Logistik Logogriph 59
gen; zugleich scheidet sich dadurch die Logik ebenso von der Psychologie wie von der Metaphysik.Während nämlich die Psychologie die Art, wie sich die oft sehr verworrenen und wider-sprechende» Gedanken der Menschen wirklich verknüpfen, zu untersuchen hat, stellt die Logikeine Norm für die formelle Richtigkeit der Gedankenverknüpfung auf. Non einer natür-lichen Logik kann daher nur insofern die Rede sein, als sich die Nothwendigkeit des gesetz-mäßigen Denkens bisweilen aus psychologischen Gründen von selbst in dem gewöhnlichenGedankenlaufc geltend macht. Während ferner die Metaphysik die lehren Gründe der Er-scheinungswelt Nachweisen soll, bekümmert sich die Logik gar nicht darum, ob die Begriffeauf etwas Existirendes sich beziehen oder nicht, ebensowenig als die Mathematik darnachfragt, ob den Größenverhältnissen, deren innere Gesetzmäßigkeit sie untersucht, irgend etwasWirkliches entspricht oder nicht. In diesem Sinne kann man sagen, daß die Logik nichtserkennt, aber wenn dadurch die sehr engen Grenzen derselben bezeichnet sind, die sehr leichtvor jeder Überschätzung derselben bewahren können, so erklärt sich doch zugleich, warum dieLogik nicht nur für die Philosophie, sondern für alle Wissenschaften eine ganz allgemeineBedeutung hat, die es überhaupt mit Begriffen zu thun haben. In der That ruhen diesesämmtlich auf der Logik und man hat mit Recht gesagt, daß in ihnen kein Stein auf demandern bleiben würde, wenn die Logik zerstört würde. Ob übrigens die Logik in der ihr bisjetzt zu Theil gewordenen Ausbildung schon den Grad der Vollkommenheit erreicht hat,daß sie für eine genügende Methodenlehre des wissenschaftlichen Denkens überhaupt gehal-ten werden kann, darf bezweifelt werden. Was man früher in dieser Beziehung unter demNamen der Erfindungskunst, der angewandten Logik u. s. w. der sogenanntenreinen Logik folgen ließ, bezog sich zum größten Theil auf Äußerlichkeiten, die für diewissenschaftliche Heuristik von keinem oder sehr geringem Belang sind. Unter den vielenSchriften über Logik sind als diejenigen, die die verschiedenen Gesichtspunkte, aus welchenman sie in neuester Zeit bearbeitet hat, erkennen lassen, vorzugsweise zu nennen die vonKrug (4. Aust., Königsb. 1833), Fries (3. Aufl., Heidelb. 183'), Braniß (Bresl. 183»),Bachmann (Lpj. 1828), Twesten (Schlesw. l823), Drobisch <Lpz. 1836), A. Trendr-lenburg (2 Bde., Berl. 183») und Lohe (Lpz. > 813). Aus dem > 8. Jahrh. würde beson-ders an die logischen Arbeiten von Tschirnhausen, Lambert, Leibnitz, Ploucquet, Reimarusund Wolf zu erinnern sein.
Logistik heißt die Lehre von den Verhältnissen des Raumes und der Zeit für takti-sche Bewegungen der Truppen, vorzüglich bei Märschen. Der Werth dieser Lehre ist nurrelativ; denn wenn sie auch allgemeine Änhaltszahlen gibt, und selbst die besonder« Um-stände in Bezug auf TruppenSrt, Beschaffenheit der Wege und Witterung berücksichtigt,so bleibt der Erfolg doch immer von so vielen Zufälligkeiten abhängig, daß ein genauesÜbereinstimmen der Rechnung mit der Ausführung der Bewegung nicht zn erwarten ist.
Logographen heißen die ältesten griech. Geschichtschreiber, insofern sie die Sagen,besonders über die Gründung einzelner Städte, zuerst in Prosa aufsetzten, im Gegen-satz der epischen Dichter. Fast alle, unter ihnen die vorzüglichsten, wie Kadmus (s. d.),Dionysius und Hekatäus (s. d.) aus Milet, Charon von Lampsakos, Lanthus der Ly-dier, Pherecydes (s. d.) von Syros und Hellenikus (s. d.) von Mitylene, gehörennach Zonien und lebten am Ende des 6. und zu Anfänge des 5. Jahrh. v. Chr., sodaß H e-rodot (s. d.) dann gleichsam von ihnen den Übergang zu den eigentlichen Geschichtschrei-bern bildet. Die Bruchstücke derselben wurden von Creuzer in den „llistoricorum ^raee.krsFinenta" (Heidelb. 18»6), vollständiger unter demselben Titel von C. und äkh. Müller(Par. 1831) herausgegeben.
Logögriph Heißt seiner griech. Ableitung nach ein Buchstaben - oder Worträthsel,wobei ein Wort durch das Hinzusetzen oder das Wegnehmen eines oder mehrcr Buchstabenjedesmal eine andere Bedeutung erhält, z. B. Greis, Reis, Eis u. s. w. (S. Räthscl.)Bei den alten Griechen war schon der Griph os beliebt, d. h. eine künstlich verschlungeneund schwer aufzulösende Rede oder Frage, dergleichen man zum Scherz und zur Unterhaltungbei Tafel vorlegte, worauf gewöhnlich Derjenige, der die richtige Deutung gab, mit einemKranze belohnt wurde, während er im Gegentheile ein mit einem salzigen Getränke ange-fülltes Gefäß ohne Unterbrechung austrinken nnrßte. (S. G astmählcr.)