Lipogrammatisch Lippe 23
unter ihnen manche vorzugsweise auf Geltendmachung der Kunst des Spielers berechnet,viele aber haben einen Hähern Kunstwcrth, und sein „Militairconcert" gilt für einen Haupt-prüfstein eines tüchtigen Geigers.
Lipogrammatisch oder leivogrammatisch nennt man literarische Arbeiten undGedichte, in welchen gewisse Buchstaben absichtlich vermieden werden. So schrieb Lope deVega eine Novelle ohne die Buchstaben L und A; auch gibt es von G. W-Bur mann(s. d.) „Gedichte ohne den Buchstaben N" (Berl. l 7 88). Es sind unnütze Spielereien; denndie verdrießliche Mühe des Wcglaffens muß jeden gesunden Gang der Dichtung lähmen.
Lippe oder Lippe-Detmold, ein souveraines deutsches Fürstenthum, mit einemAreal von 22 OM., ist, die 2 UM. umfassenden Enclaven abgerechnet, zum größten Theilvon Preußen, an der östlichen Seite aber von der kurhess. Grafschaft Schaumburg, Han-nover, der waldeckschen Grafschaft Pyrmont und Braunschweig begrenzt. Die Enclavensind das Amt Lipperode, das Stift Kappel, die Bauernschaft Grevenhagen und die mitPreußen gemeinschaftliche sogenannte Gcsammtstadt Lippstadt. Der Teutoburger-wald (s.d.) ist die Hauptgebirgskette,welche das berg-und waldreiche Ländchen von Südostnach Nordwest durchzieht. Die größte Naturmerkwürdigkeit desselben sind die Exter-stein c (s. d.). Die auf der nördlichen Seite des Teutoburgerwaldcs entspringenden Flüsseströmen der Weser, welche zum Theil die nördlichste Grenze des Landes ausmacht, die aufder südlichen dem Rhein zu. Von denHöhen dieses Gebirgs blickt man auf der cinenSeitein das fruchtbare Thal der Werre und Bega, auf der andern aber in die Sandfläche derSenne, welche indeß die fortschreitende Cultur der neuern Zeit ebenfalls angebaut hat. Derübrige Theil des Landes bietet eine beständige Abwechselung zwischen Wald, Wiese undFeld dar. Das Klima trägt den allgemeinen westfälischen Charakter an sich und muß eherrauh als mild genannt werden. Die Einwohnerzahl beläuft sich auf lOZttiw, von denenbei weitem die Mehrzahl sich zur reformirtcn Kirche bekennt, welche die herrschende ist undder auch das Fürstenthum angehört. Nur in Lemgo und Lippstadt ist die protestantischeConfession überwiegend. Die wenigen Katholiken haben in Lippstadt, Lemgo und im AmteSwalcnbcrg Kapellen. Juden gibt cs gegen l l>tw. Der Charakter des Volks ist biederund gut, und Aufklärung und Bildung sind ziemlich allgemein verbreitet. Unter dem Bür-ger- und Bauernstände wird noch ziemlich allgemein Plattdeutsch gesprochen. Die Haupt-beschäftigung ist der Ackerbau. Obwol der Boden des Landes nicht übermäßig fruchtbarist, so belohnt er doch den aufgewendetcn Fleiß und läßt den Anbau der verschiedensten Ge-treidearten und Hülsenfrüchte zu. Besonders stark wird Flachs und Rübsamen angebaut.Ein mächtiger Hebel des Landbaus ist die Viehzucht, die durch die in Menge vorhandenenschönen Wiesen und Weideplätze sehr begünstigt wird. Eine besondere Aufmerksamkeitwurde schon von früher Zeit her der Pferdezucht zugewcndet. Das fürstliche Gestüt zuLogshorn erzieht die auch im Auslande durch ihre Dauerhaftigkeit und Schnelligkeit be-kannten Senner. Mindere Sorgfalt verwendet man auf Veredelung der Schafzucht, wo-gegen die Schweinezuckt in bedeutendem Umfange betrieben wird. In den zahlreichenWaldungen fehlt es nicht an Wild. Das lippcsche Land gehört zu den holzreichstenin Deutschland, und die Forstcultur wird sorgfältig beaufsichtigt. Die Salzquellen beiUffeln sorgen reichlich für den Salzbedarf des Landes und gestatten zuweilen noch Erporte.Das Bad in Meinbcrg hat wieder bedeutend an Ruf gewonnen, und bei Lippspringe an derpreuß. Grenze hat man in neuerer Zeit warme Quellen entdeckt, die schnell in Ruf kamen.Einen in großerAusdehnung betriebenen Industriezweig besitzt dasLand in der Leinwebern,verbunden mit dem Spinnen des von ihr consumirten Garns. Man webt seine Leinwand,biclefelder Leinwand genannt, weil sie sonst meist von dem benachbarten preuß. Orte Bie-lefeld auS weiter versendet wurde, und grobe Leinwand, das sogenannte Leggelinnen. Einvortreffliches Institut ist die 1826 in Lemgo errichtete Leggeanstalt, durch welche eine wirk-same Controle über die Fehlerhaftigkeit der verfertigten Linnen geübt wird. Ein ganzeigenthümlicher Erwerbszwcig der ärmern Bewohner des Ländchcns ist das Ausziehenwährend des Sommers auf Arbeit ins Ausland. Wie das Fabrikwesen, so ist auch derHandel von wenig Bedeutung; doch steht zu hoffen, daß er in Folge des 1842 eingetretenenAnschlusses des Landes an den deutschen Zollverein sich mehr und mehr heben werde, was