22 Liparische Inseln Lipinski
1809 kam es hier zu einem Gefecht zwischen den Östreichern unter Kolowrat und denSachsen und Würtembergern unter Bernadotte,,in welchem die letztem siegten.
Liparische Insel», bei den Alten auch Äolische Inseln genannt, zwölf an derZahl, im Mittelländischen Meere, an der Nordseite Siciliens, gehören zur Provinz Messinades Königreichs beider Sicilien und haben etwa l 8000 E. Die vorzüglichsten sind Lipari,Volcano, Panaria, Stromboli, Salina, Felicudi, Alicudi und Ustica. Alle scheinen durchein unterirdisches Feuer entstanden zusein; daher legten die alten Dichter hieher Vulcan'sWerkstätte, sowie die Wohnung des Äolus. Sie sind reich an Wein, Rosinen, Korinthen,Feigen, Baumwolle, Rebhühnern, Kaninchen, Fischen, Bimsstein und Schwefel. Lipari,die größte mit 15000 E., ist fruchtbar, besitzt heiße Bäder und von dem vortrefflichen Mal-vasierwein, welcher hier wächst, werden jährlich 2000 Fäßchen versandt. Der Handel aufLipari mit Südfrüchten, hauptsächlich mit Weinbeeren und Feigen, ist beträchtlich. Vol»cano und Stromboli haben feuerspeiende Berge; besonders wirft der Vulcan auf letztererInsel das ganze Jahr hindurch Feuer und glühende Steine aus. Felicudi, die höchste unterden Inseln, erhebt sich bis 2802 F. über das Meer. Untersucht wurden die Inseln vonDolomieu (s. d.). Auch der weißliche Bimsstein, der sich in vielen Schichten in demhohen, kegelförmigen Berge Campobianco findet, bildet einen Handelsartikel. Das gleich-namige Städtchen auf Lipari ist der Sitz eines Bisthums und hat zwei Häfen und einCastell auf einem hohen Berge.
Lipäros, der Sohn des Auson, wurde von seinen Brüdern aus Italien vertriebenund ließ sich auf den Liparischen Inseln (s. d.), die von ihm den Namen erhielten,nieder, wo sich seine Tochter Kyane mit dem Äolus vermählte. Mit Hülfe desselben kehrteer später nach Italien zurück, beherrschte hier die Gegend um Surrentum und wurde nachseinem Tode als Heros verehrt.
Lipinski (Karl), einer der ausgezeichnetsten Violinspieler, gegenwärtig Coneertmei-ster in der königlichen Kapelle zu Dresden, geb. im Nov. 1790 zu Radzyn in Polen, erhieltden ersten Unterricht in der Musik von seinem Vater und widmete sich vorzugsweise demDioloncellspies mit so glücklichem Erfolge, daß er noch sehr jung die Concerte vonB.Rom-berg und Lamare öffentlich spielte. Ein treffliches Muster war ihm der aus Wien gebürtige,in Lemberg als Beamteter angestellte Kernes, der sich als Komponist für das Violoncell,meist in äußerst schwierigen Productionen, auszei-chnete und 1823 starb. AlsMusikdirectorbeim lemberger deutschen Theater, 1810—13, vervollkommnete sich L. immer mehr imDiolinenspiel, wobei er den von dem gewöhnlich geltenden, verzierten und ital. Vortrage ab-weichenden Weg einschlug, der mehr auf Ton und Gehalt, als auf tändelnden Schmuckführte. Um Spohr, bei dessen Anwesenheit in Wien im I. 1813, zu hören, legte er seineDirectorstelle nieder und wurde durch diesen nur noch mehr bestätigt, daß die von ihm cin-geschlagene, von Andern angefochtene Art des Spiels zur wahren Kunst führe. Zurückge-kehrt in sein Vaterland, lebte er hier privatisirend, bis er 1817 seine erste große Kunstrcisenach Italien unternahm, um den Paganini zu hören. Nachdem er mehre öffentliche Con-certe in Obcritalicn gegeben, traf er ihn in Piacenza und theilte mit ihm den Beifall desPublicums in zwei Doppclconcerten. Nach seiner Rückkehr nach Polen im I. >818 fander auch hier gerechtere Änerkennung und machte seitdem mehre Kunstreisen nach Ungarn,Deutschland und Rußland. Nachdem er den Titel eines ersten Violinspielers des Kaisersvon Rußland erhalten hatte, ging er 1829 nach Warschau, wo er wieder mit Paganini zu-sammentraf. Er ließ sich in einen Wettkampf mit demselben ein und das Publicum theiltesich in zwei Parteien. Hierauf kehrte er nach Lemberg zurück, seine Zeit zwischen Spiel,Composition und Studium theilcnd. Jm J. 1835 unternahm er eine größere Kunstreisedurch Deutschland, Frankreich und Italien und 1830 wurde er in seine gegenwärtige Stellenach Dresden berufen. Das Wesen seines Spiels beruht bei staunencrrcgender Sicherheitund Bravour in einer selten gehörten, oft bis auf die äußerste Grenzlinie des Schönen ge-steigerten Mächtigkeit und Energie des Tons und in einer Kühnheit und Schwunghaftig-keit des Vortrags, die alle Stufen der Empfindungsscala von der rührendsten Zartheit biszu dithyrambischem Gefühlsüberschwang mit gleichüberzeugender Wahrheit zurDarstellungbringt. Auch seine Compositionen stehen höher als gewöhnliche Virtuosenmusik. Zwar sind