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9 (1846) Ligny bis Mösien
Entstehung
Seite
38
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38 Lithochromie Lithotritie

Schweine, Biber, Adler, Schildkröten u. s. w. Hausen. Unter den Sümpfen zeichnen sichdie Moräste von Pinsk und Nokitno aus, grauenvolle Wüsteneien, wo der Reisende, derz. B. die Straße von Pinsk nach Dubno befährt, auf einer Strecke von l 30 Werst weiternichts als Himmel, Schlamm und Schilf zu sehen bekommt, indem fast keine menschlicheSeele in dieser Wildniß wohnt. Getreide-, Flachs- und Hanfbau, außerdem Viehzucht,Bienenzucht und Jagd bilden die Hauptcrwcrbsquellen des Volkes; außer Metallpro-duktion, Lederbercitung und Branntweinbrennerei werden wenige Gewerbe betrieben.

Lithochromie, die Kunst, mit Ölfarben aufStcin zu malen und dann aufLeinwanddie Gemälde abzudruckcn, wurde von Malapeau in Paris erfunden und fand seit 1823 inFrankreich viel Beifall. Eine ähnliche Erfindung ist S en efelder's (s. d.) Mosaikdruck.Gegenwärtig wird die Lithochromie in sehr ausgedehntem Grade zu glänzend verziertenTitelblättern, sowie zur Darstellung architektonischen und decorativcn Schmuckes, wenigerzu Figuren angewcndet.

Lithographie, s. S t e i n d r n ck.

Lithotömie oder Stein schnitt (litliotoiniaodercMotomia) nennt man diejenigechirurgische Operation, mittels welcher man von außen her mit dem Messer die Harnblaseöffnet, um einen oder mehre darin befindliche Steine auszuziehcn. Die Häufigkeit derStein-kcankheit (s. St ein) erzeugte die Idee dieser Operation schon im hohen Alterthume und beiden alten Ägyptern gab es eine besondere Elaste Menschen, welche die Ausführung dieserOperation zu einem besondcrn Gewerbe machten. In den medicinischen Schriften des Alter-thums wird derselben häufig gedacht; dieAraberwie die Ärzte des Mittelalters überhauptscheinen sie wieder den besonders darauf cingeübten Steinschneidern überlassen zu haben,bis seit dem I7.Jahrh. von den ausgezeichnetsten Ärzten und Chirurgen der größte Fleiß dar-auf verwendet wurde, durch Verbesserungen der Methode und der Instrumente sowie durchÜbung und dadurch erlangte Fertigkeit die mit der Operation verbundenen Gefahren undSchmerzen zu vermindern. Durch diese Bestrebungen hat man nach und nach nicht wenigerals acht Methoden des Steinschnittes beim Manne und neun beim Weibe erhalten, welchesich gegenseitig den Vorrang streitig machen. Einer der Hauptuntcrschiede zwischen diesenMethoden liegt in dem Orte des Einschnittes in die Harnblase, welcher sowol von dervordcrn Fläche des Unterleibes als auch von dem untersten Thcile desselben, dem Mittel-fleische, aus oder endlich durch den Mastdarm gemacht werden kann.

Lithotritie oder Lithontripsic, d.h. Steinzermalmung oder Steinzertrümmerung,heißt dasjenige chirurgische Verfahren, wodurch man Steine in der Harnblase (s. Stein)durch gewisse Instrumente, mit welchen man durch die Harnröhre zu den Steinen gelangt,in so kleine Stücke zertheilt, daß diese entweder zugleich mit dem Urin ausgestoßen oder nochinnerhalb der Harnblase selbst aufgesogcn werden können. Die Operation des Stein-schnittcs (s. Lithotomie) schien von jeher den Ärzten mit so großer Gefahr verbunden,daß man Mittel aufsuchte, den Stein auf andere Weise zu entfernen. Zu diesem Zweckeschlug man viele sogenannte steinauflöscnde Arzneimittel (rsmeckm litboutrssitica) vor,deren Anwendung auch hier und da von gutem Erfolge gewesen zu sein scheint, in denmeisten Fällen jedoch die von ihr gehegten Erwartungen täuschte. Auch gelangen ver-schiedene Versuche, den Stein auf gewaltsame Weise, aber ohne blutige Operation zu zer-trümmern und so die Krankheit zu heilen; allein die Schwierigkeit des Unternehmens unddie Unsicherheit des Gelingens hinderten eine allgemeinere Verbreitung des dabei befolgtenVerfahrens. Endlich gelang es nach vielen Versuchen dem pariser Arzte Civiale (s. d.),ein Verfahren auszumitteln und Instrumente zu erfinden, wodurch er die Möglichkeit, mitsicherm Erfolge eine solche Operation auszuführen, nachwies. Er machte seine Erfindungim I. 1823 öffentlich bekannt und operirte selbst mit solchem Glück, daß er bald viele derausgezeichnetsten Chirurgen, welche Gelegenheit hatten, sich in der neuen Methode zu üben,unter seine Anhänger zählte. Das von ihm angegebene Instrument besteht aus einergeraden katheterartigen (s. Katheter) silbernen Röhre, 810 Z. lang und 3V- Linie imDurchmesser haltend, die aber am untern Ende offen ist und in welcher sich eine zweiteRöhre befindet, deren unteres Drittheil in drei aus elastischem Stahle gearbeitete und anihrem Ende leicht umgebogene Arme gcthcilt ist, welche, sobald sie aus der äußern Röhr«