60 LogoS Lohengrin
Logos, das griech. ' d. i. Vernunft, ausgesprochenes Wort. Inder Ne-
ligionsphilosophie zu Christi Zeit war L o g o s ein Kunstausdrnck, der ein vor Anfang derSchöpfung aus Gott hcrvorgegangenes Wesen bezeichnetc. NachZoroastcr'sNeligionsphi-losophie war das von Gott am Anfänge aller Dinge ausgesprochcneWort durchsSprechen wesentlich und selbständig geworden, ein von Gott gezeigter Geist, das GleichbildGottes, der die Welt erschaffen habe und der Urheber aller Weisheit, Tugend und Wissen-schaft sei. Nach der später« Platonischen Philosophie, wie sie zu Christi Zeit besonders inAlexandrien blühte, und wie sie in den Schriften des jüdischen Philosophen Philo zufinden ist, war der Logos der von Ewigkeit her gedachte Gedanke Gottes von sich selbst(an dem er als an dem gegenständlichen Nichtich das Selbstbewusstsein seines Jchs hatte),der aus Gott herausgctreten und wesentlich geworden sei, der von Ewigkeit gezeugte SohnGottes, der Abglanz der göttlichen Vollkommenheit, der Schöpfer der Welt und das all,Menschen zur Weisheit, Tugend und Wissenschaft erleuchtende Wesen. Im Neuen Testa,mente kommt der Ausdruck Logos nur beim Johannes vor und bezeichnet ein göttlichesWesen, den vor Anfang der Dinge von Gott gezeugten Sohn, der dann die Welt erschaffenund alle Zeitalter erleuchtet habe. Dieser Logos sei in Christo Mensch geworden, oder inihm in menschlicher Gestalt erschienen. In den Schriften des Apostels Paulus findet sichzwar nicht das Wort Logos, wol aber die Sache und seine Vorstellung fällt mit der desJohannes zusammen. Auch die gelehrten Nabbinen Palästinas hatten die Vorstellung vomgöttlichen Wort, nach Zoroaster's Lehrtypus, ausgenommen, und selbst in den alten gnosti-schen Systemen steht der Logos mit in der Reihe der aus Gott vor Anfang der Dinge hcrvor-gegangenen geistigen Zeugungen oder der Äonen. Übrigens s. Christus und Christologie.
Lohbeete sind eine Art Treibbeete, die hinsichtlich ihrer Anlage so ziemlich mit denMistbeeten (s. d.) Übereinkommen, nur dass man sich bei den Lohbeetcn statt des Mistesder Lohe bedient. Die Lohbeete entwickeln keine so starke Hitze als die Mistbeete, halten siejedoch länger zurück. Um dieErhitzung der Lohbecte zu beschleunigen, bringt man untenhinein« Lage frischen Pferdemisteß.
Lohe nennt man die bei manchen Garten- und Feldgewächsen, namentlich bei Gersteund Weizen vorkommende Krankheit, bei der die Blätter znsammenschrumvfen und ab-sterbcn. Insbesondere geschieht dies in Folge anhaltender Trockenheit.
Lohengrin heißt nach dem Namen des Haupthelden ein mittelhochdeutsches Gedicht,daS in zehnzeiligen Strophen gegen das Ende des l3.Jahrh.von, wie es scheint, zwei unbe-kannten Dichtern verfaßt ist. Es schließt sich an den zweiten Theil des Gedichts vomWartburgkrieg (s. d.) an und der mythisch gewordene Wolfram von Eschenbach, derin diesem gegen Klinsor austritt, ist als Erzähler der Geschichte dargcstcllt. Dem Inhaltnach ist in ihm die Sage vom Schwanenritter, die auch Konrad von Würzburg zumGegenstand eines Gedichts machte und deren verschiedene Fassungen in den „DeutschenSagen" von den Brüdern Grimm (Bd. 2, Berl. 1818) zusammengestellt sind, mit dervom Graal (s.d.) und mit sagenhaften Erzählungen von des deutschen Königs Heinrich'- l.Thaten verbunden; der Schluß enthält noch eine Übersicht der Begebenheiten von Hein-rich's l. bis aufHeinrich's ll. Zeit. L. selbst oder Loherangrin (gebildet aus dem Namen desHelden eines stanz. zumKärlingischen Sagenkreis gehörigen Gedichts, 6ari,i lel^nberoi»^ist Parzival 's (s. d.) Sohn, wird durch Gott von dem Graal her Elsen von Brabant alsKämpe gegen Friedrich von Telramunt zugesendet, der sie wider ihren Willen freien wollte,und auf einem Nachen, den ein Schwan zieht, wunderbar zu ihr geleitet. Nachdem Friedrichdurch ihn gefallen, wird Else sein Weib; er hilft dem Kaiser Heinrich die Ungarn schlagen,zieht mit ihm nach Italien und siegt dort, von Petrus und Paulus im Mimpf begleitet, vorRom über die Sarazenen, die den Papst bedrängen. Als er nach Köln zurückgekehrt, fragtElse wider sein Verbot ihn um seine Herkunft; vergebens weigert er die Antwort. Äls siezum dritten Mal in ihn dringt, erklärt er sich, zugleich aber, daß er sie nun verlassen müsse.Der Schwan erscheint wieder und mit Kummer scheidet er von ihr und seinen KnabenLohengrin und Johann, um zum Graal nach Indien zu kehren. Nach dem jüngern Titurclnahm er in Lyzaborie Belayen zum zweiten Weibe, wurde von deren Verwandten hinterlistiggetödtet, und das Land hieß von ihm Lotharingen. Herausgegeben ist der „Lohengrin" mit