Todesstreich. M. war einer der hervorragendsten und gebildetsten Geister seiner Zeit. Er besaß eine gründliche Kenntniß in den alten Sprachen und zeigte sich ebenso bedeutend als Politiker, wie als Jurist. Auch trug er außerordentlich zur Cultur der engl. Sprache bei. Seine sämmtlichen Werke wurden zuerst in zwei Bänden hcraüsgegeben, von denen der erste (Lond. >559) die engl, abgefaßlen Schriften, der andere (Löwen 1569) die lat. Werke enthält. Am bekanntesten ist seine in alle Sprachen übersetzte Schrift „De nptüno rePublicse statu, ckegue iiova insula läto- pia" (Löwen >516 und üft.), in welcher er seine jugendlichen Schwärmereien übereinen vernunftgemäßen Staat ausmalt. Eine treue Charakteristik von ihm gibt sein vertrauter Freund Erasmus in den Briefen an Hutten, und sein Bildniß hat Hans Holbein der Jüngere, den er in Dienst nahm, mehrmals gemalt. Sein letzter männlicher Nachkomme war der > 795 gestorbene Thom. More; seine Familie erlosch gänzlich >815 in der Lady Ellcn- bvrough. Ein Urenkel gleiches Namens gab seine Lebensbeschreibung (Lond. >726) heraus. Vgl. Nudhart, „Thom. M." (Nürnb. >829); Mackintosh, ,^I5ie ok 8ir Hiom. 5l." (Lond. >839); der Prinzessin von Cravn „Ikon,. 5l." (2 Bde., Par. >833) und „Thom. M. und sein berühmtes Werk Utopia" (deutsch, mit Einleitung vonÖttinger, Lp;. >846). Morüsi ist der Name einer berühmten Fanariotenfamilie. — Konstantin M., Hospodar der Moldau, wurde des Einverständnisses mit den Russen verdächtig, > 896 von der Pforte abgesetzt, durch Rußlands Einstuß im I. I8>2 wieder eingesetzt, in demselben Jahre aber ermordet. — DemetriosM. war ein Mann von hoher wissenschaftlicher Bildung und voll glühender Liebe für sein Vaterland. Er entwarf einen sehr großartigen 742 Morveau Mosaik Plan für das Unterrichtswesen seiner unterdrückten Landsleute und wußte auch den Divan für denselben zu gewinnen. Im I. >812 war er als Dragoman beim Congreß zu Buka- rescht. Der hier bewiesenen Hinneigung zu Rußland verdächtig, wurde er nach seiner Rückkehr in Schumna, im Lager des Großveziers, von seiner eigenen Ehrenwache getödtet und sein Kopf nach Konstantinopel gesendet, wo man gleichzeitig auch seinen Bruder Bana- jotti enthauptete. — Zwei seiner Neffen waren, als der Aufstand der Griechen ausbrach, im Dienste derPforte; der eine, Konstantin M., als Dragoman, der andere beim Arsenal. Beide wurden bei der allgemeinen Maffacre im I. 1825 umgebracht. Dagegen entkam Konstantin's Gemahlin mit ihren neun Kindern auf einem ragusanischen Schiffe nach Odessa. Sie erhielt später vom Kaiser Alexander eine Pension, und ihre Söhne studirten in Paris. Der eine derselben, Demetrüos M., ist der Verfasser des „Gesanges der Sulioten". Morveau (Louis Bernard Guyton, Baron), ein bekannter Chemiker, geb. zu Dijon am 4. Jan. >737, war Jurist und vor der Revolution Gcneraladvocat beim Parlamente zu Dijon. Als ausgezeichneter Geschäftsmann, als gewandter Redner und durchaus rechtschaffen stand er in allgemeiner Achtung und in Ansehen. Doch nach und nach nahm sein Lieblingsstudium, die Chemie, seine Zeit dermaßen in Anspruch, daß er seine amtliche Stellung aufgeben mußte. Die von ihm in Dijon gegründete Professur der Chemie versah er selbst > 3 Jahre lang. Er war seit > 79 l Mitglied der Nationalversammlung, und später des Convents, wo er für den Tod Lndwkg'S XVI. stimmte. In der Schlacht bei Fleurus stieg er zur Besichtigung der feindlichen Stellung in einem Ballon in die Luft. Im 1.1797 trat er in den Privatstand zurück; nachher wurde er Director der Polytechnischen Schule, deren Mitgründer er gewesen, Mitglied des Instituts und Baron. Nach der Restauration verlor er alle seine Stellen und Würden und starb am 2. Jan. 1816. Besonders bekannt ist er als Erfinder der nach ihm benannten Räucherungen mit Chlor (s. Räuchern) und als Begründer der neuern chemischen Nomcnclatur. Von seinen Schriften erwähnen wir nächst der „Descriptivn «le «es prncecie« tie cIe'«in1eotion"(Par. 1891; deutsch von Pfajs, Kopenh. 1892) die ,Memoire« sur I'öcliieation publique" (Par. 1764) und das „Viclioii- imire 6e cbimie" (Par. 1786). Mosaik oder musivische Arbeit nennt man die Art Malerei, welche aus farbigen oder gefärbten Steinen, Glasflüssen und Marmorstücken, verschiedenfarbigen oder gebeizten Hölzern durch einen Kitt so fein und künstlich zusammengesetzt wird, daß man in einiger Entfernung sie mit dem Pinsel verfertigt glaubt. Wahrscheinlich entstand dieselbe im Morgenlande; ihre Ausbildung aber erhielt sie durch die Griechen, die sie Lithostrokie nannten; zu Sulla's Zeit kam sie aus Griechenland zu den Römern. Unter zahlreichen in Italien und den von den Römern besetzten Ländern ausgegrabenen Mosaiken steht das am 24.Ock. 1831 in der css« 6e1Vmino,- oder in dem Goethe'S-Hause aufgegrabene Schlachtgemälde oben an, welches aus vielen hunderttausend Steinstiften zusammengesetzt, wahrscheinlich die Schlacht des Marcellus mit den Galliern, nach früherer Annahme aber eine Schlacht Aler- ander's mit den Persern, darstellt. Auch nach der Völkerwanderung erhielt sich dieseKunst unter den byzantin. Griechen sowol als in Italien und wurde fortwährend zum äußern und inner» Schmuck der Kirchen angewendet. Durch die aufblühende Frescomalerei von den größer» Wandflächen verdrängt, beschränkte sich das Mosaik seit dem 15. Jahrh. auf kleinere Prunkwerke und wurde nur noch ausnahmsweise im Großen angewendet; z. B. in der innern Kuppel der Peterskirche, die Clemens VIII. zu Anfänge des 17. Jahrh. mit solcher Arbeit schmücken ließ. Eiambattista Calandra verbesserte die Mosaik durch Erfindung eines neuen Kitts. Er und mehre nachfolgendeKünstler wendeten sie an, Originalgemälde berühmter Meister, z. B. Gucrcino's Marter der heil. Petronilla und Domeni- chino's Abendmahl des sterbenden heil. Hieronymus, zu copiren und dadurch in ihrer ursprünglichen Frijche und Schönheit zu verewigen, da eine fast unverwüstliche Dauer dieser Art Gemälde einer ihrer größten Vorzüge ist. Eine eigene Kunstschule in Mosaik wurde zu Nom im Anfänge des 18. Jahrh. von Pietro Paolo Christophoris üngelegt und es hat dieselbe für Hebung dieser Kunst nicht wenig beigetragen. Eine der kolossalsten Mosaiken der neuern Zeit ist das in der Größe des Originals ausgeführte Abendmahl des Leonardo da Vinci, das sich gegenwärtig in Wien befindet. Besonders berühmt sind gegenwärtig Mosaisches Recht Moscati 743 zwei Arten von Mosaik, das römische und das flsrentinische. Ersteres wird aus Steinen und Glasflüssen zusammengesetzt, sodaß man jede beliebige Schattirung und Nuance Hervorbringen und das Colorit von Gemälden vollkommen erreichen kann; das flsrentinische dagegen wird aus lauter harten Steinen (zum Theil Halbedelsteinen, euch Perlen) verfertigt, ist deshalb ungleich mühsamer und wird nur selten zu Gemälden, sondern mehr zu Tischplatten u. dgl. benutzt. Das Mosaik in Holz nennen die Italiener Tansia oder Tcrsia, die Franzosen Marqueterie. Auch das Holzmosaik war schon den Alten bekannt und wurde durch Filippo Brunelleschi und Giuliano da Majano im Anfänge des 15. Jahrh. wiederhergestellt. Namentlich fertigte Letzterer in verschiedenen Kirchen Italiens mit Ginsto und Minore viele von farbigem Holz eingelegte Arbeit, wobei ihn seine Schüler Guido dcl Servellino und Dominica di Mariotto unterstützten. Die vollendetsten Arbeiten aber in der Holzmosaik lieferte Benedetto da Majano im > 5. Jahrh., und der etwa spätere Giovanni da Verona, 1469—1537, ein Schüler Brunelleschi's. Auch im >7. Jahrh-wurden sehr schöne Holzmosaiken ausgeführt, z.B. Holztapeten für den Prinzen Karl von Lothringen zu Neuwied, welche den Sabinerinnenraub vorstellten. Das mechanischc Verfahren bei dem röm. und flvrentin.Mosaik ist folgendes. Auf einen Grund von starken zusammengeklammertcn Plattsteinen, der von einem starken Nahmen eingeschlossen ist, wird ein Kitt dick aufgetragen. In diesen weichen Kitt werden die Steine, Marmorstücke oder Glasflüsse, der a uf demselb en vorge^eichneten Figur gemäß, genau nach dem zu copirenden Gemälde eingesetzt, un^iffder Kitt allmcklig verhä rtet, so wird die Arbeit pvlirt. Durch Rauch, Schmu; oder sonst unscheinbare oder verdorbene Mosaiken kann man abschleifen, um sie wieder in ihrer ursprünglichen Schönheit zu erhalten. Auch kann man die Mosaiken mehrmals quer durchsägen, um sie zu vervielfältigen. Eine deutsche Art Mosaik- malcrci erfand 1819 Franz Laver Fernbach, geb. zu Waldkirch im Breisgau. Auch gehören bierher die Mosaiken aus Moos und die Arbeiten der Gebrüder Catcl in Stuck. Mosaisches Recht oder Mosaische Gesetzgebung heißt der Inbegriff der Gesetze und Rechte, welche in den dem Moses (f. d.) beigelegten Schriften enthalten sind. Die Verbindlichkeit des Mosaischen Rechts ist nach Erlöschung des jüd. Staats keine vollkommene mehr. Selbst die Juden sind an dasselbe nicht durchaus, sondern nur in religiöser und ccremonicllcr Hinsicht gebunden. Die christlichen Staaten haben nur einzelne Vorschriften des Mosaischen Rechts, namentlich in Betreff der Ehe und der verbotenen Trade, beibehaltcn. Vgl. Michaelis, „Mosaisches Recht" (6 Bde., Franks. 1775—1893). Mosaisk, s. Moshaisk. Mosaismus, s. Judenthum. Moscäti (Pietro Graf), ein berühmter Arzt und Staatsmann zu Mailand, geb. 1738, machte in seiner früher» Lebensperiode hauptsächlich dadurch Aufsehen, daß er die Ideen Nousseau's, selbst dessen Ansicht vom Naturzustände', mit Eifer erfassend, in einer eigenen Schrift mit allen Gründen der Anatomie und Physik zu beweisen suchte, wie der Mensch von der Natur bestimmt sei, nicht auf zwei, sondern auf vier Füßen zu gehen. Ein eifriger Patriot, hatte er beim Ausbruch der Revolution, für die er sich sehr lebhaft interessirte, manche Verfolgungen zu erdulden, doch 1798 wurde er einer der Directoren und bald darauf Präsident der Cisalpinischen Republik. Nach dem Einrücken der Russen und Östrcicher im I. 1799 verhaftet, brachte ihn der Umstand, daß er bei einer Krankheit des Erzherzogs Karl zu Nathe gezogen wurde, wieder in Freiheit. Nach der Schlacht bei Marengo trat er von neuem in den Staatsdienst ein und wurde zu der Consulta in Lyon beschicken, durchweiche Napoleon im Jan. >892 die Cisalpinische Republik in die Italienische verwandelte. Auch gehörte er zu den Mitgliedern derStaatsconsulta,dic im März > 895 zu Paris dem Kaiser Napoleon die ital. Königskrone antrug. Hierauf wurde er Generaldircctor des öffentlichen Unterrichts, Senator des Königreichs Italien, Mitglied des ital. Instituts, Präsident der ital- Akademie und Graf. Er stand bei Napoleon, wie bei dem Vicekönig Eugen in hohem Ansehen. Als Senator versuchte er im I. 1814 seinen ganzen Einfluß geltend zu machen, um die Erhebung des Letzter» auf den Thron vonJtalien durchzusetzen. Die letzten Jahre seines Lebens brachte er außer aller öffentlichen Tbätigkeil zu. Er starb zu Mailand am 19. Jan. >824. M. war ein sehr edler Charakter; seine hohe 744 Moschee Moschelcs Stellung und seinen Reichthum benutzte er, Wissenschaften und Künste zu unterstühen. Sein Haus mit reichen Sammlungen von Instrumenten, anatomischen Präparaten und Bildungsmitteln aller Art stand jedem Freunde der Wissenschaft offen, und seinen Freunden und Bekannten diente er selbst in der Periode seiner glänzendsten Stellung als Arzt. Moschee, entstanden aus dem arab. IVleclseliitl, d.h. Anbetungsort, ist der Name für die mohammedan.Bethäuser. Etwas Charakteristisches der Moscheen in ihrer