2S Lisowczyker Lissabon
gegen Literaten jener Zeit, namentlich gegen den Professor Philipp! in Halle gerichtet; all»gemeiner« Inhalts und deshalb besonders geschätzt ist seine Abhandlung „Die Vortrcfflich-kcit und Nothwendigkeit der elenden Scribcntcn". Alle Arbeiten von L. zeichnen sich durchseltene Reinheit der Sprache undKraft der Darstellung aus; noch höher stehen sie durch diein ihnen an den Tag gelegte gerade Gesinnung. In der Anwendung der Ironie ist er voll-endeter Meister. Er hat das unbestreitbare Verdienst, viele Wahrheiten zuerst furchtlosausgesprochen zu haben, die bald darauf allgemein verbreitet wurden, und in dieser Bezie-hung gebührt ihm in der Geschichte der deutschen Literatur ein ausgezeichneter Platz. Dieerste quellenmäßige Darstellung von L.'s Leben und Schriften enthält Helbig's Schrift„Christian Ludw. L." (Dresd. 1844).
Lisowczyker hieß ein im 17. Jahrh. sehr gefürchtetes poln. Freicorps. Es hatte sei-nen Namen von Alex. Lisowski, einem poln. Edelmann, der 1612 einen Haufen von 2000Kriegeleuten sammelte, mit welchen er, ohne Sold zu erhalten und nur auf Beute rechnend,dem poln. Feldherr« Chodkjewicz (s. d.) im Kriege gegen Rußland nachzog. Die Li-sowczyker führten den Krieg ganz auf eigene Hand und durchflogen überall plünderndRußland vom Eismeer bis Astrachan. Nach dem Tode Lisowski's im I. 1614 behielt dieSchar auch unter andern Anführern den überall Schrecken erregenden Namen bei, siel inUngarn plündernd ein und diente nachher im Dreißigjährigen Kriege unter Ferdinand ll.,dem sie besonders in der Schlacht bei Prag 1626 wichtige Dienste leistete. Wegen ihrergänzlichen Demoralisation wurde die Schar durch einen poln. Neichstagsbeschluß aus Po-len verbannt; sie zerstreute sich nun, doch übten einzelne Abtheilungen noch später inSchlesien viele Räubereien aus.
Lissa, Poln. Leszno, eine Stadt im GroßherzogthumPosen, dem Fürsten Sulkowskigehörig, hat 85VV E-, die fast zur Hälfte Juden sind, zwei evangelische und eine katholischeKirche, ein Schloß, ein Gymnasium, einige Fabriken und zahlreiche Windmühlen. Nach-dem viele von den im 16. Jahrh. vom Kaiser Ferdinand I. vertriebenen Böhmischen Brü-dern bei der Familie Lcszczynski (s. d.) Schutz gefunden und sich in dem Gute derselben,Leszczynko, niedergelassen hatten, wurde dieses um 1548 mit dem Namen Lissa zur Stadterhoben, als sich während des Dreißigjährigen Kriegs viele neue böhm. und fehles. Flücht-linge hier einfanden, nunmehr der Hauptsitz der böhm. Brüdergemeinden in Polen undeiner der Haupthandelsplätze Polens. Hier hatten die Böhmischen Brüder ihre berühm-teste Schule, an der Comenius (s. d.) eine Zeit lang Rector war, ihr Seminar, ihreDruckerei und ihr Archiv, auch war L. der Sitz der Senioren. Später mannichfachcn Be-drückungen, besonders von Seiten der Jesuiten, ausgescht, traten die Einwohner von L.während des poln.-schwed. Kriegs auf die Seite Karl's X. Gustav. Bei dem Rückzüge des-selben wurde 1656 die ganze Stadt von den Polen cingeäschert; ebenso wurde sie von denRussen 1767 gänzlich verbrannt, weil sie auf der Seite ihres Wohlthäters, StanislawLeszczynski (s. d.), gewesen war. Auch verheerten wiederholte Feuersbrünste 1767 und1766 die Stadt, und ihre Fabriken, unter denen früher besonders die Tuchfabriken bedeu-dend waren, verfielen, doch hob sie sich bald wieder und treibt noch gegenwärtig, vornehmlichdurch Juden, einen nicht unbeträchtlichen Handel.
Lissabon (Lisboa), die Haupt- und Residenzstadt von Portugal, in der ProvinzEstremadura, am rechten Ufer des hier 1 */, M. breiten Tejo, vier Meilen von seiner Mün-dung, liegt auf drei Hügeln in einer romantischen Gegend und gewährt von der Seeseiteeinen großartig schönen Anblick, sodaß sie in Hinsicht ihrer Lage mit Konstantinopel undNeape l verglichen werden kann. Sie ist mit den Vorstädten Junqueira und Alcan -tara über eine Meile lang und M. breit, offen, ohne Mauern und Thore und hat blosans dem höchsten Hügel ein jetzt verfallenes Castell; dagegen wird der schöne, breite undsichere Hafen durch die vier an dem Flusse liegenden starken Forts, San-Juliao, Torredo Bugio, Bclem und San-Sebastian beschützt. Viele Straßen sind wegen der bergi-gen Lage sehr uneben; die schönsten befinden sich längs des Tejo. Namentlich hat derwestliche Theil der Stadt, o Mcjo, der 'von dem Erdbeben am I.Nov. 1755 am härtestengetroffen wurde, gerade und regelmäßige Straßen, schöne Häuser und prächtige Plätze,während im östlichen Theile, der von dem Erdbeben verschont blieb, krumme und winke».