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9 (1846) Ligny bis Mösien
Entstehung
Seite
34
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84 Literargeschichte

Pairs in außergewöhnlichen Fällen, z. B. bei Rechtssachen der großen Vasallen, Mündig,keitserklärungen, Staatsangelegenheiten, und gab persönlich seine» Willen zu erkennen.Diese feierliche Sitzung behielt den Namen 41t «lejustice und hatte keine üble Bedeutung.Als jedoch die Parlamente eine politische Gewalt geltend machten und nicht selten die Ein-tragung der Edicte des Hofs in ihre Protokolle verweigerten, so bedienten sich die Königesolcher Sitzungen auch, um das sogenannte Lnrexistrament, welches die übliche Form derGesetzpromulgation war, zu erzwingen. In diesen Fällen hatten die Sitzungen den Cha-rakter und die Bedeutung von Staatsstreichen. Der König erschien in der Sitzung mit sei-nen Hofbeamten und ließ sich unter einem Thronhimmel auf einen aus fünf Kiffen gebil-deten Sitz nieder. Der Kanzler hielt dabei den Vortrag, leitete die mündliche Abstimmung,die jedoch ohne Discussion vor sich ging, und befahl im Namen des Königs die Einregistri-rung der beliebten Verordnungen. Besonders berühmt ist das4.it <Is justics von l626,wo der Generaladvocat Servin zu den Füßen Ludwig's XIII. starb, indem er seine Vorstel-lungen anbrackte; das von 1863, in welchem Ludwig XIV. mit der Reitpeitsche und inSporen erschien, und das von 1787, in welchem der Vorschlag zurVersammlung derEenc-ralstaaten (s. Lluts-gäuärsux) gemacht wurde.

Literargeschichte oder Literaturgeschichte ist die Darstellung des Ursprungs,der allmäligen Entwickelung und Gestaltung der gesammten Cultur, wie sich diese in denschriftlichen Geisteswerken ausgeprägt hat, und dieser Beschränkung zufolge von der allge-meinen Culturgeschichte, von welcher sie umgeben ist, sowie von der Religions- und Kunst-geschichte, welche wieder einen Theil der Culturgeschichte ausmacht, genau zu unterscheiden.Man kann sie ihrem Umfange und ihrer Bestimmung nach in eine allgemeine und besonderetheilen. Die allgemeine zeichnet den Gang, welchen die in Schriftwerken sich darstellendegeistige Thätigkeit der Menschen durch alle Zeitalter, für alle Völker und in allen Theilendes menschlichen Wissens genommen hat. Sie wurde erst im 16. Jahrh. durch Francis B a -c o n (s. d.), später durch Christoph Mylius geahnt und mehrfach versucht, doch mehr derZeit als der That und ihrer ganzen Ausdehnung nach. Die besondere beschäftigt sich mitDem, was in einzelnen Zeitaltern, bei einzelnen Nationen oder für einzelne Wissenschaftendurch Literatur geleistet worden ist. Sie kann auch unter noch engern Gesichtspunkten aus-gefaßt und bearbeitet werden, und zwar in einer besondern Darstellung der Individuen,welche wirkten, als Biographie oder Gelehrtengeschichte, ferner der Schriften, durch welchesie wirkten, als Bibliographie, endlich der äußern Einrichtungen und Anstalten, durch welcheihre Thätigkeit begünstigt und bedingt wurde, als Geschichte gelehrter Bildungsanstalten,Schulen und Universitäten, gelehrter Vereine, Bibliotheken u. s. w. Der Zeit nach zerfälltsie von selbst in die alte, mittlere und neuere, von denen sich die ältere mit der Flucht derWissenschaften in die stillen Klöster schließt, die mittlere von der Zertrümmerung des großenNömcrreichs, um 5VV n. Chr., und mit der ohne Beihülfe altclassischer Bildung beginnen-den individuellen und selbständigen Ausbildung der einzelnen europ.Völker anhebt, die letz-tere aber mit dem Wiederaufleben der klassischen Studien, seit ungefähr I45N, ihren An-fang nimmt. Doch ist diese Eintheilung fast nur auf die Literaturgeschichte des OccidentSanwendbar, da wir über die höhere geistige Thätigkeit des Orients bis jetzt mehr blose An-deutungen als genaue Kenntnisse besitzen.

Das Alterthum selbst hat die Literaturgeschichte noch nicht als einen besondern Zweigder historischen Wissenschaft systematisch behandelt, da theils die Literatur der Griechen und,obwol in einem geringer» Grade, auch der Römer so genau mit dem politischen und reli-giösen Leben dieser Völker verwachsen war, daß eine Absonderung der Literargeschichte vondem großen Stamme der Geschichte überhaupt nicht leicht stattfinden konnte, theils dieMasse des literarhistorischen Materials damals noch nicht bedeutend genug war, um dieNothwendigkeit einer eigenen Behandlung und Zusammenordnung zu beanspruchen. Da-her liefern uns die alten Clafsiker, nachdem bereits die später« Peripatetiker nach dem Vor-gange des Aristoteles und die alcxandrin. Gelehrten, namentlich Kallimachus, die Bahn ge-brochen hatten, nur einzelne Notizen, Bruchstücke und Vorarbeiten zur Literaturgeschichtesowol in Lebensbeschreibungen von Dichtern, Philosophen, Rednern u. s. w., als auch knBeurtheilungen und Auszügen ihrer Werke, wie Athenäus, Dionysius von HalikarnaK