Bauart find die Kuppeln und noch mehr die etagenwcise aufsteigenden, mit Halbmonden an der Spitze gezierten Thürme, Minarets genannt, von denen herab ein meist blinder Ausrufer die Eebetzeit verkündet. Übrigens sind sie meist viereckige Gebäude mit Vorhäfen, wo Brunnen zu Waschungen sich befinden. Im Innern bilden Arabesken und an die Wand geschriebene Sprüche des Koran die einzige Ausschmückung; Bilder fehlen ganz. Der Boden ist meist mit Teppichen oder Matten belegt; Sitze gibt es nicht. Im Südosten befindet sich eine Art Kanzel für den Imam und in der Richtung, wo Mekka liegt, eine Art Wandschrank mit dem Koran, wohin die Betenden ihren Blick zu richten haben. Die größer» Moscheen, in welchen der feierliche Freitagsgottesdienst abgchalten wird und in der Türkei die öffent- liche Fürbitte für den Großherrn stattfindet, heißen Dschamis. In der Regel dürfen nur Bekenner des Islam die Moscheen betreten; doch ist man in der Türkei und den von ihr abhängigen Ländern, sowie in Ostindien schon längst in dieser Beziehung weniger streng. Mit größer!» Moscheen sind Medressen, d. h. Schulen, Jmarets, d. h. Hospitäler, auch wol öffentliche Küchen, in denen Armen gekocht wird, verbunden, und ihre Einkünfte beziehen die Moscheen von Grundstücken, die dafür große Vorrechte genießen. Mofchkles (Ignaz), einer der berühmtesten Pianofortespieler und beliebter Com- ponist für das Pianoforte, der Sohn eines israclit. Kaufmanns, wurde zu Prag am 30. Mai l794 geboren. Da er schon in früher Jugend große Neigung für die Musik zeigte, so übergab ihn sein Vater l 804 dem Unterrichte Friedr. Dionys Weber's, unter desscnLei- tung sich sein Talent auf daS Glücklichste entwickelte. Im I. 1808 ging er nach Wien, wo er in Albrechtsberger einen vortrefflichen Lehrer und in Salieri einen väterlichen Rathgeber fand. Zu seiner weitern Ausbildung trug der Wetteifer mit andern großen Clavierspielern hier nicht wenig bei. Nach mehren Kunstreisen, z. B. in das nördliche Deutschland in den 1.1816 und 1817, ging er 1820 über Holland und Frankreich nach England, wo er durch seine überraschende Kraft und Bravour, seinen feurigen, glänzenden Vortrag, seine interessanten cffectreichen Compositionen und vor Allem durch sein glänzendes Talent, frei zu phantasiren, überall große Bewunderung erregte. Zwar kehrte er 1823 nach Deutschland zurück, wo er in München und Wien auftrat; doch schon > 825 ging er wieder nach London, wo er seitdem seinen bleibenden Aufenthalt nahm und Professor der Musik an der Akademie wurde. Dabei machte er jedoch von Zeit zu Zeit größere Kunstreisen, namentlich nach Frankreich j-sbkM' nochän nettester Zeit durch Deutschland. Die mechanische Vollendung im Pianofortespiel, welche M. als Mittel seiner Kunstübung so unvercückt im Auge hat, zeigt sich bei ihm nach zwei Seiten hin gleich groß; nämlich ebenso sehr im Glänzenden und Gewaltigen als im Hervorbringen des Zierlichsten und Niedlichsten, und die Kraft und Präcision seines Spiels machen dasselbe für beide Arten gleich geeignet. Weniger gelingt ihm das gehaltene, singende Adagio, und das Sentimentale scheint ihm fremd zu sein. Er ist originell in Passagen, und die Bildung derselben ist häufig der Mittelpunkt seiner freien Phantasien, die darum auch zum großen Theil die Gestalt von Va- riationen annehmen. Mit Hummel und Kalkbrenner theilte er die größte Meisterschaft im Pianofortespiel, bis Liszt, Henselt, Thalberg und andere neuere Virtuosen auftra- ten. Seine Compositionen, gleich trefflich durch Erfindung wie durch solide und kunstreiche Ausführung, gehören mit denen von Hummel zu den gediegensten Virtuosen- werken, welche die wiener Schule hervorgebracht hat. Von den früher« sind neben den beliebten Alexandersvariationen anzuführen: die Sonate, welche er Beethoven gewidmet hat, die 8ovste melaucvligue, ein Sextett mit Pianoforte, die Me^ri Ol bravura, ein vierhändiges Rondo und eine vierhändige Sonate, die brillanten Variationen über das Thema „4u clair cks 1a lune" und „llalli? et aujoni<1'imi", und seine „Ltuckes", durch die er sehr wesentlich auf die Entwickelung des Pianofortespiels eingewirkt hat; unter den 745 ' L - .'-K-V - -'-^Ä^S'". Moscherofch Mosel neuern eine zweite Sammlung von,Müdes" und eine große vicrhändige Sonate, die aber noch nicht im Druck erschienen ist. Concerte für Pianoforte hat er eine ganze Reihe geschrieben; die vorzüglichsten sind das in 6-moII und nächst diesem das in Ls-ilur. M. ist ganz gegen die Sitte der meisten altern Künstler stets den Fortschritten der Zeit nicht allein mit Interesse gefolgt, sondern hat auch denselben einen lebendigen Einfluß auf seine Werke gestattet, wodurch diese hin und wieder einen mehr eklektischen Charakter erhalten haben. Moscherosch (Hans Mich.), eigentlich Mosenro sch, einer der vorzüglichsten deutschen Schriftsteller des >7. Jahrh., stammte von einer aragones., unter Karl V. nach Deutschland gekommenen Adelsfamilie. Unrichtig ist die Angabe, daß sein Name eine Übersetzung von „Kalbskopf" sei. Er wurde am 5. März 166» zu Wilstädt in der Grafschaft Hanau-Lichtenberg (im Badischen) geboren, wo sein Vater Prediger war, und studirte zu Strasburg die Rechte. Nachdem er einige Jahre Hauslehrer bei dem jungen Grafen von Leiningen-Dachsburg gewesen, erhielt er 1628 eine Anstellung als Amtmann bei dem Grafen von Krichingen und wurde 1636 Amtmann bei dem Herzoge Ernst Bogislaus von Croy zu Vinstingen. Hier verlor er in Folge der Kriegsunruhen sein ganzes Eigenthum und mußte nach Strasburg flüchten. Hierauf war er eine Zeit lang schweb. Kriegsrath. Seit 1656 als Rath in Diensten des Grafen Friedrich Kasimir von Hanau angestellt, erhielt er in der Folge das Präsidium bei der Kanzlei, der Kammer und dem Consistorium zu Hanau. Er starb zu Worms am 4. Apr. 1669. M. war seit >615 Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft, in wellMr'spden Beinamen des Trä umen den führte; als Schriftsteller nannte er sich Philander von Sittewald. Sein Hauptwerk ist „Wunderliche und wahrhafte Gesichte Philander's von Sittewald, d. i. Strafschriften Hans Michael Moscherosch's von Wildstädt, in welchen aller Welt Wesen, aller Menschen Händel mit ihren natürlichen Farben der Eitelkeit, Gewalt, Heuchelei und Thorheit bekleidet, öffentlich auf die Schau geführt, als in einem Spiegel gestellt und gesehen werden u. s. w." (2 Bde., Strasb. >656). Dasselbe besteht aus 14 allegorisch-satirischen, zuerst einzeln gedruckten Traumbildern, die die verschiedensten Gebrechen der Zeit mit seltener Lebendigkeit und Anschaulichkeit geißeln; für die gegenwärtige Zeit wird ihr Werth gemindert durch die mit viel todter Gelehrsamkeit und fremden Wörtern ausstafsirte Sprache. Die leydener Ausgabe (7 Bde., 1646—47, 12.) enthält sehr viele unechte Zusätze. M. hat zwar die Idee zu seinen „Gesichten" dem Spanier Quevedo zu danken, dieselbe aber in durchaus eigen- thümlichcr Weise benutzt. Übrigens ist er nicht zu verwechseln mit seinem Bruder Quiri- nusM., der unter dem Namen Philander Mitglied des Hirten-und Blumenordens ander Pegnitz war und 1673 ein „Poetisches Blumenparadies" herausgab. Moschus, ein griech. Jdyllendichter aus Syrakus im 3. Jahrh. v. Chr., war, wie sein Zeitgenosse Bion (s. d.), ein Nachahmer des Theokrit (s. d.), den er jedoch durch Schmuck zu überbieten suchte. Die von ihm noch vorhandenen Poesien sind mehr episch - mythische und zum Theil elegische Schilderungen und hymnische Darstellungen als wahre Idyllen, die kleinern Gedichte aber epigrammatische Lieder und poetische Tändeleien. Meist finden sie sich an den Ausgaben des Bivn und Theokrit. Moschus und Moschusthier, s. Bisamthier. Moscovade, s. Zucker. Mosel (franz.iVloseile), cinNebenfluß des Rhein, entspringt in Frankreich am Berge Drnmont in dem Vogesengebirge, nahe bei der Quelle der südlich fließenden Saone, wird bei Pont-ä-Mouffon schiffbar und ergießt sich bei Koblenz in den Rhein. Sie durchfließt die franz. Departements der Vogesen, der Meurthe und der Mosel, einen Theil des Herzogthums Luxemburg und die preuß. Nheinprovinz, berührt die Städte Epinal, Toul, Metz, Thionville und Trier, und nimmt auf ihrer linken Seite unterhalb Nancy die Meurthe, bei Metz die Seille und unweit Trier die Saar, auf der rechten Seite oberhalb Thionville die Orne und oberhalb Trier die Sure oder Sauer auf. Die Länge ihres Laufs, den sie erst in nordwestlicher,'dann in nördlicher, und von Thionville in nordöstlicher Richtung nimmt, beträgt gegen 86 Meilen. Die Schiffahrt auf ihr ist zwar wegen der Krümmungen, die sie besonders zwischen Trier und Koblenz macht, sehr langwierig und wegen der gefährlichen Stellen am Müdenloch, am Sommerloch und an den Felsen bei Briedern und Alfs sogar 746 Mosellanus Mosen gefährlich, aber dennoch für den Nheinhandel von großer Wichtigkeit. Die Moselschiffe, ^ Traubertcnkähne und Bohrnachen genannt, sind äußerst stark gebaut mit platten engen Böden, vorn spitz und hinten rund; sie haben gewöhnlich 80 F. Länge und 20 F. Breite und tragen in der Regel eine Last von 600— 1000 Ctr. Die Haupthandelsgegenstände, welche die Mosel herab in den Rhein geführt werden, sind Dachschiefer, Holz, Holzkohlen, Kalk, Apothekerwaaren, Liqueurs, Steinkohlen, Gyps, Pottasche, Salz, Lohrinde, GlaS- waaren, Schleifsteine, franz. und vor Allem Moselweine; aus dem Rhein gehen in die Mosel namentlich Stahl, Eisen, Kupfer, Blei, Zinn und Colonialwaaren. Die Ufer der Mosel sind von Trier bis Koblenz äußerst malerisch, und insbesondere gewährt die Gegend von Trarbach die schönsten, mannichfaltigstcn Ansichten. Unter den Alten besang die Mosel der Dichter Ausonius (s. d.). Vgl. Klein, „Beschreibung des Moselthals" (Kvbl. >831) und „Moselreise von Trier bis Koblenz" (3. Ausl., Kobl. 1836). Mosellanus (Petrus), eigentlich Schade, einer der Beförderer der klassischen Studien im Zeitalter der Reformation, war zu Proteg an der Mosel im Trierschen im I. >403 geboren und unter 14 Kindern das jüngste. Sein Vater, ein Winzer und Kleinhändler, wollte ihn studiren lassen, starb aber, und M. sah sich nun selbst überlassen. Auf der Schule zu Köln erwarb er sich tüchtige Kenntnisse im Griechischen und Lateinischen; dann ging er Nach Leipzig, wo er namentlich an dem Professor Kasp. Börner einen bedeutenden Gönner fand. Auf Anräthen desselben wiktvc erHmächst >5 Ir Lehrer an der neugestifteten Schule zu Freiberg- jedoch noch in demselben Jahre von Herzog Georg von Sachsen als Professor der griech. und lat. Sprache an der Universität zu Leipzig angestellt. Hier starb er bereits am >9. Apr. 1524. Er stand mit Erasmus, Melanchthon, Eobanus Hes- sus, Camerarius und Micyllus in enger Freundschaft. Sein Hauptbemühen war dahin gerichtet, die gelehrten Schulen zu verbessern und die Wissenschaften in größere Aufnahme zu bringen. Vgl. Köhler, „ketri Ulasellani memoria" (Lpz. 1 805). , Mosen (Jul.), eigentlich Moses, aber christlicher Herkunft, ein bekannter deutscher Dichter, ist in Marien«, einem Dorfe des sächs. Voigtlandes, am 8. Juli >803 geboren. Von seinem Vater, dem Schullehrer des Orts, einem humoristischen, geistig belebten Manne, vorgebildet, besuchte er das Gymnasium zu Plauen und seit 1822 die Universität zu Jena, wo er die Rechte studirte. Im I. 1824, im Begriff nach Leipzig zu gehen, verlor er seinen Vater, welcher Verlust drückende Sorgen für ihn und seine Familie zur Folge hatte. Dennoch ermöglichte er es, mit einem Freunde eine Reise durch