Litanei
Int <!e lusiies
Einen desto größern hatten seine Reisen durch die Departements nach Bordeaux, Toulouse,Marseille, Lyon u. s. w. Nach einem Ausflug in die Schwei; im I. 1827 unternahm ereine dritte Reise nach England; doch seine wankend gewordene Gesundheit veranlaßte denVater, ihn in die Bäder von Boulogne zu führen. Hier starb der Vater. Obwol von die-sem Schicksalsschlag erschüttert, erhob sich L. doch bald zum vollsten Genüsse der erlangtenneuen Freiheit. Anfangs schwelgend in romantischen Phantasien, die in der excentrischenRomantik der franz. Literatur reiche Nahrung fanden, vertiefte er sich bald ganz in religiöseSchwärmereien; doch ebenso plötzlich in das Eegcntheil umschlagend, gab er sich dem fort-reißenden Strudel sinnlicher Eindrücke hin. Offen allen Eindrücken der Außenwelt, wurdeer Saint-Simonist; dann, entflammt von der Julirevolution, schrieb er eine S^injckioniarsvolutionnsire, die er aber nicht veröffentlichte. So vom Wogcnschlag der Gefühle und Ein-drücke umhergeworfen, ohne Ziel und Stützpunkt, hörte er Paganini, und der durch diesenerregte Eindruck scheint endlich dem uferlosen Strome ein bestimmtes Bette angewiesen zuhaben. Ein Paganini des Pianoforte zu werden, das wurde die Ausgabe seines Lebens,und so weit überhaupt derartige Vergleichungen zulässig, muß man zugestehen, daß er dieseAufgabe gelöst. Zwar haben sich jene träumerischen Hoffnungen, die Manche von seinerZukunft hegten, nicht bestätigt. Der schaffende Künstler ist in L. vom Virtuosen überflügeltworden. Seine Compositioncn haben nur einen bedingten Werth, den nämlich, die Technikdes Pianospiels mächtig gefördert, neue Wirkungs- und Ausdrucksmittel erschlossen, über-haupt das Mechanische, die Virtuosität, auf eine vor ihm kaum geahnete Höhe gebracht zuhaben. Was er in der Vocalcomposition geleistet, ist, wie effectvoll immer, doch von keinemgesunden Kern, schwach in Erfindung, ja oft verfehlt. Zu durchbildenden Studien in derKomposition scheint ihm Ruhe, wol auch ein seinem vorwärtsstürmenden Geiste gewachse-ner Meister gefehlt zu haben. Eins indeß wird man ihm als Virtuosen zugestehen müssen,daß er nämlich nicht blos seine Compositioncn zu spielen weiß. Bach, Händel, Beethovenund Weber fanden in ihm einen beredten Interpreten ihrer Werke, mag immer auch diesergroße Vorzug nicht ganz unverkümmert bleiben durch den nicht ungegründekcn Vorwurf,daß er diesen Werken oft in kecker Eigenmächtigkeit Gewalt anthat. Als Primavistaspielerhat ihn Keiner je erreicht, und nur Mendelssohn-Bartholdy könnte hierin mit ihm in dieSchranken treten. In den letzten Jahren hat er von England bis Italien und von Peters-burg bis Lissabon ganz Europa, zuletzt auch Amerika besucht und aller Orten die größtenTriumphe gefeiert. Die Städte Ödenburg und Pesth beschenkten ihn mit dem Ehrenbür-gerrechte, die ungar. Großen mit einem Ehrensäbel; in Berlin wurde er von den Damenfast vergöttert; der König von Preußen ernannte ihn zum Mitglied der Friedensclasse desOrdens für Verdienste um Wissenschaft und Kunst, der Fürst von Hohenzollern-Hechingenzum Hofrath, die philosophische Facultät zu Königsberg zum Doctor der Musik und derGroßherzog von Sachsen-Weimar zum Hofkapellmeister. Endlich darf nicht unerwähntbleiben, daß er seine eminente Begabung nicht blos für sich ausbeutete, sondern, woes irgend einen großen oder wohlthätigen Zweck zu erreichen, ein Unglück zu mildern, einnützliches Institut zu gründen, ein Denkmal zu errichten galt, stets mit seinem Talent undoffener Hand sich bethciligte.
Litanei hieß in der alten christlichen Kirche jedes Gebet ohne Unterschied, später abervorzugsweise die dreitägige Bittandacht vor Himmelfahrt, welche Mamercus, Bischof vonVienne, um 450 eingcführt und Gregor der Große zur lit-mia septilormis erweitert hatte.Die sogenannte kleinere Litanei bestand in den Worten eleison (s. d.), zu de-nen die Lateiner noch „Obriste eleison" und einiges Andere beifügten. Die protestantischeKirche hat die Litanei mit Veränderungen beibehalten und läßt sie in der Regel nur an Buß-tagen, früher auch in Zeiten allgemeiner Noch, abwechselnd vom Geistlichen sprechen undvon der Gemeinde singen. Bei den Herrnhutern heißt die Sonntags Vormittags der Pre-digt vorangehende Betstunde Litanei.
lät hieß ursprünglich der erhabene Sitz, auf welchem die alten Könige von
Frankreich, umgeben von ihren Baronen und Pairs, Gericht hielten.. Nachdem sich dieP on ausgebildet, erschien der König mit den
Conv.-Lex. Neunte Aust.
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