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9 (1846) Ligny bis Mösien
Entstehung
Seite
11
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Linde (Sam. Gottlieb) N

Münster, Göttingen und in Bonn, wo er sich 1820 habilitirte und zugleich außerordent-liches Mitglied des Spruchcollcgiums wurde. Im I. 1823 ging er als außerordentlicherProfessor der Rechte und Beisitzer des Spruchcollcgiums nach Gießen und wurde daselbstl 824 ordentlicher Professor und 1826 zuglcichNath im Kirchen- und Schulrathscollegium.Hierauf erfolgte 1529 seine Berufung nach Darmstadt als Ministerialrath in das Mini-sterium des Innern und der Justiz, mit dem Titel eines Geh. Regierungsraths, und 1832wurde er zugleich Director des neugeschaffenen Oberstudienraths. Jm J. 1831 löste erArens (s. d.) ab als Kanzler der Universität zu Gießen, jedoch mit Beibehaltung seinerbisherigen Ämter. Noch in demselben Jahre wurde er Mitglied des BundesschiedSgcrichtSund von der philosophischen Facultät zu Gießen zum Doctor promovirt, 1835 Mitglieddes Staatsraths und 1836 Geh. Staatsrath. Als Schriftsteller trat er zuerst mit einerRede über den Geburtstag des Königs von Preußen" (Soest 1816) auf, der er dieBlicke auf die Erfolge neuerer Siege" (Soest 1817) folgen ließ. Die namhaftesten seinerjuristischen Schriften sind dieAbhandlungen ans dem deutschen gemeinen Civilprocesse"(2 Bde., Bonn 182329), dasLehrbuch des deutschen gemeinen Civilproceffes"(6. Ausl.,Bonn 1842) und das auf fünfBände berechneteHandbuch des deutschen gemeinen bürger-lichen Processes", von dem aber bis jetzt nur der vierte und fünfte Band,Über die Lehre vonden Rechtsmitteln" (Gieß. 183140), erschienen sind. Wie er sich durch diese Arbeiten denRuf eines ausgezeichneten Germanisten und Processualisten erwarb, so fand er auch alsDocent bei seinem klaren Vortrage und bei seiner juristischen Gelehrsamkeit großen Beifall.Seit 1829 war er als Regierungscommissar, später als Mitglied der ersten Kammer derHess. Ständevcrsammlung vielfach thätig, wobei er sich stets als eifrigen Freund des Monar-chismus und Ministcrialismus zeigte. Seine Bedeutung im Hess. Staatsleben ist vongroßer Wichtigkeit, und er äußert den Einfluß, den ihm seine hohe Stellung gibt, nach derMeinung des Publicums in entschieden reprimircndcr Weise. Die Frage über das Unter-richtswesen des GroßherzogthumS Hessen, über welche er auch eine Schrift (Gieß. 1839) er-scheinen ließ, zog ihm mehrfache Angriffe zu; in neuester Zeit ist dasselbe der Fall hinsicht-lich seiner SchriftStaatskirche. Gewissensfreiheit und religiöse Vereine" (Gieß. 1845),in welcher er mehre Citate aus Üllmann's Schriften entstellt wicdergegeben hatte und dar-über einer bedenklichen Erwiderung des Letztem sich ausgesetzt sah. Neben den darin unver-holen kund gegebenen hierarchischen Tendenzen verdient bemerkt zu werden, daß er mit demMinister du Thil 1834 an den wiener Ministerconfcrenzcn Theil nahm und die Artikelüber die Universitäten verfaßte.

Linde (Sam. Gottlieb), polu. Sprachforscher, geb. zu Thorn 1771, bezog, nachdemer in seiner Vaterstadt seine Vorbildung erhalten hatte, die Universität zu Leipzig, undwurde hier aufErnesti's Empfehlung 1792 als Lector der poln. Sprache angestellt. Nacheinem kurzen Aufenthalte in Polen begab er sich darauf nach Wien, wo ihn seine Neigungzur slaw. Literatur dem Grafen Ossolinski (s.d.) zuführte, der ihn zu seinem Bibliothekarmachte und an dem er einen einsichtsvollen Führer in seinen Studien fand. Im I. 1803wurde er von der preuß. Negierung als Rector des Lyceums und Obcrbibliothekar nachWarschau berufen, welche Ämter er lange Jahre verwaltete. Hier gab er unter Beihülfeder ersten slaw. Sprachforscher sein berühmtes großesWörterbuch der poln. Sprache"(6 Bde., Marsch. >80714) heraus, das zwar zunächst nur das Verhältniß der poln.Sprache zu den übrigen slaw. Dialekten darstellen soll, doch auch über den Wortrcichthumsämmtlicher slaw. Mundarten, die Abstammung und Verwandtschaft einzelner Wörterdie gründlichsten Nachweisungen enthält und für die slaw. Etymologie von der größtenWichtigkeit ist. In Anerkennung der großen Vorzüge des Werkes wurde nach Vollendungdesselben dem Verfasservon den dankbaren Landsleuten" eine große goldene Medaillegeweiht. Während der Revolution von 1830 hatte er als Director der Landesbibliothekund als Deputirter von Praga und Mitglied des Reichstags eine gefahrvolle Stellung.Bei Reorganisation des Schulwesens in Polen im I. 1833 wurde er wieder zum Directordes Gymnasiums zu Warschau und des Schulwesens für das Gouvernement Masowienernannt, doch schon 1838 gab er seine öffentlichen Ämter auf. Außer dem Wörterbuch gaber noch heraus eine poln. SchriftÜber das lithauische Statut" (Marsch. 1816) und