Tirol nach Italien zu machen, von der er >826 zurückkchrte. Hierauf vollendete er in Leipzig sein Fachstudium und bestand 1828 die juristische Prüfung. Nachdem er sich einige Jahre in seiner Heimat bei einem Sachwalter in praktischen Arbeiten geübt hatte, ging er nach Leipzig und 1831, nach erlangter Advokatur,> als Aktuar an das Patrimonialgericht Kohren. Als das Patri- monialgericht 1834 an den Staat überging, wendete er sich nach Dresden, wo er als Advocat thätig und als Armenadvocat angestellt, in freundlichen Verhältnissen einen immer höher» Aufschwung nahm, bis er 1844 mit dem Titel als Hofrath einem Rufe als Dramaturg an das Hoftheater in Oldenburg folgte. M. trat als Dichter zuerst auf mit dem auf eine ital. Sage gegründeten „Lied vom Ritter Wahn" (Lpz. 1831); geistig hiermit verwandt war sein „Ahasver" (Dresd. und Lpz. >838). Beide Gedichte waren aber zu sehr aus des Dichters subjektivem Geisteszustände hervorgegangen und nur auf dem Wege der Allegorie zur dichterischen Anschaulichkeit gestaltet, als daß sie einen wahrhaft epischen Charakter an , sich tragen und eine bedeutende Wirkung hätten Hervorbringen können. Ungleich mehr ging er aus sich heraus in seinen „Gedichten" (Lpz. >836; 2. Ausl., 1843), von denen „Andreas Hofer" und „Die letzten Zehn vom vierten Regiment" ganz ins Volk übcrgegangen sind. Als Novellist trat er auf mit „Georg Venlot" (Lpz. >831), welche Novelle durch die Julircvo- lution angeregt, ihn zuerst der Außenwelt und dem Völkcrleben zuführte, dem er in seinem „Kongreß von Verona" (2 Bde., Lpz. 1842) ein Meisterwerk widmete. Seine „Novellen" (Lpz. 1837), denen sich seine „BlaueBlume" in der Urania (1840) anschließt, sind großen- theils idyllische Naturgemälde, theilweise in das Phantastisch-Märchenhafte überspielend, ohne letzteres hinreichend mit dem realen Boden, auf den es gestellt ist, zu verschmelzen. Seine neueste Entwickelungsstufe seit 1836 ist bezeichnet durch seine Dramen „Heinrich ^ Mofengett Moser 747 l der Finkler", „Cola Nienzi", „Die Bräute von Floren;", „Kaiser Otto M." und das Lust- spiel „Die Wette". Den größten Fortschritt unter denselben beweist das Drama „Otto II!.", welches zwar manchen Angriff, doch überwiegenden Beifall bei den Darstellungen in Dresden und Leipzig fand. Geschickte Anlage, lebendiger Fortschritt der Handlung, wahrhaft poetische Behandlung der Sprache sind diesen Arbeiten allen eigen; doch hat es dem Dichter an praktischer Bühnenkenntniß gefehlt. Übrigens zeichnen sich alle seine Dichtungen, abgesehen von den formellen Vorzügen, durch geistigen Gehalt und Gesinnung aus. Mosengeil (Friedr.), ein beliebter deutscher Erzähler, geb. am 26. Mär; l 773 in Schönau unweit Eisenach, wo sein Vater Pfarrer war, studirte in Jena Theologie und war dann Lehrer an der von Cotta in Zillbach begründeten Forstschule, bis er nach dem Wunsche seines Vaters, der inzwischen Pfarrer in Frauenbreitungen geworden war, dessen Amks- gehülfe wurde. Sieben Jahre später, im I. 1865, übertrug ihm die verwitwete Herzogin von Sachsen-Meiningen die Erziehung ihres einzigen Sohnes, des Herzogs Bernhard Erich Freund, den er später auch auf die Universitäten nach Jena und Heidelberg und auf seinen Reisen nach der Schweiz, Oberitalien, Belgien, Holland und Frankreich begleitete. Nach dem Regierungsantritte des Herzogs im J. 1821 erhielt er die ihm bestimmte Stelle im Konsistorium zu Meiningen, der er bis zu seinem Tode am 2. Juni 1839 Vorstand. Seine Erzählungen, die verdienten Beifall fanden, vereinigte er später in den Sammlungen „Liebenstein und die neuen Arkadier ll/2.Aull., Krankst 182 07/^ Reisegefährten" (3 Bde., Franks. 1825—28); „Drei Freunde auf Reisen" (3 Bde., l^^LM^Sommerabcndstun- den" (2 Bde., Hildburgh. 1831). Nirgend ist seine Absicht blos aufflüchtige Unterhaltung, sondern immer auch auf sittliche Anregung zum Guten, Wahren und Schönen gerichtet. Das Andenken seines Jugendgespielen Ernst Wagner ehrte er durch eine Sammlung der Werke desselben (12 Bde., Lpz. 182-t — 28) und die „Briefe über den Dichter Ernst > Wagner" (2 Bde., Schmalk. 1826). M. war eine durchaus reine und milde Natur; in seltenem Maße besaß er die Gabe der freien Rede. Noch ist zu bemerken, daß er sich zuerst unter den Deutschen mit Stenographie beschäftigte und auch während seines Aufenthalts in Zillbach ein Büchelchen darüber schrieb (3. Aufl., Jena 1819). Moser (Joh. Jak.), einer der fruchtbarsten Publicistcn Deutschlands, geb. zu Stuttgart am 18. Jan. 1701, besuchte das Gymnasium daselbst und bezog >717 die Universität zu Tübingen, wo er 1720 außerordentlicher Professor der Rechte wurde. Da er hier nicht viel Beifall fand, so ging er 1721 mit dem Charakter eines herzoglich würtem- berg. Regierungsraths nach Wien, wo er an dem Neichsvicckanzler, Grafen von Schönborn, einen vorzüglichen Gönner fand. Da jedoch derselbe ihm zu keiner Anstellung verhelfen konnte, weil er nicht katholisch werden wollte, so kehrte er nach dem Vaterlande zurück, verließ dasselbe aber bald wieder, weil man ih n Hür einen Spiou des ka^ rlicken Hofs ansah, und ging aufs neue nach Wien. Nachdem eine nochmalige Reise nach Würtemberg ihn überzeugt, daß daselbst für ihn nichts zu hoffen sei, wendete er sich >725 ganz nach Wien. Weil aber das würtemberg. Ministerium von seinem Aufenthalte zu Wien nachtheilige Folgen für das Land besorgte, so wurde er 1726 als wirklicher Regierungsrath nach Stuttgart berufen und 1727 ordentlicher Professor der Rechte bei dem fürstlichen Collegium in Tübingen. Aus Arger über mancherlei Anfechtungen von Seiten seiner College» legte er nach wenigen Jahren seine Stelle nieder; allein schon l 733 wurde er von dem neuen Herzoge, Karl Alexander, in seine frühere Negierungsrathsflelle wieder einge- ' setzt, welche er 1736 mit der eines preuß. Geh, Raths, Directors der Universität und Ordinarius der Juristenfacultät zu,Frankfurt an der Oder vertauschte. Verschiedene Verdrießlichkeiten, besonders über eine vom König angeordnete burleske Disputation, bewogen ihn, 1739 auch diese Ämter niederzulegen. Hieraus lebte er zu Edcrsdorf im reußischen Voigtlande, bis die Ausbreitung der herrnhutischen Sekte, welche ihn und seine Familie vom Abendmahl ausschloß, ihn von hier vertrieb, worauf er 1747 die vom Landgrafen zu , Hessen-Homburg ihm angebotene Stelle als Geh. Rath und Chef der Kanzlei annahm. Doch wegen des Widerstandes, den er hier in der Ausführung seiner Kameral- und andern Grundsätze erfuhr, nahm er auch hier nach kurzer Zeit seine Entlassung und lebte seit 17 49 zu Hanau, wo er für junge Leute eine Staats - und Kanzleiakademie anlegtt. Nur der 7-18 Möser Ruf, den er l75l als Landschaftsconsulent in sein Vaterland erhielt, konnte ihn vermögen, dieselbe aufzugcben. Als hier zwischen dem Herzog und den Landständcn allerhand Jrrun- gen und Streitigkeiten entstanden, ließ ihn dieser, als den angeblichen Verfasser der wider den Herzog gerichteten Schriften 175V in sehr harten Festungsarrest nach Hohentwiel bringen, und ohne ein einziges Mal verhört worden zu sein, wurde er erst >764 auf Befehl des Neichshofraths freigegeben. Hierauf begab er sich wieder nach Stuttgart, wo ihn der Herzog nicht nur für schuldlos erklärte, sondern auch als Landschaftsconsulenten wieder einsetzte; doch nahm M. seitdem wenig und seit 1770 gar keinen Antheil mehr an den Geschäften, sondern verlebte den Rest seiner Tage größtentheils unter schriftstellerischen Arbeiten. Er starb am 30. Scpt. 1785. M.'s vielfache Erfahrungen, ausgebreitete Geschäfte und weitläufige Verbindungen gaben ihm einen sichern praktischen Blick, der gegen die schwankenden Theorien früherer Staatsrechtslehre! vortheilhaft abstach. Durch diesen, sowie durch seinen Sammlerfleiß, seine Freimüthigkeit, Gradheit und Ordnungsliebe gab e> seinen Schriften einen Werth, welcher ihn einer rühmlichen Stelle in der Geschichte des deutschen Staatsrechts würdig macht, wenngleich ihm Tiefe und Fülle der Gedanken, Scharfsinn und eigentliche juristische und historische Gelehrsamkeit abgingen. Ganz vorzüglich verdient es aber Bewunderung, daß ihn mitten im Gewühle der verschiedenartigsten Geschäfte der fromme kindliche Sinn nicht verließ, den er bei allen Vorfällen seines Lebens so unverkennbar äußerte. Sein Fleiß war in der That staunenerregend; die Zahl aller sei- ner, jetzt freilich veralteten und zum Theil unbrauchbar gewordenen Schriften beträgt über 400; wir erwähnen davon das „Deutsche Staatsrecht" (50 Bde., nebst 2 Bdn. Supplementen und 1 Bd. Register, Nürnb. 1737—54, 4.), „Neues deutsches Staatsrecht" (21 Bde., Stuttg. und Franks. 1761—75, 4.), „Deutsches Staatsarchiv" (13 Bde., Hanau und Franks. 1751—57, 4.), „Grundriß der heutigen Staatsverfassung von Deutschland" (neue Ausg., Tüb. 1754) und seine Schriften über das positive europ. Völkerrecht, welches er zuerst in ein System brachte. Auch lieferte er seine eigene Lebensbeschreibung (4 Bde. ; 3. Aufl., Franks, und Lpz. 1777—83), in welcher besonders die Erzählung, wie er sich während seiner Haft die Zeit zu vertreiben suchte, sehr anziehend ist. — Sein Sohn, Friedr. Karl von M., geb. zu Stuttgart am 18. Dec. 1723, der sich ebenfalls als Schriftsteller über das Staatsrecht durch seine mit großer Kenntniß der Staatsverhältnisse verbundene Freimüthigkeit auszeichnete, war mehre Jahre Reichshofrath in Wien, dann Geh. Rath und Minister in Hessen-Darmstadt, wo er indeß 1780 plötzlich entlassen wurde. Seitdem privatisirte er an mehren Orten und starb zu Ludwigsburg 1708. Unter seinen ebenfalls zahlreichen Schriften nennen wir die „Kleinen Schriften zur Erläuterung des Staats-und Völkerrechts" (12 Bde., Franks. 1751—65), „Sammlung von Reichshof' rathsgutachten" (6 Bde., Franks. >752—54), „Sammlung der wichtigsten Deduktionen in deutschen Staats- und Rechtssachen" (9 Bde., Ebersdorf 1752—64), „Patriotisch! Gedanken von der Staatssreigeisterei" (1755), „Der Herr und der Diener" (1759), „Reliquien" (1767), „Patriotisches Archiv" (12 Bde., Franks, und Lpz. 1784 — 09), „Neues patriotisches Archiv" (2 Bde., Manh. 1702—94), „Geschichte der Waldenser" (Zür. 1708) und „Luther's Fürstenspiegel" (neue Ausg. von Meyer, Franks. >834). Möser (Justus), ein geistreicher Staatsmann, mit Recht Deutschlands Franklin genannt, wurde am 14. Dec. >720 zu Osnabrück geboren, wo sein Vater Kanzleidirector und Consistorialpräsident war, und studirte 1740 — 42 zu Jena und Güttingen die Rechtswissenschaft. Doch das wichtigste Studium für seinen Beobachtungsgeist war das menschliche Leben selbst. Zugleich bildete er seinen Geschmack durch das Lesen der engl., franz. und ital. Classiker. Als Sachwalter nahm er sich mit Wärme der unterdrückten Unschuld an; er allein widerstand der Willkür des damaligen Statthalters von Osnabrück. Das Vertrauen seiner Mitbürger erhob ihn daher >747 zu der wichtigen Stelle eines v»c-rtm> patriae; auch ernannten ihn die Landstände zum Secretair und zum Syndicus der Ritterschaft. Sein edler Charakter bewährte sich vorzüglich in den Drangsalen des Siebenjährigen Kriegs, wo er durch weise und redliche Thätigkeit seinem hartbedrängtcn Vaterlande bei der Erhebung der Kriegslasten bedeutende Summen ersparte. Überall im bürgerlichen Geschästsleben sah er klar den inner« Zusammenhang des Zwecks und der Mittel; 749 Moses allein er dachte nicht blos, sondern arbeitete auch mit beharrlichem Eifer als Staatsmann, und sein edles Herz erhielt ihn stets auf der