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9 (1846) Ligny bis Mösien
Entstehung
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List

ligc Gassen und fünf bis sechs Stockwerk hohe, altmodische Häuser sich finden. Pracht-gebäude findet man unter den Privathäusern nicht, und die Wohnungen der Großen zeich-nen sich nur durch ihren Umfang aus. Obgleich in neuern Zeiten für die öffentliche Sicher-heit der Stadt Manches gethan und Straßenbeleuchtung eingeführt worden ist, so bleibtdoch sowol in Hinsicht der Sicherheits- wie der Wohlfahrtspolicei viel zu wünschen übrig.Unter den öffentlichen Plätzen zeichnen sich aus der Commerzplatz mit der Bildsäule Kö-nig Joseph's I. und der Nocio oder Noscioplatz, wo sonst die Autos da Fe gehalten wur-den und dessen eine Seite der in neuem Stile erbaute Jnquisitionspalast einnimmt. Unterden Kirchen ist die sogenannte neue Kirche die schönste und das prächtigste von allen Ge-bäuden, die seit dem Erdbeben aufgcführt worden sind. Auch die Patriarchalkirchc, auf einerAnhöhe, ist im Innern äußerst prachtvoll und enthält einen reichen Schatz und viele Kost-barkeiten. Die Kirche des heil. Rochus, in welcher die von Johann V. erbaute Kapelle sichbefindet, deren Wände mit Mosaiken von kostbaren Steinen geziert sind, die Kirche zumheil. Herzen Jesu und die Jcsuiter- und San-Lorctlokapclle find Denkmäler einer mehroriginellen als schönen Baukunst. Überhaupt gibt cs in L. 4« Pfarrkirchen und noch im-mer eine bedeutende Anzahl Klöster. Die Stadt ist der Sitz der höchsten Neichscollegien,eines Patriarchen und eines Erzbischofs. Die Zahl der Einwohner wird auf 260000 an-gegeben ; unter ihnen sind viele Ausländer, Neger, Mulatten, Creolen und 3000» Eale-gos oder Galicier, die aus dem span. Galicien hierher kommen und als Last- und Wasser-träger, überhaupt mit groben Arbeiten ihren Unterhalt verdienen. Zu den Merkwürdigkei-ten der Stadt gehört auch die vier Meilen lange und an einer Stelle 210 F. hohe, 1743vollendete Wasserleitung, welche das Wasser auf 35 kühnen Bogen von Marmor über dasThal von Alcautara führt. Sie widerstand der Gewalt des Erdbebens von 1755, obgleichdie Schlußsteine sich einige Zoll in die Tiefe senkten. Noch find anzuführen die königlichenPaläste Bemposta und Nccessidadcs, dasSt.-Jakobshospital, wo jährlich an 16000 Kranke,und das Findelhaus, worin jährlich > 600 Kinder ausgenommen werden. Unter den wissen-schaftlichen Anstalten besitzt die Stadt die königliche Akademie der Wissenschaften, mehregemeinnützige und gelehrte Gesellschaften, clrle Erzi'ehü'ngsanstalt für den Adel, mehre Se»minarien, eine Handelsschule, mehre Unterrichtsanstaltcn für das Seewesen und das Land-heer, einen botanischen Garten, eine Sternwarte, ein königliches Naturaliencabinet undmehre öffentliche Bibliotheken, worunter sich die 80000 Bände starke königliche Bibliothekauszcichnet. Die Einwohner unterhalten nur wenige Fabriken, ja es sind nicht einmal hin-reichende Handwerker für das Bedürfniß der Stadt vorhanden. Dagegen ist sie der Mittel-punkt des gesammtcn portug. Handels, der sich beinahe nach allen europ.Ländern und nachden außereurop. Besitzungen der Portugiesen erstreckt. Man zählt hier gegen 300 portug.und über 200 ausländische, vorzüglich engl. Handelshäuser. Die reizenden Umgebungender Stadt werden durch eine überaus große Zahl Landhäuser, Quintas, verschönert. Inder Nähe liegen der befestigte Flecken B elem (s. d.), das Lustschloß Ramalhao und daszwei Meilen von L. entfernte Oueluz, seit dem Erdbeben von >755 der gewöhnlicheAufenthaltsort der königlichen Familie bis zur Flucht nach Brasilien im I. 1807.

List (Friedr.), Nedacteur des in Augsburg erscheinendenZollvereinsblatts", geb.1781 in der damals noch freien Reichsstadt Reutlingen, war früher Professor der Staats-wissenschaften an der Universität zu Tübingen, machte aber als solcher, weil ihm die Gabeder Rede nicht gegeben und er überhaupt mehr zum Mann des Volks und der Partei alszum Universitätslehrer geschaffen ist, wenig Glück. Nachdem er 1818 sein Amt niederge-legt, wirkte er wesentlich mit bei der Stiftung des deutschen Handelsvereins. Als Consu-lent desselben begleitete er die an alle deutsche Höfe und > 820 auch an den Ministercongreßzu Wien gesendeten Deputationen. Während des Handclscongresses zu Darmstadt wurdeer 1820 von seiner Vaterstadt zum Abgeordneten bei der würtemberg. Ständeversamm-lung erwählt. L. glaubte, einen von seinen Committcnten erhaltenen Auftrag zur Ent-werfung einer Petition über den allgemeinen Zustand des Landes nicht besser nutzen zu kön-nen, als wenn er in solcher einen Neformplan sämmtlicher Institutionen der Justiz, derFinanzen und der Administration aufstcllte. Derselbe befand sich lithographirt unter derPresse, als er von der Polices weggenommeu wurde, worauf der Geh. Rath L. in Anklage-