Literargeschichte 35
M. Terent. Varro, Cicero, Plinius der ältere, Quinctiliau, Sueton und GelliuS, fernerdie Biographen Diogenes von Laerte, Plutarch, Philostratus und Eunapius, unter denspätern Suidas und Photius, von denen der erstere freilich meist nur Namen und Titel, derletztere aber auch längere Auszüge aus ganzen Werken mittheilt. Auch das Mittelalter gibtnur specielle und zerstreute Data zur Geschichte seiner Literatur, zum Theil in Chroniken,zum Theil in eigenen vertraulichen Mittheilungen der Schriftsteller über ihr Leben und ihreArbeiten. Den ersten rohen Versuch zur Zusammenstellung allgemeiner Literarnotizen, je-doch ohne sonderliche systematische Ordnung, machte um >500 Polydorus Virgili uS(s. d.) aus Urbino in seinem Werke „Oe invenloribns rernm"; der eigentliche Gründer derGelehrtengeschichte aber wurde Konr. Geöner (s. d.) in der Mitte des >6. Jahrh. durchseine „Lidliotdecu universslis", worauf Pct. Lambeck (s. d.), der bereits seit >656 dieLiterargeschichte auf dem Gymnasium zu Hamburg vortrug, 1659 mit seiner „Oirtoria II-tsrariu" folgte, und Bayle (s. d.) durch sein „victionnaire", sowie Nein esius (s. d.)durch sein „Lponz-mologicum", nicht lange nachher wesentliche Beiträge lieferten. GrößereVerdienste um das Studium der Literargeschichte erwarb sich seit 1688 Morhosss. d.)durch seinen „Ool^bistor literarius, z>bilosoz>li!c>is et practicus", und seit dem Anfang des18. Jahrh. wurde dieselbe eine Lieblingsbeschäftigung der Gelehrten, zumal da man nunauch anfing, sie auf Akademien und hohen Schulen regelmäßig zu lehren. Für den Zweckdieser Vorträge wurden mehre Einleitungen, Übersichten und Systeme der Literargeschichteverfaßt und wir erwähnen in dieser Beziehung besonders Eotth. Struve ss. d.) und N.H. Gundling (s. d.). Eine bessere Methode begründete seit 1768Fr.Ncimmann (s-d.)durch feine „Einleitung in die bistoria literaria" und seine „lclea s^stematis anticzilitatisliterariae", während B. H ed erich (s. d.) durch seine „1>la1itia auctoruin antiqua et ine-clia" (Witt. 1769) das Bedürfniß der Schulen befriedigte. Eine neue übersichtliche An-ordnung des Ganzen, welche durch Neichthum des Stoffs, glückliche Auswahl und reifesUrtheil sich auszeichnet, gab zuerst Ehr. Aug. Heumann (s. d.) seit 1718 in seinem „On-spectus reiz>udlicse litsrsriae", und Joh. Andr. Fabricins (s. di^bereinMe in dem „Ab-riß einer allgemeinen Historie dkr Gelehrsamkeit" seit 1752 die synthetische und analytischeMethode. Nach dem Plane Heumann's schrieb Vougine sein „Handbuch der allgemeinenLiterargeschichte" (7 Bde., Zür. >789, fg.); dagegen behaupteten Jöcher (s. d.) und Ni-ceron (s. d.) blos den lexikalischen Standpunkt. Zu einer geistreichern, mehr philosophi-schen Behandlung der Geschichte der Literatur gab der Franzose Eoguet(s.d-) den Tonan, und mit ihm wetteiferte der Italiener Denina (s. d.) in glänzender Darstellung, ohneihn jedoch an Gründlichkeit und Selbständigkeit des Urthcils zu erreichen. Man sing nunan, es immer deutlicher zu fühlen, daß, obgleich die Literargeschichte als ein selbständigerZweig zu behandeln sei, sie dennoch, ohne Rücksicht auf den Gang der politischen, religiö-sen, sittlichen und artistischen Cultur zu nehmen, ein unzusammenhängendes und räthscl-haftes Stückwerk von Namen, Zahlen und Titeln bleiben müsse. Daher versuchte man, sicin die allgemeine Geschichte der menschlichen Cultur cinzufügen, wie dies Jselin (s. d.),Ferguson (s. d(j, Home (s. d.) und vorzüglich Herder (s. d.) thatcn. In den neuestenZeiten haben die Deutschen sowol durch Sammlerfleiß als durch zweckmäßige Anordnungdes Materials, und noch mehr durch den geistreichen und weltumfassenden Blick, mit wel-chem sie das große Gebiet der geistigen Thätigkrit aller Völker und Jahrhunderte umfassen,den ersten Rang unter den Bearbeitern der Literarhistorie wieder eingenommen. Wir nen-nen hier blos I. G. Eichh orn (s. d.), dessen „Literärgeschichte", und L. Wachter (s. d.),dessen „Handbuch der Geschichte der Literatur" als unerreichte Muster, nicht allein in Deutsch-land, sondern in Europa dastehen, und neben ihnen I. G. Meusel (s. d.), Fr- Schlegel(s. d.) und Heeren (s. d.). Die namhafteste Erscheinung auf diesem Felde in neuester Zeitist das von Grässe begonnene, aber noch nicht vollendete „Lehrbuch der Literargeschichte"(I. Bd. in 2 Thln., 2. Bd. in 5 Thln.,Dresd. 1837—43), welches sich durch außerordent-liche Belesenheit, Sammlerfleiß und Vollständigkeit auszeichnct, auf der andern Seite aberschwerfällig in der Anordnung, mangelhaft in der Sichtung und Beurtheilung des Stoffsist- Der Zweck der Literargeschichte ist, dem Geiste ein Licht anzuzünden, das ihm bei jeder