Hohe des Weltbürgers und Menschenfreundes. Er war seit der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs wol der erste deutsche Staatsmann, der es ungescheut aussprach, daß Wahrheit und Redlichkeit auch im Staatsleben erste Pflicht seien. Er war 20 Jahre hindurch, während der Minderjährigkeit des Herzogs Friedrich von Aork, der als protestantischer Bischof 1763 Osnabrück erhielt, zwar nicht dem Titel nach, aber in der That der erste Nathgeber des Regenten. Er diente zugleich dem Landesherrn und den Ständen, deren beider Vortheil nicht immer ein und derselbe war. Allein sein ausgezeichnetes Talent, seine gründliche Eeschäftskcnntniß und sein Fleiß, verbunden mit unerschütterlicher Redlichkeit, Billigkeit und Uneigennüßigkeit, führten ihn gerade und tadelfrei durch alle Collistonen hindurch. Von 1762 an Justitiar beim Criminalgerichte in Osnabrück und, nachdem er diese Stelle l768 niedergelegt, bis zu seinem Tode als Geh Referendar bei der Negierung angestellt, nahm er nur auf wiederholtes Verlangen der Negierung 1783 den Titel eines Geh. Justizraths an. Erstarb am 8. Jan. 1794. Sogroßsein Nus in seinem Wirkungskreise war, so liebenswerth erschien er in dem engern Kreise des Hauses und der Gesellschaft. Er war ein großer, stark und ebenmäßig gebauter Mann. Schon durch sein Äußeres flößte er Achtung ein. Sein Gang war fest und sicher; sei» Wesen ernst und freundlich; sein Gesicht treuherzig und klug, nicht ohne Würde, ausdrucksvoll und Zutrauen einflößcnd. Krankhcitszufä lle wollte er durch Ruhe besiegen,' indem er der Meinung war, daß die Natur selbst das Übel niederkämpfe und deshal b nicht gestört werden dürfe. Erst in seiner letzten Krankheit erkannte er seinen Jrrthum; als er die Nähe seines Todes fühlte, sagte er mit Gleichmuth: „Ich habe den Proceß verloren!" Ohne Schriftstellerruhm zu suchen, fand er.ihn durch seine gründlichen, geistreichen und beredten Schriften. Mit Sachkunde, Hellem Weltblick, aus warmer Brust und mit unerreichbarer Laune schrieb er über Fehler und Verbesserung der Sitten, über öffentliche Anstalten, über Geschichte, Staats- und bürgerliches Recht, und sowol der innere Gehalt seiner Schriften als seine eigenthümliche Schreibart sichern ihm unter den deutschen Prosaisten eine der ersten Stellen. Seine „Osnabrückische Geschichte" (2 Bde., Osnabr. 1768; 2. umgearb. Aufl., Berl. 1780; 3. Aufl., 1820), die bis zum 1.1192 reicht, ist voll von scharfsinnigen und cindringenden Bemerkungen, die über die ältere deutsche Geschichte manchen Aufschluß geben, und in ihr ist ein Muster für fruchtbare Behandlung vaterländischer Specialgeschichten gegeben. Den dritten Theil dieses Meisterwerks, mit Urkunden, gab aus des Verfassers handschriftlichem Nachlasse Herbart von Bar (Berl. 1824) heraus. Ein wahres Nationalwerk sind seine „Patriotischen Phantasien" (1775 — 86; 3. Aufl. von seiner Tochter I. W. I. von Voigt herausgegeben, 4 Bde., Berl. 1804). Sie entstanden aus den Jntelligenzblättern, welche M. von 1766—82 für Osn abrück schr ieb, u m die Einwoh- ner mit den Angelegenheiten des Vaterlandes auf eine zweckmäßige Weise bekannt zu machen. Auch M.'s „Vermischte Schriften", die Fr. Nicolai nebst dessen Lebensbeschreibung herausgab (2 Bde., Berl. 1.797—98), enthalten zahlreiche Beweise seiner Menschenkennt- niß und seiner gesunden Laune, z.B. „Harlekin oder Vertheidigung des Groteskkomischen" (gegen Gottsched) und „Über die deutsche Sprache und Literatur" (gegen Friedrich ll.). Ein Trauerspiel „Arminius", 1748 geschrieben, folgt noch ganz der Eottsched'schen Schule und wurde deshalb bald vergessen. Eine vollständige Ausgabe seiner „Sämmtlichen Werke" (l 0 Bde., Berl. 1842—43) hat B. R. Abeken besorgt. Ein ehernes Standbild wurde ihm am 12. Sept. 1836 in seiner Vaterstadt errichtet. Moses, der Heerführer und Gesetzgeber der Israeliten, wurde um 1600 v. Ehr. in Ägypten geboren, zu einer Zeit, wo sein Volk in harter Bedrückung lebte. Sein Vater war Amram, seine Mutter Jochebeth, Beide vom Stamme Levi. Drei Monate nach der Geburt mußte der Säugling zufolge eines königlichen Befehls, der alle männliche Geburt der Hebräer umzubringen gebot, ausgesetzt werden. Doch die Tochter des Königs von Ägypten, welcher die Sage den Namen Thermutis beilegt, fand am Ufer des Nils das dem Tode geweihte Kind und gab es, da dessen nahestehende Schwester Mirjam die Mutter herbeirief, dieser zur Pflege. Erst als lehrfähiger Knabe kam M. in die Pflege der Königstochter, die ihn den aus dem Wasser Geretteten (Mo-udsche im Ägyptischen, daher das hebr. Moscheh) 750 MoseS nannte und an Kindeöstatt annahm. Dadurch kam er in den Priesterstand, zu dem die königliche Familie gehörte, und konnte nun als Priesterlchrling alle Künste und Wissenschaf. ten sich zu eigen machen, die dieser erste Stand des Reichs in Mysterien bewahrte.„Von dem Feldzuge in Äthiopien, an dem er in seinem 40 . Lebensjahre als Anführer der Ägypter Theil genommen haben soll, spricht nur die jüd. Sage bei Iosephus. Als er in Folge einer Eewaltthat gegen einen ägypt. Bogt flüchtig geworden war, lebte er mehre Jahre unter den Midianitern in der Arabischen Wüste und bildete da den Plan zurBefrciung seines Volks aus. Nach den heiligen Urkunden wurde er durch unmittelbare Eingebung Gottes darauf geführt. Umsichtig ging er, ein Greis von 80 Jahren, an das Werk, allein erst nachdem zehn Landplagen Ägypten verheert hatten, ließ Pharao die Hebräer ziehen. M. führte sie mit aller ihrer Habe aus Ägypten und zur Zeit der Ebbe mitten durch den Arabischen Meerbusen, in welchem der treulos nachsetzcnde Pharao mit Mann und Roß ertrank. Doch diese Rettung von dem furchtbarsten Feinde war nur der Anfang seines Unternehmens: gährend wogte um ihn die rohe Masse eines Volks, das keine Regel in der Freiheit kannte. Der Mangel in der Wüste, das Zusammenstößen mit feindlichen Beduinenvölkern, die Eifersucht neidischer Ältesten waren Hindernisse, die nur die Weisheit und Energie eines M. zu überwinden vermochte. Bei allen seinen Anordnungen berief er sich auf ausdrückliche Befehle Gottes, der das Volk durch Güte und Ernst väterlich an sich ziehen und bilden wolle. Die Religion war der Geist des Gesetzes, welches M. im dritten Monate nach dem Auszuge aus Ägypten zu verkündigen anfing. Angelangt am Berge Sinai in Arabien, ließ er das Volk sich lagern, während er selbst den Gipfel des Bergs erstieg, wo ihm unter den Schauern der Nähe Gottes kund wurde, nach welchen Gesetzen Israel leben solle. Auf den Glauben der Erzväter gebaut, waren diese Gesetze, welche M. dem israelit. Volke gab, mehr eine Herstellung der einfachen Wahrheiten, durch die sich die Urwelt zum Höchsten erhob, als eine neue Religion. M. hat das Verdienst, sie von Jrrthümern und Lhorheiten des Aberglaubens, worin sie unter den Händen abgöttischer Völker fast untergegangen waren, gereinigt und nach den Bedürfnissen der zum großen Volke angewachsenen Hebräer ausgebildet zu haben. Der Hauptpunkt seiner Gesetzgebung war die Lehre, daß Jehova, der einige Gott, der weder einen andern Gott neben sich, noch ein sinnliches Bild seines Wesens dulde, selbst König seines Volks sein und es durch Priester regiere» wolle, und daher hatten die Gesetze, durch die er den Cultus, die Staatsverfassnng und Rechtspflege, die Sitten - und Gcsnndheitspolicei der Hebräer bestimmte, ihr göttliches Ansehen. Überall von den Grundfoderungen der sittlichen und sinnlichen Natur des Mensche» ausgehend, waren sie auf die Eigenthümlichkeit des Volks, auf das Klima und die politische Lage des ihm zum Wohnorte bestimmten Landes berechnet. Sie verboten dem Volke jede Vermischung mit andern Nationen und jede fremde Sitte und Gettesverehrung; sie nöthig- ten cs durch festbestimmte, bis in die geringsten Einzelnheiten der täglichen Lebensordnung und der geselligen und häuslichen Verhältnisse eingehende Vorschriften, bei denen auch die Auswahl und Bereitung der Speisen und die Sorge für die Reinlichkeit des Körpers nicht vergessen war, zur Gewöhnung an die seinem Charakter angemessene Bildung; sie legten ihm durch ein streng geregeltes Ritual, das aus tausend Gebräuchen zusammengesetzt, im Ganzen die erhabene Allegorie eines unaufhörlich durch Opfer, Gebete und Reinigungen neu anzuknüpfenden Bundes mit Gott darstellte, die Pflicht einer steten Geschäftigkeit im Dienste seines himmlischen Königs auf. Dem Stamme Levi übertrug M. die Verwaltung dieses Dienstes und die Aufsicht über die Beobachtung der Gesetze, und nicht seinen Söhnen, die er unter die gemeinen Leviten zurücktreten ließ; dem Geschleckte seines Bruders Aaron gab er das mit der obersten Staatsgewalt bekleidete Hohepricster- thum. Dem von allem Grundeigcnthum ausgeschlossenen Stamme Levi machte er die übrigen zwölf Stämme zehntpflichtig, untcrgab sie eigenen Stammältesten und Richtern und sicherte die Festigkeit ihres politischen Verbandes durch gemeinsame Feste und durch ausschließliche Einheit des Gottesdienstes in der Stiftshütte, einem tragbaren Tempel, der das einzige Heiligthum und vermöge der ihm zerfließenden Steuern der Mittelpunkt alles Neichthums der Nation wurde. Dieses waren die Hauptpunkte der Gesetzgebung des M., die, wenn auch Züge ägypt- Moses Mendelssohn Mosheim 721 Bildung daraus hervorblicken, doch das Bestreben deutlich bekundet, die Hebräer von den ägypt. Sitten und Vorurtheilen zu entwöhnen. Allein die Vortrefflichkcit dieser Gesetz- gebung wurde nickt sogleich von den Hebräern erkannt. Schon nahe am Ziele des Wegs nach Kanaan sah M. sich durch neue Gährungen genölhigt, das Volk in di- Wüste zurückzuführen, und 40 Jahre eines mühseligen Umherzichens in derselbenmußten vergehen, harte Strafen mußten vollzogen werden, Alle, die im Mannesalter aus Ägypten gezogen waren, mußten absterben, ehe das Gesetz bei dem neuen, während des Zugs herangewachsenen Ee- schlechte durchdrang. M., der mit Sorgen, Beschwerden und Arbeiten aller Art geplagte Führer, sollte die vollkommene Ausführung seinerJdee nickt einmal erleben. Nachdem er den Feldherr» Jo sua (s. d.) zu seinem Nachfolger bestimmt und von dem Volke feierlich Abschied genommen hatte, bestieg er den Berg Nebo inPeräa jcnseit des Jordans, von dem er das gelobte Land überschaute, und beschloß hier sein mühevolles Leben im 120. Jahre. Der abergläubischen Verehrung seiner Gebeine hatte er durch den Befehl, ihn heimlich zu beerdigen, vorgebeugt. Weil in den nach M. benannten Büchern des Alten Testaments sein eigener Tod erzählt und Manches erwähnt wird, was einer später« Zeit angchört, weil ferner das Material, auf das erschrick, Stein war, auf welchem Schriften von so großem Umfange, wie die Mosaischen sind, schwerlich aufbewahrt werden konnten, so muß die Kritik allerdings ihre Abfassung und Anordnung in die fünf Bücher (Pentateuchos) einem später» Zeitalter zuschreib en. Denn och bleibt es möglich, daß M. die Nachrichten von der Geschichte der Urwelt, die das eme Buch 5G c n esis) enthält, gekannt und, wenn auch vielleicht mündlich, auf die Nachwelt gebracht, die zehn Gebote und die Beschreckung des Zugs der Israeliten durch die Arabische Wüste im zweiten.