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Livia Drusilla
großer Gewandtheit die Politik des Ministeriums Pitt in Sachen des Handels und derFinanzen, wegen der Union Irlands und wegen des Kriegs mit Frankreich. In dem Mi-nisterium Addington übernahm Lord Hawkesbury, wie er damals hieß, die auswärtigenAngelegenheiten, nach der Unterzeichnung des Friedens von Amiens aber das Departe-ment des Kriegs und der Kolonien. Als Pitt 1804 wieder ans Staatsruder trat, übertrugihm derselbe die Verwaltung des Innern, welche er auch bis zum Tode seines Freundes undMeisters im I. 1806 führte. An den einander folgenden Ministerien Addington undGrey nahm er keinen Thett, wolaber fiel ihm 1807 unter Porkland die Verwaltung desInnern nochmals zu und 1809 wurde er nach dem Streite zwischen Castlcreagh und Can-ning der Nachfolger des Letztem im Departement des Auswärtigen. Mit dem Tode seinesVaters gelangte er 1808 zu der Pairschaft und zu dem Titel eines Grafen von L. Alsnach Perceval's Ermordung im I. 1812 die Reorganisation des Ministeriums vor sichging, trat er als erster Lord des Schatzes an die Spitze der neuen Verwaltung. Der Ein-tritt Canning's im I. 1815 veränderte zwar den politischen Charakter dieses Cabincts,jedoch sicherte man dessen Bestand, indem man die Lösung der Hauptfragen im Innern,z. B. die Katholikenemancipation, fallen ließ. L. handelte die lange, ereignisreiche Zeit hin-durch, in welcher er der Verwaltung seinen Namen lieh, mit großer Mäßigung und Gewis-senhaftigkeit und erwarb sich dadurch das Zutrauen der Parteien. Einen Stoß erlitt jedochseine Popularität, als er 1820 den Proceß der Königin Karolinc (s. d.) vor das Parla-ment brachte. Ein Schlagfluß, der ihn im Febr. 1827 traf, machte ihn für die Geschäfteunfähig, sodaß er Canning das Staatsruder überlassen mußte. Er starb kinderlos auf sei-nem Landgute Combewood am 4. Dec. 1828. Als Redner besaß er wenig Glänzendes;allein seine Vorträge stützte» sich auf die vollständigste Entwickelung der Sachlage undsind darum für die Zeitgeschichte von großer Bedeutung. — Seine Würden gingen aufseinen Bruder Charl. Cecil CopeJenkinson über, geb. 1784, derimSept. 1841zum Großmeister des königlichen Hauses ernannt wurde. Vgl. „Älemoirs oktil« publiclile null sclmimstratioir of 1^." (Lond. 1827). , -
Livia Drusilla, die Gemahlin des Kaisers Augnstus, war die Tochter des LiviusDrusus Claudianus, der durch Adoption wahrscheinlich des M. Livius Drusus (s. d.),der 91 v. Chr. das Volkstribunat bekleidete, aus dem Geschlecht der Claudier in das derLivier getreten war, und, im I. 43 geächtet, sich nach der Schlacht bei Philippi selbst denTod gab. Augustus, von ihrer Schönheit gefesselt, heirathete sie, nachdem er seine eigeneGemahlin Scribonia verstoßen und den ersten Gemahl der L., Tiberius Claudius Nero,der mit ihr den nachmaligen Kaiser Tiberius und den Nero Claudius Drusus (s. d.)zeugte, gezwungen hatte, sich von ihr zu scheiden. Stolz, schlau und herrschsüchtig übte sieauf Augustus großen Einfluß, der nach dem Tode der Octavia, des Agrippa und Mäcenasnoch wuchs. Ihr Streben war, die Nachfolge ihren Söhnen, nach Drusus' Tode im I. 9v. Chr. dem Tiberius, zu sichern, und sie scheute kein Mittel, um dies zu erreichen. Schonder Tod des Marc. Claudius Marcellus, des Eidams und Neffen des Augustus, im I. 23o.Chr., wurde ihr Schuld gegeben. Julia (s. d.), die Tochter des Kaisers von der Scribo-nia, wurde auf ihr Anstiften im I. 2 v. Chr. verbannt. Die Söhne derselben, Lucius undCajus Cäsar, räumte sie im I. 2 und 4 n. Chr. durch Gift hinweg, worauf sie den Augu-stus bewog, durch Adoption den Tiberius in das julische Geschlecht aufzunehmen. DenAgrippa Postumus, den Sohn der Julia, der zugleich adoptirt worden war, traf im I. 7Verbannung. Von Augustus, an dessen Tod im I. 14 sie ebenfalls Schuld gehabt habe»soll, wie sie ihn, bis die nöthigen Vorkehrungen für Tiberius als Nachfolger getroffen wa-ren, verheimlichte, wurde sie durch sein Testament, das sie und Tiberius zu Hauptcrben er-nannte, in das julische Geschlecht ausgenommen, und daher hieß sie nun Julia Augusta.Tiberius selbst wagte, obwol feindselig gegen sie gesinnt, nichts gegen sie zu unternehmen.Sie half ihm im 1.19 n. Chr. den GermanicuS (s. d.), ihren Enkel von Drusus, ausdem Wege räumen und blieb mächtig, bis sie 86 Jahre alt im I. 29 n. Chr. starb. — IhreEnkelin Livia oder Livilla, eine Tochter des Drusus, war erst an Cajus Cäsar, dann anDrusus (s.d.) des Tiberius Sohn, verheirathet, den sie, mit Sejanusss.d.), ihrem