Llanos Llorente 47
liefern ließ. Da die Ausgabe dafür später zu großen Summen sich steigerte, so hörte dieunentgeltliche Lieferung auf, der Name blieb aber für die Kleidung der Bedienten.
Llanos werden im Norden Südamerikas die großen, zum Theil mit üppigem Gras-wuchs, zum Theil aber auch mit Flugsand bedeckten Ebenen genannt, welche, gewöhnlich voneinem kräftigen Hirtenvolke, denLlaneros, bewohnt, zahlreichen Heerden aller Arten Thierezum Aufenthalt dienen. Sie sind den südlichen Pampas (s. d.) und den nordamerikan.Savannen (s. d.) ähnlich, meist horizontal, sodaß das Auge keinen Gegenstand, als dasweidende Vieh, hier und da eine Fächerpalme odereine kleine Erhöhung durch Flötzschichten,auf welche sich bei Überschwemmungen die Thiere retten, zu erblicken im Stande ist. Sieliegen im Gebiete der Republik Venezuela, erstrecken sich vom südlichen Fuße des Caracas-gebirgs, welches der Nordküste parallel läuft, bis an den Orinoco, und ihre Fortsetzungsind die von Humboldt bereisten Llanos de Casanare. Uneigentlich nennen ältere und nicht-span. Schriftsteller wol auch jene großen Ebenen Llanos, die in der Mitte Südamerikas,z. B. am Maranon, Rio negro, Ucayale, sich ausdehnen und thcilweise sehr weit westlichreichen, wie die von Gonzalo .Vimenes Quesada im I. >541 entdeckten Llanos de SanJuan, die aber insgesammt nichts weniger als Steppen, sondern mit dichten hochstämmigenUrwäldern überzogen sind.
Llorente (Don Juan Antonio), der Verfasser der ersten actenmäßigen Geschichte derspan.Inquisition, geb. >756 zuRincon delSolo bei Calahorra in Aragonien, machte seinenphilosophischenCursus zuTarragona und trat >776 in den geistlichen Stand. JmJ. >776erhielt er die Würde eines Baccalaureus der Rechte, sehr bald aber eine geistliche Pfründezu Calahorra und 177S mit Dispensation die priesterliche Weihe. Trotz seiner zum Theilweltlichen Studien wurde er von dem heiligen Gericht >785 zum Geschäftsträger und>789 zum ersten Secretair der Inquisition ernannt, jedoch als angeblicher Anhänger derfranz. revolutionairen Grundsätze >79l in seinen Sprengel zurückgesendet, wo er sichnamentlich armer emigrirter franz. Geistlicher auf das Thätigste annahm. NachdemDon Manuel Abad la Sierra Großinquisitor geworden, hatte L. in dessen Aufträge denPlan zu einer Reform des Jnquisitionstribunals anszuarbeiten, den er nach Abad deSierra's baldigem Sturze, als Jovellanos Minister der Justiz geworden, diesem in Madridvorlegte. Jovellanos unterstützte die Sache; man wollte das Verfahren vor den Jnqui-sitionstribunalen öffentlich machen und Alles kam jetzt darauf a», den Herzog von Alcudia(s. d.) für das Unternehmen zu gewinnen. Plötzlich aber wurde Jovellanos gestürzt, unddie Inquisition blieb wie sie war. Man fing Briefe von L. auf, legte den unschuldigstenAusdrücken einen falschen Sinn unter, verurthcilte ihn zu einmonatlicher Einsperrung inein Kloster und entsetzte ihn seiner Stelle als Bevollmächtigter des heiligen Officiums. Solebte L. in Ungnade, bis man ihn >865 nach Madrid zurückbcrief, worauf er >866 Kanoni-kus an der Hauptkirche in Toledo und > 867, nachdem er seine adelige Abkunft bewiesen,Ritter des Karlsordens wurde. Im I. > 868 ging er auf Murat's Befehl nach Bayonne,wo er an der Entwerfung der neuen Verfassungsurkunde für Spanien Theil »ahm. Des-halb von den Ultras verfolgt, mußte er nach der Restauration die Flucht ergreifen. Ver-bannt, seines Vermögens und seiner großen und trefflichen Bibliothek beraubt, lebte er nunbis > 822 in Frankreich. Allein der Haß der Finsterlinge gegen den verarmten Greis, dereinst franz. emigrirte Geistliche freigebig unterstützt hatte, ging zuletzt so weit, daß die pariserUniversität ihm verbot, die Zöglinge einer Pensionsanstalt im Spanischen zu unterrichten.Nachdem endlich durch die von ihm herausgcgebenen ,,?vrtrait» politiqus» 6s» paps»"der Grimm der Curialisten gegen ihn sich aufs Höchste gesteigert, mußte er im strengenWinter von >822 binnen drei Tagen Paris und in kürzester Zeit Frankreich verlassen.Man gestattete ihm nicht einmal einen Rasttag. So starb er erschöpft kurz nach seinerAnkunft in Madrid, wo er, da damals noch die Cortes von >826 geboten, sehr ehrenvollausgenommen wurde, am 5. Febr. 1 823. Sein Hauptwerk ist die „Histoirs criti-que 6s l'iuquisition 6'Lspagne" (4Bde., Par. >815 — >7; deutsch von Höck, Gmünd>819—21). Nächstdem sind noch zu erwähnen seine „Noticiaz llistorica» 6e la» Ire» pro-vincias bs»conFa6as"(5Bde., Madr. >866 —8); seine ,MsmoiresponrserviraI'lii»toirs6e Is rsvolutioa 6'LspaZne, avsc 6«s pieces justiücatives" (3 Bde., Par. >815 —>9),