(Exodus) und vierten Buche (N um eri), und solche Gesetze, die er der unsicher» Sage nicht überlassen konnte, in diesen beiden, dem dritten (Leviticus) und fünften Buche (Deuteronomium) selbst ausgeschrieben hat; doch läßt sich hierüber nichts Genaues ermitteln. (S. Bibel und Biblisch e E i n l e i t u n g.) Vgl. Heß, „Geschichte Mosiß" (2 Bde., Zür. 1777); Ilgen, „Urkunde des jerusalemischen Tempelarchivs" (Halle >797); Vater, „Commentarüber den Pentateuch" (Halle >802—5); Ewald, „Composition der Genesis" (Braunschw. >823); Nanke, „Untersuchungen über den Pentateuch" (Erl. 1834) und Stähelin, „Untersuchungen über den Pentateuch u. s. w." (Berl. > 843). Als neuere Vertheidiger der Authcntie des Pentateuchs sind besonders Hengstenberg und Hävernick zu nennen. Moses Mendelssohn, s. Mendelssohn (Moses). Moshaisk, eine Stadt im russ. Gouvernement Moskau, an der Mündung der Moshaiska in die Moskwa, 14 Meilen von Moskau, mit 2500 E., ist durch die Schlacht am 7 . Sept. >812 merkwürdig, die richtiger die Schlacht an derMoskwa (s. d.) und von den Nüssen nach dem Dorfe Borodino genannt wird. Mosheim (Joh. Lorenz von), einer der berühmtesten deutschen Theologen, aus einem steiermärkischen Geschleckte, geb. am 9. Oct. >694 zu Lübeck, studirte zu Kiel, wo er 1719 Beisitzer der philosophischen Facultät wurde. Nachdem er mehre Rufe abgelehnt hatte, ging er >723 als ordentlicher Professor der Theologie nach Helmstedt, wo er >726 auchKirchen- und Consistorialrath und Abt zu Marienthal und Mickaelstein wurde und später das Generalinspectorat aller Schulen im Herzogthum Wolfenbüttel erhielt. Im I. >747 als ordentlicher Professor der Theologie nach Göttingen berufen, starb er hier als Kanzler der Universität am 9. Sept. >755. Große Verdienste um alle Thcile der theologischen Wissenschaften sichern seinem Namen eine bleibende Stelle in der Literatur. Namentlich hat ihm die Kirchengeschichte viel zu danken, theils in Hinsicht auf gründliche Forschung, theils deshalb, weil er ihr zuerst eine pragmatische Gestalt gab. In der Ketzergeschichte wußte er die künstlichen Systeme aus den Lehren der Ketzer zusammenzusetzen und irrte dabei nur selten. Sein kirch^ngeschichtliches Hauptwerk sind die „Institutiones distorias ecclesmsticae" (Helmst. >755; neueAufl.>764,4.; deutschdurch von Einem,9Bde.,Lpz.>769—78; und von I. Rud. Schsegel, 7 Bde., Heilbr. >786—96). Nächstdem gehören hierher seine „institutiones bistorise christianae mchores" (l. Abth., 2. Aust., Helmst. >763, 4.), „ve redus christisnorum snte Lonstantinum commentarii" (Helmst. >753, 4.), „Disser- tationes uck iustoriam ecclesissticuin pertinentes" (2 Bde., neue Aust., Altona >767) 752 Mösien und „Versuch einer unparteiischen Ketzergeschichte"(2 Bde., Helmst. l'746—48,4.). Seine „Sittenlehre der heiligen Schrift" (fortgesetzt von I. Peter Miller, neue Ausl., 9 Bde., Helmst. 1770—78, 4.) war wegen ihrer Vollständigkeit und wegen ihrer durchaus prak- ' tischen, auf Erfahrung gegründeten Beziehung ein vorzügliches Werk, aber in der Aus- führung zu wortreich. Auch in der Kanzelberedtsamkeit machte M. theils durch seine „An- I Weisung, erbaulich zu predigen" (herausgegeben von Windheim, 2. Aust., Erl. >771), ^ vornehmlich aber durch feine für die Zeit ihrer Erscheinung musterhaften „Heiligen Reden" (3 Bde., Hamb. 1732 fg.; neue Aust., 1765) Epoche, sodaß man ihn den Vater der neuern ! deutschen Kanzelberedtsamkeit nannte, sowie er denn überhaupt um die didaktische Prost der Deutschen große Verdienste hatte. Auch der Auslegungskunst der heiligen Schrift und dem Studium der alten Literatur überhaupt leistete er wichtige Dienste. Er schrieb und ^ sprach ein sehr elegantes Latein; sein akademischer Vortrag war ein freier und fließender, blos unterstützt durch wenige Aufzeichnungen. Mösien hieß als röm. Provinz das Land im Süden der untern Donau, das gegen Osten an das Schwarze Meer stieß, gegen Süden durch die Bergketten des Hämus und Orbelus von Thrazien und Makedonien, gegen Westen durch die des Scardus (jetzt Skai- 1 dagh) und durch den Fluß Drinus (Drina), der sich in die Sau ergießt, von Jllyricum ' getrennt wurde. Der Fluß Ciabrus (Cibriz) theilte es in zwei Hälften, deren östliche, Niedermösien MioSri» inferior) dem heutigen BnMnen, die westliche, Ob ermösien (Uoesia Superior), vom Margius (Morawa) durchflossen, dem heutigen Serbien entspricht. Unter den Städten, die in dem Lande hauptsächlich unter röm. Herrschaft entstanden, sind in Niedermösien außer der Stadt Tomi am Schwarzen Meere, in deren Nähe Ovid in der Verbannung lebte, besonders Marcianopolis, Sardica (bei dem jetzigen Sophia), und an der Donau Axiopolis (Naszovat), Dorostorum (Silistria) und Nikopolis, nüd in Ober- mösien Viminacium(Widdin), Singidunum (unweit Belgrad), Naissus(Nissa) undScopi (Uskup) zu bemerken. Die Einwohner gehörten ursprünglich dem thrazischen Volksstamm an ^ (s. Thrazien); so die Völkerschaften der Mösier, von den Griechen Mysier genannt, wie sie auch das Land, gleich dem klcinasiatischen, Mysien (s. d.) benannten, der Dacier und Eeten, die noch vor Alexander's Zeit über die Donau auswanderten (s. Dacien und ) Geten), der Dardanier und der Triballer; die letztem wurden zu Ende des 4. Jahrh.v. Ehr. durch die keltischen Skordisker(s. Kelten), die sich selbst im westlichen M. niederließen, in das östliche verdrängt. Über das letztere übten die Perser seit Da rius I. (s. d.) etwa dreißig Jahre lang die Herrschaft; später, zur Zeit des peloponnesischen Kriegs, gehörte ei > zu dem thrazischen Reich der Odrysen unter Sitalkes und dessen Sohn Seuthes. Nach der ( Eroberung von Makedonien kamen die Römer in Berührung mit den möstschen Völkern; schon M. Livius Drnsns (s. d.) siegte im I. tli v. Ehr. über die Skordisker; völlig unterworfen wurde das ganze Land im 1.29 v. Ehr. durch M. Licinius Crassus. Seitdem entstand an der Donau eine Reihe röm. Festungswerke, deren Spuren noch jetzt übrig sind. Unter Tiberius erhielt das Land, in welchem zwei Legionen lagen, röm. Provinzialem- richtung; seine Blüte fällt in die Zeit Trajan's, der von hier aus Dacien unterwarf. Im ' 3. Jahrh. begannen die Einfälle der Gothen (s. d.), gegen die Decius (s. d.) im I. 25l j in M. siel, bis ihnen Claudius II. durch den Sieg bei Naissus im I. 269 und Aurelian im , I. 271, der die röm. Colonisten aus Dacien nach M. verpflanzte, für einige Zeit ein Ziel ' setzten. Bei dem Andrang der Hunnen überströmten die Westgothen das Land, das ihnen, >!. nachdem Valens gegen sie bei Adrianopel im J. 378 Schlacht und Leben verloren hatte, 1 Theodosius I., dessen Oberherrschaft sie anerkannten, einräumte. Viele von ihnen blieben ^ bei dem Wegzug des Volks im Anfänge des 5. Jahrh. zurück und erhielten sich unter dem Namen Mösogothen (s. d.) bis ins 6. Jahrh. in dem Lande, das seit 395 oström.Provinz war. (S. Byzantinisches Reich.) In Niedermösien wanderten im 6.Jahrh. die slaw. Anten ein, die gegen Ende des 7. Jahrh. unter die Herrschaft der Bulgaren (s. d.) sich beugten; in Obermösien wurden durch Herakliuö gegen die Avaren zu Anfänge des 7. Jahrh. die Serbier (s. d.) ausgenommen. ^ VerzeichnLß der im neunten Bande enthaltenen Artikel. L. Seite Üigny. I Ligue. 2 Ligucri (Alfonso Maria).. -1 Ligurien.^,..... — Ligurische Republik. 5 Likymnios....—— Liliaccen.. . .V^— Lille. 6 Lilliput.— Lilly (William). — Lilybäum. 7 Lima. — Liman.— Limburg (Herzogth.). 8 Limburg (Stadt).— Limburg an der Lahn.— Limbus.— Limerik.— Limmat. 9 Limoges.— Limone.— Limpurg.— Lincoln.— Lindau.— Lindberg (Jak. Christian). 1V Linde. — Linde (Justin Timotheus Balthasar von).— Linde (Sam. Gotllieb).... II Linde» (Loh. Ant. van der) 12 Lindenau (Beruh. Aug. von) — Lindenbrog (Erpold—Heinr. — Friedr.). 13 Lindner (Friedr. Ludw.) - - — Lindner (Friedr. Wilh.)... II Lindpaintner (Pet. Jos.) .. 15 Lindwurm. — Lingam. 16 Lingard (John).— Lengen.— Linguet (Sim. Nie. Henri) — Linguistik^. 17 Linie--.... 18 Linienschiff...--^.— Liniensystcm ...^.— Link (Heinr. Friedr.)'..... — Linne (Karl von, Vater und Sohn). jg Cvnv.'Lex. Neunte Ausl. IX. Seite Linos. 21 Linse.— Linternum.— Linth.,. — Linz.'..... — Liparische Inseln. 22 71MWNtii,G Lipinski (Karl). — Lipogrammatifch. 23 Lippe (Fürstenth.). — Lippert (Phil. Dan.).25 Lips(Loh. Heinr.—Zak.).. — LipsTullian. 26 Lipsius (Justus). — Liqueur.27 Liquor anodynus.— Lire. — Liscow (Christian Ludw.).. — Lisowczyker.28 Lissa.— Lissabon.— List (Friedr.). 29 List« y Aragon(Don Alberto) 31 - Liszt (Franz). 32 Litanei. 33 Int fustire. — Literargeschichte... . 31 lunll »vo'erx ... 36 Literatenvcrein. — Literatur. 37 Literaturzeitungen, s. Zeitungen und Zeitschriften — Lithauen.— Lithochromie. 38 Lithographie, s- Steindruck — Lithotomie. — Lithotritie. — Lithurgik. 39 Litisdenunciation. — Litorale.— Litotes. — Litre, s. Maße und Gewichte — Littrow (Jos. Joh., Edler von—Karl Ludw-, Edler von). — Liturg.I« Liutprand. II Livadicn........ — Seite Liverpool...II Liverpool (Charl. Jcnkinson, Baron Hawkesbury, Graf von — Rob. Banks Jen- kinson, Grafvon—Charl. Cecil Cope Jenkinson).. 12 Livia Drusilla — Livia ... 13 ' Vwingst anEdward—Rob.) 11 Livius (röm. Geschlecht),. .. — Livius Andronicus. 15 Livius (Titus). — Livorno. 16 Livre. — Livree. — Llanos. 17 Llorente (Don Juan Antonio) . — Lloyd (Henri). 18 Lloyd's Kaffeehaus. — Lobau (Georges Mouton, Graf von).— Löbau. 19 Lobeck (Christian Aug.)... 5V Loebell (Joh. Wilh.). — Löben (Otto Heinr., Graf von) . 51 Lohenstein ..^....— Löbkowitz (surstl. Geschlecht — Bohuslaw — Wenzel Eusebius, Fürst von — Georg Christian, Fürst v. —Aug. Longin, Fürst v.) — Loccum. 52 Locke (John). — I.ocu» cominuiii,— 1-ovus dnkiicu». 53 Loder(JustusChristian voii) 51 Lodi. — Lodomerien. — Löffler (Josias Friedr. Christian) .— Log.-. 55 Logarithmus. — Logarithmische Linie. 56 Logau (Friedr., Freiherr von—Balthasar Friedr. von — Georg von).... — Loggia.5? 48 754 Verzeichniß der im neunten Bande enthaltenen Artikel. Seite Logik Logographen Logogriph.. Logos . Lohbeete.... Lohe.. Lohengrin .. Lohgerberei, s. Gerberei... Löhr (Agid. Valent. Felix Joh. Ferd. von). Ldhr (Zoh. Andr. Christian) Lohrmann (Wilh. Gotthelf) Loire. Loison (Olivier, Graf) ... Loki. Lokmän. Lokri . LokriS.^.. Lollharden.. . Lombard, s. Leihhaus. Lombardei. .... Lombardisch-venetianisches Lomenie de Brien»e(Etienne Charl. de — Athanase Louis Marie de L., Graf von Brienne). Lomonosow (Michael Wa- siljewitsch). Londonderry (Charl. Will. Stewart, Marquis von), s. Vane Londonderry... Londonderry (Henry Rob. Stewart, Marquis von), s. Castlereagh (Lord)... Longchamps ..—.. Longinus (Dionysius Cas- sius). Longolius(Christoph—Paul Dan.). Longsmontan (Christian Severin). Longuette, s. Compreffe. -. Longueville, s. Dunois und Lonzueville. Longus. Longwood, s. Saint-Helena Loos (Dan. Fr. — Gottsr. Bernh.). — Lootse. 78 Looz und Corswaren (Herzog!. Familie).— Lope de Vega (Don Lope Felix de Vega Carpio), s. Bega (Lope de).. —- Seite Seite 57 Lopez (Don Zoaquin Maria) 78 Lucanien. 103 58 Lopez y Portana XBicerrte) 79 Lucanus (MarcusAnnLus) — 59 Lorbeer . — Lucas . _ .- Lorch. 80 Lucayos, s. Bahamainseln — Lord — Lord Mayor. — Lucca. 60 Lorenzcn (Pct. Hiort) .... — Lucchesini (Girolaino, Mar- — Lorenzstrom. — chese — Cesare). 101 — Loreto . — Luchana(Grafvon), s. Es- — Lorinser (Karl Ignaz).... 81 partero(DonBaldamerc) 105 61 Lornsen (Uwe Jens!. 82 Luchs. — Lorrain (Claude), s. Gelee Luchtmans. — (Claude). — Lucianus. — — Lortzing (Alb. Gust.) .... — Lucifer. 108 — Löschen—Löschplatz. 83 kucilius (Cajus Ennius). 62 Löscher (Valent. Ernst).. — Lucina. >07 — Löserthaler. — Luckau . — 63 Losung, s- Feldgeschrei... 81 Lücke (Gottsr. Christian — Lot. — Friedr.). — — Loth. — Lucklum. — 61 Lothar I., röm. Kaiser... — Luckner (Nikol.)..... — — Lothar der Sachse, röm. Kaiser... «... Lucretia. l-Brutus (Lu- cms^Junius). IV8 — vdtyen . . -.. 86 Lucretius (Titus Carus) — — Lothringen . — Lucullus (Luc. Licinius — Lotichius (Petrus — Zoh. Marcus Lic.)... — 65 Pet.). 88 Lucumonen . 108 66 Lotophagen . — Luden (Hcinr.). — Lotos. — Ludewig (Joh. Pet. von) . 118 Lotterie. — Ludmila. — Lotz (Zoh. Friede. Euseb.) 89 Ludolf (Hiob). III — Loudon (Gideon Ernst, Ludolfffche Zahl, s. Kreis. — 67 Freiherr von). 90 Ludwig I., röm. Kaiser... — Louisd'or . 92 Ludwig >>., - - ... >13 — Loule (Marquis von).... — Ludwig HI-, deutscherKaiser — 68 Loupe. — Ludwig IV., - — 72 Loutherbourg (Phil. Jak.) — Ludwig der Deutsche, KL- Louvel (Pierre Louis)... nig der Deutsche». 115 Louvet de Couvray (Jean Ludwig (Könige v. Frank- 73 Bapt.). 93 reich). >18 Lvuvois (Frany. Michel Le- Ludwig IX., König von tellier, Marquis de — Frankreich. — — Aug. Michel Felicite Le- Ludwig XI,, ^eöntg D'ö!l ^ — tellier de Souvre,Mar- Frankreich. >17 71 quis de). 91 Ludwig XU., König von Louvre. 95 Frankreich. 118 — Löwe. — Ludwig XIII., König von 75 Löwen . — Frankreich.. 120 Löwen (Joh. Friede.).... 96 Ludwig XIV., König von 76 Löwenbund.i. — Frankreich. 122 Löwendal (Ulrich Friede. Ludwig XV., König von — Woldemar, Graf von). 97 Frankreich. 127 77 Liwenhaupt (Adam Ludw. Ludwig XVI., König von — Karl Emil, Graf v.) — Frankreich. 132 — LLwcnstein (Grafschaft).. — Ludwig XVII. (Pseudo- — Lv wositz. 98 Ludwige). 138 — Lowth (Rob.). — Ludwig XVIII., König von Loxodromischc Linie. — Frankreich. 110 Loyola (Ignaz von). 99 Lozere. — Lübben. 100 Lübeck (Fürstenthum)... — Lübeck (Stadt). — Lübisches Recht. 102 Lublin. — Ludwig Philipp, König der Franzosen. H3 Ludwig l., Kön. v.Baiern 116 Ludwig I., Großherzog von Heffen-Darmstadt.... 117 Ludwig II., Großherzog v. Heffen-Darmstadt.... 116 Verzeichniß der im neunten Bande enthaltenen Artikel. 755 Seite Ludwig 1.—VI., Landgrafen von Thüringen.... 148 Ludwig Wilhelm I., Markgraf von Baden-Baden — Ludwig (Jos. Amt.), Erzherzog von Ostreich ... 149 Ludwig (Fr. Christian), Prinz von Preußen ... — Ludwigsburg. 156 Ludwigskanal. — Ludwigslied. 151 Lufft(Hans). — Luft. — Luftballon, s. Aörostat... — Luftbetten. — Luftheizung. 152 Luftpumpe. — Luftröhre. — Luströhrenentzündung, s. Croup.).-... 153 Luftröhrenschnitt. — Luftspiegelung, s. Fata Morgan«. — Luganersee. — 1-uxäunum, s. Lyon; I-ux- äunum Latavorum, s. Leyden. — Lüge. — Lugger... 154 Luini (Bernardino — Au- relio). — Luise (Auguste Wilhelmine Amalie), Königin von Preußen. — Luise Ulrike, Königin von Schweden .. 155 Luisenburg.... — Luifiana. — Lukas von Leyden . 156 Luken. 157 Lullus (Raimundus) .... — Lully (Giov. Battista)... — Luna. 158 Lund.. r.. — Lüneburg., l. — Lünetten, s. Brillen. 159 Luneville. — Lunge. — Lungenprobe. 161 Lungenseuche. 162 Lünig (Joh. Christian).. — Lunte. 163 Luntenschloß. — Lupercus. — Lnpin (Friedr-, Freiherr v.) — Lupine. 164 Lupulin^.. — Lusladen . — Lusignan (lsvlljp von), s. Guido von Lufiguan... — Lusitanien, (.Portugal.. — Lussac (Nie. Frans. Gay-), s. Gay-Lussac. — Lustrum... — Seite Lustseuche, s. Syphilis... 164 Lustspiel, s. Schauspiel... — Lutatius (röm. Geschlecht — Casus L. Catulus — Quintus L. Catulus) . - — Luther (Martin). — Lutheraner. 168 Lütke (Fedor Petrowitsch) 169 Lutter am Barenberge. - - — Lüttich. — Lützen. 171 Lützow (Ludw. Adolf Wilh., Freiherr von). 174 Luv. 175 Luxembourg (Frans. Henri de Montmorency, Herzog von). — Luxemburg(Großherzogth.) 176 Luxemburg (Stadt). 178 Luxor. 179 Luxus. — LUPUS (Ehael, d'Alvert, > Herzog von). — Luzac(Jean). 186 Luzan (Don Jgnacio de). - — Luzern (Canton). 181 Luzern (Stadt). — Luzerne . — Lyceum. — Lydien. — Lyell (Charl.). 182 Lygdamus. — Lykabettos. 183 Lykanthropie Lykaon . Lykaonien .. Lykäos . Lykastus.... Lykien. Lykomedes.. Lykophron. 184 Lykurgus (Gesetzgeber).. — Lykurgus (Redner). 185 Lymphatisches System.. - — Lymphe. 186 Lynchgesetz. — Lyndhurst (John Singleton Copley, Baron)... 187 LynkeuS. 188 Lyon. — Lyra. IW Lyrik. — Lys. 191 Lysander.. — Lysias. 192 Lysimachus. — Lysippus. — Lysistratus. 193 Lyttleton (George, Lord). — Lytton (Edward), s. Bul- wer(Baronet). -- Seite M'. 193 Mäander. — Maanen (Cornelis Felix van). — Maas. >94 Maastricht. — Maaß (Joh. Gebh. Ehrenreich). >95 Maaßen (Karl Georg).. — Mabillon (Jean). — Mably (Gabr. Bonnot de) 196 Mabuse (Joh. von). — Mac, s. M'. 197 Macadamisiren. — Macao. — Macartncy(Georgc, Graf) >98 Macaffar. >99 Macaulay (Thom. Babington).. - — Macbeth.. — Maccaroni. — Poesie.... — Mac-CattyyRragh(Graf) 266 Macchiavelli (Niccoko di Bernardo de!). — M'Culloch (John —John Ramsey). 261 Macdonald (EtienneJacq. Jos. Alex.), Herzog von Tarent. 262 Macduff (Viscount), s. Fist (James Duff, Gras von) 263 Macedonien. — Mäcenas (Casus Cilnius) 264 Macer (Ämilius).265 Maceration. — Machaon. — Mächtig. 266 Machtspruch. — Macias... — Mane^w^L (Waclaw Alexander). 267 Mack von Leiberich (Karl, Freiherr). — Mackeldey (Ferd.). — Mackenzie (Henry).268 Mackintosh (SirJam.).. — Mayon.269 Macpherson (Jam.). —. Macrobius (Aurelius Ambrosius Theodvstus)... — Madagaskar .216 Madame .... . 212 Mademoiselle-- .. — Madera.. — Madia. — Madison (Jam.).213 Mäkler (Joh. Heinr.)... — Madonna.214 Madras. — Madrazo y Agudo (Don Jose de—Don Federst« 48 * ! 756 Verzeichniß der ! Seite Madrid. 215 Madrigal.216 ^ Madvig (Joh. Nicolai).. 217 ! 51a>>»toso. — Masse! (Francesco Sci- '-1 pione, Marchese—Ales- >2 sandro, Marchese).... — "I Maffei (Giovanni Pietro) 218 ^ Maffei (Jos., Ritter von) — ^ Mafra. — - >' Magazin .. ^. — ^ Magdalena.219 Magdeburg. — Magdeburger Centurien, / s. Centurien (Magdebur- / ger). 221 Mägdesprung. — c. - Magellan (Fernando de— Joh. Hyacinth). — Magelone. 222 ^ Magen ... . 223 ^ Magendie (Franx.).225 Magerkeit. — ..ff Magie. — - s Magier. 226 Magister. — A Magister cquitum.227 ^ Nagister matkessos .... — Magisterium. — .1 Magistratus. — - 7 Magliabecchi (Antonio) . 229 Magnäanisches Institut. — m»gnn cdsrtu. 236 Magnaten. 231 Magnes. — Magnesia (Medicin)... - — Magnesia (Stadt).232 Magnet.. — Magnetische Vereine.... 234 ^4 Magnetismus. — ^ Magnetnadel.237 Mag netoelekt ricität.238 ' I MagNisicak".'.... — Magnisicenz.239 ^. j Magnusen (Finni. — ^ Mago.240 ^ Magyaren, s. Ungarn... — Mahäbhärata, s. Sanskrit — f Mahagoni. — l -Z Mähen. — s -4 Mahlmann (Siegfr.Aug.) — 1- t Mahmud II., Sultan der jj n Osmanen . 241 Mahomcd, s-Mohammed. 243 Mahon (Phil. Henry, Bis- ^ könnt):. :. — ^ Mahratten, ff. Maratten. — j' Mähren. — mische Brüder.244 Mai (Angela).'.. — Maiblume:-..-.. — Maier.. 245 Maifeld, s. Märzfeld.... — im neunten Bande enthaltenen Artikel. Seite Seite Maikäfer, s. Käfer. 245 Malakka. 263 Mailand (Herzegtbum).. — Malantericn, s. Aussatz- Mailand (Stadt). — Häuser. 264 Mailäth (Joh., Graf) ... 246 Malchus (KarlAug., Frei- Maimbourg (Louis) .... 247 Herr von) . - Maimonides (Moses — Malcolm (Sir John) ... — Abraham). 243 Malczeski (Antoni). 265 Main. Male«. ^- Maine (Staat in Nordamc Maleachi. 266 rika) . — Malebranche (Nicolas).. — Maine (Prov. in Frankreich) — Malediven. —- Maine (Louis Auguste de Malerakademien, s. Kunst- Bourbon, Herzog von) — akadcmien. 267 Mainotten. 249 Malerei. — Maintenon (Franyoise Malerfarben. 271 d'Aubigne, Marquise v.) — Malcsherbes (Chretien Mainz (Erzstist) .. 256 Guill.de Lamoignon de) 2/2 Mainz (Stadt). 251 Malsilatre (Jacq. Charl. 273 Maire. 252 Louis de Clinchamp de) Mais. 253 Malherbe (Franc, de). - - — Maische, s. Branntwein- MalLbrnen. — M ncs, s. Mani. — Manessische Handschrift.. — Manctho. 286 Manfred, Fürst v. Tarent — Mangan. 238 Manaanum, s. Balliste-- — Manheim. — Mani. 289 Mania. .299 Manichäer. — Manie. — Manier. 291 Manifest. — Manila, s, Philippinen .. — Manilius (Casus). — Manilius (Marcus). — Manche!,'s, Legion. — Manipulation.... — Manlius (röm. Geschlecht — — Marcus — Titus). 292 Mann, s. Geschlecht. — Manna. — Mannaschwingel. — Mannbarkeit, s. Pubertät 293 Mannen... — Männerbund, s. Evergeten — Männert (Konr.). — Mannszucht. — Mannus. — Manoel (Don Francesco) — Manoeuvre.294 Manometer. — Mansard (Zules Hardouin — Franc.). 295 Mansfeld (Grafschaft).. — Mansfeld (Grafengeschlecht) — Mansfield (Will. Murray, Graf von). 296 Manso (Joh. Kasp. Friedr.). 29^ Mantegna (And rea) -— Mantel, s. Enveloppe.. - 298 Mantinea. — Manko. — Mantua— Mantuanisches Gefäß. — Mantus. 299 Manual. — Manualacten. — Manuel (Zacq. Ant.).... — Manuel (Nicolaus). 390 Manuel (Pierre Louis).. — Manufacturcn, (Fabriken 301 Manumission. — Manuscrchte. — Manutius i^lldus der Ältere —Paulus — Aldus der Jüngere) 392 Manzoni (Aleffandro).,. 303 Mäonide. — Mäonien. — Seite MappirungSkunst, (.Landkarten . 304 Mara (Gertrude Elisabeth) — Mära. — Marabufcdcrn.... — Maradut, s. Morabiten.. — Maraston. — Marasmus, s. Atrophie.. 305 MaraSquino. — Marat (Jean Paul). — Marathon. 307 Marattcn. — Maratti (Carlo — Fau- stina). 308 Marawedi. — Marbach. — Marbod. — Marburg.309 Marc Antonio, s. Rai- mondi (Marc Antonio) — Marc Aurel, s. AntoninuS, —. — Marceau (Frany. Severin - Desgraviers). — Marcello (Benedetto) .. 310 Marcellus (röm. Geschlecht — M. Claudius — Casus Claudius—M. Claudius) . — Märchen, s. Volksmärchen 311 Marchese, s. Marquis. -. — Marchesi (Luigi). — Marchesi (Pompes).312 Marchettus. — Marchfeld. — Marciano. — Marcianus, gricch. Kaiser, s. Byzantin. Reich.... — Marcion. — Marco Polo, s. Polo (Marco).313 Marcus. — Maremmen.. — Marengo. — Wäret (Hugues Bernard), Herzog von Baffano.. 315 Marezoll (Aug. Ludw. Theod.). — Marezoll (Joh. Gottlob). 316 Marforio. — Margarethe von Anjou.. — Margarethe, Königin von Dänemark. 317 Margarethe ».Frankreich 318 Margarethe von Ostreich — Margarethe von Parma. — Margarethe von Balois- 319 Marhcinekc (Phil. Konr.) — Maria (Mutter^ Jesu — von Bethanien — von Magdala).320 Maria Theresia, deutsche Kaiserin. 321 Seite Maria I., Königin von England. 324 Maria Stuart, Königin v.n Schottland. 325 Maria von Medici, Königin von Frankreich.... 327 Maria Luise, Königin von Spanien. 328 Maria Christina, Kdnigin- Regenrin von Spanien 329 Maria tl. da Gloria, Königin von Portugal... 330 Maria Luise, Erzherzogin von Ostreich. 331 Maria, Herzogin v. Wür- temberg.332 Mariana (Juan). 333 Marianen, s. Ladroncn.. — Marianus Scotus. — Mariazell. " Marienbad...,,.... — Wallenburg (Stabt — Aork) .334 Mariengka«, f-.Güps- - - - 335 Mariengroschen. — Marienwerdcr. — Mariette (Pierre Jean) -. — Marignano. — Marina (Don Francisco Martine;).336 Marine. — Marino (San-), s. San- Marino. — Marino (Giambattista) >. — Marionetten. — Mariotte (Edme). — Marius (Casus). 337 Marivaux (Pierre Carlet de Chamblain de).333 Mark. 339 Mark (Grafschaft). — Mark. — Mark , — Marketender.. 340 Marketerie, s. Mosaik... — Markgraf. — Markland (Jeremiah)... — Marklosung, s. Retract- recht. — Markomannen. — Markscheide. 341 Markt. — Marktschreier. — Marlborough (John Churchill, Herzog von—Sarah JcnningS, Herzogin - von)... 342 Marlow (Ehristopher) .. 344 Marly. — Marmara-Meer, s. Pro- pontis. — Marmelade.. —. Marinier (Lavier). — Marmont (Aug. Frödöric 758 Verzeichniß der im neunten Bande enthaltenen Artikel. Seite Louis Messe de), Herzog von Ragusa. 345 Marmontel (Jean Frans.) 346 Marmor.347 Marmorchronik.348 Marne. — Marnix (Phil, van). — Marobod, s. Marbod.... — Marode. — Marokko.349 Maronen, s> Kastanien... 352 Maroniten. — Maroquin, s. Saffian... — Marot (Clement—Michel) — Maroto (Don Rafael).. - 353 Marozia. 354 Marpurg (Friedr. Wilh.) — Marquesasinseln. — Marqueterie, s. Mosaik.. 355 Marquis. — Marxist fFnmrt«)-—. — Mars (Mythologie). ^ Mars (Anne Franyoise Hippolyte). 356 Mars (Seewesen).357 Marsch. — Marschall— Marschalls. tafel. — Marschall von Sachsen, s. Moritz, Graf ».Sachsen 358 Marschälle von Frankreich — Marschland. 359 Marschner (Heinr.). — Marseille. — Marseillaise, s. Rouget de Lisle(Jos.). 360 Marsen. — Marsfeld (bei Rom) .... 361 Marsfeld (zu Paris).... — Marsh (Herbert).362 Marsigli (Lvdovico Fernando, Graf von).... 363 Marstall r ...... - i.... MarsyaS. — Martellos. — Marlene (Edmond). — Martens (Georg Fr. von — Karl von). 364 Martha (Anne Biget).. — Martialgesetz. — Martialis (Marc. Baker.) 365 Martignac (Gaye, Vicomte de). — Martin der Heilige.366 Martini. — V., Päpste. — Martin (Christoph Reinh. Dietr.). 367 Martin (Rvb. Montgvme- ry-), s. Montgomery- Martin (Rob.). — Martin (Vincenza). — Martineau (Miß Harriet) — Martine; de la Rosa (Don Francisco).368 Seite Martini (Giambattista). 369 Martinifest. — Martinique. — Martius (Karl Friedr. Phil, von).370 Martyni-Laguna (Joannes Aloysius). — Märtyrer — Märtyrolo- gien— Märtyrerfcstc— Martyria.371 Marx (Adolf Beruh.)... — Maryland.372 Märzfeld. — Marcipan . — Masaccio. — Masaniello. 373 Mascagni (Paolo). 374 Maschine.. — Maschinerie.377 Masco» (Joh. Jak.). — Masern . 378 Mast'nsssti, KkdiHVei! Mäf- sylier. — Maskat.379 Maskelyne (Nevil). — Masken. — Masonei, (.Freimaurerei. 381 Masora. — Masowien, s. Mazowicn. — Massa (Herzog von), s. Reynicr (Claude Antoine). — Massa-Carrara. — Massachusetts. 382 Massageten. — Maffalianer, s.Meffalianer — Masse. — Massena (Andre), Fürst von Eßling. — Massenbach (Christian v.) 384 Massilia. — Maffillon (JeanBapt.).. — Massinger (Pyil) ..'385 Masson(Ant-). — Mast. — Mastdarm. 386 Mastix. — Mastkorb, s. Mars. — Mästung. — Masur. 387 Masuren. — Maß und Gewicht. — Mäßigkeitsvereine.393 Maßmann (Hans Ferd.). — Maßstab. 394 Matador. 395 Matelotte, s. Hornpfeife.. — Mater, s. Matrize. — IVIatsria weäica, s. Pharmakologie. — Materie. — Mathematik. 397 Mathematische Geographie, s> Geographie... — Seite Mathews (Charl.). 397 Mathilde, Markgräsin von Toscana. 398 Mathuriner, s. Trinitarier — Matrikel. — Matrize . — Matrosen. 399 Matthäi (Friedr.). — Matthäus. 499 Matthestus (Joh.). — Matthiä (Aug. Heinr.— Friedr. Christian) Matthias, deutscher Kaiser 401 Matthias Corvinus, König von Ungarn. 402 Matthisson (Friedr. von). — Maturitätsprüfung. 493 Matuta.^. .. 405 Maubeuae ...... — MmrerMssrerund Mauerbrecher, s. Kriegsmaschinen. — Mauguin (Frany.). — Mauke. 496 Maulbeerbaum. — Maulthier. — Maultrommel, s. Mundharmonika . — Maulwurf. — Maupeau (Rene Charl. de — Nicol. Charl. Augustin de). — MaupertuiS (Pierre Louis Moreau de). 407 Mauren. 408 Maurepas (Jean Frederic Phelippeaux, Gras von) 499 Maurer (Georg Ludw.„ ^ Ritter von). — Maurerei, s. Freimaeerrrei 410 Mauritius. —, Maurokordatos (Familie -Alex.—Nik.—Konstantin—Alex.— Fürst Alex.). - Mauromichalis (Familie — Georg—Peter)... 411 Maurus (Hrabanus), s. Hrabanus Maurus-.. 412 Maurus (Congregation des Heiligen), (.Benediktiner — Maury (Jean Siffrein).. — Maury (Juan Maria).. 413 Maus. — Mäusethurm. — Mausoleum.- — Mauth, s.Zoll. — Mauvillon (Jak.). — Mävius, s. Bavius (Marcus) . -.414 Mavors, s. Mars. — Maxen. — Maxentius, röm. Kaiser. 415 i , - 1 '! > k I Der,zeichniß der im neunten Bande enthaltenen Artikel. 759 Seite Meister (Simon). 463 Meistersänger. — Mekka. 46? Mela (Pomponius). — MeiampuS. — Melancholie. 468 Melanchthon (Phil.) .... — Melanippe. 470 MelanippuS. 47 l MelaS. — Melas (Baron von). — Melbourne (Will- Lamb., Biscount—Frcderik James Lamb— George L.) — Melchisedek—Melchisede- kiten. 472 Melchthal «Arnold von).. — Meleager (Mythologie).. 473 Meleager (griech. Dichter) — Melendez Baldes (Don Juan). — Meletianer. 474 Metkr - ,.... — Melikertes -.... — Melilotenklee. 475 Melioration. — Melis, s. Zucker. — Melismatisch. — Melisse. — Meliffeus. — Melissas. — Melk. — Melo (Don Francisco Manuel de). 476 Melodie. — Melodrama.47? Melone. 478 Meloplast. — Melos. — Melpomene. — Melustne. — Seite Maxime. 415 Maximianus (Marcus Aurelius Balerianus), röm. Kaiser. — Maximilian!., deutscher Kaiser. 416 Maximilian!!., deutscher Kaiser. 418 Maximilian I., Kurfürst vonBaiern. — Maximilian (II.), Maria Emanuel, Kurfürst von Baiern. 419 Maximilian (III.), Joseph, Kurfürst von Baiern.. — Maximilian Joseph, König von Baiern. 429 Maximilian (Jos.), Herzog in Baiern. 421 Maximilian Heinrich, Kurfürst zu Köln . 422 Maximilian (Franz Xaver Jos.), Kurfürst zu Köln — Maximilian (Alex. Phil.), Prinz von Wied.423 Maximilianische Lhürme. — Mariminus (Casus Julius Berus—Casus Galerius Balerius), röm. Kaiser. 424 Maximum.. — Maximus. — Mayenne... 425 Mayer (Joh. Lob.). — Mayr (Simon). — Mayseder (Jos.). — Mazarin (Jul.).426 Mazeppa (Joh.). 427 Mazowien. 428 Mazzini (Giuseppe).... — Mazzola (Francesco).... — Mazzolini (Todovico).... 429 Mechain. (Pierre Frans. Andre). — Mechanik.— Mecheln. 439 Mecheln (Israel von).... 431 Mechitaristen. — Meckel (Joh. Friedr.).... — Mecklenburg. 432 Mecklenburg-Schwerin.. 433 Mecklenburg-Strelitz ... 435 Medaille, s. Denkmünze. — Medea. — Mediante. 436 Mediateur. — Mediatisirung. — Medici (Familie).437 Medici (Cofchio dci).439 Medici (Loren^chei).... 449 Medicin.... — Medien.444 Medigo (Jos. Salomo del — Elia Ben Moses Abba del).445 Seite Medina. 445 Mednyansky (Aloys, Freiherr von). 44 g Medoc, s. Bordeauxweine — Medon. . Medusa, s. Gorgo.. . Medusen, s.Akalephen... — Meer. . Meer (Jan van der). 449 Meerbusen. . Meereicheln, s.Balanen.'. — Meerenge. . Meergeusen, s. Geusen.!. — Meergötter. . Meerkatzen. 450 Mcermann (Joh., Reichs- freiherr von). — Meernesseln, s. Aktinien und Akalephen. . Meerrettig. . Meerschaum.!!. 451 Misch, Meerschweinchen....... H?' Meerzwiebel. . Megalopolis. . Megapenthes. — Megara. ^ Mcgara(Stadt) ...!!!! — Megära, s. Eumeniden.. - — Megareus. . Megaris.^ Megarische Schule....'. 452 Megaspileon. . Megerle (Ulrich), s. Abraham a Sancta-Clara.. — MehemedAli. —. Mehl. 45 g Mehlthau. 45 g Mehul (Etienne Henri).. _ Meibom (Heinr. — Joh. Heinc.—Hcinr.—Markus). . ^. Meier(Mor.HcrmMEb)457 Mererokto (Joh. Heinr. Ludw.). ^. Meil (Joh. Wilh.) _ Meile. 458 Meiler, s. Verkohlung!!! — Meinau. ,, _ Weinberg._ Meineid. . Meineke (Joh. Alb. Friedr Aug.). ^, Meiners (Christoph).'.'.'.' 459 Meiningen. . Mekosis. Meisenheim, s. Hessen"' Homburq. . Meißen .. Meißner (Aug. Gottlie'b').' 461 Meister und Meisterstück, s. Handwerk. 4 g 2 Meister—kleine Meister. - Meister (Leonhard). — "Viscount —LcrdRob Saunders Dundas, Viscount) . 479 Membran. — Memel (Stadt—Fluß).. — Memleben. — Memling (Hans). 489 Memnon. — Memoiren. 481 Memphis (Mythologie).. 484 Memphis (Stadt). — Mena (Juan de). — MenächmuS. 485 Menage (Ägid od. Gilles) — Menander. — Mencius, s. Meng-tsü... 486 Mencke (Familie—Otto— Joh. Burkhard—Friedr. Otto — Lüder). — Mendelssohn (Moses)... — Mendelssohn-Bartholdy (Felix). 487 760 Verzeichnis der im neunten Bande enthaltenen Artikel. Seite Mendes. 18!) Mcndicanten, s. Bettel- mönche.. — Mendizabal (Don Juan Alvarezy). — Mcndoza (Don Diego Hur- tado de — Don Antonio Hurtado de). 191 Mendoza (Jingo Lopez de), s. Santillana (Marques de). — McnedemuS. — MenelauS (König von Lakedämon). — Menelaus (Mathematiker) -192 Menenius Agrippa. — Mcnestheus. — Wcnestrels, Mcnetriers, s. Provenzalen und Lrou- badoeir- ........ — McngS (Ant- Rafael)'... — Mcng-tsü.193 Meninski (Franz) ...... — Mcnippe. 191 Menippus. — Mennige .. — Menno (SimonS). — McnoikeuS. — Seite Sei» MercuriuS. 509 MctalepsiS.... 52!> Mcrcy (Franz, Freiherr Metalle. — von — Kasper von — Mctallguß. 531 Claudius Florimund, Metalliques. 53.- Graf vcn). 510 Mctallmohr. — Mergel. Metalloide . 533 Mergentheim. 511 Metalloryde, s. Calciniren — Merian (Familie — Mat- Metallurgie. — thäus M. der Ältere — Metamorphose. — Matth. M. der Jüngere —Kaspar—Joh. Matth. — Maria Sibylla). - - — Meridian. — Mcridianmeffung. 512 Merilhou (Jos.). — Merimec (Prosper).513 Merino. — Merino (Don Geronimo) 51-1 Merinos. — Merinthus und Mccinthia- ner. sCexipthus.515 Mcr7c5 (Tarlicb). — Merlin (der Zauberer).. — Merlin de Lhionvillc (Ant. Christophe). SIS Merlin de Douai (Phil. Ant.. Graf—Ant.Frany. Eugene, Graf). 517 Metapher Metaphrase. Metaphysik. MctaplasmuS. Metaschematismus. Metastase. Metastasio (Pietro Antonio Domcnico Bonaven- tura) . Metathesis.- .. Met clino, s Les bos. MkMMZ (QuintuS Cäci- lius M. Maccdonicus— Q- C- M. Rumidicus— Q. C. M. PiuS—Q. C. M. Creticus—Q. C. M. Celer—Q. C. M. Ncpos —Q.E. M. PiuS Scipio) Metcmpsychose und Me- 531 53« Menologium. Menou (Jacq. Franx., 195 Merode (gräfl. Familie— Heinr. Maria GhiSlain, tensomatosis, s. Seelenwanderung . 537 Baron de). — Reichsgraf v. — Ludw. Meteore. — Mensch. — Friedr. Ghislain, Graf Meteorologie. — Mcnschenkenntniß...... 193 von—Phil.Felix Balth. Meteorsteine. 533 Menschenraub. — Otto Ghislain, Graf v.) — Meth . 539 Menschenrechte. — Meroe. 518 Methseßcl (Albert). — Menschheit. 501 Merope. — Method, s. Cyrill. — Menstruation. — Merops. 519 Methode. » - - Mensur. 502 Merovinger, s. Frankreich — Methodik. 511 Mensuralgesang. — Mersch (van der). — Methodiker. — Mentor. — Merseburg. — Methodisten . 512 Mentschikow (Alex-, Fürst) — Meseritz. 521 Methuenvertrag. - . - 513 Menu....... 503 Mesmer (Franz) ....... — Methymna. 511 Menuet. — Mesonero y Romanos (Ra- Metis. — Menzel (Friedr. Wilh).. 501 mon de). — Metonymie. — Menzel (Karl Adels).... — Mesopotamien. — Metopen. -- Menzel (Wolfgang) .... Menzikow (Alex.), s- Mentschikow . 505 IVlsssa eli voce.522 Mcssala (Baker. Corvinus) — Mcssalianer. 523 Metre, s.Maßund Gewicht Metrik. Metrometer oder Metro- Mephistopheles, s. Teufel und Faust (Doctor Johann). — Mephitisch. — Meran. 506 Mercadante (Saverio).. — Mercantilsystcm. — Mcrcator (Gerhard).... 507 Mercia. — Mercier (Louis Sebastien) — Mercocur (Elise). 508 MercurialeS. — Mercurialis (Hicronym.) — Mercurialmittel undMer- curialsalze, s. Quecksilbermittel ».Quecksilber 509 Messalina (Valeria — Statilia). — Messe—Meßbücher—Meßgewand . — Messen.521 Messenien.52Ü Messias. — Messina. — Messing. 527 Messis (Quentin). — Messungen . 528 Mestizen. 529 Meßtisch. — Metabasis. — Metabole. — Metachronismus. — nom, s. Taktmesser ... 515 Metropolis. — Metrum. — Mette. — Metternich (Geschlecht).. — Metternich (Clemens Wenzel Nepomuk Lothar, Fürst von). Metzu(Gabr-). — Meudon..--^-. — Meulen (Ant. Franz van der).,.— Meursius (Johannes der Ältere — Johanne« der Jüngere).519 Verzeichniß der im neunten Bande enthaltenen Artikel. Meurthe. 549 Meusel (Joh. Georg).... — Meuterei. 550 Mexico (Staat). — Mexico (Stadt). 550 Mexikanischer Meerbusen — Meyendorff (Georg, Freiherr von — Alex., Freiherr von). 557 Meyer (Fr. Joh. Lorenz) — Meyer (Joh. Friedr. von) — Meyer (Joh. Heinr.).... 558 Meyer (Jonas Dav.)... — Meyer von Knonau (Lud«. —Gerold M. von K.).. — Meycrbeer, s.Beer(Meyer) 559 Meyern (Wilh. Friedr.). — Mezeray (Frans. EudeS de — Jean). — Mezieres ... .^.. 560 51 02 I!S voce.. . — Mezzofanti (Giuseppe) .. - Mezzotinto. — Miako. — Miasma. 561 Miaulis (Andreas Vokas) — Micali (Giuseppe). 562 Micha. — Michael. — Michael, König von Polen — Michaelis (Joh. Benj.). - 563 Michaelis (Joh. Dav. — Christian Friedr.) .... — Michaud (Jos.) ........ 564 Michaux (Andre— Frans. Andre). — Michel. 565 Michel Angelo, s. Buona- rotti. — Michelet (Jules). — Michigan. 566 Mickiewicz (Adam).507 Micyllus(Jak.).. — Midas.568 Middelburg ...7... i... — Middlesex. — Middleton (Conyers).... — Midiaviter.569 Midshipmen. — Micczyslaw I.—III-, poln. Herzoge und Könige.. — Miene.. — Mierevelt (Mich. Janson — Pieter). — Mseris (Familie — Frans van, der Ältere— Wilh. van->r-Jan van—Frans van, dk^Jüngere) .... 570 Miethvert^. Mignard (Piei Mignet (Frans. Alexis) Mignon (Abrah.) Migräne.i. 572 Miguel (Dom Maria Eva- rist). 572 Mikrokosmus. 573 Mikrolog. — Mikrometer. — Mikroskop. — Milben. 574 Milch. 575 Milchsaft, s. Chylus-... 576 Milchschorf. — Milchstraße. — Milchzucker. — Milet. 577 Militair. — Militairakadcmicn, s. Mi- litairschulcn.579 Militaircolonicn. — Militairgrenze.580 Milirairheilkunde. 581 Militairkarten.583 Militairmusik.584 Militcurflrafen, s. Militairstraßen Militairwiffenschaften, s. Kriegswifsenschaften.. — Milizen. — Miller (Joh. Mart.) .... 580 Milleschauer, s. Donnersberg. — Millesimo. — Millevoye (Charl. Hubert) — Milliarde. — Millin (Aubin Louis)... - — Millingen (James).587 Millot (Claude Frans. Lavier). — Milman (Henry Hart) . - 588 Milner(John). — Milo, s. Melos. — Milo von Kroton.. — Milorädöwitsch (Michail Andrejewitsch, Graf).. Milosch Obrcnowitsch... — Milreis — Conto Reis .. 591 Miltiades. — Miltitz (Karl Borromäus Alex. Stephan von — Alex, von). — Milton (John). 592 Milutinowitsch (Simeon) 593 Milz. — Milzbrand.594 Milzen. — Mimen. 595 Mimik. — Mimnermus. — Mimosa sensitiv«, s. Sinn- pflanze . 596 Mina(Don Francisco Es' p°zy). — Mina (Don Lgverio).... 597 Minano y Bedoya (Sebastian de). 597 Mincio. 598 Mind (Gottfr.). — Mindelheim. — Minden. — Minderherrschaften.599 Mine, s-Münzen. — Mine. — Minelli (Joh.). 6M Mineralien. — Mineralogie.692 Mineralwasser. 603 Minerva. 605 Mingotti (Katharina)... 600 Mingrelien. — Minho. — Miniaturmalerei. — Minimen.607 Minister. — Ministerialen.». 668 Minne..... — nea erichte, s.Liebcshöfe — MinneMgrvs-f-L)(xister- sänger. — Minorat. — Minorca. 609 Minorennität. — Minoriten, s. Franciscancr 610 Minos I.—II., Könige von Kreta. — Minotaurus. — Minsk... — Minstrels, s. Troubadour — Minturnä. — Minucius Felix. 611 IVlinus. — Minuskel, s. Mönchsschrift — Minute — Minutenglas. — Minutoli (Heinr., Freiherr Menu von). — MinyaS. — «im, »>9 > 612 Minze. — Mionnet (Theodore Edme) — Miosis, s. Meiosis. — MiqueletS. — Mirabeau (Honore Gabr. Riquctti, Graf—Andre BonifaceLouis Riquctti, Biccmtedc). — Miranda (Frans.).616 Mirandola (Stadt).617 Mirandola (Joh.Pico von), s. Pico (Joh.) von M.- — Misanthropie . — Miscellaneen.. -. — Mischna, s. Talmud. — Miserere (Kirchengcsang) — Miserere (Krankheit).... — Misericordias domini, s. Sonntag..... — Mises, s. Fechner (Gust. Theod.). — 762 Misgeburt. -.. Misheirath .. Misogynie... Misologie. - - - Mispel. Missalen .... Misse, s. Messe Missionen ... Mississippi (Strom) .... 021 Mississippi (Staat). — Miffolunghi. 622 Miffuri (Strom). — Miffuri (Staat). — Mistbeete. 623 Mistel. — Mitau. — Mitbclehnung,s.Belehnung 624 Mitesser. — Mitsord (Miß Maria Russell). - Mitgabe, s. A ussteue» ^. — Mithras. Mithridates.. — Mitlaut, s. Eonsonant... 626 Mitra. — Mitscherlich (Christ. Wilh.) - Mitscherlich (Eilard).... — Mittag—Mittagsfläche— Mittagshöhe—Mittagslinie—Mittagspunkt— Mittagsrohr. 627 Mittel. — Mittelalter. — Mittelamerika, s. Centralamerika . 629 Mittelbegriff. — Mittelfarben und Mitteltinten, s. Mezzotinto. - — Mittelfranken. 630 Mittelländisches Meer... — Mittelmark. — Mittelpunkt... -,. e - - -- Mrkkelrhoinlreio.631 Mittelsalze, s-Neutralsalze — Mittelstimmen. — Mittelwald.— Mittermaier (Karl Jos. Ant.). — Mitternacht — Mitternachtsgegend— Mitternachtspunkt.632 Mitylene. — Mixtur. 633 Mnemonik. — Mnemosyne.635 Mnioch (Joh. Jak.—Maria) ....i.i!. — Moabiter. — Moallakät. — Mobile Colonnen. — Mobiliarsteuer. 636 Mobilien... — Möbius (Aug. Ferd.).... — Mochnacki (Maurycy). 637 Seite Möckern. 637 Modalität. — Mode. 638 Modell. — Modena (Herzogthum).. 639 Modena (Stadt!. 640 Modena (Gustavs). — Moder. — Moderato. 641 Modern. — Modestinus (Herennius). — Modlin. — Modon. — Modulation. — IVIoäulus. — MLen. 642 Mogador, (.Marokko... — Möglich. — Möglin. — Mogul, (.Großmogul... — Mohacz, s. Mohatsch.... — M-chammet, Mohammed l.—IV., türk. Kaiser. 644 Mohammedll., türk. Kais. Mohammed Ali, s. Mehe- med Ali. 645 Mohammedanismus.... — Mohär. — Mohatsch. 646 Mohawker, s. Irokesen .. — Mohilcw. — Mohl (Jul. von — Rob. von — Hugo von) .... — Möhler (Joh. Adam).... 647 Mohn. — Mohn (Sigism.—Gottlob Sam.)..618 Mohnike (Gottlieb Christian Friedr.). — Mohr. 649 MöH re. .— Mohs (Friebr.)V.. Moira (Graf von), (.Hastings (Francis Naw- don, Marquis von) ... 650 Moiriren. — Moitte (Jean Guill.).... — Mokka. — Mokronowski (Stanisl. Kostka Bogorja). 651 Mola und Molenbildung, (Mondkalb. — Mola'sPietro Francesco— Giov. Battlsta — Gas- paro). — Molay (Jak. Beruh, von) 652 Molbech (Christian).... — Molch, s. Salamander... 653 Moldau (Fluß). — Moldau (Fücstenth.).... — Molö (Mathieu—Edouard Fron?. Mathieu M. de Champlatreux)...... 654 Seite Mole (Mathieu Louis, Graf).655 Mole (Rene Frans.) .... 65k Moleculen. — Moliere (Jean Bapt. Po- quelinde). — Molina (Ludw.).658 Molinos (Michael). — Molione. Molitor (Gabr. Jean Jos-, Graf). — Molken.658 Moll.666 Molla. — Mollbret.... - Möllendorf (Rich. Joach. Heinr. von). — Möller (Georg).661 Möller (Jens)-- — Mollusken. 662 MslOvetdrssKarlBrandau) — Mollwitz. 66Z Molo. — Moloch. — Moltke (Familie—Friedr., Graf von—Adam Gottlob, Graf von — Joach. Godske, Graf von — Adam Wilh., Graf von — Adam Gottfr. Detlev, Graf von — Magnus, Graf von). — Molukken, s. Gewürzinseln 664 Molybdän, s. Wafferblei. — Molyn (Pet-), s. Tempesta — Moment. — Momiers. — Mömpelgard, s. Mont- bcillard. 665 Momus. — Monaco . . — Monadologie.. — Monaldeschi (Giov., Mar- qüese).. 666 Monarchie. — Monas, s. Monadologie. 667 Monat. — Monatliches, s. Menstruation . 668 Moncada (Don Francisco de). - Moncey (Bon Adrien Jeannot, Herz. v.Concgliano) 669 Mönchslatein. — Mönchsschrift.670 Mönchswesen.671 Moncontour.--- — Moncrif (Frans. Augustin Paradis de>.'. — Mond..^... 672 Mondfinsterniß, s. Mond- 675 Mondjahr. — Mondkalb. — Mondovi. —^ Verzeichniß der im Neunten Bande enthaltenen Artikel Seite 617 618 619 Verzeichniß der im neunten Bande enthaltenen Artikel. 763 Seite Mondphasen, s. Mond... 675 Mondsüchtig. — Mondrafeln. — Mondwechsel, s. Mond.. — Mone (Franz Jos.). — Monge (Gaspard). 676 Mongibello, s. Ätna.677 Mongolen. — Moniteur. 679 Monk (George, Herzog von Albemarle). 680 Monk (Jak. Heinr.). 681 Monmouth (Grafschaft). 682 Monmouth (Jam, Herzog von). — Monochord. — Monochromen. 686 Monodrama, (-Melodrama — Monogamie. — Monvg*»imn. — Monographie .. — Monokotyledonen.. — Monolog. 684 Monomanie. — Monophysiten. — Monopol.685 Monotheismus. — Monotheleten. — Monotonie. 686 Monreale. — Monro (Alex. — Donald -Alex.). — Monroe (James). 687 Mons. — Mons en Puelle. 688 Monsieur. — Monsigny (PierreAlex.). — Monsoons, s. Mouffons.. — Monstranz. — Monstrum.689 Montagna (Bartolomeo— Benedetto). — Montague (Mary Pierrc- psnt, Lady Wortley — Edward Wortley).... — Montaigne (Michel Ey- quem de). 690 Montalembert(MarcRene, Marquis de).691 Montalivet (Jean Pierre Bachasson, Graf).692 Montalivet iMarthe Camille Bachasson, Graf) 693 Montalvan (Don Juan Perez de). 694 M»ytanisten. — MoNdquban. — Montadst^r (Charl. de Saintc-A^aure, Herzog von—Loui^ucine) .. — Montbeillard.. . 095 Montblanc. Mont-Cenis Mvntebello. Seite Monte-Casino, s. Casino. 695 Montecuculi (Raimund Graf von). — Montesiascone.697 Montemayor (George de) — Montenegro. — Montenotte. 099 Monte Pulciano. — Montereau. — Monte-Rosa. — Monte-Santo, s. Athos.. — Montespan (Franyoise Athenals, Marquise v.) — Montesquieu (Charl. de Sccondat, Baron de la Brede etde). 700 Montesquieu - Fezensac (Frany.Lavier MarcAn- toine, Herzog v.— Ana- tole, Graf von M.-F.— Anne Pierre, Marquis von M.-F,) ... . 701 Monteverde (CläUdto)...- Montevideo. Montezuma II. Montfaucon (Bernard de) 703 Montferrat. — Montgelas (Maxim. Jos-, Graf von). — Mont-Genevre. 704 Montgolsier (Jacq. Etienne — Jos. Mich.). — Montgomery (Tabr.de). — Montgomery (Jam.).... 705 Montgomery - Martin (Rob.). — Montholon (Charl. Tristan de, Graf von Lee) - — Monthyon (Jean Bapt. Rob. Äuget, Baron de) 706 Monti (Vicenzo). — Montjoie. 707 MoMMrlMnhDE-. . mqueReynaud, Graf v.) — Montmartre. 708 Montmedy. — Montmirail. — Montmorcncy (Stadt) .. — Montmorency (Geschlecht) 709 Montmorency (Annede). 710 Montmorency (Henri II., Herzog von). — Montmorency (Mathieu Jean Felicite, Herzog von Laval-). 711 Montpellier. — Montpensicr (Anne Marie Louise von Orleans, Herzogin von). — Montreal. 712 Montrose (Jam- Graham, Graf von). — Mont Samt-Jean.713 Montferrat. — Seite Montur, s. Uniform.713 Monumente, s. Denkmale — Monza. — Moor. 714 Moore (Sir John). — Moore (Thom-). 715 Moorhirse. — Moose. — Mopsus. 716 Mora. — Mora (Don Jose Joaquin de — Jose Maria Luis) — Morabiten. — Moral, s. Ethik, Moralphilosophie u. Moralprincip 717 Morales (Christofero de) - — Morales (Luis). — Moralische Person. — Moralphilosophie. — Moralprincip. — Moräste...718 Morata(Fulvia Olympia) — ^Mor alin (Leandro Fernan- - Moratin (Nicolas Fernande; de). 719 Moratorium. — Morawa. 720 Morawski (Lheod.—Lheo- phil —Franciszek).... — Morbihan. — Morcheln. 721 Mord. — Mordant. — Mordbrenner. 722 Mordschläge. — Mordwinen, s. Finnen... — More (Miß Hannah).... — Morea. — Moreau (Jean Victor).. 723 Morella (Graf von), s. Ca- brera (DonRamon).. 725 Mor ellet ( Andre) .. — Morelli (Giacomo). 726 Moreno (Vincente Gonzalez). — Moresken, s. Grotesken.. 727 Moreto y Cavanna (Don Augustin)..!. — Morgagni (Giov.Battista) — Morgan (Lady). — Morgan«, s. Fata Morgan«. 728 Morganatische Ehe. — Morgarten. — Morgen—Morgenpunkt. — Morgen und Morgen Landes, s. Maß und Gewicht - Morgengabe. — Morgenstern, s.Lucifer-. 729 Morghen (Raffaells—Antonio — Guglielmo) .. — Morhof(Dan. Georg)... — Morier (Jam.). 764 Verzeichniß der im neunten Bande enthaltenen Artikel. Seite Mörike (Eduard). 730 Morillo (Don Pablo).... — Möris (See).73! Möris (Mus)..... — Moriscos, s. Mauren.... Moritz, Herzog und Kurfürst von Sachsen .... Moritz, Prinz v. Oranien, Graf von Nassau.733 Moritz, Graf von Sachsen — Moritz (Karl Phil.).734 Moritzburg.735 Morlacken, s. Dalmatien. — Mornay (Philippe de) ... — Morpeth (Viscount Howard, Lord). 736 Morpheus. — Morphin. — Morrison (Rob.).737 Mors....— Mörser. Seite Seite Mortalität und Mortali- Moscati (Pietro, Graf). 743 tätslisten, (.Sterblich- Moschee. 744 keitslisten. 738 Moschclcs (Ignaz). — Mörtel, s. Kalk. — Moscherosch (Hans Mich.) 715 Mortier (Edouard Adolphe Moschus . — Kasimir Jos-, Herzog v. Moschus und Moschusthier, Lreviso). — s. Bisamthier. — Mortificatio«. 739 Moscovade, s. Jucker. — Mortimcr (Roger, Grafv.) — Mosel. — Mortuarium, s. Tobte Mosellanus (Petrus).... 746 Hand. 740 Mosen (Jul.). — Morus (Sam. Friedr. Ra- Mosengcil (Friedr.). 747 thanacl)... — Moser (Joh. Jak.-Friedr. Morus (Thom.). 741 Karl von). — Morusi (Familie — Kon- Möser (Justus). 743 stantin—Demetrios).. — Moses. 749 Morveau (Louis Bernard Moses Mendelssohn, s. Guyton, Baron). 742 Mendelssohn (Moses). 751 Mosaik. — Moshaisk.- — Mosaisches Recht. 743 Mosheim (Joh. L-rNlz v.) — Mosaisk, s. Moshaisk... — Mösien^——-. ^52 MnsaiSm « »«, s . — * cL. MOP?. S! O 8- S